Ur.SSS.3«.I-I,rg. Bezugspreis: Bl-rtiljiihrl. l0L0 mt, monatl.3�0-Dit frei ins Hans, voraus zahlbar. Post- bcjug: Monatlich 3» MI.«xll. Au- stellnnzsgebllhr. Unter Kreuzband für Deutf chland und Oesterreich- Ungarn 6,75 Mt. für das übrige Ausland lstTZ Ml. beitäglich einmal. Zustellung 8,75 Ml. Postbestellungen nehmen an Dänemarl, Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeiinngs-Preisliste. Der.Vorwärts� mit der Sonntagsbeilage»Ball n. Zeit� erfchewt wochen- tägiich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adresse: jboziolbenolval Berlin'. Morgen-Ausgabe. Nerlinev Oolksblstt �ISpksnnig) Anzeigenpreis: Die achtgeipaitene Nonpareillezeile lostet lL!> M., Tenernngszuschiag ii0°/o. .Sloiue Anzeigen', das fett- gedruckte Wort 75 Pfg.(zuiäfstg zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort bv Pfg. Stellengesuche uno Schlafftellenanzeigen das erste Wort KS Pfg. jedes weitere Wort io Pfg. Worte über lö Buchstabe» zähle» iür zwei Worte. Teueningszufchlag öö'>. Familien- Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Pereins- Anzeigen I,K0 Ml. die Feil» Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 63, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr jruh bis S Uhr abends. Zentralorgan der(bzialdemokratifchen parte» Deutfchlands Ueüaktion und Expedition: EW. öS, Linüenstr.Z. aeruivrechert«mt Morinpla«. Nr.»ö»ISV—»SIS7. Freitag,'den Ä1. November 1VIN. vorwärts-verlag G. m. b. h-, Ell). SS, Linöenstr. 2. acrnfvrechcr: Amt Moritiplati, Nr.»17 ä?— 54. Der„Sieg öer Demokratie�. Das Wahlergebnis in Zrankreich Ende Dezember vorigen Jahres fanden in England die allgemeinen Wahlen für das Unterhaus statt, mit dem Ergebnis, daß die von Lloyd George gebildete Koalition einen durchschlagenden Erfolg errang, während der links- liberale Flügel unter Asquith und vor allem die Arbeiter- Partei eine geradezu katastrophale Niederlage erlitt. Es stellte sich aber allmählich heraus, daß die Verteilung der Sitze keineswegs der Verteilung der Stimmen entsprach und daß allein der die Kpalitionskandidatcn übermäßig be- günstigende Wahlmodus dem englischen Premierminister seine Riesenmehrheit gebracht hatte. Schon wenige Monate später »var die S t i m m u n g, die zur Zeit derKhaki-Wahlen geherrscht hatte, fast gänzlich verflogen. Der Unischwung äußerte sich bei den einzelnen Ersatzwahlen fast aus- nahmslos durch sichere. Wahlerfolge der Arbeiterpartei oder der Asquith-Gruppe gerade in jenen Kreisen, in denen im Dezember die Anhänger Lloyd Georges einen leichten Sieg davongetragen hatten. Durch die kürzlich stattgefundenen G c m e i n d e w a h l e n ist der Umschwung der Wählermassen erst recht deutlich geworden. Die Arbeiter haben große Er- folge erzielt.' Es ist angebracht, bei einer Besprechung der Ergebnisie des französischen Wahlganges am vergangenen Sonntag auf' diesen englischen Präzedenzfall hinzuweisen. Denn das neue französisck)e Wahlsystem, welches einen Fort- schritt im Sinne der Gerechtigkeit darstellen sollte, bedeutete in Wirklichkeit eine ganz beträchtliche Verschlimmerung des alten„Keratin 6'nrrov6i«kement", eine unglaubliche Bevor- zugung der Koalitionen zum Schaden jener Parteien, die ihr Programm nickst � durch unsaubere Kompromisse preisgeben wollen. Es ist schon in einem früheren Artikel von dem „nationalen Block" gesprochen worden, dieser„Heiligen Allianz" aller nationalistisch gesinnten Gruppen, die un- möglich ein anderes innerpolitisches Programm aufstellen konnte als die Niederkämpfung des Sozialismus, und außen- politisch nur die strikte Durchführung des Versailler Friedens- Vertrages ins Auge faßte. Dieser ungeheuren Koalition gegenüber standen die letzten— Eaillauxtreuen— Reste der radikalen Partei und vor allem die Sozialisten gegenüber.. Aber nicht allein, daß letztere sich tveigertcn, mit diesen anständigen, wirklich demokratisch gesinnten Ueberbleibseln i>cr einst allmächtigen bürgerlichen Partei, eine Gegen- koalition zu bilden— wie es bei den letzten Wahlen im Mai 1914 zum gegenseitigen Nutzen geschehen war—, sondern sie trieben die UnVersöhnlichkeit so weit, daß sie im eigenen Lager eine Absplitterung t>erursachten und diejenigen, die sich nicht auf die bolschewistische Parole verpflichten wollten, zum Ausscheiden aus der Partei veranlaßten. Die Folgen dieser„unentwegten" Taktik sind jetzt eiw getreten. Die Führer der Partei hatten zwar selbst vorausgesehen, daß die makellose Selbständigkeit sich bitter rächen würde.„Aber," fügten sie beschwichtigend hinzu,„nicht auf einige Mandate mehr oder weniger kommt es an, sondern auf den Stimmenzuwachs im ganzen Lande." Freilich, hatten sie geahnt, daß die Fraktion init etwa zehn Sitzen weniger ins Palais Bourbon wiederkehren würde, als £,0,r"c»"ein Half» Jahren— bei den Wahlen im t?JiMre.n nämlich 75 Sozialisten gelvählt worden. im Jahre 1914 stieg deren Zahl auf 192 und jetzt ist sie auf da gesunken. dann hätten sie es sich wobl doch noch über- legt, ob sie niit ihrer Taktik bis zum End« durchhalten wollten. .Dabei steht noch keineswegs fest, daß die Hoffnung des Stimmenzuwackstes sich tatsächlich erfüllt hat. Bis jetzt liegen die Sttmmenzahlen der einzelnen Parteien noch nicht vor. Man ist noch immer ans Mutmaßungen angewiesen. Es wäre jedenfalls eine geradezu unverständliche Erscheinung, wenn der Krieg mit allen seinen Leiden, Opfern und Lasten gerade auf das französische Volk umgekehrt gewirkt hätte als auf alle übrigen Völker Europas und die großen Massen der Bevölkerung dem Kapitalismus und nicht dem Sozia- lismus zugeführt hätte. Das wäre, selbst in einem sieg- reichen Lande, ein derart unnatürliches Ergebnis, daß man geneigt ist. selbst ohne Kenntnis der Stimmenverteilung und trotz der bereits bekannten und für die Sozialisten klä-'lichen Mandawerteilung. an einen sozialistischen Stimmenzuwachs SU glauben. Als parlamentarisch e Partei von ncnnens- wertem Einfluß auf die Geschicke des Landes scheiden «re unifizierten Sozialisten jetzt gänzlich Niederlage in Elsaß-Lothringen. (Drah-tbericht unseres Baseler Korrespondenten.) Di« französischen Kammerwahlen endigten in Elsaß-Lothringen unerwarteter Weise mit einer Niederlage der sozialdemolralischcn Liste. Dir Hurrastimmung, die im ehemaligen Reichsland während der Wahle» ebenso wie in Frankreich selbst ausgelöst werden konnte, hat sämtliche elsasi- lothringische Mandate dem Bürgertum in die Hände gespielt. Di« Liste de« nationalen Blocks hat 532554 Stim- men, die sozialistische 534 1S5 Stimme» und die national- demolratische List« 11V 963 Stimmen erhalten. Da bei absoluter Mehrheit einer Liste der Proporz nicht in Anwendung kommt, hat der nationale Block alle 24 Mandate bekomme». Tie sozialistischen Blätter in Mülhausen und in Straß- bürg lündize» daS Bevorstehrn großer wirtschaftlicher Kämpfe an. Räch den obrnstehcnden Wahlziffcrn kommt eine absolute Mehr- heit für den nationalen Block nich heraus. Hier liegt ein Ueber- mittlungSsrhler vor. Welche Ziffer falsch ist, wird festgestellt werden. D. Sied.) Italienische Wahlresnltate. Ter Wahltag ist in ganz Italien ruhig verlaufen, die Wahlbeteiligung blieb jedoch weit unter dem Durch- schnitt der früheren Wahlen. An Rom stimmten von 157 969 Stimmberechtigten nur 46 990, als» nicht einmal 39 Proz. gegen 43 Proz. im Jahre 1912. Ganz Sllditalirn und ein großer Teil Mittelitalicns bieten hinsichtlich der Beteiligung das gleiche Bild. In Norditalien dagegen ist sowohl in den Städten wie besonders ans dem Lande eine höhere Beteiligung z,� beobachten. Unter den gewählten Sozialisten befinde» sich T u r a t t i, T r c v e S, der Gsnrrolsetretär deS Allgemeinen Gewerkschaftsbundes Daragona und zwei Mitglieder des Parteivorstandes, Revossi und Bellolti. In Turin standen 38 999 Stimme» aller Bürgerlichen 7 9 9 9 9 sozialistischen Stimmen gegenüber. Vi» ähnliches Verhältnis bestand in Mailand, Bologna, Florenz, Sicna, Rcggio(Emilia), Berona, Jmola. In Novara, Alcssandria, Venedig, Biccnza, Parma, Piarenza, Ravcnna, Arezzo, Grosicto stehen die Sozialisten a n r r st c r Stelle. Die belgischen Wahlen. Die belgischen Senotswahlcn habe» folgende MandatSver- teilung gezeitigt: 43 Katholiken, 39 Liberale und 29 Sozialisten. Die Katholiken verlieren 12, die Liberalen gewinnen 2 und die Sozialisten 19Sitzc. Zum 27. November werden 27 Sena- toren ernannt werden. Ter alte Senat bestand auS 71 Katholiken, 34 Liberalen und 15 Sozialisten. Tie neue Deputiertcnkammer wird folgendermaßen zusammengesetzt sein: 73 Katholiken(Verlust 26 Sitze), 7 9 S o z i a- listen(Gewinn 3 9 S i tz e), 34 Liberale(Verlust 11 Sitze) und 9 Parteilose. ES dürfte bereits als sicher feststehen, daß sich die Sozia- listen an der Regierung beteiligen werden. Ein allgemeiner Parteikongreß wird am 39. November dir Lage zu prüfen haben. aus. Denn auch die regierungsfeindliche radikale Opposition ist so zusammengeschmolzen, daß sie selbst im Verein mit den Sozialisten nicht gegen den clemencistischen Block auskommen kann. Da wäre es noch besser geivesen, die bolschewisierenden französischen Sozialisten hätten die Sowjet-Parole bis in ihre letzten Konsequenzen angewandt und Wahlenthaltung geübt. Dann hätten sie sich politische Macht wenigstens erträumen können. So aber werden sie jetzt den schlechten Wahlaussall als eine moralische Last schleppen, die sie in ihren revolutionären Plänen stark l)em- men wird. Jetzt bilden sie nur etwa ein Zehntel der Volksvertretung. Daran würde ein etwaiger Ver- such, durch Massenstreiks und Gewalt die Diktatur des Prole- täriats zu errichten, wie es die Führer der Partei offenbar vorhatten, scheitern. In I t d l i e n dagegen, wo die Sozia- listen 110 neue Sitze erobert haben, sind die moralischen Nor- bedingungen für ein solches Unternehmen unvergleichlich günstiger. Bitter rächt sich an der Partei der Mangel an großen Führern. Unter Jaurös. dem hervorragenden Taktiker und Kenner der Strömungen im In- und im Auslande, wäre etwas derartiges niemals geschehen. Aber die Partei wurde in diesen Kampf mit dem politischen Dilettantismus geführt. der sie seit Kriegsbeginn, also seit Jaurds Tode, besonders auszeichnet. Nur Stimmungen, nicht realpolitiiche Ver- nunstsgründe sind dort maßgebend gewesen. Verwegene Einschätzung der Möglichkeiten im eigenen Lande, grenzen- lose Unkenntnis Deutschlands und der übrigen Welt, Unver- � sohnlichkeit gegenüber allen, die sich auf beiden Seiten des Rheins weigern, auf das neue Leninsche Evangelium zu schwören— und das für die gesamte Internationale recht betrübsame Ergebnis liegt jetzt vor uns, nicht so schlimm vielleicht, wie es nach dem nackten Brutto-Ergebnis � der Wahlen anssieht, aber schlimm genug. Denn jetzt Herr s ck) t Elemenceau ungefährdeter denn je über eine zusammen- gewürfelte, programmlose Kanimermehrheit, die nur der Haß gegen den Sozialismus und der Haß gegen Deutschland als bindendes Glied zusammenhält. Frankreich geht einer Zeit der militaristisch- klerikalenReaktion entgegen, unter der ganz Europa wird leiden müssen. Alle Parteien, auch die Sozialisten. hatten im Krieg die Parole ausgegeben, Teutschland müsse zur Rettung der Demokratie niedergerungen werden. S o sieht jetzt der Sieg der Demokratie in Frank- reich aus: ein Block von 420 Abgeordneten, dem de:- Pariser Erzbischof, Kardinal Amette, seinen offiziellen Segen. gegeben hatte. Unter Führung eines Ziveiundachtzigjährigen, dessen Lebensinhalt stets nur der Haß war und um den sich alle diejenigen geschart haben, die ans reinem Geldbeiitei- interesse die Kriegsparole verwirklicht sehen möchten:„Ter Boche zahlt alles!" Besteht irgend eine Aussicht, daß in Frankreich nach eng- lijchem Muster bald ein Umschwiing in der Stimmung uns Beurteilung einsetzen.wird? Und wenn er käme, würde r» die Macht der Kammer irgendwie scknnälern? Schwerlich. Es bleibt nur eine Möglichkeit. Tie nämlich, daß da? Parlament i n sich selber anseinanderfällt, sick) durch inner.' Reibungen und Llämpfe zwischen heterogenen Gruppen selber matt setzt. Aber diese Aussicht ist gering.„Ter Boche zahlt-alles." Das Band, das diese Zuversicht schmiedet, wird auch entgegen> gesetzte Richtungen zusammenhalten. Deutschland tpird es bitter zu spüren bckonimcn. Dank der genialep Taktik der französischen Sozialisten. Victor S ch i f s. Agrarische Kampsansage- Ter Reich sausschuß der deutschen Landwirts ch a st hat an den Reichswirtschaftsminister eine Knud' gebung gerichtet, die die Stellung der landwirtschaftlichen Jnteressenvcrbande und der Landwirtschaftskammern zu der Zwangswirtschaft zusammenfassend darstellt. Läßt man das zum großen Teil recht überflüssige Trum und Dran, die Drohung mit dem Zusammenbruch, die üblichen agitatorischen Redensarten und die Flaumacherei außer Betracht, so bleiben eine Reihe von Forderungen übrig, die eine ernsthafte Erwiderung verdienen. Die Landwirtschaft fordert an Stelle der heutigen Zwangswirtschaft die Lieferuiigspflicht auf Grund der tat- sächlichen Leistungsfähigkeit und zwar in der Weise, daß nur noch Brotgetreide und allenfalls Milch und Molkereierzeng- nisse der öffentlichen Bewirtschaftung unterliegen sollen. Diese ist für Fleisch s o f o r t a u f z u h e b e n; die Aufhebung der Zuckerbewirtschaftung ist von der Regierung für das nächste Erntejahr zu garaistieren. Brotgetreide soll durch erhöhte Zugeständnisse an den Eigenbedarf der Landivirte und ihre Arbeitskräfte in der Bewirtschaftung. freier gestaltet, eine möglichst hohe Ablieferung durch steigende- Lieferungsprämien für er- höhte Leistungen erzielt worden. Die Beschlagnahme der Gerste ist auf das unbedingt Nötig» zu beschränken. Die Kartoffelbewirtschaftung ist ebenfalls bis zum nächsten Erntejahr abzubauen. So die Landwirte. Bei Erfüllung ihrer Forderungen versprechen sie ihrerseits, die Regierung zu unterstützen, im Falle der Ablehnung verzichten sie auf jede Verantwortung, für das Scheitern unserer Volkscr nährung und auf jede Mitwirkung bei der Durchführung der jetzigen Maß- nahmen. Das ist eine offene Kampfansage, die nicht nur deshalb belustigend wirkt, weil sie seit drei Jahren zum Repertoire jedes agrarischen Marktschreiers gehört und deshalb nur die ganze Frage ins Lächerliche zieht, sondern auch deshalb, weil von einer Verantwortung die Rede ist, von der das Volk wenig gespürt- hat. Jedes Pfund Fleisch. das im Schleichhandel erscheint, jede Kartoffel, die ohne Marke erhältlich ist. ist nur ein Beweis dafür. daß es den Landwirten eben bis heute an dem Gefühl der Verantwortung gegenüber dem Volksganzen gefehlt hat, und daß jede ihrer Versprechungen nicht einen Pfifferling wert ist, so lange ein paar Silbcrlinge oder Papicrlappen das christ- lichc Gewissen ciycs Landwirtes umstoßen können! Seitens der Negierung ist die Zwangswirtschaft immer nur als das notwendige Nebel angesehen worden. Solange Mangclwirtschaft besteht, kann eine Freigabe der ltebensmittelbewirtschastung nur auf Kosten derjenigen Ver- braucher erfolgen, die nicht das Glück haben, selbst Landwirt- schaft zu betreiben. Die Preise müssen ins Nngemessene steigen(siehe Eier, Hafer, Hülsenfrüchte), die Löhne in gleicher Weise erhöht lverden. Das ist der letzte Grund der Regie rungsmastnahmen. Eine Ergänzung der heinnschen Lebens� mittelvorräte durch die Einfuhr ist zu einer Zeit, wo die Mark im Ausland nur 10 Pf. wert ist, nur in beschränktestem Um fange möglich. So wirkt die Forderung nach Aufhebung der Bewirt schaftung des Fleisches wie eine grausame Ironie. Gönnt man dex Arbeiterfrau nicht einmal mehr die wenigen Gramm Fleisch für den sonntäglichen Mittagstisch zu dem„billigen" Preise? 