Ztr. 622. 36.Iahrg. Bezugspreis: N>-rteIiShrU 10,« Ml., monatl. 3A> Ml. trei ine Hau», voraus zahlbar. Post- k�uz� Monat»» 8A) Ml. exN.?u- KellunzsgebUhr. Unter Steujbon!) für Deutichland und Oesterreich-Ungarn ö.Ti Ml. für da» übrige Ausland 10.75 Ml., bei täglich einmal. Zustellung s,7ä Ml. Poltdeftellungen nehmen an Dänemark Solland, Luxemburg. Schweden n. die Schweiz. Eingetragen tn die Post-Zeiiungs-Preisiiste. Der„Vorwärts� mit der Sonntags- beUage»Boll n. Zeit" erscheint Wochen- iäglich zweimal. Sonntags einmal, Abend-Ausgabe. Telegramm-Adresse: �dozialdemolral Berlin". �ISPksmrg J Verlinev Volksblsti Anzeigenpreis: Die achigespaitene lllonvareillezeile lostet 1,30 M,.Teuerungszuschlag 60°.> «Uleine Anzeigen", das ieti- gedruckte Wort 75 Pfg.(zulässig zwei iettgedruckie Wortes, sedes weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das ersie Wort 65 Pfß., lebcs weitete Wort 40 Pfg, Worte übet 15 Puchstaben zählen für zwei Worte. 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Ich schrieb einen Bries an Marloh und lud ihn ein, un? zum Abendessen zu besuchen, um über die Borgänge in der Französischen Straße näheres zu erfahren. Auf die Einladung hin rief mich ein 5'eamcrad Marlohs. ein Leutnant Wehmeyer, an und teilte mir mit. daß Marloh angenblicklich nicht in Berlin sei. sondern zur Erholung w e g g e fa h r e n sei. Ich fragte Leutnant Weh- in eher, wohin sich Marloh begehen habe, worauf ich die Antwort erhielt, da» dürfe er nicht fagen. Ich fragte Wehmeyer dann, ob Marloh denn etwa» Unrechtes be« gangen habe. Die Antwort lautete: I wo, er hat nur auf Befehl gehandelt. Ich selbst habe ihm den Befehl übcrbracht. Ich sagte: Warum wird denn da» nicht veröffentlicht? Wehmeyer erklärte mir darauf, das fei zurzeit unprattisch, da die Unabhängigen NoSke und Oberst Reinhard stürzen wollten. Erst wenn die Frei« willigenverbände konstituiert seien, würde der Fall auf- geklärt werden. Ich lud dann Leutnant Wehmeyer ein, an Stelle feines Kameraden Marloh bei unS zu Abend zu essen. Bei diesem Besuch teilte mir Wehmeyer die Vorgänge in allen Einzelheiten mit und wiederholte mir wörtlich den Befehl, den er im AuftMge des Oberst Reinhard Marloh überbrach: hatte. Ich habe mir diesen Befehl bei Tisch schriftlich fixiert, da er mick psychologisch inter- essierta. Ter Befehl lautete"nach: den Angaben Wehmenerö wie folgt: Oberst Reinhard ist wütend, daß Marloh gegen die 390 Gefangeneu zu schlapp' vorgegan- gen sei. Er solle erschiexen, was er erschießen könne, und wenn eS auch 1S9 Mann seien. Die Unterstübunz würde noch m Stunden auf sich wart:n lassen. Wehmeyer erzählte nur auch, daß Marloh unter Hinzuziehung des«taats- anwalts Zumbroich einen Tatbericht aufgesetzt habe. Dabei habe Zumbroich geäußert:„Herr Marloh, wir> vollen die Sache wahrheitsgemäß darstellen, wir wollen uns streng an die Wahrheit halten." Es wunderte mich, daß der mit Zumbroich zusanimen aufgc- setzte Bericht nicht da? Wohlgefallen der Vorgesetzten gefunden bchte, und ich wurde noch mehr stntzigt al» unter der Aegide des Hauptmanns V. K e s s e l ein zweiter Tatbericht angefertigt wurde. Marloh sagte mir damals wörtlich:„In diesem zwetten Bericht ist die Wahrheit sehr stark frisiert worden." Vor seiner Verhaftung schrieb Marloh mir einen Brief, ich solle nach Möglichkeit seine Vorgesetzten decken, der Feind stehe links, das seien die ilnabbüngigen. Der dritte Tatbericht wurde von Marloh zusammen mit Oberst Reinhard und Staatsanwalt Wettzmann fcrtigge- stellt. Vorher war es Marloh zur vaterländischen Pflicht gemacht worden, seine Vorgesetzten zu decken. Ich habe Marloh wieder- bolt gesagt: Bedenken Sie, Sie stehen unter der Anklage eines äweiunddreißigfachen Mordes, die mit langjähriger Zuchthaus- strafe und entehrender Strafe enden kann. Marloh erwiderte mit einer weltfremden Kindlichkeit: Kein Gedanke. Ich bin nur vernommen worden, damit die Unabhängigen da? Maul halten. Dann macht Oberst Reinhard den Teckel zu. Bei der Festlegung des dritten Berichts hat Marloh gesagt: Herr Oberst, das ist eine große Lumperei, aber ich tue cS im vaterländischen Interesse. Und Oberst Reinhard l«t ihm auf die Schulter geklopft und gesagt: Beruhigen Sie sich doch, Marloh, die Sache ist ohne Bedeutung. Ich sagte zu Marloh: TaZ verstehe ich nicht. Sic haben unteö Befehl in der grauenhaftesten Weis« 32 blühende Menschen niedergeknallt, und da sagt Ihnen der Oberst, daß das eine Sache ohne Be- d e u t u n g sei. Und Tie geben, sich dazu her. einen dreifachen Tatbericht zu machen. Wenn meine vorgesetzte Dienststelle das von mir verlangi hätte, ich hätte mir lieber die Finger ab- hacken lasten. Daraus sagte Marloh: Ohne Oberst Reinhard und Noske hätten wir den Bolschewismus in Deutschland. Das kann ich nicht verantworten. Hier unterbricht sich Pfarrer Rump und wendet sich an den Vorsitzenden: Dürfte'ä, nicht bitten, während dieser Teile meiner Aussagen die Oesfenilichkeii auszuschließen? Vors.: Ich bedaum, das ist nickit möglich, sagen Sie nur au».— Pfarrer R u m p: Dann muß ich allo alis'ogen! Marloh teilte mir mit. daß Weh- meyer von Oberst Reinhard-gehört habe. Hindenburg hätte gesagt, daß durch die Erschießung der Mairosen Berlin vor großem Unheil bewahrt geblieben sei. Reinhard hat ferner zu Marloh gesagt: I trete selbstveriiiinMub für meine Offiziere ein.«ie dürfen mich aber nicht als ihre Befehlsstelle hinstellen. Die Sache muß geschickt gedreht werden. Als ich dies erfuhr, machte ich mir sofort Aufzeichnungen. Ich habe dann Marloh und Wehmeyer zu mir zum Abendessen eingeladen und beide Herren wiederkfolt eruuchnti uur zu sagen. was ihnen als absolute Gewißheit im Gedächtnis war. Ich habe auch immer wieder um Aufklärung des Falles gebeten. Marloh und Wehmeyer haben sich, was ich feststellen möchte, niemals wider- sprochen. Ich möchte nun die beiden Befehle wiederholen, die Marloh erhalten hat: Der erste Befehl Reinhard— Schröter: Oberst Reinhard ist sehr aufgebracht, daß Sie so schlapp vorgehen. Sie sollen ausgiebig von der Waffe Gebrauch machen und möglichst viele Matrosen erschießen. In Moabit ist für so viele Gefangene noch keine Unterbringung vorhanden. Der letzte Satz steht bestimmt fest. ES ist Oberleutnant Mar- tob erst später zum Bewußtsein gekommen, daß dieser Befehl in- haltlich schärfer war, als der ihm von Wehmeyer überbrachte, der folgendermaßen lautete: Oberst Reinhard ist sehr wütend auf Dich, Du sollst er- schießen, was Tu kannst, und wenn es 150 Mann wären. Oberst Reinhard weiß auch nicht, wo er mit den ganzen Leuten hin soll. Marloh wollte durchaus Verstärkung haben, dann würde er mit den Gefangenen schon fertig werden. Dann kam der Befehl von Leutnant Wehmeyer, der für ihn durchschlagend war. Die Unterstützung bleibt aus. er wäre darauf angewiesen, sich selbst zu helfen. Es ist psychologisch interessant, daß in diesem Augenblick vor dev Seele MarlohS wie ein roteS Feuer eine Verfügung der Garde-Kavallerie-Schützen-Division stand, die ich aus dem Ge- dächtnis zitieren möchte: Gegen jeden Führer eineö Unternehmens, der nicht mit aller Schärfe vorgeht, wird kriegsgerichtlich eingeschritten werden. Marloh sag!« zu Wc-Hmeyer: Ich kann doch nicht 150 Mann er- schießen, Du bist wohl verrückt. Ich weiß allein, was ich zu tun habe. Er dachte denn aber, wenn er den. Befehl nicht ausführte, daß er vor ein Kriegsgericht kommen würde. Auf der Straße sammelten sich immer mehr Menschen an. Er muhte handeln. Er schritt zu einer Musterung der Gefangenen. Bei dieser Musterung traf ihn Wehmeyer an. Dann schritt Marloh zur Erschießung. Das ist zunächst alles, waS ich über meine Be- Ziehungen zu Marloh und Wehmever bis zum 1. Juni auszusagen habe. Ich war mit den beiden Herren vom 11. März bis zum 1. Juni zusammen. Mitte Mai wurde der Druck der Vorgesetztcn auf Marloh stärker. Es wurde ihm die Zumutung gestellt, er solle die Schuld auf sich nehmen und die Befehle seiner Vorgesetzten ver- schweigen. Ich habe Marloh sofort ermahnt, bei der �Wahrheit zu bleiben. Der Druck seiner Vorgesetzten, sich auf die Flucht zu be- geben, wurde immer stärker, da diese für MarlohS Sicherheit in Berlin fürchteten. Seit Anfang Mai gingen Marloh und Weh- meyer nur noch mit Pistolen, und ich lud sie auch ausdrücklich ein, sich in ihren diensbfreien Stunden in meinem Pfarrhaus ein- zufinden, weil sie dort sicher seien. Wegen des Artikels in der „Freiheit":„Gute Zeil für Mörder", ist Marloh nicht fortgegangen. Der Artikel in der„Freiheit" hat aber auf Marloh einen Eindruck in anderer Richtung gemacht. Marloh merkte nämlich allmählich, daß er auf eine Deckung durch seine Vorgesetzten nicht mehr zu rechnen habe, daß er für vogelfrei erklärt sei. Ich sagte zu ihm: Wo ist denn nun eigentlich Dein Oberst? Und wir erörterten, wa! zu tun wäre. Wir sprachen zweierlei durch: Entweder Jnteruicrung in einer Irrenanstalt oder Schutzhaft. Ich war mit einem Doktor K r a m e r von der Irrenanstalt Dalldorf befreundet und wollte versuchen, Mario h dort unterzubringen, da ich voraussetzte, daß er sowieso auf seinen Geisteszustand uniersucht werden würde. Am Sonn- tag. den 1. Juni, sagte ich zu Marloh. ich würde ilm zum Krieg?