Nr.608.36.Iahrg. Bezugspreis: Vierteljiihri. 10�0 Mt.,»l»natl.SA> AU. frei urs Kau«, voraus zahlbar. Post- brjug: Monatlich 3,50 Wk, ejfLSu- ltelluugsgebühr. Unter«reuzband für Deutschland uud Oesterreich-Unzarn 6,75 Mb, für das übrige Ausland 10.75 Mb, bei täglich einmal. Anstellung 8,75 Mt. Postdeftellunzen nehmen an Dänemark, Solland, Luxemburg, Schmeden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Aeitungs-Preisliste. Der.Vorwärts� mit der Sonntags- beilaze»Voll u. Aeit� erlcheint wachen- täglich zweimal. Sonntags einmal. Morgen-Ausgabe. Telegramm-Adreffe: »Sozialdemokrat Verlin-. Berliner Volksblntt [iSPfennjg) AuzeigenprciS: Sie achtgespaltene Nonpareillezeile lostet 1,80 llll., Teuerungszuschlag«0«/> „ftleine Anzeigen-, das fettgedruckte Wort 75 Pfg.(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnanzeigcn das erste Wort 65 Pfg» jedes weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zäl?len für zwei Worte. Teuerungszusllstag 50°/,. Familie»- Anzeigen, politisch» und gcwerlschastliche Vereins- Anzeigen 1,60 Mt. die Zelle. Anzeigen für die nächste Nummer müsse» bis 5 Ahr nachmittags tm Hauotgesthäst, Berlin SS 68, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Geöffnet van 0 Uhr früh bis ö Uhr abends. 2entratorgan der rozialdcrnokratifcben parte» Deutfcblands Reüakttsn und Expedition: EW. öS» Linöenstr.?. »eruivrecher: Amt Morwpla». Nr.»SISS— IZA»7. Kleinbürgertum unö Sozial- öemokratie. Unter den kleinbürgerlichen Schichten in den kleinen Provinzstädten und auf dem platten Lande sind Tausende vor dem 9. November 1918 aus Gründen, die sich ans dem System des Vornovember ohne weiteres erklären,„h e i in- I i ch e" Sozialdemokraten gewesen. Von diesen sind nach der Revolution viele mit fliegenden Fahnen ins Lager der So- zialdemokratie übergegangen, weil ihnen nach der über vier Jahre währenden Nackt des Fluches endlich die Morgenröte einer neuen, verheißungsvollen Zukunft leuchtete. Es hieße aber„Vogel-Strauß-Politik" treiben, wollte man sich der Wahrnehmung verschließen, daß noch Tausende und aber Taufende dieser Levölkerungsschichten. die, gemessen an ihren lvirtschaftlichen und politischen Verhältnissen, unter denen sie dem„alton System" eingegliedert waren, zu lms gehören müßten, noch entweder politisch gleichgültig sind oder sogar der Reaktion zuneigen. Die Ursachen dieser fraglos bedauerlichen Erscheinung erkennen, heißt zugleich die Waffen für ihre wirksame B c- kämpfung in der Hand haben. Es ist bezeichnend, daß in den kaum von einem störenden Nevolntionshauch getrüb- ten friedlichen Gegenden init vorwiegend ländlicher Bevölkc- rung ohne industriellen Einschlag die Sozialdemokratie noch nicht„gesellschaftsfähig" ist. So besteht die eigenartige Tat- fache, daß wohl ein Sozialdemokrat das höchste Ehrenamt, das das deutsche. Volk zu vergeben hat, bekleidet, daß aber ein Angehöriger der sogenannten„bürgerlichen" Schichten in diesen Gegenden es nicht wagen darf, sich offen zur Sozial- demokratie zu bekennen, ohne„aesellschaftfich" und was schlimmer ist, wirtschaftlich b 0 h-k 0 t t i e r t zu werden. Die Folge dieser betrübenden Tatsacke ist, daß tcmsende Volksgenossen entweder politisch indifferent bleiban oder den reaktionären Parteien in die weit geöffneten Arms laufen. Nun könnte man fa meinen, daß Elemente, die ibr bürgerliches Wohlbefinden nicht ihrer inneren Usberzeugung opfern können, an und für sich keine allzu wertvollen Mitstreiter für den Sozialismus werden können: so daß es der Mühe nicht verlohnte, um sie zu kämpfen. Dieser Even- tualeinwand ersckeint jedoch irrig: denn wer aus eigener, langjähriger Erfahrung die Umwelt, in der diese Massen groß geworden sind, kennt, weiß, daß hier ein ganz anderer Maßstab an die Beurteilung aller für diese Erscheinung in Frage kommenden Verhältnisse gelegt werden muß, als etwa in Gegenden mit vorwiegender Jndustriebevölkerung. Hier wird durck) die fortgesetzte Flukiuation der Massen, durch die rasche Aufcinandersolge aller möglichen Eindrücke, durch die in den wirtschaftlichen Verhältnissen begründete Widerspiegelung der Tagesereignisse in der Seele des einzelnen und durch hundert andere Gründe, die in der Natur der Dinge liegen, ein v'el günstigerer Nährboden geschaffen für alle Ideen, die der Sozialisinus verkörpert, als in jenen Gegenden, wo altcrerbte Vorurteile, zähes Festhalten an der Tradition, kleinstädtischer Äastengcift u. dgl. durch ihre Hemmungen eine viel langsamere Entwicklung aller fortschrittlichen Ideen bedingen. Auf diesen Erfahrungssatz baut nun natürlich die Reakrion Häuser: doch unterliegt cS wobl keinem Zweifel, daß sie nach dem furchtbaren Zusmnmen- bruch im November 1918 das Terrain fast restlos hätte räumen müssen, wenn ibr nicht die L i n k s r a d i k a l e n auf ihre Agitationsmüble so eifrig Wasier getrieben hätten. Es ist zn bedenken, daß die in Frage kommenden, politisch fast unaufgeklärten Bevölkerung ssckichten— abseits von dein brodelnden Hexenkessel des politischen Kampfgetxiebes— eine ganz andere Distanz zu den sich gegenwärtig überstür- senden Togeserergnissen einnehmen, als jemaiid, der mitten im streite steht und dessen Urteil durch die stete Wachsam- keit und der» fortwährenden politischen Kampf gesckärft ist. Daher erklärt es sich,, daß viele von ihnen alles, was S. P. D.. U. S. P. oder K. P. D. heißt, in einen Topf werfen; da ihnen die scharfen Untersckiede in de? praktischen Auswertung des Begriffes„Sozialismus", die diese Parteien untereinander doch nun einmal aufweisen— mangels geschärfter Urteilskrast und Beobachtungsmöglich- keit—, nicht gegenständlich sind. All die unglückseligen Streiks, Saboiageversuche, putschistischen Seitensprünge, die Etablierung von Ncbenreg'crungen. das alles wird dem Be- griff„Sozialdemokratie", als deren hervorragendster Expo- nent natürlich die S. P. D. erscheint, als Begchungs- oder Unterlastungssünde in die Schuhe geschoben! Die organisierten Mitglieder der S. P. D. an diesen Orten sind naturgemäß politisch meist noch recht„jung": daher mangeln ihnen häusig die erforderliche Taktik und die beweiskräftigen, schlagenden Argumente, um in fruchtbrin- aender Weise aufklärend zu wirken. Dazu kommt, daß in- folge der bereits erörterten Äerhältniste in diesem klein- städtischen oder ländlichen Milieu die Kluft zwischen dem vorwärts-verlag G.m.b. h., EW. öS, imdcnstt. 5. �ernivrrcher: Nun Moritiplatz, Nr. 117 23— St. Die Schanüe Irantreichs. Das üble Spiel mit unseren Gefangenen in Frankreich wird weiter getrieben. Die französische Regie- rung weiß offenbar nicht mehr, was sie tut. Mal Hüh, mal Hott! Kein, Mensch weiß, was mit der treu- losen Folge von Versprechungen und Leugnungen bezweckt wird. Die neueste Note der Entente ist wieder ein Beispiel für die ganz immögliche Haltung der französischen Regierung. Diese Note stammt vom 22. November und weist u. a. den von Herrn v. L e r s n,e r gegen die französische Regierung erhobenen Vorwurf zurück, daß sie in der Kricgsgefangenen- frage ihre Versprechen nicht gehalten habe: � „Tie Wahrheit ist ganz anders: Am 28. August hat der Oberste Rat den Entwurf einer ErllSrung über die Äriezsgefanginea gut- geheiftrn, wonach der Zeitpunkt der Ratifikation des Friedrnsver- träges, soweit dir H e i m s ch a f f u n g der Kriegsgesang>1- n c n in Betracht kommt, vordatiert werden und die Heim- schafsung sofort beginnen sollte. Tiefer Beschluß ist sofort auSge- führt worden uud die Heim schafsung Wer Kriegsgefangenen hat begonnen. Demgemäß sind die von der britischen, amerikanischen nnd belgischen Armee gemachten Gefan- genen in voller Ucbereinstimmung mit der französischen Regierung nach Tentschland zurückgeführt worden. Aber die Entscheidung be- sagte weiter, daß die Fortsetzung dieser wohlwollenden Politik davon abhängen solle, daß die deutsche Regierung und das diutschc Volk alle ihnen obliegenden Berpslichtungn erfüllen. Die Mitteilung der alliierten und offoziirrten Regierungen z:igt einmal, mit welcher Geduld die Alliierten gewartet haben, daß Teutschland seine Ber- pflichtnngen erfüllt, und stellt ferner fest, daß diese Brrpflichtnngcn von ihm in einer gewissen Anzahl sehr wichtiger Punkt« gröblich verletzt worden sind. Tie Fvlge hiervon konnte nur der Beschluß sein, sich st r c n g au die Bestimmungen des Friedensvertrages zu halten, der die Heimkehr der Kriegsgefangene» mit der Jnkraft- srtznng des Friedensvertrages verknüpft. Tie deutsche Regierung hat es in der Hand, daß binnen einer Frist von acht Tagen die end- gültige Ratisitation unterzeichnet wird und die Gefangenen in ihre Heimat zurückkehren. Es ist dazu nur erforderlich, daß sich die Vertreter der Verbündeten und Teutschlands über die Art und Weise der praktischen Durchführung der dir Gebiete im Osten betreffende» Bestimmungen verständigen, und daß das der Mitteilung vom 1. November beigefügte Protokoll, das die vollständige Ausführung der Bestimmungen des Waffenstillstandes sowie dir Strafen für dessen Bcrlevung festgesetzt, ohne neue Einwendungen unterzeichnet wird." Zu dieser Note wird von maßgebender Stelle bemerkt: TaS vorliegende Sckraben hat sich mit der Antwort auf die Kriegsgefangenen-Note gekreuzt. Es zeigt, daß der fmn- zösischen Regierung im schroffen(Gegensatz zu den Behauptungen in der Kriegsgefangenen-No-te der Entente nun doch eingefallen ist, daß sie am 28. August Versprechungen übcr die Heimsendung der Kriegsgesangenen vor der Ratifikation gemacht hat. Wenn sie nun die Zurückziehung dieses Versprechens, die sie niemals stillschweigend vor- nehmen, fondern wenigstens der deutschen Regierung mit- teilen mußte, mit der Nichteinhaltung deutscher Verpflich- tun gen erklären will, so fragt es sich, um welche nicht eingehaltenen Bedingungen es sich hier handeln kann. Dabei muß alles ausscheiden, was vor dem 18. Scp- tembcr liegt, denn an diesem Tage ist dem deutschen Ver- treter in Paris noch mitgeteilt worden, die Kriegsgefangenen- frage sei erledigt, die Transporte nach Deutschland würden von jetzt ab ununterbrochen lausen. Damit fällt vor allem die angebliche Schuld in der Scapa-Flow-Sache weg, ebenso wie die baltische Frage ausscheiden muß, da der Bericht der uuter Führung des Generals Niessel stehenden Kommission noch nicht vorliegt. Es bleiben also die spärlichen, bei dem beispiellosen Umfang der laut Waffenstillstand zu erfüllenden Leistungen kaum ins Gewicht fallenden Rückstände, die toahr- lick nicht als Vorwand für den Widerruf einer von Frank- reich gegen erhebliche deutsche Leistungen vertraglich über- nommenen Verpflichtung dienen können. Nun wird in der neuen Note die Freilassung der Ce- iangenrn innerhalb von acht Tagen in Aussicht gestellt, wenn Deutschland ohne neue Einwendungen unterzeichnet. Tie Kriegsgefangenen sollen also nochmals verkauft werde», und zwar für die Auslieferung der Bagger, Täcks und Krane, ohne die es ein deutsches Wirtschaftsleben kaum geben kann. Aber mehr noch. Um sie zurückzubekommen, soll eine Bestimmung anerkannt werden, wodurch die Entente das Recht bat, auch fernerhin alle militärischen und andere Zwangsinaßnahmen zu ergreifen, die sie für angezeigt er- achtet. Die deutsche Regierung wird nach all den Erfahrun