Kr. 688. 36.Iichrg. ( 20 Pfennig) Bezugspreis t Slftteliäitl 10�0 monatL 3,50 Mi. frei ins Haus, voraus zahlbar. Post. bczug! Monatlich 8,50 Mst, exkl. Au» stellungsgebllhr. Unter Areuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarir 6,75 Mb, für das übrige Ausland 10,75 MI., bei täglich einmal. Zustellung 8.75 Mk. Postbestellungen nehmen an Dänemark Solland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zettungs-Preisliste. Der„Vorwärts* mit der Sonntag». bcilage„Boll u. Zeit* erscheint wachen» täglich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adresse: „Sozialdemolrat Berlin". Vevlinev Volksblstt Anzeigenpreis: Dt« achtgespaltene Nonpareillezeile lostet ILO M,, Teuerungszuschlag 60 „»leine Anzeigen", das fett» gedruckte Wort 75 Psg. lzulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Echlasftellenanzeigen das erste Wort 65 Psg. jedes weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teueningszufchlag 50%. Familien- Anzeigen, politische und gewertschastliche Vereins. Anzeigen 1,60 Ml. die geile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin EW 68, Lindenstraßc 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr sriih bis 5 Uhr abends.' Zentralorgan der rozialcUmokratifchcn Partei Deutfcblands Redoftion und Expedition: EW. bS, Andenstr.3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 15190�-151.97. Die neue italienisthe Kammer. Aus Rom wird uns geschrieben: Obwohl bis heute der Wahlausgang noch nicht in seinen Einzelheiten feststeht, weil noch nicht überall die Zahl der auf den einzelnen Kandidaten kommenden Stimmen bekannt ist, so daß noch Verschiebungen in den Personen der Kandidaten eintreten können, sind wir doch über die zahlenmäßige Ver- tretung der einzelnen Parteien im klaren. Die Sozialisten haben in der neuen Kammer 156 Deputierte, die 5k l e r t- k a l e n 161, die Republikaner 7, die reformistischen und unabhängigen Sozialisten 14; die übrigbleibenden L30 sind Konstitutionelle der verschiedenen Schat- tierungen, von den bürgerlichen Demokraten zu den Konser- bativen, Ministerielle und Oppositionsdeputierte, kurz, die Masse der eigentlichen Ordnungspartcicn, mit Ausnahme der Klerikalen. In der nachstehenden Tabelle stellen wir die v o r i g e Kammer der jetzigen gegenüber, wobei wir, dem italienischen Gebrauch folgend, das Wort„liberal" in dem hier üblichen Sinne von„antiklerikal" gebrauchen. 1vl3 1019 Sozialisten... 5ö ISS Reformisten... 23 14 Klerikale. 1.... 33 101 vorwärts-verlag E.m.b. h., Ew. b8, lLindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 117 53—54. Neue /lttenveröffentlichungen. Republikaner Liberale.. 17 380 7 230 Dieselben Parteien, die in der vorigen Kammer zusammen 88 Stimmen aufbrachten, die Sozialisten und Klerikalen, ver fügen heute, vereint, über die absolute Mehrheit. Es ist also eine Verlegung des Schwerpunktes der Kammer eingetreten. Nur 160 der bishetigen Abgeordneten sind wiedergewählt iworden. Interessant ist die Verteilung der Sozialisten ans die verschiedenen Teile des Landes, bei der großen Ver- schicdenhcit dieser Teile untereinander, was ihre Wirtschaft liche, industrielle und überhaupt ihre Kulturentwicklung be trifft. Von den 56 Wahlkreisen P i e m o n t s fallen M den Sozialisten zu, von den 64 der Lombardei 31, von ben 17 L i g u r i e n s 6; in V e n e t i e n, wo die Klerikalen stark sind, bringt die Partei in 50 Wahlkreisen nur 13 Deputierte durch, dagegen in der Emilia kommen von 30 Wahlkreisen über zwei Drittel, nämlich 27 auf die Sozialisten, in Toskana von 39 deren 18. Je«mehr man nach Süden kommt, um so bescheidener werden die Zahlen. Von den 17 Mandaten der Marken kommen 6, von den 10 U m b r i e n s 5, von 2� der A b b r u z z e n 3 auf die Sozialisten. In Campanicn hat unsere Partei nur 2 von 51 Mandaten erobert, in A p u l i e n von 28 nur 5, in Calabrien von 28 nur 1. In den 74 Wahlkreisen, die auf die B a s i l i k a t a, Sizilien und Sardinien fallen, haben die Sozialisten keinen Vertreter. In Sardinien ist sogar ein früheres Parteilnandat verloren gegangen. Faßt man Italien in größere Gruppen zusammen: Oberitalien(mit starker industrieller Entwicklung, kleinem und mittlerem Grundbesitz, geringem Analphabetis- mus), Mittelitalien(mit hochentwickelter Landwirt- schast, vorwiegendem mittleren Grundbesitz, mit Ausnahme des latifundistischen Latium, geringer Jndlistrie und einer mittleren Verhältniswahl von Analphabeten), Süd- i t a l i e n(geringe Industrie, mit Ausnahme von Neapel und einigen Teilen Apuliens, Latiflindium oder stark zersplitter- ter Grundbesitz, starker Analphabetismus) und die Inseln, (für die das von Süditalien gesagte in verstärktem Maße gilt), so ergibt sich folgendes Bild: Oberitalien hat 85 sozialistische Abgeordnete von 187 Wahlkreisen, Mittel- Italien 60 von 120, S ü d i t a l i e n 11 von 137 und die Inseln �ar keinen bei 64 Wahlkreisen. Die Klerikalen sind durchaus nicht, wie man meinen könnte, gerade dort stark, wo die Sozialisten schwach sind; auch ihre Organisation setzt einen gewissen Grad Wirtschaft- licher und kultureller Enttvicklung voraus, lvenigstens, wenn es sich um das Aufbringen großer Massen zum Wahlkampf handelt. Von ihnen sind 52 in Oberitalien gewählt, 25 in Mittelitalien, 18 in Süditalien, 7 auf den Inseln. De Hauptmasse der Liberalen, auf die sich bisher in Italien sede Regierung gestützt hat, ist also von den Wäh- lern des Südens und der Inseln gestellt worden, gerade von den Regionen, die, wie die Kriegsstatistiken zeigen werden, im Verhältnis zur Bevölkerungszahl die meisten Soldaten gestellt hatten und im Verhältnis zn ihren Soldaten die meisten Toten hatten. In diesen Bevölkerungen hat sich, in- folge des kulturellen Tiefstandes, der Groll über das Ge- schehene noch nicht in politische Parteistellung umgesetzt. Die Wahlstotistik wird wahrscheinlich dartun, daß gerade im Süden die Wahlenthaltung stark war. Wie dem auch sei, heute ist der Süden und sind die Inseln d i e Teile des Landes, aus denen die Regierung ihre Deputierten bezieht. Die Unterscheidung der Liberalen in Ministerielle und Antiministerielle. die in, Wahlkampf die wichtigste schien, ist jetzt ganz müßig, geworden. Die Bourgeoisie hat nunmehr ganz andere Sorgen, als ihre spärliche parlamentarische Ver-, Sethmann für Wilhelm. Der 2. Unterausschuß deS parlamentarischen UntersuchungS- auSschusseS beschloß, die Alten über den diplomatischen Verlehr mit der Botschaft in Washington, sowie diejenigen über das Friedensangebot der Zentralmächte als Beilage zu den stenographischen Protokollen zu veröffentlichen. Die Turiner„Stampa" erfährt au- Pari-, daß die Veröfsent- lichuug der deutschen Akten zum Kriegsausbruch in Frankreich für maßgebend erachtet wird, um daraufhin die Ausliefcrnng der nach französischer Ansicht schuldigen Personen von Deutschland zu ver- lange». C I e m c n c e a u s„H o m m e I i b r e" schreibt zu der deutscheu Aktenberöffentlichung, dies sei der größte Dienst, den Deutschland der Wahrheit und der Gerechtigkeit, für die die Ver- bündeten gekämpft hätten, bringe. Aber die Verbündeten dürften sich von Deutschland nicht täuschen lassen, daß damit die gemein- same Schuld auf wenige Personen abgewälzt würde. Die Befür- worter der grausamen Kriegsmethoden im deutschen Parlament seien genau so schuldig und ohne Ansehen ihrer jetzigen Stellung zur Verantwortung zu ziehen, wie diejenigen, die die Verantwor- tung für die barbarische Kriegsführung getragen hätten» Als treuer Diener seines Herrn sucht der frühere Reichs- kanzler Herr v. Bcthmann Hollweg dem durch seine Akten- vermerke bis über die Obren kompromittierten„kaiserlichen Herrick' beizuspringen. Die Randvermerke— so betont er in einem Schreiben an das WTB— seien„nichts anderes als der- impulsive Niederschlag von Momenteindrücken", ihr persönlicher Charakter sei allen Beteiligten bekannt gewesen, politische Entschlüsse seien erst auf Grund anschließender Vorträge gefaßt worden usw. usw.— Selbst angenommen,— als Charaktererzeugnisse für Wilhelms ursprüngliches Denken und Wollen, als höchst indi- viduelle Denkmäler seiner unverfälschten Gesinnung haben alsdann die Randbemerkungen erhöhte Bedeutung. Nicht immer bat in der Hohenzollerngeschichte solche Abneigung gegen die spätere Auswertung von Marginalien bestanden. Die Akten- vermerke Friedrich Wilhelms l., Friedrichs II. usw. wurden auf allen Schulen auswendig gelernt. Sollte nickst Wilhelm bei seinen Niederschriften gerade von der Absicht ausgegangen sein, sich selber ein ähnliches Denkmal(seines Schneids, seines ungeheuren Mutes usw.) für die offizielle Hohcnzollernlegeude zu setzen?! keßel in Militärhaft. Der miliiälische Gerichisherr hat die Ueberfiihruug des Haupt- mannS v. Kesiel in die Militärarrestanstalt veranlaßt. Die Per- teidigung protestiert, weil ein militärischer Haftbefehl nicht vorliege. » Zur Entlaffung Reinhards. Entgegen anders lautenden in der Presse mehrfach aufgetauchten Behauptungen erfahren die„P. P N.", daß im ReickiSkabinelt weder eine Debatte noch eine A b st i m- m u n g darüber stattgefunden hat, ob Oberst Reinhard zu entlassen sei. ES ist also auch falsch, daß NoSke gegen die Entlassung pro- testiert habe und die bekannten Verleumder haben sich umsonst an- gestrengt, besonders gemein zu werden. tretung in ministerielle und antiministerielle zu spalten. Wenigstens, solange keine Regierung besteht, die sich ans die Klerikalen stützt, wodurch ein Teil bürgerlicher. Elemente für den Lebensbedarf des Ministeriums abkömmlich' würde. Von der sozialistischen Fraktion fällt die Mehrheit den Bolschsvisten oder Marimalisten zu. Von den früheren, innerhalb der Partei stehenden Reformisten sind die bedeutendsten, wie Prampelini, Tnrati und Treves wiedergeiuählt; nur einer, Bnssi. ist zwar als Kandidat aufgestellt, aber bei den Wahlen durch einen Ar heiter ersetzt worden. Ein weit mehr als Tnrati rechte stehender Genosse,. Graziadei, ist kurz vor den Wahlen Bvlschewist geworden. Unter den Neugewöhlten steht Nnllo B a I d i n i ans dem äußersten rechten Flügel. Die Ansicht. die auf dem Parteitag die Einführung der Räte- r e p n b l i k für anstrebenswert, aber nicht sofort durch den bewaffneten Aufstand zu verwirklichen hielt, und deren Verfechter Constantine Lazzari nach jahrzehnte- langer opferreicher Partei tat igkeit endlich ins Parlament einzieht(in Mailand und in Cremona gewählt), dürste in der neuen Parlamentsfraktion ziemlich stark vertreten sein. Die neue Parlamentsfraktion hat zunächst zu entschei den, ob sie die Entscheidung aus dem Parlament auf die Straße verlegen will. Wenn sie, als Fazit der Wahl ergebnisse, innerhalb der Kammer zu wirken gedenkt, wobei ihr natürlich die Mehrheit zur Verwirklichung der Räte- republik durch.Kammervotum fehlt, so steht ihr nur der Weg weitgehender Reformen offen, den sie durch starken Druck ans die Regierung erzwingen kann. Ungeheure Aufgaben stehen vor der Kammer: die Ratifiziermig der Friedensverträge, die Einstellung der Feindseligkeiten gegen die russische Republik, die Vermögens- abgaben, Fmme, Saza... Keine dieser Fragen erlaubt Aufschub: in jeder von ihnen können die Sozialisten, wenn nicht den ausschlaggebenden, so doch einen schwerwiegenden Einfluß haben. So stehen wir vor ernsten Entscheidungen, und Parteivorstand und Parlamentsfrattion sind sich der großenVcrantwortungder neuen Machtstellnng voll bewußt. Ein Element dieser Verantwortung ist die klare Erkennt- nis der Gefahr, die Regierung den Klerikalen in d i e A r m e zu treiben. Der neue römische Abgeordnete der Klerikalen, Egilberto Martire, bat schon in einem dem„Progresse" von Bologna gewährtem Interview erklärt, daß die klerikale Fraktion für jed? der Regierung zu ge- währende Unterstützung den Verzicht des Staates auf die Schule fordern wird, was mit andern Worten bedeutet, daß man die in Italien bestehende konfessionslose und unentgeltliche Staatsschule aufheben will, um„freie", das heißt konfessionelle Privatschulen zu gründen. Ihrem mittelalterlichen Wahlsymbol geniäß, das die Herrschaft der Kommunen darstellte, die Dezentralisation, streben die Kleri- kalen weiter eine Verwaltungsautonomie an. die darauf hin- ausläuft: den Staat gegenüber der am stärksten zentrali- sierten Macht der Welt, der katholischen Kirche, in den zweiten Rang zu drängen. Aber die Sozialisten können es wagen, wenn man sie vor die Wahl stellt, die, Regierung den Erpressungen der Kleri- kalen auszuliefern oder die Verantwortung für die Regie- rirng mit den Liberalen zu teilen, den gordischen Knoten zu durchhauen, denn es ist wght, was das Organ der Konsödc- ratiöw der Arbeit(der- italienischen Generalkommission der Gewerkschaften)' schreibt:„Der Sieg der sozialistischen Partei ist schon die zur Tat gewordene Konstituante".' Die ersten Tage. Die bisherigen Arbeiten der neuen Kammer hoben schon die scharfe, grundsätzliche Feindseligkeit zwischen S o- z i a l i st e n und Klerikalen ausgedeckt. Die Feind- seligkeit. äußert sich sogar in gegenseitigen Anrempelunge», die nicht eben den friedlichen Verlauf der Arbeiten fördern werden. Sie hcchcn aber eine Bedeutung, die weit über die Störung der Kammerarbeitcn hinausgeht. Zeigen sie doch an, daß die von versckncdenen Seiten ins Auge gefaßte Möglichkeit einer sozialistisch-klerikalen Koalition aus falschen Vor- aussetziingen beruht. Solange die Klerikalen als parlamen- tarische Partei ganz„nnentdecktes Land" waren, konnte man die Vermutung ausstirechen, daß sie Berührungspunkte mit den Sozialisten finden könnten, die ihnen, wenn nicht die ge- meinsame Regierung, so doch die gemeinsame Opposition mög- lich machten. Heute tritt aber immer deutlicher zutage, daß die Kleri- kalen sich als„Konknrrenznnternehmen" in der Kammer»ie- derlassen wollen. Sie betonen sehr scharf ihren volkstiim- liehen Charakter, sie wollen die Vertreter des Volkes, ja, ge- radezu der Arbeiter sein.„Vielleicht sind wir berufenere Vertreter als Ihr", rief der Klerikale Mauri den Sozialisten zu. Auf diesem Gebiet, ist ein Einvernehmen unmöglich. Die Klerikalen müssen von den zwei Seelen in ihrer Brust ein? obsiegen lassen und sich danach ihre Bmidesgenossen ans- suchen. So natürlich es auf den ersten Blick scheinen mag. daß sich Sozialisten und Klerikale auf ein gemeinstmies Re- formprogramm zum Besten der Arbeiterklasse einigen, so immöglich erweist es sich bei näherem Zusehen. Wenn die Klerikalen eine Arbeiterpartei sein wollen, so wollen sie Führer und Sachwalter einer unmündigen Herde sein. Ihr Wider- streit zum Sozialismus kommt gerade auf diesem Gebiet am schärfsten zum Ausdruck, und gerade hier ist die persönliche UnVersöhnlichkeit am stärksten, die bei rein konfessionellen Forderungen mehr in den Hintergrund getreten wäre. Je mcbr aber die Klerikalen von den Sozialisten abgedrängt werden, um so näher rücken sie der Regie- r u n g, den bürgerlichen Parteien. Und da müssen sie ihr konfessionelles Programm beschneiden, denn von der söge- nannten freien Schule, von der ohne Staatsmittel mit den riesigen Mitteln der Klerikalen in Konkurrenz tretenden Privatschule für jedermann, wird die italienische Bourgeoisie. trotz des Abflauens ihrer antiklerikalen Ueberliefernngcn, kaum etwas wissen wollendes sei denn, es ginge ihr tatsächlich an den Kragen. Rücken die Klerikalen an die Regierung heran, so hat das natürlich auch Rückschläge auf das Verhalten der kleinen Parteien: die Reformisten, die Republikaner. die Kriegsbündler rücken ab. Das liat sich schon bei der Wahl des Kammerpräsidenten gezeigt. Der Reglerungskandidat Orlando erhielt 251 Stimmen, der Sozialist Lazzari t 63 Weiße Zettel wurden abgegeben und 6 Stimmen wa- ren zersplittert. So haben die Klerikalen mit den ministe» riellen und Oppositionsliberalen gestimmt, während Refor» misten. Republikaner und Kriegsbündler weiße Zettel abge- geben haben. Tiese drei Gruppen fordern jetzt die Konstituante, wie sie die Sozialisten fordern, gravitieren also den Sozialisten zu, was in der Tat natürlicher ist als ein. wenn auch nur vor- übergehendes Bündnis mit den Klerikalen. Gleichzeitig wird auf der andern Seite eifrig gearbeitet, um ein Bündnis zwischen allen konstitutionellen Parteien zustande zu bringen. Kommt dies zustande, woran kaum zu zweifeln ist, so wird man die Grundlage des Kabinetts nach den Klerikalen hin erweitern, so daß die Aufgabe der Partei sich darauf beschrän» ken würde, als st a r k e Oppositionspartei die Ne- gi'erung vor sich her zu treiben und im Zaum zu halten. Die großen Vorteile dieser Lage— in einer innerpoliti- scheu und auswärtigen Situationen wie der heutigen— wird gerade die deutsche Sozialdemokratie, die nicht so weich ge- bettet wurde, am besten zu schätzen wissen. Man kann aber sicher sein, daß auch die italienische Partei für ihre Vorteile nicht blind sein wird._ peinliche Erinnerungen. Die drei Wahlkreise(Zlsaß-LothringenS sind in der neuen französischen Kammer durch 24 bürgerlich- reaktionäre Abgeordnete vertreten, während die Sozialisten Heer ausgehen, obgleich sie mehr als zwei Fünftel der Stimmen erhalten hatten. In ihrem berechtigten Aerger über diese Folge eineS un- gerechten Wahlsystems haben sich die französischcir Sozialisten den Spaß geleistet, die einzelnen führenden Männer, die jetzt als die Vertreter des clemencistisch-nationalistischen„Nationalen Blocks" die zurückeroberten Gebiete im Parlament vertreten, auf ihre frühere Gesinnung zu prüfen. Eine ganze Woche lang vor dem feierlichen Empfang der Elsässer im Palais Bourbon wurde in den Stalten der„Humanitö" ziemlich rücksichtslos enthüllt. Alte Reden und Aufsätze aus den Zeiten der„preußischen Sklaverei" wurden wieder auf» gewärmt. Sie bewiesen, daß es den„Sklaven" gar nicht so schlecht im Verbände des Deutschen Reiches zu gehen schien. Nacheinander nahm sich die„Humanitö" die Herren Dr. Pfleger. Dr. Haegy und Wetterlö aufS Korn» Andere werden wohl noch folgen. Die sranzöfifchon Leser dürften in der Tat sehr erbaut sein, wenn sie erfabrcn, wa« einer der Hauptpropagandeure d.?s„Nationalen Blocks", der frühere Reichstagsabgeordnete Dr. Haegy, in seinen im„Elsässer Kurier" erschienenen „Briefen aus dem Reichstag" schrieb. Am 16. März 1916 sagte er, man müsse seinen Blick„auf daS große Ganze" richten. Die Parole heiße: Berdun I Acht Tage später er» mahnt der heutige französische Chauvinist die deutschen Truppen „gute Wache zu halten an den Vogesen, damit die Frau» zosen nicht ins Land kommen". Alte Artikel W c t t e r l S s voll glühender Verehrung für den frommen Kaiser Wilhelm II. und voll Verachtung für die gottlose französische Republik werden auch noch auf» getischt. Als Hauptenthüller wirkt dabei der durchgefallene Eolinarer Sozialist Grumbach, der sich dadurch in die Gefahr b<»gibt, daß die Enthüllte« mit Enthüllunge» kommen. g die SejKon fängt gut an. Der Empfang der e l s ä s s i s ch c n D e P u t i e r t e n in der Eröffnungssitzung der französischen Kammer fing mit rührenden Szenen der Begeisterung an und endete m.t einem Sturm. Nach der Begrüßungsrede durch den Alterspräsidenten, nach der vom Abgeordneten Franpois verlesenen Erklärung und nach der Antwort Clemcneeaus war die Stimmung des reaktionären HausdS sehr gehoben. Als nun der Rechts» sozialist Albert Thomas im Namen seiner Fraktion und der / fttue /lrchitekturforöerungen. Der Baukunst unserer Tage ist im Eisenbeton ein neue? Material entstanden, das nicht nur der Technik neue Aufgaben stellt, sondern, richtig angewendet, auch einen architektonischen Stil schaffen mnh, der sich von allen früheren grundsätzlich unterschei» det. DaS Grundproblem der bisherigen Baukunst bestand in dem Ausgleich des Gegensatzes zwischen Stütze und Last, zwischen Tra- gendem und Getragenem. Die griechische Kunst löste das Problem durch Säule und Balken, die gotische durch Pfeiler und Vogen, der Eisenbeton bietet aber ein Material, in dem sich dieser Gegensatz kaum noch geltend macht. Seine Druck» und Zugfestigkeit ist eine so große, daß er mit schlanken Rippen gewaltige Räume überspannt und aus schwachen Bitterstäben kolossale Lasten trägt. Mächtige Niesenkuppeln können auf dünnsten Mauern ruhen. ES ist klar. daß sich auS diesen Eigenschaften deS Materials die Möglichkeit er» (stbt, zu ganz neuen ästhetischen Wirkungen zu gelangen. Von dieser Möglichkeit hatten die Architekten aber bisher keinen Ge» brauch gemacht. Man bemühte-fich, die Eisenbetonkonstruktionen unter dem Mantel historischer Ornamente zu verbergen, und dort, wp man sie klar zutage treten ließ— wie bei reinen Industrie» und Nutzbauten—, verhinderte dürftig praktische Nüchternheit das Zustandekommen eines organischen Gesamtkunstwerkes. Erst neuerdings haben einige moderne Baukünstler den Der» such gemacht, den ästhetischen Wert deS Eisenbetons auszunutzen. Entwürfe von ausschweifend phantastischer Kühnheit kamen zunächst uftande, Gebäude, die die Formen von Tieren und Pflanzen, von tZilzen, Polypen Und Mollusken hatten, wurden mit der Reißfeder und dem Elypsenzirkel geschaffen. An die Ausführbarkeit dieser Projekte dachte man kaum. Aber etwa? wurde durch die utopische Phantasie doch erreicht: Die zünftig« Architektenwelt erkannte, welche Schätze hier zu beben waren. Die Entwürfe und Modelle, die Erich Mendelsohn— leider nur wenige Tag,— bet Eassierer ausgestellt hatte, deuten die stilistischen EntwicklungS» Möglichkeiten nach einer Richtung hin an. Seine Bauten haben die Gestalt von riesigen Werkzeugen, sie sehen aus. als wären sie nicht ans Einzelteilen konstruiert, sondern auS einem Guß geformt. An frühere Baustile finden firü kaum noch Anklänge. Dabei zeigen sie keine Spur von effekthaschender Originalsucht,- sondern eS herrscht überall strengste Sachlichkeit, die aus dem Praktischen schöpft und aus dem konstruktiven Element des neuen Materials die künstlerischen Formen entwickelt. Winn unsere Baukunst auf diesem Wege weiter schreitet, dann wird sie nicht nur für fich zu einem neuen Stil gelangen, sondern eS werden von ihr auch brauchbare Anregungen für das ganze Ge- biet der bildenden Künste ausgehe». J. 8., s,, �/ "• Ellen Key— 70 Jahre. Schweden hat der Literatur der Gegenwart zwei Schriftstellerinnen von hervorragender Bedeutung geschenkt: eine große Dichterin, Selma Lagerlöß und eine große nicht vertretenen 112 000 elsässischen Arbeiterstimmen eine Erklärung verlesen wollte, entstand nach den Worten„die sozialistischen Verbände" ein ungeheuerer Lärm; Minuten- lang wurde Thomas daran gehindert, seine Lektüre fortzusetzen. Schließlich gelang es ihm, sich Gehör zu verschaffen. Als dann die Plakatierung der drei ersten Reden beantragt wurde und die Sozialisten, dev Geschäftsordnung des Hauses entsprechend, auch Thomas' Rede mitplakatiert haben wollten, ging der S t n r m von neuem los. Der Prinz Murat und Leon Daudet wetteiferten an Grobheit gegen die Sozia- listen. Dem letzteren aber schrie Cachin Ins Gesicht;„Halt den Mund, Mörder I"(Eine Anspielung auf die jahrelange Hetze der Lotion gegen Jaurbs). Die Plakasterung nur der drei ersten Reden wurde natür- lich, entgegen dem Reglement, beschlossen. Beachtenswert ist die Tatsache, daß die in einer Loge an- wesenden Generäle Fach, Pau und Mangin demonstrativ nach den ersten Worten Thomas' aufstanden und so taten, als wollten iie den Saal verlassen. Der preußische Mili- tarismus ist tot. Es lebe' der französische l die Sonöerwünfthe üer Elsässer. Die elsässischen Abi'.eordneten beantragen in der französische» Kammer zur Lösung der Spradensrage die Ziveitprachigteit im Gericht, in der Schule, auf der Post und auf der Effenbahn. Ferner sollen die eliaß« lothringischen Badnrn ibre autonome Verwaltung beibehalten, um nicht in die allgemeine Mißwuischast der französische» Bahnen zu geraten. Die Beschimpfungen der El'ässer als Boches wollen trotz aller Mahnungen und Warnungen durch die französischen Behörden kein Ende nehmen. Am 4. Dezember kam ein Graf de Leusie auS ReichZhofen auf den Babnbof Stratzburg zwecks Abfertigung seines Gepäcks nach Paris. Der Ab-ertigungsbeamie verweigerte die Annabme, weil die Carto do ciroulatioa d«S Reisenden erst vom folgenden Tage an ihre Gültigkeit hatte. Darüber erbittert, bemerkte Graf de Leuste gegenüber dem Abfertigungsbeamten:„Des emplo�ös do ohemin de Ter alsacten sont tous de Boohes lu (Die el'ässischen Eisenbahner find alle Boche«.) Aus die Erwiderung deS Beamten, daß sämtliche Beamte Eltässer seien, ei folgte die prompte Antwort:".Ihr seid alle im Herzen noch preußisch.' In den eliässi chen Eisenbahnerkreisen herrscht über die'eS neue Vor- kommniS die größte Erbiltening. Die elsajj-lothringischen Regimenter kommen ins Innere Frank- reichs, inS Elsaß kommen echte Franzosen. So wird man im Elsaß erkennen, daß der fionzösische Militarismus dem alipreiißischen nichts nachgibt. Bkta cela change, plus o'est la meme chose Bet allem Wechsel dasselbe!)_ die llonöoner verhanülungen. Heber die Ziele derLondonerVerhandlungen, zu denen Clemenceau seine Reise unternommen hat, ist bisher Positives nicht bekannt. Die Blätter sowohl Frankreichs wie Englands und Italiens deuten auch weiter an. daß ein neues politisches Bündnis zwischen diesen drei Staaten im Werden ist. Auf Amerikas Hilfe scheint man wenig zu rechnen. Daneben soll bereits ein englisckpfranzö- sisches Finanzabkommen vorbereitet werden, das Frankreich die nötigsten Kredite für den Wiederaufbau gibt. Inzwischen mehren sich in Frankreich die Stimmen, die darauf hinweisen, daß Frankreich auf em engeres wirtschaftliches Zusammenarbeiten mit Teutschland angewiesen ist. Von verschiedenen Seiten wird dara.ls hingearbeitet, daß Frankreich seine Waren aus Ländern mit schlechter Währung, also insbesondere auch aus Deutschland beziehen soll. Frankreich selbst- leidet sa unter großen Va- lutanöten. Der französische Franken gilt in der Schweiz kaum mehr 50 Centimes. Bedenkt man dabei, daß Frankreich zu den siegreichen Ländern gehört und vor dem Kriege der Geld- geber der ganzen Welt gewesen ist, so wird man verstehen, daß dieses Mißverhältnis im Valutastande für Frankreich verhältnismäßig noch viel ungünstiger ist als für Deutschland. Pädagogin, Ellen Key. Beide haben bei unk- in Deutschland die höchste Anerkennung gefunden und sind fast zu deutschen Autoren geworden. Ellen Key hat durch ihre Schriften wie durch ihre Vor- träge, die sie bei uns gehalten, auf die Frauenbewegung und die Kindererziehung einen tiefen Einfluß gewonnen, und wenn sie jetzt ihren 70. Geburtstag feiert, so wird man sich dankbar dessen er- innern, was sie für die moderne Kultur geleistet. Die Schrift- stellerin, die über eine glänzende Gabe der Sprache und der Dar- stellung verfügt, zeigt sich überall als dankbare Schülerin deutscher Dichtung. Für die Sechzehnjährige war Goethes.Ttermann und Dorothea' das Ideal, und der Weise von Weimar ist der Leitstern ihre? LebenS geblieben, lieber eine der bedeutendsten Frauen der deutschen Literatur, Rahel Varnhagen, hat sie ein Buch ge- schrieben, und sie ist dieser wahrhaft freien Frauenseele in der Unerschrockenheti ihre? Bekennermutes verwandt. Das LehrbedürfniS und der mütterliche Zug, die sich bereits im Kinde regten, bestimmten die praktische Tätigkeit der Key. Sie nahm leidenschaftlichen Anteil an der damals entstehenden Volks- Hochschulbewegung in Schweden und gründete mit Dr. An- ton Nyström das schwedische Arbeiterinstitut, dessen Organisation sie über das ganze Land verbreitete. 1892 schuf sie die„Gesellschaft der Zwölf", in der sich zwölf Damen zu dem Zweck zusammentaien, um Bildung unter die jungen Arbeiterinnen zu tragen. Hier hat Ellen Key zuerst jene Ideen entwickelt, die später in der ganzen Welt so heilsame Wirkung taten- Schweden ist ja das klassische Land der Frauenbewegung, und besonder? seit den Gesellschafts- dramen kisbsens entstand hier da? moderne Frauenideal, das die Frau in ieder Hinsicht als freie Persönlichkeit dem Manne gleich- stellte. Der„Entwerblichung" der Frau gegenüber, die sich in Schweden durch den Rückgang der Eheschließungen und Geburten äußerte, hat Ellen Key auf den ewigen Beruf und die heiligste Aufgabe des WeibeS hingewiesen, aus die Mutterschaft und Mütter- lichkeit. So wurde sie zur Trägerin einer wohltätigen Reaktion in der Frauenbewegung, und eS ist ihr großes Verdienst, in einer Zeit, in der man nur von den Rechten der Frau svrach, sie auch an ihre Pflichten gegen die Menschheit zu erinnern. Die höchste Auf- gäbe des Weibes steht Ellen Key in der Pflege und Erziehung ihrer Kinder, und deshalb hat sie in ihrem Buch„Das Jahrhundert des KindeS", dessen Titel zu einem Schlagwort wurde, ihre Grundsätze über die Erziehung während der ersten Jahre niedergelegt und ist eingetreten für die vollkommene Eniwicklung aller jugendlichen An- lagen.„Gebt den Kindern daS Recht, ihr perfönlicktes KindeSleben rein zu entfalten im Zusammenleben mit einem Vater und einer Mutter, die selbst ihr persönliches Leben rein entfalten!" Das etwa ist der Grundsatz ihrer ganzen Lebensphilosophi«, die das Recht der Einzelpersönlichkeit mit der harmonischen Entwicklung der Gesellschaf! zu vereinen sucht. Die Volksbüline wagte es. den„Götz von Berlichingen" in einer Vorstellung aufzuführen die dem Dichterwert nichts schul- dig bleiben sollt« und den Text fast ungekürzt brachte. Der Abend .war außerordentlich glücklich. Kayßler war ein Götz von großer Kraft und Innigkeit. Durch ihn wurde auch der Ton der Borstel- limg bestimmt, die alles Rasselnde einer Haupt- und Staatsaktion vermied, um den rein menschlichen ßlcfiakt der Menschlichkeit sprechen zu lassen. Man mußte der Volksbühne zum bedeutenden Lobe anrechnen, daß sie dieses Unternehmen mit Erfolg durchführen Klerikale gegen Sozialisten. In Italien bestand nach der bisherigen Haltung der Klerikalen die Hoffnung, daß die Sozialisten mit der Volkspartei zusammen in die Regierung gehen würden. Das Zustandekommen dieser Koalition scheint jetzt ernsthaft bedroht. Die Sozialisten sind mit den Klerikalen erbtttert aneinandergeraten und diese traten darauf entgegen ihren früheren Erklärungen unverhohlen für die be» stehende Staats- und Gesellschaftsordnung ein. Die bürgerliche Presse spricht sich dahin aus, daß der Gegensatz zwischen der politischen Auffassung der beiden Gruppen immer unüberbrückbarer werde.. Den sozialistischen Abgeordneten, die zum Studium des Bolschewismus nach Rußland reisen �wollten, wurde die Erlaubnis hierzu verweigert mit der Anregung, eine int er- fraktionelle Studieiikommission damit zu beauftragen. Nachhutkämpfe im Saltikum. Der Rest der.Deuticben Legion" hatte schwere Kämpfe mit lettischen und litauischen Banden zu besteben, bei denen sogar Ar- tillerie eingesetzt werden mußte. Die„Eiserne Division' tämpft mit Marschschwierigkeilen. Klagen über gröbliche Verletzungen dkr Disftptin sind nickt mebr laut geworden. V-nkommnisse. wie sie zuerst beim AbironS- port der baltischen Truppe» sich ereigneten, find nicht gemeldet. �ufjchub öer baltisch-russschen Konferenz. Die Konserenz der Bolschewisten mit den baltischen Staaten in Dorpat wurde verschoben. Finnland läßt mitteilen, daß eS an den Verhandlungen nicht teilgenommen hat. ES begnügte fich damit, einen Journalisten nach Totpat zu entsenden, um über die Besprechungen auf dem lausenden zu sein. Nach englischen Meldungen hat Denikin Kiew wieder- gewonnen und steht vor Cbarkoff. Die britische Regierung erkört amtlich, etwaige» Wünschen der baltischen und ber Randstaaten nach dem Friedensschluß mit Eowjeirußland keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen._ Hough gegen die englische Nufilanöpolitik. General G o u g h, der aus seinem Konflikt mit General von der Goltz woblbekanme ehemalige Führer der britischen Militär- Mission im Baltikum und in Finnland, veröffentlichte vor kurzem in der Zeitschrift„Oxford Review' einen Artikel über die eng- lisch« Jnterventiönspolitik in Rußland und über das bolschewistische Regime, der in England ganz außerordentliches Aufsehen erregt hat, und von den Politikern allgemein besprochen wird. In diesem Artikel verurteilt General Gough die von der englischen Regierung Rußland gegenüber angeschlagene Polt. lik aufs schärfste. Er ist der Ansicht, daß die Mehrheit der Russen die Sowjetregierung den reaktionären Generals-Regierungen, die man ihnen aufzwingen möchte, weitaus vorziehe. Daher könne die Intervention in keiner Weise tzerleidigt werden. Die Bolschewisten seien keine„Bande vqn Mördern'. Sie stellten in den Gebieten ihres Machtbereichs die Ordnung wieder her. Die Bolschewiki sind„unsere Feinde", weil wir sie dazu gemacht haben. Seit einem Jahr wünschen sie den Frieden. Die bolschewistische Regierung ist bestrebt, mit' den westlichen Demokratien zu einem Abkommen zu gelangen, und hat mehr al» einmal ihre Abnei- gung Deutschland gegen über.offen bekundet. General Gough schließt seinen Artikel mit dem kennzeichnenden Satz:„An- erkennen wir alle in Rußland de facto bestehenden Regierungen und nehmen wir die Handelsbeziehungen mit allen Teilen Rußlands wieder auf." Ein verbranntes Diktat. Nack einer Londoner Nachricht sind die Noten, die die Pariser Konferenz am 21. November an die Balkansiaaie» und die Türkei gynchtt> bat. durch einen Brand in dem Posiwaaen, wischen Beigrad nnd Nisch vernichtet worden.— Ein Glück ffir uns, daß der Brand aus alliiertem G.biet erfolgt ist. Sonst bauen wir vielleicht alle Feuer-pritzen auslieiern müssen. konnte, den» der Götz stellt an den Regisseur und den Schauspieler die größten Anforderungen. �f. H. Hamburger Uraufführungen. Walther Rithack-Stah» hat ein wunderlich philosophisches, überlegen theologisicrcndeS Dia- logwerk geschrieben, dessen erster Teil im strebsamen A l t o n a e r S t a d t t h e a t e r zur Uraufführung gelangte. DaS zwitterhast sonderbare Stück heißt„A h a s v e r". Der Stoff verlangt künst- lerischcn Ernst und kritische Einficht, vor allem stärkste, robuste Un- mittelbarkeit, einen ganzen Dichter, ja vielleicht Phantasie, Instinkt und das ganze Leben eines wirklichen Dichters. Bei allem gezte» menden Eifer, bei aller latenten Wärme für das Objekt, ist Herr Nithack-Stahn ein Dilettant. Er gestaltet weder herkömmlich noA neutönerifch. Dieser Rhetor schreibt nachgeborenes, abgespiegeltes Bildungsdeutsch. Im Hamburger Deutschen Schauspielhaus fand die Uraufführung einer neuen Komödie von Hermann Bahr statt. Sie heißt-„D er Unmensch" und erweckt nicht Wohlgefallen, sondern Lustlosigkeit. Der in Rede stehende Unmensch ist, wie man leicht ahnt, ein wirklicher Mensch. Aber Selbstauflösung zerflattert in Schwänklein und Posen, und der ganze Dreiakter setzt sich aus hohlen Nüssen und tauben Blüten zusammen. Paul E g e r,«in unverwüstlicher Bahr�Spezialist und dezent lächelnder Führer, hatte inszeniert. A. S a k h e i m. Weimar alS SnlturstSttei Durch die Verlegung der Nattonal- Versammlung nach Weimar ist die Stadt vielen näher gerückt wor- den, die nicht zu den exkluirven Kreisen der offiziellen Goethe-, Shakespeare- oder Nietzschcgemeinden gehörten, denen Weimar immer scbon das gelobte Land war. Mancher hat den Segen de? stillen Ortes nun an sich auch erfahren und möchte die Kultureindrücke vertiefen, die sich ihm flüchtig offenbarten. Der beste Zugang zum geistigen Weimar, das dem neuen Teutschland ein Symbol von Dauer sein muß. führt freilich durch unsere klasfische Literatur. Aber wer daneben auch für die Umwelt der Herder. Goethe, Schiller oder auch der Lißzt und Wagner und der zahlreichen anderen Künstler, die im 19. Jahrhundert hier ihren Boden fanden,«indringenderes Interesse hat und bi,3 Werden dieser einzigartigen deutschen Stadt verfolgen und mit ihren histo- rischen Stätten"sich vertraut machen will, dem bietet sich ein mit Liebe und Sorgfalt geschaffenes Buch zum Führer Paul Kühn hatte es für die Städte-Monographien(im Verlag von Klinkhardt u. Biermann in Leipzig) geschrieben. Nun hat eö HnnS Wahl, der Leiter des Goethe-Nationalnmseums, ergänzt und berichtig ngu herausgegeben. Glü-kltcherweise ist aber der Charakter des Buches gewahrt geblieben: die Andacht und Degeisterung für die große Vergangenheit, das umfassende Detailstudium und der Blick für die größeren Zusammenhänge. Wer freilich Kulturgeschichte �auf dem Untergründe der Wirtschaft und demokratische Kritik der Fürst- lichkeiien sucht, dir wird manches auszusetzen haben. Doch ist der sozialistisch geschult« Leser ja gewöhnt, solche Korrekturen von fich auS vorzunehmen. Eine Anzahl gntgewählter Bilder nach älteren Stichen und neuen Photographien begleitet die an sich schon an- schaiillche Darstellung Welch ein Reichtum innerer Welten wird in diesem Städtchen, das eigentlich nur eine erweiterte Hofhaltung war. aufgetan— und wie klein und dürftig, ja ärmlich war alles Aeußerc! Große Kultur kann bestehen neben bescheidener Zivilisation. Das mag Nr. 63$ ❖ 36. Jahrgang 1. Seilage öes vsrVärts Sonntag, U. Dezember Die �hnöung öer Kriegsverbrechen. Auf der Tagesordnung der Nationalversainmlung am Sonnabend nand zunächst öer öeutjth-polnische Seamtensertrsg. D!e polnische Regierung Hai gebeten, ihr die in den abzutreten den Gebieten läiige deutsche Beamtenschaft in möglichst großem Umfange sür die Ucpergaugözeit zu ilberlassen. Tie ReichZregie- rung war grundsätzlich dazu bereit, wenn die Beamten-n keiner Weise an ihren wohlerworbenen Rechten geschmälert werden. Der Vertrag hat vorläufigen Charakter;«r bestimmt, daß polnische Vertrauensperfonen bei den deutschen Behörden in den Llbtretuags- gebieten zugelassen werden. Tie Verwaltung der Nbtrerungs- gebiete soll allmählich an die polnische Regierung' übergehen. Tie Belassung der Beamten soll sich aus zwei Nouate erstrecken. Die polnische Regierung verzichtet ans ihr Liquidations i Eiiteignungs-) reck't gegenüber den Beamten, die auf dem Posten bleiben. Ihnen wird der volle Schutz der polnischen Regierung gewährt. In weite- rcn Artikeln wird die Besoldung usw. geregelt. Mmister des Auswärtigen Müller: Tie poliiifchc Regierung wird nach Ablauf diese» Provisoriums in uni in der Lage sein, eigene Beamte in genügender Menge anzu- stellen. Cs ist daher in Aussicht genommen. deutsche Beamte für längere Zeit im polnischen Gebiet zu belassen. Die polnische Regierung hat crkl.rt, daß sie von dem ihr nach dem Friedensvertrag« zustehende» Liguidationsrecht über deutsches Vermögen keinen Gebrauch maci'en will, soweit es sich nicht um Gebäude oder Handels- und In- dustriennternehmungen handelt. Durch diesen Verzicht ist daS gesamte deutsche bewegliche Vermögen in Polen vor der Liquidation bewahrt. Tie notwendigen Vereinbarungen mit der polnischen Regierung müssen bis Reufahr getroffen werden. Tai Gesetz wird darauf in allen drei Lesungen ohne Aus- spräche angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes zur Verfolgung von Kriegsverbrechen unöKriegsvergehsn Abg. Tr. Cclm(II. Soz.) beantragt, besondere Volksgcrichte einzusetzen, die über diese Kriegsverbrcchen und Kriegsvergchen entscheiden sollen. Ter Gesetzewiwurs ist im günstigsten Fall ein sehr später Versuch, das Rechr wieder walten zu lassen gegenüber den zahlreichen Verletzungen des Völker- und des allgemeinen Rechts, die der deutschen Kriegsführüng und den daran beteiligten Pwsoncn begangen worden siwd.