Nr.6Ä3.36.Zahrg. Bezugspreis: SäerttlfSIjri. 10�0 mt�monatLSJO Ml. frei ras Jiaus, oottnis zahlbar. Post- bejHS: Monatlich 3» Ml, exkl. Au- iiellungsgebühr. Umer Ztreuzbasd für Deutschland und Oesterreich-Ungarn B.7i Ott, für das übrige Susiend 10 7b Ml� bei täglich einmal. Zustellung 8 75 Ml. Postdestellungen nehmen an Dänemark bolland. knzemburg, Echweden n. die Schmelz. Eingetragen w die Bost-Zeitnngs-Preisltste. Der„Vorwärts� mit der Sonntags- bcilage»Boll u. Zeit' erscheint machen- taglich zmciinal. Sonntags einmal. Telegramm-Adrcste: �Sozialdemokrat Derlla-, Morgen Ausgabe. OG Berliner DolKsblatt 15Pfenn?gj AuzciKcuprcis: Die achtgeixaltene Nonparcillezcile kostet 1L0 M, Tenerungsznschlag S0°> „S leine Anzeigen-, das icn- gedruckte Wort 75 stijjj.(zulässig zmei scNgedcuckte Wortes, jedes meiteie Wort 50 Pfg. Stestengesuckse und Schlafstellenanzetgen das erste Worr 65 Psg., sedcs weitere Wort 40 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen tue zwei Worte. Tenerungsznschlag Familien- Anzeigen, politische und gcmeriichastliche Bcreins- Anzeigen lZS Ott. die Zeile. Anzeigen für die nächste Rummer müssen bis 2 21fic nachmittags im Sauptgeschäst, Berlin CW Kst. Lindenstrassc 3. adgegsinu werden. Eröffnet von 3 Uhr sriih bis ü Uhr odcnds. Zentralorgan der rozialdemokrati fd�en parte! Deutfehlar. is Ucüaktion und Lxpeüitton: EW. öS» Lwöenstr. 5. leernsvrectirr: Amt MortUvlaiz. Str. tatg«—»SIS?. Sonnabend, de« 6. Deze»nber IVIN. vorwärts-verlag G.m.b. K., SW. 68, Linöenftr.! Zsernivrecher: Amt SZioriffpla«, Sir. 1X7 5iJ— 51. Kriegsdrohung gegen Wehrlose. Los von See Demokratie! Der Parteitag der Unablsängigen in Leipzig hat sei» Verhältnis zu den Kommunisten noch nicht vollstän- dig, desto gründlicher aber sein Verhältnis zur Sozialdemo- hatte geklärt. Ltachdein er sich tiloineterweiie von den Grund- sähen der Sozialdemokratie entfernt lzat, ist er einen hallmi Schritt vor dem Kommunismus stehen geblieben. Von ihm unterscheidet sich die unabhängige Partei durch wenig mehr alS durch den Namcn. den sie aus Gründen der Klarheit und Aufrichtigkeit am besten ablegen würde. Dieser Name.„Un- abhängige sozialdemokratische Partei" ist nur noch eine H e r k u n f t s b e z e i ch n u n g. er bedeutet kei nerlei Gemeinschaft mit der Partei, die von altersher die sozial- demokratische heistt und auch die sozialdemokratische bleibt. Die sozialdemokratische Partei hat, seit sie bestellt, für politische Gleichberechtigung, für Volksherrschaft durch allgemeine Wahlen und Abstimmungen gekämpft. Sie hat das getan in der Ueberzengmig. das; die„formale", die „bürgerliche" Demokratie zwar noch nicht das Ziel selbst, aber eine notwendige Etappe auf dem Weg zu dem Ziele sei. Sie kämpfte für die„formale" Demokratie, um sie dann zur s o- z i a l e n zu erweitern und umzugestalten. Niemals ist in der Partei der Gedanke aufgetaucht, daß man die„formale" Demokratie in-dem Augenblick, in dem man sie erobert hat, wieder zum alten Eisen werfen könnte. Was wir unter dem hkmscr reich air Demokratie besasien, da3 allgemeine Reichstagswahlrechi, war blutwenig. Dennoch waren wir alle entschlossen, dieses wenige bis auf den letzten Blutstropfen zu verteidigen, und ohne diese Entfchlofsenheik wäre das allgemeine Re'chstagswahlrecht längst zum Teufel gegangen. Heute haben wir die Republik, die Souveränität des VolkeZ. das gleiche Wahlreckst beider Geschlechter, das Recht des ganzen Voltes, durch direkte Abfrimmung Per- fassung und Gesetze zu ändern, gegen den Ansturm der Reak- tion zu verteidigen, und wir werden es tun, auch wenn 'man unsdabei von links her in den Rücken fällt. Das Aktionsprogramm der Unabhängigen bc- kennt sich zur„sozialen Demokratie". Alan schämt sich, das Wort„Demokratie" ganz und ein für allemal aus dem Programm zu streichen. Wir werden nie verstehen, wie man gl>u- den kann, zur sozialen Demokratie zu gelangen, indem man das. was man an Demokratie besitzt, negiert sabotiert, herunter- reißt imd seine gewaltsame Beseitigung als erstrebenswertes Ziel hinstellt. Unser Ziel ist klar vorgezeichllet. Es heißt in kurzen Worten:„Volksherrschaft über die Volks Wirtschaft!" Unterstellung aller dazu reifer Unternehmungen und Wirt- schaftszweige unter die Herrschast des in Reich. Ländern und Gemeinden organisierten allgemeinen Volkswillens. Temokra- tische Selbstyelstoaltuilg der einzelnen Betriebe durch Arbeiter- ausschüsse oder Betriebsräte. Gewerkschaftlicher Zusammen- schluß der Arbeiter zur Wahrung ihrer Interessen als Produ- zenten: genossenschaftlicher Zusammenschluß der Verbraucher zur Wahrung ihrer Interessen als Konsumenten. Ausgleichung der Interessengegensätze zum Wohle des ganzen Volkes nach dem Willen des ganzen Volkes. Weni'ger klar sind Ziele und Wege der Unab- lui n g i g o ri. Da sie aber alles durch die D i k t a t u r des Proletariats, die sie in antidemokratischem Sinne anffassen, und durch die Räteherrschaft inachen wollen, werden sie genö- tigt sein, uns ihre Pläne näher zu entwickeln. Noch wissen wir gar nichts darüber, wie das von den Unabhängigen gc- plante Rätesystem aussehen, wer sein politisches Recht als Staatsbürger behalten und wem es genommen werden soll, ob das Wahlrecht der wahlberechtigt Bleibenden frei sein ioll. wie es in der gegenwärtigen Verfassung ist. oder ob stach dem famosen Vorschlag des großen Programmatikers Crispien auch die Wahlberechtigten praktisch ihr Recht der- Heren sollen, wenn fte(n i cht io wählen wollen, wie die künftige Obrigkeit es will. Wir wissen auch nicht, ob es uns unter der..Diktatur des Proletariats" ebenso erlaubt sein wird, unsere Meinung zu iagen. wie es den Un- abhängigen jetzt erlaubt ist, ob das Recht der P r e ß f r e i- h e i t, der Versammlungs- und Vereinsfrei- heit, der persönlichen Bewegungsfreiheit, das jetzt durch die Aushebung des Belagerungszustandes in vollstem Umfang wieder hergestellt ist. bestehen bleiben soll oder nicht. . sfür die großen Geister von Leipzig mögen das alles Kleinigkeiten sein die sie nicht genieren. Uns sind aber diese Dinge, die wir früher einmal, alle die idealen Güter der Arbeiterbewegung nannten, ans Herz gewachsen, und wir werden darum nie aufhören, in aller Bescheidenheit anzufragen, was eigentlich mit ihnen beabsichtigt wird. Neues Ultimatum in Sicht. Im Schöße des Obersten Rates in Paris scheint sich die in der lebten Zeit in den Roten zum Ausdrnck gebrachte schroffe Gesinnung der Entente gegenüber Teutschland z« einem U l• t i m a t o ui zu verdichten. Die Pariser Blätter machen Au- deutnngen, daß Zwangsmaßnahmen zugunsten einer s o f o r- tigen Unterwerfung Deutschlands nnter dns Pro- tokoll zur Aucsühriing der' WaffenstillstandSverpflichtungen un- mittelbar bevorstehen. Es hat den Anschein, als wenn man nicht warten will, bis die neue deutsche Lerhandlungsdelegation in Paris eintrifft. Im„Echo de Paris" schreibt Pertinax: Clemencoau und Marschall Koch haben in der geheimen Sitzung des Obersten Rates dargelegt, daß die unerwartete Abreise der von Berlin entsandten Bevollmächtigten sowie die Kontroversen, denen sich der Feind seit beinahe ciuciu Monat hingebe, keinen Zweifel über die Notwendigkeit entstehen lassen, zur Tat zu schreiten. Einzig ein Ultimatum kann»ns aus der Verlegenheit Helsen. Marschall Koch hat dargetan, daß zur Stellung und Durchführung eines Ultimatums von der nötigen m i l i t ä- r i s ch e u Vorbereitung nicht abgesehen werden könnte. Er sagte, daß er in der Lage sei, die im Monat Inni aufgestellten Pläne, durch welche die Delegierten des Deutschen Reiches sich gezwnngeo sahen, nach Versailles zu kommen, durchzuführen. Ter„Matiu" sagt, daß eine Anfforderung au Deutsch- land zur Unterzeichnung des Protokolls vhue Zweifel ergehen wird. Tie Teilnahme Marschall Fachs an der Konferenz des Füuferrats lasse keinen Zweifel darüber, daß die Frage einer militärischen Aktion aufgeworfen werde für den Fall, daß Teutschland den geringsten Vertragsbruch begehen sollte. Nach diesen Zeitungsstimmen, deren Charakter dartut, daß es sich hier nicht bloß»m Gerüchte, sondern nm Auölasiungcu offiziöser Oualität handelt, spielt der Oberste Rat mit der ÄriegSandrohung gegen Deutschland. Das dentsche Bolk ist wehrlos, und cä ist wahrlich weder eine Ruhmestat»och ein Kunststück, mit wohlauSgerüsteten Heeren ihm beizukommeu. Mit Gewalt kann man von Teutschland alles nehmen, was überhaupt vorhanden ist. Deswegen bleibt die Gewalt aber doch Gewalt. Immerhin würde ein solches Ultimatum zur Aufklärnna der übrigen Völker über den Charakter der Träger des Völkerbundes recht dienlich sein._ Scharfe Sprache öonar Laws. Ja einer Rede in Glasgow sagte Bonar Law bezüglich bcS Zweifels betreffend die Geneigtheit Deutfchlaudö, den Frieden zu bestätigen, daß England und feine ÄundeSge» offen die Macht hätten und diefe möglichenfalls auch gebrauchen würden, nicht nur um die Bestätigung des Friedensvertrages mit Deuts(Ii land zu sichern, sondern anu) um den Vertrag auszuführen. Ein hinreichender Teil von Englands großer Armee sei noch intakt, ixn darüber zu wachen, daß die Friedensbcdingungc» auS- geführt werden. Ter Oberste Rat hat der deutschen Regierung einen neuen Aufschub bis zum 8. Dezember gegeben, auf dir Scdin- gungen der Berbandsmächte zu antworten. Weiter wurde bc- schloffen, daß einige kleine Schiffe, die von den bei Scava Flow versenkten drutsäktn Schiffen gerettet worden sind, den kleinen Vcr- bandömächten gegeben werden sollen. Lloyd George beantwortete heute im Unterhause ver- schiedene Fragen und sagte, daß die lehte Liste derjenigen Deutschen, deren Auslirserung vom Feinde wegen bür» grrlicher und militärischer Verbrechen gefordert werden würde, g c- prüft werde. Er hofft, daß der Friedensvertrag mit Teutschland vor Ende des Monats bestätigt werde. Aber nicht genug damit: wir werden die Unabhängigen auch noch mit anderen Fragen quälen müssen, die uns so imch- tig scheinen, wie ihnen vielleicht unwichtig. Nack der jetzt gel- tenden Verfassung M das Volk das Recht, aus eigenem Willen die Verfassung abzuändern Es ist dazu nur notwendig, daß ein dabin gehender Vorschlag die Unterstützung eines Zehntels aller Volksgenossen findet und dann in daranf folgender allge- gcmeiner Volksabstimmung die Mehrheit aller Stimmberech- tigten auf sich vereinigt. Wollen die Unabhängigen die von ihnen aewüm'chte» Verfassungsänderungen dem Volke zur Entscheidung unterbreiten.- oder wollen sie dem Volke aufzwingen was sie als Minderheit für gut und richtig halten? Es ist ausfallend, daß der Leipziger Parteitag über diese Frage glatt hinweggegangen ist. daß keinem seiner T ü- nehmer das Vorhandensein dieses Problems, das für j�dm menschlich Denkenden doch eine ernste Gewissens frage sein sollte, auch nur bewußt geworden ist. Denn ans dem ersten Weg lassen sich alle gewünschten Veränderungen erreichen. ohne daß sich deswegen ein Kind in den Finger zu schneiden braucht, der anders Weg aber ist ganz gewiß getränkt mit Menschenbkllt und bedeckt mit rauchenden Trümmern. So- lange es eine einige Arbeiterbewegung gab. die der leidenden Menschheit das Banner der Humanität vorantrug, galt es als ihr oberster Grundsatz, daß auch das Letzte versucht werden müsse, um notwendige'Besreiungsziele aus friedlichem, gesetzlichem Wege zu erreichen. Ist Menschenblut ein weniger kost- barer Saft geworden, seit er in Strömen vergossen wurde, und verdienen die Gesetze der demotratischeil Republik weniger Re- spckt als die Gesetze des alten Kaiserreichs? Die Unabhängigen sind uns und dem ganzen Volke eine »klare Antwort darüber schuldig, ob sie die von ihnen er- stiebten Versassuligsändeningen durch Volksabstimmungen im Sinne der neuen Verfassung oder mit Gewalt unter Mißachtung des Volkswillens erreichen wollen. Aber nock sie klar antworten, sollen sie unsere klare Anlivon haben. Wer jemals den wahnwitzigen Versuch unter- n e b in e n s o ll t e, die Stimme des Volkes F u er- sticken ü n d seinen Willen z u unterdrücken, der wird es mit uns zu tun bekommen! Ueber den Rest kann man ganz unpathetisch reden. Ei« Programm ist kein papierner Papst. Dummheiten sind dazu da, daß sie gemacht werden. Vertvirrungszustände können auch vorübergehender Natur sein. An dem Tage, an dein die Unabhängigen einsehen werden, daß sie in Leipzig die größte Eselei ihres Lebens begangen haben, werden wir uns mit ihnen einigen können. Früher nicht! Jetzt muß es unsere Sorge sein, daß sich das arbeitende Volk Deutsifilands reis zur demokratischen Republik zeigt. Denn ein Volk, das noch nicht einmal für die demokratische Republik reis ist, das seine Freiheit nicht ertragen kann, ist zum Sozialismus erst reckt noch nickt reif. Man kann von Berlin nach Köln über Hannover fahren, oder auch über Frankfurt a. O., Warschau, Moskau, Peking und New Jork. Tie zweite Linie ist ztveifellos die abchechslnngsreiätere, aber die erste ist kürzer und billiger. Alle Wege führen zur sozialen Demokratie, die uns ein sicheres Entwick- lungsziel ist, aber wir meinen, daß der kürzere über die domo- kratisKe Republik führt und nicht von ihr weg und zurück in einen„unabhängigen" Obrigkeitsstaat. ' Diese Meinung könnten mir nicht aufgeben, ohne unser altes sozialdemokratisches Parteibanner niederholen zu müssen, das alte Parteibanner, das uns jetzt wieder allein gehört. Denn was sich jetzt sonst noch„Sozialdemokrat" nennt, sei es auch mit dem Wörtchen„unabhängiger" davor, das segelt unter falscher Flagge. Friedrich Stampfer. Der Delagerungszuftanö aufgehoben. Die preußische StnatSregieruiig hat am. Freitag folgende« Beschluß gefaßt: Der durch Verordnung des preußischen StaatZministeriums vom 3. März d. Is. für de» Laildespolizeibezirk Berlin, den Stndtlreis Spandau und die Landkreise Teltow und Riederbarnim erklärte Belagerungszustand wird hierdurch aufgehoben. Berlin, 5. Dezember till!). Die preußische StaatSregicrung: Hirsch, Fischbeck, Brau», Haenisch, Tr. Südekum, Heine, am Zchuhoff, Slegerwald. Tic von der frei gewählten Vertretung des Volkes eingesetzte Regierung dtweist durch diese Maßnohjre ihr Vcr- t r o ue n in den W i l l e n d e o V o I k c s, die Republik und ihre Freiheit gegen jede Bedrohung zu schützen. Es luareu unsäglich traurige Vorkommnisse, die zur zeitweise» Anfhe- bung der neuen Freiheit zwange«; hossentlich entsprangen sie nur der Äriegsvcrwirrung der Geister, die sich nun mit der zunehmenden Entfernung von der Kriegszeit löst. Wer eine weitere Stärkung der Reaktion nicht wünscht, der wird die uneingeschränkten Rechte der Staatsbürger nicht mißbrauchen. Allen Meinungen das gleiche Recht friedlicher Aussprache und Werbung.— Keinem das Recht, seioc Ideen und Pläne anderen mit Gemalt aufzwinge» zn wollen! Der- artige verwerslichc Versuche müßten im Intcrcffe der Boll.:.- gesamtheit Wieden»» zur Anwendung der Berfassungsbesti,,,- mung führe«, die den Reichspräsidenten ermächtigt, die bür- gcrlichcn Freiheiten zeitweise einzuschränken. Scapa Zlow und öle deutsche Admiralität. Die britische Admiralität veröffentlicht einen Brief des Chefs der deutschen Admiralität V.Trotha an den die deutsche Flotte in Scapa Flow befehligenden Admiral V. Reuter, der am O. Mai 1319 geschrieben und auf der gehobenen Emden gefunden worden ist. In diesem Briefe wird vom„un« angefochtenen Eigentumsrecht der deutschen Schiffe" gesprochen. Ferner heißt es: „Die erste Bedingung wird sei», daß die Schisse deutsch bleiben und baß ihr Schicksal— welche Wendung cS auch unter dem Druck der politischen Lage nehme» werde— nicht ohne unser Dazntun entschieden wird, daß wir selbst seine AuSsühruug in der Hand behalten. Die Nebcrgabc kommt überhaupt nicht in Betracht. Es ist unverständlich, wie die Britische Admiralität glauben kann, durch den Hinweis auf dieses Schreiben den Beweis zu er- bringen, daß die Versenkung der Motte auf Befehl oder mit Wissen der deutschen Behörden vorgenommen worden ist. Der Zweck des Schreibens war vielmehr, die über ihr persönliches Schicksal un- ruhigen Besatzungen zu weiterem Ausharren zu ermahnen. Loa einer gewaltsamen Lösung der Frage deS weiteren Schicksals der Schiffe ist an keiner Stelle des Schreibens auch nur andeu- tnngöweise die Rede. Im Gegenteil beruht das Schreiben auf dem Gedauleu, daß diese Frage nach Absicht der deutschen Admiralität auf dem Verhandlungswege gelöst werden sollte. Wenn eS noch einer Bestätigung der deutschen Behaup- hing bedürfe, daß Admiral von Reuter zu dem Befehl zur Ver- senknng der Schiffe lediglich durch die Annahme veranlaßt worden :st, daß der Waffenstillstand abgelaufen sei, so ist diese Bestätigung in der Veröffentlichung des„New Aork Herald" vom 4. Dezember zu finden. Dort wird zunächst das Schreiben des Admirals von Trotha mit charatieristischen Auslassungen wiedergegeben. Dann heißt es wörtlich: Die eingehenden Befehle des Admirals von Reuter an die Kommandanten der deutschen Schiffe vom 17. Juni werden eben- falls von der britischen Admiralität veröffentlicht. Die deutschen Kommandanten werden angewiesen, die nötigen Vorbereitungen zur Versenkung ihrer Schiffe in der Weise zu treffen, daß bei Empfang des Befehls die Schiffe so schnell wie mögl.ich zum Sinken gebracht iverden können. Die Versenkung solle stattfinden a) i m Falle gewaltsamen Eingriffs von englischer Seite; d) auf besonderen Befehl des Admirals von Reuter.