- gcrichtsrat Meher in Schutzhaft bringen, und fügte liinzu: Zu diesem Manne kannst Tu Vertrauen haben. Der Vater MarlohS hatte mich mit der Vertretung seines Sohnes beauftragt. Da trat an diesem Tage ein wahrer Hexensabbatb ein. Es wurde unter Decknamen bei mir angerufen, ohne daß sich nachher jemand meldete, es kamen Leute, die nach Marloh fragten. Tann erschien ein Offizier, der die Achselstücke entfernt und ein« Mann- schaftSmütze aufgesetzt hatte, und der sich auch zur Vorsicht einen falschen ÄlibibeweiS besorgt hatte. Dieser Offizier, der furchtbar aufgeregt war, wollte Marloh warnen und teilte mit, daß MarlohS Verhaftung am Dienstag oder Mittwoch bevorstrhe. Marloh dürfe sich aber nicht verhaften lassen, weil er um die Ecke gebracht werde» solle. Es kam dann noch ein zweiter Offizier, der LOOO M. brachte und ebenfalls riet, Marloh solle fliehen. Erst später kamen Marloh und Webmeyer zu mir in die Wohnung. Wir berieten daun nochmalz über Unterbringung in einer Irrenanstalt oder Schutz ha st. Am Sonnlag konnte ich den RechtSbeistaud Marlobs, Rechtsanwalt K i ka i h, nicht mehr erreichen. Am nächsten Tage kam Rechtsanwalt Kikaih gegen 9 Uhr zu uns und auf sein Anraten wurde beschlossen, daß Marloh sich um 3 Uhr Kriegsgerichtsrat Meyer stellen sollte. Dieser Entschluß bedeutete für uns alle eine erlösende Eni- s p a n n u n g der furchtbaren Lage, Marloh kam dann am Ron- tag morgen zu mir. später erschien auch Webmeyer, der mitteilte, Oberleutnant». Kessel bäte Marloh, sich zu Hause zu halten, da er ihn dringend sprechen müsse. Hier unterbricht sich der Zeuge und bittet um einen Augenblick Pause, da ihm die Erregung übermannt habe. Pfarrer Dr. Rump fortfahrend: Kessel nahm mir daS Versprechen ab, über Zweck imd Art dieser Unterredung Stillschlveigen zu bewahren. Ich nahm damals an, daß ich als Seelsorger zu schweigen habe und habe infolgedessen dem KriegSgerichtsrat Meyer bei meiner ersten Vernehmung die Aussage über die Unterredung ver- weigert. Erst später wurde ich von meinem?! echt Sbet stand aus- geklart, daß ich lediglich als Seelsorger Marlobs in Frage komme und somit mich aus A m t s v e r s ch>v i e g e n h c i t nicht berufen könne. Kessel bat mich um eine diskrete Unterredung, und ich führte ihn in daS Zimmer meiner Frau. Da sagte Kessel zu mir: „Tie Wahrheit darf M«rl»h nicht sagen, er würde sich dadurch die Achtung der Offiziere unid die Sympachie der ordnungsliebenden Bevölkerung Berlins verscherzen. Er müsse vielmehr alle Schuld aus sich nehmen. Eine Verhandlung sei zurzeit unmöglich. Wir würden in einigen Wochen eine unabhängige Regierung haben, die dann von einer Rechtsregierung mit der Dil- tatur No-ke abgelöst würde; und dann könnte man ja ver- handeln. Ich erwiberi«: Warum werden die Befehle nicht zuge- geben? Hauptmann v. Kessel sagte: Die Unabhängigen waricii nur auf eine Putschparole. Die Entente schließt außerdem nur mit einer stabilen Regierung Frieden, die Bürgschaft gegen den Bolschewismus.bernimmt. Ohne Reinha-rd und Noske ist die Regierung jedoch unmöglich. Ober- leutnant Marloh hat sich in der Französischen Straße überjedes Lob erhaben verhalfen. Ich erwiderte hierauf: Dafür hätte Marloh ei» Lob HinhettburgS durch de» Mund Reinhards erhalten. Kessel antwortete: Marloh sei so stuhr, daß er stets da Schwierigkeiten mach«, wo man ihm helfen wolle.— Hier schal:« ich ein, daß Marloh vor und nach der Vernehmung des Wach- mcister» Kirchbaum mit Staatsanwalt Zumbroich zwei Unter- roldungcn hatte, über die sich allerlei sagen liehe. Zumöroich habe ihm damals erklärt: Sie sind unbedingt gedeckt. Ich sagte nun weiter zn Kessel in der Unterredung: Wenn ich von der Flucht Marloh» überzeugt sein sollte, so müßte vatrr- ländisebe Pflicht vorliageir. Darauf entgegnete Kessel: Marloh ist in seiner UrVornehmheit und in seinem Wahrheitsfimmel eben zu stuhr. Er hat dem Kriegsgerichtsrat Meyer Dinge mitgeteilt, die ihn schuter belasten. Der Befehl lautete, daß?1iarloh alles nieder- schirßcn sollte. Die A u» tv a h l der Getöteten dttrck Marloh war ja menschlich sehr schön, aber juristisch ist damit nickitö anzufangen. ES ist also stets nur, wie ich betonen möchte, der„WarheitSfimmel" MarlohS gerügt worden und nicht die Zeit. Und wenn Oberst Reiii- Harb mit Enselszungeit redet, so steht für mich unverrückbar fest, daß 150 Menschen erschossen werden sollten. Marloh ist nicht über den Befehl hinausgegangen, sondern darunter gegangen. Ich habe damals KriegSgerichtsrat Meyer gesagt, daß, wenn ich alles aus- sagte, das Haus in Brand stehen würde. Deshalb bat ich auch vor- hin um einen tcilw.'ise't Ausschluß der Oeffentlichkeit. Hauptmann Kessel sagte gelegentlich einer Unterredung zu mir: Die Herren vom Generalkommando Lüttwitz und Kt>gSgerichts- rat Meyer würden h e i l S f r o h sein, wenn Marloh verschwii.- der. Marloh solle ein milzlichst konfuses Urlaubsgesuch einreichen und mit dem würden wir dann' zu Kriegsgerichts,. tt Meyer hingehen und würden ihm sagen: Mit einem Haftbefehl werfen Sie nur der„Freiheit" einen serteu Bissen zu. Jnzwischru wäre Marloh längst im Auslände. Kessel sagte dann weiter. Marloh solle, toenn er verschwinde, ein Rittergut bekommen und vielleicht 150 000 M., später Rehabilitierung, auch tonne er Offizier bleiben, Oder er müsse sich für verrückt erklären lassen, dann würde auch für ihn gesorgt und er könne im Auslände bcguem leben. Jetzt kam Hauptmann Kessel mit einer neuen Offenbarung. So, wie Oberst Reinhards Befehl gelautet habe, wäre er unverwendbar gewesen Er hätte ihn' schon stark abge- schwächt. Oberst.Reinhards Befehl loar eben per Ausbruch eirnS errogtcn Temperaments. Leutnant Wehmeyer habe aber nicht das Gefühlsmäßige von der B e f e h I S s u b sta n z zu trennen vermocht. Wenn Marloh nicht fliehe, so müßten Oberst Reinhard und Hauptmann Kessel flie- h e n. Er, Hauptmann v. Kessel, sei Familienvater, Marloh sei un- verheiratet und müsse weg. Mit unglaublichen Zynismus erklärte Kessel, Marloh sei doch Krüppel, er könne sich ja opfern lassen, was läge an Marloh. Ich hatte daniit jedes Vertrauen zu Jussel verloren. Ausschlaggebend für mich war aber folgende Aeußerung Kessels: In wen igen Tagen haben w i r«ine unabhängige Regierung, dann kommt Marloh vor ein RevolutionSgertcht und wird einfach er, schössen. Und er fragte mich, ob ich das wollte. Daraufhin verhalf ich Marloh zur Flucht. Meine Herren, Marloh soll sich nach der Anklage einer Urkunde nfälschung schuldig gemacht haben. Wenn Marloh es ist, dann bin ich es auch. Denn ohne meine Hilfe wäre feine Flucht nicht möglich gewesen.(Sehr crrregt und mit lauter Stimme): Acbtund- vierzig Jahre lang habe ich eine fleckenlose Weste gehabt, den Vor- gesetzten MarlohS verdanke ich cS, daß ich in diese Lage gekommen bin, ich werde eS ihnen nicht vergessen. Kessel sagte mir auch: Die Papiere stellen wir aus, und er tat weiter die Aeußerung: Soviel' Zuchthäuser gäbe eS nicht, wenn man alle Offiziere und Beamte, die sich falscher Papiere bedienten, einsperren wollte. Außerdem sei es gar keine Urkundenfälschung, da Marloh ja die Papiere p o n seinen Vorgesehten erncltc. Unter seinem Namen könne er ja doch nicht reisen und außerdem würden ihm seine Vor. g c s e tz t c n d e c! c n. Diesen Bersicherungne Kessels halsen Marloh und ich geglaubt. Alz Kessel dann fortgegangen war, habe ich zu Marloh unter Verschweigung meiner Unterrodung mit Keffel gesagt: Otto, ich kann Dir nach erster schwerer Prüfung nur zweierlei raten. JmttheuS oder Lbrrise. Marloh wehrie sich ganz entschieden gegen diz Abfassung des Urlaubsgc luchs und warf mir vor, ich hätte mich von Kessel beein- slusten hasten. Als ich ihm aber sagte: Tu handelst im vater- l ä n d i s ch e n Interesse und Du bist nicht sicher, wenn Tu hier bleibst, ich als Seelsorger habe für die Erhaltung Deines Lebens zu sorgen, gab Marloh nach. Er sagte mir aber, daß alles im Kriege Erlebte ihm nicht s o schwer erschienen sei als der Befehl Reinhords zur