(Ohoi-Rufe rechts.) Denken Sie nur an die Ereignisse in Lille» an die völkerrechtswidrige Be- handiuua von Gefangemu im Kriegsgebiet und an dw vielen ande. ren Verstöße gegen das Völkerrecht.(Rufe rechts: Wenden Sie sich doch an die Gegner!> Es ist nur ein Zeichen der völligen Vcr- lolterung des Rechtsgefühls bei allen kriegführenden Mächten, wenn jetzt noch solche Rufe kommen. Die Herren scheinen der Meinung zu sein, daß das Recht die Metz« der Äriegspolitik wäre. (Sehr wahr! bei den U. Soz.— Unruhe rechts.) Die Regierung sollte über den Rahmen dieses Gesetzes hinaus viel schärfer auch die Verfehlungen verfolgen, die von militärischen u Vorgesetzten gegen Uniergebenc im Inland begangen worden sind. Tie Katastrophenpolitik, die seinerzeit den Friedensvertrag an dem sogenannten„Ehrenpunu" scheitern lassen wollte, darf sich nicht wiederholen.(Unruhe rechts.) Reichsjusiizminister Schiffer: Ich weise die Unterstellung des Abg Cohn, als ob das, was wir hier vornehmen, nicht ernst gemeint ist, mit aller Entschieden- heit zurück. Ich sehe in dieser Bemerkung eine schwere Schädigung der deutschen. Rechispflcge. Ter Abg. Cobn hat den Gesetzentwurf als verspäteten Versuch hingestellt, Verbrechen und Vergehen, die schon jahrelang zurückliegen, gur zu machen. Auw die Behaup- luiig, daß die Behörden in der Rechtsverfolgung solcher Verbrechen bisher nachlässig gewesen seien, ist eine schwere Beleidigung der Verwaltung. Alles, was geschehen konnte, um uns bekannte Ver- gehen und Verbrechen zu verfolgen, ist geschehen. Dieser Gesetz- entiourf will nur diejenigen Fälle, die uns bisber nicht bekanntgeworden sind, einer Verfolgung unterziehen, und zwar unter be- stimmten, gesteigerten Kautelcn. Dazu gehört in erster Linie die Wabl des Reichsgerichts als erkennendes Gericht. Im übrigen bildet dieser Gesetzentwurf die unpassendste Gelegenheit, Expcri- mcntc mit Lolksgerichten vorzunehmen. Abg. Laudsbcrg(Soz.): Verbrechen von Deutschen müssen, ganz gleichgültig, ob sie im Inland oder Ausland begangen worden sind, gesühnt werden. Mit Verbrechern uns solidarisch zu erklären, weil sie Deutsche sind. lehnen mir ab. Wenn andere Länder weniger RechtSgefühl haben, so soll uns das nicht beeinflussen. Mögen sich die anderen nach uns richten! Der Abg. Cohn sprach von Material über Verbrechen, das in seinem Besitz ist. Warum bat er es nicht zu einer Anzeige verwendet? Was bat der Abg. Cohn in den sechs Wochen, die er Beigeordneter im Ncichsjustizamt ivar. gegen diejenigen unter- nommcn, die sich durch ihre soziale Stellung vor gerichtlichen Vcr- folgllngen zu schützen suchen? Zur Einfübrung der Volksgorichtc ist eine Aenderuüg des Gerichtsvrrfassnilgsgcsebes nistk. Bei diesem Gesetz kann man wohl kaum über diese Frage sprechen. Sciuerzeit hat der Abg. Cohn einen Gesetzentwurf über die Volks- standgerichte ausgearbeitet. Er sollte für besonders schwere Ver- gehen, Unzucht, Mord, Totschlag, Brandstiftung. Vcrgegen gegen das Sprengstoffgesetz usw. in Kraft treten. In dem unter Mit- m»rkung des Abg. Cohn ausgearbeiteten Gesetzentwurf ist von einer Berufungsinstanz keine Rede(wie bei den außerordentlichen Kiriegs- gerichten. Red.). Daher ist es n'cht wahr» daß die Freunde des Herrn Cohn immer für Einführung von Berufungsinstanzen waren. Der Rat der Vvltsbcauftragten. der aus drei Sozialdemokraten und drei Unabhängigen bestand, hat damals den Gesetzentwurf ein- stimmig abgelehnt. Damals sagte ein Unabhängiger: Man wisse bei solchen RcvoliitivnStrlbunalen» wir sie anfangen, aber nicht, wie sie aushörcn. Das Gesetz gegen die Kriegsverbrcchen muß einem vorhandenen Gericht übergeben werden, nicht aber einem, das erst zu schaffen wäre.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Minister des Auswartigsn Müller: Gegenüber dem Verdacht, den der Abg. Cohn geäußert hat. stelle ich fest, daß ein Zusammelchang zwischen der Vorlage unid der Ratifizierung des Friedensvertrages nicht besteht. Wenn die deutsche Regierung die AuSliefernngSfrage bei den alliierten Regierungen zur Sprache gebracht hat, so geschah das deswegen, weil sie sich der Bedeutung dieser Frage für das Staatslcben Deutschlands bewußt ist. Es handelt sich hier um eine Frage der praktischen Politik und eine Rechtsfrage. Angehörige aller Parteien haben seinerzeit erklärt, daß es unerhört ist, deutsche Staatsangehörige ohne die nötige RechtSgarantie ausländischen Gerichten auszuliefern. Ich bedauere, daß Dr. Cohn für diese Rechtsfrage so wenig Verständnis hat. Bei der zweiten Lesung des Gesetzes werden die Anträge Cohn abgelehnt. ES folgt die dritte Lesung, vor der Abg. Dr. Cohn erklärt, daß leine Frattion sür das Gefetz stimmen werde, wenn es auch ihre Ansprüche nicht erfülle. Das Gesetz wird darauf in dritter Lesung einstimmig ange- nommcn. Kein Setriebsrätegesetz zu Weihnachten. Der Präsident schlägt die nächst« Sitzung für Montag vor. Umsatzsteuer.) Abg. Schnlz-Bronrberg(Dnat.) widerspricht mit Rücksicht auf die kurze Zeit, die zur Turchsicht des AuSschußberichteS über das Umsatzsteiiergesetz zur Verfügung steht. Abg. Löbc(Soz.): Das Betriebsrätegesets ist seit Monaten den Arbeitern zu Weihnachten versprochen worden. Wenn am Montag keine Sitzung stattfindet, kann dieses Gesetz vor Weihnachten nicht mehr erledigt werden. Es sei denn, daß die Nativnalveriamnrlnng sich nicht schon am Donnerstag vertagt, sondern ihre Beratungen auf Freitag und Sonnabend ausdehnt. Mit Rücksicht auf die Stimmung in der Arbeiterschaft bitte ich den Abg. Schulz, seinen Widerspruch zurückzuziehen. Abg. Trimborn(Z.): Auch wir Haiben den dringenden Wunich, das BetriebSrätegcsctz zu erledigen, aber e» läßt sich eben nicht machen. Abg. Schiele(Dnat.) erklärt«S auch als unmöglich, das Bs- triebSrätegefetz noch vor Weihnachten zu erledigen. Abg. Jdcnlt(lt. Soz.): Wir schlagen vor, daö Umsatzstcuergesetz zurückzustellen und das Betriebsrätegesetz zu erledigen. Abg. Hoch(Soz.): Wenn der gute Wille auf allen Seiten bor- banden ist, kann das Bctriebsrätegofetz noch vor Weihnachten er- ledigt werden. Ter Einwurf, daß für die Fraktionsberatungen des Betriebsrätegesetzes nicht genügend Zeit vorhanden ist, ist nicht stichhaltig, lieber dieses Gesetz wird doch seit einem halben Jahre gesprochen. Abg. von Paper(Dem.): Es wird praknich nicht möglich sein, das BcirilebSrätezefctz vor Weihnachten zu erledigen. Es fehlt nicht an unserem guten Willen, aber die Materie ist außerordentlich schwierig. Abg. Graf Posadowsly(Dnat.): Die deutsche Industrie Hai sich seit Jahrhunderten entwickelt und ancll dem Arbeiter Wohlstand gebracht. Es kommt wirtlich jetzt nicht darauf an, ob da? Gesetz II Tage früher oder später verabschiedet wird. Int Hammelsprung bestimmt das Haus die nächste Sitzung mit lls gegen 97 Stimmen aus Dienstag. Die Unabhängigen stimmten für die Verschiebung ans Dienstag und machten damit die Erledigung des BrtrirbSrätrgesriieS in diesem Jahre uiimöglich. die Erledigung des Veteiebörätrgesebes in diesem Jahre vr.'Leimt unmöglich. Tie Sozialdemokraten werden allrrdings ihren ganzen Einsluh aufbieten, daß der Freitag und Sonnabend der nächsten Woche für die Erledigung drs B/triebSratcgeschcs ausgenutzt werden.# Dienstag 10 llfjt: Zweite Lesung de? NmsatzsteusrgescbeS. Schluß gegen 4 Uhr. UDOLPH HERTZOG BREITE STRASSE BERLIN C 2, BRÜDERSTRASSE Kleider, Kostüm-, Blusen M Mantelstolle Heuheitflü in Kostumstoffea Verschwommene Streifen und Karos, in getni ellten Farbentöuen und im Herrenstotfgeschmack, Breite 130—140 cm, das Meter M. 19.—.370 bis 132.— Reinwollene einfarbige Kostümstolle Qsbar-.ine, Twills, Trikotinc und Tuche in neu- zeitigen Farben. Breite 130 bis 140 cm, das Meter M. f5.— luS.— bis 128,— in ka-iert, gestreift und einfarbig. Reinwollene, wollgemischte und schappscilene Stotfc, Breite 90- 130 cm, das Meter AV. 13.30 38.— bis 91,— Sebwarze Kleider- und KostömsloRe Reinwollene Baiisfc, Krepp- und Köpergewebe, Gabardine, Twills, Trikotine und Tuche. 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OD ii MM h3?./ ��3 MM r�cr�— tr-; v H Die Entwicklung der deutschen Revolution, ihre 6 Sireitlrasen u. die Haltung des Kommunismus ihnen n gegenüber, schildert d. soeben erschienene Broschüre: Arnold Mtrnthahn: « Die EntviekliiDg der dectsctien Hevclnti&ß und die Aufgaben der Koniaiunistiieben Fariei, Inhalt: Die polltische Lage.— Die L'n erschiede in dem Tempo der russischen und der deutschen Revolution.— Die politischen Aufgaben der Korn munistischen Partei.— Die Ocwerkschahen, die Kornmunistische Partei und die Zertrümmerung Oes Kapitalismus.— Die Betriebsräte und der Kampf um den Sozialismus.— Die Sammluno des Proletariats.— Unsere internationalen Pilichten.— - Die Kommunistische Partei.- S. 64. Preis 1 M. Zu beziehen durch SHb' Süddeutsche Arbcltcrbucbhaudl. Stuttgart, Rotestr. 31. .■•Zzrzszsz*, 5.59. Bof&mavianvn*Vz s Soel» limim -errsn-Zittioia i-l Schul 7; Himer i| Wohii Zlmma � Kacneo m«lica �. 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Mit Riicksicht auf die bereits gestiegenen und noch stark im Steigen begriffenen Unkosten hat der Aufsichtsrat der Großen Berliner Straßenbahn einhellig beschlossen, der am 29. d. M. statt- findenden Verbandsversammlung vorzuschlagen, den Grund- tarif für die Einzelfahrt ab I.Januar 1929 auf 39 Pf. zu erhöhen. Der Aufsichtsrat war sich von Ansang an der großen Trag weite seiner Entschließungen im Hinblick auf die neue Belastung der Bevölkerung bewußt und hat deshalb ferner beschlofien, eine Erleichlerung dadurch zu schaffen, daß eine Sammelkarte mit 7 Fahrscheinen zum Preise von insgesamt 2 M. zur Ausgabe ge- langen soll. Die Monatskarten werden um rund 59 Proz. erhöbt. Es betragen danach Monatskarten für eine Linie 23,59 M., für zwei Linien 39,— M.. für drei Linien 39,— M. und für da« ganze Netz 69,— M. Für Schülermonatskarten werden 8,— M. erhoben- Eine Annehmlichkeit wird sür die Bevölkerung dadurch ein- treten, daß durch den Zusammenschluß der Großen Berliner Straßen« bahn mit der Ostbahn die Möglichkeit besteht, Monatskarten, die gleichzeitig für die Linien beider Gesellschaften gelten, zu lösen. Wege der Siedlung. In einer vom„Groß-Berlincr Verein für KleinwohnungS- wefen" zusammen mit der.Deutschen Garteustadtgesellschafl' ver- anstalteten Sitzung sprach der Gartenarchitekt Le�berecht Migge- Blankeneie über die Frage.Wie müßten wir siedeln?* Nichts nützen würde eine Neuverteilung des Landes, wenn nicht eine S teigerung der Produktion dabei erreicht wird, die jetzt bitter nottut. Migge erwartet sie von gärtnerischer Siedlung, die zu einer intensiveren Bewirtschaftung führen würde. Er sieht daS Heil nicht in Siedlung auf dem flachen Lande, sondern will die Städte mit einem Kranz von Klein wirt» sch ästen des Pachtgärtnertums umgeben. Ilm ihn würde sich ein weiterer Kranz von Großgärtnersiedlungcn legen, � und schließlich müßte eS zu einer Interessengemeinschaft von Stadt und Land kommen, bei der die Absallieferung der Städte und die Lebensmittellieferung des Landes einander ergänzen. Diese Agrarwirtschaft wird nach Migges An- ficht die neue Grundlage der Städte bei ihrer künftigen Ent- Wicklung sein. Gegen ihn wurde in der Diskussion geltend gemacht, daß er die Schwierigkeiten solcher Siedlung unterschätzt. Die Darlegungen feines Buches„Jedermann Selbstversorger* könnten falsche Hoffnungen erwecken und manchen für den Landbau wenig geeigneten Städtern arge Enttäuschungen bereiten. Auch Gartenvaudirektor Vesser warf ihm vor. daß dieses Buch sich in llebertreibungen ergehe. Von anderen Rednern wurden MiggeS Vonchläge lebhast begrüßt als ein Weg zur Lösung der SiedlungS-- frage. Der Schöneberger Sladtbaurat Wagner nannte die Ent« fremdung vom Boden einen Hauptfehler der ganzen Städtepolitik der letzten fünfzig Jahre. Den„Haberländern", die das verschuldet, müsse das� Handwerk gelegt werden. Eine Schwierigkeit liege in der mutlosen Bureaukratie. Ein Sie�lungsdiktator sei nötig, damit endlich gehandelt wird. ttnterstühmtg der Angehörigen der Kriegsgefangenen. Die Reichsregierung bat sich in den letzten Tagen wiederum tirit der wirtschaftlichen Notlage der Angehörigen der Kriegsgesan- 'gciieu beschäftigt. Das Ergebnis war, daß den unterstuyungs- bedürftigen Ehefrauen eine einmalige Zuwendung bis zu 299 Mark und der gleiche Betrag für fedeS Kind durch Vermittlung der die Auszahlung der Familienunterstützungen be- sorgenden Stellen gezahlt werden wird. Auch die sonstigen Auge- hörigen der Kriegsgefangenen sollen eine einmalige Beihilfe bis zum Betrage von 209 Mark erhalten, soweit sie nach de» bestehen- den Grundsätzen bereits die Familienunterstützung erhalten und dem- nach als bedürftig anzusehen sind. Die Auszahlung der Gelder wird möglichst noch vor Weihnachten erfolgen. Der Brand im Jmperator-Caf�. Der vorgestrige Brand im Jmperätor-Cafe stellt sich glücklicher- weise als nicht so bedeutend heraus, wie anfänglich angenommen wurde. Nur der kleine Teesalon an der Mohrenstraße ist vollkommen ausgebrannt. Der unmittelbar daran anstoßende Teil deZ Imperator-Cafes, sowie die zur Diele hinaufführende Treppe, sind durch die Stichflammen angesengt und beschädigt. Das Imperator- Cafe und die Diele selbst weisen außer einigen zerbrochenen Fensterscheiben und der etwas angeschwärzten Decke keinerlei Brandschäden auf. Die Panik des Publikums war nach dem Bericht von Augen- zeugen eine unbeschreibliche. Die Gäste der Diele ließen sich durch den heraufziehenden Qualm anfangs nicht stören und blieben ruhig sitzen. Erst, als die Gäste des Teesalons unter entsetzlichem Schreien die Treppe heraufgestürmt kamen— der Ausgang nach der Mohrenstraße war ihnen durch die Stichflammen versperrt- entstand auch oben in der Diele ein unbeschreiblicher Wirrwarr. Unter den Rufen:„Meine Garderobe, meine Garderobe!" stürzte alles, ohne auf die drei unversehrten Notausgänge zu achten, nach den Kleiderablagen und versperrte so den Hauptausgang nach der Friedrichstraße. Da inzwischen die Rauchentwicklung unerträglich geworden war, schlugen die Geänastigten kurzerhand die Fenster- scheiden ein, worauf eine ganze Anzahl der Verletzungen zurück- zuführen ist. Mehrere Personen sprangen dann vom Fensterbrett aus in die ausgespannten Sprungtücher der inzwischen erschienenen Feuerwehr. Ueber die Entstehung des Brandes geben die Angestellten des Cafes übereinstimmend folgende Darstellung: Es ist unrichtig, daß der Brand durch Explosion der unter der Treppe aufbewahrten Bcnzollampen entstanden ist. Die Explosion der Notbeleuchtung ist vielmehr erst nach Entstehen des Feuers erfolgt. Ein Gast will bezeugen, daß das Feuer im Teesalon durch das achtlose Wegwerfen einer brennenden Zigarette«ntstan- den ist. Die Möglichkeit eines Kurzschluffes ist auch nicht von der Hand zu weisen. Der durch den Brand entstandene Schaden stellt sich als bei weitem nicht so hoch heraus, als anfänglich angenommen wurde. » Die Imperator- Diele wieder in Netrieb. Wie die Direftw» der Kassee-Diele-Jmperator mitteilt, ist es gelungen, die Folgen des BrandschndcnS wieder soweit zu beseitigen, daß bereits gestern abend im größeren Teile des Lokals der Betrieb unverändert wrtgesührt werden konnte. Der Wandkalender des„Vorwärts" für das Jahr 192v in geschmackvoller Ausführung in drei Farben gedruckt, ist zum Preise von 25 Pf. pro Stück in allen Ausgabestellen so- wie durch die Botenfrauen zu beziehen. Zur Schaffung eines behaglichen Heims will die Gemein» nütziqe Gesellschaft„Hausrat" beitragen, die im Früh- jähr 1918 in Berlin gegründet wurde. Die durch ihre Vermittlung angefertigten Möbel für Minderbemittelte sind gediegen und geschmackvoll und dabei so billig, wie sie unter den jetzigen Verhältnisien nur sein können. Da? Unternehmen, da« von der Provinz Brandenburg, den Kreisen Teltow und Niederbarnim und von Groß-Berliner Gemeinden unterstützt wird, soll nicht nur der Möbelnot abhelfen, sondern auch zur GesckmackSveredelung beitragen. Auch wird durch ein besonderes Abzahlungsverfahren, das bei Krankheit und Arbeitslosigkeit die Stundung der Ratenzahlung und und bei Tod des Ernährers den Erlaß des Kaufgeldrestes vorsieht, den wucherischen Mißbrauchen des Abzahlungswesens entgegen- gearbeitet. Was die„HauSrat'-Gesellichaft bietet, ist seit ihrer Gründung wiederholt in Möbel-Au§ st eilungen gezeigt worden, die sich eines sehr starken Besuches erfreuten. Wir sehen es jetzt auf? neue in einer unter Leitung deS Dipl.