„Es ist nl-ine Abficht", sagt von Reuter in seiner Instruktion,„die Schisse wur den« zu versenken, wenn der Feind den Versuch machen sollte, sich ihrer ohne Austimmung unserer Regierung zu bemSchti- gcu. Sollte unsere Regierung in den Friedensbedingungen die Uebergabc der Schisse zugeben, so werden die Schiffe auSge- händigt werden, zur ewigen Schande derer, die uns in diese Lage gebracht haben. Die Kommandanten haben dieses Schriftstück unter Verschluß zu halten. Es darf nicht in Feindeshand fallen." Sremen für Akkordarbeit. iVremer Drahtbericht des„Vorwärts".) In der großen Schiffswerft„ W e s er Aktiengesellschaft, einer Koinmnnistcn-Hochönrg, wurde mit 2827 gegen 1911 Stimmen die Einführung der Akkordarbeit beschlossen, die von der kommunistischen und»nabhiingigrn Presse bekämpft worden war. Die Abstimmung dürfte zur Folge habe», daß sich auch die übrigen Arbeiter, besonders der Atlaswerke, für dir Akkordarbeit entscheide«. Damit dürfte die Einfiihning der Atkordarbeit auf alle« Bremer Werften rnt- schieden sein. �blieferungsprämlen für Getreiöe und Kartoffeln. Dem Reichsrat ist der Entwurf einer Verordnung über die Zahlung von AblieferuugSprämien für Brotge- gerreidc, Gerste und Kartoffeln zur Beschlußfassung zugegangen. Danach soll den Landwirten, die einen bestimmten Prozentsatz ihrer AMefernngsschuldigkeit an Brotgetreide und Gerste erfüllt haben, eine ftoigenda Prämie für jeden abgelieferten Zentner und de» Kartoffelerzeugern ebenso ein« steigende Prämie für joden über die Hälfte ihres Ablieferungssolls gelieferten Zentner Kartoffeln gewährt werden, wobei die vor dem In- krafttreten der Verordnung bereits abgelieferten Mengen berück- fichtigt werden sollen. Wenn durch diese Prämien auch die Preise der genannten Produkte eine Erhöhung erfahren müssen, wird diese Belastung für die Verbraucher doch dadurch wieder vermindert, daß mit jeder vermehrten Ablieferung sich die notwendige teure Einfuhr vom Ausland ermäßigt. Steigerung der Zuckerproduktion. Die Reichsregierung hat dem Reichsrat den Entwurf einer Verordnung zur Förderung des Zuckerrübenanbaues und der Zuckercrzeugung vorgelegt, weil infolge der schwierigen Verkehrs- und Arbeitsverhältnisse dieses Jahres nicht nur die Gefahr besteht, daß große Rübcnmengen nicht geerntet werden und den Fabriken verloren gehen, sondern auch ein schlcch- tes Ergebnis der diesjährigen Kampagne die Anbaulust für das nächste Jahr lähmen würde. Es soll durch Aufschläge auf den ZuckerpreiS ein Fonds gebildet werden, aus welchem Rübenbauer und Fabriken für ihre Mehraufwendungen zu ent- schädigen find. Dieser Aufschlag soll durch die Fabriken von dem durch sie nach dem 81. Dezember 1919 unmittelbar an den Ver- braucher gelieferten Zucker in Höhe von 2b M. je Zentner erhoben und an den Fonds abgeführt werden. Für das nächste Wirtschafts- jähr 1929/21 soll ferner ein Rohzuckerpreis von 1b9 M. für den Zentner garantiert werden, außerdem für die Rübenbauer Chilisalpeter bevorzugt zur Verfügung gestellt werden. Es ist zu erwarten, daß Reichsrat und der zuständige Ausschuß der Nationalversammlung der Regierungsvorlage bald zustimmen werden. Wahlordnung für Elternbekräte. Ein« Wahlordnung für die Elternbeiräte in den Schulen ist vom Minister für Wissenschaft, Kunst und Volks- bildung erlassen worden. Da? aktiv« und passive Wahlrecht steht auch den Eltern der Gastschulen- und Frsrndenschulen-Kinder zu. Die Mitglieder des Lehrkörpers haben, wenn ihre Kinder die Schule besuchen, dasselbe Wahlrecht als all« anderen Eltern. Jeder Wahl- berechtigt« hat nur eine Stimme, gleichviel, wieviel seiner Kinder die Schule besuchen. Von dem derzeitigen Schuldirektor muß die Liste der Wahlberechtigten aufgestellt und öffentlich zur Kenntnis gebracht werden. Dies« ist spätestens vier Wochen vor der Wahl und mindestens zwei Wochen lang zur allgemeinen Einsicht aus- zulegen. Die Wähler können aus den Listen Abschriften nehmen und Einsprüche erheben. Die Wahlen find persönlich und geheim durch Stimmzettel vorzunehmen. Sobald die Elternbei- rate gewählt sind, unterliegen ihre Sitzungen den Richtlinien, die vom Kultusministerium hierfür ausgestellt sind. In diesen hsißt eS u. a.: Lehrer nehmen in der Regel an den Sitzungen des Elternbeirates mit beratender Stimme teil, doch ist es auch erlaubt, daß < diese Elternbeiräte Sitzungen ohne Hinzuziehung der Lehrer abhalten, fall- Dinge zur Sprache kommen, die über Unregelmäßig- feiten oder sonstige Beschwerden über den Lehrkörper behandeln. Die Tätigkeit des Elternbeirates ist auf die Leitung der Schulen ohne Einfluß und trägt nur beratenden Charakter. Bei der Verweisung eines Schülers von der Anstalt oder einer Sitteimote im Abgangszeugnis ist mit Zustimmung der Eltern des Betreffende» der Beirat von der Lehrcrkonferenz zu hören. Verhandlungen mit Sowjet-Nußland. Mittwoch kam die FriedeuSdelcgation Räte-Nußlandö durch die estnische Front. Zur Delegation gehören 26 Personen. Bevoll- mächtigte Delegierte sind Leonid K r a s s i» nnd Adolf F o f f e. Die estiiische Delegation begab sich von Reval nach Dorpat, wohin nach Rädel reisen wird, den jetzt i» Berlin Kriminaler hüten. Zranzöststhe«ßulturtaf im Saargebiet. Aus Saarbrücken wird fplgender unerhörter Vortall berichtet: Am 13. Novernber versuchte sich in einem Hause iu der Deutschherrnstraße in Saarbrücken ein französiicher Unterleutnant an einer jungen Frau, namens H.. in schamloser Weise zu vergeben. Auf ihre Hilferufe eilte ihr vor wenigen Tagen erst aus dein Lazarett in Kaiserslautern entlassener Mann, ein Kriegsverletzter, herbei und wehrte die Unverschämtbellen des französischen Offiziers ab. Dieser gab aus seinem Dienstrevolver einen Schuß aui den KriegSverletzicn ab; der Sckrnß ging febl. Hierauf entwand der Kriegsvecletzle dem französischen Offizier die Schußwaffe. Im Verlauie des weiteren Zweikompies machte der in seiner Ehre aufs ichwerste verletzte und m Notwehr befindliche H. den französischen O'fiz>er durch einen Eckuß lampsuiiiäbig. H. mußte flüchten. Taraui verhafteten die Franzosen die an- gegriffene Frau, weil sie ihrem Mann zur Fluch» vetbolfen hatte. Da H. den französischen Häschern entweichen konnte, wurde der Stadt Saarbrücken eine Geldbuße von 19999 Marl auferlegt. Soll die deulsche Presse hierzu schweigen? Unruhen in Innsbruck. Die trostlosen Ernährungsverhältnisse haben am Fre'tag zu neuerlichen stürmischen Straßenkundgebungen geführt, in deren Verlauf cS zu Plünderungen gekommen ist. Um 3 Uhr nachmittags versammelten sich die Demonstranten und zogen zunächst zu dem Lagerhaus, wo sie einzudringen versuchten. Gendarmerie und Polizei zogen blank und konnten nur mit Mühe die Demonstranten abwehren. Die Demonstranten schlugen hierauf in einer Reihe von Kaffeehäusern, n, welchen Schieber zu verkehren pflegten, die Fenster ein. Eine Abteilung der D'-- monstvanten drang in da» Jesuitenkoiwikt und plünderte hier die Vorratskammer, während eine andere Gruppe der De- inonsttonten die Vorräte des Jesuitenseminars plünderte. Tie Polizei sah sich der Menge gegenüber machtlos. Die italienischen Patrouillen rückten aus und trieben die Demonstranten mit gc- sälltem Bajonett auseinander. Mehrere italienische Soldaten und ein italienischer Offizier erlitten durch Stockhiebe Verletzungen. Unterzeichnung durch Serbien. Der Oberste Rat genehmigte in Uebereinstimmung mit den üdsla wischen Delegierten gewisse Aenderungen, namentlich betreffend die Borrückung des Termins der Zahlungen, welche Südftawien aus dem Gesamtbetrag der Wiedergut- machungSsumme, welcher ihm geschuldet wird, gemacht werden sollen. Diese Lenderungen werden in Form einer Erklärung niedergelegt, die von den hauptsächlichsten alliierten und assoziierten Mächten und den serbokratisch-slowenüche» Delegierten unterzeichnet werden wird. In Anbettacht dieser Er- ilärung werden dir Serbe» wahrscheinlich das Zuslimmungsprowkoll zum Vertrag von St. Germaiu, zum Minderheitsverlrage und zu dem beigefügten finanziellen Abkommen«nterzeichncn. Dieie Zu- stimmung wird ihnen erlauben, den Vertrag mit Bulgarien gleichfalls zu unterzeichnen. Die Unruhen in Italien. Auch am Donnerstag kam es in verschiedenen Städten, vom allem wieder in Mailand, Rom, Turin, Floreng und Genua zu S t ra ße nde m o n st r a t i o n c n mit teilweise blutigem Ausgang. In Turin gab es wieder Tot:. Mel« düngen des„Secolo" und des„Corriers della Sera" sind, soweit sie Unruhen betreffen, zensuriert,„Avcrnti" ist in Lugano auSge. blieben. Die sozialistische Fraktion hat«chemo wie die republikanische die Abschaffung des Eides auf die Verfassung beantragt. Erleuchtungsbücher. Von Ida V e c S. In dieser haßgetränkien, mit BerderbenSmächten ringenden Zeit der Verwirrungen, die von außen her den Menschen bedrohen, sucht der Mensch nckch einem Licht, das ihm von innen scheinen möge. Eine ErlösungSsehnsncht ist über ihn gekommen, ans brandender SturmeSwoge sucht er das Leuchtfeuer der Heimat, der HerzenZheimat, den Hafen des Frieden?. In seinen Röten geht er im Tmttel einher und schaut nach innen. Wenn rings um ihp riesengroße Schatten stehen und die flackernden Schnellfeuer des Fanatismus nicht tvärmcn, erhellen, nur verbrennen und einäschern können, wenn er mit der entgötterten Welt nicht ins Reine kommen lann, sucht er mit sich selbst ins Reine zu kommen, damit er her- ausgeführt wird ans Kriegsgreuel rind FeindeSnöten, aus Ver- uichtungswillen und Haß iu die Gefilde, der Versöhnung und Milde. Unsere Dichter scheinen diese Nöte, die Sehnsucht der suchenden Menschheit zu kennen. Sie gehen den Wegen der Seele nach, die nach dem Land der Erkenntnis führen. Sie wollen den arm ge- machten Menschen wieder reich machen, indem sie nach den inneren Schätzen und Werten schürfen. Sie toollen eine Mission der Be- glückung ausüben, nicht daß sie den Leiden der Welr«ine rosen- mrbene Romantik gegenüber stellen, in die der Schmerzbeladene hineinsinke, nicht daß sie den harten Alltag mit dekorativer AuS- statlungSpracht phantastisch vergessen lassen; nein, kein Ver- gesi-n, kein Betäuben, keinen schönen Schein wollen sie mehr geben. Sie wollen Wahrheit, Erleuchtung bringen. Sie wollen ein Licht in deö Menschen Brust anzünden, dem abgehetzten, ringenden, suchende», kämpfenden Menschen die Ruhe, die Kraft, das Glück von innen heraus, von seinem eigenen Herzen heraus finden helfen. Solche Bücher der Helferkraft möchte ich Er- l c u ch t u n g s b ü ch e r nennen. Ich meine nicht jene biloungsbeflisseneii, lehrhaften ErbarnrngS« romane, bei dsuen man einen faden Geschmack ans die Zunge be- kommt, die mit salbungsvollen Ermahnungen, vollgestopft mit bloßen Worten, ein abstraktes Predigeramt ausüben. Stein, ich meine jene lebendigen Bücher der Menschenliebe, die plastisch und faßbar die angewandte Güte zeigen, Erkenntnis und Erleuchtung auf- flammen lassen, wie z. B. M a x H o ch d o r f in seiner bei Max Nascher, Zürich, erschienenen Erzählung: Die Erleuchte- r e n. Hier trügt der Titel nicht, hier deckt daS Finnenschild die Materie. Er läßt, geschult an Wilhelm Raabe, uaq den Wirrsalen des LebenS jene endliche stille, innerlich heitere Ueberwindung der Dasenisnöte aufleuchten, die der verstehenden Resignation, innerer Herzensgute, bewußter sittlicher Kraft entspringt. BcgehrenSfern nnd doch besitzend, jene innere Harmonie besitzend, die nur noch wehmütig, wunschlos lächelt, ist seinen LebenSkämpfenr die Er- leuchtung ausgegangen. Hochdors schleift seinen Malermeister Ulrich Grau durch körperliche Lähmungen und läßt ihn die Spannkraft der Seele finden, seinen ReiterSmann durch Blindheit und läßt ihm die Sonne deS inneren Lichtes ausgehen, biö sie der Absicht deö Schicksals inne werden. Nicht von außen kommt des Menschen Glück, wir müssen eS aus»ms selbst gebären.„Die ärmsten werden dann die reichsten sein, die schwächsten die stärksten, die elendesten die seligsten." Begnügt sich Hochdorf mit den einfachsten Mitteln schlichter, ehrlicher Erzählungskunft, so zwängt Ernst Weiß in seinem Propagandaroman für Menschengüte: Mensch gegen Mensch, Verlag Georg Müller, München, Stilmätzchen, die oft ver- stimmen. Gewiß, bei seiner hymnischen Berkündijjltng der Nächstenliebs mußte er seine Sprache rhythmisch steigern. Doch hindern manche Versiiegenheiten eher die Gefolgschaft, als daß sie mit- reißen. Sein Buch ist ein einziger lodernder ErweckungSschrei in die Herzensträgheit schlafender Seelen hinein, die verstockt, verknöchert, liebearm in der eisigen Sphäre der einsamen Jchliebe, der Selbstsucht, der Gleichgültigkeit und Gehässigkeit leben. Er verkrampft sich in sein Thema, nicht mehr Mensch gegen Mensch, sondern durch Nächstenliebe ein guter Mensch, ein begnadender Begnader. werden. Die Menschenliebe und Güte ist ihm eine Mole im Sturz der Verzweiflung. Er gibt mit starker SuggestionS- kraft Visionen menschlicher Schmerzen, Verkommenheiten und Fürchttrlichkeiten, und wenn auch Schlagworte hineingällen in diese Schauer, so rauscht doch Leben. Ehrlichkeit, ErleuchtungZwille im Worrstrom seiner schäumenden LicbeSseynsucht. Bewundernswert ist die Sachlichkeit, mit der Per Verfasser mit gründlichster Kenntnis Klinik- und KrankewhauSkzenen schildert, ebenso delailftoh und lebendig sind seine KriegSbilder. Wie schade. daß unsere jungen Dichter, wenn sie Zsitatmosphäre geben wollen, noch immer nicht ohne den Krieg auskommen zu können glauben. Auch der Alfred Davidowitsch, dieser vom Autor mit dem Hingebungsdraug an die leidende Menschheit gezeichnete Mensch, muß als Opfer seiner leidenschaftlichen CharilaS-Freudigkeit aus dem„Felde der Ehre" sterben. Dieser Schluß ist natürlich nur Notausgang, leise vom Sarkasmus überschattet, aber läßt unS diese letzte Station /ius dem Sncherweg des jungen Menschheitsschwärmerö die innerliche Befreiung nicht miterleben, wie dies Hochdorf gelang, so entschädigt Ernst Weiß durch die glutvolle Durchdringung seines Stoffes, durch den heiße» Atem seine» für Menschenliebe flammenden Buches._ Ein französischer E karte- Sendbote, Paul Colin aus Paris, hat dieser Tage in D a r m ft a d t über die Freundschaft der Völker und die Unabhängigkeit der Geister gereder. Unter zornigen«n- klagen gegen die Verbrecher der französischen imperialistiichen Ne- gierung hat er die Freilassung der in Frankeich festgehaltenen Gefangenen gefordert. Stürmischer Beisoll der etlichen Hundert Teil- nehmer der Versammlung grüßte die mutigen Worte Colins. Wie ein Bericht sagt, haben auch Lerttetcr der Arbetterschafl bei der Kimdgebung das Wort ergriffen. Ehe der Redner begann, gabs einen nationalistischen Zwffcden- ruf. der mit der Saalverweisung der Störer tdreier junger- Offiziere) beglichen wurde. Was eine alldeutsche Drahimcldung über den Veilauf der Kundgebung isie sollte gesprengt worden sein) spornstreichs verbreitet hat, wird als gänzlich unwahr ab- getan von Kasimir Edschmid, an dem die Clartö-Sache in Darm- stadt einen freudigen Führer hat. - Wir buchen die Darmsiädter Kundgebung als eine Tat von Wert und hoffen, daß sie nur de»» ersten Ansang einer Altion, die dein Völlertrieden geistrge Grundlogen schaffen helfen will, dar- stellt. Colin wird weitere deutsche Stäote besuchen, um für die Annäherung der vom Krieg auseinandergerissenen Länder zu wirken. Tie deutsche Schillersriftung hält am 8. Dezember ihre Gene. ralversammlung in Weimar ab. Die wertvollen Reformvorschläge Hans Khsers, über die wir an dieser Stelle vor kurzem gesprochen haben, stehen zur Beratung. Hans Kyser erzucht jetzt alle deutschen Dichter und Schriftsteller, die seinen Reformvorschlägen zustinunen, um eine Zuschrift f nach Weimar, Belvedere-Allee). damit er eine möglichst«instimmig« stund gebung der Generalver- sammlung vorlegen könne. Wir wiederholen, daß diese Vorschläge unseres Erochtens geeignet sind, die Schillerstiftung die Möglichkeiten zu schaffen, die sie brauch:, um den ihnen zugedachten Aus- gaben im geistigen Kulturleben Deutschlands bedeutend und besser als bisher zu dienen. Die historische Leistung von Kerl Marx, dies« ausgezeichnet in Werden und Bedeutung von Theorie und Praxis des- Wissenschaft- lichen Sozialismus und der sozialistischen Arbeiterbewegung ein- führende Schrift von Karl Knuts kh. ist jetzt in neoer Auflage vom Verlag der Buchhandlung Vorwärts herausgebracht worden (Preis 1,59 M.). Wir wiederholen nur ein oft geäußertes Urleil, wenn wir sagen, daß diese Schrift, die zuerst 1998 erschien, zu den Leistungen«autskyS gehört, denen eine frischbleibende Wirksamkeit auf lange Zeit sicher sein dürfte. t-iue Klaub« Groth- Feier begehe» heute die Vereinigten platt" deutschen Verbände in der Aula des A iranischen Gymnasiums. Ludwig Hardt spricht Hoch- und Niederdeutsch von Groth, Stonn. Liliei.cron; Klara Aeduinann fingt platidemsche Lieder. Ter Büchercinkauf zu Weihnachte«. Arn des gewaltige Ansteigen der Preise sehr erschwert, soll durch ein Verzeichnis erleichtert werden, das von der Buchhandlung Vorwärts(Lindenstt. 