|lr*596. 36.Iahrg» Bezugspreis: ZZierteljährl. 10�0-JRL, monctL SJX 3JÜ. ttei ins Saus, voraus mhldar. Posi« beziig Monatlich 350 Mt. e�fL 8u* ftellingsgedithr. Unter Rreujbanö für Deutlchland und Oesterreich- Ungarn 3,7b 33t, für das übrige Ausland 10,75 3it, bei tilg Uch einmal. Zustellung 3,7b Mk. Poftbeitellungen nehmen an Dänemarl. Solland, Lurelnburg. Schweden u. di« Schweiz. Eingetragen ' in die Post-Zeiiungs-Preisliste. Der.Vorwärts" mit der Sonntags- beilogc»Boll u. Zeit" ericheuu wachen- täglich zweimal. Sonntags einmal. Zeleqramm-Adrestei »Sozloldernokra» SerNu". Abrnd-Ansgabe. m» Derlinev OolKsblntt ( 15 Pfennig) Uuzeigeupret»» X%«chtgeloaltene NonoareillezeS» - lostet 130 33, Teuer ungsjulchlag 60«V leine Anzeigen", da» iett- gedruckte Wort 75 Psg. lzulässig zwei fettgedruckte Worief, jedes weite« Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenanzrigen da« erste Wort 05 Pig, jede» weite« Wort«., Ew. 6$» Lindenstr.Z» ttentfutcdjet! Am» MorlNplan. Nr. 117 SZ— 54. Amerika gegen Versailles. Die»Einheitsfront.- „Sozialistische Einheitsfront"— ein schönes Wort.„Ei- nigkeit des gesamten Proletariats"— ein noch schöneres Wort. Wir erstrsben das eins als praktisches Ziel, in dem zweiten sehen wir ein Fdeal, dessen Verwirklichung noch in weiter Ferne liegt. Meiner Ueberzeugung noch wird die Zu- i'ammenfasiung des gesamten Proletariats unter einen Hut sogar niemals kommen, denn niemals wird wohl ein Partei» Programm weit genug»sein, um allen in der Arbeiterschaft vorhandenen politischen und geistigen Strömungen gleich- zeitig Raum zu bieten. Um zu exemplifizieren: links von der Nnkesten Sozial- demokratie gibt es, in Abschattierungen, die K o m m u- niste n. Rechts von ihr aber stehen graste Scharen Arbeiter, die im Banne einer gan� anderen Weltanschauung leben und für das sozialistische Kulturideal nicht empfänglich sind. Wohl- gemerkt: das gilt nicht für dieses Ideal in seinem ganzen Umfange. Selbst wenn sie demokratisch lind sozialistisch emp- finden, so sind sie keine Sozialdemokraten. Den � Marxismus, die geschichtsmaterialistische Betrachtungsweise. lehnen sie ab. Politische Gleichberechtigung, Volksregierung, sozialen Fortschritt, gerechtere Verteilung des Arbeitsertrag- nisses und überhaupt der vorhandenen materiellen Güter wollen auch sie. Auch sie wollen letzten Endes wohl den so- zialistischen Gesellschaftszustand: aber auf dem Wege, der zu ihm hinführt, wollen sie nicht auf. ihre k i r ch I i ch- r e l i- giösen Ideale und nicht auf die Ethik des Christentums verzichten. Dennoch halte ich die Möglichkeit, dast die Z e n- t r» m s- und evangelischen Arbeitervereinler gemeinsam mit der Sozialdemokratie marschieren, für viel eher gegeben als eine Ven'öhnung von Sozialisten und Kam- munisten. Denn hier klaffen tatsächlich abgrundtiefe Gegen- fätze, die sich niemals überbrücken lassen werden. Von der„Einigkeit des gesamten Proletariats" sollten wir daher schweigen. Aber auch die Frage der sozialistischen Einheitsfront" haben wir mit aller Nüchternheit zu betrach- ten. Man wird in Versammlungen des Beifalls stets sicher seins wenn man die Einigung predigt, denn noch schmerzlicher als die Führer empfinden die Arbeit?? und Angestellten in den Betrieben den Bruderkampf. Und ganz gcwist wäre es eine schfvere Versündigung gegen das Proletariat, wenn wir nicht die Beendigung dieses unseligen Krieges mit allen Mitteln erstrebten. Dabei müssen wir uns jedoch darüber klar sein, dast der Verständigungsmöglichkeit faktisch recht enge Grenzen gezogen sind. Nicht minder aber: haben wir die Wirkungen einer etwaigen V e r st ä nd i g n n g auf die politische Gesamtlage zu prüfen. Der linke Flügel der Untabhängigen scheidet von vorn- herein aus, dekn die Däumig. Eichhorn und Genossen haben mit ihrer Verwerfung der Demokratie ein sozialdemokratisches Grundprinzip über Bord geworfen. Ob das unabhängige„Zentrum"— bekanntlich nannte Bebel die Parteimitte einmal den„Sumpf"—, als dessen Garnitur man wohl H i l f e r d i n g und D i t t m a n n ansprechen darf, für ein unserer Partei annehmbares Einigimgspro- gramm zn haben sein würde, muß mit einem großen Frage- zeichen versehen werden. Bleibt also der reckte Flügel mit Kautsky und Nestriepke. Ihr guter Wille in allen Ebrett. aber werden sie. falls es wirklich zu einer Einigung auf einer für beide Teile annehmbaren Plattform käme, auch Massen hinter sick bringen? Möglich wäre es schon, denn der Verständigungswille ist innerhalb der Arbeiterschaft sehr stark. Dennoch ist heute nicht abzuschätzen, mit welchem Erfolg die„revolutionäre" Demagogie aus einer Verschmelzting Kapital schlagen wurde. Denn in dem Augenblick, wo die Kautsky und Nestriepke zur alten Partei zurückkehren— in demselben Augenblick würden sich auf sie dieselben Schmutz- kübel von links her ergießen wie auf die„Scheidemänner". Seien- wir uns darüber doch klar. In jedem Betracht: eine sozialistHche Einheitsfront bekommen wir nicht.?m besten Falle wird die Grenzlinie ein wenig mehr nach links verlegt. Immerhin bin ick der Meiung, dast auch dieser bescheidene Er- folg schon den darauf verwendeten Schweiß durchaus lohnen würde. Fst eine solche Herausarbeitung des tatsächlich Erreichbaren geboten, schon um Illusionen zn verhüten, so haben wir aus der anderen Seite zu prüfen ob die Einigung von nen- nenswertem Einfluß auf die P a r t e i g r u v p i e r u n g sein kann. Ueber das voraussichtliche Bild der kommenden Reichstagswahlen wird sich in unseren Reihen kaum jemand täuschen. Die Extreme von rechts und links werden gewinne», die Leidtragenden werden aller Wahrscheinlichkeit Versailles unter üen Tisch! Der amerikanische Senat hat alle Antrüge zum Versailles- Diktat abgelehnt, anch den auf vorbehaltlose Ratifiziernng. Daun legte man den ganzen„Vertrag" beiseite und ver- tagte sich � ans onbeftimmte Zeit, nachdem man noch einen Antrag Lodge, den Krieg mit Deutschland als beendet z» er- klären, dem Ru-schuß öberwicscn hatte. Wilson soll daräufhi« sei» herrliches Werk zurückgezogen haben. Die„Chikagv Tribüne" meint, die Nichtcrledignng des FritdenSdiktaiS bedeute die Zurücknahme aller amerikanischen Truppen und Kouimijfionru«nS Europa. Koblenz würde ge- räum» werden. Es könnten auch keine amerikanischen Truppe» nach Obrrschlesieo gebracht werden zur Ueberwachung der Volksabstimmung. Alle noch ungelösten Fragen würden direkt ohne Amerika zwischen den alliierten Großmächten und den Kleinstaaten geregelt werden. D'k amerikanische Friedens- abordnnag wird sich angeblich am 5. Dezember nach New Kork einschiffen. Die letzte» Sitznngea des Obersten Rates sollen am 3. oder 4. Dezember stattfinden. Die FrirdeuSmachcrei mit den Türke», Ungar« usw. bliebe dem holde« Frühjahr überlaffcu. „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet,«a» sei in Paris allgemein der Ansicht, daß das Z a k r a f t t r e t e u des Friedensvertrages, der schon von drei GroßmSchleo ratifiziert sei, kriac« Augenblick länger hinausgeschoben werden dürfe._ Wahlen in Rumänien. ( D« allgemeinen Wahlen für daS rumänische Abgevrd- netenhaus hatten solgrudc Ergebnisse: 103 Liberale, 58 Vcr- trter der Bauernpartei, K7 Nationalisteu, 12 S oz i a l i st e n, 7 Progressisten, 6 Anhänger der AvereScu-Partei. In Sieben- bürge», und den neu angegliederten Gebiete» Ungarns wur- den 146 Nationalisteu und 46 Oppositionelle, in der Buko- wina 12 Nationalisten, darunter zwei Deutsche, ein Jude und ein Nuthcne, und in Beffarabirn 86 Nationalisten und 28 Vertreter der Bänernpartei gewählt. In Kischinew wurde ein Sozialist gewählt.