-Jng. Leyser veranstalteten Möbelausstellung, die gestern in dem freund- lichen Ausstellungsraum des Schöneberger Rathauses durch Stadtrat Oestreich, den Vorsitzenden der Kimstdeputation Schönebergs, eröffnet wurde. Die ausgestellten Zimmer- und Kücheneinrichtnngen wirken diesmal noch vorteilhafter, weil ihnen Wandschmuck beigegeben ist, den die feldgraue Gruppe des Wirt- schaftlichen Verbandes bildender Künstler geschaffen hat. Weniger angenehm berührt eine andere Neuerung, nämlich die Erhöhung der Preise, zu der die„Hausrat"-Gesellschast auS be- greiflichen Gründen genötigt war. Gegenüber den früheren Preisen sind aber bisher nicht mehr als 25 Proz. aufgeschlagen worden, ein Betrog, mit dem die Möbelfabriken und Möbelgeschäfte sich schwer- lich begnügen würden. Die Nachfrage nach Möbeln war bei der „Hausrät"-Gesellschast in der letzten Zeit so groß, daß die Ver- kaussnelle ist der Mathäikirchstraße einen täglichen Umsatz von 15—29 999 M. hatte. Es verdient übrigens bemerkt zu werden, daß die meisten Käufer die Barzahlung vorziehen. Der Besuch der Ausstellung, die mehr Verständnis sür WohnungSlultur in das Volk hineintragen wird, kann nur empfohlen werden. Der Zutritt Wochen- tags 9—4 Uhr ist unentgeltlich. Der Arbeiter-Notizkalcnder. Im Vorwärtsverlag ist soeben der Arbeiter-Notizkalender für 1929 erschienen. Immer hat dieser Kalender es für seine Aufgabe angesehen, dem Arbeiter, den er ein Jahr lang täglich begleitete, ein nützlicher Freund zu sein, nicht nur als Merkbuch, sondern auch als geistiger Berater. Inmitten all der kalendarischen Teile des Buches, die der Orientierung, dem Vormerke, der wirtschaftlichen Statistik zu sicherem Ueberblick über die eigenen Arbeits- und Eintommensvcrhältniffe dienen, steht auch diesmal eine Gruppe Aufsätze zur Einführung in die g e s e tz g e- berischen Schöpfungen, die den Arbeiter hervorragend an- gehen. Dr. Max Q u a r ck hat einen Grundriß des Inhalts der neue» Reichsverfassung herausgearbeitet und Dr. Georg F l a t o w entwirst einen Ueberblick über die Bestimmungen des n e u.e n Arbeilerrechts, das wir. der Revolution verdanken. Der Bericht über die Entwicklung der deutschen Gewerkscha-ftsbewc- gung faßt die Leistungen des Krieges und Kriegsausganges zu- sammen und führt bis zum neuen gewaltigen Aufschwung per Mit- gliederzahlen der Organisationen. Dem im neuen Jahre zu feiern- den 199. Geburtstag von Friedrich Engels ist Bild und Wort ge- widmet. Ein reiches Adressen niaterial vermittelt Antlnort auf viele Fragen, die sich dem organisierten' Arbeiter'in der Mitarbeit im Partei-' und Gewerkschaftsleben aufdränge». ist der Kalender auch diesmal für jeden Genossen ein unentbehrliches Taschenbuch. 27 Krirgerwitwcn um ihre Habe gebracht, hat eine Schwindlerin Auguste G r a n a r, die durch Inserat Wirtschafterinnen zu sich aufs Land sucht. Wegen des verlockenden Angebots melden sich meist arme Kriegerfrauen für diese Stelle. Die G. bringt ihnen in ihrer„Hilfsbereitschast" das Gepäck zur Bahn und läßt sich den Aufbewahrungsschein geben. Bei der Abfahrt des Zuges ist sie dann aber nicht zu finden. Mit ihr ist auch das Gepäck der Betrogenen verschwunden. Die Schwindlerin ist nunmehr dingfest gemacht. Die ersten beide« städtischen Bolkskonzerte dcv Bhilbarmos nischen Orchesters sinden am Dienstag, den 23. Dez., in der Brauere' Happold, Hasenheide 32—38, m,d am Donnerstag, den 29. Januar, in der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10/11. statt. Beginn 8 Uhr. Der Vorverkauf sindel Natt in der Zentralstelle sür Volkswohlfahrt. Augsbnrger Straße 61, im Zigarrengcschäft von Horsch, Engelnier 15, und in den be- reffenden Kopzcrtsälcn. Eintrittspreis 39 Ps. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Goldschmuggel mittels AnSlandSkelegramme. Die Einrichtung der Telegramme mit bezahlter Antwort wird im Verkehr mit dem Auslände häufig dazu verwendet, unter Ausnutzung deS ungünstigen Standes der deutschen Währung größere Geldbeträge in das AuS- land zu übermitteln. Um diesem Mißbrauch entgegenzutreten, werden die Telegrapbenanstalten fortan Telegramme nach dem Aus- lande allgemein zurückweisen, wenn gewöhnliche Antwort für mehr als 39 Wörter, dringende Antwort für nehr als 19 Wörter voraus- bezahlt werden soll. Barfreimachnng von Briefen, Nachdem die technischen Bor- bereitungen sür Barsreimachung von Brieffendungen inzwischen beendet sind, wird mit der Einjührung de« Versahrens in großen Städten nach Maßgabe der Lieferung der crsorderlichen Maschinenteilen vorgegangen werden. An alle. Ein gute? Buch ist das beste Weihnachtsgeschenk, denn e» hat dauernden Wert. Wer seine Lieben mit wirklich guten Büchern erfreuen will, der wende sich an die VorwärtS-Buchhandlung, Lindenstr. 2. Das reichhaltige Lager bietet eine große Auswahl von guten und lesenswerten Büchern für alle Altersklassen und über alle Wissensgebiete. Es ericheint ratsam, seine Einkäufe möglichst bald zu machen, da bei der riesigen Nachfrage daS Beste bald ver- griffen sein dürfte. Die Bnreans und Kasten der ReichShauPtbank werden Mittwoch/ den 24. d. MtS., von 12 Uhr mittags ab und Sonnabend, den 27. d. Mts., den ganzen Tag geschlossen sein. Tic städtische Betriebskrankenkaste verlegt vom 18. Dezember ab ihren Betrieb in daS Haus Neue Schönhauser Str. 1, Ecke Weinmeisler- straßc. Vom 18. biS 2l> Dezember einschließlich bleibt die Kaste geschlossen Ter Sportpalast bleibt Kino. Wie die Direktion der Sportpalast- Lichtspiele, Potsdamer Str. 72, mltteilt, find die umgehenden Gerüchte, loelche leider auch in einigen Zeitungen veröffentlicht wurden, über den Verlauf des Sportpalastes an Zirkus Sarasani, Hagenbeck usw., frei erfunden. Der Ruhm. daS größte Kino der Welt zu befitzen, soll den Berlinern unbedingt erhalten bleiben. Bei der städtischen Sparkaste in Wilmersdorf find von 1105 Zeichneiii insgesamt 3 449 000 Mark Spar< Prämienanleihe gezeichnet worden. Das Ergebnis übertrifft das der 1., 2., 4. und 5. Kriegsanleihe. � Reinickendorf. Die Gemeindevertretung bewilligt« in ihrer letzten Sitzung zur Sonderunter st ützuug der Er» werbslosen, ArmenunterstützungS- und Reaten- e m p f än g e r einen Betrag von 69 999 M. Zur Linderung der Montrofe. 4ts Detektivroman von Even Elve st ad. „Sehr richtig", antwortete Krag,„und grade solche Fälle machen die einfachste Sache so undurchdringlich Igeheimnißvoll. Nach Georges Bekenntnis habe ich seine Angaben Punkt sür Punkt durchgeprüft und sie haben sich alle als richtig er- wiesen, llebrigens hatte ich bereits, als ich den Brief von dem Gefängnisdirektor bekam, in dem er Charlies gemeine Berräterci und Georges unglückliche Grübeleien erivähnte, das bestimmte Gefühl, daß Georges nichts mit der Affäre Montrose zu tun habe. Durch einen reinen Zufall haben der Fall Montrose und der Fall Georges sich gekreuzt. Wären wir davon ausgegangen, daß ein innerer Zusammenhang zwischen diesen Sachen existierte, würden wir niemals diesem Geheimnis auf dem Grund gekommen sein. Durch einen Zufall bekamen wir durch Charlie die Verbindung mit der Affäre Montrose, weil er Husarenweg 28 wohnte und mit dein verdächtigen Arnold Singer verschwägert war. Georges Rache aber hätte ebensogut irgendeinem anderen gelten können und in dem Fall hätte diese ganz nebensächliche Rachetat nie- mals unsere Annahmen gekreuzt." „Auf diese Weise," meinte Keller mißvergnügt,„kann es leicht geschehen, daß auch andere Glieder in der Untersuchung sich in Bestandteile auflösen, die nichts miteinander zu tun haben. Vielleicht haben wir es hier nicht mit einer Sache, sondern mit mehreren Sachen zu tun, die sich nur rein zu- fällig ineinaueer verfilzt haben." „Das glaube ich kaum," antwortete Krag,„denn alleS übrige kann direkt auf die tragische Nacht in Abbe Montroses Ganen zuiückgeführt werücn. llebrigens, wenn die Sache Georges uns auch nicht direkt angeht, so hat sein Bekenntnis uns doch erklärt, ivarum Charlies so eilig hatte, fortzukommen. Ihm ahnte, daß der Rächer unterwegs sei. Er mußte-Geld haben, um noch in derselben Nacht abzureisen. Aber ich bin froh, daß wir die Affäre Georges abgesondert haben, weil uns auf diese Weise die Lösung des Knotens leichter werden wird." „Leichter?" rief Keller erstaunt.„Durch Arnold Singers Bekenntnis werden doch hoffentlich alle Rätsel aus dem Wege geräumt werden." „Meinen Sie?" antwortete Krag.„Nun, wir werden sehen, was er zu sagen hat." Die beiden Detektive bekamen den Schlüssel von dem Gefängniswärter und standen einige Minuten darauf in Arnold Singers Zelle. Die beiden Tage der Gefangenschaft hatten den Gartew arbeiter auffällig verändert. Er war magerer geworden und seine Augen lagen tief in ihren Höhlen. Diese Auge»i aber leuchteten noch immer mit demselben ruhigen intensiven Glanz. Krag fühlte sich stets von diesem Blick gefesselt, der durch- dringend, überlegend und Ivachsam war. Solche Augen. dachte der Detektiv, gehören einem willensstarken und unzu- gänglichen Menschen. Ebenso wie das vorige Mal, als Krag ihn besuchte, lag er auch jetzt auf der Pritsche ausgestreckt, die Arme untdr dem Nacken verschränkt. Bor ihm auf der Erde stand sein Essen, das er nicht angerührt hatte. „Warum essen Sie nicht," fragte Krag. „Weil ich krank bin," antwortete Arnold Singer. „Sie haben den Wunsch geäußert, ein Geständnis abzu- legen?" „Ja." „Warum wollen Sie nicht vor die Schranke gestellt werden?" „Weil ich eS nicht vertragen kann, all die dummen neu- gierigen Augen auf mich gerichtet zu sehen." „Haben Sie etwas dagegen, daß auch ich höre, was Sie zu sagen haben?" „Solange Sie hier sind, werde ich kein Wort sagen. Man vertraut sich doch nur einem Menschen an." „Und Sie wünschen nicht, daß ich dieser Mensch bin?" „Nein, ich will mich diesem Herrn da anvertrauen. Wie heißen Sir? Keller, schön. Ihnen will ich mich an- vertrauen. Es ist ja das einzige, was mir noch freisteht, nicht wahr, den zu wählen, dem ich mich anvertrauen will." Er sah Krag kalt und atzweisend an. „Adieu, mein Herr," sagte er. XXXI. Kellers Papiere. „teut, ich werde gehen," anwortetc Krag,„aber Sic werden erlauben, daß ich cinck gewisse Neugierde verrate. Wann darf man das Resultat erwarten?" „Das kommt drauf an," antwortete Arnold Singer,„viel- i leicht in einer Stunde, vielleicht in zwei. Das beruht darauf, wie lange meine Kräfte reichen." „Es ist also ein langes Bekenntnis?" „Ja." antwortete Arnold Singer,„ich werbe nicht» ver- schweigen. Alles soll an den Tag, alles, vom ersten Tage an. Haben Sie Papier und Bleissift, Herr Keller? Da» ist gut. Ich möchte, daß Sie das Ganze niederschreiben, damit nichts vergessen wird." „Gestatten Sie mir eine Frage." sagte Krag.„Betrifft das Geständnis auch die Affäre Montrose?" Arnold richtete seine Augen auf ihn. „Was sonst?" fragte er. „Werden wir erfahren, lvarum und wie Abbö Montrose verschwunden ist?" „Sie werden erfahrest," antwortete Arnold,„wie Abbs Montrose ums Leben gekommen ist." „Er ist also tot?" „Ja, unwiderruflich tot." Krag stand vor dem Gefangenen, breitbeinig, die Hände in den Seiten. Er blinzelte so seltsam mit den Augen, oder wax es vielleicht nur sein Kneifer, der i« der Sonne blitzte. „Unwiderruflich tot," wiederholte Krag,„das ist ei« selt» samer Ausdruck." „Wenn Sie wüßten, was ich weiß, würden Sie wahr» schcinlich denselben Ausdruck gebrauchen." „Vielleicht, vielleicht," sagte Krag. Arnold schloß die Augen und wartete. Keller wartete auch fieberhaft, die Bleistiftspitze auf dem Papier. Krag drehte den Schlüssel um und öffnete die Tür. „Sie schließen die Tür wohl hinter mir ab, Keller," sagte er. „Ja," antwortete Keller. „Vergessen Sie nicht, daß der Schlüssel dreimal umge« dreht werden muß." „Ja, ich weiß," antwortete Keller— und er fügte hinzu, als ob er Krags Gedanken gelesen hätte,„außerdem bin ich ja selbst hier." ».Gut. Auf Wiedersehen, meine Herren." „Auf Wiedersehen," antwortete Keller.. Arnold sagte nichts. Gorts. folgtl N o t in Wien wurden 1000 W. bewilligt. Die fortschreitende Teuerung zwingt zu sortgesetzten Erhöhungen der Ge- Halter, Löhne und Unter st iitzungen. Die Gemeinde- "ertrctung beschloß, die Entschädigung für die Mitglieder des Vor- standes des Wjrtschastsanites, des Wohnungsamtes, der Ver- trauensorgane und des besoldeten Arbcitcrrats von 630 auf 800 M. pro Monat zu erhöhen, lieber die Bewilligung der höhe- ren Entschädigung für den Nrbeiterrat entspann sich eine erregte Debatte, die sich auch auf das Wirtschaftsamt erstreckte. Die bürgerliche Fraktion belundcte auch hierbei wieder ihre heftige Gegnerschaft gegen die Sozialisierungsbestre- düngen de? Wirtscfastsaintes. Ebenfalls wegen der Teuerung wurde beschlossen, die Pflegesätze für die Insassen des G e me i n de- b e i m S zu erhöhen. Eine lebhafte Aussprache entfesselte auch die "orderung auf Bewilligung von Mitteln für das W o h n u n g S a m t. Beschlossen wurde, den Beisitzern des Miet- einigungsamts für Wohnungsbesichtigungen eine Eni- schädigung zu gewähren. Einem Antrage der H i l f s p o l i z e i» b e a m t e n auf Einrcihung in den Gemeindearbeitertaris stimmte die Versammlung zu, ebenso dem Abschluß eines Tarifver- 'ragcz mit den auf Privatdienstvertrag beschäftigten technischen SilfSkräften. Für die zu errichtende Verwaltungs- aladömie wurden 1000 M, bcwilligt. Zu eingehenden Erörte- runden führten die Anträge auf Anstellung eines Geschäfts- führers für den kommunalen Bildungsausschuß und auf Erteilung von Ersatzunterricht für den Reli- gionSunterricht an solche Rinder, die an letzterem nicht mehr teilnehmen. Rektor Klcmpin glaubte in diesem Antrage ein Zugeständnis der Antraasteller zu erblicken, daß es„also ohne Reli- gionsunterricht doch nicht gehe". Die bürgerliche Fraktion werde daher für den Antrag auf Einführung des..neuen Religionsunter- richts" stimmen, kürchtct aber, daß der Kultusminister der Ein- reihung der„Erkenntnislehre"(von den Antragstellern leider fälschlich als„Moralunterricht" bezeichnet) in den Unterrichtsplan der Volksschulen nicht zustimmen werde. Dieser Versuch zur W'edereinschmuggelung und zur Auffrischung de? von vielen Eltern abgelehnten Religionsunterrichts ftihrte zu einer Debatte über Weltanschauungen, die Bückermeister P r a v h m a (Zentr.) unter großer Heiterkeit der Versammlung mit der Versicherung beendete: Es gibt nur eine Weltanschauung, die ehrliche, anständige und gesittete Menschen verbürge, die christliche! Beide Anträge fanden die Mehr- Heft>der Gcmeindeverbretimg. Enstimmig stimmte die Vertretung auch der Aufnahm eeincrAnleibc vonbff Millionen R a r k zu. Für den ausscheidenden Schossen R e u h o f f(U. Soz.) ivird der Gemeindevertreter.�e ch t als Ersatzmann bestimmt. Grost-Berliner Lebensmittel. Berlin. D!5 Donnerstag für die 153., 160., 161., 185. und 241. Vrot- komM'ssion 125 Gramm Käse. 125 Ernmm amcrilamiibe Speckware» sD 23). Das Mittellilick der zurzeit gültigen Speiselcltkartcn ist bis Ende der Woche für den Käsebezug bei der guariici weisen Verteilung auszubewabren. k barlottenburg. Vom 12. bis 20 Dczbr. 100 Kr. Teigwaren(104). 250 Er. Kunst bouig(105). Vom 19 bis 27. Dezember 125 Kr. Weizen- arieß(106) 195 Gramm Kranven(107), 259 Gr. amerikanisches Zereal- metü(Z 20). Psb. Psefiernüss«(269) ab 8. Dezember. 125 Kr. Kunst- bontg(272) 19. bis'27. Dezbr. ssür jugendliche 200 Gr. Weizengrieß(46) o. 19. bis 27. Dez. fftn Dezember einmalig an Kinder vom 2. bis 6. Jabre HA II. 13 I, B II, C T oder O II) als Eisatz sür die im November auS- gftallene und im Dezember noch aussagende Milch pro Monat 1 Pilliid Hafemülnmiitel Für Kinder, die in der Zeit vom I. stannar 1911 bis 3t. Dezember 1912 geboren sind. 1 Doie Mnizertrait. Für Personen über 60 slahre 950 Gramm Hasernäbrmillcl aus BerechtigungStarien erbäiilich Freilag bis Dienslag von S— 2 Ubr in den Brytkomniiisionen. Für Kinder vom 1. bis 6. Lebensjahre(A I. A II, BI, BII, CI oder 0 Ii) 2 Rollen oder Päckchen Kels>195 Gr.) und Vsd. Kakao ab 18. Dezember. Für 5(inder im 7. und 8. Jahre 2 Rollen oder Päckchen KelS<125 Gr.). Wil uier dork. 100 Kramm Gerilenarütze(104). 950 Gramm Marme- lade(97). 950 Gramm Keks im Kommissionsbezirk VI», 1 Pfd. Pseffer- nüsse für Kinder vom 4.-14. Lebensjabre, 2 Paket« Zwieback für Personen von 65 Jahren und darüber, 3 Dosen Kondensmilch sür werdende Mütter vom 4.-6. Monat. Veziiascheine im Lebensmiltelamt, Zimmer 5, vom 15.— 90. Dezember. Eier sür Kranke(51). Nenroiln. Drei Siipvenwürsel(93>. Für die vor dem 1. Juli 1849 geborenen Personen 500 Gramm Sirup(244 b). Für die Kinder im ersten Lebenssabr 7. 0 Gramm, im zweiten 500 Gramm Grieß oder Haferflocken (Dezembtr.VollmIIchtaiIen>. Für die tO. Brotkommission 125 Gramm Käse bis 15. Dezember, 4 Psd. Kartoffeln und an Stelle der gekürzten 3 Psd. 400 Gramm Brot. Marienborf. 1 Psd. Knnlihonig lbl-». Y.Absch.bis Dienstag vorlegen). Malzeftralt aus Bezugscheine sur Perionen über 65 Fahre, sür Fugendliche und Kinder l Tose Malzextrakt(500 Gramm). Für Kinder im 1. und 2 Fahr(A I und A II) 1 Psd. Zwieback oder Keks und 1 Psd. Kinder- geistenmehl. Temprlbof. 150 Gramm Teigwaren(102). Für Kinder Im 7. bis 10. Fahre iMagcrmilchlarte I u. II) 500 Gramm Haferflocken, 500 Gramm Feldzwieback.— Für Kriegsbeschädigte von 30 Proz. und darüber(1) 1000 Gramm Reis, 500 Gramm Grien, 500 Gramm Haierfiocken. Lichtenberg. 1 Päckchen Süßstoff(430 hl. J.amrn Nährmittel und L«> Granim Malmcladc.— Für heimgekehrte Kriegs- und Zivil- gefangene 250 Kr. ausl. Hülsenfrüchte(1c— 6o). Hrrmsdorf. 1 Psund Reisniehl(11). Groß- berliner parteinachrichten. 