2} zusammen- gestellt tvorkken ist. ES wird sich alS ein guter Führer erweise», der viel- artige Wünsche nach schön« und wissenschaftlich«, besonders auch sozialZstlscher Literatur befriedigen kann. DaS Verzeichnis wird lmentgelllich abgegeben, und wer eS hat, möge es sorglich ausheben. Et« Goethe-Abeud wird morgen, abend» 7 llbr, als dritter Kumt- abend vom Bezirks. VildungSauSschutz Groß. Berlin ht der Aula des(SömnafiumS zum Grauen Kloster, Kwsterstr. 74. oer- anitaltel.(Eintritt 1 M.) Max Srumoald ist Itedner. Maria»Max von Götz fingt, das Ehepaar Brandt-Jaeoby spricht Goethelche Dichtung«:». Für Wie« veranstaltet die Deutsche Nationalbühne zum Beste», der notleidenden Kind« Wiens eine.F!ed«rjnatts"-i!lussübrunz im Deutschen Opernhaus(Charlottenbitta), Sonntag, LI. Dezember, nach. mittags S'U Uhr. Gewöhnliche NachmntagZprcise. Heinrich Knote sagt seinen Overnabend im Thea!« de» Landwehr- kafinoS ab. Ersatz ist eir» Aofilpiel der Münchener Tänzerinnen unter Magba Bauer. Die gelüste»: Knote-Katteu tvcrdc» zurückgenommen. Nr. 623 ❖ 36. Jahrgang 1. Sei!aas öes vorwärts x Sonnabenö, 6. Dezember 1919 Neben Reinhard noch Kessel. (Schluß aus der Zlbendausgabc.) Ss beginnt nun die Vernehmung von Zeugen, welche den Vorgängen bei den Erschießungen in der Französischen Straße beiwohnten. Als erster wird der Glaser Fritz Bockczcrwtuski vernommen. der Ordonnanz im KasiengeschästSzimmer der V. M. D. war. Er schildert, daß er am Siocgen des ll. März um 8 Uhr ins Bttrecm gekommen sei und sein Zimmer verschlossen fand. Als er das Zim- mer �Facoboloskis öffnelr wollte, trat ihm ein Soldat entgegen, der ihm eine P i st o l e vor den Kopf hiebt. Dann erschien Oberleutnant Niarloh, der ihn nach Waffen fragte. Bockczerwinski brachte seinen Revolver, den er inr Pull liegen hatte, und wurde visitiert. Dabei habe Oberleuwant Mar loh zu ibm gesagt: Sie können froh sein, daß Sie keine Waffen haben, sonst waren Sie futsch gewesen. Marloh habe ihn dann gefragt, ob noch mehr Leute kämen.. Der Zeuge antwortete, daß das Z a h l m e i st e r p e r s o n a l uich die Leute kommen würden, die die Löhnung holen wollen. Schließlich hätten sich 250 Angehörige der V. M. D. eingefunden, die alle ver- haftet wurden. Bei der Musterung fragte Oberleutnant Marloh den Zeugen, wo er seine gelben Schuhe her habe. ll5r gab an, daß er sie von der Kammer empfangen hatte. Darauf ließ sich Marloh die Uhr des Zeugen zeigen und ließ ihn dann abtreten. Gegen /sl Uhr sollte Sie Erschießung stattfiiiden. Marloh ließ ein Maschinengewehr entsichern und auf die Gefangenen richten. Er erklärte, daß er sofort schießen würde, sobald jemand murre. Dann habe Oberleutnant Marloh das nach dem Hof gerichtete Mafchinengewehr entsichert und auf den Hof schießen lassen. Der Zeuge erklart: Ich sah genau, daß Oberleutnant Marloh bei dem Maschinengewehr stand. Das Feuer dauerte etwa zwei Minuten, dann hörte man Geschrei und einzelne Pistolenschüsse. Vors.: Sie sagen da etwas ganz Neues aus, was bisher noch kein Zeuge behauptete. Zeuge(fortfahrend): Hinterher sagte Ober- leutnant Marloh zu uns: Ihr werdet jetzt nach Moabit abtrans- portiert. In der Französischen Straße standen Offiziere, die Waffen auf uns gerichtet lmtren. Vors.: Hat die Menge gemurrt oder wollte jemand meutern? Zeuge: Es hat niemand ein Wort gesprochen. Wenn jemand etwas sagen wollte, sagten wir ihm gleich: Halte den Mund. Denn wir wußten ja nicht, was kommen würde. Vo r s. zum Angeklagten: Hat das Maschinengewehr geschossen, wie der Zeuge behauptet? Marloh: Das bestreite ich entschieden. Das Maschin engetvehr, bei dem ich stand, hat nicht geschossen. Wenn ein anderes Maschinen- geweh: geschossen hat, so ist das ohne meinen Befehl ge- � schehcn.(Spätere Zeugen sagen darüber verschieden aus.) Vertreter der Anklage zum Zeugen: Hatten Sie einen Was fensch ein? Zeuge: Nein. Es wird dann der Elektromonteur Paul Hildebrandt vernommen, der ebenfalls Ordonnanz im Zahlmeistergeschäslszimmer der V. M. D. gewesen war. Auch er wurde, als er in das Bureau kam, verhaftet. Vors.: Sie hatten am Tage vorher Waffenscheine be- sorgt. Wo und in wessen Auftrage? Zeuge: Im Auftrage des ZahlmsisterS I a k u b o w s k i. Vors.: Hat ein Maschinengewehr geschossen? Zeuge: ES war mir so, es war Schnellfeuer. Vertreter d?r Anklage: Waren Sie stark eingeschüchtert? Zeuge: Wir waren, dock alle entwaffnet, außerdem glaubte ich, daß die umliegenden Gebäude, zum Beispiel das Haupbtele- yraphenarnt, besetzt waren.»Anklagevertreter: Ging es bei der Musterung militärisch zu? Zeuge: Ich bin als alter � Soldat stramm vorgetreten. Anklagevertreter: Haben Sie einen Ausweis gehabt? Zeuge: Ich habe in den Zeitungen i gelesen, daß die B. M. D. aufgelöst war und sagte deshalb zum Zahlmeister, ich hätte hier doch nichts mehr zu tun. Er sagte mir ober, ich miipe noch bleiben. Ans diesem Grunde wollte ich einen Passierschein haben. Es folgt dann die Vernehrkrung des Bizefeldwebels Flörsch. Er schildert aus Beftagen des Vorsitzenden die Vorgänge bei der Verhaftung der Matrosen in der Französischen Straße. Drei oder vier Mann hätten Waffen gehabt. Mebrece Matrosen seien ihm gleich beim Eingang andre Kehle gesprungen, über die Hälfte aller Matrosen haben sich widersetzlich benommen. Nach welchen Gesichtspunkten die Musterung vorgenom- «reu wurde, wußte der Zeuge nicht. Aus die Frage des Vorsitzenden, ' oo bei der Erschießung auch mit Maschinengewehren geschossen wurde, sagte der Zeuge, daß ihm davon nichts bekannt sei. Die Leute hatten alle in einer Ecke gestanden, zehn Schritte vor ihnen die acht Schützen. Als die Leute merkten, daß sie erschossen werden sollten, hätten sie angefangen zu schreien und versucht vorzubrechen. Es wäre dann etwa sechs bis acht Minuten lang ge- schössen worden. Als alles am Boden lag, hätten einzelne Schützen den noch Lebenden Fangschüsse mit der Pistole gegeben. Hierauf tritt eine kurze Mittagspause ein. .'senge Unteroffizier Schumann stand mit einem Waschinen- geivehr vor der Dunkelkanriner Posdeik, in welcher sich die Lenie befanden, bei welchen Waffen gesunden worden waren. Er hat ge- hört, wie die Leute murrten. Es fteleil Ausdrücke wie„Gemeinheit, uns so zu behandeln" usw. Wenn die Leute, erklärt der Zeuge, keine Feiglinge gewesen wären, dann hätten sie uns paar Mann die Waffen woggenommen und uns an die Wand gestellt. Bors.: Wußten Sie denn, daß es sich um einen Löhnungsavpell handelte? Zeuge: Ja, die Truppe sollte ja offiziell ausgelöst fein, aber es kamen doch Hunberie nach der Französischen Straße. R.-A. Kikath: Haben Sie gefürchtet, daß die Gefangenen die Truppen über den Häufen rennen könnten? Zeuge: Unbedingt. Wäre nur einer dabei gewesen, der Courage hatte, so hätten sie uns das Maschinengewehr glatt wegnehmen können. Bors.: War die Gefahr dringend? Zeuge: Ohne Zweifel. KriegSgerichtsrat Meyer: Bestaird die Gefahr anck noch, als Verstärkungen ein- getroffen waren? Zeuge: Do toohl nicht mehr. Ich sah die Ver- stärkungen erst, als ich auf die Straße kam. Ich stand bei meinem Mäschinerrgavehr wie auf Kohlen. ' Ter Ibjährige Arbeiter Ebeling, Pslegescchn des erschossenen Gäppe, schildert, wie er mit seinen: Pflegevater zum Löhnungsappell ging und im Flur des Haasts Zivilisten sah. Man rief ihnen zu: Beeilt Euch nur, die Löhnung wird schon ausgezahlt. Als beide dann Iveiter ghigen, traten ibnen Soldaten entgegen, die riefen; Hände hock! Ebeling entgegnete: Macht doch keinen Quaqch. Daraus riet jemand von oben: Haut ihnen doch eins über den Kopf, wenn sie die Hände nicht hochnehmen! Bei der Musterung ließ Oberleutnant Marloh sich die Uhr und Kette GöppeZ zeigen! offenbar kannte Marloh Göppe ans dem Felde, abtreten. Zeuge Artist Josef Bücke!, welcher der V. M. D. seit 1. Februar angehörte, ist am 4. März nach seiner Angab? ausgeschieden, da er eine Stellung in Aussicht hatte. Am 10. März ging er mit dem Kellner Hintze durch die Friedrichsttaße. Dort trafen sie H a I w e s. Beide fragten, wie es mit der Löhnung und Papieren stände. Taraus faßte Halwcs, sie sollten am nächsten Tag zum Appell nacy der Franzosischen Straße-kommen. Der Zeuge schildert, wie er gefangen wurde und daß man ihm seine Brieftasche mit 632 M. ad- genommen habe. Trotz seiner Bitten hätte ihm Marloh keine Quittung über das abgenommene Geld gegeben. Zeuge Milchhändlcr Hermann Ferbitz war zusammen mit seinem Sohn bis zum 3. März in der V. M. D. Am 9. März hätte ihm sein Sohn aus der Bendlerstrahe mitgeteilt, er solle lieber nicht zum Lohrrungsappell nach dcr Französischen Straße geheil, denn er hätte soeben gehört, daß dort alle Matrosen„gekitscht" werden sollten. Sein Sohn selbst ist aber am 11. März hingegangen, da er ein reines Gewissen hatte. Er ist dann auch mit erschossen worden. Mit Entrüstung erzählt er,-daß sein Sohn nicht erschossen worden, son- dern buchstäblich bestialisch zerrissen worden sein müsse. Die Augen waren ihm ausgestochen, die. Zähne eingeschlagen, er lag wie eine Rolle zusammengekrümmt. Das wenige Haar, das noch am halben Kopf vorhanden war, sei schneeweiß, das Portemmmak von de-m Angstschlveiß wie mit heißem Wasser verbrüht gewesen.... Zeuge Kaufmann Hugo Lewin gehörte mit seinem Bruder bis zum 1. März zur V. M. D., wurde in der Französischen Straße verhaftet und zusammen mit seinem Bruder zur Erschießung in den Hof geführt. Plötzlich ertönte eine Salve, auf die andauerndes Schnellfeuer folgte. Er erhielt einen Schuß durch den Arm und sank in einer Mauerecke zu Boden. Trotz seiner Aufregung konnte er dann deutlich hören, wie Rufe erschallten: Ter lebt noch, hier der lebt auch noch, da drüben auch noch einer", und dann krachte jedesmal ein Schuß. Er hörte dann auch noch eine Stimme: Macht schnell, das?luto fährt gleich fort. Als alles ruhig war, stand der Zeuge langsam auf und begab sich in die Portierwobnung. Nach kurzer Zeit wäre er dort von acht Unteroffizieren wieder heraus- geholt worden, wobei einer ihn mit einem Revolver gegen den Mund geschlagen habe. Bon einem Oberstabsarzt sei ihm dann ein Notverband angelegt worden. Er wurde schließlich nach Moabit ge- bracht, wo er auf dem Flur dem Oberst Reinhard als Ueberlebender aus der Französischen Straße vorgeführt wurde. Das erste Wort Reinhards sei gewesen: Na, dann muß er eben auch erschossen werden.(End rüstungsruse und große Unruhe im Zuhörerraunn.) Vors.(sehr erregt): Hier tst kein Theater. Ich lasse sofort den Zühörerraum räumen, wenn das noch einmal passiert.— Der Zeuge schildert dann sein Verhör durch einen Offizier, der ihn beruhigte und ihm sagte, daß von Erschießen keine Rede sein Linne. Der Zeuge wurde dann in das ZellcngesängniS Moabit und von dort nach Anlegung eines Verbandes nach Hause gebracht. R.-A. Grünspach fragt Pfarrer Rmnp: Sie hatten am 16. November eine Unterredung. mit Hauptmann v. Kessel, bei dem das Gutachte» des Medizinalkolle- grums eine getvisse Rolle spielte? Was hat Hauptmann v. Kessel damals geäußert? Zeuge Pfarrer Rum p: Er sagte, es sei von be sonderer Seite auf die Mitglieder des Medizinalkollegiums eingewirkt worden, daß Oberleutnant Marloh als geisteskrank erklärt werden sollte, v. Kessel(auf Befragen):. Ich kann mich nicht erinnern, derartige Aitsfiibrungen gemacht zu Sahen. Ich habe vielleicht gc- sagt, daß die Acrzte den Fall zweifellos so beurteilen werden. Vors.: Ist Ihnen die Talsache bekannt, daß von irgendeiner Seite das Kollegium angegangen worden ist, um eS zu beeinflussen? Zeuge Pfarrer R u m p: Ich habe nach dieser Unterredung sofort mit Leutnanr Wehmeyer ein Protokoll aufgesetzt. Vors.: Herr v. Kessel hat bei einer Ähnlichen Gelegenheit einmal gesagt, daß KriegSgerichtsrat Meyer und der Gcrichtsiherr heilfroh wären, ioenn Rtarloh fliehen würde. Zeuge v. Kessel(ans Befragen): Ich kann mich nicht erinnern. Vors.: Ist Ihnen von Kriegs- gerichtSrat Meyer irgend etwas Derartiges gesagt worden? v. Kessel: Ich bin nnt dem Kriegsgerichtsrat Meyer und dem Gerichtsherrn überhanvt nicht zusammengekommen. Es ist aus- geschlossen, daß mir eine derartige Aenßerung gemacht worden ist. Zeuge R u m p: v. Kessel hat gesagt, hinter ibm stände die Garde Kavallerie-Schützon-Division, die Regierung� der Gerichisherr, die alle heilfroh wären, wenn es nicht zur Verhandlung käme. Vors.: Wir wollen diese Sache nun endlich einmal feststellen, damit das verfluchte Gerede aushört. R.-A. Grünspach: Der Zeuge v. Kessel kann sich immer nicht erinnern, Wenn man aber behauptet hat, daß das Medizinalkollegium beeiw slußt wurde, kann man sich doch nicht zurückziehen, indem man sagt, man könne sich nicht erinnern. Zeuge v. Kessel: Ich habe doch um Zeit zur Ueberlegung gebeten. R.-A. Grünspach: Also jedenfalls auch eine ausweichende Antwort. Vors.: Wollen Sie jetzt Antwort geben oder noch überlegen? v. Kessel: In großen Zügen und in allgemeinen Linien kann ich mich dessen, was Pfarrer Rump hier ausgesagt hat, erinnern. Einzelne Worte und Episoden kommen mir aber unwahrscheinlich vor. Ich habe mir damals nicht olles ausgeschrieben. R.-A. Grünspach: Wollen Sie uns nun endlich eine präzise Erklärung darüber geben, ob Sie die Bemerkung gemacht haben, daß das Medizinallollegium beeinflußt wurde? Vor s.: Ich will dem Zeugen eine goldene Brücke bauen, denn es handelt sich hier um eine ungeheuerliche Beleidigung eines Kollegiums von ersten medizinischen Autoritäten. Ich frage Sie jetzt, ob Sie darüber aussägen wollen oder ob Sie die Llntwort verweigern wollen, v. Kes sel: Ich will meine Antwort nicht ver- weigern. Wenn ich das gesagt habe, dann war das aus keinen Fall so'beabsichtigt, sondern ist falsch aufgefaßt worden. Ich wollre sagen, -daß Marloh zweifellos geisteskrank sei und daß ich hoffte, daß er von dem Kollegium für geisteskrank erklärt würde. Vors.: Herr Zeuge, hat Hauptmann v. Kessel gesagt, eä werde von einflußreicher Seite dahin gearbeitet, daß Oberleutnant Mailloh durch die Hintertür des z 51 hsvauskommt? Pfarrer Rump: Seit dem 8. Juni habe ich es ver- mieden, mit Hauptmann v. Kessel ohne Zeugen zu verhandeln. Leutnant Wehmcycr uiad ich harten seit dieser Zeit die Ueber- zeugung, daß wir zu einem Schurkenstreich gegen Marloh gebraucht merdcii sollten. Hauptmann v. Kessel hat gesagt: Die �Mitglieder des Medizinalkolleg iums stnd�einzeln anfgcmcht worden. Vors.: Hauptmann v. Kessel, haben Tie eine Bemerkung gemacht, daß auf die Mitglieder des Medizinalkollegiums eingewirkt worden ist? Hauptmann v. Kessel: Ich bitte, mir da? überlegen zu dürfen. (Bewegung im Zuhörer raimut R.-A. Grünspach: Es ist eigent» lieh doch ganz ungeheuerlich, wie man über eine solch wichtige An- gelegenheit erst Ueberleguiuzen anstellen muß. Hauptmann v. Kessel: Es ist doch jedes meiner Worte notiert worden, und jetzt wird es mir ohne Zusammenhang vorgehalten. Vielleicht habe ich gesagt: Daß dcr vver jener froh sein würde, wenn es nicht zur Verhandlung kommen würde. Ich weiß, daß Pfarrer Rump unbedingt bei der Wahrheit öletlwn wird. R.