Nr.570.36.Itchrg. Bezugspreis: Vie-teljährl. 10�0 ÜRL, montül. 3,50 Mi. frei ius Haus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich S,öO MI.«rkl. Sit- ftellungsgcbiihr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 6,75 Mb. für das übrige Ausland 10,75 Ml., bei täglich einmal. Sustellunz 8,75 Ml. PostbesteUuugen nehmen an Däncmarl, Holland, Luxemburg. Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Poft-Zeitungs-Preislisie. Der„Vorwärts� mit der Sonntags- beUage„Polt u. Seit" erscheint Wochen- täglich zweimal. Sonntags einmal. Morgen-Ausgabe. Telegramm-Adreffe: «Sozialdemokrat Berti«-. berliner Dolksbleltt ( ISpksnnig) Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonpareillezeil« lostet 1,8!) M.. Teuerungszuschlag SO«,». «Kleine Anzeigen-, das fett- gedruckte Wort 75 Pfg.(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weiter« Wort 50 Pfg, Stellengesuche und Echlafstcllenanzetgen das erste Wort 85 Pfg., jedes weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungsznschlag 50°/«. Familien- Anzeigen, politische und gewertschaftliche Lcreins- Anzeigen IM Mt. die Seile. Anzeige» für die nächste Nummer müssen bis ß Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr jrüh bis b Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratifcben parte« DeutfcblandQ Reöaktion und Expedition: 6X0.6$, Lindenstr. Z. aeruivrecher: Amt Morivpla«. Nr.»ZI Sit— 13» i»7. Freitag, de« 7. November 1N13. Vonvärts-Veriag G.m.b. h-, 6X0. 6$, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt MorittPlaN, Nr. 117 SS— 2t. Der 7. November. Mitten in die deutschen Revolutions-Erinnernngen vom vorigen Jahre fällt der Jahrestag der bolschewisti- s ch e n R c v o I u t i o n. In der Nacht vom K. auf den 7. No vembcr 1917— es sind also zwei Jahre her— hat nicht etwa ein Slrbciterorgan. sondern das von den Bolschelvicki ein gesetzte„Militär- Revolutionäre Komitee" die wichtigsten Stellen in Petersburg besetzen lassen und so ohne j e g liches Blutvergießen die Macht an sich gerissen. Die offiziellen Geschichtsschreiber der Bolschciviki und sonstige Theoretiker, die sich berufen fühlen, den Wissenschaft lichen Unterbau für diese Uniwälznng zu konstruieren, er klären diesen sozusagen sriedlichen Verlanf der Gcschehnissi dadurch, daß die Lage reis geworden sei, damit das Prole tariat ans Ruder käme. Und so zählen die deutschen freunde der russischen Bolschelviki den Tag des 7. November 1917 für wichtiger als die Erinnerung an das„belanglose" Ereignis vom 9. November des Vorjahres. Leider ist der Marxismus sehr vieler seiner Epigonen zunr reinen Fatalismus geworden. Was geschieht, bekommt seine„historische" Erklärung,' gerät in das zugehörige Ord nungsfach und damit Schluß. Ter Petersburger Putsch vom 7. November 1917 hat voll dieser Seite das Etikett des Prolctarierausstandcs angehängt bckoninlen. Man muß ja unbedingt jede� Ereignis aus ökonomisch-niaterialisti scheu Ursachen ableiten und als einen Vorgang des Klassen kampfes erscheinen lassen. Zur cviiodische Ereignisse lasse— nach dieser Auffassung— der Lauf der Geschichte gar keinen Raum. DaS ist aber in Wirklichkeit und vollends in nliseren bc wegteii Zeitläuften mit seinem Durdjeiliander der Faktoren und des unsicheren Gleichgewichts nicht der Fall. Wir sehen, daß dem bolschewistisch-militärischen Putsch keine besondere Aktivität der Arbeiterklasse vorangegangen war. besonders wenn man die riesige Anspannung des sozialen Kampfes in den Monaten Oktober bis Dezember des Jahres 1995. als die c r st e Revolution herrschte, zuni Vergleich betrachtet. Nicht mal in Petersburg war es besser. Jin Gegeilteil, in der entscheidenden Sitzung des Petersburger Sowjets, in der das Militär-Revolutlonäre Äoimtee gewählt wurde, ivaren, trotz aller vorangegangeucn Agitation der Bolschcwiki. von den über 1999 Arbeiter- und Soldateudeputierteu ctivaS mehr als 499 Mann anlveseud, von denen rund LL9 für den bolschc- wistischen Beschluß stimmten. Also ein Viertel, wovon wiederum ein großer Teil Soldaten waren' Die Bolschiiviki versprachen fest und ohne Deutung, den Frieden, dazu noch den„demokratischen Frieden" zu geben. Sie haben aber dem General Hoffmann und den deutschen Annexionisten nur ihre Aufgabe in jeder Hinsicht leichter gemacht. Schon dadurch, daß sie die Parole des Frontverlassens propagierten. Als sie dann in einem hellen Augenblick, einen Versuch der Auflehnung gegen die deutschen Unterdrücker machen wollten, da beineikten sie. daß sie keine Soldaten hatten. Um ihre Parteiherrschaft zu retten, Pak ticrten s i e mit den deutschen Macht hadern von rechts. Das geschah in B r c st- L i t o w s k, dem Unvergeßlichen. Ohne Brcst-Litowsk wären der„9.November" und das Kriegsende vielleicht um mehrere Monate früher eingetreten. Die konstituierende Vcrsamnilung, für deren Einberufung sich die Bolschewiki in die Schanzen warfen, wurde von ihnen zwei Monate nach Aittritt der Herr- sckaft gleich bei der ersten Sitzung a u f g e l ö st. weil angcb- lich„das Proletariat" über den bourgeoiscn Parlamentaris- mus„enttäuscht" war, in Wahrheit aber, weil ihre Partei — trotz der Wahlbeeinflussung— in der M i n d e r h e i4. war. Das Gehciiums, wie diese„Stimmung" des Proletariats ergründet wurde, ist nicht bekannt gegeben worden. Konute doch in den ersten Sitzungen des Zentralexekutivausichusses — Noveniber und Dezember 1917— darüber geklagt iverden. daß sogar die Sitzungen dieser„regierenden�' Körperschaften wochenlang nicht einberufen wurden, was während der nien- schewistischen Periode niemals der Fall gewesen war!" Gegen die T o d e s st r a f e!— lautete die Parole der bol- schewistischenRevoluiion. Demgegenüber zur Illustration hier nur ein Befehl des Sowjets der großen Gouvernementsstadt Ore l: „... Derartiges ivildes Reiten in den Straßen ruiniert voll- kommen den Pfcrdebestand. Wer sich eines derartigen ReitenS schilldig macht, waS ci» Verbrechen ist, wird erschösse n." Das veröffentlicht das Zentrolorgan der Moskauer Regierung („Jswcstija" Nr. 2L1 vom 11. Oktober 1918) ohne Kommentar, nur mit dem unschuldvollen Zusatz:„ I st das nicht zu streng?" Ist daS wirklich eine Regierungsform, die solche Zustände duldet? Und nun die Agrarfrage. Das Land wurde „soz i a l i s i e r t Das heißt, es wurde ein Soziali- sierungsdekrct erlassen. Ter Sozialismus besteht aber darin, daß auf dem Lande die größte Anarchie, die eS je- mals in einem großen Staate gab. herrscht. Der Groß- grundbesitz ist allerdings vernichter, aber aus der Bauern- Amerika ratifiziert nicht. ?n diesem Jahre keine Mstimmung. Wie dem„Echo de Paris" aus Washington gemeldet wird, sind die E i n i g n n g S v e r h a n d l u n g e n zwischen Republikanern und Demokraten gescheitert. ES gilt als sicher, daß Wilson und die amerikanische Regiermig den Friedensvertrag u» r a t i s i» ziert»ach Paris zurückschicken und daß in diesem Jahr keine Abstimmung über de» Friedensvertrag im amerikanischen Senat stattfinde» wird. Der Dergarbeiterstreik in Amerika. Der Bergarbeiterüreik in Amerika dauert an. Die unversöhn» liche Stimmung der Ncgierungskreise führt möglicherivcise zu einer Verschärfung des Streiks. Die Grubenarbeiter wollen nicht vor Aufnahme der Lerhandlungen zur Arbeit zurückkehren. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Eisenbahner den Streik durch eine eigene Aktion unterstützen. Unmittelbare Folgen des Streiks sind die Stillegung der Kohlenausfubr aus den Ver- einigten Staaten und die Gefährdung der LebenSmittclauSfnhr nach Enropa. Von der amerikanischen Regierung sind o2 Jiisantericrcgi- mentcr, 23 Arüllerieregimenter, 4 Kavallerieregimenter, 20 Ma- schiuengewehrbalailloiie und zahlreiche technische Truppen zum Schutz der Bergwerke und der Arbeitswilligen entsandt worden. Die Nieöer!age Iuüemtschs. Judeuitich muß sich unter dem Druck des starken bolschewistischen Angriffes weiter zurückzicheu. Er ist jetzt bis a n d e it P e i p u s- s e e zurückgewichen. Die Bolschewiki haben alles, was an militärischen und zivilen Kräslen frei gemacht werden konnte, zur Verleidigung Petersburgs und zum Angriff gegen Judenilsch zu- sammeugeholt, Der seil k>cm Frühjahr dauernde Feldzug JudeilitschS gegen Petersburg ist vollkommen gescheitert. In der Gegend des Peipussees nehmen die B o l s ch e w i st r n ein U in g e h u n g ö m a n v v e r mit Kavallerie vor und greisen gleichzeitig heftig in der Richtung auf P l c s k a n an. Die Bolschewiki versuchen mdessen durch verschiedene Austuse die gegnerischen Elemente im Lande und den Randstaaten zu ver» söhnen. Eine große allgemeine Amnestie für politische Verbrecher ist bereits angeordnet. Nach einem Weißbuch der britischen Regierung hat England iür die Unterstützung der Operalioneit gegen Sowjeiruß- land seit dem Waffenstillstand 89 Millionen Pfund Sterling aus- gegeben(nach dem gegenwärtigen Kurs mehr als 19 Milliarden Mark). Ein Antrag im englischen Unterhaus auf Herabsetzung der Kosten der Heeresverwaltung mit Bezug aus die Ausgabe» für Rußland wurde mit 2öl gegen 52 Stimmen verworien. Der Tschecheuführcr K r a m a r i ch hat sich von Konstantinopel nach Odessa eiiigeschifil, um dort für die Vereinigung aller russischen Demokraten gegen die Sowjetregierung zu wirken und einc großrussische FSderativrepublik zu schassen. Kramarsch selbst scheint Absichten zu haben, der Präsident dieser Republik zu werden. Aus.He Ising so rs wird gemeldet: Ter sinnische Staats- sekrotär Vennoia erklärte im Riködag, daß Finnland, obwohl es den Kamps gegen den Bolschewismus fortsetzen wird, sich nicht in die i ii n c r c n Angelegenheiten Rußlands einmischt. Die Frage der finnischen Jnterveniion kann hiermit ais erledigt betrachtet werden. Der Entschluß der Regierung, nicht zu intcr- vciricren, ist lediglich eine Folge des Verhaltens der sinnischen Arbeiterschaft, die fast ciustimmig gegen die Intervention Stellung genommen hat. Der rote Vollzugsrat aufgelöst! Der Oberbefehlshaber(gez. N o s k c) erläßt folgende Bekannt- machung: Der V o l l z u g S r a t der Arbciterriitc GrosstBerlin hat fort- gesetzt seine durch die bestehende Verfassung des Deutschen Reichs nicht begründete Stellung daz» benutzt, um Unruhen nnd Zwiespalt in die Reihen de» besonnenen Arbeiterschaft z» tragen. Er hat durch den Aufruf„An die Berliner Arbeiterschaft" in der Morgenausgabe der„Freiheit" vom 5. November 191i> unter wahrheitswidrigcr Begründung zum politischen General- streik gehetzt und aufgefordert. Durch dieses Treiben bildet der Vollzugsrat eine unmittelbar drohende Gefahr für d>e öffestlichc Sicherheit„nd Ordnung. Auf Grund des§ 9 des Gesetzes über den Belngerungszustaud wird daher im Interesse der örtlichen Sicherheit hiermit der Vollzugsrat der Arbeiterräte Groß-Berlin für aufgelöst erklärt. i Jegliche weitere Tätigkeit, wclckier Art und welchen Inhalts sie sei, ' wird hiermit verboten. Zuwiderhandlungen gegen dieses Ver- bot werden mit Gefängnis bis yj einem Jahr bestrast, sofern mich den bestehenden Gesetzen eine höhere Strafe nicht verwirkt ist. Scharfes Verbot der Kommunistcnvcrsaminlungen. Trotz des Erlasses des Reichöwehrministers bezüglich eines Verbots der Feier des 7. November scheinen die K o m m u n i st e n doch dieses Verbot nicht beachten zu lvollcn. Im Lause des gestrigen Donnerstag wurden, namentlich im Osten und Norden der Stadt, Hand- zeitel verteilt, die zum Besuch derartiger Versammlungen auf öffentlichen Plätzen und Parks ausfordeni. Es kann nicht dringend genug davor gewarnt iverden, diesen Aufforderungen nachzukom- inen. Die Regierung hat sehr scharfe Maßregeln getref- fen, um derartigen Demonstratwnen von vornherein die Spitze ab- zubrechen. Alle derartigen Plätze werden durch Mannschaften der Sicherheitspolizei im weitesten Umfange abgesperrt und Zuwiderhandelnde sofort verhaftet werden. Der Bildung von Demonstrationszügcn soll mit aller Gewalt entgegenge- treten werden. freiheitliche Irreführung. Die„Freiheit" versucht in ihrer AbendouSgabc vom Donners» tag. den 9. November, aufs neue zilm G e n e r a l st r e i k, der durch �ie vernünftige Halluiig der Arbeiterichail abgelehnt wvidcii ist, autzursizen. Sie berichtet über einen angeblichen Befehls- empfang im Generalkommando Lüttwitz, der dazu gedient haben soll, zahlreiche Haftbefehle der Vollstreckung zuzuleilen. Ein solcher Befehlscinpsang im Generalkommando Liiltivitz hat nicht statigetunden. Die Reichswehr hat überhaupt mit der Exekutive solcher Maßnahmen nichts zutuiij zuständig ist allein die Sicher« heitswehr. Niemals hat der Reichswehrmini st t r beabsichtigt, in den wirtschaftlichen Kampf der Mciallarbcitcr irgendwie einzugreifen. Haftbefehle sind nur erlassen worden gegen Unter- zeichner des Ausrufes zum politischen Generalstreik. Außerdem ist der sogenannte Rote VollzugSrat, dessen Wirksamkeit der recht- lichen Basis entbehrte, aufgelöst worden. Einigung im Siegerlanö. Nachdem durch Eintreffen der t e ch n t s ch e n N o t h i l f e und zugezogene Arbeitswillige die Wiederaufnahme der Notstands- arbeiten gesichelt war, und die Reichswehr zum Schutze Arbeitswilliger einrückte, wurden die abgebrochenen Ver Hand- tun gen i» Siegen wieder aufgenommen. Sie führten am Donnerslag zur Einigung. Damit kanii der Streik im Sieger- land als beigelegt gelten. schaft heraus sind neue Schichten wirtschaftlich kräftiger Bauern ciitstaildeu, der Privatbesitz an Land und Boden und Produktionsmittelit hat sich ungeahnt befestigt. Da- zu kommt der unerbittlich scharfe Gegensatz und die Feind- schaft des Dorfes gegen die Stadt. Die Städte sind verödet. Die Industrie arbeitet so wenig, daß nur die unumgänglichen Bedürfnisse der Kriegführung mühselig befriedigt werden. Die Stütze der sozialistischen Regierung, wenigstens nach unseren Begriffen— der Träger des Sozialismus, daS Proletariat, existiert ja eigentlich nicht. Das Proletariat ist unter die Bauern ge- gangen. Ein eigenartiger Sozialtsmus, eine eigenartige sozialistische Regierung, die so meisterhaft verstand, alles, alles— die Industrie voran— zu zerstören, zu untergraben, unmöglich zu machen. Äusgehungcrt, zermürbt, beispiellos erschöpft, findet Sowjet-Rußland noch Kräfte, itm der anrückenden z a r i st i- scheu Gegenrevolution zu trotzen und ihr Schläge beizubringen. Auch dieser Widerstand erscheint dem fremden Beobachter nicht erklärlich. Die Erklärung liegt aber auf der Hand. Tie Rote Armee der Bolschcwisten ist jetzt nicht mehr die aus Matrosen, Letten, Chinesen, Koreanern, deutscken und ungarischen Kriegsgefangenen und knrnmunisttschen Arbeitern bestehende Truppe, sondern wieder, wie in der Zarenzeit, in der Hauptsache eine B a u c r n a r m c e. Diese Bauernarmee kämpft den letzten Kampf aus gegen die Grundbesitzer und z a r i st i s ch e n H a u d- l a u g er, die mit Denikin, Koltscliak. Judenitsch u. a. anrücken und Hand auf das von der Bauernschaft in Besitz ge- nommene Land legen wollen. Wie ans allen anderen Gebieten, sind die Bolschewiki auch in der Agrarfrage, der ausichlaggebenden Frage Rußlands, die Geschobenen. Sie stehen jetzt mit ihrer Roten Armee an der Spitze der g e>v a l t i g st c n Agrarbewe- g n n g der Weltgeschichte, und— sosern sie diesen Kampf, der allerdings nicht das geringste mit d e m gemeinsam hat. weS» wegen sie zwei Jahre lang die russische Revolution niit Füßen getreten haben, durchführen— kämpfen sie. nach zweijährigen schrecklichen Wirrnissen» zum erste n Male für den Fortschritts gegen das alte, reaktionäre Regime. Das hat unsere Genossen und andere sozialistischen Gruppen und Parteien im Sowjet-Rußland in letzter Zeit veranlaßt, den bolscheivistischen Machthabern ihre Unterstützuug zur Verfügung zu stellen, damit der Widerstand gegen die Gegenrevolution verstärkt wird. Allein Anschein nach ist auch die Sowjet-Regierung entgegcnkommciider gestimmt. Jetzt haben daher die westlichen Demokratien das Wort. A. G r i g o r j a n z. die Haltikum-Verfthworung. 