Nr.63Ä.36.Iahrg, Bezugspreis: Vi-rt-ljährl. lO�om.monütUS,» Mi. frei üiä Haus, voraus zahlbar. Posl- brzug: Monallich M!» rxil. Zu- flcllunzsgcbühr. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 6,75 Mi», für das übrige Ausland 16.75 Ml., bei täglich einmal. Zustellung 8,75 Ml. Postbcstellungen nehmen an D-nemarl, Holland. Luxemburg, Cchmoden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Oer„Borwärts� mit der Sonntags» beilage.Volt u. Zeit" erscheint wochcn- läglich zweimal. Sonntag» einmal. Trlegramm-Adress«: �ozialdcmotral verltn". Morgen Ausgabe. Nerlmev Volksblstt [ 15 Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgelpaltene Nonpareillezeile tostet 1,80 M.. Teuerung»zuschlag 66'lo- „filelne Anzeigen-, das fettgedruckte Wort 75 Pfg.(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 56 Pfg. Stellengesuche und Echlafstellenanzeigen das erste Wort 65 Pfg. jede» weitere Wort 46 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teucrungszuschlag 50V Familien- Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen 1.60 Ml. die Zeil«. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis»Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SB 68. Lindenstraße 3, abgegeben werden. Eröffnet von S Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdcmokratifcbcn Partei Deutfchlands Neüaktion und Expedition:©SD. 6$,£indcn(tr. 3. .veeufpremer: Amt tviorlNpla«. Nr. ll»! SV—»SI S7. Donnerstag, den 11. Dezember 1V1N. vorwärts-verlag G.m.b.S., SW. vS. Lindenstr.5. shernivrechrr: Amt Morinplat!, Nr. 117 53—54. Die S Volkswirtschaftliche Mittelschulen Mit der Ueberschrift ivird nicht der Ilvcck verfolgt, einen neuen Namen zu prägen. Ter Name ist ohne' Belang. Aber eine neue Schul g a t t u n g soll gescharfen iverden, und feicfc Forderung ist so dringlich, daß mit ihrer Erfüllung nicht gezögert iverden darf, wenn anders nicht die Gefahr herauf- beschworen werden soll, dan wichtigste Errungenschaften der Revolution einfach deshalb blohe Theorie bleiben, weil es an dem nötigen Menschemnaterial fiir ihre praktische Durch» sührnng fehlr. Bis zum 9. November 1918 galt für die Besehung aller irgendwie einflußreichen Stellen und ebenso für.die Bildung aller Körperschaften mit öffentlich-rechtlicher Geltung der in der Oesfentlichkcit zwar stets bestrittene, in der Praxis aber um so sorgfältiger durchgeführte Grundsah, daß die Ilrbciter- s ch a f t nur das Objekt, aber niemals Subjekt der Gesetzgebung und namentlich der Verwaltung sein könne. Infolgedessen gab es im alten Preußen-Deutschland— um nur einige Beispiele anzuführen— nicht einen einzigen Land- rat, RegierungS- oder Polizeipräsidenten, Schul- oder Ge- Werbeinspektor, der als Vertreter der breiten Masse der arbeitenden Bevölkerung hätte angesprochen werden können. Die wiederholte Nichtbestätigung sozialdemokratischer Bürger- nieister ist bekannt, ebenso die restlos durchgeführte Sozialiftenreinheit der Zentralbehörden. Junker- söhne und Reserveoffiziere verteilten unter sich die höheren Beamtenstellen. die Vertretung von Handel. In- du sine und Landwirtschaft war das unbedingte Vorrecht der Unternehmer, und selbst die Verwaltung reiner Arbeiter- angelegenheiten tvar den ausnahmslos aus bürgerlichen Kreisen hervorgegangenen Referendaren, Assessoren und gescheiterten Offizieren vorbehalten, nicht zu reden von der großen Zahl satter Rentiers, die dank dem kommunalen Älassenwahlrecht zur Leitung sozialer Gemeinde- aufgaben berufen worden sind. Das muß anders werden! Der Arbeiterschaft muß die Möglichkeit gegeben werden, durch ihre besten Köpfe an der Verwaltung aller Zweige des behördlichen Apparates und ebenso des freien Wirtschaftslebens in seinen vielfältigen Gliederungen teilzunehmen. Dazu genügen nicht die schönen Bestimmungen der Verfassung, auch nicht die guten Absichten Parlaments- rifcher Regierungen. Gesetzliche Rechte und ministerielle Aus- führungsvorschriften sind eine unentbehrliche Grundlage zur öffentlichen Anerkennung der Gleichberechtigung der Arbeit- nehmer, aber doch eben nur eine Grundlage. Mindestens ebenso wichtig, für die Gegenwart aber vielleicht noch wichtiger sind planmäßige Bemühungen, die Arbeiter zur Erfüllung ihrer neuen Aufgaben zu befähigen. Denn was hülfe es dem Proletariat, wenn cL als Ergebnis der Revolution zwar den Grundsatz der Gleichberechtigung und den Zutritt zu allen Aemtern und Stellen verbuchen könnte, zur tatsäch- lichen Auswertung dieser Rechte aber mangels geeigneter, will sagen genügend vorgebildeter Kräfte nicht in der Lage wäre! Das Schwergewicht der Aufgaben, die zur Neuordnung unseres staatlichen und wirtschaftlichen Lebens in den nächsten Jayren zu bewältigen sein werden, liegt auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet. Für diese Fragen, ist zudem in der Verfassung ausdrücklich die gleichberechtigte Mitwirkung der Arbeitnehmer neben den Vertretern der Arbeitgeber festgelegt worden. Nun gut, das Recht haben die Arbeiter jetzt, haben sie aber auch die g c e i g n e t c u Kräfte, um die die vielen für sie geöffneten oder neu zu schaffenden Stellen zu besetzen und reaktionäre Beamte allmählich durch' sozial gesinnte Männer zu ersetzen? Daß in der Arbeiterschaft an begabten Köpfen kein Mangel ist, bedarf nicht erst des Beweises. Der erfolgreiche Verlauf der Revolution ist dessen Beweis genug. Aber zur Ausfüllung leitender verantwortungsrcicher Posten gehören nicht nur guter Wille und ein gewisses Maß von Intelligenz. sondern auch eine Summe von Kenntnissen, die ein jahrelanges Studium voraussetzen und nur zum kleinen-Teil durch praktische Erfahrung ersetzt werden können. Das Studium aber namentlich des Rechtes, der Wirt- heutigen Tag ein Privileg der besitzenden Klasse. Die Volks- schafts- und Sozialwissenschaften lvar bisher und ist bis auf den Wirte sprechen deshalb noch heute von ihrem Beruf als von einem.akademischen" Beruf, und tatsächlich wird allgemein. abgesehen natürlich von der Arbeiterbewegung, die Vergebung leiteuder volkswirtschaftlicher oder sozialpolitischer Beamten- stellen an den Nackweis eines vollakademischen Studiums ge- bunden. was natürlich zur Folge hat. daß Vertraucnspersoncn der Arbeiterschaft für die Besetzung solcher Verwaltungsposten in der Regel nicht zur Verfügung stehen. Es unterliegt für iurcht öes Sie prej)eftimmen zu Üen Ententenoten. Das Auisterdemer..Handelsblnd" findet, die Furcht der Entente, besonders Frankreichs, vor d.'m gänzlich gelähmten Teutschland beginne groteske Formen anzunehmen. Die Ententenote über die Verringerung der Sicherheitspolizei scheine mit unter dem Einfluß der Hetze des Be»liner„Times"- icorrespondenten über ein geheimes deutsches Heer entstände,, zu sein. Fiir jeden einigermaßen mit deutschen Zuständen vertrauten Peobachtrr sei tlar» daß die deutsche Regiernng sich ohne Reichswehr »ich» halten könne. Tie Entente habe selber das größte I n t c r- esse daran, daß gegenwärtig in Teutschland k-iine andere Regierung oder Regierungssorm ans Ruder komme. Auch in der Kriegsgrsangenrnfrage gelte für die Ententchaltung: allzu scharf macht schartig. E« müsse Elemcncrau doch zu denken geben, daß s-.-lbst in neutralen Ländern, deren Stimmung niemals über- wiegend prodeutsch gewesen sei, die Zurückhaltung der deutschen Ge- fangenen im Zusammenhang mit der Anklage gegen Deutschland wegen Nichterfüllung von Friedens- und Wasfenstillstandsbedingun- gen nicht recht verstanden wird. Tie„Baseler Nachrichten" sagen zu ElemeneeauS Note über die Einwohnerwehren, Zeitfreiwilligen und Sicherheitspolizei, sie bc- zwecke, Teutschland vollkommen wehrlos zu machen, im Falle es Frankreich einfallen sollte, Teutschland nochmals den Krieg zu erklären. Elrmrnrcnu habe sich infolge des amerikanischen Bcr- sagcns ans seine alte, von Wilson durchkreuzte Politik der m i l i- tärischen Bern ichtun g Deutschlands»nd der Annexion des linken RheinuferS verlegt. Sein ganzes Gebaren deute daraus hin: auch die Kriegsgesangcnen seien ans diesem Grunde zurück- gehalten worden. Es dürste mehr System in der Suche sein, als der harmlose Zuschauer denke. Vorstoß gegen öen Sewaltfeieöen. Der römische Gewährsmann des„ S c c o l o" macht für die heutigen Schwierigkeiten den V e r s a i l l e r Frieden und die Lockerung deS Vicrverbandes verantwortlich. Die Rettung könne nur durch eine territoriale Wieder- Herstellung Europas auf Grund des Nationalitätenprinzips sowie durch Beseitigung jeder Gewaltherrschaft, durch Ab- rüstung und Völkerbund erfolgen. Statt der Regierungen müßten die Völker auf diesem Wege vorangehen. Der Pariser Korrespondent des„Eorriere della Sera" glaubt feststclleu zu können, daß sich der Oberste Rat über die Gefahr klar sei, die deulschen Reaktionäre durch allzu straffes Spannen des Bogens zu begünstigen. Der Rat sei daher zu Milderungen geneigt. Pariser und Londoner Drahtungen des„Sccolo" lassen den Gegensatz der französischen und der englischen Auffassung über das Ulti- matum an Deutschland erkennen. Uebcr den Ministerrat wird berichtet, daß bezüglich Fi um es entgegen allen Gerüchten nichts erreicht sei und daß die Verhandlungen fortdauern. Kestel verhastet. Der Erste Staatsauwalt beim Landgericht I teilt mit, daß der UntersnchuugSrichter beim Landgericht l antragsgemäß gegen deu Polizeihauptmann v. Kessel Haftbefehl wegen Meineids, Urkundenfälschung und Herausforderung zum Zweikampf er- lassen hat und daß Hauptmann v. Kessel am Mittwoch in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert ist. Die Staätsauwaltschaft hatte, wie sie erklärt, schon Mitte voriger Woche ein Ermitteluugsverfahren gegen v. Kessel eingeleitet. Wie wir höre», ist noch, bevor der Staatsanwalt den Haftbefehl gegen den Hauptmann von Kessel erließ, auf An- ordnnng des Preußischen Ministers des Annern der Haupt- niann von Kessel seiner Dienstgeschäfte enthoben worden. mich keinem Zweifel, daß dieser Umstand nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, daß bislang zwischen den Behörden und den breiten Massen der arbeitenden Bevölkerung niemals das leiseste Vertrauensverhältnis aufkommen konnte. Aber schließlich handelt es sich ja nicht nur um Behörden; auch auf vielen Gebieten deS wirtschaftlichen Lebens und, in der freien sozialen Tätigkeit, nichr zuletzt in den vielfachen Organisationen der Arbeiter selbst— Berufsvereine, Schriftleitungen, Verlagsanstalten. Archive. BildungsauSschüsse, Ar- bcitersekretariate. Konsumvereine, VersicherungLkaffen. Vau- und Arbeitsgenossenschaften— gibt es zahlreiche Stellen, für die ein zwingendes Bedürfnis besteht, daß ihre Inhaber der Arbeiterschaft entstammen, während andererseits der Nach- weis eines umfangreichen theoretischen Wissens nicht wohl entbehrt werden kann. Es bedarf nicht der Betonung, daß das Proletariat es bisher stets vermocht hat, für seine eigenen Einrichtungen ers. das nötige Beamten- und Führcrmatcrial zu bc- schaffen. Ob es in allen Fällen den gestellten Aus- gaben genügt hat,- soll hier nicht untersucht werden. Hervorheben möchte ich aber die ungeheuren Schwierigkeiten. unter denen die alten Arbeiterführer sich in ihrer karg bc- mesienen freien Zeit das für ihre Berufsausübung nötige Wissen aneignen mußten. Nur ganz wenige Ausnahmefälle gibt es, in denen Arbeiter durch besondere GlückSumstände in die Lage gekommen sind, nachträglich noch den in solchen Fällen besonders mühevollen Weg durch das Gymnasium und die Universität zurückzulegen, um in relativ hohem Alter zu einer Bildungsreife zu gelangen, die jeder Millionärsproß dank der vorsichtigen Wahl seiner Eltern sich etwa im 25. Lebensjahr angeeignet haben kann. Es wäre unverantwortlich, wcun nicht alles getan würde, um diesen Zustand zu beseitigen. Und zwar schnell! Der Grundsatz: Freie Bahn dem Tüchtigen! bleibt so lange ein leeres Wort, bis allen befähigten Söhnen und Töchtern der minderbemittelten Bevölkerung die ihrer Bc- gabnng entsprechenden Bildungsmöglichkeiten eröffnet sind. Doch ich will hier nicht von den bekannten Fragen der allgc- meinen Bitdungs- und Schulreform sprechen. Für mich handelt es sich um die dringliche Sondcrfrage: Was hat zuge- s ch c h c n, um die Arbeiter zu befähigen, auf dem ihnen beso nders nahe liegenden Gebiet der Sozia l-Wirtschaftspolitik die ihnen zukommenden Führern ufgabcn erfolgreich zu lösen? Mein Vorschlag ist einfach, seine Durchführung unschwer in verhältnismäßig kurzer Zeit zu ermöglichen. Man braucht nur denselben Weg zu gehen, der in der Technik seit vielen Jahren mit ausgezeichnetem Erfolge beschritten worden ist. Jeder weiß, daß die großen wirtschaftlichen- Erfolge der deutschen Industrie vorzugsiveisc auf der hochivcrtigen, jedem andern Land überlegenen Fachbildung unserer industriellen Beamtenschaft, vornehmlich der technischen Angestellten, be- ruhen. Weniger bekannt dürfte sein, daß etwa 99 v. H. dieser Techniker nicht durch die technischen Hochschulen gegangen sind, sondern auf den sogenannten technischen Mittelschulen — Maschinenbauschulen. Techniken. Baugewerbcschulen usw. ihre theoretische Berufsausbildung erhalten haben. Will man also das Akademikerprivih?g aus dem Gebiet der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften brechen und die Arbeiterschaft in wachsendem Maße zur Selbstverwaltung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Angelegenheiten, zur Mitentscheidung�msercr großen Wirtschaftsfragen befähigen, so braucht man nur das Beispiel der Technik nachzuahmen und zivischen Volksschule und Universität eine neue Art von-Bildungs- anstalten— volkswirtschaftliche Mittelschulen — einzufügen, mögen sie nun nachher Verwaltungs- schulen. Sozialakademien oder sonstwie heißen. Diese Schulen müßten etiva an den Besuch der verbesserten F o r t b i l- du ng� schule anschließen und besondere Vor- oder Wiedcrholungsklaffen besitzen für Besucher mit minderer Vor- bildung und namentlich für ältere Besucher, da anzunehmen ist, daß für viele Arbeiter der Wunsch nach einer höheren theoretischen Bildung erst aus der erfolgreichen Betätigung auf gewerkschaftlichem, genossenschaftlichem oder anderem Ge- biet sich ergeben wird. Ihr Ziel müßte sein, den Be- suchern in zwei bis drei Jahren eine abgeschlossene Volkswirt- schaftliche Berufsausbildung zu vermitteln, die sie befähigt, eine verantwortliche Tätigkeit in der Verwaltung öffentlicher oder privater Einrichtungen und Acmter auszu- üben. Demgemäß werden im Lehrplan die Uebermittelnng volkswirtschaftlichen Tatsachenmaterials, Gesetzeskunde, Ver- waltungswissenschaft, Rechtslehre und die Einsührung in die Theorien der Sozial- und Wirtschaftswissenschaft obenan stehen müssen. Ueber die nicht ganz leichte Bcscyaffung geeigneter Lehrkräfte und andere Einzelfragen wird später, zum Teil auch erst an anderer Stelle zu reden sein, wenn mein Vor- schli g Zustimmung gesunden hat und es sich darum handelt, ihn zu verwirklichen. Nur das eine möchte ich noch aussprechen zur Abwendung des unausbleiblichen Hinweises auf die Kosten, die der Bau und die Einrichtung solcher Schulen in unserer Zeit der finanziellen Schwierigkeiten verursachen würde. Ich glaube, daß die ersten Schulen sich ganz gut an vorhandene technische Lehranstalten angliedern liefen. Mindestens die Raumfrage würde auf diese Weise ei«? vorläufige Regelung finden können. DieS hätte auch den Vorteil, daß nian sich von Anfang an nicht auf die Errichtung einer einzelnen Anstalt in dem un- vcrmeidlichen Berlin zu beschränken brauchte, sondern mit dem gleichzeitigen Aufbau mehrerer Schulen unter Berücksichtigung der dicht bevölkerten Industriegebiete beginnen könnte. HermannLüdemann. Hochverrat öer Schwerinöuftrie. In der Nationalversammlung ist Genosse Adolf Braun mit dem Stahlwerksverband schwer ins Gericht gegangen und hat u. a. festgestellt, daß deutsches Eisen während des Krieges nach Frankreich und Italien ge- gangen ist, was von den Rechtsparteien mit begreiflicher Unruhe aufgenommen wurde. Die Angriffe, die seinerzeit schon im März von uns aus in dieser Angelegenheit gemacht wurden, wurden damals von der vom Stählwerksverband bezahlten Presse als Verleunrdungcn dargestellt, und es ist anzunehmen, daß die Rede des Genossen Adolf Braun ebenso kritisiert werden wird. Darum bringen wir einen Ausschnitt aus einem Artikel der„Züricher Post", der im Herbst 1917 erschienen ist; er lautet: „Der Wirtilixiflstneg zwischen den beiden Mächtegruppen nähert sich offenbar seinem Höhepunkt. Die wirrschafilichc Versorgung �unseres Landes läuft Gefahr, von zwei Mühl- steinen erdrückt zu werden. Der Einsuhrtrust scheint von den Verbündeten veranlaßt zu sein, wenig oder keine Ausgleichs- waren mehr nach Deutschland gelangen zu lassen. Die Eingabe an den Bundesrat aus der Maschinen- und Texiilindustrie weist daraut hin, daß deutsches Eise» in großen Mengen von der Schweiz nach Frankreich und Italien gegangen ist. Zwei National- räte als Veilieler des Bundesrates reisen in den nächsten Tagen nach Paris zur Erlangung von Ansglcichswaren ab." Die Tatsache, daß Schweizer Industrielle sich am Höhepunkt des militärischen Ringens damit befaßt haben, welche Gegenleistungen sie von Frankreich für ausgenihrtes deutsches Eisen erwirken sollten, spricht in einer Weise für sich, daß alles weitere dem Untersuchungsausschuß überlassen werden muß. Vielleicht hat Herr Hugenberg für diesen Hoch- verrat auch noch eine Entschuldigung I Die Arbeit öes Unterfuchungsausschustes. Der Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung befaßte sich am Mittwoch in der mehr als vierstündigen Sitzung mit dem Einspruch Helfferichs gegen seine Bestrafung. Bericht- erstatter war der frühere preußische Justizminister Spahn. Mit- berichlerstatter der frühere ReichZjustizminister Landsberg. Die beiden Abgeordneten stimmten im großen und ganzen in ihrem Urteil überein, die sich nur in der Frage unlerschieden, ob aucb die zweite Bestrafung zulässig geweien sei. An die Berickue lnllpfte sich eine mehrstündige juristische Debatte, in deren Ver« lauf namentlich erörtert wurde, ob Helfferich dem Ausschuß die Beantwortung einer Frage laisächlich verweigert habe. Diese Frage wurde von mehreren Rednern bejaht. Sehr interessant war, daß ein Vertreter der Deutschen Bolkspartei ankündigie, daß er das Plenum der N a ti on a lve r s am m lun g zur Entscheidung über den Einspruch HclfferichS aurufen werde. Danach