-A. Grünspach: Haben Sie denn nun gesagt, daß Kriegsgerichlsrat Meyer und andere froh sein werden, wenn eS nicht zur Berbandlung kommt? (Zu Rump gewendet): Erinnern Sie fich der Unterrodung mit Kessel und Wehmcysr? Pfarrer.R'u m p: Am 6. Juni war ich vom Kr�zsgerichtsrat Meyer zum ersten Male vernommen worden. Am Pfingsrsonntag kam Hauplmaun v. Kessel zu mir und befragte mich über diese Vernehmung. Da ich annahm, daß Marloh aus Vater- ländischen Gründen fortgegangen Wr, und da ich an Hauptmann v. Kessel nicht zweifelte, gab ich Auskunft und sagte, man müsse jetzt herausbringen, wo Leutnant Schröter sich befinde, um auch ihm zu helfen. Leutnant Wehmeyer warf ein, daß die Adresse Schröters in der Stammrolle stehen müsse. Darauf sagte Herr Leutnant Wehmeyer, Leutnant Schröter ist und bleibt unauffindbar." Ich habe darauf ohne Hintertüren und Bestechungen die� Adressi: Schröters ermittelt, indem ich Wehmeyer sagte:„Gehen Sie ruhig aus das Bureau, wo sich die Stammrolle befindet, und fragen Sie den betreffenden Herrn nach der Adresse Schröters."� Ich Hopf dann Schröters Adresse ermittelt, auch die seines Vaters, und habe beide dem KriegSgerichtsrat Meyer mitgeteilt. Damals wußten Wehmeyer und ich, daß wir mißbraucht' werden soltten. Infolge- dessen sagte Wehmeyer zu Kessel:„Herr v. Kessel, an dem Tage, an dem ich erfahre, daß eine Schurkerei gegen Marloh im Gange ist, ist es Zeit, mich zu entwaffnen." Und ich habe Herrn v. Hessel gesagt:„Herr V. Kessel, die Familie Marloh und ich fühlen uns von Ihnen von Anfang an bis%ii Ende belogen und betrogen." Vors.: Herr Zeuge, war es Ihnen denn nicht bedenklich, daß Sie Herrn v. Kessel Mitteilungen über Ihre Vernehmung durch Kriegs- gerichtSrat Meyer machten? Warum fragte.! Sie denn nicht den Kriegsgerichtsrat d:rekt, was los ist, damit hätten Sie doch� einen ganzen Wust von Lügen sofort zerreißen können?! Denn schließ- lich imtcr all den Trümmern, die wir jetzt haben, ist doch Gott sei Dank immer nock Verlaß und Vertrauen. Zeuge Pfarrer Rump: Was Kessel mir' damals sagte, war für mich noch Evangelium. Di? ersten Ziveifel hatte ich erst am Pfiugstsonntag. Rechtsanwalt Grünspach: Herr v. Kessel hat in der Vornntersuckung beschworen, daß er von dem Haftbefehl und der Abreise Marlohs keine Kennt- nis hatte. Ich bitte, ihm- dies aus den Akten vorzuhalten. Vor s.: Ick habe rechtliche Bedenken. Die Aussage darf nach dem Gesetz nicht verlesen werden. Auch eine Rekonstruktion tst gegen das Gesetz. R.-A. Grünspach: Am PsingstdienStag hat Wehmeyer zu Pfarrer Nump gesagt, daß mit den Akten etwas geplant sei. Pfarrer'Rump(auf Befragen): Mutz ich darüber sprechen? Oberleutnant Marloh hat mich gebeten, auf seine Vorgesetzten Rücksicht zu nehmen. Bors.: Wir haben hier keine Geheimnisse. Sprechen Sie nur. R.-A. Kjkath: Im Interesse des Ange- klagten können wir Herrn v. Kessel nicht schonen. Pfarrer R u m p: Hauptmann v. Kessel hat zu Wehmeyer gesagt: Eigentlich ist es Zeit, jetzt dem Meyer die Akten zu klauen, aber wir wollen sie ruhig noch etwas dicker werden lassen. v. Kessel: Acht Monate laiig habe ich mit Marloh und Weh- meyer Zimmer an Zimmer gearbeitet. Ich. kann jetzt nicht, beschwören, daß ich diese Worte gebraucht habe. Dagegen kann" ich beschwören, daß ich die Akten nicht habe stehlen wollen. Vors.: Die Sache ist so ungeheuerlich, daß ich daran noch gar nicht ße- dacht habe. Haben Sie vielleicht so etwas im Scherz gesagt?... Damit halte ich wohl die Sache für erledigt. R.-A. G r ü n s Pa ch: Da es sich hier um die Glaubwürdigkeit v. Kessels handelt, so bitte ich, Leutnank Wehmeyer zu fragen, ob und wann die Aenßerung gefallen ist. Leutnant.W eh m e y e r: Tie Redensart war wortlich so. Vors.: War das nun Scherz oder Ernst? Haben Sie inil dep Tatsache gerechnet, daß Akten„geklaut" werden konnten? Zeuge: Jawohl.(Bewegung.) Vors.: Hat Hauptmann von Kessel gesagt: Schröter ist und l'leibt unauffindbar? Leutnanr Weihen eher: Jawohl und nach zwei Tagen- sagte er mir: Meinethalben, sehen Sie dock nach, wo er ist. Hauptmann von Kessel hat bei einem Gespräch über die Voruntersuchung gesagt: In meiner Aussage ist vieles falsch und ich habe sie doch beschworen. Hauptmann v. Kessel: Wehmeyer sagte zu mir, ich habe meine Aussage in der Voruntersuchung Gott sei Dank nicht beschworen. Ich sagte, ich hätte das getan, aber, Herr Leutnant Wehmeyer, ich habe so vorsichtig-ausgesagt, � daß ich das, lväs aus dem Papie stand, auch ruhig beschwören konnte. Mas nicht da steht, kann ich auch nicht beschwören. Hier springt dcr Angeklagte auf und ruft erregt: Hauptmann v. Kessel hat beschworen, daß er mich am 1. Juli nicht mehr gesehen hat, das stimmt nicht. Ich bin am 1. Juli von Oberleutnant Hosfmann, dem damaligen Leütnan: Hosftnann— ich wollte den Namen anfänglich nicht nennen— gewarnt worden, daß meine Verhaftung bevorstehe. Ich bin darauf- hm zu Kessel gegangen und traf ihn bor seiner Bureantür. Kessel sagte zu mir: Um Gotteswillcn, was machen Sie denn hiei" Macheu Sie, daß Sie weg kommen. Hauptmann v. Kessel(er- regt): Ich bitte, daß hier Aufklärung geschaffen und festgestellr wird, daß ich keinen Meineid geschtvoren habe. R.-A. Grünspach: Wie ist denn das nun mit dem Medizinalkolleginm?--Hauptmann v. Kessel: Zunächst ist mir nicht bewußt, daß Schröter zu irgendeiner Zeit unauffindbar was. Bielleicht habe ich mal zu. einer Zeit gesagt, ibn nicht zu findest. Bei dcr Stammrolle muß noch heute festzusi.'.'.:i fei», vK er da- mals war. Bezüglich des Alteudicbstahls muß ich sagen, man kann wohl so etwas im Scherz reden, aber doch nicht im Ernst. Zu der Angelegenheit des Medizinalkollegiums betone ich, ich habe keinen Versuch gemacht, dort einzuwirken, ich wäre ayeh aller Wahrscheinlichkeit nach von den Herren hinausgeworfen worden. Ueber Ver- suche hierzu ist mir nichts bekannt. Vors.: Aon einflußreicher Seite? Zeuge: Von einer Einwirkung ist keine Rede gewesen. Ich sagte, es wäre gut,- wenn man den Herren im Medizinal- kollegium die allgemeine politische Lage und die ganzen Verhält- nisse klar gemacht hätte. R.-A. Grünspach(unterbrechend): Wir haben hierzu noch immer keine klare Antwort und ick bitte den Vorsitzenden, dem Zeugen dies vorzuhalten. Vors.: Tie Folter ist in Preußen abgeschafft, ich kann gegen den Zeugen nichts unternehmen. Hauptmann v. Kessel: Vor 6 Wochen kam Wehmeyer zu mir und sagte so ganz nebenbei. Marloh möchte gerne wieder los gehen. Ich tot, als hörte ich dies gar nicht oder als interessierte dies mich Nicht. Räch einer Weile fing er wieder an und sagte: Es stände in der Presse eine Bemerkung, daß Marloh unter dem Einfluß seiner Bor- gesetzte» gestanden hätte. Ich nahm an, daß die Familie Marloh hinter dieser Notiz stand und ging zu Pfarrer Nump. Bei dieser Unterredung fragte mich Pfarrer Rump, ob Marloh nicht wieder los gehen könne.(Pfarrer R u m p fährt entrüstet aus: Was?!) Ja, darf ich das vielleicht nicht sagen? Pfarrer Rump fragte mich, ob Mittel zur Fluckt vorhanden seien. Er war sehr erregt und sagte, daß MarlohS Flucht im vaterländischen Interesse liege. Exzellenz v. Oertzen wollte es aber nicht anerkennen» daß es sich dabei um vaterländische Interessen Handeire, sondern behaupte!?, daß Marlohs Flucht in Oberst Reinhards und meinem Interesse liege, was ich ganz entschieden ablehnte. Von mir konnte gar nicht die Rede sein. Ich bekam von Oberst Reinhard den Befehl, den ich- sogar nock obfckwüchkr. Im.Anschluß an das vaterländische Interesse wurden noch enorme Forderungen gestellt, die ich mrr an Ort und SteVe nciieeie. Da ich leine Zeugen für die Unter« retmng hatte, ging ich zu einem mir befreundeten Offizier, dem ich alles erzählte. Ich verlor damals meine ganze Achtung vor Pfarrer Rump.(Pfarrer N u m p: Ich lege auf Ihre Achtung leinen Wert!) Als ich fortgegangen' war, kam mir sofort zum Bewußt- sein, daß ich eine Dummheit gemacht habe, da ich mit dem Herrn über Marlohs Flucht gesprochen habe. Ich ging damals am selben Abend zum KriegSgerichtLrat Meyer und sagte zu ihm: Herr Kricgsgerichtsrat, eS wird ein Fluchtversuch MarlohS geplant. Meyer sagte: Ich werde der Familie Rump das Telephon sperren. Pfarrer Rump hat jedes Wort unserer Unterredungen aufgeschrie- ben und Leutnant Wehmeyyr hat unterschrieben. Pfarrer Rump und Leutnant Wehmeher sind für mich nicht zwei Zeugen, sondern e i n Zeuge. Wehmeher steht vollkommen unter vem Einfluß von Rump. R.-A. G r ü n s p a ch: War es der Zeuge Kessel, der wieder» holt während der Haft MarlohS noch an Rump herangetreten ist, Marloh noch einmal zur Flucht zu verhelfen? Zeuge v. Kessel: Wehmeyer sagte, Marloh trage sich mit dem Gedanken, wieder weg- zugehen. Die Form, in der mir diese Forderungen vorgebracht wurden, war die von Erpressungen. Exzellenz v. Oertzen sagte: Wenn Sie ein Interesse daran haben, daß Marloh fortgeht, dann sorgen Sie dafür, sonst sagt er in der Verhandlung gegen Sie aus. Vier Wochen später, nachdem Marloh weg war, kam Pfarrer Rump zu mir und sagte: Herr v. Kessel, Sie haben damals gesagt, Sie würden helfen, daß Marloh wegginge und für sein leibliches Wohl sorgen. Ich' stelle Ihnen folgendes Ultimatum: Wenn Sic nicht in so und so viel Tagen sorgen, daß das und das zur Stelle ist, dann werde ich dafür Svrge tragen, daß Marloh, falls er ver» haftet wird, rücksichtslos gegen Sie aussagt. Er sprach also eine ganz bestimmte Drohung aus. Ich habe das damals seiner be- greiflichen Erregung und Sorge um Marloh zugute gehalten. Auch ich war sehr erregt, weil ick das als eine Erpressung ausfaßte und sagte ihm: Bitte bringen Sie mir das Ultimatum schriftlich. Nach ein paar Tagen kam er wieder, ft: könne mir da? Ultimatum nicht schriftlich geben. Nun zu den Forderungen. Meine Herren, ich mutz mich meiner Haut wehren. Ich sehe jetzt, wie der Hase läuft und habe keine Lust, das ganze auf mich zu nehmen. Rump forderte iu bar eiue halbe Million, ferner, daß ich Marloh über die Grenze beförderte und für fein Leben hafte, daß später Rehabilitierung erfolge, und daß ein neuer Haftbefehl und Steckbrief vermieden werden solle. Das letztere konnte ich ihm nicht zusickern. Worauf er sagte, darüber könne man sich ja einigen. Ick hatte den Eindruck, daß ihm das Geld die Oauptfache war. Mich machte diese Riesenfumme stutzig. Ich dachte, es wäre eine Falle. Pfarrer Rump: Ich bezeichne die Behauptung des Herrn v. Kessel, daß ich jemals an Kessel herangetreten bin, als eine bewußte, niederträchtigste Lüge. Im Gegenteil. Gerade« r klingelte mich dauernd an, um mich, allerdings vergeblich, zu einer Unterredung zu bestimmen. Er stellte mir sogar sein Dienstauto für die Hin- und Rückfahrt zur Verfügung.— Vorsitzender: Haben Sie an Kessel ein Ultimatum gestellt?— Zeuge Rump: Das ist unwahr. Kessel klingelte mich auch cm, MarlohS Loben sei in Gefabr, waS R.-A. Grünspach be- stätigen kann. R.-A. Grünsvach sagte mir, daß das„erstunken und erlogen" sei. Kessel versuchte dann mehrere Male vergeblich durch seine Frau und Leutnant Hosfmann, um eine Unterredung mit mir zu bitten, ich habe aber diese schroff abgelehnt. Endlich kam eine Unterredung zwischen Exzellenz v. Ocrtzcn, Wehmeyer und Kessel zustande. Kessel sagte: Marloh solle inS Baltikum kommen, Wehmeyer wurde unter dem Namen eines Leutnants Papenberg zu Marloh nach Merseburg geschickt, um Marloh nach dem Baltikum zu bringen. Er hatte dazu von Kessel versiegelte Briese für Marloh erhalten. Da Wehmeyer aber dem Hauptmann v. Kessel nicht traute und befürchtete, er gäbe sich hier unbewußt zu einem Schurkenstreich gegen seinen Kameraden her, brachte er di« Briefe zu mir und wir machten sie gemeinsam auf. Kessel hatte sich wieber gefälschte Papiere beschafft. Der Patz ist von de« damaligen RegierungZrat, jetzigen Geheimrat Strauß im preußischen Staatsministerium auf den Namen eines Oskar Müller ausgestellt. Marloh sollte von Merseburg nach Köln inS besetzte Gebiet gebracht werden. Der Zeuge fährt mit erhobener Stimme zu Hauptmann v. Kessel gewendet fort: Wir hatten da- mals bcgründere Furcht, daß Marloh auf der Reise verschwinden würde, Herr Hauptmann v. Kessel.— Vors.: Bitte verhandeln Sie mit mir.— Pfarrer Rump versucht dann noch verschiedene Beweise vorzulegen, wird aber vom Vorsitzenden unterbrochen: „Das Gericht weiß, wie hinter den Kulissen gearbeitet worden ist. Meine Geduld ist zu Ende, so kommen wir nicht weiter. Bitte setzen Sie stck." Zeuge Hauptmann Gentner schildert, wie er mit seiner Abtei» lunq die V.M.D in der Reichsbank ablöste. Die Leute härten einen sehr guten Eindruck gemacht und bereitwillig alle Munition und Waffen abgegeben. Sie hätten dann von ihm einen Ausweis er- halten. Am 11. März wurde er von einer Frau'angehalten, die ihm weinend um Hilfe für ihren Mann bat. der in der Franzö- fischen Straße erschossen werden solle. ES kamen nach und nach noch mehr Frauen, die alle um das Gleiche baten. Hauptmann Gentner ging darauf nach der Französischen Straße, wo er Marloh vorfand, der sehr ruhig war und einen guten Eindruck auf ihn machte. Auf des Zeugen Frage, was hier vorginge, sagte Marloh: ..Er hätte neue bindende Befehle, er müßte bandeln", und als ihn der Hauptmann darauf hinwies, daß er doch nicht obne weiteres handeln könne, sagte Marloh ihm, er bedaure. daß der Herr Haupt- mann gerade hereingekommen sei, sonst wären schon 150 Mann erschossen. Er berief sich immer wieder aus seine bindenden Be- fehle. Hauptmann Gentner musterte dann zusammen mi: Ober- leutnant Marloh noch einmal die Gefangenen und Holle sich die Leute von der Reichsbankbesatzung heraus, für die er sich verbürgte. Marloh gab ihm das Versprechen, daß diesen Leuten nichts passieren würde. Der Zeuge ist dann fortgegangen und bat dana der Garde- Kaballerie-Schützen-Division Meldung erstattet. Marloh habe einen ruhigen Eindruck gemacht, wie ein Offizier, der sich auf seine Befeble stütze. Zeuge Edgar Wessel, der Verwaltungsschreiber bei der Reichs- bank-Kompagnie ioar, bekundet: Als er in den Hauptraum geführt wurde, in dem die Gefangenen sich befanden, sagte jemand:„Wenn eine von den Bestien sich rührt, wird dazwischen geschossen. ES kommt gar nicht darauf an, »b einer mehr ober weniger krepiert." Nach Ansicht des Zeugen hat Marloh diese Wort« gebraucht. Zeuge Feld'.ncbelleutnent Penther hat die Erschießungen gr> leitet. Er stieß mit 16 Mann und zwei Flamlnernoerfern auS der Reichskanzlei als Verstärkung zu der Abteilung Marloh. Auf die Frage, ob er die Lage für bedrohlich ansah, entgegnet er: Wir standen etwa einer zwanzigfachen Uebermacht gegenüber. Vors.: Nach welchen Grundsätzen wurde ausgemustert? Zeuge: Man kynnte doch sehen, wer ein Verbrecher war und wer nicht. Man er- kannte, wer vollgefressen war und Ringe und Ketten trug, die ge- swhlen sein mußten. Ich hatte allen Grund, die Bande zu er- schießen. Denn die Kerle ivaren vaterlnndSlos und vom Militär ausgerissen. Und wer den Truppen gegenübcrtrat, verdient- eine Kugel. Peniher schildert dann feine vorher erfolgte Gefangennahme durch die Aufständischen. Ich war von mehreren Leuten zu Boden geschlagen worden. Als ich wieder zu mir kam, lag ich in einem Raum und sechzehnjährige Bengel iu Matrosenuniform schlugen mir ins Gesicht. DaS eine Auge war zugeichwollen. Eine von den Bestien rief, da man ein Bild zu Pferd bei mir gefunden hatte: „DaS ist ja das AaS, da? immer zu Pferd bei uns vorbeikommt." Ueber die Erschießungen sagt der Zeuge: Ich hatte die Leute aus- sortiert und aus dem Hof aufgestellt. Noch Vor dem Kommando „Feuers" hatte sich die Hälfte auf den Boden geworfen. Bors.: Wer noch lebte, wurde mit Pistolen erschossen? Zeuge: Das war ja meine Pflicht. Penther bestreitet, daß seine Leute daS HauS fluchtartig verlassen haben. Er habe sie gesammelt und dann fortgeführt. Es werden dann Aussagen nicht auffindbarer Zeugen Verlesen, Soldaten der Abteilung Marlohs, die iu: übrigen nur Bekanntes bringen. Zeuge Wachtmeister Kirschbaum schildert, wie Marloh in der Frangösischen Straße so aufgeregt war, daß er kaum sprechen konnte. Kirschbaum sollte im Auftrag der Staatsanwaltschaft einige Plünderer dort verhaften. Rechtsanwalt kikath: Hat Oberleutnant Kessel versucht, Sie für 5000 M. zur Flucht zu verleiten? Zeuge: Darüber verweigere ich die Aussage. Bors.: Ihnen wird doch nichts zur Last gelegt, Sie können ruhig aussagen.— v. Kessel: Kirschbaum fürchtete, daß ihm etwa» passieren würde. Er war sehr unruhig und wollte 5000 M. zur Flucht haben. Er meinte, die Sparlakijten schlügen ihm die Bude ein.— Vors.: Zeuge, Sie dürfen Ihr Zeugnis nicht verweigern.— Zoug« Kirschbaum: Es war mit Oberleulnaut Marloh verabredet worden, daß ich der Anstifter der ganzen Sache sein sollte und daß ich ihm die zu erschießenden Matrosen bezeichnet hätte. Ich lallt« bei meiner Vernehmung durch KriegSgerichtsrat Meyer verhaftet werden.