Ur.610. 36Llchrg. Bezugspreis: Lierteljilhrl. l0L0Mk.mimatI.SA> MI. f«i ws Saas, oormi», ohlbar. Postbezugs Monatlich SLO MI. exkl. gil- stellnngsgebllhr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn e,7Z M!.. für doe übrige Ausland l0.7b MI. bei taglich einmal. Zustellung 8,75 Mk. Poftbestellungen nehmen an Dänemark, Solland, Luxemburg, Cchweden u. die Schweiz. Eingetragen w die Poft-Zeitungs-Preisliste. Der„Vorwärts� mit der Sonntags- beilage.Boll u. Zeit* erichetnt wochentäglich zweimal. Sonntags einmal. Morgen Ausgabe. Telegramm-Adreffe! »Sozioldemokrol Berlin-. Berliner Volksblntt Anzeigenpreis: Di« ack>tgespaltene Ronoarcillezeile kostet ILO M., Teucrungszuschiag S0°/«. «kt leine Anzeigen", das lelt- gedruckt« Wort 75 Pfg. szuliisstg zwei settgedruckte Worte), jedes weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 85 Psg„ jedes weiter- Wort 40 Pjg. Worte über 15 Buchstaben zählen jür zwei Worte. Teucrungszuschiag 50»/� Familien- Anzeigen, poiittjche und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen 1,60 ML die Zeile. Anzeigen filr die nächste Nummer müssen bis 6 Ahr nachmittags im Sauvtgejchäst, Berlin SW 68, Lindcnstraße 8, abgegeben werden. Geöffnet von 0 Uhr jrüh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdcmohratlfchen parte? Deutfchlands Reüaktion und«Expedition: SW. 6$, Linöenstr. 3. Kernivrecher: Amt Mortnvla«, Nr.»ZlSV— stS>S7. Sonnabend, den Ä9. November 1919. Vonvärts-Verlag G.m.b. h., SW. vS, Linöenstr. 3. Feruivrrcher: Amt Moritivla«,, Nr. l.17 SZ— St. Oesterreichs Not. Der sozialistische Wahlsteg. Aus Rom wird uns vom 19. November geschrieben: Die stolzesten Erwartungen snrd durch das Wahlergebnis vom 16. November übertrosfen worden. Als st ä r k st e P a r- t e i ziehen die S o z i a l i st e n in die neue Kammer: mit einer mehr als verdappeltcn Zahl von Mandaten, hinter denen die gewaltigste Wählermassc steht, über die jemals in Italien eine politische Partei verfügt hat. Es war reine Politik des Kompromisses, die uns zu die- fem Ergebnis geführt hat, keine Verschleicrnngs- und Bund- rnspolitik. Die sozialistischen Stimmen sind nicht abgegeben worden aus Freundschaft für diesen und jenen, nicht auf Grund vorübergehenden Zusammentressens von Interessen- sie bedeuten alle die Ablehnung der bürgerlichen Politik. Es wäre töricht und vermessen zugleich, wollte man behaupten, daß alle sozialistischen Stimmen sich ans eine klare Erkenntnis des sozialistischen Programms, auf ein klares Wollen seiner Ziele grünbeten: aber das kann man kühnlich behaupten, daß sie alle eine bedingungslose Ablehnung der bürgerlichen Politik bedeuten. Ja, so paradox es klingt, man kann sagen, daß die b ü r° gerliche Niederlage bei diesen Wahlen noch größer ist als der sozialistische Sieg. Und gerade das, was die bür- gerliche Presse anführt, rnn den Parteisieg zu verkleinern, ist dazu angetan, den Wert der Niederlage in das rechts Licht zu setzen: daß die wirklich« Macht des Bürgertums weit größer sei, als die bei den Wahlen zum Ausdruck gekommene. Die äußer st geringe Wahlbeteiligung beweist näm- lich nicht, wie die bürgerlichen Blätter glairben machen wollen, daß die Bourgeoisie noch ihre Reserven hat, die sie jederzeit ins Feld führen kann; sie beweist vielmehr, daß das Bürgertum mcht mehr an sich selbst glaubt, nickst mehr an den Parlamentarismus, an die tyvisckoe Form seiner politischen Herrschaft. Eine herrschende Klasse, die in einem derartigen Kampf kaum ein Drittel ihrer Wähler zur Urne bringen kann, zeigt dadurch nicht, daß sie Reserven hat, die ihr morgen eine Revanche ermöglichen: sie zeigt vielmehr, daß sie abgewirt- schaftet hat, daß sie nicht einmal den Instinkt der Selbsterhal- tung betätigen kann, daß sie von innen heraus abstirbt. Was die bürgerliche Presse als„wirkliche Macht" der „Ordnungsparteien" ansieht, das ist nur die Zahl.„Wenn wir gestimmt hätten, hätten wir gesiegt," sagen die Unter- legenen. Daß sie nicht geftinrmt haben, ist aber nicht eine Gelegenheitsursache der Niederlage: es ist der Ausdruck der Niederlage. Die Bourgeoisie war an sich selber und an ihrer Zukunft irre, darum sind ihre Scharen dem Kampfe fern geblieben, in dem sich die Lebensinteressen ihrer Klosse ent- schieden. Sie hat die Massen nicht mehr in der Hand, die breiten Massen, ohne die es keinen Wahlsieg g bt. Diese sind mit den Sozialisten gegangen oder, halb stumpf und halb feindselig, zu Hauie geblieben. Gerade diese st u m p f- finnige Gleichgültigkeit der„Ordnungs- P a r t e i e n" gibt dem Wahlausgang seine gewaltige Bedeu- tung. die sogar noch schwerer wiegt als der sozialistische Sieg. Unsere Partei hat in diesem Kampfe eine Wahlplattform gehabt, wie sie sich nicht günstiger denken läßt: die Per- urtcilung des Krieges. Und als Oppositionspartei, die jeder Verantwortung für die Regierung ferngeblieben ist. konnte sie von der F'ktion ausgehen, daß es den herrschenden Klassen möglich gewesen wäre, den Krieg zu vermeiden. Wer also den Krieg ver urleilt, der stehe zu uns, als der einzigen Partei, die frei ist von jeder Verantwortung für den Krieg. Und um diese emzige Partei hoben sich die Wähler zu Hunderttausenden geschart, so daß sie als stärkste Partei des Landes in das Parlament zieht. DieMassenhabenden Krieg verurteilt, haben durch ihr Votum erklärt, daß auch der Ausgang des Krieges ihn nicht rechtfertigt. Aber die loz-alistische Wahlplatt form, war auch aus die Zukunft gerichtet. Indem sie den Krieg verurteilte, verurteilte sie das Regime, das Kriege erzeugt, den Kapitalisnms. Und während die Republikaner und die Reforntsten sich begnügten, die Konstituante zu fordern, hat die Partei als ihr Ziel die Einführ ungderRäterepubliknachrussischem Vorbild aufgestellt. Nicht die politische, sondern die soziale Revolution. Und wer in diesem Wahlkampse für die sozio- listische Partei gestimmt hat, der mußte misten, dah er für eine grundlegende Umwälzung der politischen und Wirtschaft- lichen Organisation des Landes seine Stimm« abgab. Ts ist jetzt nicht der geeignete Augenblick, um die Frag« Zv erwägen, ab die Verwirklichung der Räterepublik sogleich von der Partei ins Auge gefaßt werden wird, oder ob der Umstand, daß die Soziolisien nunmehr die ausschlaggebende Partei in der Kammer sind, durch den unmittelbaren Druck auf die Regierung zu umfassenden Reformen führen wird, die dank an deutschlanö. Zu der österreichischen Nationalversammlung in Wien machte am Freitag, zu Beginn der Sitzung, der Präsident die Mit- teilnng von dem Beschlnß der Deutschen Nationalversammlung, im Dezember jede Brotkarte im Reiche um 50 Gramm einzuschränken und diese Ersparnisse zur Linderung der Not Deutschö st erreichs zu verwende». An diese Mitteilung, welche vom Hanse mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen anfgrnommcn wurde, knüpfte der Präsident folgende Erklärung, die vom Hanse stehend angehört wnrde: Hohes Haus! Es handelt sich hier nicht nur nm ein sinanzielles Opfer schlechthin, nicht nur um ein Opfer, das der Staat als solcher bringt, sondern um eine Liebesgabe jedes einzelnen Bürgers des Deutschen Reiches ohne Unter- schied. Jeder Bürger schmälert täglich seine o h n e h i n k a r g b e m e s s e n e Ration, um dadurch beizutragen zur Linderung der schrecklichen Not, die in Deutschö st erreich herrscht. Dieser Akt der Großmut und der brüderlichen Solidarität des Deut- schen Reiches hat bei nus nicht nur Freude und Genugtuung ausgelöst, sondern vor allem die innigste Dankbar- keit. Der Beschluß ist abermals ein Beweis dafür, daß die Gewalt uns zwar räumlich trennen kann, daß aber nichts imstande ist, die Bande ge- m einsamer Geschichte und gemeinsamer Kul- tue zu löse», die unS mit den Brüdern im Reiche verbindet. Ich ipreche im Namen des ganzen Hauses und aller seiner Mitglieder, aber ich bin versichert, auch im Sinne aller Bürger der Republik zu handeln, wenn ich sage: Unseren Brüdern im Reiche innigsten Dank für die Hilfe in schwerer Zeit» für diesen Alt außerordentlicher Großmut, den wir nie ver- Jessen werden!