— Wenn die Nichtrumänen der erben- tcten Gebiete als„Nationalisten" bezeichnet werden, so er- kennt man, daß in dem Parlament eine ganze Menge Abge- ordnrler sein müssen, die our Zuumgs-Rumäne» sind. Wohl bekomm's!_ Clemenceau muß bleiben. I« den Wandelglknoen dee Kammer ist man der Ansicht, dast alemencra« noch bis zu den Ernatswablen im Januar im Amte bkipeu müsse. Poincar« würde sich ia Berlegenheit befinden, wen er mit der Kabinettsbildimz zu beauftragen Hütte, wenn vlemencean sich vor der vrendignng de« WahIgefchgftS zurückziedrn würde. Die Freunde ClemcnreanS, die Gelegenheit hatten, sich mit ihm z» unterholten, hoff«», dag er sich bereitfinden wird, bis zu den Senatswahlen den Torsi h im Ministerrate zu behalte«. Elemenceau wird in der kommenden Wache nach Pari» znrückkebre«, «m die durch die Slichtwiedenoahl mehrerer Mitglieder de» stabineti» geschaffene Lag» zu prüfe«. ES hat de» Anscheiit, alS ob dief« Mi- nister aufgefordert werden würden, im Amte z« bleibe«. Die tone Ungerechtigkeit des neuen WahlsvstemS zeige« folgend« Ziffer« au» Pari»: Thirrry mit 36 000 und DeSpla» mit 75 000 Stimmen sind dnrchgefallr«, während der Rovalist Daudet' mit >9 000 gewühlt wurde. Rappaport ist trotz G'OOO Stimmen unterlegen, während der disfidrnte Sozialist Lauche mit 22 000 Stimmen «riumphirtte. Dir Soziallsten der Pariser B» r o r t e mit l-tO 000 Stimmen bleiben ohne jede Vertretung. Die 20.', 000 Sozialisten» stimmen von ganz Paris erhielten 19 Bertretir, während der»atlo- «ale Block mit 380 000 Stimmen 36 Vertreter gefunden habe. Aach dem„Povulaire" haben die Sozialisten l 700 000 Stimme« erhalle«. L o n, u e t führ« aus, dast di« sozialistische Partei seit de« letzten Wahlen eine Zunahme von«ngcfähr 500 000 Stimme« I»»"zeichnen bat. Bei einem anständige» Wahlsvstem müßk-n den Sozialisten nicht 55 Sitze, sondern 130 bis>50 Sitze zufallen. Aber die Koalition der bürgrrlichrn Partrirn und vor allrm das nagt- rechte Wahlsystem bewirktrn, daß dir ncur Kammer die reaktio- norstr f(it 1871 fein und die Boltövertretung geradezu eine Karikatur der Wünsche und Strömungen im Volke bilden werde. nach, hie Demokraten und die M e h r h e i t s s o z i a- listen sein. Das darf man.aussprechen, ohne in Angst- meiere! zu verfallen. Unsere Partei wird Stimmen und Sitze verlieren, darüber sind wir uns klar.' Sie wird aber noch glimpflich abschneiden, wenn wir uns innerlich stark genug fühlen, von der Verteidigung zum Angriff überzugehen imd der Demagogie von rechts wie von links mit schrreidigen Waffen zu begegnen. Daß die„unabhängigen" Bäume nicht in den Himmel wachsen, sobald wir nur die Phraseure eni- schlössen beim Schopf nehmen, hat soeben der Ausfall der Kommunalwahlen in der mittleren und oberen Rl�einprovinz gezeigt, bei denen auch die Rechtsparteien schiechte Geschäfte gemacht haben. Immerhin werden die Unabhängigen— vorübergehend — erstarken, ebenso werden die Deutschnationalen neuen Zu- lauf von verängstigten Spiestern bekommen. � Die Voraussicht- liche Verminderung der mehrheitssozialistischen und demo- kratischen Mandate wird aber dann das Zentrum, dessen Mandatszahl wahrscheinlich nicht wesentlich verringert wird, im Reichstag zum Z ll n glein an der Wage und damit zur eigentlich herrschenden Parbei machen. Unter veränderten Verhältnissen wiehcrholt sich die Konstellation, wie sie. mit Ausnahme der kurzen Periode des Bülowblocks, einige Jahrzehnte tm alten Reichstag vorhanden war. Die Folgen würden sein: eine mastlose Steigerung der Zentrums- 'ansprüche an die Linksparteien, verstärktes Liebeswerben der Rechstparteien beim Zentrum, fortwährende Drohungen dieser Partei mit dem Abmarsch nach rechts, wenn die Regie- rungsparteien der Linken nicht gehorsam nach ihrer Pfeife tanzen. Dast innerhalb des Zentrums starke Kräfte am Werke stnd, die auf eine Rechtsschwenkung hindrängen, ist jedem klar, der Zeitungen liest. Adel und Bischöfe sind beim Zen- trum eine nicht zu unterschätzende Macht, auch die führende Vauernschicht geht natürlich viel lieber mit Westarp als mit Scheidemann. Der organisierte Vorstoß der Zentrumspresse gegen den preußischen Kultusminister verfolgt offensichtlich den Zweck, eine für die Wahlen sehr willkommene Kultur- kamvfstimmung zu erzeugen. An Skrupellosigkeit in der Wahl seiner Mittel wie auch an taktischer Gerissenheit ist das Zentrum nicht zu übertreffen. Wenn aber auch eine offene Rechtsschwenkung dieser Partei aus gewichtigen Grün- den. an deren Spitze die Furcht vor den eigenen Arbeitern steht, vorab nicht gut denkbar ist. so drohen doch die künftigen Wahlen eine politische Verschiebung zu schaffen, die die So- zialdemokratie schon jetzt in ihre Rechnung einstellen mutz. Wir haben schon allzu oft parteipolitisch von der Hand in den Mund gelebt: vor Wiederholungen müssen wir uns hüten. Die Frage der Einigung, wenn auch mir der Einigung mit dem recksieu Flügel der Unabhängigen, gewinnt unter diesem Gesichtswinkel gesehen noch erhöhte Bedeutung. Eines .ist freilich notwendig: dast wir die Einigung nicht etwa durchPreisgabevon Grutidsätzeu erkaufen, denn dann würden die letzten Dinge schlimmer sein als die ersten. Vor einer wässerigen Politik nach links und irgendwelchen Zugeständnissen an die„Diktatur des Proletariats" mutz un- sere Partei sich nicht allein auS grundsätzlichen Erwägungen, sondern auch um deslvillen hüten, weil ein Verlassen deS demokratischen BodenS zugleich das Ende unserer Regie- rungsfahigkeit und die Brüskierung jener'bürgerlich- demokratischen und klerikalen Wählerschichten bedeuten würde, dir den jetzigen KurS aus ehrlicher Ueberzeuguug mitmachen und in ihren Parteien alS Sauerteig wirken. '_ J. Meerfetd. helft üen alt gedroht häbc; vielmehr geschah dies letztere in hypothetischer Form. 3. Die unrichtioe Angabe, daß ich jemandem da! Wort cirt- zogen habe, ist von Ihnen selbst bereits richtiggestellt worden. 4. Es ist unrichtig, daß, wie es in einet a..geblich in der Lomde>oersammlung eingebrachten Anfrage heißt, ich in einer Elievijrvcrs: ttschaftlichen Zusammen- bruch unseres Vaterlandes herbeigeführt. Diese Ausgeburt deutfchnationaler Unverschämtheit kann die Regierung nur richtig boanttvorlen, indem sie sie in den Papierkorb versenkt. Vielleicht haben die Herren Deutschnationalen einmal die Güte, sich zu erinnern, sine die Landräte des alten Systems an Kaisersgeburtötagen, Sodantagen usw. hochpolitisch Z e r- schmetterungsreden gegen die Sozialdemo- k r a t i e gehalten hal>zn unter dem jubelndem Bei- fall der Leute, die sich jetzt beschweren. Vorstbuß auf Bremer Deutschnationale haben Herrn Hekfferich tele» graphisch 900 M. angewiesen, um die bisher verhängten Strafen zu decken und die nachfolgende:"— Herr HÄfferich wirf) von seinen Partei freu nben richtig eingeschätzt. Sie wissen, daß ein Mann seines Kalibers sich mit zwei Underfchämthetten nicht begnügen kann und die D re i aller guten Dinge mindesten? voll machen wird. Doch fürchten wir, daß auch 900 M. nicht reichen werden und halten noch dem- bisherigen Auftreten HekfferichS weitere Gekdsammlungen großen Stil« unter den Deutschnationalen für dringend geraten. vom Angestelltetnursfchuß der Firma A. Wertheim er- halten wir ein Schreiben, das entschiedene Verwahrung gegen die U im J.