|lr. 639, Bß.Jalfrg» VezsgSpreiS t Siertsliofirl. 10 JO DIL, monotUSJOm tei ms S>oii« voraus-ahldar. Poft- brzuo RonarUch 3L0 ML. erll.Zu- stellunysgebUtir. Unier Kreuzbond siir Demschlaud und Oesterreich» Ungarn 6,7b ML. rüt das übrige Ausland l0.7ö ML. bei täglich einmaL Zustellung i,7i ML Postbestellungen nehmen an DanemarL vvlland. rlu�emdurg, Schweden u. die Schweiz. Eingelrage» in die Past-/i»itungs-Pre>siiste. Der.Borwarrs" Mit der Eonnraq»- oeilage.Boll U-Zeit� erscheint wachen- iglich zweim-L Sonntags eiwuaL Telegramm-Adreise- �Sozialdemokrat verll»� Morgen-Ansgabe. Dcvlmev Volksble»ti (iSPfenn'g) AnzeigenvreiS t ®to achigeivaltene Ronpareillezell« bftrt ISO M, Teuerungszuichlag 60%. „(tleine Anzeigen", das Ktt- gedruckte Wort 75 Pig.(juläfflfl zwei iettgedruckte Worte), irdes weuere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erst» Wort «5 Pig. ,«des weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für -wei Worte. Teuerungszuschlag 50% Familien• Anzeigen, volitiich« und gewerlichastlich» Vereins- Anzeige» IM ML die Zeile. Anzeigen iür die nächste Rummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Sauvtgeichäit. Berlin SB 68. Lindenstraile 3, abgegeben werden,(geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends, Zentralorgan der sozialdemokratischen parte» Deutschlands Redaktion und Expedition: EW. 6$, Lindenstr. 3. «eriiiurrdjer:«int Morinvlat«,?tr.>.»> i»»— I.sl i»7. Mo»ttag, den T». Dezember 1919. vorwärts-verlag G.m.b. h., SM. öS, Lindenstr.Z. k�erttsvrrchrr! Ami Moritiblati, Nr.»17 3?— St. Lehren des Lindner-prozesses. Ueber die Tat Lindners»md ihre Begleitumstände sprechen die Unabhängigen nicht gern.„Eine Assekthand- lung— Neslerwirkung der Ermordung Eisners"— damit glauben sie die Sache abgetan zu haben. Aber der Tot kommt eine weit größere politische Bedeutung zu. Mag Lindner auch ein leichterregbarer, jähzorniger Mensch gewesen sein, aus dessen Seelenstimmung die Nachricht von der Ermordung Eisners erschütternd einwirkte, so ist doch zunächst der Unistand ausfällig, daß sich sein Zorn nicht etwa gegen einen Gesinnungs- oder Standesgenossen des feudalen, reaktionären Attentäters richtete, sondern gegen einen Führer der sozialdemokratischen Mehrheitspart c i. Durch die Verhandlungen ist dieser Umstand in eigentümlicher Weis« geklärt worden: Auf Auer hatte sich die Schmutzflut jener systematischen unabhängigen Verleumdungskampagne gewälzt, von der noch kein mehrheitssozialistischer Führer verschont geblieben ist. Tie gemeinsten, ekelhaftesten und stinkendsten Lügen waren von linksradikaler Seite gegen Auer zusanimengetragen war- den, Lügen, denen gegenüber selbst der Verteidiger des Angeklagten es für Ehrenpflicht hielt auszusprechen. daß nicht ein Wort von'b�en bewiesen oder wahr sei. Das hat freilich die unabhängige Presse, die„Freiheit" an der Spitze, nicht gehindert, in der Zeugenaussage des Sekretärs F e ch e n b a ch. der all jene Schmu tzgerüclste noch einmal in behagliche? Breite vortrug( in allen anderen Punkten litt er an Gedächtnisschwäche), die lügenhaften Beschuldigungen gegen Auer durch Fett- und Sperrdruck nochmals her- vorzu heben, damit ihre Leser nach wie vor glauben sollten, es seien lautere Wahrheiten. Und die Leser glauben.... Hier haben wir ein« treffliche Illustration der Hetz- kampagne. deren Opfer auch Lindner geworden ist. Auch er hat geglaubt. Auch er hat die von skrupellosen Agitatoren ausgeheckten stinkigen Lügen für lautere Wahrheit genom- mcn. Der Gedanke, Auer zu töten, ist in ihm schon lange vor der Ermordung Eisncrs ausgekeinst; er ist ja der Mann, der Auer schon Wockren vor der Tat vor seiner Wohnung aufge- lauert hat. So kann man ohne die geringste Uebertreibung sagen, daß Auer unmittelbar durch Lindncrs Kugel, mittel- bar aber durch das Gift der unabhängigen Ver- leumdungsmethod« hinge st reckt worden ist. Aber die Beweisaufnahme hat noch mehr ergeben: ste zeigt Lindners Tat als ein Teil stück eines politisch viel bedeutenderen Vorgangs der gewaltsamen