5fn der Abendausgabe vom Z. ds. brachten wir die Mit- teilung, daß bei der Aushebung eines Wcrbcbureaus für das Baltikum ein als geheim und vertraulich bezeichnetes Schrift- stück gefunden worden sei, das die Namen verschiedener i m Auswärtigen Amt tätiger Herren enthalte, die von dort aus als V e r t r a u e n s l e u t e f ü r d i e B a l t i k u m- Sache tätig seien. Dieses Schriftstück, an den Grafen von der Goltz— den Bruder des oft genannten Gene- rals— adressiert und vom Zweckverband Ost abgesandt, hat, wie wir nunmehr erfahren, folgenden Wortlaut: „Hochverehrter Herr Graf! Aus guter Quelle erfahren wir, daß Herr Dr. B a ch voni Auswärtigen Amt Wer das deutsche Konsulat in Schweden amtlich mit den Generälen D e n i k i n und Judenitsch wegen Lieferung von Waffen und Munition an die russische Armee DenikinS verhandelt. Wir geben diese Nachricht vertraulich zu Ihrer Kenntnis mit der Bitte um Ueberprüfung und baldige Mitteilung Ihrer Beur- teilung all uns." Ein Herr Dr. Bach ist nun, wie uns mitgeteilt wird, im Dienste des Auswärtigen Amtes nicht bekannt. Von den angeblichen Verhandlungen hat das Auswärtige Amt ebensalls keine ftenntnis. Die Anschuldigungen gegen das Amt, die nicht wir, ober andere Blätter erhoben haben, sind demnach hinfällig._ tzugo Haase. Ter Zustand des Abgeordnelen Hause hat sich im Laufe des Donners tagabe n d nicht geändert. Wenngleich eine unmittelbare Gefahr für die Nachj nicht erwartet wird, kann ail feinem Nicht- wiederaufkommen kaum noch gezlveifelt werden. Der Wieöeraufbau öer zerstörten Gebiete. Der R e i ch S in i» i st e r für Wiederaufbau Dr. G e ß l e r hatte am ö. November d. I. die Mitglieder der für die Vorbereitung der Aufbauarbeiten in Nordfrankreich eingesetzten Kommission, sowie Vertreter der Zentralarbeitsgememschast der industriellen und gewerblieben Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands und der ReichsarteitSgemeinschaft für das Baugewerbe zu einer Besprechung in das Reichsmiiüsterium für Wieder. auf bau eingeladen. An der Besprechung nahm außerdem der Neichskommissar Dr. Hilbenz teil. SS wurde über den Stand der bisherigen Vorarbeiten berichtet, um dem Minister ein Bild dieser Arbeiten zu geben. Dabei stellte sich heraus, daß die Vor- arbeiten deutscherseits zu einem gewissen Abschluß gelangt sind, so daß mau nunmehr praktische Ziele ins Auge fasten kann, lieber- einstimmig bestand, daß bei allem guten Willen, den wir an die Ausnahme und Durchführung der Aufbauarbeiten setzen wollen, der Zeitpunkt der Inangriffnahme und die Art der Durchführung in erster Linie nicht von uns, fondern von den F r a n z o s e il abhängig ist. Schließlich wurde seitens des Ministers der Wunsch zum Aus. druck gebracht, daß die Zentralarbeitsge mein schaßt im Benehmen mit den Arbeitgeber- und Arbeitnehmer» organisationcn besondere Kommissionen einsetzen sollen mit der Aufgabe, praktische Vorschläge über die Regelung des A r b e i t e r r e ch t s, der Woh l fahrt seinrich- t u n g e n und der Arbeitsvergebung vorzubereiten. Die Vorschläge sollen bis zum 20. November bei dem Reichsminister für den Wiederaufbau eingereicht werden. Ausweisungen aus Elsaß-Lothringen. (Eigener Drahtbericht des„Vorwärt s".) Bafel, 6. November. Millerand hat neuerdings 2000 Personen darunter Deutschschweizer und Luxemburger wegen des Verdacht« der Propaganda für Deutschland aus Elfaß-Lothringen ausgewiesen. Der Leitungsöraht. Don W i l h. L e n n e m a n n. In blinkender Höhe spannt sich der rot« Leitungsdraht durch die Straßen der Staidt. Links und rechts wird er gestützt von kurzen, haltenden Drähten, die sich an die Häuser anklammern. Und draußen, wo er zwischen den Villen und Gärten hinläuft, senkt sich in eleganter Grazie ein eiserner Arm von oben herab und strommt ihn. Ein weitverzweigtes Netz solcher Drähte überspannt die Stadt, läuft weit ins Land hinein und verbindet sich in der nächsten Zenkvale mit einem gleichen System. Sie alle haben in der weisen Erkenntnis, daß nur in der Geschlossenheit die höchste Macht liegt, sich zu gemeinsamer, treuer Arbeit verbunden; sie spenden dem Volk und dem Land- die Kraft und den Willen, den Tag auszu- nutzen durch Arbeit und regsame Schaffenslust. Und das zehrt von dieser Kraft und dankt ihnen; selbst mittelalterliche, kons«. vative Handwerksmeister, die ein blinder Feind jeg'.icher modernen Regung sind, müssen dennoch notgedrungen ihre nutzbringende, dem Gemeinwohl dienende Tätigkeit annkennen. Aber da war ein Draht, den verdroß diese aufbauende Tätigkeit der Genossen, er verspürte keine Lust, sein einzelnes, beschei- denes Vermögen im Gleichstrom der Gesamtheit untergeben zu lassen. Er fühlte ein Eigenleben in sich; die Nackbarschaft der Drähte verdroß ihn wie ein Gängelband, an dem er gehalten wurde. Tie Zufriedenheit der Genossen nannte« Faulheit und Verrat an der ursprünglichen Kraft, die in ihnen lebendig war. Er wollte seine eigenen Wege gehen und nicht immer hübsch manierlich mit den schwarzen Gleisen da unten, mit denen sich die Brüder anscheinend auf Tod und Leben verbunden hatten, in gleicher Bahn laufen. Von solch philisterhailen Schwächen fühlte er sich wirklich frei. Daß ohne Sie unterstützende, mitwirkende Kraft der schwarzen Gleise auch er zur Untätigkeit verdammt worden wäre, wußte er nicht oder wollte er nicht Wiste». Wie er sie haßte, diese unbeholfenen, schwarzen Schienen, die da auf der verachteten, bürgerlichen Erde liefen! Sein aber war das weit«, unendliche Luftmeer! Der Draht hatte Höh-ngedanken. die wohl beachtet zu werden verdienien. Und dieser Stolz und die Empörung über die Vergewaltigung und Schmach, die ihm angetan waren, sprühte« zuweilen ihre glühendsten ZorneSgedanken knatternd heraus, wenn ihm die De- urütignng gar zu schmerzhast dünkte. Ach, und welch starke Kraft fühlte er in sich! D'e Himmel hätte er stürmen, Hie Welt umfassen mögenl Wer ging eS nicht jedem drangvollen Genossen ähnlich! Wurden sie nickt alle von ballenden, törichten Händen ins Joch gezwungen, daß sie der All- täglichteit die Aecker bauten! Der Draht war entschieden unzufrieden mit seinem Schicksal. Und damit begann sein politisches Denken. Er stellte sein Pro- Tarifabschluß im Nuhrkohlenbergbau. Aus dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: Nach monatelangen, manchmal kritischen Verhandlungen ist am 2ö. Oktober ein zwischen dem Zechenverband und den Gewerk- schatten der Bergarbeiter abgeschlossen« Tarifvertrag erst- malig unterzeichnet worden. Am 1. November nahm in Bochum eine von über 400 Funktionären des Bergarbeiter- Verbandes, über neun Zehntel aller noch im Bergbau beschäs- tigten Knappen, nach musterhaft sachlicher Diskussion den Tarif- vertrag e i n st i m m i g an. Damit ist ein gewerkschaftlicher Tarif- vertrag von ganz außerordentlicher sozialpolitischer Bedeutung in Kraft getreten Ex gilt rückwirkend vom 1. Oktober ab unkündbar bis zum 3l. Dezember 1913, kann dann mit einmonatiger Kündi- gung zum MonatSschluß gekündigt ivevden. D« Tarif umfaßt sänitliche(über 23 0) Schachts Ii lagen im rheinisch- westfälischen Kohlenbergbau mit fast 440 000 Arbeitern. Schichtzeit, Urlaubszeit, Gedinge- und Lohnfrage, Lieferung von Arbeitsgeräten, Deputatkohlen, Arbeitsnachweis, Schlichtung von Streitfällen, Mitioirkung der Betriebsräte und noch eine Reihe anderer Arbeiterangelegenheiten loerden durch diesen Tarif einheit- lich für«in Riesenheer von Arbeiten, geregelt oder doch einer zeitgemäßen Regelung iiähergebracht. Für nicht weniger als 73 Ar- beiterkategorien sind Akkord(Gedinge-) und Schicht» löhne vereinbart, wobei für die bisher wirklich zu gering ent- lohnten Gruppen Schichtlohnerhöhnngen von 8 bis 6 M. heraus- gekommen sind. Das Akkordwesen hat eine zeitgemäße Reform dahin erfahren, daß künstig nicht mehr der„reine Akkordlohn" aus- gezahlt wird, sondern der Lohn der Hauer, Lehrhauer und Schlepper setzt sich zusammen aus einem f e st e n T a r i s g r u n d l o h n, der nicht unterschritten werden darf, und dem, was außerdem a u f das Gediuge verdient wird. Dadurch wird vermieden, daß man dein Gedingearbeiter nur auszahlt, was er jeweils auf das Gedinge erzielen konnte, und es ist auch den einzelnen Gedingekamerad- schaften der Anreiz gegeben, ihre Arbeitsintelligenz wirtschaftlich zu verwerten. Di« einstimmige Annahme des Tarifvertrages durch die große Versaunnluiig der Bergarbeiterocrbandsdelegierten zeigt hinlänglich, daß die praktischen Bergarbeiter mit dieser neuen Regelung der Akkord- und Schichtlohn frage einverstanden sind. Wo der Tarifvertrag noch verbessert und ergänzt werden muß, hat die Praxi» zu lehren. Bis zuletzt lixir strittig die Frage, in welchem Ausmatze auS dem Tarif evtl Rechiscmsprüche herzuleiten wären. Dieserhalb hatten die Vertreter der Bergarbeiierorganisationen und des Zechenverbandcs am 30. Oktober eine Besprechung niit dem R ei ch s a r b ei tS m i n i sie r Schlicke. Tiefer erftärte, daß »Rechtsansprüche nur de« Mitgliedern der vertragschließenden Verbände, keineswegs aber Außen- siehenden" zuständen. Mit dieser Rechtsaussassung erklärten sich beide Parteien einverstanden. Nichtorganisierte Bergleute können demnach geringer als tariflich entlohnt werden, ohne daß sie des- wegen einen gerichtlichen 5Aageanspruch haben, I b'/e Pfennige Pension. Schlesien ist als das Land de» Weberelends bekannt. Immer- hin wird man auch die elendesten Weber aus den schlimmsten Zeiten Schlesiens noch als reiche Leute gegenüber denen darstellen müssen, die heut« in Schlesien von der Pension leben müssen, die die Kirche an treue Diener od« deren Hinterbliebene zahlt. AuS Hirschberg in Schlesien wird unS berichtet, daß die Witwe des Kantors Bormann, der jahrelang gewissenhaft sein Amt ver- sehen hat, eine Pension von Kü M. jährlich, also pro Tag noch nicht IStv Pfennige bezieht. Das Konsistorium der Provinz Schlesien ist um Nachprüfung des Pcnsionssatzeß gebeten worden. Die Behörde hat erklärt, daß sie über Nüttel nicht verfüge und hat die An- gelegenhcit an den Gemcindekirchcnrat von Hirschberg weiter- gegeben. Dieser bewilligte ein:„außerordentliche" Unterstützung von 100 M. Daraus wurde an den Oberkirchenrat in Charlotten- gramm auf. Also was wollte er seinen Genossen lehren und ihnen erobern: 1. Gründung einer Unabhängigen Stronipartei, kurz U. S. P. genannt. 2. Befreiung der unabhängigen Stromer(so dachte er sich die Benennung der eingeschriebenen Mtglieder) von allen haltenden staatlichen Stützen m Dorf und Land. 3. Das Selbstbestimmungsrecht der U. S. P. über sich und die unmündigen Massen. 4. Das unumschränkte Recht auf weiteste straflose Auswirkung der eigenen Kraft, d. h. gegebenenfalls durch Gewalt und Strom- ervtziehung alle Betriebe stillzulegen, die sich der höheren politischen Einsicht, licht beugen wollten. Je länger der Draht aber die Pläne erwog, die zur Erreichung dies« Ziele dienen sollten, und je länger er sich noch als Sklave der herrschenden Richtung fühlte, desto gefährlicher auch wuchs in ihm eine Art Drachengift und durchsetzte tödlich das Nestlein frommer DenkungSart, das ihm»och von seinen bescheidenen so- zialen Anfängen her geblieben war. Er begann revolutionär zu denken und zu fühlen. Er dachte schon einnial daran, einen Dkasscnaufstand aller Leitungsdrähte zu organisieren, daß aller Verkehr und alle Arbeit ruhten und die alte morsche Kultur rettungslos verdürbe. Aber die Genossen nannten diesen Vorschlag eine» Wahnwitz und wollten nicht? von ihm wissen. Und immer wieder, wenn es ihn frühmorgens mit einem heißen Schlag durchzuckte und der erste Wagen seinen Polypen- arm nach ihm ausstreckte, da /schoß er wohl mit der rasenden knat- wenden Wut, deren er fähig war, in daS Gestänge und Räderwerk, aber er zertrümmerte den Wagen nicht— er trieb ihn nur vor- wärts! Die Ohnmacht machte ihn fast besinnungslos. Einmal nur möchte er seinen Zwingherrn in Haß und Verzweiflung vergelten, was jahrelange Vergewaltigung und Erpressung ihm UebleS getan. Einmal nur in furchtbarem Zorne seinen eigenen Weg gehen dürfen! Er begann über den Anarchismus der Tat nachzudenken.