Nr.Z»97.36.Ichrs. Bezugspreis: SierteljShrU l0A»Mk., monen Dichter kraft, das bleibt für ihn im Dunkel. Und nun brauchen wir nicht bloß einen eifrigen Gelehrten, nicht bloß einen Kathederadonis mit Backfisch- oder Stadtratsverliebtheit. Wir brauchen«inen, der mehr Leidenschaft aufbringt, der inS Weite geht, ohne da? Besondere zu schädigen. Wir brauchen in Berlin keinen dürren Fachgelehrten für diesen Lehrstuhl der deutschen Geistes- und Herzensgeschtchte. Wir brauchen——- Die Andeutung genügt, um zu sehen, daß Herr Köster eS nicht sein kann. Herr Roethe lehrt sein Fach mit großer Kenntnis. Und da er in jedem Semester höchstens fünfzigmal seinen bekannten Skandal- patristiSmuS auspackt, so lernt die Fugend auch sonst allerhand bei ihm. Aber für die„neuere Literaturgeschichte" genügen weder die Hofrät« in Leipzig noch die Damenschneider in Berlin und auch nicht ein Herr, der Straßburg fliehen mußt«, weil dort die Fran- Dosen jetzt hausen. Wir brauchen hier einen umfassendes Kopf, Aucl) die Reformisten?a5en sich dieser Forderung des neuen Wahlsystems nicht entziehen können. Für sie. wte für die Republikaner, sind auch mir ontiministerielle Gruppen dündnisfähig, da sie, wie diese, die Einberufung der Kon- stituante in ihrem Wahlprogramm haben. In Genua, wo sie bisher über zwei Mandate verfügten, haben sie eine„Ar- beitspartei" gegründet, die sich auf die großen gewerksck>ast- lichen und genossenschaftlichen Organisationen der Hafenstadt stützt. Hier hat der„Kriegerb'und" eine eigene Liste. In allen anderen Wahlbezirken sind die Reformisten einem Wahlblock der bürgerlichen Linken beigetreten, der sich in C r e m o n a (wo Bissolati kandidiert), der demokratische Block nennt, in Catania(De Felice) sozialdemokratische Vereini- gung, in Rom die„V o r h u t". usw. Fast überall ist eS zwischen Reformisten und Krisgerbund zn Wahlbündnissen gekommen. Der Kriegerbund will, wie die reformistische Par- tei, die national fühlenden Arbeiterelemente um feine Fahne scharen. Mit radikalem Reformprogramm, dessen Grund- Pfeiler die Forderung der Konstituante und der Aufteilung der Latifundien bilden, zwei Forderungen, die die Soldaten zum Teil aus dem Schützengraben mitgebracht hoben. Das nationale Empfinden und die Haltung zum Kriege trennt ihn von der sozialistischen Partei, wie ihn die sozialen Forderun- gen von den Nationalisten trennen. lieber die, nächst den Sozialisten, am festesten geführte Mchlmacht verfügen die K leri kalen, die mit sozialem Reformprogramm als„italismsche Volkspartei" zmn erstenmal offiziell in den Kamps treten. Sie haben in 47 Bezirken eigene Listen, meist nicht vollzählige Listen, weil sie auf Wahlunterstützung von anderen Parteien rechnen. Ihre als klerikale Partei geaichte Wahlmacht ist ein neues Element im politischen Leben Italiens. Bei den vorigen Wahlen waren überhaupt nur in 20 Wohlkreisen(von L08) klerikale Kandidaten aufgestellt. Von der klerikalen Wahltätigkeit ist wenig zu sehen, aber es wird sicher wacker in den Sakristeien gear- beitetz Das konfessionelle Element, das in den öffentlichen Wahläußerungen fehlt, bildet die Triebfeder ihrer Wahibcrve- gung. Das Programm ist fast konfessionslos zu nennen. Wemr in ihm das Entscheidende läge, könnten sich auch die Frei- maurer zur„italienischen Volkspartei" gesellen. Das Pro- gramnMst aber nur für„äußerlichen Gebrauch". Die kleri- kalen Stimmen werden nicht durch die Presse oder durch Maueranschläge gewonnen, sondern durch die persönliche Werbetätigkeit der ziemlich feinmaschigen konfessionellen Zu- sanlmengehörigkeit. an die starke wirtschaftliche Interessen ge- istiüpft sind. Die Erwartungen der Klerikalen gehen hock). Sie rechnen aus 80 bis 100 Mandate. Je weniger sie heute das klerikale Element herauskehren, um so stärker werden sie morgen in der Kammer sein: je stärker sie aber in der Kam- mer sein werden, um so offener werden sie dann ihre kon- sessionelle Eigenheit zum Ausdruck bringen. Daß der Wahlkampf mit Ideen und Programmen ge- fuhrt wurde, kann niemand behaupten. Wer die Straßen- anschlage liest, muß sich vorkommen, als wäre er in ein Narrenhaus geraten. Alles so kleinlich ufc) persönlich wie möglich. Zwischen einem Anschlag, der die Schweinezählnng vorschreibt und einem internationalen Aufruf für die Grün- dung einer Gedenkkirche für die Opfer des Weltkrieges, pran- gcn� stimmungsvoll die Schimpfereien über die Gegner und gefälschte Mitteilungen, die eine Partei der andern unter- schiebt. So beruft ein Manifest alle Deserteure in das Volks- Haus, um für die Sozialisten zu stimmen, was sich die Ratio- nalisten haben Witz und Geld kosten lassen. Ein Manifest des Freimaurerordens empfiehlt als Kandidaten einen Herrn mit deutschem Namen, mit dem Zusatz er sei„Bruder einer deutschen Loge": dadurch wollen die Gegner die Liste des Deutschnamigen unmöglich machen. In dem Stil geht es weiter. Das gröbste wird bis zu- letzt aufgespart. Viel Erhebendes kommt nicht dabei heraus. Selbst die sozialistischen Wahlversammlungen dienen mehr einen, der nicht nur Literaturgeschichte treibt, sondern auch Geistes- geschichte. Wir brauchen einen, der nicht mehr nach Scherer bescheiden uxiterhandwerkt. Wir brauchen einen, der in den Problemen der ernsthaft Veraleichenpen Literaturforschung ein Feinfühliger ist. Wir brauchen einen, der nicht einseitig zu den Germanisten ge- hört. Er muß ein Philosoph sein und ein durch die modernen Jahrhunderte international belesener Mann. Es darf nicht als schönstes Verdienst für ihn gelten, daß er die deutsche Sprache einwandfrei schreibt. Er muß selbst die Sprache zu formen wissen in Schrift und Wort. Ja. wir brauchen einen edlen Rhetorik« in Berlin, dem keine der schon geforderten Eigenschaften fehlt. Und er muß endlich— das schwierigste ist das vielleicht— die Jugend, Jünglinge und Fräulein, in Seminarien führen können, die dem ein- zelnen die Bewunderung und die Freude vor dem Geistigen im allgemeinen und vor dem Poetischen im besonderen einflößen. DaS ist zu fordern. Weniger darf wicht zugelassen werden. Wir sind eS dem Vaterlande, seinem Unglück und seiner Zukunft schuldig, daß schleunigst all die braven Mann« ausgeschaltet werden. Suchen wir nach den anderen— trotz dem Gebebe dcS Herrn Roethe, all dem überbeschcidenen. gebückten Republikanertroß zum Trotze, der heute dem Kultusminister von diesen Dmgen zu flu st« t. Fritz Mauthner, der Dichter, Zeitungsmann und Gelehrte, der als Satiriker, Romanschriftsteller, Literaturkritiker, Sprachdenker Bedeutendes leistete, vollendet heute sein siebzigstes Lebensjahr. Di« Lebensarbeit dieses aus Teutschböhmen stammenden Mannes läßt sich im Wesentlichsten zusammenfassend kennzeichnen als Ausdruck des anklägerischen Widerstandes gegen die Kultur, die nach 1870 Deutschland mit ihren Fängen umkrallte. Auf immer neuen Feldern rodet« sein scharf«, soottbewehrter Geist die Schäden, Lügen, Ver. zerrtheiten der Zeit Die Echten der Dichtkunst hatten in ihm einen Anwalt» und die Besten wiederum traten für sein« Arbeit ein. Sem« vor nun fast zwanzig Jahren veröffentlichten drei Bände „Beiträge zu einer Kritik der Sprache" stehen da als ein hervor- ragend« Teil feines zeitkritischen Werks. Sic waren Kampf gegen die Lüge des Worts, den Wortaberglauben, die Verruchtheit d« Phrase. Als ein Vorläufer des sprachwandelnden Ringens unserer Tage Hadem sie ihren Platz in der Geschichte der geistigen Be- wegungen. die seit der Jahrhundertwende immer gewaltsamer nach Befreiungen von«erbten Fesseln drängten. Zur Gefährdung unseres KunftbrfitzeS schreibt Dr. I. Hanauer: Durch die Zeitungen geht eine Nachricht, nach der ein ausländischer Kunsthändler die Minelmächteländer beglücken will, um deren Kunst» schätz« aufzukaufen. Eine schwere Gefahr droht hier unkerem Kunst» und Kulturbesttz. Es ist leider zweifelhaft, ob ein Gesetz durchgebracht«erden kann, daS den verkauf von Kulkurwerten nach dem Ausland leider verbietet, wie es sein müßte. Deshalb sollte wentgsten««in Gesetz so bald wie möglich verabschiedet werden. daS den Besitzer eines Kunstwerke« oder eine» sonstigen.llnikmnS" (seltene Bücher, Stiche. Handschriften) verpflichtet, eine dem äugen- blicklichen Stande der Technik entsprechende Nachbildung der Lllge» meinheit zur Verfügung zu stellen, ehe die Erlaubnis zur Ausfuhr de? Demonssratwn als der Propaganda. Die Gemüter sind erregt und verbittert. Wir durchleben Tage eines unfruchtbaren Kraftaufwandes. Unfruchtbar, weil jeder Einsichtige, Politisierte weiß, wohin er sich wenden will und weil das heutige Werben um dich dumpfe und stumpfe Masse aller Kreise, die am Rande des politischen Lebens vegetiert, dem- jenigen am Besten gelingt, der die schlechtesten Mittel ge- braucht. Wenn nickst alles trügt, wird nach dem Wahltag für die herrschenden Klassen eine Aschermittwochstimmung einsetzen. Das ist denn auch eingetreten. l>ö'rsing will zurücktreten. Auf Veranlassung deS Reichs- und Staatskommissars Hörsing fand, wie unS mitgeteilt wird, eine Sitzung unter Vorsitz des Ministers des Innern statt. RrichSkommissar HSrsing ttgte die Lage in Schle» f i e n dar und verlangte die Aufhebung des Belage. rungszustandes. In einer längeren Debatte wurde ausgeführt, daß der Belagerungszustand in seiner gegenwärtigen milden Form niemand störe, aber mit Rücksicht auf die politische Lage nicht «mfgehoben werde» könne. Hierauf gab der Reichskommissar HSrsing folgende Erklärung ab: „Nachdem mein Antrag auf Aushebung des Belagerungszustandes hier keine Zustimmung findet, eine Ansicht, die ich sehr wohl zu würdigen weiß, kommt für meine Partei und m i ch in Frage, ob mit meinem Namen der Belagerungszustand weiter gedeckt werden kann. Meine Frrunde und ich glauben dies zu verneine» und die weitere Berantwortnng denen überlassen zu müssen, die mit meinen Maßnahmen nicht einverstanden waren und sind. Aus diesem Grunde habe ich bei der Reichs- und StaatSrcgicrung meine Dienstenttasfung beantrag t." Wir hoffe« noch, daß dieses Gesuch durch die Aufhebung dcS Belagerungszustandes gegenstandslos wird. Hoffnungen Wilhelms. In der„Presse de Paris" wird eine Zuschrift aus>x>lland der- öffcutlicht, die im.8-Uhr-Abcndblati" abgedruckt ist Danach hat Wilhelm II. die Hoffnung, wieder auf seinen Thron zurück- zukehren, noch nicht aufgegeben. Er verfolg« die Vorgänge im Reich sehr genau und empfange häufig Persöulichkeiten, die direki aus Berlin kommen und die als Sendboten der monarchistischen Parteien betrachtet werden. Zwischen Schloß Ame- rongen und derDeutschenGesandtschaftimHaag sollen regelmäßig geheime Beziehungen fortbestehen. vor Unruhen im Elsaß. (Drahtbericht unsereSBaseler Korrespondenten.) Di« elsässischen Garnisonen in Mülhausen, Straß- bürg und Metz sind durch schwarze Kolonialtruppc» verstärkt worden, weil mau Unruhen der Arbeiterschaft bc- fürchtet Die Schweizer Sozialdemokratie und der Schweizer Gewerkschaftsbund haben gegen die Ausweisung deutscher und italienischer Arbeiter beim Bundesrat Protest erhoben. Die Ausweisungen sind bereit? eingestellt. die durchführung ües waffenffillffanües. Zwischen den deutscheu Delogierten und dem französischen Generalsekretär der Friedenskonferenz D u t a st a und dem Leiter der politischen Angelegenheiten B e r t h e l o t hat gestern abend im Ministerium des Auswärtigen ein erster Meinungsaustausch über das Protokoll stattgefunden, dos die Durchsühniug derjenigen Waffenstillstandsbcdingungen betrifft die am Tag« deS Jnkraft- tretcus des Verscnll«r Vertrages noch nicht erfüllt worden sind. erteilt wird. Zugleich müßten olle Kreise, denen die Erhaltung unersetzlichen Besitze» om Herzen liegt,— Gelehrte. Künstler, Buch- und Kunsthändler— zur Wachsamkeit aufgerufen werden. Theater. Im.Theater In der Könltiyrätzer Straße" wird am Montau StrindbcrgS.Traumstziel-' zum 100. Male anlgeführt. TaS Große Schauivielhaus beginnt seine Vorstellungen am Freitag mit der Aufiühiung der.Oreilie". Muslkchrontk. Der Neue Chor wird nach dem Tode seines?e- «ründers Traugol» Oib« von Kapellmeister Leo Kops geleitet. Zurzeit wird Paulus von Mendeliohu einstudiert Andreas Latzko. der Verfasser von„Menschen im Krieg-, liest am Sonntag 12 Uhr in den Kammcripielcn de» Deutschen TheatcrS aus einem bisher noch unveröffentlichten Wert vor, Hans Heinrich Twardowski wiederholt am 5. Dezember. 