Nr.SS4.36.Iahrg. Bezugspreis: « ittteljäfjrL 10,50 Ml. monatL 8�0 Ml. !r«l in» Sau«, voraus zahlbar. Polb- bemz � Monatlich ZLO Mi>«rkl. Zu- siellungsqeblihr. Unicr Kreuzband Mr Deutichland und Oesterreich- Ungarn «,75 Mi. für da» übrige Aueland 10.75 MU. bei täglich einmal. Zustellung 8,75 Ml. Pollbestellungen nrdinen an DSnemarl. Solland, Luremdurg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Poll-Zeitungs-Preislift«. Der„Borwäri»- mit der Sonntag«- deilage»Polt u. Zeit' erichein! wochen- täglich zweimal. Sonntag« einmal. Telegramm-Adresse? �Sozialdemokrat verNn". Abend-Ansgabe. Verlinev Volksblcltt IS Pfennig) Anzeigenpreis z Di« achtgewolien» Nonoareillezeile kollet ILO M„TeuerungszuichIag 60% „Kleine Anzeigen", das lett- gedruckte Wort 75 Psg.(zulässig zwei iettgedruckt» Wvnes, sede» weitere Wort SO Big. Stellengeiuche und Schlafsiellenanzeigen das erste Wort Sä Psg. ,ede« weitere Bort<0 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%. Familien- Anzeigen, volitüche lind gewerkschaftliche Berein»■ Anzeigen 1,60 Ml. die Zeile. Anzeigen tiir die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Sauptgeichäsl, Berlin EW 68, Lindenstrasie 3, abgegeben werden. SeLffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemohratirchen Partei Deutfcblands Nrüsktion unö Cxpeüition: SW. 68, Linöenstr. Z. ilernivrerlier: Amt iOIomnla«, Nr. I I 1H»— 151 97. Sonnabend, den 6. Dezember 1919. Vonvärts-Verlag S.m.b. H.» EW. 68, Linöenstr. Z. ZhernivreÄer: Amt Moritipla«, Nr. I l 7'»li— 1. Rumänische Militärrevolution. Zurück ins alte Joch! ES liegt System darin. ErU vorsichtig und fast zaghaft, nun schon dreist und immer dreister versucht die Reaktion ihren Karren auS dem Sumpf zu schieben. Jetzt sieht sie sich schon nach Hilfskräften um, und als Vorspann soll wieder die Beamtenschaft„in altbewährter Pflichtreue- her- halten. Die Ereignisse der letzten Wochen haben gezeigt.„wie'S gemacht wird-. Sehende und Blinde am selben Strange— und das Ziel auch für die Zuschauer hübsch in Schlagivortnebel und Phrafendunsr gehüllt, Es ist noch immer die alte Methode— wird sie noch einmal verfangen? Sollte die Beaintenschaft wirklich, kaum der Peitsche ent- rönnen, mit wohligem Behagen zurückkriechen wollen in das alte, mit den Fetzen eines nationalen Gedankens drapierte Joch? Niemals— wenn die sozialdemokratischen Beamten auf dem Posten sind, wenn sie rechtzeitig den Drahtziehern der Reaktion die nationalistische Maske vom Gesicht reißen. wenn sie wieder, wie einst im November 1918, mannhaft und offen für unsere gemeinsame Sache eintreten. War es damals etwa leichter als heute? Gewiß, da kam uns der frische Ingrimm über daS jahr- zehntclang getragene Joch zu Hilfe. Alles, was sich während der langen Kriegszahre an Zündstoff in den Amtsstuben und Bureau? angesammelt, alles, was an revolutionären Ge- danken unter der Decke des alten Beamtenapparatcs— bei manchem auch noch unter der Schwelle des Bewußtseins— geschwelt hatte, das loderte nun plötzlich in hellen Flammen empor. Aber auch damals war doch die Reaktion gerade unter der Beomtenschast ani schnellsten aus ihrer Schreckens- starre erwacht, auch damals schickte sie doch sehr bald ihre amtlichen Feuerlöscher, um die aufschlagenden Flammen auszugießen mit Kübeln, die man aus der Gosse des politischen Kampfes füllte. War es damals etwa leichter, für unsere Sache zu kämpfen, wo die„Konjunktur- zum treibenden Moment der Bewegung gestempelt werden sollte? lind es ist uns doch gelungen, Kampfgenossen zu werben, es ist uns doch gelungen. Schritt für Schritt weiter an Boden zu gewinnen, als auf den ersten leuchtenden Trompetenstoff' dann die Tage. Wochen, Monate des zähen, ncrvenzermürbenden Kleinkampfes gegen die schnell, allzu schnell wiedererwachte Reaktion begannen. Heute stehen wir uns mit offenem Visier gegenüber. Der Vorwurf der Konjunktur, des Renegatentum? hat seine Zug- kraft verloren. Im täglichen Kleinkampf gegen das alte. noch immer anmaßende Nur-Vorgesetztentum, gegen eine noch immer ihrer Macht bewußte reaktionäre Bureau- kratre hat jeder sozialdemokratische Beamte die praktische Probe auf die Echtheit seiner Uoberzeugung ab- legen dürfen und müssen. Und nicht immer konnte er sich in den Zeiten der Koalitionsregierung unbedingt und zuversicht- lich aus den Schutz von„oben- verlassen. Das Draht- verhau, das die Reaktion mit ihrem altgewohnten Apparat der Instanzen sehr bald zwischen Beamten- fchaft und Ministerium eingeschoben hatte, war nicht selten auch für die scharfe Klinge eines parteigenössischen Kollegen undurchdringlich. Und neben die Sorge um die Erhaltung und AuSgc- staltung der revolurionären Errungenschast cineS demokratischen Beamteurechts trat die wirtschaftliche Not. Der Be- amte ist noch unmittelbarer als jeder andere Beruf mit der wirtschaftlichen Lage des Staates oder der Gemeinde auf Ge- deih und Verderb verbunden. Einst im ajten Klassenstaat fütterten ihn die Rechtsparteien mit der Verncherung ihres „Wohlwollens- und mit Titeln und Sternchen am Kragen. Cr wurde davon nickt satt. Während de? vierjährigen Massen- mordens sah er zähneknirschend, wie die Milliarden in die Taschen dxr Kriegsgewinnler wanderten, während man ihn mit Versprechungen abzuspeisen versuchte, von denen er ebensowenig satt werden konnte. Damals war Geld da in Hülle und Fülle für den Moloch Militarismus. eS fehlte dem Beamten an der Macht, sich seinen Anteil daran zu er- zwingen— jetzt bat er die Macht, jetzt fehlt es auch„oben- nicht an dem Willen, ihm zu helfen, und nun hat er seine - Arbeitskrast einem durch Krieg und Niederlage ausgepowerten, fast bankerotten Staat verschrieben und steht hungernder, elender da. als jemals zuvor. Und hämisch spottend stehen die alten„Freunde- des Beamtentums neben ihm und höhnen:„Da hast Du Deine sozialdemokratische Negierung, sie hilft Dir nicht, sie will Dir nicht helfen!- Wir wissen's wohl, daß sie. die so höhnen, die wirk- lichen Schuldigen daran sind. Wir wissen'S wohl, daß Straßenkampf in Klausenburg. TaS Ungarische Korrrspondenzbureau berichtet auS Klau- senbur daß in dem von Rumänen besetzten Teil Sirben- bürgenö eine revolutionäre Stimmung herrsche. Am 39. November sei Klausenburg der Schauplatz blutiger Ereignisse gewesen. Das revolutionäre Mili- tär, von dem ein großer Teil sich aus siebenbürgischen Ru- mänen rekrutiert, hatte aus dem Pulvcrturm und der Zitadelle große Mengen von Munition geraubt und griff dann das Armeeoberkommando an. Tie reichsrumänischen Sol- daten gaben eine Salve ab und es kam zu einem heftigen S t r a ß e n k a m p f, der ans beiden Seiten mehrere Opfer forderte. Noch in derselben Nacht habe sich in Klausenburg ein Revolutionärer Soldatenrat gebildet, dessen Lei- ter Oberleutnant V i r g i n S a l v e n sei. In Klausenburg allein wurden 1299 siebenbürgische Rumänen wegen rrvolutio- närer Umtriebe verhaftet. Auch in Teva herrsche eine starke bolschewistische Stimmung. Ter Ausbruch der allgemei- neu Revolution sei eine Frage von Stunden. Der Sowjettongreß. Wie der Amsterdamer„Telegraaf- meldet, bringt ein draht» leseS Telegramm aus Mvskau eine offizielle Mitteilung über den demnächst in Moskau stattfindenden Sowjetkongreß. Darin heißt eS: „Der siebente Sowjetkongreß tritt in einem Augenblicke zu» sammen, in dem das rote