ist also zu erwarten, daß da? Plenum der Nationalversammlung sich einige Tage lang mit Herrn Helfferich zu beschäftigen haben wird. Ucber die Sitzung vom vorigen Montag ist noch nachzutragen, daß ein Vertreter der Deutschen Volkspartei in dieser Sitzung einen Vor stoß gegen den Untersuchungsausschuß über« Haupt unternahm, weil, wie der Redner behauptete, seine Tätig» keit große Beunruhigung und sogar Empörung hervorgerufen hatte. De: Ausschuß bedrohe das Ansehen der Nationalversammlung. In der Aussprache wurde dieser Auffasiung sehr scharf widersprochen, namentlich wiesen die sozialdemokraliichen Redner darauf hin, daß der Untersuchungsausschutz Aufgaben von geschichtlicher Bedeutung zu erledigen habe und sich durch die reaktionäre Preßhetze nicht ins Bockshorn jagen lasten dürfe. Bolle Einigkeit herrschte dagegen darüber, daß die Arbeitsmethode reformbedürftig sei. Durch steißige Vorarbeit und sorg- fältige Formulierung von Fragen soll die Zeugenvernehmung aus das geringste notwendige Maß beschränkt werden. Im übrigen wurde dit Ansicht ausgedrückt, daß die Vernehmung der fogenann- ten Kapazitäten im großen und ganzen zu Ende sei. Ein großer Teil der Schuld an der Stimmung in weiten Kreisen des Volkes war die schlechte Informierung der Presse, wodurch vielfach fehler- Die Ungeüulöigen. Von Willi Birnbaum. Sie kamen Ides Morgens und Mittags und Abends, die Zweff- ler, Kritiker, Unzufriedenen; sie wiesen ihm Altes, Morsches, Schaum und Schmutz; sie klagten bittere Not und offenbarten ihm Nacht und Schatten— sie, die alle an das verheißungsvolle Licht geglaubt, das mitten in Novemberschauern nach langen, düstern, leidveGiillten Schreckenstagen durch grauen Wolkenhimmel brach. Alte Versprechungen, schönfarbene Zukunftsbilder, in Herztiefen schlummernde Höhenweisen damals erstanden zu gigantischer Größe. Ein Rauschgebild. Nie geahnte Macht! Jäh flammte Wille und Kraft noch einmal auf— in ihnen, die vom Druck so tief gebeugt, von Leid und Schrecken schmerzerfüllt. Aber der Wille war größer als die Kraft. Der Grund war Schlamm, Morast— und der Trümmer lagen zu viel im Weg, die es galt wegzuräumen. Und er meinte zu ihnen: Schafft Grund, festen Boden erst, darauf sich großes Gebild kann gestalten, das Wind und Wetter trotzet. Das hieß langsame, mühselige, kräfteraubende, willen- heischende, opfervolle, undankbare Arbeit verrichten. Jahre wür- den darüber vergehen, so wenig offenbare Fortschritte würden er- stehen, die sich wie ein Nichts ausnehmen vor so kühnen Träumen, die ihnen damals vorgegaukelt. Der Wille schuf's nicht allein— auch nicht die alte Kraft, wenn sie noch wäre— es mühten große Baumeister, geeignetes Werkzeug, gutes Material zur Stelle sein, planmüßig gezügelte Kraft, vom Willen, zum Ganzen zum Eifer getrieben. Tag für Tag hatte er solches zu ihnen gesprochen. Sie aber kamen des Morgens und Mittags und Abends auch an folgendem Tag voller Ungeduld und zehrender Sehnsucht im Innern, und wiesen stetig von neuem auf Wunden, die sie alle im Nu hellen zu können geglaubt. Er aber schüttelte traurig den Kopf— denn ihn schmerzten die Wunden— und sprach:„So, Freunde, geht's nicht! Ihr zersplittert nur Eure Kräfte. Auf halbem Wege er- lahmt Ihr— oder baut Kartenhäuser." Sie aber waren darob unzufrieden.„Wir wollen'? l.... und es muß gehen II" Und mein Freund ward ob so stürmischen Wollens nur ruhiger noch und löste ihnen Glied von Glied aus dem großen, unendlich feinen Organismus des Staates, der Wirtschaft, der Kultur und Sitte, wies ihnen all das planvolle Ineinandergreifen, deutete hier und da. wo angesetzt starben müßte mit Verbesserungen, die dann folgerichtigerweise weiterwirken würdsw, bis ein Anderes, Besseres zum Schluß erstände. Und die ihn so hörten, gaben ihm recht. Am nächsten Morgen aber kamen sie wieder und meinten, er habe wohl recht, aber es ginge so langsam doch, man müsse was sehen— und sie wollten'? erleben: sie hätten ihr ganzes Leben schon dahin gestrebt; es stecke jp viel Ungeduld in ihnen... hafte Auffasiungen entstanden seien. Die starke Verzögerung des Vertriebs der stenographischen Berichte sei aus dem gleichen Grunde sehr zu bedauern. Erst am Montag sei daS erste Heft dieser Pro- tokolle im Buchhandel erschienen. Oer Ausschuß für auswärtige Mgelegenheiten. Der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten der National- Versammlung besprach eingehend die letzten Noten der Entente und die darauf zu gebende Antwort. Außer dem Reichsminister des Auswärtigen wohnte auch der Reichskanzler der Sitzung bei. Die Verhandlungen waren vertraulich. Die Umsatzsteuer. Der Ausschuß der Nationalversammlung für daS Umsatz st euergesetz nahm einen sozialdemolra- tischen Antrag an, wonach Umsatzsteuern in Ländern und Gemeinden nicht mehr erhoben werden dürfen. Zu einer längeren Erörterung führte die Inseraten- und H o t e l st e u e r, die nach den Beschlüssen erster Lesung 10 Proz. betragen soll. An den Beratungen beteiligte sich auch als Vertreter der Un« abhängigen der Abg. Eichhorn. Ein sozialdemokratischer An- trag, die Jnseratensteuer ganz zu streichen, wurde zurückgezogen und durch einen Antrag ersetzt, wonach eine abgestufteSteuer nach dem Umfang der gesamten Jnserateneinnahmen erhoben werden sollte, von 2 Proz. an bei einer Einnahme von Mark 100000 steigend bis zu 10 Proz. bei einer Einnahme von über einer Million. Die weitere Beratung wurde auf Donnerstag vertagt. * Spannung im Unterrichtsausschuß. Am Dienstag Abend entstand während einer Beratung im Unterrichtsausschuß der preußischen Landesversammlung ein Konflikt, dem die beabsichtigte Ausschließung der Geistlichen aus den Schul- ausschüssen zugrunde lag. Tie Parteien erklärten, ihre Stellung von den Beschlüssen ihrer Gesamtfraktionen abhängig zu machen. Am Mittwoch fanden im S t a a t s m i n i st e r i u m be- reits Besprechungen über die Lage statt. Ter Betriebsrätcausschuß nahm einstimmig einen Antrag des Zentrums und der Demokraten on, wonach bei Unternehmungen, die mindestens 20 Hausgewerbetreibende beschäftigen, für diese ein besonderer Betriebsrat errichtet werden wird. Dein Artikel i wurde aus Antrag des Zentrums hinzugefügt, daß Klöster und sonstige christliche Aststalten nicht unter die Bestimmungen des Gesetzes fallen. Beschlossen wurde auf Antrag der Sozialdemokraten, daß sich in Betrieben von 1000—6000 Arbeilnebmern die Zahl der Mit- glieder des Betriebsrats für je weitere 500 um je eines, über 6000 für je weitere 1000 Arbeitnehmer um je eine? erhöht. Die Höchst- zahl der Mitglieder beträgt 60. Auf Antrag Schneider sDem.) haben die Angestellten in Betrieben mit über 5000 Arbeitnehmern mindestens 3 Vertreter im Betriebsrat. Für den Generalpardon sprach sich im Steuerausschuß der Nationalversammlung Finanzminiffer Erzberger im wesentlichen aus. Angenommen wurde der grundlegende erste Paragraph, wonach Straffreibsit eintritt, wenn der Steuerpflichtige aus eigenem An- triebe spätestens bei der ersten Steuerveranlagung bisher verschwie- genes Vermögen und Einkommen richtig angibt. öergarbeite-hilfe für Kriegsbeschäüigte. Die Belegschaft der Zeche Sterkrade im Ruhrrevier hat beschlossen, zum Besten der K r i r g S w i t w e n und bedürftigen Schwerbeschädigten für jeden BctrirbSort während zweier Monate je einen Wagen Kohle kostenlos zu fördern. Hierzu haben sich die Schachtlöhnrr bereit erklärt, in den staatlichen Gruben eine Stunde »msonst zu arbeite«._ Der Gsnabrücke? Gastwirtestreik. Wie aus Osnabrück gemeldet wird, haben die Verhandlungen der Polizeidirektion mit den Inhabern der OSnabrücker Hotels und Gastwirtschaften, die seit dem 3. Dezember ihren Betrieb ge- schlössen hatten, zu einer Einigung geführt. Di« Wirte er- llärtcn sich bereit, die Gasthöfe und Wirtschaften am 10. wieder zu eröffnen. „Wenn Ihr glaubt, Ungeduld ist Kraft, so seid Ihr im Wahne." Und als er frug, wie es besser und schneller ginge, sprachen sie alle wie aus einem Munde:„Derb zufassen! Mit Gewalt!! Durch Tat!" Da nun redete er zu ihnen mit schmerzlichem Lächeln;„Wenn Ihr das wollt, schlagt alles in Trümmer! Ihr schlagt Euch selbst!! In der kunstvollsten Organisation liegt die Freiheit; gezügelte Kraft ist Voraussetzung dieser!" Seit jenen. Tage kamen sie nicht mehr; andere Propheten redeten ihrer Ungeduld besser das Wort. Aber eS waren nur— Worte II... Konzert-Umschau. Das Konzert, das die akademische Hochschule für Musik zur Erinnerung a,, ihren fünfzigjährigen Bestand veranstaltete, gibt zu- denken. Die Ouvertüre der Bachschen Lrchester-Suite Nr. 3, vom Schülerorchester unter Heß' Leitung rhythmisch und kräftig gespielt, macht den Anfang. Ein paar Hörner-Wirrnisse stören nicht empfindlich. Laubenthal singt, stilistisch ungeschult,«ine. Händel-Ariz aus„Jephtha" mit der ihn: eigenen Notenquctschung. Der greise Heinrich B t h, jubelnd vom vollen Haus begrüßt, müht sich mit immer noch großartiger Fingertechnik um Beethovens G-Dur-Konzert. Wo aber bleibt der Zauber, die Inbrunst, die not» wendigste Einfühlung? Er hat sie gewiß; aber er geht aus dem Metronomischen nicht heraus, um das Orchester nicht zu gefährden. Das glaubt, es mit dem Schmiß allein fertig zu bringen, ist laut und indiskret, verheddert sich im Holz. Heß stampft mit den Füßen auf; auch das nutzt nichts. Zuletzt— nacktem Barth besonders gefeiert ist— geigt Kulenkampff-Post zu Ehren Joachims dessen blutlose, aber technisch dankbare Variationen mit jugend- lichom Feuer, aber herzlos im Ton., Im zweiten Teil die L-Moll- Sinfonie von Brahms. Was, so möchte man fragen, hat dieses „Fest"-Konzert mit der Hochschule zu tun? Ein Schülerorchester, «in greiser, hervorragender Pädagoge, ein AlltagSdirigent, ein aufstrebender Violinist— das ist alles. AuS einer Hochschule sollten in 50 Jahren nicht andere Werte entstanden sein? Wo find die kompositorischen Talente geblieben, wo war die Chorschule, wo war der Geist, wo das musikalisch« Prunkstück, das auf vorbildliche Er- ziehung hinwies? Wenn daS ein Fest war, dann beneiden wir Lehrer und Schüler, Verantwortliche und Mitgeber nicht um den Alltag. Der bescheidene und als Wissenschaftler so bedeutsame Di- rektor K r c tz s ck m a r hätte zu diesem Tag in seinen eigenen An» forderungen wohl einmal unbescheidener sein dürfen. Dafür versäumte man unwillig Ebels modernen Kompo- nistenabend. In derselben Hochschule hat Max Hochkofler ver- sucht, Rudi Stephans„Musik für Orchester" für Berlin wieder neu zu erwecken. Man preist diesen jung verstorbenen Musiker als Talent ersten Ranges. Dies« Probe zeigt, daß eine unstreitige Begabung allzu frei in der Form und allzu sprunghast im Fühlen auch Irrwege gehen konnte. Der brütende Anfang und der laute fugierte Schluß loben einen farbig gestaltenden Komponisten; dazwischen ist nicht glatter, auch nicht planvoll geteilter, nicht romantisch geschlängelter Schiebergesckäfte mit Malzkontingentea. Die Bundesratsverordnung vom 20. November 1318 bestimmt: „Die Uebertragung von Malzkontingenten, auch wenn der Brauereibetrieb oder das Eigentum am Brauereigrundstück mit übertragen wird, aus andere Bierbrauereren ist nur ....... zum Zwecke der eigenen Verwendung im Betriebe der erwerbenden Bierbrauerei zulässig. Sic bedarf im Geknete der Norddeutschen Brausteuergemeinschaft der Genehmigung der Reichsgetreidestelle, Äontingentstelle in Berlin...... Tie Genehmigung soll nur erteilt we-den, soweit auf feiten der übertragenden Bierbrauerei ein wichtiger Grund zu der Uebertragung vorliegt.....* Diese und ihr vorangebende Verordnungen des Bundesrates dienten u. a. auch dem Zwecke, zu verhindern, daß die Kontingente Handelsobjekte werden� In der Praxis hat sich aber die Sache weit schlimmer gestaltet. Es wurden nicht nur mit den Kon- iingenten Schiebergeschäfte gemacht, sondern auch mit dem, was ja mit den Kontingenten untrennbar verbunden ist, mit den Brauereien und dem gesamten Zubehör. Vorbedingung für die Uebertragung des Kontingents ist nach der Bundesratsverordnung nicht, daß der Brauereibctrjeb oder das Eigentum am Brauerei- grundstück mit übertragen wird. Aber wer den Brauereibetrieb oder das Eigentum am Brauereigrundstück erwirbt, hat auch das Kontuigent. Ein typischer Fall, wie sich dann in der Regel die Sache ent- und abwickelt, zeigt die in Vorbereitung befindliche AuSschlach- tung der Brauerei Adelung u. Hoffmann in Potsdam. Dos Eigentum an dieser Brauerei hat die Getreide- Handlung Böhm u. R e i tz e n b a u m, Berlin, erworben, indem sie die Aktien(1100 000 M. Aktienkapital) übernahm. Zu welchem Kurse, ist nicht besannt. Damit gehört der Firma auch das Kon- tingent. Nun ist folgendes beabsichtigt: Das Kontingent über ca. 14 300 Zentner Malz soll an die Bergschloßbrauerei Berlin verkauft werden. Es bringt einen Be- trag von 700 000 bis 800 000 M., da Kontingente trotz gesetzlicher Höchstpreise mit Uebertontingent, also zu Wucherpreisen, verkauft werden. Tie Kundschaft der Brauerei soll die Deutsche Bier- brauerei A. G. Pichelsdorf erhalten. Diese beiden Beträge dürften wohl den Ucbernahmepreis decken. Ten Wert des Brauereigrund- stückes nebst Gebäuden und totem und lebendem Inventar hätte die Firma Böhm u. Reitzenbaum be? dem Geschäft glatt verdient. Allein die mit 13 000 M. zu Buche stehenden 31 Pferde der Brauerei haben jetzt einen Wert von 300 000 bis 350 000 M. Dazu kommen die wertvollen Maschinen, Faslagen usw., die Bautichkeiten und das Grundstück. Der Verdienst erreicht sicher den Ve- trag von 1 bis IVs Millionen Mark. Tie Bundesratsverordnung vom 20. November 1317 jestattet die Uebertragung von Malzlontigemen nur von einer Brauerei auf die andere. Hier hat sich über den Weg des Brauereigeweebes e i n Dritter dcS Geschäftes bemächtigt, was zweifellos unzulässig ist. Wer das Kontingent darf auch in diesem Falle nicht übe-tragen werden, weil auf seiien der übertragenden Brauerei ein wichtiger Grund zu der Uebertragung wie es die Bundesratsveroronung vor- schreibt, nicht vorliegt. Der Betrieb ist lebensfähig, steht sogar geschäftlich gut nach Durchsicht der Bilanzen. Er verteilte 1347 4 Proz., 1313 6 Proz. Dividende, die einzelnen Konten stehen äußerst gering zu Buch, so daß hier keinerlei wirtschaftliche Notwen- digkeit ftir die Uebertragung des KontigentS vorliegt. Da mit dieser beabsichtigten Manipulation auch die B e- triebsstillegung und die Entlassung von Ar- b eitern verbunden ist, hatte der Brailereiarbciterder- band bei der Reichsgetreidestelle, Kontigenfftelle, Einspruch gegen die Uebertragung des Koutingcnts erhöbe,:. Tie Äontin- gentsstelle hat dem Einspruch nicht stattgegeben, sondern die U e b e r- t r a g u»l g g e n e h m i g t In t«r 5iviilingeutstelle sitzen in der Mehrzahl Brauereibesitzer, Direttoren, Shndici von Brauereien, die wohl samtlich davon überzeugt geioescn sind, daß die Brauerei Ade- lung u. Hosfmanu gut ficht und auf ihrer Seite„ein wichtiger Grund zu der Uebertragung des Kontingents" nicht vorliegt, aber Weg, sondern der Zick-Zack schlechthin mit aufleuchtender, aber auch kraß verbleichender Phantasie. Keine Entwicklung, kein thema- tischcs Gleichmaß, das innerste Erlebe» ruhelos, stürmisch, allzu laut hinausgeschrien. Hoch! oft ex bewältigte diese höchst kniff- liche Aufgabe sehr tüchtig; das Siegfriediöyll hingegen taktierte er so unplasrisch und belanglos, daß es kaum wiederzuerkennen war. An der Ausführung und am Milieu lag auch wohl der Mangel an Eindruckskraft der Georg- S t o lz e n b e r g-Lieder. Dieser eigen- artige Schriftsteller ist auch ein eigenartiger Komponist, der den Geist alter Gesänge mit modernen Mitteln anschaulich macht. Seine Wortbehandlung ist im zarten Nachgehen und Entwickeln der melodischen Linie vorbildlich. Obgleich kunstvoll gearbeitet, be- halten die Weisen doch das spezifische Gesicht ihrer alten Zeit. Leider kann Auguste Hartmann-Rauter ni'r fchmiegsain und graziös vortragen, aber nicht einwandfrei singen. Sie sollte daS eine lernen, ohne das Gekonnre zu verlernen. Eö ist die erhebendste Freude, einen Könner wie Vecsey nun auch musikalisch— auf oberster Staffel zu sehen. Heber den jetzigen Stand seines Musikcrtums hinaus braucht er, sa kann er sich kaum mehr entwickeln. Wer ihn noch nicht im Beethovenschen Konzert gehört hat, der gebe hin und erlebe es. Im kraftvollen Bau des ersten, im Gebet des zweiten, in der gezähmten spielerischen Verve des Rondosatzes ein vollendeter Künstler. Ton, Stil, Technik, AnS- druck— hier habt ihr alles, wie es sein soll und wie«s wirken muß. Neben solchen Tönen verklingen langsam die Erinnerungen an viel auderes, das den Durchschnitt erst.zaghast überragt: das hübsche Vortragstalent der jungen Sopranistin Luise I a n d e n, der weiche, schöne) biegsame Gesang der kultivierten Sängerin Rose Walter, der unausgeglichene, gar zu kraftvoll lagernde, in der Chopinschen ü-Moll-Fantasie dennoch zart anhauchende Klavierton der strebhaften Emmy Zopf, der schöne Zusammen- balt im gesunden Spiel von Edmund Schmidt(Klaviers und Alex K r o p o l l e r(Cello). �__ Dr. Kurt Singer. Der wandernde Wiener Wald. Kohlennot gebiert Holzfrevel. Diese Wirkung zeigt sich in erschreckendem Maße jetzt in, nicht nur hungernden, sondern auch frierenden Wien. Einer Schilderung von Paul Umbreit entnehmen wir einige Angaben: In ihrer Not hat die Wiener Bevölkerung zur Selbsthilfe gegriffen und die um- liegenden Waldungen und Anlagen eigenm'jchiiz abgeholzt und zerstört. Ganze Waldparzellen und Berge sind ihrer Holzbeilände beraubt worden, ohne Kenntnis der Forsrverhältmsse und des Brenn- oder Nutzwertes der Hölzer. Der nächste Baum war jedem der beste. Ueberall sind. Stumpen von M bis',4 Meter Höhe stehengeblieben, die letzten Reste herrlicher Waldungen, der Lieb- lingsausflugsziele der Wiener Bevölkerung. Unabsehbar sind die Karawanen der Holzsucher, die mit Traglasten und Wägelchen roll Holz heimwandern oder die Straßenbahn benutze:» Tie Behörden sind völlig machtlos gegen den Holzsrevel, denn selbstverständlich bezahlt keiner das sclbstgefällte Holz, sondern eignet es nch unent- S eltlich an. So wandert der schöne Wiener Wald«n die Stadt. üd in der Stadt kommt zum Holzfreve! der Holzwucher und das wilde Holzschlagen draußen bringt zahlreichen Pcrs rnen Ver-- krüppelung und Tod. Und eS bleibt nicht nur bei der Verwüst-iug der Waldungen. In Wien verschwinden ganz systemrti'ch Bau- und Gartenzäune, Grundstücksplanken und sonstige Holzeinfassun» Nr. 632 ♦ 36. Jahrgang 1. Seilage ües vorwärts Vonaerstag, 11. Dezember 1919 Anklagen gegen die Schwerindustrie. In der Nationalversammlung sprach am Mittwoch zunächst Abg. Brauu-Frankeu(Soz.): Ter gestrige Tag hat bewiesen, daß die Herren von der Rechten alles tun wollen, um das Zustandekommen des Reichsnotopfers zu verhindern. Sie sind bemüht, die Steuergesetze zu sabotieren. Mit allen Mitteln wollen sie die Verhandlungen stören. Wir wenden aber dafür sorgen, daß ihre Pläne nicht gelingen, daß die Aricgsgewinne erfaßt werden und ein gerechter Ausgleich im Volke hergestellt wird. Für die Richte gilt dos abgeänderte Wort Bismarcks:..Wir Deutsche suchten nichts so sehr, als Steuern zu zahlen." Es gibt keinen ärgeren AntinationalismuS als denjenigen, der es uns unmöglich machen will, den Wiederaufbau zu vollziehen. Das ist dw Drückebergerei des Kapitals. Das Ka- vital hat sich immer vom Steuerzahlen gedrückt, schon seit der Gründung des Reichs. Alle Lasten mußten die breiten Massen tragen. Der Kampf gegen Erzberger ist nichts weiter als ein Kampf gegen die Belastung des Besitzes. Man will diesen Mann fällen, weil er im Gegensatz zu seinen Vor- gängern die größte Tatkraft bei der Lösung der Finanzfragen zeigt. Ihre Politik,(nach rechts) führt naturgemäß zum�Ttaatsbankerot», und dagegen müssen wir uns mit aller Entschiedenheit wenden. Der Kampf von rechts wird gegen die Republik, gegen die Nationalver- kammlung, gegen alle sozialen Maßnahmen geführt. Wir aber wollen Deutschland retten, wir wollen nicht, daß das Ruhrgebiet besetzt wird.