8 Ubr, im Klindworld- Scharwenka- Saal/ Lützowstr. 7S, zum letzten Male seine« ÄrotcSIenabend. Tie bedeutendste E'wdowtecki.Sammlung, die Bcrlwer Sammlung Slechow. wird vom 10. bis 13. Dezember von der Kunsthandlung Voerner in Leipzig versteigert, Märchen für Kinder trägt beute nochmitiag< Uhr Margoiete Scale- Valentin un Haimoniumsaal, Steglitzer Str. 35, vor. Moderne Märchen«zählt Elsriede Bayard-Hildebrandt am 28, November, abends Uhr. im Harmonium. Saal, Steglitzer Sir. 35: Richard Leander. Oskar Wilde, Max Jungnickel und Zludois Baumbach. Freiintzesliebe in der rvrUlitcratur rennt Charlotte Bo- lange einen VortragSabeno, der am 3. Dezember, abends 7'/, Uhr, im Schuberstiaal, Bülowstr.>04. stattfindet. Borträge der Treptow-Sternwartc. 23. Novbr. 3 Uhr u. 7 Uhr: .An? Großstadtmauein in den Schwarzwald". 26, Rovbr, TL Uhr: .Wettervorhersage-.(Vortrag mit Llchtbildern von Dr. V. Engelhardt.) CLachSPnppen stellt demnächst Lotte Pritzet bei Friedmann u, Weber. Budapester Straße, aus: dazu eine Reihe handkolottcrter Lilbograohieu, die zu ctner Mappe„Tanz, Bewegungen und Kostüme" vereinigt und. Eine nroe schonspielschule, die vielleichi berusen sein wird, w Zulnnst eine wichtig« Rolle zu spielen, weil sie manche neuen Gedanken verwirklichen will, ist in loser Anglicderung an die Vereinigten Stadt- theaier in Franksurt a, M, soeben im sruheren Ovpenbeimschen Palais eröffnet worden. Sie ist aus MUteln de« Deutschen BühncnvcreinS und der Bübnengenossenschast aus Anregung deS ersten H-Ideu der Fran.'surie/ Bühne, Karl Eberl, vom AngeftelltenanSschug der solomitglleder de« Schau- sptethauseS in« Leben gerujen. Spanische NnterrichtSturse veranstaltet die Arndt-Hochschnte. Näheres durch da» Arbeitsamt. Verlin-Sleglitz, Breite Sir. 22, Fernspr. 3675. Hebräisch alS Ländersprache. Wie die„Reue Züricher Zeitung- aus Jossa meldet, wurde die hebräisch- Sprache von jetzt an neben dem Türli- schen und Arabischen für ganz Patäsima als offizielle Land-»spräche an- erkannt Eine«nzeugruber-Vioarapbie hat Karl Hau» S t r o b l vollendet. Er will darin ein getreues Liid de» LebenSkamvse» Auzengrubcr» geben, gleichzeitig interessante»Uder über die ersten Aussührimgen der Stücke des Dichters in Wien. Die Kantgesellschaft, dl»!S0t von Hau« vaihtnger gegründet wurde, dehnt sich au«. Reuerdtng» find in Hamburg. Karltruhe und Basel Ort». gruppen gegründet worden, -DaS Einfrieren der Eise» bahn« eichen ist ein besonder« schwer«? Hindernis für den Berkehr. Wie die.WellwirtschastSzeitimg- berichtet, ist man neuerdings mit Erfolg dazu übergegangen, dieses Einlneren dadurch zu verhüten, daß die Weiche» bei dem Herannahe» von Frofi und Schnee- treiben rechtzeitig Nüttel» chemischer Heizanlage« erwärmt werde«. Die Kohlenot. Hm Freitag ist a»t zwei amtlichen Stellen die Kohlenfrage »nsgiebig erörtert wordrn. Einmal in einem Bortrag des Ge- Heimrats Kongeter und dann in der ersten Sitzung des Reichslohlen- rates. In beiden Fällen wurde die katastrophale Olestal- t u u g der Kohlenversorgung für Verkehr, Industrie und Hausbrand geschildert. Gaswerke, Elektrizitätswerke, Industrie- betriebe müssen stillgelegt und der Eisenbahnverkehr muß zugunsten der Kohlenförderung vermindert werden. Wir siyeu in der Külte und haben keine Kohle» wir brauchen äußerste Arbeitsleistung und müssen die Arbeiter feiern lassen! Tie K o h l e n p r» d n k t i o n ist in der letzten Zeit erfreu- lich gestiegen. Das Transportwesen ist aber in rascherem Tempo darnicdergegangrn. Die Kohlennot ist eine Verkehrs- not. Dennoch gibt es genügend Verkehrsmittel, um aus dieser Not herauszukommen. An dieser Stelle ist vor einiger Zeit ausgeführt worden, daß 150000 Pferdekrüfte an schweren Straßenzug- Maschinen, die durch den Frieden frei geworden sind, ausgenützt werden könnten, um die Eisenbahnen zu entlasten und die Kohlen- Versorgung zu bessern. Vis zur Stunde ist»och nichts geschehe«, um diese starken Verkehrsmittel in Anspruch zu nehmen. Das ein- zige, Ms geschieht ist, daß diese Maschinen lustig au Private weitrr veräußert werden. Wir haben uns immer gegen den geäußerte« Verdacht gewehrt, daß gewisse amtliche Stelle« mit Absicht die Kohlennot per- schärfen, weil darin eine Ansckzuldigung ausgesprochen liegt, die man nur gegen allerschwerste Verbrecher am Bolkswohl erheben kann. Nach dem, was aber zurzeit vorgeht, fällt es außerordentlich schwer, an dem guten Willen der betreffenden Stellen nicht zu zweifeln. Man komme uns nicht mit der Ausrede, daß dir erwähnten Ma- schinen nicht betriebsfähig seien. Wir haben Beweise in der Hand, daß sie es sind. Wir wollen die Frage offen lassen, ob Unfähigkeit, Faulheit oder Mangel an gutem Wille« die Veranlassung des Notwendigen verhindern. Wir sind aber überzeugt von der Notwendigkeit, end- lich einmal einen groben eisernen Besen zu nehmen und damit in die verantwortlichen Amtsstuben hinrinznfahrrn. Die Kohlenverjorgung. In allen Kohlenrevieren haben sich in den letzten Monaten die Fördmingszlffern gehoben. Diele Totlache ist nicht zuletzt auf ein« Besserung der Arbeitsverhältnisse zurückziisübren. Im Ruhr> r e v i e r ist die Förderung auf arbeitstäglich 245 000 Tonnen ge stiegen. DaS bedeutet gegen das Vorjahr eine Förderung von 00 bis 70 Proz.fund gegen die Friedenszeit von 00 Proz. Sehnlich liegen die Verhältnisse in Oberschlesien. Auch hier ist«in lang lomeS aber stetiges Aufsteigen der Förderung zu verzeichnen. Es werden arbeitsläglich 400 000 Tonnen gefördert. Such in den Braunkoblenrevieren hat die Förderung und die Briketterzeugung zugenommen. ES werden jetzt SO Proz. der Produktion der letzten Kriegszeit gefördert. Die Briketterzeugung betrüg, heute 80 Proz. deS Vorjahres. Die Erhöhung der Förderungsziffern ist nicht zuletzt auf die Vermehruni der Belegschaften zurückzu� sührin. Die Stärke der Belegschaften beträgt: im Ruhrrevier 440 000 Mann lwäbrend der letzten KriegSzeit 450000 Mann, vor dem Kriege 890000 Mann), in Oberschlefien 150000 Mann lwährend der letzten KriegSzeit 160000 Mann, vor dem Kriege 124 000 Mann). In den Braunloblenrsvieren haben sich die Arbeiter Verhältnisse ähnlich entwickelt. Eine weiter« Sieigerung der Beleg- schasten ist abhängig von der Schaffung von UnterkuaftSmiglichkeiten für die Arbeiter. Es ist dringend zu wünschen, daß daS ReichSwir» fchastSministerium das von ihm oufgestellie Siedlungsprogramm durchführt, um eine weitere Steigerung der Belegschaften zu er- möglichen. Sollen die Belegschafien entsprechend den Friedens ziffern vermehrt werden, so sind dazu 150000 neue Wohnungen ei forderlich, was eine Ausgabe von ö'/, Milliarden Marl bedeuten würde. Die Förderung und die Beförderung der Kohle haben sich in der Zeit von Stovember lSl3 bis ISIS die Wage gehalten. Es hat aber auch Zeilen gegeben, in denen die geförderten Kohlen nicht abgefahren werden konnten. Von vornherein war es klar daß in diesem Herbst der Zeilpunkt rinireten mußte, in dem die Beförderung mi, der Förderung nicht mehr gleichen Schritt halten konnte. Dieser Zeilpunkt ist im Okiober eingetreten. Waren im Sommer die Haiden bestände mäßig, so sind sie vom Oktober ob aui Grund der gesteigerten Förderung so groß geworden, daß sie am l. November im Ruhrrevier 882 000 Tonnen, in Obeischlesien 703 000 Tonnen betrugen. Die rigorosen VcrkthrSeinfchränkungen haben es nun zu Wege gebrockt, daß die Haipenbestände am 15. No- vcmbrr im Ruhrrevier auf 756 006 Tonnen und in Oberschlefien ans 586 000 Tonnra gesunken waren. Man hatte die Absicht, die Be- stände der Eisenbahnen aufzubessern, so daß sie aus der Gelahr- zone herauskamen. Taisäcklich hoben die preußische» Eisenbahnen nur noch für sechs Tage Kohlenbeftände. Die Versorgung der Gaswerke ist so schleckt wie nur irgend denkbar. Die Werke können infolgedessen gor nicht daran denken, größere Bestände anzusammeln. Kein Gaswerk hat für längere Zeit als acht bi« vier>ebn Tage Kohlenbestände. Es ist daher kein Wunder, daß täglich Einstellungen von SaSwerten gemeldet werden. Sehnlich ist die Lage der Eleklrizitälswerid ES ist leider zu be- sür-bten, daß mehrere größere Werke die Industrie nicht mehr mit Elektrizität werden beliefern können. Für daS Werk in Düsseldorf bestebr ernste Gefahr; in der von diesem Werk belieferten Industrie sind 90 000 Arbeiter beschäftigt. Narürlich ist auch die HauSbrandversorgung von der Kohlenmisere schwer betroffen worden. Im vergangenen Jahr find 80 bis SO v. H. der Vollmenge geliefert worden. In diesem Jahr mutzie man das Monatssoll auf SO v H. des Borjahres herabsetzen. Von diesen Mengen sind talsächlich bis 50». H. geliefert worden. Unter dem Durchichnitt ist der ganze Osten. Ostpreußen. Westpreußen. Teile von Pommern und der Süden de« Reiches belicsert worden. Stuttgart z. B. bat nur 40 v. H.. Mannheim 88 v. H. erhalten. Man hat ausgerechnet, daß bei der jetzigen Art der Belieferung (tuf den Kopf und Tag der BevSlkerung 1 Brikett kommt. Bevorzugt werden die Fabriken, die Düngemittel. Verkehrs» mittel und Ernährungsmiltel produziereri Die Kohlenfrage ist in erster Linie eine Beförderungsiroge. Die erste Sitzung ües Reichskohlenrats. Ter Reichstohlenrat trat am Freitag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Reichstt-irtschaftsminister Schmidt eröffnete sie mit einer Ansprache, in der er darauf hinwies, daß hier zum ersten Male eine Körperschaft zusammentrete, die berufen fei, einen großen Gewerbezweig der deutschen Wirtschaft aus gemeinwirt- schaftlicher Grundlage auszugestalten. Zu diesem Zwecke seien Ar- beitgeber, Arbeitnehmer und Konsumenten auf Grund des Kohlen- wirtschaftSgesetzes zusammenberufen worden. Der Reichskohlenrat beschäftigte sich zunächst mit einer Reihe von Geschäftsordnung?» fragen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Bergrat Klein e-Dort- mund. zum zweiten Gewerkschaftsvorsitzender Jmbusch von den christlichen Gewerkschaften, zum ersten Schriftführer Gewerkschaft?- sekretär L a n g h o r st vom Deutschen Bergarbeitervcrband und zum zweiteu Generaldirektor Silverberg gewählt. Für Preisfrage» und Beanstandungen wurde ein besonderer Ausschuß von 20 Mitglieder» bestimmt, der zusammengesetzt ist aus 5 berg- baulichen Unternehmern, 4 Bergarbeitern und 1 Angestellten des Bergbaus, 1 städtischen lind 1 ländlichen Verbraucher, je 1 Ver- tretet der kohlenverarbeitenden Unternehmer und Arberter, 1 Ar» beitnehmer der Gasanstalten. 