Heer auf allen Fronten Erfolge davon trägt, und infolge der Vernichtung aller unserer Feinde der B ü r» gerkrieg seinem Ende entgegengeht. Die Entente denkt an W a f f e n st i l l st a n d mit Sowjetrußland. Wir werden Frieden schließen, aber unter der Bedingung, daß die Entente sich nicht in unsere Angelegenheiten einmischt. Wir sind bereit, Zugeständnisse zu machen, werden aber keinen Frieden un- terzeichnen, durch den wir untergraben werden. Die Regie- runK der Bauern und Arbeiter ist und wird stets die einzige Gewalt in dem arbeitenden Rußland sein.' -�Unabhängiger Parteitag. In der Freitag-Abendsitzung wurlde die Debatte über hie Siel- lung zur Internationale zu Ende geführt. ES traten u. a. Daum ig(Berlin) für die Entschließung Stöcker, Dr. Kurt R o s e n fe l d(Berlin) für den Borschlag der Parteileitung ein. Schließlich wurde die Entschließung de? Parteivorstandes und der Kontrollkommission auf Zusammenschluß der revolutionären Parteien zu einer tatkräftigen Internationale, die sich der Moskauer dritten Internationale und ihrem Bekenntnis zum Rätrsystem und zur Diktatur deS Proletariats anschließrn müsse, mit 227 gegen 51 Stimme» angenommen. Die Resolution Stöcker, die den bedingungslosen An- schluß an Moskau verlangt, war vorher mit 170:111 Stimmen ab» gelehnt worden. Die Borstandswahl wurde auf Sonnabend früh vertagt. Die Sonnabendsitzung beginnt mit neuen Zusammen- stößen wegen der Referate in der Gewerkschaftsfrage. Infolge de? Beschlusses, Richard Müller das Korreferat zu übertragen, verzichtet D i ß m a n n- Frankfurt auf das ihm am Sonntag laut Parteitagsbeschluß übertragene Referat. i h r Krieg dies Elend über uns, über unser Land und Volk gebracht hat. Aber werden solche Gründe Eingang finden in die hungrigen Magen der Lauen und politisch Gleichgültigen, in die Köpfe derer, die in jahrzehntelanger Arbeit in der Tretmühle der Beamtenmaschinerie stumpf geworden sind und deren politischer Horizont nicht über ihre wirtschaftlichen Interessen hinauSreicht? Empfinden wir es nicht selber, wie schwer eS ist, hier Politik und wirtschaftliche Interessen zu trennen? Wenn die nackte Not am Tische siyt, ist schlecht über solche Unterscheidung zu diskutieren. Und der Beamten- schaft muß geholfen werden, schnell geholfen werden trotz aller wirtschaftlichen Notlage des Staates selber— därüber sind sich alle einig, die einen wirklichen Einblick in die tat- sächlichen Verhältnisse haben. Es gibt ja eigentlich kaum ein unpolitisches Wesen al» den Beamten von anno dazumal. Wirklich politische» Denken, die Beschäftigung mit den tiejer liegenden Gründen wirtschaftlicher Not, die geistige Dnrchdnngung wirtschaftlicher Zusammenhänge war ihm ja gewissermaßen von Amts- wegen verboten. Auch wer nach der Revolution zur Sozialdemokratie kam, der tat es in der Regel auS einem unmittelbaren Gefühl oder inneren Erleben heraus oder auf Grund eineS kurzen gedanklichen Entschlusses. Erst nach und nach begann die wissenschaftliche Vertiefung, begann ein wirk- lich politisches Denken ganz allmählich Platz zu greifen. Wir verraten kein Geheimnis, wenn wir zugeben, daß auch weite Kreise der sozialistischen Beamtenschaft heute noch an der Peripherie sozialistischen und politischen Denkens stehen. Wie- viel mehr alle die, die noch nicht einmal die Kraft des Ent- schlusses aufgebracht haben, sich zur Partei des Proletariats zu bekennen, zu der sie doch innerlich und äußerlich ge- hören I Noch erfordert eS nur wenige Worte, um in der Be- amtenschaft daS Bild des alten Elends im alten Obrig- keitsstaate wieder wachzurufen. Noch weiß jeder, daß er die Befreiung von den Fesseln jahrzehntelanger Unmündig- keit allein der Soziaide niokratie verdankt. Die Rechte, die den Beamten erst zum freien Staatsbürger gemacht haben, das Recht der freien politischen Ueberzeugung, der freien Rede und des freien ZusaminenichlusseS— zuerst ein freiwillig gegebenes Geschenk der sozialdemokratischen Volksbeauftragten— sind nun in der Verfassung unverbrüch- lich festgelegt und bleiben erhalten, solange die Republik bleibt. Jeder Beamte weiß aber— oder sollte es doch wissen—, daß ihm im Augenblick des Sieges der Reaktion wieder der alte Maulkorb umgehängt, die alten Hand- schellen angelegt würden. Darum ist der Kampf gegen die Reaktion für den Be- amten zugleich ein Kamps um seine ureigensten Menschen- und Staatsbürger rechte. Darum gehört die Beamtenschaft in die vorderste Reihe der Kämpfer gegen die Reaktion, die sie in dreister Verdrehung der Tat- fachen als ihre eigenen Sturmtruppcn mißbrauchen möchte. Der Feind steht rechts! Müssen wir die Beamten- schaft daran noch mahnen? Die Front nach links hat in der Beamtenbewegung von jeher eine untergeordnete Bedeutung gehabt. Denn mochte auch das politische Denken des Be- amten noch so ungeschult, mochte auch sein Blick noch so eng sein— die nächstliegenden Erfahrungen bewiesen es ihm ja tagtäglich aufs neue, daß die„Vorwärtslrciber- der Revo- lution nur die Schrittmacher der Reaktion waren, daß die Reaktion nur auf der Lauer lag, um den Rückschlag des revolutionären Pendels für ihre eigensüchtigen Zwecke aus- zunützen. D e r F e i n d steht rechts. Um ihn zu erkennen. dazu braucht's nichts weiter, als ihm die Maske des Nationalismus herunterzureißen, als zu zeigen, daß sich dahinter noch immer das Interesse des Kapitals, das Interesse der früher herrschenden Klasse geschickt verbirgt. Schon spielt man immer offener, immer dreister mit dein Gedanken eines Nevanchekrieges. Gegen ihn unser Volk und unsere Beamtenschaft vorweg auf den Plan zu rufen, ist das Gebot der Stunde. Schon einmal gab sich die Beamtenschaft zu dem willfährigen Instrument der Kriegshetzer und Kriegsverlängerer her, weil sie sich blenden ließ von der nationalistischen Phrase und Lüge, mit der d: s kapitalistische Geschäft verbrämt wurde. Ein Zusammenbruch ohnegleichen hat sie sehend gemacht, läßt sie auch jetzt die frcchstirnigen Lügen über die Schuld und Schuldigen an diesem Zusammenbruch durchschauen. Die deutsche Beamtenschaft ist es satt, sich noch einmal als Vorspann vor den Karren dev Kapitalismus und Militarismus mißbrauchen zu lassen. Sie wird jedem Versuch. sie ins alte Joch zurückzuzwingcn, ein vieltausendstimmtgcS „Nie wieder!" entgegensetzen. Rich. Lohmann. Vorarlberg wM von öannen. Nach einer Meldung der Korrespondenz Herzog richtete die Wiener Stoatskanzlei andenLandtagvonVorarl- b e rg folgendes Telegramm: Die Staatsregierung wird Vorarlberg keinen gesetzlichen Weg verschließen: wenn der L a n d t a g einen Antrag auf ZulassungvonVcr- Handlungen Vorarlbergs mit der Schweiz über den Anschluß au dieselbe dem V ö l k e r b u n d e im Wege der Wiener Regierun.g unterbreitet, wird diese den Antrag nach Paris weiterleiten, behält sich jedoch gleich- zeitig die Abgabe einer Erklärung zur Wahrung der Interessen Oesterreichs vor. Der vom Vizekanzler Fink dort am Dienstag gemachte Vorschlag wird daher von der StaatSregierung akzeptiert, jeden anderen wider den Frie- dcnsvertrag oder d e bestehenden Gesetze gerichteten Aktionen müßte die Regierung selbstverständlich mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln entgegentreten. Si« empfiehlt den Weg des Rechtes und des Gesetzes. Kessel noch jch Der Prozeß Marloh. vierter Berhaudlungstag. Am heutigen Sonnabendmorgen werden die Zeugender- nehmungen fortgesetzt. Zuerst wird Oberleutnant v. Hoffman» vernommen. Vors.: Sie haben auf Befehl des Hauptmanns v. Kessel am 1. oder 2. Juni Oberleutnant Marloh zur Flucht verholf.'n? Zeuge: Jch habe von Hauptmann v. Kessel weder Befebl noch Auftrag ge- babi, Oberleutnani Marlph zur Flucht zu verhelfen. Vor s.: Haben Sie Oberleutnant Dlarloh beeinflußt? Zeuge: Darüber verweigere ich meine Aussage. R.