igen in der Kriegsgefangenenfrage, und nach den zweimal nicht eingehaltene» bindenden Versprechungen das dritte Mal sich nicht auf solch einen unsicheren Rechtsboden begeben, um so weniger, als gerade die Nachricht aus Paris kommt, Herr Elemenceau habe in einer Ansprache erklärt, daß die deutschen Kriegsgefangenen erst herausgegeben werden folleii, wenn 9 9 0 0 0 0 deutsche Arbeiter unter genau den gleichen Vediilgungcn im Wiederaufbau-Gebiet cinge- liroffen seien. die Süöslawen wollen nicht! Am Mittwoch nachmittag sollt« in Versailles die s L d- slawische FrirdenSdelegatian die Konventionen betr. die Minderheiten, betreffend die Italien schuldigen Ausgabe» und betreffend die Ausgaben für die Befreiung der rhrmalS österreichisch-ungarifchen Gebiete uuterzeichilrn. Man wartete aber am Quai d'Orfah v e r g e b r u S, die Bertrcter kamen nicht. Sie ließen mitteilen, daß ihre Jnstruktionei- nicht ge- u ü g r n d feien, ohne diese iönuen die S ä d s l a« e n auch nickt deu bulgarischen Frirbcnsvertrag unterzeichnen, ebenso wie die Rumänen. Kleinbürger und kleinen Beamten einerseits und dem„Ar- beiter" andererseits ungleich größer ist, als in dichtbevölker- ten Jndustriebczirken. Sie können zueinander nickt kommen, wie die Goetheschcn Königskinder, das Wasser ist viel zu tief----. Diese Volksgenossen, die„wirtlchaftlich" bisher ja schon immer Proletarier waren, fühlen sich eben in ihrer großen Ueberzahl„politisch" noch nicht als solche. Sie wer- den angesichts der vorerwähnten, zwar zum Teil aus den Zeitereignissen heraus begreiflichen, aber in ihrer Wirkung so unheilvollen Vorkommnisse an ihrer schwankenden Nei- gung, die sie zur Sozialdemokratie zieht, irre. Sie sind eben ein Produkt ibrer Umgebung, und die maßvolle, demokra- tische Wirksamkeit der S. P. D., die gerade diese Schichten seit dem 9. November politisch ans Licht gehoben hat und ständig auf die Besserung ihrer wirtschaftlichen Lage, soweit es der trostlose Trümmerhaufen, den unser Wirffchastsleben nach dem beispiellosen Zusammenbruch darstellt, nur irgend zuläßt, bedacht ist. vermag ihnen die unlieilvolle Diskredi- ticrung des„Sozialismus" durch die verbrecherische Taktik einer Minderbeit, die ständig die Hans an der Gurgel unseres ach so kranken Wirtschaftskörpers hat. nicht auszugleichen. Die Stabilisierung der Verhältnisse geht ihnen zu langsam, die tiefere politische Einsicht fehlt-- und sie resignieren. Hier und da schleicht sich wohl auch der Gedanke ins Hirn— von geschäftigen Demagogen genährt—: wie ord- nungsmäßig, glatt und reibungslos sich unter dem„anewn regime" das Leben abgespielt hat. Daß eben dieses gestürzte Svstem einem glänzenden, rotbackigen Apfel glich, der innen vom Wurm zerfressen war. das wird ihnen wohlweislich ver- schwiegen! Ach, wie wenig eignet sich der Deutsche zum Revo- lutionar! Ihr Toren aus dem linksradikalen Lager, die ibr glaubt, mit einer zum Tenl künstlich erhitzten Minderheit, die in Kriegs-, Hunger- oder Revoliltionspstzchoie hefongen ist, das deutsche Wirtschafts- und Volksleben durch euer allein- seligiinacksendes„RLterezept" mis den Angeln heben zu können! Könntet ihr doch über euren engen Horizont hinausblicken, ihr würdet sehen, daß hinterm Berge— draußen im Reiche— auch noch Leute wohnen, und zwar einige Millionen Proletarier, die in demselben Maße dem Sozialismus entfremdet werden, in dem ihr eure fanatische Taktik der Zerfleischung des Proletariats beireibt! Ein versöhnendes Moment ist ja immerhin bei den li» den vorstehenden Ausführungen geschilderten Verhältnissen der Ilmstand, daß gerade angesichts der maßlosen, unsachlichen Angriffe von reckts und links den weiten Kreisen, um die es sich hier handelt, doch allmählich ein helles Liriii über die tatsächlichen Verhältnisse aufgeht: zumal die Ereignisse rechts und links von uns nachgerade eine fel?r beredte Sprache führen. Auch diese taufende Volksgenossen werden dar« den großen Lehrmeister, die Zeitgeschichte, schrittweise dobin ge- führt, daß sie erkennen, ans welchem Boden die Gewähr riir den Neuaufbau unseres Wirtschaftskörpers und die Gesun- dung unseres Volkslebens gegeben ist. Und sie werden— einmal gewonnen— dank ihres stabilen Charakters, der sie zähe festhalten läßt an dem, was sie einmal für richtig erkannt haben, nickt die schleckielten Mitstreiter lein für die Idee des Sozialismus auf der Grundlage der Demokratie. An uns aber ist es— unbeirrt durch das Gekläff von rechts und links—, den beschrittenen Weg weiter zu gehen, der allein uns aus dem grauen Elend dieser Tage in ein besseres, menschenwürdiges Dasein führen kann. Das ist nach Lage der Dinge die belle Propaganda der Tat! Hans WoywoS. „Gefühlvolle Müeutsihe". Zu d«m unter dieser Spitzmarks gegebenen Bericht in Nr. KOI unseres Blattes, der sich mir den streiklustigen Schülern der„höheren� Schulen beschäftigte, teilt uns ein Charlottenburger Schüler mir: .Ihr Vorschlag, man solle a» Stelle der streikenden deutsch" nationalen Schüler lernbegierige Arbeiter söhne setzen, denen es biöbcr an Geld für den teuren Unterricht gefehlt habe, erweckt den Eindruck, als sei es nur da? Unterrichtsgeld, das Arbeiter- söhnen den Besuch höherer Schulen unmöglich macht. Das ist aber allein durchaus nicht der Fall. Ich habe g. B. bis jetzt immer F r e i s ch u l e gehabt und kann trotzdem die Schule nicht weiter besuchen, nicht weil nieine Eltern daS U n t e r r i ch t-Z- g e l d nicht erschwingen können, sondern weil ich jetzt selbst ineinen Unterhalt verdienen mutz. So könnte ich noch viele Beispiele au« meinem Belannienkrcise anführen. Also mit der Schulgeldfreiheit allein ist bei zukünftigen Schul- r es o r m e n nicht geholfen, sondern der Staat mutz begabten und bedülsiigen Schülern in erster Linie eine ErziehungS- be i h il fe gewähren. Darauf kommt es an." Dir können diesen ÄuSführungen nur vollinhaltlich beipflichten. Wenn wir die Notwendigkeit einer staatlichen Erzieh ungZ« b e ih il f e nicht schon in unserem ersten Bericht erwähnten, so geschah dies lediglich deshalb, weil eZ zunächst einmal galt, das Haupterfordernis, nämlich die radikale Beteiligung deS deutsch- nationalen StreikunsugS, zu brandmarken. Mfftehen! Die Universität Rostock besteht in diesem Monat ein balbeS Jahrtausend lang. AuS diesem Anlatz wird dort gejeiert- Dazu gehört ein akademischer Festakt. An ihm nehmen autzer den deutschen auch viele Vertreter nordischer und holländischer Universi- täten teil. Bei diesem Festakt ereignete sich nun eine kleine, aber be- zeichnende Szene. In einem Bericht der»Boss. Ztg.' heitzt es nämlich: Rektor Herbig hielt die Festrede über die Geschichte der Uni« versität. Beim Gedenken des letzten GrotzheizogS erfolgte eine starke monarchische Kundgebung. Das H a u S er« hob sich spontan. Den M i n i st e r n Eivkovich und Wen- darf wurde stürmisch. A u fste h e n I' zugerufen. Für die Regierung sprach Sivkowich, von Sckiorren mit den gützen unterbrochen. Der LandtagSpräsident Kroeger hielt eine herzlich schlichte und frische Ansprache. Er teilte mit. daß sicbzigtausend Mark als JahreS- betrag für neue Lehrstühle angesetzt seien. Für die Stadt Rostock sprach Becker, für die Strelcher Regierung Minister Sauerwein, der mitteilte, daß eine Stiftung von z ehntausend Mark für die Bibliothek der Universität erfolgt sei. Der Rektor erwiderte den Staatsmännern mit der kraft« vollen Forderung akademischer Freiheit, der minutenlanger Beifall folgte. Wenn die„kraftvolle Forderung akademischer Freiheit' erhoben wird, erfolgt minutenlanger Beifall. Wenn die republikanischen Minister sich weigern, eine monarchistische Demonstration mitzu- macheu, wird ihre Meinungsfreiheit zu vergewaltigen versucht, in- dem die akademische Jugend ihnen.Ausstehen!' entgegendonnert. Tie Freiheil für sich selber, den Zwang für die Andersdenkenden. Und wenn ein republikanischer Minister den jungen und alten Mitgliedern der Universität aus allgemeinen Landesmitteln eine jähr- Itche Gabe von 70 000 M. ankündigt, wird es mit Scharren begrützt, das heitzt mit dem Zeichen de« Mißfallens und der Gegnerschaft. Ten Bcrtreten, der ausländischen Uiiiversiiälen ist in Rostock lehrreicher Unterricht erteilt worden, wie sicher die deutsche Republik von den Bürger» der»Republik des Geistes' behütet wird. Sie würde schnell erledigt werden, wenn nicht andere und zahlreichere Schichten d-S Volles ihre treuen Hüter wären. Der-.Heilige Geist' auferstanden. Unter dieser Ueberschrist berichteten wir in Nr. ööO vom 27. Oktober über die Mitzhandlung eines TorpedobootSmannSmaaien durch Militarpersonen in G l e i w i tz. wobei namentlich zwei Offi- ziere, der Kapitänleutnant v. Bredow und der Kapitänleuinant Boltz, besonders belastet erschienen. Vom Reichswehrministerium wurde damals mitgeteilt, daß unsere Darstellung zwar übertrieben sei. daß aber das Neichswehrminlsterillm jede Mitzhandlung m»tz- billige und eine strenge Untersuchung' und Bestrafung der Schuldigen veranlassen werde. Nun sind aber nach dem damaligen Borfall die beiden Offiziere in ihrer bisherigen Dienststelle verblieben. Kapitänleutnant v. Bredow ist Führer des 1.'Bataillons des MarineregimentS 6, 3. Marinebrigadr, Kapitänleutnant Boltz Führer der 1. Majchinen- gewehrkompagnie 1. Bataillon Marineregiment ö. Inzwischen liegen neue Beschwerden über Ausschreitungen des ÄapitänleutnantS Boltz vor. Der Freilvillige Kurt Seipt wurde am 17. November ohne Löhnung auf der Stelle entlasien. Seipt hatte seit einer Woche täglich daS Klosett zu reinigen und verlangte, daß er nicht dauernd diese Arbeit alleine machen, sondern daß auch andere hierzu heran- gezogen würden. Nachdem Kapitänleutnant Boltz die Entlassung ausgesprochen hatte, ohne den Soldaten fich verantworten zu lasten, kam er hinzu, wie Seipt fich in Unterhaltung mit einem Kam«- raden befand. Mit den Worten:.Sie wollen auch noch frech werden!' schlug Kapitänleutnant Boltz den Soldaten mit der Hand ins Gesicht und versetzte ihm einen Fußtritt. Der Vorfall wurde von mehreren Zeugen beobachtet. Ferner hat Kapitänleutnaot Boltz beim Halten eines Trans- Ports auf dem Bahnhof in Oppeln einen Brigadeangehörigen der Fliegerabteilung der 3. Marincbrigade mehrfach ins Gesicht geschlagen, weil dieser fich eigenmächtig Marschverpflegung zu verschaffen suchte. Dieser prügelnde Vorgesetzte muß sofort auS der Reichswehr entfernt werde«. E« ist bedauerlich, daß ihm nach dem ersten von unS gemeldeten Vorfall noch Gelegenheit zu wetteren Taten gegeben worden ist._ Das Setriebsrategefetz. Die Sozialdemokraten haben beschlossen, in der Frei- t a g s s i tz u n g des Ausschusses eine klare Stellung- nähme des Zentrums zu verlangen, da sie nicht weiter in der Lage sind, eine Aufschiebung zu verantworten. Das Zentrum hat bisher erklärt, die Verantwortung ohne Mit- Verantwortung der D e m o k r a t e n nicht tragen zu können. Die Zentrumsabgeordneten werden sich nun trotzdem schlüssig werden müssen. Der strittige Punkt über die A u f s i ch t s- r ä t e ist bereits entsprechend den Forderungen der Sozial- demokraten erledigt worden. Es handelt sich nurmehr um die B i l a n z e i n s i ch t. Sollte es morgen zu keiner Beschlutzfassung oder zu einer Ablehnung der