— Und an einem Morgen sollte sein rachedürsiendes Herz zur Ruhe kommen, sollte seinem unabhängigen Tatendrang Genüge ge- schehen! Ein furchtbarer Sturm wühlte im den Straßen der Stadt und stieß'n die Drähte, daß sie aufschrien in Schmerz und Lust. DaS ist das Sturmlied der Befreiung! jubelt« der unabhängige Draht, und er bog und dehnte sich in unerhörtem Drange... Und auf einmal gab«S einen klingenden Knacks, und zerrissen fiel er, befteit von allen Banden, mit dem einen Ende auf Schienen und Pflaster. Der Drahd jauchzte hell auf und suchte nach einem Opfer, sein Gift auszusprühen, nach einem Betätigungsfelde, seine Kraft zu erweisen. bürg appelliert mft dem Bemerken, daß der Pensionssatz nachge- prüft werden solle und daß nicht eine einmalige Unterstützung be- antragt worden sei. Seit September ist bis heute ein Bescheid dar- aus noch nicht eingelaufen. Wenn die Dame nicht ein geringes Vermögen hätte, wäre sie längst verhungert. Die Herrschaften sollten sich wenigstens schämen. Aber so weit scheint es bei ihnen nicht zu reichen. Kleine politische Nachrichten. Schmutzige Methoden. Das Badebild von Ebert und Noske, das seinerzeit viel Aergernis erregt hatte und von dem Blatt, daS es zuerst brachte, nachträglich bedauert wurde, dient nock immer im Kampf der Alldeutschen gegen die Republik als Waffe. Welch' geistigen Tiesstand dies bedeutet, bedarf keiner besonderen Hervor« Hebung. Das sonntäglich erscheinende Blatt.Die Aufreckten" ver» öffentlicht nunmehr das Badebild EbertS allein, und ein Sonder- druck wird zur Massenveibreitnug benutzt. So wurde die Sudel- fchrift auch im Aufenthaltsraum der Beamten des Fernsprech-- amteS Moritzplatz ausgelegt. Im Grunde genommen können wir unseren Gegner für diese Art des KampieS dankbar sein, denn sie dürste auch den der Republik feindlich gesinnten Beamten die Augen darüber össncii, von welcher Qualifikation die Kreise sind, die um sie werben. Der„heilige Geist" wieber auferstanden? Zu dem unter dieser Ueberschrift in der Abendnummer vom 27. v. M. beschriebenen Borfall teilt uns das Reichswehrmimsterium mit, daß eine Unter- suchubg eingeleitet ist und die zwei belasteten Offiziere vom Dienst enthoben sind. Im übrigen sei das Vorkommnis übertrieben dar. gestellt, es wird aber natürlich vom Reichswehrministerium jede Ausschreitung aus das schärfste verurteilt. Ein Reick, Smilchgesctz ist in Vorbereitung und wird demnächst der Nationalversammlung zugehen. Das Gesetz wird die regelmäßige tierärztliche Untersuchung d« Viebbe- stände anordnen. Alle Tiere mit erkennbarer Tuberkulose sollen abgeschlachiet werden. Jeder, der Milch für den menschlichen Genuß produziert, soll dies der Behörde melden. Der Milchhandel darf nur mit behördlicher Genehmigung ausgeübt loerden. Heimkehr gefangener Sanitätssoldaten. General Nudant� Vorsitzender der interalliierten Waffenstillstcmdskommisston, hat in einer Note an de» Präsidenten der Deutschen Waffenstillstands- kommission mitgeteilt, daß nach einer Entscheidung des französischen Unterstaatssekretärs für Militärjustiz alle bisher in Frankreich zu- rückgehaltenen und nun entbehrlich gewordenen Sanitäts- s o l d a t e n in die Heimat entlassen werden sollen, so weit eine derartige Maßnahme vereinbar ist mit dem GesundheitS- zustand der deutschen Kriegsgefangenen und den dem genannten Unterstaatssekretär zur Verfügung gestellten Transport- Mitteln. Ter Zeitpunkt der Heimsendung wird noch bc- kanntgegeben. Prof. Eltzbachcr ist nach Mitteilung einer Korrespondenz aus d« Deutsch nationale n Volkspartei ausgefchlos- s e n worden.— Gerade zur rechten Zeit, daß er sich den kommu- nistischen Aposteln des RevanckekriegeS Dr. Lauffenberg und Wo I s h e i m als Dritter im Bunde anschließen kann. Die Auflegung der Priiwiemiilleihe. Auf Grund des Gesetzes der versasiunggebenden Nationalversammlung vom 29. August 19lS und mit Zustimmung des ZehnerauSsckusies der Nationalversamm- lung ist der ReickSfinanzminisler ermäcktigt worden, eine deutsche Sparvrämienanleibe im Beirage von'< Milliarden Mark aufzulegen. Der RcichSsinanzminislcr hat öementsprecheiid angeordnet, daß die Anleihe von Montag, den 10. b i S M i t t iv o ch. den 2S. 11., mittags 1 Uhr; aufgelegt wird und daß Zeich- nungen durch Vermittlung jeder Bank, jedes BanlierS, jeder Sparkasse und jeder Kreditgenossenschaft erfolgen. Revolution in Aegypten. Nachrichten auS Frankreich zufolge ist in Aegypten eine allgemeine revolutionäre Bewegung ausgebrochen- Ein großangelegter Kampf gegen die Engländer soll im Gange sein- Blinder Lärm. All- wegen angeblich geplanten Monarchisten- putsckes in Prag V«hafteren, darunter Prinz Lobkowitz, sind frei- gelassen worden. Em Bauerngesährt trottete in stumpfer Ruhe dahin. Der Knecht dachte nur an das Brusttuch, das er seinem Mädchen kaufen wollte— da, auf einmal springt da« Pferd mit einem gewaltigen Satze hoch und fällt darauf schwer zu Boden. Es zuckt und schlägt wild um sich. ,.A— h," sagt der Draht, der Stromer, und seine ganze tödliche Wut stößt er mil ttefer Lust in den Koloß, der da auf ihm liegt. Bürger rennen hinzu, Wachtmeister springen geschäftig hin und her. „Nicht anrühren!" ruft jemand dem Knechte zu, der Venn Wagen gestiegen ist und nach dem Pferde sieht. Aber schon hat ex in die nasse Mähne gefaßt. Er fliegt zurück, als habe er einen Schlag mit einer Keule bekommen. Dumpf schreiend stürzt er hin und liegt wie tot. Di« Straße wird abgesperrt. Dann kommt die Nachricht, daß der Strom ausgeschaltet sei. Ter Knecht wird ins nächste Haus gebracht. Noch gibt er Lebenszeichen von sich.— Der Arzt spricht immerhin von einer Möglichkeit.— Der Draht wird abgeschnitten. Seine politische Lauf- bahn ist beendet. Ein Arbeiter besieht sich die schadhaste, gerissene Stelle.... „Zerfressen und überspannt I"(zu stark angespannt, meint er) sagt er verächtlich und wirst ihn achtlos beiseite. Nun liegt der Draht auf dem Schrotlager und denkt über sein Leben nach, über die Tragik des Genies, die auch ihn betroffen. über das tödliche LoL der Verkennung und Verachtung. So ver- blutet er seine letzien Tage. Nur hin und wieder steigt ein zaghaftes Erinnern an fein Heldentum der Tat in ihm auf. Aber ganz ichambaft schrumpft es gleich wieder zusammen vor der demütigenden Gewißheit, daß seine politische Tätigkeit nur einen altersmüden Karrengaul und nicht einmal ein Menschenleben zur Strecke gebracht hat. Der Historitrr J»l. v. Pflugk Hartiung iit am November'alt 71 Jabre alt in Berlin aeitorbem Deuische Kai'erg-tchickie und Kriegsaesckickie waren die Pole seiner sebr verzweigten Zchnsistellerei. Er hat ouck eine Veltgetckickne herauSaeo-ben. Marcell Za!z«r lieft Sonntag im Bcetlioocnfaal heitere Dichtungen nou Wilde in Butch.(SloSbrenner, Kottir' Keller, Ltlienci on. Cyr. Morgenstern. Ludw. Tdoma u. n. Autoronabenve oeransloltet die Buch- und Kunstba"dlung Reuß u. Pollack. Kulfütstendanim 220. zum Besten des Deuiicken Schriiiiieller- Schutzverbandes. Freitag 8 Ubr sprechen Klabund und Reil Langer. Sonnabend 8 Ubr Mechlilde LichnowSW. Sonntag 12 Ubr Fr. Kaysiler. Tie prakrikcke««rnerimentalpsychologie im modernen ivirt- ickaftslebcn(mi! Lichtbildern) iii dos Thema des nächilen Wissenschait- Iilben Abend« der Lnimboldi.Hochfckule Dozent Dr. Robert Werner Schulte. DorotbecnstädlischeS fSywnasium, Dorolheenftr. IS, am 8. No- vembcr, 7'>, Ubr abends. Ewkili frei. Tie Militärveriorgungsgcsenc siir das Tentiche Reich. NeclamS Univerial-B btiotbek bellt tn einem focbcn erlchieiicnen ErgänzungShejt (Nr. llOSS) zmamwen: die Verordnung über Aendeiunz des VeiiabrenS in Mililärveriorgungsfachen, die Bestimmungen über Teuerungszulagen und Anrechnung ber Kriegsgesangenjchast, sowie die Erganzungsbeslimmungea über dle Kapitalabfindung. Nr.Z7»»ZS.7chrgimg ÖC0 Zrellag, 7�co°mber 1»I? Sozialisierungsfragen. 74. Sitzung der preußischen Landesversanimlung vom Donnerstag, den 6. November. Präsident L c i n e r t eröfsnei die Sitzung um 12 Uhr 20 Min. Die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die Erweite- rung der Selb st ändigkeits rechte der Provinzial- verbände wird fortgesetzt. Abg. Hoetzsch(Dnatl. Lp.): Das Reich braucht zu seiner Er- Haltung den preußischen Staat; deshalb lehnen wir die Lorlage ab. Ein Regierungsvertreter: Es wäre der größte Fehler, wenn der Staat sich gegenüber den Wünschen der Provinzen nicht nachgiebig verhielte. Im Ausschuß haben die Deutschnatio- nalen auch eine ganz andere Taktik verfolgt; der Abg. v. Kries hat im Ausschuß sogar beantragt, daß die Bestätigung der Pro- vinzstatuten durch den Staat gestrichen wird.(Lebhaftes Hört' hört!) Die Rcichseinhcit kann auch bestehen auf Grund starker Provinzen.(Lebbafler Beifall.) Abg. Dr. Leidig: Nur durch ein starkes Preußen können wir. die traurigen Zustände im Deutschen Reiche über- winden. Abg. Hennig(U. Soz.): Die Losreitzungsbestrebungen sind eine Folge der Politik der Rechten. Die Herren wollen jetzt ein starkes Preußen, weil sie glauben, in absehbarer Zeit wieder die Gewalt an sich zu reißen. Abg. Prelle(D. H.): Das Gesetz befriedigt uns nicht, man muß Hannover seine Selbständigkeit innerhalb des Rahmens des Deutschen Reiches wiedergeben.(Großer Lärm bei den Deutschnationalen.) Abg. Dr. Negenborn(Dnatl. Lp.) begründet noch einmal chaS ablehnende Verhalten der Teutschnationalen.(Während der Rede dieses Abgeordneten herrscht große Unruhe infolge einer sehr lauten Unterhaltung des Abg. Prelle(D. H.) mit dem Abg. Hammer(Dnatl. Lp.) Dieser ruft: Sie sind überhaupt kein Deutscher! Abg. Prelle antwortet: Das ist eine gemeine Verleumdung!) Präsident Leinert verschafft sich durch andauernde Glocken- zeichen nur erst nach langer Zeit Gehör: Herr Abgeordneter Prelle, geredet wird nur von der Rednertribüne aus, ich ersuche Sie, Ruhe zu halten. Abg. Prelle verlangt, daß auch der Abgeordnete Hammer zur Ruhe verwiesen wird. Präsident Leinert: Ihre Privatairgelegenheiten gehen mich nichts an. Abg. Prelle: Sagen Sie das auch diesem Herrn. Präsident Leinert: Herr Abgeordneter Prelle, ich habe von Ihnen keine Aufträge entgegenzunehuien.(Beifall.) Das Gesetz wird danach in zweiter und dritter Beratung ohne wesentliche Acnderungen angenommen. Danach stimmt das Haus in erster und zweiter Beratung auch dem Gesetzentwurf über die Amtsdauer der Mitglieder der Handelskammern zu. , Es folgt die Beratung des Gesetzentwurfs über die K o m m u- nalisierung der Aktiengesellschaft Charlottenburger Wasserwerke. Abg. Brust beantragt die Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung bis nach der Verabschiedung des Reichs- K o m m u n a l i s i e r u n g s g e s e tz e s in der Nationalversamm- lung. Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte wird dieser Antrag gegen die Stimmen des Zentrums und einzelner Demokraten abgelehnt. Das HauS tritt in die Beratung des Gesetzentwurfs ein. Abg. Hcilmann(Soz.); Die Vorlage der Regierung war ein besonders kühnes Sozialisierungsunternehmen, weil nickü nur die Wasserwerke selbst, sondern auch die ein- zelnen Aktien enteignet werden sollten. Die Entschädigung»- frag« sollte einem unparteiischen Schiedsgericht zufallen. Die Vertreter aller bürgerlichen Parteien sind aber dabei geblieben, wenn schon enteignet werden solle, wenigstens volle Entschädigung zu gewähren und den Rechtsweg offen zu halten. Nun stünden die Aktien der Ckxrrlottenburgcr Wasserwerke schon heute weit uurcr pari, wenn die V o I k s b e a u f t r a g t e n nicht am 1. Februar 1919 eine Verordnung mit Gesetzeskraft erlassen hätten, welche den Wasseriverken das Recht gibt, unter Bruck bestehender Verträge mit den Genwinden den Wasserzins zn erhöhen. Es handelt sich hier einfach um die Abfindung eines AusbcutungsmonopolS, dos vor dem Bolksurteil längst verfallen ist.(Lebhafter Beifall l-nkS.) Wenn man die Sozialisierung will, so kann man sie nur aus dem Wege der Regierungsvorlage haben, nämlich durch Einsetzung eines Schiedsgerichts, dessen musterhafte Unparteilichkeit ncht angezweifelt werden kann. Wir bedauern aufs tief'te, daß wir unsere Vorlage nicht vor der R ei ch sv e r f a s su n g verabschiedet haben. Die Verantwortung dafür trägt der Abg. D ö in i n i c u s und die Mitverantwortulig der Abg. Rosenfeld. EZ handelt sich hier um eine erste kleine Probe von praktischem Sozialismus.(Beifall b. d. Soz.) Von einem Sozialisten verlange ich bei einem solchen erste« Sozialisterungsgesctz inner« Wärme und Leidenschaft.(Lebhafter Beifall b. d. Soz. Ad. Hoffmann ruft: Das nenut der Sozialisierung!) Jetzt bleiben nur zwei Möglichkeiten: entweder wir enteignen unter Freilassung des Rechisweges und mit voller Entschädigung, oder wir schicken das Gesetz an die Re i ch s i n sta n z e n, denn diese haben das Recht, trotz der Reichsverfassung das Gesetz anzunehmen. Fallen lasten können wir es nicht. Die Bürger von Groß-Berlin ertragen es nicht mehr, daß sich an ihrem Wasser Privatkapitalisten ' bereickwrn. Ich beantrage daher, die Einleitung des Gesetzes dahin zu ändern: die LandeSversammlung wolle beschließen, die Rcgieruilg zu ersuchen, diesen Entwurf als Vorlage im R c i ch s r a t einzu- bringen. Dieses Gesetz hat eine hohe symbolische Bedeutung. Wird«S abgelehirt, so lacht sich Dr. Rosenfcld ins Fäustchen, denn es kommt seiner Agitation zugute. Durch seine A n- nähme aber wird ein großer Teil der Arbeiter bestärkt werden in seinem Vertrauen zum Parlament und zur Demokratie (Lebhafter Beifall b. Soz.) Abg. Dr. tiloh(Dnat. Vp.): Dem Grundgedanken des Ge- setzes stimmen wir zu. denn man kann die Bedenken gegen die a l l- gemeine Sozialisicrung zurückstellen in diesem Falle, wo es sich um einen monvpolartigen Betrieb handelt. Dieser: Mono- polcharaktcr loollen wir bei der Entschädigung nicht mitbe- zahlen. Wir können nicht nach dem Kursioert oder nach dem gc- meinen Wert, sondern wir mästen nach dem tatsächlichen Wert die Entschädigungsfrage regeln. Nach der R e i chS ve r f a s s u n g'st Preußen zur Verabschiedung dieses Gesetzes berechtigt, und wir werden uns dieses Recht nicht rauben lasten. Es trifft nicht zu. daß der Abg. Rosenfeld die Einbringung des Gesetzes verschleppt hat. Wir werden gegen den sozialdemokratischen Antrag stimmen. Das HauS vertagt sich auf Freitag 12 Uhr. Weiterberatung. Kleine Anfragen Schluß S'/t Uhr.•••. Staötverorönetenversammlung. Revolutionsscicril und Gaspreiscrhöhung. Der heutige« Sitzung gibt die erregte hochpolitische Auseinander- setzung, die sich an einen von: Vorsteher Dr. Wehl verlesenen dringlichen Antrag Rosen selb knüpft, das eigentliche Gepräge, In diesem Antrag wird der Magistrat ersucht, das Er- forderliche zu veranlagen, um am 9. November den Schülern und Schülerinnen in würdiger Weise über die Bedeutung dieses Tages Belehrung zuteil werden zu lassen. Schon die Verlesung des An- träges rief Opposition hervor; dann legte Cassel namens der Demo- krateir formellen Widerspruch gegen die Dringlichkert ein. Dr. Rosen- seld(II. Soz.) unternahm den Versuch Cassel zur Zurücknahme des Widerspruchs zu bewegen, weil ohne sofortige Beratung und Be- Achtung, Metallarbeiter! Heute früh 10 Uhr Bvlkbrauerei, Fidicinstraße, General- tiersammlung. Keiner darf fehlen. schlußfassung der Zweck des Antrags überhaupt vereitelt werde. Er erklärte dann toeiter, daß die U. Soz. nicht geneigt seien, den Tag zu feiern, da inzwischen die am 9. November er- rungenen Volksvechte mehr und mehr beseitigt seien; aber darum bleibe der Tag doch so bedeutungsvoll, daß man an ihm nicht still- schweigend vorübergehen dürfe. Die Demokratie, die sich doch nach dem 9. November„auf den Baden der Tatsachen" gestellt habe, setze sich doch mit ihrem Widerspruch Mißdeutungeri aus. Rektor Troll (Bg. Vgg.) erhebt ebenfalls Widerspruch, für ihn ist der 9. November mit seinen unseligen Folgen einer der schwärze st en Tage und eine der wesentlichsten Ursachen des erschreckender: Niederganges des deutschen Volkes; auch begreift er nicht, wie gerade diejenigen, die mit dem Ergebnis noch ganz und gar nicht zufrieden seien, die von einer „Revolution in Filzlatschen" gesprochen haben, jetzt diesen Tag in den Schulen gefeiert haben wollen.