2 Vertretern des Handels, 1 des Ver- kehrs, 1 der bergtcchnischen Wissenschafken und 1 der Schiffahrt. Von Arbeitnehmervertretern sind in den Ausschuß delegiert: Wagner und Barth, als Vertreter L ö f f l e r und Putzte vom Deutschen Metallarbeiterverband, S t e g e r und als sein Per- treter Thiele von den christlichen Gewerlschasten. Schmidt von den Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften und als sein Vertreter Kol- v a ck i von der gleichen Berufs Vereinigung, für die Angestellten Werner vom Bund iechmsch-industtieller Beamten und Mellen- t h i e n vom Verband kaufmännischer Grubenbeamten. Unter den industriellen Arbeitnehmern befindet sich G i r b i g von, Glasarbei- terverband, als sein Vertreter U m r a t h vom Metallarbeiterver» band. Als Vertreter der Gasarbeiter ist Heckmann vom Staats- und Gemeindearbeiterverband b- stimmt. Für die Führung der Geschäfte wurde«ine engore Kommission gewählt, der sofort ein« Reihe Fragen zur Vorberatung übertragen wurde. Seiteus der Arbeiter wurde mit Flachdruck betont, daß bie Einführung der Selbswerwaltung im Kohlenbergbau keinesfalls verzögert werden dürfe. Für die Vorstände und Auf- sichtsräte des Reichskohlenverbandes der Syndikate wurden Vertreter der Arbeiter und Verbraucher benannt. In den vorbereitenden Rcichswirtschaftsvat wurden von den Arbeiigebern S t i n n e s und Kommerzienrat Schuhmann, von den Arbeitnehmern Abg. H u e und Jmbusch benannt. Der Verordnung betreffend Einfuhr auS- ländischer Kohle wurde voni Reichskohlenrat zugestimmt. Außerhalb der Tagesordnung stellte Herr S t i n n e s den An- trag, de? ReichskoUenrat solle Stellung zu der von der Reichskohlen- kommission verordneten Einschränkung des Bezugs der Hüttenzechen im Ruknrrviee nehmen. Er begründete dies damit, daß Kohlen auf den Halde» liegen, die wegen ungenügender Wagenlirferung nicht abgefördert werden. Die ganz in der Näh« liegenden Hütte» er- halten nicht genügend Kohle und sind zur Stillegung gezwungen. Er wies dabei auf die Gefahr hin, die durch die Arbeitslosigkeit im Ruhrrevier entstehen müsse. Er sagt« weiter: Die Kohlennot sei dadurch her- rurgerufen, daß sich die Reichsregierung verpflichtet habe, der Entente Kohlen zu liefen:, was jetzt in den Monaten der Ver- kehrs schwierigkecken nicht zu geschehen braucht. Die Reichsregierung glaubte, dadurch Erleichterungen in der Lebensmittelzufuhr und in der Kreditfrage von feiten des Auslandes zu erhalten. Diese Annahme sei jedoch unberechtigt, denn die Kohlenlieferung habe daraus keinen Einfluß ausgeübt. Hieran schloß sich eine mehr als ein* stündige Auseinandersetzung, in der zuerst der Reichskohlenkommissar imfo Ministerialdirektor T h i l l y die Einschränkung der Lieferungen an die Hüttenzechen verteidigten und darauf hinwiesen, daß ein Vertreter des Kohlensyndikats vor der Beschlußfassung gehört worden sei. Genosse Sachs« verteidigte den Standpunkt der Regie- rung. Genosse L ö f f l e r ging dann auf die Ursachen der Mangel- hasten Belieferung ein. Er verwies auf die Berschiebung der Kohlen» außerdem aufdiegrotzenVerkäufeandasAuSland, wo. bei er auf eine monatltche Lieferung von 96 006 Tonnen nach Holland zu sprechen kam, die zu einem Preise von 36 Gulden erfolgte, während man in Holland für die Sohlen 81 Gulden einnimmt. Die Lieferung erfolgte an die hollänönsche Verkaufsvereinigung. die eine Tochtergesellschaft des Bereinigten westfälischen Kohlensyndikats sei. AIS Erklärung der schlechten Lieferung von Eisenbahnwagen berichtete er von Transporten von Kohlenschlamm, die verschoben werden, um in den betreffenden Ortschaften als Brennmaterial verkauft zu werden. Diesen Ausführungen wurde von allen Seiten widersprochen Der Reickökohlenkommissar teilt« mit, daß der Ver- trag mit Holland unter Heranziehung von allen beteiligten Kreisen abgeschlossen worden sei und daß man sich leider bei der Fest- setzung des Preises über die zukünftige Preisgestaltung in einem bedauerlichen Irrtum befunden habe. Der Vertrag sei auf ein Jahr abgeschlossen warben und gehe jetzt seinem Ende zu. Der Abschluß sei nicht zwischen dem Syndikat und der Stein- kohlen-Vereinigung in Holland erfolgt, sondern vom Reiche direkt mit der holländischen Regierung abgeschlossen worden. Diese kaufe alle Kohle, die crns dem Auslände kommt, und vertreibe sie selbst im Lande. Das Rheiuisch-Westfälische Syndikat sei außerdem nur zu kaum 10 Proz. cm der EinkaufSvereinigung in Holland beteiligt. Die Verschiebung der Waschberge(Kohlenschlamm) sei bereits verboten worden durch e'ne Verfügung, die den Transport minderwertiger Brennstoffe verbiete. Die Syndikatsdirektoren JanuS und Bergrat Herbig be- dauerten die Ausführungen des Genossen L ö f f l e r, da sie nicht geeignet feien, die Zusammenarbeit mit dem ReichSkohlenrat zu fördern und das gegenseitige Vertrauen in ungünstiger Weise be- einflusse. Herr S t i n n e S stellt« sich dagegen auf den Standpunkt, daß es gerade wichtig sei. wenn solche Dinge ausgesprochen werden. Nur durch eine Aussprache sei es möglich, die gegenseitige Ver- ständigung herbeizuführe». Dadurch, daß die Arbeiter jetzt ge- schäftSführende Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte in die Syndi- kat« entsenden, würde die Möglichkeit geschaffen, b.ei den Arbeitern Verständnis für die wirtschaftlichen Vorgänge zu schaffen und daS vorhandene Mißtrauen zu zerstreuen. kleine politische Nachrichten. Die deutsche Delegation für Washington ist am Freitagabend nach Berlin zurückgekehrt. Die in den Berliner Blättern er- schienene Meldung über eine neue Konferenz in Washington am 1. Dezember ist unrichtig. Unser Aachener Partriblatt.Freie Presse' ist auf Veranlassung der Besatzung wegen eines Artikels„Kriegsgefangene heraus' auf 20 Tage verboten. Charakteristisch für daS radikale Sektentum ist von jeher bie Spaltungslust. Wir sehen es in Deutschland, aber auch unter den demichen Sozialisten in Nordamerika. Dort tobt der Streit zwischen der K. B. und der K. A. P.(Kommun. Arbeiter-Parter). Die.New Dorker Volkszeitung' und ihr Chefredakteur Ludwig Lore gehören zur letzleren. DaS Verhältnis beider Paneicir zur Socialist Party (S. P.) ist von hier aus nicht klar zu erlennen. GeweeffchasisbelMung Theorie und Praxis. Der Stuttgarter Verbandstag der Metallarberter hat gründlich aufgeräumt mit den bisherigen Gepflogenheiten der Organisation. Die von der Generalkommission und den Ver- bandsinstanzen eingenommene Haltung wurde verwor- fen? Arbeitsgemeinschaften wurden verworfen; der alte Vorstand wurde verworfen. Kurzum: bis in den letzten Winkel hinein wurde alles beseitigt, was die Organi- sation hindern könnte in ihrem Bekenntnis zum revo- lutionärenKlassenkampf und zur R ä t e o r g a n i- sation. Um das noch besonders zu unterstreichen, nahm der Verbandstag eine Resolution an, wonach den Mitglie- dern„in weitgehend st ein Sinne das Mit- und S e l b st b e st i m m u n g s r e ch t zu gewährleisten ist". Das war in der ersten Hälfte des Oktober. Inzwischen haben die neuen Männer, Dißmann. Brandes, RichardMüllerdie Stuttgarter Bonzenstühle eingenom- men und befruchten nun mit ihrer revolutionären Taktik die deutsche Gelverkschastsbewegung. Eine der ersten Leistungen der neuen Leiter war ein Aufruf an die Berufskollegen, in dem sie noch einmal die Beschlüsse des Verbandstages rekapitulieren. Mit tönenden Worten wird in dem Aufruf die Umwandlung des Verbandes zur revolutionären Kampfesorganisation gefeiert. Aber noch zu einem anderen Aufruf gab die kurze Frist von drei Wochen seit Beendigung des Kongresses Gelegen- heit. Dieser richtet sich an die Be z i r k s l e i t u n g e n und O r t s v e r w a l t u n g c n. Da er nicht für die Gesamtheit der Kollegen bestimrnt ist, sondern nur fein säuberlich den einzelnen Verwaltungen zur Kenntnis und Naäiachtunz übermittelt wurde, schlägt man in diesem Rundschreiben andere Töne an. Man schiebt die revolutionäre Phrase beiseite und— b r e m st, w i e nur je eine bureaukra- tische Organisationsleitung bremsen konnte. DaS Rundschreiben, verfaßt vom 8. November, ist seit mehreren Togen in unserenr Besitz. Aus bestimmten, im Interesse der Organisation liegenden Gründen haben wir bisher von einer auch nur teilweisen Veröffentlichung abge- sehen. Nachdem aber anr Freitag morgen die„Vossische Zeitung" vom Inhalt des Rundschreibens Kenntnis gegeben hat, halten wir uns für verpflichtet, aus dem Schreiben wenigstens das zu veröffentlichen, was die„revolutionäre" Führung der Dißmann und Brandes glänzend be- leuchtet. Das Rundschreiben ist geboren aus der berechtigten Sorge um die Organisation, die speziell durch den großen Berliner Streik mit seinen llnkosten von fünf Millionen Mark wöchentlich schwer in Mitleidenschaft gezoaen ist. Es heißt darin u. a.: Aus dieser Situation ergibt sich mit zwingender Not- wendigkert. bei allen werteren Lohnbewegungen darauf zu sehen, daß dieselben möglichst auf dem Verhandlungswege durch- geführt werden. Erst die letzte Generalversammlung bat beschlossen, daß die gesetzlichen und tariflichen SchlichtungSausschüsse angc- rufen werden müssen, ehe einschließlich der vorhcr einzuholenden Zustimmung des BorstandrS die Arbeit niedergelegt werden darf. Sehr häufig werden diese wichtigen Voraussetzungen für die ord- nurrgSgemäße Durchführung von Lohnbetvegungen nicht beachtet und die Arbeit entgegen alle« gewerkschaftlichen Grundregeln und gegen die elementarsten Bestimmungen des Verbandsstatuts niedergelegt. Tie Kollegen schreiten zur ArkvitSeirrstellung, ohne auch nur vorher dem Vorstand und der Bezirksleitung irgend eine Mitteilung über die Absicht deS Eintritts ineineLohnbewegung gemacht zu haben und ohne sich im geringsten darüber klar zu werden, wober die Unter- st ü tz u n g Sge l de r für die an solchen Kämpfen beteiligten nichtbezugsberechtigten Mitglieder genommen werden sollen. Ist ' der Streik dann erklärt, dann verlangt man vom Vorstand nach- träglich die Zustimmung zur Arbeitsniederlegung und die Be- reitstellung von Mitteln zur Unterstützung auch der nicht bezugsberechtigten Mitglieder. So kann und darf e» nicht weitergehen, wenn nicht die Organisation schweren, nicht wieder gutznmachendc« Schaden erleiden soll. Tie Verwaltungen müssen in erster Lirrie darauf sehen, daß di« VerbandSkollegen von der Aufstellung unerfüll- barer Forderungen(Abschaffung der Akkordarbeit, Wirt- schaftSbeihilfen) absehen und ferner streng darauf achten, daß erst alle sich bietend-n Verhandlungs- möglichkeiten erschöpft werden, ehe die Mitglieder zur Abstimmung über den Eintritt in einen Streik zusammenbe. rufen werden und der Antrag auf Genehmigung der beabsichtigten Arbeitseinstellung an den Vorstand gestellt wird. Ohne Zustimmung des BorstandeS darf die Arbeit nicht nieder- gelegt werde»; gcschieht es dennoch, so verzichten die Mitglieder auf jede Unterstützung. Wir wissen: Bewegungen können gar nicht anders vor- bereitet werden, wie es hier die Dißmann und Brandes ver- langen. Auch sie mußten sich zu den realen Wirklichkeiten I bekehren, nachdem sie aus dem Reiche der revolutionären Zeichne mit 500 Mark bar und 500 Mark Kriegsanleihe 1000 Mark deutsche Spar-prämienanleihe Wrastzologis heraustraten und' die Verantwortung übernahmen für die Führung der Organisation. Eines aber möchten wir doch hören: die Rede, die Rusch oder Richard Müller schwingen würde, wenn einer der alten Gewerkschaftsbonzen mit solchen Bremsklötzen dem �.reva- lutionären Elan" der Metallarbeiter sich hindernd in den Weg gestellt hatte._ Gegen die Organisationszcrsplitterer! Unter dieser Spitzmarke wird vom Verband der Gemeinde- und Slaalsarbeiter, Sektion Groß- Berlin, Stimmung gegen eine am Sonntag, den 23. November, einberufene Versammwng der GaSarbeiter gemacht. Die Zuschrift des Verbandes der Gemeinde- und Sraatsarbeiler geht hierbei von falschen Voraussetzungen aus und es muß angenommen werden, daß