4 Mit der Gerste ist es nicht viel anders. Als der Hafer freigegeben wurde, wurde er auf einmal der Gerste er- schreckend ähnlich. Man mischte lustig drauf los. Gebt noch die Gerste frei, so wird der Roggen zur Gerste u. s. f. I Wie aber soll dem Schiebertnm entgegengetreten werden.> wenn der Staat jede Kontrolle aus der Hand gibt? Es befremdet immer wieder, daß die Landwirtschaft niit ihren Forderungen immer dann auftaucht, wenn politisch „etwas loS" ist. Wir verstehen wohl, dast es ihr in der Zwangsjacke nicht recht behagt. Erst dann aber wird man positiv den Mißständen entgegenwirken können, wenn man sieht, daß sie in Erkenntnis der Notlage des ganzen Volkes und seiner Wirtschaft alles tut, um schon setzt gegen Schleich- Handel und Korruption anzukämpfen. Darauf warten wir. Statt dessen ertönt eine Kampfansage. Einer Regierung, die auch nur das Geringste auf sich hält, bleibt keine Wahl in der Antwort. Sie mutz jedes Unterhandeln ablehnen. Ob ivir aber damit in der Arbeit für daS Volksganze vorwärtskommen, ist eine Frage, die sich die Landwirte selbst stellen sollten.___ Sport üer Offenen Worte*. In- unserer Morgennummer vom Donnerstag befaßten wir uns mit dem Militärblatt„Offene Worte", welches an der voni Rcichswehrminister verfügten Freigabe deS Flugblattes der Zentralstelle für Einigung Kritik geübt und ein Gedicht abgedruckt hatte, in welchem die jetzige Form der Truppen- Vereidigung verhöhnt wurde. Wie uns mitgeteilt wird, wird diese Haltung des Blattes, wenn es auch keine vom Staate unterhaltene offizielle Zeitung ist, vom Rcichslvehrminister auf das schärfste mißbilligt. Wie wir hören, wird die Frage der Truppenblättcr in der Weise geregelt »verden, daß kein Anlaß zu irgendwelche» Beanstandungen mehr gegeben wird. * WaS den Eharaktcr der„Offenen Worte" anbetrifft, so möchten»vir hierzu bemerken, daß in Sachen dieses Blattes vor einiger Zeit das Reichsivehrgruppeukoinmaudo I(Lütt- >vitz) eil» Schreiben an uns richtete, in den» die„Offenen' Worte" als„dem ReichSivchrgnipPenkoinmando 1 nahestehend" bezeichnet wurden. Wir mußten und müssen dara»ts unsere Folgerungen ziehen. Laufenberg verurteilt. (Hamburger Drahtbericht deS„V o r tv ä r t»*.) Äor dem Hamburger außerordenllichen Kriegsgericht stand am DoimerStag Heinrich Laufenberg. Er war am 6. No- vember verhaftet worden. Ein Kriminallvachlmeistcr will gehört haben, daß Laufeilberg in einer Versammlung am lü. September zum Sturz der Negierung aufgefordert habe. Der Ver« teidiger Dr. Hegewisch-Eelle bezweifelte die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen und vermutete in ihm einen Lockspitzel. Laufenberg entwickelte seine Anfickten dahin, daß er jegliche Organisation eines bewaffneten LufstandeS ablehne. Die kummu- nistrsche Partei habe nach dem— seiner Meinung nach unvermeid- lichen— Zusammenbruch der Regierung die Diktatur deS Prole« tariats aufzurichten, um dann einen Volkskrieg gegen die Entente zu führen. In den folgenden Auseinandersetzungen war das Bestreben des Angeklagten unverkennbar, die nationale Richtung der Linkskommu- nisten zu betonen, die vor allen Dingen auf die Beseitigung deS Versailler FriedenSdiktatS ausging. Bezeichnend für das außerordentliche Kriegsgericht war eS, daß fein Vorsitzender unter anderem äußerte:.Da sind wir uns einig, daß daS heutige System nicht schön ist." Tie Mehrzahl der Zeugen bekundete, daß Laufenberg immer vor Pulschen gewarnt habe. Andere sagten aus, Laufenbergs Aeußerung babe etwa so gelautet, daß nach dem Zusammenbruch der jetzigen Regjerung und wenn die Maffen eS verlangten, auch zur Gewalt gegriffen werden müßte. Der Staatsanwalt erklärte, daß von ehrloser Gesinnung bei Laufenberg nicht die Rede sein könne, der Tatbestand aber er- wiesen sei. Er beantragte ein Jahr Festung. Der Verteidiger bekämpfte die Anklage in einstündiger Rede und stützte sich be- sonders darauf, daß Laufenberg Gegner des Aufruhrs fei. Die Besprechung des Verlaufs einer vermuteten Revolution fei nicht strafbar. Das Gericht schloß sich diesen AusDffrungen nicht an, sonder» verurteilte Laufenberg zu einem Jahr Festung. Gegen die Urteile der außerordentlichen Kriegsgerichte gibt es bekanntlich kein Rechtsmittel! Kampf gegen Sie wilüe Einfuhr. Die vom Reichswirtschaftsministerium getroffenen Maßpohmen zur Lahmlegung der wilden Einfuhr und deS Schleich- Handels an den Grenzen, beginnen ihre Früchte zu tragen. In der Woche vom IK. bis 23. Oktober wurden von den verschiedenen lleberwachungs organen an den Nordwest-, West-, Nord- und Slldwestgrenzen insgesamt über Sbl Tonnen Butter, Schmalz llnd sonstiges Speisefett beschlagnahmt und der Reichsstelle für Speisefette zugeführt. Noch größer sind die beschlagnahmten Fisch in engen, die sich auf über eine Million Kilo beliefen. E» folgen Fleischmengen mit 707 Tonnen und Oele und Fette mit 649 Tonne». An Obst und Gemüse wurden 270 Tonnen und an Eiern ll'/z Tonnen beschlagnahmt. DaS Onantum de? beschlagnahmten ZuckerS belief sich auf 44 Tonnen. An sonstigen Nährmitteln sielen 72 Tonnen in die Hände der Be- amten. Verhältnismäßig unbeträchtlich sind die beschlag- nahmten Gerreide- und Kartoffelmengen. Alle? in allem handelt es sich um recht erhebliche Mengen, die den Schiebern und Schleichhändlern abgejagt und der Allgemeinheit der Ver- sorgungsberechtigten zugeführt werden konnleir. Es ist zu hoffen, daß die unablätzkichen Bemühungen der Regierung, den wilden Schleichhandel zu unterbinden, auch weiterhin von Erfolg begleitet sein werden. Wie aus Osterfeld i. W.� gemeldet wird, sind auf dem dor- ligen Güterbahnhof seit Mitte Oktober nicht Uienigcr als fünfzig Eisenbahnwagen mit Schixberwaren im Gesamtwerte von 40 Millionen Mark beschlagnahmt worden. Gö'ttmgee Stuüenten gegen haenisch. Wie uns aus Göttin gen gemeldet»vird,- veranstalten die dortigen Studierenden der Universität am Freitag eine große De- monstration. Sie dient,eineni doppelten Zweck Einmal wollen die Studenten den bekannten Göttinger Physiker und Noktelpreislräger Professor BeLhs Sewegen, einen Ruf nach Zürich nicht anzu. nehmen. Zum andern aber soll in einer großen Versammlung vor Aufstellung des Demcmstrationszuges Stellung gegen das preußische Ministerrum für Kunst. Wissenschaft und Volksbildung genommen werden, weil an- geblich dieses Ministerium durch die Verweige- rung der nötigen Mittel für die Göttrnger Uni- versrtäts- und�orschungsinstitute die namhaf- testen Gelehrten aus Deutschland vertreibe. Es wird behauptet, daß Delegierte der Studierenden nicht nur vergeb- lich in Berlin beim Minister H a e n i s ch gewesen seien, um eine Erhöhung deS UmversitätsetatS über den jetzt noch geltenden FricdcnSstand zu erlangen, sondern daß neuerdings auch für die unVenn eidlichen Etatsüberschreitungen in den einzelnen Instituten und Laboratorien die Leiter und ihre Assistenten haftbar gemacht werden sollen. Die bürgerliche Presse Hannovers, ganz besonders die nationalistisch-antisemitische, greift die Affäre bereits mit großem Behagen auf und hetzt die Studenten- schaft noch immer tiefer in die Erregung hinein. Nationalistische Exzesse m Versammlungen, in öffentlichen Lokalen sind nichts Neues. Studenten erzwingen in den Cafes das Spielen der Preußenhymne und des Deutschlandliedes und fingen demonstrativ mit. Angesichts dieser geistrg-politischen Verfassung der Studieren- den wird der Kultusminister sich für dieses Treiben interessieren müssen. Der Rückzug aus üem Saltikum. Die Verhältnisse in Rußland haben sich durch die rasche Niederlage des Generals Judenitfch und das Zusammen- brechen der Awalofischen Armee im Baltikum zunächst»vieder verlvirrt. Innerhalb der nächsten Tage wird eine Klärung, die Schlüsse auf den ferneren Verlauf der Dinge in Rußland zuläßt, noch nicht zu erwarten sein. Tie deutscheu Truppe» aus dem Baltikum kehren«uumehr endgültig zurück.- Aller- dingS hat es den Anschein, als ob dieser Rückzug nicht reibungslos erfolgen kann. Es liegen bereits Mel- düngen vor von vereinigten AugriffSunternehmuugen der Esten und Litauer auf die heimkehrenden deutschen Truppenverbäude. Offenbar ist es darauf abgesehen, in den deutschen Rückzug Unordnung und Verwirrung zu tragen, um dadurch einen recht erheblichen Teil des in den Händen der Truppen befindlichen Kriegsmaterials zu er- langen. Auch die englischen Truppen scheinen die Esthen und Litauer zu unterstützen und vielleicht sind auch sie von der Absicht gleitet, Waffen. Munition und Geschütze den Deutschen abzunehincn. Diese Vorgänge sind tief zu bedauern, weil dadurch natürlicherweise Aktionen des Wider- standes seitens der deutschen Truppen auL- gelöst werden. Ein Funkspruch aus Moskau meldet, daß die Truppen K o lisch a ks sich in einem panikartigen Rückzug nach Mittelsibirien befinden. Koltschak hat durch den Fürsten Lworv bei der Friedenskonferenz in Paris gegen die zwei- deutige, offenbar Sowjctrußland günstige Ostpolitik Polens Einspruch erhoben. D e n i k i n entfaltet in G a l i z i e n eine starke Pro- paganda ßcgcn Polen. In Lemberg soll sich bereits ein Komitee gebildet haben, das für den Anschluß Ostgalizieus au Rußland tätig ist. Den englischen Blättern zufolge sagte Lloyd G e- o r g e in� serner bereits gemeldeten Rede über Rußland im Unterhause an» 17. d. M. noch, die Anwesenheit von Deutschen in den baltischen Provinzen sei eine große Ge- fahr. Er erinnerte an die preußische Erhebung gegen Napoleon, die ebenfalls im Osten vorbereitet sei und erklärte, die Deutschen müßten aus den baltischen Provinzen entfernt werden?.sonst sei Europa nicht mehr sicher. Sie Ausgestaltung öes§ortbllöungssthulwesens im Sinne ües Sozialismus. Wir geben in folgenden Satze» den Wortlaut der vom Schirl- und Lrzioh u ngsausfchuß der»eofi- Berliner Gemeindenertreicelonicrenr (S. P. D.»»ach dem Vorschlage des Stadtverordneten Lehrer H ii d n e r angenommenen Forderungen zur FortbUdnngoschuIsrage. I. Die Fortbildungsschule als Glied der Einheitsschule. 1. Die Zeit bis zum vollendeten IS. Lebensjahr soll für alle Volksgenossen zur Aneignung der grundlegenden allgemeinen Brl- düng dienen. 2. Dann folgt für die Zeit vom IS. bis 18. Jahre die FortbildungSichule. Sie ist als Glied der Einheitsschule die Oberstufe für die weit überwiegende Mehrheit des deurschen Voltes, die in der Gütererzeugung und im Handel sich praktisch betätigen will. 3. Die FortbildungSichule im Rahmen der Einheitsschule ist Pflicht- und Wahlschule, a) Die PflichtfortbildungSsSule ist die eigentliche grundlegende oder niedere Fachschule, b) Die Wahl- fortbildungSschule bietet reiche Möglichkeiten für den wahlfreien Unterricht, der seine Fortsetzung durch den Besuch der Vollshoch- schule erfahren kann. 4. Die Volkshochschule ist unter Ausnutzung der modernen Verkehrsmittel allen Volksgenossen zugänglich zu machen. II. Die äußere Einrichtung der Fortbildung S« schule. ö. Da alle Schulen entsprechend dem Artikel 148 der Verfassung auch die praktischen Anlagen der Schüler entwickeln sollen, bedarf es für die Ausbildung in den prakttschen Berufen nur einer zwei- jährigen Lehrzeit. 6. Die FortbildungSjchüler sollen in sechs Halb- tagSschichten zu je 4 Stunden werktätig sein und in drei Halbtags- schichten zu je 4 Stunden die Fortbildungsschule besuchen. 7. Für den Besuch der Wahlfchiile und für die Betätigung in Sport und Spiel verbleiben die übrigen drei Halbtagsschichten. 8. Zur niederen Fachschule gehören Lehriverlstätten, die durchaus im Ein- klang mit der wirklichen Güterproduktion stehen müssen. 9. Die Fortbildungsschule muß zum Mittel- und Sammelpunkt für alle parteilosen Jugendfragen werden. 10. Durch die Selbstverwaltung der Schüler wird ihre staatsbürgerliche Selbsterziehung er- strebt. III. Der neue Geist in der Fortbildungsschule. 11. Die niederen Fachschulen dienen ebenso sehr dtzm Ausbau der gesamten Perlönlichkeit wie der Heranbildung für die Güter- Produktion. 12. Der geistige Aufftieg des Arbeiters wird erstrebt durch») Verinnerlichung des Gesamterleben«. b) Erweckung des Selbstbewußtseins aus Pflichterfüllung, c) stärlste Beeinflussung des Gefühls der Selbstoeranrwortlichleit gegenüber den sozialen Ver- Hältnissen in der engeren und weiteren Umgebung. IV. Forderungen für die unmittelbare Gegen» wart. Solange der Aiffbau der Einheitsschule noch nicht bis zur Oberstufe geviehen ist, erfordert die heutige Fortbildungsschule 1. Stärkere Betonung der allgemeinen Bildung, 2. Lehrplan obne Uebertreibiing des NiitzlichkeitSprinzIpS, 3. Pfleg« der künstlerischen Kultur, 4. Turnunterricht, b. Vermehrung der wöchentlichen Stunden- zahl, C. Unterricht in der Arbeitszeit, 7. Bezahlung der Unterrichtszeit, 8. Einrichtungen für den Uebergang auf die höher« Fachschule, 9. Beauf- sichtigung der Lehrlingsausbildung durch jährliche Abschlußprüfung in den Werlstätten. 10. Nur hauptamtlich �beschäftigte Lehrer.mit bester Vorbildung. 11. Neuzeitliche und einheitliche Lehr» und Lernmittel. 12. Gesunde Schulräume. 13. Schulärzte(für Schülerinnen weibliche Schulärzte). 14. Selbstverwaltung und Selbstregierung der Schulen durch Schüler- und Lehrerräte. 15. Schulbeiräle. 