-----..'I_ Not Rußlands und schließt:.Statt sich in der Rolle zu gefallen, die Oesterreich Preußen und Rußland 1793 gespielt haben, hätten die verbündeten Mächte alles tun i'ollen. um da? russische Volk aus diesen Mißverhältnissen zu reißen. Und übrigens: wollt« man auch neue Meere vcn Blut fließen lassen, um Rußland m seine ver- gangen hei t zurückzuzwingen, e? wäre vergebens Der Brief läuft in Worte aus. die den Schluß zulassen, daß Krapotkin die Hoffnung nicht aufgibt.'di« Entente werde rür eine ernstliche Mithilfe am sozialen Ausbau de? neuen Rußland zu haben sein. Wenigstens mahnt er, daß man nicht Diplomaten und Gene- räle, sondern Brot, Werkzeuge. Ovgamsawren senden solle. Die außerordentliche Generalversammlung der Freien Volksbühne, die gestern abend im großen Saale deS Stew-rkschaftShauseS stattfand, wurde durch ein Referat über die Sozialpolitik deS Theater? eingeleitet, das Dr. Selig vom Kultusministerium erstattcde und über das wir noch ausführlicher berichtest. E» folgten Mitteilungen Dp. Nestriepkes über die mit der Neuen Freien Volksbühne zurzeit gepflogenen verhandhim�n zwecks Kündigung vefp. Verlängerung des BeibandSvertraae» oder Verschmelzung d«.- beiden VolkSbuHnett Die Anträge des Vorstandes, di« Freie Volks- bühne in das vercinsreßister eintragen zu lassen und die dazu nötige Statutenänderung vorzunehmen sowie die MügliederzaHl des künstlerischen. Ausschusses zu verdoppeln, wurden ohne Widerspruch ang«nommen. An Stelle von Conrad Schmidt, der nach Wjahriger Tätigkeit �n der BereinSleitung sein Amt als 1 Vor- fitzender niederzulegen wünscht, wurde Dr. Resiriepke zum 1. Vorsitzenden gewählt. In den künstlerischen Ausschuß wählte die Versammlung als neue Mitglieder nebem den bisherigen die Herren Baron, Döschcr, Prof. Scbeinpflug. Prof. Conrad«chmidt, Sttller und Frau KautSky Nachdem der Geschäftsführer Winkler den Kassenbericht erstattet hatte und ihm Entlastung erteilt worden war, wurden verschiedene Wünsche und Beschwerden der Mitglieder vor- getragen und die Anregung gegeben, auch den Erwerbslosen den Theaterbesuch zu ermöglichen, Wmkler wies aus die allerdings nock ungenügenden Maßnahmen hm. die in dieser Hinsicht von der Stadt Berlin in Verbindung mit der Volksbühne und den Staats- theateru bereit» getroffen worden sind. Zum Schluß machte Dr. Selig Mitteilung von tmem Plan, die Volksbühnenbewegung von Berlin aus über eine An-- zahl von Industriestädten auszudehnen unter finanzieller Mit- Wirkung des Reichs und Preußens, Mit dem HlNwetS auf die neuen Aufgaben, die von der Freien Volksbühne in der nächsten Zukunft zu erledigen sein werden, schloß Baabe di« außerordentliche General. Versammlung. Im Schauspielhau» spielt de? junge Herr Fritz K ortner jetzt den Franz Moor. AIS er im Theater der.Tribüne zum ersten. mal auftrat, überraschte er durch eine sehr entwickelte Sprechkunst, die selbst in tragischen Augenblicken nicht der falschen Uederschweng- lichkeit verfiel. Er war dann ein eUvaS welker, zu arg in Tüftelei hineinstolpender Morttmer. DaS Dämonische schien seine Sehn- sucht. Und nun, da er den Franz Moor spielt, muß ihm nachgesagt Werden, daß er ihn keineswegs mit einem pöbelhaften Schusterla Aeußerung eines Redners auf einer unserer Sonntagsvvrsamizckun. gen einlegt, der von Helfferich gesagt hatte, er mache den Eindruck eines Rayonchefs von Wertheim, der schlechte Manieren habe. Die Rayonchefs der Firma Wertheim protestieren gegen, jeden Vergleich mit Herrn Helfferich und erklären, daß jeder einzelne von ihnen entschieden ein besseres Benehmen an den Tag gelegt hätte als Herrn Helfferich. Außerdem wären sie bei ihren Einkommensverhältnissen nicht in der Lage, bei zwei- maliger Verurteilung zu einer Geldstrafe von 300 M. mit def unnachahmlichen Geste des Herrn' Helfferich nach der Brieftasche zu gvetfen.— Wir nehmen diesen Protest gern zur Kenntnis. Wie es gemacht virö.> Wie ein Irrsinniger kreischt und tobt der fromme„Reichsbote" mit überschlagender Stimme über jüdische Herausforderung",„Schläg ins Gesicht der deutschen Christenchett",„verhöh- n-ung und Beleidigung des Christentums durch die Juden" usw. usw. Was ist los?— Da UntersuchungSauSschußhatamBuß- ta ge verhandelt. Oder vielmehr nein, er hat gar nicht ver- Handels, aber der Vorsitzende Gothein hat angefragt, ob man am Büßt.ig verhandeln wolle. MS hiergegen Bedenken erhoben wurden, hat er sofort die Anregung fallen lassen. Hepr Gothein ist kei n.Jude und nie einer gewesen, sondern ein evangelischer Christ. Der Bußtag ist obendrein gar kein kirchlicher Feiertag, sondern eine staat« kirchliche Einrichtung, der gerade sehr fromm? und orthodoxe Thrifien durchaus ablehnend gegen- überstehen. Aber in dem Untersuchungsausschuß sitzen zwei Juden, die sich zwar zu der ganzen Sache Hör nicht geäußert haben, aber daS zeigt natürlich ihre Verstocktheit. Mso, der Jude ists gewesen. der Jude wird verbrannt I Schlagt die Juden totl Mit flammender Entrüstung fordert der„Reichsbote" zu Protestversammlungen im ganzen Reiche auf. Wogegen? Gegen djp Juden? Er sagt es. Un» scheint, daß auch hier nur die Judenhctze rnrt Gewalt herangezogen ist, um gegen den Untersuchungsausschuß und die Republik zu wühlen. Die neuen Steuergesetze. Dir Nationalversammlung werde« in den nächsten Tagen die drei von dem ReicbSfinonzminister Erzberger in Aussicht ge- stellten Steuergesetze zugehen: DaS ReichSirnkommensteuer- gesetz, das Kapitalertrags sie uergesetz und das Landeßbestcuerungs- gefitz. Die steuerfreie Grenze für das ReichSeinkommen- steuergesctz beträgt 1000 M. Der steuerfreie Einkommens- teil erhöht sich sür die erste, zur Haushaltung de« Sleuerpflich» iigen zählende Person um SOO M-, für jede weitere um 300 M. Don den Erträge» ouS K a p i t a l'd;e r m ög e n wird eine be» sondere KapitalerftagSsteuer erhoben, die zwischen 10 und 20 Pro- zent der Kapitalscrträge schwankt. Die Hinterziehung der KapitalsertragSsteuer wird mit einer Geldstrafe vom Einfachen bi« zum Zwanzigfachen der hinter zogcnen Steuer bestraft. Da- neben kann auf Gefängnis; erkannt werden. DaS dritte Gesetz ovbnet die Sleueroodnungen der Länder» Gemeinden und Gemeindeverbände. Reue Sreuerordnungen letztere? bedürfen der Genehmigung. Sie wollten üen Krieg nicht. Wenn die alldeutschen Kreise, voran ihr Leiborgau. die „Ddutiche Tageszeitung", neuerdings wieder zu bestre ten wagen, daß sie nocki kurz vor dem Weltkriege den Krieg als „Jungbrunnen" gepriesen und ihn heibeigewünscht haben. kann das dem Eingeweihten nur