-A. Kikatb: Hat der Zeuge den Oberleutnant Marloh 5000 M. überbracht und von wem hat er das Geld erhallen? Zeuge: Auch darüber verweigere ich meine Aussage. R.-A. K i- ra th: Es liegt hier wohl kaum das Recht zur �ZeugniSvirweige- rung vor. Zeuge: Soweit ich mich erinner«, war es Hauptmann v. Kessel am 1. Juni nicht betannt, daß ein Haftbefehl gegen Marloh vorlag. R.-A. Grünspach: Ist es dem Zeugen bekannt, daß Hauplinann v. Kessel am 1. Juni eine telephonische Mitteilung hatte, daß � ein Haftbefehl gegen Marloh vorlag? Zeuge: Darauf kann ich mich nicht bessnnen. Angeklagter Marloh: Am 25. Mai fuhr ich im Dienstauto mit Hauptmann v. Kessel zu meinem Verteidiger Rechtsanwalt Kikdch Während der Fahrt sagte.Hauptmann v. Kessel zu mir: Also Marloh, lassen Sir sich schleunigst eine Prothese machen, Tie bekommen bann 50 000 M. von mir und müssen verschwinden. Ich antwortete: Jch denke gar nicht daran. Hauptmann v. Kessel wollte bann gern der Unterredung mit meinem Verteidiger bot- wohnen, wie er auch bei meinen Vernehmungen stets gern zugegen sein wollte. Damals fiel von feiten Kessels, rnfolge meiner Ablehnung zu fliehen, die Aeußerung: In Zukunft sind wir also Feinde. Das war Ausgang Mai. Am l. Juni erschien Leutnant Honmann bei mir und sagte, ich solle verhaftet werden. Jch ging darauf- hin zu Hauptmann v. Kessel. Kessel war außerordentlich, erregt und sagte zu mir: WaS machen Sie hier noch, scheren Sie sich Iveg. Am 1. Juni abends war ich fest entschlossen, mich in Schutz hast zw begeben. Jch blieb die Nacht bei meinem Onkel, dem Pfarrer N u m p. Am 2. Juni kam Kessel zu meinem Onkel, Pfarrer Rump, und verstand eS, ihn gründlich einzuwifteln. Leutnant Hofs- mann brachte mir am 5. Juni 5000 M. und eine Fohrkarte 1. Klasse nach Frankfurt a M. Dieses Geld und die Auslagen für die Fahrt müssen von Hauptmann v. Kessel gestammt haben. Jch entschloß mich erst dann zur Flucht, als Pfarrer Rump mir sagte, es läge im vaterländischen Interesse, wenn ich im Augenblick fortginge. R.-A. Grünspach: Hat Oberleutnant Marloh«irren fal- schen Auslandspaß gehabt? Marloh: Hauptmann v. Kessel bat mir das Ehrenwort gegeben, daß für mich in weit- gohendster Weife gesorgt werde und daß ich auch einen Ans- landspaß erhalten würde. Den Paß habe ick nicht«rhatten. R.-A. K i ka t h: Ist dem Zeugen bekannt, daß Marloh geweint hat, als er bei der Flucht ins Auto stieg? Zeuge: Jch habe davon wohl gehört, gesehen habe ich es nicht. Es wird dann der 64jährige Generalleutnant Fritz v. Ocrycn vernommen: Vors.: Exzellenz waren wohl bei der, Unterredung zwischen Sessel und Rump zugegen, in der v. Kessel sich darüber äußerte, daß er den B e fe hl fürbie Erschießung gegeben habe, und in der er auch behaup- bete, daß er den Be fehl Reinhards abgemilde rt Hobe? Zeuge: Kcsiel bestand darauf, daß es unbedingt notwendig sei. daß Marloh verschwinde, eß läge nicht im Interesse der Li, Heren Dienststellen, wenn er hier bliebe. Jch fragte: In wessen Auftrage sind Sie hier und in wessen Auftrage veicharideln Sie. Ich muß das wissen, sonst bat die Unterredung fir mich keinen Wert. Dar- auf«rwidern« Kessel: Er habe Persönlichkeiten und Finanzloute Vinter sich, die nicht genannt fein wollten. . Er sagte weiter: Es handölt sich um eine höhere diplomutische Persönlichkeit, die an ihn herangetreten sei. J«b setzte dann die Gründe ausein- ander, die gegen die Flucht Marlohs sprächen. Kessel erklärte dann bei der Unterrediliig noch, daß Mavloh sich bei der Ausführung des ihm erteilten Auftrages hervorragend benommen und nur anf Befehl gehandelt habe. Ich sagte zu Kessel: ich könne mir wohl denken, daß es Personen gäbe, denen eine Verhandlung nicht genehm sei. Darauf erwiderte Kessel: Es läge im Interesse des Korps L ü t t w i tz.?! o S k e S. Reinhards und.-stn feine m Interesse, daß nichtverhandelt werde. Es ist nicht richtig, daß eine Erpressung, verübt Warden ist.. Jch habe die Forderung von 500 000 M. gestellt, in der festen Meinung, daß Kessel diese Forde- rung entrüstet zurückweisen würde. Das ist aber nicht geschehen, sondern er legte sich aufs Handeln. Kessel hat bei der Unter- redüng einen vvllkommen ungünstige« Eindruck auf mich gemacht. Er versteckte stch dauernd hinter seinen Vorge- setzten und stellte sich nicht vor seine Untergebenen, sondern hinter dieselben. Wir baben keinen Zweifel daran gelassen, daß wir kern Interesse an der Flucht von Oberleutnant Marloh hätten. Aber wenn Marloh fliehen sollte, dann müsse für den Krüppel gesorgt werden. DeKalb stellten wir die Forderung von 500 000 M. Die Erwägung, Marloh ins Baltikum zu schaffen, geschah meiner Ansicht nach nur in der Absicht, ihn zu beseitigen. Nach dem Be« fehl NoStes jtwr es ein Unding, einen Offizier inS Baltikum zu schicken. Kessels Erwiderung, daß Marloh nach Spin inS besetzte Gebiet geschafst w-rdcn solle, geschah meiner Ansicht nach auch in der Absicht, ibn zu bewitigen. Vors.: Die Forderung von 500 000 Mark kam also a'.'S Ihrem Munde? Zeuge: Jawohl. Vors.: Um zu erreichen, daß �Kessel durch die Höbe der Forderung äbge- schreckt würde? Dieser wies sie aber nicht zurück, soydern legte sich aufs Handeln? Zeuge: Kessel sagte, eS wäre eine ganz un- c> sanol icke Forderung. Er glaube aber, 300 000 M, beschaffen zu sängen. Vors.: Finden Sie die'Sache nichi etwas merktvürdig? Zeuge: Kessel sagte mir, er hätte Finauzmänuer hinter stch; vielleicht könne er auch noch mehr beschaffen.— Vors.: Haben Sie sich nicht gedacht, daß Kessel nicht nur seine eigen« Haut retten wollte? Daß das mit den Borgesetzten aus deutsch gesagt Schwindel war?— Zeug«: Sicher, dos war meine Ueberzeugunq.— Vors.: So weit sind wir ja auch nock nickt im deutschen Vaterlande, daß sich Dienststellen zu solchen haarsträubenden R echrsbrikhen hergeben!— Zeuge: Ich dachte zuerst, daß ich in Herrn v. Kessel einen Offizier nach altpreutzischer Art vor mir hatte. Bei der Unterredung habe ich aber ganzanderSgedacht. Jch habe zum Schluß Herrn v. Kessel kein Wort mehr geglaubt.— Vors.: Herr v. Kessel. Sie haben gehört, was der Zeuge gesagt hat. Bitte, äußern Sie sich dazu.—». Sessel: Jch habe gestern von chnem Ultimatum acfprochen. Das bezieht sich jedoch nicht auf diesen Tag. DaS Wort Ultimatum fiel, als Pfarrer Rump etwa vier Wochen nack Marlohs Flücht b:: mir war. Ek war ungefähr im Juli. Er stellte die- s-lbsn Forderungen, wenn auch nicht in derselben Höhe. Jch habe mir dann seine Forderungen gleich notiert. Jch bitte den Zeugen v O e r tz e n zu fragen, ob er sich dessen noch erinnert.— Vors.: 'cst es richtig, daß solche Forderungen auch im Juli gestellt wurden? vOe rtz en: Jawohl.- Vors: ES handelte sich nicht darum, mm belastet. Marloh ins Ausland zu schaffen, sondern Isdiglich um sein- Z u- k u n f t S v e r s o rg u ng?