16. Aus den Schüler-, Lehrer- und Schulbeirätcn der einzelnen Fortbildungsschulen eines Orte? ist ein OrtSbeirat für daS FortbildungSschulwesen zu bilden. # Der Kürze wegen sind die Schülerinnen nicht jedesmal erwähnt. Für sie gilt alles hier Geforderte in derselben Welse. gez. Oskar Hübner. Dokumente der Not. Im ArbeitSministerium häufen sich die Akten. Sie häufe» sich auf den Tischen der Referenten, sie fließen aus unzähligen täglichen Telegrammen, Fernsprüchen, Berichten zu- sammen. Geduldig ist das Papier, fühlloS die Lettern. Da sieht in ruhigen schwarzen Lettern hundert-, rauiendmal daS Wort Streikresolulion. Da stehen in geraden ausgerichteten Reihen Zahlen„Mindestforderungen", daneben ein anderes Viatt:„Höchst- bewilligungeii". Friedlich liegen die„Verhandlungen mit den Arbeitnehmern" neben den„Verhandlungen mit den Arbeitgebern". Welche Not, welche Verbitterung, wieviel verzwenelteS Ringen um kleine Verbesserungen, Veränderungen, wieviel verzweifelter Kampf Hungernder um Brot auS ihnen spricht, die Akten liegen beieinander. Und eines Tages wandern sie in die Regritratur.»orgsaltig ziehen geübte Beamtenfinger Zwirnsfäden durch sie, pappen sie aneinander, bekleben sie mit sauberen Aufschriften und stellen sie in die endlosen Regale: Erledigte Akten.. � �„ Kühl, als trügen sie weder Kampf noch�Not, stehen die Aktenbündel säuberlich neben einander— wie Graber auf dem Friedhos, Tote, die ausruhen von Kämpfen und Ringen.?. Bachs H-Moll-Messe in der Philharmonie D« Messe aller Messen, Bachs giganttscheS Werk in U-Moll. birgt alle Wucht der Zerknirschung, alle Milbe des Friedens, alle Kraft deS Protse» sich. An innerem und äußerem Format unvergleichlich, unerreicht, durch ihre erhabene ObjcktivitA und ihren gelvaitigen.lusklang selbst über Beethovens O.Moll-Messe ragend, e'nsam und groß, Idee, Geist und Gestaltung einheitlich verbindend. Ein Jahrtausend an Musik ist in dieser hohen Messe eiitgesangen. S> eg fit e d O chs zwingt die gewaltigen Schwierigkeiten dieses Werks»0 stark, daß die technische Leistung nicht mehr verwundert. Ihn so leu chiender die edle, klare, dem Herzschlag dieser Chöre nachtastende Lime. um so bewundernswerter der Griff, der diese kraftgeladenen Formen ebenso stark umsaßt, wie er die Dämpfung und Tröstungen mik sublimer Zurückhaltung verklärt. Eine Meisterleistung des Diri- flcmen, eine historische Leistung des Philharmoiti! chen Chors, rn dem eine vielhunderlköpfige Schar zu einem Klang, zu einem GesühlSausdruck unter pädagogischer Hand durchgedrungen ist. An dein Gesamteindruck konnte die gelegentliche Kälte der solisti schon Faktoren nichts ändern, und nur im Vergleich zu dem stilistiichcn Feingefühl des Dirigenien und seiner Sänger stachen die Soli ob. Wir nennen aber in da»kbarer Rückerinnerung: Frau Leonard, Frau MyLz- Gmeiner, Herrn Wolter und Herrn L e- derer-Prina. Nicht ,u vergessen die Philharmoniker und ihren Konzertmeister von K r e S z. der daS Solo zur Arie„louckomus te" besonders eindringlich uixd schön spielte. Wo im Kriege der Zucker blieb. Die allmählich« Aufklärung der Geheimnisse der Kriegswirtschaft offenbart nun auch, was aus den großen Mengen von Zucker geworden fft, die vom zweiten KriogSjahr ab der menschlichen Ernährung entzogen wurden und das deutsche Volk, das in der Zuckerproduktion an der Spitze aller europäischen Länder marschierte, zur strengen Rationierung zwangen. Wie Dr. Connstein und Dr. Lüdecke m den.Naturwisse»- zchaften" mitteilen, wurde die größte Menge des Zuckers in G I y- S«rin verwandelt, der zu Sprengstoffen gebraucht wurde. Die Ilmwandlung geschah auf biochemifchein Wege. Ein neues Verfahren wurde in, Jahre 1915 patentiert und rasch i/, Großbetrieb genommen, so daß die Glyzerrnausbeute l Million»Ho- gramm nn Monat überstieg. Die biochemischen Verfahren eröffnen ganz neue Aussichten für die Zukunft und scheinen überhaupt dazu berufen zu sein, einem Volk, das aller Rohstoffe beraubt wird, in vieler Beziehung Ersatz zu schaffen. Wohnstätten der Hallstattzcit sind im bayerischen Ries, ettva eine Stunde südlich von Rördlingcn an der Ostseit« des Reminger Berges entdeckt worden. Es handelt sich um Lehmbauten mit Flechtlverkwänden, nach den au sgesun denen Topsresten aus dem 7. vorchristlichen Jahrhundert ftammeird. in Bayern die ersten an* dieser Zeit. Häuser der Hallstattzeit fand man bisher nur sehr wenige.'_— Zlimtcr. LNö nächste Neuheit wird die„Tribüne" Mrich S t e t n- dorsss Drama„Pie Irren- auffüh.en.- L o ei- S S, Ii ch b°- alniit im Januar ein Saftipiel im Kleinen Tbeater in einem neuen Drama. — Im Berliner Thealer wird FritziMafsarv im Februar in der Ur- auüübruna einer neuen Operette von OSkar Strauß austreten, zu der die Wiener Librcttislen Brammer und Gränwald daS Buch geschrieben haben. Musik. Am Totensonntag bringt die Singakademie unter Leitung Geora Schumann» nach saft dreißigjähriger Pause KielS Requiem i n As-dir zur«ujfübnmg. Dichtungen von Heine spricht am 23. Roveniber. nachmittags 4 Uhr, im Blülhncrsaal Bruno Tuerschman»«. Auch Telle«».deutsch, Innb" stehen im Programm. Borweg spricht Erich Lichtenstein■\5'nc als Dichter und PoUttker". Im Verlans der Beranstaltung wird Herr Heinrich Pekel über die von ihm im letzten Winter angeregte t.rnch- tuna eineS Hcine-DenkmalS in verlrn sprechen. Bodenreform und Sozialismus. In der Mte-�chlchuloemeinde an der Unlverfität spricht heute abend VI, Uhr j'" Dr A Damaschke über„Die Bodenresorm al» Weg zur Versöhnung zwischen JndioldnaliSmuS und Sozialismus".• Der Kaiserfilm■ Bonn wollte in München zur Hllse für dr« Kriegs. gefangenen Gedichte von Woethe. Lenau veme u." chistc» baben ihn angepfisfen und ihn. als pch mit m�äch� Mitteln zur Wehr setzte, vom Podium b-runterg-trieb«, und°ss��?5?!.�i?ungeii. Er hat es mit dem seinen Mob, dem er stüher gedient, gründlich verdorben. Unsere Gefangenen. In Frankreich sind es noch 6000 Offiziere und 425 000 Mann, die dem Tag der Befreiung sehnsüchtig entgegensehen. Haß und Furcht gegen Deutschland spielen drüben bei den maß- gebenden Stellen eine große Rolle. Wenn sich auch die Lage d e r Gefangenen in Frankreich zum Teil gebessert hat, so läßt doch die Behandlung in den Strafkompagnien sehr zu wünschen übrig. Zw« ist die Ernährung ausreichend. Wie überall in Frank- reich sind die hygienischen Berhültnisse außerordentlich schlecht. DaS mangelnde Organisationstalent der Franzosen ist besonders daran schuld, wenn die Bekleidu ngs frage der deutschen Ge- fangenen immer noch nicht gelöst ist. Mögen auch die leitenden Regierungsstellen in der Behandlung unserer Gefangenen die besten Leitsätze ausgeben, der böse Wille manch cr Kommandant.'» und von Teilen des Aussichtspersonals verschiedener Lager macht für viele Unglückliche das Leben zur Pein. Wo solche Fälle bekannt werden, tut die deutsche Regierung alles, den Schikanen ein Ende zu machen. Auch die Postverhältnisse sind außerordentlich traurig. Eine Unzahl Pakete kommt nicht an. Um die Weihnacht«- Versorgung der Gefangenen zu sichern, werden von Deutsch- land aus Sammelsendungen an die verschiedenen Lager geschickt. ES sind bereit? große Posten von Lebensmitteln, die wir in Kopen- Hagen greifbar hatten, feuier einige Waggons Rauchwaren, Wäsche, Decken usw. abgegangen. Auch in Barcelona besteht� eine deutsche KriegSgefangenenabteilung, von der aus unsere Gefangenen vor- sorgt werden. Der Deutschen Kriegsgefangenen-Kommission nt Paris sind ausreichende Geldmittel zur Verfügung gestellt worden. Wo Hilfe notwendig ist. wird sie von dem Vorsitzenden dieser Korn- Mission, Major Traut, geleistet.. Aus England ist der Abtransport so gut wie beendet;�; bleibt nur noch ein kleiner Rest auf französischem Boden. In Großbritannien sind noch die Seapa-Flow-Leute und eine Anzahl von Fliegern und Bombenwerfern. Die deutsche Regierung ivird England zu einer Erklärung veranlassen, warum diese Leute noch zurückbehalten werden. A m e r i k a hat sämtliche Gefangenen zurückgegeben. Aegypten ist geräumt. Die Behandlung der Gefangenen in Malta ist stellenweise nicht allzu gut. Für den Rücktransport der dort be- findlichen deutschen Gefangeneu war bereits ein Dampfer ge- kapert, der jedoch unterwegs Havarie erlitten haben dürfte, da er noch nicht in Malta eingetroffen ist. Numnehr wird der Land- transport von Kleinasien aus in Erwägung gezogen, für den be- reits Geld zur Verfügung gestellt ist. AuS dem Schwarzen Meer-Gebiet sind Gefangenentransporte unterwegs. Die in den dortigen Ländern befindlichen Gefangenen haben nichts aus- zustehen. Ueber 2800 Mann befinden sich in T u r k e st a n, die im Lande verstreut sind. In Indien befinden sich noch 67 Offiziere, 419 Militär- und 1471 Zivilpersonen. Deutschland hat zum Jlbtran Sport Dampfer angeboten, die englische Regierung will unter Benutzung dieser Schisse den Transport selbst bewirken. Die Heimführung der in Rußland befindlichen Kriegs- gefangenen gestaltet sich besonders schwierig.-In Sibirien be- finden sich noch immer 18 000 Kriegs- und 6000 Zivilgesangene. All« Versuche, die Rückkehr der Kriegsgefangenen einhellig zu be- treiben, scheiterten bisher an den politischen und Transportver- hältnissen. Ihnen Nachricht zu geben, ist ebenso wenig möglich. Nur vereinzelt kommdn Mitteilungen in unsere Hände. Unter- stützung bekam die Kriegsgefangenenfürsorge durch den in Pet«rS- bürg befindlichen A.- und S.-Rat, auch ist zur Weiterleitung an- kommender Gefangenengruppen neuerdingS in Kowno ein« Stelle geschaffen worden.' Für zehn Millionen Mark B e k l e i d u n g ö- st ü ck e sind seit einigen Monaten von Amerika nach Sibirien ge- J schickt worden. In Italien befinden sich keine Gefangenen mehr. Den 4000 Deutschen in Japan geht es gut. Von den 1600 Kriegsgefangenen in Rumänien werden in diesen Tagen ein Teil durch zwei Lazarettzüge zurückgeholt., Ran an Sie Schieber! ES geht wirklich nicht mehr so weiter. Die Gegensätze — auf der einen Seite Prassen und Genußsucht, auf der anderen Seite trotz dauernd erhöhter Löhne die U n- Möglichkeit, das'zum Leben N o t w en d i g st e z u er- stehen— wachsen ins Riesenhafte. Die vielfach höheren Preise für Lebensmittel und samt- liche Bedarfsartikel können weder von den Arbeitern, trotz der hohen Löhne, noch von den Beamten, die jetzt kaum das Doppelte ihrer Friedensbezüge haben, bezahlt werden. Folg- lich bleibt ihnen nur der Hunger übrig. Diese beiden Mühlsteine, HungerundWucher, sind es, die die Kraft des arbeitenden Volkes langsam aber sicher zermahlen. Alle bisherigen Maßnahmen der Regierung, mögen es Teuerungszulagen, Senkung der Lebensmittelpreise usw. ge- wesen sein, haben keinen durchgreifenden Erfolg gehabt. Es ist notwendig, das Uebel bei der Wurzel zu packen, gegen Schleichhändler und Schieber mit den schärfsten Mit- t e l n vorzugehen, sie in ihren Schlupfwinkeln aussuchen und fassen. Zuchthaus st rase und Vermögensent- e i g n u n g sind die einzigen noch wirksamen Mittel, die end- lich zur Anwendung kommen müssen. Um aber die Schieber zu fassen, muß das Reich— bei Wahrung aller Demokratie— endlich davon abkommen, den Wucher durch seine Einrichtungen zu fördern. Außergewöhn- liche Zeiten erheischen außergewöhnliche Maßnahmen. Nicht zur Freude jedes demokratisch Empfindenden erleben wir noch heute Belagerungszustand, Ausnahmezustand, Zeitungs- Verbote usw. Eine Maßnahme aber, die zur energischen Be- kämpfung'der Schieber unumgänglich notwendig ist, und mit deren vorübergehender Anwendung— nach meiner Meinung — sogar die U. S. P. einverstanden sein könnte � das Einverständnis der rechtsstehenden Parteien setze ich als selbst- verständlich voraus(!)— hat bis jetzt auf sich warten lassen. Es handelt sich um die vorübergehende Ueber- wachung des Brief-, Telegramm Fern- sprech-, Paket» und Eisenbahngüterver» k e h r s.. Wie liegen jetzt die Verhaltnisse zum Beispiel bei der Post? Jeder Beamte, jede Telephonistin. jeder Aushelfer weiß, daß Unmengen und Unmengen von Schlei chhan- delswaren mit der Post versandt werden. Die Beamten kennen ganz genau die Schieber, Absender wie Empfänger, sie beobachten den Verkehr: manchmal steigt ihnen ob der unerhörten Preise, die der eine nimmt und der andere zahlt, das Blut vor Scham ins Gesicht— doch sie müssen schweigen. DasBriefgeheimnisistunver- I e tz l i ch: ein Verstoß hiergsgen, und sie wandern ins Ge- fängnis. Die Beamten kennen auch ganz genau die Telegramme und Gespräche, all die geheimen Schliche und Wege, welche Wucherer und Schieber miteinander verbinden. Voll Em- pörung sehen sie, wie das Volk um Millionen und Millionen zugunsten einiger weniger gewissenloser Verbrecher betrogen wird— sie müssen schiveigen: das Telegraphengeheimnis ist unverletzlich. Was nützen da alle Gesetze und Verordnungen gegen den Wucher?