ein Lächeln abnötigen. An Stelle der Hunde'rte von Beispielen, die sich für die all- deutsche Kriegsverherrlichung anführen ließen. seien heute nur einige gegeben: Als zu Pfingsten 1913 im Be rn eine Versammlung deutscher und französischer Parlamentarier zum Zwecke einer Verständigung tagte und au? der Schweiz Klagen darüber laut wurden, daß gegenüber 100 französischen nur etwa 30 deutsche Anmeldungen erfolgt seien, schirieb das agrarische Hauptblatt am 8. Mai 1913; „Nach Lage der Dinge find auch da« noch immer rund 30 deutsche Anmeldungen zuviel." verwechselt. Er will ein Edelmann und ein Schurke zugleich sein. DaS Hoitentottengesicht. macht ihm wenig Sörgen. Er geht, auf alte Schul«, fähig, jedes. Register auszuziehen. Cm»hark begabter Jüngling, kein Unmittelbarer, aus dem Uehersluß Schöpfender, fori» derg ein Nachfohre des Meisters, der mit Fleiß alles Ali« und Gute meistern lernt. DaS sieht nach Genie au»; eS ist aber Nur vortrefflich und mit Ausdauer erworbene Komödiantenbildung. Kein Versuch, moderne Auslegung in den Mordbuben hineinzu- zerren. Nur am Schlüsse siegt eine virtuos gebraucht« Arienkrafi. Franz, der zum Stricke des Selbstmords hinwankt, hat in all seinem Verzweiflungsgeschrei eine ölige Geschmeidigkeit, Bewegun- gen, wie sie der Spitzbubeniyp de? Lombroso nur aus sich heraus- schleudert, und ein? Gräßlichkeit dcS SiammelnS, die zur Größe wird. Die Ze'chen, ine dem jungen Künstler voraufgebenr Hoch- begabtes Virtuosenwm, daS noch Vertiefung und Beruhigung braucht, damit es menschlich erscheine. wb. „Schattenspiele" nennt Felix Philippi, der Altberliner Plauderer vier dialogisch« Kleinigkeiten, die— man sieht es ihrem Verfasser schwerlich an— als eine Fortsetzung de» am Theater der F�r r« d r i ch st a d t gepflegten Genres zweideutiger Pikan- terien zu erachten sind. Theaterkundige Thebaner freilich werden stoffliche Neubeit kaum zu emdeck-n vermögen. Den Sittenkommissar, der im„llssocie" schließlich kapitalistischer Teilhaber eines bislang heftig observierten Freudenhauses und so gewisser- maßen Borde llinntter wird, hat be' Bernard Shaw sein Vorbild. „Die Versuchung" Thema: Josef und die Potiphar. vulgo schüchterner Penöler und moderne Halbweltlerin, spukt seit Dumas- Vater in der Literatur aller„zivilisierten" Völker. Tie„Un- schuld vom Lande"— recte Spreewaldamme und Potsdamer Grenadier von anno dazumal— ist eine Variante von Drevers „ThLcl de» Lebens". Und o u j o u"— worunter ein väterlicherseits subventioniertes Verhältnis" de» studentischen Herrn Sohnes zu denke» ist, das der Papa, als letzterer seine, versteh: sich pariserffche Vernunft- und Geldheirat mit einer Gesellschaftsdame eingeht, schlankweg übernimmt. DaS Stückchen ha« seinen Nach- teil darin, daß Pk.slippi bereit» im ersten Bilde die Wandlung des zweiten vorwegnimmt. Alles in allem Nichtigkeiten, was das Stoffliche anlangt; entschädigt werden die etwas enttäuschten Zu- schauer durch hübsche diaiogische, gewisser spannender Reize nicht entbehrende Führung. Die Darsteller verstanden den Dichter und wetteiferten in spielerischen Artigkeiien, so daß, was sündhaft pikant scheinen soll, nicht durch Unterstreichungen vergröbert wurde. mteter. In der 8 o I f« 6 S ft n e ivird w Rolf Sauckner«„Predigt in Litauen' die Rolle de« Paiior« Demant abwechselnd von.'friedlich Kayhler und Eugen Etsenlohr zur Darstellung gebracht.— Da« Kleine SchausptrlhaiiS südri am Totenlonntag. da der Polizeivrajident die kluisübruna von.Albine und Sujust- verbot, Schmtzler».Liebelei» aus.— Im Deutschen Theater findet am nächsten Mlltwo» die Erstaus. sührung von»erdart Hauptmann» GlaShüttenmärchen.Und Pippa tanzt- statt. Pippa wird von Elle Eckersberg dargestellt. Tie Toraner Texttl.ForichungSstelle wird sortan von dem bisher w Münster dozierenden Pros. Dr. S- Tobler geleitet werden. Man Bebe nie tri« notwendige SBirTung solcher Worte auf das Ausland, dessen Psych« unserer Scharfmacherpresse allerdings stets als cjusntite negiigeable galt, während wir heute die hierbei gemachten Fehler ssi-t Jahren schmerzhaft am eigenen Leide spüren. Auf dem Alldeutschen VerbandStag in Erfurt 1912(»gl..Erfurter Allg. Anzeiger" vom 9. September 1912) erklärte der Vorsitzende der Ortsgruppe, Freiherr v. Vieting» Hoff-Scheel, daß unsere Grenzen zu eng seien: »Wir müssen landhungrig werden, neue Sieblungsgcbirtt erwerben, sonst werden wir ein sinkend Volk,«ine verkümmerte Raffe. Aus echter, wahrer Lieb« müssen wir an unser Volk und seine Züknnft denken, wenn man uns auch Kriegs» und Raublust vorwirft.� General Keim aus Berlin beto»tte, daß der Weg zur Eim- gung und Macht Deutschlands nicht mit Tintenfässern, Druckerschwärze und parlamentarischen Be- schlüssen gepflastert war, sondern durch Blut, Wunden und Waffentaten bezeichnet sei. „Staaten werden nur durch die Mittel erhalten, mit denen sie geschaffen wurden. Deshalb gilt es, einzutreten für ein starkes Heer und ein« mächtige Flott«. Die letzte Wchrvorlage hat dieser Notwendigkeit nicht genügt, um einen Tieg Deutschlands zu verbürgen; die allgemein« Wehrpflicht ist noch nicht durchgeführt. Heer und Flotte müssen aber auch von innerlichen, sittlichen Werten erfüllt seun, und was unser ganzes Voll anlangt, e h n e n wir Ducken und Sichkuschen, Weil« ohne Eile, Wägen ohne Wagen ab." ZeitungSverleger Dr. Pohl verlieh der Hoffnung Ausdruck, daß die Jugend besser fein werd« als die Väter, die durch den , Tod gerissenen Lücken ausfüllen, die Schlachtreiheu verlängern, die Sturm säulcn vcrtiefen helfe. AIS letzter Redner ermahnte Herr v. W r o ch e m, die Waffen scharf zu halten und de» Schwerte» Schneide in Ruhe zu prüfen. Sentimentalität, Humanttä»- wnd FrjedenSdusrlei stellten uns vor die Gefahr, daß«n Weltbürgertum das Deutsch. "um überwuchere. Er, schloß seine Ansprache mit den schönen Sätzen: „Mag? unsere Jugend heranwachsen für den kommenden Tag erneuien ernsten Waffengang-S, den Entscheidungstampf über Deutschlands Sein oder Nichtsein." In der C rlsgrupp« Bc rli n des A. D. V.(vgl.„Berliner < ueste Nachrichten" vom 2S. Oktober 1912) hielt Dr. Schmidt» GibichenfelS, Herausgeber der Politisch-Anthropolvgischen iteoue, einen mit außerordentlichem Beifall begrüß n Vortrag jber:„D e,r Krieg als Schöpfer der Staaten", Er oetrachtete den Krieg vom biologischen Standpunkt« aus. Seine iuSflibrungen, in Millionen von F l u g b l ä.t t e,r n über ganz Deutschland»ecbrcitet— wie das am Schluß sehr lebhast gefordert wurde—. müßten di« hergebrachten Ansichten über Krieg und Frieden von Grund au« umwerfen und den Pazifisten schmere Stunden bereiten... Es erivie« sich als über zoden Zweifel erbaben. daß der regelrechte Krieg nicht nur di« vom triologischen und wahrhaft kulturellen Standpunkt au» denkbar best« und edelste, strndern auch die für den De- stand de» Staates und der Gesellschaft von Zeit zu Zoit u n b e» dingt nötige Lösung sei. Wähnend jede Form des Kampfes un, Dasein und Macht, ime der Vortragend« zeigt«, die Menschen und Völker schließlich zugrunde richten, Staat und Ge- iellschaft zersetzen und zuletzt völlig auflösen müsse, wirke im Gegenteil die kriegerische Form für Slam und Gesellschaft ausbauend, befestigend, erhaltend. Mit besonderem Beifall wurden die Ausfuhrungen über jene außerhalb jede» tnjlfStirganischen Massiv» sich betätigenden„friedlichen EuovcneT •veren Kampfesweise uni> Kriegslisten vegrüßt. Schon im Frieden a>"ßten Maßregeln dagegen ergriffen werden.