(Lebhafter, langanhaltender Beifall und Händeklatschen.) größere Umwälzungen vorläufig hinausschieben. Die Frage wird schon in den nächsten Wochen ihre Antwort finden. Gegen die Soz'alisten kann man heute in Italien nur regieren, wenn man die K l e r i k a l e n auf seiner Seite hat. was den politischen Ueberlieferungen des Landes ganz und gar zuwiderläuft. Darum ist nicht gesagt, daß die Versdimel- zung von liberaler Bourgeoisie und Klerikalen unwahrschein- lich oder gar unmöglich wäre. Die neue Kammer drängt ge- radezi: zu diesem Bündnis. Fast ncunz'g Klerikale haben uns die Wahlen beschert. Als Oppositionspartei würden ihre Stimmen mit denen der mehr als 136 zu rechnenden Sozia- listen keine Regierung am Ruder lassen, selbst wenn die anti- klerikalen bürgerlichen Parteien, die einander während des Wahlkmnpses so.giftig befehdet haben, sich einmütig in den Dienst der Regierung stellten. Eine Regierung, die mit den Sozialisten reg'ert. halten wir in der heutigen Sachlage für ausgeschlossen. Eine Partei. die mit dem Versprechen in den Wahlkamps getreten ist, die Räterepublik einzuführen, würde den Ast absägen, aus dem sie sitzt, wenn sie die Verantwortung der Regierung im Verein mit bürgerlichen Parteien auf sich nähme, ganz besonders in einer Situation wie der heutigen, bei steigender Staatsschuld, rapidem Sinken der Valuta, Zerrüttung der Produktion, be? einer Abhängigkeit vom Auslande, wie sie in diesem Maße das dritte Italien überhaupt noch nicht gekannt hat. Jetzt, wo die La�e in gewifler Beziehimg noch ernster ist. als während des Krieges, die Verantwortlichkeit mit der stiegierung teilen, ge- wssermaßen als Teilhaber einem bankerotten Unternehmen beitreten, wäre, ganz abgesehen von den iin Wahlkampf ein- gegangenen Verpflichtungen, eine beispiellose Torheit. Das„Giornale d'Jtalia" rechnet ganz fidel bei dem Wahlergebnis eine Regierungsmehrheit von 266 Deputierten Herans. Tos ist freilich ein großes Kunststück, denn die Zahl der als Ministerielle in den Wahlkampf getretenen, die ge° wählt wurden, beläuft sich noch nicht einmal auf die Hülste. Trotzdem hat das Blatt reckst, wenn es Ministerielle und Anti- ministerielle in einen Topf wirft, denn angesichts des Wahl- resultats ist es anzunehmen, daß die Antiininisteriellen nicht gerade große Eile haben werden, ein Ministerium zu stürzen, dessen Nachfolge, wie die Dinge eben liegen, man kaum feinem schlimmsten Feinde gönnen kann. Man darf annehmen, daß die bürgerl che Opposition bis auf weiteres mit den Mini- steriellen zusammengehen wird. DaS sieht man schon daraus. daß keine bürgerliche Zeitung, weder die Regierungsblätter noch die anderen, nach den Wahlen den Unterschied aufrecht- erhalten zwischen ministeriellen und Oppositionskandidaten. der ihnen vor den Wahlen der allerwichtigste schien. Deshalb fehlt bis jetzt auch jede Statistik der ministeriellen und der ani'ministeriellen Kandidaten. Die Zeitungen sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß es klüger ist, sich die bürger- lich-en 5iandidaten nicht mit der Lupe anzusehen. Am allerkläglichsten schneidet von den Ordnungs- Parteien die n a t i o n a l i st i s ch e ab, die in Rom nur zwei Kandidaten durckchringt, wobei undankbarerweise ihr Haupt- zahler, der Marchese Media bei Vascclle, nicht wiedergewählt zu sein scheint. Auch ihr Kandidat in Venedig, der bisherige Abgeordnete Fcscari, ist unterlegen. So dürste die nationa- listische Fraktion sich aus die 5 Mandate beschränken, die wir ihr prophezei: hatten. Charakteristisch für die politische Lage ist das Auf- gerieben werden der U e b e r g ä n g s p o r t e i e n, der Schattierungen zwischen Bolschewismus und bürgerlicher Demokratie. Früher bestand die äußerste Linke in Italien aus Radikalen. Reprstlikanern und Sozialisten. Die R a'd i- kalen sind immer mehr an die Regierung herangerückt und zum großen Teil in den bürgerlichen Ordnungsparteien auf- gegangen. Von ihnen ist diesmal der frühere Justizinin ister Sa c ch i unterlegen; nur C o l a j a n n i und Pantano sind von bekannteren Namen als wiedergewählt zir erwähnen. Die Republikaner haben sich ganz verkrümelt. Es sind ihrer nicht zehn übriggeblieben, halb so viel wie in der vorigen Kammer.> Sehr hart ist das Urteil der Wahlen für die R e s o c- m i st e n, nämlich die national gesinnten Sozialisten, deren Fraktion ans de» vorigen Wahlen mit 23 Mandaten hervor- gegangen war. Sie icheinen auf 16 zusammengeschmolzen. Blssolati ist mit Ach und Krach gewählt worden, ebenso B e n o n i in Mantua und D e F e l i c e in Catania. B e- r e n i n i, der im vorigen Kabinett Unterrichtsminister war, ist unterlegen, ebenso Canepa, der Herausgeber des Genueser .Lavoro". Von den sog. freien S o z i a l i st e n, die außerhalb der sozialistischen und der reformistischen Partei stehen, ist nur Sandulli in Neapel wiedergewählt, Ettero C i c c e t t i dagegen nicht. Hinter allen Erwartungen sind die Ergebnisse zurück- geblieben, die der„ K r i c g e r b u n d" sowohl allein als im Bunde mit Republikanern und Reformisten erzielt hat. Tie große Unklarheit ihres Progranims ist den„Eombattenti" verhängnisvoll geworden, ebenso der Umstand, daß sie mit merkwürdiger Konsequenz fast lauter Kandidaten gewählt hatten, die während des Krieges dem Feinde in den Bureaus der Munsterien die Stirn geboten hatten und ihre Sicherheit mehr der Wwesenheit des Körpers als der Geistesgegenwart danken. Die Zahl der Gewählten scheint um 26 herum zu schwanken, wenig genug nach dem vielen Geschrei. Von Mitgliedern der Regierung sind unter- lege» der Minister für Penfionswesen, Da Como, der sich unverkennbare Verdienste in seinem Verwaltungssach er- Wörde» hat, so daß man hoffen muß, er werde als Senator in seinem Amte erhalten bleiben, und der Untcrstaatssekretär der Kolonien, T e o d o l i. Auch der frühere Gouverneur von Eritrea, Ferdinando Vlartim, hat das gleiche Schicksal er- fahre». Einige besonders zweideutige Elemente aus der Gefolgschaft Giolittis, der selbst natürlich-wiedergewählt wurde, hat der Wahlsturni weggespült, so den Schwiegersohn des langjährigen Diktators. Chiaraviglio, und De B c l l i s. Dagegen ist dem Parlament eine der unsan- bersten und zweideutigsten Gestalten erhalten geblieben, der frühere Parteigenosse R a i m o n d o, der, als Sozialist in die vorige Kammer gewählt, jetzt an der Spitze einer Koalition großindustrieller genueser Haifische wiedergewählt wurde. Neu erworben bat die.Kammer jenen Mussolini, der früher Parteigenosse und Redakteur des„Avanti" war, dann plötzlich zur Kriegspartei überging und mit großen Mitteln das Hetz- blatt„Popolo d'Jtalia" gründete, er ist eine Persönlichkeit, deren moralische Farbe zwischen JrrenhauS und Zuchthaus schillert, die man aber wohl bei eingehender Untersuchung ganz dem Irrenarzt überlasien würde. Eine eingehende Würdigung der Za h l � n e r g e b n i s s e nlütz einem späteren Berichr vorbehalten bleiben. Heute ge- nügt es zu sagen, daß die neue Kammer wirklich neu sein wird. Auch klarer und übersichtlicher als die alte. An Stelle kleiner und kleinster Gruppen werden Parteien stehen: rechts die Klerikalen, links die Sozialisten: in der Mitte, durch den doppelseitigen Druck zusammengefügt, die liberale Bourgeoisie. Was daneben noch besteht, ist praktisch belanglos da es kaner- fei Einfluß auf die Ereignisse haben kann: Reformisten, Re- vublikaner und Kriegerverband zusammen können noch nicht einem Drittel der sozialistischen Fraktion dsS Gleichgewicht haltttr. Heut inuß die Bourgeoisie enticheidsn, ob si« den g e- !o a l t s a ni e n K a in v f will um ihre Klassenvorrechte, oder ein schrittweises Abtreten vorzieht. Auf einem unserer Parteitage brauchte einmal ein Genosse das Gleichnis: SuS Bürgert«»: gleicht einem Tiger, der sich aus der Flucht in die Hölile verfolgt siehs und. um den Jäger ans- zuhatten, eine? noch dem rindern, seine Jungen preisgibt. Man Mich nun abwarten, ob das italienische Bürgertum rechtzeitig n verzichten versteht, oder ob es vorzieht, lehre Klassenvorrechte unverkürzt zu verteidigen, auf die Gefahr hin, sie olle zu verlieren. Ein drittes gibt es nicht: ein umlasfendes. nmfchaffendes Reformprogramm oder die Revolution. Wenn sich die Sozialisten nach dem jetzigen Siege mit Geringerem zufrieden gäben, so ließen sie da? Ver- sprechen nne ingelost, das bei dem Wahlkampf die Massen um ihre Fahnen scharte._ Sas verbrechen. Dem Hauptorgan der Alldeutschen und Antisemite», der ..T-eutschen Zeitung", ist es vorbehalten geblieben, das Ber- brechen der sozialistischen Regierungsinirglieder ini Falle ZZlarz zu entdecken: Sie haben die Lebensmittellieferung für das Regiment Reichstag an Sklarz übertragen, anstatt sie in Submission zu vergeben, wie das früher der Fall war. Tas ist allerdings der Gipfel öer Niedertracht. Nur hat die„Deutsche Zeitung" anzugeben vergessen, wie es die Re- gierung am 6. Januar hätte anfangen sollen, eine Submrfsion für die Lebensmitteklieferungen an das Regiment Reichstag auszuschreiben. Zeitnnglm erschienen nicht, die Gebäude waren von Spartakus besetzt. Der Machtbereich der Regierung in Berlin erstreckte sich auf einige Straßen und Gebäude im Umkreis von ein paar hundert Meter. Aber selbst, wenn man die Submission hätte ausschreiben können, wer würde sich wohl angeboten haben, für eine Regierung zu liefern, von der man nicht wußte, ob sie am nächsten Tage noch bestehen würde? Oder hatte die„Deutsche Zeitung" am 6. Januar Absichten, der Regierung Kredit zu gewähren und Lieferungen für sie zu übernehmen?! Aber selbst dies beiseite gelassen: Die Erledigung eines Submissionsverfahrens braucht, selbst wenn man es mit der höchsten Eile betreibt, mindestens ein bis zwei Wochen. Bis dahin wären die Truppen, welche die Regierung schützen lvollten, l ä n g st v e r- hungert gewesen oder auseinandergelaufen. Ist es doch tatsächlich vorgekommen, baß am Morgen des Tages gebildete Jreiwilligenformationen um Mitternacht noch nicht wußten, woher sie Verpflegung beziehen sollten. Was hätten diese Leute wohl geantwortet, Jvenn