der Einsender die Versamm- lung-Zcinladnngen gar nicht zu Gesicht bekommen hat, sonst hätte er aus diesen Einladungen ersehen müssen, daß eS sich um eine Werbe- betiammlung für die sozialdemokratische Partei Deutschlands sS. P. D.) handelt, dazu bestimmt sür diese neue Anhänger zu werben. Wir verurteilen ebenso enlschieden wie die SekrionSleimng der Gemeinde» und Staatsarbeiler jede Organisationszersplitterung. Wir denken auch nicht daran, uns in diesen Versammlungen mit gcwerk- schaftlichen Fragen zu beschästigen. Wir halten die Einheit der Gewerkschaftsbewegung sür ein ebenso hohes Gut, wie die leider zersplitterte Einheit der politischen Arbeiterbewegung. Wir hoffen, daß diese Richtigstellung genügt, um jeden Einzelnen zu überzeugen, daß eS sich hier nicht um Organisationszersplitterung handelt. sondern daß vielmehr diese Versammlung der GaSarbeiter zahl» reichsten Besuch verdient._ Streikende im Schuhwarenhandel. Der Streik im Schuhwarenhandel wurde Freitag unier dem Vorsitz des DemobilmachungSkommiffars durch Verhandlung beendet. Die Arbeitgeber mußten sich bequemen, den Zcntralverband der Angestellten unter Hinzu- ziehung der Arbeitsgemeinschaft freier Ange- st eilten verbände, Ortskartell Berlin, als VerhandlungS- kontrahenten anzuerkennen. Dieses Anerkenntnis ist nicht zuletzt dem � Eingreifen der Arbeitsgemeinschaft freier Angestellten- verbände zu verdanken. Aus Raummangel muffen wir verzichten, auf die materielle Frage näher einzugehen. Es ist gelungen, Maßregelungen aus Anlaß des Streiks zu ver- hindern. Den Arbeitgebern wurde die Verpflichtung aufer- legt, die streikenden A n g e st e l l t e n- A u s s ch u ß m i t g l i e- der sämtlich sofort wieder einzustellen-. Es wurde in der Verhandlung weiter festgestellt, daß von den 275 am Streik Beteiligten etwa 1v— 12 nicht gleich wieder eingestellt werden können. Es wurde aber in dieser Ausgleichsverhandlung den Ar- beitgebern zur Pflicht gemacht, auch diese Angestellten unter allen Umständen b i s z u m 1 S. D e z e m b e r d. I s. einzustellen. Dieser Erfolg ist der absoluten Einmütigkeit der Angestelltenschaft zu danke»._ Wo die Organisation fehlt. Der Aeniralverband der Angestelllen schreibt uns: Unter der Uebersckrift.Wo die Organisation fehlt' gibt der Zenlralverband der Bäcker und Konditoren ein Bild der schlechten Bezahlung der Verkäuserinnen bei der Firma Goldacker. Im Anschluß daran gibt «»bekannt, daß er seit mehreren Monaten versucht, mit dem Zweck- verband der Bäckermeister über einen Tarifvertrag für Verkäuferrnnen zu verbandeln. Dieser Zweckverband habe die Verhandlungen bis- her vereitelt und verlangt, daß der Verbund der Bäcker und Konditoren nachweise, wleviel Verläuferinnen er organisiert habe. Wir stellen dazu sest, daß der Zentralverband der Angestellten ickon in den ersten Tagen deS September bei der Firma Goldacker Forderungen für die Regelung des Lohn- und Arbeitsverhältnisses der kaufmännischen Angeftellien dieser Firma, und dazu gehören auch die Verkäufennnen, eingereicht hat. Die Verhandlungen sollten am 20. d. M. vor dem SÄlichtungsausschuß zum Abschluß gebracht werden. Die Firma Goldacker war vor dem SchlichtungSauSschuß nicht erschienen. Der Zenlralverband der Angestellten hatte natürlich keine Ahnung davon, daß der Verband der Bäcker und Konditoren sür kausmänni- scheS Personal Fordernngen aufgestellt hak. Die zuständige Organisanon sür Verläuferinnen ist zweifellos der Zentralverband der Ängestellicn._ Deutscher Holzarbeiterverband. Laden- und Kontor- Möbeltischler! Montag, den 24. Nov., nachm. 5 Uhr, im.Englischen Garten'. Zllexanderstr. 27o, Branchen Versammlung. Tage-ordnung: l. An- trZge zur Generalversamwkimg. S. Stellungnahme zum ReichSkarif. 3. Verbands« und Branchenangelegenheiten. Die Delegierten für die Generalversammlung baben pünktlich zu erscheinen! Vollzähliges Erscheinen aller Kollegen erwartet Die Branchenkommission. Siemens«. HalSke. Blolkwerk. Sonnabend irüh von 10 II« ab findet die Auszahlung der Streikunterstützung im Streiklokal bei Müller, Siemenssiadt, statt. Für die in Arbeit stehenden Kollegen nach Schluß der Arbeitszeit. Siemens-Schnckert, Kleinbauwerk. Heute Auszahlung der Streik- »nterilützung iür»och außenstehend- Kollegen und Kolleginnen von 11 bis 2 Nbr bei Lenz, Tegeler Weg 77. Die in Arbeit Stehenden erhalten nach Schluß der Arbeitszeit doriseibst ihre restliche Unterstützung. Deutsche Delcphonwerkc. Werl Niederschönewcide. Die Auszahlung der Streikmitersiützung findet am Sonntag, den 23. November, vormittags von 11 bis 1 Uhr bei Hellmuth, Görlitzer-, Ecke Sorauer Straße statt. Nach- züglcr werden nicht berücksichtigt. 10. verbanöstag öer Lithographen unö Stemörucker. Magdeburg, 20. November. Zweiter BerhandlungStag. In der Forisetzung der Aussprache erhielt zunächst Beyer sFrankfurt a. M.) das Wort: Die Einigungsbesirebungen der Arbeiterschaft müssen wir mit allen Mitteln unterstützen. Unsere Koffenvcrhältniffe brauchen wir nicht der breitesten Oeffentlichkeit preiszugeben. Die Haltung der.Graphischen Presse" war nicht immer richtig. Lande(Berlin): Die politischen Debatten auf den Verbands- tagen sind nicht zu vermeiden. Die Schuld liegt bei den Haupt« vorständen, die die Kriegs- und Revolutionspolitik der General- kommission vertreten. Die Unternehmer benutzen die Gewerk- schasten zu ihrer Rettung. Die Opposition ivill keine Zerstörung, sondern einen neuen Geist in den Gewerkschaften. Sabina lBerlin) schließt sich den Ausführungen AlbrechrS an. Van Dyk(Hamburg): Die Vorbandsleitung mußte sich ver- teidigen. Selbst wenn man die KrregSpolitlk der Arbeiterführer nicht unterstützt, so kann man doch nicht von Arbeiterverrätern sprechen. lSehr richtig!) Unsere Führer wollten sicher immer das Beste. Wir dürien gespannt sein, ob die Opposition uns für die Zukunft praktisch« Vorschläge machen kann; meistens bleibt es bei den großen Worten. Das Vorgehen der Berliner Chemigraphen wird von dem größten Teile der Kollegen im Reiche verurteilt. Herbst(Leipzig): Die Unzufriedenheit ist erklärlich, unverantwortlich ist das Treiben der Unabhängigen, deren Forderungen über da« Ziel hinausschießen. Sind wir da nicht selbst Gegen- revolutionäre? Wenn die Maßlosigkeit nicht schleunigst' ein Ende nimmt, sind wir verloren.(Sehr richtig I) Der Verbands- vorstand hat in diesem Sinne Gutes geleistet. Das Hilfsdienst- geietz hat in unserem Berus manche Verbesserung gebracht. Die Metallarbeiter Leipzigs verweigerten während des Krieges ihre Unterschrift zur Friedenspetition, um ihre Stellung nicht zu verlieren.(Zurus: Jetzt sind'S Spartakisten Unsere Presse muß Arbeiterpolitik treiben.(Lebhafler Beifall.) Re b h o l z(Köln): Die Arbeiterführer konnten bei Kriegs- auSbruch nickt anders handeln. Während deS Krieges waren d'.e Mitglieder zu säumig, um Lohnerhöhungen durchzusetzen. Die Niederlage der französischen Sozialisten zerstört viele internationale Hoffnungen. Im besetzten Gebier zeigt es sich, daß die Radikalsten sich unter den Schutz der Ententebajonette stellen. T e u s ch e r(Leipzig): Die Generalkominiision hat den Klaffen« kämpf aufgegeben. Der Entwicklungsgang der Geschichte spricht für die Stellung der Opposition. Wolf(Berlin): An der Tätigkeit deS HauptvorstandeS ist bis jetzt herzlich wenig Kritik geübt worden. Dw Meinungsverschieden- heiten werden unö vorwärts treiben. Albrecht lBerlin): Die Kritik an der Kriegspolitik war all- gemein. Die Meinung über die Tätigkeit d-S Vorstandes ist ein- heitlich gut. Die Politik der Mehrbensiozialisten Hai die Reaktion großgezogen. Wenn ein Teil der Führer der MehrheitS'ozialisten zurücktreten würde, wäre die Einigkeit da. Die Debatte ist geschlossen. Das Schlußwort �ljat Haß (Berlin): Man hat zwar Kritik geübt, aber keine neuen Wege ge- zeigt. Wir können beute noch keine Klosienkanipipolitik treiben. weil die Verhältnisse mnsprechen. Wir werden B a r t e l und Domnick späier sehr vermissen. Wer geistiger Führer sein will, bat leine ganze Kraft einzusetzen. Und das haben beide getan. Die große Masse der Kollegen will geführt werden. Auck heute könnten die Gewerkickaflen keine andere Stellung einnehmen wie am 4. August 1814. Die Ablehnung ver Kredite wäre nur möglich ge- weiens wenn eS die gesamte internationale Arbeiter- schasi getan häii«. Faurös hat immer wieder den nationalen Gedanken betont. Die Zusammenfügung unserer Mitglieder muß unser nächstes Ziel sein. In einer Zeitschrift kann eS keine grenzenlose Meinungsfreiheit geben, da dann sehr oft das Ansehen de? Verbandes geschädigt wird. Die Gewerkschaftspolitik hat den Egoismus nicht großgezogen, sie hat die Solidarität gepflegt, und jetzt nach dem Kriege müssen wir allerdings wieder von vorn an- fangen. Das Vorgehen der Chemigraphen hat uns schwer ge- schädigt. D o m n i ck lBraunschweig): Ich bin gegangen, weil ich dem Nuse meines Parteivorstandes Folge leisten mußte. Die grund- legenden gewerkschaftlichen Anschauungen habe ich immer vertrete». Wemr alle Artikel in der«Graphischen Presse" veröffentlicht werden sollen, dann wird das Blatt ein Parteiblatt. Ich werde auch ferner- hin dem Verband ein treuer Mitarbeiter bleiben.(Beifall.) Eine Resolution Stuttgart, die die bisherige Gewerkschasts- Politik verurteilt, wird gegen die Stimmen der Opposition ab- gelehnt. Dem Vorstand wird e i n st i m m i g Entlastung erteilt. Tie Anträge, die gegen die bisherige redaknonelle Haltung der Verbandszeitung Stellung nehmen, werden abgelehnt. Nach der Mittagspause spricht Haß(Berlin) über:«Unsere Tarif- und Lohnbewegungen". Während des Krieges war es unsere Aufgabe, alle Unternehmer zu Tarifabschlüssen zu bewegen. Am 18. November wurde die ZentralarbeitSgemeinschaft gegründet. Sie brachte uns den Lchistundcntag, die Anerkennung der Gewerk- schasten und Kollektivverträge und die Absage an die Gelben. Die Arbeitsgemeinschaften haben den Abschluß von Tarifen ge« waltig gefördert. Sie geben uns serner die Möglichkei�gegen die Unternehmer nicht nur mit leeren Protesikn. sondern mit posi« tivenl Wirken aufzutreten. Ter Rahmentarif sür das graphische Ge- werbe muß das nächste Ziel sein. Unsere Verhandlungen über Tarif- abschlösse führten wir in der ersten Zeit nach der Revolution unter dem Gesichtspunkt, durch hohe Lobn'orderungen die Existenz der Republik nickt zu gefährden. Nack dem Gewaltirieden änderten wir unsere Stellung. Der tiefe Stand unserer Valuta bat unsere» Export gehoben. Wir hoben Jntereffe daran, unsere Waren nickt an das Ausland zu verschleudern und werden darum durch beträchtliche Lohnerhöhungen die Unternehmer zu zwingen suchen, zu hoben Preisen zu exportieren. Der Abschluß der vier Zentraltarife bedeutet einen großen Erfolg. Um die schnelle Durchführung zu erzielen, sind wir zum Organisations- zwang zurückgekehrt. Sehr wichtig find die Bestimmungen der Tarife über die Preiskonventionen. Bei. der Festsetzung der Preis und Lieferungsbedingungen haben wir uns Reckte gesichert. Die Lokaltarise der Poiträtphoiographen find erste Erfolge auf dieiem Jleuland. Nack der gesetzlichen Einführung der 48slündigen Arbeitszeit entstand sür uns die Frage, ob nun die Forderung der Arbeitszeitverkürzung noch an der Spitze stehen muß. Wir haben teilweise die 47stündifle Arbeitszeit durchgesetzt und stehen auf dem Standpunkt, daß auch in Zukunit die Verkürzung der Arbeitszeit das Wichtigsie sein muß. Wir iverden jedoch in einen Lohnkampf um die weitere Verkürzung erst eintreten, wenn die Buchdrucker mit uns gehen. Wenn wir in Zukunft weiter zusammenstehen und den Unternehmern geschlossen gegenübertreten, werden wir vor- handene Mängel beseitigen können. In der Diskussion wendet sich Herbst(Leipzig) gegen da? Akkord« und Prämieniystem, das seiner Ansicht nach in den Tarif- Verträgen nicht sanktioniert werden durfte. Der Tarif iür das Lithographen- und Steindruckgewerbe har große Erfolge gebracht. Die Mitgliedschaften muffen sich den Beschlüssen der Generalver- iammlung untlrordneu. Hentschol(Leipzig): In der jetzigen UebergangLzeit brauchen wir die Tarifgemeinschaflen. Die jetzige Reglunq der Fcrienfrage ist ein Schritt nach vorwärts. Bei Besierung der BeruiZIage muß das Akkord- und Prämieniystem be- seirigt werden. Adler st ein(München!: Die Zentral- rarife dürfen keine Verschlechterung der örtlichen Arbeirsbedin- gungen bringen. R o l I o s s(Holland): Die Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen begrüßen wir. Die deutsche Organi- ialion war in Holland vorbildlich. Die holländischen Kollegen find dabei, sich einen graphischen Jndustrieverband zu bilden, allerdings fehlen die Buchdrucker noch. Der niedrige Stand der deutschen Valuta hat der holländische» Kollegemckast schwere Gefahren gebracht. Im Laufe des nächsten JabreS wird in Holland die 45siündige Arbeitswoche eingeführt. Die holländischen Kollegen wollen in Zukunft ebenfalls bei der Preisregulierung mitwirken. Die augenblicklichen Schwierigkeiten wird die deutsche Arbeiterschaft sicher überwinden.