Erschirftun?. Er hätte aber den Besohl seines Vorgesetzten ausführen müssen. denn er habe gctvisscrmaßen am Feinde gestanden Marloh wehrte sich, Urlaub zu beantragen, er wollte unter allen Uniständen verhanldeln und meinte. Kesiel wolle doch nur, daß er die Voran:- Wartung auf sich nehmen soll. Ich nahm an, daß Kessel im Austrage der Negierung und des Obersten Reinhard und des Gerichtsherrn gekommen sei. Marloh sei nicht geflohen, sondern nur versckwundcn unter bewußter Verleugnung eigener Interessen. Er ist weinend ins Auto gestiegen. hlachdein die Entscheidung zur Flucht gefallen war, kam Marloh zu mir und sagte traurig:„Das kommt davon, wenn man lügt." Kessel hat in einer Unterredung am 8. November mit Exzellenz b. O e r tz e n zugegeben, daß die Flucht übereilt und ungeschickt war und für Marloh selbst schädlich. Vors.: Angeklagter, was sagen Sic dazu? Marloh: Es tut mir leid, daß Pfarrer Rump alles aussagen mußte, aber da Hauptmann v. Kessel gestern nicht die reine Wahrheit gesagt hat, mußte ich zugeben, daß dies alles ausgesagt wurde. (Schluß in der Morgenausgabe.) » Noch nicht,... Wie W. T. B. von unterrichteter Seite erfährst find die Nachrichten von einer Entlassung des Obersten Nein. hard unrichtig._ die �etze gegen Nafo? Kaupistb. Major Kaustisch, gegen den ein Ueherfall versucht worden ist, gehörte zu Beginn des Krieges dem Großen Hauptquarster an und war dmin Chef des Stabes der in Mazedonien operierenden Truppen, also unstreitig ein sehr aualistzierter Offizier. Nach der Nevolntion �war er Verbindungsoffizier beim Gardekorps, wo er durch seine gewinnende und gewandte Art sich sehr schnell das V e r- trauen der Soldaten räte des Gardekorps erworben hat. Kaupisch, der für die durch die Umwälzung eingetretene Situation volles VerstänidniS hatte, hat durch feine Gewandtheit, die von modernen Anschauungen gestützt wurde, so manche unnötige und gefährliche Schärfe ausgeglichen, die besonders durch den ehemaligen Chef des Stabes des Gardekorps, Major v. Votz, hervorgerufen worden war. Da Kaustisch sich vorbehaltlos auf den Boden der gegebenen Tatsachen stellte und überzeugt war, daß nur rückhaltlose Unrcc- stützung der neuen Regierung Deutschland retten konnte, da er im übrigen kein Gamaschcnknops, sondern ein Soldat mit modernen Anschauungen war, hat! e er-in bestimmten O f f i z i e r s k rei sc n lehr bald wenig Freunde. Als dann der frühere Gou- verneur van Berlin, Genosse Schöpflin, sich genötigt sah, den che- maligen Stadlkommandanten Klawunde vom Dienste zu suspen- d leren und aus dienstlichen Gründen den Posten des Stadtkom- Mandanten wieder mit einem Militär, statt mit einem Zivilisten. zu besetzen, wurde aus Vorschlag Schöpflins Major Äaupisch mit den Geschäften des Stadtkommandanten betraut. Wer die In- ternas kennt, weiß auch, daß g«visse militärische Kreise damals keliiekwegs davon erbaut waren, daß Schöpflin gerade den Major Kaustisch an.diese Stelle brachte. Major Kaustisch hat sich in der Stellung als Stadtkommandant 'ehr gut bewährt Solange Schöpflin Gouverneur war, konnten Ouertreibercien nicht mit Erfolg gegen diesen Offizier arbeiten. Aber kaum hatte Schöpflin den Gouverneurposten verlassen, ent- deckten betriebsame Militärs, daß der Posten deS Stadtkomman- donjcn wieder mit einem höheren Offizier besetzt werden müsse Oberst Grautosf vom ÄriegSministerium, den man dem Genossen Schöpflin als Chef des- GouvernementSstabes beigeben wollte— die Bestrebungen hatten her Schöpflin keinen Erfolg— wurde denn auch Stadtkommandant. Die Herrschaften im Kriegsministerium haben immer gegen- teiliz für sich zu sorgen gewußt. Mußte man auch in wichtigen dienstlichen Geschäften wochenlang auf die Erledigung warten, in s o Ich e n Personalftagen waren die Herren immer zur rechten Zeit auf dem„Damm". Herr Kaustisch wurde mit einer Spezialarbeit betraut, die mit den Vorgängen im Baltikum zusammenhängt. Daß man Offiziere mit modernen Anschauungen in bestimmten militärischen Kreisen nicht gerne sieht, ist doch offene» Geheimnis. Wir fürchten, Herr Kaustisch wird dieser Stimmung sehr bald auch zum Opfer fallen -- wie vor ihm andere. Im letzteren Falle hat man ein bequemes Mittel, unliebsame Offiziere über die Klinge springen zu lassen. Ancjcnnitätsverhältnisse. Mit ihrer shsrematifchen Anwendung lassen sich durchgreifende Erfolge erzielen. Noch ein Wort zu der in der Presse angekündigte« Auf- lösung der Wachabteilung der Kommandantur, die zum 1. Januar erfolgen soll. Wir fragen: Ist für die zur Ent- lassung kommenden Mannschaften auch einige Vorsorge yetrossen worden? Unstreitig haben die Mannschaften der Wachabteilung in mancher schweren und ernsten Stunde sehr gute Dienste ge- leistet. Einzelne Depots haben gerade in der Bekämpfung des Schleichhandels, der Au'bebung von Glückspielnestern usw. Bewun- dernswertcs geleistet. Die verrückte und frivole Agitation unserer Ultra-RadikalinskiS hat es zuwege gebracht, daß die Wachmann- schaften vielfach in den Betrieben boykottiert werden. WaZ soll nun mit den zur Entlassung kommenden Leuten ge- schehen. die doch— um den albernen Ausdruck einmal anzuwenden — kein- NoSkegarde sind, sondern nur Wachdienste verrichteten? Wir sind mit der Tätigkeit der Wachabtcilung durchaus vertraut und müssen sagen, es wäre ein Unrecht, wenn die Leute einfach zu Neujahr auf die Straße gesetzt werden. ES wäre auch ein schtverer Fehler, die Truppe überhaupt aufzulösen. Marin ebngaöe �aewenfelö. Da» NeichSwebrministtrium schreibt: Ein Teil der TageSpresse beichästigle sich kürzlich rntt einem nnoeblich von der 4. Kornpaenie de« Y. Matro'enregiment» der Morinebrigad« Locwenteld vor- breiteten anfechtbaren Werbe au'ruf. Leider»st keiner amtlichen Stelle ein solches Werbeflugblatt zugestellt worden. Die Untelsuckung bei dem Trnvvente'l hat ergeben: Die für Führung der Marinebrigade und Werbungen verontworilichcn Diensislellcn hadcn mit dem Anfrus nichts zu tun und haben ihn nicht gekannt. Ob etwa von privater Seite— also vielleicht von ehemaligen Angehörigen der Sturmabteilung „Schlichliiigsdeim"— mir einem solchen Ausruf Mißbrauch getrieben worden ist, ließ sich nicht feststellen, da sllr die Untersuchung kein anderes Material als eine ZeirungSiioliz vorlag. De?§a!l Viehweg. Bor dem Kriegsgericht der Reichswchrbrigade lfl in Potsdam begara: heute eine Gerichtsverhandlung über ein Vorkommnis, da« seinerzeit erhebliches Aussehen gemacht hat. Wegen Beleidigung und Körpcrverletz ing sind angeklagt: Hauptmann Alfr.d Reu- barth und die Leuntants W-c r b e l m o n n und de Thierry. Tie Anklage legt ihnen zur Last, ihren Kameraden, den Leutnant Viehweg, beschimpft und körperlich mißhandelt zu haben. Heber diese Tinge ist s-inerzeit im„Vorwärts" berichtet uwrdcir. Viehweg hatte in einer örtcntlichen Versammlung am Abend vorher den monarchistischen Geist und die regierungsfeindlichen Gespräche im Potsdamer Offizierkasino geschildert. Von den übrigen Offizieren wurde er deshalb als„Spitzel" bezeichnet, da er selber diese Ge- spräche widerspruchslos ntttgemacht hatte. Als er am nächsten Tage das Kasino betrat, wurde er überfallen und verprügelt. An den heutigen Prozeß schließt sich in den nächsten Tagen eine Gegen- klage des Potsdamer OffizierskorvS gegen Viehweg wegen Be- leidigung an. Erst am späten Vormittag wird mit der Bsweisous- nähme begonnen. Der Eintritt zur Verhandlung ist eigenartiger- weise nur mtt Karten gestattet; im Zuschauerraum sitzen fast aus- schließlich Offiziere. Tos Gericht setzt sich aus drei Offjzieven, einem Sergeanten und einem Gefreiten zusammen. Als Zeugen sind sieben Ossiziere geladen. Die Angeklagten baben Viehweg im OfstzierSkasina am 19. September bei seinem Eintritt zugerufen: „Raus, Du Schuft und Lump!" Der eine Angeklagte ritz ihm die Achselstücke ab, der dritte Angeklagte warf ihn aus die Straße. Wir werden über den Ausgang des Prozesses berichten. Unabhängiger Parteitag. Vertagung; Konferenzen. lliach Eröffnung der heutigen Sitzung teilte der Vorsitzende Braß- Remscheid mit. daß sich gestern abend nach dem Referat Ledebours die Möglichkeit ergeben habe, eine Verständigung zwischen den Anhängern der Resolution Ledcbour(die bekanntlich eine Ver- Handlung der revolutionären sozialistischen Gruppen aller Länder einschließlich der Moskauer Internationale zur Bildung einer neuen Internationa� verlangt) und den Anhängern der Resolution Stoecker(die ein bedingungsloses Anschließen an die Moskauer In- iernationale verlangt) ergeben habe. Diese Verhandlungen häiten gestern noch nicht zu Ende geführt werden können. Das Bureau sei der Meinung, daß der Kongreß sich solange vertagen soll, bis ein Ergebnis der Verhandlungen erzielt sei.