moai ihnen erzählt hätte, es würde-----— e i n Su b- in i s s i o n s v e r sah r e n für die Lebensmittelbelieserung ausgeschrieben, bis zu dessen Erledigung sie sich gedulden möchten?! Es ist die Methode, die wir bei dem ganzen„Enthüllungs- eldzug" auf Schritt und Tritt beobachten können: Man he- schuldigt die Regierung unkorrekter Handlungen, verschweigt a der, daß diese Handlungen aus der Zeit der d r i n g e n d st e n Notlage stammten, wo die Regierung nach jedem Halt greifen mußte, der sich ihr bot. wenn sie nickt untergehen wollte. Diese„Submissionsbliite" der„Deutschen Zeitung" kennzeichnet das ganze Vorgehen. « In einem Berliner MittagSblatt zählt Herr HeNovon G e r l a ch die angeblichen literarischen Gründungen des Ver- wgcK für Sozialwissenschaft auf— er nennt die„Sozialdemo- rratische Feldpost", die„Internationale Korrespondenz", die ..Glocke" usw. und behauptet, daß durch„fürstliche Honorare" Mitarbeiter auS Kreisen der Partei für eine bestimmte Richtung herangelockt werden sollten, Geld habe dabei keine Rolle gespielt. Wörtlich behauptet Herr v. Gerlach: „Gewisse, durch Parteissonom«? nicht verwöhnte sozialistische Liteoaten rissen sich förmlich um die Mitarbeit der„Glocke". Offenbar soll hierdurch der Anschein einer literarischen Korruption unter den Parteischriftstellcrn criveckt werden. Dein stellen wir einige Angaben aus sachkundiger Quelle gegenüber, die beweisen, daß die von; Verlag für Sozial- Wissenschaft gezahlten Honorars in keiner Weiss übermäßig, sondern eher sehr gering waren. Richtigzustellen ist zu- nächst, daß weder die„Sozialdemokratische Feldpost", noch die„Internationale Korrespondenz" Gründungen von Por- vus oder Sklarz sind. Ihr Gründer ist vielmehr derselbe A. Baumeister, von dem ein Teil des„Enthüllungs- Materials" stammt, und der die Unternehmungen später an den Verlag für Sozialwissenschafl verkauft hat. Im übrigen zahlte und zahlt die„Glocke" ein Seitenhonorar von 7 M (n i ch t g a n z 17 Pf. pro Zeile). waZ siii; einen größeren LeitartitÄ von 200 Druckzeilen ungefähr ein Honorar oon 35 M. ergibt. Wir bezweifeln, daß Herr v. Gerlach .:S für dieses Honorar tut oder je getan hat. Der Redakteur der„Glocke", Genosse Konrad Haeniich, erhielt 6000 M. Jabresgehalt, vier ständige Mitarbeiter der„Glocke" er- hielten außer ihrem Artikelhonorar ein festes Monatsgehalt von 100 M. Der Redakteur der.Internationalen Korre spondenz" erhielt 7200 M. Jahresgehalt, die übrigen Mit arbeiter nur kleine Entschädigungen. Tie 12 Zeitungsseiten starke„Sozialdemokratische Feldpost" hatte einen Redäktious etat von ganzen 125 M. pro Nummer, davon erhielt der Re daktenr 50. später CO M.. den Rest die vielen Mitarbeiter. So sehen die„fürstlichen Honorare" aus, mit denen sich nach Herrn v. Gerlach die Parteischriftsteller korrumpieren ließen. Ein deutschnationales Blatt hat denn auch einen äbn liehen Vorwurf nach Kenntnis des Sachverhalts mit der Bc merkung zurückgenommen, daß man hier viel mehr von einer Ausbeutung der'Arbeit sprechen könnte.— In Wirklichkeit liegt die Sacke so, daß hier wie in vielen Fällen Parteischrift steller aus Idealismus für geringe Entschädigung i h c x Ueberzsugung verfochten lwben. Wir glauben dicic Feststellung der Ehre der Parteischriftstellerschast schuldig zu sein.__ was nötig war. Wie wir erfahren, wird eine Aenderung des bisher angewandten Verfahrens des U n t e r s uch u n g sa u s- schusses ins Auge gefaßt. Namentlich die letzten Vernehmungen, in deren Verlaufe die Zeugen anstatt auf die ihnen vorgelegten präzisen Fragen präzise Antworten zu geben, lange Erklärungen verlasen. deren politische Tendenz unzweifelhaft, deren Zusammenhang mit dem engbegrenzten Tätigkeitsfeld des betreffenden Uiftersuchungsausschiisses hingegen sehr fraglich war, haben den Beweis erbracht, daß es im Interesse der Feststellung der objektiven Wahrheit über die nichtausgenützten Friedensmöglichkeiten nicht angängig sei. die Verhandlun- gen in der bisherigen Weise fortzuführen..Künftig sollen die Vernehmungen sich auf ein r e i n e s V e r b ä r der Zeugen beschränken, also auf Fragen der Mitglieder des Untersuchungsausschusses und auf die Antworten der Zeugen auf die betreffenden Fragen. Wir begrüßen diese Absicht und bedauern nur, daß sie sich erst auf Erfahrungen stützen muß, die man sich im Interesse -des Ansehens der Kommission besser erspart hätte. Antisemitische Geheimbünöelei. Unferm Aannoveranci: Parieiblatt, dem„Volkswillen", sind folgende Schriftstücke zur Kenntnisnahme unterbreitet worden: Hannover, 27. Juli 1910. L-ieHwevIer Bm�esfrounö I Die trrtemttins, daß es ein Gebot der«stunde ist, alle anti- semitischen Verbände zusaminenzuMießcn, hat dazu geführt, daß in unserer MitgliedcrversaromknNß am 24. d. M. nach eiirftim- n tigern Besckluß aller anwesenden Mitglieder unsere bisherige tlrisgruppe des Deuksch-Völkischcn Bundes übergegangen ist in den Deutschen Schutz-- und Trutzbund. Damit sind wir ein großes Stück vorwärts gekommen. Parieipolitifche Erörterungen jeder Art und konfessionelle Fragen sind von nun an sowohl in unseren Versammlungen als auch bei Werbung neuer Mitglieder unter allen llru ständen grund- sätzlich streng zu meiden. Werben-iie in Zukunft aus-Mießlich für den Deutschen Schutz- und Trutzbund. Suchen Sie darum auch in die Kreise der Iüngmänner einzudringen. In ihnen herrscht Mut und Eifer zur Vollitreckuug unsere: Pläne. Lenken Sie alle Gespräche vorsichtig und kühl auf die Judenfrage und reizen Sie die Leute, Färb« zu bekennen. Hier ein Ausnahme gesuch. Trachten Sie danach, bis zu un- irrer nächsten Versammlung �Donnerstag, den 31. d. M., 8 Uhr, Wackwnings Hotel),« i n Mitglied zu werben. So oft Sie Gleickgesinnte kennen lernen, notieren Sie sich stets Äamen und Wobmuig. Bearbeiten Sie diese Leute— aber fei« Wort von Parteivolitik!— und übermittln Sie uns stets allwöchentlich zu unseren Versammlungen die gesammelten Au° schriften. Kaufen Sie alles, was irgend möglich, bei irnseren Mit- Cniedern! TaS ist oberste Pflicht! Der Denrscke muß zum Deutschen halten. Keinen Pfennig dem Juden! Weisen Sic alle Freunde stets daraus hin. Kennzeichner. Sie stets das„Berliner Tageblatt" und die „Berliner Jllustrierie" als die Alljudenblätierl Eine vorzügliche antisemitische parteilose Zeilschrist ist der„Hammer"(Istäglich, vierteljährlich 2,50 Mk., Leipzig, König- jwaße 17). Halten Sie die Namen unserer Mitglieder, den Ort und tzic Art unserer Arbeit Unerforschten gegenüber durchaus gehciv?. Das Judentum arbeitet geheim; wir müssen hierin von ihm lernen. Dann werden wir eine Machi. Mit deutschem Gruß! £ rtsgrüstpe des Deutschen Schutz- und Trutzbundcs. Voigts. Geheim! S e Haren die Ortsgruppen-MitgliedS-Ar. 260. Sie wollen dlsfe Mitteilung aufibowahren und sich die Nummer aus bestimmten Gründen genau merken. Sie genügt o. auch bei Zuschriften an uns und bei Eintragungen in die Ar.wesenheirsliste während unserer Verfammlungen. » Gegen Rückgabe. Aus unserer Mitte trollen wir eine Kerntruppc zu» sammenstellen, die bei besonders vertraulichen Angelesrnheite« in Tätigkeit treten soll. Sind Sie bereit, eingutvettn? i» nein �Unterschrrft.j Bedingung: Subordination! Welche Ziele die Bildung dieser geheimen Kcrntruppe verfolg i. darüber lassen sich leicht Vermutungen anstellen. Die ganze Auf- machung ergibt jedenfalls, daß hier Pläne verfolgt werden, die daS Licht der Oeffentlichkett zu scheuen Hachen. Generalstreik im Sezirk Gitterfelö. Wolff meldet noch in später Nachtstunde: Im Bitterfelder Bezirk sind heute nachmittag 2 Uhr alle Betriebe kn» auf«ine Grube in den Ausstand getreten. Die No tst a nds a rbei t en werden überall, zurzeit im weiten Umfange, von der Arbeiterschaft fort- geführt. Es wird immer klarer, daß der weitaus größte Teil der Arbeiterschaft de» Bitterfelder Bezirks gegen seinen Willen in geradezu arglistiger Weife in den Ausstand hinein- gezogen worden ist. SS ist festgestellt, daß nicht einmal dir Hälfte der Arbeiter deö Bezirks abgestimmt hat. AlSdann ist die Frage, die zur Abstimmung kam, von den Führern in der Mehrzahl der BelegschafiSversammlungen so gestellt worden, daß den Arbeitern gar nicht bewußt wurde, baß sie über den f o s o r- tigen Allgemeinausstand abstimmten. Sie waren viel- mehr der Ansicht, daß auf Grund dieser Abstimmung noch weiter verhandelt werden würde. In den Versammlungen, in denen tatsächlich ordnungsmäßig darüber abgestimmt wurde, ob sofort in den Allgemeinausftand eingetreten werden solle, würde dies mit einer Ausnahme mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Museumsreformen im Kronprinzenpalais. Von vr. John S ch i k o w s k i. Die Nationalgalerie ist unter den Berliner öffentlichen Kunst- iammluitg»» die erste gewesen, der zu Erweiterungszwecken geeignete Räume— daS frühere Kronprinzenpalais— zur Ver- sugüng gestellt wurden. Die Galeriedireition hat die räumliche Erweiterung dankenswerterweise dazu benutzt, um ebnen Teil jener Reformen durchzuführen, die mich wir wiederholt als die .