— Cassel lehnt die gütigen Belehrungen und wohlwolle::- den Ermahnungen Rosenfelds ab; die Demokraten würden, was sie auch täten, bei ihm und seinen Anhängern stets in Mißdeutung geraten. Man lehne es ab, sich durch plötzliche Anträge überraschen zu lassen. Die Demokratie stehe fest und unverbrüchlich auf dem Boden der Reich sverfassung und der Deutschen Republik; aber die jetzige Zeit der schweren Not des Vaterlandes sei nicht geeignet, um die Kinder über den Lauf der Ereignisse, des 9. November zu belehren. Werde erst Nahe und Ordnung einigermaßen eingekehrt sein, dann werde der Tag der Begründung der Reichsvcrfassung der geeignete Tag fein, unsere Jugend zu belehren.— T-r. Rosenfcld geht unter steigenden lärmen- den Protesten der Reclstsn, wobei sich Swdtv. Pastor Koch besonders hervortut, gegen. Troll au und legt dann Cassel nahe, doch die Probe darauf zu machen, ob die Demokraten sich durch die Zurückziehung des Widerspruchs Mißdeutungen aussetzen werden; er glaubt ihm garantieren zu können, daß die Uebcrzeugung dam: allgemein fein wird, daß Herr Cassel setz: republikmiisches Herz hier wirklich betätigt habe. Schließlich appelliert Rosenfeld an den Magistrat.— Nachdem auch Dr. Lammcrich(Z.) den 9. November den clies atcr für das deutsche Volk mit seinem Verdammungsurteik gekennzeiebnet hat, legt Dove lDsm.) dar, daß ganz geschäftsordnungs- widrig verfahren'"ei, daß der Widerspruch eines einzelnen genüge, daß Dr. Rosenfeld das Wort gar nickt mehr hätte gegeben w-rden dürfen. Der Varsteher entgegnet, daß er geglaubt habe, einem Redner zu dem Versuch der Rückgängigmachuna des Widerspruchs das Wort geben zu können.— Ritter(Soz.): Wir bedauern außerordentlich, daß dieser Dmmlichkeitsanirag Gegenstand der lebhaftesten Erörterung geworden ist. Sachlich hätten wir für den Antrag gestimmt, wenn er heute zur Vcrbandlung gekommen wäre. — Damit gebt diese Cseschäftsordnungsdebatte zu Eirde; der dring- liebe Antrag Rosen seid kann wegen tes Widerspruchs des Stadtv. Cassel heute nicht zur Beratung kommen. Die An frag« der Demokraten vom 17. September, ioann der Nöagistrat Rechnung legen werde über die st ä d t i s ch e L e b e n?- .n i t t e l b e w i r t sch a s tu nq, die bereits lä» Milliarden an Ausgaben erfordert habe, von denen 1,651 Millionen wieder eingegangen seien, wird vom Kämmerer dahin beantwortet, daß auch der Magistrat die dringende Notwendigkeit der Vorlogung einer Bilanz empfindet. Da es immer noch mcbt möglich sei, einen Gc- samtabschluß fertigzustellen, werde man schon in allernächster Zeit Einzelabschlüffe der Versammlung vorlegen. In der Erörterung wird von allen Seiten auf möglichst beschleunigte Bor- l e g u ii g gedrunigcii. Die Angelegenheit der aiiderweiten Festsetzung der Gas- preise führt zu einer umfassenden Erörterung. Der Magistrat schlägt zunächst vor, die bisherige Ermächtigung der Direktion zur vierteljährlick»?:: Festsetzung des Gaspreises wieder aufzuheben, und 'ucht dann die Zustimmung der Versammlung zu einer Erhöhung des Gaspreiscs bis 1. Januar 1920 auf 80 Pf, bzw. für die Gas- automatenbenutzer und für diejenigen, die im Jahre nicht mehr als 365 Kubikmeter verbrauchen, auf 70 Pf. nach. Dr, Weyl bemängelt, daß von den bezüglichen Verhandlungen der Großen Deputation nur ein ganz unzulänglicher, Bericht in der Presse erschienen ist und daß dieser Bericht d i e H a>tp t fache gar nicht erwähnt Hot, nämlich den Beschluß, den Magistrat zu er- fuchen, der Versammlung bis zum 1. Januar 1920 statistisches Material zu unterbreiten, auf Grund dessen die Gaspreise nach den wirtsckiastlichon Verhältnissen, nach dem Einkommen der Verbraucher gestaffelt abgestuft werden können; die gegenwärtigen Herstellungskosten sollen dafür die Grundlage ab- geben. Da die Selbstkosten jstzt 71 Pf. betragen, beantragt Dr. Wehl die Herabsetzung des neugefordcrtcn Preises auf 75 bzw. 65 Pf.— Ritter(Soz.) beantragt Äusschußbevatung und t?ebt hervor, daß die Große Deputation sich auf die Abstufung der Preise noch keines- wegs festgelegt hat. Von der„Bürgerlichen Vereinigung" wird ein Einheitspreis von 75 Pf. beantragt. Nach weiterer Erörterung gehen alle diese Anträge an einen Ausschuß von 15 Mitglieder:«; die erwähnte Ermächtigung wird nach dem Magistratsvorschlag auf-. gehoben. Zu einer lebhaften Aussprache führt dann noch die Plagistrats- vorläge, durch die die Einstellung von hauptamtlichen Vor- sitzenden bei den M i c t e i n i g u n g s ä m t e r n gefordert wird. Hallensleben(Dem.) hat dagegen die schwersten Bedenken, während Stadtrat Löhnin« allein von dieser Einrichtung eine Vereinhcit- lichung der jetzigen etUws chaotischen M i e t r e ch t-- sprechung erhofft. Ritter legt sich für die Borlage ein. Mit ehrenamtlichen Posten seien diese Aemter, die keinesivegs zu den vorübergehenden Erscheinungen gehörten, nicht befriedigend wahr- zunehmen; es müsse hier eine Sondergerichtsharkeit analog den Getverbe- und Kaufmannsgerichten Platz greifen. Ein Gehalt von nur 7200 M. für einen solchen Vorsitzenden erscheine freilich unter den heutigen Verhältnissen nicht ausreichend. Zu der Mieirecht- spechung in diesen Sondergerichten müsse auch das Laienelement' zugezogen werden.— Dr. Weinberg(U. Soz.) stellt fest, daß Stadtv. Rosemann, der eigentlich zu der Vorlage sprechen sollte, gestern in Schutzhaft genommen sei(Bewegung); so sabotiere das Noskeregiment die Stadtperordnetenversamm-i s-u n g.(Unruhe.) Reimer erklärt seine Zustimung zur Vorlage und 1 z» den Darlegungen des Magistralsvertreters. Von einem Redner auf der Rechten wird die Forderung erhoben, daß die Mieteinigungs- ämter auch aus eine sach- und zeitgemäße Gestaltung der Miet- Verträge hinarbeiten sollen; zur Bekämpfung des Mietwuchers seien die Aemter unentbehrlich. Pfarrer Koch(Bg. Vgg.) he si reitet, daß in Berlin Mietwucher getrieben wird und will von ständigen Aemtern mit hauptamtlichen Vorsitzenden nichts. wissen. Eine Rüge, die ihn: vom Vorsteher H e i m a n n für eine Beleidigung des Stadtv. Urig(U. Soz.) erteilt wird, sucht er mit Ausführungen zu entkräften, die von der Mehrheit ungläubig auf- genommen werden. Daß Mietwucher in Berlin auftritt, muß schließlich auch Stadtrat Löhning bestätigen. In persönlicher Be- merkung bemerkt Stadt. Urig gegen den Abg. Koch: �„J ch danke Dir, Herr, daß ich nicht bin, wie dieser Pfaffe dort!" Vorsteher Heimann rügt auch diesen Ausspruch als ganz ungehörig. Die Vorlage geht an einen Ausschuß.— Schluß gegen 9 Uhr._ GroMerlio Die Romanfortsetzuug tnnß heute wegen des migehenere« Andrangs von wichtigem politischen Material leider ausfallen. Brand einer Filmfabrik. Ein großer Filmbrand in der Kochstraße 3(Dahlheim) alarmierte am Donnerstagabend um 5 Uhr die Berliner Feuerwehr. Dort war im Oucrgebäude in den Räumen der Film- firma Stewart Webb's durch sträflichen Leichtsinn eines jungen Mannes der Brand entstanden, durch den zahlreiche Personen in größte Lebensgefahr geraten sollten. Der Filmarbeiter I. Samuel prüile mit einem jungen Mädchen Filme und rauchte dabei Zigaretten. Eine fiel dabei in einen zwischen den beiden stehenden Filmkorb. Sofort stand das oberste Geschoß im Quer- a e b ä u d e mit dem rechten Seitenflügel total in Flammen. Wunderbarer Weise konnten sich i'ämlliche Personen, selbst das junge Mädchen, noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Als die Feuerivehr unter Leitung des Branddirektors Reichel erschien, war die Lage sehr bedrohlich. Der 3. Löschzug nahm sofort mehrere Schlauchleitungen vor. Ein eiiislöckigcr massiver Vorbau im Hofe war bei dem Angriff binderlich. Als die Feuermehr schon in großer Slärle zur Stelle wc» und löschte, explodierte ein eiserner Schrank mit Filmen. Die übrigen Filmschränke konnten wirksam geschützt werden. Gegen 6 Uhr war die Gefahr vollständig vorbei. Der Schaden ist sehr beUächilich. Der Betrieb ist vor- läufig gestört. Die Ausräumung der Brandstelle nahm einige Zeit in Anspruch._ Kleine Anfrage betr. den Gesetzentwurf Graft- Berlin. Die sozialdemokratische Fraktion der LandeSversammlung hat folgende förmliche Anfrage eingebracht: Nach Zeitungsmeldungen soll das Gesetz über die Bildung deS StadlkreiicS Groß-Berlin am 1. April 1920 in Kraft treten. Dem- gegenüber sind jetzt Gerüchte im Umlauf, nach denen das Jnkraft- treten dieses Gesetzes aus einen späteren Termin verschoben ist. Durch eine solche Verzögerung würden der neuen Gemeinde große Nachteile erwachsen, die nur durch die alsbaldige Einbringung und Verabschiedung des GssetzcntwnrsS vermieden iverdcn können. Wir richten deshalb die förmliche Anfrage an die StaatSregisrnug: Wann gedenkt die Staatsregicrung den in AuS- ficht ge st eilten Gesetzentwurf über die Bildung eines Stadtkreises Groß-Berlin der preußischen gesetzgebenden Landesversammlung vorzulegen? Ausgebliebene Kindertransporte. Die für den 5. und 7. November aus Dänemark avisietten Kindertransporte können wegen der Zugiperre an diesen Tagen nicht ankommen. Mitteilung erfolgt noch vor dem 17. November. Dazu wird u»S aus Kopeiibageu gemeldet, daß dieVdäiiischen Arbeiterfamilien, die bisher die deutschen Kinder in Pflege hatten, aufgefordert und auch bereit sind, sie vortäufig weiter bei sich zu behalten. Es ist zwar der Plan erörtert worden, die Kinder in Güterwagen zu besördcrn, doch ivurde die» auf den Vorschlag deS dänischen Organisators des Kindertransports I. P. Nielsen auS triftigen Gründen abgelehnt. Die deuticben Eltern können ganz un des orgt sein, ihre Kinder sind in Dänemark aufs b e st e aufgehoben. Inzwischen sind auch neue Kindertransporte auS Chemnitz, Plauen und Zwickau nach Dänemark abgegangen. Das PostzeitungSamt. Zu dieser Notiz in Nr. 564 deS„Vorwärts" schreibt uns daZ PostzcitungSamt: „Die gemachten Angaben sind unzutreffend. Entlassungen von Aushilfskräften, die nicht von vornherein nur für kurz« Dauer und nur zur Befriedigung eine» vorübergehenden Bedarfs eingestellt worden sind, finden beim Postzeitungsamt nur tu ganz geringem Umfange Unter strengster Beachtung der Demobil- machungsvorschriften sind in der Regel nur dann statt, wenn Hilfskräfte durch den Wiedereintritt erkrankter oder bgurlaubier Beamten entbehrlich werden. In jedem Falle hat der Beamten- und Arbeiterausschuß sich mit der Entlassung eiiiverstandeii zu erklären. Ohne Zustimmung des Ausschusses findet keine Eni- lassung statt. Die Behauptung, daß die Aushilfskräfte im Postdieust er- werbslos gemacht iverden sollen, entspricht nicht den Tatsachen. Gerade im Gegenteil»erden viele der jahrelang hier beschäftigten Aushilfskräfte jetzt als Gehilfinnen bzw. Postboten eingestellt. Die Behauptung, daß die jetzt neu angenommenen Gehilfinnen und Anwärterinnen mit den technischen Arbeitsverrichtungen durchaus nicht vertraut sind, fällt somit in sich zusammen. Die hier jetzt angenommenen Gehilfinnen, Anwärterinnen und Postboten sind Kräfte, die hier größtenteils schon jahrelang als Aushilfskräfte beschäftigt gewesen sind und mit den Dtenstverhältnissen und dein Betrieb deS PostzeitungsamtS, völlig vertraut sind." Raubüberfall auf einen Juwelier. Als der 70 Jahre alte Juwelier Karl N c u m a n ii am Donnerstag morgen um 8 Uhr seinen in der Chausseestr. 53 ge- legenen Laden öffnen wollte, erhielt er plötzlich mehrere wuchrige Schläge auf den Kopf, so daß er zu Boden sank. Zugleich wurde ihm der Mantel, den er über den Arm hielt und ein Paket entrissen. Der Räuber lief dann mit diesen Beutestücken zum Hause hinaus. In dem Mantel befanden sich 16000 M. bares Geld und in dem Paket für mehr als 40 0 0 Mark Gold- und Schmucksachen. Auf die Hilferufe des Ueberfalleiien war sogleich eine Menschenmenge hinzugelaufen, die dem flüchtenden Räuber nacheilte. Dieser griff zu einer Schußwaffe und schoß mehrere Male auf seine Verfolger. Als sich ihm der Blumenhändler Pohl aus der Liesenstraße ent- gegenstellte, legte er die Waffe auf diesen' an und verwundete ihn durch einen Sckmß in den rechten Unterschenkel. Dann rannte er. von der Menschenmenge verfolgt, durch die Liesenstraße und endlich in ein Haus in die Grenzsiraßo hinein, wo er sich in einem Torleitenraum zu verbergen suchte. Die Verfolger unterrichteten inzwischen Beamte des 8. Polizeireviers. Ehe diese jedoch herbei- geholt waren, verließ der Räuber die Torlette und das Haus wieder und Ref dann in ein anderes ZauS. Nuf der Toilette fand man inzwischen den geraubten Mantel mit dem ganzen Velde und das Palet mit den Goldsachen wieder. In dem anderen Hause lief er die Treppen hinauf, rannte über die Dächer hinweg in ein Nachbarhaus und dann wieder durch mehrere Straßen nach der Pank? zu. Die inzwischen eingetroffenen Be- amieu nahmen noch eine Verfolgung auf. doch war der Räuber inzwischen verschwunden und nirgends mehr zu finden. Gcmäldediebstahl in Sanssouci. In der gestrigen Nacht drangen Einbrecher in die Gemälde- galerie von SanSiouci in Potsdam und stablen sechs Bilder im Werre von etwa 100 000 Mark. Es find dieS:.1. Samson und Delila. 2. Bauer in einer Dorfslbenke, von Molwald, 8. Kleopalra und Markus. 4. Bildnis eines alten Mannes, von Dau. 6. Bild einer allren weiblichen Person, von Dau, 6. Einkam, von Dau. Die Größe der Bilder schwankt zwischen 24 mal 40 Zentimeter. Im Winter-Sommermorgen. Die Große Berliner Straßenbabn schreibt uns': Trotz des winterlichen Wetters find wir zu unserem Bedauern gc- nötigl gewesen, offene Nnhängewagen im Betriebe zu belasten, um daS Platzangebot, das infolge der Knappheit an betriebsfähigen Wagen und wegen der notwendigen Einschränkung im Stroniverbrauch ohnehin ein knappes ist. nicht noch weiter zu verringern. Alle versuche, die Licterung der bcreiiS vor Jahresfrist in Bestellung gegebene» neuen Anhänge» agen zu beschleunigen, sind leider unter der lfugunst der Verhältnisse erfolglos geblieben. Falls die offenen Anhängewagen aus den, Betriebe gezogen werden müßten, würde die Verkehrsnot noch verschärft werden. Unter diesen Umständen dürfte die Außerbelriebsctzllng dieser Wagen dem Interesse des Publikums nicht entsprechen._ Der MilchprriS wird vom 8. November nm 4 Pf. erhöht werden und beträgt damit 84 Pf. für das Liter. Diese Erhöhung ist durch die Erhöhungen der Bahnfrachten, insbesondere durch den Fortiall der Vorzugstarife sür Milch notwendig geworden� Ausgabe neuer Holjkarten. Bekannilich hat der Magistrat Berlin zur Linderung der Kohlenknoppheit größere Mengen Brenn- holz angekauit und gibt diele an die minderbemittelte Bevölkerung mit einem Preisnachlaß von IS M. je Raummeter auf Holzkarten ab. An Stelle der bisherigen blauqrauen Brenn holzkarren, die am 8. November ihre Gültigkeit verlieren, werden vom 10. ab neue rote Holzkarten ausgegeben. Die Ausgabe erfolgt in der bisherigen Weise durch die Brolkommisffonen, und zwar an die Inhaber von Wohnungen mit höchsten« drei Zimmern einschließlich Küche und mit einem Ein- kommen von höchstens 6500 M. Es liegt kein Grund vor, auf die alten Brennholzkarten mehr Brennholz zu beziehen, als für die Zeit bis zum 11. November ge- braucht wird.' Näheres ergeben die Säulcnanschläge oder die Auskunft der Berliner Brennstoff- VeichaffmigS- Gesellschaft m. b. H., Friedrich- straße 150, Telephon Zentrum 6170. bezw. bei der Drputalion sür die Kohlenversorgung, Spandoilerstr 10. Besondere Borsicht wird empfohlen gegenüber Slraßenhändlern, die oft mit anscheinend billigem Brennholz daS Publikum zu übervorteilen suchen. Keine RcvolutionSfeier in den Berliner Volksschulen. In der städtischen Schuldeputation stellte vorgestern der Sradtverordnete Dr. Rosenfeld im Namen der Unabhängigen den Antrag, die Rektoren der Berliner Gemeindeichulen sollten zu einer Feier des 9. November in ihren Schulen anregen. Sein Autrag wurde mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. In Neukölln war eö umgekehrt. Dort wollte die mehrheitS- sozialistische Fraktion einen Antrag auf Abhaltung von Schulfeiern in der Siadtberordnetenfitzung stellen. Da man aber ln unab- bängigen Kreisen nicht geneigt war. auf diesen Antrag einzugehen, so ist die Einbringung des Antrages unterblieben. Keine Masscnkiindgedung für unsere KriegZgesangenrn. Die Meldung der gestrigen„B. Z. a. M.