— An der sich nachließe,-den Erörterung bete'.lrglan sich eine Reih« von Nilitär» und Marineschriftstellern, die die AuS- ührungen de« Vortragenden«IS ein Meisterwerk»der Üth'fi de« Krieges" kennzeichneten, und daß in der Tat eine iZeiterverbreitung dieser trtfflidjcn GSdankensolge im Volk« zu wünschen sei. Der Vortragende gab noch die Erklärung ab, daß der Vortrag dcmnöcl'st in der obeng« nannten Zeitschrift ab- ttbruckt und in Sonderabd rücken Verbreitung sinden werde. Erwähnt s« ferner die Sitzung de« G: samtauSschusseS in Sraunichweig(vgl.„Leipziger Neueft« Nachrichten" vom i Dezember 1912). An erste? stelle berichte:« der Vorsitzeud«, der berüchtigt« Rechtsanwalt C l a ß>»ber die politische Lage mit besonderer Berücksichtigung des B a l k a n k r i« g«»: „Wir wünschen, baß beide Mächte dem FriedenSbe» dürfni«»icht da« Opfer internationalen Ansehen« bringen und nicht vor slawischen Anmaßungen zu- rückweichen. E« ist ein schlechter Gewinn, seyt einen Krieg zn vermeide«, um ihn, wer io«ß wie bald, unter viel ungünsti- geren Verhältnissen aufgedrungen zu bekommen." In der Ortsgruppe H�rmbuvg(vgl.„Hamburger Nachrichten" vorn 19. Januar 1918) erklärte etne der Größen der Alldeutschen. General v. Lieber!: „Die Völker, die sich vermehren, wollen sich w i rtscha f t. lich ausdehnen, sie werden zur imperialistischen Politik gezivungen und andererseits dahin gedrängt, Aachtvolitik zu treiben, die auf Ausdehnung de» Machtgeb i-et« be» strebt iit. Ein Volk, da« sich so stark oermehrt hat. wie da« deutsche, ist gezwungen, eine stetige Expansionspolitik zu treiben. Ts muß ehrlich ausgesprochen werben, daß seit dem Rückrri« Bismarcks der Wille zur Macht fehlt." Schließlich nach eine Prob« ans der Sitzung de» Gesamtau». jchufie« m München(vgl.»Tägliche Rundschau" vom 21. April 1918). Der Borsitzonde. Rechtsanwalt Claß, führte au»: „Wenn wir heute der Regierung für di- großzügige Ve«ee»t.»rla«. danken, so wollen wir aber auch zum Ausdruck bringen, daß die deutsche Wehrmacht auch ihre Ber- weiidu», ftnde, falls mißgünstige Rebsnbuhter oder Nachbarn unseren völkischen Bedürfnissen uns etugegenslellen. Uniei rasch wachsendes Volk muß s«-i Daseinsrecht gellend machen. ES«nh für Neuland sorge« TaS Deutsche Reich muß weitschauend seine Zukunft sichern, und das ist nur mög- lich, mdem es entschlossen zu aktiver Politik übergeht. Genügt's der„Deutschen Tageszeitung� fürs erste? Weitere Proben ähnlichen Kalibers sinid. wie gesagt, wohlfeil wie Brombeeren, aber die Häufung könnte den Eindruck von interessanten Einzelheiten wohl nur abschwächen: kleine politische Nachrichten. Um Haase« Rachsolgrrschaft. Aach Meldupg der»Neuen Der» liner" dürfte Henk« der Nachfolger HaaseS als Fraktionsvorsitzen. der der ll. S. P werden, während auf sein« Nachfolgerschaft im Borsitz d-S Zentralvorstandes neben Henke auch Ledebour und D ä u m i g Aussicht haben. Henke pendelt zwischen den linken und rechten Flügel der U. S. P-, Täumig unB Ledebour stehen entschieden links.« Ein« Mark—€ Gent« holländisch— so stehen wir da. Tigimi- "ch nicht mal ganz so, denn sie notiert EßSK Cents. Und sinkt uu». verdrossen. GroßSerM '„Gestatten Herr Gcheimrat". Es gehörte zum Wesen de« Beamtentums im alten Obrigkeits- staat, daß der.Ünlergebene" sltin« gehoriam« Ergebenheit bei jeder Gelegenheit zu unterstreichen hchue.- Beionder» zwistben»unteren" Beamten und»mittleren" im Gegensatz zu den»höheren" mußte da« zum Ausdruck kommen durch' eine Nachäfiung der Kaserne»- Manieren.' die eines freien Mannes unwürdig sind und mit der notwendigen Achtung vor Vorgesetzten nichts zu mn haben. Bei vielen Behörden wird riock heute die Anrede.Sie" nicht als aus- reichend angesehen, eS muß die Anrede im drillen Fall sein; nicht »Gestatten Sie, Herr Gebeimrat" nein,.Wenn. Herr Geheimral ge- slaiten.." Vielleicht wäre es angebracht, wenn die Zentral- bebörden allgemein bestimmen: im dienstlichen Verkehr ist die An- rede im dritien Fäll nickt zu gebrauchen. Für republikanisch ge- siiinie Beamte sollte eine solche Anweisung unnölig sein, für schüchterne Gemüter wäre sie aber sicher von Nutzen. Eine praktische Negelnug. Uns wird geichrieben: Meine Frau erhielt— ich glaube, es war im Mai d. I.— an Stelle von Kartoffeln Kartoffelwalzmehl, welches jedoch un- genießbar war. Ich reklamierte an die Abteilung für Nähr- mittel und nach wochenlangem Warten bekam meine Frau ein« Bescheinigung auf andere Lebensmitte! auf eine Firmq in der Großen Frankfurter Straß«, Gestern wollte nun meine Frau die Lebensmittel aus der Großen Frankfurter Straße abholen, aber,» Schreck, ihr wurde die Mitteilung, daß Grieß— um diesen handelt eS sich nicht vorrätig sei; aber, so wurde ihr gesagt, man habe denselben vor einiger Zeit freihändigverkauft. Nun frage ich öffentlich den Magistrai, Abteilung für Lebens- mittel: War eS nötig, von mir zu verlangen, daß ich vsm. Halle- scheu Tore, in dessen Nähe ich wohne, die Lebensmittel aus der Großen Frankfurter Straße hole? Wer vergütet mir die alten verdorbenen Lebensmittel, die bei mir, immer noch zur Verfügung des Magistrat? lagern? Wer gibt mir da? verausgabte Fahrgeld wieder? Von dek Zeit ganz abgesehen?'Ich fordere den Magistrat nunmehr auf, die Sache so zu erledigen, wie es einem gewissenhaf- ten und anständigen Kaufmanne geziemt! „Volk, und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Pnstauslage bei. Eine unb-geeiflich« Bummelei! Dir Frau eineS Reichs- wehrsoldaten klagt bitter darüber, daß ihr die Unter» stützung'für fie und ihre Kinder oft mit großer Verspätung zugeht. Solange der Mann zum Grenzschutz ge- hörte.. erbielt sie die Unterstützung, wie in der Kriegszeit, im oorauS bezablt. und zwar pünktlich am C und 15. jedes Monats. Nachdem er aber zur Reichswehr übergetreten war, wurde die Unierstützung nicbt nur niedriger bemessen sivos wohl aus der höheren Bemessung d?S Solde? für den Mann zu erklären wäre), sonidcrn di« Zahlung erfolgte auch erst nm Ende des Monats. Oder vielmehr: da sollt« gezahlt werden! In Wirklichkeit aber tras das Geld nie vor dem 4. ein. miS> einmal erhielt st« es sogar erst am S.. nachdem sie inzwischen bereit» eine Mahnung gesandt hatte, di« dann beim Do- taillon ein halbes Dutzend Schirei-bfedern in Bewegung fetzte. Im Wovcn-bci hat sie es nun erleben müssen, daß sie noch am 13. auf die Unterstützung für den längst zu Ende rnangenen Oktober rocnien mußte. Sie hat bereits eine zweite Mahnung äbgcschicki, auf deren Erfolg sie zu der Zeit, wo sie un? ihr Leid klagte, noch ivariete. Um nicht ibre Kinder hungern unD ftierci, zu laiieu, hatte sie d i e Miete ichuldig bleiben müssen, auch die Gasrcch- nung nicht bezahlt und alles Entbebrliche F»fS L e i h a m t getragen. Der Mann stl«ickt von seinem Sold, aber da« allein kann natürlich nicht