— Hier ist der Zustand entstanden, daß das Reich seine eigenen Gesetze paralysiert. Es. wird Gesetz gegen Gesetz ausgespielt. Man sieht, das schönste Gesetz gegen Wucher und Schiebertum wird sofort durch ein anderes vollständig unwirksam gemacht. Doch nicht genug damit. Das Reich fördert ja auch den LebenSmittelwucher in geradezu unerhörter Weife. Geht z. B. ein Paket auf der Post verloren, oder wird es beraubt oder gestohlen, so zahlt die Post— auch wenn die Versendung der Lebensmittel verboten ist— Ersatz nach den postgesehlichen Bestimmungen unter Zugrundelegung der verlangten Schieberpreis«. Gar nichts sollte die Post zalLen und beide Schieber, Empfänger und Absender,_ obendrein dem Staatsanwalt übergeben. Das wäre richtig: das würde dem Empfinden des hungernden Volkes entsprechen! So ist es gekommen, daß jeder Bauer, jeder Großgrund- bcsitzer seine Erzeugnisse zu kolossalen Preisen durch die Mit- Wirkung der Post an bestimmte Abnehmer verschiebt und hinterher erklärt, nicht imstande zu sein, das vorgeschriebene Kontingent abzuliefern. Kann man es unter diesen Umstanden den Beamten verdenken, daß sie anfangen, sich dagegen zu wehren, diesen Volksderbrechern noch länger als Werkzeuge zu dienen? Kann man es ihnen verdenken,� daß sie von der Regie- rung verlangen, von ihrer Schweigepflicht entbun- den zu werden, damit sie jene Elenden dem Strafrichter überliefern können? Und ihr Kampf gilt noch einem anderen Ziel. Das elende Schieber- und Wuchertum ist es gewesen, das die Korruption in die deutsche Beamtenschaft hineingetra- gen hat. Die Beamten wollen diese Seuche aus ihren Reihen ausrotten. Kann man es ihnen verdenken, daß sie selbst zu verzweifelten Mitteln greifen wollen, um dies zu erreichen? Was nützt es. wenn z. B. die Postverwaltung ihre Beam- n, icne lendenlahmen Bestimmungen hinweist, die eS geitatten, Postscnd.ungen(und Telegramme), deren ficht» barer Inhalt gegen die Gesetze oder das öffentliche Wobl verstößt, von, der Beförderung auszuschließen. Es lmt keinen Zweck, die Nichtanwendungsmöglichkeiten dieser Bestimmungen hier zu erörtern. Hierüber ließen sich ungezählte Dottorarbeiten schreiben. Es genügt hier,� festzustellen, daß die Vorschriften zur Bekämpfung der Schieber keinen, aber auch gar keinen prak- tischen Wert haben. Außerdem berühren sie mit das wich- tigste Hilfsmittel der Schieber— die Telephongespräche— gar nicht. Auch das Durchsuchen der abzusendenden Sendungen durch die Polizei-vor der Auflieferung zur Post womög- lich auf der Straße vor dem Posthause— hat sich aus tau- send Gründen als undurchführbar erwiesen. Um dem Schiebertum wirklich ernsthast zu Leibe zu rücken, gibt eS nach meiner Ueberzeugung gar keinen anderen als den eingangs vorgeschlagenen Weg. Jeder Versuch einer Schiebung muß unter den heutigen Umständen nach 8.139 des Strafgesetzbuches als Vorhaben eines gemeingefährlichen Ver» b reche nS angesehen und sofort der Staatsanwalt- schaft angezeigt werden. Unter vorübergehender Einrichtung einer Postkontrolle sind hierzu in erster Linie die Verkehrs» beamten und Verkehrsarbeiter verpflichtet. Gewiß, es gehört ein Entschluß dazu, unter dem Aus» nahmezustand die Postllberwachung wenn auch nur vorüber- gehend einzuführen. Der legitime Handel und Verkehr wird naturgemäß darunter zu leiden haben. Jedoch kennen wir nicht schon andere einschneidende Maßnahmen im Ver- kehrsleben, die noch lästiger sind? Und gibt es einen anderen Weg, den Totengräbern des Volkes zu Leibe zu rücken? Ehe unser ganzes Wirtschaftsleben kaputt geht, wird sich jeder einsichtige Volksgenosse dem Zwang der Verhältnisse fügen, und diese Unannehmlichkeit in Kauf nehmen. Es bleibt nichts anderes übrig! Nur vier Wochen eine derartige Kontrolle, dazu gleichzeitig schärfste Ueberwachung der Landwirte und— das deutsche Volk kann erleichtert auf- atmen. Also:„Ran an die Schieber!" Willy Steinkopf. Die Chemnitzer Unruhen vor üem Schwurgericht. Die LebenSmittelunruhen, die am 4. August in Chemnitz begannen, von Tag zu Tag immer größeren Umfang annahmen und schließlich am 7. und 8. August mit blutigen Zusammenstößen endeten, beschäftigen in den nächsten drei Wochen, nachdem Landgericht, Schöffengericht und Jugendgericht schon in letzter Zeit zahlreiche Teilnehmer an den Unruhen ab- geurteilt haben, da« Chemnitzer Schwurgericht. 17 Angeklagte, darunter drei Frauen, haben sich wegen schwerer Straftaten zu ver» antworten. Am Donnerstag wurden als erste die Geschirrführer Max Emil Grünewald und Willi M u st e r abgeurteilt. Beide sind In- Haber des Eisernen Kreuzes II. Klaffe. Grünewald ist wegen Unterschlagung und Muster wegen Landfriedensbruchs vor- bestraft. Grünewald wird beschuldigt, einem Feldwebel den Karabiner abgenommen und ihn damit verprügelt zu haben. In der Verhandlung erklärte er, daß er sich darauf nicht mehr be- sinnen könne, da er im Kriege nicht nur die Sehkraft verloren, sondern auch Nerven st örung en davongetragen habe. ES sei möglich, daß er in der Erregung derartiges getan habe, doch wisse er jetzt nicht» mehr davon. M u st e r ist angeklagt, am Schillerplatz einen Unteroffizier geschlagen zu haben. Er b e» st r e i t e t jede Schuld und behauptet, daß er schon vorher wieder umgekehrt sei. Die Zeugenvernehmung ergab die volle Schuld der Angeklagten. Die gerrchtSärztliche Untersuchung stellte fest, daß Grunewald zwar geistig minder» w e r t i g. aber für seine Taten verantwortlich sei. Die Geschworenen billigten den Angeklagten mildernde Um- stände zu. Das Urteil lautet für G r ü n e w a l d auf 1 Jahr 3 Monate Gefängnis, für Muster unter Einschluß der früher gegen ihn erkannten Strafen aus 2 Jahr 3 Monate Ge- fängnis; außerdem wurden ihm die Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt. vor üer kritisthen Abstimmung in Amerika. Im Senat verlas H i t ch o ck vor der Abstimmung einen Brief Wilsons, in dem dieser darauf drängt, die Bor- behalte auszuschalten. Lodge erklärte später, der Senat wäre nicht bereit, den Weisungen des Präsidenten zu folgen und reichte darauf seiuen Antrag zur Natifr- ziernng samt Vorbehalten ein, der bekanntlich die "/,-Mehrheit nicht erhielt. Daraufhin verlangte Lodge sofortige Abstimmung über Ratifizierung ohne Vor- behalte in der Annahme, daß auch hierfür die er- forderliche 3I3- Mehrheit nicht zustande kommen würde. Senator Reed schlug vor, die allgemeine Vorlage zu ändern. Hierauf wurde mit 62 gegen 30 Stimmen beschlossen, einen Antrag, später noch über die Ratifizierung mit milden Borbehalten abzustimmen, von der Tagesordunng abzusetzen._ Die Abstimmung im Osten. Obwohl die amerikanischen Mitglieder mit Rücksicht auf die unsicher« Ratifikation de» Friedensvertrages für die AbstimmungS- kommiffion im Osten noch nicht ernannt sind, dürften diese selbst demnächst ihre Tätigkeit aufnehmen. Die Ab« stimmungskommission für O b e r s ch I e s i e n besteht auS dem französischen General Le R�nd, dem englischen Oberst Percival und dem italienischen General de MaryneS. Die Abstimmungskommission für die Kreise Rosenberg. Stuhm, Marienwerder und Marienburg hat folgende Zusammensetzung: Beaunont für England, de Chsrisy für Frankreich, Mondollo für Italien und Ida Kato für Japan. Bn die dänischen Zreunde. Di« dänischen Gewerkschaften haben sich bereit er» klärt, die Kinderaufncchme auch im Winter fortzusetzen, inSbeson- der« Kinder über Weihnachten auf acht Wochen aufzu- nehmen. Der Reichskanzler Bauer hat deshalb an den Minister Stauning in Kopenhagen folgendes Telegramm gerichtet: Di« Mitteilung, daß die dänischen Gewerkschaften erneut be- rait sind, einer weiteren hohen Anzahl erholungsbedürftiger Kin- der gastfrei em Aufenthalt in Dänemark zu gewähren, wird in allen Teilen des Deutschen RoichoS freudigst« und dankbarste Anerken- nung finden. Di« bisher heimgekehrten, glänzend erholten und fast immer auch neu eingekleideten Kitzder haben bei den Angehörigen die tiefste Dankbarkeit ausgelöst, die das Familienleben der einzelnen günstig beeinflußt. Dieser sichtbare Ausdruck der Hilfsbereitschaft hilft uns, den Mauben an ein« neue und bessere Zeit nicht ganz zu verlieren. Ein neuer Iriedensvorsthlag Cenins! Nach einer Meldung der„Politiken" verlautet, baß der bolfche» wistifche Soudergcfandtc Litwinow ein neues Friedens- angebot Lenins mitbringe. Der Borschlag Lenins soll durch Vermittlung der englischen Gefangenen-AuSwechsrlungs-Kommission der Londoner Regierung übermittelt werden. Tie Berhand- lunge« zwischen O'Grady und Litwinow finden im Hotel Phönix statt. Nach den Informationen der dänische» Presse beabsichtigt Litwinow die Heimreise über Berlin anzutreten. Für die an diese» Reisepla» gekaüpfte» Kombinationen bezügkich einer beabsichtigten Annäherung der Sowjet-Rezierung an Deutschland fehlt jede tatsächliche Unterlage. Kleine politische Nachrichten. Der Prozeß gegen den Mörder EisncrS. Wie die Korrespondenz Hosftnanu amtlich meldet, ist die H a u p t v e r y a n d l u n g gegen den Grafen Anton Arco- Valley, der Eisner erschossen hat, auf den 6. Dezember, und gegen den Metzger Alois Lind- n e r, der den Anschlag im Landing verübt hat, auf den 9. Dezember 1919 vor dem VolkSgcricht in München anberaumt worden. Mühsam wegen Beleidigung bestraft. Die Strafkammer de? Landgerichtes zu Ansbach verurteilte den Fesbungsgefangeiren Erich Mühsam wegen Beleidigung des bayerischen Justizministers Dr. Müller-Meiniugen zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten. Mühsam hatte den Justizminister einen ehrlosen Lumpen geschimpft. Verhaftung von Spartakisten im besetzten Gebiet. Der.Temxs" meldet, daß während der letzten Woche zahlreiche Spartakisten im besetzten Gebiet verhaftet worden sind. Staatliche Sicherheitspolizei auch im Reiche. Da sich die Ein- richtung der staatlichen Sicherheitspolizei in Berlin außerordentlich bewährt hat, ist vom Ministerium des Innern die Aufstellung einer ähnlichen Organisation in Gebieten Mittel- deutschlands beabsichtigt. Die Ausstellung hat bereits aus dem Truppenübungsplatz Jüterbog, Neue» Lager, begonnen. Zum Tobe Gröbers. Dem Vorstand der Z e n't r u m S p a r t e i ist folgendes Schreiben übergeben worden: „Zum plötzlichen Hinscheiden Ihres langjährigen verehrten Führers, des auch von unS allgemein hochgeschätzten Abgeordneten Adolf Gröber, sprechen wir namens der sozialdemokratischen Mitglieder der Deutschen Nationalversammlung unser herzlichstes Mitgefühl auS. Lüde. Scheidemann." Ter neue Führer der Zentrumsfraktion. Wie der Bayerische Kurier hört, wird an Stelle GroeberS Abgeordneter Trimborn die Führung der Zentrumsfraktion übernehmen. Die Einigungsfrage. Laut P. P. N. hat nach ider Plenarsitzung der Nationalversammlung eine FrakttonSsitzung der unabhängigen Sozialdemokratie stattgefunden, in der auch die Emignngssrage be- sprochan wurde. Zur Sicherung der Riibenrrnte. Der Reichswirtschaftsminister hat sich damit einverstanden erklärt, daß den Zuckerfabriken, wo Rübenerntearbeiter nötig sind. Bezugscheine über 10.Zent. ner statt bisher 6 Zentner Anteilzucker auf>« 10 000 Zentner von der Fabrik angenommene Zuckerrüben ausgestellt werden, unter der Bedingung daß die Rübenliefcranten neben den bisher den Ernte- arbeitern zugewiesenen Mengen die 4 Zentner ungekürzt zur ver- besserten Zuckervers orguug ihrer Rübenernte- arbeiter benutzen. Tschechisches Entgegenkommen. Wie der Vertreter der„Frank- furter Zeitung" aus absolut zuverlässiger Quelle erfährt, wird die t schcchoslowa ki sche Regierung von der im Friedensvertrag frei- gestellten Beschlagnahme reichSdeu t scher Unter- nehmungen keinen Gebrauch machen. Todesstrafe für Schieber. Bekanntlich ist in Posen für jede Veruntreuung von Eigentum der Militärverwaltung die Todesstrafe festgesetzt, da das Schlebcrtiim derart um sich gegriffen hatte, daß dem Staat Mllionenwevte fast täglich verloren gingen Wie setzt der„Dena" berichtet wird hat ein polnisches Kriegsgericht das e r st e Todesurteil gegen einen Unterleutnant und eine andere Per- son gefällt, weil sie für nicht ganz 3000 M. Heilmittel verun- treut haben! D'Annunzio vergößert sich. Bei seinem Ausflug nach der dal- rnatinischen Hauptstadt Zara hat der König von Fiume Truppen dortgelassen. nriwift**'«**» iu'* tO* verbanöstag der Lithographen unü Steinörucker. Magdeburg, den 19. November 1919. Erster Vcrhandlungstag. Der 19. Derbandsiag der Lithographen, Steindruckcr und Verl wandten Berufe wurde am Mittwochvormittvg in Magdeburg er- öffnet. ES sind 54 Delegierte anwesend, vom Vorstand des Gc- werkschaftsbundes wird Silber schmidt erwartet. Außerdem sind die Buchdrucker, Buchbinder und Hilfsarbeiter als Gäste'erschienen. Für den Oesterreichischen Eenefcider-Bund ist M ü h l b e r g e r, für die holländische Bruderorganisation ist R ö l l o f S und aus Stockholm ist W y k vcrtr..n. In das Bureau werden Haß(Berlin) und E i ch e n m ü l l c r(Nürnberg) als Vor- sitzende gewählt. Zur Tagesordnung liegt ein Antrag Dresden vor, die Betriebsräte als besonderen Tagesordnungspunkt zu hc= handeln. Die Opposition tritt lebhaft für diesen Antrag ein, wäh- rend der Vorstand vorschlägt, diese Frage unter Punkt b,„Aufgaben in der Zukunft", zu behandeln. Der Antrag Dresden wird abgelehnt und beschlossen, zu Puickt 5 der Opposition einen Korrcfe- renten zu gewähren. Zum Bericht des Volstandes spricht zunächst Haß(Berlin). Nach den schweren Kriegsjahren ist der FriedoilSstand der Mit- gliederzahl wieder erreicht Dieser Erfolg war nur möglich, weil der Verbandsvorstand gleich zu Beginn des Krieges zu scharfen Maß- nahmen griff, die damals vielfach Widerspruch auslösten. Die poli- ische Stellung unserer Mitglieder ist grundlegend geändert. Das Proletariat ist gespalten. Wir werden im Verlauf unserer Tagung auch bei unseren Delegierten Meinungen hören, die von der des Vorstandes abweichen. Der Derbandsvorstaiid und auch der größte Teil der Mitglieder sind auch heute noch von der Wichtigkeit der Ge- werkschaften überzeugt. Wir teilen darum die Ansicht der Kom- munisten nickt, die die Getverkschaften als veraltet ablehnen. Tie jetzt kritisieren, sind meist N e u l i n g e in der Arbeiterbewegung denen es nicht schnell genug gebt. Man wirft uns von dieser Seit: vor, wir hätten den revolutionären Geist der Arbeiterschaft getötet. Wir glauben, daß zur revolutionären Tat bestim in te Voraus- setzungen notwendig sind, und die wollen wir mit unserer Arbeit schaffen. Die Grundlage unserer Arbeit ist die neue Wirt- schaftsordnung und die Demokratie, auf deren Boden die übergroße Mehrheit der deutschen Gewerkschaften steht.(Beifall.) Brall(Berlin) spricht zum Kassenbericht. Unsere Kassenverhältmssc hatten sich kaum von dem großen Kampf 1912«:- holt, da brach der Krieg aus. Die statutarischen Bestimmungen nulßten aufgehoben werden und erst im Laufe der Jahre konnren die Unterstützungen teilweise wieder in Kraft treten. Die Zunahme der Mitglieder hat dann eine Besserung zur Folge gehabt, so daß der Abschluß für das ztveite Quartal 1919 ein ziemlich günstiges Bild bieten wird. Den Bericht des Z e n t r a la u s schu f f e s gibt Beine lDresden). Mit dem Hauptvorstand hat stets das beste Einvernehmen geherrscht. Eine neue Rcvisionsordnung wurde ausgearbeitet. Die Mitarbeit bei den wichtigen Beschlüssen während der langen Berichts- Periode hat die Wichtigkeit des Ausschusses bestätigt. Zum Bericht derRedaktion spricht D o m n i ck(Braun- schweig). Alle zu diesem Teil des Geschäftsberichts gestellten An- trüge richten sich gegen nieine v o l i t i s ch e Ucbcrzcugung. Das ist eine Anerkennung für mich, denn keiner richtet sich gegen meine r-daktionelle Tätigkeit. Ich habe meine politische Meinung nicht ge- ändert. Seit 1991 stehe ich auf dem Boden der Tarifgemeinschaften, die ich noch heute vertrete, ebenso die Neutralität der Gewerkschaften. kleine andere gewerkschaftliche Zeitung hat den politischen Meinungs- breit solange aus'hren Spalten ferngehalten, als die„Graphische Presse". Meine Verteidigung des Hilfsdienstgesetzes hat mau w;t vorgeworfen. Das Hilfsdienstgesetz hat uns durch unsere Mitarbeit die Schlicktungsausschüsse gebracht, denen z. B. der HandlungS- gehilfenverband seinen Ausschwung während der Kriegszeit vcr- dankt. Daun habe ich im Januar 1918 gegen Lohnforderungen ge- lchrieben. Das tat ich, weil wir m Verhandliiugen um die lang- ersehnte Tarifgemeinschaft' standen, die durch die Lohn- Forderungen nicht zustande gekommen wäre. Mit den K o m m u- nisten gibt es für den Gewerkschaftler kein« Einigung, da sie die Gewerkschaftenzer stören wollen. Mein Bestreben war eS, die Einigkeit der deutschen Gewerkschaften herzustellen.