sozial- demokratischen Forderung in diesem Punkte kommen, können daraus die größte t» Konsequenzen erwachsen. * Der Ausschuß der Nationckwersammluuq für das BetviebSräte- gesetz kam auch heute noch zu kernet Entscheidung in der FvÄgc der Beteiligung der Betriebsräte an den A u f s i ch t S r a t s- fltzungen und der Vorlage der Bilanz. Die Verstand- lungen unter den MehrheirSparteien hierüber wie auch über die Mitwirkung der Betriebsräte bei Einstellungen und Entlassungen sind»och nicht abgeschlossen. In Fortsetzung der Beratung fand eine längere Debatte statt bei Artikel 51, der daS Strafverfahren regelt, falls Arbeitgeber und Betriebsräte gegen die Be- flimmungen des Gesetzes verstoßen. Die Strafen betragen bei Arbeitgebern bis 2000 M. Geldstrafe oder Haft, bei Arbeitnehmern bis 1500 M. oder Hast. Unter besonderen Umständen kann auch eine schärfere Strafe verhängt werden. Die S oz i a l d e m o- k r a te n hatten folgenden Antrag eingebracht:.Mit Gefängnis werden Arbeitgeber oder ihre Vertreter bestraft, die absichtlich oder grobfahrlässig dem Betriebsrat oder seine» Vertretern in den Fällen, in denen sie nach diesem Gesetz zur Auskunst verpflichtet sind, falsche Auskunft geben." Gegen diesen Antrag w�n-dteu sich wegen seiner unübersehbaren Folgen alle übrigen Parteien und die Vertreter des Reichsjuftiz-minisieriumS. Hierauf wurde der An- trag bis zur zweiten Lesung zurückgezogen. Die Abstim- mung über Artikel 51 wurde ausgesetzt, bis die Befugnisse der Betriebsräte endgültig geregelt sind. Artikel 52(Gleichstellung der Oesterreicher met den ReichSangehörigen) wurde mit Rücksichr auf den Friedensvertrag gestrichen und hierauf der Rest des Gesetzes mit einigen unwcsentiichen Aendevunyen angenommen. * Der erste Unterausschuß des parlamentarische» UntersuchungS- auSschussrs der Nationalversammlung(Vorgeschichte deS Krieges) trat heute zu einer Sitzung über feinen Arbeits- p l a n zusannnen, der auch der Vorsitzende des Gesamtausschusscs beiwohnte. Man einigte sich auf die Feststellung des Fragebogeus für die Zeit zwischen dem Attentat von Serajewo und der Kriegserklärung sowie über die Zuziehung einiger weiterer Sachverständiger. Sodann soll der Fragebogen an die .HauptauÄkunstspersonen zu einer vorläufig schriftlichen Beantwor- hing versandt werden, die in kurzer Frist erfolgen soll. Nach dieser Vervollständigung des Arbeitsplanes wird man nächste Woche au den Gesamtausschutz herantreten, um die mündlichen Vernehmungen über jene Zeit Anfang Januar beginnen zu kömien. Bon der Bc-- stellung von Referenten für die öffentlichen Verhandlungen wurde Abstand genommen. Das Anerbieten Dr. Greilings. des Verfassers von„s'uccuse!", als Sachverständiger zu fungieren, wurde einstimmig abgelehnt. Verletztenrenten. Der Ausschuß der Nationaloersammlung für Voltswirtschaft beschäftigte sich heute mit der Verordnung über die Gewährung von Zulagen zu Verletztenrenten aus der Unsallverficherunq. Der Reich? rat hat diesem Entwurf bereits zugestimmt. Ein scqialdemokratischer Abgeordneter begründete einen Antrag seiner Partei, wonach die Zulagen den volen Bc- trag der Rente ausmachen sollen. Hiergegen wandte sich ein demokratischer Abgeordneter, da eiiriae Berufsgenosscnschaften schon jetzt ihre Reserven vom Staate in Anspruch hatten ttehmen lassen müssen. Ein ReyierungSvertreter wies darauf bin, daß eine Schwierigkeit darin liege, daß infolge deS Hindenburg-Pro- j) Tamms die Löhne abnorm hoch geworden seien. Infolge der schlechten Finanzlage des Reiches könnten die BecufSgenoss«tschaftcn nicht darauf rechnen, daß ihnen die Zulagen rückvergütet wür- den. Die Belastung der Berufsgenossensckiaften scr ungemein drückend. Die Vorlage erfordere eine MehrauSIage von etwa 5 Millionen Mark. 1918 seien bereits 190 Millionen Mark an Entschädigungen ausgezalflt worden. Im Hinblick auf die bc- vorstehende Arbeitslosenversicherung und die bereits bestehende Last der Reichs verficherungsordnung könne er nur cmp- fehlen, nicht über die Regierungsvorlage hinauszugehen. Dem vorliegenden Entwurf hätten auch dte Berufsgenosscnschaften zugestimmt. Ein weiterer demokratischer Abgeordneter gab zwar zu, daß die Bcnrfsgenoffenschaften sich in sinanzielleer Not bc- fänden, die Not der Rentenberechtigten sei aber größer. Man dürre die Leute nicht dem Hngertode über- lassen. Die Unternehmer sollten für ihre Arbeiten eben mehr verlangen, um die erhöhten«Spesen tragen zu können. Sperrung öer Schweizer Grenze. Drahtbericht unseres Baseler Korrespondeateu.) Die Verschleuderung deutscher Ware« ins Anstand, die sowohl daö deutsche BoltSvermSgen schädigt als dir ehrlich« Koukurreoz im Eiufuhrlande lähmt, hat a» der Schweizer Grenze von Basel bis Konstanz zur Anwendung schärfster Sperrmaß« regeln geführt, durch die die Warcuaussuhr»ach der Schweiz vrr« hindert»erden soll. Ter Grenzschutz auf deutscher wie auf schwrizc- rischer Seite ist erheblich verstärkt. Laßt öie Toten in Frankreich ruhen».. Bon Fritz Karstädt. Man erfährt durch eine kurze Nachricht des Wolff-BureauS, daß bei der deutschen Delegation in Paris zahlreiche Gesuche einläuten, die um eine vermittelnde Tätigkeit bei der Heimführung gefallener Helden aus tranzöfisSer Erde in die Heimat ersuchen. Und: die deutsche FriedeiiSkommi'sion verhandle mit der französischen Regie- rung über diese Heimiührung--- Eines TagcS wird dann die Auslese beginnen. Ja, eine AuS« lese; man wird den Grenadier Schulze, der reichere Angehörige hat als die Grenadiere£ und A derselben Gräberreibe, deren Angehörige die Heimführung nicht bezahlen können(wenn sie eS auch wünschten, o wie gern- wünschten) aus der langjährigen Gemeinschaft reißen: Ja. Kamerad. eS hilft nicht«, wir müssen uns trennen. Ich fahre hinein in Deutschlands Erde, die leichter ist, alS die in Frankreich.— Es ist wie im Krieg: die.Verbindungen' hatlen, kamen nach Deutschland und lietze» die anderen mit Bitternis im Herzen zurück. Und hier überträgt sil� die Bitternis auS der Reihe der zurückbleibenden Toten auf die ärmeren Angehörigen in der Heimat, die ebenfalls ihre Toren auf ihren deutschen Friedhof haben möchien,— aber-- So wird an den Stätten, wo die Massenvertammlungen toter Helden von Granaten und Kriegsschrecken aller Art eben zur Ruhe gelangten, ein großes Graben losgehen. Gut bezahlte Leute werden die Friedhöfe von Acbeville und Hrnin Liölard und die von Rouleril und Poetkapelle und die vielen anderen tausend mit langen Lasten in der Hand durchstreifen, und sie weiden auf der« lvrtierten und morschen Taieln und Kreuzen irgendwelche Inschriften zu entziffern versuchen. Und können fie den MuSkeiier Grumbert nicht finden, den fie gerade suchen, so werden fie viel- leicht dafür den Unteroffizier Soundso(gleich nebenan ohne Tafel und Kreuz) zum Ausgraben ankreiden, denn.ein Toter ist ein Toter'. Und erkennen— du lieber Gott, wer will die Handvoll verwüsteten Moders erkennen? Mit der wachsenden Menge der Auszugrabenden und Heimzuführenden wird so die Sorgfalt des Suchens aufhören. Geschäftstüchtige Leute werden Aufträge im groben zu erledigen suchen und wieder andere ebento geschäftstüchtige Leute mit der prakritchen Arbeit dabei betreuen. Man wird es nicht mehr so genau nehmen. Keinesfalls wird man mehr mit Sicherheit behaupten können, daß das Häuflein Gebein in dem und jenem Sarge wirklich die Reste einer bestimmten Person find. Ganz abgesehen davon, dah schon bei der Beerdigung während deS Krieges nicht immer mit absoluter Sicherheit behauptet werden konnte, daß ein Irrtum in der Person des Toten unmöglich, ganz uninöglich war. Also auch hier fällt viel fort, was den Wunsch auf Heimführung eines Toten aus Pietät begreiflich erfcheinen läßt. Aber trotzdem werden eines Tages die Heimiehrzüge der Toten nach Deutschland rollen. Sie werden die alte Fvont ent- laug, an alren Orten halt machen, wo die Toten daraus warten, mitgenommen zu werden, wie e» einst die Lebenden taten, wenn sie der Hermatzüge harrten. Di- große Reise""— wird durch daS auS dein Kriege erwachende Land gehen. daS jen in der Sammlung friedlicher Arbeit nie erblicken konnten, das ihnen bei Lebzeiten immer gleichbedeutend war mit einer zweiten grauen- vollen Hölle. AuS den halbgeöffneten Schieblüren der Wagen werden nicht wie einst heimatfrohe Augen blicken; aber den Neu- gierigen werden die Sargecken schauern machen, die sich so ge- bieterisch hervordrängen, wie es nur Särge können. Die stillen Züge werden fich den deutschen Friedhöfen entgegenwinden. wo die .leichtere' deutsche Eide al« Ziel winkt: De? Sand der Marl und der Küstengebiete, die fetten Schollen Mitteldeutschlands, das härtere Geröll feines bergigen Südens. An kleinen Bahnhöfen rränenvolle Begrüßungen, neuer Schmerz, frische Gräber— o deutsche Erde. Die Winde aber, die nachtS um die neuen Gräber wehen, werde» den klagenden Ruf der verlassenen Toien aus Frankreich bringen: Warum ließet ihr unS zurück! Ist daS Kameradschaft? « ES ist nicht möglich, die hunderttausende der auch nur in Frankreich gefallenen deutschen Helden geschlossen nach Deutschland zu überführen. Vollzieht keine Trennung, die wie eine Klassen- teilung noch nach dem Tode wirken muß! Laßt die Toten bei ven Toten in der Erde und in der Gemeinichait, die durch ihr Blut heilig wurde! Ihr habt kein Recht, diese Gemeinschaft der letzten Ruhe zu stören, die vorher durch Unsagbare» an Nöten erhärtet wurde und durch daS Unvermögen deS einzelnen, fich von fentimen« taten Uebeclieferungen loslösen zu können, nicht unterbrochen werden darf. Diese erlitten den Tod für fich»nd niemand trat für sie ein. Stört ihre Reste nicht und umkränzt ihr Angedenken l Aber laßt ihnen die Gemeinschaft in der Erde, auf der sie starben. Die ArbritSgomeinschaft der Bühne. Seit Wochen war in den Blättern, denen die Bühne immer noch die Welt bedeutet, ein Hin und Her von inspirierten und unrichtigen Noiizen über Differenzen im Bühnenkartell. Richtig davon war nur, daß einige Komponisten, Theaterunternehmer und Verleger noch außerhalb stehen und nun unliebsam erinnert werden, daß die Fest des Individualismus, der ein Kind des Kapitalismus ist, in man- chem wenigstens vorbei ist. Der Deutsche Bühnenverein, der Ver- band deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten und die Vereinigung der Bühnenverleger halb«» am 3. und 4. Juni ein Kartell geschlossen, worin sich die Beteiligten über«ine ZwangSorganisation zur Durchführung ihrer gemein- samen Interessen verständigten. Der NormalaufführungSver- trag, der den Autoren ihre Rechte sichert, war damit zur Wirklich- keit geworden. War die ZwangSorganifadion unumgänglich, um den Ring zu schließen, so mutzte andererseits jedem Interessenten der Zutritt zu seiner Organisation ofsenftehen. Dafür ist ge- sorgi. Schwierigkeiten ergafeen sich nur noch mil ernigsn Bühnen- tomponisten. Die Namen Strauß und S ch i l I i n g s gaben der Angelegenheit ein großes Air und einige� Kompkizierungen. Aber der Ausgang war unzweifelhaft: die Dissidenten haben sich nach Verhandlungen, in denen besonders der Theaterreferenr des Kul- tusministerium?