17. Zlbt. Heute 7 Uhr. Kunstabend: Musik, Rezitationen, Gesang in drr.vluln der Schule Hohenlohcsiraße 11. SJO. mt. Dienstag 7 Ubr Sitzung der ParteistinMonäre mrd Se« triebsvertrauensleutc bei RobeSdorj, Petersburger str. 86. SS.— SS. Zlbt. Miitwoch 7'/, Uhr bei Blesfin, Stargarder Str. 3: Konseienz der Partclsunktionäre. S8. Zlbt. Fraucnabend, Montag, 7'/, Uhr. in der Schnlaula Schön- bauscr Allee 166» Genossin Bobm-Schuch(M. d. N.):»Die bisherigen Ergebnisse des Untersuchungsausschusses'. Vorwärtsleser und Gäste will- kommen! ZK. Zlbt. Dienstag 5 Uhr im Lokal von Gruna». Stahlheimer Str. 30. Ausgabe der Handzettel zur Einladung der Vorwärtsleser. Sl. Zlbt. Frauenabend, Monlag, 7'/, Ubr. bei Goidschmidt. Stolplsche straße 31. Nefcrentln: Kenossin Lehrerin Sobotta:„Erzichungs- fragen.' 44.«. 45. Zlbt. Heilte 6 Uhr Märchenabend und Lieder zur Läute In der Auu Grüntbaler Str. 5. Eintritt 75 Pf., Kinder 25 Pf. S. P. D.- NktionsaiiSschntz der A.(?. G.-Betriebe. Die zum Dicnstaa angesagte Versammlung im Sophien- Gymnasium findet nicht statt. Achtung Polizribearnte? Vertrauensmärmersitzung Montag 5 Ubr Haveriands Festjäie, Neue Friedlichstraße 35. Erscheinen unbedingt er- svrdcrlich. Achtung Fustizbeamte(Z. P. T.) t Montag 7 Uhr in der Aula des Sophien-Lyzeums. Weinmeisterktr. 16/17, Versammlung. 1. Vortrag de? Gen Horlitz. 2. Disknision. 3. Verschiedenes. Alle Kollegen, die auf dem Boden der S. P. D. sieben, werden gebeten, zu erscheinen. Lichtenberg. Achtung, Betriebs, und Parteifunktionäre! Montag, 7 Ubr. bei Kurkowsli Psarritr. 74, außerordentliche Funktionärkonserenz.— Unsere Weihnachtsfeier findet am er Ken Feiertag, nachmittags 5 Uhr, in der An in an der Parkaue statt. Das Programm ikl reichhaltig. Mitwirkende find u. a. der Männerchor„Vorwärts- Froh« sinn" und die Lichtenberger Fugend, eine Bescherung der Kinder findet ebenfalls statt. Eintritt t,20 M. inkl. Garderobe. Kinder frei. Karten bei den Funktionären. Stralau. Die bestellten Karten sür die vier Konzerte sind umgehend beim Genossen Brnnner, Krastftr. 3, In Empfang zu nehmen. Pankow. Heute nachmittag WeihnachtSseier in der Aula des LyzeumS. Elniriti SO PI NiederschSnhaufen. Frauenabend, Dienstag, 7'/, Uhr. bei Kliendt. Kailer-Wühelm-Straße, Ecke BiSmarckstraßc. Genossin Kiesel: Gegen die Reaktion.' Rosentbal-Rordend. Montag 7 Uhr Frauenleseabend. Vortrag: „Seibsterlcbtcs einer Flüchtlingssamilie.' MnhlSdorf. Dienstag 71lt Uhr: Mitgliederversammlung Bei Anders, Babiibosstraßc. Tagesordnung:'t. Kritische Betrachtung der KreiStagsver- Handlungen: 2. Partciangelegenheiten: 3. Verschiedenes. Jugenüveranftaltungen.' AchtilNsi] Pollversgmmlnng der fuqendlichen Betriebs- vertranenslente� und Schülerräte am Mittwoch, den 17. Dez., abends 7 Uhr, im Zentraljugendheim, Lindeostr. 3, 2, Hof links, 3 Treppen. Wichtige Tagesordnung. Abt. Westen. Heute Besuch der Treptower Sternwarte. Treffpunlt '1,2 Ubr. Bülow-, Ecke Mansteiusiraße.— Ölten. Heute abend 7 Ubr. Ctcrr wartebesuch. Vorirag:„Aus KroßOabtnrauern in den Schwarzwald'. — Prenzlauer Borstadt. Heute Besuch der Sternwarte. Tresivuukt '1,2 Uhr. Danziger Straße, Ecke Pappelallee.— Wedding. Heute vormittag ftzIO Ubr Im Jugendheim, Lüttichcr Str. 88, Funktionär- Sitzung. Nachmiiiags 5 Ubr: Unter halirmgsabend mit besonderem Programm.— Retnickendorf-Oft. Fugcndheirn Lokal Kasch. Residenz-, Ecke Kaichdorsstraße. Heute: Musikabend.— Roienthal. Fugendheim, Schule, Kasianwnallee. Heute: Geiangsabend.— Schönbanser Borstadt I und II. Heute Beiuch de? Zentral.Fuoendbeims.— Steqlib-Ttzriedenau. Heute Besuch der Treptower Sternwarte. Vorirag:„Ein Blick in das Weltall'. Trefspunll ftz4 Ubr: Kaisereiche.— Tegel. Heute Besuch des Zentral-Frigeudbeims.— Tempelbof. Fugendbeim Lyzeum, Germania- iiraße 6/7, Eingang Kinderbort. Heute: Heiterer Abend.— Pankow. WeibuockitSseier beule obend in der Aula des Lyzeums. GöAchstraße. Saal- öfinnrig 5 Ubr. Eintritt 1 M.— Zentral-Jirgendhrim, Lirideniiraße 3. 2. Hos links. 3 Tr. Heule abend: Lichibiidervortrag:„Von der Postkutsche zur Schnellbahn'. Tie am Bußtag ausgegebenen Karte» haben noch Gültigkeit. Karten ä 0,50 M. sind noch am Eingang zu babcn.— Köpenick. Fugendheim. Schönertinder Str. 5 bei Siippekobl. Heute abend 7 Ubr: Mitgliederversammlung.— Hermodork. Fugeridheim. Turnballe Roonslraße. Heute abend: Mitgliederversammlung.— Mahlsborf. Jugendheim, Schule Walderseestraße. Heute abend: Spieiabend. Vorträge, verekne unü versammkunoen. Zentralinstitut für Grziehnng»rid Unterricht. Polsdamer Ltratze ISO. Der für heute angelündigle Vortrag der Elternschule über „Das Kind als werdende Persönlichkeit' findet erst am Montag 8 Uhr siatl.— Wohlfahrtswanderausstelluna über den Zllkoholismus in Steglitz, Turnhalle der Obcr-Reaischuie, Elisenstr. 3/4. Sondersübrungs- Vortrag nur sür Frauen Montag, 7 Ubr.— Grne Weihnachtsfeier findet am Sonntag, 2t. Dezember, abends ft,8 Uhr, in der Sladiballe, Klosterstraße, statt. Mitwirkende: Madrigalchor des Akade- mischen FnstitutS sür Kirchenmusik(Pros. Kail Tbiel), das Hetting-Trio u. a.— Berwaiid sozial. Lehrer und Lehrerinnen. Monlag 6lj, Uhr Mitglieder-Versammlung Hinter der Garnisonlirche 2. Gerichtszeitung. Beweisaufnahme im Tpszkaprozeß.» Die Beweisaufnahme in dem Prozesse v. TySzka und Ge- nossen dehnte sscki gestern noch über mehrer« Stunden aus. Der Kriminaitommisiar L e h n e r t machte u. a. darauf aufmerksam, daß am 25. Februar kein Belagerungszustand herrschls und daö Recht, Haussuchungen vorzunehmen, infolgedessen nur der Polizei zustand. Der frühere Kommandant von Berlin, Leutnant Fischer, bekundete u. a.: v Tyszka ist Mitte Dezember von der Kom- mandatur entlassen worden, weil er sich verschiedener, nicht zu billigender Handlungen schuldig gemacht hatte. Als die Januar- Unruhen sich abip'ellcn, tanchle V. Thszka plötzlich wieder in der Abteilung der Kommandantur im Prinzessinnenpalais auf. Zeuge Fischer hat ihn dort bei Gelegenheit der Verhaftung Ledebours ge- troffen, v. Tyszka sei so mitgelaufen, ohne von der Kommandantur oder von dem Zeugen einen Auftrag zu haben. Er sei leider ge- duldet worden: alles, was er machte, war sensationell aufgebauscht, und bei seinen Nachrichten wußte man nie. ob man es mit einem Narren oder einem Verbrecher zu tun hatte. ES sei erstaunlich, daß er hier behauptete, daß seine Leute 56 M. vro Tag erkalten haben, in Wahrheit waren es 15 M.; was er von 26 666 M. gesagt habe, war nichts a!S Phantasie. Schließ'ich sei er direkt binanSgeworsen worden. alS Zeuge Fischer von Klawunde die Mitteilung«rbalten hatte, daß v. Tyszka das Geld, welches er zur Auszahlung an dritte Personen erhalten, in Gemeinschaft m i t Weibern verlumpt habe. Einen Befehl. Auftrag, eine Er» laubnis, irgendwelche Amtshandlungen vorzunehmen und Beschlag- nahmen auszufühven. hatte er in keiner Weise. Als die Unterabteilung im Prinzessinnenpalais gebildet wurde, wurden Ausweise ausgestellt, die die Ermächtigung zur Na ck> forsch u ng nach Heeresgut enthielten. Der Zeuge glaubt nicht, daß Tyszka nach seinem ganzen Vorleben einen soiöben Ausweis erbalten habe; das könnt« nur aus Irrtum im Drange der Geschäfte geschehen sein. Nach seiner Entlassung, Mitte Ja- nuar, hätte TySzka solchen Ausweis— die überhaupt immer nur zeitlich begrenzt waren— überhauvt nickt mehr verwenden dürfen. Es handle sich also nur um eine Machenschaft des Angeklagten. Angckl. v. Tyszka: Er habe nocki am 16. Januar einen Ausweis bekommen mit der Weisung, daß er Karl Liebknecht lebendig oder tot bringen solle. Diesen Ausweis babe ihm ein dicker Herr gegeben, der neben Lickftenstein gesessen habe. — Zeuge Fischer erklärt das für Schwindel.— v. T v? z k a verwahrt sich entschieden dagegen. Er habe aucki nicht in Abwesenheit des Zeugen gestempelt.— Auf weiteren Vorhalt über seine Verbindung mit Tyszka noch im Februar bekundete Zeuge Fischer: Der Angeklagte sei fortgesetzt bettelnd um Geld und Brot in seine Woynung gekommen, er babe ihm darausbin 5 M. gegeben; obwohl er dann wiederholt abgewiesen wurde, habe der Anoeklagt« ihn immer wieder mit seinen Beiteleien belästigt, auch während des Ledebour-ProzesseS.— Der Anyeklante blieb dabei, daß er 24 666 M. bekommen habe, um Liebknecht und Ledebour zu ermorden.— Zeuge Fischer: Das ist ein so großer S cb w i n d e l, daß sich darüber gar nicht reden läßt.— Angekl.: Dann sckwindeln Siel Die Verteidiger wünschten zu wissen, welche Summen der Angeklagte insgesamt vom Zeugen erhalten babe.— Zeuge: Es standen ihm 26 M. pro Tag zu, ferner 15 M. für seine Leute, die er sich eigenmächtig ausgelefen hatte. Er berecknete alle möglichen Spesen, die er zurückerhielt. E? sei ja möglicki, daß er auf diese Weise im ganzen einige tausend Mark erhalten hat, nun und nimmermehr aber Summön in der von ihm behaupteten Höhe.. Auf Fragen der Verteidiger erklärte Zeuge Fischer noch, daß er von den Soldatenräten zum Kommandanten eingesetzt und später don den Volksbeauftragten mit der Oberleitung über das Ganze betraut worden sei.— Ter alsdann vernommene Zeug« Klawunde erklärte u. a.. daß er nicht wisse, ob v. Tyszka bei der Kommandantur oder bei der Nachrichtenabtei- lgng angestellt war. Zeuoe bestritt die Behauptung des Änaek'ag- ten, daß in seiner(des Zeugen) Gegenwart Fischer einmal dem Angeklagten 8666 M. ausgezahlt habe.— Nach weiteren unwesentlichen Zeugenaussagen nabm Staatsanwalt Dr. Ziegel das Wort zur Sckmldfrage. Er plädierte auf Scbudig der räuberischen Erpressung bzw. Beibilse und Dubilliaung mildernder.Umstände. Hierauf wurde die Ver�ndlung auf Montag veriagt. Polizeioberwachtme ad Zuchthäusler als Genossen. Wegen gcmcinichastlichen Betrug., waren der mit Zuchthaus porvesirafte Schläckner Albert M a ck, der Polizeioberwachtmeister Robert G n n d l a ch, der Arbeiter Willi N e s e m a n n und der Kaufmann Georg Ledermann angeklagt.— Wie die Perhandlung ergab,, hatten die drei Erstgenannten in folgender Weise„gearbeitet": Mack, der Kutscher bei der Wäscherei„Urania" war, horchte bei der Kundschaft herum, wo Butter, Speck oder andere Schleichhandel- wäre zu kaufen war. Sobald er etwas erfahren hatte, trat er und sein Mitfahrer Nesemann als Käufer auf, nachdem er seinen „Freund", den Polizeioberwachtmeister, verständigt hatte. Diesser erschien dann in voller Uniform und„beschlagnahmte" die Ware. Die Täter gingen mit ihrer Frechheit sogar so weit, daß sie, als sie von einem besonders porsichtigen Opfer verfolgt wurden, mit dem Wäschewagen, der die Beute enthielt, vor dem Polizeirevier in der Elbinger Straße vorfuhren, dort 48 Pfund„beschlagnahmte" Butter abluden, dann aber wieder aufluden und nach einem Schie- bcrlolal in der Zimmerftraße fuhren, wo„Kippe gemacht", d. h. die Beute geteilt wurde. Gegen Gundlach, der angeblich an Rückenmarkschwindsucht leidet, wurde auf Grund ärztlichen Gutachtens das Beiisahren abgetrennt. Das Gericht erkannte gegen L. auf F r e i s p r e ch u n g, da- gegen wurde Mack zu 1 JahrS Monaten Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust, Nesemann zu 8 Monaten Gesang- n i s verurteilt. ftz. Grammophon — Gramola Vorführung m k«— � Apparate aind die beaten! ohne Kaufzwang V Aussergewöhnlich elegante MisMs- TolSetten ki die kostbarsten tylodeile. 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Nur für die Hinterlegung von Aktien zur Teilnahme an Generalversammlungen, sofern es sich um den letzten Tag der Hinterlegungsfrist handelt, und für Wechselzahlungen wird im Hauptgeachatt ein Schalter von 10 bis 12 Uhr vormittags geöffnet sein. Berlin, den 4. Dezember 1919. Bank für Handel und Industrie Beriiner Handels-Oesellschaft S.ßleichröder Commerz- und Disconto-Bank Delbrück, Schickler& Co. Deutsche Bank Direction der Disconto-öesellschaft Dresdner Bank Hardy& Co. G. m. b. H. Mendelssohn& Co. Mitteldeutsche Creditbank Nationalbank für Deutschland Abgabe nn Sledlungslaad in Mablsdorf. Die Stadt Lichtenberg wtll da»«vn ihr erworbene Rittergut Mahlsdorf für«nstedelungozwecke zur Verfügung stellen. De! der«ergedung de« Landes werden in erster Linie Krieg». beschädiat« derücksichttgt. «» sollen»om toinmende» Frühjahr ab Parzellen w der Größe von durchschnlttfich einem Halden Morgen iänsllch abgegeben werden. Semeinnühigrn Siedelungsgenossenschnlten werden wrnluell ganz« Block« unter günstigen Brörngungen überlassen. Der Prrt» ist luch nicht festgesetzt, er richtet sich nach der Lag» der Parzelle», wird aber tm DerhLItni» zu den sonst sür Landparzellen tu der nSherrn Umgebung Berlin« dezahlten Preisen mästig sein. Spekulation mit den Parzellen wird durch enisprechende Sicherungen im jtmifvertrage ausgeschlossen. gur Aufteilung kommt zunächst da« Gebiet zu beide» Seiten der Beriiner«Hanls«« zrotschen dem dehauten Ortsfest von Mahl»dorf und der«aiilsdorser Grenze, außerdem da« Oeiaiib* � und Gutspork. Repektante». Zrühsah, l«ü Z, .____;« Grenze, außerdem der Göpenicker Stratze gegenüber dem Sutshof die«m der Srlanguua , wollen die, bis zum ...__..„.- einer Patzelfe tm Interesse haben, wollen die,— 88. Dezember d. I. dem Magistrat schriftlich mitteilen. Berltn-Achtenderg. im Dezember 191». _ Der Magistrat. 1240® iugengläser- Geschenke sind nfitxlich und willkommen. 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Aus dein Schluß der Beweisaufnahme im Lindnerprozeß tragen wir nach, daf; der frühere Polizeipräsident T e i m e r noch sagte, sein Vertrauensmann Pietzer, der von der Gesamtsumme von SO 000 Mark zur Bekämpfung des Bolschewismus bereits in 000 Mark angenommen hatte, habe ihm erklärt, er hätte diese 10 000 Mark Auer für die Zwecke der S. P. D. zur Verfügung gestellt, resp. seien sie der Parteileitung übergeben worden. Er selbst könne nichts Näheres sagen. Ter Professor der Ttaatswissenschaften Michael TLberl berich- tigt die Darstellung Fechenbachs in verschiedenen Punkten. Der Zeuge bestreitet zunächst, daß er jemals behauptet habe. Auer habe 500 Mann, während der Revolutionszeit nach München bringen vwllen. Er bade lediglich erklärt, daß Auer eine dahingehende Anfrage gesiellr habe, zu einem Zeitpunkt, wo er der Uebcrzeugung war, daß die alte Regierung hilflos war, durch die er also ein ge- Wistes Maß moralischer Sicherung im Hinblick auf das frühere Versprechen, die Demonstration werde keine Gefahr für die öffent- lichx Sicherheit bringen, schaffen wollte. Ein oder zwei Tage nach der Rücklehr Eisners vom Berner Kongreß ließ Eisner den Zeugen rufen. Er fragte mich nach der Bedeutung eines in der..Staats- zeitung" veröffentlichten Artikels über Auer. Ich hatte sofort den Eindruck, daß Eisner die Absicht hatte, Material gegen Auer zu sammeln. Eisner sagte zu mir:..Sie haben doch jedenfalls diese Behauptung nicht aus ein bloßes Getücht hin gestützt, sondern zweifellos eine Quelle dafür gehabt." Ich cnviderte ihm, ich sei Historiker und habe den Artikel von diesem Standpunkt aus geschrieben, ich hätte den Artikel in der„Staatszeitung" auf Grund von Quellen ge- schrieben, die mir glaubtvürdig erschienen, aber keine Veranlastung und Berechtigung, diese Quellen zu nennen, für deren Bekannt- machung mir nickt ausführlich Genehmigung erteilt worden ist. Und ich würde auch hierauf keine Auskunft geben. Eisner erklärte darauf:..Dann wird es wohl ein Mittel geben, Sie dazu zu zwingen."(Eisner für Zeuaniszwang. welch traurige Verirrung! Red.) Worauf ich ihm erwiderte:„Ich würde mich auch durch einen Zwang nicht dazu bringen lassen." Es war klar, daß gegen Auer alles zur Erplonon bdi Eisner drängte, und Eisner hat mir gegenüber mchreremal erklärt:„Mit Auer muß es nun zur Eni- schcidnng kommen." Als Eisner merkte, daß er nichts miS mir kerausbrabte, brach er ab und hielt mir einen kurzen Vortrag über die Berncr Tagung und einen Lobeshmnnus auf Elemeneeau. Es war offensichtlich, daß man nach einer Gelegenheit suchte, die Atmospbäre zur Entladung zu bringen, und meine ganze Jnqui- stlion durch EiSner war dieser Absicht entsprungen. Der Schlußvortrag öes Anklägers. In seinem Plaidohe r führte erster Staatsanwalt Hahn aus: Tausende und tausende Freunde der«Ordnung hatten sich von dem 31. Februar 1S19, dem Wiederzusammentritt des Landtages, den Beginn einer Zeit des Wiederaufbaues, der Gesuadnng unserer polirischen und wirtschaftlichen Verhältnisse versprochen. Aber auf den 21. Februar folgten Wochen des furchtbarsten Schreckens und Unheils. Graf Arco-Valley erschoß den Ministerpräfideriten auf dem Wege zum Landtag. Die Justizverwaltung bedauert außer- ordentlich— und niemand ist es peinlicher, als mir persönlich—, daß diese Tat nicht, wie beabsichtigt, vor dieser Verhandlung vor ihrem Forum abgeurteilt werden konnre. Ich habe die drei ärzt- lichen Gutachten über Arco-Valleh veröffentlicht. Ich hatte den Aerzten ausdrücklich erklärt: Rur wenn' eine unmittelbare Löbens- gefahr für den Angeklagten entfteben könne, tvürde ich die Ab- fetzung der Haupwcrbandlung beantragen. Die Antwort waren die drei Gutachten. Ich glaube, daß dig Namen der drei Aerzte Bürgschaft genug sind, daß sie der wissenschaftlichen Begründung nicht entbehren. Ich glaube aber auch nicht, daß diese drei Männer die Hand zu einer politischen Intrige hergeben würden. Ich muß mich ihrem Gutachten unterwerfen, so sehr ich auch das Ausbleiben der Hauptverhandlung gegen Graf Ärco bedauere. Aber, wenn ich mich über die Gutachten hinweggesetzt und den Grafen damit einer tödlichen Gehirnhautentzündung ausgesetzt hätte, an deren Folgen er verstorben wäre, könnte man mir dann nicht'den Vorwurf machen, daß ich das Ristko zu hoch gespannt und mit einem M«n° schenkeben gespielt hätte? Der Leutnant und Student Graf Arco ermordete an jenem Tage den Vorsitzenden des Ministerrats Kurt EiSner. In hinterlistigem Ueberfall fällt er den Mann, der an der Spitze des Freistaats Bayern stand, den Mann, um den der Kampf der Meinungen seit Wochen in noch nickt dagewesener Weise tobte. Der Swatsanwalt schildert dann die Ereignisse im Landtag und die Mordszene und die Mittätersckaft des Angekl. Frisch, der offen- sichtlich den Mörder Lindner decken und schützen wollte. Gleich- zeitig fielen Schüsse von der Tribüne, und von einem dieser Schüsse getroffen sank Abg. Osel tot zu Boden. Osel gerade war es gewesen, der kurz vorher erklärt hatte, es sei die Pflicht der Abge- ordneten, gerade jetzt auf ihren Posten zu bleiben, aus die sie das Vertrauen der Wählerschaft gestellt habe. Ich erinnere nur daran, wie an die Gruppe des verletzten Ministers Auer und des sterbenden MajorS Gareis ein Mann wie eine Katze heranschlich, Hand- granatcn in der.Hand, und nach den Ministern Timm und Roß- baupter ftagte. In diese Szene voll Blut und Grauen gellte der Ruf Hagemeisterö von der Tribüne hinein:.