— Kessel: Jawohl, lediglich. Ich habe zugegeben, daß mich Marloh im Mai wiederholt aufgefordert habe zu fliehen. Jch möchte bitten, Exzellenz v. Ocrtzen zu fragen, ob ich eS nicht energisch zurückgewiesen habe, daß ich ein Interesse an Marlobs Woggehen habe. Daß ich ihn aus persönlichen Gründen zur Flucht überredet habe. Seine Flucht war notwendig im allgemeinen Interesse. Vors.: Exzellenz, wollen Sie stch dazu äußern, ab Herr v. Kessel keinen Zweifel darüber gelassen hat, daß er sich keiner falschen Bc- sehlsübermittlung schuldig gemacht habe.— v. Ocrtzen: Ich kann mich nur entsinnen, daß Kessel sagte, er babe keine falschen Befehle gegÄen. Er habe sogar ReinhardsBefehle noch abgeschwächt, und fügt- hinzu, es wäre notwendig gewesen, da mit Reinhards Befehl nichts anzufangen war. Oberst Reinhard sei sehr aufgeregt gewesen, darum habe er dessen Befehle erheblich abgeschwächt. Vors.: Fanden Sie als alier Soldat eS nicht merkwürdig, daß ein Mann, wie Oberst Reinhard, keine klaren Befehle geben sollte? — Zeuge: Allerdings. Und ich habe die feste Ueberzeugung, daß Herr v. Kessel den Befehl nicht abgeschwächt, sondern erheblich per- stärkt hat. Und zwar aus dem Grunde, weil Kessel zeigen wollte, was er mit seiner Staffel leistete. Auch ick habe das Gefühl, daß Reinhard steis einen klaren Befehl gegeben hätte.— Vors.: Kamen Ihnen deshalb nicht Bedenken, daß es sich da nicht um einen Be- fehl, sondern um allgemeine Nicht! irrien gehandelt babe?— Zeuge: Nein. Jch glaubte an einen Befehl Reinhards.— v. Kessel: Jch habe von einem Befehl gesprochen, ich habe ausgesagt, welche Anweisungen ich von Oberst Reinhard erhalten habe, und ich bin in den Wortlaut meines Befehls vom ersten bis zum letzten Tage nie abgewichen. Reinhard sagte: „Tie ganze Gesellschaft gehört an die Wand." Mir persönlich wurde von Pfarrer Rump und Exzellenz v. Ocrtzen vorgeworfen: S i e sind das Karnickel, Sie haben den Befehl gegeben. Jch habe mich dann verteidigt, daß ich zwar den Befehl gegeben habe, daß ich aber durck die Anweisungen Rein- h a r d s gedeckt sei. Reinhard hat mir die Anweisungen gegeben und ich habe sie in Befehlsform gekleidet. Zeuge v. O e r tz e n: Ich erinnere mich nicht. Zeuge v. Kessel: Jch habe, als Leutnant Wehmeyer zu mir kam und mir mitteilte, daß Marloh gefaßt sei, vor Zeugen zu Wehmeher ge- sagt: Jch bleibe jetzt aus der Sache raub, ich will damit nichts mehr zu tun hoben. Einige Wochen später kam Webmever aber- malS zu mir und erklärte, Marloh wolle wieder weg. Jch habe un» mittelbar darauf zu einigen Herren darüber gesprochen. R.-A. Grünspach: Herr v. Kessel war über das Ultimatum, so sagte er uns gestern, so empört, daß er gleich zu KriegSgerichtSrat M e l> e r gegangen sei und diesen darauf aufmerksam gemacht habe, daß Marloh fliehen wolle. Jch bitte den Zeugen zu fragen, wie er jetzt dazn kommt, auszusagen, daß das M»rt>ultim,tum viel früher gefalle« ist? Zeuge v. Kessel: Jch muß jetzt zwei Sachen auseinander halten. Das Ultimatum liegt länger zurück. Ich bezeichnete es als glatte Erpressung. Dies hier sei eine Drohung, verbunden mit der Forderung von Geld. Es stimmt, daß ich zum Kriegs- gerichtsrat Meyer gegangen bin. R.-A. Grünspach: Um die Flucht Marlohs zu verhindern? Zeuge: Jawohl. R.-A. Grün- spach: KriegSgerichtSrat Meyer verlangte dann von Marloh die ehrenwörtlichc Erklärung, daß er sich der Verhandlung entziehen werde, v. Kessel: Jawohl. R.-A. Grünspach: Erinnern Sie sich, zu Leutnant Wehmeyer gesagt zu haben, � s»lch ein Ehrenwvrt sei ja recht hehnbar. v. Kessel: Das ist etwas anderes. Rump sagte, Marloh müsse sein Ehrenwort geben, sonst lasse KriegSgerichtSrat Meyer ihn nicht mebr zu Marloh. Darauf hat Marlob schriftlich sein Ebren- wort gegeben. Pfarrer Rump fuhr darauf im Auto zu Rechts- anwalt Grünspach, damit das Ehrenwort redigiert werde; es sollte nickt so klar sein. Pfarrer Rump springt hier entrüstet auf und will nach vorn eilen. Vors.: Jch appelliere an Ihre Bildung, meine Herren. Bitte, denken Sie daran, daß Die vor einem preußischen Gericht stehen, sonst kann ich auch einmal ander? verfahren. v. Kessel: Jch kann nicht genau sagen, ob die Form so war. Aber Rump sagte zu mir, er bedaure. daß Marloh sein zweites Ehrenwort gegeben habe, weil er nicht wußte, wie es aussah. Runrp rief mich eines Tages an und sagte mir sebr aufgeregt: Denken Sie, Kessel. Marloh hat sein Ehrenwort gegeben. Er schimpft« dabei auf Marloh. R.-?l. Grünspach: Das ist keine Antwort auf meine Frage. Der Zeuge erzählt uns allerhand Geschickten. Haben Sie gebeten, daß Ihnen ein unterschvistliches Ehrenivort vorgelegt werden würde? Vors.: Haben Sie dieleS Ersuchen gestellt? Zeuge v. Kessel: An wen denn? Vors.: An irgend welchen. Zeuge v. Kessel: Jawohl, wenn ick nicht irre, an Kriegsgerichts- rat Meyer. Kriegsgerichtsrat Meyer: Ter Zeuge hat eS mir gezeigt. R.-A. Grünspach: Aus welchem Grunde est das ge- schehen? v. Ke s s e l: Ich bin in meiner Fürsorge für Marloh zu weit gegangen. Vors.: Es bandelte sich also um die Frage deS Ultimatums, um die Prüfung, ob Oberleutnant Marloh ei« bestimmtes Vermöge« gesichert werden sollte. Pfarrer Rump: Die Erklärung des Hauptmanns v. Kessel, daß hier eine Erpressung vorlag, ist erstunken und er- logen. Hauptmann v. Kessel wußte ganz genau, daß ich viel zu viel wußte. Alle Angebote sind lediglich von Kessel und nickt von mir ausgegangen. Ich habe Kessel zu der Unterredung am 8. November in Gegenwart von Exzellenz v. Oertzen und Leutnant Wehmeher noch einmal bestellt, um das vorher besprochene festzulegen. Kessel hat zu«einer größte» Verwunderung alles haarklein zugegeben. Sessel hat auch damals eine abermalige Flucht verlangt. Exzellenz v. Oertzen sagte bei jener Unterredung zu Kessel: Sie werden«ich nicht davon überzeugen tönneu, daß die Regie- rung und das Vaterland in ihrer fttzt bestehende» jämmerlichen Form höher zu stellen seien, als ein so außerordentlich tüchtiger Offizier wir Oberleutnant Marloh! Vors.: Also Sie geben zu, daß damals über die Forderunyen gesprochen worden ist, und daß für Oberleutnant Marloh im Aus- lande gesorgt lvcrden müßte? Piarrcr Rump: Jawohl. Bors.: Die Forderung der balben Million für Marlob ist also nickt von Ihnen, sondern von General v. O e r ß e n gestellt worden? Pfarrer Rump: Jawohl aber lediglich, um die Unterredung mit Haupt- mann v. Kessel, die sich schon viel zn lange ausgedehnt hatte, end- lich einmal abzubrechen. Vors.: Hat der Hauptmann v. Kessel deiy wiederholten Verlangen des Generals v. Oertzen. die hinter Kessel stehenden Finanzleute und Dienststellen nicht näher zu nen- nen. nickt entsprochen? Pfarrer Rump: Er hat un? in den Glauben gela"en. es bandle sick inn N o s? e und©Bert, denn diese Namen fielen andauernd im Ge'präck. Bors.: Wie kamen Sie dann aber zu der Ueberzeugung, daß die Regierung Eberl und NoSke hinter v. Kessel standen? Sie haben sich die Namen aus der Verhandlung rekonstruiert? Pfarrer R u m p: Kessel mußte doch einen Austrag haben, diese Namen in die Verhandlung zu werfen. Er hätte sie dock sonst nicht andauernd gebrauchen können. Vors.: Aber H-rr Zeug«, ist Ihnen denn niemals der Gedanke gekommen, daß Hauptmann b. Kcssel das ganze Theater bei Ihnen nur ausgeführt hat. um sick selbst zu schützen? Pfarrer Rump: Natürlich, ich hatte schäb längst den Verdacht. Darf ich mich nun zu der Frage de? ShrenwvrteS augsprechen? Vors.: Nein. Di« Angelegenheit scheiist mir auch s« geklärt. Zeuge Wehmeyer: Hauptmann v. Kessel böbauptet, � ich sei an ihn herangetreten, um die Flucht Marlohs möglich zn machen D a s i st n i ch t w a h r. Jch hafte schon. damals den Dienst guittiert und wollte»ach Göttiagen, um dort zu studieren. Am 26. September holt« ich mir meine Papiere von Kessel ab. Da holte mich Kessel in sein Dienstzimmer hinein und sagte mir. es wäre doch besser, wenn die ganze Angelegenheit nicht vor einem Kriegsgericht, sondern vor der Staatsanwaltschaft verhandelt würde. R.