Aus- einanderjagung des bayrischen Landtags. -Was von unabhängiger Seite stets geleugnet und bestritten worden ist. liegt jetzt sonnenklar zutage: nämlich, daß ein Anschlag auf den bayrischen Landtag am 2l. Februar planmäßig vorchereitet und ausgeführt wor- den ist. Ein Anschlag, der auch ohne Lindners Tat in ähn- licher Form zur Ausführung gelangt wäre. Am 21. Februar war die Situation der Münchner Räte fast dieselbe wie die der nissischen Bolschewiki ein Jahr vorher. als die russische Duma zuiammentmt. Die Bolschewiki hatten im Oktober t9l7 die tatsächliche Macht erlangt, aber die von ihnen ausgeschriebenen Wahlen hatten gegen ste ent- schieden, ste hatten kaum den vierten Teil der Parlaments- sitze erlangt. Um die Macht nicht an das Parlament abtreten zu müssen, jagten sie dieses mit Kanonen und Bajonetten aus- einander. Nock' viel schlimmer war die Wahlniederlageder bayrischen Unabhängigen bei den Januarwahlen geivclen. Sie hatten noch nicht 3 Proz. der abgegebenen Stimmen, fast kein Mandat erlangt. Aber die Macht schmeckte süß. die Unabhängigen zeigten keine Neigung, die Konsequenz aus dem für sie vernichtenden Volksurteil zu ziehen. Viel- leicht daß Eisner und wenige seiner Verlwuten die Nottven- digkeit des Nackrgebens einsahen, die große Masse der A.- und S.-Räte vom Schlage Lindners. dessen engen politi- schenHorizont sein eigener Verteidiger als Milderungs- grund in die Wagschale geworfen hat, obwohl Lindner der höchsten Nätekorporation angehört?—. sie dachten sicher nicht daran, die Macht aufzugeben, die sie einmal innehatten. Kein Anzeichen spricht dafür, daß der„revolutionäre Ar- beiterrat" jemals gesonnen nwr. kampflos seine Macht auf das Volksparlament zu übertragen. Unter solchen Umständen blieb ihm nichts an- der es übrig, als das Beispiel der Bolsckiewiki nachzu- erbmen. Wenn jetzt diese Absicht mit großer moralischer Enk- rüstnng geleugnet wird, so besteht zunächst einmal die un- leugbare Tatsache, daß der revolutionäre Arbeiterrat nur die Wahl zwischen den beiden Möglichkeiten hatte, der Macht zu entsagen oder das Parlament auseinander zu sagen. Will er behaupten, daß er der Macht entsagen wollte?! Doch abgesehen von dem rein logischen Zusammenhang der Dinge hat die Verhandlung auch eine Fülle ein- deutiger Tatsachen gefördert, die sich zur l ü ck e n- lolen Beweiskette zuimnmenschließen. Man halte folgende Tatsack'en zusammen: das zum Schiitze des Landtags nach München beorderte Regiment wird in Dachau vom Ar- Reaktionäre Revolver gegen üie Wahrheit. Der Friedensbund der KriegSteilnehiner veranstaltete gestern im großen Saale des Lehrcrvcreins- houses eine Kundgebung gegen die Lüge, die H e i m a t habe das Heer von hinten erdolcht und dadurch den Verlust des Krieges versckmldet. Redner waren Hauptmann a. D. Willy Meyer, Jgnaz Wrobel, Karl Vetter, Artur Zick- l e r und für Dr. Breitscheid der Redakteur Heppen- h e i m e r. Schon vor Beginn der Versammlung konnte man sehen, daß eine Störung beabsichtigt war von seilen jener Kreise, die ein Interesse an der Ausrechterhaltiing der Lüge haben. Eine Anzahl meist recht jugendlicher Mit- glieder der Reichswehr, alle mit Seiten- gewehren, die meisten auch noch mit Revolvern be- waffnet, erschienen als Versammlungsbesuckier. Der Aussor- dcrung, die Schußwaffen in der Garderobe abzulegen, leistete nur ein Teil der Leute Folg«. In wclckzer Absicht sie ge- kommen waren, das zeigte sich schon gleich nach dem Beginn der Versamnilung. Durch fortgesetzte provoka- torische Rufe. Schreien und Pfeifen führten die jungen Soldaten, von denen wohl keiner die Schrecken des Krieges aus eigener Anschauung kennen gelernt hat, einen erbitterten Kampf gegen die Wahrherten, die von der Redner- tribüne herab vorgetragen wurden. Oft mußten die VerHand- lungen unterbrochen tverden, weil der von deutschnationalen Fanatikern verhetzte Reichswehrtrupp wüste Lärmszenen her- vorrief. Im Laufe der Versammlung ging die mit großer Entrüstung aufgenommene Mitteilung ein. daß sich vor dem Versammlungslokal