* über eine heut« statlfiiidende Kundgebung für unsere Kriegsgefangenen beruht nach uns zu- gegangener Mitteilung auf einen Irrtum. Die Kundgebung findet später statt. Energische Sicherheitsmaßnahmen. In einem Schanklokal in der Stettiner Siraße wurden am gestrigen Donnerstagabend gegen 7 Ubr 27 Männer verbaflet, die in der Nacht zu Freilag kommunistliche Aufrufe in den Straßen Berlins anschlagen sollten. Sie wurden von der Sicherheitswehr nach dem Polizeipräsidium übergeführt. Ikeder die Stellung der deutschen Fran zur NnSwanderung spricht am Montag abend 7'/f Uhr Dr. Karl Klopfer vom ReichSauS- wanderungSamt im Plenarsaal deS Herrenhauses. Eintritt unentgeltlich gegen Korten, die in der ArbeitSgemeinschast sür staatsbürgerliche und wirtschaftliche Bildung, Kronenstr. 4/5, im Bund deutscher Frauenvereine, Bardarossaslr. 65, im Bezirksverband Kroß, Berlin der S. P. D., Bellevue. straße 7, lind im Bureau der.Frauenkorrespondcnz', Potsdamer Str. 41 IV, zu haben sind. Versammlung sämtlicher männlicher und weiblicher Ange- gestellten und Techniker in der Berliner sindultrie und im Handel. Heute nachmittag 4'/, Uhr, tm Sopbien-Kymnasium, Weinmeisterstr. 15. Tagesordnung:„Die Jndustricangcstellten im Wirtschaftsleben." Berichtigung. Die Versammlung zum Gedenktage der Revo> lution am Sonntag in Ntedcrschön Kausen findet im Lpzcum, Kaiser-Wübetm-Str. 69— nicht Schloß Schönbausen, Lindenstr. 11 — statt.— In Lichtenberg wird außer im Pestalozzi.Lyzeum, Prinz- Albert-Straße 44. noch eine zweite Versammlung in der Schulaula, Pawtaue, abgehalten. Wilmersdorf. Ter Vortragszyklus des Genossen Max Olrnn- wald fällt wegen Erkrankung des Referenten heute aus. Nächster Vortrag wird im..Vorwärts" bekanntgegeben. tzharkottenvurg. Die vorlrZge deS BssdungZauZschusseS über daZ Erfurter Programm finden jetzt immer Freitag» 7 Uhr im Rathaus, Zimmer 4 statt. Vorträge, vereine unü Versammlungen. .Zentralverband der Handlungsgehilfen.» Bezirk Wilmersdorf, Halen/ee, Schmargendorf Sonntag, den 9� November 1919, nach Stahns- dors— Machnower Schleuse. Trejspuntl 10 Uhr. vorm. Bahnhof Wanniee. Ausgang Gäste willkommew— Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Bezirk Westen. Heule abend>/z8 Ubr. Hinterbliebenenoersammlung, Steinmetz«, Elke Kursürstcnslraße. Gäste willlommen.— Arbeitcrstenographen »Arends». Heute 7'/, Uhr bei Bieberstein, Adalberitr. 59. Levviiiii-�uszuZ der 14 Preuss.-Siidd(240. Preuss.) Klassen-Lotterie tz. Klasse i. Ziehungslag 6. Xorember X9U laf Jede geeegeae Xunrr sie«(gel glalek keke«ewieae ntaJlra, aad«war J« alaar aar rti» Ixm« gleiekor.Iwaasw U 4aa bald» Ibtallwwraa I aad II Grotz-Berliner Lebensmittel. Berlin. Auf die Abschnitte 74 und 75 der allgemeinen Lebensmittel« karte je 250 Gramm ausländische Hülsenfrüchte 11,25 M. je Pfund), aus Abschnitt 92 derselben Karte 250 Gramm ausländische MaiSsabnlatc(1.45 M). ferner aus Abschnitt O der Berliner BezugSlarle bis zu S SuppentascUi a 13.Ps. Steglitz. 250 Gramm Grauvenmehl 192), 250 Gramm ausl. MaiS- mehl(L 20). Eine Büchse Kondensmilch(C I und C II). Reinickendorf. Auf Abschnitt 93 der Groß-Beriiner Lebensmittel- karte 150 Gramm Graupen(14 Pf.). Abschnitt 94 150 Gramm Teigwaren (23 Pf.1, Abschnitt 96 250 Gramm Marmelade(65 Pf.). Die betreffenden Abschnitte sind bis Sonntag abzugeben. Ans Abschnitt 95 der Groß.Berllner Lebensmittelkarte 150 Gramm Kartosselstärkemchl(23 Ps.» und aus Ab- schnitt 98 250 Gramm MaiSsabrikate(1,45 M.). Diese Abschnitte sind bis Dienstag abzugeben._ Groß-Serliner Partemachrichten. 18. Bbt., 318., 324. und 325. Bezirk. Heute 8 Uhr im Lokal von Hesse. Mcmeler Straße 63: Zabladend. Ausspräche. Schönhauser Borstadt. L6.— 32. Abt. Heute 70, Uhr: Sitzung der Abteilungsleiter und Beisitzerinnen bei Burgs Prenzlauer Allee 189, Ecke Raumerstraße. Eharlottenburg. PortragSlursuS heule abend nicht in der Schul- aula Danlclmannstr. 26, sondern im Sitzungssaal 4, im Rathaus, abends 7 Uhr.__ Silüungsveranftaltungen. lieber Deutschlands finanzielle Wiedergeburt referiert am Mon« tag abend 7'/, Uhr in der Oberrcalschule WillnerSdors, Hindenburgstr. 36, der Pressechef der Pr. Staatsregierung. Herr GoSler. (Odve Levlldr.)(Xaeddruelc yerbotea.) In der Vormitlagsiiebnng worden Gewinne Uber S40 Marie gezogen« 3 Gewinne ta 30000 M 162330 2 Gewinne zu 10000 M 191253 3 Gewinno zu 6000 M 08267 84 Gewinne ru 30 00 M 450 3067 4767 3443 12043 23331 34795 30651 36343 36330 64306 72647 73143 78583 78744 84930 91241 102469 110504 115175 117373 119428 122139 123044 126400 123774 134232 138268 141703 145211 152514 153261 160318 164093 192054 196900 205237 207099 210239 212156 212394 215784 38 Gew'nne zu 1000 M 2443 11784 15056 16333 19032 22301 22494 23390 24729 25440 29651 30311 46105 59424 62992 05998 65920 70783 74425 74515 79227 79844 81283 85399 88202 93914 91191 9>»81 96114 103921 104313 108138 112298 113454 114008 117187 117803 118371 118593 137259 137601 160550 150811 152494 154552 163942 136876 163845 175596 180633 131781 109642 191064 104270 201125 201548 205078 205070 203172 208257 215017 215174 217331 220309 221970 222475 227454 229481 232527 214 Gew'nne ro 600 M 1101 2499 5631 5753 7293 7478 8812 10199 11151 11903 14406 29329 OSO'S 23944 25319 25765 32723 33189 35830 36768 39194 39427 41205 41203 46309 43743 48758 51585 53661 65912 76004 76920 77611 83621 04038 84370 86775 88523 83837 8932« 90142 60213 91849 92377 96402 93678 99572 100103 109172 101140 101280 103058 104832 110449 114502 114893 116393 12358B 126530 127413 129105 131744 131780 132283 134082 134736 1367J5 139908 139812 149015 147760 1-8211 143809 150710 152919 164232 186141 172430 172933 193425 173693 181393 131481 191827 185439 138939 196082 192934 200364 201932 202504 203247 203474 204125 206548 212798 213814 274212 216335 218043 219202 222559 224323 226319 228301 229057 233373 In der Xacbmitlagsziebung wurden Gewinne über 240 Mark geregen. 2 Gewinne zu 15000 31 194627 4 Gew'nne zu 16000 M 60224 83547 « Gewinne ru 6000 M 57307 141638 153751 76 Gcw nnc zu 3000 M 11437 13638 13979 14675 22743 23598 29121 34023 37853 45375 47781 50152 66957 03536 72824 7572, 60797 161207 107510 107912 114493 116404 135050 14084« 141310 144109 153484 155275 157232 160449 169323 170483 188070 105418 203328 225445 232501 233958 122 Gewinne zu 1000 M 1285 13018 23201 2->052 28592 30081 38845 47795 52285 56779 63380 65391 65934 68004 73185 75353 82495 107717 107855 113119 119884 120303 121704 121747 127590 132874 144182 147310 146638 150431 150757 161273 156761 157870 157672 160005 165181 167490 168750 169764 170189 171740 175146 177498 188008 189094 192561 305990 199275 199453 203311 203410 208396 210438 215409 217066 219184 219704 220494 228252 202 Gew'nne?„ 500»1 4813 6753 11065 11917 12481 14759 14886 15092 16247 17661 17377 18751 19547 2*139 29381 s«'** 30431 30928 40644 40993 41743 44499 46645 56189 51012 51872 62137 54581 58694 60973 62037 69r09 70900 73820 82949 83109 3�513 84572 85541 87606 88033 66367 93427 96620 03053 100247 103269 103307 110660 111838 119998 132781 135805 142206 143205 144157 148431 147505 151623 1*1823 157074 157561 159620 163733 164286 1*1396 160904 170061 171254 171303 171433 1727.60 176254 179400 130343 162580 184422 185023 187709 199663 183073 194434 195458 193319 199406 200679 2090'4 209279 204411 208908 205221 219193 222347 222895 223540 223810 224440 226874 223584 235476 252232 Max Baoch- Zigarren, Zigaretten en gros». 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Ä. w. g." Stg. 3 U.; Prinzessin vom Nil. Friedr.-WU helmst.Th. 7-,- uhn Gretchen. Kleines Theater. N Er kann nicht helchlen. Kl. Schanspielhaua. T1/! Uhr; RMeU. Komische Oper t*/. u: Liebeszanber. Stg. a'/.; Schwarzwaldmädel liUstsplelhanB JftJerGFoßstailt-Kavalief Metropiil-Theater. 7 Uhr: Sybill Sonntag 3 U.; Charlejs Tante mit Thielscher. Neues Operetten haus. iVaU-JeDammMos. Schill er-Theat. Charl. r/i uhr Viellärm um nichts Thalia-Theater T-zauJoiigSeF Sonnenschein Th. am XoUendorfplats 7«/« Uhr: JDcr&/cI1cfcfTcfbfe Theater des Westens 7v, u.: DieFFanimHeFfflelin Sonnab 4 U.: Max und Moritz. Stg. d'i.U.; Die lustige Witwe. Theater d. Friedrichstadl 7Va Uhr: Dr. Stieglitz mit Rnd. Schildkraut Wallner-Theater uiir Eine Ballnacht. Sonntag 3>/« U: Die Oeisha mit Mia Werber. Bosldkuz- Theater. Umergrundb. KlosterstraBe, Stadtbahn Jannowitzbrücke. ."C".r 301. Male Das lere IM ' Von Hermann Sudermann. Regie: Alfred Rotter. Erleb Kaiser-Titz. Olga Limburg, Harry Lledtke, Rosa Valettl, Marietta Oliv, Emma Oebner, Gunold. Mameluk, Brenkendorf Sonnabend 4 Ubr, kleine Pr.; Hüuuel und Gretel. Sonntag 4 Uhr, kleine Pr. 2. 384. Male: Der gute Ruf. Trianon-Theater. Bahnnot Friedrichstraße. Untergrundbahn Friedrichstr. Täglich VjS Uhr: Jltaskcrade. Von Ludwig Fulda. Regie; Alfred Rotier. Haast Arnstidt, Eugen Burg. Käthe Dorsch, Paul Bildt, Jul. Falkenstein, Hugo Flink, PauiaLevermann.EmmiWyda. Sonnabend 4 Uhr. kleine Pr.: AhcIicnbrUdcl. Sonntag 4 Uhr, kleine Pr.; Johanniafouer. Walhalla-Theater. Uhr Eine Frau wie Du. Rose-Theater. 7l/J Uhr; Das Gesetz. I k.aiat am H.tibo.er Tot. T»L; Moiiiaplatx 14 814. Jcd. Abend T>, Ubi: zm -Sänger nem. JlitgT der 9 enem. Stethner Sänger. isonriL uebm 3Bbi Hrmkß Prebet voll Abend» Programm» I Kind iret'* Bauch. ogestaUrL _: KonzsN Beg. 7>° Uhr. Votvarkf 11— IV, u. 4-6 Ubr Wen.» Programm! Lessing-Theater Direktion: Victor Bamowsky. 7: Peer Gynt. Sonnabend 7: Fräul. Julie. Der grüne Kakadu. (Tilia Durieux, lika GrQning, Dagny Servals, Fritz De ius. Hans Fischer, Eugen Klöpfer, Emil Und. Konrad Veidt). Sonntag 7: Fräulein Julie. Der grüne Kakadu. DeutscliES KWer-Tlieater Allabendlich?1/,: Cyprlenne. (Leopoldine Konstantin, Kurt Götz, Erich Walter.) Rianer Ssarafan Russische KleinkunstbOhnc Bülowstr. 6. Koskan In Berlin Russ. Ballett und Balalaika. Vorverkauf Theaterkasse 10—1, ab ft abds. u. an der Theaierk. Werthelm, Leipz.S. Casino- Theater Lothri n�erstraße. TägL'MU.: Nur noch kurxe Zelt! Grofistadt-Pflanzen Dazu: Schwarzwaldbüble. Operettenakt m.ViktorLItzek. Dazu erstklass. Spezialitäten Stg.'/jt: Ein sauberes Kleebian Eünigstadt-Theater 7.30 Alexanderstr. 21. 7.30 Tsrtet�-Hpielplan. Burleske: Doktor Widerwillen APOLLO THEATKK i Friedrichstraße 218 1 Dir.: James Klein 1 j 7'' Sonnt.SV, u. 7 1 Knr noch Idiesjonat 1 Die große Varietd- I Ausstattungs- Schau j Die Veit im Jahre 2000! 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Die brennendste Frage der Gegenwart. Oellentlicher Vortrag am 7« November, abends TVs Uhr, im Lokal Rheingold, Reinickendorf, Hausotterstraße 43. Redner: Herr Kurt Der gel. u/r Gegen Schleichhandel und Wucher. lege zum wirtschaftlichen Wiederaufbau werden gezeigt in zwei Vortragsabenden am Freitag, den 7. November, abends 7% Uhr Pharus-Säle, Müllerstr. 14S. Redner: Lehrer �ilAter. Prachtsälc des Nordens Gerichtstr. Zt. Redner:"Willi Vetter. Segen Allcher unck wirtschaftliche itllzdeutung! VerktMige SevSNternng üss vstens! �rn 7. November 1919, abends 7'/, Lbr, spricht in der FatTenhoker Drauerei, Lands- berger �llee 23, Herr Frnst Greiser über: Nie fteichsfinatizen und der deutsehe Arbeifer. Gestaltet diesen Vortragsabend zu einer Massen- kundgebung g e g e n Wucher und Schleichhandel! Bürger, kommt alle! Am Freitag, den 7. November, abends 7,/sGhr: Oeffentlicher Vortrag des Lehrers Schöne im Nordwesthotel, Turmstraße 7 über 11/2' laluia m Schieichhantlel Gegen Wucher und wirtschaftliche Ausbeutung! Diese brennende Frage beantworten Emil Unger in den Orpheos-Sälen, Brßckcnstr. 2 Herbert Berger in den Sophien- Sälen, Sophienstr. 17/18 am Freitag, den 7. November 1919, abend- 7'/, L'hr. Franz Fähr im 11/6* Gesellschaftshaus Roseotbaler Str. 36 „Hufbau und Werden" .............. Berlin W.62, Lutberrtraße 19— Freitag, den 7. November, dritter Vortrags« abend von Wilhelm Noellenburg über Sllaii2-73ii?bau und Kritik in der Aula des Sophien-Lyzeums, Weinmeisterstr. 10/17 Thema: Geschäftsbericht, Tividendenpolitit, Grundlagen der Z?örsenlurse; Bilauzkritik, ihr Wesen, ihre Aufgaben, Möglichkeiten u. Grenzen. l. Vortrag von S bis 7l/a Nhr.— II. Vortrag von 7'/« Uhr bis gegen 10 Uhr. EEinladiiiix. Am Dienstag, den II. November, nachmittags von 3—6 Uhr und Mittwocb, Donnerstag n. Freitag, den 12., 13. u. H. November, vormittags von 10—1 und nachmittags von 3—6 Uhr veranstalte ich im großen Saal der Kammersäle, Berlin, Teltower Str. 1— d, Ecke Belle-AUiance-Straße, am Halleschen Tor Ein Probekochen und Braten von Wischner�FrikadellenaHilfe und werden Gratiskostproben an das geehrte Publikum abge- gegeben.— Ein Paket Wischner's Frikadellen-Hilfe zum Preise von 45 Pfennig ergibt fünf große Frikadellen und wird seines hohen Eiweißgehaltes wegen sehr begehrt Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. 1036D Eugen Wischner, Nährmitlelfabrili, Altenessen Generalvertretung und Fabriklager Herr Egon August Reuter, Berlin-Neutempelhof, HohenzoIIernkorso 7. Fernsprecher: Südring 292. MM m lotet. Mietet, WMet OW. Vurean: Melchiorstr. 28. pan. Arbeitouachw.: Gormannstr. 13 Fernspr.: Amt Moritzpl. 4787 öinuiF 0rlll» Fernspr.: Amt Norden 37gt-g7. Durch Vaxeinbaruna vom 13. Ollober 1319 im ReichZarbeitZministerlum, der l eide BertrogSloltzrabenten zugemmmt haben, ift der 135/11 Lohn um 0,30 M. pro Stunde erhöht worden, foSafe der Minimal° Gtunbenlohu M. beträgt, zahlbar spätestens vom l. November»vlv ab.