(Zuruf von der äußersten kommunistelnden Linken: Der Kuhhandel kann los- gehen! Große Unruhe.) Der Parteitag wird darauf vertagt und die Anhänger der bei- den Gruppen ziehen sich zu S o n d e r b e r a t u n g e n in getrennte Ncbensäle zurück. Amerikanische Sruöienkommisiisn in veutschlanü. (Drahlung unseres Schweizer Mitarbeiters.) Arn Dienstag nachmittag hat sich von Basel aus eine zwölfgliedrige amerikanischeStuhienkom Mission nach Deutschland begeben, um die deutsche Lebens- mittel- und. Roh st offner sorgung zu studieren. Die Kommissionsmitglieder werden sich auf verschiedene Ge- biete Deutfchlands verteilen, um nach Abschluß der Studien in Berlin zur Rücksprache mit der deutschen Re- g i e n u n g zusammenzutreffen. Arbeitersiedlungen in Nordfrankreich. Ueber die Vorschläge, die von der deutschen Regierung in der Frage der Unlerbringung der deutschen Arbeiter in Nord- frankreich der französischen Regierung gemacht worden sind, be- richten die P. P.?t.: Die deutsche Regierung hat die Untcrbtingung der beim Wieder» aukbau in Nordfrankreich besckättigten Arbeiter und die Durch- sührung der WohlfahrtSeinrichtungeu in einem bisher unerreichten Umfange dorbereiiet. Gerade in der Unter- kunftsfrage suchte man, sowohl wa« den Bauplan, als die technisch« Art des Aufbaues anlangt, ganz neue Wege, eben weil, wie bekannt, bei der Arbciterichaft die.militärische" Bauweise durch die Erfahrungen deS Kriege» verpönt geworden ist. ES sind rein aus dem praktischen Bedürfnis Arbeiter» s i e d l u n g e n geplant, die gleichzeitig als Schule für die spätere Siedlung in der Heimat dienen sollen, wo die Arbeiter an einen BirtschafiSbelrieb mit Garten- und Gemüieanlage gewöhnt werden. Als Wohnungseinheit in dem Wohnhouie gilt die Stube für zwei bis drei Mann, denen sie bei Tag und Nacht Erholung und völlige Ruhe zu geben imstande sein muß. Auf der linken Seite des Ganges, an dem diese Stuben liegen, sollen Räume für allgemeine Reinigung deS Körpers, des Anzugs und Schuhwerks mit Trocken- tammer und Abort, recht» die Feierabendstube sein. Im weiteren Ausbau wären ein S p e i f e s a a l, der gleichzeitig als Verfamm- luiigssaal verwendet weiden könnte, mit Leie». Spiel», Musik« und UnterholtungSzimmer. Küchen, Kantinen mit Zubehör, Lazarett, BadcbauS, Wä'chereianlage, Stallungen und Wi'tscho'iSgebäude, Turn- und Epielptätze. Sounenbad us«. zu schaffen. AlleS soll persönlich gehalten, nicht» einem Schema unterworfen werden. Für die technische Art deS Aufbaues würde die modern« sparsame Bauweise volle Berücksichtigung sinden. Marcel Laurent zum Wiederaufbau. Der französische Gewerkschaftssekretär Marcel Laurent schreibt in der„Bataille" über die Verhandlungen, die Deutschland seit längerer Zeit mit Frankreich über die Gestellung von Arbeitern für die französischen Nord- und Ostdeparte- m e n t S führt. Deutschland trwlle diese Arbeiten in näher zu be- stimmenden Bezirken als verantwort sicher Hauptuntcr- nehm er ausführen, nach den Plänen und unter Kontrolle der französischen Regierung. Aber Deutschlands Revolution lasse ccm Volk und besonders den Arbeiterorganisationen einen großen Anteil an der Verwaltung. AuS diesem Grunde habe die deutsche Regierung die gewerkschaftlichen Organisationen gefragt, ob sie bei der Rekrutierung der notwendigen Arbeiter mithelfen wollten. Tiffe Gn»rrks»«sten hätte« erklärt, d«ß feie henrschen V»u«rbeitcr e» für«ine Ghre«»flüht hielte«, h,r B«. välkerung N,rdfr»«krejchs zu helfen. Die deutschen Gewcrkscharteir stellten allerdings gewisse Bedingungen für ihre Mitarbeit, wor» unter die, daß durch Einvet standwZ zwischen den gewerkschaftlichen Organisationen vrn Frankreich und Teutschland ei» unlauterer Wettbewerb der deutschen Arbeiter in Frankreich sowie überhaupt alles, was zu Reibungen führen könne, verhindert würde. Mareel Laurent findet daS sehr natürlich Bor Monaten habe die deut- sche Regierung dieS mitgeteilt Wenn man die Legitimität der For- dcrnngen der deutschen Gewrrkschafle» anerkannt hätte, dann wür- den unzweifelhaft Hunderttausende von aualisizierten deutschen Ar- beitern längst an per Arbeit sein Frankreich hätte Teutschland seine Kriegsgefangenen zurückgeben können und hätte nicht eine di- plomakischc Methode anwenden müssen, die die deutsche» Demo- traten in eine schieke Lage brächten und der Reaktion dicutc, so daß Frankreich wieder einmal für den Roi de Prasse(für den alten Fritzen) arbeite. Italienische Hilfe für öie Kinöer Wiens. (Meldung unteres römiichen Korrespondenten.) Nachdem der Popst 100 000 Lire für die hungernden Kinder Deuischösteueichs gegeben und die Bischöfe oufac'ordert hat. Sanirn» lungen zu veranstalten und die sozialistische V e r>v a l lung der Provinz Bologna für gleiche Zwecke 50 000 Lire de- stimmt hat, veröffentlicht die heulige„Tribuna" einen Aufruf, in dem Giuleppina Le Maire, die hochverdiente Helretiii der Armen Roms, langjährige Leiterin der römiicken Frauenbibliothek, sich an alle Frauen Italiens wendet um Geldspenden für die hungernden und frierenden Wiener K'nder. In Italien ist der KricgShaß vcrrnncht. Man kann mit Bestimmtheit erwarten, daß Spenden der italienischen Mütter reichlich fließen werden. Oer italienische PartewöestanS über öie Wahlen. (Von unserem römischen Mitarbeiter.) Der Partei vor st and bat in der folgenden Tages» ordnung die Bedeutung festgelegt, die er dem italienische« Wahlsieg beimißt: „Angesichts der Wahlergebnisse und der Art, in der der Wahl- kämpf von feiten der Sozialisten ohne Verschleierung, Halbheit und Rücksichtnahme ans den Erfolg geführt worden ist, heb: der Partei- vorstand hervor, daß der Wahlsieg ersten» die völlige Solidarität mit der russsschen Räterepublik bedeutet und die Aussordern ng an die italienische Regierung, sofort die Sowjeftepublik anzuerkennen? zweitens den Sieg des m a x i m a l ist i sche n Programms, so daß das Anstreben dex Verwirklichung dieses Pro- grammS heute eine Verpflichtung darstellt, die. die Partei gegen- über der großen Masse der Wähler übernommen hat. Der Parteivorstand spricht allen Abteilungen und Genossen seine lebhafte Genugtuung über ihren imevmüdlichen KampfeSeifer aus und entbietet dem organisierten Proletariat den Ausdruck seines wärmsten Beikalls, daß es in diesem Kampfe zur soziollsti- schen Partes gestanden hat, als dem politischen Ausdruck seiner Klaffenintercssen, und fordert alle Parteigenossen aus, die Arbeit der Agitation, der Werbetätigkeit und Organ isasion zu steigern, um den Sieg immer mehr zu festigen und sich beständig vor Augen zu halten, daß die Wahlen nur eine Episode deö Klassenkampfes sind, nicht Selbstzweck, sondern eines der Mittel zur Erreichung deS E n d z i e ls." " Der Parteiborstand beschloß weiter, in einem Brief seines Schriftführers B o m b a c c i den Ministerpräsidenten aufzufordern, die r u s s i s ch c n G« f a n g e n c n in Italien in Freiheit zu setzen. Es handelt sich um unglückliche Gefangene, die beim österreichischen Zusammenbruch in österreichischen Händen waren und nach Italien flüchteten. Der Brief gibt auch den. wiederholt lautgewordenen Verdacht wieder, daß unier diesen Gefangenen W e r b c v c r s u ch e sürdie HcereDenikinc- undKolschaks gemocht wurden. Für Beschäftigung und Unterhalt werde die italienische Partei sorgen. Der Vorstand fordert weiter, daß sich die italie- nische Regierung mit der russischen wegen bor Heimbcfätpcrunq in» Sinvernehmon setze, daß sie einer Vertretung der. sozialistiichen ParlamentSfraksioit, in Begleitung rusfischxr"Vcrkräüe'iMersonen, den Besuch der Gefangenen in Asinara erkaubc, um eine Erhebung über ihre Behandlung vorzunehmen, daß weitere Jnterniervngcn, wie sie aus Anlaß Kolschaks und seiner Vertreter vorgenom-nen worden, unterbleiben. Schlleßsich beschloß der Parteivorstand, im Gegensatz zu den bisherigen Gepflogenheiten, die ParlamentSsraktion aufzufordern, bei der Thr»nsitz«n««««esend zu sein, um eine aiitimonarchib-t�e Mv»tzzeb««g zu ver««stalten. kleine politische Nachrichten. Vor der Arbeitsaufnahme in Bitterseld. DaS Abstimmungsergebnis der Vollversammlungen der Belegschaften über die Ar- beitSaufnahme siegt noch nicht vor, jedoch ist zu erwarten, daß die Wiederausnahme der Arbeit mit 5000 gegen etwa 1000 Stimmen beschlossen werden wird. Akkordarbeit in Lübeck. Auf Beschluß der Arbeiterschast wird aus der großen Koch schen Schiffswerft Aktiengesellschaft die Akkordarbeit wieder eingeführt. Von den übrigen Schisss- werften siegen noch keine entsprechenden Beschlüsse vor. Die Reichseisenbahn. Donnerstag sind in Berlin unter dem Vorsitz des Rmchsverkehrsininisters Dr. Bell die Chefs der Eifen- bahnvcrwaltungen der Länder mit Staotübahnbesitz zu eingehen- den Bespvechungen über frühzeitigere U c b e r n a h m e der Eisenbahnen auf da? Reich zusammengetreten. Die Ver- Handlungen werden mehrere Tage dauern. Ter Abtransport au» dem Baltikum. Nach Meldung der P. P. N. haben bis zum 3. Dezember die Grenze überschritten 15930 Viilitärpers»«e« und Z709 Flüchtlinge.