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten; Unruhe rechts.) Ich komme jetzt zu dem unangenehmsten Teil meiner Rede, zu Herrn Dr. Hugenberg. Wir hätten es begriffen, daß Herr Hugenberg gegen das Steuer- zahlen der Besitzenden ist. Seine Rede war aber mehr als eine Klassenkampfrede des Kapitalismus. Seine Worte waren wohlüber- legt, in der Studierswbe niedergeschrieben und für die Leser deS „Generalanzeigers" in Essen und deS„Lokalanzeigers" in Berlin berechnet.(.Heiterkeit.) Ich muß Herrn Hugenberg ins Gedächtnis rufen, daß er in dem Militärbeamtenbestechungsprozeß gegen Krupp nicht vereidigt worden ist. weil er dem Gericht der Teilnahme ver- dächtig erschien. Dieser Mann redet hier von Korruption, der selbst da» preußische Beamtentum im Kriegsministerium und Reichs- marineamt durch Bestechung korrumpiert hat. Präsident Fehrenbach: Es gebt nicht au, daß Sie einem Stbge ordneten Vorlverfcn, er habe Beamte korrumpiert. Abg. Braun(fortfahrend): Bon der Firma Krupp, deren Generaldirektor Herr Hugenberg bis zur Revolution gewesen ist, find die interessanteste« internationalen Beziehungen gepflogen worden. So sind mit den Pntiloffwerken, deren Kaironen unsere eigenen Soldaten nachher niedergemäht haben, technische Er fiiidnngen ausgetauscht worden. Nach Nordamerika ist die Tonne Kruppschen PanzersiahIS um 40 M. billiger geliefert worden als an Deutschland. Ist da- Patriotismus? Diese Leuie wagen heute von Korruption zu sprechen! Im Krieg, den Sie(nach rechts) verbsrr liche» viid wiederholen möchten, liegen die Wurzeln der Korruption. Auch die Korruption des Schiebertums ist aus dem Kmge ent stauten. Dr. Hugenberg här den Finanzmimstsr einen LandeSver räter genarnt. Dabei hat er selbst den ärgsten Landesverrat be. gangen, indom er der Entente deutsches Land geradezu äuge botcu ka>. Präsident Fehrenbach: Ich kann nichi zugeben, daß einem Mit. glied des Hauses, auch wenn es Anlaß zur Erregung gegeben hat, Landesverrat vorgeworfen wird. Ich bitte Sie, die gestrigen Vor- gänge sich zur Warnung dienen zu lassen und sich unseren Aufgaben zuzuwenden, nämlich der Steuerdebatte. - Abg. Braun-Franken(Soz. sfortfahrendj): Die Ge'chichtc de» Slahlwer-sverbandes, bei der Dr. Hilgenberg eine Rolle spielte, jh eines der traurigsten Kapitel: nicht für Sie(nach rechts); für \sie ist es ein goldenes Kapitel Der Stahlmerksverbaad hat I9lS die Notlage teS deutschen Volkes in der unerhörtesten Weife ausgenutzt. lZurus rechts: Unwahr!) Der Untersuchungsausschusi wird sich hoffentlich gründlich mit der Frage beschäftigen, warum die Stahlindustrie sich zehn Millionen Wuchergewinn monatlich verschaffen konnte.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Merk- wüvdigerweise ist ein großer Teil dieser Akteu aus dem Kriegsministerium verschwunden. iHört, hört!) In Massen wurden deutsche Stahlschienen über die Schweiz nach Italien geliefert, damit Italien daraus Waffen gegen Deutschland machen konnte.(Hört, hört! linlS.) Helfferich duldete f|i||e. Geschäfte: er war ein Finanzminister nach dem Herzen der jten.(Sehr wahr! links.) Wir wollen die kleinen Rentner »en und die Interessen der Auslandsdeutschen wahren.(Leb- er Beiiall bei de» Sozialdemokraten.) Abg. Farwick(Zentr.): Wir billigen den Gesetzentwurf. Einige nterungsanträge werten wir noch einbringen. Dieses Reichs- no tapfer ist eine unbedingte Notwendigkeit. Wie sich jemand im ganzen Deutschen Reiche findet, der mit dem Gedanken spielt, daß das Heer unserer Feinde auch mir einen Fußbreit weiter in deutsches Gebiet dringt, in die deutschen Häuser, das verstehe ich nicht. Ter oeftrigs Tag war ein schwarzer Tag in unserem parlamentarischen Leben, und ick erkläre namens sämtlicher Parteiangchüriger auS dem besetzten Gebiet, daß wir uns mit flammendem Protest gegen einen derartigen Gedanken verwahren.(Lebhafter Beifall im Zen- trum und liuts.) Wir sind Deutsche, und wer den Feind auffordern will, über unsere Leiber hinwegzuschreiten, der rechnet schon zu den Toten. WA müssen aber noch 15 Jahre in diesem Lande leben und haben hierzu alle Kraft nötig. Abg. Dr. Petersen kDem.): Wir Demokraten sind bereit, dein Besitz das größtmöglichste Opfer aufzuerlegen; indessen ist die Frage, ob daS in Form einer einmaligen Vermögensabgabe erfolgen soll oder in der Form einer jährlich zu erhebenden Ab- gäbe, noch nicht endgültig geklärt. Wir stehen aber aus dem Boten der Vorlage und! verden auch in der zweiten Lesung dafür stimmen. Abg. Dr. Becker-Hesten(D. Vp.): Die Behauptung de» Abg. Braun, daß der Besitz steuerscheu sei, ist objektiv unwahr. Der Redner empfiehlt dann den Wag der Zloangsanieihe an Stelle der Regierungsvorlage Reichsfinanzminister Erzberger: Die Behauptung, daß durch das Reichs notopfer der Tod de? deutschen Wirtschaftslebens herbeigeführt wird, ist falsch Um- gekehrt bereitet der Weg, den der Abg. Becker vorschlägt, der deutschen Wirtschaft eine außerordentliche' Erschwerung. Ratür- lich kann man gegen das Reichsnotopfer ebensogut wie gegen jede» Steuergesetz Bedenken vorbringen. Der Abg. Dr. Hugenberg hat gestern da» hohe. Lied deS Egoismus gesungen. Dagegen stelle ich daS hohe Lied der Solidarität, des s o z i a l e n I n t e r e s s e 5. Das deutsche Volk erträgt nicht, daß solche ungeheuren Ansammlungen von Vermögen vor dem Kriege und leider noch während des Krieges stattgefunden haben. Wenn das Reichsnotopfer nicht zur Verabschiedung kommt, ist eine indirekte Steuerbelastung nicht durchführbar, dann kann keine Re- gierung unser Wirtschaftsleben ruhig und sicher aufwärts führen. Die Zwangsanleihe, die von der Rechten gewünsch! wird, würde einen Kurs von A) bis 22 haben. Sie würde die Summe von 25 Milliarde» innerhalb von sechs Monaten aus dem deutschen Volke jährlich her- ausziehen, während das N o t o p f e r dem deutschen Volke jährlich 2,8 Milliarden auferlegt. Der Familien st and wird berück- sichtigt werden. Dre kleinen Rentner bis 100000 M., die also 5000 M. Einkommen haben, brauchen keinen Pfennig zu zahlen. Das Vorhandensein von vier Kindern und mehr wird bei dem Vermögen bis zu 200 000 M. Einkommen besondere Berücksichti- gung finden. Es wird dafür gesorgt werden, daß die gewerb- l i ch e u und landwirtschaftlichen Betriebe lebens- kräftig und lebensfähig erhalten bleiben. Bei der Vermögensfest- stellung soll auch nicht der Wert der einzelnen Stücke, wie er sich jetzt darstellt, zusammengezählt werden. Das wäre wirtschaftlicher Wahnsinn. Diese einzelnen Stück sollen nur Anhaltspunkte bilden. Das Reichsnotopfer ist notwendig, es muh rasch verabschiedet werden. Abg. Wurm(1l. tsoz.): Bei den Demotraten herrscht noch Un- stimmigkeit. Das Reichsnotopfer bedeutet keine Sozialisierung. Auch die Steuergesetze sind keine Sozialisierungsgesetze. Wir be- willigen keinen Pfennig einer Steuer, die den wirtschaftlich Schwächeren stärker trifft als den wirtschaftlich Starken, und das ist das Wesen der indirekten Steuern. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Dr. Brau»(Soz.) weist Unterstellungen des Volkspartei- lerS Becker- Hessen zurück. Ueber Abg. Hugenberg sagt er: Ich glaube, daß es besser ist, das Urteil über Herrn Hugenberg nicht der Oefsentlichkeii. sondern dem Unterausschuß de» parla- mentarischen Untersuchungsausschusses über die wirtschaftlichen Kriegsmaßnahme«'zu überlassen. Abg. Katzenftein i«oz.): Ich bin auS dem 10. Ausschuß für daS Reichsnotopfer ausgetreten, nicht weil ich ein Gegner de» R e i ch S n o t o p f e r S bin, sondern weil ich auf Beschluß meiner Fraktion in den 11. Ausschuß eingetreten bin. In namentlicher Abstimmung wird sodann über den Antrag Dr. Becker(D. Bp.ft die Vorlage an den Ausschuß zurückzuverwei- sen, abgestimmt. Der Antrag wird mit 236 gegen 43 Stimmen der Rechten abgelehnt. Abgelehnt toird der Antrag auf Erhebung einer Zwangsanleihe. Z2 wird angenommen mit einer Aende- rung, wonach diejenigen Deutschen abgabefrei sein sollen, die schon eine geraume Zeit vor dem Kriege im Ausland wohnten und in Zukunft wieder im Auslande tätig sein werden. Abg. Dietrich(Dnat.) beantragt Abgabefreiheit auch für die gemeinnützigen landschaftlichen mid ritterschaftlichen Kreditinstitute. Der Antrag Dietrich wird abgelehnt. Angenommen wird ein Antrag B l u n ck(Dem.)— Braun(Soz.), wonach Genossen- schaften nur abgabepflichtig sind, deren Anteile auf mindestens 60 M. lauten. Aach§ 5 sind abgabefrei die Länder, die Gemein- den, die Kirchen sowie die kirchlichen und religiösen Gemein- schaften. Universitäten. Hochschulen, die Reichsbank, die Reichsdar- lehnskassen und die Staatsbanken, die Sparkassen sowie die von Körperschaften des öffentlichen Rechts begründeten gemein- nützigen Kreditanstalten, Handelskammern, Gewerbekammcrn, Handwerkskammern, Landwirtschaftskammern usw. Die Anstalten der Versicherungsgesetze, die Pensions- usw. Kassen, Stiftungen, Anstalten usw., die gemeinnützigen Zwecken dienen und auf An- trag des Ausschusses politische Parteien und Vereine. Abg. Wirland(Dem.) verlangt Abgabefreiheit auch für die wissenschaftlichen Verbände. Reichsfinanzminister Erzberger sagt das zu. Abg. Grubcr(Soz.): Wenn der Reichsfinanzminister in der furchtbaren Not, in der da? Reich sich befindet, an der Hütte des armen Mannes anklopft und ihm seine Ersparnisse nimmt, so soll er auch an dem Kirchenvermögen nicht achtlos vorübergehen. Es gibt Kirchenstifiungen und Gemein- ten. die über großen Besitz verftigen. Im Krieg hat man die Kirche auch herangezogen, indem man die Glocken beschlagnahmte, um daraus Geschütze zu gießen. Ter Finanzminister hat ja schon zu- gesagt, daß er das Einkommen der Toten Hand besteuern will. Damit sind wir aber nicht zufrieden, wir Ivollen auch das Vermögen besteuern. Es würde eine Beleidigung bedeuten, wenn man hier die Kirche zurücksetzen würde. Die öffentlichen Sparkassen sollen abgabeftei fein, nach einem von uns gestellten Antrag sollen aber nicht alle dem öffentlichen Verkehr dienenden Sparkassen von der Abgabe befreit sein, weil sich hinter manchen von diesen private Bankiers verbergen. Die Banken werden die minimale Konkurrenz, die ihnen durch die öffentl'chen Sparkassen erwächst, wohl ertragen können.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Reichsfinanzminister Erzberger: Am liebsten wäre eS mir, wenn Sie den ganzer:§ 5 streichen würden, wenn überhaupt keine Ausnahme gemacht würde. Aber es ist unmöglich, z. B. die p o l i- tischen Vereine abgabefrei zu lassen und die Kirche nicht. Im übrigen wird ein Gesetzentwurf über die Besteuerung der Toten Hand in nächster Zeit kommen. Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Blunck(Dein.), Rieße? (D. Vp.) und Grünewald(Dem.) wird§ 5 unter Ablehnung des sozialdemokratischen Antrags«u genommen. Donnerstag 1 Uhr: ReichSbankgesetz und Weiter- beratung. Schluß 7 Uhr. MoröproM tmöner. (Schluß aus der Abendausgabe.) In der weiteren Zeugenvernehmung bekundet der Sachverstän- dige Professor Adolf Schmidt, daß die Aussage des Zeugen Redak- leur Kunkel sich völlig mit der Aussage der Pflegeschwester des Majors v. G a r e i s deckt. Major Gareis hat am ersten Tage noch die Hoffnung gehabt, daß er mit dem Leben. davonkommen würde. — Vors.: Hat Major Gareis Kinder?— Professor Schmidt: Ja, zwei. Zeuge Rcchtspraktikant Gutmann hat der Sitzung von einer Tribüne beigewohnt. Er sagt auS: Als ich in den Landtag kam, es war nach der Kunde von der Ermordung EiSnerS, liefen die Soldaten herum und sagten: Die Abgeordneten werden erschossen, besonders aber die von der schwarzen VolkLpnrtei. Vor der Aufnahme der Sitzung wurden die Leute aus der Tribüne nach Waffen durchsucht. Ich sab, wie von einer reservierten Tribüne jemand in den Saal hiuunterschoß, nachdem Lindner zwei Schüsse abgegeben hatte. Ich rief dem Manne, der ges-bossen hatte, zu: Sie sind wohl verrückt! Darauf zielte der Mann noch mir, und ich drückte mich. Während Lindner auS dem Saale flüchtete, hielt er den Re- volver so vor fich, als ob er noch auf jemand schießen wollte. An- scheinend versagte aber die Waffe, und ich rief in den Saal hinab: Jetzt versagt ihm der Revolver, jetzt könnt Ihr ihn jrstuehmeu! Aber drunten herrichte allgemeiner Wirrwarr. Zeuge Attenbergcr, Verwalter de? Landtags, hat gleichfalls beobachtet, daß von der reservierten Tribüne geschossen wurde. Zeuge Dr. Anton Pfeifer, Generalsekretär der hayerischen Volkspartei, hörte mehrfach Drohungen gegen das Zentrum ausstoßen. Ein junger Mann habe auf dem Korridor vor der Journalistentribüne den Redakteur. des„Vaterland", geistlichen Rat Sturm, angerempelt und ihm zugerufen: ES wird nicht eher Ruhe, bis 300 von Euch Pfaffen aufgehängt sind. Auch der Zeuge befand sich in der Nähe des ManneS, der von der Tribüne her- Untergeschossen hat. Als sich unten im Saal mehrere Personen um Auer bemühten, sah der Zeuge, daß noch einige Leute sich auf der reservierten Tribüne befanden, von denen einer rief: Ist der Hund, der Auer, noch nicht hin, da sollte man nochmals hinunter- schießen.| Zeuge Redakteur Geistlicher Rat Sturm bekundet, daß der Saal sich nach den Schüssen schnell leerte. Er ist nach zehn Minu- ten nochmals auf die Tribüne gegangen und sah, daß auf einer Tribüne noch Soldaten waren. Er hörte dann auch das Kom- mando: Revolutionäre Arbeiter, jetzt ab! � Abg. Bürgermeister Ackermann gibt an. daß hinter Lindner ein Mann stand, der den Eindruck machte, als ob er als P>a t r o u i l l e für Lindner diene. Die Soldaten hatten den Gürtel voller Handgranaten. Aus Befragen gibt der Zeuge weiter an, daß nach dem Attentat am Nachmittag in der Fraktion der Mehrheit»- s o z i a l i st e n eine Besprechung stattfand, die den Zweck hatte. militärische Hilfe gegen die Zustände in München herber- zurufen. Man war der Ueberzeugung, daß ein Versuch, den Land- rag in München einzuberufen, ohne diesen milirärischeii Nhutz zu denselben Vorgängen führen würde. Weiter gibt der Zeuge aus Befragen des Staatsanwalts an, daß man schon zur Einberufung des Landtags am 21. Februar ein Regiment Soldaten von auswärt» Herdeigerufen harte; dieses sei aber in Dachau abge» sangen und enwaffnet worden. Abg. Hartmann erklärt, daß er sich gewundert habe, daß der Täter mit einer Waffe in den Saal kommen tonnte, während die Abgeordneten und alle anderen Personen beim Betreten des Landtags nach Waffen durchsucht wurden. Bemerkenswert sei es auch gewesen, daß der wachthabende, Soldat, der an der Saalrür stand, Gewehr bei Fuß blieb, während Lindner schoß. Der Zeuge glaubt in dem Angeklagten Frisch den Mann wiederzuerkennen, der Lindner als Deckung diente. Dieser Mann habe nicht ge- schössen, sondern mit vorgehaltenem Revolver dagestanden. Angeklagter Frisch: Der Herr muß sich täuschen, ich war es nicht. Ich habe auch gar keinen Revolver in der Hand gehabt. Zeuge: Ich mutz sagen, daß die Aehnlichkeit jedenfalls sehr groß ist. Abg. Hoegg ist ebenfalls nach der Stimmung, die er un revolutionären Arbeiterrat kennen gelernt hat, der Meinung, daß e» sich um ein vorbereitetes Attentat gehandelt hat. Er hörte von der Tribüne rufen: DaS ist die Rache des Proletariats! Besonders interessant gestaltet sich die Vernehmung des Land- tagsabgeordneten Dr. Süs-heim-Nürnbcrg, ein Führer der Mehr- heitSsozialisten. Er bekundet: Nach der Ermordung EiSners herrschte eine lebhaste Erregung, und es lag in der Luft, daß etwas geschehen würde. Ich hatte das Gefühl, daß für Auer Gefahr be- stehe. Eisner und Auer waren politisch und persönlich im Gegensatz. Der Entschluß EisnerS, vom Miiiisterposten zurückzutreten, und die Vermutung, daß Auer sein Nachfolger werden würde, ließ die Befürchtung nahe erscheinen, daß in ter Masse das Gerücht ver- breitet werde»: würde, Auer stehe mit der Mordtat in Brrbindung. In der Fraktion habe ich daher angeregt, daß man Auer veranlassen sollte, sich nicht zu sehr zu exponieren. Ich habe dann mit Auer die Erklärung verfaßt, die Auer in der Sitzung verlas. Auer war ziemlich zu Ende mit der Verlesung, als ich plötzlich durch einen Schutz aufmerksam gemacht wurde und eine Gestalt erblickte, deren Gesichtszüge ich nicht mehr beschreib«: kann. Auer schwankte, ich sprang auf das Podium, um ihn zu stützen, Auer war aber in- zwischen schon zu Boden gefallen, nachdem er sich an die Brust ge- packt und laut aufgestöhnt hatte. Am Boten krümmte er sich zu- sammen. Ich sah dann, daß ter Täter w e i t e r s ch o ß. und zwar in der Richtung auf ui:S. Instinktiv bückte ich mich, d. ch glaubte, daß er auf mich ziele. Ich hatte auch das Gefühl, daß ein Geschoß über mich hinweggehe. Kollegen glaubten, daß ich getroffen wäre.