-oiwendige Vorbedingung für eine volkslümliche Kunstpstege ver- in-igt hatten. In einem Oberlichisaal, der zu den ehemalPen Fest- räume« gehörte, wurde jetzt eine Ausstellung von Hand- zeich nungen eröffnet, die eine Uebersickit über bis wechselnden Tendenzen gibt, die die Kunstentwicklung vom Ende beS IS. Jahr- bundert« bis auf unsere Tag« beherrschten. Diese Tendenze» werden zusammengefaßt in die Schlagworte: AuSklang der altett Kunst iSchadow, Genelli, I.«. Koch. Schirmer usw.), Nazarener(Üverbech Schwind. Steinle), Romantik sNuiige. E. D. Friedrich), Bieder- meier(Rudolf Alt, Hosemann. Spitzweg, Blechen, Krüger). Deutsch. Römer(Feuerbach, BÖcklin), Neuere Kunst(Leibi, Liebermann. Corinth. L. v. Hofmonn usw.) und Formabsichten der Gegenwart (Moll, Feininger. Pechstein, Heckel). Menzel und Thoma erjckjeinen als besondere Klassen. Man kann über diese Einteilung im ganzen wie über die Rubrizierung im einzelnen streiten, unbedingt an- erkannt muß werden, daß die Auswahl der Blätter nach Volks- lümlich lunsterziehenscheit Prinzipien sehr geschickt getroffen wurde und daß diese kleine Ausstellung von IVO Arbeiten wirtlich geeignet ist, beim großen Publikum Interesse für die Kunst der Gegonwart zu erwecken und zu einem lebrnoigen Kunstempfinden anzuleiten. Demselben Zweck dient der soeben erschienene Führer zur S>amm- lung der Handzeichnungen in der Nalionalgalerie, den Lud- wig Justi versaßt hat und der zum erstenmal den Berfuch macht, den MuieumSbeiuchern nicht kunsthistoaschen Unterricht zu erteilen, sondern sie in den Geist künstlerischen Schaffens einzuführen. Auch hinsichtlich dieses Führers wird man hie und da anderer Meinung fein können als der Verfasser, und man wird vor allem die Frage auswerfen müssen, ob trotz vller angesirebien Volk-Ztümlichkelt die an den Leser gestellten Anfotrde- ruugen nicht doch noch zu hohe sind. Die ganz« Anlag«»tnd Tendenz des kleinen für 2 M. erhältlichen Buche» verdient ai'er Dank und Anerkemmng. Es ist meine» Wissen» der erst« Versuch dieser Art, und er kann mir gewissen Eiaschrrnckungen al» dorbihd- lich gelten. Die Anregungen, die die Ausstellung inr OSerlichtsaal gewähst, sollen dann den Besucher verlocke», sich mit dem»ertrau» zu machen, wo» die sich anschließenden Räume bieten. Da ist zunächst«chi Lesesaal, in dem die wichtigsten modernen Kunstzeitichristez, i.Kunst und Künstler".„Da»«unftblati",„Sturm".„Gemüt"» w.Z uusliegen, und der Gtudiensaal mit einer für die Bedürfnisse, des großen Publikum» ausgewählten Sammlung von Zeichnungen, die in Moppen aufbewahrt sind und die die Besucher sich vorlegen lassen können. Den Schluß macht ein V o r t r a g S s a a t, in dem ein« Gedächtnisausstellung für Lehm brück demnächst eröffnet werden soll und Lichtbildervorträge stattfinden werden. Jeden Donnerstag, Freitag und Sonnabend, mittag» 12 bis 1 Uhr. werden Führungen durch einzelne Teile der Sammlung im Kronprinzenpalai» veranstaltet. Trotz des an diesen Tagen er« hobenen Eintrittsgeldes von 1 Mark, war der Andrang zu den Führungen bisher regelmäßig so stark, daß immer nur ein geringer Teil der Hörer die erklärten Kunstwerke zu Gesicht bekommen konnte. Dieser Uebelstand ließ- sich vielleicht dadurch beseitigen, daß statt einer Führung jedesmal mehrere stattfänden, und die Besucher in Gruppen geteilt würden, deren jede nicht mehr als 30 Personen umfassen dürste. Im übrigen ist die DirellioN der Rationalgalerie bereit, für die Mitglieder der Arbeiterorganisationen — Volksbühnen, Gewerkschaften, BildungZauSscküsse— besonder« Führungen und Vorträge zu veranstalten, und sie bittet die Leiter der Organisationen, sich mit Vorschlägen an sie zu wenden. Leider ist daS Kronprinzenpalai» der Nationalgalerie biShr» nur bis zum 1. Januar ISAI zur Verfügung gestellt worden. E» besteht also tatsächlich noch immer die Gefahr, daß die hier ge- machten aussichtsreichen Reformversuche schon nach wenigen Wochen wieder abgebrochen werden müssen. Indem wir die Öffentlichkeit mit allem Nachdruck auf diese drohende Gefahr hinweisen, sprechen wir die bestimmte Erwartung aus, daß die maß- gebenden Instanzen endlich ein Einiehen haben und von der etwa beabsichtigten Exmittierung der Nationalgalerte endgültig Abstand nehmen werden. Rein fiskalische GeflchtSpuntle dürfen hier, wo es sich um unschätzbare Kulturwerte handelt, selbst in der gegen« wärtigen bedrängten Sage unter keinen Umstände» ausschlaggebend sein. Vielmehr darf man verlangen, daß ein erhöhter Etat der MuseumSleitung die Möglichkeit geben wird, die für ihren er- wetterten Betrieb notwendigen Hilfskräste zu engagieren. Sir ist heute im großen und ganzen noch immer aus die Zahl von Ange- stellten angewiesen, die ursprünglich nur für die Rationalgalerie bestimmt waren und für die Verwaltung des Kronprtnzenpalats natürlich nicht ausreichend sind. DaS Greste Schauspielhau» wurde mit der„Oreftie" gestern abend feierlich eröffnet. Man spielte in dem neuen Hause, über dessen besondere Einrichtungen noch ausstchrlich zu sprechen ist, alle drei Teile der antiken Tragödie. Die Schauspieler Max Reinbardt» hatten ganz neue Auf- gaben zu lösen, die Chöre der Männer und Frauen mußten die alten Methoden ihre» Auftretens verlassen, um den Rtesenmasien de» Räume« gerecht zu werden. lieber all diese Prodlem« soll morgen geredet werden. R. H. Der Seehafen de» Osten«. Künftig wird„Lueland" unsere östlichst« Provinz vom Stamenhand trennen. Unter diesem Gesichts- puntt gewinnt die Bsdeutuna der Ostsschäftn«in durchaus neue» Besicht. Sie werde» in erhöht«» Grade LuöfallStore der deutschen Weltgeltung sein. Besonders dürste Stettin als Zielpunkt der limgehungsstreden des polnischen Korridors ein starkes Aufblühen feiner Hafen fnnkttonen erleben. Da« froistaatliche Dansig lommt ja nur bedingt für den Verkebr nach den Auhenftattonen des Deutschtums künftighin in Betracht; es Unterstedt zoll- und finaitj- politisch dem polnischen Staat. Andererseits sind di« Häfen de:. Westen», Bremen, Hainbuvg sowie Lübeck und.Kiel, nur als Aus- nahmeplätze für den ostdeutschen Aus- und Eingang anzusehen. Der Osten spielte seine Kräfte nur unwesentlich über den Radius Stettin— Berlin— Breslau hinaus. So wird also Stettin von jetzt ab in Ablösung der Eisenbahnknotenpunkte die Roll« de» doppelseitige n UmschtegplatzeS und fast ausschließlichen LerfehrSzenirumS für die beiden Teile des Reiche» übernehmen, wird Kohlen, Maschinen und Urprodukte für die Landwirtschaft in den Osten vermitteln und dafür Holz, Getreide, Papier in die Mitte deö Landes leiten. Dabei wird cS hervorragend durch seine günstige Lage unterstützt. Stettin ist der Seehafen von Berlin. BveSlau und Ober- Alesien. Am AuSlaus der Oder gelegen, hat«S seit langem den Eisenbahn- und Wasserverkehr in daS südostdeutsch« Industrie- und Bergbaugebiet von seewärts besttamnt; es hat vor allem die Kr. zufuhren aus Schweden weite rgeleitet. Umgekehrt hat e» die Pro- bukt« aus dem oberschlesischen Revier aufgenommen und über die See weitergegeben. Ter Weg Stettin— Cosel wird auch in Zukunft deutsch bleiben und die detttiche wirtschaftliche JSstiltung über Reich und Ozean weite rtvagen. Andererseits hat Stettin den Verkehr der Reichshauptstadt uver See in feinem Hafen zum größten Teil umzuschlagen. Der kürzeste und günstigste Wasserweg vm, Berlin an die See ist der Hohenzollernkanal Berlin— Stettin. Di« Eni- fernnng Stettins von Berlin beträgt ja nur rund 260 Kilometer. während beispielsweise Lübeck»16 Kilometer. Hamburg»81 Kilo- mrter entfernt sind. Im Jahre 1913 stand Stettin schon mit einein Seeverkehr von 6 200000 Tonnen nach Hamburg und Bremen an dritter Stelle der deutschen Seehäfen und nahm soviel Tonnage- Verkehr wie Danzig. Lübeck und Königsberg zusammen auf. So weisen denn alle Aullsichton hier in etn« günstige Zukunft Stettins. „Theakr� am Bülmoplatz'' im Rohmen di« bände«" der Sri«ei»W> Kühnen Max RegerS£no E-moll opus 10, tl und H«mS PfitznerS TNc F-dnr opus 8 zum Bortraa. Theater. In der heuiigen..klriadne"- Ausführung in b« Staatsupc? «astiert Maria I v o g ü n vom Munch-ner RationaUdeater als ZerbmeUa.— ,)m Noletheater gebt an» 16. Dezember dir vieralNsc Teaqodte Rose Fromdold" erstmalio in Szene, di« oon'S u ita 0 Stahldetg (dem Vorfitzenden der U. S. P. D..A,beiUrnit«) oersatzt und»on dem ehemaligen Meinlnger Hosfchausptel« Rag Schiefer für B-riw erworben WJ! Ueber Karl Löwe und die Ballade spricht Kapellmeister Eduard M v r i k e. mit Erläuterungen am Manier, am t- Tttmtn abend- -',8 Uhr. w der Aula Hall'fche«irafie 94. nudwig SKttet sinzt Balladen. Puboanh»-Oiarivimrentheater dringt am Bell»»«. 7�Ur. Mah'mann« Roitototomödie.König»lote«.»