-A. Grünspach: Was hat denn Herr v. Oertzen über die Be- fehlserteilung gesagt? Zeuge Webmeyer: Exzellenz Oertzsn betonte, daß Marloh auf Befehl gehandelt habe. Darauf bat Herr v. Kessel wörtlich erwidert: TaS will ich auch nicht bestreiten. R.-A.: Grünspack: Waren Sic zugegen, als Hauptmann v. Kessel sagte, er habe strikten Befebl von Oberst Reinhard. Er habe seine Befehle aus den strikten Befebl des Obersten Reinhard erteilt, er habe nur den Reinhardschen JSefcM abgeschwächt. Zeuge Wehmeher: Jawohl. Und Kessel ha: das unzählige Male mir gegenüber bebauptet. Kessel hat jedesmal betont, er habe Oberst Reinhards Befehle abgeschwächt. (Schluß in der Morgenausgabe.) »* « Verschwörung gegen öie Justiz. Im Prozeß Marloh wird jetzt das Interesse an der Straftat, die den Gegenstand der Anklage bildet, trotz ihres grausigen Charakters fast in den Hintergrund gedrängt durch eine Reihe anderer zutage tretender Verbrechen. Es kann nämlich gar kein Zweifel sein, daß all das, was die Zeugen zur„Rettung" Marlohs oder zur„Deckung" der Vorgesetzten getan haben, sich als eine Reihe außerordentlich s ch w e- rer Verstöße gegen das Strafgesetzbuch �guali- ftziert. Das Strafrecht verbietet und stellt unter bohe Strafe jede Begünstigung eines Angeklagten, um ihn der Strafe zu entziehen, jede Anstiftung oder Verleitung zu falschen eidlichen Zeugenaussagen, jede Vernichtung oder Beiseite- schaffung von Urkunden usw. usw. Die Zeugen aber legen sich teils gegenseitig zur Last, teils gestehen sie offen zu, an solchen .Handlungen mitgewirkt zu haben. Allein die Verl)and- lung vom Freitag hat mi n d e st e n s ein Dutzend schwe- rer Straftaten, wie Begünstigung, Urkundenfälschung, Urkunden» �rnichtung. V e r le it u zum Meineid usw., an oen Tag gebracht. WaS die Sache außerordentlich erschwert, ist der Umstand, daß eine Anzahl militärischer Stellen sich zur Be- gehung solcher Straftaten verabredet haben, scheinbar ohne das geringste dabei zu finden. Die Regierung darf sich nicht verhehlen, daß dieser Umstand geeignet ist, a u ß e r- ordentliche Beunruhigung über die Rechtssicherheit in die Bevölkerung zu tragen. Dies um so mehr, als aller Anschein besteht, daß dieser Lügenavparat nicht der ein- z i g e seiner Art ist und war. An den Tag gekommen ist er nur einmal infolge einer gewissen Uneinigkeit unter den Be- tetligten und dann, weil unter den Zeugen Pfarrer Rumv war, der von der Heiligkeit des Eides dock» noch einen höheren und strengeren Begriff hatte, als gewisse Offiziere. Wenn im Prozeß gegen die Mörder Liebknechts und RosaLuxemburgs ein Rump als Zeuge dabei gewesen wäre, so wären wahrscheinlich ganz ähnliche Zustände an den Tag getreten. Wir haben schon damals der Ueberzeugung im„Vorwärts" Ausdruck gegeben, daß die Anklage a n e i n e Lügenmauer abgeprallt ist, die nicht zu durchbrechen war.!/S Man muß dem Schicksal dankbar sein, daß im Falle Marloh das Netz einer Verschwörung gegast die Justiz ziemlich restlos ausgedeckt werden konnte. Die Re- gierung sollte schon jetzt erklären, daß all diesen Tingen rest- los nachgegangen wird, und daß dieses Komplott �gegcn die Gerechtigkeit seine volle strafrechtliche Sühne finden wird. Kleine politische Nachrichten. TaS Bersiirbkfter-Heimsiöttens«srtz. Die Vorarbeiten zum Beryarbeiter-Heimstättengesetz fiich vollendet und das Gesetz wird demnächst der Ratio na lversammlung zur Beratung vor- gelegt werden. Schnelle Bereitstellung der zu seiner Durchführung erforderlichen Mittel seitens der Rei chs re gie ru n g ist drin- geud geboten._ Theater. TtaatS-Opern. Drei Erstaufführungen in der StaatSover. deren mittlere eine musikalische Perle war: W o l f- F e r r a r i s Jnter- me.zzo„S u s a n n e s Geheimnis". Die Handlung ein dünner Lustspieleinsall: Die Leidenschast der jungen Gräfin, die sie dem Gasten verbirgt, und die einem Eifersüchtigen die Ruhe der Flister- wachen kostet— diese Leidenschaft gilt nicht einem Manne, sondern einzig der im Hause verpönten— Zigarette. Ilm den Duft und den Rauch dieses zierlichen Dinges ist eine zart schwebende., sich in melodischen Einfällen kräuselnde allerliebste Rokokomusik gebreitet. Mozartorchester, Mozartstimmung, der reine Dreiklang, die alte gute Tonleiter, die reine Harmonie leitet und streichelt un?, unv der spielerische Schwung dieser reizenden Ouvertüre verläßt uns nicht mebr, selbst nicht in den etwas zu lang gedehnten EyniSmen des Werkchens, dem Blech mit blutsverwandter Geste zu einstimmt- gem Erfolg verhilft. Borher„K 1 e i n. I d a S Blumen" des Dänen Paul von K l« n e n. Der Traum eines Kindes, das Erwachen und-.cerz'.ch- ten unschuldigen LiebeSwillenS eingefangen in die Launen und Be- reitwMgkeiten eines klangsicher gehandhabten Orchefters. Zarte, Wie auS KindeSseele gesponnene musikalische Gedanken, priminve, hart konturterte Motive, versonnene Nachklänge zu traumhasten Stimmungen. Ein einziges liebevolles Versenken in die llnwirl- lichieit. Die Gefahr der Banalität ist restlos gebannt. Hier dirigiert S t i e d r v schmiegsam. „Silhouetten" ivon Urack dirigiert) sind das dritte: Tänze auf Musik von Schubert, Ruber, Nubinstein, entworfen uns einstudiert von dem guten Eharaktertäuzer K r ö I l e r. Zuerst er- scheinen die Akteure auf einem Leinwandausschnitt wie schwarz ausgeschnittene Silhouetten, die sich unter irgendeinem Vorwand aus dem Schattenrahmen lösen und dann vor einem Vorhang cm Licht tanzen. Geschickte, wirksame, choreographisch landläniiac, musikalisch indifferente Szenen, die vornehmlich gefielen, wenn Kinder Grazie und angeborene Abhtbmik verrieten. Besonderes Lob verdienen neben Kröller Egon Moltow. Gertrud Berghofs im bacchantischen Tanz, und alle Damen in Rubinsteins„Toreador et Andalouse".. Für die malerische Ausstattung war Ludwig Kainer ge- Wonnen worden: ein guter Anfang auch auf diesem Gebie-e., Ein ganz antimoderner Abend, in seiner grazilen �ustifsteit und der Bnntheft seiner Figuren dennoch um ein halbes«tiindcheu zu lang. Man streiche die Silhouetten und der Abend wird wenj. ger Schatten und noch mehr Lichterglanz haben. K. S. Da» nrngegründete Streich O-uartett de? Tentcchen Opern- banses. da« auS den Herren W-qbalter. Jakn Mablke und Krau» bestebv gibt sein erstes Konzert unter Mitwirkuno von Frau Rachavalva Ealvatini am«t Dezember im Feftfaal des eharlostenburger Rathaust». GroMerlm Spielzeug zu Weihnachten. Wir wollen, daß ein Völkerbund an die Stelle der Gesetzlosig- keit Mischen den Staaten tritt. Wir kämpfen gegen den Krieg/ gegen den Militarismus in Theorie und Praxis. Und dann gehen wir hin und kaufen unseren Kindern Soldaten, Uniformen, Waffen, Kriegsspiele und Bücher, die den Krieg verherrlichen, Wir feiern Weihnachten, das Fest der Liebe und Menschenver- brüderung. Und zu diesem