(Lebhafter Beifall.) Die Anträge Erfurt. Fürth und Gau Frankfurt«. M., die Ar- biitslosennotstandsuirterftützuiig, die bei Kriegsausbruch gezahlt wurde, nickt von der statutarischen Arbeitslosenunterstützung in Ab- mg zu bringen, werden begründet. Nach einigen Ausführungen von Lange(Berlin) tritt �Mittagspause ein. Nach der Mittagspause wird in die Aussprache über den Ge- 'chäftsberickt und die dazu gestellten Anträge eingetreten He n sch e l(Leipzig): Es ist die höchste Zeit, endlich Arbeit für die Zukunft zu leisten- Bei Ausbruch des Krieges stand der Verband vor der Katastrophe. Der Hauptvorstand hat diesen Zusammen- bvnch geschickt verhütet. Schalt(Nürnberg): Die Geschäftsbericht« ivaren zu politisch gshalten, die wirtschaitlickje Not der Mitglieder wird die Opposition an der Sprengung der Organisation hindern. Wir müssen die Photograpben in den Kleinstädten organisieren. Alb recht l Berlin): Die Leistungen des Vorstandes verkennen wir von der Opposilion auch nicht. Die Spaltung der Arbeiterschait ist die Folge der Kriegspolitik der Gewerkschaftsführer um Legien. Die Tarifgemeinschofton sind für uns eine Zweckmäßigkeitsftage. Die Verbandszeitung muß der Sprecksaal für jeden.Kollegen sein. Das hat Kollege D o m n i ck nicht beachtet. Wenn jetzt die Arbeiter die Revolution als Lohnbewegung ansehen, so ist das ein Teil Schuld der alten Gewerkschaftspolitik. Dürr(München): Diie Kriegspolitik der Gewerkschaften war falsch. Wenn ich auch mit vielen Maßnahmen des Hauptvorstandes nicht einverstanden war. bin ich doch Mitglied der Mehrheit. Der Verbandsvorstamd hat Gutes geleistet. Nikolai(Berlin) veririit den Standpunkt der Oppo- siticm. Mauer(Lübeck): Die Kollegen der Zahlstellen Stettin und Frankfurt a. O. sprechen dem Vorstand ihr Mißtrauen aus. Scheibe!(Frankfurt a. M.): Tic Kritik ist leicht. Es fragt sich, ob die Kritiker anders gehandelt hätten, wenn sie verantwortlich ge- Evesen wären. Unsere radikalsten Parteigenossen waren im August die größten Hurraschreier.(Sehr richtig!) Jeder mutz zugeben, daß der Verband alles getan bat, die soziale Lage unserer Kollegen zu heben. Geyer iBerliu): Die Haltung der„Graphischen Presse" gab viel Anlaß zur Kritik, mit der fetzigen.sdaltung des Hauptvor- slandes sind wir einverstanden. Die Politik der Sozial- demokratie ist die einzig richtige, wir'müssen zur alten Gewerkschaftspolitik zurückkehren. Wir müssen aufbauen und dem Kapitalismus Schritt für Schritt den Böden abringen. Mark u s(Barmen): Die internationalen Be- Ziehungen sind gerade jetzt sehr traurig. Die ausländischen Ge- werkschaften unternehmen nichts, um unsere Bemühungen zur Hebung der Valuta zu unterstützen. Ter jetzige Export ist nur eine Folge der schlechten Valuta. "Die Verhandlungen werden auf Donnerstag früh vertagt. HewerffchofisbxivMlig Herr vißmann als Arbeitgeber. Der neugewählte Vorsitzende des Metallarbeiterverbandes Robert D i ß m a n n ist in seinem früheren Wirkungskreis Frankfurt a. M. zurzeit noch Herausgeber des Partei organs der Unabhängigen, des„V o l k s r e ch t s". Angesichts der Tatsache, daß Titzmann als Stadtverordneter bei Forde rungen städtischer Angestellter vor einiger Zeit erklärte,„es müsse bewilligt werden bis zum Dalles". glaubten die im„Volksrecht" beschäftigten Buchdrucker, datz ihr so bewilligungseisriger Verleger auch ihren eingebrachten Forde> rungen das nötige Verständnis entgegenbringen würde. Dieser Glaube war um so berechtigter, als dieübrigen Frankfurter Tag es> zeitungen die von den Buchdruckern verlangte Wirtschaftsbeihilfe zur Eindeckung des Winterbedarfs bereitts be- willigt hatten. Aber weit gefehlt. Hier war D i tz- mann ja nicht„radikaler" Leiter einer gewerkschaft- lichen Arbeiterorganisation, hier war er nicht u n a b- hängiger Oppositionsmann, sondern vcrani wortlicher Arbeitgeber. Die weniger radikale Verleger seele gewann über die„klassenbewußte" Verbandslcitcrseele den Vorrang und D i tz m a n n lehnte die Forderung „seiner" Arbeiter glatt ab. , Daß Ditzmann sich ganz in der Würde des Arbeitgebers fühlte, dem Gewerkschaftsvertreter ein Greuel sind, bewies er dadurch, daß er, der Vorsitzende der größten deutschen Gewerk- schaft, dem Organisationsvertreter der Buchdrucker rundweg erklärte, er werde zu den Verhandlungen' der Geschästsleitung mit den Arbeitern nicht zugelassen. Offenbar sollten die Buchdrucker des„Volksrechts" einen kleinen Vorgeschmack der„Diktatur des Proletariats" be- kommen, wie sie Ditzmann betreibt. Begreiflicherweise sind sie aber nnt dieser Theorie und Praxis wenig zufrieden und werden sich wahrscheinlich in ihrer Berufsorganisation mit dem Arbeitgeber Ditzmann noch weiter beschäftigen. Die hannoverschen Metallarbeiter zum Berbaudstag. In zwei stark besuchten Versammlungen nahmen die im Metall- arbeiterverband organisierten Arbeiter in Hannover den Bericht über den Verlauf des Verbandstages in Stuttgart entgegen. Nach lebhafter Diskussion wurde mit großer Mehrheit folgende Resolution angenommen: Die Mitgliederversammlung der Verwaltung Hannover des Deutschen MitallarbeilerverbandeS nimmt mit E n t r ü st u n g Kenntnis von der jeden Gerechtigkeitssinn ver- missenlassenden Haltung der Mehrheit auf der 14. Generalversammlung in Stuttgart. Aufs äußerste bedauert sie, daß der VerbandStag in bezug auf Lösung der schwierigen wirtschaftlichen Gegenwart--- und Zukunflsfragen völlig ver- sagt hat. Die Versammlung erwartet, daß die neue Verbands- leimng sich bewußt ist, daß die Interessen der Mitglieder nur gewahrt werden können unier Beobachtung dessen, was den V�r- bqnd groß und stark gemacht hat. Etwaige � Versuche, den Verband einer bestimmten politischen Richtung dienstbar zu machen, werden wir mit aller Energie bekämpfen. DeS weiteren wurde«in Antrag, den seit dem 15. August d. I. gültigen Tarif sür die hiesige Metallindustrie zu kündigen, mit gewaltiger Mehrheit abgelehnt. Dafür aber einem Antrag der OrtSverwallung zugestimmt, eine Teuerung S- zu läge auf die bestehenden Verdienste in Höhe von 25 Pfennig pro Stunde von den Arbeigebern zu verlangen, mit Wirkung von Anfang November an._, Wo die Organisation fehlt! Die Verkäuferinnen in den Bäckereien gehören zu den schlecht- bezahltesten Arbeitskräften. Die Zeit der Revolution vi wurloS an ihnen vorübergegangen, werden doch noch Löhne von„a,— M. und 39.— M. monatlich gezahlt. Bei der Firma Gold a ck e r erhalten die Verkäuferinnen nach Abzug der VersicherungSbeiinige noch 35.— M. und freie Wohnung, für Kost erhalten sie taglt« M. Wie sich diese Mädchen täglich für 2,— M. bekvsngen tonnen, tst wohl Geheimnis der Firma. Die achtstündige Arbeitszeu wird wohl in keinem Geschäfte eingehalten. Gelten dock rn den meisten Fallen die Verkäuferinnen als zur Familie gehörig, um sie desto besser ausnützen zu können. Aber auch diese so bundsgemeinen Löhne sind den Bäckermeistern»och zu hoch, man stellt einfach Lehr- f r ä u l e i n s ein; ob dieselben bei der Menge der LehrfräuleinS auch später Stellung als Verkäuferinnen erhalten, kümmert die Bäckermeister nicht. Ja, man ist noch schlauer und engagiert sich eine Stütze, die kann die Kinder beaufsichtigen, kochen, waschen. flicken und geht auch in den Laden, dabei ist sie in ihren Ansprüchen so bescheiden. Der Zentralverband der Bäcker und Konditoren versucht nun seit inehreren Monaten mit dein Zlveckverband der Bäckermeister über einen Tarifvertrag der Verkäuferinnen zu ver- handeln; trotzdem den Bäckermeistern bei der letzten Brotpreis- festi'etzung auch Verkaufsspesen bewilligt sind, haben sie bisher jede Verhandlung vereitelt und verlangen höhnisch, der Verband solle erst nachweisen, wieviel Verkäuferinnen organisiert sind. Merkt Ihr Verkäuferinnen nun. warum Ihr so entrechtet seid? Schließt Euch deshalb Eurer Organisation an. dem Zentralverband der Bäcker und Konditoren, Berlin 8t).. Engelufer 14/15, damit auch für Euch endlich einmal geregelte Lohn- und Arbeit-verhält- nisse geschaffen werden._ Gegen die Organisationszersplitterer. Vom Verband der Gemeinde- und Slaalsarbeiler. Seition Groß» Berlin, erhalten wir folgende Zuschrift: In den Betrieben der Gasanstalten wird für eine am Sonntag, den 23. November, staitfindende GaSarbeiter-Verlammlung Propaganda getrieben. Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, daß die z u st ä n d> g e O r- ganisation damitnichtS zu tun hat. Es wird aber in den nächsten Tagen zu einer allgemeinen GaSarbeiter-Versammlung, die sich mit der Einreibung der Gasarbeiter in den Lohntarii be- schästigen wird, aufgerufen werden. Knorrbremse und angeschlossene Betriebe. Die Auszahlung der Streikunterstützung sür die noch streikenden Kolleqen findet am Freitag, den St. November, von 10—12 Uhr, in folgenden Lokalen Halt. Gruppe 1u.Il: Feigt, Kronprinzen-, Ecke Wekerstraße; Kruppe III. IV und V: Hackepeter, Sllt-Boxhagen, Ecke Wühlischstraße. Die Auszahlung für die in Arbeit stehenden Kollegen wird noch bekanntgegeben. Ä. E. G. Hennigsdorf. Sämtliche Kollegen und Kolleginnen folgender Abteilungen: Fischmann. Hannebauer, Fischer(Keflcllchmiede), Schenk, Biering, Zlnvoerpen, Gras, Priebe, Naumann, Müller, Otte, Schulz, Senzcl, Klesetd, Buhn, Haager, Rank, Kirchstein, Roh- und Vcriandlager und die gesamte Kantine melden fich Freitag srüh 9 Uhr bktreffZ Arbeits- ausnähme am Tor 1. Tie Streikunterstützung für diese Kollegen wird daselbst bei Brose nach Schluß der Arbeitszeit ausgezahlt.— Sonnabend. 11'/, Uhr, BetriebSversamurlung der Flugzeug« Fabrik in Hennigsdorf bei Kienzlcr._ Soziales. Zur Wiedcreinstcllung von Kriegsteilnehmern. Nach Mitteilung des ReichsarbeitSminisieriumS haben sich Kriegsteilnehmer, die von dem zu ihrer Wiedereinstellung ver- pflichteten Arbeitgeber wegen angeblichen Mangels an Beschäftigung nicht eingestellt worden waren, mehrfach erst nach Monaten an den SchlichtunasauSschuß gewandt. Selbst wenn dieser nachträglich feststellt, daß der Arbeitgeber zur Zeit der Dicldung zur Wieder- vi n sie Illing verpflichtet war, so erhält dadurch doch nickt ohne weiteres der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Zahlung der cnt- gangenen Vergütung für die Zeit bis zu dem im Schiedsspruch festzusetzenden Einstcllungstage, der stets erst nach der Fällung des Schiedsspruches liegen kann. Vielmehr stellt sich der Anspruch aus Vergütung für die zurückliegende Zeit als Schadensersatz- anspruch dar, der nur dann gerechtfertigt ist, wenn den Arbeit- gebcr ein Verschulden trifft(8 323 BGB.). Dieses Verschulden muß ausdrücklich von dem Schlichtungöausschuß festgestellt Iverden. Auch etJoa mitwirkendes Verschulden des Arbeitnehmers, das namentlich darin liegen kann, daß er sich während längerer Zeit nach der Meldung nicht um die Wiedereinstellung bei dem Arbeit- geb.'r oder um sonstige Arbeitsbefchaftuug gekümmert hat, mutz berücksichtigt werden, ebensö die Verminderung des Schadens durch die e�m> fangen e Eowerbslosenunterstützung und etwaigen ArbeitZ- vcrdienst in der Zwischenzeit. Der Schlichtungsausschutz kann also nicht ohne weiteres den Einstellungstag zurückdatieren, sondern -nutz streng unterscheiden zivischen dem zeitlich nach dem Schieds- spruch liegenden Einstellungstage, von dem an die volle Vergütung läuft, und dem Schadensersatz für die zurückliegende Zeit. DaS gleicke gilt bei ungerechtfertigter Entlastung unter Verletzung der Vorschriften der Verordnung vom 4. und 24. Januar 1919 sowie der vom 3. September 1219._ SSctterausstchten für das mittlere Norddeutschlaub bis Sonnabend mittag. Ziemlich mild, veränderlich, überwiegend bewölkt, mit weUverbreiteten im Nordwesten vielsach starken, in den anderen Kegenden schwächeren Regensüllen. Verantw. für den redoktio». Teil!«Nred Sch-Ii, Neutölln: für«n, eigen: T»«»d-r Stocke, Berlin Bcrlog: Vorwilriz-Verlng®. m. b. s., Berlin. Druck: Borwärt». Buchdruckcrei und Berlagoanftal: Beul Singer u. So. in Berlin. Linden ktr. i. Hierzu 2 Beilagen. SMwnckdckWWW, Wierfc ietenr _> Sie in) Ihrem eigenen Interelle n-SfiLf1*" ßychh analer xu ▼erlange» Romane von Kolb enh e?er GeZ'rtfMülUr'Vtrlaa Münchtn \ Die bevorzugte Qluhfampe V Nr. 595 4 AH. Jahrgang 1. Seilage öes vorwärts Freitag, 21. November 191 9 Gefälschte öilanzen. Mit einem Gefühl herzlichster Schadenfreude haben die reaktionären Blä.ter vom Schlage der„Deutschen Tageszertung" als Fesrbeitrag zum„Tag der deutschen Schande", dem„schwärzesten Tag der deutschen Geschichte", dem 9. November,„Bilanzen" des ersten Revolutions- jahres gebracht. Wie der Kaufmann den Stand seines Unternehmens a-in besten übersieht, wenn er an einen: Stich- tag links die Aktiven und rechts die Passiven aufführt, jede Reihe summiert und durch Subtraktion den Saldo feststellt, der Gewinn oder Verlust bedeutet— tvarum soll das für das politische Geschäft des Staates nicht auch airwendbar sein? Jeder Kaufmann weiß aber, daß eine Bilanz, in der diverse Aktiv- und Passivposten„vergessen" oder unrichtig eingesetzt sind, eine falsche Bilanz ist, und der Staatsanwalt bezeichnet Bilanzen, in denen solche materiellen Falschheiten absichtlich vorgenommen sind, als gefälschte Bilanzen. Mit solchen gefälschten Bilanzen haben wir es in der reaktionären Presse zu tun. Sie sind schon von weitem als solche erkennbar, weil gleich am Ansang ihr Kopf gefälscht ist. Es steht nämlich darüber:„Bilanz des ersten Revolu- tionsjahres". während es richtiger heißen müßte, weil die Revolution mit diesen„Totsachen" herzlich wenig zu tun hat, das Entscheidende hingegen der Kriegszusammenbruch ist: „Bilanz des ersten Jahres nach dem Zusammenbruch des Krieges". Oder es steht über den Aktiven:„Vor der Re- volütion" und über den Passiven:„Ein Jahr nach der Re- Volution", während es wahrheitsgemäß heißen müßte:„Beim Zusammenbruch" und„Ein Fahr nach Zusammenbruch". Es ist die alte Wanzentaktik: sie, die H a u p t t r e i b e r des Krieges, die wahren Urheber der Revo- l u t i o n, stellen sich selber mit ihrer eigenen unheilvollen Tätigkeit plötzlich tot, üud stellen ziveitens auch die Folge- Wirkungen dieses Treibens als tot, als nicht wirkend hin, unterschieben vielmehr diese Wirkungen einer Stelle, die da- mit im Grunde wenig zu tun hat, sondern die in Wahrheit nur Testamentsvollstrecker und Konkursverwaltor ist: der Revolution. Zu den: falschen Kopf dieser Buchführung gesellen sich die offenbaren Fälschungen des materiellen Inhalts. So rubriziert die„Deutsche Tageszeitung", um nur einige Posten Herauszugreisen, unter dem Posten„E r n ä h r u n g s n o t" als Revolutionserrungenschaft" die Steigerung 1918 zu 1919 beim Rindfleisch von 459 auf 959 Pf. pro Kilo- gramm. beim Zucker von 99 ackf 299 Pf., bei der Milch von 43,8 auf 89 Pf. und beim Weizenmehl von 423 M. auf 593 M. pro Tonne. Sie stellt also äls den S ch u l d i g e n bei dieser enormen Verteuerung die Revolution hin. Das saubere Blatt verschweigt nicht nur, daß diese Preissteigerung nicht nur auf sein eigenes Betreiben erfolgt ist, son- dern auch, daß ihm, diese Steigerung noch lange nicht h o ch g e n u g g e w e s e n i st, schrieb es doch in seiner eigenen Nr. 337 vom 12. Juli 1919 unter der Ueberschvift„Die Getreidepreiserhöhung" am Schlüsse wörtlich:„A u s d e n V e r- Handlungen ergab sich, daß besonders die Sozialdemokraten und ein Teil des Zentrums noch immer nicht der Landwirtschaft Gerechtig- keit widerfahren lassen wol len." Als diese„Ge- rochtigkeit" hatte der agrarische Wortführer, der deutsch- nationale Abgeordnete Dr. Sammler, Busenfreund und rechte Hand der„Deutschen Tageszeitung", in der Weimarer Sitzung vom 11. Juli noch weit höhere Preise ge- fordert und wörtlich gesagt:„Warum will man die Landwirtschaft schlechter behandeln als Industrie und Gewerbe, denen sofort höhere Preise bewilligt werden?" Es ist doch eine unsagbare Ueversrorenheit, daß diese nimmersatten Preisweiber nun heute daherkommen und für Preissteigerung ausgerechnet die— Revolution festnageln wollen, wo s i e selber ans Kreuz genagelt werden müßten I Noch heute schreien die Wortführer der „Deutschen Tageszeitung", die in ihrer„Revolutionsbilanz" die abnorme Verteuerung der Lebensinittel als eine r e v o- l u t i o n ä r e Infamie, eine revolutionäre Sünden- frucht hinstellt, nach weiterer Preiserhöhung. So in ihrer Nr. 554 voin 5. November 1919, Abendblatt, wo Hans Edler zu Puttlitz Gr.