____ Die crtsverwaltung, itnchlühräng argndNche UntenDcifuno. F. Simon, Berlin W 35, Mozde. burger Straße 2t. Verlang!» Sie gratis Probebrief bl. Stt Spczialarzt Dr. med. Cöleman Sprech stunden 9—1, 5—7'/;. Sanntag» 9— L SattliesoiidererMeliliiüs. Die glückliche Geburt eines gesunden»aobe» zeigen hoch- erireut an Vr. Irlh Hel-gu» u. Frau Elisabeth, geb. Narru». B-rli» W 30, den i. Nov. 1919. _ Motzstrahe 66. 30 b Sozialdemokrat, herein Berlin(S. P. D.). 30. AbteUung. Den Mitgliedern die Nachricht, daß der Genosse Fritz Hrnggel plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdtgung findet am Freitag, b. 7. November, nachm. 3'/, Uhr, von der Leichenhalle de» Garnison- Friedhofe», Hasenheibe au» 210/6 Oer Vorstand. Danksagung. Allen Freunden und Be- kannten, welche unserm teuern Entschlafenen die letzte Ehre erwiesen haben, sprechen wir hiermit unfern innigsten Dank au». 27.1a 10ri. Unna Sohle nebst Slndern. Dr. Grütering Spezlalarzt, Invalidenstraße 35 Setze Chausseestraße am Stettiner Bahnhof.• 10-1.»-5->/z7. Sonnt. 11— 12 IM Herl beseitigt oÄsBaussalbe .ed. Hautausschl., Flechu. Hautju ck., bes. Belnscbad., Krampladern der Frauen u.dergl, in Originaldosen 6 23. 9 76 erhältlich in der „Eletamen-Apoihcke" Berlin 213, Leipziger Straße�L�lönhoFDn Platin Gramm bis M. 96.- Quecksüber Kilo bis M. 55.- kauft in unseren 3 Elnkau{«stellen Metallsebinelze Coho ..B�nnen-lijrlr.ll 2. BatinbotstraSe 2 am Anhalter Bahnhof 3. Neukölln, Kaiser- Prledrlch.Str. 229 nahe Hermannplatz. Tel: Norden 1383 Nenkölln 1819 Marstallschmiede Berlin. Brettestrah» 30, zum I. Mär, 1920 als Husdeschlag. schmiede. Nicht Wagenbau, zu verpachlen. 128/19» Besichligling und Elnstcht der Bedingungen vom 10. Norem- der d. Z. ab täglich 2—4 Uhr nachmittag».— Bewerbungen schrijtlich di» 30. Nov d Z. an OberMaestaa««». Breiteftr. 34. Pistin u- 96.� lZuucksildss bis 55.- Messing Kupfer sfimtlicbe Metallabfälle! Zabng/ebisse kauft zu ullerhScbaten Falzrikpreisen Jetallsehinelze ßaruch" Fennstraße 48 Tel. I Moabit 2384 und BenBelstraße 29. znlnlmUM uet weilten Bezirk Neukölln 1-4. Areitag, den 7. November 1919, abends 7 Uhr, in Kliem'S FestfSIen tgrvßer SaalZ, Hasenheibe 13/14: Gkmrinslimt Mitgliederversammlung aller 4 Bezirke ZlenkSlla». Tagesordnung: I. Znknnftsaufgaden der«vemrrkfchastrn. 2. Diskussion. 3. Vcrdandsangklegenheitcn. 4. Verschiedenes. Referent: Kollege Siegfried«ufhäufer. ftolltnen und«olleg Innen I Es ist Eure Pflicht, für einen guten Besuch dieser Bersammlung zu sorgen. Säst« dürfen eingeführt werden. Beiträge können f» der Versammlung entrichtet werden. Die vezlrkssührer Zleukölln, 1—4. Z. A.: Alwin Adloff. Brennholzkarten. Bekanntmachung. Den minderbemittelten Schichten unserer Bevölkerung wird auch weiter Gelegenheit zur Beschaffung von vrrnnholz zu «rmähigten Preisen gegeben. I. In Berlin ansässige Haushaltungen In Wohnungen von höchstens drei Zimmern einschliehlich stäche mir einem Jahres» einkommen von nicht mehr als«600 Mark können vom 10. Jlo- oeraber d. Z. ab bei den zuständigen 8eotfomralf(ianen eine tote SrennhoUkarle erhalte». Ist die erste rote Brennholz! Deputation für karte verbraucht, fo kann bei der »te aohlenverforgung In Berlin, Spandau er Str. 10, die Bewilligung einer zweiten Brennholz- tarte beantragt werden, welche dann von der zuständigen Brotkommtsstou ausgehändigt wird. ». Jede Breunholzkarte ist mit 10 Abschnitten versehen: aus jeden Abschnitt entfällt>/-« Raummeter Brennholz. Alle Ad- schnitt- tönnen gleichzeitig zur Entnahme oo» Brennholz de- nutzt werden. Das Brennholz wird gepackt(nicht geschüttet) in amlltch geelehleu muhen von je>/x Raummclcr Inhal: abgegeben. III. Die Antragsteller haben der Brotkommifsion vorzulegen: a) ihre Ofentarfe Uber Swder 10 oder 20 Zentner. d) einen Ausweis, aus dem sich ergibt, bah das fteuer- Pflichtige Einlommen nicht mehr ul« 0800 Mar» beträgt. Steuerfrei veranlagte Personen erhallen aus Wunsch eine Bescheinigung durch die Eteuerdeputatton, Adlcllung I>, Eladt- hau», Zimmer Nr. o, ausgestellt. IV. Der Preis beträgt bis auf weiteres 3,80 Mark ttlr Raummeter. Das Brennholz ist geschnitten und gespalten. V. Das Brennholz Ist erhältlich In den durch»in besonderes Schild als„yalzoertuufsstelle der Berliner Bcennflosto- BeschastuugA-Eiefellschasl- kenntlich gemachten Kelz- oder stohiengefchästen: außrrbem auf soigenden städtischen Lager- vlätzen: N, SeNerstr 31—38 C Gelände der städtischen Gasanstalt). NO, Greif-walder Straste(Gelände der städt. Gasanstalt an> Bahnhof Weißensce), HO, Candmehrslr. 34—40(Ecke Lietzmannstratze), NO, Brcnjlauec Allee 80«Gelände der städt. Gasanstalt). SO, ftotfimfer llfet 20-22(Ecke Grünauer Straffe). Näher»«uskunft erteilt die Berliner BrennsloF-Be- schafinngs-wes-llschost n>. b. y.. Frievrichstr. 130, Telephon: Ami Zentrum 6170. sow e die Deputation für die Soizlenversorgung, Spandauer Str. 10-11, Telephon: Ami Zentrum 1364—1367. VI. Die Berkauksstellen find verpflichtei, das verfügbare Brenn- die ----- zp..—----..---- Ihm von der Berliner Brennlloff-Beschaffungs-Geiellschaft m. b. S Friedrichsir. 150, eine Berkaufsstelle nachgewiesen werden.' VIl. Die bisher auagegebenen graublauen Brennbolzkarlen oerltere» mit dem 0. Boocrobec». z. ij,ce Giiltigkeit.* VIII. Reben dieser Abgabe von Brennhol, an die minder- bemittelte Beoöikcrung findet nach wie vor der Perkauf von Brennholz an jedermonu ahne Brennholzkoetc bei obiaen Bertanssstellen zum Preise von 4.00 mark sllr>/„ Banm. Meter in amtlich geeichten Muhen statt. IX. Gegenüber den SIruhenhdndleru ist äußerste Porfichl geboten, weil diese vfelfoä, unter dem Sd)ein billigeren An- gebot« das Publikum zu übervorteilen suchen. Berlin, den 5. November 191g. Magistrat Deputation für die Kohlen- Versorgung. Coahning. ZMOMMelMMMkll Berlin S\V 61, Belle-Wiancestr. 710. Tel. Nollendorf 4460—4463 Tektioncn: Holz- und Möbelivdnstrie, Stock- und Schirmbranche, Abzahlungs- und Versandtgeschäfte. Freitag, den 7. November 1919, abcnbs 7»/, Uhr, im„Königstabt-Kasino, Holzmarktftr. 72 Mltglieckei'-Yei'lammluiig Tagesordnung: 1. Aufbau unserer vrgauisatton. Referent: Kollege Kopp«. 2. Wahl der Fachgruppenleitung. 3 Berschiedenes. 4/zS Ahr. im llebungssaal eefflug.Eiymuastum, Berlin 3L, Pontstr. 18 II. 59/3 A Spezial-Behandlung H, f* InTalidenstr. 147 VV dddd»h I. Etage, Ecke Bergstrafle, Viele Jahre in Krankenhäusern u. Kliniken tätig gewesen. Kostenlose Dntersnchnng und Beratung Ober sachgemäße Behandlung. Sprechstunden 10—12 und 4-8, Sonntag» 10—12, I Vr. med. Karl Reinhardt Berlin, Potsdamer Str II7(a.d.LfitzowstraBe) Spezial-Arzt bewahrte faclimfinnlsche Behandlung;. Unentgeltl. Auskunft u. aufklär. Gratis-Broschöre. i Beschreib, sämtlich. Heilverfahren(verschioss,Brief \ 1.50 M.). Sprechstund, v. VjlZ— 2 mittags,*/2o bis[ L__ 9 abends, Sonntags Spezlalarzt Dr. Hasche Sprechstunden 10—1, 5— S. Sonnt. 10—1. VeWAske 9D- s«n£ Spezial-Behandlung Harn- und Blutuntersuchung, Licht- und Einsen Behandlung. Bestrahlungen. Schnell, sicher, ohne Berufsstörung Getrennte Wartezimmer für Damen und Herren.-— ».".nst-f. Loser. Mfiuzstr. 9 ÄÄnÄf .'Spezial-Behandlung Kühn.pÄf+ ÄHlIrBSSStr lä I Bres�uer dicht am 5chles.vnf. Lvrechz.!Ö— 12, 5—7, Sonnt geschlos sen Harn- und Blutuntersuchun�en., Dampfdrehkrahn mit verstellbarem Ausleger gesucht für Italien. Ausladung 4 m 6 t, 9 m 1,ö t. Gest. Offerten 82/3 unter Chiffre Dp. 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GewerkschattsseM für Bremerhaven gedacht. Derselbe muß die Geschäfte des Gewerk- schattskaiiells führen und imstande sein, Vertretungen im Arbeitersekretariat zu übernehmen. Gewerkschaftliche Erlahrungen, sozialpo itische Kenntnisse, organ-satorische und agitatorische Betähiguni ist Vorbedingung. 221/7* Die Anstellung erfolgt nach den Bedingungen des Vereins„Arbeiterpresse" nebst Teuerungszulagen. Dienstsahre werden angerechnet Der Eintritt muB sofort enolgen. Bewerbungen sind mit uer Aufschrift„Bewerbung" bis IS, November 1919 an Peter Müller, Bremerhaven, Ankerstr. 16 zu richten. £Iektr. Monteure 1 für Hochspannungs-Frei-; leitungsnetzbau u. Haus-; Installationen werden ge- Z sucht 81/18* A,S Prlchs, Aarbus, Dänemark. Ifldinse iimbflutnQdiet für weiffe Arbeit sowie solche zum Fourniere» verlangt Vinnosudrik Steiuberg& Co., gtantfutiet Allee 12.* KnopIIochanzeicluieriDQeii. fleübte verlangen sofort öebr. Borchardt, Wäschesadrifl 11/6* Pappelaller 78 79. K>M!i!ft5ebfteiilenii!ie!i. geübte, verlangen sofort J, Blumenau& Sohn, 11/1* Pappelalle« 75,79, Konfektlousschaeider für Schlafröcke und Haus- onzllge verlang' v. il. Steiuhordt, Unier den Cindeu 10. Melduna.KI.Mauerslr.7 II. 70/5 Tüchtige suchen bei hohem DeHalt und dauernder Stellung INertes8-Co., Lindenstr. 38. Panserinnen per sofort gesucht Borstellung t0— 12 Uhr. ran Bienen& Fischbein, 11/16 Burgsir. 21. KleidernäherinKeD im Hause suchen per sosort für dauernde Beschäinguni Borstellung 10—12 Uhr. van Bienen» Fischbein. Vorgstr. 21, u/u \ Die Gutachter öes /lömiralftabes. (Schluß aus der Abendausgabe.) Abg. Dr. Sinzheimer: Aus den Allen ergibt sich weiter, daß auch General Ludendorff unterricbtel war. Es fragt sich nun noch, ob in der krinichen Zeit vom 26. Dezember bis 9. Januar die wichtigen Telegramme des Grafen Bernstorff, daß Wilson um der- lrauiiche Mineilung der Friedensbedingungen bitte, trotz der Ememenole, der Obersten Heeresleitung und dem Admiralstab rmt- geteilt worden sind. Darüber ergibt sich nichts aus den Akten. v. Bethmann Hollwcg: Was die Oberste Heeresleitung anlangt,� so nehme ich nach dem Gedächtnis nicht an, daß der Inhalt der Depeichcn wörtlich oder auch nur annähernd wörtlich der Obersten Heeresleitung milgeteilt worden ist. Bestimmtes kann ich aber nicht angeben. Wohl ober glaube ich. dem Admiral v. Holtzendorff, mit dem ich in dieser Zeit häufig Besprechungen hatte, Mitteilung ge- macht zu haben. Zimmermann: Selbstverständlich sind alle wichtigen Telegramme der Obersten Heeresleitung mitgeteilt worden. Ich habe täglich über alle Eiiigänge mit dem Freiherrn von Grünau telepboniert, und zwar zur Verwertung der Mitteilungen für die Oberste Heeresleitung. Abg. Dr. Sinzhcimcr: Ist von diesen Telegrammen des Grafen Bernstorff auch dem Kaiser Mitteilung gemacht worden? v. Bethmann Hollweg; Eine große Zahl der eingegangenen Telegramme wurde dem Kaiser ins Große Hauptquartier nach- geschickt. Ein anderer Teil würde dem Freiherrn Grünau zu- geiprochen mit dem allgemeinen Auftrag, von allen wichtigen Ein« gängen dem Kaiser Miiteilung zu machen. Abg. Dr. Sinzheim«: Aktenvermerle finden sich darüber nichr vor. Zimmermann: Bei der Bedeutung dieser Eingänge nehme ich gleichwohl an, daß sie mitgeteilt worden sind. Abg. Dr. Sinzheimer: Die gleichen Mitteilungen sind nach Wien telephoniert worden. Darüber bestehen Altenvermerke. Am 26. November wurde sogar telephoniert, Wilson suche die Konferenz zu Verbindern, was tatsächlich unrichtig war. Zimmermann: Ich hatte diese Ansicht aus den Telegrammen des Grasen Bernstorff gewonnen. Wir wollten schnell eine Kon- ferenz, Wilson aber zögerte. Abg. Dr. Sinzhcimer: Am 23. Dezember hat Ludendorff in einem Telegramm aeiagt, trotz aller FricdenSschalmeieu werde der Krieg mit allen Mitteln fortgeführt werden. Die Oberste HeereS- leitung schien also an die Wilsousche Friedensvermittlung nicht mebr zu glauben. v. Bethmann Hollweg: Die S!eps/ts der Obersten Heeres- leitung in die Politik Wilsons war ungeheuer. So erklärt sich das Ludendorffsche Telegramm. Ueber diese Fragen könnten wir aber erst dann verhandeln, wenn ein Vertreter der Obersten Heeresleitung gehört wird. Das ist bisher aber nicht geschehen. Vorsitzender Abg. Wannuth: DaS ist auch meine Auffaffung. Die Vernehmung deS Generals Ludendorff steht in Kürze in Aussicht. Abg. Dr. Cohn: Hatten Sie in jener Zeit noch Nachrichten aus dem New Jork« Generalkonsulat, die sich in anderer Richtung bewegten, als die des Grafen Bernstorff? Zimmermann: I a w o h l. Es waren nichtamtliche Nachrichten, die an einen Beamten des Auswärtigen Amts gelichtet waren. Danach wurde Wilson anders beurteilt, als Graf Bernstorff ihn beurteilte. Es wurde erklärt, daß die deutsche Kolonie auch Wilson ungünstiger beurteilte als Bernstorff. Abg. Dr. Cohn: Ihre Skepsis mußte dadurch verstärkt werden. Zimmermann: Zweifellos. Abg. Dr. Cohn: Haben Sie auch den Reichskanzler, die Oberste Heeresleitung und den Admiralstab darüber unterrichtet? Zimmermann: Den Reichskanzler sich«, die anderen Stellen nicht, da es sich nicht um amtliche Nachriwte» handelte. Ich glaube nicht, daß ich die Berichte zu den Alien gegeben habe. Abg. Dr. Cohn: Enthielten diese Nachrichten nicht auch die Vermutung, daß Amerika unter keinen Um st änden in den Krieg gegen Deutschland eintreten würde, gleichviel was Deutsch- land tun würde? Zimmermann: Darauf kann ich mich nicht entsinnen. Abg. Dr. Cohn stellt sest, daß dem Ausschuß solche Berichte aus New Jork nicht vorliegen. Zimmermann verwahrt sich erregt gegen die Vorlegung solcher Fragen. Sie dürfen mich nicht zu einem Meineid führen wollen. Dr. Sinzhcimcr stellt fest, daß die Berichte bei den Akten vorhanden sind, aber in dem Auszug nicht aufgenommen worden sind. Reichsminister Dr. David: Ist der Staatssekretär a.D. Zimmer- mann persönlich zu der Auffassung gekommen, der U-Boot-Krieg sei möglichst bald, und zivar schon am 2. Januar zu eröffnen? Zimmermann: Es handelt sich dabei nicht um den rücksichts- losen U-Boot-Krieg, sondern um den U-Boot-Krieg gegen b e- Waffnote Handelsschiffe. Dafür bin ich allerdings ein- getreten. Holtzendorff sagte mir, wenn er nur das Recht bekäme. gegen bewaffnete Handelsschiffe rücksichtslos vorzugehen, so genüge das. 1916 hat Lansing eine bemerkenswerte Mitteilung an die Kriegführenden gemacht, in der er sich aus den Standpunkt stellt. daß bewaffnete Handelsschiffe allerdings wobl als Kreuzer betrachiet werden könnten, und daß. falls die Feinde sich diesem Slaiidpunll nicht anschließen, die amerikanische Regierung in Erwägungen treten müsse, um ihren Standpunkt z» wahren, d. h., daß solche Schiffe>n amerikanischen Häfen den Vorschriften für KriegS>chiffe unierliegen. Dieser U-Boot-Krieg gegen die bewaffneten Handels- schiffe hätte die FrirdenSaktion nicht gestört. Dr. David: Ich nehme an. daß Sie diesen Standpunkt auch den militärischen Stellen gegenüber zum Ausdruck gebracht haben. Zimmermann: Dem Admiralstab gegenüber stcher. Dr. David: Der ReichskonUer und Dr. Helffench teilten diesen Staiidpunkt nicht. Sie waren der Meinung, daß auch dieser