— Die Nachricht eines hiesigen Blattes, daß die Räumungsfrist um'2y- Monate verlängert sei, ist unzutreffend. Ter Abtransport wird bis 13. Dezember beendet sein. Aufruf zur Jugendpflege. Der preußische Minister für Volts- Wohlfahrt,© i e»g« r w a l d, hat an die maßgebenden Stellen einen Erlaß gerichtet, in dem er aus die Notwendigkeit einer Fernbal- tung.der P a r t e i p o l i t i k von der Jugendpflege hinweist. Ter Minister bedauert die Verwirrung der sittlichen Begriffe und hält ein angercS Zusammenarbeiten von Familie und Schule für ertvünscht. Besonders wird auf die Rot der weiblichen Ju- g e n d hingewiesen und im Schluß des Erlasses, die Hoffnung aus ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten der beteiligten Vereine und Verbände untereinander ausgesprochen. Der Umfang der KirchenaustriftS-Vewegung. Die Z schon übersteigt. 10 Proz. d-r Bevölkerung, welch«? Vor» hältniS sich durck täglich hundert Austritte ständig ändert. In Groß-Berlin ist daraukbin auch schon an sechs Volksschulen ein entsprechend abgeändecrer konfessionsloser Unte-� r i ch t eingerichtet worden. / Gegen Reaktion— für Einigung. Aus der Funklionärkonferenz der S. P. D., die am Donners- tagabend in der Bockbrauerei tagle, und über die wir in der Mor- genauSgabe berichteren, seien aus dem Referat deS Genossen Franz Krüger„Der Kampf gegen die Reaktion und die Einigkeit der Arbeiterklasse" folgende bemerkenswerte Stellen nachgetragen: Ueber die Frage der Einigung der Arbeiterklasse müssen wir uns ganz kühl und verstaiidesmäßig klar werden. Wir flehen fest auf dem Boden der Beschlüsse des Parteitages in Wei- mar, wonach die Einigung der sozialdemokratischen Parteien nur auf dem Baden des Erfurter Programms erfolgen kann. Personenfragen spielen dabei für uns keine Rolle. Aber dagegen«enden wir unZ, daß die Unabhängigen verlangen, wir sollten erst unserer Führer zum Teufel jagen. Die Führer haben bis zum letzten Augenblick auf ihren Posten zu bleiben uno erst die geeinte Partei hätte über die Besetzung der führenden Stellen zu entscheiden.(Beifall.) Es ist eine Irreführung, wenn man unsere Führer als Hindernis der Einigung bezeichnet. Der Parteitag der Unabhängigen in Leipzig zeigt ja, daß man dort gar keine Neigung zur Einigung hat. Der Parteitag liefert den Beweis, dag im Augenblick eine Einigung mit den Unabhängi- gen nicht möglich ist. Im Kampf gegen rechts und in der Frage der Einigung ist unser Standpunkt klar vorgezeichnet. Wir fordern VleiuungSfreiheit für jedermann, wehren uns aber entschieden dagegen, wenn von irgend einer Seite versucht wird, Parteiziele mit Gewalt durchzusetzen. Um die Repu- blik vor solchen Gewaltraten zu schützen, muh die Verwaltung und die Armee republikanisiert werden. Wir sind zu jeder Zeit bereit zur Einigung der Arbeiterschaft auf dem Boden der Demokratie. Wir müssen die Arbeiter aufklären und für uns zu gewinnen suchen. Wir müssen eine Politik deS Möglichen treiben, für die Republik, die Demokratie und die Verwirklichung des Sozialismus eintreten, soweit die wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür gegeben find. So werden wir das Programm der Sozialdemokratie zum Siege bringen.(Lebhafter Beifall.) Die Diskussion war lang und äußerst lebhaft. Sie drehte sich hauptsächlich um die Tätigkeit des Genossen N o S k e als Reichswehrminister. Dr. Loenitz, ein früherer Führer in der Republikanischen Sol- datenwehr, übte scharfe Kritik an Roske wegen der Auf- lösung des Depots 11 der R. S. 53. und wegen des Verbots der Werbung für die Regimenter„Reichstag" und„Liebe", die nach Angabe des Redners zu 90 Proz. aus organisierten Par- teige nossen bestanden hätten und eine zuverlässige Stütze der republikanischen Regierung gewesen seien.— Von anderer Seite wurde dagegen behauptet, in den genannten Regimentern seien nicht mehr wie 6 Proz. organisierter Parteigenossen gewesen. OI»l>schmidt griff das Oberkommando in den Marken an, weil es die Verbreitung demokratischer und republikanischer Zeitungen ?n der Reichswehr verhindere, die Verbreitung der reaktionären Zeitung„Offene Worte" aber begünstige. Die Behandlung des Falle? M a r l o h habe den Eindruck gemacht, als ob man das Trei- ben der reaktionären Offiziere begünstige.(Lebhafte Unruhe.) Kanv bezeichnete die Ausführungen des Genossen Koenitz als unzutreffend, verurteilte scharf die reaktionären Treibereien in der Reichswehr und sagte, im Hinblick auf dieselben rufe er dem Ge- nossen Noske zu:„Gustav, werde bart".(Lebhafter Beifall.) Die Einigung der Arbeiterschaft könne nur unter der Fahne der Demokratie und des Sozialismus vollzogen werden.(Sehr richtig.) Edelstein verlangte, daß auch in unseren Reihen den Genossen, die eine andere Meinung haben wie die Mehrheir, die Redefreiheit zugestanden werde, die wir gegenüber den Unabhängigen'fordern. Eine Einigung mit den Unabhängigen könne nur auf dep mittleren Linie zustande kommen, aber nicht, wenn wir sagen, wir haben allein recbt und die anderen haben allein unrecht. Dr. Easpari betonte, die Aufhebung deS Belag«- rungSzustandes würde unS die nötige Bewegungsfreibeit in der Bekämpfung der reaktionären Treibereien schaffen. Hätten unsere Parteigenossen bei den von H e! f f e r i ch ins Werk gefetzten Hi«»denburg-Demon st ratio nen stch nicht aus Disziplin dem Belagerungszustand unterworfen, dann würde es Helffcrich und seinen Alldeutschen schlecht ergangen sein. Zur Einigungsfrage sagte der Redner, nach der Haltung des Parteitags der Unabhängi- gen sei keine Aussicht auf Einigung. Die Einigung müsse jedem, der eS ehrlich meine, eine Herzenssache sein. Davon sei aber in Leipzig nichiS zu merken.(Lebhafte Zustimmung.) Richter sagte, wer die Einigung wolle, der müsse sich nicht nur auf den Baden deS Erfurter Programms stellen, fondern auch an dem wirtschaftlichen Wiederaufbau mitarbeiten. Riefstahl forderte energische Bekämpfung der Reaktion. In dieler Hinsicht habe Noske viel verschuldet. Die sozialdemokrati- scheu Arbeiter seien nicht in die Reichswehr eingetreten, weil ihnen der'Ekel vos dem Militarismus bis zum Halse stehe.(Lebhafter Beifall.) Die Mannschaften, die erklärten, sich hinter die Regierung zu stellen, seien von den Offizieren alS Spartakisten bezeichnet und dementsprechend bebandelt worden. Kuttner, dem unbeschränkte Redezeit gewäbrt wurde, führte aus, um die reaktionären Bestrebungen inncrbalb der Reichswehr zu bekämpfen, fei unter feiner Mitwirkung der R e p u b I i k a- nifche Führerbund gegründet worden, der die rcpublikani- scheu Elemente um sich sammelt. Er freue sich, daß die Partei diesen Bestrebungen gegenüber jetzt eine günstigere Haltung ein- nehme wie früher. An dieser Wandlung habe das Auftreten von Ludendorfs und Hindenburg mitgewirkt.(Sehr richtig!) Noiwendiz sei aber, daß die Bestrebungen de» Republikanischen FührcrbundeS Unterstützung finden bei den Genossen, auf die es ankommt. Wenn Resolutionen angenommen werden, dann müsse man auch darüber wachen, daß die Forderungen von der Stelle, an die sie gerichtet sind, ausgeführt werden.