«».Prwt�wvarin�e- erstmals zur Nufführung-, anjch liehen» Hau« iadreade Sidüler im BaradieS". Der kleine Rezitator Krmo gibt ei» de, sonder«» Vrogiamm von Morgenstern. Für die Kindervor stellung« täglich Jtf veranstaltet ihre ersten lustsgeu Meude in�difter Spiel- zeit am LS. und 30. Sivoemder, adenM 8 �hr, u» �vluttierhou», Vellevueftr. X Internationaler Appell. Das Komitee der Internationale« ChriKlichc» Arbeitervereinizunz richtete im Ramen der christlichen Arbeiterschaft aller Länder an den Obersten Rat in Paris einen dringenden Appell, in dem die Freilassung der Kriegs- gefangenen gefordert wird. KS heißt darin: Ein volles Jahr nach abgeschlossenem Waffenstillstand schwach- ten noch Hunderttausende von Soldaten und Offizieren in schwach- »oller und teilweise aualvollrr Kriegsgefangenschaft, zu einem ent- würdigende« Sklavendasein verurteilt, und dies zum Teil entgegen feierlichen Zusage» auf Rücktransport nach Friedensschluß. H» n- derttausrnde von Kriegsgefangenen werden noch in Frankreich(4.l 2 ü 0 v), Taufende in Serbien, in Rumänien, in Griechenland und in den Ciswüste» Sibirien» festgehalten. Die« ist etwas in allen Jahrhunderte»»och nie Dagewesene«. Die ganze zivilisierte Welt und die neutralen BSlkrr empfinden eS als brennende Schmach für nuser ganze« Zeitalter, als einen Frevel und ein Ber- brechen in den elementarsten Begriffen von Recht und Gerechtigkeit, von Menschlichkeit und Kultur, als eine brutale Herausforderung des Gewis- senS der Menschheit. Wie soll da der Glaube und d«S vcr> tränen auf künftiges Iölkerglück Wurzel fassen können? Tie Zu- rückhaltnng der Kriegsgefangenen mit angeblicher»der wirklicher Richteinholtnng sämtlicher Wafftnsiillftandsbedingnngen von ein- ztlnen der früheren Kriegführenden begründen z« wollen, geht nicht an. DaS Recht verlangt die sofortige Heimbefördc- rnng aller Kriegsgefangeuen nach Zustandekommen der Friedensverträge. Das Völkerrecht kennt keine Faust- vfandstrllung der Kriegsgefangenen für Erfül- lung aller solcher Vertragsbestimmungen. Im Gedanken an das ungeheure Elend, im Name« der Greise, Bäter und Mütter der Gefangenen, im Namen der verlassenen Gattinnen und Kinder erheben wir angesichts Gottes und der Menschheit laute« und feierlichen Protest gegen jede weitere Zurückhaltung der Krieg«- gefangenen. Wir forder« die sofortige Befreiung der Gefangenen in alle« Länder« und de» raschesten Heimtransport derselben, so wie es England, die Bereinigten Staate««nd Italien in ehrenhafter Weise tun. Italien will Sie �enSerttng ües Zrieöens. Wie aus Rom gemeldet wird, veröffentlicht die Presse folgende Erklärung, die von der katholischen Partei ausgeben soll. Im Hinblick auf die Ratifilation des Bersailler Vertrags durch königliches Dekret, die notwendig geworden ist auS Besorgnis vor einer Regierungs- oder sogar Etaatstrise, wird in gewissen Kreisen eine völlig verfassungSgemäße Lösung vorgeschlagen, die es zahl- reichen nicht sozialistischen Gegner» de« Vertrages ermöglichen würde, nicht mit den Sozialisten gemeinsam« Sache machen zu müssen. Diese Lösung würde darin bestehen, den Bertrag unter der Bedingung gutzuheißen, dafo die Regierung die Initiative dazu ergreift, die Abänderungen darin aufzunehmen, die notwendig find, um die Ausführung deZ Vertrage« zu erleichtern und ihn dem Grundsatz der Gerechtigkeit und eine« wirkliche» Friedens, für den Italien in de« Krieg gegangen ist,«ehr anzupassen. Der„Torriere della Sera" vernimmt, daß die s o z i a l i st i ich e n Abgeordneten zu Beginn der parlamentarischen Arbeiten der Kammer von der Regierung die Anerkennung der russische« Sowjet- republik verlangen werden. Der.Avanti' berichtet, baß die Parteileitung der sozial« demokratischen Partei in ihrer gestrigen Sitzung in Rom beschlossen hat, alle Abgeordneten, die der sozialistischen Partei- g nippe angehören, einzuladen, der Eröffnungssitzung der Kammer am 1. Dezember veizuwohnrn zu« Zwecke einer antioionarchischen Kundgibung._ ftn ihren Früchten... Die„Hu:nanit6" vom 21. November stellt als„erstes Ergebnis der Wahlen" eine ganz beträchtliche Teuerung der Lebensmittel, auch der städtischen, fest. Plötzlich find z. B. grüne Erbsen von HO Frank die 100 Kg. auf 180 Frank, Fett von 6 Frank und 10 Cent das Kilo auf 8 Frank, Reis von HO Frank die 100 Kg. auf 175 Frank gestiegen. Die Preise sür Kaffee haben sich um ein volles Drittel erhöht! Dazu bemerkt daS Pariser Blatt:„Ach, der Sieg ist ihnen in den Kopf gestiegen. Jetzt zeigen sie keinerlei Zu- rückhaltung mehr. V o r der Wahl mußte man die Wähler schonen, nach der Wahl sind es die Schieber, die man be- lohnen muß. Man sage nicht, daß der Staat, als der Per- proviantierer, selbst plötzlich unser einer solchen Preiserhöhung leidet. Natürlich befanden sich jene Waren, deren Preis er so plötzlich erhöht, schon seit einer ganzen Zeit in Reserve in den Depotlagern. Es ist viel einfacher: Die Wahlen sind vorbei, jetzt braucht man keine Rücksichten mehr zu nehmen und kann ruhig alles steigen lassen." Wir haben für die schwierige Lage des französischen Proletariats das vollste Verständnis und zweifeln auck» nicht daran, daß die Dinge sich tatsächlich so verhalten, wie es das Sozialistenblatt hier darstellt. Der durchschlagende Sieg des Kapitalismus hat eben den Kriegsgewinnlern und Lebens- mittelschiebern freie Bahn für ihre Ausbeutungspläne ge- schaffen. Aber wie verträgt sich dann diese berechtigte Klage mit dem Argument der französischen Sozialisten, daß das Wahlergebnis für sie gar keine Niederlage, sa vielmehr einen Sieg bedeutet, weil es nickit auf die Zahl der verlorenen Mandate, sondern auf die Zahl der gewonnenen Stimmen ankommt? Entweder— oderl Theoretisck» mögen die französischen Sozialisten ein prächtiges Bekenntnis zum revolutionären Klassenkampf abgelegt haben, praktisch ab r wird nach diesem Wahlergebnis daS französische Proletariat schlimmer denn je der kapitalistischen Unterdrückung und Ausbeutung ausgeliefert werden. die ivashingtoner Konferenz. Tab Plenum begann die Besprechung der Arbeitszeit- frage, Ausschuß beantragt den 8.Stunde!i-Tag und' die 4ss«Stunden-Woche. in kontinuierlichen Betrieben höchstens d« Iiun- deir. Ausgefallene Arbeitsstunden sollen an anderen Tagen nach- geholt, an ciwem Tage soll aber nicht mehr als 9 Stunden gearbeitet werden; Ueberstuuden werden mir Hein Eineinviertelfachen des mir- malen Stunde nlohiies bezahlt; Arbeiten in den verloüstcten Ge- bieten unterliegen den besonderen BediiiHungen; Nachtarbeit der brauen von 1k) Uhr abends blS 5 Ubr morgens verboten. Es solle» bcfonlke� Berichte betreffend die Nichtbrschäftigung von Frauen wahrend der Schivangerschaft und kurz nach der Geburt des ÄtndcS, '0®v' über die Nachtarbeit von Kindirn vorgelegt werden. Die Frage der Inland- TranSportarbeit wurde an die besondere Kvufvvenz ftuc s»e maunische Arbeit pttwiese«. Der Antrag von der Konvention diejenigen Betriebe auszunehuien, welche nur Familienmitglieder beschäftigen, wurde abgelehnt. Die Frage einer etwaigen Herabsetzung der Löhne, die von den Arbeitern mit Rücksicht auf di« verkürzte Arbeitszeit be- mrchtet wurde, wurde lebhaft diskutiert und einer späteren Ent- fcheSung vorbehalten. Ter Ausschuß für Arbeitslosigkeit legte verschiedene Ärmvantionen und Entschließung.'n vor. So sollen von jeden- Staat freie, öffentliche Arbeitönachweise-Agenturen errichtet und die pri- Veten Agenturen unter Kontrolle gestellt werden. Ferner wurde empfohlen, in jedem Staat ein wirksames System von Arbeitslosen- Versicherung einzuführen und den Arbeitern gogem'eiiig die Vorteile einer solchen Versicherung zn gewähren. Wie man steht, humpelt die Internationale der Sozialreform weit hinlet Deutschland her. Im I n te r na t i ona l e n A rbe itsam t ist für D e u t sch- l a n d je ein Sitz in der Regierungs- und Arbeitergruppe, dagegen nicht in der Unternehmergruppe vorgesehen. Die deutsche Regie- rung ist tclegvaphisch aufgefordert worden, die Vertreter zu be- nennen. die Straßenbahner gegen Maßnahmen öerdirektion AuS Anlaß des zugunsten der Metallarbeiter geplant gewesenen Generalstreiks hatte die Direktion der Großen Berliner Straßen- bahn eine Verfügung erlassen, welche jeden mit Entlassung bedroht, der zu einem Streik auffordert, der nicht nach Erschöpfung aller Perhandlungsmöglichkeiten von der Mehrheit des Personals be- schlössen wurde. Gegen diese Verfügung hat vor kurzem eine Ber- sammlung der Straßenbahner eine Protestresolution angenommen. Im weiteren Verlauf der Angelegenheit hat die Direktion 13 Ver» traueiiömänner vernommen, von denen sie annahm, daß sie an der Propagierung beS Generalstreiks beteiligt waren. Generaldirektor AZussaw hat dann die 18 Funktionäre verwarnt und sie für den Fall, daß sie wieder einen Streik propagieren sollten, die sofortige Entlassung angedroht. Mit dieser Angelegenheit beschäftigten sich gestern abend drei stark besuchte Versammlungen der Straßen- bahncr. An der Bockbrauerei referierte O r t m a n n vom Transport- arbeiterverband. Er sagte, er habe als Vertreter der Organisation .mit dem Generaldirektor Wussow über diese Angelegenheit verhan- delt und von ihm dt« Zusage erhalten, das bei der Vernehmung herausgefundene Material solle nur im Interesse des Betriebes, aber nicht zur Einleitung eines Strafverfahrens verwandt wer- den. Weiter habe der Generaldirektor gemeint, die Direktion müsse Mäßnahmen treffen, um sich vor Streiks zu schützen. O r t m a n n betonte, er habe dem Generaldirektor mit aller Deutlichkeit gesagt. daß. wenn die Direktion Maßnahmen gegen Funktionäre des Ver- bandes treffe, denn der Verband mit den schärfsten Gegenmaßnahmen antworten werde. In feinen weiteren Ausführungen sagte O r t m a n». der Verband werde seine Funktionäre unter allen Umständen schützen, wie er es stets getan habe. Es müsse aber auch von den Mitgliedern und Funktionären gefordert werden, daß sie das in letzter Zeit manchinal gestörte Vertrauensverhältnis zur OrganisaffonSIettung wiederherstellen und nichts ohne Einverständ. nis mit der Organisation unternehmen. Bei allen wichtigen Be- schlüssen müßten die Vertreter der Organisation gehört werden. Nur wenn ein festes gegenseitiges Vertrauensverhältnis bestehe, könne die Organisation ihre Aufgabe erfüllen. In der Diskussion wurde hervorgehoben, daß Generaldirektor Wussow erklärt habe, er lasse die 13 Funktionäre auf Schritt und Tritt beobachten, also bespitzeln.