/ Dr. Selig, um die Einigung bemüht war, der Orgarri-sation angeschloffen. Strauß und Schillings sind in den der ernsten Schläfer> Korstand kooptiert worden. Von den Theaterdirekioren steht'nur noch Reinhardt ab- seiiZ. Er hat durch sein bekanntes Pronunciamento gegen ge- wisse Forderungen der Bühncngenossenschaft die Fahne des künstlerischen Individualismus erhoben. Aber er wird der sozialen Orgauisaiion, die unaushalübar ist, nicht widerstehen können. Und seine künstlerischen Tendenzen werden sich darin trotzdem durch- fetzen Rassen. Es ist zu erwarten, daß die Einigung mit Rein- Hardt und mit seinen Mitfrondeuren ball: folgen wird. Da die Bühnengenossenschast mit dem Bühnenverein gleich- falls im Verhältnis der Zwangsorgamsation steht und somit alle Organisationen der Bühne geschlossen zusammenstehen, fit da� große Werk dieser LrbeilSgemeinschast vollendet. An ihrer wetteren Änsgestaltung wird dauernd weiter gearbeitet— der Nahmen, in dem sich dej: weitere Ausbau de6 deutschen T�eater� entfalten wird, ist gegeben. Sorgen wir dafür, daß er mit sozialem und volksku lturellem Gehalt erfüllt werde! Die Organi- sation der Bühnenkonsumenten, die kommen muß, wird berufen sein, die Vertretung deL dritten wichtrgn Faktors der Bühne, der beimißt mitarbeitenden Kunstgemeinde, neben den Schafsenden und Nachschafsenden zu bilden. Der Schnrrsturm, eine dramatiscbe Arbeit von Otto Z off. wurde im Frankfurter Schauspielhaus aufgerührt. Die Kammer- spiele von Slrindberg waren dietem Siück rnsorern Voibild. als e- die Ecschürierung zwischen den Menschen� zu löieu lucht nicht im Realismus der Beziehungen, sondern im Helldunkel der Unwirklich- keit. In diesem Stück steht ein Mensch. Cillon. der seinem Leben folgen will und fich in ekstatischer Liebe emer ftemden Frau hmgibt; aber er zerbricht daran. Der Sturm des Gewissens wtrd>ymbo« listen im Schneesturm. Das Kind stirbt rite denBaier. der Freund stirbt für ihn, die Frau zerbricht: ungebetire Leidenschaft flammt auf. aber fie zerbrich» nickt an fick telbu. sondern zer flattert wie die Personen dieieS Stücks, die innerlich ohne Zu'ammendang sind. Es ist ein dichterisch begabtes Stück, aber keine Dichtung. Die Menichen stehe» nicht mit Notwendig keit zu und gegen ein- ander/sondern beiübren sich manchmal zärrlich und entfernen sich wieder obne zum Kcin durchgedrungen zu sein. An hohen Vor- v'.ldern hat sich das Stück gebildet, aber ihm fehlt, was die großen Beispiele haben: letzte Intensität des Ausdrucks und letzter Mut der Konsequenz. Die Aufführung war wie alle Leinungen deS Franffurier Schauspielhauses in der vergangenen Zeit von hoher OualirSr. E b e r t als Cillon war voller L'-idenschaff. Ter Regisseur Richard Weichert verkannte daS Tempo und verstand nickt, daß nur in dem ratenden Aufeinanderpiallen der Menichen dem Sinne der Dichtung Rechnung getragen wird. Der Mater Siever» ließ fick durch die Schneestimmung verleiten. Werhnachts- märckenbilder zu malen. � Die Universität Rostock feiert in diesen Tagen die infolge der VerkehrSsperre zunächst verschobene 500-Jahrfeier ihres Bestehens mit allen Ehren. Vertreter vieler Hochschulen find dazu ersehenen, erfreulicherweise auch holländischer, dänisaier, nonvegz scher, ichivedi- scher und finnischer. Unter den Stiftungen rst beionder- eine schwedische im Betrage von 300 000 M. bemerkenswert,«e toll an diesem äffen Äerbindnngspunkt zwischen nordischen und deutichcn Stämmen skandinavischen Äudien dienen. Die Dürer. Gesellichast v-r-nftaltet. Sonntaa nachmittag Z Uhr im Kalser-Friedrich-Museum einen Bottrag v« htm Gent»r«I t ar der (vebrüder o a n Sy-k. d-c demnÄchst 2« d-» belgsschen�-t MSg�,«vt mriden muß. Borrragend« ist HrÄ. Sch u bri» fr Iteitochmertttten sür (Äälte bei bet ständigen Auskunftsstelle ini �.harloUcn- slratze öS, täglich von 9—6 zu 1 M. der Grunö öes Valuta-Tiefftanües. Von einem Erporteur wird uns geschrieben: Bei allen bisherigen Betrachtungen, die über die Valutaent- Wertung veiöffentlicht worden find, ist der eigentliche Hauptgrund seltsamerweise wenig beackuet geblieben, Alle Firmen, die während des Krieges exportieren konnten oder nach Beendigung der eigentliSen Feindseligkeiten eine be- schränkte Exporttätigkett wiederalifnehmen konnten, dürsten wohl von Anfang an ihre Exportverkäufe so abgeschlossen haben, dah in ausländischer Währung bezahlt werden muszte. Wurde nun nach Fälligkeit die Forderung vom ausländischen Käufer be» glichen, so erfolgte, wie es srüher üblich war, die Herein- nähme deS Schecks nach Deutschland und der entsprechende Markbetrag wurde von dem Exporteur einkassiert. Als nun die Valutaentwcrtung der Reichsmark einsetzte, wurde eS für jede exportierende Finna zur Gewißheit, daß sie durch so- fortige Hereinnahme der ausländischen Zahlung(also bei Fälligkeit) einen Verlust erlitten hatte. Hätte sie den ausländischen Betrog erst vier Wochen später in Mark umgeioechielt und einkassiert, so wäre ihr in Anbetracht deS inzwischen weiter gesunkenen Marlkurseö ein weitaus größerer Marlbetrag zugeflossen und ein noch größerer z. B. nach acht Wochen, Diese gleichzeitige Feststellung zahlloser exportierender Firmen bat nun das Uebel immer mehr vergrößert und zu der Selbsiverständ- lichkeit geführt, daß jede exportierende Frrma heute überhaupt nicht nrehr daran denkt, den Erlös ihrer Exportverkäufe in ausländischer Währung an daS Ans- land in Mark hereinzunehmen, sondern jede exportierende Firma ist dazu übergegangen, sich in jedem einzelnen Land, nachdem sie Erporlverkänfe laufend tätigte, ein Bankkonto in der betreffenden auswärtigen Währung eröffnen zu lassen, an das sie die Zahlungen der ausländischen Kunden abführt. In der Endwirkung hat das zur Folge, daß eine Nach- frage noch Stark als Zahlungsbetrag überhaupt nicht mehr stattfindet, mit der selbstverständlichen Neben» Wirkung, daß der Wert der Reichsmark immer weiter sinkt. Im Inland sinkt entsprechend daS Angebot stemder Devisen, die Kurse steigen. Hand in Hand mit der Valutastage ist die Frage der Aus- Plünderung der deutschen Warenbestände durch den auslandischen Käufer zu behandeln. Der ausländische Käufer oder der inländische Exporteur kann in Deutschland zu Mark selbst teuer aufgekaufte Ware im Susland noch mit erheblichem Verdienst abgeben, weil die Kaufkraft der Reichsmark im inneren Deutschland ganz erheblich höher ist, als der Kurswert der Reichsmark in der auSländi- scaen Börsenbewerlung. ES droht demnach Ausplünderung der ge» samten deutschen Warenbestände, nach deren Erschöpfung für den gesamten Jnlands-Konium eine gewaltige, plötzlich einsetzende Teuerung droht, weil die Rohwaren, die zur Anschaffung neuer Waren erforderlich sind, vom Ausland bezogen werden und in aus- ländlicher Währung bezahlt werden muffen. Eine Abhilfe der doppelten Notlage ist jedoch ohne weiteres möglich, wenn durch da» Reichgesetz bestimmt wird, daß die AuS» fuhr aller deutschen Waren nur gegen Hinterlegung einer eideS- stattlichen Wertdeklaratton erfolgen darf, in welcher der Wert der Ware zumGoldkurS bemessen ist und wenn die ex- portierende Firma gezwungen wird, die Herein- nähme deS Gegenwertes ihrer Exportdeklaration in Reichs inark innerhalb einer bestimmten Maxi- malsrist(30 Tage bis 3 Monate nachzuweisen. Nur durch Einführung einer derartigen Maßnahme wird der Ver- schleuderung deutscher Güter ein Ziel gesetzt und wird ein« Nach- frage nach deutschen Zahlungsmitteln in den ausländischen Börsen- Plätzen, die seit Monaten überhaupt so gut wie aufgehört hat, wiederum herbeigeführt. ES dürfte zweckmäßig sein, al» Geld- Währung für die gesamten deutschen Ausfuhren den U. S. A.- Dollar einzuführen, um eine einheitliche Grundlage zu er- reichen. Eine Mitkontrolle der Angestellten- und ArbeiterauSschüffe aller einzelnen Firmen muß und kann leicht herbeigeführt werden durch Gewährung von prozentuale» Anzeige- Prämien an die Angestellten und Arbeiter jeder Frrma, welche den zu erlassenen Exporlbestimmungen zuwider handelt. Nur dann läßt eS sich vermeiden, daß zu Lasten der Allgemeinheit eine Unzahl Echieber-Existenze» sich ausländische Guthaben weiter verschaffen und der steuerlichen Erfassung auf dem jetzt üblichen Modus über Haupt entzogen werden. Es kann beute bereits die Behauw tung aufgestellt werden, daß das deutsche, in ausländischer Währung in ausländischem Bankhutbaben festgelegte Vermögen, -welches der deutschen steuerlichen Erfassung entzoen ist, in die Milliarden geht. Die jetzige Exporttätigkeit ist weiter nichts als eine gesetzlich sanktionierte Verschiebung von Verrnögenöwerten ins Ausland, an welcher unsere Regierung vorübergeht. Die Valuiaentweriung der deutschen Reichsmark wird durch die deutsche Exporttätigkett, wie sie heute gehandhabt wind, gefördert und nicht verringert! DaS Schlagwort, daß Hebung der Export- Tätigkeit gleichbedeutend ist mit allmählicher Vcrlutaerhöhung, ist nach den heute üblichen Zuständen ein völliger Trugschluß. Memellanö will deutsch bleiben. Am Donnerstag fand in Berlin eine Versammlung von Männern und Frauen deS MemellandeS statt, in der folgende Eni- fchließung angenommen wurde: Demiche und Litauer erheben indem Augenblick, wo die Entente sich anschickt, die Heimat zu besetzen, noch einmal flammenden Protest gegen dir gewaltsame Loöreißung vom deutschen Batcrlande. Wir rufen die gesamte Kulturwell auf zum Zeugen dieses Verbrechens gegen daS SelbstbestimmungSrecht der Völker. Wir verlangen die Rückkehr zum dculichen Vaterlande und ichwören. in unseren Bestrebungen nicht früher auszuhölen, als bis dieses Ziel erreicht ist. Unier keine» Umständen darf das Memelland mtt dem Wesens- und kulturfremden Großlitauen ver «inigl werden. Zum mindesten fordern wir bis zur Wiederber- ftellung des alten Verhältnisses die Schaffung eines selbständigen Freistaates und Freihafens ,m engsten wirtschaftlichen und politischen Anschluß an daS beutfd)C stleich. Zum 5all Sklarz. Den„V, P. 5k.' geht nachstehende Erklärung zu:.Im Aufi trage deS Herrn Georg Silarz bitte ich mtt Bezug auf die in der Presse gebrachten Mitteilungen davon Kenntnis zu nehmen, daß Herr S k l a r z gegen den Schrifrsteller M. Sochaczewski. Belleallianceplatz 2. und die anderen Personen, welche diese Mitteilungen veranlaßt haben, wegen Beleidigung bezw. Ver- l e u m d u n g bei der zustäudigcn Staatsanwaltschaft Straf- an trag gestellt hat. Die gebrachten Mitteilungen waren vor längerer Zeit� Herrn Georg Sklarz zum Ankauf angeboten worden; er hat den Ankauf abgelehnt, weil er sich— nichts vor- zuwerfen hat. Den Offerenten hat er bereits damals wegen ver- suchter Erpreffung angezeigt. Werthauer, Justizrat.' Wie die Telegraphen-Umon meldet, haben die Händler Sklarz und ParouS das Fr'edmannsche Tuberkuloseheil- utittel, daS Gegenstand der gestrigen Debatten der Landes- versamruluug war, zum Preise von 700 000 Mark auf- eekaujt. Warum jetzt Kartoffelu erftierevA Darüber wurde in der Kreis-Generalversammluug des Land- arbeiterverbandes, welche in B u b I i tz in Pommern tagte, folgende Feststellung getroffen: Im Kreise Bublitz stehen insgesamt noch etwa 4000 Morgen Kartoffeln im Felde. ES soll zugegeben werden, daß durch die Regenpcriode eine Verzögerung in der Ernte eingetreten ist. Weit wichtiger ist aber doch ein anderer Grund weshalb die Kartoffeln nicht hereingekommen sind. Die Besitzer wollten