� Ich bin in gebückter Haltung zum Platze der Abgeordneten zurückge- gangen. Auf der Tribüne sah ich eine Gestalt aufgereckt stehen, die hinuntcrries: Das ist dir Rache des Proletariats. Ich hatte auch das Gefühl, daß von der Tribüne geschossen wurde, aber eS fft möglich, daß da» nur da» Echo der zahlreichen Schüsse im Saale war. Aber auch oben auf der Tribüne war die Auf- regung sehr groß. Vors.: Sind Sie der Meirnrng, daß es sich um einen vor- bereiteten Anschlag gegen den Landtag hantelte?— Zeuge: Das ist ungeheuer schwer zu sagen.— Verteidiger lltcchtsanwalt La un: Sie stauten Auer nahe, wie erklären Sie sich den Haß der Ar- beiterschaft gegen Auer?— Zeuge: Da müßte ich einen politi- scheu Vortrag halten. Ein Teil der Arbeiterschaft hing mit ab- göttischcr Verehrung au Eisner, und es war bekannt, daß Auer in den Revolutionstagen im Gegensatz zu Eisuer gerate,: war. Die Leute hatten das Gefühl, daß Auer bei der Re- volution nicht die Energie, wie man sie sonst bei ihm gewohnt war, entwickelt hatte. Nur so erkläre ich mir die weitgehende Erbitte- rung in der Arbeiterschaft, die politisch und wirtschaftlich die Schtoierigkeiten und Hemmungen nicht übersehen konnte. Wer nicht vom November ab die Vorgänge mitgemacht hat, wird die Stimmung nicht beurteilen können. Daher ist es so ungeheuer schwer, für das physiologische Werden einer solchen Tat Ilufschluß zu geben, ohne diese Kenntnisse. Die Leute machten nicht nur Auer verantwortlich, sondern auch noch andere Führer. Als ich im Zentralrat dir Verhaftung von Geiseln brandmarkte, stürzte sofort jemand auf mich zu Und rief„Ver. räter" und erklärte, ich müßte verhaftet werten. GerichtsMung. Millionenschiebunge» mit städtischeu Ltbenvuiittelu. In die Welt des großstädtischen SchiedertumS mit allen seinen widerlichen Nebenerscheinungen leuchtet ein Prozeß hinein, der seit mehreren Tagen die 1. Straflammer d:S Landgerichts 1 beschäftigt und noch mehrere Tage danern wird. Die auf Diebstahl, Unter- schlagung, einfache und gSverbSmäßige Hehlerei lautende Anklage richtet sich gegen folgende Personen: den städtischen Hafeninspektor Wilhelm Schwabe, den städtischen Hafenmeister Hermann See- ring, den Dreher Alfred B a b e r und den Fuhrmann Otto Rüther. Letzterer, der schon mehrfach wegen Diebstahls und Hehlerei vorbestraft ist, ist flüchtig. Die Angeklagten werden veichuldigt, aus dem städtischen Lager am Osthafen, wo Schwabe und Seering beschäftigt waren, in den Zahren 1S17— 18 1000 Zentner Weizenmehl und M a i S g r i e ß, 200 Zentner Reis und 900 Zentner Erbsen, welche für die städtische Massenspeisung bostimurt waren, entwendet und zu Wucherpreisen verschoben zu haben.— Am 27. Juli 1917 wurden den Daimler- Werken in Marienfelde 500 Zentner Reis für 120000 M. angeboten und von diesen gekaust. Als ein Teil der Ware abgeladen wurde, erschien die Polizei und beschlagnahmte den Reis. 3ö Zerit- ner wurden der Gemeinde Marienfelde überlassen, während 55 Zentner nach dem Osthasen zurückgingen. Hierdurch wurde die Polizei aufmerksam, und nach und nach wurde folgendes ermittelt: Ein Teil des Weizenmehls und der MaiSgrieß war durch Vermitt- lung deS vorbestraften Küthe r und einem CafStier Hehl auS Spall- Vau an die„H e k o- W e r k e" verschoben. Der Inhaber dieser Zirma, dem später die Aezeichnuug„Werke" behördlich verboten wurde, ein früherer Handlungsgehilfe Helmuth Koppe, ließ aus dem Mehl, wie die Anklage behauptet, unter Zusatz von Farbe und Aroma sogenanntes Puddingpulver herstellen und soll damit Mrl- lionen verdient haben. Im Juli 1917 wurde der Kaufmann Wiesenthal mit dem An- gesagten Baber, der sich„Schulz" nannte, bekannt, der ihm 400 Zentner Erbsen anbot. Der Kauf kam zustande und der Bater des baber, der als„Schiffer Krüger" austrat, nahm als erste Rate von W. 55000 M. entgegen. Ein Agent Grünstem, der sich auch Herbst ■.tcnist, verdiente hierbei durch ein ei-nsachcS Telephongefpräch 20 000 M. Provision. Die Erbsen wurden dann von der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik Zu hohen Preisen gekauft. Im August wurden Wiesenthal weitere 500 Zentner Erbsen angeboten und von diosem gekauft, der insgesamt 105 000 M. gezahlt haben will. Grünstein verdiente dabei 50 000 M. Provision.— Wie die Anklage weiter behauptet, soll Schwabe, der ein Einkommen von >0 M. als Hafeninspektor bezog, mit den Taufen markscheinen nur '0 um sich geworfen, eine teuere Jagd gepachtet und sich ebenso wie Seering sogar ein Haus gekauft haben. Selbst der vielfach vorbe- üraste Aücher schaffte sich eine Eguipage und Pferde an.— Bor Gericht bestreiten die Angeklagte�, daß cS sich um statische Güter mdelt habe. Bon den Rechtsanwälten Dr. Schwindt, Artur .......................................... u iiiiinaaiBMM Schulz, Jufiizrat Dr. Werthaüer und Dr. Eoßmann wird ein Beweis nach der Richtung hin angerreien, daß es sich tat- sächlich um von den Angeklagten auf eigene Rechnung erworbene Schieberware handele, welche lediglich, um sie dem Zugriff deS KriegSwucheramtS zu entziehen, nach dem städtifchen Speicher am Osthafen geleitet worden fei.— Zu der Verhandlung find über 70 Zeugen geladen. Straßenbahn-Freuden. Weil er auf der Straßenbahn als Abonnent eine Haltestelle zu weit fuhr, haue sich der Kellner H. wegen Betruges vor dem Schöffengericht zu verantworten. Der Angeklagte war auf der Linie 55 abonniert, die die Leipziger Slraße, von der Mauerstraße ab, entlang fährt. Da es der An- geklagte aber eilig hatte, sprang er schon an der Friedrichstratze auf die Linie 88. Der Schaffner verlangte für die Strecke zwischen Friedrichstraß» und Mauerstraße das Fahrgeld, das der Angeklagte ablehnte. Taraus nahm Um der Schaffner die AboirnementSkarte ab und wies ihn vom Wagen. Der Angeklagte sing heftig zu schimpfen Mi. so daß ihn der Schaffner vom Wagen stieß, worüber der Angeklagte mit beleidigenden Ausdrücken, wie„Halunke",»ver- rückt" und dergleichen quittieme.— Rechtsanwalt Dr. Bruno Jsaac wies vor Gericht darauf hin, daß im Publikum die An- ficht herrsche, daß ein Abonnent der Straßenbahn auch wenige Schritte vor dem Beginn der eigentlich abonnierten Strecke auf- steigen düfe und daß deshalb dem Angeklagten das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit gefehlt habe. Das Schöffengericht folgte diesen Ausführungen und spvach den Angeklagten wegen Betruges frei, verurteilte ihn aber wegen Beleidigung und Hausfriedensbruchs zu 40 M. Geldstrafe. Jugenüveranstaliungen. djeutraljugeudheim, Lindmstr. 3, S. Ho> III link«: Heute: Schach- lehrahend. Abt. Gesundbrunnen. Jugendheim, Lokal Karl Pose, Kolouiestr. IS, heute 7 Ahr: Vortrag. Fritz Reuter. «bt. Steglitz. Ariebeuau. 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Jled. Abend T1/, ühi: LMs 0 ehem. Mit Stettmer Si b tonnt nubm «rmäll ProiselToll Attrnd- frogramn) t Kind troll* fUnnbrn gestattet _._ifl«n-Kemcrt. Beg. 7.1° Uhr. Votrerkf U— l1'» n. 4—6 Uhr. Nene» Programm! ItgT der ?m-r Volksbühne aÄU WaUhr: FFEliigt Iii UtOffl. Lessing-Theater Direktion; Victor Barnoa-skv. 7: Sondervorstellung für die hungernden Kinder Wiens: Der Pfarrer von Klrcbfeld. (Ilka GrUning, Poldi Müller, Dagny Servaes, Theod. Loos, Eugen Klöpfcr, Alex. Ekert, Emil Lind.) Hierauf: Konzert u. Vorträge. LH; Hafgren■ Waag, Carl Clewlng, Tilla Durieux, Paul Morgan.) Freitag und Sonnabend T1/«: Pyjpnallofi« (Durieux.Griining, Hartmann, Heinich, Tlllmann, Klöpfer, Salfner, Schnell, Gien.) DeatseDes KiinsÜEF-TliEaiEr Allabendlich T1/»: Cyprlenne. (Leop. Konstantin, Kurt Götz, Erich Walter.) Theater Dir.: James Klein E FriedrichstraBc Zill I t.Phvt.T1'' JV» Sonnt.2 önäbeptrellliElies 1 Abott& Partner! Humorist. Akt Hanni Garden Trapezkünstierln Lo Kittay der weltberühmte QedankenQber- trager, macht Jed. Menschen willen. los. Zum I.Male a. ein. VarlefdbOhne 2 Bennos Exzentriker H Rougbys, [ Fliegende Akrobaten j Qadbin's Todessprung aus der V. Etage Bernhard Trio Qymnastiker Klara Berat Illusionstänze 3 Salvano I Komische Radfahiet| CirsasBmb Donnerst..(I.Dez., zd.7>/,: Die Schreekenslatirt a. Motorrid. an steil. Wand sowie d. übr.Dez.-Progr.ll Zum Schlug: Morgen, Freitag, ab. 7"/»: Boxkämple. REicäs(iaJi.-IiiEat8r 71/, Übe u. Sonntag M nachm. Z Uhr; Stett. Singer Morgen lZeft-a. Beneüz.Vorft. Reichsballen�-.: »Unhufl-Drelll. In allen Farben ZK|» 7teil. m.Rahm. M.»lt)Uan- 7 telllg K7K mit Anrichte M. J« w, Einzelmöbel Kleiderschränke, Verti- kows, Bettstellen, Sofas, Ruhebetten usw. KleintnBbel Klaviersessel, Rauchtische, Flurgarderoben« Büsteostiuder äußerst preiswert. Kluge Gharlottenbnrg, WilnersilorfeF Str. 19. 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Oer>tr Jesu, Ehrl, Ins? 1s siDcr alten erieninUMbn* Btbllothak Ist«in Doknment gntanden worden, da» gana genau taittailt, wer Jesot Ohristaa«ran«in Bundeabruilar da» kM&erbundaa, ainar Art Freimaurcrveralaignag. Es ist dar Bariobt de« Ältesten diese« Bunde« In Jerusalem an den Alioeten in Alcxaudrien. Ein cbrlsUictiar Priaater vertuobte bei der Entdecknug da« Dofconient au Teralcbten, da«lob dia gansen njrstUchea ' WundcrgeeeUiebttra an* elum«! gaue nat&rlicb«rkliren. Die TanilcUtang galant? Ii» aber nicht. Dieser hUtonscbe Beriebt tat ins Dauwcha übersetat worden, mit Oinem Vorwort udbt PooUns Vilatus naubwarbeitat«on Ford, ßchmidt, KcU Denkender«rtrd das Werk OBbafriedigt ans d«r Hand legen. PrelaU*«,—»cb&Q M gobondca VU Z,—, Xiocbnaba« 60 E& web«.. Bilcberkataui« gratifc sLS Crosser B&cherk.uloz cr.d. durch: Albrecht Oouatb. Verlag, Leipzig 42. Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 68, Lindenstr. 2 1920 Aus dem Inhalt: Die neue Kelchsverfassung, Ihre Entziehung und ihr Aufhau, von Dr. Max Qusrck/Das ncueArbelts- reiht v. Dr. Oeorg Flatow/ Frleijrich Engels in Wort und Ufld Zum lOO.iieburts tag/ Die Eniwlcklung und Leistungen der deutschen Uewerkschatten während des Krieges/ Kalecdarium / Partei- aewerksch<s- Sdressen/ Die neuen Postgebühren Preis 4,20 Mark Kleinmobel Wende VeMLlsttRen'e »auchtlscha(nutz- hanm iL eiche). Ilnraoeheruhe, «tndiische. niumcufvippen, ftlaofceleffcl, Mafenfföndec. Silber nfto. Riesenauswahl Billigste Preise CHarlpttenbura, Otlmeesboefer St. 128 1 Ecke Schillertiratze. Kein Laben.' Prledrichstr. 166 zwischen Franzüsiscbe und Behrenstrafle (Sehenswürdigkeit) Inh.: R. G. Kupfer Kaltes Büffet— Original ManegoId.Llköre Gute Weine— Mokka— Flaachenvcrkaut ANTIQUITÄrEN Modernes Mobiliar und Kunstgewerbe Gemälde des 17. bis 79. Jahrb. moderne Zimmereinrichtungen Barock- u. 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Zentralverband der Ziiiimerer veuttchland! Zablft. Berlin u. llmg. («ejirt 14.) Den Bcrussgenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied Emil Pankan am Sonntag, den 7. Dezember 1919, verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Dezbr. 1919, nachmittags s Uhr, von der Leichenhalle des Fsiedhofcs der Gethsemane- Gemeinde— Nordend— aus statt. Um rege Beteiligung er sucht vor Vorstand. Am 9. Dezember verschied nach langem, mit großer Geduld getragenem Leiden mein lieber, guter, trcusorgender Mann, unser Täter, Sohn, Schwiegervater und Echwiegersolin, Bruder, Schwager, Reffe und Ontcl, Herr �ax Ltripp im öl. Lebensjahre. Klara Stripp, geb. Laube, I eioda lohn. geb. Stripp, Kiid. Hans John. Beerdigung: Sonnabend, 18., nachm. 3'/« Uhr, auf d. alten Iakobi-ltirchhof am Sermannpla«. i Hiermit allen Freunden I und Bekannten sie traurige i Mitteilung, Saß meine liebe Frau AMielft SMH geb. Sean» nach segwerem Leiden am 7. Dezember verstorben ist. Johann yolstrich. Die Einäscherung findet am Donnerstag, den 1 1. Dezember. nachm. 3 Uhr im 1 strematorium Trcptow- 1 Baumschulenweg, Kiesholz- ; jiraße, statt. Iü4/7a Kranzspenden verbeten. WlkMllWe liil SM-SleM. Bekanntmachung. Die Vertreter der Arbeitgeber »nd Berficherten im Ausschuß iverden hiermit zu der am Steliap, den 19. Dejembot. abend» Z Ahr, im Mirtohaua„hohen- ,« II e r«". Mfitelstr. 2, hier, stattfindenden WiMm emgeladeir Tagesordnung: 1. Fesifeßling des Haushalts- planes filr 1920. 2. Beichiußsassung über Satzungsänderungen. s. Wahl des Ausschuffes für '---- des lagung des Hauptverbande» deutscher Driskranlentaffen. 5>. Verschiedenes. Berlin �teglix., 10. De». 1919. Der Äorstand. 0. vlxsUl«, Borfitzender. kektsainotaie lZIuicii-irom:: vredstrom stault l' Htrtin V/9, Uakstr. I«. Tel IQtzo-J.' 3705 und£513. 20 öffentliche Volks- verfammlungen am Freitag, den Rii. Dezember ISIS, abends 7 Uhr: 1. Berlin :: 5" 5.„ ?:" g" 9- 10.„ NW.: Luisen-Gymnafium, Turmstr. 87. NW.: Friedrich-Werdersch.-Gymnas., Bochum erStr�i. N.: 183. Gcmeindeschule, Mllllerstr. 158/159. N.: 45. Gemelndeschule, Augustftr. 67/68. N.: 269.;274. Gemcindeschule, Svnnenburgcr®tr.20. N.: 32. Gemelndeschule, Pantstr, 47. NO.: Känigftädt. Oberreaischul«, Pasteurstr. 44/46, 0.: 220. Gemeindeschul-, Naglerstr. 3, 0.: Königstädtisches Wt.mnafium, Elifadethstraßc. S.: Luifenstädt. Oderrealschule, Dresdener Str. 113. II. Berlin 5.: 100. iSemeindcschuIe, Reichenberger Str. 67/70 12. Riederschünhanse»! Schloß Schönhausen, Lmdenstr. 11. 18. Lichtenberg: Eacilien-Gynmastun:, Rathausstraße. 14. Treptow:«ikortagarten. Am Treptower Pari 25. 15. Adlerehof: Wöllstems Lnstgarten, Bismarckstraße. 16. Neukölln: 1. Mödchen-Mittelschuic, Donauftr. 120,127. 17. T empelhos: 2. Gemelndeschule. 18. Schöneberg: llhlandschuie, Koionnenstr. 34/39. 19. Wilmersdorf; Eitcilienschule, Ritolsburgerplatz 5. 20. Eharlottonburg: Hindendurvichule, Gucrickestr. 32. Referat:„Wie arbeitet der Sozialist im Elternrar".— Diskussion. .....-■■' Proletarier, kommt in Massen Der Verband soz. Lehrer«. Lehrerinne« Deutschlands u. Dentschösterreichs �Ortsgruppe Groß-Berlin) Zur Deckung der Unkosten 30 Pfennig Eintritt, Arbeitslose und Kriegsverlctzte frei. SNSTislsrTi " Dr. med. Koebeo. Erprobte und schmerzlose Behandlung* Friedriclistr.BUlÄ Königstr.SSSlIÄ Spr. ID-1 u. 4-7, Sonnt 10-1. Separates Pamenzlmnier JaojßDteiflBöL treue Kunden u. taufende Anerkennungen höchster Zu» friedenh. find d. beste Zeugn. sür meine gar. unschädliche AlloMfflilsßtöe echt«. natfirl. färbend. In all. Farbtönen erh. FI. 5.—, 8.— ,12,— M. Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbe.hnstr. 4. HeHtungllAetallarbetier! Am Tonnerstag, den 11. Dezember 1919, nachmittags 6Va Uhr, im„Patzenhofer", Fidicinstr. Ä/S: Versammmlung Tagesordnung: 232,? Fortsetzung der Aussprache über den Metallarbeiterstreik. 1. Redner: Kollege Adolf Cohen. Mitgliedsbuch bor Partei«nd de» veebande» legitimieren. MI« ttl Bedlnet BoMer«. SWzieSn. Jreltog, de» 12. V-zember. präzis«»«Hr. im„Ventsch-n Hof-, Luckauer Str. IS: Anfierorckenti.iieneral-Vsrssmmtnng. Tagesordnung: 29/3 Berichterstattung von der Tarifausschutzsttzung. Zutritt haben außer den Delegierten die Perirauensleut« und Druckereikaffiirer. Ohne Legitimationskart» kein Eintritt. Um pünktliches und vollzähliges Erscheinen ersucht Oer«vauoorstond. U.kWd Xlto Vein» »luden llrunnenstr. 174, nur neb cioiä- Aesch. Busse, frledriclistr. II, Gr.Frankf.Str.lUneb. landorf, Invalldenstr. 164. Hauptkontor: N 4, Bergslr 34. Norden 8214. Echter JAMAIKA- RUWi. COGNAC. Endricli ein zuckergesfillt., preiswerter — kräftiger Likör Vorzügliche Rotweine. Söller Oh»t Schaum wein. Söller Maltrnnk Fl. 3,78, VorzOgLhllllg. Bowlenwetnc Vcrtrauenavolle _______. Ausb.infi. preoll. Brunnen sie. 7».' Bekanntmachung betreffend den Ersah für eine« verstorbene» Stadtverordnete«. An die Stelle des verstorbenen Stadtverordneten Hermann Barenthin tritt nach der von mir auf Grund der Bestimmung des§ 8 der Perordnung über bie anderweit- Regelung de« Gemeindewahlrechts vom 24. Januar 1919, sowie der ZK 58 und 59 der Wahlordnung für die Wahlen zur verfassunggebenden deutschen Rationaiversammlung vom 80. Rovemder 1918, in Verbindung mit dem fi 21 des Retchswahlgesetzes vom 30. November 1918 vorgenommenen Feststellung als nächster Bewerber aus dem Wahlvorfchlage Dr. Hermann Wehl der Gastwirt Wilhelm Thiel, Berlin C 54, Ruckerstr. 7 als Ersatzmann in die Stadtverordnetenversammlung ein. B Irl in, den 6. Dezember 1919. Der Kommissar des Magistrats. L o e h u i n g, Stadtrat. (Tgb. Nr. 1419, Wahl. 19) 4> Spezial-Behandiung■#• Harn* u. Blutuntersuchung, Höhensonne. Bestrahlung, geleitete Heilanstalt. SanabO' Behandlung. Acrztllch Dir. Hermanns, ElsasserMr.42, I Spr. 10-12, 4-7. S. 9-10 Musikalische Plaudereien. 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Die zur Versteigerung bestimmten Gegenstände können am 13. Dezember von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags auf dem Gelände der Fliegerschule besichtigt werden. Jeder, der am 13. Dezember 1919 und an den Tagen der Versteigerung das Gelände betreten will, hat eine Biete- kautlon von 500 Mk. in bar zu hinterlegen. Hierfür wird im Verkaufsgeschäftszimmer ein Ausweis ausgegeben, welcher zum Eintritt während der Besichtigungs- und versteigerungstage berechtigt. Die Bezahlung der gesteigerten Objekte muß sofort erfolgen. Es wird nur deutsche Reichswälirung angenommen. Kriegsanleihe wird nur von solchen Käufern in Zahlung genommen, die den lückenlosen Nachweis liefern, da6 die in Zahlung angebotenen Stocke aus ihren eigenen Zeichnungen herrühren. Der Nachweis ist den Stücken beizufügen. Er ist durch eine eidesstattliche Erklärung der Zelchnungs- oder Vermittlungsstelle unter genauer Nummernaufgabe auf den vorgeschriebenen Vordrucken beizubringen. An Zahlungs Statt werden angenommen und berechnet: 1. Zum Nennwert; a) die Sprozentigen Schuldverschreibungen aller Kriegsanleihen ohne Unterschied, b) die S prozentigen Scbatzanweisungen der 1.,2. und 3. Kriegsanleihe, c) die 4V, prozent. Schatzanweisungen der 6., 7� 8. und 9. Kriegsanleihe; 2. zu 96>/, Prozent: d) die 41/, prozentigen Schatzanweisungen der 4. und S. Kriegsanleihe, Ausgabe lylb. Der laufende Zinsschein bleibt am Stück. Der Käufer erhält die laufenden Zinsen zurückvergüteu Elbin;;(Westpr.), den 8. Dezember 1919. Werftgebäude der Fliegerschule. Relchsverwertimiisämt Verkaufsabteilong für AntomoMlwesen (Vaubll) Filiale KSnigsberg i. Pr. Es ist erwünscht und den Käufern gestattet, vor Beginn der Versteigerung bei der Veistelgerungszahlstelle am iä. Dezember 1919 von vormittags 8 Uhr im VersteigemmgS- lokal eine Summe zu hinterlegen, aul Grund deren die Kauilustigen berechtigt sind, bis zur Höhe dieses Betrages zu steigern.— Diese Summe darf nicht überzogen weiden. Wer keinen Betrag hinterlegt, hat jedes Los unverzüglich nach dem erfolgten Zuschlag bei der Versteigerungsstelle zu bezahlen. 