-Pankow auf den immer noch)„gänzlich ungenügenden Zuckerrübenpreis" hinweist und auch bei der M i l ch, wo der Literpreis schon auf 89 Pf. ge- stiegen ist, von einer„ruinösen Preispolitik" spricht. Wird doch in den Kreisen der„Deutschen Tageszeitung" ein M i l ch p r e i s v o n 1)59 M. und für den Zucker den„Welt- Marktpreis' von 6—8 M. als„angemessen" gefordert. Und diese selbe Gesellschaft wagt es, den: Volke solche Revolutionsbilanzen voll Falschheit und Niedertracht aufzustellen! Man kann die moralische Entartung jener Kreise nicht tief genug hängen. Oder gehört eine solche seeli'ch? Verkommenheit am Ende gar auch in die Passiven der„Re- volutions'-Bilanz? Die Fälscherkunststückchen der„Deutschen Tageszeitung" bringen alles fortrg. Sie fthließen üie Gasthäuser. In einer Versammlung der Gast- und Hotelwirte, Gast- haus- und Konditoreibesitzer ivurde beschlossen, die schon frü- her kundgegebene Absicht, vom 1. Dezember ab alle gasige- werblichelt Betriebe Braunschweigs zu schließen, nun- mehr zu verwirklichen. Vom 1. Dezember morgens ab sollen alle H o t e l s. G a st h ä u s e r. Gast- und Schankwirtschaf. ten, sämtliche Kaffeehäuser, Konditoreien, Ball- und Konzert- säle so lange geschlossen gehalten werden, bis der Ernähr ung sm: niste, r die gegen das Gastwirtsge- werbe erlassenen scharfen Maßnahmen zurücknimmt. Wir hatten seinerzeit auf das unsoziale Verhalten der Braunschweiger Gastwirte hingewiesen, die durch ihren Be- 'chluß zahlreiche Angestellte und Arbeiter brotlos niachen. Es geht aus der Mitteilung nicht hervor, aus welche Ur- fache die Mißstimmung der Braunschweiger Besitzer zurück- zuführen ist: in jedem Falle aber erscheint es als höchst ta- delnswert, durch derartige Maßnahmen eine Aenderung der vom Ernährungsministerium getroffenen Anordnungen er- Swingen zu wollen. Es ist zu hoffen, daß bis zum 1. Dezember eine Regelung der Angelegenheit erfolgt, die, ohne zu den schärfsten Maßnahmen zu greifen, die Interessen beider Parteien berücksichtigt. Zwei Anfragen. Zwei»für die Beamten außerordentlich bedeutungsvolle Anfragen haben die Genossen Scheidcmann und Stein- köpf an die Reichsregierung gerichtet. Die erste Anfrage beschäftigt sich mit der Amnestie vom 16. Februar des Jahres, die im Anfchluß an die große all- gemeine Amnestie vom 3. Dezember 1918 sür die Diszi- plinarvergehen der preußischen Beamten er- lassen wurde. Der wesentliche Teil der Anftage lautet: Eine gleiche Amnestie, die allerdings umfassender sein sollte, war für die R e i ch d b e a n: t e n vorgesehen. Bestimmten Nach- richten zufolge stand diese Amnestie Anfangs April vor der Be- schluhfassung im Kabinett. Seither ist über sie nichts mehr laut geworden. Auch alle Bemühungen, sie zum Abschluß zu bringen, haben keinen Erfolg gehabt. Ist die Reichsregierung bereit, die Gründe anzugeben. Ivelche das Zustandekommen der Amnestie verhindert haben, oder siebt eine entsprechende Gesehesvorlage an die Nationalversammlung noch zu erwarten? Und wann? Die zweite Anfrage behandelt gleichfalls Beamten- fragen. Sie verweist auf das Einsichtsrecht der Beamten in ihre Personal nach weise, das durch Artikel 129 der Reichsvcrfassung gewährleistet ist. Die Anfrage, die ebenfalls von den Genossen S ch e i d e m a u n und Stein- köpf gestellt ist, verweist auf die Bedeutung dieses Rechtes und fährt fort: Trotzdem seit Inkrafttreten der Verfassung nun mehr als Monate ins Land gegangen sind, ist noch nichts bekannt ge- worden, daß seitens irgendeiner Behörde die Offen» le g un g der Personalakten erfolgt sei. Im Gegenteil sind alle diesbezüglichen Anträge von Beamten unter Hinweis auf die bevorstehende generelle Regelung der Frage abgelehnt worden. Lediglich eine Pressenotiz, von der man nicht weiß,, ob sie amtlichen Charakters ist, hat siib mit der Frage be- schästigt und von neuem große Unruhe in die Beamten- schaft getragen. Sie besagt in ihrem entscheidenden Teil: „Das Einsichisrecht bezieht sich aus Personalakten, die vom November lSlS geführt worden sind. Aeltere Akten vor November 1918 sollen geschlossen werden." Diese Auffassung der Offenlegung der Personalakten würde weder der B er fa ss u n g s b est'i mm un g noch den Absichten und Bescklüffen der Nationalversammlung in irgend- einer Weise gerecht werden. Wir fragen: 1. entspricht die in der Notiz dargelegte Stellungnahme zu der Frage der Einsichtnahme in die Personalakten den Am sichten der Reichsregiernng, 2. von welchem Zeitpunkt ab gedenkt die Reichsregierung den Beamten die Ausübung dieses ihnen verfassungsmäßig zu- stehenden Rechts zu gestatten? Es ist zu hosten, daß die Antwort der Reichsxegierung auf diese Fragen, die für die Beamten von weitcsttragcnder Bedeutung sind, geeignet ist, die verfassungsmäßigen Rechte der Beamten zu sichern und sie damit vor den in die Republik hinüberwucheruden Einrichtungen der Militärmonarchie zu schützen.___ Grenzen öes Gastrechts. Es widerspricht meiner Gelvohnheit, auf jede Erwiderung noch- mals zu erwidern, indes zwingt mich Genosie Davidsohn, der auch am Kern des Problems vorübergeht, zu einer kurzen-und letzten Bemerkung. Es ist denn doch eine Verkennung der Begriffe, wenn man Heine, Bebel, Bernstein und Richard Fischer mit den Ausländern vergleicht, die ich mit meinen Ausführungen treffen wollte. Diese sind gar keine Flüchtlinge, die von der heimischen Reaktion vertrieben werden und ins Exil müssen. Oder will man daS, waS in Rußland zurzeit regiert,„Reaktion" nennen? Damit wären die Bolschewik: wohl nickt zufrieden. Nein, hier handelt eS sich um Phantasten, die freiwillig und ohne Grund ihre Heimat verlasie», um in anderen Ländern den Bürgerkrieg Zu schüren und unglückliche Nationen vollends in den Abgrund zu stürzen, nachdem sie ihr eigenes Land in Grund und Boden ruiniert haben. Heine, Bebel und Bernstein waren Sozialisten, die den rein geistigen Kampf um die Durchsetzung ihrer Weltanschauung führten, die eine Idee hatten und so stark auf die Sieghafligkeit dieser Idee vertrauten, daß sie auf Handgranaten und ähnliche durchschlagende Argumente verzichten konnten. Unsere Straßen sind gesältigt vom Bürgerblut, namenloses Unglück ist über weite Kreise des Volkes gekommen durch eine Gruppe von Menschen, deren beste zweifellos von Idealismus getrieben sein mochten, deren Idealismus aber zun: Verbrechen ausarten mußte, nachdem cS zum„Rüstzeug der Barbaren" gnff, um sich durchzusetzen. Und das in einem Lande, das vor Jammer und Not in seine: tiefsten' Tiefen erzittert. Versteht Genosie DavidsoKi: jetzt, wo ich hinaus will? Sieht er ein, daß der Vcrgleick mit Bebel, Bernstein und Fischer hinkt? Für Flüchtlinge, von der Rcattion Gehetzte haben wir immer noch eine Zuflucht in Deutschland, für Gewaltmenschen aber, die uns eine tandiremde. verrückte Idee mit allen Mitteln aufzwingen wollen, halten wir die Türen verschlosien. Noch einmal: sie tollen, zuerst ihr Land in bolschewistisches Paradies verwandeln Wenn ihnen dies gelungen ist, rufen wir sie. Bis dahin wollen sie uns aber gütigst mit ihrem Wirken verschonen.__ Fritz Spiegelberg. Lebenshaltungs- unü preisftatistik. In engster Fühlung mit- der Zentralarbeitsgemeiuschast der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutich« lands und den einschlägigen Berufsverbändcn ist das Reichsarberls» Ministerium dem Plan einer großzügigen Lebens« haltungs- und Preisstatistrk nähergetreten; eingehende Beratungen mit dem Statistrschen Reichsaml, den Slalisirichcn Landesämtern der größeren Länder und der Vertretung der Städte» statistik haben einen festen Plan sür die Erhebungen, die schon in nächster Zeit stattfinden sollen, geschaffen. Ihre Aufgabe be- steht vor allem darin, sichere Maßstäbe für die Beurteilung der Teuerung an den einzelnen Plätzen zu schaffen, iftn daran die immer mehr zentral verlaufende Lohn-- und Tarifvertragspolitik zu orientieren. Während die Beschaffung des Materials für die Lebenshaltungs» statistik in die Hand der größeren Gemeinden gelegt wird, knüpft die Lohnstatistik an das allein zuverlässige Material, die Lohnlisten der Unternehmungen, an. Indem die Arbeitgeber und Arbeit- nehmer durch ihre berufenen Organe bereits an der Erhebung so- wohl der Lebenshaltungs- als auch der lohnstatrstischen Unterlagen tätigen Anteil haben, wird der Statistik die unbedingte Vertrauens- Würdigkeit bei allen Beteiligten gesichert, die bei keinem früheren ähnlichen Unternehmen erreicht werden konnte. Die Statistik, die in kurz-en Zeiträumen wiederholt werden soll, Ivrrd zweifellos mit der Zeit eine uirentbehrliche Grundlage der gesamten Sozialpolitik werden._ Deutsche Arbeiter für öen Vleüeraufbau. In einer von den freien GeWerks chaftern c lirberufenen stark besuchten Versammlung in K ö l n erklärte der Referent M u t h. daß augenblicklich in Nordfrankreich 259 999 deutsche Gc. fangene beim Wiederaufbau beschäftigt seien.-<£s wurde ein« Entschließung angenommen, die besagt: Da die Gefangenen nicht vor Eintreffen des Ersatzes aus Deutschland freigelassen iverden, so erkläre die deutsche Arbeiterschaft sich brteit, die Kriegsgefangenen durch freie Arbeiter abzulösen und tatkräftig am Wiederaufbau des zerstörten Frankreich mitzuarbeiten. Die Erklärung soll alsbald der Berliner Regierung, der deutschen Waffenstillstands- kommifsion Düsseldorf und dem Reichskommissar in Koblenz zwecks Weiterleitung an die alliierten Mächte, an Marschall F o ch und an die hohe Kommifsion für die befetzten Gebiete zugestellt Wersen. Die Ranüftaaten. W.T.B� meldet aus Helsingfors: Bei derr Dorpater VerHand- lumgen zwvschen dem Botschewilivertrcter L i t w i n o f f und den Randstaaten am 17. und 18. November ist Uebereruftimnrung über den Gerselaustausch erzielt. In der Friedensfrage ist hauptsächlich wegen hoher Forderungen seitens der Bolschewiken vor- jäufig nichts Greifbares erreicht worden. Hiermit Wird die un- erwartet frühe Abreise der polnischen Vertreter in Zusammenhang gebracht. Der W n n j ch der Rgirdstaaten nach Frieden scheint stark zu sein. Die baltischen Staaten ftrrchten weniger die Bolschewiken als das künstige Rußland, durch das sie ihre Selb- ständigkeit zu verlieren fürchten. Hierin werden sie durchaus von der Entente unterstützt, namentlich von England, das im Bal- tikum ftnanziell bereits stark beteiligt ist. Der estnische Mi- nister des Alußern Piip teilt-rrunmehr der Press« ausdrücklich mit, daß die N o r d w estar m e c(Judeuitfch) beim Betreten des est- wischen Gebietes entwaffnet bzw. unter estnischen Befehl neu formiert werden würde. Alles deutet daraus hin, daß Estland und Lettland die Liquidierung der antiboischcioistischen russischen Truppen wünsche» und die Verteidigung so lange als notwendig selber führen wollen. Die englischen Kriegsschisse in der Ostsee kehren heim, um die Heimreise noch vor dem Zufrieren des Baltischen MeereS zu bewerkstelligen. Crzbergerprozeß vertagt. (Schluß aus der Abendausgabe.) Erster Staatsanwalt Weismai, u: Der Angeklagte gibt zu, daß er seinen Borwurf zu Unrecht erhoben. Seine heulige Erklärung. daß ihm in der Hast der Arbeit der Irrtum unterlaufen sei, kann nicht als genügend angesehen werden, um einem Menschen die Ehre abzuschneiden.> Da genügt die Entschuldigung mit der„Hast" nicht, namentlich einem Manne gegenüber, der an so hervorragender Stelle steht. Mit dem Angriff gegen diesen Mann wird die ganze Regierung getroffen und vor dem Auslande diskreditiert. Wenn schon einem gewöhn- lichen Manne gegenüber solche Beleidigung außerordentlich schwer wiegt, so ist das hier doppelt der Fall. Dazu kommt, daß die Angriffe gegen Herrn Erzberger in der Zeitung des Angeklagten an der Tagesordnung sind und deshalb hat der Angeklagte die doppelte Pflicht, besonders behutsam und vorsichtig vorzu- gehen. Der Entschuldigungsgrund des Angeklagten kann deshalb nicht ausschlaggebend sein. Aber in Anbetracht der Tat- fache, daß der Angeklagte seinen Irrtum zugegeben hat und der Minister Erzberger' lediglich aus politischen Gründen ein Urteil verlangt, beantrage ich nur eine Geldstrafe von 200 M. event. 