Fest schenken wir unseren Kindern Bilder und Bücher, die Mord. Brand und Gewalttat, die das Üotcn von Menschen als Heldentaten feiern. Wir wollen unsere Kinder zur Friedens- und Menschenliebe, zur Lust am Schaffen und Aufbauen erziehen. Das können wir aber nicht, wenn wir ihnen Spiel« in dre Hand gehen, die in ihnen die Freude an Krieg, Haß und sinnlosem Zerstören wecken. Schon bei den Kleinen und Kleinsten muß die Erziehung ein- setzen. Darum, ihr Eltern, die ihr eure Kinder zu sozialdenkenden Menschen heranbilden wollt, sargt schon bei der Auswahl des Spiel. zeugs, daß alles Schlechte und Hätzliche von euren Kindern fern- gehalten wird. Nur das Beste für unsere Jugend I Tie Groh-Berliner Sparkaffen im Oktober. Die Abnahme der Einzahlungen und die Steigerung der Rück- zablungcn hat bei den Groß-Berliner Sparkassen, deren Zahl ficki durch den Hinzutritt der Tegeler Gemeindesparkaffe auf 16 erhöht hat, im Monat Okiober nach den soeben veröffentlichten Zahlen des Statistischen ReichSamtS angehalten und sich gegenüber den Vormonalen noch weiter zuungunsten der Einzahlungen eniwickelt. Die Einzahlungen sind gegenüber den letzten Monaten nicht unerheblich zurückgegangen. Sie betrugen im August ISIS noch 148,13 Millionen, im September 141,74. im Oktober nur noch 133,05 Millionen. Auf der anderen Seite find die Rückzahlungen gestiegen und zwar von 82,8 Millionen im August und 108,34 im September auf 123,63 Millionen rm Oktober. Der Ueberschutz der Einzahlungen über die Rückzahlungen sank dem« gemäß von 65,26 Millionen im August und 82,8>m September aus nur 14.42 Millionen im Oktober. Im Oktober 1918 belies sich dieser Ueberschutz auf 18,61 Millionen bei weit geringeren Ge- samibelrägen der Ein« und Rückzahlungen. War«S in den Sommer- monaisn 1919 erst eine Gemeinde, in der die Rückzahlongen die Einzahlungen überstiegen, so sind eS im Oktober bereits drei: Neukölln, Reinickendorf und Tegel, also ausgesprochene Arbeiter- gemeinden, in denen von den Sparkaffen mehr Gelder abgehoben als eingezahlt wurden. Von dem Einzahldngsüberfchutz von 14,42 Millionen entfallen auf Berlin 5,21, die Teltower Kreisiparkaffe 2,50, auf Wilmersdorf 1,75, auf Sieglitz 1,36, auf Chärlotienburg 1,35 und auf Dchöneberg 1,05 Millionen. Unter einer Million EinzahllingSüberschutz weisen auf: die Riedcrbarnimer Kreisspar« lasse, Lichtenberg, Pankow, Wcitzeiisee, Cöpenick, Lichterselde und Spandau. Das Mehr an Rückzahlungen gegenüber den Ein- zahlungcn betrug in Neukölln 0,48, in Reinickendorf 0,07 und in Tegel 0,02 Millionen. Ein neuer Erlast zum Religionsunterricht. Die Bestimmung des letzten Erlasses vom 22. August 1919: „Die Befreiung vom Religionsunterricht" findet zu Beginn des Schulhalbjcchres für da» Schulhalbjahr statt, ist viel- fach dahin mißverstanden worden, als solle das Gesuch um Be- freiung vom Religionsunterricht halbjährlich wiederholt und halb- jährlich neu darüber entschieden werden. „Das entspricht— wie Minister Harnisch jetzt in dem neuen Runderlah betont— selbstverständlich weder dem Sinn noch der Absicht deS Erlasses. Gemeint ist vielmehr folgendes: Die Schüler und Schülerinnen dürfen naiütlust nicht das Recht haben, stach Be- lieben einmal von der ReligionSstunde fortzubleiben, zu der näch- sten Stunde wieder zu erscheinen, sondern wer sich eingigl-.ent- schlössen hat, von der DiSpensaiionsbesugniS keinen Gebrauch zu machen und also am Religionsunterricht teilzunehmen, der soll so lange daran teilzunehmen verpflichtet sein, bis die Befreiung auf Grund eines Gesuchs ordnung-mähig ausgesprochen ist. Tie BefreiungZgesuche sollen tunlichst nur zu Beginn eines Halbjahres eingereicht werden, damit nicht irgendein Vorkommnis. während des Religionsunterrichts, z. B. ein Tadel oder eine dem Schüler unbequeme häusliche Aufgabe, zur Einreichung des Be- kreiungSgefuchs Veranlassung gibt. Wer aber einmal befreit ist, bleibt selbstverständlich dauernd befreit. Natürlich soll auch die gedachte Ordnungsvorschrift nicht hin- dern, daß ein aus Gewissensbedenken gestellter Antrag auf Be- freiung auch im Laufe des Halbjahres Berücksichtigung findet. Gleichzeitig bemerke ich ausdrücklich, daß es nicht zulässig ist. den vom Religionsunterricht befreiten Kindern Ersatzunter- richt in anderen UmterrichtZfächern zu geben." Heute ll'/t Uhr Polizeistunde. Nach der Verfügung deS Polizeipräsidenten über die Herab« fetzung der Polizeissunde ist die Polizeistunde für Sonnabend ' jeder Woche auf 11'/, Uhr festgesetzt, für die übrigen Tage bleibt dex 11-Uhr-Schlutz bestehen. Gute billig« Bücher zu Weihnachten. Die Wanderausstellung des Grotz-Berl'ner Ausschusses zur Bekämpfung der«chundlit«- ratur wechselt in der kommenden Woche nach folgendem Plan: vom 7.-14. Dezeistber einschließlich wird in einem Raum: des Ver- bandeS der weiblichen Handels- und Bureauangestellten, Köpemcker Straße 74, ausgestellt und verkauft(Oeffnungszeit: Sonntag» 11—1 Uhr, Werktag 4— 8 Uhr); außerdem vom 8.— 11. in der Ge- mcindeichule Aijgustffr. 67/68 und vom 12.— 15. Temminer Str. 2V (Oeffnungszeit: SonrffagS den 2— 4, werktags 5— 8 Uhr). An allen Stellen ist für sachgemäße Beratung beim Einkauf Sorge ge- tragen. Ein Opfer. rücksichtslosen Kahrens. Große Entrüstung rief Seffern nachmittag in der P«rleberger Straße das Verhalten eines Kraftwageniuhrers hervor. Der Wagen fuhr in schneller Gang- . ort in gleicher Höhe und Richtung mit einem Straßenbahnwagen. So kam eS, daß an der Ecke der Ratbenower Straße der 8 Jahre alte Schüler Christian aus der Stefanstr. 46, der vor dem straßen- bahnwagcn vorüber die andere Seite gewinnen wollte, unter ein Vorderrad des Kraftwagens geriet. Statt nun zu versuchen, mit aller Kraft zu stoppen, um zu verhindern, daß der Unglückliche auch noch vom Hinterrad überfahren wurde, verstärkte der Kraft- waacnführcr noch die Gangart inrd jagte davon. So ging denn auch das Hinterrad dem Knaben über den Leib und der Kleine blieb bewußtlos auf dem Pflaster liegen. Er gab noch Lebens- zeichen von sich und wurde nach dem Krankenhause gebracht, doch besteht wenig Hoffnung, ihn am Leben zu erbaltcn. Von den Augenzeugen, die in großer Entrüstung da» Unglück besprachen, haben sich ohne Zweifels mehrere die Nummer de» Kraftwagens gemerkt. Sie werden ersucht, sich bei dem Vater des verunglückten Knabe» zu melden. 100 sslberbeschl-genr Pferdegeschirre aus dem Marstoll find, von Einbrechern aus dem Eise:röahnfuhrpark in der Lehrter Straße ge- stohlon worden. Es sind teils neue, teils schon gebrauchte. Die Einbrecher nahmen außerdem noch Pferdedecken und Koppelzeug mit. Tie Eisenbahndirektion Berlin, die auf die W:oderbcschaffung der Geschirre großen Wert legt, hat dafür eine Belohnung von 200 M. ausgesetzt. T:r«vtow.L«ernwar»e. Sonntag 3 Uhr:.Aus Großftadtmauern in den Schwarzwald'. 5 Uhr:.Bilder aus dem Harz, Thüringen und dem Riesengebirge«. 7 Uhr:.An den Ujern deS Rh-inS'. Dienstag 7 Mr: .BeUmssdhoaung und Himmelstunde'(Dir. Dr. Archenhold). Sonnabend 5 Nbr:»Im Sande der Schwarzen". Beobachtungen mit dem großen Fernrohr täglich bei llarem Wetter vor 2—10 Uhr. Führungen durch das astronomische Museum von 2—8 Uhr. In der Urania hält der ISlandsoricher Karl Küchler am Donnerstaa. Freitag und Sonnabend einen Boitiag»Unter der Mittcrnachtssanne durch die Vulkan- und Gletschcrwelt Islands". 