unbeichränlte U-Boot-Krieg gegen bewaffnete Handelsschiffe politisch die gefährlichsten Konsequenzen haben müsse. Zimmermann: Die Frage ist sehr vorsichtig bebandelt worden. Das Terrain wurde vorher londiert. Ich hoffte, in dieser Frage mit Amerika zu einer V e r st ä n d i g u n g zu kommen. Damit ist dieie Angelegenheit erledigt. Es wird der Staatssekretär a. D. Helffcrich als Zeuge vereidigt. Vorützend« Warmnth stellt fest, der AuSlchuß teile die Auf- siisiuno des Heri» v Beibmann Hollweg, daß die Ergebnisie der Akren durch die Veriiebmuiig der Zeugen ergänzt werden iollen. Abg Dr. Cohn erhebt gegen diese Auffassung Einspruch Wir sind lein Ausschuß zum Siudium von Alien, sondern müss, n eiue lebendioe nnmitlelbare Beweisaufiiabmc vornehmen, nicht nur dre Lücken ausfüll-n. o. Bethmann Hollweg: Dem muß ich widersprechen. Es ist mrr obne ein genaue« Studium der Akten, da» monatelang wädren würde, unmöglich, hier«ine lückenloie Darstellung der Ereignisse zu geben, soweit ich daran beteiltgi bin. Ich glaube, daß der Ausschuß, der nch ein Bild von der Siiuanon aus den Alten g macht hat. eine Ergänzung finden soll, indem er mich fragt. was tür Moiive und was für Ziele ich gehabt bab«. Das steht nicht in den Akten. Hier einzugleisen, dos wird meine Au'- gäbe«ein. Meine Au-gabe ist c§ aber nicht, eine lebendige Rekonstiuktton der damaligen Begebenheiten zu bringen, wie das in einem Prozeßverfahren stattfindet. Dabei mitzuwirken, kann ich nicht als meine Aufgabe aniehen. Der Ausschuß kommt völlig zum Ziele, wenn er mich fragt: Was haben Sie gewollt mit der Sache, wohru haben Sie gesteuert? Daraus wird die Vernehmung des AdmiralS Koch fortgesetzt. Abg. Gothein: Staatssekretär Zimmermann hat hier berichtet, dem Admiral Holtzendorff hätte es genügt, wenn er gegen be- waffuete Handelsschiffe vorgehen konnte. Admiral Koch: Für uns war es von großer Wichtigkeit, daß wir wenigstens die Genehmigung bekamen, gegen die b e w a f f- neten Dampfer vorzugehen, wenn ihre Armierung einwandfrei estgestellt war. Der Redner setzt dann seinen Bericht fort: Was den Zeitpunkt anlangt, io argumentierte He« v. Holtzendorff: Wenn wir Ende 1917 fertig sein wollten, so müsse die kritischste Zeit für das englische Wirtschaftsleben für die Wirkung deS U-Boot- Krieges angenommen werden, und das sei die Zeil zwischen den beiden Ernten, im August. Etwa sechs Monate seien erforderlich, um den U-Boot-Krieg vorzubereiten und somit müsse man spätestens Anfang Februar anfangen. Schnellstes Vor- geben war dabei allerdings Bedingung. Diese Vorbereitung war möglich, auf Grund der bisher gewonnenen Resultate de-Z U-Loot- Krieges als Handelskrieg und als Kreuzerkrieg. Vorsitzender Warmuth: Bielleicht kann uns darüber eine schriftliche Auistellung gemacht werden. Admiral Koch: Vom allen Personal ist niemand mehr vor- Händen, die Anfertigung einer neuen Ausstellung würde wohl eine große Arbeit verursachen. Abg. Dr. Sinzheim«: In den Akten sind Feststellungen deS Kanzlers v. Belbniann vorhanden, wonach im März 1916 etwa 38 Boote zur Bcrfügung standen. Im Mai etwa 5V. Diese Zahlen bat Herr v. Bethmann sich auf Grund von Auskünften selbst notiert. Dieie 38 Boote waren aber nicht alle bereit, in See zu stechen, andere muhte» noch zurückgehalten werden. Ueber die Zahl der U-Boote am 1. Februar 1917 läßt sich nichts Be- stimmt es sagen. Es darf angenommen werden, daß etwa 120 Boote damals zur Verfügung standen, aber auch nicht alle seebereit. Da müßte» wohl noch Feststellungen auf Grund der Akten der Admiralität gemacht werden. Im März 1916 hat Großadmiral Tirpitz den richtigen Zeilpunkt für gekommen erachtet. Das Hauptargunienl des Kanzler?, den U-Boot-Krieg im März 1916 nicht zu beginnen, war die geringe Zahl der U-Boote. War die Ausstellung der Marine, die an da« Auswärtige Amt ging, richtig oder nicht? .Ein Vertreter der Marine: Ich wäre dankbar, wenn wir eine Abichrist des Aktenstückes bekommen könnten, um mit dem Aus- wältigen Amt einen Vergleich vorzunehmen. Konsul Müller: Ein solcher Vergleich kann herbeigeschafft werden. Abg. Dr. Spahn: Im Budgetausschuß waren Differenzen zwischen Admiralität und den einzelnen Abgeordneten über die Stärke unserer U-Boot-Waffe vorhanden. Später brachte die»Frank- furler Zeitung* aus Grund der Darlegungen des Abg. Struve in der Kommiision eine anderweite Aufstellung. Abg. Gothein: Im HailSbalisausschuß wurden seitens des Staatssekretärs deS Reichsmarineamls Zahlen genannt, die von meinen und denjenigen des Abg. Slruve abwichen. Dr. Helffcrich: Die Angaben über die Zahl der U-Boote haben sich teilweise widersprochen. Das kommt daher, daß man verschiedener Auffassung war, welche Boote man als U-Boote zu bezeichnen hatte. Es gab auch Mincn-U-Boote und andere. v. Capelle: Eine genaue Angabe über die Zahl der zur Ber- fügung stehenden U-Boole Ist für alle diejenigen, die nicht mitten drin stehen, außerordentlich schwielig. Wir hatten bis zu zehn Typen, große, mittlere und kleinere U-Boote, dann solche, die für den Torpedokrieg ausgerüstet waren, und solche, die für den Minenkrieg bestimmt waren. Bon diesen U-Booten war ein Teil im Bau. in der Abnahme, für andere wurde das Personal ausgestellt, ein Teil war auf den U-Boot- Stützpunkten, ein anderer aus Fern- unternehmuitgen. auf Stationen, auf der Rückreise, in Reparalur. Bei der Angabe der U-Boot-Zahl kann sich der Laie eigentlich gar nichlsdenken, und derjenige, der die Angaben macht, wird meist selber so konfus dabei, daß er es selbst nicht versiebt(Heiterkeit). Ich habe mehrfach im HauptauSichuß gebeten, die Abgeordneten möchten sich das Bild von der Sacke nicht selber komplizieren; ich habe deshalb immer nur summa- riscke Zahlen gegeben. Ich würde infolgedessen glauben, daß eine Zusammenstellung über die U-Boote, die der Untersuchungsausschuß zu haben wünscht, auch kein richtiges Bild geben wird. Abg. Gothein: Die Darstellung im Hausbaltsausschuß hat an Klarheit vieles zu wünschen übrig gelassen. Diese Unklarheit be- ruhte darauf, daß unS eine große Zahl von U-Booten angegeben wurde, die aber nicht die srontbereiten U-Boote erkennen ließ. Admiral v. Capelle nannle a l l e U-Boote, während ich nur die srontbereiten im Auge halte. Abg. Dr. Schücking: Ist dem Zeugen bekannt, daß seitens der Oberste» Instanz der Marine Gewichr darauf gelegt wurde, die Zahl d« U-Boote nicht bekannt werden z« lassen, und daß man auch deutschen Gesandten im Auslände gegenüber nicht die ge- wünschte Auskunft gegeben hat. Hat man sich geweigert zivilen Instanzen Auslunft zu erteilen, da es sich um militärische Angelegenheiten bandle, die sie nicht angehen? v. Capelle: Der Ausdruck»fronibercile U-Boole* umfaßt eben- falls mehrere Kategorien, die ausreisenden, die in Fernunterneh- mungen befindlichen und die rückreiienden. WoS die Geheimhaltung anlagt, so bin ich persönlich stets bestrebt gewesen, dem Haushalts auSschuß und in einzelnen Fällen auch den Parteiführern reinen Wein über die ganzen Verhältnisse einzuschenken. Ich bin sogar bestrebt gewesen, immer übertriebenen Auffassungen entgegenzu- treten. DeSbalb sind mir auch Vorwürfe gemacht worden, und ich bin infolgedessen etwas abaeschottet worden. Mit deutschen Gesandten habe ich nie Gelegenheit gehobt, über dieien Punkt zu sprechen, sie werden wohl beim Admiralstab gewesen sein. Admiral Koch: Admiral v. Holtzendorff dürfte Herrn v. Belh mann jederzeit absolut reinen Wein eiugeschenlt haben. � AuSwäi ljge Gesandte lönnen sehr wobl ohne Antwort geblieben sein. Weshalb wandten sie sich auch nicht au ihre vorgesetzte Behörde. Abg. Dr. Sinzheim«: Die Akren ergeben, daß v. Bethmann monatelang kämpfe» mußte, um zweifelSkreie Auskunft über dieU-BootS-Stärke zu bekommen. Holyendorff stand auf dem Standpunkt, zn dieser Mitteilung iei er nicht vervfl'ibtet. Admiral Koch: ES wurden Berechnungen über das Voraussicht. liche Monatsergebnis angestellt und man kam zu einer Ver- seukungszisfer von 666 999 Tonnen. Die Denkschriften des Ad- miralstabeS beruhten auf amtlichen Unterlagen und wurden sehr vorsichtig aufgestellt. Fast alle Fachleute hatten zugestimmt. Abg. Dr. Sinzhcimer: Das ist doch nicht richtig. Wurden die Berechnungen der Denkschriften trotz der entgegenstehenden Gutachten aufrecht erhalten? Wer hat denn die Denkschrift verfaßt? Admiral Koch: Kapitän Vanselow, der stellvertretende Direktor der DiSkonto-Gesellschaft in Magdeburg und Dr. Fuß und Profesior L e v y- Heidelberg. Abg. Dr. Sinzheimer: Weshalb wurde diesen Volkswirtschaft- lich unbekannten Herr«, der Vorzug gegeben vor den Bedenken einer volkswirtschaftlichen Autorität wie Helfserich? Warum hat man überbaupt nicht die ersten Sachverständigen Teutschlands zu dieser wichtigen Frage hinzugezogen? Admiral Kolli: Wir haben die Denkschriften ersten Fachleuten und Wissenschaftlern zugänglich gemacht. Abg. Dr. Sinzheimer: Von wem stammt die Denkschrift vom 22 Dezember in der Hauptsache? Admiral Koch: In erster Linie von Dr. Fuß in Magde- bürg. I Abg. Dr. Sinzheimer: Der ist doch unbekannt in der Volks. Wirtschaft. Hier aber handelte es sich sogar um Weltwirtschaft- liche Berechnungen! Admiral Koch: Wir haben Vertreter der Finanz, des Handels, der Industrie und der Landwirtschaft gehört. Abg. Dr. Sinzheimer: Nach welchen Gesichtspunkten wurden die Herren ausgewählt? Warum hat man nicht anerkannte Auto- ritäten, wie Prof. Schumacher. Max Weber und Lujo Brentano gehört? Warum hat man sich auf in der Volkswirtschaft unbekannte Herren beschränkt? Woher sollen Vertreter der Schwerindustrie Kenntnis haben von der Getreideversorgung Englands? Admiral Koch: Für die Getreideversorgung Englands haben wir auch Max Weill aus Frankfurt a. M. als Sachverständigen gehört. Abg. Dr. Sinzheimer: Ich würde die Vorladung dieses Herren beantragen, damit der Ausschuß«in persönliches Bild gewinnt. Abg. Gothein: Es ist in der Tat auffallend, daß mit Ausnahme von Hermann Levy kein Vertreter der Nationalökonomie gehört worden ist. Dieser Zlame aber war nicht unbestritten. Auch die Auswahl der Sachverständigen aus dem Getreidehaudol war nicht einwandfrer. Man nahm aus Hamburg und Frankfurt, während das Schwergewicht deS Getreidebandels in Mannheim und Berlin liegt. Das ist doch sonderbar. Welche Fachleute haben nicht zu. gestimmt? Admiral Koch: Auch Professor HarmS in Kiel war einver- standen. Jedenfalls war Admiral Holtzendorff zu der Uebcv- zeugung gekommen, daß der U.Boot-Krieg England in fünf Monaten nieberzwiusen würde. Wir hofften auch aus physische und moralische Wirkungen des U-Boot-Krieges. Die Niederzwingung ist nicht erreicht worden, geschweige in fünf Monaten. Die U.Boote haben uns nicht im Stich gelassen, sie haben mehr versenkt, als wir berechnet hatten. Wirkungslos war der U-Boot-Krieg auch nicht. Nach dreimonatiger Dauer sagte Admiral Sims zu Jellicoe: Deutschland würde den Krieg gewinnen. Die englischen Schiffsverluste waren viermal so groß als die englische Presse gemeldet hatte. Abg. Siuzheimer weist darauf hin. daß England keine Brot- rationier ung gehabt hat, daß die Wirkung des U-Boot- Krieges also nicht elementar gewesen sein könne. Admiral Koch: Dlonatelrmg haben die Engländer kein Fett be. komnien. Dr. Helffench: In England bestand eine Brotrationierung, aber keine Brotkarte. Je nach den vorhandenen Beständen wurde die Verteilung vorgenommen. Reichsminister Dr. David: Sie haben den Bericht des Admi- rals Sims als objektiv angesehen? Lag der Gedanke nicht nahe, daß die Englä.nder absichtlich die Lage möglichst düster und gefährlich darstellten, um die Amerikaner zu veranlassen, schleunigst Schiffe zu bauen? Die politische Tendenz dieseer Mitteilung der Erigländer lag doch auf der Hand. Admiral Koch: Sims tvar ein ausgesprochener Deutschenfeind. Ich bin fest überzeugt, daß man Sims in England alles gesagt hat. ivas notwendig tvar, um ihn zu überzeugen, daß Amerika in den Krieg eingreifen müsse. Der Redner verliest einen Aufsatz Churchills vom 12. Januar 1919, in dem erklärt Wiriu daß es nur wenig mehr bedurft hätte, und der U-Boot-Krieg hätte, England durch Hunger zur Uebergabe gezwungen. Abg. Heile: Reden und Aufsätze aus dem Jahre 1919 können doch zur Beurteilung der kritischen Lage damals nicht herangezogen werden. Hat man denn aber nicht die Inserate der englischen Zeitungen beachtet? Während bei uns nur Ersatz und immer wieder Ersatz geboten wurde, wurde in de» englischen Zei- tungen noch alles angeboten. Abg. Dr. Cohn: Wenn man mit Personen gesprochen� hätte, die in jener Zeit aus England kamen, so hätte man erfahren, daß dort noch alle Nahrungsmittel, auch Weider, im freien Verkehr zu haben waren und damals noch zu einem wenig höheren Preise als im Frieden. Abg. Schücking: Ter U-Boot-Krieg wurde auch gemacht, da- mit die Munitionstransporte nach Frankreich verhindert würden. Ist es möglich gewesen, diese englischen Trans- parte über den Kanal zu hemmen? Admiral Koch sagt eine Aufstellung über die Menge de? per« senkten Kriegsmaterials zu. Abg. Schücking: War es nicht notorisch, daß die Transporte durch den Kanal trotz des unbeschränkten U.Boot-Krieges völlig ungehemmt weitergingen? Admiral Koch: Völlig ungehemmt nicht, nur an der engste» Stelle. Aus kleinen Dampfern wurde dort während der Nacht dauernd Munition hinübergeschafft. Dr. Sinzheimer: Wie kommt eS, daß die großen amerikanischen Truppentransporte nicht verhindert wurden? Admiral Koch: Jedes U-Boot hatte feinen Bezirk und mußte alles nehmen, was kam, ob es nun gerade Transporter waren oder nicht. Dr. Sinzheimer: Hier liegt aber ein springender Punkt. Ca- pelle hat gesagt, amerikanische Transporte brauchen wir nicht zu fürchten, das ist willkommene Jagdbeute für die U-Boote. Abg Gothein: Ein einziger amerikanischer Truppenirans- porter wurde versenkt. Da? steht doch in Widerspruch zu den Aus- sichten, die gemacht wurden. Abgesehen vom Höhepunkte im April oder Mai 1917 ist die Zahl der versenkten Tonnage dauernd zurück- gegangen. Woran lag dieses Versagen der U-Boote? Admiral Koch: Wir wissen vorläufig noch nicht, wie sich die Dinge zugetragen haben. In erster Linie kommt die englische Gegenwirkung in Betracht durch Erfindungen verschiedener Art, durch schnellfahrende Fahrzeuge, so dag die U-Boote dauernd unter Wasser gedrückt wurden, dann das System des Convoi und der dauernde Wechsel der Ein- und Ausfuhrhäfen. Die U-Boote haben nicht nachgelassen. Abg. Dr. Schücking weist darauf hin. daß nach dem Völkerrecht England die Millionen von neutraler Tonnage, die in den Häfen lagen, beschlagnahmen konnte. Dadurch war die Wirkung des U-Boot-Krieges von vornherein zum großen Teil ausgeglichen. Dr. Sinzheimer: In der Presse wurde in dem Sinn« ge- arbeitet: Wir werden