1213D* ErstlskssigeMIlSlaiiigsn «Sie bestell von alle» prima Aoßfühmng, wundeTToll�billlgcBeleiichtiing, volle Garantie. Für Gastwirte, Cafes, Säle, Geschäfte, Priv. usvr Nr. 6ö Nr. 64 4.ÖOM. 19,75 II. 25.- M. 52- M. 55.—». Frim» Karbldbrenner„Cefo" per ICO Stöek 55 Mark. Wletfervepkäofcr hohen Rabatt. Heyse's Fahrradhaus 1 Herlin, Oranlenntralie 32 ' Berlin.<*roSe frankfurter StraBe 145 Maslkwarenhaus SeiMgllv AvgUSllll OertroudUnsfrV 10.12. Prozesse, ** jachen, Eingaben, Gnadenge Rat, Beistand, mäSige Mpise. Teil Zahlung, Ehe-, Alimenfcn-, Strai- --------- z sachen, Eingaben, Gnadengesuche. landgcricntsrat Dr. v. K i r c h b a c h, Oeselischaft n. h. II AlexanderslraBe 48 fam Aicxanderplatz. gegenüber Tieu).(9— Vj Glänz. Erfolge; Bcotachtg Sonnt, 10— U. Socrtlictie Festpscheoice Gin neue! 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Prinzenstr. 31, Hot pari.— Fritze, Steglitzei Str. 37, Laden.— Markusstt. 36.- Dölz, Immanuclkirohstr. 24.— Melle, Petersburger Platz 4.— Lindenstr. 3, II. Hof pari. Joseph. Wilhelmshavener Str. 48.— Lausitzer Platz 14/15. G. Schmidt, Bärwaidstr. 42 146/Ia* lenkDün: Necl:ar- , Belzlger Str. 27 .Sesenheimer . Straße 1. Steglitz: �ÄBee'ÄhIld" li/iimonrilRs!' Oaiteiner nlMSfrSsün. s;r»jc u Straße 2. UeWfintewÄeÄ Relniekegöofl-Rosentliil: Paul Elpe!, Edelwcüitr klr. HZ2 4 Zö. Jahrgang 2. Seilage ües Vorwärts Donnerstag, N.Dezember? 9? H GrofrBerün Tie schweren Kämpfe mit den Posträubcrn. Die weiteren Ermittelungen zur Aufklärung des Ueberfalls auf die Kriminalbeamten in der G u i n e a st r a ß e und die Nach- Fälschungen nach den entkommenen Verbrechern haben zu einein überraschenden Ergebnis geführt. In der Wohnuiig liey der ältere der beiden Brüder in der Hast seine Brieftasche zurück. Diese wurde später von der Kriminalpolizei vorgefunden und gab Aufschluß über die Persönlichkeiten der ent- kommenen vermeintlichen Gebrüder Vogel. In der Tasche befand sich auch ein Bild, das von Gästen, die ermittelt und festgestellt wurden, als das des Emil Vogel bestimmt erkannt wurde. Es ist jedoch in WirklichZeii Emil Strauß, und selbst Frau Behrens, die mit ihm ein Verhältnis unterhielt, und die anderen Gäste ahnten nicht, daß es sich um die schwersten Ein- und Ausbrecher Berlins, die Gebrüder Erich und Emil Strauß, handelte, mit denen die Kriminalpolizei schon seit mehr als zehn Jahren in ständigem Kampfe steht. Beide sind ihr als die verwegensten Einbrecher bekannt und sind von ihr auch schon wiederholt unter erschwerenden Umständen dingfest gemacht worden. Aber ebenso oft, wie sie eingesperrt worden waren, gelang es ihnen anch, sich aus dem Gefängnis oder Zuchthaus gewaltsam zu befteien, um sofort wieder ihre verbrecherische Tätigkeit aus- zunehmen. Beide hatten auch ihre letzte langjährige Zuchthausstrafe wieder dadurch verkürzt, daß sie aus dem Zuchthaus in Naugard, wo sie zuletzt untergebracht worden waren, entflohen. Sie wandten sich sogleich wieder nach Berlin, und auf ihr Konto kommen wahr- fchemlich auch eine Steche der letzten großen Einbrüche. Ebenso steht es außer Zweifel, daß die beiden Schwerverbrecher bei dem Post- raub am Schlesischen Bahnhof ihre Hand im Spiel ge- habt haben. Umfasiende Nachforschungen zu ihrer Wiederergreifung sind sofort eingeleitet worden, doch hatten diese bis jetzt noch keinen Erfolg. Emil Strauß, der ältere der beiden Brüder, ist 32 Jahre alt, 1,82 Meter groß und hat verschiedene auffallende Tätowierun- gen: an der linken Hand zwischen Daumen und Zeigefinger eine Fahne, am rechten Mittelfinger einen Ring und auf dem rechten Unterarm eine Jongleuse und andere Bildnisie. Sein Bruder Erich ist 2ö Jahre alt und ebenfalls an seinen Tätowierungen zu erkennen. Er hat an der linken Hand zwischen Daumen und Zeige- ftnger ein Herz, am rechten Arm eine Frauenbüste, ein Herz und andere Figuren. Bei einer Durchsuchung der Wohnung wurden außer zwei leergeschossencn Revolvern auch noch zw e i Dolch- mesfer vorgefunden. Zweifellos besitzen die gefährlichen Per- bracher noch weitere Schußwaffen. Von den verwundeten Beamten ist Kriminaloberwachtmeister E r d m a n n am schwersten berletzt. Sein Zustand ist so bedenklich, daß er kaum mit dem Leben davonkommen wird. Zu dem P o ii r a u b am A n b a l t e r Bahnhof erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Der Postfahrer Göpel gab bei seiner Vernehmung an, daß er bereits in der vergangenen Woche die Be- kanntschaft ferner beiden Spießgesellen, die er nicht näher kenne, gemacht habe. Er habe das„Krieg erheim" am Schlesischen Bahnhof ausgesucht, um dort einen alten Militärmcmtel zu kaufen. Dabei wurde er von zwei an einem Tisch stehenden Männern gefragt, wozu er den Mantel brauche und Ivo er beschäftigt sei. Als er ihnen sagte, daß er Postfahrer sei, hätten sie ihn freigehalten und im Läufe des Gesprächs ihn geiragt, ob durch seine V e r m i t t l u n g nicht ein„großes Ding" zu machen sei. Tie beiden Männer seien dann immer wieder an ihn herangetreten und er hätte sich auch schließlich beveitgcfunden, mit ihnen gemeinsam den Postraub aus- zuführen. Der Plan Wirde eingehend besprochen und die Rollen verteilt. Doling, der gleichfalls ergriffen werden konnte, war bei dem Kraftwagen zurückgeblieben. Die Verhafteten wurden gestern ioegen schweren Raubes dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Der dritte Räuber wird noch gesucht. Er nannte sich Fritz, ist etwa 24 Jahre alt und 1,ög bis 1.7b Meter groß, bat einen Anflug von Schnurrbart und spricht Berliner Mundart. Bekleidet war er mit einem dunklen Ulster, einen' dunklen Jackettanzug und einem grauen Hut. anscheinend Velourhut. Die Verletzungen der beiden verhafteten Räuber sind nicht leSensgefährlich. Tie Gastwirte gegen die Wuchergerichte. Im Wintergarten fand an, Mittwochvornnttag eine große Kundgebung deS Berliner Ga st Wirtsgewerbes statt. Der Referent Syndikus Dr. W e i ß i a m V wandte sich in schärfster Weise gegen die Wucberverordnung, durch welche das Gastwirtsgewerbe auf das schwerste geschädigt, wenn nicht völlig ruiniert werde. Es bedeutet zumindest eine große Ungerechtig- keit, den Gastwirt dem Schleichhändler gleichzustellen.(Zuruf: Wir wollen freien Handel!! Die Verordnung über Wuchergerichte setze ein neues Recht fest, sie lasse das Moment der Erwerb's mäßig- keit bei dem Gastwirl vollkommen fallen. Der Gastwirt kaufe Lebensmittel nicht, um damit Wucher zu treiben, sondern ledig- lich, um die gekauften Waren zu verarbeiten. Nach der neuen Vcr- ordnung könne ein Gastwirt selbst im ersten Fall des Schleich- Handels'mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren und einer Geldstrafe bis zu öbbooo Mark bestraft werden. Der Gastwirt ist aber kein Schieber. Berechtigt sei ein Vorgehen gegen die Inhaber von Repp lokalen mit ihren Wucherpreisen. Von diesen rücke seder anständige Gastwirt weit ab. Der Schleich- Handel, darüber sei man sich klar, beruhe doch nur auf der Unfähigkeit der Behörden, die Lebensmittel in Deutschland � zu erfassen. Man wisse eben die Not und den Hunger des Volkes nicht wirksam zu bekämpfen, sondern wurstele nur an der Oberfläche herum. Die Festsetzung von Höchstpreisen habe schon während des Krieges nur den Erfolg gehabt, daß die Waren von der Bildfläche verschwanden. Es sei eine Heuchelei, daß man damit der notleidenden Bevölkerung eine Hilfe vorspiegeln wolle.(Zurufe: Im Rathaus wird Schweine- braten serviert.) Besonder? scharf wandte sich der Redner dann gegen die Wucher- gerichte. Es sei rechtlich unzulässig, daß diejenige Behörde, die die Anzeige erstatte, gleichzeitig in der Lage sei, der Staatsanwalt- schaft ein Gutachten zu liefern. Der Ankläger dürfe— daS sei ein fundamentaler Rechtsgrundsatz— niemals Recht sprechen. Bei der Errichtung von Wuchergerichten dürfe die Anklageerhebung nicht dem Amtsanwalt überlassen bleiben, der nicht immer juristisch vor- gebildet zu fem brauche, da man täglich sehen könne, daß selbst die Staatsanwaltschaft, die doch die Gesetze kennen müßte, Fehl- griffe mache.(Zuruf: Marlohl) Besonders bedenklich sei, daß es gegen die Entscheidung der Wuchergerichte keine Berufung gebe. (Stürmische Entrüstung.) Die Versammlung nahm schließlich eine Entschließung an, in der es u. a. heißt: Die Verordnung vom 27. November 1919 gegen den Schleichhandel schafft in dem Augenblick der Aushebung des Belagerungszustandes und der Standgerichte für das ganze Gastwirtsgewerbe einen neuen Ausnahmezustand, einen Zucht« h a u s p a'r a g r a p h e n, der die dagegen verstoßenden Gastwirte der Willkür der Staatsanwaltschaft ausliefert und ihnen das jedem Staatsbürger zustehende Recht der Berufung nimmt. Die Berliner Gastwirte legen flammenden Protest ein gegen diese ein großes und ehrliches Gewerbe aufs schwerste bedrohende Sonder- gesetzgebung. Sie erklären sich dieser unter keinen Um« ständen zu rügen und gegen sie mit allen zu Gebote stehenden Mitteln anzukämpfen. Die schweren Strafandrohungen machen ent- weder die Gastwirte und Angestellten wehrlos und vernichten ihre Existenz oder zwingen sie zur Schließung der Betriebe. Mit Rücksicht aus das Publikum fordert die Versammluug die Regte- rung in letzter Stunde auf, die f ch m a ch- und v e r- hängnisvolle Sondergesetzgebung aufzuheben. Sie beschließen, sollte sie bis zum 16. ds. Mts. nicht erfolgt sein, vom 13. Dezember ab den Betrieb in den Hotels, Fremdenzimmern, Wein- und BierrestanrantS, Kaffeehäusern und Konditoreien einzustellen, so daß den Fremden nur Unterkunft geboten wird, ihnen aber Speisen und Getränke nicht verabfolgt werden. Die Versammelten sehen sich baher schon beute zu der bedauerlichen Maßnahme gezwungen, sofort allen ihren Angestellten zum 18. Dezember das Arbeitshältnis anfzukün- d i g e n, wodurch Tausende brotlos und Hunderttausende der Mög- lichkeit der Ernährung in den Gastwirtschaften beraubt werden. Die Verantwortung für diese Folgen trägt die Regierung. Im Anschluß an die Versa-mmlung bildete sich ein auZ meh- reren taufend Personen bestehender DemonstrationSzug, der sich durch die Dorotheen- und Wilhelmstraße nach dem Reichs- tagsgebäude begab. Die einzelneu Gruppen trugen Schilder, auf denen es u. a. hieß:„Wir protestieren gegen weitere Arbeitslosig- keit!",„Berliner, schützt Euch und uns",„Die Gastwirte und Ge- Hilfen gegen den Zuchthausparagraphen". Vor dem Reichstags- gebäude wurde eine Resolution verlesen und Ansprachen gehalten. Zum Reichskanzler Bauer entsandte man eine Deputation, die aber nicht einpsangen werden konnte. Sie wird sich Donnerstag zum Vizekanzler begeben. Die Ruhe und Ordnung wurde durch diesen ersten Demonstrationszng nach der Aufhobung des Bc- lagerungszustandeS nirgends gestört. Nochmals die Augestellten-Heimftätten! In der Versammlung der„Or�svereinigung Groß- Berlin für Angestellten-Heimstätten" am 7. Dezem- der sind heftige Angriffe gegen den Preußi- scheu F i n a n z m i n i ste r gerichwt worden, weil er der Selbst- hilfe-Organisation der Angestellten„aus fiskalischen Gründen" unmöglich gen: acht habe, eine Siedlung auf D a b l e m e r Gebiet anzulegen. Dieser Behauptung, die der Wahrheit wider- spricht, liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Die gemeinnützige Aktiengesellschaft für Angestellten-Hesin- statten erstrebt zu Siedlungszwecken den Ertrerb fiskalischen Lan- des im Gutsbezirk Dahlem. Sie hat sich an die Staat sregie rung mit der Bitte um Ueberlassung eines Baublocks am Bahnhof Thiel- platz gewaltet. Dieser Baublock liegt in dem zum höchsten Preise verwertbaren Teil der ehemaligen Domäne. Die Gesell- schaft war daher n i ch t in der Lage, den dem wirtschaftlichen Werte entsprechenden Preis zu erlegen. Hingegen ist der Gesellschaft auf Tahlemer Gelände ein anderer an der Zehlendorfer Grenze, un- mittelbar an dem geplanten Bahnhof Zehlendorf-Ost, auch sonst geeignet r und in günstiger Verkehrslage ge- legener B a u b l o ck angeboten worden, der für einen der Leistungsfähigkeit der Gesellschaft entsprechenden Preis abgegeben werden kann. Damit wird die staatliibs Verwaltung allen berechtigten Ansprüchen der gemeinnützigen Gesellschaft durchaus gerecht. Es kann also kein e�Redc davon sein, daß die Ansiedlung von Angestellten in Dahlem unmöglich gemacht worden sei. Die Ge- sellschaft ist nicht gezwungen und hat auch keinen Anspruch darauf, gerade das teuer st e Gelände in Anspruch zu neh- men. Ter Staat darf andererseits sein Land einmal nach g c- s etzlicher Bestimmung, dann aber gerade jetzt angesichts seiner im Volke immer noch nicht nach Gebühr gewürdigten trvsl- losen Finanzlage nicht unter dem Wert abgeben. Die Lösung kann also nur so gefunden werden, daß der Staat sein Interesse, gemeinnützige Siedlmpgsunterne'hmen zu fördern, dadurch betätigt, daß er da. wo er geeignetes Land zu billigerem Preise zur Ver- sügung stellen kann, weitgehendes Entgegenkom» men übt, wie es hier geschehen ist. Nach dieser durch die P. P. N. verbreiteten amtlichen Er« k I ä r u n g und der des Wohnungsverbandes Groß- Berlin(siehe Dtenstag-WendauSgabe) gewinnt man immer mehr den Eindruck, daß hier der Verftich gemacht wird, die W o h- nungsnot der Angestellten zu partcipolitK- scheu Zwecken auszunützen. Die Handelskammertiiahle» in den Kreisen Teltow und Niederbarnim. Am MitiwoS fanden in den Kreisen Teltow und Niederbarnim die Wahlen zur Handelskammer statt. Es wurden gewählt: In den Grupven Industrie und Großhande» Kommerzienrat V. Borsig, Friedrich Brandes. Dr. Eberhardt Falkenstein. Adalbert Fiscber, Generaldirektor Marc Fuchs, Eugen Garbaty, Dr. Paul de Gruyter, Kommerzienrat Gngenheim, Kom- merzicnrat Haberland, Kommerzienrat Hensel, Fritz Huckert. Kom- merzienrat Dr. Kunheim. Riibard Lehmann, Walter Maul, Dr. Heinrich Müller, Fedor Schweitzer, Erich Spindler. Einih Ziehl. In der Gruppe Kleinhandel: Emil Wiener, Leo Leß. Hermann Sachse, Oskar Schloiem. Raubmord an einem Berliner Troschkenbesitzer. Einem Kapitalverbechen zum Opfer gefallen ist allem Anschein nach der 36 Jahre alte Droschkenbesitzer Arnold Schulz ans der Rostocker Straße 22. Bei der hiesigen Kriminalpolizei lief Mittwoch die MeKrnng ein, daß in Priort bei Wustermark eine Berliner Pfevdedroschke ohne Pferd und ohne Kutscher aufgefiuteen worden sei. Es konnte festgestellt werden, daß es sich um dest Wagen des Droschkenbesitzers Schulz handelt. Schulz erzählte am 8. d. M. seiner Frau, daß et mit seiner Droschke eine Nacht- fahrt nach Düberitz machen werde, um von dort im Auftrage eines etwa 56 bis 66 Jahre alten Biannes ein Schwein abzuholen. Am anderen Morgen werde er wieder zurück, sein. Den ganzen Tag über und die folgende Nacht wartete die Frau vergebens auf ihn. Als Kriminalbeamte ihr mitteilten, daß der Wagen herrenlos aufgc- funden worden sei, stieg sofort der Verdacht auf, daß der Mann den Troschkenbesitzer mit seinem Fuhrwerk unter einer falschen 'Vorspiegelung aus Berlin herausgelockt, ihn auf der Land« straße plötzlich überfallen und unschädlich gemacht und dann mit dem Pferde als Beute davongezogen ist. Die sofortigen Nachfragen ergaben auch, daß ein Mann in dem Montrose. 42) Detektivroman von Sven Elvestad. .�m Gegenteil, lieber Freund," sagte der Vicomte,„ich komme direkt von zu Hause. Ich habe mich heut nachmittag um fünf Uhr schlafen gelegt. Sie können also selbst ausrech- nen. daß ich zweieinhalb Stunden geschlafen habe. Ich bin wirklich sehr müde, werde aber bald ganz wach werden, bc- sonders," fügte er erschreckt hinzu,„wenn ich etwas zu tun bekomme."... �. Hier ist es notwendig, einige Bemerkungen darüber ein- zuschieben, was der Mann, den Krag Vicomte nannte, für eine Aufgabe hatte.. v Vielleicht war er Vicomte, vielleicht auch nicht. Ans dem Polizeiamt aber kannte man ihn nur unter diesem Namen. Er zeichnete sich durch Vornehmheit, mehr aber noch durch Leichtsinn aus, die Repräsentattonsrechnungen, die er bei de: Administration einlieferte, brachten den alten Kassierer zui? Verzweiflung. Da er aber ein lustiger und liebenswürdiger Mensch war, niochten alle ihn gern leiden und behandelten ihn halb nachsichtig, halb humoristisch— wie man einen ans- geweckten und kecken Knaben behandelt. Gleichzeitig aber hatte man auch Respekt vor ihm, denn er war nicht nur leicht- sinnig, sondern auch mutig und verschlagen. Mehrmals hatte er der Polizei große Dienste geleistet. Man verwandte ihn in solchen Fällen, wo es weniger auf Haudfestigkeit. als auf ein geschmeidiges, elegantes Wesen ankam. In den Klubs. wo niemand ahnte, daß er zur Pottzei gehörte, ging er wie ein selbstverständlicher Gast aus und ein, er trieb munter mit in dem Strom der Bohemewelt, wo man ihn für einen Bildhauer hielt, und in der Halbwelt war er auf Grund seiner guten Laune und seines flotten Austretens der Lieb- ling aller. Er hatte viele Namen: Bei der Polizei nannte man ihn den Vicomte, in den Künstlerkreisen wurde er schlecht und recht Pol genannt und dieser Name folgte ihm auch in die Tanzlokale und Nachtkabaretts, in den Klubs ging er unter dem Namen de Blondel. Es klingt parador, stimmt aber trotzdem mit der Wirklichkeit überein, daß er für die, die ihn nur flüchtig kannten, kein Rätsel war. Im Klub ein junger Edelmann, in Bohemekreisen ein angehender Künstler mit Geld in der Tasche, im Tanzpalast ein junger Lebemann. Für die aber, die ihn näher kannten, war er ein Rätsel. Als heimlicher Polizeibeamter verdiente er gut und bekam reich- liche Repräsentationsgelder, und trotzdem wußte man, daß sein Privatleben viel größere Summen verschlang, als seine Arbeit einbringen konnte. Keller sagte einmal zu ihm: „Mein lieber Vicomte, worum mw Sie sich solche Ungelegenheiten. Sie könnten doch sorg n Ihrem eige- nen Vermögen leben." Taraus antwortete der Vicomte: „-sie ahnen nicht, wie furchtbar ll�nmoeilig es ist. sich zu amüsieren." Mit einigem Recht konnte man darum annehmen, daß der Vicomte die Beschäftigung bei der Bolizci gesucht hatte, um einige Stunden totzuschlagen. Seine besonder� Lebens- aufgäbe schien zu sein, die Langeweile zu betvätr.gen und dabei hatte er die ganze Skala von Vergnügen und Zeiwer- treib bereits durchlaufen, bis er zu dem Resultat gekommen war, daß das Vergnügen selbst ihm eine Quelle zun: Lebens- Überdruß war. Und darum hatte er andere Sensationen ge- sucht. Ter Begriff Arbeit war ihm eine Zeitlang Sensation gewesen, bis er die äußerste Potenz derselben in der unbe- rcchenbaren nervenaufreizenden Arbeit der Polizei gefunden hatte. Mit diesem Mann nun verhandelte Krag. Dar Vi- comte saß zusammengesunken in seinem Frühlingsüberziehcr und wippte mit seinem blanken Lackstiefel auf und nieder während er Krags Auseinandersetzungen lauschte.