den Leuten zum Teil für den Zentner Sommelloh» ganze 40 Pf. geben. Einige Güter, die gleich vom Anbeginn einen entsprechenden Lohn zahlten, habe« ihre Kartoffeln reftloS eingcbacht. Z. B.: Dubbcrtech (900 Morgen) und GrumSdorf. Bei einigen Besitzern stehen da- gegen noch bis zu über 200 Morgen in der Erde. Was für ein Schaden der Volksernährung daraus erwächst, ist gar nicht abzu- sehen. Rechnen wir das Ergebnis pro Morgen nur mtt 50 Zent- ner, so find bei 200 Morgen bereits 10 000 Zentner Kartoffeln der Allgemeinheit entzogen. Im ganze» Kreise macht eS aber fast 200 00t) Zentner aus._________ Deutschnotionales Ninövieh gesucht. Folgendes, Inserat auS der„Deutschen Zeitung' wttd wahrhaft deutschen Männern ein lockendes Angebot bedeuten: Suche zu meiner Unterstützung in kl. Landwirtschaf:'- betriebe(Büdnerei) deutschnationalen Herrn, der sich als alleiniger Arbeiter allen vor- kommenden Arbeiten,(Wartung von 2 Pfevvcn, 3 Stück Rindvieh, Feld-, Hof- und Gartenarbeit) unier- ziehen will. Angemeffenes Taschengeld, standesgemäße Behandlung. Familienanschluß zugesichert. Angebole erbittet F. Bartlau, Bentwisch b. Rostock(Mecklenburg). ES fehlt leider nur der Hinweis, daß mtt der Wartung des Rindviehs der Familienanschluß schon gegeben ist. Aber dessen bedarf eS wohl nicht._ Lenins ZrieSenstvunfch. Sowjetrußland bedarf zur Wiedcrauftichtung des ausgesogenen Landes des Friedens. Die Sowjetregierung hat zu Mutzenden Wtcrlen in der letzten Zett bei den verschiedensten Gelegenheiten ihre Bereitwilligkeit zu in Frieden ausgesprochen. Jetzt wird ein Schroibsn Lenins bekannt, das dieser nach Amerika an einen Journolisten gerichtet hat, der bei ihm wegen der Friedcnsftag. angeklopft hatte. Lenin wiederholt, daß Sowjetrußland nach wt« vor zu-rn Frieden bereit sei und daß eS verbürge, sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder«in» zu mischen. Die russische Regierung sei die demokratischste Re- gierung der Welt. Das könne er beweisen. Schließlich spricht er den Wunsch nach einem Wirtschafisabkommeni mtt allen Ländern und in erster Linie mtt Amerika aus. Die Serben besetzen bulgarisches Gebiet. Räch einer Meldung aus Belgrad sind die serbischen Truppen am 16. 11. m den Bezirk Strumiva eingerückt. Zu glsicher Zeitz haben die serbischen ZivilbehSrden Besitz von der inneren Berwal- tung genommen und die bulgarischen Beamten entlassen. nicht ausgeübt, auch von den Eltern seien Beschwerden nicht erhoben lvordeu. Zu einem disziplinaren Einschreiten gegen Hübner oder die Lehrerin liege kein Anlaß vor, zumal Herr Hübner als Stadwerordneter gesprochen hat. In der auf Antrag Pfannkuch(Soz.) anschließenden Besprechung hält Hübner seine Be- bauptungen durchweg aufrecht und wird sein Material dem Magistrat übergeben. Die von ihm getadelte Haltung gewisser Berliner Lehrer und Lehrerinnen stinimg vollkommen mit der an- fangS September gefaßten Entschließung des Deutschen Evangelischen Kirchentages überein, worin die Lehrer- schaft aufgefordert wird, mit aller Entschiedenheit gegen die religionslose Schule zu arbeiten.(Hört, hört!)— Gosi(11. Soz.) sieht in der Anfrage einen Angriff auf die Redefreiheit, den Versuch, ein Disziplinarverfahren gegen einen Lehrer mit dem Endziel der Anichsentsetzung in die Wege zu leiten. Koch hält Goß vor, daß er bis zum„Zusammenbruch" auch Monarchist und am .K ö l l n i s ch e n Gymnasium Führer einer Ii) g e n d- tompagnie gewesen sei. Tie Rechts nimmt diese Mitteilung mtt stürmischer Heiterkeit und dem Rufe„November- sozialist!" auf. Goß verwahrt sich gegen diese persönlich ge- hässige und niederträchtige Kampfes weise und wird. als er dies« vorn Vorsteher Heimann gerügten Ausdrücke aufrecht erhält, zur Ordnung gerufen. Goß: Ich lag auf der Straße und wäre, wenn ich nicht auch die Kompagnie übernommen hätte, überhaupt nicht beschäftigt worden. Ich habe aber lediglich den Sport in der Kompagnie gepflegt. Die M i e t e i n i g u n g s ä m t e r sollen hauptamtlich Vor- sitzende mit je 600 M. Monatsgehalt erhalten.— Die Mebr- heit Kitt dem Ausschußantrage auf Genehmigung nach kurzer De- batte bei. Die Ue bernahme der Schulzahnpflege durch die Stadt ist in der Ausschußberatung gemäß den Anträ�n der beiden sozialdeniokratischen Parteien einstimmig emv fohlen worden. Heute bringen die Demokraten einen Antrag ein, die ttebernahme an die Leistung von Beiträgen durch die Krankenkassen und die Landesversicherung zu binden. Die Rechte stimmt diesem Antrag zu. Die Mehrheit ent- scheidet im Sinne des Ausschußantrages. Die Erfashung der Wicgegebühren auf den fünf städti- scheu Rat b auswagen um 60 Proz. vom 1. Januar 1920 ab wird beschlossen. Dann lftgründet Koch den Antrag der Bürgerlichen Ver- einigung, eine Entschließung, die besagt: Die Berscanmlung�cr- (kennt die Arbeitsgemeinschaft der Arbeiterräte als gesetzliche Vertretung der Arbeiterschaft gegenüber dem Magistrat als Arbeitgeber nicht an. Sie er- sucht daher den Magistrat, aus öffentlichen Mitteln keine Zahlungen mehr an die Arbeite-rräto riu leislen und die das Verhältnis zu der?lrbeitLgemeinschIaft der -Alrbeiterräte beim Magistrat regelnde Verfügung sofort aus- g u h c b e n. Die Arbeiterräte, um die es sich hier handle, leisteten keine produktive Arbeit in ihren Betrieben. Legal seien -nur die Arbeiterausschüsse. Auch die„Richtlimen" sprächen ihnen völlig unbegründete Privilegien und ein unHalt- Persien üen Deutschen verschlosien. Die persische Regierung hat unter dem Drucke Englands sich zur Aufstellung einer S ch w a r z e n L i st e, die 74 Deutsche auf zehn Jahre aus Pcrsien ausschließt, herbeigelassen. Damit soll der Handel Deutichlands mit Persien so gut wie lahmgelegt werden, denn fast alle die, die früher schon in Persien waren und im kauf« männischen oder diplomatiichen Dienst Erfahrungen über dieses Land gesammell hatte», sowie als Träger der unniittelbaren deutsch- persischen Handelsbeziehungen gellen konnten, dürfen auf die Dauer von zehn Jahren nicht dabin zurücklehren. Es handelt sich hierbei um einen unfreundliche» Akt der persischen Regierung, der nur dadurch gemildert wird, daß er unter dem Zwang der eng» lischen Oberberrickast zustande kam. Die„Deutsch-Persische Gesell- schaft' bat an die Reichsregierung einen Protest gegen diese Maßnahme gerichtet und darin gebeten, daß von der deutschen Regierung alles getan wird, um die Wirkung dieser Schwarzen Lrste wieder aufzuheben._ kleine politische Nachrichten. Ein Konflikt in der Bayerischen BolkSpartei. Der Abg. Dr. Heim ist mtt seinen Kollegen von der Bayerischen Volkspartei in Konflikt gekommen, indem er ihnen vorwarf, sie hätten ge- wisserrnaßcn durch ihre Zustimmung zur Reichsverfassung bayerischen Landesverrat geübt. Dagegen haben nun durch einmütigen Beschluß am 25. November die Mitglieder der Bayertschen Volkspartei in der Deutschen Nationalversammlung schärfste Verwahrung eingelegt. Die LandeövorstandsckMft der Partei in München wurde dabei ersucht, ihnen, den Abgeordneten, vor dem Landesausschuß oder einem Parteitag zur Stellungnahme gegen die bezelchneten Slngriffe zu geben. Der Lebenswandel Friedrich Wilhelms. Vor einiger Zeit hatte in einer Versammlung in Frankfurt a. M. ein Redakteur der dorn- aen„Volksstimme' einige Einzelheiten über das sogenannte„Front- leben" des ehemaligen Kronprinzen berichtet. Darauf hatte der deutschnationale Abgeordnete Lattmann diese Darstellung als „gemeine Lüge' bezeichnet, wobei er den Redner aufforderte, ihn wegen Beleidigung zu verllagen. Dieser Gefallen ist Herrn Latt- mann nun geschehen. Unser Genosse hat durch den Rechtsanwalt Dr. Sinzheimer Pvivattlage gegen Lalttnann erhoben.— In Vieringen wird man von dieser Wendung der Dinge nicht sehr er- baut sein, Herr Lattmann dürfte seinem Idol einen Bärendienst erwiesen haben. Demission der Durchgefallenen. Die bei den französischen Kammerwahlen nicht mehr gewählten Minister und Unterftaats- sekretäre haben Clcmenceau ihre Demisswn überreicht. Staöwerorönetenversammwng. Rcligionsdebatte.— Kommunale Arbeiterräte.— Die Not Wiens. Auch heute ist der Zudrang zur Zuhörertribüne so gewaltig, daß der Ausgang gesperrt werden mußte. Zur Verhandlung steht nämlich die Vesoldungsveform für die städtischen Beamten und Angestellten. Zu Beginn der Sitzung begründet Koch(Bg. Vgg.) eine an den Magistrat gerichtete Anfrage, was dieser gegen den Stadtv. Lehrer tzübner zu tun gedenke, der am 30. September die Lehrerin Fechner und den Rektor der bett. Gemcindeschule mit objek- tiv unwahren Beschuldigungen bedacht hat, und was geschehen inTf, �~ u e? /71 v 4 it Ii ri rt f i» v X t o 1 o ft r(* Iis bare» Kontrollrecht zu. Frantz: Die krnnmu- »utj uic vrileiscnoc-----... P l—.,----- u, freiten Kinder allerdings in diesem zurückbehalten hat, statt sie»ach Hause zu entlassen. ,Em Zwang jm nalen Arbeiterräte Berlins sind BeiriebS-Arbeiterräte, eine Aen- derung empfiehlt sich mtt Rücksicht auf die baldige Verabschiedung deS Betriebsrätegesetzes zurzeit nicht. Gegen Mfßbräuche wird eingeschritten werden.— Müntner(Soz.): Wen» Ver- iscrnmlung uttd Magistrat die Einrichtung für nötig hatten, stdht der Aufwendung öffentlicher Mittel nichts im Wege. Man soll doch nicht übersehen, was durch die Arbeitevräte der Allgemeinheit gerettet oder erspart worden ist. — Dr. Lammcrich tritt mit dem Zentrum dem Antrag Koch bei. — Cassel: Mit der Bewilligung der monatlichen Entschädigung von 50 M. haben)wir vor einiger Zeit einen Gemeindebeschluß ge- saßt, der nicht euisach durch den Antrag Koch beiseite geschoben werden kann. Sollte wirklich«ine Kontrolle der Verwaltung in der„Verfügung' enthalten fein, so wäre sie ungesetzlich. In den Krankenhäusern und Hospitäler» finden zum Teil ganz unerhörte Uebergriffc dieser Arbeitskräfte statt und herrscht eine zügellose Mißwirtschaft, da jene Leute sich als die absoluten Herren ge- brrhen.— Dr. Wetzl(II. Soz.): In der Arbeitsgemeinschaft stehen alle Parteien mit Ausnahme der Bg. Vgg. zusammen; wir halten •sie für unentbehrlich und lehnen den Antrag Koch ab.— Stadtrat •Frantz: Die«Richtlinien' reden nur von.Llnregungen'. von •einem Kontrollrecht ist nicht die Rede-. Kompetenzen der städtischen BeHorden bleiben unberührt.— Cassel: Auf die •„Zuziehung von V o l k S b« a u f t r ag t e n", die nach Koch -auch darin enthalten ist, hat sich der Stadtrat nicht geäußert. Der Magistrat muß uns die Verfügung vorlegen. In n a m e n t» 1 i ch e r Abstimmung lvird der Antrag Koch mit 89 gegen 22 Stim- -m«n verworfen. Tie Verkündung des Resultats wird von der Mehrheit mtt großer Heiterkeit und lebhaftem Beifall aufge- nommen. Gegen 149 Uhr kommt es zur Begründung eines Antrags der Bürgerlichen Vereinigung auf tunlichst beschleunigten Abbau der Zwangsbcwirtschaftung des Zuckers. Begründer ist Melzer, der der Zuckerindustrie und der Landwirtschaft auf diesem Wege den Wiederaufbau der Zuckerwtrtschaft ermöglichen und die Zuckernot endlich beseitigen will. Es gelingt Melzer nicht, gegen die Heiterkeit der Mehrheit aufzukommen oder seinem Änttag Freunde zu gewinnen. Der Antrag fällt gegen die Stimmen der Antvagsteller. Ein Antrag Cassel cmffVermehrungderBürgerdepu- tierten in den wichtigsten Deputationen und Aus- s ch ü s s e n geht nach kurzer Besprechung in einen Ausschuß. Die Tarifverträge für die Angestellten der städti- schen Gas- und Elektrizitätswerke werden ohne Erörtc- rung genehmigt. Zur neuen BcfoldungSordnung der städtischen Beamten und Festangestellten beantragt Dave(Dem) Ausschußberatung. Mit de» bisherigen Gehältern und Bezügen sei nicht mehr auszu- kommen.