49 Tage Gefängnis. In seiner Verteidigungsrede bestreitet Rechtsanwalt Riebold. daß die ganze Regierung angegriffen werden sollte. Die Regierung habe doch auf der Pieffekoiiferen, jene Erklärung abgeben lassen, die tatsächlich unrichtig sei. ES sei nicht wahr, daß die Entschädigung von privater Seite gegeben worden sei. In seinen weiteren Ausführungen bemerkt der Verteidiger, daß, wie heute unter Beweis gestellt worden sei, gerade gegen die Worte: „Wahrheit und Klarheit", � *1 unter denen die Nationalversammlung den Ausschuß eingesetzt habe, von der Regierung verstoßen worden sei. Wen» sich der An- geklagte geirrt hat, so muß er eben dafür bestraft werden, eS ist dabei aber zu berücksichtigen, daß er aus einem warmen natio« nalen Empfinden heraus gehandelt hat. DieS alles ist bei Ab- Messung der Strafe zu berücksichtigen. In einer kurzen Bemerkung erklärt StaatSanwaltschafL-Rat W e i s m a n n> daß er es geflissentlich vermieden habe, politische Erörterungen in sein Plaidoyer hineinzutragen. Wenn der Angeklagte die jetzige Regierung bekämpft, so kann er dies in den Spalten seiner Zeiiung ungehindert tun. Hier handelt es sich aber um eine Person» liche Ehrenkränkung, und wenn der Angeklagte einem Menschen vorwirft, er sei ein Lügner, so hat er— ganz gleich, ob es sich um einen Minister handelt oder nicht— auch daiür ein- zutreten. .Nach längerer Beratung des Gerichtshofes erklärt Landgerichts- direktor Dr. Weigert: Mit Rücksicht aus den allgemeinen Strafantrag des Reichsfinanzministers hat das Gericht geinenit, daß auch der letzte Satz des Artikels,...Herrn Erzberger kommt es aus eine Lüge mehr oder weniger nicht an," geprüft werden muß. Rechts- anwalt Barras: Bezüglich der Behauptung des Artikels:„Aus eine Lüge mehr oder weniger tcmmt es nicht an", tritt die Verteidigung den Wahrheitsbeweis an, daß der Finanzminister Erzberger in mindcstrns sechs Fällen die Unwahrheit gesagt hat. Die einzelnen Punkte, es handelt sich hauptsächlich um vier, sind folgende: 1. Die bekannte Reichstags-Resolixtion vom 6. Juli 1917. Erzberger behauptet, über diese Aktion alle Beteiligten informiert zu haben, während tatsächlich alle Teilnehmer überrascht worden seien und Bethmann Hollweg erklärt habe, er sei förmlich über- fallen worden. Der zweite Punkt geht dahin, daß E. wahr, ffeitetoibrig behauptet habe, Bethmann Holltve� habe b!e Bedenke» gegen die Helfferichschen Steuerprozekte fallenge- lassen. Der dritte Punkt betrifft das angebliche Friedens- a n g e b o t, welches E. in der großen ReichStagsreoe vom 25. Juli 1819 erwähnt hatte. Ter vierte Punkt endlich betrifft eine Ilmer« redung vom 23. Oktober 1910, in welcher�4 Uhr. au»- Feder «werke stammen. Ziehung unwiderruflich am 10. und 27. November. vom 0. bla 10. Dcaember. frankfurter Sotterie 100 000 Lose 4155 Gewinne Höchstgewinn Gesamtw. der Gewinne Mark: 100000 60000 ja 50 000 loser« 3,00 H-ÄlSÜK 10 lOSß Brunin*ctt 30 M. fiele Krenz-ßeM-Merie 545 434 Lose 17 851 Gewinne Hauptgewinne von Mark: 100000 60000 30000 lose zu 3.60 H. SffJS 10 tose 36 M. Eine(eine Brieftasche mit 5 Frankf. und S Rote-Kreoz-Loscn- SS M. elnechlleBHcb Porto und 2 Listen. Gustav Haase Mchfg.(Inh. K. Schwarz), i Berlin, Neue Konigsfr. 86 u. Neandersfr. 38 W öüg W niniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiii war mtn Mann Infolge der Haarkrankheit alopecla areata geworden. Vcrfchledene sehr teure Mittel hauen voll- kommen versagt. Eine wettere Nur erschien ausfichtoloe.— Mit Hilfe von Reich, l'e Haarkrastwasser„Reell� u. der Peru-Tannln-Pomade ist der un» bour-l wie früher. Frau Ell-«...,T...'Retch-rsHaar- traslwasscr„Reell" AI. M. 4 u. 6,—.„Die rationelle Haarpflege" kostenfrei. Oilo Reichel, verlin 43, Eisenbahnsir. 4. Isolierten Kupferdraht, Litzen und Wachsdraht, kauft höchsürahlend• Ingenlcurbureau Schlichllng Berlin W 9, Linkstratle 10. Tel.: Lützow 3705 und 851». JUteQebisss bis 1000 XL RW 4.60 015 16 1. Gold, Silber, Rlatina tauft Frau Knutfa,:81-"-'�- » straßeS4,v.lI. garten türkische und Goldtlake. Lugerbesucb sehr lohnend. 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Allen Verwandten und Bekannten die traurige Nachricht, daZ unser lieber Vater, Schwicgcr» u. Groß- »ater, Bruder, Onkel und Schwager, der Buchbinder Msr Teubner im Alter von 72 Jahren an Herzschlag' sanft ent- schlafen ist. 8766 Die trauernden Hinterbliebenen: Theodor und Octoc als Sohne, Karls. Horst u. Berlin, Mantcuffel- straßc 104. Die Beerdigung findet Sonnabend, nachmittags 2V, Uhr, von der Leichen- halle d.Gmmaus-Gemeinde, Neukölln, Hermannsttaße, aus statt. Sozisläemolu'st. verein Bezirk(delßenfee. Nachruf. Den Mitgliedern zur Kenntnis, baß unser« liebe Genossin Aimx Hodapp am 16. d. Ms. nach langem, schwerem Leiden»er- starben ist. Ehr« ihrem Andenken t Der Vorstand. ÜMli* beseitigt oS'sHaussalbe jed. HautaussthL, Flecht, Hautjuck., bes. Beinschad., Krampfadern der Frauen u. dergl., in Originaldosen 6 2S. 9.75 erhältlich in der „Elcfamen-Apotbeke" Berlin 213, Leipziger StraBe 74 fa. DOnhoftpl 1 Elektromotore äteifbstrom:: Orebstrom kauft(• Berlin W9, Linkstr. M. Tel. Lützow 3705 und 8518. !!!Geld!!! IäS'W'ÄÄ Brillanten. r Goldgegenstande. Teppiche, Bücher usw. Vdlfi. Friemd nnocit!.mcch Mb« Nontrofe denke, den berührten Gelehrten, der den ganzen iorn Krag, )er den Blumen noch immer seine unverwandte Anfmerftam- seit schenkte. ,Ach behaupte etwas, lvas ich ganz genau weiß. liefe Blumen sind nicht von einem Friedhof gestohlen, sie st, d 'ürzlich in einem Treibhaus abgeschnitten worden. LLissen Bie nicht, lieber Freund, daß Abbe Montrose ein großer Blu- ncnliebbaber war, er hatte ein herrltches.r rewhanu rn einem Garten. Diese Blumen gehören Abbe.Nontrofe nag er tot oder lebendig sein."- „Sie können sich also immer noch nicht von dem Ge- zanken trennen, daß der oerrückte Professor mit Abbe Montrofe dentisch ist?" �_ „I bewahre, diesen Gedanken habe-ich schon lange fallen äffen. Ich stelle nur fest, daß diese Blumen uns von neuem mit Abbe Montroses Garten und dadurch mit dem Verbrechen in Verbindung bringen. Ich bedaure von neucin, daß der ver- ftickte Professor tot ist, sonst hätte er uns das Rätsel leicht losen sonnen� Gemüsehändlerin brummte ungeduldig. Offenbar nollre sie ungern mit den Aufschlüssen,.die sie geben konnte, 'inbrennen. Wie die meisten ihrer GesÄlschastsklassc war sie zlücklich, wenn sie der Polizei einen Dienst erweisen konnte. Sie erzählte, daß der verrückte Professor, der sich Wahren rannte, vor zwei Jahren dieses Zimmer gemietet habe. Gle,ch wn vornherein habe er sich so sonderbar benommen, daß es ihr �Erstens �'haft e er offenbar nichts zu tun," sagte sie,„und Renschen, die nichts zu tun hoben, sind mir immer verdachng. Dagegen hatte er die Eigenschaft, daß er sich gern verkleiden mochte; als er mal in den Besitz eines Doktorhutes mm, so ünem, wie man sie auf der Universität trägt, war er glucklich. Da trieb er sich hier in der Nähe auf den Straßen herum, redete Leute an, bis die Polizei ihm den Doktorhut fortnahm, weil cr eine Volksmenge um sich sammelte und den Verkehr hinderte. Er trank fürchterlich, und wenn er betrunken war, hielt er lange und sonderbare Zwiegespräche, hier oben in seinem Zimmer. Stundenlang konnte er predigen, als ob er auf einer Kanzel stehe. Häufig kam er mit Blumen nach Hause, die er unter seinem Mantel verbarg, und sobald er eine Flasche leer getrunken hatte, schmückte er sie mit Blumen. Gestern ivar er ganz wild vor Freude, weil er in den Besitz eines ganzen Priesteranzugs gekommen war, mit dem cr sich ausstaffiert hatte." „Hatte er bisweilen Besuch?" fragte Krag. „Selten," antwortete Frau Großmann,„und dann waren es meistens Trunkenbolde, die er von der Straße aufgesam- melt hotte und mit denen er zechte._ Vor einigen Stunden aber waren hier zwei Männer, die nach ihm fragten." Krag bat sie, diese beiden Männer zu beschreiben, und Keller war sich bald darüber klar, daß es die Männer waren, die ihn geknebelt hatten und dann durchs Fenster geflohen waren. TaS teilte cr Krag mit, und Krag schien sich rncht darüber zu wundern. Tie Detektive begannen jetzt das Zim- wer näher zu untersuchen, aber sie fanden nichts weiter als einige vertragene Kleidungsstücke und einige Vogen Papier, worauf seltsame Krähenfüße gemalt waren.. �„. „Sind das assyrische Schriftzeichen?" fragte Keller und betrachtete das Papier neugierig. Krag lachte.„. „Entweder ist es die Schrift eines Geistesgestörten, ant- wartete er,„oder auch eine Sprache, die kein Lesender deuten kann. Ich glaube ersteres, denn es sind Brock.en von ursprünglichem Wissen und Kenntnissen dabei. Sehen Sie hier einige chinesische Schriftzeichen, hier einige Hieroglyphen, hier ernen griechischen Satz. Hallo, was ist denn das?" Krag hatte zufällig mit dem Arm an eine'alte Jacke ge- stoßen, die in einer Ecke hing, und hörte ein klirrendes Ge- räusch. _ Ter Detektiv hielt die Jacke ans Licht. Er sah, daß sie frische Spuren von Erde hatte. „Ist das seine Jacke?" fragte er. Frau Großmann nickte, das Kleidungsstuck war ihr wohl "" Vorsichtig, damit die Erde nicht abbröckelte, untersuchte Krag die Jacke.,,.. In den Taschen lagen einige abgerrffene grüne Blatter -..Er hat Blumen in dieser Jacke nach Hause getragen. sagte Krag,„und erst kürzlich, denn die Taschen sind noch feucht von den nassen Blättern, außerdem ist frische Erde auf dein Zeug. Sie werden sehen, daß es Erde aus- Abb6 Montroses Treibhaus ist." „Was aber klirrt dort in der linken Tasche?" fragte Keller ungeduldig. Krag nahm vorsichtig ein Schlüsselbund aus der' Tasche. Die Gemüschändlerin trat näher, uin besser zu sehen. „Das sind nicht seine Schlüssel," brummte sie. „Woher wissen Sie das?" „Was sollte er wohl mit all den Schlüsseln? Er hatte nur einen Schlüssel für das Haustor und einen für die Tür. Und die sind nicht dabei." Das Viind enthielt acht größere und kleinere Schlüssel. alle aus Stahl, blank und fein. Dazwischen war auch ein kleiner silberner Schlüssel, der offenbar zu einem Schrein ge- hörte. Und an dem Bund war ein kleines Schild von Silber befestigt, wie ein Schild gehämmert, wo der Buchstabe M eingraviert war.• „Derartige Funde gefallen mir," sagte Krag vergnügt. „Lassen Sie mal sehen, was haben wir jetzt alles beisammen: vor allen Dingen die Ouittung über die sechs Arbeitstage, dann das Halstuch in den leuchtenden spanischen Farben, ferner die Photographie von Clary Singer. Die Jacke mit den frischen erdigen Flecken, und schließlich dieses Schlüsselbund. Es sind allerdings sehr verschiedene Sachen, solche Dinge bil- den aber doch schließlich eine Kette. Das Namenschild trägt den Buchstaben bl, wie Sie sehen. Montrose?" fragte Krag nachdenklich. ,Jn dem Fall wären es Abbo Montroses Schlüssel," sagte Keller,„und was dann?" „Ja, was dann," antwortete Krag und wog das Schlüssel- bund in seiner Hand. Er zählte die Schlüssel. „Acht," sagte er, Jvcnn es Abbs Montroses Schlüssel sind, können wir durch seine Wohnung gehen und probieren, wo sie passen." „Und was kann uns das helfen?" fragte Keller. „Nein, natürlich," murmelte Krag halblaut und abwesend. Es war, als ob er laut dachte und sich um die andern im Zimmer gar nicht kümmerte.„Aber," fügte er binzu,„wenn Schlüssel in diesem Bund sind, die zu keinem Schloß in der Wohnung des Abb6S paffen, zwei überflüssige Schlüssel, zwei Schlüssel, deren Verwendung uns unklar ist—"' „WaS dann?" fragte Keller wieder. „Ja, waS dann." antwortet- Krag. Da hörten sie Lärm auf der Treppe.(Forts, folgt.) Etufuljtunft in die Tkeorie und Praxis dcS Sozialismus, der von Parteigenosieu aus alle» Teilen des Reichs besucht wird. Die Teil- nehmer müssen in der angegebenen Zeit in Berlin untergebracht werden. Wir richten dabcr an alle Parteigenossen, die bereit sind, einem auswärtigen Genossen, selbstverständlich gegen angemessene Entschädigung, für vier Wochen Unterkunft zu gewälsren, die Bitte, sich sofort mit dem Z e n t r a l b i l d u n g s a u S s ch u st, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3(Telephon; Moritzplay 10 717), in Verbindung zu setzen. Da sich das UnterrichtSlokal im Vorwärts- gebäude, Lindenstr. 3, befindet, ist es erwünscht, dast die Kursus- tcilnehmer in der N ä h e d c s H a l l e s ch e n T o r e s Wohnung erhalten oder wenigstens so, dast sie nach dem Halleschen Tor hin gute Verbindung haben. Am kouiuicildcn Sonntag(Toteusolintag) sind die staatlichen Museen geschlossen. Neukölln. Nachwchen der letzten Lrawallszencn im Rathaus. Die getvalttÄigen Störungen in der letzten Sitzung der�Nenköllner Stadtveroridnetenversmnmlnng werden in der heutigen Sitzung ein Ztachspäel in Form zweier Anträge haben. Die bürgerliche Fmk- tion hat au dem Magistrat folgende Anfrage gerichtet: Unter Hin- weis auf die Vorgänge in der Sitzung vom 7. November richten wir an den Magistrat die Anfrage, tvas er zu tun gedenkt, um derartige Vorgänge in der Zukunft zu verhindern und den Stadt- verordneten die Möglichkeit zu geben, ihr Mandat ungehindert und ahne Lebensgefahr auszuüben?— Die demokratische Fraktion beantragt folgende Doißtrauenskundgebung gegen den unabhängigen Stadtverordnetcnvorsteher-Stellvertreter: Der Vorsteher- Stellvertreter, Herr Stadtverordneter Künstler, besitzt nach seinem Verhalten in der Stadtverordnetensttzung am 7. November nicht mehr das Vertrauen der Stadtverordnetenversammlung. Nach 8 1 Absatz 3 der Geschäftsordnung hat er sein Amt als Stellber- treter des Stadtverordnetenvorstehers niederzulegen. Der Unabhängige Stadtv. Prof. Dr. Lahse hat sein Amt niedergelegt. Neukölln. Unrechtinäpiger Bezug der Erwerbslosenuntersiützung. Noch immer werden Fälle ermittelt, in denen Erwerbslose unter Zugrundelegung unwahrer Angaben versuchen, sich un- rechtmäßige Vorteile zu verschaffen. Insbesondere gehen immer wieder Personen daraus aus, tui r ch Stellung d o p p e l. t e r Anträge an mehreren Stellen gleichzeitig Unter- stütznngsgelder zu erlangen. Der Magistrat hat bisher gegen alle Personen, die sich dieses unerhörten Betruges schuldig gemacht haben, oas gerichtliche Strafverfahren einge- leitet und wird auch in Zukunft bei sofortiger Entziehung der Unterstützung nnnachsichllich gegen solche die Allgemein- heit schwer schädigenden Personen vorgehen. Wilmersdorf. Ei» städtisches Arbeits- und Berufsamt. Der Mlmcrsdorfer Magistrat hat beschlossen, die städtischen Arbeits- nachweise und die Erwerbslosensürsorgc in einer Zentralstelle unter dem Namen: Städtisches Arbeits- und Berufsamt zu der- einigen und hierfür eine neue Deputation einzusetzen. Die städ- tischen Arbeitsnachweise haben sich nach dem Kriege stark ent- wickelt und sollen ausgebaut werden. Dom neuen Arbeitsamt soll außer der Erwerbslosen fiirs arge auch die Berufsberatung und die Lehrstellen vermi itlu ng überwiesen werden. Als weitere Aufgabe der Berufsberatung kmnmt die Fürsorge für die durch Kranthcit oder Unfall um einen Teil ihrer Erwerbsfähigkeit gekommenen Arbeiter. Das städtische Arbeits- und Bcrussamt soll in dem städ- tischen Gobäude in' der Kaiser-Allee 51/52, das gegenwärtig für die Gastwirtschaft„Wilmersdorfer Stadtpark" verpachtet ist, untergebracht werden. Marirndorf-Südcnde. 