-Seine Augen waren halb geschlossen, daS Haar klebte ihm st: cht an der Stirn:'in diesem Augenblick, wo er halb zu schlafen schien, konnte man sehen, daß er"Vv"'einer Jugend vom.Lebcns- überdruß verheert war. „Wenn ich Sie recht verstehe.' sagte er,„so soll ich Dpra im„Pfau" auftuchen. Hu, ich kenne sie, sie trinkt wie ein Schwamm und kreischt so verflucht." „Darein müssem Sie sich ftndslt." „Das werde ich auch.' Nn Sie übrigens nicht be- merkt, daß alle verbrecheriswen rauen Tora heißen? Warum heißen sie nicht Cacilia? Ich wage zu behaupten, daß Eltern, die ihr Kind Tora nennen, dmust eine furchtbare Verantwor- tung übernehmen. Wenn ich jemals eine Tochter bekomme, werde ich sie Cäcrlia nennen. Damit habe ich getan, was in menschlicher Macht steht, um sie vor der Verbrecherbahn zu retten. Ich soll also heute abend Dora die Kur nrachen, Gott, wie wird sie entzückt sein! Erst aber werde ich ins Grand Hotel gehen und mir ein Soupe zu Gemüte führen, Cham- pagner, einen alten Kognak zum Kaffee, einen Whisky oder zwei, uin Mut und Kraft zu bekommen. Darauf werde ich zu Dora eilen!" „Denken Sie nicht ans Geld dabei." Pol hob müde die Augen. „Dazu werde ich wahrscheinlich keine Zeit haben. Dora wird mir genug zu denken geben. Ans Geld pflegt übrigens Dora zu denken." „Vergessen Sie aber nicht, daß Ihr Freund, der Märchen- dichter, ein großer und gefährlicher Verbrecher ist, dessen wir habhaft werden müssen. Durch Dora." Pol war offenbar bereits in seine Berechnungen vertieft. Halb zu sich selbst sagte er: „Ich nehme an, daß Hans Christian nicht im Lokal ist "Die wirklichen Freunde der Mädchen pflegen bei den abend- lichen Belustigungen nicht zugegen zu sein. Er schwebt im Hintergrunds Hin und wieder hört man seine Stimme im Hause, wie ein drohendes Gemurmel hinter der Wand. Ich stelle mich als ob ich berauscht wäre, stark berauscht, obgleich cö etwas anstrengend ist. Dann mit Tora nach Hause, Cham- pagner nehmen wir mit. Geschlossenes Automobil. n:in be'er offenes, bravo. Dann schlafe ich auf dem Sofa ein und Dora befühlt inich versuchsweise. Ich springe aus und schlage einen furchtbaren Lärm, drohende, grobe Männer- stimme hinter der Wand. Ich ergebe mich nicht, gieße Dora Champagner über den Kopf, Dora schreit. Die Tür wird ausgerissen und der Märchendichter stürmt herein. Ich spie e die Rolle eines sinnlos Betrunkenen, werde die Treppe hin- untergeworsen und gelange auf die Straße hinaus, wo ich einige Schutzleute über den Haufen zu rennen versuche, die mich verliasten. Ich aber zeige erbittert auf eine stilsch? Hausnummer, während Dora und ihr Märchendichter hinter der Gardine stehen und stch totlachen. Eine halbe Stunde später werde ich ins Polizeiamt gebracht, wo ich plötzlich nüchtern werde unte zu Ihnen sage:„Lieber Krag, die Adresse ist Pelikanstraße 32. Versuchsweise." kFortt tolaU angegebenen Alter gesehen worden ist, wie er auf dem Pferde reitend die Richtung nach Berlin eingeschlagen hatte. Da von dem Droschkenbesitzer keine Spur zu finoen ist, so wird angc- nommen, daß der Verbrecher dessen Leiche irgenowo im Gebüsch versteckt hat. Nach Beschreibung von Zeugen ist der mutmaßliche Täter etwa dO bis 60 Jahre alt, hat einen Spltzbart und trug bäuerliche Kleidung. Meldungen über ihn nimmt die Kriminal- zolizei im Zimmer 80 des Berliner Polizeipräsidiums entgegen. Von de? Massrnspcisung. Die Klagen über die vom Magistrat Berlin veranstaltele Massenspeisung mehren sich in letzter Zeit beirächllich. So sind wiederholt in dem Esten Holzabsälle und ähnliche für nienichliche Nahrung zweifellos ungeeignete Beslans- teile gefunden worden. Es dürfte wenig Mehrarbeit erfordern, die Speisen zpm miiidesteir in tadellos sauberem Zustande zu liefern; daS ist wohl das geringste. waS die ohnebin ansprnchS- losen Teilnehmer der Massenspeisung beanspruchen können. Ferner: wo bleibt das Fleisch, für das man Marken abzuschneiden niemals vergißt? GehaltZforderungrn der Krankenhausärzte. Wie unS geschrieben wird, haben die Krankenhausassistenten Berlins sich mit einer Denkschlift an den Magistrat gewandt, da sie ihre Gehaltsregelung von neuem verzögert sehen. Sie machen auf die zahllosen Be- nackteiligungen aufmerlsam, die ihnen— den anderen Angestellten der Krankenhäuser gegenüber— von behördlicher Seit» widerfahren sind. Sie wurden während deS ganzen letzten Jabreö auf Grund ihrer auf drei bzw. fünf Jahre befristeten Anstellung bei allen Aufbesserungen der Angestellten als Nichtangestellte, bei allen Abzügen und Beschränkungen dagegen in voller Willkür zu den An- gestellten gerechnet. Dieser Zustand hat beispielsweise in der GehallSfrage dazu geführt, daß der Hausdiener 6739, der Wärter 67-10— der Assistenzarzt 4740 M. jährlich verdient. Die Ungerechtig« keir dieser Zustände werde noch vermehrt dadurch, daß die An- gestellten den Achtstundentag, besondere Vergütung der Sonn- und Festtagßarbeit, Ausbesserung der Verpflegung, freie Wäsche und Dienstkleidung und manche anderen Vorieile gestössen. an denen der Arzt keinerlei Anteil hätte. Vom Geiste der Demokratie sei in den städtischen Krankenhäusern noch wenig zu spüren, eher von einem Auf-den-Kotzf-Stellen der früheren Verhältnisse. Die RnstaltSkaffe der Volksbodeanftalte« wird am 24. Dezember bereits um 5 Uhr nachmittags geschlossen. An den beiden WeihnachtS- seiertagen und am NeujnhrStage ruht der Betrieb der Badeanstalten völlig. Neukölln. Geze» den Deutschnationalen Jugendbund richtet sich folgender Antrag, den die sozialdemokratische Fraktion zur Stadt- verordnetenveriammlung am Freitag eingebracht hat:.Nachdem der Deulschnationale Jugendbund aufS deutlichste gezeigt hat, daß er Tendenzen verfolgt, die nicht nur die Revublik schädigen, sondern sogar die Wiederaufrichtung der Monarchie und die Wiederein« führung de? Militarismus zum �iel haben, ersucht die Stadtver- ordnetenversammlung den Magistrai, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dafür zu sorgen, daß jede Agitation dieses Bun« des an unseren Lehranstalten unterbunden wird. Gegen Schulleiter und Lehriräste, die diese Agitation auch weiterhin dulden oder unter- stützen, ist das Disziplinarverfahren mit dem Ziel auf Entlassung aus dem Amte zu beantragen.� Mariendorf-Sübende. Aus beb Gemeindevertretung. Eime dringende Sitzung beschäftigte sich am Sonnabend mit dem Antrag der Beamtenschaft auf Gewährung eines Gehaltsvorschusses. In einem Schreiben hatten die Geme iirdebeamten Protest einge- legt gegen die in der Sitzung vom 4. d. M. erhobenen Beschuldigungen, wonach von ihrer Seite„Sabotage" getrieben würde. Im Ichreihen'bringen die Beamten ferner zum Ausdruck, daß Ver» sehlungen einzelner nicht von ihnen gutgeheißen würden, sondern daß die Verfehlenden ohne Rücksicht zur Veranrwortung gezogen werden müßten. Der Ton des ganzen Schreibens war aber ein dexartiger, daß angenommen werden nrußie, dem Versaffer waren die Vorgänge, welche zu dem Beschluß der Gemeindevertretung vom 4. d. Ä. Mährt haben, gänzlich mchekannt.— Genosse Deinert legte deshalb nochmals kurz die Gründe dar, welche veranlaßt haben, so zu verfahren. Eime Dringlichkeit, deshalb in einer be- sonderen Sitzung innerhalb 48 Stunden z u sa mrnen zu komme n, wurde daher von dem Redner nicht anerkannt. Keiner wolle den Be- amten den Vorschuß versagen; jedoch eine derartige Notlage der Beamten, wonach dieselben nicht noch 8 Tage bis zur nächsten Sitzumg ivorten konnten, kann nicht anerkannt werden. Der Demo- hat Luschen, welcher tu der letzten Sitzung nicht anwesend war, glaubte sich der Beamtenschaft ganz besonders als Vertreter ihrer Interessen vorstellen zu müssen, wobei er unseren Vertretern den Vorwurf machte, sie ließen sich aus Sensationslust von den Unabhängigen ins Schlepptau nehmen. Durch dieses provokatorische Austreten kam es zu erregten Zwischenrufen. Einer Aufforderung, den Redner zur Ordnung zu rufen, kam der Ge- melndevorsteber nicht nach. Nachdem nach Hesse(Bärgerlich) und Gärtner(Demokrat) für die Dringlichkeit der Sache eingetreten waren, wurde infolge der Stellungnahme deS Bürgermeisters zu der Lüschenschen Provokation durch Verlaffen des Sitzungssaales durch die Unabhängigen und unsere Genoffen die Versaimulmig beschlußunfähig gemacht.— In Anbetracht der stürmischen Vorgänge in den Sitzungen vom 4. und 6. d. M. gab der Gemeindeverordnete L i n d h o r st(Bürgerlich) die Erklärung ab, daß er sein Mandat niederlege. Tegel. Gemeindevcrtretersih-'ing. Für den ausgeschiedenen Armenpfleger Horn wird Kaiser(U. Soz.) gewählt.— Die Wahl des Gemeindearztes war in der letzten Sitzung vertagt worden. Die Kommission stellt erneut Dr. Drucker und Dr. P a n n w i tz zur Wahl. Ein Antrag der Unabhängigen, den Geineindearzt durch Urwahl wählen zie lassen, wurde abge- lehnt. Ueber die Kandidaten selbst sprach Kahl(U. Soz.) für Dr. Drucker, der als Sozialdemokrat auch ein guter Sozialpolttiker sei. Gen. G e n tz führte au», daß es sich für uns nicht darum handele, einen guten Parteimann als Gcmeindearzt zu haben, sondern einen wirklich tüchtigen Arzt. Er trat für Dr. Pannwitz ein. Thomas(U. Soz.) konnte es sich nicht verkneifen, bei dieser Gelegenheit seine bekannten Phrasen an den Mann zu bringen, wurde aber von unserm Genossen H o l f e s zurückgewtesen mit dem Bemerken, daß wir bisher immer ehrlich gekämpft hätten. Gewählt wurde Tr. Pannwitz.— Einige kleinere Punkte wurden ohne Diskussion erledigt.— Die A n st e l l u n g von zwei Pri- vat angestellten der Gemeinde alz Beamte auf Kündi- g u n g wurde nach längerer Debatte beschlossen.— In die G e- sundbeitskommission wurde Dr. Rathke gechählt. Bei dieser Gelegenheit wird auch beschlossen, daß die Bürgerdepu. tierten in den Kommissionen nur beratende Stimme haben. Buchholz. Eine Gemrindcvertretersstzung unter Anwesenheit de? Genossen Schlamminger als Verireter des Landrats fand am Freitag statt. Der Vertreter des LandratS sollte feststellen, ob der Gemeindevorsteher Mahnk« die Geschäfte in der Sitzung auch so führt, wie es durch eine sechsstündige Verhandlung auf dem Land- ratsamj vereinbart war. Da sich Herr Mahnte befleißigte, entsprechend zu verfahren, so verlief die Sitzung auch so. wie es in einem Parlament üblich ist. Ein Teil der sehr zahlreich erschiene- nen Zuhörer kam deshalb nicht auf seine Kosten.— Den Vereinbarungen gemäß mußte H. Mahnke vor Beginn der Tagesordnung Wieder Erklärungen und am Schluß Anregungen und Wünsche ent- gegennehmen.— Die Absetzung des ArbeiterratS wurde nach kurzer Diskussion abgelehnt, auch darf der Arbeiterrat wieder die Akten einsehen.— Bei der Beratung des Ortsstatuts betr. Ruhegehalt der Gemeindearbeiter und-ai�estellten, die nick't fest angestellt sind, wurde von dem Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion hervor- gehoben, daß durch Annahme des Antrages das ungleiche Verhält- nis beseitigt werde zwischen Gemeindearbeitern und-beamten. ES er- folgte darauf einstimmige Annahme.— Um die Milchproduktion zu heben, wurde der eine Vorschlag der Finanzkommission akzeptiert, wonach ein Prämiensystem für reichliche Milchablieferung einge- fuhrt werden soll. Hohennenenborf. Die wahrheitsliebende„Freiheit". In ihrer AuSgabe vom 3. Dezember berichtet die„Freiheit" über eine am Orte stattgehabte Versammlung,„die daS Verhalten der Rechts- sozialisten geifelt, die in einer peinlich genau gesiebten, von Bürger- lichen und Rechtssazialisten besuchten Versammlung beschlossen hatten, den kommunalen Arbeiterrat zu beseiti- g e n".� Nach dem Bericht hielten es die Sozialdemokraten nicht für nötig, irgendwelche Gründe' für ihr Vorgehen vorzubringen. DaS soll selbst unserem Genossen T i e d t zu weit gegangen sein, so daß er sein Mandat zur Gemeindevertretung niederlegte. Auch in einer öffentlichen Versammlung sollen ei unsere Genossen nicht gewagt haben, das Vorgehen gegen den Arbeiterrat zu moti- vieren. Dazu wird uns geschrieben: Die MehrheitSsozialdeniokraten, die bereits im August aus dem Arbeiterrat ausschieden, hatten schon bei der Beratung eines bürgerlichen Antrages, der dem Arbeiterrat das Mitbestimmungsrecht entziehen wollte, zum Aus- druck gebracht, daß an einen Abbau des Arbeiterrates nicht eher gedacht werden kann, bis die Wahlen zur Gemeindeverwaltung auf Grund deS allge- meinen geheimen Wahlrechts erfolgt seien. Die Gründe für unsere Stellungnahme gegen den Arbeiterrat waren nach der erfolgten Wahl gegeben. Außerdem hatten wir aber mancherlei an dem Arbciterrat auszusetzen. In einer öffentlichen Versammlung vom 10. November erhob der Vorsitzende unseres Wahlvereins gegen den Arbeiterrat u. a. den Vorwurf, daß er aus eigener Machtvollkommenheit, ohne die Ge- meindevertretung zu befragen, feine Bezüge er» höht habe. Außerdem wurde ihm Pflichtverletzung bei der Kohlenversorgung vorgeworfen. ES wurde festgestellt, daß im Monat Oktober 80— 90 Proz. unberechtigte Kohlenabschnitte beliefert wurden. Ferner hat der Vorsitzende des Ar- b e i t e r r a t e S am 21. Juli auf dem Gemenidebureau versucht, die Gemeindeange st»Ilten zum Demonstrations- streik zu bewegen. Außerdem gab er sich große Mühe, den Borsitzenden der S. P. D. auf dem Bureau der Metallarbeiter als MehrheitSsozialift zu denunzieren und seine Entlassung zu erwirken. In einer geheimen Abstimmung beschlossen unsere Genossen in einer der nächsten Gemeindebertreiersthung den Antrag auf Auflösung des Arbeile rrates zu stellen. Wie groß die Zahl derjenigen ist, die für seine Beibehaltung sind, wird die Abstimmung aller über üOJahre alten Gemeinde- Mitglieder ergeben, die wir in unserem Antrage verlangt ; haben. Wenn die„Freiheit" behauptet, daß unser Genösse T r e d t 'wegen dieser Vorgänge sein Mandat niedergelegt hat, so entspricht das wiederum nicht der Wahrheit. Vielmehr zwangen ihn wirtschaftliche Gründe dazu. Wir sahen uns genötigt, mit der Neuen bürgerlichen Fraktion einen Mehrheitsblock zu bilden, weil die durch keinerlei Verantwortungsgefühl getrübte Politik der Unabhängigen ein längeres Zusammen- arbeiten mit dieser Partei unmöglich machte. Nicht, wie in der Versammlung, über die die„Freiheit" berichtet, behauptet wurde, aus Feigheit meiden wir die Versammlung der Unaä- hängigen, sondern darum, weil eine s a ch l.i ch e A u s e i n- ander setzung mit diesen„Sozialisten" ebenso unmöglich ist, wie mit ihren kommunistischen Freunden._ Grofz-Berliner Lebensmittel. Berlin. Vom 12. Dez. ab tritt für die lZ'-MUchkarlcn die Be- lieserungslisie 7 in Äraft. Es werden die„A I--Karten mit 1 Liter, die ,A II"-'Karten n-ii•/, Liter, die ,B I'-Karten mit'/. Liter, ,B II"-Karten mit Vi Liter Milch beliefert. Die übrige Milchbclicserung bleibt dieselbe wie bisder. Groß-Berlin. vom 12. d. M. ab tritt sür die„A— B'-Milchkarlc» die Bclieierimgsliile V in Straft. ES werden die ,A I--Karten mit 1 Liter. die»AII'-Karten mit'/.Liter, die.BI--Kartcn mit'/.Liter,„BII'-K arten mit'/, Liter Milch beliescrt. Die übrige Milchbelicscrung bleibt die'elbe wie bisher. Wlariendorf. Bis heute erhalten alle Personen, die in die Speise- settkundenlisten eingetragen sind, je 125 Gramm Fanstkäie<3.95 M. je Pfund). Aus die beiden Rbtchnitte IV 24 der Einjuhr-Zusatzkarle bei den Mehlhändlern bis emichliegüch 14. 250 Gramm Zerealicnmchl auf jede Karte(0,33 M.) Entnahme bis spätestens 14. Dezember. Groß-Serliner parteinachrichten. Achtung, Metallarbeiter! Heute Sl/2 Uhr im Patzenhofer. Berlin, Fidicinstr. 2,3: Versammlung aller Metallarbeiter und-Arbeiterinnen, die auf dem Boden der S. P. D. flehen. Mitgliedsbuch der Partei und de? Verbandes legitimiert._ Eine Konserenj aller In der Jugendbewegung täligen oder sich für dieselbe interessierenden Genossinnen und Genossen findet am Sonntag. vorm. V-IO Uhr, im Juaendheim, Lindenstraße 3. 2. Hos III linls, statt. Tagesordnung: MitoxBett der Erwachsenen. Res.: Heilbutt. Jede Ab- tcilung, jeder" Ortrvercin muh vertreten sein. Konserenz aller Funktionäre der Arbeiter und Augestellten der A. G.<8. Brunncnilrave, die auf dem Boden der S. P. T. sieben, am Freitag 3 Uhr, im Lokal von Krüger, Hussitenstraße, Ecke Scheringstrahe. Zllt-Glienicke. Heute abend 7'/, Uhr öffentliche Versammlung in den Alt-Klientckcr Feitsälcü Tagesordnung• Der Kamps der Reallion in den Gemeinden gegen den Sozialismus. Referent: Genosse Heinrich Kaujmann. Fredersdorf(Ostbahn). Heute 8 Uhr Zahlabend bei Gronostay. Silöungsveranftaltungen. Charlottenburg. Freitag 7 Uhr im Rathaus, Sitzungssaal IVt Vortragsabend über:«Das Erfurter Programm". Vorträge, Vereine unö Versammivngen. Zentral« für Cinigung der Sozialdemokratie(Bezirk Nenköllly. Mitgliederversammlung. Freitag,'/.S, bei Prohaska. Boddiu-, Ecke Jsarftr. Tagesordnung: Der Parteilag der U. S. P. D.(Genosse Hü'.tel.) Sozia- listen als Gäste willlomme». Ardeiterinteressen und Friedensvertrag. Ueber dieses Thema spricht im Stahmen der Vorträge der Liga türVöllerbund am Sonnabend, nachmittags von 4—6 Uhr, der Reichsvonmmiftcr G i e s b er t s. Ter Vortrag pndet Unter den Linden 78 in den Räumen der Liga für Völker« bund statt.— Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur. Freitag, VI, Uhr, in der Siemen»-Oberrcalschnlc, Eharlottcnburg, Schlojzjw. 27: Dr. Lohmann:„DaS Schulkomp: omih«. Heschästliche Mitteilungen. Nüchterne Weihnachtstische sind eS. die nur einzig sogenannte prokiische Dinge zeigen. Ein klein wenig Raum muh auch der Leben?- ireude gegönnt werden. Wer au guten Kunstwerken Freude bat, dem bietet sich Gelc.cvheU, völlig koslerUoS zu einer Ortginalradierung zu kommen, indem er seinen Lieben io pralliiche Dmge wie Sticlel oder Kleider, Blusen oder Seidenstoffe lchenlt. Die Firma Leiser gibt ihre WcihnachtSgutschcine mit einer vornehmen Mappe aus, die eine grvffe Originalradienmg des betanmen Malers Heltingrab enthält. Die AuS- ftellung der Gutscheine ersolgt w belchränltcr Anzahl in den bckarmtc» Leisergeschästen. Konsutn-üenosseiisehaff'erUn und Umgegend 8. Ci. tu. b. K. Zentrale: SerlL...Jjtenberg, jtiitergutstr. 16-26. Die Eröffnung des Manufakuirwaren-Lagers, Brnnnenstr. 