— Vors.: Wann und wo bat Ihnen Hauptmann Kessel Borschläge gemacht?— Zeuge: Im Kriminalgericht. Wann, weiß ich nicht mehr.— Vors.: Sollten Sie nur für einige Zeit fortgehen oder sollten Sie die ganze Schuld auf sich nehmen?— Zeuge: Es hieß: einer soll die Schuld auf sich nehmen.— Rechtsanwalt Kikath: Ist Kessel mit Vorschlägen an Sie herangetreten?— Vors.: Er hat wob! sondiert, ob Sie für die Sache zu haben seien'?— Angeklagter Oberleutnant Marloh: ES sollte jemand gefunden werden, der die ganze Schuld aus sich nahm, damit der Prozeß nichi aufgerollt würde. Kessel hat Kirschbaum da? Ansinnen gestellt, zu fliehen. Hofsmann und ich sagten dem Wacht- meister Kirschbaum aber, es sei ein Wahnsinn, mit 5000 M. zu fliehen. Damit käme er nicht einmal bis Belgien.— v. Kessel: Ich sah hier im Kriminalgericht in der l leinen Säulenhalle LJän loh und Kirschbaum zusamenstehen. ES wurde über die Sache ge- sprechen. ES wurde gesagt, daß Kirschbaum einen Teil der Schuld auf sich nehmen solle. Ich sagte, das sei nichts, denn Kirschbaum sei ein Polizist und kein Ossizier. Nach einigen Tagen'agte Kirsch- bäum dann wieder zu mir, er habe Angst, daß ihm die Spartakisten die Bude einschlagen würden. Dabei kann ich wohl mit ihm über «in« Flucht gesprochen haben. Marloh hatte mir stets gesagt, daß Kirschbaum die Leute mit ausgesucht haire, die erschossen wurden.— Bors.: Waren Sie dabei, als v. Kessel Marloh zuredet«, zu fliehen? — Zeuge Kirschbaum: Marloh sagte: Ich lasse mich nicht in die Klapsmühle bringen und ich fliehe auch nicht. Ich bin durch meine vorgesetzten gedeckt. Zeuge Leutnant Goltz hat die Gefangenen untersucht und Dolche, Messer, Schlagtinge fowit Dum-Duw-Munitio» bei ihnen gesunden. Er sagt aus: Die Haltung der Gefangenen war ver» schieden. Die Matrosen waren Hetzer, frech und aufsässig. Die sogenannten Wirläufer dagegen machten einen blöden, Marloh einen ruhigen, beherrschten Einbruch. Bei der Musterung wurden die Hetzer und Plünderer ausgeschieden.— Bors.: Wer war Plön- derer?— Zeuge: Wenn ein Mairose einen dicken Brillantring oder eine goldene Uhr für etwa 8000 M. trug, so waren das bah gestoh- lene Sachen.— Der Zeuge bekundet noch» daß die Situation der Truppen sehr gefährdet war und daß ein Maschinengewehr nicht geschossen habe.— ES wird schließlich noch die Aussage des Feld- webcls Kindermann verlesen, der Marloh zu belasten sucht. Ober- leutnant Marloh erklärt hierzu, daß Kindermann an dem sraa- lichen Morgen total betrunken war.— Nachdem von der Verteidi- gung weitere BeweiSanträge gestellt worden waren, beschließt das Gericht die Ladung deS Generals v. Oertzen und hierauf wird die Sitzung geschlossen. f llnfecem®«n offen Otto Wels «nb Frau zur Silber. Hochzeit die besten Sliick- wlinfche. iSöö 24. Abttg. S. p. 0. Verband der Brauerei- und tnablenarbelter und verwandter Be« rufsaenonen. lgahlstrlle Berlin). Seit BtitgUedern zur ! Nachricht, daß unser Aalleae, der Bierfalircr 4M 18 Karl StreMow 1 1«. M. rirf« Törten elngeerosseni Lager besuch lohnend i In der Stadt vorkenand(Uber 300 000 Sin, wohner) ist sofort die Stelle de» zu besehen. Sa« penstonsstihtge Anfangsgehalt betragt 18«Xl3. Dienstiahre ab um »/„ und vom 23 Sienstfahre ab um Vj» de« Gehalt- festaefeht, so daß e» mit dem Ablauf de« 80. Dienstlahres de« Sienftclulommen» beträgt. Anrechnung früherer Sienstfahre sowohl auf da» Besoldungs- als auch auf da» RuhegcbaUsdienft- aller kann vereinbart werden, desgl. die Soppel» rechnung der tlriegsfahre. Bewerber, die schon längere geit bei größeren stommunawerwaltungen tätig gewesen sind, werden ersucht, ihre Meldungen nebst den erforderlichen Unterlagen bis zum 23. Sezemder 1919 dem Unterzeichneten einzureichen. Persönliche Borstellung sowie-in deionderer Briefwechsel mit dem Unterzeichneten werden vor- läufig nicht gewiinscht. Dortmund, den t, Dezember 1919. Der Stadtverordneten- Borsteher IZh/lt IN eh I l ch. Alte Gebisse " Än."" kauft w Schöneberg! Zahn zu 2,«, 6, 8 und 12 Mark Scfchäftsjeil v. 10—8 Uhr, Sonntags v. 9—2| Windorf, Hähnclftr. 9, part. Ecke Hanptstrahe Nähe Untergrundbahn Strahendahnlinien: 39.«0, 61, 87, 88, D, E, K, V. s ppak+iftch- Pp«i6u»ep*' eleqa.n« 151a- An da» harteia Opernhaus. Süsannecs GehelmoU. Klein Idas B'umen. Silhouetten. Anfang 7 Uhr. Schansplelhans. Maria Stuart. 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Diederich. 2 Bände, jeder für sich abgeschlossen. Als Zwischcndecksteward nach Südamerika. Erzählung von Heinrich Nenenhagen. Verbrcchergeschichtcn 1.'(Kleist, Droste-HülShosf. Schiller). Nuckel, das Kapital und anderes. Von E. Preczang. �ln den Tod getrieben. Zwei Erzählungen E. Preczang 4,80 Verschrobenes Volk. Erzählungen von G. Grvtzsch... 5/40 Die beiden folgenden Bände je 2,40.' Kriegsfahrten in Belgien nnd Nordfrankreich. Von Dr. A. Koestcr und G. No-ke. Mit 8 Bildern und einer Karte. Kriegsberichte ans Ostpreußen und Rußland. Von W. Düwell, KriegSbenchterstatter. Mit 8 Bildern und einer Karte. Ein über 300 Seiten starker, reich illustrierter Band ausstattung.......................... Ada Regrt: Mutterschaft. Soziale Gedichte....... 2,40 Ludwig Lessen: Wenn Frieden würde............ 3,60 Kreuz und Quer durch den Balkan.............. 3,60 Von Franz Diederich. dem feinsinnigen Lyriker und Feuille« tonredakleur des„Vorwärts', ist noch am Lager: KricgSsaat, Gedickte.............................. 1,80 Jürgen Brand: Zwei wunderbare Bücher f. d. reifere Fugend lllenbrook. Briefe auS der Heide an meine jungen Freunde 3,60 Die Reise nach Island, reich illustriert in bester Friedens- ausstattung.(Ganz geringer Vorrat.)............ 5,40 Die Parteien der groHen franzö- fischen Revolution u. ihre Presse Von Heinrich Cunow(außerordentlicher Professor an der Berliner Universität). Zweite erweiterte Ausgabe des in erster Auflage Eiinalrfi DaS kleine Wilhelm-Busch- -Ä5ul|�*-w«ÖNzch* Album. Amüsante Bilder. gesckichten de- großen Meisters in guter Ausstattung 15,— Meister.Busch hilft iiber manche trllbe Etunde hinweg. Immer wieder erfreuen die humorvollen Bilder. Das Album ist ein Hr.usschaH. 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Die Schuljahre '4? des ehemaligen Maurergesellen und jetzigen Oberpräsidenten von Ostpreußen......... 8,40 „ffriiftrot* von August Winniz, dem Sohne des Totengräber» von Blattienburg am Harz, der das Mmirerhandwert erlernte, dann seinen Berufs- genossen als Organisatiousbeamier und Redakteur wertvolle Dienste leistete. Michelangelo. SS„Ä"*5"- Leonardo da Btnci. ü»» Novellen. .. 4,80 Mercschkowskn. ;öen... 9,60 SÖrtimcntsbuchljandlung Oorwärts, S51. 68, Dodenitr. 2 Nr. H2Z ❖ ZS. Jahrgang 2. Seilage des vorwärts Sonnabenö, H. Dezember Kunst unö Volkssthule in Preußen. In der vreuhischen LanbeSverfammlung gab es am Fvettag folgendes Zwiegespräch: Abg. Hennigerke ins Ausland ist ein Verbrechen und soll verhindert werden. Die Preise bei der Pa'estrtna-Anfführung waren zweifellos hoch. Dadurch, dah wir den Kriegsgewinnlern hohe Eintrittspreise für zwei Vorstellungen abgenommen haben, konnten wir aber auch fünf weitere Palestrina- Vorstellungen zu sehr billigen Preisen stattfinden lasten.(Zuruf des Abg. Dr. Wehl(U. Soz): Aber die Premieren!) Es kommt den Arbeitern zweifellos nicht auf eine gesellschaftliche Sensation an, sondern auf das Kunsterlebnis.(Lebhafte Zustim- mung> Den Wünschen auf Kommunalisierung und Dezentral!» siemng de? Theaterwesens schlieste ich mich durchaus an. Die Wünsche des Abg. Hennig waro-i meist erfüllt, ehe sie ausgesprochen wurden. Es folgt da? Kapitel volksfihulwefen. Abg. König-Frankfurt(Soz.): Aufgabe der Volksschulen ist die Meckung aller im Volke schlummernden Kräfte. Wir fordern die Grundschule schon, weil es etwas Versöhnendes ist. wenn die Kin» der aller Volksschichten in ihr zusammenleben. Dabei wird auch die Auslese der Tüchtigsten in durchaus zweckmästiger Weise ge- fördert. Wenn das Ziel infolge der finanziellen Notlage nicht voll erreicht werden kann, so wächst dadurch die Schuld derjenigen, die vor dem Kriege die Macht in der Hand hatten und Deutschland nicht als Volksstaat, sondern als Staat der obere« Zehntausend ausfaßten.(Lebhafte Zustimmung links.) Die Revolution hat auch endlich den Kindern der Dissidenten die Freiheit gebracht. Das Volk verträgt die Freiheit durchaus, unser Vertrauen zur Mensch- heit kann aar nicht groß genug sein. Für die Lehrerbildung in ganz Deutschland, die Ja nach der Reichsverfastung einheitlich ge- staltet werden soll, müstcn die Richtlinien de? preußischen Unter- richtSouSschusseS maßgebend werden. Die Vorbildung oer Lehrer soll auf höheren Schulen erfolgen, die gleichzeitig auch der Vor» bereitung für Juristen, Mediziner und andere Berufsarten dienen. Die neue Schule muß im wahrsten Sinn« des Wortes eine Arbeitsschule sein, in der all« Kulwrstimmungen zum Ausdruck kommen. DaS Christentum hat die Aufgabe der Völkerversöhung nicht lösen können, weil es sich in den Dienst deS Kapitalismus gestellt hat. An seiner� Stelle hat der Sozialismus die Aufgabe der Völkerver- söhnung übernommen. Deshalb kann die Schule auch an dem Sozialismus nicht vorübergehen.(Große Unruhe rechts.) Wir fordern deshalb, daß die Vorkämpfer des Sozialismus im GeschichtS- Unterricht auch dem Kinde vor die Seele gestellt werden: Jesus und Bebel, '(Lachen und Unruhe rechts und im Zentrum), diese beiden Männer, die au? den� untersten Schichten des Volkes emporgestiegen sind. Der Erlaß über die kollegiale Schulleitung geht uns nicht weit genug. Wr wünschen weitestgehendes Vertrauen für die Lehrer- fchaft. De Küsterdienst« müssen unter allen Umständen abgelöst werden, ja. sie müssen dem Lehrer verboten werden. Durch die Auf» besterung der Lehrergehälter ist ein altes Unrecht wieder gutzu- machen. ES gibt kein Jahr der preußischen Geschichte, in dem die Schulentwicklung solche Fortschritte gemacht hat, wie in diesem letzten Jahre der Republik. Auf diesem Wege muß die Regierung fortschreiten und auch die Eltern zur Mitarbeit an der Schule heranziehen durch die Elternbeiräte. Dann wird die Schule die tatkräftige Förderin aller Volkskräfte sein.(Lebh. Beifall b. d. Soz.) Abg. Gottschalk(Dem.): Damit sich zwischen Lehrern und Schülern ein Vertrauensverhältnis entwickelt, muß die Partei» Politik aus der Schule fern bleiben. Wir verlangen von dem Minister auf das entschiedenste, daß er dafür sorgt.(Lebh. Zu- stimmung.) Die Tätigkeit des Lehrers muß geachtet werden wie die selbständige Tätigkeit des Künstlers.(Beifall. Zuruf: Leider gibt es aber viele Pfuscher! Heiterkeit.) Wir erklären uns für die kollegiale Schulleitung, schon weil dadurch das Verantwortlichkeits- gefühl der Lehrer gesteigert wird. Auch der höchste Vorgesetzte nützt dem Lehrer und den Schülern nichts, wenn der Lehrer nicht seinen allerhöchsten Vorgesetzten hat in seinem eigenen Gewissen. (Lebh. Zustimmung.) Die Volksschule soll nicht zur geistigen Demut erziehen. Vor allem nötig ist das wegen der Höherentwicklung der Lehrerbildung.(Sehr richtig!) Bei der bisherigen Lehrerausbildung fehlte die Vertiefung, obwohl wir trotzdem über einen Lehrerstand verfügen, auf den wir stolz sein können.(Lebh. Zustimmung.) Der Lehrer darf nicht mehr von den eigentlichen Bildungsauellen abgehalten werden. Deshalb verlangen wir für ihn Hochschulbildung. Frei und ungehemmt muß der Bildung?- ström dahinfließen, denen, die die Hochschule nicht besucht haben, muß sie in möglichst weitem Umfange zugänglich gemacht werden, sie Nßifden sich nützlicher machen als viele Studenten, die herum- bummeln und herumsumpfen.(Lebh. Beifall.) Ebenso wie vor 100 Jahren ist in unserem Volk der Wunsch nach geistiger Erneuerung entstanden. Die, die wir heute mit der Schulmappe ihren Weg ziehen sehen, sollen geistig und körperlich stark gerüstet für die deutsche Zukunft dastehen.(Lebh. Beifall links.) Ein Schlußantrag wird abgelehnt. Weiterberatung Sonnabend 11 Uhr. Schluß gegen 8 Uhr. GroßSerün Eine Stätte des Wiederaufbau» der Volkskraft. DaS bisherige militärische VersorgungS- und Sa- n i t ä t s w e s e n ist an da» ReichSarbeitSministerium übergegangen und wird mit der sozialen KriegSbelchädig- t e n- und Hinterbliebenenfürsorge im Hause der früheren.Kaiser-WUhelm-Bkobemie vereinigt. A»S diesem Anlaß fand gestern an der neuen Wirkungsstätte des ArbeitSministeriums eine Eröffnungsfeier statt, an der auch der Reichsprästdent, mehrere Reichsminister, Abgeordnete der Naiionalveri'ammluna und Vertreter der Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenfürsorge teil- nahmen. ReichSarbeitsministcr Schlicke betont« in seiner BegrüßungS- ansprach« die soziale und politisthe Bedeutung det setzt erfolgten Zusammenfassung der gesamten Kriegsbeschädigten- und Hinter- bliebenen'ürsorge, die Notwendigkeit der Lökung dieser Aufgabe im Geiste de» sozialen Verständnisses und der Ge- r e ch t i g k e i t, die nunmehr geschaffene Möglichkeit einheitlicher Leitung und einheitlicher Grundsätze. Dr. S ck w e y e r. Ministerialdirektor im ReichSarbeitSmini- sterium, sprach über.Der Wiederaufbau gedanke in der Kriegsversorgung und Kriegsfürsorge'. Der Wiederaufbau unserer zusannnengebrochenen Volkskraft müsse mlt der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit und Arbeitsfreude beginnen. Alle öffentlichen Einrichtungen und Gemeinschaften. Familie. Gemeinde. Staat, Kirche. Berufsvereine. Arbeitgeber, alle Volksgenossen hätten an dem Wiederaufbau teil- zunebmen. Die Versorgungsgesetzgebung sei unzu- länglich und müsse auf eine vollständig neue Grundlage gestellt werden, wobei e» nicht nur aus Trböbung der Renten. sondern auf eine Tendcrung de? System« ankomme. Für die soziale KrienSbeschädigten- und Hinterbltebeneniürsorge seien mebr als bisher Reichsmittel bereitzustellen. Der Redner schilderte ein- gehend die jetzt durchgeführte Entmilitaristerung des bisher mili« tärischen Arbeitsgebietes. Die Bezirkskommandos werden zu Versorgungsstellen erster Instanz umgewandelt, über denen als zweite Instanz VersorgungSämter sieben.' Bei dem ReichSarbeitSministerium ist eine große Abteilung für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene eingerichtet. Die wissenschaftlichen Einrichtungen der früheren.Kai'er-Wilbelm-Akademie" bleiben erhalten und werden in den Dienst deS KnegSversorgungS- und Kriegs fürsorge- wesenS gestellt. �. Landesdirektor v. W i n t e r f e I d t als Vorsitzender deS Reichs- auSschusics für KciegSbeschädigteniürsorge. wies daraus bin, daß auch in Zukunft die freiwillige Hilfsbereitschaft aller Schichten der Bevölkerung nicht werde entbebrt werden können. Dann ergr'ff Reichspräsident Ebert da« Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. ausführte: .Die Fürsorge für die Opfer deS Krieges betrachtet die Reichs- regierunq als ihre vornehmste Pflicht. Trotz der schwersten finanziellen Sorgen und der fast erdrückenden Lasten, die unS mff- aebürdet worden sind, darf das Vaterland seine Kämpker nnd seine Toten nicht vergessen. Eine woblorganisierte weitherzige Fürsorge, die jedem berechtigten Bedürfnis enffvricht und die schwersten Schäden deS Krieges an Leben, Gesundheit und Arbeitskrait zu beseitigen oder zu mildern sucht, ist das würdigste Denkmal, daS wir für unsere Kampier errichten können. Diese Fürsorge ist aber nicht die Nukaabe der RsichSregierung allein. Das große soziale Hiliswerk, an dem mitzuarbeiten Sie alle be- rnfen find, muß getragen werden van den breitesten Schichten unseres Volkes; eS muß eine Stütze finden an den Regierungen der Länder, an den SelbstverwalrunaSkö'perschaften, den Beruksverbänden, den KriegSbeschäd'gten- nnd Hinterbliebenen» Vereinigungen, sywie an den gemeinnützigen Vereinigungen aller Richtungen. ES ist dies eine Ausgabe, bei der sich alle Schichten de« Volkes, ohne Rücksicht� auf Partei- anschau ungen und politische Strömungen zu- snmmenfinden sollen, ein Gebiet, wo sich der einmütig« Wille de« V o l k- S zeigen und bewähren kann. Auf die Mit- Hilfe aller Kreiie müffen wir auch in der Zlikunft rechnen, ebenso wie wir ste bisher gefunden und dankbar begrüßt haben.' .Möge daS Werk', schloß Genosse Ebert seine beifällig aus- genommene Rede,.gedeihen und uns den Weg zu neuem Aul stieg bahnen!' Hiermit endete die schlichte Feier. SezirksbilSungsausschuß Hrsß-Serlin. Der am letzten Sonnabend unterbrochene RednerkursuS de» Ge». H. Scholz wird hente fortgesetzt. Zulagen für Unfallrentner. E'ne monatliche Zulaae von 20 Mark, rückwirkend vom 1. Ök- tober 1919, erhalten Unfallverletzte, die eine Rente von zwei Drittel oder mebr der Vollrente bezieben. Die Zulaae ist bei der Berufs- aenossenschntt zu beantragen»nd kann nur verweigert� werden, wenn der Verletzte stch als Ausländer im Auslände aufhält oder wenn Talsachen die Annahme rechtfertigen, daß die Zulage nicht benötigt wird. Die letztere Bestimmung, nach welcher auch hier nach der Be- dürstiakeit entschieden werden soll, ist um so bedauerliche« als der Begriff der Bedürftigkeit nicht näher ausgelegt ist. Eine will- kürliche Auslegung bätte durch nähere Definition unterbunden werden müffen. Allerdings wird die Beruisgenossenichait beweii-n müssen, daß Tatsachen vorliegen, nach denen der Verletzte die Zu- läge nicht.benötigt'. Wir raten den in Frage kommenden Verletzten, Anträge sofort bei der BerufSgenossenschgit zu stellen. Ein betrügerischer Kohlenhändler hat in Charlottenburg mehrere Familien zu schädigen versucht. In der vorigen Wock« lieferte er einer Frau für 12,40 M..zwei Zentner' Kohlen, die er auf den Hof schüttete. Eine Zählung ergab, daß er pro„Zent- ner' nur 71 Kohlen geliefer hatte. Jetzt wurde eine Wage geholt — und der geschäftstüchtige Kohlenhändler mußte sich dann dazu beguemen. noch ein« gehörige Portion Kohlen zuzulegen. Der Ehe- mann jener Frau schreibt uns:„Sollte es denn kein Mittel geben. gegen diesen Betrüger erfolgreich aufzutreten? Solchen Leuten mußte von der Kohlenstclle für immer das Handwerk gelegt wer- den.' Gewiß gibt es ein Mittel, das zu erreichen: es besteht in einer Anzeige bei der erwähnten Kohlen stell«. Sie bat die Macht, solchen Betrügern das Handwerk zu kegen. Auf eine Anzeige, die nicht anonym sein darf, sondern mit Namen und Woh- nung des Anzuzeigenden unterschrieben sein muß. schreitet sie ein. Hiermit ist übrigens auch den anständigen Kohlenhändlern gedient, die keineswegs Lust haben. Betrüger in ihren Reihen zu dulden. Montrofe. LSZ Detektivroma» von Sven Elvestad. Da» GefängniSgisicht war auf dem Korridor im„Ver- go�deten Pfau" unmittelbar vor der Ermordung Strantz' ge- jehen worden. All« diese Umstände, die sich aneinanderreihten, konnten unmöglich zufällig sein. Ferner war er vor 314 geflüchtet...