— ES seien bereits Stvafver- fahren eingeleitet gegen Kollegen, die nicht belastet werden konnten, von denen man aber Belastungsmaterial gegen andere Kollegen zu bekommen glaubte. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: „Die Versammlung des Fahr- und iechnischen Personals dos Verkehrsgewevbes nimmt Kenntnis von den von der Direktion der Großen Berliner Straßenbahn gegen Funktionäre getroffenen Maßnahmen und erklärt, daß dieselben einem Eingriff in deren TätigkcitSausübung gleichbedeutend erscheinen. Sie verpflichtet sich deshalb, bei Ausführung der angedrohten Riaßnahmen die Funktionäre oder einzelne Mitglieder mit allen Mitteln zu schützen. Die Versammlung beauftragt ferner den Deutschen Transportarbeiterverband, im gegebenen Augenblick Unvezuglich schärfste Gegenmaß- nahmen zu ergreifen. Ferner gÄobt die Versammlung, jede Organisation Szerspkitte- rung auf das entschiedenste zu bekämpfen, um die Stoßkraft der Be- rufSorganisatiou nicht zu hemmen." Kleine politische Nachrichten. UnnStige Angst. Im Londoner Parlament erklärte Lloyd George in Beantwortung einer Anfrage, daß die Berichte. nach denen die K r u p p w e r k e in der Herstellung von großen Mengen an Munition fortführen, nicht bestätigt seien. Unsere Gefangenen in Japan. Zu der in letzter Zeit durch die Presse mehrfach geäußerten Besorgnisse über das Schicksal unserer Gefangene,, in Japan erfahren wer. daß die Schweizer Ge- sandtschaft in Japan tätig ist, Schiffs für die deutschen Ge- fangenen in Japan auszurüsten. Sie hat dafür von der deut- schen Regierung den angeforderten B o r f ch u tz bekommen, und es wird erwartet, daß die ersten gecharterten Dampfer im Dezember oder Januar in Fahrt gesetzt werden. Keine neue BerkehrSspem. Di« Nachrichten über eine bevor. stehende neue Sperre des gesamten PersonenzugverkehrS jmd unbegründet. Die Bctriebslage hat sich bereits soweit ge- bessert, daß eine solche scharfe Maßnahme nicht mehr erforder- lich ist. Sollte sie sich wieder verschtechtern. so würden etwaige neue Sperrmaßnahmen rechtzeitig bekannt gegeben werden. preußische Lanöesversammlung. 36. Sitzung. Freitag, den 26. November 1919. Am Ministertisck: Hirsch. Südekum, Fischbeck, Haenisch, Heine. Braun, Am Zehnhoff, Stegerwald. Präsident Lciaert eröffnet die Sitzung 1 Uhr 40 Minuten. Das Haus behandelt zunächst kleine Anfragen. Abg. Höfler(Dem.) erhält auf seine Anfrage über die AuS- Nutzung der Notlage der wohnungsuchcnden Bevölkerung durch Vermittlung die Anttoort, daß gegen solche Personen wegen Wucher eingeschritten werden wird. ES holgt die Abstimmung über den yanShalt der preußischen Regierung und ber dazu vorliegenden Anträge. Der Haushalt wird angenommen. AuS der Abst.mmung über die Anträge ist hervorzuheben, daß der Antrag Adolf Hoffmann(U. Soz.) auf Einführung des V. November als gesetzlichen Feiertag und Aufhebung des Bußtages gegen die beiden sozialdemokratischen Gruppen abgelehnt wird. � Ministerpräsident Hirsch nahm damuf das Wort außerhalb der Tagesordnung zu der Erklärung: In der gestrigen Verhandlung der Nationalversammlung sind die preußische Regierung und ihre Politik heftig angegriffen war- den. Tab«, sind einseitig die Fehler der Vergangenheit in den Vordergrund gestellt worden. Die Regierung d«S neuen Preußen ist von den früheren Grundsätzen der Unfreiheit mit voller Ent- schieden hei» abgerückt und stebt auf dem weitest«,, Boden der De- mokratie und der Selbstverwaltung(Gelächter b. d. Unabhängigen) der Provinzen, Kreise und Gemeinden. Hierdurch ist eine Unterdrückung religiöser und völkischer Rechte ausgeschlossen. Die Stimmung in den Abstimmungsgebieten zeigt uns. daß die dortige Be- völkeruiig zwischen der alten überwundenen Politik und den neuen Grundsätzen der Freiheit wohl Unterschiede zu machen versteht. Eö darf nicht vergessen werden, daß trotz aller Mängel der preußischen Politik Preußen für Deutschlands Einigung die entscheidenden Schritte getan bat. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, daran »litzuwirken, daß die geistige Arbeit und die Kulturarbeit in der Staatspolitik zur Geltung kommen. In dieser Zeit äußerster Be- drängniss« von innen und außen richten wir an das Volk die Mah- nung zur Einigkeit im Denke« und im Handeln.(Lebhafter Beifall.) Danach wird die gestern abgebrochene Aussprache über da? Tuberkuissehettmittel. fortgesetzt. Abg. Werner(Dnatl.): Auf den Ramen eines Heilmittels koiwmt es nicht an, sondern auf den Erfolg. Wir verlangen Prü- fung deS zur Rede stehenden Mittels. Kultusminister Haenisch: Auf Grund der gestrigen Rede des Abg. Dr. Schloßmann habe ich Professor Friedemann um Auflla- rung der gegen ihn erhobenen Beschuldigungen ersucht. Er be- zeichnet die gegen ihn aufgestellten Behauptungen als unwahr. Abg. Weyl(U. Soz.): Wenn jemand ein Heilmittel anpreist, gegen Leiden, die bisher als unheilbar galten, so muß man der Sache auf den Grund gehen. Die ReklameauSwüchsc für die Emp- fehlung deö Friedmannschen Mittels billigen wir nicht. Die Lungentuberkulose ist eine Proletarierkrankheit, die nur durch soziale Reformen, namentlich in den Wohnuugs-, Arbeits- und Er- nährungsverhälinissen der Arbeiter ausgerottet werden kann. Tos Friedmarmsche Mittel ist wohl nur ein schätzbares Mittel neben den anderen, die wir schon haben. Damit darf kein Wucher grtricbcn werden, wie mit Salvarsan. Heute früh aber brachten sämtliche Zeituiizen die Mitteilung, daß daS Mittel für 766 669 Mark von ParvuS und Tklarz aufgekauft worden ist. Ich frage den Minister, ob er davon gewußt hat. Besonders interessant sind auch noch die literarischen Beziehungen des Ministers durch die„Glocke" zu Herrn Parva s. Wenn es gelingen sollte, Mittel zur Ausrottung der Schwindsucht zu finden, begrüßen wir auch trotz allem Herrn Friedmann als ivertvollcn Mitarbeiter. Kultusminister Haenisch: Ich stelle zunächst fest daß die Vcr- leihung d«S Lehrauftrags an Dr Friedmann auch nicht das aller- mindest,: weder direkt noch indirekt zu tun hat mit der jetzigen geschäftlichen Transaktion. Die Verleihung der Professur erfo'gte zu einer Zeit, als mein FreundParvuSinder Schweiz weilte und somit gar keinen Einfluß darauf haben konnte. Die Angelegenheit Friedmann ist vielmehr von Acrzten im Laufe des Frühjahrs an mich gebracht worden. Herr Dr. Wey! hat durchaus recht, wenn er sagt, mit der Erteilung deS Lehraustrages allein ist cS nickt getan; viel wichtiger wäre ein Institut gewesen, in welchem die Mediziner mit den ÄnwenduiigSformen de» Friedmannschen Mitftls vertraut gemacht i»erden können. Ich habe mich auch sofort den ganzeu Sommer hindurch bemüht, für Herrn Friedmann ein solche« In. stttut zu bekomme». Leider zerschlugen sich die Verhaiidlungeii, namentlich mit dem Reick. Im Oktober hat mir dann Herr Fried- mann erklärt, er könile keine Vorlesungen Saiten, wenn ihm kein Institut zur Verfügung stände; rein theoretisch könne er sein Ver- fahren nicht lehren. Zufällig kam gerade an demsekben Tage nach mehr als einjährigem Aufenthalt in der Schweiz Herr Dr. Hesphand (ParvuS) nach Teutschland zurück, von dem mir bekannt war, daß er während des.Krieges sehr wohlhabend geworden war. Ihm schlug ich vor: geben Sie i fouds perdu soundso viel tausend Mar! und bauen Sie für Dr. Friedmann ein Institut; besser können Sie Ihr Geld nicht anlegen. Ter Inhalt des Vertrage«, der dann zwischen Dr. Hesphand und Dr. Friedmann zustande gekommen ist, ist mir bis zur Stunde nach unbekannt. AuS der dienstlichen Aeußerung, die Friedmann heute mittag an mich gerichtet hat, haben die Herren aber gesehen, daß auch Professor Friedmann an dcn 766 666 M. in keiner Weise partizipiert, daß sie vielmehr aufgebracht werden sollen zur Gründung eines Instituts, in dem bemittelte und unbemittelte Kranke behandelt und Aerzte ausgebildet werden sollen. Ich persönlich kann mich sür die Wahrheit dieser Angabe natürlich nicht verbürgen, da ich den Vertrag nicht kenne. Der Vertrag geht mich mich gar nichts an. Ans die vor- sichtigen Andeutungen des Herrn Vorredners kann ich Sie über meine Beziehungen zu Herrn Parvus, wenn es von Interesse ist, gern aufklären. Ich bin mit