2lm Sonntag und Montag, Emma Kottmann:»Im Schwarzwald". Mittwoch, Pros. Eocrke:„Jeru- salent". Dienstag:„Winter in der Schweiz". Der Botanische Garten in Dahlem ist am Sonntag von 11 bis t Uhr sür den allgemeinen Besuch geöffnet.— Kinder unter 10 Jahren haben keinen Zulrilt. Im Zoologischen Garten kostet der Eintritt an diesem ersten De- zcmber-Sonntag nur 50 Pf. während deS ganzen TageS, ebenso sür doS bis 7 Uhr geöffnete Aquarium; Kinder unter zehn Jabren zahlen die Hälfte. Von 4 Uhr nachm. ab bis 10 Uhr abends großes Mlitär- Konzert. Vorzugskurse für Heimkehrer für die Woche vom 8. bis 14. Dezember: Amerika I England I Franlreuv I Belgien Roten> Scheck Noten! Scheck Noten I Scheck Noten i Scheck 40 1 35| 170 1 155 1 435 j 390| 455\ 420 Grost-Berliner Lebensmittel. Treptow. 150 Gramm Teigwaren(103), 250 Gramm Maismehl(109), 250 Gramm Auslandsmarmelade(105), 250 Gramm Zerealmebl(24). Britz. 250 Gramm Maisflocken(103), 250 Gramm Kochmehl(G- 19), für Kriegsbeschädigte 1 Psd. Buchweizengrütze(12), für werdende Mütter '/, Psd. Reis(15), sür Kinder V, Pfd. Kindergerstenmehl<16). 1 Psd. ausländ. Haferflocken(8), I Psd. Karloffelwalzmebl(9). je Haushalt, 1 bi« 3 Personen, 500 Gramm Feldzwieback. 4 und mehr 1000(10). Freibändig: Rotkohl, marinierte Sardinen. Satzheringe und Aepset von 20 Ps. an, Sorte I 1,20 M., Sorte II 1,10 M. ab Lagerplatz. Friedrichsfelbe. Dienstag: Gelbe Kohlrüben. M. 7 pro Ztr., täglich 8—12 Uhr, 250 Gramm Maismehl/, Udr, Bei Krüger, Eiigelu'er 13. 24. Abteilung. Funtiionärversainmlnng: Sonnabend abend 7 Uhr bei Rösner, Jmmanuelkirchstr. 25. Parieisunktionäre und BctriebsvcrtrauenS- leule werden ersurt, bestimmt zu erscheinen. Pankow. Funktionärtonsercnz: Montag, 7 Uhr, bei Engel, Mühlenstr. 45. Theater üer Woche. Vom 7. Dezember bis 14. Dezember. Volksbühne: 7., 9. Paul Lange und Thon: Parsberg. Z., 12. Luther. 10., IL Predigt in Litauen.— Opernhon«: 7, s. Lo�engrin. s. Klein-Idas Blumen. Susannes Geheimnis. 10. Sinfonie-Konzett. IL Mona Lisa. 12. Violetta. 13. Kleln-Idas Blumen. Susannes Geheimnis. 14. Tannhciufer.— Schauspiel hau»: 7. Maria Stuart. 8. Eoriolan. 9. Die Iournalisirn. 10. Maria Stuart. IL Minna von Barnhelm, l?., 13., 14. Wilhelm Teil.—»rohe» Schouspielha»«. Allabendlich: Oresti».— Dentsche» Theater: 7.. It.. 13. Und Pippa tanzt. 8., 10, 12, 14. Jaaiobs Traum.—«ammersptrle: 7, 10, 12.-14. Di-«iichse der Pandvra. 8. Die deutschen Kleinstädter. 9, 11, 13, 14. Advent.— Lessing- theatcr: 8, 10, 12.— 14..Momalion. 9, Peer. Gynt., 11. Pfarrer von girchfeld.— Theater L d. KSnigariihrr Strohe: 7.-I0, Schloß Wettetttein. IL Ein TrauMspleL— Deutsche, Opernhaus: 7. Die Fledermaus. 8. Magdalena, g. Der PostiUon von Lonjuweau. 10. Der fligeunerdaron. N. Soff nanns Erziihlunaen 12. Magdalena. 13. Rigoleli», 14. Hoffmanns Erzählungen. Schillcrtheater: 7. 10. Der Meineidbauer. 8. Flvchsmonn als Stzicher. 9. und ll. Die Per. fchwörnng des Fiesco zu Genua. 12. Der Bund der Jugend. 12. Der Andere. 14. Ali-Heidelberg. Zlaohmlklagooorstellnngen. BolksbShue: 7. und 14. Der Schwarzklinsiler.—»rohe«»chausvielhau»: 7. u. 14. Oreltie.— Kammrrspiele: 7. u. 14. Frllhlings-Erwachen.— Lesfingtheater: 14. Der rote Hahn— Theuter i. d.«öuiggrätzer Strah«: 7. n 14. Erdgeist— Deutsche» Oprrnhaa»:>4. 11 Uhr: 5. Sinfonie-Aonzert 7. u IL Da» goldene Kreuz.— Schillertheater: 7. u. I«. Me es euch gefällt 13. Die Verschworung de» Fiesco zu Genua.— Die TriSiiu«: 7. Die Wandlung. IL Me Irre».— Dentsche««ünstlertheater: 14. Dies irae.—«onusdienha»»: 7. Die Ehre. 14. Lieselotte von der Pfalz.—»erlfner Theater: 7. n 14. Sterne, die wieder leuchten.— Kleines Theater: 7. u. 14. Iettchen Gebert.— Trianon-Theater: 7.». 14. Der Lebensjchuler.— Residenz. Theater: 7. Der gute Ruf.— Edrn-Theater: 7. Die Prinzessin vom Ril.— är'.edrich-Wilhelmfiädt. Theater: 7. u.>4. Jugend. 10. n 13. Peter und Paul reisen ins Schlaraffenland.- Kamisch« Oper: 14. Schwarzwaldmädet— Luft- sptelhau»: 7. u. 14. Da» Stiftungsfest.— Reue» Operetten hau«: 7. u. IL Die keusche Susanne. 13. Figaros Hochzeit.— Thalietheater 7. Polnische Wirtschaft IL Jungfer Sonnenschein— Theater ai» Rolleudorfplah: 7. Die Puppe. 9. u. 12. Fwei Wappen 10. u. 13. Schneewittchen 14. Drei alte Schachteln.— Theater de»«estea»: 7. n 14. Die lustige Witwe. 10. n 14. Max und Morlh. —»allnertheater: 7. u. IL Die Geisha—«»lhallathrater: 7, 12. u. 14 Da» Gesetz. 19. Aschenbrädel.— Rosethiat«»: 7. u. 14. Aschenbrödel.— Eafiuotheater: L u. IL Da» saubere Kleeblatt— Lnisentheater: 7. Mutterlegen 13. Mar und Morttz. IL Die Revolutionshochzeit. Die Hugenotten. I» glich. Die IribSne: 7.-10. Die Wandlimg. IL— 14. Die Iren«.— Deutsche» Küustlertheater: Eyprienne. Komödteuhau»: 7.-10, 12.-14...Sie". 11. Lieselotte von der Pfalz.— Berliner Theaier: Bsimmelsiudenten— Kleine« Schauspielhau»: Albine und Aujust.— Kleine« Thettter: Die underilhmte Frau. Trianontheater: Maskerade.— Refidenzthenter: Evchen Sumbrecht—»den- theater: U. A. w. g.— Friedrich. Wilhelmstädt. Theater: Dreichen.— Komisch« Oper: Liebeszauber.— Lustspielhau»: Der Drohstadilavalier.— Metrvpoltheater: Snbill.— Reue» Operettenhau»: Die Dame vom Zirkus.— Thaliatheater: Die närrische Liebe.— Theater am Rollendorsplatz: Der Pirlgeliedte.— Theater de» Wette»«: Die Frau im Hermelin— Thrater der Friedrichstadt: Vier Einakter.— Walluertheater: Eine Ballnacht.— Wollmllutheater: Am goldenen Horn— Rose- theater: Die im Schatten leben— Eastnotheater: Schrnepels Lcnc— Luisen- �»ter: 7.-13.: Die Revolutionshochzett der Hugenotten; IL: Das Echwh am HewerkschaflsbewMng Lohnbewegung bei üer stäütisthen Straßenbahn. T«s Personal der Berliner städtischen Straßenbahn fordert Gleichstellung im Lehn mit den städtischen Arbeitern, lieber die Verhandlungen, die in dieser Angelegenheit mit dem Verkehrscms- schuß geführt worden sind, berichtete S t r e h l o w am Freitag- abend in einer Versammlung der städtischen Straßenbahner. Tie städtischen Arbeiter erhalten nach dem jetzt geltenden Tarif eitlen Ansangslokn von 2,80 M. pro Stunde, der auf 3 M. steigt. Tie Straßenbahner erhalten,'venu man den Monatslohn auf die ge- lcistere Arbeitsstunde umrechna� einen Anfangslvhn von 1,00 M, der erst nach zehnjähriger Dienstzeit auf 2,04 M. steigt. Diese Lohn- sähe können unter den heutigen Verbältnissen keineswegs als ausreichend angesehen werden. Da die städtischen Straßenbahner doch auch als städtische Arbeiter anzusehen sind, so glauben sie ohne wei- teres Anspruch auf die Lohnsätze der städtiscben Arbeiter zu haben. Im VcrkehrsauSschuß wurde aber den Straßenbahnern gesagt, sie seien ja keine Arbeiter, sondern Angestellte, und könnten sich des- halb nicht auf den Tarif der städtischen Arbeiter berufen. Als dann die Vertreter der Straßenbahner entgegneten, man solle ihnen die sür Angestellte in Frage kommenden Sätze der Besoldungsreform zubilligen, trat man in Verhandlungen über die Lohnfrage ein. Die Forderungen wurden als unerfüllbar bezeichnet, weil sie für die Große Berliner Straßenbahn 30 Millionen und für dir gesamten Berliner Verkehrsuntcr- nehmungcn 40 Millionen Mehrausgabe erfordern würden» Die Mehrausgabe müßte doch auf, das Publikum abgewälzt werden, was aber die Bevölkerung zum Widerstaude veranlassen würde. Die Verhandlungen mit dem VerbehrsauSschuß halten kern Ergebnis, sie sollen am heutigen Sonnabend fortgesetzt werden. Der Referent betonte, die Straßenbahner würden an ihrer Forderung festhalten, es könne ihnen nicht ziigernuM weihen, mit Rücksicht auf daz Publikum ein Hungerdafen: zu führen. K nobel vom TranSportarbeitcrverband bemerkte, das Per- sonal der Großen Berliner Straßenbahn stelle dieselbe Forderung wie.die städtischen Straßenbahner. Der Arbeitgebervcrbcmd der Kleinbahnen könne sich also nicht darauf berufen, daß die städtische, i Straßenbahner'mehr verlangen, wie ihre Kollegen in den anderen Verkehrsbet rieben In der Diskussion wurde hervorgehoben, daß es eine Irreführung sei, wenn die Mehrausgaben der Straßenbahnen hauptsächlich auf die Lohnerhöhungen zurückgeführt tverden. Es müsse auch be- rücksichtigt werden, daß die während der Kriegsjahre auf- geschobenen Reparaturarbeiten, dw jetzt ausgeführt� werden. infolge der 10- bis 20fachen Erhöhung der Materialpreise ungeheuer gesticgcn sind.