(Sehr richtig?) In der vorigen Versammlung der Parteifunktionäre seien eine Reihe von Beschwerden vorgebracht worden, und Noske habe Abhilfe versprochen. Deshalb fei ihm ein einstimmiges Vertrauensvotum erteilt worden. Aber, was inzwischen geschehen sei, bedeute nicht die Einlösung des Versprechens. Major Lange sei, weil er Mitglied deö Republikanischen Führerbundes ist. wegen feiner republikanischen Gesinnung gcmaßrcgclt worden. Noske habe versprochen, Lange solle Genugtuung erhalten. Der Redner trug den Fall Lange ausführlich vor. Lange, der sich um Uebersendung der Aufnahme- bedingungen an den Republikanischen Führerbund wandte, erhielt von dielem einen Brief mit der richtigen Adresse. Der Brief ging aber an einen anderen Major Lange, der ihn zur Feststellung de? richtigen Adressaten dem Generalkommando übergab. Der Brief wurde aber nicht dem richtigen Adressaten, sondern den» Rerchswehrgruppenkommando und der Obersten Heercsleituna über- geben und verschwand dann. Ein Major Göbel wurde zur Ueberwachung Langes beordert, was aber nachträglich von den höbcren Stellen mißbilligt wurde. Als Lange in den Vorstand des R. F. B. gewählt war. wurde er von Z erb st nach Dessau versetzt. Lange beschwert« sich bei Noske. Die Autwort NoskeS gimj verloren, ehe sie Lange be- kam. Erit auf dringendes Erfucyon erhielt er eine zweite Aus- fertigung. In diesem Schreiben NoSkcs wurde gesagt, es werde dem Major Lange zugebilligt, daß er seine Versetzung als May- rcgelung empfinde. Aber mit keinem Wort gehe NoSke darauf ein, daß Lange berechtigt ist. dem R. F. B. anzugehören. Nur das weiche ihm zugebilligt, daß er sich eines schuldhaftcn Vergehens nicht be- j wüßt sei. Auch der dem Major Lange gemachte Vorwurf, er habe � als Mitglied des R.F.B. Anlaß zu Spaltungen im Bataillon ge- geben, werde in dem Schreiben nicht berührt. Wenn das die von Noske versprochene Genugtuung sei, dann bitte er(Redner) den Herrgott, daß er nie in die Lage komme, von Roske Genugtuung zu erhalten. Noske dürfe sich nicht wundern, wenn Lange keinen Wert mehr darauf legt, in der Reichswehr zu dienen. Noske habe auch nichts getan, um die falsche Auslegung seines Er- l a s s e s, daß der R. F. B. verboten sei, richtigzustellen. General G r ö n e r mißbillige den R. F. B. nicht nur, sondern er bekämpfe ihn. Weiter wandte sich der Redner gegen die Begünstigung der reaktionären Soldatenzeitung„Offene Worte" durch die militärischen Konunandostellen. Noske müsse durch du» Partei gedrängt werden, so zu haicheln, wie wir es im Interesse der Republik für recht halten.(Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Krüger nahm im Schlußwort den Genossen Noske gegen An- griffe der Diskussionsredner in Schutz. Er verwies auf die schwie- rigen Verhältnisse, unter denen Noske zu arbeiten hat, und sagte, der Mann, der Noske ersetzen könne, sei von den Kritikern noch nichr angeboten morden. Solange unsere Genossen in der Regierung sitzen, müßten wir sie unterstützen. Erst wenn mir der Meinung seien, daß sie nicht mehr dahin gehören, könnten wir ihnen das Vertrauen entziehen. Es gehe nicht, immer auf Noske hermnzu- hacken und gleichzeitig zu sagen, er solle bleiben. Solche Methode dürfe in der Partei nicht angewandt werden. Mit allen gegen einzeln« Stimmen wurde folgende Resolution angenommen: „Die Parteifunktionäre und Arbeiterräte der S. P. D. Groß. Berlins stellen sich mit voller Ueberzeugung auf den Boden der republikanischen und demokratische» Staats ord- n u n g. Wenngleich im freien Deutschland M e i n u n g S und B e- tätigungsfreibeit für alle Anschauungen und politischen Richtungen gilt, so ist doch unter allen Umständen der Mißbrauch amtlicher Stellen oder die Anwendung von Gewalt zur Durch- setzung solcher Anschauungen zu verhinderm Die Versammlung fordert daher die Regierung auf, gegen alle Beamten, die ihre Slellung zum Kampf gegen die Republik mißbrauchen, mit den schärfsten Mitteln vorzugehen. Sie fordert weiter, daß aus der Reichswehr alle Offiziere, die in demonstrativer Ltzerse ihre monarchistische Gesin- n u n g bekunden, entfernt werden. Die Republikanisierung der Reichswehr ist nur möglich, wenn die Arbeiterschaft sich zur Verfügung stellt und auch in die Einwohnerwehren eintritt. Die Versammelten begrüßen die geplante Aushebung des Belagerungszustandes, sprechen aber gleichzeitig die bestimmte Erwartung ans, daß nunmehr alle Parteien sich rückHall. los auf den Boden der Demokratie stellen und nicht durch neue Gewaltakte wieder Schutzmaßnahmen zugunsten der freiheitlichen Errungenschaften der Revolution herausfordern. Angesichts des immer frecheren Auftretens der Reaktion, welches die Einigung der Arbeiterschaft notwendiger denn je macht, haben die radikalen Gruppen auf das Einigungsangebol keine andere Antwort alS schärfsten Kamps gegen die mohvheits- sozialistische Arbeiterschaft, parteipolitische Zersplitterung der Ge- werkschaften und das auf dem unabhängigen Parteitag auSgc- sprochene Bekenntnis zur unabliängig-kommunistischen Partei- diltcrtur. Durch diese Stellungnahme ist die Einigung der sozialiftt- scheu Parteien unmöglich geworden, da die Unabhängigen den Boden des Parteiprogramms völlig verlassen haben, und sich wiederum als das enchüllt haben, was sie immer gewesen sind: Handlanger der Reaktion. Die Arbeiterschaft muß des- halb, um die Pläne der Reaktion zu zerstören, nicht nur diese selbst, sondern auch ihre unabhängig-kommunistischen Helfershelfer be- kämpfen."_ Industrie und Handel. Börse. Die Spekulation nahm heute Rückkäufe bor, die eine Besserung der Tendenz im Gefolge hatten. Allerdings war die Kursentwick- lung nicht ganz einheitlich. Bevorzugt waren wieder A u s la n d s- Papiere, namentlich Schantung, Kanada und Steaua Romana. Auch Türkenlose konnten ihren Kursstand um 10 Proz. verbessern: Monan werte waren veremzelt niedriger, so namentlich Phönix, die 6 Proz. einbüßten, und Bismarckhütte, die 8 Proz. ver- loren. Von Schiffahrtsaktien gaben Hamburg-Südameri- nische etwas nach. Aus den übrigen Märkten tonnte sich die letzte Kursentwicklung ungefähr behaupten. Banken blieben vermach- lässigt. Heimische Anleihen waren wenig verändert. Groß-berün Sranü im Steinvlatz. Ter Fernsprechverkehr unterbrochen. Im Fernsprechamt Srrinplatz in Eharlottrnburg brach heute vormittag ein Brand aus, der einen Teil der Leitungen zerstörte. Die Beschädigungen sind so umfangreich, daß mit einem länge. ren Stilliegendes ganzen Fernsprechamts Stein- platz gerechnet werden mutz. Polizeistunde um 11 Uhr. Wie vom Polizeipräsidium mitgeteilt wird, wird eine Herab- s e tz u ng der Polizeistunde auf elf Uhr in nächster Zeit erfolgen. Die Kohlennot, die in sämtlichen Städten herrscht, hat den Minister des Innern veranlaßt, durch Runderlaß für all- Großstadie einheitlich hie Polizeistunde auf elf Uhr festzusetzen. Von»rekchem Dalum an diese Einschränkung erfolgt, hängt von der Bekanntgabe der Anordnung ab, die siir allernächste Zeit zu erwarten ist. UnnrittcHxtt nach der Bekanntgabe wird die Ver- ondnnng in Kraft treten. Obgleich von der Leitung der Großen Berliner mitgeteilt wurde, daß eine Einschränkung nicht beab- sichtigt sei, hören wir vom RcichSkohlen-kommissar, daß durch die Verkürzung der Polizeisturide auch eine Einschränkung des Straßenbahnverkehrs nach 11 Uhr eintreten wird. Näheres ist noch nicht bekannt, aber die Kohleneriparnis durch diese Einschränkung ist so beträchtlich, daß man kaum um diese Maßregel herumkommen wird.) „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Pastauflage bei. Aufklärung eines gr,ßen Silberdiebst-ihls. In einer vor- nehmen Wokmung im Westen der S'.adt, in der drei Dienstmädchen gehalten wurden, herrschte am Morgen des 2. Dezember große Aufregung, Während Familie und Dienstherrschaft schliefest, waren in der Nacht Einbrecher in di« Vorderräume eingedrungen und hatten, ohne daß jemand etwas merkte, das ganze Silberzeug im Werte von über 30000 M, gesto hlen. Ter Einbruch war um so rätselhafter, als sich» nirgends eine Spur von Gewalt finden ließ. Bei der Entdeckung des Einbruchs hatte sich eines der drei Dienstmädchen, eine Polin namens Maria S a s ch e k, am leb- haftesten an der Besprechung icher die mutmaßlichen Vorgänge be- teiligt. Gerade daz lenkt« den Verdachr aus diese Polin Die Kriminalpolizei ermiKelte, daß sie einen Landsmann, den Arbeiter Jannek Ma.kowski, zum Geliebten hatte, spürte diesen aus und nahm ihn in dem Augenblick fest, alz er gestern aus dem Bahn- dos mit großem Gepäck den Zug besteigen wollje, um nach seiner , Heimat zu kahren• Die Beamten fanden in dem Gepäck das ganze ! Silberzeug und nahmen Markowski fest. Jetzt legte auch seine Ge- liebte endlich ein Geständnis ab. Nach vereinbaricn� Plan hatte sie abends die Schlüssel draußen an einer bestimmten Stell« niehce- gelegt. Dort nahm sie Marlowski an sich und hatte nun leichte „Arbeit". Weil er sicher war, daß niemand ihn stören konnte, so hatte er in aller Ruhe sogar das elektrische Licht angedreht und da? Silberzeug geräuschlos eingepackt. Das Pärchen wurde von der Kriminalpolizei dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Ter Raubmord am Bichhändler Klöppel. Aus Greifswald wird berichtet: Seit dem 9. Oktober ist der Viehhändler Wilhelm Klöppel aus Berlin unter verdächtigen Um- ständen spurlos verschwunden. Seine Leiche ist nun im Rvck herausgefischt und geborgen worden. Nach dem Unter- suchensergebnis komnit Mord oder Totschlag in Betracht, und zwar ist K. wahrscheinlich infolge von Schlägen auf den Kopf und Messerstiche getötet, teilweise beraubt und dann ins Wasser geworfen worden. Es f ehlen zwei Wechsel, ausgestellt von den Eheleuten K a s ck in Neuenkirchen auf Max Schütz in Grcifswald über 2000 und 2500. M. Der eme ist am 10. Dezember, der andere am 9. Januar fällig. Ferner fehlen ein brauner weicher Filzhut mit gerader Krempe und ein brauner Weichielstock mit runder Krücke. Es'.st sehr wahrschein- (ich, daß diese Gegenstände am Rick an der Stelle, wo Klöppel ins Wasser geworfen wurde, liegen geblieben und von einer vorüber- gebenden Person bemerkt und aufgenommen worden sind. Von großer Wichtigkeit für die Untersuchung wäre die Feststellung, wo die Sachen gelegen haben. Nächtlicher Brand in der Liudenstraße. Großseuer kam in der letzten Nackt in dem grossen Konseklionshau? von Fi i Ätz ein u. Mendel in der Lindenstr. 