ausreichen. Daß sie' die Unterstützung so unpünktlich bekommt, wallen ihr die Leute, llbreibi sie uns, gar nicht glauben. Von dem Soldatm wird im Dienst strengste Pünltsiclikeit verlang! aber Uupunktl'rfiielt bei der UnteestupliuaS» zahlun i icke'nt man für zulastig zu pal'en. Denkt man denn gir nicht daran dijß alle Lebensmittel teuer'sind und der Winter kruh- zestig eingcsetz: hat? Die Alumlniumschieber auch Zuckerschieber. Die Gesellschaft von Aluminiunischiebern plante noch weitere große Schiebungen, die jedoch gleich im Beginn vereitelt wurden. Der Berliner Tics- bgilingenieur veronlaßte den Eisenlbahnassistenten der Lautawerke und den zuletzi in Schwerin tätigen Angestellten H e! I m a n n des ReichSverwertungSamtei, der bei der Aluminiumschiebung noa nicht beteiligt war, die Schiebungen fortzusetzen. Zunächst war «s aas Zucker abgesehen. Der Eisenbahnassistent und Hell- mann fertigten für einen stellungslosen geilieinsainen Bekanulen aus Wittenberg in HellmannS Wohnung in Südende einen f a l- chen M i l i I ä r p a tz an, mii dem et sich bei der Eisenbahn eine nstcllung an dem Knotenbunit Falkenbera verschaffen soll:«, um ven da aus gelegentlich Schiebungen ins Werk zu setzen. A!S die Anstellung an dem Knotenpunkt jpalkenberg verschaffen sollte, um freundeten Eisenbahnbeomien für die Schiebungen zu gewinnen. Dinser ging, um alle Beteiligten zu- entlarven, zum Schein aus den Plan ein, machte aber sofort seiner Behörde Anzeige. Er stellte mit einem Waggon Zucker, der für Luckenwalde bestimmt war und über Wittenberg kommen mußt«, den Schiebern eine Falle. Der Tlcßbauingenieur besorgte für die Sendung eine Ber» liner Adresse. AIS Abscndestation sollte wieder Schartzkollm an» gegeben werden. Einen entsprechenden Stempel hatte man sich von einer Berliner Epeziolsabrik anfertigen lassen. Als nun aber der Mann mit dem falschen Militärpa� im Wartesaal zu Witten- berg gerade dabei war, nach dem rickttgen Frachtbriefe die bahn- amilichen Vermerke in den falschen einzutragen, wurde er von verständigien Ueberwachungsbeamten festgenommen. Am nächsten Tage wurde auch der Eisenbahnaffistent der Lautawerke, der ebenfalls nach Wittenberg gekommen war. von der dortige» Polizei dingfest gemacht. Von den Beteiligtan halte sich der Ran- gicrer. der Lautawerke bereit« wegen EisenbahndiebstablS zu der- antworten. Er verbüßt deshalb in Görlitz eine längere Gefängnis- strafe. Dem flücktigen Hcllmann ist eS nach den bisherigen Er- mittlungen wahrscheinlich gelungen, in« Ausland zu ent- kommen. In seiner Wohnung in Südende fanden die Beamten de» Landespolizeiamt» noch viele falsche Frachtbriefe de« Lauta- wertes, die er nach richtigen, von dem Eisenbahnassistenten ihm be- sorgten zu weiter geplanten' Schiebungen in Berlin halte anferti- «cn lassen. Verliaftnng eine« gefährliche» Einbrechers. Al« Mitalied einer gefährliaien Berliner Einbrecker- und Möiderhandc würfe in F ant» fun a. M. der Italiener Paul Carlo oerhastet: Die Bande besiebt au« lü Kchssen. Man geriet aus ihre Svur. als man in einer Mordkacke Ermitielungen anstellle. Ein Kohlenhändler in Beilin. bei dem schon wiederholt eingebrochen war und der sich der-halb nackis in seinem Lager aufhielt, war von Einbrechern et» schos,«« worden. Die Kerle flöhe» erst, als der Sohn des Er- mor'elen herbeigeeilt war. W'e die Na biorschungen ergeben Hab««. gehörren die Mörder zu einer E'nbrecheibande. die icko» keil Mär, ihr Unwesen trieb. Von Berbofteteii erfuhr man. daß, Carlo, der am Mord beieiligt gewesen kein soll.' sich nach Frantfun gcwalidl bade. Es gelang auch dann, ihn nach kurzer Zeit f« st- zunehmen. � Ein Opfer de« Schneefalles ist der U Jahre alte Klempner Hugo fileinert geworden. Kleinerl war mit einem LrbeiiS- kollegen aul dem Docke de« HauieS Burggrasenstrahe S damit b«. sckäiiig,, e« vom Scknee zu säubern. Als er anr eine Sckneebank lUittrl«, löste sich diese plötzlich' und Äleinert rutschte nrn dieser vom Dache hinav. Da» Seil, da? er sich zum Schutze umgebunden hatte, riß bei dem Sturz und so fiel der Mann mit der Sckneemasse auf den Hof htnab. Er wurde nach der Rellungswache am Kurfürstendamm gebracht, dort konnte der Arzt nur noch seinen Tod se st st eilen. Erbschaftsschwindel. Hunderttausende erben tet. Mit gefälschien Berliner Notariatsakten, VersicherunszSpolicen utid Rechtsanwalts- schreiben„arbeitete" ein ErbschaftSschwindker, der seit länger als einem Jaür die ganze Provinz und das Reich heimsuchte, bis er, jetzt' endlich unschädlich gemacht wurde. Ein Mann von etwa 25 bis 28 Jahren, der sich überall Heinrich Steffens aus Duisburg naimte, liegte Banken und Privatleuten VersicherungS- Policen vor, nach denen er Anspruch auf einen erheblichen Teil einer großen Erbschaft harte. Diese Ansprüche erschienen auch als zu Recht be'stehend, weil sie durch allerhand Schriftstück« von Berliner Notaren und Rechtsantvältcn bestätigt waren. Auf Grund der Po» licen und der Bestätigungsschreiben trat„Steffens" sein« Ansprüche ab, ließ sich das Geld auszahlen und gab. wenn eS verlangt wurde, den Banken oder Privatleuten auch noch einen Wechsel in Höhe seines Erbanipruchs' als Sicherheit. So trat der Schwindler in Hannover, Breslau. Braun schweig, Liegnitz, Frankfurt a. M., Elberfeld, Bielefeld, München, Hamburg, Lübeck, Stuttgart, Köhl und wahrscheinlich auch noch cmderSwo auf. Fast nirgends tat er es unter 20 000 Mark. Wenn ein Schwindel ans Licht kam, war er stets spurlos verschwunden. Sobald ihm irgendwo im Norden ein Streich gelungen war, reiste er nach dem Süden und ebenso vom Osten nach dem Westen und umgekehrt. Die Versicherungspolicen sowohl wie die BestätrgiinaSschriftltücke erwiesen sich nachträglich als gefälscht. Der Schwindler gebrauchte entweder fingierte oder auch eckte Namen von Berliner Notaren und Anwälten, gab dann ober falsche Wohnungen an« um die Aufklärung möglichst zu ver- zögern. Jetzt endlich gelang es der Kriminalpolizei in Halle a. S., ihn festzunehmen. We er richtig heißt, muß noch festgestellt werden.> Späte Gewissensbisse. Nach dreijährigen Schwindeleien selbst gestellt hat sich ein Mann, der sich Arbeiter Wilhelm Baum aus Sangerhausen nennt. Wie er erzählt, arbeitet« er bis 1916 in der Fahrzeugfabrik zu Eisenach. Seitdem aber bereiste er das ganze Reich.' erschwindelt« sich in allen Städten, die er besuibte, LebinSmibtelkavten und verkaufte sie zu bohen Preisen Weil er sich für bei hei ratet ausgab, so erhielt er alle Karten doppelt und machte um so Hessels Geschäfte. Im August v- J. wurde er in Blumen- thal bei Bremen wegen Beleidigung eines Kaiismannes und unter dem Verdacht der Spionage von einem Gendarmeriewachtm«!,t«r festgenommen, vom Amtsgericht aber nur wegen LebenSm'ttel- kartenschwindelS zu sechs Monatön GeiängniS und 1000 M. 61:10- strafe verurteilt. Venn Novem herum stürz wurde er aus dem Strafge�ängniS in Hannover befteit. Jetzt nahm er zunächst feinen alten Handel wieder auf, legte sich dann aber in Berlin und später In orderen Städten auf. den Unterftiitzunge.fchwindel hei Zwerg- swll Ai des Roten Kreuzes und Fürsorgsstellen für el säuische Flucht. linge. Jetzt endlich ließ ihm, wie er sagt, das Slewissen keine R n h e m e h r. und er stellte sich freiw-nig der Krimi- n a l p o l i zei zur Verfligung, Ein ganseS Bündel von Lebens. mittclkaw'en. Ausweis« zur Erlangung von FahrpreiSelmäß gun- gen und Bescheinigungen über erhaltene Unterstützungen hat»« er noch bei sich, außerdem an barem, Geld« 3024 M, aul dem ErftlS Feine« Kartenhandels und dem Erlraa der Unterstützungen. Die .Kriminalbehörden wissen nock nicht recht, mit wem sie eS zu tun haben und vermuten in Baum eintn Schwerverbrecher, der si« über feine Persö nlichkeit zu täuschen ver- sucht. Eteurrelntreitnng gegen eine Verstorbene wird von der Berliner Steueiv'iwallung angedioht. Bei einer ick der Slretitzcr Sliane wobnenden Familw w'rd immer wieder verUickt von der icko»»n Ollober vonaen Jabres verstorbene» Tockier die Tlei�e, n zu baten. Tie Mutier bot bei her S.teuerknKe in der Wat'stratze gebeten, in den Alien zu vermerken, daß die Tockter längst n'ckl mebr am Leben ist.