England auf die Knie zwingen! War es Ihne» nicht möglich, diese gefährlichen, übertriebenen Erwartungen durch die Zensur, die Sie in der Hand hatten, zu dämpfen? Admiral Koch: Die Zentralgewalt lag nicht beim Admiralstab. Wir waren auf das Oberkommando oder die Oberste Heeresleitung angewiesen. Von uns rührt dieser Ausdruck nicht her. Er ist aus sich geboren. Abg. Sinzheimer: Ist Ihnen bekannt, daß planmäßig in der Presse eine Agitation zugunsten deS unbeschränkte» U-Boot-Krieges getrieben wurde? Admiral Koch erklärt, daß ihm das persönlich nicht bekannt sei und daß der Pressereferent darüber Auskunft geben werde. Süo. Tinzffeimer wM daraus ßin. dah die verlrauiichen Denk- schriften weitere Verbreitung fanden. Admiral Koch: Die letzte Denkschrift an Hindenburz, wo davon die Rsde ist, daß fünf Monate gebraucht wurden, ist nur in 6 oder 8 Exemplaren hergestellt worden. Abg. Dr. Cohn verweist auf ein Telegramm des Vertreters des Auswärtigen Amtes im Hauptquartier vom 1. Januar 1917, in dem gesondert wird, den Grafen Reventlow und Rippler zum Schweigen zu bring en, indem man ihnen vertraulich die Pläne der Regierung mitteilte. Diese Aufforderung rührt von Ludendorff her, und er scheint angenommen zu haben, daß der Admiralstab Beziehungen zur Presse habe. Ist Ihnen be- kannt, daß Reventlow in dauernder persönlicher Be- ziehung zu gewissen Stellen der Marine gestanden hat? Admiral Koch: Das ist mir nicht bekannt; ich habe persönlich den Grafen Reventlow zu mir gebeten und habe mit ihm über den U-Boot-Krieg gesprochen und ihn gebeten, keine Pro- p a g a n d a dafür zu machen, und ztvar auf Bitten aes Staats- sekretärs Zimmermann. Das war in der Zeit, wo der U-Boot-Krieg beschlossen war und noch nicht begonnen batte. Abg. Dr. Cohn: Das Telegramm, das auf diesen Verkehr mit der Presse Bezug hat, stammt vom LegationSrat v. Grünau, dem Vertreter des Auswärtigen Amtes bei der Obersten Heeresleitung. Aus ihm geht auch hervor, daß es ein leichtes war, auf die Presse einwirken zu können. Bei der Behandlung dieser Angelegenheit seitens des HaushaltSausschusseS kam die Absicht des Swatssekre- tärs v. Capelle nicht so klar zum Ausdruck, die Bedenken des dcima- ligen Abg. Dr. David über die militärische Wirkung und den Ein- tritt Amerikas in den Krieg richtigzustellen. Herr v. Capelle war dabei der Ansicht, daß es Hunderte von Schiffen bedürfe, um eine amerikanische Armee nach Frankreich zu bringen, überdies würden sich schwerlich Hunderttausend Frei- willige in Amerika finden, nachdem man in England von der Kriegsbegeisterung abgekommen sei. Dann müßte diese Armee ausgebildet und schließlich transportiert werden. Eine bessere Jagd- beute für unsere U-Boote könne man sich nicht denken als eine der- artige Transporiflotie. Die amerikanische Gefahr fei gleich Rull. Admiral Koch: Seiteiis des Admiralsiabes ist die militärische Bedeutung eines Krieges mit Amerika niemals unterschätzt worden. Abg. Dr. Cohn: Ist Ihnen die Ziffer der transpor- tierten amerikanischen Mannschaften bekannt?(Admiral Koch: Nein.) Es sollen nach englischer Angabe 1890 MO gewesen sein.(Admiral Koch: Ich habe sie höher geschätzt.) v. Capelle: Von selten der Seekriegslcitung ist immer die Ansicht vertreten worden, daß der rücksichtslose U-Boot-Krieg innerhalb fünf oder sechs Monaten eine Beendigung des Krieges herbeiführe» würde. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch alle Denkschriften, Acußerungcn und auch durck die Verhandlungen im HaushaltSausschnß hindurch� Nur auf diese begrenzte Zeitdauer bezog sich meine Aeußerung über Amerika, nicht darauf, was Amerika iu anderthalb oder zwei Jahren leisten könne. Für die beschränkte Dauer haben sich meine damaligen Ausführungen nicht als unrichtig er- wiesen. Eine Diskussion darüber, was Amerika leisten könne, wenn der Krieg etwa noch zwei Jahre dauerte, hat im Haushalts- ausfchuß nicht stattgefunden. Diese Möglichkeit ist auch von keiner Seite crnstl'ch in Betracht gezogen worden. Wrs nun die V e r- senkung der Transportschiffe anbetrifft, so soll ich ge- sagt haben,. daß kein Stück herüberkommen würde. Das ist nicht richtig. Wenn ich gesagt habe, daß rund 199 Schiffe� erforderlich sein würden, wo sollten sie diese bei der gegenwärtigen Frachtraumnot hernehmen, und eine bessere Jagdbeute auf hoher See könnte man sich nickt denken, so habe ich damit gemeint, daß wir von diesen hundert Schiffen zahlreiche Schiffe torpedieren könnten. Diese Ansicht wird seder gehabt haben. WeS- halb dieser Erfolg nicht eingetreten ist, kann nur von der See- kriegsleitung gesagt werden. Daraus wird die Fortsetzung der Vernehmung auf Freitag vor- mittag 19so Uhr pünktlich vertagt. / HewerkschHsbewMng Der Metallarbeiterftreik. Allinählich beginnt Selbstbesinnung anck in jenen Kreisen wieder Einkehr zu halten, die noch vor einigen Tagen ohne jedwede Gewissensskrupel für den Generalstreik Stiininung zu machen suchten. Die„Freiheit" betrachtet in einem„Die letzte Phase" überschriebenen Artikel den staird der Dinge mrd betont, daß die Uneinigkeit in der Arbeiter- schaft den Erfolg der beabsichtigten Aktion von vornherein in Frage gestellt habe. Uns scheint, daß das unabhäng'ge Blatt in diesem Fall nicht ganz recht hat, wenn es das Fehl- schlagen der Generalstreikparole lediglich aus die Uneinigkeit der Arbeiterschaft zurückführt. Wenn wichtige, das Lebens- interesse des Proletariats berührende Fragen auf dem Spiele stehen, ist auch eins politisch leider zerklüftete Arbeite'Haft zu gemeinsamen Aktionen bereit. Um die Verteidigung solcher Lebensinteressen aber han- delte es sich in vorliegendem Falle nicht. Der Beschluß der Metallarbeiter-Generalversaimillung, der Gesamtavbeiterschaft den Generalstreik aufzuoktroyieren, beweist nur in erschreckendem Maße, wie wenig eine von wilder Partei leidenschaft erfüllte Körperschaft die Methoden des gewerkschaftlichen Kampfes zu handhaben versteht Und dieser Seneralftreikbeschluß konnte auch nur mit so überwältigenider Majorität zustande kommen, weil keiner der führenden Männer in dieser Bewegung den Mut aufbrachte, einer aufgepeitschten Versammlung das zu sagen, was die Stunde erforderte. Die Rusch und Genossen ivaren nach ihrein eigenen Ge« ständnis nicht erfüllt von dem Glauben, daß eine Ver- schärfung des Kampfes den im Streik befindlichen Metall- arbeitern noch von Nutzen sein könnte. Sie hätten, wie das bisher bei Getoerkschastsführern üblich war, in der Bcrsamm- lung austreten und den Versammelten diese ihre Ueber- zeugung zum Ausdruck bringen müssen. Sie haben ober g c- schwiegen. Nie noch haben Gewerkschaftsführer eine jämmerlichere und feigere Rolle gespielt, als in dieser großen Streikbewegung. Und dieselben Kreise, die von vornherein nicht überzeugt waren von der siegenden Macht de- verschärf- ten Kampfes, deren zweideutige Haltung eine große beschluß- fassende Versammlung im unklaren ließ über den Stand der Tinge, wagen eZ jetzt, die Schuld für das Mißlingen dieser Generalstrcikkomödie auf das Konto der Mehrheitssozial- demokratie zu setzen! Das ist Demagogie in krassester Form. Wir begreisen es daher, wenn in dem Artikel der„Frei- weit" eine gewisse Katzenjammerstinnnung zum Ausdruck kommt. Sic beginnt, da ja die Mehrheit der Gewerkschasts komnnssion aus Unabhängigen besteht, also ihre eigenen Parteifreunde diesen vernünftigen Beschluß gefaßt haben— „alles in kühler Rnbe und olme Erregung zu sagen". Mit dem Vorwurf, daß die Mehrheitssozialisteu diesen"von ihr so .sehr propagierten Generalstreik kaputt gemacht hätten, wartet sie in dieser Betrachtung nicht ernmt auf. Das heißt auch wirklich die eigene kapitale Dummheit auf die Spitze treiben. Eine neue Vermittlungsaktion. Wie verlautet, hat der ReickSarbeitSiniuister beide Parteien zu einer neuen Besprechung eingeladen. ES dürfte sich im Laufe des heutigen Freitag entscheiden, ob die Organisation der Unternehmer sowohl wie auch die der Streikenden dieser Einladung Folge leisten. Die am heutigen Freitag stattfindende Generalversammlung der Metallarbeiter wird wohl zu diesem VermittlungSvorschlag Stellung nehmen. Mitteilungen einer Korrespondenz zufolge sollen auch' bei Borsig bereits einige Betriebsabteilungen wieder eröffnet worden sein. Die Fünzehnerkommission weist demgegenüber darauf hiir, daß der Streik weitergeht. Am heutige» Freitag werden auch die Arbeiter der Betriebs- werksiätte der Großen Berliner Straßenbahn die Tätigkeit wieder aufnehmen. Ablehnung des Berkehrsstreiks in Hamburg. In einer im Hamburger Gewerkschaftshause abgehaltenen Ver« semmlung der Vertrauensleute der VerkehrSarbeitcr wurde der Au- trag der Linksradikalen auf Einstellung des Verkehrs am 9. November mit großer Mehrheit abgelehnt. /In öie Mitglieder des Deutschen Metallorbeiter- Verbandes. Der von der Generalkommission herausgegebene„Gewerkschaft- liche Nachrichtendienst' veröffentlicht folgenden Aufruf: Kolleginnen und Kollegen! Die lO LerbandSgeneralversammlung ist beendigt; da? Er- gebnis der zehntägigen Verhandlungen und Kämpfe untersteht Eurem Urteil. Tie Führer der Opposition haben Loch bei den Wahlen in Ausficht gestellt, daß diese Generalversammlung im Gegensatz zu den übrigen Tagungen der.Gewcrkschaftsbonzen' die Generalversammlung der Tat werden müsse, getragen vom revolu- tionärcn Willen der Kollegen aus der Werkstatt. Zahlreiche schriftliche und mündliche Aeußernngen auS den Reihen der Kollegenichaft bringen heule schon den schärfsten Un- willen über die in Stuttgart gefaßten Entschließungen zum Ausdruck. Wer die Entwicklung der Dinge im Verbände in den letzlen Jahren verfolgte, konnte nicht im Zweifel darüber sein, zu welchen Zwecken eine Generalversammlung von der Opposition benutzt werden sollte- Sie ist denn auch nach dem Willen der Führer der Opposition auS dem Lager der U. S. P. D. zu einem Kampfe um die Macht der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands benutzt worden. An Stelle des Kampfes um die wirtschaftlichen und beruf- tichen Jnteresien der deutschen Metallarbeiter ist der nackte und widerwärtigste Jnteressenkampf einer politischen Partei getreten. Der Unwille über die Tagung und deren Beschlüsse wird in den nächsten Tagen und Wochen tausendfachen Widerhall finden. Der größte Fehler wäre es aber, wenn— wie schon von ver- schiedenen Seiten angekündigt wird— die Kollegen und Kolleginnen diese ihre Mißstimmung durch Austritt aus dem Verbände zuin Ausdruck bringen wollten. Das darf unter keinen Umständen geschehen. Jetzt gilt eS erst recht zusammenzustehen. Wir fordern unsere Anhänger in allen Teilen deS Reiches auf, gemeinsam mit unS etwaigen schädlichen Rückwirkungen der Be- schlüsse dieses VerbandStageS nach Möglrchkeit einzudämmen und eine Aeiiderung der Verbandötagöbeschlüsse herbeizuführen. Delegierte der Minderheit. Gewerkschaftsmitglieder! Eintrittskarten zu ermäßigten Preisen für die Vorstellung .Gespenster' von Ibsen im„Deutschen Theater' am Sonntag, den 9. November, nachmiitags 2 Uhr, können im Bureau, Engel- ufer 151, Zimmer 15, von morgens 9 bis nachmittags Slia Uhr in Empfang genommen werden. Achtung! Maler! Durch Vereinbarung vom 13. Oktober im ReichsarbeitS- Ministerium, der beide VertragSkontrahcnten zugestimmr haben, ist "der Stundenlohn um 59 Pf. erhöht worden, so daß der Minimal- lohn 3,— M. pro Srunde beträgt; zahlbar spätestens vom 1 No« vember ab. Verband der Maler usw., Filiale Berlin. Hungerlöhne in den Schuhwarcnhäusern. Unter dieser Ueberschrist veröffentlichten wir gestern morgen einen Artikel, aus dem leider nicht zu erjeheir war, daß in den SÄuhwarcngeschäfteii von Leiser und Aren sie in nichr gestreikt wird, da das Personal dort seit dem 1. April d. I. laut Tarif bezahlt wird und keine Forderungen erhoben bat. Nur in den Geschäften der Firmen Julius Berlowitz, R. Dorndorf, M. I. Neustadt, Berlin �V, Salamander Sckuhgesellschaft in. b. H., Berlin, Potsdam und Spandau,„Der Schuhhof'. Berlin und Spandau, und Carl Stlllers Schuhwarenhaus befindet sich das kausmännische Personal im Ausstand, da diese Unternehmer auf dem Herrn-im-Hauie-Standpunkt stehen und Hungerlöbne bezahlen. Die Situation ist für die Angestellten günstig und sie sind enlschlosien, bis zur Durchsetzung ihrer inäßigen Forderungen zu lämpfciu Arbeiter! Angestellte! liebt Solidarität! Zcntralverband der Angestellten. Fachgruppe 7. Einigung im Dresdener Großhandel. Die Tarifverhandlungen zur Beilegung des Dresdener An« gestellienftreiks in Großhandel und Industrie haben Donnerstag früh zu einer Einigung geführt. Die Arbeit wird spätestens Freitag früh wieder aufgenommen werden.-In der BeriorgungS« industrie, Lebensmittel- und Kohlenbetrieben wurde bereits am Donnerstag wieder gearbeitet. An den Verhandlungen war Arbeits- minister Heidt beteiligt. Ter rheinisch-weftfälische Straftenbahnerstrcik. Dem Lohnsireik der Essener Straßenbahner, der am 2. November früh begann, haben sich nach und nach alle Straßenbahneil de? rheinisch-westfälischcn �ndustnegcbieies von Hamborn bis Hoerde und bis ins Wuppertal angeschlossen. Zum Metalsarbeiterstreik. Daimler, Marienfclde. Heute 12 Ukir Auszahlung der Streik- uiilelsUltzinlg im Speisesaal. Jeder Kollege muh erscheinen. Mitgliedsbuch niitbrinqc». Funktionäre um 11 Uhr. Schwartztopsf-Arbeiter BSildau B. M. Ä. W. Sonnabend, den 8. Nov.. vorm. S— 12 Ubr, Quittungen unterschreiben im Kasino Wildau. Autowerk, Ticiiirnsstadt. BetriebSverfammIiing Sonnabend Uhr, VertronenSmänner v Uhr bei Kant, Hertzltr. Anschließend Auszahlung. Titania-Werk. Sonnabend. 19 Uhr vorm., Lersanimlung und Ab- gäbe der StreilsleinpeUarten. Sämtliche Kollegen müssen im Streiklolal erscheinen. Elmowerk Z. Z. Werke. Am Sonnabend 10 Uhr in der Krone, A!t>Moabit: Betriebs Versammlung. ES ist Pflicht jcdeS einzelne!! zu erscheinen, da zu gleicher Zeit Streikkontrolle dort ausgeübt wird. Krtcgsbeichädigte und Hinterbliebene des Sicmcuskonzcriis. Sonnabend, nachm. 2 Uhr, im Voikshaus, Eharlottcnbiirg, Rosin-nstr. 3: Verjammiung. LSrumwerk. Für die im Metallarbcitcrverband organisierten Kol- legen Freitag und Sonnabend Quittung unterschreiben 9—1 Uhr. Freitag 2 Uhr: VertraucnSIcutclonsercnz im Streillolal. Dvnamowcrk Siemens- Schlickert. Heute Freitag, früh 8 Ubr, Betriebsversammlung im Siadlpark Jungfernheidc. Aeußerft wichtige Tagesordnung. Erscheinen aller unbedingt erforderlich. Atkumularorcu, Lbcrschöneweidc. Am Sonnabend im Streiklolal. Ratbenam'tr. 6: Kranleugeld bezahlen. F. Werner. Lüvowstr. Bctnebsocrsammlung der streikenden Kol- legen am Freitag 12 Uhr im Ratio nalhos, Bülowjtr. 37. Im Anschluß wird die Unterstützung ausgezahlt. Vcrqiiiaiiliwerke(Berlin). Freitag, nachm. 2 Uhr. Betriebsversamm- lung PharuSjälc, Mllllcrstraße. A.