44. neben der Houpiwacke der Ber- liner Feuerwehr. Lindenstr. 41. aus bisher nock nickt ermitteller Ursacke zum Ansbruck und beickästigte die Feuerwehr bis gegen morgen. Es gelang schließlich, den Brand zu löschen. Der Schade» ist beträchtlich. Ein Diebstahl an Kunstgegenständen, die für die hiesige Ratio» nalgalerie bestimmt toaren, wurde aus der Eiscnbahnstrecke Riet- berg— Partenkirchen— Berlin verübt. An noch unbekannter Stelle wurden in der Zeit vom 2ö. bis 30. v. M. aus dem Eisenbahnwagen mehrere Kisten gestohlen, die folgende Kunstwerke enthielten: eine antik« Marmorbüste, die einen römischen Kaiser darstellt, zwei kleine Bronzestatuetten eines Gottes und einer Göttin, eine farbig« unter- lebensgroße Knabenbüste im Renaissancestil und ein Bronzerelief von Prot. Hildcbrand, das ben verstorbenen 5ftlnstmalcr- Conrad Riedlcr darstellt. Wert- und Eilpakete in der Weihnachtszeit. Für die Zeit vom (3. bis ciinchliessliili 26. Dezember werden zur Beiördcrung mit er Wert n- gäbe von Pnvatpersonen nur solche Pakete angenommen, die auchchlieblich bares Geld oder Wcrtpaviere. Urkunden, Gold, Silber Edelsteine oder daraus gefertigte Gegen. stände cntbaltcn. Pakete mit anderem Jubalt sind während der onge- gcbencn Zeit von deck Vericudung unter Wertimgabc a u S g e s ch I ol i c n. Tic E i Ib c st e l l u n g ist siir die bezeichneten Tage bei gewöhnlichen Paketen, die von Privatpersonen berrüksren. nicht zugelassen. Dringende und Einschreibpaketc werden wählend der an- gegebenen Zeit von Privatpersonen nicht an g-e n o ni m e n. Für unsere tüefangcneu! Zu dem Konzert de! Domchor?. das unter Leitung des Herrn Pros. 31 ü o e l am Sonnabend, den 6. Dezember, abends 7h. Uhr, in der Allen Garnison kiiche(Neue Friediichstrasie) ball- silidct, sind' noch Einiri-tSkarten zu 3, 4 und S Ai. bei Bote u. Bock. Wert- beim und in der Küsierei der Garnisonlirche zu haben. ocrvorragcm.e Solisten Hertha D e b m I o>o(Altistin). Eurt Vogel(Violine) und Walicr D r w c n§ k i'(Orgel) boben ibrc.Mitwirkimg zugelagt. Herr Do!- Prediger D o c h ring wird eine Ansprache hallen. Der Ertrag der Ver- anstaltung kommt unseren Kriegsgesangencn zugute. Das Rvollothcater ist in diesem Monat wieder, mit einem ausgezeichneten axtiftifchen Programm heransgekonmien.. An her- voiragendster Stelle steht Gabbtn Broils mit ieinem Tores- sprunss aus 50 Fuß Tiefe. Besondere Leistungen boten die zwei Bennos,- Exzentriker, A bo tt und Partner in ihrem humo- ristüch gymnastischen Akt. die Trapezkünstlern Haiwiy Garden, die 4 RovgbhL,. fliraendr Akrobaten, die drei Da lvanoS als ko- mische Radfahrer und vor allem das Beriihardt-Trio mit seinen K-raftleistungen. Hedwig Gitzke mit ihren Liedern und Klara Berat mit ihnen Phantasten sind ausgezeichnete� Ver- treter des tanzenden Elements. Die größte Sensation des Abends. L o Kitt a i), das telepathische Phänomen, wurde nur mit sehr gemischten Gefühlen und schwchem Beifall ausgenommen, ein Be- weis, daß das Berliner Publikum von Telapathie wohl vorläufig genug hat. Kuustchronik. Die grosse T r ü b n e r- A u§ N ei In n g in der Galen- Eduard Schulte ist bis Donnerstag, den 11. Dezember, verlängert worden. Für Wien k Im Opcrnbause findet am Freltag, den 12. d. Mls., mltlags h Ubr eine Matinc zum Besten der notleidenden Kinder Wiens stall.' Mitwirken werden sämtliche Kategorien dc§ Kunstpeisonals.-velche sich cbenso wie das Icchnischc und daS Hauspcrsonal uileiitgcitiich zur Ber- sügung stellen._• tSrosz-Berline� Lebensmittel« HermSdorf. An alte Leute über 70 Fahre und an Kranke, denen Milch ärztlich verordnet ist. wird vom ftuitag bis Dienstag eine Büchie Koubensmilch(3 M.) vcrobiolgt Bezugscheine werden an den bezeichuetiN Tagep gegen Ausweis im LcbcnSmittclburcau, Zimmer 6, ausgegeben. KoiidciiZnnich bei den Milchhändlern. Groß-Serliner Parteinachrichten. 9. Abteilung. Parteisunktionäre und BctriebSvertrauensleute! Sonnabend, 6. Dezember, abends 7st, Uhr, Sitzung bei Kaiser, Neichen- bcrger Str. 151. 32. Ndtetliing. AbleilungSsunktionäre und BeiriebSvertrauensleute! Sannabcnd. 6. Dezember, abends 6 Uhr, Sitzung bei Korn, Gleimstr. 10. 48. Ableiluilg. Parteisuiiktionäre und Betrikchsvertraucnsleute! Sonnabend, 6. Dezember, abends 7 Uhr, Sitzung bei Grunwald, Kameruner Strasse 19._ �ugenüveranftaltungen. Wedding. Fugend beim: Geiangsaal der 14. Realschule, Lütticher Strasse 33. Heute 7 Uhr: M i t g i i e d e r v e r s a m m I u n g. Die wichtige Tagesordnung erfordert das Erscheinen sämtlicher Jugendgcnosscn. vortrage, Vereine unü Versammlungen. Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Montag'/.S Hör in Viit< uers Festsälen. Schwedler Str. 23,'24, Beziiksveriammlung. Referent: Kamerad Stein. Mitgliedskarte vor, eigen.— Freireligiöse Gemeinde. Sonntag Ii Uhr im Stadthaus. Klostcrstrasse. Ecke Slraiauer Sirasse, A. Dietrich: Die Grundlagen unserer Kulwrpolilit.— Harmonium; Lied an den Abcndstcrn �Wagner).«Hölle willkommen.— Stenogravhenverein Stolzo-Sckrey. 3toi dostbezirk. Montag 71/, Uhr 69. Geniein deschule, Kleine Frankfurter Str. 6.— Deutsche FrtrdenSgesellschaft. Montag 8 Uhr spricht im Eajs Awtria, Potsdamer«srlr. 28, für die Ortsgruppe der Deutschen KriedenSgcscllschast Hau» Hermann Schneider über Weltpolitik im Lichte von Konstantin Frantz.— Arbeiter-Sauiariier- bund. Bezlrksvetsammliing haben abends 7 Ubr: Kolonne Norden Sonnabend Usedomilr. 33, Olböler. Kolonne Süden DieiiStng Neukölln. Weichselstr. 8. Ideal-Passage. Wegen Fiüherschliessung der Lotale bitte pünktlich erschei cn.— E»n grosser o.cmiichter Chor soll aus dem werk» tätigen Volk gebildet werden, der sich neben der Aussührung grösserer Chorwerke haupliächkich die Pflege de« Volksliedes und revokutlonärer Musik zur Slnsgabe gestellt dat. SangeSschwestern und SangeSbrüdcr mit musikalischer Begabung und gutem Itimmmaterial. die diesem Chor bei. zutreten wünschen, wollen dem Cbormelster, Bunde-dlrigenlen Hermann Scherchen, N.uncn und Adresse bis spätestens Mittwoch, den 10. Dez, mitteilen. Ter Vorstand des'Arbetter-SängeldundpS.—' Lankwitz. Sonntag 71/, Uhr in der Gemeinde-Fell balle McndeiSsolm Abend, Mn. wirkende: Heir Lederci-Piriw(Gesang), Herr Eugen Tetzel(Klavier) und das Kammarnufik-Tno der Herren Paul Schlamm, E. v. Zctli» und A riebe: mann. Karlen a 1,50 M. im Rathaus und allen mit Plakat ver- scheuen Geschäften. GewechiWzbwMng Lohnerhöhung in öer oberjchlesischen Großinöustrie. Bon den Orgnnisntionsvertretern der vier in der ArbeiiSge- meinschast zusammengeschlossenen Organisationsrichtungen war Ende Oktober dem Arbeitgeberverband ein Gesuch um Lchrterhobung von 80 Proz. überreicht worden. Begründet wurde diese Forderung mit den dauernd gestiegenen Preisen für alle Bedarfsartikel, die insbe- sondere den Familien mit zablreicher Kinderschar eine weitere Existenz unmöglich machten. Im Verfolg dieser Forderung fand nun am Tienstag, den 2. Tezember, eine Verhandlung mit dem Arbeitgeberfccrband stat, die folgendes Ergebnis zeitigt«: ES erhalten alle Arbeiter unter Tage 4,00 3??.; alle Arbeiter über Tage über 25 Jahre alt 4,20 M.; alle Arbeiter über Tage vom 20. bis 25. Jahre 3,30 M.; alle Arbeiter über 13 bis 20 Jahre 2,65 M.; alle Arbeiter über Tage von 16 bis 13 Jahren 2 M.; jugendliche Arbeiter unter Tage bis 16 Jahre 1.60 M.; jugendliche Arbeiter über Tage bis 16 Jahre I M. Frauen erhalten in allen Altersklassen die Hälfte dieser Erhöhungen. Ferner haben die OrganisatwmSvertreter bei dem Arbeitgeberverband einen TarifvcrtragSentwurf eingereicht, über den die Ber- Handlungen in nächster Woche beginnen sollen. Das Ergebnis dieser Verhandlungen ist ein schöner Erfolg der beteiligten Gewerkschaften und doppelt wertvoll, weil er ohne Kampf erreicht wurde. Es ist aber auch zugleich ein Beweis dafür, daß nur.starke und geschlossene Organisatwnen den Erfolg ver- bürgen. Tarifbewegung der chirurgischen Branche. Eine.