ihm seit W Jahren persönlich sehr befreundet. Parvus ist ein alter Sozialdemokrat, der immer mit mir gemeinsam auf dem äußersten Flügel der Sozialdemokratie ge- sockten hat; er ist ein geistig hochbcdentendcr Mann. Als er während de? Krieges durch irgendwelche Geschäfte(Adolf Hoff- mann ruft: MS Schieber!) zu Wohlstand gelangt war. hat er große Summen von seinem Kapital abgezweigt, um sozialvussen- schaftliche Institute und ähnliches zu gründen. Da ParvuS während des Krieges Deutschland wertvolle Dienste geleistet hat und meine Freundschaft zu ihm noch aus der Zeft stammt, wo er ein armer Schlucker war, trug ich keinerlei Bedenken, die Redaktion seiner Zettschrift„Glocke" zu übernehme». Für die„Glocke" hat Herr Helphand große Mittel zur Verfügung gestellt. Ich kann uamenS des ganze» Mitarbeiterkreiscs erkläre», daß er niemals dcn Versuch gemacht hat, die politisch« Haltung der„Glocke" durch finanziellen Druck zu beeinflussen. Abg. Dr. Thaex(D. Vp.): Das Friedmann sche Tuberkulose mittel wird in der tzorliegenden Drucksache als völlig sicheres Heil- mittel bezeichnet, von anderer Seite wird e» als sehr problemalisd, hingestellt. Wir müssen schnellste und gründlichste Prüfung deö Mittelö im Interesse unseres Volkes fordern. Abg. Fahvcndrr(Zentr.): Wir haben als Volksvertreter die Pflicht, darauf zu drängen, daß schleunigst eine Klärung der Angelegenheit erfolgt. Abg. Scklohmann lDem.): Ich bin ans die Frage der Friedmannschen Professur nicht eingegangen, da sie nicht hierher gekört. Alle Beamten sollten gegen ungerechtfertigt« Angriffe au? dem .Haufe in Schutz genommen-werden, wie eZ gestern von feiten des Ministers geschehen ist. Durch die Erklärung Friedmanns, die der Minister verlesen hat, ist die Tach« nicht aus der Welt geschafft. In der Erklärung werden Behauptungen als unwahr bezeichnet, die ich gar nickt aufgestellt habe. Daß di« Stiftung von 766 666 M. dazu dienen soll, ein Institut ffir Reickc und Arme zu scftaffeii, kann mich nicht beruhigen; e? wäre mir lieber, wenn der Minister dafür gesorgt hätte, daß ein Institut nur für arme Tuber. k u l ö s e errichtet würde. Die Reichen werden schon wissen, wo sie bleiven.(Lebhafte Zustimmung.) Abg. Grilf.Frankfurt(Soz.): Von dem Minister hätte ich er- wartet, daß er auf den Marburger Fall eingegangen wäre. KultiiSminisser Harnisch: Auf den Marburger Fall konnte ich nur deshalb nickt eingehen, weil die von mir gestern eingeleiteten Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind. Damit schließt die Besprechung.— Der Zentrumsantrag, auf die Prodinzial-»nd Gemeindebehörden nachdrücklichst einzuwirken, damit sie die Löhne ihrer Arbeiter erhöben, wird angenommen. Ebenso ein sozialdemokratischer Antrag aus KrieqZbeihilfen für die Gemeindebeamte» und zwei Anträge der Deutschen Volkspartei aus Erböbung des Ruhegehalt« der Beamten und L-chr« und auf Erhöhung der Teuerungszulagen der Mittelschullehrer und der Ge- meindebeamten. Abgelehnt wird dagegen ein deutschnationaler Antrag Dr. Bronisch über einmalige Teuerungszulagen für die Geistlichen. Nächste Sitzung Montag, den 1. Dezember, nachmittags 1 Uhr: Antrag Heilmann(Soz.) über die Kommunalisierung der Charlottenburger Wasserwerke, Anträge und förmliche Anfragen.— Schluß 4% Uhr. GewerWrflsbewMng �in Siebzigjähriger. Hermann Holz, Arbeitsvermittler und Kassierer der Zahl» stelle Berlin des Maschinisten» und HeizerverbandcS, begeht am SS. November seinen 70. Geburtstag. In den Kreisen seiner Berufskollegen ist er schon seit langem der„olie Holz�. den» er ist der Mitbegründer deS im Jahre 1878 gegründeten Berliner Maschinisten- und Heizervercins. Von 1891 bis 1906 war et Torsitzender und seit dieser Zeit alS angestellter Kassierer tätig. Der sozialdemokratischen Partei gehört Holz seit vielen Jahren an und ist derselben bei der Spaltung auch treu geblieben. Tor ganz kurzer Zeit ist ihm seine Frau, die ihm besonders in früheren Jahren eine treue Helserin bei den Verbandögeschäften war. durch den Tod entrissen worden. Wir wünschen dem Jubilar, der noch in voller Rüstigkeit seine Arbeit leistet, einen ruhigen Lebens- abend._ Eisenbahnbeamte und Tarifvertrag. Eine Abordnung des Deutschen EisenbahnerverbandcS und der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner überreichte am Freitag im preuszischen Eisenbahnmimsterium und ,m ReichSsinanzministerium eine Denkschrift, in der bis zur Durchführung der kommenden Be- soldungsreform eine Erhöhungder laufenden TeuerungS- zu lag en gefordert wird. Diese lausenden Teuerungszulagen sollen bei jeder Tariferneuerung zwischen Eisenbahnverwaltung und Eisenbahnarbeitern ebenfalls neu festgesetzt werden, um so daS Beamten- und Arbeitereinkommen innerhalb der Eisenbahn» Verwaltung in einen organischen Zusammenhang zu bringen. Die Denkschrift enthält umfangreiches statistisches Material über daS sprunghafte En, por schnellen der Warenpreise in den letzten i Monaten. Die Vertreter der Ministerien nahmen mit Interesse von der Denkschrift Kenntnis und sagten weitere Ter» Handlungen zu._ Ter Streik der Rcparatur-Schuhmacher. Zum Streik der Reparatur- Schuhmacher ist mitzuteilen, dah fast restlos allen in den Streik getretenen Schuhmachern die Forderungen bewilligt sind, trotz des reaktionären Ter- Haltens der Obermeister der Schuhmacherinnungen. Zirka l2lX) Kol- legen und Kolleginnen arbeiten nach dem neuen Tarif. Wir richten hiermit einen letzten Appell an die Kollegen, die bisher ihre ur» eigensten Interessen noch nicht erkannt haben, sich unverzüglich an unsere AuSkunstSstellen zu wenden, die beute von 8—8 Uhr und Sonntag von S— 1 Uhr in folgenden Lokalen geöffnet sind: Wilmersdorf: Gasteiner Straffe 6, Cbarlottenburg: Kantstraffe 63. Westen: Bülowstr. 58, Südosten und Neukölln: Skalitzer Str. äS c, Osten und Lichtenberg: Gubener Str. 5, Norden: Ufedomstr. 18 Moabit: Oldenburger Straffe 10, Steglitz: Hesisstr. 1. Außerdem wird AuSkUNsr erteil: im Verbandsbureau, Engelufer 14/15, Auskunft wird auch den Arbeitgebern gegeben. Im Laufe der nächsten Tage werden Kommissionen bei den Arbeitgebern, die bisher nicht erfaßt sind, vorstellig werden. Zentralvirband der Schuhmacher, Tel waltung Berlin. Tie Friseurgehilsen gehen an den Tchlichtungsausschuh. Die Lohnbewegung im Fciseurgewerbe hat eine unerwartete Wendung genommen. Seit 20. Mai besteht ein jetzt noch geltender Tarifvertrag, der einen Mindestlohn von wöchentlich 60 M. für Herrenfriieure und von 70 M. für Damenfriseure sestsetzt. Bei diesen Löhnen sind die Gehilfen und Gehilfinnen natürlich auf Nebeneinkünfte— Trinkgeld und Verkaussprozente— angewiesen. Da sich daS Trinkgeld bei einer weiteren Erhöhung der Preise sür Rasieren und Haarsckneiden natürlich verringert, enthält der Tarif- vertrag die Bestimmung, daß bei einer etwaigen allgemeinen Preis- erhöhung eine Verstäitdignng über eine Lohnerhöhung bezw. Teuerungszulage notwendig ist. Run sind seit Mai die Lebensmittelpreise weiter gestiegen. Außerdem aber haben in den letzten Wochen verschiedene der dem Jnteressenverbande der Arbeitgeber angehörenden Innungen, wie in Steglitz, Reukölln usw., «ine Preiserhöhung vorgenommen, ohne daß damit eine«all- gemeine", die Revision der Tariflöhne bedingende Preiserhöhung erfolgt war. Diesen Preiserhöhungen wollen nun aber auch die übrigen Meistervereinigungen folgen. Sie beschlossen eine Preis» erhöhung von 50 Prozent, nachdem die Gehilfenorgani- sation eine Teuerungszulage von 50 Prozent gefordert harte, und erklärten die Gehilfensorderung iür berechtigt. Nachdem nun aber die Preiserhöhung allgemein durchgeführt werden soll, will man von einer Lohnzulage von 50 Prozent nichts mehr wissen. Da die Gehilfenvertreter sich nichts abhandeln lasten können, nach- dem sie schon insoweit mit ihrer Forderung zurückgegangen find, daß nicht auf die bestehenden Löhne, sondern nur auf die Mindest- löhne der Zuschlag von 50 Prozent erfolgen soll, muffte jetzt der SchlichturrgsauSschuff angerufen werden. Ter Streik im Schuhwarenhaus R. Torndorf. Zu der von uns am 23. November veröffentlichten Mitteilung deS Zentralverbandes der Angestellten über den Streik der An- gestellren im Schuhwarenhaus R. Torndorf ersucht unS die Firma um folgende Rrchligstellung: Es ist nicht richtig, daff die Firma R. Dorndorf ihren An- gestellten geringere Gehälter angeboren hat. als die übrigen Schuh- gefchä'te. Richtig ist vielmehr, daff sie die gleichen Gehälter wie die anderen Schuhgeschäsie ihrem Personal mündlich und schrtftlich vor und während des Streiks angeboten hat. ES ist nickt richtig, daff der Handelsbcvollmächtigte vorsiebender Firma, Herr Sonnenfeld, mit Hille der Polizei das Streikposten- stehen verboten hat oder verbieten wollte. Richtig ist, daß die Polizei nur ersucht wurde, die polizctltchrrscitS zugesagte Sicherheit des Verkehrs zu gewährleisten. ES ist nicht richtig, daff Verhaftungen auf Antrag vorstehender Firma vorgenommen wurden. Richtig ist, daß die Polizd wegen widersetzlichen Verhaltens einzelner Personen diese ohne Ersuchen obiger Firma zwecks Feststellung ihrer Personalien zur Wach« abführte.