— Koch hält eingehende Prüfung für geboten, aber Sie Vorlage müsse noch vor Weihnachten verabschiedet werden.— Dr. Wetzl: Wenn irgend möglich, soll die Vorlage in acht Tagen verabschiedet werden.(Lebhafter Beifall, auch auf der Tri- büroe.)— Brückner(Soz.): Gerade wir haben immer auf Taten des Dankes für die Beamten gedrängt. Hätten die Beamten ihre heutige Energie früher entivickelt, s» ständen sie längst besser da. Zehn Jahre lang haben sie sieh mit der Reform hinzögern lassen. Auf die Ausgleichung von Unstimmigkeiten in der Vorlage werden wir Bedacht nehmen, wobei wir aber für Titulaturen nicht viel übrig haben; die Aufstiegsmöglichkeit muß auch denen ge- wahrt werden, die keine Aoiturientencexamen ge- m acht haben. Für das Zentrum erklärt v. Rehbinder die prin- zipielle Zusttmmung zur Bosoldungsreform.— Manasse(U. Soz.) lehnt es ab, gegen die Beamten Verbeugungen zu machen, die leicht als Stimmenfang gedeutet werden können; die Reform sei über- Haupt keine Parteifrage, sondern eine Selb st ver- st ä n d l i ch k e i t.— Die Vorlage geht an einen Ausschuß, der so- fort vom Vorstände ernannt wird. Oberbürgermeister Wcrmuth: Die Nachrichten aus Wien, die Nöte Wiens, greifen uns gewaltig ans Herz. Es scheint, als ob das Reich helfen will; aber auch die freie Hilfstätigkeit muß des Ihrige tun. Ein Aufruf wird alsbald veröffentlicht werden; ich bitte um Ihrer aller Interesse dafür. Vorsteher Dr. Wetzl: Die Versammlung schließt sich in allen ihren Teilen diese», Appell warmherzig an. Ein« lebhaft« Erörterung führ: noch um 10 Mr der MagistraiS- Vorschlag betr. denBeitrittderSiadtBerliuzurReichs- schvhversorguug G. h. H. herb«. das Irieömannfche Tuberkulose- Heilmittel. Auf der TageSordnuug der Laudesversammlung vom Donnerö- tag stebt zunächst die iörmlicke Anfrage Ärackmau» tD.�Hannov.) über dos Friedmaunfchc Tuberkulofelieilmittcl. Die Regierung ist zur soforngen Bcantwortung der Anfrage bcrcii. Lrackmaim ffifitt zur Begründung auS: Das Friedmanniche Heilmittel hat sich hervorragend bewährt. DaZ wird von ersien Autoritäten bestätigt. In den meisten Fällen ist eine einnralige Jnjeliion für die Hcilmig ausreichend gewc>cn. Bei der ungeheuren Neibreitung der Tuberkulose kann dieses Mittel ungezählten Tausenden das Leben retten. Die vielen Millionen, Sdie jetzt für Heilstätten aiisaeivort'en werden, köimen gespart werden. Mrnistcrialdirektor Gottstein: Die Medizinalvermaltung steht dem Friedinannschen Verfahren ohne Voreingenommenheit gegenüber, muß aber Vors i cht beobachten. Da? Ministerium ist über- zeugt, daß ein sicheres Urteil über das Mittel auf Grund der vor- liegenden IlntersnchungZergebnisse und sachinäiinischen Auskünfte noch nicht abgegeben werden kann. Friedmann erschwert selbst die Prüfung seines Mittels, denn er behält sich sogar die Auswahl der Patienten vor. Ein Aiigebot. nach dem er eine Krankenabteilung in der Lungenheilstätte Beelitz über- nehmen sollte, hat er abgelehnt. Schwierigkeiten werden Friedmann nicht gemocht. Seine Zusicherung, daß sein Heil- verfahren die Tuberkulose ausrotten könnte, ist abwegig. Solche Zusagen sind auch für die Bekämpfung anderer Seuche» ge° macht worden und haben sich nie in als bewahrheitet. Das Mittel wird iveiter vorurteilslos geprüft werden. Graf- Frankfurt sSoz.): Die Eindämmung der Tuberkulose ist ohne ausreichende Ernährung nichr möglich. Wenn ,nan die schrelHichcn Zahlen über ihre Ausdehnung infolge des Krieges liest, kommt man zu dem Ergebnis, daß zur Bekämpfung dieser tückischen Seuche unbedingt etwas geschehen muß. Mit Genugtiiung stellen wir fest, daß die Regierung dem Mittel vorsichtig gegenübersteht— und das mit Recht—, über seinen Wert aber andauernd Untersuchungen anstellen läßt. Auch den A e r z k e n ist kein Vorwurf daraus zu machen, daß sie sich dem Mittel gegenüber zurückhalten. In den letzten Wochen habe ich Zitate von anerkannten Autoritäten über das Fricdnrannsche Mittel gesammelt und kann zu nieiner Freude siir die Kranken feststellen. daß eine ganze Anzahl hervorragender Arrztr sich glänzend über das Heilmittel ausgesprochen hat. In de» Streit um doS Heilmittel darf sich die Regierung aber nicht einmische», denn die Professoren tun ja doch das Gegen- teil von dem, was die Regierung will. In besonders unerhörter Weise ist das in Marburg zutage getreten. Die Regierung sollte den, in Frage kommenden Professor eine Kaltwasserkur verabreichen lassen.(Stürmische Heiterkeit.) Ein Allheilnrittel für die Tuberkulose gibt eS noch nicht: wir treten für leidenschastS- lose Prüfung des Friedinannschen Mittels ein.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Schloßmann(Dem.): DaZ Friedmannfche Mittel habe ich stets vorurteilslos geprüft. Die schlimmsten Feinde Friemanns find seine übereifrigen Freunde. Gegen objektive Beobachtung deS Mittets wenden wir nichts ein. ES dar? durchaus aber keine Reklame gemacht werden. In dieser leistet Friedmann einfach Beispielloses. Die Medizinalabteilung hat zur vorurteilslosen Prüfung alles nur Denkbare getan. Die Berichte der namhaftesten Kliniker sind ?nr da? Mittel aber doch wenig günstig ausgefallen. Auch Ge- heimral Krauß, der sich noch am günstiasten ausspricht, hat nur teilweise Heilerfolge in beschränktem Umfange beobachtet. In seiner Klinik sind auch Schädigungen durch das Mittel vorgekommen. Die wirksamsten Heilmittel gegen Tuberkulose sind: Sonne, Lust und Licht. Wenn den Heilstätten die in den Spiel- I l n b S verschlemmten Lebensmittel zugeführt würden, dann würden diese auch tvieder dasselbe leisten wie vor dem Kriege. Fried- mann bestimmt, wer das Mittel bekommt und wer nicht. Den von ihm gestellten Bedii'.gungen kann sich ein Arzt nur mit großer Selbstüberwindung unterwerfen. Auch die Honorare, die Friedman» nimmt, sind ungeheuer hoch, obwohl die erste Aufgabe der ärztlichen Wissenschaft in der Hebung der Volks» gcsundheit, nicht aber in der Herbeiführung von Geld- geschälten besteht. Wenn sich das Mittel bewähren sollte, muß es der Allgemeinheit nutzbar gemacht werden.(Lebhafter Beifall.) Minister Harnisch: Auch ich bin der Meinung, daß ein solches Mittel gegen die verheerende Seuche nicht zu einem Instrument iomm er zieller Ausnutzung werden darf, sondern der Allgemeinheit nutzbar gemacht werden muß. Die Person Friedmanns geht mich nichts an. Ich frage nur. was er leistet. Ich habe eS für meine Pflicht gehalten, das Mittel im größten Umiange prüfen zu lassen. Die Ernennung Friedman»« zum Proiesior ist au» durch ärztliche Autoritäten gebilligt worden. Ich führe darüber nur an. daß Profesior Dürtzen-Berlin urteilt:.Was Ä o ch« r st r e b l hat, hat Friedmann erreicht... Ich rechne daher Friedman!? zu de» größten Wohltätern der Menschheit.' Dem Lehr- a nstrag für Friedmann hoffe ich bald ein I n st i t u t folgen lasten zu tännen zum Heile des gesamten deutschen Volkes und der Menschheit.(Beifall.) Danach wird die Besprechung abgebrochen; ohne SuS- spräche erledigt das Haus Bittschriften. Darunter auch»ine deS Magistrats Berlin auf Uebernahme der Sittenpolizei in die städtische Verwaltung. Wehl(U.Soz.): Wir wollen ein praktisches Beispiel über die Möglichkeit der Ersetzung der Sittenpolizei geben. Die Bittschrift wird der Regierung zur Berücksichtigung über- wiesen. Dann vertagt sich das Haus auf Freitag 1 Uhr: Kleine Anilagen. Weilerberatung. Schluß 6 Uhr. *- Der StoatShauShaltSattSschuß der Preußischen LandeSversamm- lung gab u. a. auch einem Antrage seine Zustlmmung, daß im nächsten Staatshaushalt die Stellen der Hilisnnterbeamten an den Univeisiläteii und technischen Hochschulen in planmäßige Unter- beamlenstellcn umgewandelt werden mögen. GewerkschaflsbewEung ein internationaler Holzarbeiterkongreß. Einem Ersuchen des Sekretärs der Internationalen Union der Holzarbeiter, Theodor L e i p a r t, folgend, bat der Vorfitzende des Niederländischen Möbelarbeiterverbandes eine internationale Kon- ferenz der Holzarbeiter auf den 8. Dezember nach Amsterdam bc- rufen. An? eine vorausgegangene Umfrage sind ZustimmungSer» klärungen eingegangen anö Belgien, Dänemark. Deutschland, Eng- land, Frankreich, Holland, Norivcgen, Oesterreich und Schweden. Auch auS Argentinien ist eine Delegation angemeldet. Voraus- sichtlich werden noch weitere Länder auf der Konferenz vertreten sein. Der Deutsche Holzarbeiterverband wird iünf Delegierte cnt- senden, darunter auch Theodor Leipart, der auch nach der Ueber- nähme dcZ Amtes als würltembcrgischer Arb-itSminister die Funk- tion deS internationalen Sekretärs beibehalten hat. ES steht zu erwarten, daß die Konferenz zu einer Neubelebung der Internationalen Union der Holzarbeiter führen wird. Diese war zwar während deS Krieges in ihren? Wirke» beengt, aber sie hatte ihre Tätigkeit keineswegs eingestellt. DaS voin Sekretär der Internationalen Union in vier Sprachen herausgegebene.Bulletin" ist auch während des Krieges erschienen; durch Verniiitlung der Neutralen ist eS auch den Organisationen in den Enienteländcrn zugegangen. Ans der Tageordnung des Kongresses steht u. a. die Wahl einer Kommission zur Beratung eine« neuen Statuts, die Wahl des Landes, in welchem die Internationale Union ihren Sitz haben soll und die Neuwahl des Vorstandes. Ob diese Punkte Anlaß zu be- sonderen Auseinandersetzungen geben werden, läßt sich noch nicht übersehen, da ein direkter Verkehr mit den Organisationen in den Enienteländen, nicht gepflogen wurde und deshalb die dort vor- herrschende Stimmung nicht bekannt ist. Eine Riesenkundgebung der Postbcdienstctcn! Zu der Notiz in Nr. 600 unserer Zeitung erhalten wir vorn Referenten im ReichSpostmimsterium Herrn Knöner folgende Sach- darstellung: Der Zentralverband der Telegravbenarbeitcr hatte dem Reichs- Postministerium vor einiger Zeit die Forderung unterbreitet, alle»? Lohnempfänger?? bei der ReichSpost- und Telegraphenverwaltung die jetzigen Bezüge(Lohn-, TeuerungS- und Kinderzulagen) je um 50 Proz. zu erhöhen. Bei den dieserhalb mir den Vertretern deS Verbandes gepflogenen Unterredungen ist denselben zunächst ganz unzweideutig erklärt worden, daß das Reichspostministcrium diese Organisation nicht allein als Vertreterin sämtlicher Gruppen von Lohnempfängern anerkennen könne, weil andere nanihafte Berufs- verbände für gewisse Gruppen zuständig seien und für diese auch bereit« Forderungen unterbreitet haben. Das Reichspost- Ministerium st e h t grundsätzlich au? dem Stand« Punkt, daßüber alleStreitigkeiten aus dem Lohn- und Arbeitsverhältnis mit den für die einzelnen Hauplgruppen in Frage kommenden Berufsorganisationen verbandelt werden soll. Die Interessen von Minderheiten sollen hierbei gewahrt bleiben. AuS diesen Er- wögungen heraus ist mit den Vertretern genannten Verbandes auch nur über die Forderungen der Telegraphenarbeiter beraten worden. Die Lage der unteren Beamten(Postboien, Schaffner usw.) ist