188-190, findet am Donnerstag, den II. Dezember 1919, mittags I Obr. stall Zum Verkauf gelangen: Seinen- nnd Sannmollmaren Kleiderstoffe und Seide Weißwaren Tasehentüeher Setifirzeu Wäsche Futterstoffe Trikotagen Woltwarbu Strümpfe Kandschuhe Sinsen Felzwaren Schuhwaren Samen- und Kinderkonjektion Kerreiiartikel, Seltirwe».Stöcke Gardinen Sortieren Teppiche Waehstnche 131)12 USW. Merkauf nur an Mitglieder, irohdem zu Sem Entscheid kamen. Das beweist, Sast die KZrper- fchaft, die über die Uebertragung der Kontingente zu befinden hat, eine andere Zusammensetzung erfahren muß, und zwar baldigst, daß vor allen Dingen auch Vertreter der Arbeiter an ihr teilneh- men müssen. Das Reichswirtschaftsministerium, an welches Beschwerde gegen diesen Entscheid erhoben wurde, wird hoffentlich auch in der Zusammensetzung der Kontingentstelle das Nötige veranlassen. Das ReichswirtschastSministerium sollte sich mit dieser Ddaterie überhaupt eingehender befassen, um Schieber, und Wuchergeschäfte und nicht notwendige Betriebsstillegungen zu verhiirdern, die nicht von wirtschaftlicher Notwendigkeit notiert sind. So wird uns be- richtet, daß eine Großbrauerei schon ein halbes Hundert Brauereien aufgekauft, den größten Teil stillgelegt und ausgeschlachtet hat, riesige Summen dabei verdient und sogar die wertvollen Ma- schinen nach dem Ausland verkauft hat. Das ist doch auch eine Frage, die die Regierung interessieren dürfte und wogegen fte einschreiten müßte. Ob die Angelegenheit nicht auch den Staatsanwalt und die.W u che r g c r i ch te interessiert, ist eine Frage, die hier nicht entschieden werden kann._ 3m Zeichen der Wohnungsnot. In Belgern an der Ell«, einem Städtchen von noch nicht 3000 Einwohnern, haben die dortige W a l d j a g d zwei Leipziger Herren inne; der eine ist Kommerzienrat Hupfeld, der be- kannte Klavicrfabrikant, der andere ein Herr Sommer, Inhaber einer Papiergroßhandlung. Außer diesem Jagdrevier besitzt Herr Hupfeld noch ein anderes in Schöna in Sachsen. Beide Herren sind glückliche Besitzer von zwei Villen in Leipzig. Um nun auch während des Jagdaufenthalts standesgemäß wohnen zu können, steht in Belgern eine eigene Jagdvilla mit sieben Zhn- mern und allem sonstigen Zubehör(Autoschuppen usw.? zur Ver- filgung. Allein das genügt noch nicht. In der Försterei sind zwei weitere Zimmer an die Herren von der Stadt aus verpachtet. Letztere werden seit September des JahreS von der Witwe des im März verstorbenen Försters Lange bewohnt, da diese in Belgern trotz aller Mühe keine Wohnung finden konnte. Jetzt verlangen die Herren Räumung der Wohnung. Auf wiederholte Vorstellungen schrieb Herr Sommer: .Um Ihnen unser größtes Entgenkommen zu b?» weisen, haben Herr Hupfeld und ich vereinbart, Ihnen die Räume bis 1. November lLIS zu überlassen. I'ach diesem Ter- min ist seda weitere Benutzung ausgeschlossen, da wir selbst und unsere Gäste dann die Räume bewohnen werden. Sie wollen gefl. dementsprchend Ihre Dispositionen treffen und am 3l. Oktober 191ö Herrn Förster Damm die leeren Zim- m e r-übergeben." Inzwischen fand am IL. November d. IS Termin in der Sache statt, da die Frau Lange die Wohnung nicht räumen konnte, weil sie trotz lebhaftester Bemühungen ein anderes Unterkommen nicht hatte finden können. Auf Antrag der Beklagten wurde der Termin verschoben. Als Antwort auf eine Aufforderung an die Leipziger Herren, die Klage zurückzunehmen, schreibt ihr Klagevertreter, Herr Justizrat Hillebrand, Leipzig, .daß Ihnen Frist zur Räumung bis zum 1. Januar ISN gegeben wird.... Falls Sie nicht bis Ende Dezember auZge- gezogen sind, iverde rch den Prozeß wieder aufnehmen." Ein ganzer Apparat also, bestehend aus zwei Vertretern des Großkapitals, den Herren Hupfelo und Sommer, wie einem ihnen willfährigen Justizrat, wird aufgeboten, um eine arme Försterswitwe aus ihrer bescheiedenen Wohnung zu drängen, nur damit die Herren ein.standesgemäßes" Unterkommen für ihre Gäste haben. Es ist dringend zu hoffen, daß die maßgebenden R e- gierungs stellen rücksichtslos eingreifen und so die W o h- n u n g s ,, o t zu beseitigen helfen, die— wie hier zu sehen— vielfach erst auf Grund an tisiozialer und rücksichtslos brutaler Unternehmergesinnung entsteht. gen, Holzständer, Tafel», Barrieren. Brückengeländer usw. Nichts, was brennbar ist, wird verfchow. Aus einem GcmeindcvorstandS- schreiben wird bekannt, daß iozar der Friedhof in Albern von Wie- ncr Holzdieben verwüstet wuroe:„Derselbe wurde nich: nur seiner hölzernen Umzäunung»nd der Grabkreuze beraubt, sondern eS wurde auch die darin befindliche Leichenkammer iamt den darin befindlichen hölzernen Särgen und Werkzeugen demoliert und fortgetragen." Gegen solche Zustände des Elends kann nur die schnellste Hilfe Aller aufkommen. Tie Durchschnittsgeschwindigkeit der Großflugzeuge in ver- schiedenen Höhen besprach in der gestern im Flugverbandbaus ab- gehaltenen Tagung der wissenschaftlichen Gesellschaft für Luitiabrl Prof. A. Baumann-Stuttgart. Da der Wind in 6000 Meter Höhe etwa lö— 20 Sekundenmeter schneller ist als am Boden, so weiden aus Gründen der Ersparnis diese Flugzeuge nach Möglichkeit große Höhen aus ihren Reisen benutzen müssen. Jinmerhin bieten die gegenwärtigen Verhältnisse für die Durchführung eines geordneten ReiiebetriebeZ außerordentliche Schwierigkeiten. Nach Ansicht Prof. BaumannS wird man für den später einsetzenden Luftreise- verkehr Groß- und Kleinflugzeuge entsprechend der Entfernung ver- wenden müssen. Vor allem seien internationale Luftverkehrslinien festziilege», welche die Hauptstädte Europas berühren. Für das Großflugteug kämen hierbei Strecken von ölZV bis 1000 Kilometer, höchstens bis 1S00 Kilometer in Frage, Bei größeren Entfernungen müsse das Großflugzeug mit der Konkurrenz des Luftschiffes rechnen. das heule schon Geschwindigkeiten von 13S Kilometern in der Stunde erreicht und dessen Geschwindigkeit sich noch weiter steigern lasse. Neues vom Kino. Im Skandi-Hau? am Alexanderplatz ist das .Skandi-Theater' eröffnet worden, das feine Filme im hell erleuchteten Raum vorführte. Der Erfolg ist gering— das Bild ist unscharf, wie verschleiert, und die Aufmerksamkeit deS Be- fchauers. abgelenkt von allen fichtbaren Rebendingen, kann sich nicht optisch konzentrieren. Unter den Linden 21 hat sich ebenfalls ein großes Kino.Licht- fpiel-Palast' aufgetan, das mit dem bekannten Oßwaldfilm ,Un- heimliche Geschichten" au'wartete. In einer Preffevorstellung im U. T. Kurfürstendamm gab eS einen ethischen Film.Misericordia! Tötet nicht mehr!" Also ei» Tendenzfilm, der wohl in diese von Mord und Tod er- füllte Zeir paßt. Leider reicht die Filmidee nicht auS; auch'pieken einzelne Darsteller zu sehr für sich. Diese Vorstellung fand Sonn- tag vormittag statt— ein Unfug, der hoffentlich bald wieder ab- geschafft wird._ rn. p, Tie Grueralverlammlung der Tchillerftiftung, die sich nach den bis jetzt oorliegendell Meldungen eingehend mit Kyscr» Rcsonnvoi schlagen besaßt«, wählte Heinrich Llltensein, dessen dramatisches Schassen zuletzt du'.ch das Schauspiel:.Der Stier von Llioera" zu reger Beachtung gelangte, zum Generalsekretär. Fontane-Gedenkfeier. Die Gesellschaft für Tbeatergeschicht« veran- staltet am lt. Dezember, vormsttagS tt Uhr, im StaatStheater eine Gedenk- seier. bei der I. Landau. Otto Pniower, F Gregori, Karin Brausell, Ida Wuest. H. Schlu knus mitwirken.— Der.Verein für die Geschichte Berlins" hat zu Fontanes Säkulartaa eine Festschrift herausgegeben, die allgemein käuflich ist. Monarchisten in Frankreich. Nach dem endgültigen Resultat der f r a n z ö- fischen Kammerwahlen ist festzustellen, daß die Wahlen vom 16. November nicht allein eine Niederlage der französischen Sozialisten, sondern auch eineu Sieg der ausgesprochenen Feinde der republikani- s ch e n S t a a t s f o r m in Frankreich bedeuten. Denn nicht allein die 31 Konservativen sind als R o y a l i st e n zu betrackiten, sondern auch die 69 Vertreter der Action Liberale. Letzter« Partei besteht nämlich aus jenen Monarchisten, die in den neunziger Jahren auf ausdrückliche Empfehlung des Papstes Leo XIII. unter der Führung des Grafen Albert de Muu sich verpflichteten, der Republik insofern keine Hindernisse in den Weg zu legen, als sie von einer tätigen Propaganda für den monarchistischen Gedanken fernerhin absahen. Dies geschah selbstverständlich nicht aus Ueberzeugung, sondern aus taktischen Gründen. In den letzten Jahren vor dem Kriege war diese Partei sehr un- bedeutend geworden, und nun hat sie mit einem Schlage mit Clemenceaus Hilfe die Zahl ihrer Sitze mehr als verdoppelt. Mit den 31 Konserdativen bilden sie einen recht ansehnlichen Block von genau 160 Abgeordneten, denen die Republik ein Greuel ist. Aber nicht genug damit, der große Sieger dieser Wahlen ist jene Partei der P r o g r e s s i st e n, die ebenfalls nur aus taktischen Gründen keine tätigen Gegner der Republik waren, aber nach ihrer ganzen Vergangenheit bei etwas verschobenen Parteiverhältnissen jederzeit auch anders könnten. Man nennt sie daher auch die„Opportunist? n" i Die Pro- gressisten haben mit„Fortschritt" ebensowenig zu tun, wie die Action Liberale mit Liberalismus. Sie sind nicht allein nationalistisch, sondern auch klerikal gesinnt. Ihre Glanzzeit war die Dreysußperiode, wo sie unter Führung des damaligen Ministerpräsidenten M6kine eine Politik betrieben, die olme den heldenhaften Widerstand von Zola, Jaurds und— Cle- menceau unrettbar in die Militärdiktatur gemündet hätte. Auch diese Partei war bis zum Regierungsantritt Poin- caräs sowohl zahlenmäßig wie auch faktisch verhältnismäßig unbedeutend. Bei den wirklichen Republikanern wurde sie als republikanisch unzuverlässig angesehen. So trat Briand Ende 1916 nach einem Vertrauensvotum der Kammer zurück, weil dieses zwar zahlenmäßig für ihn günstig ausgefallen war, aber weil er sich weigerte, letztere als Bestandteil der republikanischen Mehrheit anzuerkennen. Erst unter Poin- carä umrden sie zur Mitarbeit an der Regierung heran- gezogen. Jetzt haben die Progressisten die Zahl ihrer Mandate mehr als verdoppelt. Der jetzt zum Minister des öffentlichen Unterrichts neuernaimte Abgeordnete Dubois ge- hört zu ihnen und ist außerdem ein fanatischer Katholik. Daß dieser Mann dazu berufen ist, an der Spitze der weltlichen Schule zu stehen, ist ein sehr bedenkliches Zeichen der neuen reaktionären Zeit. Das sind allein 233 Abgeordnete, die man vor dem Kriege als Feinde der Republik betrachtet hätte. Der republikanisch unbedingt zuverlässige Gegenblock be- steht hingegen nur aus 70 Sozialisten, 116 Radikalen. 27 Re- publikanischen Sozialisten und 133 sogenannten Links- republikanern. Diese letzteren, die Leibgarde Poincares, sind in den letzten Jahren immer mehr ins reaktionäre Fahrwasser geraten. Einsttveilen können sie noch als Stützen der demokratischen Staatsform gelten. Sollte aber bei den unvermeidlich kommenden sozialen Kämpfen der Kapitalismus in einer Militärdiktatur die einzige rettende Lösung erblicken, dann würde wohl auch der größte Teil von ihnen die demokratischen Grundsätze über Bord werfen. Auf der anderen Seite weigern sich bereits die Wort- führxr der Sozialistischen Partei ganz entschieden und aus Gründen des reinen Klassenkampfes, eine Frontgemeinschast mit der bürgerlichen Linken gegen die Gefahr von rechts zu bilden. Alles in allem kann man zwar von einer unniittel- baren Gefahr für die republikanische Staatsform in Frank- reich einstweilen noch nicht sprechen, aber die monarchistische Reaktion hat jedenfalls jenseits deS Rheins ganz beträchtliche Forschritte i m Krieg und vor allem durchdenSieg der Entente gemacht._ Der gallische Hallasch. Herr Bruno Gallasch ist der Direktor deS„Zentralbureaus für die Belieferung der westlichen Gebiete bei den Alliierten" in Köln. Er bemüht sich, mit anfänglichem, aber seither sehr zu- saminengefchrumpftem Erfolg, die Industrie des besetzten Gebietes wirtschaftlich ins französische Schlepptau zu bringen; eS wird n, Aussicht gestellt, daß viele? für den Wiederaufbau au» dem besetzten Gebiet bezogen und diesem dafür allerhand Lebensbedarf billig geliefert werden soll. Ein Prozent der Austragsumme sollen die Firmen Herrn Gallaisch überlaffen, der allein mit den Alliierten verhandeln soll; Vi Prozent davon fließt ihm allein zu. Da er vier Bureaus— in Wiesbaden, Koblenz, Krefeld und Düsieldorf— errichten will und ihre Kosten auf 2,4 Millionen Mark jährlich vcr- anschlagt werden, kommen auf Herrn Gallasch allein im Jahr 800 000 M. ES wird aus guten Gründen vermutet, daß ein nicht imcrheblicher Teil französischen Offizieren zufließen soll. Manche diesre Herren sind nämlich Gehaltszuschüssen nicht abgeneigt. Für daS Unternehmen interessieren sich besonders solche Kreise, deren Sympathie für die Do r ten sche Rh ei n«Rep ub lrk bekannt ist. Aber die Industrie stellt sich jetzt entschieden gegen den Plan; von der sozialdemokratischen.Rheinischen Zeitung" wird er scharf bekämpft. UebngenS hören wir auch, daß die franzöfrsche Wirtschast die Arbeiter wie die Gesamtbevölkerung ünmer mehr gegen sich auf- gebracht hat. Im Saarrevier wird zwar eingefahren, aber unten wird diskutiert, und eS werden Steine gefördert statt Kohle. In- folge der Abschaffung der Akkordarbeit im Bergbau und des Zeit- mangels zum Kohlcwafchen werden die Wagen nicht mehr kon- Uolliert, und wenn die Steine nur schwarz sind, werden sie oft weit gefahren, bis man ihren Unwert erkennt und sie wegwirft. ES ist schon vorgekommen, daß selbst bei wirklicher Kohle die Transportkosten den Wert des Wageninhalts überstiegen.... die defaitiftenhetze in Selgien. Die Verhaftung der ehemaligen Mitarbeiter de».So- cialiste B e l g e' in Antwerpen hat in der Arbeiterschaft von Antwerpen Ausregung hervorgerufen. Die Metallarbeiter und die Dockarbeiter verlangen die Freilassung von Longueville und Luys. die Angestellte der Gewerkschaften find, und drohen mir dem Generalstreik. Nach einer weiteren Meldung ist vorerst ein General- streik von 24 Stunden beschlosten worden. Justizminister Bander- velde hat erklärt, er könne in das schwebend« Verfahren nicht ein» greifen. Ein eintägiger Streik. In Antwerpen ist die Arbeit Mitwochmorgeu überall in normaler Weife wieder aufgenommen worden. Die Verstaatlichung öer englischen Sergwerke. .Allgemeen HandelSblad" meldet aus London, daß tn der Central Hall eine Versammlung von 700—800 Gewerkschafts« abgeordneten, die mehr als 5 Millionen Arbeiter vertraten, stattfand. Der Kongreß war einberufen worden, um die Kon- fiökation der Kohlenbergwerke durch den Staat. � die Teuerung, die Profitmacherei» die A t b e i t s l o f t g- keit, die AufrechterhaUung der Mililärdiensipflicht, die britiiwe Politik in Rußland und die Schaffung eines besonderen Arbeiter- rates zu besprechen. Wie die englischen Blätter melden, nahm der Kongreß eine Entschließung an. in der erklätt wird, daß, wenn die Regierung bis Februar den Grundsatz der Verstaatltchung der Bergwerke nicht angenommen hat. ein außerordentlicher Kongreß einberufen wird, um die von dem GlaSgower Kongreß gestellte Forderung der Aktion durch die Gewerkschaften zur Durchführung zu bringen. Smilli erklärte, er habe gehört, daß die Regierung versuchen wird, im Falle eines Streils Steinkohlen aus Indien heranzuführen. In diesem Falle würde er für eine allgemeine Einstellung der Arbeit eintreten. Kleine politische Nachrichten. Eine Arbeitsgemeinschaft fiir die Neuordnung der Sozial- Versicherung ist anläßlich der bevoistehenden Reform des Versicherungswesens von der Gesellschaft für Soziale Reform, dem Deutschen Komilee für Internationale Sozialversicherung und dem Deutsche» Verein für Versicherungswissenschaft gegründet worden. Vorsitzende sind: Prof. Dr. E. Francke, Abg. Prof. Dr. Hitze und Reichsminister a. D. W i s f e l l. DaS Kautsty-Buch wird ungehindert erscheinen. Das Gericht hat die Klage der.Verlagsgesellschaft" abgewiesen. Private Kadettcnanstalten? Nach einer Meldung auS Potsdam sollen die Kadettenanstalten weitergeführt werden, doch werden die Mittel zum größten Teil auS Beamten- und O f f i z i e r S kren en aufgebracht werden. Die Kadetten dürfen vom 12. Dezember ab nicht mehr inUniform gehen, sondern tragen fortan Zivil.— Auch in dieser Form können und dürfen u. E. die Kadetten- anstalten nicht bestehen bleiben. Die Arbeitszeit im Bergbau. In den Ausschußberatungen zur Prüfung der Arbeitszeit im Bergbau schilderte am Dienstag Professor G o t h e i n die furchtbare Notlage des Landes infolge der Kohlennot; demgegenüber' hielten die Vertreter der A r b e i t n e h m e r an der Forderung der Einführung der Sechs st undenfchicht vom 1. Februar ab unbedingt fest. Ein Ver mittel u ngsvorschlag von Professor Francke und Berghauptmann S ch a n tz will die Sechsstundenschicht internalicrnal regeln und die siebente Stunde zunächst beibehalten, aber höher bezahlen. Bei der A b st i m m u n g erklärten sich die Arbeit- nehm er für, die Arbeitgeber und die Vertreter der Wissenschaft gegen den Sechsstundentag. Gegen unbegründete Verdächtigungen. Gegen die deutschen Lokomotivfabriken, wie auch gegen die Staatsbahnver- waltungen wird das gänzlich unbegründete Gerücht verbreitet, daß die deutschen Fabriken aus Prcisrücksichten aus- ländische Aufträge bevorzugten. Diesem Gerücht wird au? den Kreisen der deutschen Industrie auf das entschiedenste wider- sprachen. Die deutschen Lokomotivfabriken haben ihre volle Lei- stungsfähigkeit in den Dienst der deutschen Eisenbahnen gestellt. Das wird nicht dadurch beeinträchtigt, daß zu gleicher Zeit neben- her einige geringe ausländische Aufträge geben.