(Beifall.) Die Verhandklingen werden anr Freitaa früh bertaqt._ Seraniw. für den redaktion. Teii: Allred Scholz, ReukäUn: Mr Anzeigen: Theodoe Moae. Berlio Beriaa: Borwäris-Berloz S. m. b. H.. Perlin. Druck: Borwart»- Buchdruckerei und Berl-asansial« Paul Sinaer u. So. in lBerlin, Lindenitr. B, Hierzu 1«ciiase.__ MHIiaI Zigaretten M/l? Kää- Hl türlische. amerikanische und |auf Kredit! nnd gegen bar MM- Schla!- Speisezimmer moderne Kachen, sowie Einzel-MSbel zu kulantesten Bedingung. Helen Grebler C. m. d. Hn Weinbergsweg 4. Herrenkleidong Zigarren' 100 Stück 70, 85, 100, 120 M Rauchtabak garantterl rein. Uberseeisch riopentrei, Pfund 25,— Mark bei 10 Pfund 23,— Mark. L. Maaheimer, Berlin, Bergmahnstr. I(n.Kreuzberg). Elektromotore Glelcbstrooi:: Drehstrom kauft, f i Berlin W 9, Linkstr. 10. Tel. LUtzow 370S und SMS. Julius Fabian Schneidermeister flr. Frank- lurlerStr.S? 2 Tr. 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Die Antragsteller sollten in den ihnen nahestehenden Kreisen dahin wirken, datz die Vorschriften er- füllt werden.(Lachen rechts.) Gcver-Lcipzjg(U. Soz.) führt Klage, datz in den Gefan- gcnenlagcrn deutsch« Gefangene durch deutsche Borge- setzte drvngsalrert worden seien. General v. Fransecki: Bekanntgewordene Fälle wurden den ordentlichen Gerichten über- geben. Offiziere dürften nicht in Frage kommen, da sie in allen Ländern von den Mannschaften getrennt gehalten wurden. Hartmann(Dem.) bedauert, datz Arbeiter von anderen Organi- sationen gezwungen werden, in die freien Gewerkschaften ein- zutreten. Sin RegicrungSvertreter gibt zu. datz solehe Verletzungen der Koalitionsfreiheit in letzter Zeit mehrfach vorgekommen sind. Es nndet eine Besprechung mit den Arbeitervcrbänden in dieser Frage statt. Die Verbände sind auf das Unzulässige eines solchen Terrors austn-rksam gemacht worden. ES wird er- wogen, ob neue Gesetze erlassen werden müssen. Philipp(Tnat.) fordert die Zuziehung der Organisa- t i o n e n bei der Einrichtung des vorläufigen Reichswirt- schaftsrateS. Die Regierung st'mmt zu. Hartmann(Dem.) weist in einer Anfrage darauf hin, datz der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. OctS- Verwaltung Berlin, gegenüber dem Hirsch-Dunckerschen OrtSvercin der Berliner Stratzcnreiniger die Drohung mit einem Streik anwende, um die Mitglieder der gegnerischen Organisation zum Beitritt in die freie Gewerkschaft ,u zwingen. DaS widerspricht dem Artikel 139 der Rcichsverfassung, durch den die Koalition»- freibeit allen Arbeitern gewährleistet wird. Ein RegierngSver- tretcr erwidert, der Verband der Gemcindearbeiter habe die in der Anfrage enthaltene Behanptnug entschieden bestritten. Die Mit- glieder beider Organisationen arbeiten seit längerer Zeit ruhig mit- einander. Das Reichsarbeitsministerium hat die Arheiterverbändc zu einer Konferenz geladen, um über die Sicherung der Koalitions- frciheit zu beraten. Schiele(Diiat.) verlangt in einer Anfrage Matznahmen der Regierung gegen den Verkauf durch Opiumzusatz vergifteter Ziga- retten in englischer Packung, da solche Zigaretten schon viele Per- giftungcn und Todesfälle herbeigeführt hätten. Ein Negierungs- Vertreter erwidert: Das Reichsgesundheltsamt hat wegen solcher in der Presse aufgetauchten Behauptungen eingehende Ermittelungen augestellt. In keinem Falle haben sich aber die Gerüchte über Per- giftungen infolge des Genusses englischer Zigaretten bestätigt. Auf eine Antrage Beckers sDnat.) erwidert Ministerialdirektor Müller: Die Regierung kann über die Vergebung von Lieferungen zum Wiederaufbau in Belgien und Frankreich keine grundsätzliche Entscheidung treffen, solange wir nicht wissen, wie Frankreich sich dazu stellt. Die Regierung wird aber solche Lieferungen nicht an Einzelpersonen, sondern nur an Organisationen vergeben, bei denen übcrmätzige Gewinne ausgeschlossen sind. Da- bei kommen auch in erster Linie die LieferungSverbände des Handwerks in Betracht. Warmuth lDnat.) stellt folgende Anfrage: Eine grotze Reihe zivilrechtlicher Ansprüche gegen die Soldatenräte lassen eine Feststellung wünschenswert erscheinen, ob das Reick für die g e f e tz- widrigen Handlungen der Soldatenräts hastet. Ist dies der Fall? Sind insbesondere die Soldatenräte als ReichSbe- Hörden anzusehen? Unterstacttssekrctär Lcwald erklärt: Das Reich haste: nicht für gesetzwidrige Handlungen der Soldatcnräte; der Eharakter von Reichsbehörden kann ihnen nicht zuerkannt werden. Auf eine Antrage de? Abg. Warmuth(Dnat.) wird mitgeteilt, datz ein Gesetzentwurf über die Aufhebung der Militnrjustiz der Nationalversammlung nächstens zugchen wird. Delrns(Dem.) fordert auch für Beamte den Erlatz der Disziplinar, strafe«. Unterstaatssekretär Lewald kündigt auch hierfür einen Gesetzentwurf an. Frau Schirrmachcr(Tnat. Vp.) stellt folgende Aufrege: Wien ist in höchster Not! Die Stadt steht tu ihrer Ernährung und Beheizung vor dem völligen Zusammenbruch. Wer nicht besonders bemittelt ist, ist dem Elend preisgegeben. Auch ein bedrängtes Teutschland kann diesem Sterben der Volksgenossen nicht un- tätig zusehen. Besteht für die R e i ch s r e g i e r u n g die Mög- üchkeit, hier schleunigst, sei es durch Geld, sei es durch Lieferung von Kohlen und Nahrungsmitteln hilfreich einzugreifen? Geh. Rat ZLest: Der Notlage soll abgeholfen werden, soweit das bei unserer eigenen gespannten Lage möglich und zu verant- warten ist. Verhandlungen sind im Gange. Deutschösterreich er- hält täglich 7(100 Tonnen Kohlen aus Schlesien, solange die bis- berigen Lieferungen don gleichbleiben. Eins Mehrlieferung ist nicht m ö g l: ch. Steinkopf(Soz.) fordert Offenlegung der Personalakten der Beamten. Unterstaatssekretär Lewald: Verhandlungen schweben noch Das Reichskabinett wird nächstens dazu Stellung nehmen. Damit sind die kleinen Anfragen, von denen einige' wegen Nichtanwesenheit der RegicrungSvertreter nicht erledigt werben konnten, erschöpft. Es folgt der Bericht deS Ausschusses lür die Wahl- Prüfungen über die Wahl des Abg. Simon(Franken)(U. Soz.). Ter Ausschuß beantragt, die Wahl für ungültig zu erklären. Da im Schweinfurter Bezirk Wahlunregel- mätzigkeiten vorgekommen sind, die der Ausschutz auf das Konto der Unabhängigen schrieb, wurden die Stimmen, die in diesem Bezirk für die Unabhängigen abgegeben wurden, kassiert. Damit fiel die Unabhängigenliste überhaupt aus. Die Wahl des unabhängigen Abgeordneten Simon würde also ungültig sein. Zubeil(U. Soz.) beantragt Gültigkeit. Die Abgg. Reißhaus(Soz.), Ncumann-Hofer(Dem.) und Vraun-Franken(Soz.) treten für den Ausschutzantrag ein. Cohn (U. Soz.): Diz Mehrheitssozialisten sprechen von Einigung, mit ihrer heutigen Stellungnahme werden sie diese nicht fördern. Grver(U. Soz.) beantragt Zurückverweisung der ganzen Sache au den Ausschutz. Die Wahl wird für ungültig erklärt. �Sonnabend 1 Uhr: Reichsabgabenordnung. Schluß gegen 3 Uhr._ GroßSerlln Die Reform der Beamtengehälter. Ter Mogistrat hat die Beratungen über die Reform der Beamte ii gehälter soweit gefördert, datz noch im Laufe dieser Woche die Borloge an die Siadlverordnetenvcrsaminluiig abgehen wird. Die Gesamtheit der Beamten und Festangestelllen ist in fünf Gruppen und Untergruppen eingereilt. Die Besoldung der uitteisten Gruppe beliägt 3000 bis 6800 M. in 18 Jahren erreichbar, das der vierten Gruppe 3300 bis 7300 M., der Gruppe 3o 6000 bis 8100 M.. der Gruppe 8b 6300 bis 8400 M., der Gruppe 8a 6600 bis 8700 M., der Gruppe 2b 7000 bis 9700 M.. der Gruppe 2a 7300 bis 10 200 M., der Gruppe 1o 8000 bis 11 900 M., der Gruppe 1b 9000 bis 13 200 M. und der Gruppe 1a 10 090 bis 14 800 M. Neben dem Gehalt wird eine Teuerungszulage ge« währt, welche 2000 M. beträgt für die Verheirateten und für die Ledigen mit eigenem Haushalt(Unterhaliung von Familien« angehörigen). 1500 M. für die Ledigen und 1000 M. für die Personen, welche Naturalverpflegung— Wohnung mit Kost oder nur Kost— erhalten. Autzerdeiu wird sür jedes Kind ein Zuschlag in Höhe von 600 M. jährlich gewählt. Nutzerdenr ist eine Erhöbung der Bezüge der Pensionäre und Ruhcgeldempsänger in Aussicht genommen. Eine Borlag« über die Erhöhung der Gehälter der Oberlehrer und Lehrer wird in der kommenden Woche der Stadtverordnetenversammlung zugeben. Groste Verbrechersuche im Kaffee Kerkau. Am Freitag abend machte die Kriminalpolizei mit ihren Streif- Mannschaften, unterstützt von Sittenbeamien und der grünen Poli- zei. im ganzen über 100 Mann, dem Kaffee Kerkau einen über- raschenden Besuch. Kurz nach 6 Uhr besetzte der Leiter der Streifs. Kriminaloberwachtmeister Dettmann, mit seinen 60 Mann alle Ein- und Ausgänge und drang mit den übrigen Mannschaften in den Hauptsaal des Obergeschosses ein. Auf Kommando verstummte dw Musik und ein wilder Tanz wurde mitten in saurem vollen Wirbel abgebrochen. Eine grotze Aufregung bemächtigte sich der ganzen gemischten Gesellschaft, legte sich aber bald wieder, da der Leiter und seine Beamten mit der größten Ruhe und Umsicht zu Werke gingen. Niemand durfte den Saal verlassen, alle Ausweis- Papiere, die die Gäste eifrigst aus ihren Taschen herauslangten. wurden auf das schärfste geprüft. Die wenigen, die stich ganz einwandfrei ausweisen konnten, durften durch einen besonderen Aus- gang, der auch noch streng übertvacht wurde, den Saal und daS Haus verlassen. Alle anderen und die grotze Menge derer, die gar keinen Ausweis hatten, wurden von Beamten hinuntergeführt und in der Behrenstratze auf die bcreitgehaltenen Kraft- l a st w a g e n. verladen und nach dem Polizeipräsi- d i u m gebracht. Zunächst wurden aus drei vollge- pfropften Wagen an die zweihundert Mädchen dorthin befördert. Ihnen folgten auf ebenso vielen Wag eck ebenso viele Männer, darunter auch„Soldaten' in seid- grauer Uniform. Gegen sieben Uhr war der Saal so ziemlich ge- räumt. Jetzt wurden auch noch die Ballone und alle anderen, Ber- stecke gründlich abgesucht. Hinter dem Vorhang auf dar Musikerbühne fand man hinter den Noten einen jungen Mann, der ivahrscheinlich allen Grund gehabt hatte, sich zu ver- bergen. Das sah man schon daran, datz er im Gegensatz zu den anderen sehr heftig gegen die Fahrt nach dem Polizeipräsidium pro- testierte. Er benahm sich so widerspenstig, datz nichts anderes übrig blieb, als ihm eine Fessel anzulegen. Die Sichtung und Prüfung der Personen im Polizeipräsidium dauerte bis in die Nacht hinein. In der Fciedrichstadt rief der Vorgang auf der Stratze grotze Aufregung hervor. WIntrrberhilfcn für knegshinterbliebeue Witwen, Vollwaisen und Eltern, die bereits Liente beziehen(vorläufig ausgenommen unehc- liche Kinder) können beantragt werden Postitr. 