(weil er ein schlechtes Gewissen hatte). Jetzt kamen indessen die Widersprüche(so schlössen die Detektive). Hot Georges Charlie ermordet, weil er sich von der Polizei hart bedrängt fand und weil Charlie seine Flucht zum Guiarenweg hinderte? Oder— hatte Georges durch Zufall Charlie entdeckt und eine bestimmte Ursache gehabt, ihn niederzuschießen? Und welche besondere Ursache konnte es in diesem Fall ge- Wesen sein? Die Detektive neigten letzterer Auffassung zu, obgleich Georges offenbar keinen Versuch gemacht hatte, dm Ausgang durch das Houstor mit Gewalt zu erringen(das Hoftor war verschlossen, aber nicht verriegelt); er war geradewegs auf das geöffnete Fenster losgegangen. Charlie, der auf dem Sofa lag und las. konnte leicht vom Hof aus gesehen werden. Hier fügte Asbjörn Krag, während sie darüber hin und her sprachen, folgende allgemeine Betrachtungen hinzu: „Alles deutet darauf, daß Georges durch eine Reihe von Zufälligkeiten auf den Hof von Arnold Singer gelangt ist. Da er die ganze Zeit vom Schutzmann verfolgt wurde, hat er sich von Straße zu Straße und schließlich von Hinterhof zu Hinter- hos geschlichen. Er kannte natürlich die Schleichwege durch das alte Viertel, dos die Himm-lsgasse vom Husarenweg trennt. Er wußte, daß er durch das Tor von Arnold Singers Haus auf den Husarenweg gelangen konnte. Als er aber auf den Hof kam, erblickte er durch das offene Fenster Charlie, der im Zimmer auf dem Sofa lag. Er vergißt seine eigene gefähr- liche Jage, vergißt, daß er sich durch das Tor retten kann, er wird von einer plötzlich auftauchenden, alles beherrschenden Idee erfaßt, daß er nämlich den Mann, der dort liegt, er- morden will. Und er führt seine Absicht aus, obgleich er weiß, daß der Schutzmann ihm auf den Fersen folgt. Daß er trotz- dem entkommt, hat er dem Zufall, nicht seiner Geschicklichkeit zu danken. Warum hat er diesen Mord verübt?" Keller, der in dm Rapport des Gefängnispredigers und das Protokoll über Fingerabdrücke vertieft war. hatte Kmg nur mit halbem Ohr zugehört. Jetzt blickte er auf. �Jch habe mir immer dargestellt.' sagte er.„daß ein Wahnsinniger mit' Mordmanie genau auf solche Weise auf- tritt." „Ein Wahnsinniger," murmelte Kmg,„damit würde ja die Annahme, daß Georges an der Tragödie Montrose beteiligt ist, fortfallen. Außerdem ist es ein alter Aberglaube, daß Wahnsinnige mit Mordmanie auf solche Wesse austreten. Wenn es Georges Absicht oder— wenn Sie lieber wollen— sein Instinkt gewesen ist, des Mord>s wegen zu töten, dann wäre es wahrscheinlicher gewesen, daß er mit dem Revolver in der Hand dem Schutzmann entgegengetreten wäre, der ihn ver- folgte. Nein, ich glaube bestimmt, daß Georges die ganze Zeit bei vollem Verstand gewesen ist. Anfangs ist es nur seine Ab- ficht gewesen, dem Schutzmann zu entkommen; dann aber, als er den Hinterhof von Arnold Singers Haus erreichte, hat er durch das offene Fenster Charlie gesehen— und von einer momentanen Eingebung getrieben, hat er gehandelt." „Welche Eingebung?" fragte Keller. „Die Eingebung, die einen Menschen ergreist, wenn er sieht, daß er endlich am Ziel ist." „Meinen Sie. daß Charlie das Ziel war?" „Charlie zu ermorden war Georges Ziel." „Warum hat er ihn dann nicht früher getötet?" «Weil er ihn früher noch nicht gefunden hatte." „Meinen Sie, daß er sich in unserer Nähe herumgeschlichen hat, weil er glaubte. Cbartte in unserer Gesellschaft zu finden?" Darauf antwortet« Krag nicht- Er zuckte nur die Achseln — eine Geste, die bedeuten lern*, dvß man«chtZ weiß und daß man sehr viel weiß. „Warum aber mußte Charlie sterben?" Dieselbe vielsagende oder nichtssagende Geste. „Es ist sonderbar," fuhr Keller fort,„während wir uns mit der ursprünglichen Affäre beschästigen, Abbs Montroses rätselhaftes Verschwinden, dringt das eine unerwartete Erttg- nis nach dem andern auf unS ein. Kaum aber sind die Er- eignisse eingetroffen, so zeigt es sich, daß sie allesamt mstein- ander in Verbindung stehen, daß sie sich ineinanderflechten, wie die Blätter in einem Kranz. Was aber mag es zu be- deuten haben, daß wir nichts von dem, was kommen wird, ahnen, und daß Mordtat nach Mordtat unerwartet über unS hereinbricht? Das bedeutet nichts anderes, lieber Krag, als daß wir noch vollkommen im Dunkeln tappen. Und in dieser verflucht hoffnungslosen Situation greifen wir in der Ver- zweiflung nach den sinnlosesten Lösungen. Wissen Sie, was ich in dem Augenblick dachte, als ich die Spuren vo» den Fingern des Mörders auf Charlies Hemd sah?" „Sie dachten einen Augenblick," antwortete Krag,„daß es die Spuren von Abb6 Montroses Finger seien." „Ja", gestand Keller und blickte auf. Seine Stimme klang erregt, er konnte kein Wort mehr hervorbringen. Der Gedanke allein ließ sein Blut erstarren. Kurz darauf sagte er leise: „Sie lachen." Krag wurde wieder ernst. Er fuhr zusammen, als ob er aus tiefen Grübeleien geweckt worden sei. XXVTl. Die Jagd. Dies Gespräch fand in Kellers privatem KontSr in der Detektivabteilung statt. Während der letzten Mnuten hatten elektrische Glocken unaufhörlich in den angrenzenden Zimmern geläutet. Krag ging zur Tür. „Die Polizeibehörden fangen an zu telephonieren, wie es scheint", sagte er, indem er seine Uhr zu Rate zog.„Wir können jetzt die ersten Berichte erwarten." Er nickte und schickte sich zum Gehen an, besann sich aber wieder. .Nein, ich fioche nicht gekicht", sagte er. «Das kam mir doch so vor," antwortete Keller,„es war aber auch ein wilder Gedanke von mft." „Sie haben recht", sagte Krag.„In einer Laze wie dieser verfällt man auf die merkwürdigsten?sdeen. und eS war nicht meine Meinung, Sie mit Hohn zurückzuweisen. Ich muß ge- stehen, ich wußte nicht einmal, was Sie sagten; ich hörte nur den Klang Ihrer Worte. Und w-nn ich den Mund ein wenig verzog, bedeutete es nur, daß ich in Betrachtungen vertieft vor mich hinlachte, so zerstreut, als ob ich ferne Musik hörte." lSortt. folgt.) Ii» ihrer Wohnung tot aufgefunden wurden am Freitag mittag die Witwe und der Sohn des vor Jahresfrist im Hotel Adlon ermordeten Gelvßrieftragers Lange. Allem Anschein nach handelt es sich um Selbstmord, denn die Küche war erfüllt von Gas. Der Sohn soll grosze Veruntreuungen begangen und seiner gerichtlichen Aburteilung entgegengesehen haben. Die Mutter hatte im Hause wiederholt geäußert, daß sie sich das Leben nehmen wolle. Tie Staatliche Beratungsstelle siir Kriegerehrungen hat ein Hilfswerk sür unsere Kriegergräber eingeleitet. Es wird eine Gedenkmünze ausgegeben, deren Erlös zur Ausschmückung der fernen Grabstätten unserer tote» Helden oerwandt wird. Werbematcrial steht bei der Staatlichen Beratungsstelle sür Kriegerehrungcn, Berlin LW 11, Prinz-Albrecht-Str. 8, zur Verjügrmg. Wilmersdorf. Stabwerorbnetenvcrsanimlung. Eingangs der Sitzung gaben die Fraktionen der S. P. D. und der U. S. P. D. eine Erklärung ab, daß sie die letzte Sitzung deshalb verlassen haben, weil entgegen allen parlamentarischen Brauchs bei der Be- ratung der Einwohnerwehr-Vorlage der Antrag de» Demokraten Dr. Lewinski auf Schluß der Debatte angenommen worden war, trotzdem noch nicht alle Fraktionen zum Wort gekommen waren. — Eine sehr heitere Debatte.rief der Antrag der Fraktion der Rechten hervor, den Handverkauf des städtischen Lebens- mittelamteS für Krankennährmittel aufzuheben und den Krämern zu übertragen. Die Rechte schickte«in halbes Dutzend Redner aus dem Staude der Händler vor. Der Antrag wurde »der abgelehnt. Festgehalten zu werden verdient dabei die Haltung der Demokraten, der«n Redner Jonas den Händlern das Recht absprach, sich zum notleidenden Mittelstand zu zählen, denn sie hätten aus der Not der Bevölkerung Reichtümer gezogen, die bei manchen so groß seien, daß sie sich kleine Landgüter hätten kaufen können.— Zur Bekämpfung der Wohnungsnot ist nun auf einmal auch die Fraktion der Rechten bereit; sie fordert eine Denk- sdkift des Magistrats, in welcher dem Wohlfahrtsministerium be- totes«» werden soll, daß nicht Kleinhäuser, sondern Mietskasernen da? richtige seien; ferner soll der Magistrat dafür sorgen, daß die seit Jahren angefangenen Rohbauten in Wilmersdorf fertiggestellt werden und endlich soll das Hochbauamt Neubauprojekte für Hoch- bauten vorlegen. Auf Antrag der Sozialdemokraten geht die Sache an die Wohnüngsdeputation, nachdem noch Genosse Schlegel fest- gestellt hatte, daß die Rechte vor einem halben Jahre noch das Be- stehen einer Wohnungsnot bestritten habe.— Nach heftiger Aus- spräche über die d e u t s ch n a t i o n a l e n Umtriebe in den höheren Schulen wird mit Mehrheit ein Antrag Dr. Heinitz ange- Nammen, dem Minister Haenisch offiziell mitzuteilen, daß der deutschnationale Jugendbund kein unpolitischer Verein ist, eine Feststellung, die die Deputation für höhere Schulen in zwei Sitzun- gen gemacht habe.— Die vom Magistrat vorgelegte Besol- dungSreform für das städtische Personal, die ein Minimum von bOOO M. vorsehe und 2,2 Millionen erfordere, geht an den Finanzausschuß. Charlottenburg. Juristische Sprechstunde jeden Sonnabend von 3—6 Uhr im Sekretariat, Rosinenstr. 4 s.Volkshaus"). Neukölln. Winterkleibung. Der Magistrat hak in der städti- schen Bekleidungsstelle, Bergstr. 29, ein großes Lager guter Herren-, Damen» und Kinderkleidung sowie Wollwaren und Stiefel beschafft und bringt sie an jedermann zur Veräußerung. Die Ware ist nach der heutigen Geldwährung preiswert. Die Preise für Herrenan- züge bewegen sich zwischen 249— 390 M., die der Tamengarderobe von 63 M. aufwärts und die der Kindergarderobe je nach Größe und Stoffart in angemessenen Abständen. Es lohnt sich, vor Be- schaffung von Garderobe die Bekleidungsstelle zu besichtigen. Die Besichtigung kann jederzeit ohne Kaufzwang erfolgen. Die Be- kleidungsstelle ist wochentäglich von 3—9 Uhr ununterbrochen ge- öffnet._ Groft-Berliner Lebensmittel. Berlin. Nächste Woche 7 Pfund Kartoffeln. Die ilt. Liter- Kranken- karten werden infolge Befferunz des Milcheinaangs bereits von heute ab mit 1lt Liter Frischmilch bcliesert. Schöneberg. Voranmeldung für 259 Gramm Marmelade oder Kunst- Honig(S7), 150 Gramm ausl. Hülsensrüchte(102), 150 Gramm Weizen- grietz(103) und 800 Gramm auSl. Weizenmehl(28). Ausgegeben werden: 125 Reis(100), 150 Gramm Teigwaren(101), 2 Päckchen Pudding, ein Päckchen Soßenpulver(27)._ Groß-Serliner parteinachrichten. 3. Abt. Sitzung des Abteilungsvorstande«, der Bezirkssührer und Betriebsvertrauensleute heute 7 Uhr bei Schneider, Körnerslr. 5. 30. Abt. Sonntag um 9 Uhr F I u g b l a t l Verbreitung. Treffpunkt der Genossen be! Grünau, Stahlheimcrstr. 30. 3V. Abt. Heute 7'/, Uhr bei Kleinert Sitzung der PartelfuntttonSre und GewerkschastsvertrauenSleute. 46. Abt. Sonntag vormittag g Uhr Flugblattv-rbreitung von den Bezirks lokalen aus. WerbeauSschuh für Post und Xelegraphie, Gruppe 7. Montag 8 Uhr im Lokal Reichenberger Str. 16 Vertraucnsmännervcrsammlung. Charloitrnburg. Sonntag vorm. 11 Uhr im Schiller-Theater Fest- konzert anläßlich des ZOjährigcn Stiitungstage«. Mitwirkende: Slüthner- Orchester, Konzertsängerinnen Frau Lea Skaller und Frau Paula Liachowski- Nivcll, Herr Ludwig Hardt, Rezitationen. Am Flügel: Herr Liachowski. Karten an der Kasse zu 2 M. - c Hilöungsoeranstaltungen. Märchenvorlesungen in Grotz- Berlin. Tie am Sonntag vom BildungZausschuß veranstalteten Märchen- Vorlesungen finden statt: In der Aula des König st idtischen Lyzeums, Greifs- walder Str. 24/25, nachmittags 4 Uhr. Karten find zu haben bei Genossen: Max Uberg, Elbinger Str. 49, Frau Kitte, Winsstr. 54 und Gen. Wollstein, Lietzmannstr. 5. In der Schulaula Lsttticher Straße, 3 Ubr nachmittags. Karten sind zu baden; 42. Abt.: Fr. Marz. Schulz, Kiautschaustr. 6, pt; 43. Abt.: Fr. Welcher, Gotischedstr. 6(Seisenladen); 46. Abt.: Fr. Fink, Maltzlaquetstr. 23, Ouergeb.; 47. Abt.: Fr. ArnraLück, Föhrer Str. v, Stsl.I, Fr. Hirte, Ntrechtcr Str. 2, v. IV; 43. Abt.: Fr. Krapel, TranSvaalstr. 18; Fr. Buchhwz, Transvaalstr. 13, Ouergeb. III. Einlr.lt für Erwachsene 50 Pf, Kinder 30 Pf, Vorträge, vereine unö Versammlungen. >TaS neue Deutschland in der neuen Welt>— so heißt ein Kursus über Auslandspolitik, den die Deutsche Liga sür Völkerbund ver- anstallct. Der 51iixsus beginnt heute nachm. 4 Uhr mit einem Bortrag des Airkl. Geb. Rat Lusensky über„Die Folgen des Friedensvertrages sür den deutschen AußenbaiideK Die weiteren Vorträge hrilten: Reichs- dostminister G i e s b e r t S, Geh. Rat Pros. Dr. H e r l n e r, Dr.- Hans W e b b e r g, Pros. Dr. S ck ü ck i n g, Gouverneur Dr. Haber, Pros. Veit Valentin, Dr. Grabowsty, Geb. Rath Prot. Dr. M e n- delssohn- Barthold y. Prof. Dr. R ü h I m a n n, Minilterial« direktor a. D. Simons, Unterltaalssekretär Dr. Becker. Der Kursus findet jeden Sonnabend nachm. von 4—6 Ubr in den Räumen der Deut- schen Liga sür Völkerbund(Unter den Linden 78) statt; Karten(zum Preise von t M. sür de» Vortrag und von 10 M. sür den ganzen Kursus von 12 Vorträgen) sind dort zu haben. Neichsbund der Kriegsbeschädigten. Bezirk 3(Südost). Hinter- blicbcnenversammlung am Monta g 71/, Ubr in Schubmachers Festsälcn, Skalitzer Str. 126. Kamerad Felsch: Sozialvolitik und Wirtschaftsetend. Aufnahme neuer Mitglieder.— Zentralinftitut für Erziehung und Unterricht, Potsdamer Str. 120. Elternschule. An Stelle von Professor Stern, Hamburg, spricht Pros. Lowinsky- Berlin am Montag 8 Uhr über»Kindliche Phantasie und lindliche Lüge'.— Die Auslands- deutsche». Abt. Frankreich, Ortsgruppe Berlin, wollen sich zu der am Dienstag 7 Uhr in der Sluia des Kaiserin-Augusta-Gymnasiums, Char- lottenburg, Cauerftr. 36/37, stattfindenden Versammlung einfinden. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Frage der Vorcntschädrgung. Mus aller Welt. Riesenmöbelschiebungen nach Frankreich. Millionendurchstcchereien wurden, wie die Dena meldet, bei der Saargemünder Zollverwaltung aufgedeckt. Bei einer anläßlich des Berschwindens eines Beamten angestellten Untersuchung kam her- aus, daß seit langem deutsche Möbel in großen Transporten zollfrei nach Frankreich geschmuggelt worden waren. Bis jetzt steht die Beteiligung von 3—4 Beamten an den Schiebungen fest. In einem Fall wurden 8 Waggons Möbel unter Zollhinterziehung eingeführt. Einer der Beteiligten wurde dieser Tage aus dem Bett heraus verhastet, ein weiterer, der sich mit 399 909 Franken aus dem Staube gemacht hatte, wurde an der holländischen Grenze gefaßt._ Der Held von Courriörcs gestorben. Der Brandinlpektor der Gelsenkirchener Bergwerksgesellschast, Koch, ist gestorben. Koch war einer der Führer der deutschen Rettungsmannschaften, die inV März 1906 nach Courriöres in Frankreich eilten, als in den dortigen Bergwerken eine gewaltige Kohlenstaubexplosion für mehr als 1999 Bergleute Tod und Verderben gebracht hatte. Ganz Frankreich bewunderte damals dankbaren Sinnes den Heldenmut der deutschen Bergleute und ihrer Führer. Mit Todesverachtung drangen die deutschen Rettungsmannschaften mit Hilfe von Sauer- stoffapparaten in die verheerten, zum Teil noch brennenden Kohlen- gruben vor. Nä-bstenliebe und Kameradschaft hatten den Bowes den Weg durch die tödlichen Gase zur Rettung französischer Kameraden geleitet. Leihhaas Kteritzplatz 58a verkauft zu bekannt billigen Preisen; Kreuzf iichse Alawka-BIanfUchse la von 90.— —— bis 825.— /Hark.——— Berlin, Oranlenstraße 58a. Gelegenheitskäufe in Skunks, Marder, Herren-tSehpelzcn. JSportpclzen, Wagenpelzen.— Großer Posten Ilerren-Anzüge, Paletots von 85—250 stlk,, hochelegant, Gelegenheiten in Danien-Kosttiinen, Plüsch-, Astrachan-, Pelzmänteln.— Ferner im Lombard verfallene Uhren, Ringe, Brillanten, silb. Taschen usw. unter Taxpreisen. Eigene Sctimelze— Direkte Verwertung. 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Mumm tDeutichn.) erklart Reichs» minister des Innern Koch: Tie Reichsschulkonferenz wird im Früh- jabr stattfinden. Sic wird eine große Zahl von Sachverständigen asser Schulgattungen umfassen. Der ReichsichulauSschuß, in den auch Schulsachderständige Hernien werden hat die Aufgabe, an die gesetzliche Regelung einzelner dringender Fragen noch vordem heranzugehen. Aui eine Anfrage des Abg. Löb«(Soz.) erklärt ein Regie. runfiövertretfi: Eine rechtzeitige Bevorratung der größten und wichtigsten Verbraucher mit Kohlen konnte in diesem Sommer nicht durchgefübrt werden infolge der Streiks in den Kohlenrevieren und der geringen Transportmöglichkeit.(Streiks statt Reparatur! Red.l Mit den vorhandenen Mengen'ollen möglichst viel? Arbeitskräfte Beichäft'gung nnden. Daneben wird kür die Industrie auch die Robstofferzeugung besonders beachtet. Sinige besonders wichtige Jndustiiekreise müssen daher mit Vorzug behandelt werden. Abg Hoch lSoz.s verlangt kür die Arbeiter der früheren HeereS- Werkstätten eine Bcschaffungsbcihilfe/ wie sie den Arbeitern an- de>er Reichsbctriebe zuteil werde. Ach Reg-Rät Sommerlanb führt aus. daß diese Maßnahme aui Beschlüssen der Reicksregierung beruhe, wonach den Arbeitern in der Verwaltung, nicht aber in den Betriebe» des Reicks Beschaf. fungsbeihilfen zu gewähren seien. Begründet sei diese Maßnahme damit, daß die Bezahlung in den Verwaltungen nicht immer gleich mäßig erfolgt sei. In einer Ergänzung der Anfrage teilt Abg. Hoch(Soz.s mit, daß es sich um Fälle handle, in denen die Bezahlung die gleiche sei. Ter Negierungevertreter antwortet hierauf, daß erwogen werde, durch Lobnerhöhung Ausgleich zu schaffen. Auf den Hinweis des Abg Hildenbrand kSoz.s, haß die ver- fische Regierung einer Reihe von Personen die Rückkehr nach Persien für zehn Jahre untersagt hat. erklärt ein Regierungsvertreter, daß daz auf englische Veranlassung geschehen wäre und daß Abhilfe eingeleitet sei. Abg. D. Mumm(Deutschn.s fragt an, db der Weihnacht sverkehr, der der Festigung der Familienbande diene, vor einer Verkehrs. sperre bewahrt bleibe. Geh. Oberbaurat Löbell-teilt mit. daß die Hoffnung besteht. daß eine Wiederholung her Sperre nickt nötig sein wird. Es ist u ertvarten. daß der Weihaachtsverkehr im gegenwärtigen Umfange aufrechterhalten werden kann. Ein erhöhter Festverkehr ist aber nicht möglich. Abg. D. Mumm(Deutschn.): ES besteht also nur eine Hoff» nung, keine Sicherheit? Geh. Oberbaurat LSVell: Es ist höchst unwahrscheinlich, daß in der Weihnachtszeit eine Sperre eintreten wird. Abg. D. Mumm(Deutschn.) verweist auf Schreckensnachrichten aus den, Baltenlande über Grausamkeiten gegen die deutschen Truppen. Reicksminister deS Auswärtigen Müller erwidert, daß die Re- gierung bemüht gewesen ist, den Rückmarsch der Truppen nach Mög. lichkett zu erleichtern. Litauen hat sich bereit erklärt, für die Sicher. heit der deutschen Transporte Gewähr zu leisten. EL besteht die wohlbegründete Aussicht, daß der Transport unbehindert stattfinden wird. Die weiteren Anfragen werden von der Tagesordnung abgesetzt. da nach der Geschäftsordnung immer nur eine Stunde für Anfragen vorbebalten bleiben soll. Abg. Dr. Blunck(Dem.) macht darauf aufmerksam, daß ein Antrag des Volkswirtschaftlichen Ausschusses vorliegt, der die so» foriige» Aufhebung der GoldzöLe verlangt. Der Antrag sollte noch in dieser Sitzung erledigt werden. Reichsfinanzminisier Erzberger bittet, den Eingang einer Re. gierungsvorlage abzuwarten, wonach der Regierung eine Ermächti- gung zur Aufhebung der Goldzölle erteilt wich. Die Vorlage könnte morgen vercrbschiedet werden. Damit ist das Haus einverstanden. Als Schriftführer wich für den Abg. Fifcher-Berlin(Soz.), der sein Amt niedergelegt hat, Abg. Schmidt-Meißen(Soz.) durch Zuruf gewählt. Die Steuervorlagen. Mg. KeU(Soz.): Auch ein sozialistisches StaatSlvesen könnte nicht ohne eine geregelte Ctaatsfinanzpoliti! auskommen. Wenn man sogleich für Deckung der Kriegskosten gesorgt hätte, so wäre der EroberuugS- rausch, dem breite Massen deS deutschen Volkes verfallen waren, früher verraucht gewesen uns wir hätten wahrscheinlich einen er» träglichen Frieden bekomnien. Der jetzigen deutschen Regierung kann man keinen Vorwurf daraus machen, daß sie Steuern auf- erlegen muß. Der Reichsfinanzminisier mag roch so große Taten verrichien, er wird damit das deutsche Volk nicht glücklich machen. Reichssinanzminister zu sein, ist eine undankbare Aufgabe.� Wenn die Gelventwertung so fortschreitet wie im letzten Jahre, blüht uns nichts Gutes. Dazu kommen die Zahlungen an die Entente. Einer weiteren Ausdehnung des Behördenapparates muß vorgebeugt wer- den. Wir litten während des Krieges an Ueberorganisation und leiden jetzt noch daran. Nur ein kleiner Bruchteil der Bevölkerung wird durch die indirekten Steuern progressiv zum Einkommen erfaßt. Das gilt insbesondere für die hohen Eisenbahnkosten. Was der reisende Geschäftsmann mehr braucht, zahlt der Konsument. Wir lieben die Unterscheidung di- rekte oder indirekte Steuern nicht, denn eine direkte Steuer kann unter Umständen viel ungerechter sein als eine indirekte. Leider lassen sich mit Besitzsieuern allein nicht die Ausgaben deS Reiches decken. Tie Demokraten suchen immer das Kapital zu schützen, damit die Industrie nicht zugrunde gehe. Wir brauchen aber viel nötiger eine gesunde Arbeiterschaft, denn das wertvollste und nn- entbehrlichste Kapital stellt die menschliche Arbeitskrast dar. Die neue Finanzgesetzgebung bedeutet einen gewaltigen der vieweg-prozeß. Bei der Vernehmung des Leutnants de Thierry wird hruptsäch- lich der Plan, Erzberger zu ermorden, erörtert. Angekl. de Thierry sagt aus, daß Vieweg sich chrenwörtlich verpflichtet hätte, die Er- niordung Erzbergers auszuführen. Nun habe man Bieweg im Kasino stets damit genecki. Er habe auch aufgefordert, den Kaiser wieder auf den Thron zu heben. Immer wieder habe B. Hoch- rufe auf die Monarchie ausgebracht. Vteweg habe am Purimfcst ein Judenpogrom veranstalten wollen. Schon am nächsten Tage bezeichnete Bieweg öffentlich die Offiziere in Potsdam als gefähr- liche Monarcknsten. In ihrer Wut haben die drei Offiziere Bieweg in den Rinnstein geworfen. Der Hauprangeklagie Hauptmann Steu- Schritt zur Einheit des Staates. Die Gemeinden machten sich zeitweise Konkurrenz im Befreien von Steuerlasten, um Jndustrieunternehmungen herbeizuziehen. Eine solche ungesunde Entwicklung wird fortan nmöglich sein. Wir stimmen der Reichseinkommensteuer im Prinzip zu. haben aber im einzelnen manchen Vorbehalt. Es ist gerechter, wenn eine Steuer nach der Höhe des Einkommens und nickt nach dem Umfang des Verbrauchs veranlagt ist. Ich halte die Ertragsschätzung der Einkommeysteuer durch den Reichsfinanzminister für zu vorsichtig. Bei 75 Milliarden Einkommen im Reich sollen über acht Milliarden Einkommensteuer bezahlt werden, das sind etwa 11 Prozent. Mau kann nicht von 1W10 Mark Jahreseinkommen Steuern erbeben. In Württemberg wurde füngst in einer mittleren Stadt das Existenz- Minimum auf 1100 Mark festgesetzt. Die Reichsregierung wird jedoch bei Berücksichtigung des ganzen Reiches einen noch höheren Betrag als steuerfreies Minimum festsetzen müssen. Die Schonung kinderreicher Familien erscheint uns durch den Gesetzentwurs nicht genügend durchgeführt. Steuerpolitik und Bevölkerungspolitik müssen verbunden werden, um so mehr, als wir in der nächsten Zeit mehr auf Qualität als auf Quantität des Nachwuchses sehen müssen. Vielleicht wird man die mittleren Einkommen schärfer an- fassen müssen. Die Erbschaftssteuern können noch weiter auSge- baut werden. Die Kapitalertragssteuer sollte progressiv und nicht proportional gestaltet werden. Gegen eine Verschärfung der Kohlensteuer haben wir die stärksten Bedenken.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Zehnter(Z.>: Das Reichsnotopfer wird wesentlich zur Tilgung unserer Schulden beitragen. Wenn sich erst die Erbschasts- steuer geltend macht, wird eine Regnlierung der einzelnen Ver- mögen eintreten. Ich glaube nicht, daß die Entente unZ einfach eine Rechnung vorlegt, die wir bezahlen müssen ohne Rücksicht auf unsere finanzielle Lage. Sre wird doch so verständig sein, sich in Erörterungen darüber einzulassen. Es geht wieder aufwärts t überoll wird der Ruf nach Arbeit laut. Leider werden vielfach alte, eingearbeitete Beamte in den Ruhestand versetzt, weil jüngere Leute hinter ihnen stehen, die ihren Platz einnehmen wollen. Um Beamte zu sparen, wird man Richterkollegien mit weniger Beamten besetzen müssen als bisher. Reichsfinanzminister Erzberger: Die Regierung ist bereit, auf Abänderungsvorschläge einzu- gehen. Wir haben einerseits die Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes eingehend zu prüfen; andererseits dürfen wir nicht ver- gessen, daß die Summe von 24 Milliarden Mark aufgebracht werden muh, und zwar bereits für den laufenden Etat. Abg. Keil hat von der Gefahr gesprochen, daß das Reichsnotopfer von der Entente beschlagnahmt werden könnte. Da diese Vermutung auch sonst in der Oeffentlichkett aufgetaucht ist, hat die Regierung hierzu Stel- lung genommen auf Grund dieser Erklärung, die ich im Ausschuß abgegeben habe und die folgendes besagt: Die Entente ist zur Beschlagnahme der Erträgnisse deS Reichsnot- opfcrs nicht berechtigt, wenn Deutschland seinen Verpflichtungen nachkommt. Der Wiedergutmachungsausschuß ist nicht berechtigt, die Zahlungsmittel zu bestimmen. Die Bestimmung, wonach der gesamte Besitz und alle Einnahmequellen des Deutschen Reiches an erster Stelle für die Bezahlung der Kosten der Wiedergut- machung haften, darf nur so ausgelegt werden, daß Deutschlands Vermögen mit einer Bürgschaft belastet werden soll, von der aber kein Gebrauch gemacht werden soll, falls Deutschland innerhalb der bestimmten Fristt bezahlt. Wie die Zahlung erfolgt, ist Deutsch. lands Sache. Die Beschlagnahme des RetchsnotopferZ durch die Entente wäre ein Eingriff in die Finanzhoheit des Deutschen Reiches, wie er schwerer nicht gedacht werden kann. Nach einer Erklärung der feindlichen Mächte ist aber ein solcher Eingriff nicht geplant. Wenn Deutschland seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt, steht dem Wieder- gutmachungsausschutz eine solche Machtbefugnis, wie die Beschlag. nähme deS ReichsnotopferS, nicht zu. Wir sind nur verpflichtet zu einer Anzahlung von 20 Milliarde« Mark am 1. Mai 1921, Der Wiedergutmachungsausschutz hat nur das Recht, die ZahlungS- fristen festzusetzen. Zu der Frage endlich, daß die Feinde als In- Haber der tatsächlichen Macht unter Beiseiteschiebung von Recht und Gesetz ihre Macht benutzen und zur Beschlagnahme schreiten könnten, hat der Reichsjustizminister ein Gutachten abgegeben, das als Grundlage für die Entschließung des Reichskabinetts gedient hat. Nach diesem Gutachten ist Deutschland nur dann vor gewalt- mähigen Eingriffen in seine Finanzhohejt gesichert, wenn es den ihm auserlegten Bedingungen nachzukommen bestrebt ist. Gerade daS Necchsnotopfer dient dazu, um die Erfüllung der eingegange- nen Verpflichtungen zu erleichtern. DaS Gesetz über die Bepeuerung der Toten Hand im Rahmen eines ErbschaftösteuergesetzeS wird noch im Lause deS Monats veröffentlicht werden. Zu den Ausführungen deS Abg. Zehnter� über die große Zahl von Ministern in Deutschland— zu der natürlich noch über 2000 Parlamentarier kommen— kann ich nur wünschen, daß in allen Teilen des Reiches aus diesen Dar- legunge» die Konsequenzen gezogen werden. Es soll ein eigenes Abwicklungsamt geschaffen werden, das die 2000 AbwicklungSstell n zusammenfassen soll. Der Reichssinanzminister ist zum Leiter dieses Amtes bestimmt worden. Im Laufe des Monats März werden wir in der Lage sein, die ganze Kriegswirtschaft zu liqui- dieren. Daraus werden große Ersparnisse fließen.(Lebb. Beifall.) Abg. Dernburg(Dem.): Es ist zu hoffen, daß die Erklärung der Reichsregierung auch durch die Entente bestätigt wird, sonst kann sie uns wenig«sitzen.— Dadurch, daß man die Einnahmen und Ausgaben in Einklang bringt, wird endlich jene blutende Wunde am deutsche« Wirtschafts körper geschlossen werden, die-durch die Tätigkeit der Notenpresse hervorgerufen ist. Wir zeigen, daß wir den ernsthaften Versuch machen, unseren Verpflichtungen nachzu- kommen. Hoffentlich ändert die Entente auch ihre Gesinnung jetzt gegen uns. Im Innern wird Deutschland zusammenhalten müssen, um sich gegen die Diktatur der Minderheit, wie sie erst jetzt wieder in Leipzig gepredigt worden ist, zu wehren. gehandelt haben. Neubarth gab zu, daß in dein Kasino oft über die Beseitigung Erzberger« gesprochen wurde Leutnant Bieweg ist 22 Jahre alt nick von Beruf Student der Medizin. Er bekundet, daß der bereits als Zeuge vernommene Hauptmann Plefchke ihn, wenn er das Attentat auf Erzberger aus- geführt hätte, im Flugzeuge nach Dänemark befördern wollte. Von dem Angeklagten Hauptmann behauptet Bieweg, daß er alle Sozia- listen als Schweinehunde bezeichnet habe. Die Aussagen des Lern- nanis Bieweg machen einen sehr unsicheren Eindruck und im weiteren Verlaufe der Verhandlung erklärt Bieweg, daß er sich nur so lange als Monarchist bezeichnet habe, bis er die allaemoine Haltung feiner Kameraden ausgeforscht habe. Hinterrücks habe er sich— wie der Vorsitzende feststellen konnte— als Parteisekretär bei der Deutschnationalen BolkSpartei gemeldet. Die Beweisaufnahme ergab ein derart ungünstiges Bild für den Zeugen, daß der Anklageverire ter Kriegsgerichtsrat Kiekel. den Vorschlag machte, den Zeugen nicht zu vereidigen. Das Gericht schloß sich dem An- trage des Anklagevertreters wegen llnglaubwürdigksit des Zeugen Vieweg an. Den drei Angeklagten gelang eS in vielen Fällen, den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Der Anklagevertreter hält ihnen zugute, daß sie in Wahrung berechtigter Interessen gehänselt hätten. Das Gericht verurteilte Hauptmann Neubarth zu drei Tagen Stubenarrest, Leutnant Werbelmann zu einer Geldstrafe von ßß M, und Leutnant de Thierry zu einer solchen von M M. Kleine politische Nachrichten. Müller geht nicht. Ein Berliner Blatt bringt die Meldung vom Rücktritt des Außenministers Hermann Müller und knüpft daran die Behauptung von angeblichen Erwägungen, im Kabinett jetzt energisch den Weg der mündlichen Verhandlungen zu betreten. Diese Meldung ist in allen Einzelheiten falsch. Der Außenminister hat keinerlei Grund, seinen Abschied einzureichen; er befindet sich in völliger Uebereinstimmung mit dem Kabinett. Ein Beschlutz der Reichsregierung. nunmehr den Weg der mündlichen Verhandlungen zu betteten, erübrigt sich. da derselbe nie verlassen worden ist. Das Abstimunmg�ergebnis im Bitterfelder Streik. Die Absiim- mung im Billerfelder Slreik ergab aus iämtl'cken Werken 4614 Stimmen für und 1009 gegen die Wiederaufnahme der Arbeu zu den vereinbarten Bedingungen. Herabsetzung der Kohlenlieferungen an Holland. Wie die.Dena' von bestnillerriaileter Stelle erfährt, sind die KohlenNeierunven nach Holland im Augenbl'ck um 60Proz. herabgesetzt worden. Es rollen zurzeit täglich 4 statt wie bisher 10 Kobtenzüge nach den Nieder- landen. Das gejamte Bettiebsmaterial wird von holländischer Seite gestellt. Die Verschlepvung der Siedlung. Im preußischen SiedlungS- auSschuß hielt am Freitag der Abg. Stendel(D. Bp.) eine drei» viertelstündige Rede und ergriff später auch noch bei jeder möglichen Gelegenheit das Wort. Genosse S ch o l i ch tvarf ihm daher vor, er obstruiere absichtlich das Bodenvcrbesserungsgesetz durch leine langen Reden. In der dreistündigen Beratung des Ausschusses sei nicht einmal ein einziger Paragraph fertig geworden. Dem wurde ent- gegen gehalten, daß der Aeltestenrat sowieso das SiedlungS- und das Bodenverbesierungsgesetz nicht mehr vor den Ferien auf die setzen wolle. Ter Abg. Scholich war dagegen der Meinung, daß der Aeltestenrat dies doch tun werde, wenn nur der Ausschuh mit seiiren Arbeiten rechtzeitig fertig würde. Wenn das Bodenverbesserungsgesetz vor den Ferien im Plenum nicht mehr verabschiedet wird, so sei der Beginn der Siedlungen im nächsten Jahre nicht mehr möglich. Das Siedlungsgesetz allein erlaube zwar die Siedlung, das zur Siedlung nötige Land schaffe aber erst daS Bode n ve rbe s se r u n g s ge se tz. Der Mittellandkanal. Der preußische StaatshaushaltSausschuß genehmigte die Mittel zum Bau eines St'chkanals vom Mittellaiw- kanal nach Hildesheim, der bereits als Notswndsarbeit in Angriff genommen ist. Zugleich wurde der Kanal als ein Teil des Mittel- landkanals erklärt und die Regierung aufgefordert, die gesamte Mittellandkanalvorlage sobald als möglich vorzulegen. Die englische Gerechtigkeit gegen die Unabhängigen war auf dem Leipziger Parteitag besonders gerühmt und m Gegensatz zu den Metfzoden der Crispienschen«Tiere in Menschengestalt", wie cr die deutschen Machthaber nannte, gestellt worden. Herr AgneS, Vorsitzender des Düsseldorfer ArbeiterratS und unabhängiger G.'