— Alle Redner waren darin einig, daß die Straßenbahner eine Ablehnung ihrer Forderungen nicht hinncchmen würden. Mehrere Redner«nipfahlen unter lebhafter Zustimmung, daß'bei Ablebnung der Forderung zwar nicht gestreikt werden solle. Die Wagen wür- den fahren wie immer, «ber die Schaffner würden nicht kassieren. Bei dieser Viethode würden die Straßenbahner auch die Sympathie des Publikums auf ihrer Seite haben. Einstimmig wurde beschlossen, die Gleichstellung mit den städti» s-chen Albeitern und Auszahlung der Lohndifferenz vom 1. Oktober ab zu fordern und bei Ablehnung der Forderung im gegrbencn Moment die schärfsten Maßnahmen zu ergreifen. Am Mittwoch soll eine Versammlung endgültig Beschluß fassen. Es wird erwartet, daß bis dahin die Verhandlungen mit dem Per- kehrsausschuß abgeschlossen sind und auch der Magistrat sich darüber schlüssig gemacht haben wird._ Lohuforderung der Brauereiarbeiter abgelehnt. In einer Vertrauensmännerverfammlung der Brauerei- arbeiter, die am Freitag stattfand, berichtet« H o d a p p, daß die Unternehmer bei den Verhandlungen am 29. November erklärt haben, sie erkennen die Forderungen der Arbeiter als berechtigt an, sie seien aber nicht im der Lage, irgendwelche Lohnmifbesse- rungen zu bewilligen, denn die Lage de? Bruugwerbes sei so'trost- loS. daß die Brauereien mit Verlust arbeiten. Die Lieferung von Braugerste sei sehr weit hinter dem zugesagten Quantum zurück- geblieben. Auch der Kohlenmangel störe die ohnehin sehr gering Produktion der Brauereien.— Tröget berichtete über Verhandlungen, welche dt« Vertreter der Arbeiter mit dem ErnährungS- minister hatten, um eine auSreichrmde Belieferung mit Braugerste herbeizuführen. Von den den Brauereien zugesagten 5 Proz. des Friedensbedarfs an Gerste seien erst 30 Proz. geliefert worden. Der Ernährungsminister habe erklärt, Gerste sei jetzt für die Ernäh- rung notwendig. Ehe diese nicht sichergestellt sei, könne an die Be- lieferung der Brauereien nicht gedacht weiden.— In der ausgedehnten Diskussion wurde qllgemsin betont, die Löhne der Braue- reiarbeitcr seien so unzureichend, daß eine Aufbesserung unbedingt verlangt werden müsse.— Die Versammlung beschloß: Die Vertrauensmänner und Arbeiter-Ausschußmitglieder der Brauereien Groß-Berffns nehmen mit Entrüstung Kenntnis von dem ablehnenden Verhalten der Unternehmer gegenüber den For- derungen der Arbeitnehmer auf Erhöhung der Löhne. Die Er- flärung der Arbeitgeber, daß die Unsicherheit in der Deliesernng mit Braugerste und der zurzeit bestehenden Bierpreise es den Brauereien nnmäglich mache, weitere finanzielle Belastungen zu crsragen, kann von den Versammelten nicht akS stichhaltige Gründe zur Ablehnung, ber berech-tigten Forderungen der Brauereiarbciter angesehen werden......••-■ Die Versammelten beaustragen die Ldhnkomnlissiön, erneut mit den Unternehmern in VerhändliMgÄffzü Mte» lffid durch Vor- stelligwcrden cheim ReickkSernährungSministe�oie genügende und rechtzeitige' Belieferung.der Brauereien mit Braugerste und eine derartige Festsetzung, des BierpreffeS herbeizuführen, daß ein er- heblicher Teil der Preiserhöhung für Lohnerhöhungen verwand werden muß. Die ausreichende und rechtzeitige Belieferung der Brauereien mit Braugerste ist nicht nur dringend geboten, um den Brauerei- arbeitern die Erhöhung ihres Einkommens zu ermöglichen, sondern auch, um durch Aufrechterhaltung der Produktion in den. Brauereien weitere Arbeiter-Enllassungen zu verhüten. Rettet die Ernte! Das frühzeikige Eintreten deS Winterwetters hat bei dem all- gemeinen Rückstand der diesjährigen Erntearbeiten die restlose Ein- bringung der Hackfruchternte verhindert. Bei dem jetzigen Tau- weiter gilt es, alle Kräfte einzusetzen, um die für die Gesamche- völkerung drohende schwere Lage nach Möglichkeit zu mildern und die noch im Boden befindlichen Kartoffeln, die Futter- und Zucker- rüben herauszunehmen. Bei der allgmeinen Knappheit an Nah- rungs- und Futtermitteln darf nicht» Unversucht bleiben, um die Erniearbeiten da, wo erforderlich, vor sSintriit des Wintersrostes zum Abschluß zu bringen. Wo die zur Verfügung stehenden Ar- beitskräfte und die tarisvertraglich oder nach der vorläufigen Land- arbeitsordnung vorgesehenen Höchstarbeitszeiten. nicht ausreichen, werden Ueberstunden zu machen sein. Die vorläufige Landarbeit»- ordnung(8 3) sieht ausdrücklich vor, daß im Notfall Ueberstunden gegen' besondere Vergütung geleistet werden können. Der Deutsche Landarbeiterverband richtet an alle in der Landwirtschaft tätigen Arbeitnehmer die Aufforderung, alles zu tun, daß die noch, aus den Felde befindliche Ernte gerettet wird. Achtung, HeereSbetriebe und Verwaltung! Die in der ArbeiiSgemeinschafi freier Angestelltenverbände, Fachgruppe 3b(Heerrsbctriebe, Siebenerausschuss, Allgemeiner Verband der Dentsäicn Bankbeamten— Berlin. Bund der tech- nischen Angestellten, Deutscher Wcrkmeistrrverband und Zentralver- band der Angestellten) organisierten Angestellten der zum Bereiche des früheren 3. Armeekorps und Gardekorvs grbörigen HeereSbetriebe und Verwaltungen werden gebeten, umgehend VerträuenS- leute der genannten Verbände dem SicbenerauSschutz. Fachgruppe 3b, Dellc-Allianeestraßc 10. 2 Treppen, in wichtiger Zliwe- I�enheit unter Angabe der Mitglieds nummer zu benennen. Wiebcraufnahin« der Arbeit. Die Arbeiter der Bremer AtlaSwerke baben in einer Betriebsversammlung mit 439 segen 245 Stimmen bciAIossen, die Arbeit am Montag wieder aufzunehme», von der etwa 2000 Mann betragenden Arbeiterschaft waren nur 700 erschienen. Streik i» der Chemnitzer Metallindustrie. Di« LohnbewegunA in der Chemnitzsr Metallindustrie hat sich mit Ausnahme einiger Betriebe, mit denen bessndere Abmachungen getroffen worden sind. auf alle Firmen ausgedehnt. Infolge des AusstanldeS mußte eine Anzahl großer Betmebe stillgelegt werden. Deutscher Werkmeifter-ZZerband. Am Montag, den 8. Dezember, abends 6'/, Ubr im Könizstadt- Kasino, Alexanderstratze 21, sür die Werl- Meister der Textiimdustrie: Fachgruppenversammkung. PraKtlsch« We i hiii a cb.t s geschenRe —-------------------- für Knaben und Herren......................... Phantasie-Westen � ball«, luokle, einfarbige Tuche.. U. 3o} DO bVa 95 Gestreifte Hosen Eummgar«, Cherlots, pamend znm er S"»CA Ceiawaf................ fä. 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