da- her im geschilderten Sinne gar nicht erörtert worden, weil dies- seitigen Erachten« die bezeichnete Vereinigung nicht als Interessen- Vertretung anerkannt werden kann. Den Vertretern des ZentralverbandeS ist weiter kein ab- lehnender Bescheid erteil? worden, vielmehr ist denselben zu« gesichert worden, daß die Löhne der Telegraphenarbeiter in ent« sprechender Weiie erhöbt werden sollen, sobald das beim Reichs- arbeilSministerium anhängig gemachte Schiedsverfahren für die Berliner PostauShelier erledigt ist und das Reitbsfinanzministermm die hierzu erforderlichen DeckungSmi?lel bewilligt bat. Eine weiter- gehende Antwort zu geben war das ReichSpostmiiiisteriuin gar nicht in der Lage, weil ganz selbstverständlich alle den Etat der Reichs- Post- und Telegrophenverwallung überichreitenden Mittel zunächst vom ReichSfinanzministerium bewilligt sein müssen DieS ist auch schon deshalb notwendig, weil an der Gestaltung der Lohnverhältnisse bei der Reicks. Post- und Telegraphenverwaltung auch die übrigen Reichs- und SlaatSresiortS interessiert sind. Hinzu kommt, daß tatsächlich zurzeit die Ein- kommensverhällmsse der Lohnempfänger fast durchweg höhere sind als die der unteren, ja teilweise auch der mittleren Beamten, und das Reichspostministerium daher der Meinung ist, daß auch hier etwas zugunsten der letzteren geschehen müsse. Die durch die Notiz erweckte Meinung, daß die Lage der Be- amten unberücksichtigt bleiben soll, ist denizufolge nicht zutreffend. In diesem Zusannnenhaiige ist daS RcichSpostministerium bc- reit. Verbesserungen der EinkoinmenSverhältniffe der einzelnen Be- ruisgruppen zuzustimmen, und ist dies den Vertretern des Zentral- Verbandes sowohl mündlich und au? Wunsch sogar schrift- l i ch erklärt worden. Tie Musiker gegen die verschärfte Kohlenverorduung. Die Lrtsverwaltung Berlin de« Deutschen Miffikerverbandes nah?» in ihrer letzten Sitzung Siellung gegen die auf den gesamten Mnsikcrberuf ruinös wirkende Verordnung des Kohlenverbandes Groß-Berlin über die Herabietziliig der Polizeistunde auf Vzll) Uhr. Diese Verordnung sei gelroffen lvorden, ohne die direkt daran Bc- teiligten vorher zu hören. Es wurde betont, daß die LustbarkeilS- steuer, die Berkehrsiperre, die Herabsetzung der Polizeistunde, wie überbauvt alle diese Verordnungen und Veriügungen rücksichtslos die Eriitenzmöglickkeiien der Musiker untergraben. Hinzu konrme noch die skrupellose Konkurrenz der Beamrenniusiker, die trotz oller ministeriellen Verbole lustig Weiler blühe. Auch bezüglich der AuS- Weisung von Musikern, die vor dem 1. August ISIS nicht in Beriiii aniässig waren, steht der Berliner Musiker abseits der Verordnung deS DemobilmachnngSkommisiarS. Die Berliner Musiker fordern die Regierung au?, die gegenwärtige Kohlenkalamiiät zu beben, ohne bestimmte Berufe besondeis darunter leiden zu lassen. Die Musiker erwarten, daß die Verordnung der Kohlenstclle schnellstens wieder rückgängig gemacht wird. Reichstarifvertrag der Angestellten der Berufs- genosicnschafte». Tie TarifSvertragSvcrbandlungen zwischen den: Zcntralvcrband der Angestellten, RcichSsachgruppe BcrusSgcnosiensckasisangeslellte. Berlin SO 26, Oranienstr. 40/41, und dem Arbeitgeberverband Deutscher BerufSgenossenschaslen sind nunmehr zum Abschluß ge- kommen. Die Angestellten sind nach ihrer Tätigkeit in fünf Gruppen eingeteilt. Die Bezüge bestehen auS dein festen Gehalt, einem beweglichen GehaltSznschlag von zurzeit 1000 M. für Ledige und 1400 M. für Verheiratete und einem Ortszuschlag zu den vor- genannten Bezügen bis zu 30 Prozent. Außerdem wjrd ein Kindergeld von 360 M. pro Jahr gewährt. Die Anfangs- gehältcr belaufe» sich au? 2500 M. in Klasse V. 2300 M. in Klasse IV. 3300 M. in Klasie III. 8Z00 M. in Klaffe II und 4200 M. in Klasie I, steigend uin S Zulagen von 2 zu 2 Jahren auf 4000, 4800, 5400, 5900 und 6000 M. Alle zurückgelegten Dienst- jähre werden angerechnet. Für weibliche Angestellte sind die Be- züge uin 10 Proz. geringer. Der Vertrag gilt hinsichtlich des Einkommens rückwirkend ab 1. April 1919. Nach zehnjähriger Dienst- zeit sind die Angestellten ruhegehaltsbercchligt und lebenslänglich angestellt. Die normale Arbeitszeit beträgt 45 dezw. bei ungcieilter klrbeitSzeit 42 reine Arbeitsstunden, der Urlaub 9 bis 24 Werktage. Für die Berechnung des RnhegehallS sind Gehalt, GehaltSzuichlag und des OrtSzuschlagS in Anrechnung zu bringen. Als Schiedö- instanzcn sind SchlichtungSauSichnsie und ein OberschiedSgerichl ein- gesetzt. Der Tarif läuft unkündbar bis 31. Dezember 1920. Der Tarifabschlnß bedeutet für die Angestellten eine wesentliche Ver- besserung ihrer Bezüge.__ Glmo-Werk. Alle noch ZluSgesderrten müssen sich am Sonnaoend l'or?ninag im Elreiklokal meiden, um das rcslierende Streikgeld abzuholen. Spötcr Kommende werden nichl mehr berücksichtigt. Desgleichen habe» sich alle, die vom Dienstag, den 11. It. in Arbeit getreten, Sonnabend nach Schlug der Arbeitszeit zur Empfangnahme ihrer Restzahlung einzufinden. TicnZIag, Donnerstag, Sonnabend von 9— IS Stempcltage._ Soziales. Zuwendung von Reichömitteln für Schäden im Ausland. Die Reichsregierung macht bekannt, daß die Gewährung von Beihilfen für Schäden, die Deuilschc sin Ausland erlitten haben. auf Vorschlag der Jntereffenvertretungei, der Geschädigten durch besondere Sprnchtommsssionen erfolgt. Die Fnteressenvertretungc?! gelten als Selbfthilscorgainsaticmen, sie sind auch in den Spruch- lommisfflmen, die aus 3 Mitgliedern bestehen, durch 2 Mitglieder vertreten. Binnen 2 Wochen kann gegen Entscheidungen der Spruch- kommission Beschwerde ionwbl von? Antragsteller wie vom Prä- siderrtei? der ReichSentschädigungSkommisston eingelegt werde??, worvirfhin die Sache einer anderen Spruchtommission zu irbertrctgcn ist. we?m die erste Spruchkomnrission nicht ihre Entscheidung durch einstimmigen Beschl?iß ändert. Gegen die Entscheidung der zwesien Spr>?cbkonlmiision steht nur dem Präsidenten der RetchSerrtichadi- gungi-komurission ein Einspruchsrecht an das Reichsnnrftchasts- gericht zu. Als Stichtag für die Auszahlungen gilt der 1. Januar 1920. Bei früherer oder späterer Auszahlung sind 5 Proz. Zinse???n Anrechnung zu bringen..,_ Durch die gesetzmäßige Heranziehung der Intereffcnvertre- hingen der Geschädigten werden hoffentlich deren zayl reiche Klag«? über die bisherige Handhabung be? EntschädigungSanipruchen, die auch uns zugegangen sind, für die Zukunft behoben. Verantw. für den rebaltion. Teil: Art»- Ziikler./z Uhr. Wenn alle Lolalbesitzer die Polizeistunde inne- halten würden, so wäre, da bei den teuren Gas- und ElektrizilätS- preisen schon jeder sparsam im Verbrauch umgeht, ein nach früherer GeichäftSschluß überflüssig. In meinem Polizeirevier kann ich je- doch mindeste»? 10 Lokale nachweisen, die bis zun, frühen Morgen ihre Geschäfte offenharten, infolgedessen also auch bedeutend an Licht und Feuerung vergeuden. ES wäre bald an der Zeit, daß gründliche Abhilfe geschaffen wird, aber anständigen Geschäftsleuten nicht noch mehr die Flügel beschnitten werden. Lokale,� die heute wegen Ueberrretung geichlossen werde», haben am nächsten Tag« wieder bis zum ftühen Morgen geöffnet. Weshalb hat man, wenn c? mit der Kohlenknappheit i'o ernst bestellt ist, nicht strengere Maßnahmen gegen derartige Lokale? Mit geringfügigen Geldstrafen wird man dem Unfug nicht steuern, man wird schon zu schärferen Mitteln greifen müssen. Wiener HifSwochr! Unter dem Eindruck der erschütternden Nachrichten aus dem frierenden und hungernden Wie» und aus Deulschösterrerch wird die Berliner Stadlverwal:rn:g morgen zu einem großen Hilfswerk aufruten und in der kommenden Woche in den städriichen Lyzeen eine Sammlung von unverderblrchen Lebens- Mitteln oller Art und von Geldspenden unter dem Werderuf.Wiener Hrlfswoche" veranstalten. Hierbei soll wiederum vor allem die Schuljugend mitwule», die mit besonderen Flugblättern für die Wiener Spende werben wird. Die neuesten aus Wie» kommenden Nachrichten lassen leider keinen Zweifel an der Notwendigkeit schneller Hilfe für die deutschen SiammeSgenossen an der Donau aufkommen! Zusammen mit dein Hilfswerk des deutschen Städtetages wird die Aktion der Berliner Stadtverwaltung dazu beitragen, die Not in Deutschösterreich nach Kräften zu lindern. Rotopferlag für Wien. Die entsetzliche Hungersnot, welche die unglückliche Bevölkevimg der Stadt Wien heinlsucht, hat in allen Kreisen de» Wunsch geweckt, dem Elend zu steuern, wenn es uns selbst auch»och so schlecht geht. Ein großer Ausschuß, dein bereits zahl- reiche Vertreter aller Kreise beiaetreten sind, ist im Entstehen begriffen. Ein allgemeiner„Notopfertag für Wien« soll in allen Stadien Deutschlands staltfinden, während in Berlin die Hilfsaktion Ansang Dezember durch ewen Opser abend im Zoo eingeleitet wird, zu dem namhafte erste Künster ihre Mitwirkung zugesagt haben. Die KeschäftSstelle des„Not- opjerS für Dien« befindet sich in Berlin W 35, Genthiner Str. 20. DaS Ende der ReichSbekleidungsstelle. Die Reichsbekleidungs- stelle wird mit dem 30. November als solche aufgelöst. Auch die NeichZ-Ter!il-?lktieugesellschaft ist in Liquidation getreten. Von den umfangreichen Aufgaben der Bekleidungsstelle ist nur die Texlil- notstandsversorgung der wirtschaftlich schwachen Bevölkerung übrig- geblieben. Sie wird vom Kommissar des ReichswirtschaftSininiste« riumS für TextilnotstandSversorgung beaufsichtigt und von der Textil-NotstandsversorgungL-Gesellschafi mit beschränkter Haftung ausgeführt. Die Gesellschaft soll mit den verfügbaren Beständen an Kleidung und Wäsche die wirtschaftlich Schwachen versorgen, so- lange diese noch nicht in der Lage sind, ihren dringliebstcn Bedarf im freien Verkehr zu decken. Zu dieser Anfgabe gebort auch die Beschaffung und Verteilung von Schlafdecken, Bettwäsche. Hand- tnchern und Taschentüchern. Fertige KleidunaS- und Wäschestücke können nur insoweit geliefert werden. alS sie aus Retag- und Heeresbeständen übernommen werden. Sie werden zu de» Ge« stehungskosten und Geschäftsspesen, aber ohne Gewinn abgegeben. Die Bevölkerung wird mit Hilfe der Kommunalverbände versorgt, Anstalten und Betriebe unmittelbar. Die Ententekommiistonen in Berlin solle« Zivil tragen. Wie die Dens«" erfährt, haben die Mitglieder der Ententckommilfionen die An- Weisung erhalten, in Berlin nach Mäglichk-it nur bei ossiziellen Gelegen- heiten Uniform zu tragen. Grttohle«. Am Mittwoch vorunttag winde Potsdamer Str. s0 ein Kastendrcirad mit wcrw. Inhalt: drei Bücher aus der Prenß. Staats- bibllothek usw. gestohlen. Die Sachen find für jeden Dritten wertlos, für Ver» lal, und Tigent. aber äußerst wertvoll. Kegen Belohnung abzugeben bei 9lich. Bong, Verlag, Berlin W 57, Potsdamer Str. LS. Auf der Streike TchlcfHcher Bahnhof— Werneuchen tritt vom kommenden Soimtage ein neuer abgeänderter Fahrplan in Kraft. Nach Werneuchen werden von dem genannten Tage ab nur noch folgende Züge verkehren: Ab S ch l e s i s ch c r B a b» h o s sWriezener Bahnsteig) um 8.22 vorm., 6.53 nachm. und 10.27 abends. Bis nach Tiesensee verkehrt nur noch ein Zug ab Schlefiicher Bahnhos 6.lt abends. Endlich fährt noch um 2.06 nachm. ein Zng nach Ahrendsselde-Friedhos. In der Gegenrichtung