__ Der Zentrolverband deutscher Post- und Delegrapheube- dienfteten hält am Sonntag, den 30. November 1919, vormittags 91/, Uhr, in den Kammersälen, S\V. Teltower Str. 1/4, Ecke Belle-Alliance- Straffe, in sämtlichen Sälen allgemeine Bersammlungen ab. In diesen Ver- sammlungen sprechen Verbandsselrelär Vallcnthin, Verbandsvorfitzender Heiden, VerbandSschrijtsübrer Will über daS Thema: Was benötigen die Post- und Tclegraphenbedienstetcn. unteren Beamten und gehobenen unteren Beamten und die in Stunden- und Tagelohn beschästiglen Bediensteten der Reichspost- und Telegraphenoerwallung allgemein, um selbst und mit ihren Familien in dieser teuren und schweren Zeit leben zu können? Erscheinen aller Beteiligten ist Pflicht. Tcntscher Dransportarbeiterverbaud. Branchenlciter, Betriebsvertrauen Slente, Arbeiterräte usw. Montag, 1. Dezember, abends 7 Uhr, im GcweikschaftshauS, Saal 4 st ollge meine Funktionär Versammlung. Tagesordnung: 1. Stellung. nähme z» den Wahlen der Beisitzer zum erweiterten Vorstand. 2. Der Metollarbeiterstreik und der Beschlutz der Berliner Gewertschastskommisfion vom 5. November. Referent: Kollege Karl Klose. 3. Die Tarisverträge im Handelsgewerbe und die Notwendigkeit der Einberufung einer allgemeinen tzandclShiljsarbeitcr-Konsercnz. Die SektionSieitung. I. A.: Fritz Wappler. Bund der techn. Angestellten und Beamten- LrtSverwaltung Osten I. Mittwoch, den 3. Deicmber, abends 7>/, Uhr, Versammlung in den AndreoSseslsälen, Andreasstr. 21. 1. Ergänzungswahlen zur Zeilunas- und Besuchstommission. 2. Wie rentiert sich unser Beitrag. Referent: Dr. E. Locher. Blockwerk Siemens n. Halske. Slm Sonnabend, den 29. Nov., 2'/, Uhr. findet im Lokal«Zur Schleuse", SieinenSdamm. eine kleine Besprechung der Kollegen und Kolleginnen, die aus dem Boden der S. P. D. stehen, statt. Zahlreiches Erscheinen erforderlich. Tagesordnung: Stellung- nähme zur Arbciterauslchutzwahl. » Knorrbrcmsc und angeschlossene Betriebe! Sonntag, 30. Nov./ vormittags'/,t0 Uhr, m KliemS Festsälen, Hasenheide 13, Belriebsver- sammlung aller arbeitenden und ausgesperrten Kollegen. Die noch drairtzen stehenden Kollegen haben zwecks Kontrolle am Saaleingang ihre Streik- karte vorzuzeigen. Alle Ausgesperrten melden sich am Montag von 10—12 Uhr im Streik- lokal von Bunge zwecks Ausstellung neuer Kontrollkarten. Wer sich am Montag nicht meldet, erhält keine Unterstützung mehr. Deutsche Telephonwerke. Werk Niederichöneweide. Auszahlung der Streikunterstützung am Sonntag, den 30. November, mittags von 12—2 Uhr, bei Hellmuth. Görlitzer Str. 58, Ecke Soraucr Strotze. Die noch nicht arbeitenden Kollegen und Kolleginnen werden aufgesordert, sich zu dieser Zeit zu melden, da sie sonst von der Streilliste gestrichen werden. A. E. G. Hennigsdorf. Montag abend 5 Uhr BetriebSversamm- lung sämtlicher üi Henntgsdors bcschästigtcn und auSgesverrten Kollegen und Kolleginnen in den Pbaru-Mälen. Müllerstrahe. Dwelbst auch AuS- zahlung der resliereuden Streilunterstützmig. Die Mitglieder der Woh» sahrlSkommisfion müssen anwesend sei». Sonnabend 3 Uhr Betriebs- Versammlung in Hennigsdorf bei Kienzier. Parteinachrichten. Tic Partcmrbe'lt in Ostpreusicu. ii-inc Prodi nzial-Parteikpnferenzfur Ostpreußen fand am 18., 19. und 20. November in Königsberg ftatt.� Ver- treten waren 24 Kreise, der BezirkSvorstano und die neugewählten ProvinziallandtagSabgeordneten. Außerdem waren»roch anwesend: Landtags- und Reichstagsabgeordnete sowie die Genossen Win- nig, Lübbring und vom Parteivorstand Genosse Wein- s ch i l b- Berlin. In erster Linie handelt« es sich um Aufstellung eines Organisations- und Arbeitsplans für den Bezirk Ostpreußen gemäß den Beschlüssen des Parteitages in Weimar. Um das ganze Gebiet parteipolitisch zu bearbeiten und die nächsten öffentlichen Wahlen planmäßig vorzubereiten, wurden fünf Unterbezirke eingerichtet und die Zahl der angestellten Se- kreiäre von 9 auf 24 erhöbt. Dieselbe ir beginnen teils sofort, teils bis zum 15. Dezember ihre Tängkeit. Der systematische Aus- bau des Arbeitsplans kann als vorbildlich gelten. Es wurde je ein sünkgliedriger Beamtenausschuß, Frauenausschuß, Press eaus» schütz. Bildungs- und Jugendausschuff deS Verbandes der sozialdemokratischen Gemeindcvertreter gebildet, die je einen Vertreter zum engeren Provinzialvorftand wählen. Zum erweiterte!: Vor- stand wählen die Unterbezirke noch 12 Mitglieder. Für die Be- arbeitung aller Parteiangelcgenhciten wurden drei Abteilungen errichtet mit einem Frauen- und einem Jugendsekretariat. Tic Beratung deS Arbeitsplans nahm einen vollständigen SitzungSiag in Anspruch, ohne wesentliche Aenderungen an dem vom Vorstand vorbereiteten Plane vorzunehmen. Der Tagesordnungspunkt:„Stand der Parteipresse" gestaltete sich durch einige Vorkommnisse in letzter Zeit zu einer Debatte über die politische Lage, wobei der Generalstreik in Tilsit eine hervorragende Rolle spielte. Die Schreibweise der„Memeler Volksstimme" und des.Tilsiter Volksblattes" wurde einer herben Kritik unterzogen. Die in der Debatte vorgebrachten Einzelheiten in Verbindung mit einer geradezu wilden Gründung sozialdemokratischer Zeitun- gen, ohne bestimmenden Einfluß der Parteileitung in redaktioneller und geschäftlicher Beziehung, gaben dem Provinzialvorftand Vcran- lasiung, der Konferenz zu empfehlen, anstatt der nun bisher er- scheinenden Zeitungen nur fünf herauszugeben, in denen der Parteileitung Mitbestimmungs- und E i g e n t um steckte zugesichert werden. Die Konferenz erkannte nach lOstündiger Debatte die Berechtigung des Vorschlags an, was sie durch Annahme einer von allen Delegierten unterschriebenen Resolution dokumen- tierte. In dieser Resolution wurde den Abgeordneten, den Ge- noffrn Winnig und Lübbring das vollste Vertrauen ausge- sp rochen. Die Konferenzteilnehmer verpflichten sich, die Regierung zu stützen, erwarten aber auch, daß den berechtigten Wünschen des ostprcuhischen Proletariats Rechnung getragen wird. Mit der Partei- leitung wurden die Genossen Anderfch, Borowsky und Lübbring betraut. Im Anschluß an die Parteikonferenz fand eine Besprechung der Provinziallandtagsabgeordneten statt, soweit sie der S. P. D. angehören. Ter Aussall der Wahlen ist durchaus unbefriedigend. Von 86 Gewalten gehören 19 der S. P. D. und 2 der ll. S. P. D. an. Tie Fraktion der Dcutschnationalen zählt 34 Mitglieder. Die Schuld an diesem Wahlaussall wurde den Landräten zuge- schoben, indem sie die KreisiagSwahlen zu kurzfristig ausschrieben. Festgestellt wurde aber auch, daß in einigen Kreisen die V« r i r e- ter der Partei versagt haben. Hier Aufklärung und Festi- gung der politischen Auffassung zu schaffen, ist Ausgabe der Reu- organisation. Alles in allem nabm die Konferenz einen � guten Verlauf. Es steht zu erwarten, daß bei den nächsten schwierigen der Partei zufallenden Aufgaben die Neuorganisation sich aufs beste bewähren wird._______ öriefkasten der Neöattion. Jeder rSc den Brieskasten bestimmten Anfrage fiige man einen Buchstaben und eine Nummer bei. Driesliche Auskunft wird nicht erteilt. Eilige An- fragen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. Z, 1. Hof parterre links, vor.. Eckiriftstücke und Vertrage tind mitzubringen. Sprechzeiten der juristischen Sprechstunde: Montag, Mittwoch und Freitag 2—5 Nhr; Dienstag und Donnerstag 3—6 Nhr; Sonn- abend 3—5 Uhr. R. D. 2«. Wicderbolcn Sie die Anfrage und geben Sie das genaue Geburtsdatum des Kindes an. ebenfalls möglichst genau die Zeiten., in denen der Verkehr mit den beiden Männern stattgefunden hat. Falls Be- tlagter Einwendungen erhebt, könnte daS Mädchen zum Eid kommen.— Gundermann. Stahlfieimerftr. 4. 1. Ein solches Reckt fleht Ihnen zu. Winden Sie sich an die Heizungsschiedsstellc deS Mieteiiiigungsamts. 2. Nur dann, wenn im Mietvertrag Ihnen die Verpflichtung auferlegt ist— 3. Die Wohliungscmricktmig gehört der Witwe allein, falls keine Kinder vorbanden sind. 4. Die Kinderlosen zur Hälfte, zur anderen Hülste die Eltern, falls solche nicht vorhanden sind, die Gelchwistcr.— H. B. 96. An daS Bezirkskommando.- Zl.(?. 22. Soweit ersichtlich, ja. Antrag an das BcrficherunpSnmt. in dessen Bezirk Ihr Bruder üch aufhält.— L. H. 42. 1. Ja. 2. Gelneindefriedhof. 3. Unentgeltlichteit nur in autzee« ordentlichen Fällen. Setzen Sie sich mit dem Berein sür Feueibestattung in Veibindlmz, Gr. Berlin, Burgstr. 27. 4. Je nach dem Einkommen deS Mannes, etwa 200 M. monatlich.— Z. C. 16. Ja.— M. S. 31. Für das erste Stcucrvierteljahr. Reklamieren Sie sofort beim geschäfts- führeitdeu Ausfchutz�der Berliner Stadtsynodc.— R. L. 46. 1. und 2. Nur dann, wenn Sie Kriegsbefchädigtenrenie beziehen. Antrag beim Be- zirkSkommando.— C. 3. Grund. 1. Sie können die Aufforderung persönlich oder durch eingeschriebene» Brief an die Frau richten. Verstreicht die gefetzte Frist erfolglos, Klage durch einen Rechtsanwalt beiin Land- gericht auf Wiederherstellmig. 2. Ja. falls ein Jahr nach Rechtskraft deS Urteils, daS auf Wiederherstellung lautet, verstrichen ist.— M. 16. Ja. —