überaus gutbesuchte Versammlung der chirurgischen Branche beschäftigte sich mit den seit einiger Zeit geführten Vir- Handlung zwecks Abschluß eines Tarifabkommens. Die Verhrnd- lungskom misswn hatte der Eigenart der Branche Rechnung ge- tragen und den Unternehmern einen Tarif vorgelegt, der eine ein- Zeitliche Entlohnung auf Grund der Lohn, und Akkordbasis festlegt. Eine Verhandlung mit den Unternehmern führte zu keinem Re- sultat, da sich die Herren erst mit ihren Mitgliedern verständigen müßten. Der Kommission ging dann ein Gegenvorschlag zu, der lediglich einen Abklatsch deS Abkommen» der Metallindustriellen darstellt. Tie Vertrauensleute lehnten nack Stellungnahme diesen Vorschlag entrüstet ab, eine Klassifizierung in der chirurgischen Branche einzuführen, sei ein Unding. Nachdem in einer weiteren Verhandlung nochmals die Schäden in eingchsnZer Weise besprochen wurden, die Unternehmer aber auf ihrem Standpunkt der- harrten, kam es zum Bruch der Verhandlungen. Die Kommission forderte von den Versammelten Richtlinien, wie die Verhandlungen evtl, weitergeführt werden sollen. In der Diskussion kam einmütig zum Ausdruck, daß der Vorschlag de? Unternehmer einen glatten Abbau der Löhne bedeute. Tie Branche befind« sich in steigender Konjunktur, die Unternehmer betreiben zum größten Teil Export und erzielen ungeheure Gewinn«. Aus Grund de? letzten Metall- arbeiterstreiks glauben die Unternehmer, das Eristenzminimum der Branche noch weiter herunterdrücken zu können. Die Versammelten der chirurgischen Branche betonen mit allem Nachdruck, sich eine i Verschlechierung SeS Sehen Zlagx unker keknen llmflätt?en gefallen zu lassen, selbst trenn«S hart auf hart kommen sollte. Eine ein- stimm ta angenommene Resolution desagt: „Äie im Rosen thaler Hof versammelten Arbeiter und Arbeite- j rinnen der chirurgischen Branche beauftragen ihre Kommission, die loeiteren Schritte zu unternehmen, um die Forderungen der in der I Branche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen zu erreichen. Die : Klafsisiz'ierung ist von vornherein in allen Berufsgrupcn abzu- lehnen." Achtung, Kieischergesellenk Alle Fleischcraesellen Groß-BerlinS werden ersucht, zu der am Sonnkag, den 7. Dezember, von 10—4 Uhr im Arbeitsnachweis- Gebäube Rilckerstr. 9 und Gormannstr. 13 stattsindenden Wahl des paritätischen Arbeitsnachweises zu erscheinen und ihr Wahlrecht aus- znüben. Jeder Wähler hat sich durch Lehrbrief oder Verbandsbuch oder Arbenszeugnis auszuweisen, daß er Fleischer ist? desgleichen muß er nachweisen, daß er seit Anfang 1914 bereits im Gewerbe gearbeitet hat. Die Jnvalidenkarte oder EcwerSlosen-Kontrollkarte ist m>tzu- bringe«. Kollegen, die eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers babsn, brauchen die Jnvalidenkarte nicht. Fletscher, die gegenwärtig in einem anderen Berufe arbeiten, sind ebenfalls wahlberechtigt. Auch jene Kollegen, die den einen oder anderen Nachweis nicht schriftlich bringen können, müssen zur Wahl erscheinen und, falls sie vom Wohlvorsteber zurückgewiesen werden, ist bei der vom Verband im Wahllokal anwesenden Wahlprotest-Kommission ihr Protest nieder- -«liegen. Die auf dem Vtehhos täligen Kollegen haben neben ihrem Nachweis, daß sie Fletscher sind, nur noch die ErwerbSlosen-Kontroll- karte des paritätischen Arbeitsnachweises vorzulegen. Die Liste deS Zentralverbande» der Fleischer be- ginnt mit dem Namen Tonrad Krause. Tarifvertrag für die Ardeiter im Buchhandel. Der Transvortarbeiterderband hat mit dem Avheitgeberver- band der deutschen Buchhändler(Ortsgruppe Berlin) einen bis 31. März 1920 laufenden Tarifvertrag abgeschlossen, der für über 20 Jahre alte Markthelfer und Packer einen Wochenlabn von 95 Mark im ersten, 105 M. im zweiten, 110 M. nach drei Jahren fest- setzt. Packerinnen und Lagerarbeiterinnen erhalten 70 M. im ersten, 75 M. im zweiten, 30 M. im dritten Jahre der Beschäftigung. Aus» Hilfspacker werden mit 2,50 Mk. pro Stunde bezahl:. Kassierer und Kutscher erhalten einen Wochenlohn von 105 M. im ersten, 115 M. im zweiten Jahre und 120 M. bei länger als dreijähriger Beschäf- tigung. Boten, Radfahrer, Markthelfer und Packer unter 20 Iah. reu im Alter von 14 bi» 15 Jahren wöchentlich 80 M., bis 16 Jahre 35 M., bis 17 Jahre 40 M., bis 18 Jahre 50 M.. bi» 19 Jahre 70 Mark, bis 20 Jahre 80 M. Weibliche Angestellte dieser Gruppe er- halten 10 Proz. weniger. Kriegsbeschädigte erhalten bei einer bis zu 30 Proz. verminderten Leistungsfähigkeit die gleichen Löhne wie rollerwerbsfähige Angestellte. Die seit dem 1. Juli 1919 im Be- triebe Beschäftigten erhalten eine einmalige Wirtschaftsbeihilfe. Sie beträgt für Jugendliche unter 18 Jähren 75 M,, für Arbeitnehmer von 18 bis 20 Jahren 100 M., für solche über 20 Jahre 200 M., Verheiratete erhalten für jedes Kind unter 14 Jahren 50 M. Die nach dem I. Juli Eingestellten erhalten für jeden vollen Monat ihrer Tätigkeit ein Viertel der vorstehenden Sätze.— Im Eisenbahnüuch- handcl wird für Nachtarbeit ein Zuschlag von 20 Proz. an Ver- teiler, 10 Proz. an Vorleser gezählt.— Ueberstunden, die nur in den ällerdrlngendsten Fällen zu keksten find, inerten m? 80 Proz., Sonntagsarbeit mit 35 Proz. Aufschlag vergütet. Alle Angestellten erhalten einen Urlaub vo« 6 Tagen nach einjähriger, von 9 Tagen nach dreijähriger, von 12 Tagen nach fünfjähriger Beschäftigung. Tie Stimme einer weiblichen Angestellten. Von einer weiblichen Angestellten werden wir um Berössent- lichung folgender Zuschrift gebet-n. Mit Recht find die männlichen Arbeitslosen, die sich vier Jahre an allen Fronlen ausopferten, auf das Tiefste empört, daß Frauen, die es nicht notig haben, nun auch noch noch nach ihrer Rückkehr ihre Stellen besetzen. Ich kenne 17. bis ZOjähnge Mädchen, die monatlich 600 M. beziehen. Wenn sie sich gut intt ihren Chefs stellen, können sie aus noch Miere Monatsgehälter kommen. Allzu- gu: verstehe ich daher den Ruf unserer Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer: Heraus mit den Frauen und Mädchen aus un- seren Berufen! Auch ich rufe im Namen vieler Kolleginnen:.Heraus mit allen, die nicht unbedingt auf Gelderwerb angewiesen sind. Und ihrer sind genug!"— Viele meiner Mitarbeiterinnen lassen ihren Vor- dienst bei Hut- und Putzmacherinnen usw.; deren Stellen sollten schleunigst für die Kriegsteilnehmer freigemacht werden. Notwen- dig ist es indessen, daß vorher gewissenhaft geprüft wird, wer auf seinen Verdienst unbedingt angewiesen ist. Das muß der ausschlug- gebende Gesichtspunkt bei der Entlassung weiblicher Angestellten sein. In der Reichsbank, Berlin, Zählkasse, wurde vor einiger Zeit angekündigt, daß die unbeliebten weibliche« Angestellten entlassen werden müßten. Hierbei möchte ich bemerken, daß die Geldzähle- rinnen 250 M. Monatsgehalt beziehen. Wie sollen alleinstehende Personen, Witfrauen mit diesem Golde auskommen? Warum kön- neu diese weiblichen Angestellten, die nit größeren Geldsummen zu tun haben und eine große Verantwortung tragen, nicht höher be- soldot werden? Eine moralische Pflicht erwächst hier den mann- lichen Kollegen, unS, die wir uns von unserer Hände Arbeit iüm- merlich ernähren müssen, behilflich zu sein, damit wir gerechtere Gehälter beziehen und nicht auf die Straß? fliegen. Die beste Schutzwehr gegen die den heutigen Zeitverhalwissen ungenügende Entlohnung bietet aber die Organisation. Sie bewahrt auch die weiblichen Angestellten vor sittlichem Fall. Soziales. Arbeits- und Bcrufsamb für Neukölln. Die Errichtung eines Arbeits- und Berufsamtes haben in Neukölln Magistrat und Gewerbedcputalion beschlossen. Dein Arbeitsamt werden zur Bearbeitung sämtliche auf dem Gebiet der ArbeitStürsorge, der Arbeirsvermittlung, der Berufsberatung, Lehr- stellenvcrmittlung, Berufspflege, der sozialen Versicherung liegende» und der gewerblichen Angelegenheiten zugewiesen. Angegliedert werden dem Arbeitsamt ferner daS Versicherung!- amt und das Gewerbe« und KaufmannSgerichl. Neber die Aufgaben und die organische Gliederung deS Arbeits- amteS hat Stadtrat Lindner eine besondere, der Gewerbe- deputation überreichte Denkschrift verfaßt. Verantw. für den rcdaktion. Teil: Artne gickler, Lharlotlendurg! für Anieiflen: Td. Glocke, Berlin. Terlag: Borwärts-VerlanBehandlung harn- und Blutuntcrsachung, Licht- und Finsen-Behandlung. Bestrahlungen. Schnell,»icher. ohne Berufsstörun8! == Getrennte Wartezimmer für Damen und Herren.. 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