treffen auf den, Schlefischen Bahnbos ein: von Tiesensee ein Zug um lO.tS vorm.. von Werneuchen um 7.4L vorm., 1.08 nachiiiiltags und rniQUi abends, endlich kommt noch ein Zng von Ah ren d Sse ld e- Fr, e d ho f, der um S.3Z nachuu ii, Berlin eintrifft. Keine Fahrpreise, mäsiigung mehr für Laubenkoloniften. Zur Förderung der landwirtschafllichcn Ausnutzung des Laubengeländcs in der Umgebung Berlins hatte die Eifenbahnverwaltung zu Ansang deS Krieges den Laubenkoloniften eine Fahrpreisermäßigung gewährt. Die zur Er- langung dieser Ermäßigung erlassenen Bestimmungen waren längstens sür die Dauer des Krieges crlasten und werden nunmehr durch eine Bekanntmachung der Eifenbahndireklion Berlin wieder ausgehoben. Die zur Erlangung der Fahrpreisermäßigung sür Laudenkoloaifteii aus- gegebenen ZluSweiskarten verlieren am 21. Dezember ISIS ihre GLlkigkcit. Sine allgemeine Eil- nnd Frachtstülkgutfperre tritt am Freitag. den 28. und Sonnabend, den 2g. d. ÜB. in Kraft. An diesen Tagen wird die AuSlieserung aller Arien von Eil- und Frachtstückgütern auf den Berliner«Lterbabnbösen gesperrt. In der Abholung der Güter tritt eine Bc- schränkung an diesen Tagen nicht ein. Ebenso können auch Wagenladungen in den, bisherigen Umfange aufgeliefert werden. Neukölln. Abschied deS Bürgermeisters Dr. Manu. In der Neuköllner Magistralssitzuiig nchtele daö älteste Magistratsmitglied Baura, W e i g a n d an den von Neukölln scheidenden Bürgermeister Dr. Mann, der zum Obelbürgermeister von Erfurt gewählt ist, herzliche Abschiedsworte und überreichte dem Scheidenden im Austrage deS Magistrats die von Prot. Geyger geschaffene lakette der Stadt in Bronze. Von den Stadtverordneten hat sich der Bürgermeister Dr. Mann schon im nichtöffentlichen Teil der letzten Sladtverordnetensitzung verabschiedet. Vom Stadt- verordnetenvorsteher sowie sämtlichen FraltionSvorsitzenden wurden ihm herzliche Abschieds« und AnerkennungSworte für seine fleißige und intensive Tätigkeit gewidmet. Charlottenburg. Kohlennot und Schulen. Ein Teil der Char- lottenburger Schulen hat noigedrungen den linterriebt einstellen müssen, weil die Sleinlohlenlieferungen für die Kranken- Häuser ausgeblieben sind und daher der zur täglicben Auffüllung des Vorrats der Schulen befrimmle Gaskoks an die Krankenanstalten abgegeben werden mutzte. Seil einiger Zeit hat sich zudem die Kokserzeugung der städtischen Gaswerte infolge der Einschränkung der GaSbeliekerung vermindert. Aus diesen Gründen sind auch bei de» Schulen, die noch Unterricht abhalten, die Koksvorräte meist sehr gering. Der Magistrat steht jetzt vor der Frage, ob er eine Zusammenlegung deS Unter- richtS je zweier Schulen vornehmen will, wie es ein �Beschluß der Schuldcputation vorsteht.— Zu der Frage der Verlängerung der WeihnachtSferien hat das Provinzialschultollegium einen Vorbescheid erteilt. Eine Verlängerung der lltägigen Werh- nachtSferien soll nach Möglichkeit vermieden werden. Potsdam. Bon einem Gendarmru erschossen. Eine aufregende Verbrelverjagd spielte sich in L e n, n(unwerr PoiSdam) ab. Aus dem dortigen Wachlokal ergriff ein schwerer Junge die Flucht. Der ihn verfolgende Gendarmeric-Wachtmeister verletzte den Fliehenden durch Lungen- und A r m i ch ü i s e so schwer, daß man ihn nach dem dortigen KreiSkrankenbause schaffen mußie. Man legte trotz der schweren Verletzung den Einbrecher in Fesseln und stellte außerdem noch Bewachung. Dem Schwerverwundeten gelang«S trotzdem, die Flucht zu ergreifen. Er flüchtete in eine Obstzüchter- bütte und schoß auf seine Verfolger. Dem Gendarinerie-Wacht- nieister Febse blieb nichts andere? übrig, als den Verbtccher zu erschieße». Bei dem Toten fand man Visitenkarten auf den Namen Walter van de Seit. Lichtenberg. Eine« Heineich-Heine-Rachmittag veranstaltet der städtische VolkSunterhaltungSauSschuß am Sonntag, nachmittag» 5 Uhr. im Aestlaal de» C-ciiien.LvzeiimS. Ralhausstr. 8. ö« Wirten mit der D.zciit der Lichtenberger LolkSdochichnle Dr. N e ftri e p t e fortrag), Meinhard Maur, Mitglied des Deutschen Theaters czilalion), Fräuiein Elisabeth Ohlhofs(Gesang), Theodor leck(am Flöget). SintrittspreiS 1 M. Karten im«orverkaus sind in der städtischen Zcbulabteilimg, NathauSstr. 10, Baracke II, und den Lichten- bergcr.VorwärtS'-AnSgabestellen zu haben. Grvh-Berliner Lebensmittel. Berlin. Vom 1. bis 7. Dezember auf die Abschnitte 49a bis g der Berliner Kartoffelkarte 7 Pjund Kartoffeln, die bereits von heule ab ent- Nammen werden dürfen. Mariendorf-Südende. Für diese Woche u P'und Karloffeln: aui 48k»nd g 1 Piund Kohlrüben(5 Pf). Kriegsbeschädigte bis zum 2S. d. 500 Gramm Gries: die Ausgabe erfolgt aus Abichnilt 48 der Zuiatzkarte in den Gemeindclädcn.— An Kinder im 7. b-,S lr. LebenSiahre bis zum 2S. d. M. 250 Gramm Gersicnmehl(60 Pf.): AuSgabe Gemclndeläden.— Vom 2S. d. M. bis zum 6. Dezember Lcriaus von V, Psund Marmelade (0.65 Pj.) aus die braune LebenSmittelkorte tAblchrnü t/I.— Vis Sonnabend Anmeldung zum Bezug von ausländischen Hülsenfrüchten. Aus die Abschnitte 78, 74 und 75 750 Gramm 0.88 M.) anzumelden. Verkauf am 5. bezw. 6. Dezember, nachm. 4 Ubr.— Für rsaugltnge bi» zu 1 Jahre dureb die WütterberatungSftklle Gnmmisanger iinentgeltlich. Friedrichs selbe. Für dt« Wochen vom 2t. ins 30. Nov. und 1. bis 7. Dez. jetoßt je>/» Pjo. LluslandSrogguimehl(2 24) zur AuSzab«. Sroß-Serlmer parteinachrichtea. L.— 8. Abt. Sonntag früh von 8 Uhr ab von de» de- kannten Lokalen aus allgemeine Flugblatt- und Handzettel- Verbreitung. Tie Bezirksjührer können daS" Material vom Sonnabend abend ab in den Abteilungslokalen in Empfang nehmen! D.-P.-D.- Funktionäre des Siemens u. Halske Wernerwertes. Heute nachmittag Sst, Uhr: Konserenz in der Schleuse(Bahnhos Jungsern- Heide). Alle Vertrauensleute werden dringend ersucht, zu erscheinen. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer«.Lehrerinnen. Sitzung Sonnabend, 2S. November, nachm. 5 Uhr im Lehr erver einShaus, Alexanderplatz. Mariendorf-Sudende. Sonntag: Allgemeine Flugblatt- und Hand- zetkelverbreitling. Vormittags 10 Uhr von den Bezirlswlalen aus. Jugenöveranstaltungen. Berein Arbeiterjugend Grost-Berlin, Zentraljugendheim, So»mtag abend 6 Uhr 2. GründungSseier. Gesang(Arbeiterjugend-Duariett), Rezitationen(Walter Siurin), lebende Bilder. DaS Heim wird um 4 Uhr ge- öffnet. Die Arbeitereltern find eingeladen. Vorträge, vereine unö Versammlungen. „Aufbau und Werden". Heute, Freit aq. 6 Uhr. T praktischer Teil des VortragSzylluS des Herrn Wilh. N ö l l e n b n r g, chem. Lektor (Allstfiolck University) über:.Bilanz-Auibau und Kritik", in der Aula de» Sophien-Lyzeums, Wcimneisterstr. 16/17.— Zentralverband der Angestellten(Bez. Wilmersdorf, Halensee, Schmargendorf. Sonntag nach Stahnsdorf— Machnower Schleuse. Treffpunkt 10 Uhr vonn Gälte willkommen.— Rcichsbund der KriegSbe'chädigten uiw., Bezirk 3. Südost. Montag 7 Uhr in Schuhmachers Festsälen. Skalitzer Straße 126, Zablabend mit geselligem Beisammensein.— Erziehnngs-»nd Fürsorge- Verein für geistig zurückgebliebene Kinder. Sonnabend» Ubr im Saal 10S deS Rathauses(Eingang Füdenstraße) Haupwersammlung Stadt- und KreiSlchuIinspettor Fuchs ipiicht über:„Die Bewährung der ehemaligen Hilsslchulkitider während des Krieges". Gäste willkommen.— Der Berein 5er Aquarieu- und Derrartenfrennd« veranstakiet am Sonntag eine Fiichschau in WollschlägerS VereinShanS, Landsberger Str. LS. Eröffnung 10 Uhr.— KönigSwusterhaufen. Der für beule ongeletzte Bortrag fällt aus. Die nächste Veranstaltung ist im.Gasthof zum Luftschiff", Lücken- walder Slr. 5, am 1. Dezember, abendS 7 Uhr. Sportnachrichten. Arbeitrr-Radfahrer-Bund„Zolidarität". 2. Abt. Sonntag: HeriugStour nach Hirjchgarien(Reit. WilhelmSbof). Start: I.Uhr irocki- mittags Fontancvromenade 18.— Arbeiter titadfahrer Berein„Brost- Berlin". Sonntag nachmittag 1 Uhr: All-OHienicke bei Adlersdos, Rest. Treppcus. Start: Marialmeriplatz. Nächste Versammlung: Miilwoch bei MatschenS, Forster Str. S._ Sriefkasten der Neüaktlor». Jeder fBt den Briefkasten bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und ein« Nummer bei. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Eilige Au- kragen trag« man in der Juristischen Sprechstunde. Lindenstr. Z. I. choi par- terre links, vor. Echriftstllckc und BertrSge find mitzubringen. Sprechzeiten der juristischen Sprechstunde: Montag, Mittwoch und Freitag 2—2 Uhr; Dienstag und Donnerstag 3—6 Uhr; Sonn- abend 3— 5 Uhr. Mähen 67. Ihre Annahme trifft nicht zu, es ist vielmehr eine Er krantung des Magens mit Schmerz im Zwölffingerdarm. Ihre Abschrift ist übrigens scblcrbast— H. B. 10V. Wir halten bereit» damals mit" geteilt, daß uns das Verfahren nicht bekannt ist und Sie an den„Lauben" iolonift", Ziöpenickcr Str. 32a, verwiesen.— Görlitz. Ja. Anschrift: Re- publikanischer Führerbund, Luisenstr. 32s.— C. W. 1896. Ja, aber nur. falls Sie sich täglich bade».— Gd. 19.„Anscheinend".— W.». 29. Bczirksverband(Fraul. Todenhagen). vormittag» 9—1 Uhr.— F. 75. Ja. R. 62. Der Anzug ist, da er Ihnen anscheinend al» Faustpfand gegeben ist, nicht Ibr Eigenlum geworden. Sie müssen den Schuldner zur Em- lv>ung unter Setzung einer Frist auffordern. Nach Ablauf der Frist können Sie durch einen GerichtSvollzieber die Versteigerung de« Anzuges vcran- lassen. Sie baden das Recht, miizubiclen. Von dem Berstelgcrungstermin muß dem Schuldner Kenntnis gegeben werden.— H. G. 37. 1. Nur dann, wenn das Kind au» eigenem Einlommei, setnen Unterhalt be- streiten kann. 2. Eine Altersgrenze ist sür die Ansprüche ehelicher Kinder nicht gezogen. Maßgebend ist die unter 1. erwähnte Tatsache. S. Ja, wegen der inzwischen cingetrelenen Teuerung.— A. T. 315. Wenden Sie sich wegen nnentgeltlichcr AnSkimst, bezw. Behandlung a» die LandcSvci- stcherungSanstalt der Provinz Brandenburg. Kleiftilr, 15. DiSkickion ist dort gewährleistet.— W. 99. Für>/, Jahr. Erheben Sic sofort Ein spruch beim Geschästssührenden Ausschuß der Berliner Stadtsynode.— WetteranSsichten für daS mittlere Norddeutschland bis Sonnabend mittag. Zeitweise heiter, teilweise Nachtfrost; tm Westen bewölkt i später etwa» Regen._ Gewinn-Auszug der 14 Prenss.-Südd.(240. Preuss.) Klassen-Lotterie e. Klus« 18. Zlehangetag 27. 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Die Vorschriften der Magsttratsverordnung vom S, Februar 1915 In der Fassung der Mazistratsverordnung vom 17. Oktober 1919 finden entsprechende Anwendung. » 4. Diese Verordnung tritt am 1. Dezember 1919 in ZkrafL Verlin, den 29 November 1919. Zu 14650 Br. X. Magistrat. Dr. Relclce. Bratklops, Stück 50 Pfennig, Fischwürstchen, per Pfd. nnr 3 M., sehr mohlschmeekend, nahrhasl und doch blMg, versendet gegen Voreinsendung oder Nachnahme slldOD Elsahwurstlahrih Dresden- Potschappol. Fernrus: Ami Polschappel Rr. 30. Max Bauch-, Kau- um Schnupftabg'de Zigarren, Zigaretten en groffan 'jetÄ! Berlin C, PoststralJ� 62 P.msnrprh.r■ Zentrum 8790 und 2»77„�� Sr. med. Karl Reinhardt i | Berlin, Potsdamer Str I17(a.(l. Lötzowsfraße) j SpeziaNArzt bewährte facbmStuilsctae Bcbaadlaag, UnentgeltL Auskunft u. aufklär. Oratis-Broschüre. 1 Beschreib, sämtlich. Heilverfahren(verscnloss.Britf| 1.50M.). 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