- lverkschastssekretär daselbst, machte die Probe aufs Exempel. reiste mit seinen Kindern zu seinem sterbenden Bater—— und wurde flugs von den Engländern in Köln eingelocht. Auch eine Berichtigung. Kürzlich brachten wir einen Artikel „Das Pflichtbewußtsein des Großgrundbesitzes", in welchen: an Hand statistischen, in der Reichsgetreidestelle gesammelten Materials schlagend nachgewiesen wurde, daß der Großgrundbesitz seine Ab- lieferungspfliclst am wenigsten von ollen Landwirten innegehalten hat. Die Reichsgetreidestelle fühlt sich nun veranlaßt, uns mit- zuteilen, daß sie selbst mit der Veröffentlichung nichts zu tun hat. Die vorliegende Bearbeitung habe„nicht'hre Billigung gefunden"; ans welchem Grunde, sagt sie nicht, zweifelt also auch die wissenschaftliche Unanfechtbarkeit der Arbeit nicht an. Wenn sie uns nun noch eine Neubearbeitung des Materials in anderem Sinne an- kündigt, so sind wir auf die Frisur der Statistik aufrichtig gespannl. Sie tun mit. Die magyarischen Abgeordneten der rumänischen Kammer haben beschlassen, sich an den parlamentarischen Arbeiten zu beteiligen. Sie haben den Wunsch, freundschaftliche Beziehungen zwischen Rumänen und Ungarn anzubahnen und auf eine Personalunion(„Unzertrennlich und unteilbar"— wie war es doch?) zwischen beiden Staaten hinzuarbeiten. Das bolschewistische Mexiko. Senator Fall brachte im amerika- nischen Senat eine Resolution ein, die den Abbruch der diploma» tischen Beziehungen zu SNexiko vorsieht. Fall bezeichnet die mexi- katiische Gesandtschaft in Washington als das hervorragendste Hauptquartier der bolschswisttschen Propaganda. Was kostet� die Deutsche Spar-Prämienanleihe � 500 Mark bar 500 Mark Kriegsanleihe Was bringt'? die Deutsche Spar-Prämienanleihe � Jedes Jahr 5 0 0 O Gewinne gleich 50 000 000 Mark. Jedes Jahr Ä5 00 0 B o n u s- Gewinne von 1000 Mark bis 4 00 0 Mari. Jedes Jahr 50 Mark Sparzinsen für ein Stück von 1000 Mark. Schluß der Zeichnung 10. Dezember mittags 1 Uhr. Emzahlungstermin l*— 8. Jan. i. Ziehung: März 19�0« Unabhängiger Parteitag. (Schluß aus der Abendauegabe.) Die G ehermsitzungen zogen sich viele Stunden hin. Vor den SihlmgKztulmern waren P o st e n aufgestellt, damit nichts aus den Verbandlungen in die Oefsentlichkeit dringe. Eine. Verständi- gung war nicht zu erziele«, und es traten die beiden Gruppen nach dem gemeinsamen Mittagessen wieder zu'Tonderberatungen zu- sammen, an«die sich neue Besprechungen der Gruppenführer und der- Parteileitung anschlössen. Daß diese Verhandlungen einen tieferen inneren Grund haben, a!» nach außen hin in. die Er- scheinung. trat, zeigt eine Notiz in der„Leipziger Volkszeitang". Unter der sensationellen Ueberschrift: „ftrifi* auf dem Parteitag" schreibt sie:„D'e Vertagung der heutigen BormittagSsitziing des Parteitages zeigt, daß die Verhandlungen in der Krage der Jnter- nationale in eine sroarfe Krise eingetreten sind. Bis Schluß der Redaktion lvar eine Lösung noch incht. zu. erkennen."— Wie et beißt, hatte der gesamte Parteivarstand einmütig mit dem Rücktritt gedratt für den Fall, daß der Anschluß an die Moskauer Internationale beschlossen werdest sollte. Es war in Vorschlag gebracht worden, eine Verständigung aus der Grundlage zu suchen, daß an Stell: „Anschluß an die Moskauer Jnteniationäle" gesagt wird„Zu- sammenschlütz mit usw.". Gegen ö Uhr nachmittags zeigte sich der Vorsitzende Lipiuski am Vorstaickstisch-, er wurde mit Beifall und Trampeln von den. ungeduldig harrenden Delegierten und den zahlreichen Tribünen- besuchern empsanzeiu Als"er aber' abwinkte, ertönten Pfiffe uns Rufe:. Der Kuhhandel geht weiter! LipinSki lief dann wieder eiligst aus dem Saal.— Bdld darauf forderte Dißntann die Anhänger der Resolution Ledebcur und Geber die Anhänger der Resolution Stoccker auf, wieder zu S-onder- beratungen zusaunnenzutreten. Verschiedene Dclegierw ergehen sich darüber in Ausdrücken heftigen Unwillens. Bon der Tribüne wird gerufen: „Ihr Kuhhändler! Ihr Parteibonzcn! Ihr Schieber! Ber- tagt dann lieber den Parteitag und fahrt nach Hanse arbeiten!" Um fz7 Uhr abends erösfwet Braß die Sitzung wieder. Er teilt mit, daß die Resolutionen Ledrbvur und Hilferding zurück- gezogen feien und an deren Stelle folgende Resolution der Parteileitung und Kontrolleommission eingegangen ist: „Der Parieliag erklärt als eine wichtige Aufgabe der U. S. P. die Zusammenschsung des gesamten rcbolutionären Proletariats in eine tatkräftige r et? olut io nstr- soz i al i st n'che Internationale. Die erst« Voraussetzung für eine aktions fähige Internationale ist die rücksichtslose Führung des proletarischen Klaffenkampses unter Ablehnung jeder Politik, die lediglich Reformen innerhalb des kapitalistischen Klassensiaastes erstrebt. Der Parteitag beschließt daher die Absage an dir sogenannte zweite Internationale, womit für die U. S. P. jede Beteiligung an der Getfter Ken- ftrenz ausgeschlossen ist. Die U. S. P. ist mit der dritten Zitier- nationale darin einverstanden, duttb die Diktatur des Proletariats auf Grund des Rätesyftems den Sozialismus zu vmvirilKÖen. Es muß eine aktionsfähig: proletarische Internationale geschaf- fen werden durch einen Zusammenschluß unserer Partei mit der dritten Internationale und den sozialrevolutionärcn Parteien der anderen L>inder. Deshalb beauftragt der Parteitag das Zentralkomitee auf Grund des beschlossenen Aktionsprogramms der Partei, mit allen diesen Par- teien sofort in Berchandlnngen zu treten, um diesen Zusammen- schluß aktion lichen--------....,.-,... des.internationalen Kapitalismus, damit sie so eine enftchewend Waffe für die Weltrevolution wird." (So lautet der uns drahtlich überniittelte Text. Wir Würden ihn verdeutschen, wollen aber den Bericht nicht fälschen. Redst Der Vorsitzende teilt weiter mit. daß di» Resolution Stoectcr bestehen bleibt. In der Besprechung i verde abwechselnd ein Vertreter beider Richtungen zu Worte kommen.(Wie man erfährt, hat die Link? sich iit der geschlchsenen Sidung gesoalten und die eine Hälfte hat sich für die'Vorstandsresolution ausgesprochen.) Crispien begründet die Borstandsresolufton. Er erklärt, dag die Partei einig sei/daß man gnit Moskau zusammenkommen müsie. Nur der Weg war Gegenstand der Meinungsvertchiedenhetien. Tie II. S. P. b«rbe jederzeit gegenüber dent Bürgertum sich solidarisch erklärt mit Kommunisten und Spartakisten. Wenn die russischen So- hätte ich es nie abgelehnt, da ich es als einen Akt der Solidarität betrachtet hätte.(Dieser Tritt gegen den toten Haase und den lebenden Oskar Eohn entfesselt stürmischen Betfall.) Der be- dittgungslose Anschluß an Moskau würde in der Partei zu Ausein- audcrsetzuugen führen und die geschlossene Aktionskraft hemmen. Wir brauchen diese Kraft«der im Kantpf gegen die Reabtion, die Wir verhindern müssen, gegen Rußland vorzugehen. Wir werden damft auch unsere Genossen in Frankreich, England und Italien in den Stand setzen, gegen ihre Regierungen mobil zu machen.(Stürmischer Beifall.) Tie weitere Verhandlung zog sich bis in die späten Abend- stunden hin._____ HeiverWWelvegmlg Der Lebenskampf Deutjlh-Gefierreichs. In der Dotinerstagsitziittg de» deutich-vsterreichiichen Gewerl- schaflskongresieS erstattete Staatssekretär Dr. Ellenbogen Be- richt über den Ausbau der Produktion..Hierzu wurde eine Entfchliehltng cttgeitcirtren, in der es u. a. heißt: Der Ge- ivaltsrieden hat ein lebensunfähiges, national, wirtschaftlich und geo- graphisch in gleicher Weise unmögliches Staatswesen geschaffen. Täglich wird es der Arbeiterschaft klarer, daß ihre Forderung nach Anschluß an die deutsche Republik die einzige Möglichkeit zur Sicherttttg unserer wirtschaftlichen und poli- tischen Zukunft darstellt. Tie Entschließung fordert diesen Anschluß und ruft die Proletarierutaffen und die Gewerkschaften der Entente auf, ihr Möglichstes einzusetzen zur R e v i s i o n d e S Friedens. Vertrages.— In einer weiteren Entschließung wird die Re, gieruttg aufgefordert, für eine Hilfsaktion zugunsten Deutfch-Lesterrciats bei den Eittetiletnächlcir vorstellig zu werden und die Arbeiterschaft aller Länder uur Unterstützung diese» Hilferufs gebeten. Ter GewerlschaslSkongreß begrüßt die HilsSbe- reitschafl des Deutschen Reiche?, die als Zeichen erhebender völkischer Solidarität von Reuen, die ungeheuren Nachteile nationaler Geschiedenheit in schmekzliche Erinnerung bringe. Tie Lohnbewegung der Ariseurgehilfcn. Tie Lohnfrage im Friseurgcwerbe, die durch die Preiserhöhung altuell geworden war, wurde durch einen Vergleich vor dem SchlichtitngSansschttß unier Vorsitz des Herrn MagistratsratS Dr. Wölbling dahingehend erledigt, daß ab 5. Dezember 191« ein Lohnzuschlag von IE P r o z. a tt s die Mindest- löhne eintritt. Tie bisherigen, den Mindsstlohn übersteigende» Löhnbeträge sind außerdem sortzuzahlen. Eine Reihe weiterer Forderungen wurde zurückgezogen, während in der tt r l a u b S s r a g c ein Schiedsspruch erfolgte, daß allen Gehilfen und Gehilfinnen nach einjähriger BeschäftiauitgSdaiter MittdestetiS drei Tage Urlaub zu geben ist. Erfolgt 6 Wochen vor- ber die Enllastuttg de» Beschäftigten, so ist ihm Ber Lohn für die ttrloubözeit mit auszuzahlen. Im übrigen kann der Urlaub durch Geldetttschädigung nicht abgelöst werden. Berbindlichkeit eines Tarifvertrages. Der zwischen dem Verband der Baugeschäsle von Groß- Berlin E. L. und dem Z e n'r r a l v e r b a n d der Zimmerer Deutschlands, Zahlstelle Berlin und Umgegeyd, am 81. Mai 1919 abgeschlossene Tarifvertrag und der am lö. Huni 1919 vereinbar)? Nachtrag zur Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Zimmerer sind für alle zu Groß-Berlin gehörigen OrtSbezirke für allgemein verbindlich erklärt. Die allgemeine Verbindlichkeit be- ginnt mit dem 81. Oktober 1919. Eine recht gut besuchte Versammlung der Schuhmacher, die auf dein Boden der S. P. D. stehen, fand am Mittwoch statt. Genosse Wu schick legte in fünfvicrlelstiindigen AuSsührungen die Stellung der Sozialdemokratie zn den verschiedenen Gegenwartsfragen dar und erntete dafür lebhaften Beifall. In der Diskussion sprachen sich alle Redner im zustimmenden Sinne aus, und wurde besonders ber Erwartung Ausdruck verlieben, daß auch die Schuhmacher jetzt mit aller Energie den Kampf gegen den TerroriLinttS, wie er auch hier von de» Linksradikalen ausgeübt ivird, aufnehmen lverdeu. Deutscher Metallardeitcrvervand. Monta-t, den 8. Dezember Ikstfl: Bezirks verjammlungeu für die gewm'e Verwaltungsstelle Berlin in folgenden ttokalcn: BcznkS:„Reichenber-terHos-, Zieübenberger Str. 147, abends 6 Uhr: l'czirt 7: Zlanbes Fcslsälc, Fichteftr. LS, abends 6 Nbr; Be- zirk 8:.'HewersichgltSbauS-, Engeivszx lö �Restaurant), abends 6 Ubr: Be- zirk S»: Bliefittgs.restsäle. Wassertorstr. KS, abends»Uhr: Bezirk S:„Armin- ballen", Koinmandautenstr. öd, abends 6 Uhr: Bczirt 19: Echiilaula, Alte Lakobstr. 127, abends s Uhr( Norden: PharuSfälc, Müllcrftr. 14L, abends 6 Uhr: Schulaula, Temminer Str. 27, abends 6 Uhr; Büttner, Schwedter Str. 28, abends 6 Ubr: �chulaula: Grütithalcr Str. S, abends 6 Uhr: Moabit: Kronenbrancrei, A!t.& H. Blockwrrk. Heute, �onuabend, siüh voit 11 Ubr an Aus- zahlung der Sirciluntcrstützung bei Müller, Siemensstadt(Sireillokal). Ssziales. Tie Stellenvermittlung. Ter Ausschuß der Preußischen LandeSver- sammlung für Handel und Gewerbe bcschäsiigle sich n-it der Frage der privaten Stellenvermittlung. Ein Antrag G r ä f- Frankfurt(soz.) ans Verbot der p r i v a.t e n Stellen- Vermittlung wurde mit Ii Stimmen der bürgerlichen Parteien gegen die zehn der sozialdemokratischen Frakliotten zu Fall gebracht. Auch über einen Antrag W o l d i(Soz.) auf Einrichtung von Arbeits- ä intern und Schaffung eines einheitlichen ArbeitsnachweiSwesenS auf beruflicher und paritätischer Grundlage waren die Meinungen geteilt. Er wurde schließlich zurückgezogen, nachdem ein Regierung»- Vertreter erklärt-hatte, daß im ReichsarbeitSministcriuiti d:e Not- Verordnung vom 12. Sevtember d. Js. über die Einrichtung von Arbeitsnachweisen mit größler Geschleunigung zu einem Reichs- gesetzentwurs verarbeitet werde. Gerichtszeitung. Ein unabhängiger Kronzeuge. Der wegen seiner„ B e z i e h u n g e n" z u r w e st r u s s i s chcn Regierung rnhtnltchst bekannt gewordene Kronzeuge der U n a b h ä u g i g e n in ihrem Kamps gegen den deutschen„Militarismus" Mo schell hatte sich am Freitag wegen B e t r u g s in drei Fällen vor dem Schöffengericht zu verantworten. Moschell hotte als„B e o o l l m ä ch t i g t e r N o S k e s" aus« gedehnte Llutoinobilfahrten in Begleitung von Damen unter- nommen. Er verursachte dein Statu einen Schäden von 4009 Mark. Einem Mädchen, das er betrunken machte, in diesem Zustand in ein Hotel schleppte und dort mißbrauchte, soll er die Kleinigkeit von öi)90 M. geraubt haben. Dieser Fall ist aber noch nicht genügend aufgeklärt und wird Gegenständ einer späteren Verhandlung sein, desgleichen seine bekannten„Be- ziehungen" zur westruisischen Regierung. Der gcrichtSarztliche Sachverständige bezeichnete den Angeklagten als einen geistig minderwertigen Menschen, der an Größe niv ahn- sinn leidet. Für seine Handlungen ist er jedoch nach dem Gutachten verantwortliche Unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilte da» Gericht Moschell„zu 7 Mona ten G c sä u g tt«». Die armen llnabhängigen! Sie haben auch gar lein Glück mit ihren--- Kronzeugen 1 Jugenöveranstaltungen. Eharlottendtutg. Sonntaz 3 Uhr Märchcnnachmittag im Lugend» heim, RosUtenftv. 4.__ BSetternnssschtcn für das mittlere Rorddeutschland bis Montag. Ziemlich mild, zeitweise aufklarend, jedoch überwiegend trübe mit ö'tcr wiederholten im Norden vielfach starken, im Süden größtenteils getingcn Rcgettsällett. Bctaittw. für den redoktion. Teil: Artve zickler, Eharloiteubura: kür Anzeigen: Tb. slocke, Berlin. Verlan: Borwärtz-Verlaa®. m. b. ch.. Pcelin. Druck: Vor. wärts-Auchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Eo. Berlin,' LirWenstr. S. Hierzu 2 Gcilagen. I M V f/WV W MvSNt AM»« 144 d3vanv« S« Oranlenslr. 25, IMC ö fc> e 1 Bieseoläger in 4 Etagen! Moderne Speitezlmmcr Schlafs immer Herrenzimmer Wohnzimmer Küchen Lletnrune frei Haus Auf Wunecb Tvilialilung! Möbel- Kaus A. DAMITT Mal'j&M-Bi.KhiSi.Ill Musikinstrumente aller An liefert za Festgeschenkea J. Altrichter, Miullicln*trumeiitefi(abrlk Frankfurt; a* O. Zweiggeseäft: ÄÄ.fe Bcrtranensoolle Aueckunst. PrcuS, Lrunnonftr. 76.» Ehlsofoeck-Ka�lahak au, reinein Uebcrfcc-Iobat*ttt prima Feicdensbeize her. gegellt, ksuvhtahak rem Uebers??. 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