„Das ist die Rache des Proletariats. Euch Lumpen werden wir es noch ganz anders be- sorgen." Dom Stadtkommandanten Dürr gelang es, draußen den Mörder Lindner zu stellen, aber seinem Befehl, Lindner nach dem das Gericht möge ihn gerecht beurteilen. Frisch behauptet, so un- schuldig wie er habe noch niemals einer auf der Anklagebank ge- sessen. Er beantrage Freisprechung. Die UrtcilKverkündung wird Montag vormittag erfolgen. , Polizeipräsidium zu bringen, wurde keine Folge gegeben. Lmdner � nahm nach der Tat an einer Versammlung teil, er ist auch im revolutionären Arbeiterrat erschienen, er fand in der Wohnung Merkerts Unterkunft und ist von dort in einem vo'm Ang-kl. Schlund zur Verfügung gestellten Auto nach Salzburg entkommen. Alle diese Vorgänge spielten sich vor der erstaunten Welt ab, die fragte, wie so etwas sich in dem«Parlament eines Volkes, das sich zu den Knlturnationcn zählt, ereignen konnte. Die Verhandlung hat gezeigt, wie die Leidenschaften systematisch aufgcprstscht wurden, so daß alles- so kommen mußte. Ich behaupte nich�, daß das Attentat ans Auer auch ohne das Attentat auf Eisner damals gekommen wäre, aber das ist zweifellos, daß schon damals der Plan bestand, den Landtag zu sprengen. Ein zum Schutz des Land- rag es herbeigeruftnes Regiment wurde in Dachau entwaffnet und der Arbeit errat Sauber verbreitete die Kunde von der bevorstebeiif den Ankunft des Regiments und putschte auf.«Wozu diese Eut- rüstung gegen eine einfache Sicherheitsmaßnahme? Entrüstung konnte nur dort vorhanden sein, wo Man die Ordnung nicht haben wollte. Der revolutionäre Arbeiterrat hakte alle Tribünenplätze im Landtag für sich reserviert u'nd ckarak- terisiiick ist auch die Aeußerung gegenüber einem um eine Karte nachsuchenden Zuhörer:„Wozu noch eine Eintrittskarte? Tic Ko- mödic im Landtag ist ja in einigen Minaten vorüber." Weshalb richtete sich die Wut nach der Ermordung Eisners nicht gegen die Parteigänger des Mörders, sondern gegen den Landtag und die Regierung? Taraus gebt doch hervor, daß schon vorher der Plan bestand, den Landtag unter allen Umstände» zu sprengen. Dem revolutionären Apbeiterrat war die Absicht Lindners schon vorher bekannt, 13 bis 13 Personen wußten mindestens davon. Noch im Arbeiterrat wäre es Zeit gewesen, die Beiden zurückzubalten, deren blutdürstige Gesinnung ibnen auf dem Gesickt geschrieben stand. (Zuruf: Hühl) Daß die Angeklagten auf den Schutz gewisser Kreise rechnen konnten, die sich damit mitstrosbar machten, beweist der Triumvbruf HagemeisierS:„Das ist die Rache de? Prole- tariatS." Mit diesem Zlusruf bekennt sich Haeemcister zu der Tat, identifiziert sich mit ihr und verherrlicht sie. Wie doppelt verlogen ist dieser Ausruf I Es ist eine Beleidigung des werktätigen BolkcS, daß man ihm nachsagt. eS finde in einem Mord seine Befriedigung. Erst in der Hauptverhandlung ist Lindner ganz schüchtern mit der Bebauptung gekommen, daß er die Absicht gehabt hätte, Auer nur zu verwunden. Ich glaube, daß man keinen Zweifel haben kann, daß Lindner TötungSabsichtcn gehabt hat.(Lindner weint heftig.) Nach meinem Dafürhalten ist der Beweis erbracht, daß Lindner mit Uebcrlegung gehandelt hat. Lindner ist toohl erregbar über die gewöhnliche Norm hinaus. Das schließt aber nickt aus, daß er mit vcberlegung gehandelt hat. Lindners Haß gegen Auer war bis zum Fanatismus gesteigert. Die Gedächtnisschwäche des Zeugen Feche nbach ist sehr merkwürdig. Ich muß feststellen, daß er in zwei Fällen von der objektiven Wahrheit abgewichen ist. SchlußreSe öes verteiökgers. R.-A. Dr. Sautcr geht u. a. auf das Verhältnis zwischen Eisner und Auer ein. Eisner habe das Vertrauen des Prole- tariats besessen wie kein Zweiter, während Auer wiederum das Vertrauen der Bürgerlichen und die Verehrung aller Sozialdemo- kratcn besaß wie kein anderer, daß er aber auch von dem Prole- tariat gehaßt wurde wie keiner sonst(1). Ick betrachte eS als meine Pflicht, ausdrücklich festzustellen, daß kein Beweis gegen Auer erbracht worden ist. Aber diese Gerüchte lassen die Motive LindnerS erkennen. Sein kleiner politischer Horizont, seine patbo- logische Veranlagung ließ ihn alles glauben, was gegen Auer gesagt wurde.«Als der Ruf erscholl:„Eisner ermordet!", mußte Lindner auf den Gedanken kommen, Auer stecke dahinter. Wenn das ein Mann wie Professor Jaffa glaubte, kann man es Lindner nickt ver- Übeln.«Als Lindner im Arbeiterrat plötzlich hörte, Auer halte die Gedächtnisrede auf EiSner, Verlar er den letzten Rest von Fassung. Es ist die Tragik und das Verhängnis Lindners, daß sich alle seine Annahmen als Irrwahn erwiesen haben. Er hat Auer nieder- geschossen, und er hat das auch gewollt Aber das ist nicht Mord- versuch, das ist Totschlagversuch. Die Tötung des Majors Gareis hat Lindner nicht beabsichtigt, man muß hier Notwehr annehmen und kann ihn deshalb hier nicht verurteilen. Lindner ist weniger ein Verbrecher als ein Opfer seiner Zeit. Es handelt sich bei Lindner letzten Endes auch nicht um einen gemeinen Verbrecher, sondern um einen politischen Verbrecher. R.-A. Taub beantragt für Frisch Freisprechung, eventuell Gefängnisstrafe, für den Ange- klagten Merkert Freisprechung und bei«Verurteilung BetvähruvgS- frist. Das gleiche beantragt R.-A. Lindemann für Schlund. Dann verliest.R.-A. Sanier noch ein Telegramm von Helene S t ö ck e r, die sich erbietet zu bezeugen, daß Eisner sick schon«rm 18. Februar dahin ausgesprochen habe, er wäre zum Rücktritt bereit. Dann erhalten öle Angeklagten das Wort. Linbner äußert sich unbeholfen und mit stockenden Worten, aber trotzdem eindrucksvoll zur Anklage. Er erklärt, daß «r seine Tat schon tausendmal bereut habe und bittet zum Schluß. flus alier Weit. Dreifacher Mord eines Wahnsinnigen. In SimmcrShosen im Allgäu hat der Kausinann Schar» nagel im WahnnniisauSbruch seine Frau im Wochen- bett, deren Schwester und das Dien st m ä d ch e n mit einem Beil erschlagen. Sein achtjähriger Sohn entrann dem Rasenden, der entfloh, später aber festgenommen werden konme._ Im Flngzcuz über die Sahara. Der fronzösiiÄe«Major«V ii i l l e m i n hat mit zwei Offizieren und zwei Mechanilcru den Flug nack dein Tsckadsee anc-e- treten. Die fünf Forscher versuchen den langen Flug über die Sahara auf einer 800 P. L.-Breguet-Maschine, die fähig ist, 1000 Kilometer ohne Halt zurückzulegen. Deutsche und Oesterr.-Nng. Hilfsgesellschaft in Chicago. Die Gesellschaft bat Anfang Novdmber beschlossen, ihre. Tätigkeit vorläufig einzustellen und die ganze Hilfsaktion der „Tentsch-Amerikanischcn Hilfe" zu überlassen. Die Hilfsgesellschaft wurde kurze Zeit nach Ausbruch des Weltkrieges gegründet und arbeitete unentwegt bis zui»� Kriegs- eintritt der Pereinigten Staaten. Obgleich die Not in deutschen Landen damals noch nicht annähernd 10 groß war, gelang es doch. über 700 000 Dollar zu sammeln, abgesehen von den bedeuienden Sammlungen an Kleidungsstücken, Büchern und anderen Sacken für die Gefangenenfürsorge. Seit Anfang Oktober sammelte die Gesellschaft wieder Summen, die. besonders_ in Ansehung der teueren. Lebensmittelpreise auch in den Vereinigten Staaten, als recht ansehnlich bezeichnet werden müssen. EL wurden verausgabt: für Milch nach Deutschland 10 000 Dollar, für Schmalz nach Deutschland 15 000, für Lebertran 5000 und für Hospitalbedarf nach Deutschland 5000 Dollar, für Kinderernährung und für Schmalz nach Oesterreich 10 000 und 5000 Dollar. Darüber hinaus sind noch ansehnliche Beträge zur Hand, die zum sofortigen Ankauf von Lebensmitteln und anderem Bedarf verwendet werden sollen. Die„Dcutsch-Amerikanische Hilfe" wendet sich besondere an die deutschen Vereine und hat bereits schöne Erfolge aufzuweisen. Reue? von der Salvariauleichtfertigkeit. Mist Veranlassung de! Kultusministers Ha e n r s ch hat vor einiger Zeit der bekannte «Berliner Salvariangeaner Dr. D r eu w.zur Prüfung des Sal- varsanS das bekonnte Ehrlickicke Institut in Frank'urt a. Main be- sucht. In dem darüber dem Miinsterulm erstatteten Bericht verzeichnet er die merkwürdige Tatsache, daß man sich im Ehrlich« scheu Institut um' die seit Iahren in großer Zahl in der medizinischen Fachpresse registrierten Salvarsantodessälle nickt bekümmert. Es wird darüber keine Statistik geiiibrt, die Fälle werden nickt nachgeprüft und nickt untersucht, wie es zur Er- forschung und Beseitigung der Salvarsangefahren nötig wäre. Hvmiurg nicht mehr Millionenstadt. Krieg und Blockade hoben die Einw-ihnerzahl der Stadt Homburg»m 5 Proz. vermindert. Nack der Volkszählung vom 8. Oktober bat der Staat. Hamburg 1 049 777. die Stadt Hamburg 935 088 Einwohner(gegen 1 103 153! und 1 034 950 im Jahre 1918). Diebische Hafcnschutzwachimcister. Durch Kriminalbeamle sind secks Wachtmeister der Hamburger Hafenschutztruppe wegen Güterberaubung im Dienste festgenommen worden. Die Verhasteten geben zu, von einem Oberländer Kahn 18 Sack Zucker gestohlen und an einen Kaufmann für 1730 Mark verkauft zu haben. Den Erlös haben sie geteilt- Die Zuckcrräuber wurden von dem Schiffer nachts ertappt und zur Anzeige gebracht. Als der Sckiffcr sie überraschte, drohte Pauls ihn mit dem Revolver zu e r- schießen. Frankfurter Gepäckschirber. In der Gepäckabfertigung des Frankfurter Hauptbahnhofs wurden umfangreiche Schiebereien mit Gepäckstücken festgestellt. Die Täicr, acht HilfSangestellte, wurden entlassen und angezeigt. 300 deutsche Fcrienkinder sind Freitag morgens in Basel eingetroffen. Sie werden auf verschiedene Gebiete verteilt. Der Hunger... Man schreibt der.Linzer Tagespost"': Ein Linzer Straßenbild, das die Feder Knut Hamsun« schildern müßte. Montag abend? bei der Haltestelle Blumauer Straße Aus einer Tram steigt ein Mann mit einem Napfe tu der Hand. Er tut einen Fehltritt, stürzt, und der Jnbalt des TopfeS— sein Abendessen— rinnt über die Straße. Der«Mann erhebt sich, starrt einen Auoen- blick aus die Unfallstelle, dann wirft er ssck darüber und— lockt das in den Slraßenschmutz versickernde erbärmliche Essen auf. Wie ein ausgehungerter Hund. Aburteilung eines Deutschen in den Berrlnigtcn Ttaaien. Werner Horn, der deutsche Offizier, der versucht hatte, die Brücke der Kanadischen Pacifie-Babn zwischen New Brunswick und Maine zu sprengen, wurde am 31. Oktober in Jredcrichstown zu zehn Iabren Zuchthaus verurteilt. Zu seiner«Verteidigung hatte er ausgeführt, daß er lediglich seine Pflicht als deutscher Offizier er- füllt habe. Er habe die englische Kolonie Kanada als Feindesland betrachten müssen. w Min. ökli Sie Weil Weil. ist der.Lohmann-Kneifer". denn er hält fest, drückt nicht und fitzt orthozemriich. Ihr Kneifer hält ja gar nickt fest. Sie müssen ja beim Lesen steif aufgerichtet sitzen, damit der Klemmer nicht herabfällt, noch wernger hält er bei Bewegungen fest. Beim„Lobmann-Kneifer" da- gegen wird der außergewöhnlich feste Halt nickt allein durch seitlichen Federdnick auf die Nasen- wände, wie bei den veralteten Klemmern ans Urväterzeit oder wie beim„Finger-Klemmer" erzielt, sondern durch eine ganz andere mechanische Kon- struilioir. Ob die Gläier dünn oder dick, ungleich- mäßig oder ungleich schwer, ob Sie tanzen, reite», 'pringen, niesen oder schwitzen, der„Lohmann- Kneifer" hält unverrückbar fest. So schreibt a. a. Herr Ludwig Schreck in Bramsche:„Ihr „Lobmann-ftneiser" hat mir in Mazedonien bei 50 Grad Hitze, trotz Schweiß und Sonstigem, vor- zügliche Dienste geleistet." Hält Ihr Klemmer aber wirklich einigermaßen fest, jo macht er seinem Namen mehr Ehre, als gerade unbedingt nötig ist: er.kneift' Ihnen nämlich die Nase wund. Den.Lohmann-Kneifer' dagegen können Sie Tag und Nacht ohne lästiges Gefühl, ohne entstellende wundgeriebene Druck- stellen tragen. Sie spüren ibn gar nicht. So äußert sich z. B. Herr Architekt HanS Meier, Anger» bürg:.Seit einem Jahr trage ich nunmehr Ihren„Lobmann-Ktieifer' und bin jeden Tag von neuem glücklich darüber, so etwas Vollendetes ge- künden zu haben. Es ist tatsächlich eine Freude, Ihren Kneifer zu benutzen, eine Freude, die mich dann immer wieder erfüll», wenn ich sehe, wie andere Menschen mit einer gedrückten und geröteten Nasenwurzel herumlaufen und sich dock noch immer quäle» müssen, ihr Marterwerkzeug festzusetzen. Ich kann dagegen lausen, springen, sogar gewolt- kam niesen, ohne daß der Kneifer von der Nase fällt. So erlebe ich etwas wie Schadenfreude, und die soll ja bekanntlich die reinste Freude sein.' Ihr Kneifer aber verursacht Ihnen Kopf- schmerzen nicht nur durch den abscheuliche» Druck, sondern mehr noch durch den nickt richtigen Sitz. „Fester Sitz" und„guter Sitz' sind nämlich zwei ganz verschiedene Dinge. In der Regel hängen die Gläser seitwärts nach, unten, was dem Gesicht«inen schlaffen, wehleidigen Zug gibt. Bei engem Augen- abstand wird, was mau käufig gerade beim .Finger-Klemmer" beobachten kann, seillick außen und bei sehr breitem Augenabstand seitlich innen durch die Gläser gesehen, anstatt durch den Brenn- pnutt. Hierdurch aber werden die Augen fortgesetzt zum Schielen gezwungen. Kopsschmerzen, Seh- störungen und Nervosität find die Folgen. Für den.Lohmann-Kneifer' ist eS bedeutungslos, ob die Rase griechisch, schmal oder ob fie. wie beim Lappländer, breit, plump ist, ob die Auge» tief liegen oder hervorstehen, ob der Augenabstand weit oder eng, gleich oder ungleich ist, stets sitzt er orthozcntril», d. h. die Pupillen der Augen durch- schneiden den Brennpunkt der Gläser senkrecht im richtigen Abstand. Beweise? Lesen Sie. was die Erfahrung ge- lehrt hat..Ich mutz nun schon seit ein paar Tagen meinen alten Kneifer tragen. Jetzt merke ich erst den Ilnterichied. Ich bin schon ganz nervös. Bitte um baldige Bedienung, da ich ohne.Lohmann- Kneifer' ganz unglücklich bin', schreibt Herr Joseph L a m m e l, A n t i i ch k a u. Herr H. Hollborn, Essen, schreibt:„Ick bemerke gleichzeitig, daß ich die Ausführung de« Klemmers gegenüber den jetzigen Fingcrkneifern für eine bedeutende Verbesserung halte." Der..Lohmann-Kneiftr' unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Kneifer, wie tadelloses Sckub- werk von Hühneraugen hervorrufendem. Gleickwobl ist er kaum teuerer als andere Klemmer dergleichen hochwertigen«Materialbefchasteriheit und der gleichen sorgfältigen Herstellung. Wer ihn trägt, ist jenes unleidlichen AeraerS enthoben, den„billig" er- siandene, im dauernden Gebrauch ach so..teuere' Klemmer verursachen, welche den Nervösen zur Verzweiflung bringen und den gesmidesten Geld- beute! schwindsüchtig machen können. Hören Sie, wie u.a. ein langjähriger Benutzer urteilt: So Herr Oberstabsarzt Dr. L. in Eh., gewiß ein Sachverständiger:„Bin mir dem bs- zagenen Klemmer«ehr zufrieden. Abgesehen von dem immer korreklen, immer bequemen Sitz, möchte ich die außerordentliche Haltbarkeit betonen.' — Nur an einer Stelle ist der.Lohmann-Kneiftr' käuflich, nämlich der Firma Orthozentriscke K n e i f e r- G e i e l l s ck a f t m. b. H., B e r l i n W., «Potsdamer Str. 184«., geöffnet von 9—6 Uhr ununterbrochen. Sie können wohl in einer Bäckerei- filiale oder Zigarren-Nicdcrlage ebenlo gui kaufen wie im Hauptgeschäft: um Ihnen aber, einerlet, ob Sie eine einfache oder die teuerste Au»« stihrung wählen, einen im strengsten Sinne des Wortes.individuellen' Kneiftr bieten zu können, 'st der Vertrieb an eure Zentiolstelle gebunden. Würden wir aber Filialen eröffnen, so würden wir nicht an einer Stelle die größte Kraft vereinigen können, sondern unsere Kräite zersplittern und Darum nirgends das Reckte bieten, dabcr an ah- solutem Vertrauen einbüßen müssen. Das aber wollen wir nicht. Was>v i r versprechen, halten wir auch. Darum schreibt auck: Herr Leutnant Pickert, A.-R. 30, Allen« stein:„Ich habe de» Kneiftr— wohl 1917— von Ihnen gekaust. Er hat sich ausgezeichnet be- währt und voll erfüllt, was in Ihren Siellamen versprochen wurde.' 'Wir können noch zablloft ähnliche Schreiben anrühren, aber Raum und Kosten verbieten uns dies. 