4. Bolkskunstabend. Heute 8 Ubr in der Aula des Gymnasiums. Eintritt 1 M. Erwerbslose, tvelche länger als 3 Monate Erwevbslosennnterstüdung beziehen und in Martendorf wohnen, erhalten eine Anzahl Freikarten. Alt-Glicnicke. Gemeindevertretersitzung. Für den beurlaubten Geuieindevorsteher leitet Genosse Werle- mann die Sitzung. Er gab das Ergebnis der Volts- zählung bekannt, gezählt wurden'2153 niännliche und 2586 weibliche Personen. Das Angebot auf Uebernahme des Besitzes der Land- wohnstättengesellschast seitens der Gemeinde wurde zur Prüfung der Si ed l u ngs ko ni inissio n überwiesen. Eine längere Debatte ergab die von der früheren Gemeindevertretung gebilligte Entschädignngs- Zahlung aus den Aepfelveriäusen, die einen Ueberschust von 18000 Mark ergaben. Die Verteilung wurde von oben herab vorgenommen so erhielt der Gemeindevorsteher in 7 Monaten für angebliche Aufwandsentschädigung 4700 M. Der ehemalige Kauf- mann Dreovenski 2730 Sil., der Beamte der Gemeinde Born- bolz zirka 1080 M. usw. je nach Rang, dem Arbeiter, der auch hier wieder die schwerste Arbeit zu leisten hatte, wurden 3 0 Vi a r k verabfolgt. Sodann kam die Absetzung des Gemcinoe- Vorstehers zur Verhandlung. Jaeckel(U. S. P.) führte in längerer Rede ans, daß sich der Geuieindevorsteher den sozialdemokratischen Parteien gegenüber nie werde behaupten können, zumal wenn erst die Geschlossenheit beider Parteien wieder hergestellt werde.(Bei- fall von den Zuhörern.) Tie Gemeindevertretung sei daher nicht mehr in der Lage, dem Gemeindevorsteher das Vertrauen aus- sprechen zu können. Ein Mißtrauensvotum wurde gegen vier bürgerliche Stimmen angenommen. Mit den Nücktrittsverhand- liingcn wird iter Gemeindevorstand und aus jeder Fraktion ein Mitglied beauftragt. Bezüglich des Ausscheidens aus dem Amts- bezirk soll die Finanzkommission und der Gemeindevorstand zu- sammen die Verhandlungen aufnehmest. Stahnsdorfi G e m e i nd e v e r tr etn n g. Es wurde ein- stimmig beschlossen, daß ab 1. Oktober bei Grundstücksumiätzen ein Gemeindcsteuerznscbl ,i on 1 Proz. von der Kaufüimme erhoben werden soll. Ferne, wurde beschlossen, die Hausbesitzer zu der- anlassen, bei Schncejällen die Bürgersteige freizuhalten und bei Glätte zu streuen. Potsdam. Politisches aus der Stadtverordnetensitziillg. I» der letzten Sitzung ging es bei der Debatte über die Potsdamer Ein- wohnerwehr hoch her. Sadtv. Schneider(D. Vv.) beschuldigte die Mehrheilssozialisten als ein Anhängsel der Unabhängigen. Hierauf brach ein Sturm bei den Stadtverordneten und auf der Tribüne anS. Stadtverordnetenvorstcher Rostbund droht mit Räumung des Zuhörerraumes.(Rufen: Lassen Sie doch Noske holen!) Stadtv. Staab(U. Sog.) engreist das Wort und führt aus, dast gegen die Mehrheitssozialisien die Beschuldigung erhoben werde, ein Anhängsel von uns Unabhängigen zu fein. Wir beide Parteien protestieren gegen diese Verleumdung, die nichts weiter bedeutet, um die Arbeiterklasse zu zerfleischen. Aber, meine Herren, wenn es darauf ankommt, gegen die Rechte zu kämpfen, dann werden wir einig sein wie ein Mann. Wir bekämpfen die Gründung einer Einwobner- wehr in Polsdam. Als Führer dieser Wehr will man den Major b. Roedern hinsetzen. Aber dieser Herr hat bei einer Feier im Biktoria-Gymnasinm die Aensterung getan:»Ich kann den Tag nicht erwarten, wenn die Monarchie wiederkehrt." Oberbürgermeister Voßberg erklärte, daß v. Roedern nicht als Führer der Einwohner- wehr in Aussicht genommen ist. sondern ein staatlicher Schutz- beamter. Groß-Berliner Lebensmittel. Berlin. Milch: Kinderkarlcn �11 Liter. A II Liter, B I 1I, Liter, B II, C I und C II 1U Liter, A- Karte» für werdende Mülter slt Liter. Die Krankenkarten werden voll beliefert. Mariendorf. Südeiide. Ans die Abschnitte 87, 88, 80 und 91 der Oiroß-Bcrliner Lebensmittelkarte zusammen 700 Gramm Graupenmebl (84 Ps). Anmeldung bis Sonnabend, den 22. November, Verkauf am 27. bezw. 28, November, nacbmiltags 4 Ubr. Bis zum 22. auf Absch, 47 der Zusabkarle für Kriegsvelchädigle 500 Gramm Schnitinudem(66 Pf.). Verkauf in beiden Gcmeindciäden. Ein Posten Fifchkonierven zu erniästigten Preifen im Gcmeindeladcn, Cbansseestrahe, und bei Schwarzbach, Chaussee- firatze 36. I» den Gemeindeläden erfolgt der Verkauf von Tafelüpjeln (Pfd. 85 Ps.). Brennbolz bei SelbftabhoUmg je Raummeter 70 M., bei Zufuhr frei Keller 78 M. Bezahlung im Rathaus, Zimmer 20/21, von S— 12 Uhr. Ausgabe aus dem Grundstück von Rieflin, Chausseenr. 3l3 von 10—3 Uhr. HerinSdorf. Vom Donnerstag ab auf Abschnitt 87 der Grost-Bcriiner Lebensmittelkarte 150 Gramm Reis(60 Pf.I, auf Abschnitt 96 250 Gramm Marmelade(65 Ps.). Die BestellabschnUte sind heute und morgen bei den Klemhändlcrn abznlieserir._ Groß-Serliner Partemachrichten. Lichtenberg. Sonnabend. 7 Uhr, in der Auitf„Cäcilium-Lvzenni", RathanSslr. 10. Lichtbildervortrag:»Von der Postkutsche zur Schnellbahn�. Wir ersuchen unsere Parteimitglieder, besonders die schstlpslichtige Jugend mitzubringen. Eintritt 50 Ps. Sozialdemokratische Polizeibeamte(Wcrbeausschusi S. P. D.). Sonnabend nachm. 5 Uhr in Haverlands Fcstsälen, Neue griedrichstraße 35, öffentliche Versammlung. Sämtliche Kommissare der Berliner Schutzmann- schast sind höflichst eingeladen N. St. G. Heute nachmittag 3 Uhr: Versammlung aller männlichen und weiblichen Angestellten und Arbeiter, die auf dem Boden der S. P. D. stehen, sin Stadtschlotz Oberschöneweide. Städtische Glektrizitätswertr. Heute, nachmittags 5 Uhr: Ver- sammlung aller niämilichm und weiblichen Angestellten und'Arbeiter, die aus dem Boden der S. P. D. stehen, im»Rosenthaler Hos", Rosenthaler Straße 11/12. Vorträge, vereine unä Versammlungen. Arbeitrr-Radfahrerverei».Grotz-Berlin". Sonntag, 23., nach. mittags 1 Uhr, nach Buch, Gasthof von Kroll am Bahnhof.— Allg. Namilienstrrbekaffe. Sonntag: Zahl- und'Aufnahmelag von 2—6 Uhr im Restaurant Gerichtstr. 12/15, von 2— 5 Uhr Adatbertstr. 24. Gharlottenvurg. SangeSfreudige Herren und Damen, die auf dem Boden der S. P. D. stehen und gewillt sind, sich als attioe oder passive Mitglieder einem zu gründenden Gesangverein, der das freie Lied pflegen und die Veranstaltungen der Partei durch Kesang verschönern soll. nnzuichliesicn, werden gebeten, sich am Sonntag(23.), vormittags 10 Ubr, beim Genossen Otto Seelig, Grünstr. S, Eck« Kirchstraße, einznsindeli._ Gerichtszeitung. Bom Spiel in den Tod. Ein entsetzlicher Unglücksfall, der ans einer harmlofen Neckerei entstanden war, lag einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung zugrunde, welcher gestern die Straf- kämme r des Landgerichts I beschäftigte. Angeklagt war der Kutscher Ernst G e r l a ch. Ter Angeklagte, welcher bei der Ll-schinger- Gesellschaft beschäftigt ist, erhielt eines Tages im Juni den Auf- trag, ans der Küche warmes Wasser zu holen. Hier wurde er von den Küchenmädchen geneckt und mit Wasser bespritzt. Ein Küchen- Mädchen, Marie Bremer, lief ihm nach, um ihn noch einmal zu bespritzen und im Scherz hob der Angeklagte sie hoch und machte mit dem Mädchen einige Tanzschritte. Hierbei glitt er auf den nassen Fliesen aus und im nächsten Augenblick ertönte ein mark- erschütternder Schrei. Die B. war in einen Kesiel mw siedendem Wasser gestürzt. Der Angeklagte faßte sofort mutig in das kochende Wasser hinein, er holte aber nur noch eine Leiche heraus und verbrannte sich dabei selbst so ichwer, daß er lange Zeit im Kvankenhanse liegen mußte.— SJor_ Gericht machte Rechtsanwalt Dr. Shirt R o s e n s e l d geltend, haß hier ein un- glückseliger Zusall vorliege, bei dem der Angeklagte gar keine Ueberlogungsmöglichkeit gehabt habe. Da- Gcv:cht folgte diesen Ausführungen und erkannte auf Freisprechung. flus alle? Welt. Cin cigcnartigrr Eisenbahnuniall. Als Donnerstag früh ein Personenzug aus Eroß-Boihen in die Station Rocülitz(Sachsen) einfuhr, fiel ein �agen eines auf dem Nebengleis rangierenden Güterzuges infolge Heber- iahrens des Prellbocks um und stürzte auf den Personenzug. Ein Personenwagen wurde vollständig zertrümmert. Von den Insassen des Wagens wurden laut.Rochlitzer Tageblatt' drei getötet, fünf schwer und eine größere Anzahl leicht verletzt. öriefkasten See Neöaktion. Jeder sllr den Briefkasten bestimmten Anfraqe füge man«Inen DuKstabcn und eine Nummer bei. Brieslilbe Auskunft wird nicht erteilt. Eilige An» fragen trage nian in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 8, 1. Hof rar» terr« links, vor. Schriftstücke und Verträge sind mitzubringen. Sprechzeiten der juristischen Sprechstunde: Montag, Mittwoch und Freitag 2—5 Uhr; Dienstag und Tonnerstag 3— 6 Uhr; Sonnabend 3— 5 Uhr. Ch. F. 13. 1. Nein. 2. NuS wegen etwaiger Stcuerrückstände. 3. Er- kundigen Sie sich bei der Paßstelle des Polizeipräsidiums.— H. K. 99. Bei der Staatsanwaltschast des Landgerichts Hamburg.— A. L. 48. Ja, für die Zeil bis zum 30. September. Erheben Sie sofort Einspruch.— R. B. 22. 1. Klage beim Versicherung Samt gegen die Krankenkasse. 2. Nein. Gegen die Arbeilgcbiftin hätte nur die Krankenkasse eine» Erms- ansprach.— 100. G. 1. Soweit Sie für das Steuerhalbjahr Okiober 1919 hiS März 1920 veranlagt sind, beantrage» Sie die Absetzung.. Sie brauchen 'nur sür>/z Jahr zu zahlen. 2. Ja. 3. Die Häljte des Satzes, zu dein Sie veranlagt sind.— G. G. 100. t. und 2. Ja.— W. St. 27. Wegen Friflversäumilis sind weitere Schritte aussichtslos.— Zlusschust- Postamt. Nein. Ihre Auffassung halten wir sür zutreffend. — A. H. Offenbarung. Das von dem Hauswirt eingeschlagene� Ver- fahren entspricht leider den gesetzlichen Bestimmungen. Versuchen Sie es mit einem Antrag an den dortigen Magistrat wegen Uebernahme der Mietsschuld.— Köpenick. Die Pfändung wäre znläffig. 2. Wegen Steuern, die noch nicht länger als ein Vierteljahr fällig lind, ist eine Bc> fchränkung nicht vorgesehen. 3. 2500 M. Grnndbetrag. Von dem jährlichen Mehrvcrdienst verbleibt Jbnen ein Fünftel, sür die Frau und jedes Kind ein iveitcres Zehntel.— A. W. 1999. Entzieht sich unserer Kenntnis. — Parteigenoffc 709. 1. Ende Juli bis Mitte November. 2. Ja, sofern die Ehe nicht wegen des Verkehrs mit dem Mädchen geschieden ist. 3. An- trag an das Justizministerium aus Befreiung von dem gesetzlichen Ehe- verbot. 4. Bis zur rechtSkrästigen Scheidung der Ehe ja. 5. Der Partei- eid in Ehesachen ist selten. Vermutlich wird das Gericht Ihre Ehefrau zum Eid nicht zulassen. 6. Ja.— Sii. P. 50. Ja, falls Ihnen ein ScheidungS- grund nicht zur Seite steht.— E. K. 29. 1. 2000 bis 3000 M. Grundgebalt. 2. Ja, bis zu 100 Proz. 3. Ja, 1200 M. sür Verheiratete und 600 M. sllr Unverheiratete.— E. 4>. 7. Nur sür das erste Steuerviertel. jähr, also sür die Zeit bis einschl. Juni d. I. Reklamieren Sie iniierhalb der 28tägigen Frist.— Kurt 100. 1. n. 2. Ja.— K. L. 1. Mindestens zehn einer beliebigen Lohnklasse. 2. Generalkommando des Gardekorps, 'Abrechnungsstelle, in weiterer Instanz das Reichswehrnünisterium. — T. 99. Wenden Sie sich an die Landwirtscbastliche Hochschule, Berlin, Jnvalidenstr. 42.— O. M. 100. Richten Sie einen Antrag an die Fettslelle deS Magistrats Berlin. Gewinn-Auszug dci 14- Preuss.-Südd.(240. Preuss.) Klassen-Lotterie' B. Klassa 12. Zicliungsing>. 20. KoTember 191s Äwl Jede«ciof.n. Nummer»l»d xwel gleich hohe Gewlhue gefklieB, und rwur Je«lau utf die Loa« Reicher Nuauier U des beiden IbtellugcB 1 uad II (Ohne Cewällr.)*''(Xechdruck Verbotes.) f. In der Vomittagsziebung Kindes Gewinno Uber SlO Mark gezoge&a 4 Gewinne eu 10000 M 32083 146907 4 Gewinne zu 6000 II 111283 130141 80 Gewinne zu 3000 M 6382 0245 15016 19149 31417 33517 35964 37183 42021 45478 47932 47978 48515 60857 63649 74523 74638 76208 77728 85485 92590 96528 115206 127065 132028 134143 142517 144979 161313 154673 161418 161965 137331 179293 183224 183333 137153 219273 227811 23X445 136 Gewinne au 1000 M IIB 609 6918 19857 23499 24487 28563 82110 33143 37066 37668 38664 41106 43000 44331 82064 62324 64170 63141 70435 71518 75097 75625 76830 77623 86620 89258 90020 91378 03122 95435 102204 105179 108101 111491 116487 118813 123227 129821 132904 139151 142679 146698 151991 153138 167256 107906 170290 171356 172893 172997 182119 182405 185943 186912 187263 194939 195339 202771 207934 211035 211904 224892 225432 226917 227910 230929 231078 170 Gewinne zu 600 M 193 4236 4733 6538 7583 8338 6036 12414 12519 14403 16061 17341 25877 26719 28613 28838 29395 43123 43936 47224 48432 49''53 62009 62077 56185 64197 66585 67337 70739 71419 79156 79529 81433 82770 89918 92618 95917 65946 97530 07674 103618 103806 104613 110546 110840 111274 116800 116871 119400 122329 126270 129823 130779 137341 137876 138883 143780 144225 154687 158889 169748 162400 162983 164606 165725. 170944 171108 172974 177173 180725 130739 183174 183441 134083 193641 200989 208273 208559 215054 221324 226969 228531 2299,9 231013 231686 In der Xacbmittageziehung wurden Gewinne Uber 240 Mark gezogen» 2 Gewinne zn 40000 M 154817• 2 Gewinne zu 10000 II 204854 98 Gewinne zu 3000 M 60 979 6900 6299 8356 15218 17823 22344 23124 40617 42762 44443 51605 65X52 66741 79444 89213 89433 95641 06483 108823 112908 113436 116892 121007 125590 127403 142867 144438 145618 14S88T 171330 171863 174481 583552 187452 187559 188773 194336 200059 200452 200008 211622 218000 228819 229300 231471 232438 233378 174 Gewinne zu 1000 M 1303 11581 15095 27429 28783 28921 32545 32650 34478 45668 42370 42702 44681 44370 50333 63390 56468 67729 63566 85405 65437 65300 66103 66995 68317 75903 82237 82746 92385 100373 101338 101703 104673 104728 104865 105632 109816 114269 116273 116992 118263 123990 125292 125316 128876 131578 131818 132138 134928 140297 145298 150X02 151583 155418 157230 157393 159318 159897 160024 160211 160333 165062 165546 172342 175065 170304 130369 183777 185598 185627 186460 187722 190086 194274 195817 198252 203873 204145 204822 214605 214881 215150 221764 224765 229464 232221 233212 192 Gewinne zu BOOM 2381 4063 4175 4532 4304 7129«122 11292 12580 13505 13872 14109 14648 14720 15453 15573 21139 23584 24152 36283 29508 36345 40164 60945 51802 56030 60068 60584 65302 70076 71809 82027 86680 SS'Bl 91693 98475 104333 104988 105720 109001 110204 112771 115287 116826 121457 123372 125761 127277 133159 135959 140041 146581 148721 150206 152365 156507 156505 158084 159417 160070 160356 161133 164258 165081 167418 166807 172200 174413 132502 186446 186851 190765 195041 195643 19'625 201338 202928 205042 207182 209102 212213 212837 217432 218329 218771 219437 220683 221012 22X752 222082 222462 223443 224779 225383 228283 228401 ! ■