«ber setz''st sogar«in Bolliiebungsbeamter getominen d r »wegen rückständiger Steuer n" die Zwangsvoll- ilreckunq vornebmen wollte. Da ziiläll'i niemand zn H'U'e war. io bat er ein Schiiiistück binterlaiien. daß beim nät sten."«« s»ck gewaltsame Oessnung rn Aiissickt stell». So w'rd d'e Be« vö'kerung sinnlos belästigt und die Arbeilslrast der Beamien veraeudet! Verloren. Am Sonnabend nackmitlrg ist In ewem stklnibobtt-na zwll chen Tckänbauier Alle« und Tiediow im letzien Va en de« II. Abiei l« ein Pliolograpbenapparat mit Halznativ oben im Re» liegen gebil.ben Der Avvaiat gedöft enem Krtegsde'chädigten, der sich damit einen tiemen Nebennerdienil erwirbt. Der dir, der wird gebeten, den Apparat gegen gute velobnung bei Heinecke, Äaudyitr. 24, ll abzugeben. ftrelreilglSe Gemeinde. Eormtog 1t Nbr im Stadtban«. Klolter- stratze. P'vi. Dr Haste: Moniemu« und CbiiNenIuni.— 4 Ubr Bappel. allee 15/17, A. Hvsswauu: Tie Tote» an die Lebenden.— Gäste will- kommen.__ Groft-Berliner Lebensmittel. Berlin. Milchbclielerimg am Sonnabend wie am Freitag. ?oda»nlSrl!aI. Ab �rcttaa ISb g Jnlandsmarmelade(SS), 250 g MalSflocke»(98), 125 g Teigwaren(100), 2 Suppenwürfet(536). Groß- berliner Porteinachrichten. »ersichernUgSgrlellichalten. Parteigenosien, die un» w der Be. triebsarganiiation und Agitation imtersttttzeu wollen, werden gebeten, ihre Ädresle anzugeben. ®. P. D°Äti bea»«ichutz der Angestellten, verlin W 9, BellcvueNr, 7, TL Krtegsgeirllichasten. Partetgeuosie». die uns bei der BetiiebS- organiiattvn unteitUihen wollen, werden gebeten, tdre«bieflcn anzugeben. ®. P. D-WerbeauSlckutz der Angestellten, Berim W 0, Belicv'ieslr. 7, II. «Äerbeauoichuft der«ngelrellten. Um den Pailelgenolleii ckelcge». best zu, Aussprache zu geben und dt« Agitation in oen Betriebe» zu iSr« dein, finden deziitSweiie Zuiammentllnste der Bcti>ebsver!raiie»SleuIe und -genossen statt. E» wird gebeten, die Anzeigen unter Parteinachrichle» im »Borwärt«' zu beachten und für regen Besuch zu sorge«. Jeder Pailei- gcnosie au« den Bett jeden tst willkommen. AuStunit erteilt auch der BeziriSoetbaud der E. P. D. für Groß- Berit«, V S, BeLcoueftr. 7, IL ->'■ Jugenüveranstaltungen. Edarlottrnburg. Heute 7»/, Ahr Jugend hrtm. Rosinenstr. 4. Bfarrer Heyn: Moje«, JeiuS. Marx. Norv.Oit. Heute 7'/, Uhr Jugrnddetm Gemetndeschule. Chrlstbnrqer Straß« 24. Dt«lusfion«adcnd � Ba« trennt un« von der.Freien Jugend'? Die MoseumSführuvge» am Totensonntag fasten aus. Serichtszeitung. Prozeß um Eichhorns Waffeubcstellunge«. Ter verflossene Berliner Polizeipräsident Emil Eichhorn steht im Mittelpunkt eines Prozesses, der am heutigen Freitag da» Berliner Laudgerichl I beschäftigt. Eichhorn hatte uÄbreud der Aovember-Uuruheu für ungefähr eine halbe Million Marl Waffen und Munition beillSudwigLoetve beschlagnahmen lassen,«l» Zweck der Maßnahme wurde lpan_ Eickchoru die Bewaffnung der Sicherheitssoldateu d«S PolizeipräfiidiumS augegeben, tarsachlich aber überließ Eichhorn nach einem vorgefaßten Plan die Waffen den Kommunisten. LudUsig Loewr verlangt letzt durch Justizrat Kronfeld Herausgabe der Waffen od«: Schadenersatz. Demgegeu- über vertrat Rechtsanwalt Prylek als Vertreter de» Polizeipräsi. diumö den Standpunkt, daß dar Fiskus weder strafrechtlich, i rch nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ffir eine unerlaubte Hand- l u u g haftbar gemacht werden kann. GewerWPsbewMNs vor graphische öuoü. Die Ver?andSvorstände der vier nrophiscken Eerbände Laven sich naiv eingchSnden Beralungen auf foigenÄeÄ Vertragsverhältnis geeinigt: Tie Organisationen der Buckdrucker, Lithographen und Tieindruckcr, Buchbinder und Bück- undSroin- druckereihilfSarbeiter'cklies-en sich zu einem graphischen Bund zusammen zur gemein'amen Förderung und Wahrung beruf- licker und gcivrrkickaftlicker Interessen Und zu dem Awcck, die not- wendigen Vorai beiten zur Schaffung eines graphischen Jnduztrie- verbandeZ auszuführen. Als Borausietzungcn zur Erreichung dieizs Zieles werden an- erlann:: s.) der möglichst gleichartig! iiinere Ausbau der beteiligten Organl'aliolieti; der möglichst restlose Zusammenschluß aller graphischen Albeiter und Arbeiterinnen in ihren zuständigen Berufs- organisationen; die Duickrühruiig möglichst gleichartiger Lohn« und Arbeits- Verhältnisse. Als besondere Aufgabe bezeichnen die beteiligten Organisationen die Verstälidigllilg über die NSgelung der� Arbeiterveitretungen für wirtschaftliche und iozialpoliniche Tätigkeitsgebiete, die einheitlich für niedrere oder alle der beteiliglen Organisationen durchgeführt werden können. fBetriebS- und Wirrschailsräle, Krankenkassen, Be- russgeuossenschaften, Schiedsgerichte usw.) nun, dkst etnj VorschfagfOe Mnt MstmnenzaN aufwies, obwohl f dieselbe gewählt war. Ter aus solche Weise„gewählte" Ausschuh � entsprach keineswegs der Wahl uud auch nicht den Angestellten. Aus der vom Au-schuh einberufenen Betriebsversammlung wurde dem- selben ein Mißtrauen-Votum ausgestellt und sein. Rücktritt er- zwungen. D-iz Vertreter des Verbandes l Zentralverband), welche von den Angeitellten ungeladen waren, wollte der Ausschuh den Zutritt verweigern. Der Ausschuh, �as willenlose' Werkzeug des Vorstandes, Hai nämlich, wie.deu Vorsitzende des Vorstandes, Te- niokrat Tölz, genau so große Antch vor den freien Gewerlschasten fc) e) Auch ein AngestclltenauSschuh. Uns wird geschrieben i Idyllische Zustände herrschen Seim Be- ÄMten-Wirtschastsverein e. G. m. b. H. Berlin-Tempelhof. Die Angestellten dieser Genosteuschasl haben schon sei: Jahren nach der Revolution eisten eigenen Ausschuh. MS dahin hatten sich die sehr genügsamen(an Idealen und Gehalt) Angestellten mit einer Vereinigung begnügt, welche ab und zu im„Alten Askanier" mit dem Vorstand zusammen tagte. Einsender diese? hatte Gelegenheit, einer solchen Versammlung beizuwohnen, bei welcher auch einige Chefs anwesend waren. Die Zeit wurde mit. dem Frage- und Ant- Wortspiel vertrieben, d. h., sämtliche Wünsche Fsordcrungen kennt man nicht) wurden sofort meistens durch den Vorsitzenden deS Vor- Standes(seines Zeichens Demokrat) gleich abgelehnt. Dieses prak- tische Verfahren müßte überall eingeführt werden?! Die Verord- nirng vom 23. Dezember 1918 über Bildung von Arbeiter- und An» gostelltenauSschüffen war dem Vorstand sehr unbequem, und nur dem Drängen der Kriegsteilnehmer ist es zu verdanken gewesen, daß enSlich ein AngestellienauSschuß gewählt und ein Tarifvertrag abgeschlossen wurde. Bis dato bezogen dje Angestellten die fürst- lichen Gebälier von durchschnittlich 99 bis 159 M. den Monat. Eine Filiallsiierm mit- öjähviger Dienstzeit erhielt 189 M. Das Wahlverfcchren und demzufolge das Ergebnis verdient bekannt zu werden. Ter Wahlvorstand verlangte von den über Groß-Berlm zerstreut liegenden Filialen(mit je 3—9 Angestellten), daß We Wahlzettel, mir Namen und Berkaufsstelle bezeichnet,-dem Wc-�lvorskarid per Einschreiben zugesandt werden sollten.