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Dieser Gesetzentwurf ist seit ssiner Ver> östentlichung in schärfster Weise von den Interessentenkreisen bekämpft worden. Es ist erklärlich, daß gerade die in der EleKrizitätswirtschast matzgebenden grptzen Kpnzerne(A. E. G.. Tremens) sich nicht gern und widerstandslos aus ihrer aeosnwärtig monopolistisch herrschenden Stellung verdrängen stzssen wollen. Für uns mutz aber das Gesamt interesss des BokkeS'matzgebend fein. Nach langwierigen Bera- jungen und Einholung zahlreicher Sachverständizen-Gutach- tsn haben die jetzigen Beschlüsse deS Ausschusses nicht nur die Zustimmung der drei Pkehrhcitsparteien. sondern auch die der Deutschnstionalen und der Deutschen Volkspartei aefun- den. Di» Unabhängigen haben sich nicht aktiv an den Arbeiten des Ausschusses beteiligt. Gerade dieses Gesetz bringt in seiner Weiterentwicklung ein« Tozialisierung im wahrsten Sinne des Wortes. Di« besiers und wirtschaftlichere Versorgung deS ganzen Reichsgebiets mit Elektrizität soll in der Hauptsache omichl werden durch svstematische, alle technischen Vorteile auS- nützende Organisierung der Elektrizitätsbewirtschaftung»n» ter Führung des Reiche? und Uebertragung eines erheblichen Teiles der Erzeiignngs- und Fortleitungsanlagen in das C i g e n t n m des Reiches. Die Grundlinien des Gesetzes sind allgemein bekannt. Das Reich will in der Hauptsache nur Fernleitungen und Krafterzeugungswerk« übernehmen. Es würde dem Gesetzeszweck aber widersvrechen. wenn die Ver- tsilungSanlagen. die den Strom zum Kleinverbraucher leiten. im Besitz privater Gesellschaften verbleiben würden. Deshalb Wird den Kommunen da» Recht gegeben, diese VerteilimgS. anlogen zu übernehmen. Das ist autzerordentlich wichtig, weil damit die Stromzuführung an den Verbraucher, die Fest. ietzung der Strompreise usw. im wesentlichen den Kommunen übergeben wird. Besonders schwierig war die Entschädigung»- frage. Di« Vorlage sab vor. datz die Herstellungskosten nach Abzug anaemcsisner Abschreibungen ersetzt werden sokhn. DaS ist grundsätzlich eine angemessene und billige Entschädi» gung. kann jedoch bei dem gegenwärtigen Geldwert sehr un- gerecht wirken. Es ist daher ziigelasien worden, datz die Ent- schädigung für Anlogen, die bereits vor dem Kriege bestan» den, nach den Herstellungskosten oder nach dem E r t r a g»- wert der drei letzten Friedensjahre berechnet werden kann. Sörgfästige Prüfungen esgeben, daß auch bei dieser Entjchädigungsform das Reich die Anlagen noch zu einem Preise übernehmen kann, der keine Uebervorteilung des allgemeinen Interesses darstellt und einen durchaus wirt schaftlichen Betrieb ermöglicht. Bei Aufhebung von Pacht- Verträgen wird d«m Pächter nur der nachweislich entstandene Schaden ersetzt. Weist er als Schaden einen entgangenen Gewinn für den Rest der Pachtzeit nach, so wird dieser für höchstens ein Jahr entschädigt. Für die dem Reich gegen Erstattung der HerstellungS� kosten übertragenen Anlagen ist ein besonderer Vorteil ge- schaffen worden. Für die vom Reich nicht übernommene Kseinverteikungsanlage eines solchen Unternehmens kann dßr bisberise Besitzer resp. die Kommune, die diese Verteilung». anlage übernimmt, verlangen, datz zur Berteilung an den Kansumentsn der Strom vom Reiche zu demselben Preise in der bisherigen Menge geliefert wird, zu dem ihn der bis. berige Unternehmer selbst unter Berücksichtigimg einer evtl. Steigerung der Produktionskosten hätte herstellen können. Dadurch wird insbesondere die möalichst billige Strom» lieferung an den Konsumenten gesichert und verhindert, datz das Reich die Sszialisierung der ElektrizitätSwi'-tschaft in zu starkem Maße in fiskalischem Sinne ausnützen könnte. Ebenso trifft daS Gesetz die Bestimmung, datz die in den einzelnen Ländern aus natürlichen Energiequellen(Wasser- kräfte) gewonnenen Elektrizitätsmengen, soweit sie im eige- nen Lande gebraucht werden, in erster Linie diesem zur Ver- fsigung stehen muffen. Dadurch ist z. B. die Befürchtung BavernS, datz die aus seinen Wasserkräften gewonnene Mektrizität nur den„Preußen" zugute kommen könnte, hin- fällig. Die Verwaltung der sozialisierten RelchS-ClektrizitätS- Wirtschaft wird nicht einem bureaukratischen Beamtenapvarat in die Hand gegeben, sondern nach kaufwannilch.technischen Gesichts vunkt en und nur nach den Bedürfnissen der allgemet- nen Volkswirtschaft betrieben werden. Der ReichSregierung wird zur beratenden Mitwirkung bei der Durchführung dieses Gesetzes ein Beirat zur Seite gestellt aus ie fünf Vertretern des RdichStaaS. de» ReichsralZ und der Arbeiter- und Angestelltenorganisationen. ferner 211 Sachnerständigen/ von denen je vier von der ReichSregierung, den Ländern, den Vertretungen derProvinzen, Kommunalver- bänden und Gemeinden, dem deutschen Landwirtschaftsrat und der ZentralarbeitSgemeinschaft der industriellen und g«. werblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands zu wählen sind, ferner j« zwei Vertretern der gewerblichen Grotz- un dKleinverbraucher. die vom deutschen Industrie- und Hast- delstag und vom deutschen Handwerks- und Gewerbekammer« tag zu bennen sind. Hier ist also auch für eine angemessene Vertretung der Arbeiter- und Angestelltenschaft Sopge ge» tragen. Auf sozialdemokratischen Antrag wurde dann noch ein» neue Bestimmung zum besonderen Schutz der Arbeite p undAngestellien in das Gesetz hineingebracht. Danach müssen alle in den vom Reich übernommenen Ansagen� und Werken beschäftigten Arbeiter und Angestellten mit über- nommeu werden, unh zwar zu den Bedingungen der bestehen- den oder neu mit den zustandigen Berufsorganisationen ab» zuschließenden Tarifverträge. Die Festlegung de» Tarif» Vertragszwanges für diese Reichsbetriede bedeutet einen wesentlichen Fortschritt- Ferner ist für diejenigen Ar» beitnehmer. die nachgewiesenermaßen auf Grund der Durch» führung dieses Gesetzes innerhalb der nächsten zwei Jahre a«, heitsloß oder durch einen Berufswechsel geschädigt werden, fstr die eingetretene Schädigung eine Unterstützung zu ge. währen, die mindestens drei Viertel de? entgangenen Arbeits- Verdienstes betragen muß. Diese Bestimmimg geht in ihrex Bestimmtheit erheblich über die entsprechende Bestimmung deS englischen Gesetzentwurfs hinaus. Die Sozialisierung der ElektrizitätSwirtschaft. die in hsch- stem Matze von der Entwicklung des Wirtschaftslebens und der Elektrotechnik ahbängig ist, kann durch dieses Gesetz nur eingeleitet werden. Ihre Beendigung mutz sich ans den Er- fahrungen bei der Durchführung dieser Maßnahmen ergeben. Ein neueS. bis zum l. Oktober(921 z» erlassendes Gesetz soll da» ganze Reichsgebiet nach wirtschaftlichen Gesichtspunkte» in Bezirke einteilen, für die u n t e r F ü h r u n g d e S R e t- ch e S Körperschaften oder Gesellschaften zu bilden sind, die dir gesamte ElektrizitätSbewirtschaftung übernehmen sollen. Lediglich die Frage, ob auch die Verteilung des Strome? an die Kleinverbraucher diesen Gesellschaften übertragen oder den Kommunen belassen werden soll, ist noch offen gclaffen und soll später nach dem Gebot der Zweckmäßigkeit rntschieden wtzpdu». Nach alledem wird dieses Gesetz, an beffen Gestaltung unsere Genossen in der Kommission in hervorragender Weise mitgearbeitet haben, eins der wichtigsten Gebiete unserer Volkswirtschaft unter den bestimmenden Einfluß der Volks- gesamtheit stellen. Ein wichtiger Schritt zur Verwirklichung der Sozialwirtschaft ist damit wiederum getan. Franz Krüger. Weihnachts Geschenke Pelzbesefzfc Mänfel aus FlauschtTofk........ M Pelzgeiütf. MÄnfelK 342..- RÖCke aus guten rnellerfen Stoffen••«•«»«co W« Blusen Tn rener"Wolle oder �— Waschseide............ M. Ov>.— BlUSen in Chinakrepp.. M. 03«— Seid. Unferröcke.. k 76.- Wollklelder mit relctier Tresseng Arnltur..... m. 275.- und m. 345.- FüChse�aiaskatarb-gfxai 1 SKunKs-Kanln-Kollier 4 ort passend. 4( KreuztUdise- Welsslllchse „ von............. m I in Fuchsform....... M. Muff., M. j Mord FUdiso- sehr preiswert e,<3er'er FabriKÄfion.!r. Seal- Elecfric- K&nlrv, Seal-Bisam, Persianer, Maulwurf ..................■ihm»........................... 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Moniag, den 15 Trzrmber, vorm. 10 Nhr, im Musiker-VereinShauS, Kaiser-Wilhrlm-Sir. 31, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Wahlen, Festsetzung der Höhe des Ortszuschlages, Ver- schiedencs und Anträge. 50 6 Erscheinen dringend notwendig. Mitgliedsbuch ist am Gin- --------- vir Öttsoecraalfunsj. 'lombard-Haus� gang vorzuzelgen.____ LMiivlellkilfle MSlMpnerzvVeikn. Durch Beschluß des Aus- schuffes vom 27. Oktober 19ig und mit Genehmigung des Oberversichsrungsamtcs Groß- Berlin oom IL Dezember 1919 sind folgende Paragravi'en der Satzung geändert worden! Ri 2, 9, 19, 12,>5, 10, IS. 21, 25. 27, 28, 29, 29a, 30, 32, 43, 46, 53 und 57. Borstehende Satzungsänderung trat, soweit die erhöhten Leistungen llle Wochenhilse in Frage komnien, mit dem I. Ok- toder 1919, die llbrizeir Aende- rungen treten mir Montag, den 15. Dezember 19 9 in JtratL Abdrurle des genauen Wort- lautes der Satzungsänderung werden den Arbeitgebern mit der Post zugesandt und find außerdem ab 15 12. 1919 im Äasseniatol erhältlich 280,10 Berlin, den 13. Dezember 1919. Oer Votffanb. Zos. Hartman». Vorsitzender. Isolierten Kupferdratit, Litzen undWactisdraht, kauft höcf.suahlena Ingenieurbureau Schlicbllng Berlin W 9, Linkstraße 10 Tel.: Lützow 3705 und 8518. K H.(iraif, Leipz. Str. 7511 --- Höchste Belelhung;£ g a Diskrete Reellste L ? Oelegenlieits-~ häufe, Uhren, b Brillanten. S Schmucksachen. IL 10— 50% unt. Ladenpr. U SeH 1872 KÜHL«- nanos Verkauf direkt ab Fabrik•Magazin: HJIJütt Ü.IMB M. SmiMtzAll. i. Btomleni (Rittmeifter Scholl). We ehemaligen Angehörigen des Bataillon», soweit sie nicht wegen Unzuverlaffigteit entlasten wurden, werden hiermit aufgefordert, sich bis spätesten» 31. Dezemder bei der 102SD' MMUgsMe In Mm(VeWrenkev) schriftlich zu melden. Grund: Verteilung des schwarzen Fonds. Angäben: Tag des Eintritts und der Entlastung, bei welcher Kompagnie Dienst getan und genaue letzige Adresse. platina 119 Mk. Kr. Platinazaiinestlfte nicht unter?,— M. Alte Qebiase bis IOOO Mk. Oald, Silber Kauft Frau Knuth, Zionskircnstr. 54. N_ I3a71c* «aeerOndet 1SS4. Eijr.-Eip«rllr. EAiürrrfeiBl cntiis Trjppz. iaoieiioitiet»SM. iÄls'erÄ"«. — fssaende—--- AMeztiilM�eiits ieidenmantel. imrr 1 T DäniscIierKautabak ZS-Oere-Pakete M. 2,95 bis 3,25 je nach Abnahme. Schneider & Co.. Tempelhot, Mussehl- Straße 23. Amt Süd ring 354. Wir suchen eipen mit gewerkschaftlichen Fragen durchaus vertrauten 5! 7b (gef. fitich) heilt in 2 Zagen ent- setzlicheo Betthautsurlen, ohne B e r n s s störung. 300000 fach bewähre Monatlich über 100 Heilberichte. M ä ß. Preise. Pcrivnenz. angeben. Sproebt, BachumSL8. Berlin hi.t A.Gaul, Schönhauser Allee 27, ARGENTINIEN, Dr. C. Indalecio Gomez, Rechtsanwalt,promoviert in Würzburg und Buenos- Aires.• Robert Pineas, Ingen ieu r u. 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Bewerbungen, denen Ledens- lauf, etwaige Zeuaniffe und ein Bericht über du Tätigtest und die Ausgaben einer Schul- Pflegerin beizufügen stirb, sind umgehend an den Gemeinde- vorstand einzufinden. 11238a ßewerksciiaiissekrelär, r auf dem Beden der Betriebs- bzw. Industrieverbände ht Schr.ftüche Angebote an GeverkseliäMarteil der BekleidoiiptoriE, Kommandantenstr. 68/64. Wie dieiie eines 223/ Q Hauptsclirlftlelters an der„Königsberger Volkszeitung" ist zn besetzen. Reflektiert wird nur auf eine allererste Kraft. Die„Königsberser Volkszeitung" ist da: für die sozialdemokratische Politik östlich der Weichsel richtunggehende Orran. Geha t nach UebereinkunfL Ausführliche Bewerbungen unter Angabe der bisherigen Tä'igkeit sowie Angabe von Referenzen sind zu ri.hten an A.BorowsUI, KSnixaberg, Pr.,Linden8tr.28, 29. Persönliche Vorsteilrng bei dem Unterzeichneten kann vom 15. bis 18. 12. einschließlich in der Preuß. Landesversa rmiune erfolgen Die Stelle des 2. MMMeWS DK S« ZkiH ist sofort neu zu besetzen. Die Anstellung erfolgt urüer folgenden BehmgUitgen: 1. Die Amtsdauer beträgt 12 Jahre. 2. Das penstonsjähige Gehalt beträgt 8000 M. jährlich. steigend von 3 zu 3 Jahren um je 1000 M. bis auf If 000-JK. neben Oer Teuerungriulaas in Höhe der staatlichen wätze. 3. Verpflichtung zur Uebernahme des Amtes eines und- soldeten Beigeordneten. 4. Es darf ohne Zustimmung der Etadtverordnetenve.- fammliina kein Nebenamt oder eine ütebenbeschästianng. mst toelcher Einnahmen verbunden� stnd, übernommen, ebenio kein Gewerbe betrieben werden. Der Gewählte darf fen>cr nicht al, Mitglied des Borstandes, Ausstchts- oder Nerwastungsrates einer Erwerbsgeseüfchoft tätig sein, auch nicht in Ausschüffe zur Begründung folcher Gesellschaften eintreten är bedarf zur Uebernahme politischer Vertretungen der SeuehMigung der Etadtverorbnetenverfammlung. 5. Anrea/ining auswärtiger Sienstzest bleibt vorbeholten. 6. P-rfönliche Gehastszulagen sind nicht ausgeschloff-n. 7. Die Ansprüche aus Auhegehait regeln sich nach den Be- stdnmungen der Städteordnung für die östlichen Provinzen. die Himslbiiedenentüriorge nach den. für die unmitteibaren Staatsbeamten geltenden Bestimmungen. Juristische Bordstdung ist«rwilrtichL Meldungen sind an den Stadtoerordnetenvorsteher, Rathau«, dt» zum SL Dezember 1919 einzureichen. 23.7 Zeitz, den IL Dezember 1919. Oer Magistrat. Air suchen 23/10» IIIIilsllWWAMMe für dauernd? Beschäftigung bei hohem Verdienst. R. Wolf Aktiengesellschaft Werk Ascherslcbener Maschinenfabrik Aschcrslebon. SWeiliel NM iwcti. Tüchtiger, energischer Mann wird baldigst sür grob» Ileparaturrnerkitött« sür seine Herren-». Damengarderode gesucht. Einer, der Zuschnciderei kann, vorgezogen..Festes G pH alt und Ptoomou vom Umfcz. Angebote zu richten an C. R. Hoyer,„Centraivaerkstedet Koogensgade 8t B, Odense, Dänemark. 181,'2* Käherinnett, etile MeiAlle Wie. welche bereit find, in kurzer Zeit nach Holland abzureisen, weiden fton S.Lillsei! iffMWdW(HlillM) für sofort gesucht. Reise wird vergütet. Unier- lunii vorhanden. Stefercnzen erster deutscher Banlen. Garantiert hoher Lohn, mindesten� 15 Gulden, auszahlbar in holländischer Währung, pro Woche lzurzeit ungefähr 300 M.). 110- Persönliche Meldung Montag vormittag von 11—2 Uhr Berlin SW IS. Schützen- stratze iß—ib bei der ALA. GroßSerlln » Tie Jugend gegen de« Kinoschnud. Die vom.Grotz-Berliner Ausschuß zur Bekämpfung der Schund- lneranir' angeregte Jugendkundgebung gegen den Kino- schund, die gestern im Zirkus Busch stattsand, war nur mäßig be- sucht. Dabei hatte man 4200 Karlen ausgegeben, die— wie der Ausschußvorsitzende Stadtrat Genosse Sassenbach mitteilte— schon in den ersten drei Tagen sämtlich verkauft wurden. Hiernach mutz vermutet werden, datz Gegner der Veranstaltung den größeren Teil der Karten aufgekauft haben, um die Jugendlichen fernzu- hallen. Saffenbach wies auch auf das umlaufende Gerücht hin, datz Störungen durch Kinvintereffenten geplant seien. Prof. Dr. B r u n n e r, Referent im Wohlfahrtsministerium, betonte in seinem Bortrag daß jetzt die Jugend in den Kampf um öaS Kino eingreift. Geführt werde«r nicht gegen das Kino überhaupt, sondern nur gegen Schund und Schmutz, zu deren Verbreitung das Kino mißbraucht w'rd An der Veredelung des KinoS, dieses volkstüm» lichsten aller BildungSmittel, könnten und müßten auch dlk Kinobesitzer mitarbeiten. Nicht gegen sie brauche man sich zu entrüsten, die eigentlich Schuldigen seien die Filmfabrikan- ten. aber die Kinobesitzer mutzten allerdings auf diese einen Druck ausüben.. Man möge hier n'cht von.Kamps gegen die Geistes- sretheii" reden— einem Mißbrauch der Geistesfrciheit gelte der Kampf. Mit Gesetz und Zwang sei nur dann etwaS auszurichten, wenn sie getrogen werden von der öffentlichen Meinung. Auf diese einzuwirken, sei jetzt die Jugend berufen.(Beifall.) An die Jugendlichen und an die Eltern, jm besonderen an die Mütter, richtet« Genossin Bohm-Schuch. Mitglied der Nationalversammlung. warme Wort« der Mahnung. Gegen den Kino- schund sollten alle aufstehen die noch ein Gewissen haben. Ein wirksames Mittel zur Bewahrung der Fugend vor solchem Schund und Schmutz sei die Jugendbewegung. Staat und Gemeinden müßten überall Jugendheime schaffen. DaS Beste aber, schloß die Rednerin, habt dabei Ihr Jugendlichen selber zu tun. (Lebhafte? Beiiall.) Starken Eindruck machten besonders die kernigen Ausführungen des dritten Referenten, des Direktors Genosse Dr. C a s p a r i vom Jugendamt Neukölln. Wie ein freies Bc-lk. so muß auch eine freie Jugend sich selber helfen. Sie selber muß wissen, was ihr frommt. In dem Kampf g«g7n Schund und Schmutz wollen wir Erwachsenen an un'erer Seite die baben. für d'e wir kämvfen. Ich rufe die Jugend auf: Helft uns in diesem Kampf! Wo die Jugend ist, da ist der Sieg!(Stürmischer Beifall.) Vertreter mehrerer Jngendorganisationen ergriff«., dann da» Wort und gaben zustimmende Erklärungen ab. In allen kam immer wieder der Gedan.e zum Ausdruck, daß die Jugend ssck» zur Wehr setzen und den Kinoschund meiden soll..Das Ge- wissen der Jugend muß unsere Kinozensur sein!" sagte der. Vertreter des Vereins Arbeiterjugend. Tie Versammlung endet« ohne daß eS zu den befürchteten Störungen kam. Erst nrnbdem sie geschlossen worden war äußerte eine Gruppe von ftinointeressenten ihren Widerspruch in lärmenden Zurufen._ Ter Mechaniker als Marinebanrat und Korvettenkapitän. Krieg und Revolution mit ihren Begleit- und Folgeerscheinun- gen haben schon manAer Existenz zu einem glänzenden Leben»er- Holsen. Glanz und Ansehen in hohem Maße besaß auch ein Mann, der seit längerer Zeit in Grcß-Bcrlin in GescllschaftS- und Sportkreisen unter vielen Namen und Titeln, besonders aber als Marinebaurat und Korvettenkapitän auftrat. Die'er Mann, der ssch meistens Kock nannte, zeigte die Umgangsformen eine? Weltmannes und verfügte auck ständig über die Mittel, dementsprechend aufzutreten. Seinen Tisch in seiner Hotel roobirung in der Friedrickstraße zierte «in Bild, da» ihn in voller Uniform«ineS Korvettenkapitäns dar- stellte. Für ferne schriftlichen Arbeiten hielt sich der Mann einen eigenen Privatsekretär. Den Sommer über wohnte«r in Grünau. Tort hielt er ein eigenes große» Motorboot, das er.Heia" getauft hatte. So fand er leich: Einlaß in die donigen Sportkreise. Der .Korvettenkapitän' besaß vob amtlichen Stellen ausgestellt« AuS- weise, die ihn berechtigten, die Spree- und Havelgewässer mit seiner .Hela' beliebig zu besahreg. Für ihn galt keine Beschränkung und keine Kontroll« konnte ikbm etwa» anhaben. Ter reiche Mann, der da» Geld mit vollen Händen ausgab, spielt« an anderen Stellen aber auch den RcgierungSrat oder den Geheimen RcgierungSrat. Dann wieder erzählte er. daß er Film- direktor und außerdem in New Bork an zwei Theatern beteiligt sei. Aut der spanischen Botschaft erschien er eines Tage» al» Amerikaner namcn» Rolf Charles Royce, teilte mit, daß ihm seine Papier« verloren gegangen seien und erbielt neu« auf diesen Na- men. Seine Angaben erschienen glaubhaft, weil er über alle New Borker Verhältnisse, nach denen er gefragt wurde, zutreffende Au«. fünft gab. Endlich aber erhielt die Kriminalpolizei Veranlassung, sich mit dem rcicken Weltmann zu beschäftigen und jetzt fand die ganze Herilickkeit ein jäbe» Ende Der Marinebaurat usw. wurde entlarvt a!» ein 87 Jahre alter Mechaniker Eugen R ö ß l i n, der wegen Betrugs und anderer Straftaten schon nicht weniger al» Ibmal bestraft ist Rößlin hast? e» während de» Kriege» durch Verschleierung seiner Persönl-chkrit fenig gebracht, Verbin- dung mit einigen Stellen der alten Regierung zu bekommen. So kam er in die Lage.