— Nach wie vor muß man sich nur wundern, daß Deutschland trotz Einstellung dcS Personenverkehrs einen Ueberfluß an Lokomotiven hat, um diese an das Ausland liefern zu können. Wie denkt das ReichsverkehrZ- Ministerium darüber. ErzbergerS Klage gegen Helfferich. Zu dem Verfahren, das gegen den Staatsminister Dr. Helfferich wegen Beleidigung des Reichsfinanzministers Erzberger eingeleitet ist, steht nun- mehr die Erhebung der öffentlichen Anklage bevor. Er stellt sich. Der frühere bayerische Kronprinz R u p p r e ch i hat an den Präsidenten des bayerischen LandeshilfsvereinS vom Roten Kreuz ein Schreiben gerichtet, in dem er unter Hin- weis auf die Widerrechtlichkeit der Gefangenenzurückhaltung feinc Bereitwilligkeit erklärt, einer etwaigen Forderung der Entente nach seiner Auslieferung im Interesse der Gefangenen Folge zu leisten. Beilegung des Streiks in Oberhause«. Wie aus Essen berich- tot wird, ist der Streik in Oberhausen nach Verhandlungen bei- gelegt. Die Arbeit wuvde ordnungsgemäß wieder aufgenommen; eine Teuerungszulage wurde den Arbeitern nicht bewilligt. Ausweisungen Deutscher aus dem Saargebirt. Die Frmtzosen haben Dienstag kräh den Landrat Polizeidircltor v. Halfen und den RegierunaSassessor v. Calmuth verhaftet und sie über da? rechte Rheinufer abgeschoben. Den beiden Beamten wurden nur 2% Stunden Zeit zur Ordnung der persönlichen Ange- legenheiten gelassen. Speriung der belgischen Grenzen. Die belgischen Zeitungen melden, daß die Grenzen gegen Holland und Deutschland ge- sperrt sind. Einschränkung deö Licht« und Sohlenverbrauchs in Amerika. AuS Waihingten wild gemeldst: Der Administrator tür das Brennmaterial hat eine einschneidende Verordnung über eine außer- ordentliche Einschränkung deS Licht- und KodlenverbrauchS im Hau»« halt erlassen. Die nicht lebenswichtigen Beiriebe müssen ihre Pro» duktion auf 60 Proz. herabsetzen. Die Verordnung tritt sofort in Kraft und zwar aus unbeschränkte Zeit, iogar, wenn der Kohlen- arbeiterausstand sofort beigelegt werden sollte. Der Budaprster Terroristenprozeß. Im Prozesse gegen den politischen Beauftragten deS RevolutionStribunalö Lafzlo wurde daS Beweisvcrfahren beendet. Nach den Reden der Verteidiger wurde die Verhrndlung auf morgen nachmittag vertagt. Die Urteilsverkündigung erfolgt am Freitag. Die rumänischen Beschädigungen in Ungarn. Nach dem Unna- rischen Telegraphen-Korrespondenz-Bureau betragen die von Nu- mänien in drei Komitaten Transdanubiens verursachten Schäden nach amtlicher Feststellung 804 704 000 Kronen, wovon Rumänien insgesamt 2!4 Millionen zurückerstattet hat. Auf die Katwnenfabrik in Raab entfallen allein mehr als 800 M.llionen. Ucberfall auf einen Zug in Indien. 100 Fakirs griffen an der Nordwestyrenze Indiens einen Eiscnbahnzug an und töteten 63 Reisende. 60 weitere Personen wurden verwundet. Richtigstellung. Eine Berliner Lokalkorrespondenz verbreitet eine» Bericht über eine Sitzung der sozialdemokratischen Fraktion der Nationalversammlung, in der über den Fall Sklarz verhandelt worden ist. Tiesem Bericht zufolge soll der Reichöwehrminister NoSke.int Gegensatz zu sche idemann entschieden von Sklarz abgerückt sein". Diese Darstellung ist unrichtig. Ter ReichAvehrmirnster hat in der Frattionssitzung E, nächst mitgeteilt, daß er das-hin zur Verfügung stehende Material fort dem Staatsanwalt zugänglich gemacht habe. Er hat alsdann n Vorwurf erhoben, daß Personen, die monatelang der Meinung Schiefen seien, schwer belastendes Material in Händen zu haben, nicht rechtzeitig Anzeige erstattet hätten. Davon, daß Noske sich in»Gegensatz zu Scheidemanu" gestellt habe, ist gar keine Rebe. Die UniverlltätsöebaSe. I« der Preußischen L a u d e S v e r s a m m l u n g führte am Mrtlwoch Minister Haeuisch aus: Die Hoebichulreform ist dringend geworden, weil jahrzednie« lange Versäumnlsie nachgebolr werden müssen. Nach meiner Auf- Fassung soll sich der Mniifter auf die Feststellung der allgemeinen Richllinien seiner Reformarbeit beschranken und seine Raigeber arbeiten lassen. Im Mnrburgcr Falle habe ich beide Parteien gründlich gehört. Dabei hat sich ergeben, daß daS Urierl über den Siudenien Lemmert gu hart ist und ich habe seine Löschung in den Tnziplinaralten beringt. Das Urteil existiert also nicht mehr. Die schwere mirtschafiliche Notlage der Hochschullehrer erkenne ich an und werde für Besserstellung sorgen. Eine Beschränkung der Lehr- frcibeit wird von der neuen Negierung niemals vorgenommen weiden._ Der Professor darf aber nicht vergessen, daß er Staats- bcamtcr ist. iUuruhe rechts.) Er hat natürlich das Recht, jeder politischen Partei � anzugehören und seiner wisi'enschafilichen Auffassung völlig freien Ausdruck zu geben, aber er hat nicht das Recht auf Mißbrauch der akademischen Lehrfreiheit zur � planmäßigen Verächtlichmachnng der neuen Staats- einrichtungen.(Lcbh. Zustinimung links.) Was Professor Traeger in dieser Hinsicht getan hat, ist längst nicht das Schlimmste. Der Professor Rothe hat sich sogar uiiterstanden, Schülern. Quartanern, Sekundanern usw. zu sagen, der Kultusminister wolle nur. daß die Schüler nichts lernen, damit sie nicht etwa klüger werden, als er selbst. Ich schreite nicht ein: mir genügt lediglich die Mi t- t eilung des Falles in aller Oeffentlichleit. Von den Posaunen- stoßen der Professoren Traeger und Rölhe werden die Mauern des neuen Deutschland nicht umfallen.(Lebh. Zust. u. große Herierkeit.) Anstand und Pflichtgefühl sollten die akademilchen Lehret dazu ziviligen. den akademischen Nachwuchs nicht in Haß und Feindschaft gegen den neuen Siaat zu erziehen.(Große Unruhe rechts, leb- haste Zustimmung links.) Auch die Studentenschaft hat dem Volke zu dienen. Wir arbeiten mit allen Kräften an der Versöhnung zwischen den Wissenschaftlern und der Arbeitelschast, wir denken, zum Wohle des Volkes.(Lebhafter Beifall.) Abg. Lüdemann(Soz.): Der akademische Lehrer muß sich der Verantworiuug bewußt sein, die in seiner Aufgabe der Bildung der Elite des Volkes liegt; deshalb muß er ängstlich vermeiden, seine Stellung zu Partei« politischen Zwecken zu mißbrauchen. Die BesoldungSreforin ist an den lechnischen Hochschulen noch dringender als an den Ilm- versitäten. Die Leistungsfähigkeit unserer Industrie beruht zum großen Teil darauf, daß weite Bepölkerungskreise sich durch die lechmsche Mittelschule auf leitende Posten vorbereuen können. Bedürftigen und geeigneten Miltetichülern muß deshalb der Aufstieg zur technischen Hochschule geebnet werden.(Lebhafte Zustimmung links.) Wir verlangen ferner besondere volkswirtschaftliche M i r t e l s ch u l e n nach Art der technischen Mittelschulen. Sie werden Helsen, die alten reaktionären Beamte zn beseitigen, weil ans ihnen ein sozialdenkender Nachwuchs hervorgehen wird. (Lebhafter Beifall links.) Daneben muß aber auch an den tcch- niiäien Hochschulen Volkswirtschaft gelehrt werden, denn wir brauchen technisch gebildete Volkswirte. Wir haben jetzt die Uni- versitäsen. technische, landwirischaflliche und bergmännische Hoch- schulen. Die Entfernung zwischen der Universität und der technischen Hochschule ist schon zu weit, aber zwischen den übrigen Hockschulen und der technischen Hochschule nmß eine Vereinheitlichung möglich sein. Das Bindeglied find die Handels- üochschtllen, sie können von den technischen Hochschulen aufgesogen werden: dann enlsteht eine Schule, in der Technik und Wirrschast vereinigt sind.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. Fastbciidcr(Z.); Die Reform des technischen BildungS- Wesens muß von der Universilätsrcform getrennt werden. Wir wünschen, daß die philosophische Bildung bei den Angehörigen der technischen Hochschulen besser gepflegt wird. Abg. Dr. Schlojimaim(Dem.): Bewährten Privatdozenten muß ein M in d e st e i n k o m in e n gesickert werden. Für unsere aka- demische Jugend und von ihr verlangen wir innerlichstes Pflicht- bewußtsein. Abg. Dr.-Jng. Kloß(Dnatl.): An technischen Hochschulen ist mir kein Mißbrauch der akademischen Lchrfreiheit bekannt gc- worden. Unterstaatssekreiär Dr. Becker: Die Regierung wendet dem technischen Unterrichtsweseu dieselbe Aufmerksamkeit zu wie den Universitäten. Die Reform der Universitäten ist eine oraaniiatorische. die der technischen Anstalien dagegen pädagogisch. Die Zurückhaltung der Regierung erklärt sich auS der un- genügenden Klärung der pädagogischen Fragen. Abg. Dr. Wehl(U. Soz.): Die Studenten sollten ihre Nasen in gelehrte Bücher stecken und nicht sich ausroben. Man darf die Uni- oerfität den Arbeitern nicht verschließen, wenn ihr Bildungshunger sie dorthin treibt. Die Volkshochschule kann dazu nur vorbereiten. Arbeiter und Wissenschaft gehören zusammen. Abg. Dr. Moldenhauer(D. Vp.): ES geht nickt an, daß das Mitbestimmungsrecht der Studenten auf die Berufungen ausgedehnt wird. Man kann die Studenten nur gutachtlich hören über die Lage der Smnden und nbnlicheS. 1 Danach vertagt sich das Haus auf Don ner» tag ll Uhr: Weiterberatung. Schluß 7 Uhr.__ i<1 pno Hilferuf öer Kalibergieute. Sonntag, den 7. Dezember, tagte in Hannover eine Konferenz der Arbeiierausschüsse sämtlicher Kaliwerke der Bezirke Hannover, Celle, Braunschweig. Hildesheim. Die Konferenz war von weit über 200 Arbeilerausichüssen besucht. Sie beschäftigte sich neben Tariffragen auch mit der Kohlennot und dem Mangel an Eisenbahn� wagen. Viele Kaliwerke und-Fabriken liegen still, viele müssen Feierschichten einlegen, weil es an Kohlen und Waggons fehlt. Die Kalibergleute verlangen von der Regierung bessere Belieferung mit Kohlen und Waggons und richten an die Kohlenbergleute und die Arbeiter in Eisenbahnwerkstätten den dringenden Appell, angesichts der großen Not selbst vor einigen Ueberschichten und vor Akkordarbeit nicht zurückzuschrecken. In einer einstimmig angenommenen Entschließung ersucht die Konferenz die Regierung dringend, der Kaliindustrie mehr Kohlen zu besorgen, und mehr Eisenbahnwagen zum Abtransport der Pro- dukte zu stellen. An die Arbeiter der Kohlengruben und Eisenbahnwerlstätten appellieren die Kaliarbeiter, nach Kräften dahin zu wirken, daß an- gesichts der großen Kohlennot und des Wagenmangels auch sie vor einigen Ueberschichten, und in Eisenbahnwerkstälten auch vor Akkord- arbeit nicht zurückschrecken. Im Bergbau ist die Akkordarbeit stets beibehalten worden. Die Resolution schließt: Arbeiter des Kohlenbergbaues und der Eisenbahnbetriebe! Helft uns durch Liejerung von mehr Kohlen, Waggons und Loko- motiven I Dann können wir durch stärkere Kalilieserung die Herbei- schasfung von mehr Lebensmitteln ermöglichen. Einer für alle, alle für einen! das mutz angesichts der großen Not unsere gemein- same Parole sein. Der Vormarsch der Organisation. Die neueste Nummer des„Textilarbeüsr", Organ des deutschen TextilarbeilerverbandeS, ist m einer Auflage von 400000 Exemplaren erschienen. Trotz dieser großen organisatorischen Erfolge ist für den Verband ein weiteres Neuland zur Beackerung vorhanden._ Gescheiterte Verhandlungen. Die Berhanblungen des Gewerkschaftsbundes der Angestellten von Handel und Industrie in Magdeburg über Wirtschaftsbei- Hilfe und Erhöhung der Gehaltssätze find gescheitert. In einem Telegramm au den R e i ch s a r b e i t s m i n i st c r erbitten daher die Angestellten die Einsetzung eines Schiedsgerichts, da sie den von den Arbeitgebern einbmifeneii örtlichen SchlichtungSaus- schufi ablehnen. Sic betonen, das, eine P e r s ch l c p p u n g den Generalstreik bringen würde. Transportarbeiter der Metallindustrie. Auf Grund des Schiedsspruches vom 2t. August waren auch die Transportarbeiter in die Lohnllassen einzugruppieren. In gröberen Umrissen ist dies durch die Teilschiedssprüche vom 2. November geschehen. Die Bezahlung hat nach Bemessung der Leistung in den drei letzten Lohnklassen zu erfolgen. In einer Anzahl von Betrieben haben vre Eingruppierungskommissionen bereits diese Frage mit den Betriebsunternehmern besprochen und zur Befriedigung beider Teile erledigt. Als bisherige Resiiltate sind erzielt, daß der Lohnklasse 3 zu 2,60 M. Stundenlohn mit drei Lohnzuschlägen a 10 Pf. alle Elekuomoterwagensührer, Kraftwagenführer, Großkranfübrer, Vor- arbeiter und Kolonnensührcr zugeteilt worden sind. In Lohn- k l a s s e 4 zu 2,40 M. Stundenlohn mit drei Zuschlägen a 10 Pf. sind eingruppiert alle sonstigen Kranführer, ferner alle Fahrstuhl- führer. Feuerwehrleute. Rangierer, Anbinder, SchwertranLvort- arbeiter, Packer, Lagerarbeiter, Bc- und Entlader» Ordermacher, Äbichinierer, Kohlenarbeitcr(Kohlenkarr er), Breiterträger in und Kutscher. Alle anderen Transportarbeiter, soweit sie nicht noch später in eine höhere Lohnklasse durch Entscheidung eingereiht werden, fallen unter die L o h n k l äs s e 5 zu einem Stundenlohn zu 2.2V M. mit drei Zuschlägen von 10 Pß lieber die Gewährung der Zuschläge ist eine Einheitlichkeit noch nicht erzielt, so daß hierin ein recht buntes Bild zutage tritt. Soweit der erste Zuschlag in Frage kommt, besteht allgemeine Klar- heit, da dieser durch den Schiedsspruch geregelt ist. Ueber die Zah- lung der beiden werteren Zuschläge ergeben sich mancherlei Un« stimmigkeiten, die bereits zu Differenzen Anlaß gegeben haben. dock ist es möglich gewesen, in einer Anzahl von Betrieben auck hierin eine befriedigende Löiung zu ffnden und zwar dergestalt, daß die verbleibenden weiteren zwei Zuschläge von je 10 Ps. in kurzen Zwischenzeiten gezahlt werden müssen. Soweil die Eingruppterung in den Beirieben noch nicht statt- gefunden bat, ersuchen wir unsere Mitglieder, nun darauf zu drängen. In strittigen Fällen, wo eine Emigung zwischen den l Parteien nicht zu erzielen ist, nmß unZ von dem Fall umgehend Mitteilung gemacht werden, damit die auftretende Differenz im Beschwerdewege vor dem SchlichtungsauSschuß ausgetragen werden kann._____ Die Sektionsleitung. Die totgeredeten Arbeitsgemeinschaften. Am Sonntag tagte in der Bockbrauerei eine Versammlung der Ortsverwaltung Berlin der Buchdruckerei Hilfsarbeiter und- arbeilerinnen. in der die Anhänger der Arbeitsgemein- schaften, insonderbeit die ans dem Boden der S! P. D. stehenden Milglieder. totgeredet werden sollten. Der Unabhängige Kr a a s, einer von den Angestellten, die das zweiselhasie Glück hatten, auf dem Rücken der Dummen zum Beamten emporzuklettern, erzählte seinen Parteifreunden, daß durch sein Dazwischentreten bei der letzten Lohnbewegung«eine Mark mehr" an Zulage herausgeholt wurde. Die Zugeständnisse der Unternehmer gingen ihm mchl weit genug, weshalb er die Forderung nni eine Mark höher schraubte. Pathetisch gestikulierte er in den Saal hinein:„Seht, das ist die „praktische Arbeit", die wir leisten." Wie bescheiden doch diese Leutchen sein können. In der„Frei« heit" vom 2. Juli 1019 lesen wir: Der Streik wurde geführt von ..OrtSvorsiand und Lohnkomnliifion, die in ihrer Mehrheit der S. P. D. angehört": auf wessen Konto mag nun wohl der.Er« folg" des GewerkschaftSbeamten Kraas zu buchen lein? Die„Freiheit" macht aus dieser Versammlung eine„schwere Niederlage von Anhängern der Arbeitsgemeinschaften". Davon baben aber die anwesenden Vernunftspolitiker nichts gemerkt; es war ein Papageien- Haftes Nachplappern abgedroschenerPhrasen.die bei den tieserdenk'enden Mitgliedern völlig abgeprall: sind. Ein Zeichen geistigen Tiefstandes ist es aber, daß einige Wochen vor einer neuen Lohnbewegung die größte Zahlstelle Sabotage treibt und den Mitgliedern in den übrigen Gauen Deutschlands in den Rücken rällt. Dabei ist die Taktik dieser Radikalen nur Spiegelsechtere!. Läuit am 31. De- zember der Tarif ab, dann wird die erste Tat der„klassenbewußten" Führer sein, die Unternehmer um Verhandlungen zu ersuchen. Alto worin unterscheidet fich die neue Taktik von der alten? Im größeren Maulanfreißen und Verhetzen der Mitglieder. Daß man aber durch Verhandeln mit dem Unternehmermm unbewußt sich zum System der Arbeitsgemeinschaften bekennt, will diesen„Führern" nicht in den Kopf. Sie reden diese Institution wohl tot, sind aber doch zufrieden, daß sie lebt._ „Ter Betriebsrat" nennt sich eine neue von der ArbeitSgemein« schaft freier Angeftelltenverbände. Berlin NW 52. Weiftstr. 7, herausgegebene Zeitschrift, die es sich zur Aufgabe macht, den Ange- nellten-Ausschnssen und Betriebsräten das zur Ausübung ihrer Tätigkeit notwendige Material, Gesetze, Verordnungen �chieds- spräche usw. zu übermitteln, gleichzeitig aber auch durch Behandlung der Fragen des Tarif- und Arbeitsrechts, Erörterungen über Geld«. Bank-, Börse-, Valuta-, Bilanzkunde, einführende Aufsätze über Volkswirtschaft aufklärend und weiterbildend zu wirken. Aus dem Inhalt des 1. Heftes sei erwähnt: Jng. Dr. A. Striemer: Wirtschaftliche Demokratie, O.Jensen: Gewerkschaften und Rätebewegung. S. A u s h ä u s e r: Die Verantwortlichkeit der Betriebsräte, K. S o h l i ch: Volkswirt- schaftliche Unterhaltung, Jng. Hans Kühne: Angestellle und Arbeiter, Die Beratung des Betriebsrätegesetzes im 7. Ausschuß, Gesetze, Verordnungen usw. Die Zeitschrift, monatlich erscheinend, ist zu beziehen zum Bierteljahrspreise von 2 M.(zuzüglich 15 Pf. Porto) monatlich. Deutscher Metallarbeiterverband. Donnerstag, den 11. Dezember, nachmittags 4Vz Uhr: Branchenversammiung der Bauichlosser und der Kollegen aus den Betrieben für gelochte Bleche im..Gewerkschaftshaus", Engclufcr 15(großer Saav. Tagesordnung: Neuwahl der Agitation?- kommisjion: Reuwahl des Gescllenausschusies. Ohne Mitgliedsbuch tein Zutritt!!__ Ms aller Welt. „Und es kam eine große Dürre." Neulich trat an Stelle eines verstorbenen Abgeordneten eine bekannte Frauenrechtlerin und sozial eifrig tätige Abgeordnete in die Nationalversaamrlung ein. Die Dame ist eine auffallend große und sehr hagere Erscheinung. Ein als Witzbold bekannter Abgeordneter machte den Präsidenten auf das neue Mitglied ausiiierksam und fügte hinzu:„Das Erscheinen dieser Frau Abgeordneten ist schon in der Bibel angekündigt worden." Erstaunt- Frage des Präsidenten.„Was, in der Bibel?" —„Jawohl. Herr Präsident, in der Bibel! Denn dort steht ge- schrieben: Und es kameinegroße Dürre!" Gäste Frankreichs. Der Pariser Korccipondent i>es_„Taily Herald" meldet: Gegenwartig befinden sich 35 000 russische Soldaten als Internierte in Frankreich, die für 25 Centimes täglich dieselbe Arbeit verrichten müssen, für die die deutschen Kriegsgefangenen einen ganzen Frank erhalten. Weitere 40 000 Russen werden nach Abschluß des Wafsensttllstands von Deutschland nach Frankreich abgeschoben.(?) Auch sie werden als Internierte behandelt. Ni»l wenn sie bereit sind, im Heere D e n i k i n S oder Kol tschake Dienst zu nehmen, ist sofort TranSportgelegcnheit zu ihrer Per- fügung. Die Unzufriedenheit in den Lagern wächst. In Mäilly bei Paris wurden bereits Maschinengewehre aufgefahren und gegen eine unbe«offncte Abordnung verwendet. Dabei blieben 6 Leute tot und 20 verwundet aus dem Platz. Auch in den Lagern von Mi- rabeau und SoutrcSnes kam, es zu ähnlichen Vorfällen._ Betau:®, für den reSaktion. Teil: Artut gickle». Chatlottenbut«: kür«nsemen: Th. Berlin,«erlag: Varwärio-Perlag