3, IV, zwischen 9 und 1 Uhr beim MagistratSIommissar sür Kriegshinterbliebenen- sürsorge, wenn das Gesamteinkommen einschliehlick aller Renten der Witwen oder der Eltern 3500 M. nicht übersteigt. Für sedes Kind unter 14 Jahren werden dem Jahresverdienst 300 M. hinzugerechnet. Personen unter 50 Jahren ohneKinder erhalten die Beihilfen nur, wenn sie d a u e r n d e r w e r b S u n- fähig oder erwerbsbcschränkt find. Der H ö ck st- betrag der Winierberhilke ist 20 M. iür die Witwen und 20 M. für jedes Kind unter 14 Jahren, zusammen aber höchstens 100 M. für Familie und Monat. Die Wintcrbeihilfe wiro jetzt für 3 Monate rückwirkend vom 1. Oktober ab ausgezahlt. Die Abfertigung soll nach den Anfangsbiichstaben deS NomenS der sich meldenden Hinterbliebenen vom 27. November bis lO. Janua nächsten Jahres werktäglich erfolgen. Näheres ergeben die Säulen- anschlage. Die BolkShochschnke Groß-Berlin hat nunmehr ihren endgültigen Vorstand erhalten. Gewählt sind: Stadtrat Sassenbach Berlin. Vorfitzender. Bürgermeister Schab low, Verlin-Trepwi! stellvertr. Vorsitzender, Stadtschulrat Dr. Buchenau. Nenköll' Dr. von Erdberg(Freies VolkSbildnngswescn). Dr. fillfio Galt mann(Freies Volksbildungswesen), Arbeitersekretär Li» lGewerkschaftskommiifion). Professor Merz(Universiiät), Edmm Nockes(Gewer kschastsbund der Angestellten). Ingenieur Onke- (Kart. Grotz-Verlin des Deutschen Beamteiibundes). Professor D Prion(Handelshochschule). Dr. Schwab(Räieschule der Gros Berliner Arbeiterschaft), Richg�d Seidel(Unabhäng. Sozialdemokrat. Partei). Frl. Wachenhein,. R. Weimann(Sozialdemo. krat. Partei), Oberlehrer Witte(Charlottenburg). Die Geschäftsstelle der V o lkS h o ch s ch u l e befindet sich in der Alten Jakobstr. 33 33. Goldschwindler. Zwei Männer, die wahrscheinlich Russen siud.� erzählen, datz sie kleine Goldstückchcn, die von zerkleinerten' Franken herrühren sollen, im Auslande aufgekauft hätten, um sie in Deutschland wieder zu veräutzern. Die Käufer, die auf daS Angebot einzugehen beabsichtigen, verlangen natürlich erst eine Probe, um sie von einoin Sachverständigen genau untersuchen zu lassen. Darauf sind die Schwindler gcfatzt. Sie beeilen sich, zur Probe mehrerc Stückchen echtes Gold herzugeben. Tie Zahlung des vereinbarten Kaufpreises soll erfolgen, sobald der Sachverständige festgestellt Hot, datz es sich um gutes Gold handelt. Unterdessen soll die Handtasche mit der grotzen Goldmenge auf dem Bahnhof in sicherer Verwahrung gegeben werden. Zur besonderen Sicherheit für beide Teile wird die Tasck?« sofort von beiden Parteien verschlossen u n d gründlich versiegelt. Dann wird sie Montrofe. 271 Detektivroman von Sven Elvestad. 18. Das Schicksal. Asbjörn hotte Bescheid gegeben, daß die Schutzleute den Toten vorn Gasthof..Zum vergoldeten Pfau' in seine Woh. nung tragen sollten. Ms jetzt die Detektive Schritte auf der Treppe hörten, dachten sie im er>ten Augenblick, daß es die Polizisten seien, die mit ihm kämen. Krag öffnete die Tür. so daß das Licht durch den dunklen Treppenschacht fiel. Der Laut von Schritten verstummte. Unten stand ein uniformierter Schutzmann. „Was wollen Sie?" fragte Krag, der ihn nicht kannte. möchte einen der Detektive. Herrn Krag oder Herrn Keller sprechen." „Was wollen Sie?" fragte Krag von neuem und nannte seinen Namen. .„Kommen Sie etwas näher," fügte er hinzu. Der Schutzmann stieg die knarrende Treppe einige Stufen hinauf und sagte: ,,3ich habe im Restaurant„Zum vergoldeten Pfau" bereits nach Ihnen gefragt. Dort sagte man mir, daß Sie hier seien. Ich bringe Ihnen eine Mitteilung vom Pvlizeiamt." „Betreff des verschwundenen Abb6?" fragte Krag. „Hat man ihm gefunden?" „9Z«in. Aber etwas anderes hat sich ereignet. Ter Arrestant Arnold Singer hat einen Fluchtversuch gemacht." Krag erschrak. Keller hatte im Zimmer gehört, was �draußen gesprochen wurde und eilte jetzt die Treppe hinunter. „Er ist aber wieder ergriffen worden, wenn ich Sie recht verstebe?" fragte der Detektiv. .Ja. Man hat ihn wieder gefaßt— eine Stunde nach seiner Flucht. Und jetzt ist er von neuem im Gewahrsam. In dieser Veranlassung aber wünscht man. de« wenigstens einer der Herren sich auf dem Polizeiamt einfinden möchte. Unten wartet ein Automobil." Krag und Keller verhandelten einen Augenblick und wurden sich einig, daß Krag dem Schutzmann folgen, während Keller hierbleiben sollte, um nähere Auffchlüsse zu bekom- wen, hauptfächlich betreffs Arnold Singer, den' der Wirt „Zun: vergoldeten Pfau" ja näher kennen mußte, da er mit seiner Tochter verheiratet war. Auf der Fahrt im Automobil erfuhr Asbjörn Krag die näheren Umstände von dem mißglückten Fluchtversuch. Diese näheren Umstände setzten Asbjörn Krag sehr in Erstaunen, weil sie die Vorstellurig. die er sich von dein eigentümlickren Arrestanten gebildet hatte, ganz verschoben. Er hätte ihm ein schlaueres Vorgehen zugetraut. Krag fand den Flucht- versuch an und für sich sehr dumm, und außerdem so plump ins Werk gesetzt, daß der Detektiv plötzlich den überraschenden Einfall bekam, Arnold Singer habe diesen Fluchtversuch viel- leicht einzig und allein aus dem Grunde gemacht, um den Verdacht, der auf ihm lastete, noch zu verstärken. Abends um 8 llhr hatte Singer den Antrag gestellt. von neuem in Verhör genommen zu werden.— Nicht in einer der Kriminalkammern, sondern unten in der Detektiv Abteilung. Wahrscheinlich lwtte er bei einem früheren Ver hör bemerkt, daß dort eine Tür vom Korridor direkt auf die Straße hinausfllbrte, und die Umstände einem Fluchwersuch günstig wären. Das hatte er sich zu Nutzen gemacht. Als sein Wächter ihn hinunter führte, hatte.er diesem einen heftigen Schlag versetzt, der ihn momentan betäubte, hatte die Tur aufgestoßen und war auf die Straße hinausgeeilt. Indessen traten zwei Umstände ein. die die Flucht hin derten. Erstens war der Schlag, den er dem Wächter versetzt hatte, nicht stark genug gewesen. Der Mann schrie um Hilfe und Polizisten kamen aus allen Türen angestürzt. Das Schlimmste aber war, daß Arn'std Singer, als er auf die Straße kam, zufällig einem Schutzmann begegnete, der ins Haus wollte. Dieser Schutzmann, den der Fliehende- fast um- gerissen hätte, erfaßte sofort die Situation und rannte auf der Straße hinter ihm her. Nach ihnen kamen dann die anderen Schutzleute. Man schrie:„Faßt den Dieb!" Und viele Menschen schlössen sich den Verfolgern an. Es wurde eine der bekannten Jagden, Straße auf und Straße ab. wo- bei Arnold Singer wie ein gejagter Taschendieb um seine Freiheit lief, während die Volksmenge wie eine Koppel bellender Hunde hinter ihm her war. Schließlich verschwand er durch einen offenen Torweg in einem Hause, wo es ibm eine Zeitlang glückte, seinen Verfolgern zu entgehen. Die Schutzleute aber umringten das Haus von allen Seiten, worauf sie es von oben bis unten durchsuchten. Arnold Singer wurde schließlich unten im Keller gefunden und mit Handschellen zum Gefängnis zurückgeführt. i Das war in aller Kürze d� Geschichte der sonderbaren Flucht. Der Schutzmann, der Krag davon Bericht erstattete hatte selbst an der Jagd teilgenommen. Krag fragte ihn, wie Singer sich nach seiner Festnahme benommen habe. „Er lachte," antwortete der Schutzmann.„Er schien das Ganze für einen spaß zu halten und ließ sich willig ab- führen. Er sagte, daß er an einen täglichen Spaziergang ge- wohnt fei und daß der kleine Laufmarsch ihm sdw woüi getan habe. Im übrigen aber wollte er nicht mit der Sprache heraus." Obgleich die Uhr bereits 11 war, beschloß Krag dennoch, den Gefangenen in seiner Zelle aufzusuchen. Arnold Singei lag auf seiner Pritsche, als Krag eintrat, und stand auch während ihrer Unterredung nicht auf. „Sie haben mit diesem Fluchtversuch eine große Dummheit gemacht." sagte Krag,„und Ihre' Lage in bedenklichem Grad dadurch verschlimmert." „Was Sie sagen," antwortete der Gefangene.„Ich dachte übrigens, Sie seien der Ansicht, daß meme Sache durch nichts mehr verschlimmert werden könne. Senveit ich mich erinnere, batte die Polizei Beweise, daß ich Wbbs Montroses Mörder sei." .Keine Beweise," antwortete Krag ausrichtig,„ober so starke Indizien, daß Ibre Stellung sehr gefährdet war. So war die Lage jedenfalls heute vormittag. Im Laufe des Tages trat dann allerdings eine Verbesserung ein." „Worin bestand diese Verbesserung?" „Wir haben die Aufzeichnung von Abbe Montrofe über Auszahlung von dreißig Kronen für sechs Arbeitstage ge- funden." Diese Mitteilung schien keinen besonderen Eindruck auf Singer zu machen. Er verarbeitete sie indessen mit gewohn- ter Logik, indem er folgendes feststellt«: �„Das einzige Indizium, das die Polizei gegen mich hat, ist eine Photographie, die man in der geplünderten Biblio- tbek fand und die mir gehört. Die Polizei behauptet, daß ich sie vor dem Mord oder Ueberfall verloren habe. Ich da- gegen behaupte, daß ich sie verloren habe, während ich im Garten arbeitete. Nun meine ich. daß das Indizium der Polizei hinfällig wird in dem Augenblick, wo ich beweisen kann, daß ich wirklich als Gartenarbeiter bei Abbe Montrofe gearbeitet habe. Und wird dies nicht dadurch bewiesen, daß die Quittung über den Arbeitslohn gefunden ist?" Eortf. folgt.) eu? dem i8afm5of niedergesegl. Ker Käufer ka� die ProRe von betn Sachverständigen untersuchen, die Prüfung fällt natürlich ganz zu seiner Zufriedenheit aus. Er zahlt den Kaufpreis, nimmt die versiegelte Tasche in Empfong. Wenn er aber die Handtasche öffnet, entdeckt er. dajf er nicht Gold, sondern Messing gekauft hat. Die Verkäufer sind unterdesien spurlos verschwunden. Ihren letzten Streich verübten dies« Spezialschwindler in Frankfurt am Main. Sie betrogen hier mit ihrem Handel einen Kaufmann, dem sie eine Handtasche mit 40 Kilogramm«Gold" verkauften, um 115 000 Mark. Der ein: der Schwindler nannte sich Schulz- ne r. Er ist etwa 85 Jahre alt und mittelgroß, hat blondes Haar, ein glattrasiertes, volles aufgedunsenes Gesicht und breite Lippen. Der zweite ist«tiva 5 Jahre älter, ebenso groß und dunkelblond mit beginnender Glatze, hat einen dunkelblonden, englisch gestutzten Schnurrbart, ein schmales längliches Gesicht und eingefallene Backen und spricht sehr schlecht Deutsch. Er trägt abwechselnd eine große braun« Hornbrille und ein Monokel. Rechts und links im Ober» tiefer hat er vier oder fünf Goldplomben. Neuköllner Stadtverordnetenversammlung. Der erste sozialdemokratische Bürgermeister Groh-BerlinS. Di« Stadtverordneten Neuköllns hatten gestern Bürger- mei st erwähl. Wegen der bevorstehende« Zusammenfassung von Groß-Berlin soll der Posten des Oberbürgermeisters, der durch Kaisers Anstellung als Neuköllner Güierdirektor frei geworden ist. nicht mehr besetzt werden. Ein Nachfolger war zu wählen für Bürgermeister Mann, der das Amt des Bürgermeisters von Erfurt übernimmt. AIS einzigen Kandidaten hatte der Wahlaus- schuß den Stadtverordnetenvorsteher Alfred Scholz Jjorg«- schlagen. Genosse Scholz wurde mit 37 Stimmen von 33 gültigen (27 Zettel waren unbeschrieben, zersplittert 1 Stimme) zum Bürger- meister gewählt. Bei den Wahlen von zwei besoldeten Stadträten wurden gewählt MagistratSrat Lange und Magistratsassessor Dr. Fälsche. Zum Kämmerer wurde Stadtrat L i n d n e r gewählt.