«uS dem Auslände Baumwolle und Gummi zu beschaffen und verdiente an diesem Handel viel Geld, bis die Re. gicrung dahinter kam daß weder seine Person noch seine Geschäfte faufi-r waren und ihn abschüttelte. Rößlin aber benutzte nun die getvonnenen Beziehungen, um auf eigene Hand umfangreiche Schieber- und Schleichhandelsgeschäfte zu betreiben. Diese brachten ihm uni so mehr ein, al» er sie auch noch zu ausgedehnten.Krediifchw'ndokeien benutzte. Dadurch sind eine ganze Reihe Berliner Gie'chöftSIeute von dem Hochstapler betrogen worden. Alle, d'e noch kein? Anzeige gemacht haben, können sich im Zimmer 103 de» PolizeipräsidiilmS melden. Rößlin wurde in feinem Hotel von der Kriminalpolizei der- hastet und gestern dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Es besteht der Verdacht, daß er durch Heiratsschwindel auch die Da- menwelt um erhebliche Summen geprellt hat. der Beschlagnahme der französischen Wertpapiere in Höbe von über 300000 Frank, die, wie wir mitteilten, am Sonn- abentabend Bcamt» der Dienststelle zur Bekämpfung des Bank« not-mschwindeli und der KapitakSabwanderung auf dem Schlcsifchen Bahnhof bei zwei Rerenden vornahmen, als diese mit den Pa- vieren gerade nach Dülleldors abfahren wollten, um sie dort durch Vermittlung ein?.».Holländer» nach dem Ausland zu verschieben. erfahren wir daß sich die Vermutung, die Papiere würden au» einem Diebstabl in Frankreich berrübren. inzwischen bestätigt hat. Einer der Festgenommenen, ein Kaufmann Scrkomon Nathan au» der Zährinaer Straße zu Wilmersdorf, der Besitzer der Pa- Piere, in deutsche» Gesp umgerechnet einen Wert von mehreren Millionen Marl darstellen,''bt zu, daß Aktien einer französischen Sclnaubenfabrik, um die«S sich handelt, au» der Villa des Fabrik- besitze rs g e st o b l c n word-m sind. Nathan gibt an daß er. als er während de».Kriege» in der Villa singnartiert gewesen sei einen anderen Soldaten dabei überra'cbt habe, als er ein« große Menge Wertpapiere unter feinem Rnck verstecken wollte. Er babe ibn gefragt, wa» er da für Papiere Hab« und dara'�in hätte Ihm der Kamerad diese gezeigl Es waren 310 Stück Aktien über;e 500 Frank der Schraubcnfabrik. Der Kamerad, ein Mechaniker, dessen Aukenthall er zurzeit nickt wisse, Hobe ihm gestanden, daß er die Papier« gestohlen habe. Der Me- chomffer babe Shr» die Papiere übergeben, well er Kau s mann se! und sie eher zu Geld machen könne. Nathan will sie bis jetzt auf- gehoben haben bis er nun einen Holländer gesunden habe, der sie ins Ausland schaffen und dort verkaufen wollte. Zu diesem Zweck wollte er nach Tüsseldorf fahren, um dort mit dem Holländer saS „Geschäft" abzuschließen. Wie weit fem mitverhafteter Begleiter an diesem„Geschäft" beteiligt war, muß noch festgestellt werdeu. Nach den bischerigen Ermittelungen scheint«r unbeteiligt gewesen zu sein. An der Schwelle des Grabes Selbstmord verübt hat der 80 Fcchre alte ArbeiiSinvalide Heinrich Stahn aus der Cuvrtzstrahe 10. Der Greis wurde gestern nachmittag in seiner Wohnung tat auf- gefunden. Er hatte den GaSbahn geöffnet und sich so das Leben genommen. Tie Gebrechen seines hohen Alters hatten ihn lebens- überdrussig gemacht.( Eine ganz gewissenlose Gaunerin, die sich nicht scheute, alte und kranke Leute um die wenigen Nahrungsmittel zu bringen, die ihnen auf die Lebensmittelkarten zustehen, und auf de sie fast auSickließ- lich angewiesen sind, treibt ihr aemeingesährlicheS Unwesen wieder im großen Umfange. Die Schwindlerin, eine Frauensperson von 18 bis 24 Jahren, sucht alte und kranke, alleinstehende Frauen in ihren Wohnungen auf und sagt ihnen, daß sie von der Brot- kommission komme und beauftragt sei, die Lebensmittelkarten wieder abzuholen, da sie ihres Alters oder ihrer Krankheit wegen mehr Lebensmittel und dementsprechend« andere Karten erhalten sollen. Sie erscheint immer wenige Tage nach Ausgabe der Lebens- mittelkarten und die alten oder kranken Frauen gehen, durch die in Aussicht stehende bessere Versorgung fteudig überrascht, gern die ganzen Lebensmittelkarten der„Dame von der Brotkommission" zum Umtausch mit. Diese stellt ihnen dafür eine kleine Quittung aus, auf der sie auch noch vermerkt, wann und wo die Betreffenden die neuen Karten abholen müssen. Dort erfahren sie dann zu ihrem größten Leidwesen, daß sie das Qpser einer ganz infamen Gcnineun geworden sind. Alle Bemühungen der Kriminalpolizei, die Schwindlerin unschädlich zu machen, waren bisher ergebnislos. Amerikanische Hilfe für Wien. Die von amerikanischen fernen Freunden und Stamm esverwandten jetzt reichlich kür Oesterreich eintreffenden Liebesgaben, die zunächst durch die Vermittlung de» deutschen Roten Kreuzes von den deutschen Eingangshäfen nach Oesterreich weitergeleitet werden, kommen jetzt erst durch die neu- gebildete„Fernhilf« Notkreuz VerteilungSauSsckuß für ausländisch« Liebesgaben. Wien I, Milchgasse 1, Telegrammadresse.Fernhilfe Wien", zur Verteilung. Es dürfte sich deshalb empfehlen, die für Oesterreich bestimmten LiebeSgabensendungen gleich an die obige Adresse zu senden. Auch LibeZgabenpakete können an Fernhilfe Rotkreuz geschickt werden, und zwar sind solche Pakete dann an Schenker u. Co., Passau für Fernhilfe Rotkreuz, Wien I, Milltgasse 1, zu richten, wodurch Einfuhrbewilligung und andere Formalitäten vereinfacht werden. Protcstvrrsammlung gegen dir Spandauer Schießerei. Auf dem Spandaucr ReichSwerk(MaY nenfabrik) hielten sämtliche Angestellte und Arbeiter ein« Protestversammlung ab untd nahmen ein« Reso- lution an, in der rücksichtslose Untersuchung. Bestrafung und Be- seitigung deS Direktors Koch und seines Beschützers Hesse mit allen seinen Mitschuldigen, Zuweisung entsprechender.Arbeit an die Schwerkriegsbeschädigten und angemessene Entschädigung der Opfer der Schießerei gefordert wird. Roch Kriegsgefangene in England. Der„Dolksbund zum Schutze der hcrtscken Kriegs- und Zivil-gefangenen" teilt uns mit. daß ihm aus den KriegSgefangenenfagern, welche noch m England auftecht» erbasien werden, bewegliche Klagen zukommen, die darauf hin- weisen, daß ein großer Teil der deutschen Presse die Mitteilung vcr- breitet hat,„sämtliche englischen KnegSgesangcnenlager mit AuS- nahm« jerccS, in dem sich die Scapa Flow». U-BootS- und Flua» zeugmannschaften befänden, wären geräumt". Diese» entspricht nicht den Tatsachen, da laut Mitteilung der Reichszentralstelle folgende Gefangenenlager in England sich noch befinden: Dartford mit 161, Donington Hall mit 206, OSwestrh(Tastern Camp) mit 1539. OSwestrh Hospital mit 109, Ripon mit 8S4, Wakefield mit 995, insgesamt 3844 Mann) Di« Angehörigen worden auf diese Tatsache besonder» hinge- wiesen und gebeten, die«abgebrochen« Korrespondenz, besonder» im Hinblich auf da» bevorstehende Weihnachtsfest, zur Beruhigung der Kriegsgefangenen schnellstens aufzunehmen. «Sroß-Berlincr Lebensmittel. Pankow. Ab TienSiag ISO Gramm Siieß(102). Steg»«. Für Kriegsbeschädigte von ZO Proz. und darüber von» j IS. b>S 24. Dez. 1000 Gramm Haferslocken. 1000 Gram« Weizengrieß ■(6). Anmeldung von Nährmitteln für werdende Müller vom IS. bis i 17. Dezember(26), für Kinder im 1. Lebensjahr(22A), 2. Lebensjahr 1(22A), z. Lebensjahr(18A),«. Lebensjahr(ISA), S. Lebensjahr(18A), ■ 6. Lebensjahr(17A); für Jugendlich«(47). Vom 15. bi« 17. Dez. Anmeldungen auf 12S Gramm Teigwaren(106), 125 Gramm Hofnflodcn (107), 125 Gramm Suppen(108), 250 Gramm auSl. Maismehl<10g). Verteilung von: 150 Gramm ufroin. Weizenmehl. 125 Gramm Kunst. Honig. 1 Dose Malzextrakt sür Kinder im 7. bis 12. Lebensjahre. Verlans von Kartoffeln, dt« nach der Schneeschmelze gebuddelt und tellwels« stost- beschädigt sind, werktäglg von 8—«. im Laaerfchnvv«» Berg-, Ette Ring- i ftraße und Birkbuschstr. 78(b, Goerz), Halle Z,(Psd, 10 Pf. Heut« und , DienStag Ausgab« von Bezugscheinen sür 54 Psd, WeibnachtZgebäch sür ; Kinder, dir in der Zeit vom 25. 12. 09 bi« 24, 12. 18 geboren sind. j AdlerShof. 15. bi« 21. Dezember. 125 Gramm Nudeln llOt): 250 Gramm ausländ, Maismehl(86); 500 Gramm ausländ. Zerealmehl sta.Ztrabe. Genosse Fromm rezitiert ans -Faust". Reinickendorf West. Die Mitgliederversammlung findet nicht am DienStoa. sondern am DomierStag. 7 Uhr, in der Aula der 5 Gemeinde- schul?, Auguftc-VIktoria-Atlee, statt. Tagesordnung: Gen Tr, Easpari, „Rcaltton in der Reichswehr". vereinSangelegenheiten. Steglitz. abend 8 Uhr BezirkSsührer für die Bei gehend an «, Stahl, Achtung! s» z i a li st i s noch bis 20. SilSungsveranstaltungen. Schluß des Alfred Moeglich. Kurs»« heute beginnend, Klasse Ü I 0. Gymnasium Heeses, ra»«— Di« werden dringend aufgefordert, die Kinderlisten hnachtSfeier(Anzahl. Rame, Atter, Geschlecht) um- Gen. Paul Kronenberg, Mommsenstr. 00, oder Gen Ringflr. 7. einzuschicken. Anmeldungen auswärtiger Genosse« sür dt« che Bild ii naSschule, BezirkSvorort Steglitz, nur Dezember bei Gen. Srchur Stahl, Steglitz, Rtngsir, 7. -s- Sewerkschaflzbewegung Die Loge der Angestellten im Kalibergbau. Man schreibt unS: Seit Jahren sind die Verhältnisse für ine Angestellten im Kalibergbau unhaltbar. Während die Preise für Lebensmittel und sonstige Bedürfnisse um 3lX>--80l) Proz. gestiegen sind, haben die EinkommenSv-rhältnisse mit der Steigerung nicht gleichen Schritt gehalten. Die Angestellten im Kalibergbau haben daher den Unternehmern einen neuen Tarifentwurf vorgelegt. Ende April 1919 schlössen die Arbeitgeber nach monatelongem Verhandeln einen Tarifvertrag mit ihren Anzestellten. am 25. April erfolgte die Unterschrift. Schon nach damaligen Verhältnissen waren die Gehaltssätze ungenügend. Die Gehälter der Angestellten schwanken hiernach von 259 bis 359 M. monatlich für kaufmännische und von 259 bis 519 M. monatliche für technifche Angestellte über 21 Jahre. Nach den Gepflogenheiten der Arbeitgeber mußt« man die Mindestsätze auch al? Höchstsätze betrachten. Die Arbeitgeber vereinbarten Konventionalstrafen, wenn eine? ihrer Mit- glieder von diesen Mindestsätzen ohne Zustimmung deS Arbeitgeber. Verbandes abgehen würde. Seit dem 1. Juni 1919 werden zum Teil Erhöhungen von 25 bis 69 M. pro Monat gezahlt. Welche Härten der Vertrag enthält, zeigt die Flut der Anträge auf Schlichtung auS dem Vertrage entsprungener Streitigkeiten. Bisher fand nur eine Sitzung der SchlichtungZinstanz statt, in der nicht die Hälfte der vorliegenden Fälle erledigt wurde. Seit August ruht jede Schlichtungstätigkeit, da man den Angestellten keinen stcllvertreten- den Vorsitzenden zugestehen will, um das Verfahren zu beschl-n- nigen. Dieser Tarif, an dem die Zersplitterung der Angestellten schuld ist, hat Gültigkeit bis zum 31. Dezember 1919. Die technischen Angestellten sind aus den besten und tntelli- genßesten Arbeitern d'i Industrie hervorgegangen. Während der Arbeitgeber für den Arbeiter noch di« Halste der Beiträg« für Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung zahlt, muß der An- gestellte bei einem Jahreseinkommen über 7990 M. die Beiträge voll aus seiner Tasche zahlen. Bezeichnend für di« Arbeitgeber der Kaliindustri« ist eS. daß sie in die Kalipreise im Juli d. I. 4 299 999 M. zur Aufbesserung der Angestelltengehälter hineinkalkulierten, diese aber nicht restlos an die Angestellten zur Auszahlung brachten, wie sie in der Sitzung des ReichskalirateS vom 2. Dezember 1919 zugeben mußten. Sie füllen also ihre Taschen von den Bedürfnissen der Angestellten. Vor Wochen ist nun ein neuer Tarifentwuvf seitens der An- gestellten den Arbeitgebern unterbreitet worden. In dem neuen Tarife werden für die Angestellten Gehaltssätze von 559 b i» 85 9 M, pro Monat, gefordert, je nach der Bedeutung ihrer Stellung. Am 5. November sollten di« ersten Verhandlungen statt- finden. Sie worden auf den 29. November, dann auf den 5. De- zember 1919 verschoben. Als die Verhandlungen längst aufgcnom- men fein sollten, wurde von den Arbeitgebern ein Gegenent- wurf druckfertig überreicht, auf Grund dessen verhandelt werden sollte. Den Angestelltenvertretern erscheint di« Annahm« dieses Vertrages unmöglich. Gleich bei Beginn der Verhandlungen erklärte Exz. Richter, der Vorsitzende des Arbeitgcberverbande», daß der Entwurf der Angestellten undiskutabel fe». Als der Vertreter de» Bunde» der technischen Angestellten und Beamten daraus' hintvies, daß Vertreter von Verbänden anwesend seien, welche nicht der ReichSarbeitSgemeinschaft angeschlossen sind und daß erst festgestellt werden müsse, ob diese Vertreter an den Verhandlungen teilnehmen können, benutzt« Exz. Richter die Gelegenheit, die Verhandlungen schroff abzubrechen. Beim Verlassen deS Sitzungssaales wur- den von den Arbeitgebervertcetern Bemerkungen laut wie:„Wir werden mit unseren Angestellten besser fertig werden' usw. Hi:r zetgt sich der Herr-tm-Hause-Standpunkt der Arbeitgeber im hellsten Lichte. Bei solchem Verhalten der Arbeitgeber mutz man sich ftagen: Hat eine Arbeitsgemeinschaft mit diesen irgendwelchen Zweck oder lst es besser, derartige Gebilde als unzuträglich für die Arbeitnehmer abzulehnen und sich im Kampfe daS zu holen, was man zur Leben»- führung braucht? Wenn die Arbeitnehmer in den Arb.'itSgcmeln» schaften unter den Willen der Arbeitgeber gezwungen werden sollen, dann werden sich di« Arbeitnehmerorganisationen überlegen müssen, ob sie sich da» Vertrauen zu den Arbeitsgemeinschaften wahre» künnin. Auf Grund dieser Vorkommnisse müssen wir die Oeffentkichkeit auf den drohenden Konsltkt im Kalibergbau hinweisen. La den Reichsarbeitsminister richten wir den dringenden Appell, handelnd einzugreifen, um die im Entstehen begriffen«» Streitigkeiten bei- zulegen Tie Löhne der Verkehrsarbeiter. In den letzten Tagen ging durch die TageSpreff« Berlins«in« Notiz, daß di« Fahrpreis« der Straßenbahnen eine Erhöhung er» fahren sollen. Tie bürgerliche Presse bringt die» mit den neue» Lohnforderungen der- im Verkehrswesen beschäftigten Personen zu» sammen, und läuft Sturm gegen di« angeblichen Mnistergehälier der Verkehrsarbei!«?. E» roti4 gut sein, ermnal der OessenKichkert zu zeigen, was im Verkehrswesen Groß-Berlins für Löhn« gezahlt werden. Der Straßenbahnfahrer und-schasfner bezieht ein Anfangs- «ehalt von 499 M. und erreicht in zehn Fahren 599 M.. außer- oem�bckommt der Fahrer pro Tag 1 M. Fahrzulage. Von diesen Gehältern gehen 29 M. soziale Lasten ab, so daß 389 M. bzw. 489 M. zur Auszahlung gelangen würden. Da aber durch Ein- schränkung des Verkehr» wegen Kohlenmangel mehr als vier freie Tag« genommen werden müssen, so wird die Arbeitszeit herab- gedrückt und di« Folge ist Lohnkürzung. Da» übrige Personal, die Wagenwäsöher. Streckenwärter. Kutscher, Badenarbeiter usw. beziehen pro Tag 15 Mk.. wovon noch zwei frei« Tage im Monat zum Abzug kommen. Schaflnerinnen und Wagenwäscherinnen bekommen 13 M. pro Tag. Di« gleichen Lohnderhältniffe sind bei der Hoch- und Uniergrundbahn. Noch bedeutend trauriger liegen die Verhaltnisse bel dem nn Omnibusbetriebe beschäsligten Personen. Di« Kutscher be- z chen ein AnfangSgebalt von 399 M.. steigend alle zwei Jahre im Monat um 19 M. bis 419 M. Fahrer erhallen AnfangSlohn 419 M.. steigend alle�zwei Jahre im Monat um 19 M. bis 469 M. Schaffner und da» übrige Personal haben einen Ansang» lohn von / 920 VI., fftflenfc alle zwei Jech« mn 10 M. pro Mona! vis 860 M., lpavon kommen für soziale Lasten ebenfalls 20 M. in Abzug. Aber auch h>er trirt durch die Stillegung des Motoromnibus und durch Einschränkung des Pscrdeomnibus eine Arbeitsverminderung ein, so das- die Angestellten sechs und acht sreie Tage im Monat nehmen müssen und damit eine gewaltige Lohneinbuh« erleide». Dazu tovimt, dah die OmnibuSgesellschaft bei Krankheiten keinen Pfennig Zuschuß zahlt, so daß die Angestellten arbeiten, bis sie im Dienst zusammenbrechen, denn bei b M. Krankengeld kann kein Mensch existieren. Se sieht e« in Wirklichkeit mit den Minifiergehältern aus. die man den Angestellten und Arbeitern im Verkehrswesen Groß-Berlin löhlt Was fordern nun die Angestellten jetzt für Löhne? Sie ver» langen Stundenlöhne von 2, SO M.. nach einem Fahr 8 M., umge- rechnet in MonatSlöhnc. Auch bei diesen Löhnen können die An. gestellten sich angesichts der hohen, und noch immer höher steigen. den Lebensmittelpreise nur notdürftig über Wasser halten. Aus den dargelegten talsächlichen Verhältnissen ergibt sich, daß daS Beschrei gegen die Verkehrsangcstcllten nur eine Mache ist. um sie als Arbeiter zweiter Klasse weiter behandeln und bezahlen zu können. Sie sind keine Beamte, keine Anaestellte. also Arbeiter und haben Anspruch auf deren Löhn«. Auskömmliche Löhne durch. zudrücken, muß dl« Aufgabe der VerehrSarbeiter und Angestellten sein, darum werden sie, sollten sie gezwungen werden, den Kamps aufnehmen und durchzuführen verstehen. Tcuitfcher Transpouaroeiterverband. Sektion III. BciriebSvertrauenSlentr mid delegierte zur Senerakversammlung dc» Tcutschen Tronsportarbcitcrvcrbandcs, Scltion 5 sPackcr, Lager-, Hos-, Transportarbeiter usw.). Mittwoch, den 17. Tezember, abend» 5H Uhr, Gewerkschasishaus, großer Taal, Engelufer t stcns 13 Mt. einschließlich Bezahlung der Fachärzte und der Son- derleistungen. Bei Bezahlung nach Einzelleistungen wird jeder Besuch mit L Mk., jede Beratung mit 2 Mk. vergütet, bei Nacht erhöht sich die Gebühr auf das Doppelte. Die übrigen Leistungen werden mit einem Ausschlag von 50 Proz. aus die Mindestsätze der Gebührenordnung von 1SH bezahlt. Auch bei Bezahlung nach' Einzelleistungen soll eine gewisse Begrenzung der Gesamtaus- gaben Platz greifen. Tie Kilometergelder werden mit 3 Mk. bet Tage und 5 Mk. bei Nacht für den Doppeliilometcr berechnet. Aus dieser Grundlage sollen sofort die örtlichen und bezirklichen Vertragsverhandlungen zwischen Aerzten und Krankenkassen auf- genommen werden. Uebercinslimmung wurde auch darüber erzielt, daß alle Vor- kehrungen für eine alsbaldige und durchgreifende Verbesserung de- ärztlichen Behandlung getroffen werden müssen. Wetterbericht bis DlcnSt-gmiltag. Größtenteils trübe und nebelig, besonder» im Westen verschtedenUich leichte Schneefälle. Temperaur nahe bei Null. Vcrontw. wr den redaktion. Teil:«rtur Ri-fler, Tharlottenbur,: für Ainelnen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: Borwärts-Verlaa S. m. b. K.. Verlin. Druck: Vor- lvärts-Buchdruckerei ll. Verlaasan stall Paul Sinacr u. Co. Berlin. Lindenflr. 3 dier»« I Vellage Auch die sauberste Mutter ist der Gefahr ailsgesetzt. daß ihr Kind auS der Schule gelegentlich Ungeziefer mitbringt. Sie kann es aber — Ungeziefer nebst Nissen— sofort durch Kopf- und Haarwasser Pscifferol radikal beseitigen. Dabei schäumt unser Haarwasser prächtig, reinigt die Kopfhaut von Schinnen, befördert den Haarwuchs und macht das Haar voll und locker. Flasche 2.— M. und 3,— M. überall zu haben. für Körver- und Kl-'d-riäuie. Flnichc 3 M. und 8 M. Tricresol-Pnder Pfeiffcrol{fegen Flöhe, 1,25 M. Hnntcreme Pfclfferol, Tudr 1,26 M. Frostcreme Pfeifferol. in Tuben u. Doien d 1 50 M. 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