(Wo bleibt hier das geheime Wahlrecht?) Bei dem Ergebnis zeigte sich »chtnng. yuchdrncker k Die Sammlung zur Nnterftötzung der tu» Ausstand befindlichen KönigSberger Nollegen wird sortgesetzt. Der Tamm- lungSausschuß bistet, Bewag« an den Kollegen B. Bretischneider, kl 31, Bermauer Str. 108, zu senden._ Mus aller Welt. Eine Milliqrde Mark im Möbelwagen. Jüngst erregten in W i e n a ch t M ö b e I w a g e n, die nach der Stadt zu fuhren und MMDWvon berittener S ch ä? SN aw: flankiert waren, einiges wie dieser.' Die Angestellten in ihrer größeren Zahl sind nämlich �ie acht Wagen waren mit Kisten aus der Staatsdruckerei beladen, aufgewacht'und dem Zentralverband �beigetreten. Die freie Mei- � ä",r mnrh«« iünhnw h-r Kisten waren nungsäußerung haue zur Folge, daß ein Angestellter, welcher dem Ausschuß unbequeme-Wahrheiten sagte, am nächsten Tag» die Küst- digung erhielt. Man zahlt auch den weiblichen Angestellten die .angjährige Dienstzeit heim, indem man versetzt, schikaniert und entläßt. Die freigewordenen Posten werden sofort mit guten Freunden besetzt. Ich glaube, daß der Vorstand sich um diese Dinge mehr küm- mern müßte: es erweckt- sonst den Anschein, daß er selbst stark .daran interessiert ist. Di: Oesfentlichkeit aber soll und muß wiffen, wie man die Worte Demokraii« und Gerechtigkeit bei einer Be- aviteuvereinigung, mit einem Demokraten an der Spitze, auffaßt. Streik der Dortmunder Bäckergehilfen. Am Donnerstag sind die Dortmunder Bäckergebilfen in einen Teilstreik getreten. Der Streik richtet nck gegen dte Kommunal- behvrden und vornehmlich gegen den Regierungspräsidenten in Arnsberg, weil dieser durch Ablehnung der BrotpreiSerböhung die Bäckermeister nicht in die Lage versetzte, die geforderten Löhne zu bezahlen. Die Brotversorgung der Stadt ist nicht gefährdet. Niedrige Entlohnung von Angestellten. Unsere Veröffentlichungen über elende Bezahlung von Angestellten durch große kapitalkräftige Firmen, haben uns eine Reibe von Zu- schrrfterr eingetragen, aus denen hervorgeht, daß heute noch vielfach ungebeuer niedrige Gehälter gezahlt werden. Wir greifen au» der Fülle der Zuschriften noch folgende berau«: Bei der Firma Max Fiicher, Jnh. B. Gumpel, Färberei nnd chemische Waichanstalt, Berlin-Weißensee, Freiiickestr. 12/13. haben die. Filialleiletinnen bei ihrer Tätigkeit nebst Sauberhalten der Räume uiw. und der Näharbeit, die häusig über 8 Uhr abends hinausgeht, ein Monatseinkommen von 189 M. im Durchschnitt ISO M. Gebalt, 4 Proz. deS UmsayeS'. Bis zum Jabre 1917 betrug das Einkommen 89 M., von da ab bis �um 31. 12. 18 190 M.(Gehalt 60 M. und 1 Proz.). Bom 1. 1. 19 bis zum 80. 8. 19 120 M.(50 M. und 2 Proz.). ES sind von dieser Summe steiS 35 M. für eine einfenstrige Stube und Küche als Wohnung in Abzug zu bringen. Wenn die schlechtbezahlten Angestellten«ine Erhöhung ihrer Bezüge erreichen wollen,, so müssen sie sich der für sie in Betracht. kommenden GewerkichaftSorgaNisation anschließen. Ohne Organisation sind sie auf Gnade und Ungnade dem Firmeninhaber au?» geliefert._ Sonntagsschicht. Die Bergarbeiter de« Pilsen-Mieser Kohlen- rrtneis beschlossen eine Sonntagsschicht eingulogen bis Ende Januar 1920. die zur Bahn ge'chafft wurden Der Inhalt der Kisten waren deutsche Reichsnoten zu 69 M. und repräsentieren einen Wert von einer Milliarde Mark. Bei den Spartakisten- putschen in Berlin waren mehrere Maschinen der Reichsdruckerei je. molierj worden, und es mußte d«! Staaisdruckevci in Wien er- sucht werden, für die Reich�hank Mcrrknoten zu drucken. Die Sen- dung war die erste'Teilsendung, der in kürzester Zeit andere folgen werden. Zq? Uebernahme waren eigens Beamte der Reichsbank nach Wien gekommen. Nach erfolgte? Uebargabe nahm in jedem der Möbelwagen ein Kontrolleur der Reichs dank und der Staats- druckerei iowie ein Polizeiagent und ein Sicherheitswachmann Platz, Sie den Wagen biS zur Bahn begleiteten. Doch feine Weine trinkt er gern. DaS englische Unterhaus ver, fügt über einen ausgezeichneten Restaurationsbetrieb, wofür eine eigene Küchen kommissioü deS Parlaments Fürsorge, trägt. Besagte KüchenkoMmiffion wa? Gegenstand einer„hochpolitischen" Aus- spräche, denn der ehrenwerte Abgeordnete Me. Pemberton Billing richtete an ihren Vorsitzenden die formelle Anfrage:„Ist eS wahr, daß die Kommission beschlossen hat. deutsche Weine von deut- schen Agenten zu kaufen, und weshalb?" Darauf erwiderte ä« I. T. Agg-Gardener, Vorsitzender der Kückenkommiffion:„Nachdem der Wunich von verschiedenen Mitgliedern des Hauses ausgesprochen worden war(Zuruf von der Arbeiterpartei: ,N a m e n nenne n!') nach Weinen der bezeichneten Art, und da kein gesetzliches Hinder- .niS im Weg- steht, so ist es zweifeUoS die Pflicht der Kommission. für die Anschaffung dieser-Weine zu sorgen."(Lachen und Beifall.) Man fand eine angenehm« Unterbrechung darin, dieses Thema fort» zuspinnen und Mr B o t t o m l e y hatte womöglich noch größeren Beifall, gl» er erklärte, man bab« hier eine der a n g e n e hjst st e n Methoden, um Deutschland zu Helsen, feine KriegSent-chädigung zu bezahlen. SirRichardEoozei. fragte darauf in feierlichem Tone:„Ist die« die von der Regierung Sc. MaiestSt beschlossene Politik?"—„Ich habe keine Gelegenheit gehabt, die Regierung zu befragen", erwiderte Si? I. T. Agg-Gardner. Nachdem man iick noch ein« Weile im gtci-ben Stile belustigt hatte, wurde beschlossen, den Ankauf deutscher Wein« durch die Küchenkommission gutzuheißen. Hugh! In der„Wochenschau" Nr. 46 sieht man. daß es dem Prinzen van Wal.es endlich gelungen ist, die für den Thron- folge? von England eickzig richtige Tracht zu finden. Auf einer Reise durch Kanada hat er sich in der Kriegskleidung eines Jndia- nerhäuptttngs abbilden lassen.. Hoffen wir, daß ex diesen würdigen Schmuck dauernd beibehält. Sohlenpakete für Warscha». Sus Sosiiowice versorgen jetzt Per« sonen ibre Angehörigen in Wnrickau mit Koblen in S-Kilo-Baketen. Berantw. küe den redattiiin. Teil: Lltred«ch-U,' Neukölln! für Anzewen! SVobo« Glocke. Berlin Berloa: Borwärts-Verla« ffi. m. b. S.. Berlin. Bruck: Vorworts- Vuckidrucker-i und BerlaasonN-ll Vaul Sinaer u. To. in Berlin Llndenstr S. lisbmg te. a. Jfovembse Ziahäng unwidarrmfliA t 10 Soss aus vtrtdx. Tau», s SOJSarh Arnerik. 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