— Jmzweiten Teil der Sitzung kam es zu eine: Debatte über die Radau szenen der vorigen Sitzung. Die Bürger- lichs Vereinigung richtete an den Magistrat die Anfrage, was er zu tun gedenke, die Wiederholung jener Vorgänge zu verhüten, und wie er den Stadtverordneren ermöglichen will, ihr Mandat ungehindert und ohne Lebensgefahr auszuüben. Treffert hielt in seiner Begründung den ihn durch erregte Zwischenrufe unterbrechenden Unabhängigen vor, daß sie ,chie Geister geruken" hätten und dann nicht wieder WS geworden seien. Sogar Vorstehe rstell Vertreter.Künstler habe genrfen:„So eine verdammte Bande, jeht ist sie nicht wieder rauszubringen!" Zu- scmvmen mit der Ansroae wurde ein von den Demokraten ein- gebrachter Antrag verhandelt, demVorsteherstellvertreter Künstler(U. Soz.) ein Mißtrauensvotum zu erteilen und ihn zur Niederlegung seines Amtes aufzuforvern. Stoß fDemokrat) hob hervor, wie sehr durch jene Vorgänge und durch' i Verhalten Künstlers die Achtung vor den demokratischen Einrichtungen und vor dem Gemeindcpanlament verletzt worden sei. Bürgermeister Mann: Ich bin überzeugt, daß in diesem Sae.l niemoird ist, der jene Exzesse nicht bedauert. Ich möchte auch anrehtnen, daß selbst die Teilnehmer der Exzesse sie nachträglich bedauert haben. Von der anständigen Bürgerschaft erwarten wir, daß es zu leiner Wiederholung der bedauerlichen Ausschreitungen kommt. Die schon vor der letzten Sitzung mit Z u st i m m u n g aller Fraktionen erfolgte Einführung von Tri- hüncnkarteu wird hoffentlich Vorsichtsmaßregel genug sein. Gegen gewaltsames Eindringen würde die Polizei eingreifen müssen. Der Polizeipräsident hat um Bericht gebeten und wird vermutlich eine Untersuchung einleiten. N e u m a n n(Soz.) schil- derte, wie Funktionäre der Unabhängigen von Hau? zu Haus ge. gangen seien, um die angeblich«spontane Kundgebung" zustande zu bringen. Vieles deute darauf hin, daß der Vorsteher- stellvertveter Künstler selber veranlaßt habe, daß die auf Beschluß der Stadtverordnetenversammlung verschlossen gehaltene Rathaustür geöffnet wurde und die Demonlstranten ein- dringen konnten. Mit unflätigen Schimpfworten und gewalt- tätigen Angriffen seien sie im Sitzungssaal gegen die Stadtver- ordneten vorgegangen. Einer der Eingedrungenen habe zu einem der Unabhängigen gesagt:„Haben wir das nicht gut ge- macht?" Durch einen von der Galerie Herabgeschleu- de rt en Stühle sei beinahe der Stenograph erschlagen worden. Diese Sitzung sei ein Schandblatt in der Geschichte der proletari- schen Bewegung. Künstler erklärte, er fühle sich nicht als An-- geklagter. Die Aeuhernng:„So'ne verdammte Bande usw." be- stritt er. Tie Rathaustür zu öffnen, habe er verlangt, weil ein Berichterstatter der„Freiheir" hinein genwllt habe. Für sich selber beanspruche er da» Recht, zu jeder Zeit das Rathaus verlassen zu können. Mit Freuden sehe er seiner polizeilichen Der- nehmung entgegen. Ten. möchte er sehen, der nachweisen könne. daß er die Massen hereingeholt habe. Zur weiteren Verteidigung Künstlers und der Unabhängigen sprachen noch drei ihrer Leute. Radtk« droht«: Wenn Sie glauben, hier in der Stadtverordneten- Versammlung so leicht fertig zu werden, dann täuschen Sie sichl N e u m a n n iSoz.) beantragte, der Ael testenrat sollte untersuchen. welch« Rolle Künstler bei der Oeffnung der Rathaustür gespielt hat. Er stellte fest, daß gerade auf Wunsch der Unabhängigen in die Geschäftsordnung die Bestimmung aufgenommen worden ist. daß ein Vorsteher zur Amtsniederlegung gezwungen werden kann. Die Verhandlungen endeten mit Annahme des Antrages Neumann auf Ueberweisung an den Aeltestenrat zur Untersuchung. Qrlne öffentliche Malivung znr Steiierzadlnvg erlägt der Magistrat Schöneberg im Inseratenteil der vorliegenden Ausgabe. Wilmersdorf. Die Volkshochschule veranstaltet om Sonntag 7 Uhr in der Biktoria-Luiien-Schule. Gasteiner Straße, Ecke UHIandsiraße, ibren vierten Volikadend. Zur Vorfübruna gelangen: 1. Das älteste Berlin. 2. Bilder aus Berlin um 1050 herum. 3. All- Verlin von heute mit über 100 Farbenlichibildern. Grost-Berliner Lebensmittel» Berlin. Milch wie gestern.— Käse In den Brotkommisstons- bezirlen 121. 125. 135—130. 115, 146, 149, 217, 224, 229, 231, 232 u. 234 150 vtramm int. Hülsenftüchte(95), 250 Gramm auSI. Maisfabrikate(99), 125 Gramm Kerstenjavritate(100). Reinickendorf. Für alte Leute über 60 Jahre Pfund Haferflocken(1). Schöneberg. 150 Gramm inländ. Hültenstüchte(94). 250 Gramm Marmelade(90). Schlug de» Verkaufs von Süsiitoff aus Dopp-labschnUte I 20 und 80. Am 30. Noobr. Voianmeldung. 150 Gramm Kum-rsuppen, 150 Gramm Gcrstengraupen oder Gerstengrütze bis 25. November. Grsß-Serliner Parteinachrichten. Ibr: Flugblattvcrdreitung von di Mitglieder ist cS, sich an dieser Arbeit 37. Abt. Montag, abdS. 7 Uhr: Frauen- Versammlung bei Scholz, WilSnacker Str. 30. Neukölln. Sonntag ab 9 Ubr kannten Lokalen aus. Pflicht aller zu beteiligen. Eharlottendurg. Nunktionärinnen. Heute, abends 0 Uhr, im Jugendheim..Voltshaus', Rosinenstr. 4, v. I. Nenenhagen- Ostd. Sonntag, nachm. 4 Ubr, Im Lokal Hätscher, Dottiilr. l2: Mitgliederversammlung mit wichtiger Tagesordnung. Versammlung aller männlichen und weiblichen Angestellten und Arbeiter der Gaswerke Groß- Berlins, die aui dem Boden der S. P. D. stehen, morgen vorm. 10 Uhr, im«Rosenthaler Host, Roscnthalcr Straße 11/12. Silüungsveranftaltungen. Bildungsausschuh Groß-Berlin. Die Fortsetzung des Vortragskurses über»Praktische Volkswirtschast- vom Genossen Barth kann am 24. d. M. nicht siallfinden, weil die bisherige Aula insoige der Kohlennot geschlossen worden ist. Die Teilnehmer erhallen rechtzeitig Mitteilung, sobald die Lokalfrage geregeU ist. Tcmpelhof. TerBildnngSauSfchust veranstaltet am 25. resp. 27. Nov., abends 7 Uhr. imPhyssktaal des Lvzeums. Gcrmaniastr. 5 einen E xp eri- mentalvorlrag über Elektrizität. Tetlnebmerkarteii 50 Pf. pr. Stck. find beim Genossen D aebne, Dorsstr. 52, II zuhaben, Arbeitslose Genossen erhalten Freikarten. ?ugenöveranftaltungen. Lichtenberg. Aula des Tectlien Lyzeum», RathauSslr 10: Lichtbildervortrag.»Von der Postkutsche zur Schnellbahn". Emlatzkaften a 50 Pf. an der Kasse. Verein«Arveiterjugend-' Groß-Berlin. Allgemeine Funktionär- konscrenz in der Aula des Sophien-GymnastumS, Weinmeisterstratze 15. Ansang 7 Uhr._ Vorträge, Vereine unö Versammlungen. Freier Waudrrvund. Heule abend 7 Uhr: Hellerer Abend in der Aula dcS Dorolheenstädtiichen Gymnasiums, Dorotheen-, Ecke Lharlotienstr. Sonntag: Tegel— Neubrück- Birlenwerdcr. Tressvunkt 8 Uhr morgens an der Endbaltestelle der Straßenbahn. Nachmiilagstahrt Rahnsdorf— Fialen. sie— Erkner. Atsahrt Cchlcfischcr Bahnbos 1.0» Uhr mitlagS.— Bolts- iuriorge. Heute 7 Uhr im GewerlschastSbauS, Saal 1: Sitzung aller Funilionäre. Genossen, die als Vertrauensleute milarbeilen wollen,'find willkommen. Verbandsbuch legilimiert.— Arbetter-Samarirerbund. Sämtliche Camariler, die an: 23. noch nicht mit Dienst bedacht sind, werden dringend gebeten, sich am Sonntag, morgens 9'/, Uhr, in ihren Bezirks« lolalcn zur Verteilung einzusinden.— BolkS-FruerbeftattungSverei«. Montag 7 Uhr im Kristallpalast, Müllcrstr. 182,188: Ocfientiche Veisamm- lung mit Lichtbildervortrag über Art und Wesen der Feuerbestattung.— Haüptftelle für Mutter- und Säugltngsfüriorgr Gross- Berlin. Zlm 27. November, nachm. 0 Ubr im LandeShauie, Mallbäitirchirr. 19—21: Oeffentliche Konferenz, auf der die»Die Wege der Muttcrsürsorge in Gross- Berlin" erörtert werden sollen.— Zeutralinstitur für Erziel, nng und Unterricht. Potsdamer Sir. 120. E l 1 e r n s ch n l e. Schristilcller All- heim S p o h r(FriedrichShagen):«Spiel und Spielzeug', Montag 8 Uhr. Schriftsteller Heinrich Scharrelman«, Bremen):«Die Kunst deS Erzählens in oer Kinderstube", Torinerstag 8 Uhr. wachung und Abholung von denselben war am 4. Juli den beiden Angeklagten übertragen worden. Bei Eintritt der Mittagspause hatten sie mit Emonts ein Lokal an der Weidendammer Brücke be- lucht und pflichtwidrig geduldet, daß mehrere Personen, darunter der Bankbeamte Hoher, sich ihnen anschlössen und sick mit Emonts unterhielten. Dabei hatte der Zeuge Hoher dem letzteren mitgeteilt, daß beabsichtigt sei, das Strafverfahren gegen ihn der Staatsanwaltschaft in Köln als der zur Strafverfolgung zuständigen Behörde abzugeben. Diese Mitteilung marbte auf Emonts einen nesen Eindruck, denn er konnte annehmen, daß er dann wohl den Engländern in die Hände fallen würde, da diesen wahrscheinlich seine in, englischen Besatzungsheer betriebene bolschewistische Propaganda bekannt war. Tie Erwägung dieser Möglichkeit bat Emonts dazu getrieben, eine günstige Ge- legenbeit zur Flucht zu oenutzen, die ihm dann auch gelunaen ist. Nach der Rückkehr in den Verhandlungssaal entfernte sich EmontS gegen 5 Uhr nachmittags aus diesem, ging an den beiden auf dem Gang neben der Tür zum Sitzungssaal sich aufhaltenden Ange- klagten vorbei und war dann plötzlich versöbwunden. DaS Gericht war mit dem Staatsanwalt der Ansicht, daß die Schuld der Ange- klagten darin bestand, daß sie die Unterhaltung Emonts mit dritten Personen unbeschränkt gestattet hatten und diese Fahrlässigkeit in ursächlichem Zusanunenhaitge mit der Flucht EmontS stand. Das Urteil lautete auf 75 bzw. 50 M. Geldstrafe. ?tos alle? Will. Granatcncxplosion. Auf dem Pariser Ostbahnhof explodiert» eine große Menge Granaten. ES gab mehrere Tote, deren Anzahl noch nicht festgestellt werden konnte. WetterauSsichten für baS mittlere Norddeutsckilani» bis Tönning mitlag. Zunächst tübl und sehr veränderlich mil wtederbolten Nftjpn«, Schnee- oder Graupelschauern und massigen wcsUichen Wwdeit. Später wieder etwas wärmer. Letvitiii-�u52i2A der 1 i Preuss.-Södd.(240. Preuss.) Klassen-Lotterie 8. Klasse- 12. Ziehnngsiag 21. NorcEibcr 1919 Aaf(«da»«»»»», Harnraar«lad»»«I alele»»»>» ind airac Je eiacr aaf dl» Lei» gltlehtr Nuaiac t» a«o bald»» ablellaar»» I»ad N (Ohne Gewähr.)(Xaohdrnck rerbolen.) In der Tormlttagaxlchong wurden Gewinne Uber 219 Mark gelogen. 2 Gewinne rn 15000 M 9-1522 8 Gewinne au SCOO M 4780 29260 93707 107369 64 Gewinne tu 3000 JI 12325 34663 33311 36452 42983 43361 45200 48904 49435 80819 60883 61490 61741 62769 63938 68958 69339 70215 71r83 74303 87657 87698 90163 100256 143704 162099 187372 167763 174424 162341 207064 225585 142 Gewinne r« 1000 M 761 9089 9331 18994 18622 22632 27896 28413 29974 40356 43152 48423 43875 50350 5"915 60409 92091»'>833 63113 67123 67506 71882 72268 72334 74343 81571 84521 54547 83743 92524 94181 94409 101309 110023 123376 124660 124662 127971 131397 131-48 133917 134240 137761 137985 144736 U5470 143071 148640- 159957 172,59 176559 184652 185531 187414 138986 189583 203939 209494 211858 213833 2,4210 216103 217910 223461 226766 231482 233038 233122 233284 220 Gewinne in 500 M 1089 1950 5587 1-359 18027 20707 22896 23789 23947 24960 25321 28730 35752 33789 37337 401,9 40606 42305 43939 45641 55247 65395 55579 65944 61205 64273 68323 72783 76659 75895 77130 77708 80394 82709 85658 85697 85-75 8=080 87139 89159 91481 93333 93418 97160 97230 98643 105334 108968 108966 109023 114951 1157,0 116899 117603 l'23t2 127334 131973 135109 137064 137136 138005 139824 141860 14,878 144613 145732 152757 153101 153631 163858 156010 157756 ,56553 180180 162791 167232 174549 182274 134300 184393 ,89537 189310 191,42 13461.3 194710 206106 206703 208789 213279 215739 215541 216545 216727 218846 217321 217450 220822 220993 227071 227539 233324 233641 233989 196737 223891 19484 130061 143867 157982 186204 21920« 220423 Gerichtszeitung. Die Flucht EmontS, des Leiter» de»„Mgemeinen Verbandes der Deutschan Bankbeamten", hatte ein Nachspie! vor der Straf»| lammer des Landgerichts I. Wegen fahrlässigen EntweichenlassenS eines Gefangenen' waren die Gefangenenaufseher Karl Walter und Oskar K I o p p i ck angeklagt.' Dem in Untersuchungshaft sitzenden Emonts war gestattet worden, den Verhandlungen des SchlichtungsauSschusseS für das Bankgewerbe, die am 3. und 4. Juli in-den Räumen deS RcichSarbeitsministeriumS stattfanden, beizu» wohnen. Seine Vorführung zu den Verhandlungen, seine Be»! In der IfaebTnittagsriehung wurden Gewinne Uber 240 Mark getegea, 2 Gewinne ta 75000 M 89526 2 Gew'nno rn 30000 M 231047 6 Gewinne tu 10000 M 39630 153944 159092. 12 Gewinne in 6000 M 46200 108640 123005 148523 188989 220513� G(iw)nne � 3000 M 48 335, 110B5 i4475 23570 24035 87536 64408 55937 64167 72663 75673 79997 90754 97623 100589 109667 112506 126010 13,595 144339 146032 151398 159630 1041'B 18113« 181964 183498 187274 159109 202964 208717 320768 225119 227941 231982 114 Gewinne n 1000 M 10857 11253 13052 21507 2,1-8 32303 39348 403,3 44022 47720 51,88 58324 69570 60845 61458 65541 89157 70504 72002-4009 77674 78792 85464 93319 95811 98587 99153 10228T 110285 111,04 114403 138303 1393-0 141005 144651 144555 145423 152358 159190 162478 174439 174937 175003 177808 180687 1844« 10-638 187701 206271 207292 214181 217835 218690 221923 24704» 228615 23,623 212 Gewinne tu 500 M 1787 8930 13451 1357� 1«M» 20911 21337 28325 29713 32032 34104 339-5*Q»9e 71051 49445 52373 6393? 64843 83752 53350 81030 6634« WW9 1931 72665 72755 77639 79763 80966 81459 83152 P6311 89594 00584 91818 93064 90000 ,00328 100479 101,"2 101696 ,02373 102791 IP*»«' 21« ,10331 111235 ,12533 113353 114530 115449 115461 12-493 123389 ,25730 123009 123121 131730 132193 133741 1992-5 149034 150040 15252' ,33935 156336 156977 150592 173952 172 ,20 172933 174030 1743,2' l«™"'II8 187990 ,94392 19=219 ,96,34 ,98606 ,97° 23 204272 215209 210651 216302 219714 221529 221663 222154 230446 231681 2370'3 14-149 18333» 1-9425 209,37 222203 143336 101329 136603 214069 226000 für nlie LtserdtS), ES ist festgestellt, daß die meisten Menschen krank bleiben und einen frühen Tod finden, well sie gewöhnlich aus Unwissenheit die eingetretenen Krankheiten nicht schnell gesiug bekämpsen. 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J:üc die vielen Beweis« herz- er Teilnahme anläßlich des binlcheidens meiner unvergeß- Bicken Frau Iii» hlolinlisupi, ed.(Solletz, sage ich allen lerwandtcn und Bekannten hierdurch»leinen herzlichsten dank. lllllb Herm. Mohnhanz»» nedst Zkindcrn. ZMw-klWievWe üekVttkiliigt.eMM- Mag za VerN. Zlm Lonaobenv.den ZS.Zlo- tiombcr ISIS, abends 1 Uhr, ändet trn Ztasienlakale, Acker- striche>ZZ, eine ordentliche Nnsschtißsttzimg mit folgender Tagesordnung statt i l. Festsetzung des Poranschlags fllr das lSeschiistsjahr 1920. 2. Wahl des Nechnungs. Ausschusses für die Prstsuna der Rechnung des laufenden Jahres. S. Bcndcrunq der Dienstord- nuua. 1. Acnderungen der J§ 12, 21 und 23 der Satzung. Der Vorstand. z. A.t Otto Koch, Vorsitzender. iw.mnnWe Bin.-ffii!iei9(ioi; Die Vertreter der Arbeitgeber und Versicherten im"Ausschuß werden hiermit gemäß K 80 Abs. 1 der Satzung zu einer M.WMI1M am Freitag. den d. Ce- zember 1919, abends 7'/, Uhr, im RestaurantBrandenburgische Straße 69(sriiher Schäfer) er- gcbcnst eingeladen. Tagesordnung: 1. Beratung und Beschluß Rechnungen des Jahres 1919. s. Bericht über den Stand der Heilstätten Ellrich und Trotz- Besten. 4. V-rschi-d-ncs. Beschwerden und Anfragen, welche Akleneinsicht erfordern, müssen drei Tage vorher dem Borstand schriftlich eingereicht werden. Berlin-Wilmersdorf, d. 20. November 1919. R. Engelhardt, Porsttzender. Jillgeni. Ortskrsnkenkasse Berllii-Friedeiiaü, M's. Einladung zur Orden tlicheu am Freitag, de« 3. Dezember 1019, abends 7 Uhr. im«asien- lokal, Ziheiilstr. 9. Vorder- haus, 1 Treppe. Tagesordnun g: 1. Wahl des Rechnung-- Prüfungsausschusses für das Rechnungsjahr 1919. 2. Festietzung des Boranschla- ges fllr das Jahr 1920. Z. Berschicdenes. 279/18 Der vorstand. Sauer, vllrlcki, Borsitzender. Schriftführer Einladung znr ordentlichen Ausschuß- fitzung der Allgem. OrtZ- krankenkasse Niedcrbarnim am Freitag,.den 28. November 1919, nadtinStrags 2 Ahr, im Rreishause in Berlin, Prinz-Friedrich-Karl- User S(Kreistagssitzungssaal). Tagesordnung: 1. SatzMlgsändcruna. 2. Fest- setzung de« Loranlchlag» sür da» Jahr 1920. 3. Wahl des Rechnnngsausschussc» sür die Prüfung der Iahresrechnung für das Jahr 1919. Die Herren Ausschußmitglieder werden zur Teilnahme an dieser Sitzung ergebenst eingeladen. Berlin, den 17. Rovbr. 1919. Ungemeine Orlvkronten- tasse ZNederbnrnim P etz a l t, Vorsitzender. 27994' Küchen in allen"erben, M(JKO 7teilig�m.Rahm. üdU J teil ig, mit Ab-» E7K richte....."-JiJ Gedieg. Verarbeitung. Auf Wunsch Zahlungserleichterung. Stolzmann RHIe Alliancesrr. • lOO• !!!Geld!!! fiir jede Wertsache, höchste An- tausspreise sür Pfandscheine, Brillanten, Goldgegenstände, Teppiche. Bücher usw. Woitt. Frledrichstr. 41 III.(Icke Stochftr. beseitigt fÄHaussalbe ed. HautausschU ssleestu, liut j u CK., bes. Beinschad., irampfadem der Frauen udergl. 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Portraa:„Tlenointion nnd venmtenschafl". Referent: KriminalÄommissar Genosse Lehnort 2. Freie Aussprache. 3. Die Probistenfrage. 4. Barschiedenes. Alle Kameraden der Groß- Berliner Echutzmannschast sind höflichst eingeladen.__ 231/14 Möbel liefert gegen bar und auf Automobilversteigerung! Im Anschluß an die in Königsberg EPr.. den 24. Ao- vember 1919 stattfinderiös Versteigerung findet am 26» November 1919 und eventuell an den folgenden Tagen beim R-Vw.-A, Verkaufsttbtcilung für Automobilwesen, Fi!. Königsberg, Verlcaufsstelle Elbing in Elbing Westspr., vorm. 9 Uhr beginnend, im Hotel„Stadt Elbing" in der Nähe des Staatsbahnhofes eirte Versteigerung von ca. 2 Personenkraftwagen „ 80—90 Lastkraftwagen „ 2 Krankenwagen sowie versch. anderer Gegenstände und Wagenpläne, Kühler, Voll- u. Uiftgummi(unbrauchbar) statt. 129,7 Genaues Verzeichnis der Verslexgcrungsobjekte nebst Versteigerungsbestimmungen sind vom 19. November 1919 von der Verkaufsstelle in Elbing zu haben. Die zur Versteigerung bestimmten Gegenstände können am 24. und 25. November 1919 von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags besichtigt werden. Jeder, der am 24. und 25. November 1919 und an den Tagen der Versteigerung das Gelände betreten will, hat eine Bietekauti n vonSOOMk. in bar zu hinterlegen. Hierfür wird im Verkanfsgeschäftszimrrer ein Ausweis ausgegeben, welcher zum Eintritt während der Besichtigungs- und Versteigerungstage berechtigt. Die Bezahlung der gesteigerter Objekte muß sofort erfolgen. Es wird nur deutsche Reichswährung angenommen. — Kriegsanleihe wird nur von solchen Käufern in Zahlung genommen, die den lückenlosen Nachweis liefern, daß die in Zahlung angebotenen Stücke aus ihren eigenen Zeichnungen herrühren. Der Nachweis ist den Stücken beizufügen. Er ist durch eine eidesstattliche Erklärung der Zelchnungs- oder Vermittlungsstelle unter genauer Nummernaufgabe auf den vorgeschriebenen Vordrucken beizubringen. An Zahlungsstatt werden angenommen und berechnet: I. Zum Nennwert: a) die Sprozentigen Schuldverschreibungen aller Kriegsanleihen ohne Unterschied, b) die 5 prozentigen Schatzanweisungen der f., 2. und 3. Kriegsanleihe, c) die 4V;; prozent. Schatzanweisungen der 6., 7n 8. und 9. Kriegsanleihe; 2. zu 96Vi Prozent: d) die 41/2 prozentigen Schatzanweisungen der 4. und 5 Kriegsanleihe, Ausgabe 1916. Der laufende Zinsschein ist vom Einzahler abzutrennen, er hat die Stückzinsen vom Zahlungstage bis zum Fälligkeitstage des ihm verbleibenden Zinsscheines in bar zu zahlen. Elblnx, den 16. November 1919, Werftgebäude der Fliegerschule. Reichsverwertangsamt. Verkanfsabteüimg für Automobilwesen CVanbil) Filiale Königsberg i. Pr. Bemerkung t Es ist erwünscht und den Käuiern gestattet, vor Beginn(in den Geschätisräumen der Deutschen Banv, Filiale Elbing und während der Versteigerung beider Versteigerungszahlstelle) eine Summe zu hinterle®n, auf Grund deren die Kauflustigen berechtigt sind, eis zur Höhe dieses Betrages zu steigern. Diese Summe darf nicht überzo.en werden. Wer keinen Betrag hinterlagt, hat jedes Los unverzüglich nach dem erfolgten Zuschlag bei der Versteigerungsstelle zu bezahlen._ Teilzahlung zu billigsten Preisen: Wohnzimmer Schlafzimmer Speisezimmer Heprenzinimcr FarbiseKiiehen Einzelne jlftfbel Größte Rücksichtnahme Liefere auch n. auswärts. Kriegsani, nehme in Zahlg. Möbel-Cohn Gr. Frankfurter 8fr. 58 5 Min.vom Alexanderplatz. Filiale: Badstr. 47-48. 5 Alin. v. Bhf. Oesundbr. Warnung! vor dem Ankauf der Kontinental■ Nr. 71 966. Scbreibmaachine 15,8' Belohnung: 1000 Mark demjenigen, der den Dieb der Kontinentalmaschlne ermittelt Es wird gewarnt. Kontinental Maschine auch ohne Nummer zu kaufen oder zu beleihen. Bei etwaigem Angebot sofort Nachricht an das nächste Polizeirevier erbeten. Obige Belohnung unter Ausschluß des Rechtsweges ganz oder teilweise demienigen oder denjenigen, die zur Aufklärung, Wiederherbcischaffung der Maschine oder Festnahme des Diebes beitragen. RAB£KÖ Chomiscbe Fabrik G.m.b.H. Berlin N 58, Franseckystr. 6. _ Telegramm Adresse: KUBENOL._ Bekanntmachung. 1 ffs entfallen aus den Abschnitt 85 her aOgcntcinen Cebensmittelfatfe der Sfcbf Berlin 150 Gramm inländische Hülsenfrüchte znm Preise pon 39 Pf, auf den Abschnitt SS derselben Karte 250 Gramm ausländische Maisfabrikate zum Preise oon 1,43 M. sowle auf den Abschnitt 100 derselben Karte 135 Gramm Gerstenfabrikate. 2. Unter Ausschluß nachträglicher Annahme sind die An- meidungen von Sonnabend, den 22. bis Dienstag, den 25. November 1919, hei den Kleinhändlern abzugeben. 3. Die Kleinhändler haben die Anmeldeahschnilte zu den oben ausgerufenen Nummern bei den Großhändlern am Mittwoch. den 26. Rovember 1919, ahznliefern. 4. Nicht abgeholte Ware verfällt mit dem 2ß. Dezember 1919. P»rlln. den 20. November 1919. Magistrat. Abteilung für Nährmittel. T?h..Nr. 5825 N«. Gegründet 1868. PELZ- WAREN Export Engros Einzelverksuf wie alljährlich preiswertes Angebot in Kragrcn. 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November 1919 fällig gewordenen Steuern sür den Aeiiranm Oftobet/Dezember 1919 und die noch sür April/Eeplember 1919 rückständigen Steuern stnb spätestens bis 1102? 29. November 1919 an die zuständige Steuerkaffe zu zahlen. Nach Ab- lauf tiefer Frist erfolgt ohne weitere Benachrichtigung die fostenpstichlige Beitreibung im Berwaltungs- zwangsoerfahreu. Eine besondere Mahnung durch Bersendung pon Mahnzetteln siudet nicht stett. Die Steuerzahlkarte ist dei der Zahlung oorzulegen. Verlin-Schäneberg. den 22 November 1919. Der Magistrat. iLeder- iMöbal- , verkauft direkt » ohne Zwischenhandel • KSubsassel [und Led-sr-Soffas |üi pr. garant. echt. Lader i /n billigen Preisen. jCurt Soeig? Innun�smeister Berlin SO 20 Berlin SO-15 jOraniensir. 25.: adAik Versichert Euch und Eure Angehörigen nur bei der von der Arbeiterschaft gegründeten Volksfürsopge i| Oewcrkscbaltlich-seiiossenschaftliche Versicherung»- Aktien- Gesellschaft. 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