eine Anzahl Soldaten unter Führung eines Kapitänleutnants aufgestellt habe, um Haupt- niann Meyer, einen der Referenten, der dein Militarismus die Schuld an der Nielderlage zuschrieb, niederzu- schießen. Die Leitung der Versammlung Nxrndte sich mm cm das Polizeipräsidium um Schutz gegen die Leute, die angeblich die Schützer der Republik sein sollen. Nach kurzer Zeit erschien ein Führer der Sicherlieitswehr. Er forderte die Bewaffneten auf. entweder den Saal zu verlassen oder die Waffen abzulegen. Aber die Ruhestörer schienen durchaus nickst geneigt, der Aufforderung Folge zu leisten. Wieder gab eS eine lärmende Unterbrechung der Versammlung. Ein beiterrat entwaffnet und aufgelöst. Dagegen erhielt der Land- tag eine Besatzung, deren Gesinnung am besten illustriert wird durch ihre Weigerung, den auf frischer Tat betroffenen Attentäter zu verhaften, eine Besatzung, die, statt die Äbge- ordneten zu beschützen, sie bedroht, und deren Sanilätspersonal selbst an den Schwerverwundeten noch ihr feind- seliges Gefühl ausläßt. Weiter: Zu der Sitzung ist es den Abgeordneten selber nicht möglich, die ihnen zustehenden Tribiinenkarten für ihre Angehörigen zu erlralten. Der„revolutionäre Arbeitermt" hatte alle Tribüne»Plätze für sich annektiert. Ein Zeuge, der sich um eine Karte bewirbt, erhält die Ant- wort:„Wozu noch? Die Komödie im Landtag ist ja sowieso in einigen Minuten vorüber." Beim Eintritt in den Saal werden die Abgeordneten auf Waffen durchsucht. Die Mitglieder des A r b e i t e r- r a t s ersckicinen dagegen schwer bewaffnet, ohne daß jemand das anficht. Gibt es für dies« Dinge eine Harm- lose Deutung?! Doch die Hauptsache: Lindner stürmt in den Saal und schießt. Aufregung eines reizbaren Menschen, schön! Doch auch der oirfgeregteste Mensch kann nicht gleichzeitig von zwei Stellen aus schießen. Unmittelbar noch Lindners Schüssen aber geht ein Pistolenfeuer von der Tribüne los. auf der die Arbeiterräte sitzen. Mindestens zwölf Schusse sind von dort oben her festgestellt. Festgestellt ist, daß der Zentrumsabgeordnete O s e l nicht von Lindner. sondern von der Tribüne ans erschossen worden ist. Für diese Schüsse von der Tribüne hat bezeichnenderweis« in der unabhängigen Pieffe noch nie ein Wort der Erklärung gestande-n. Und nach diesen Schüssen ruft der Vorsitzende des Arbciterrats, H a g e m e i st e r, in den Saal: „Das ist die Rache des Proletariats!" Während einige Be- herzte sich um die Schwerverletzten und Sterbenden bemühen. suchen chewaffnete Anhänger des Arbeiterrats nach den Ge- nassen Timm und Roßhaupter, um ihre Leickien denen der Gefallenen hinzuzufügen. Nur die Flucht rettet beide! So sieht die angebliche„Affektliandlung eines einzelnen" aus. Eine feige, erbärmliche Ausrede! Wenn dies nicht das Bild eines vollendeten Komplotts ist, so hat es noch nie ein solches in der Weltgeschichte gegeben. Dem Gesamtbild gegenüber spielt es nur eine geringe Rolle. ob die Tat Lindners zum ursprünglichen Programm gehörte oder infolge der besonderen Erregbarkeit Lindners programmwidrig dazugekommen ist. Sicher ist: auch LindnerS Tat Stoßtrupps. Herr, augenscheinlich ein Offizier in Zivil, leitete den Radau. Schließlich verließen die Radaubrüder unter Absingung von „Deutjchland. Deutschland über alles" den Saal, und die Ver- sammlung nahm nun einen ungestörten Verlauf. Mit beweiskräftigen Argumenten widerlegten die Red- ner die lügenhafte Behauptung, der Krieg sei durch revolu- tionäre Agitation im Heere verloren worden. Gründlich gin- gen sie mit ihrer Kritik dem alten System des Militarismus zu Leibe, dessen Sünden allein die Schuld am Kriege und am unglücklichen Ausgang desselben tragen. Die Schlußwmte Artur Zicklers klangen aus in dem Rufe:„Nieder der Krieg nieder die Reaktion: es lebe der Geist des. Sozialismus und der Völkerversöhnungl" » Auch dieser Fall beweist wieder, daß die Drahtzieher der Reaktion planmäßig Stoßtrupps aus Reichswehr- tr Uppen formieren, um das Recht jeder Meinungsäuße- rung, die ihnen nicht paßt, zu unterbinden. Jeder, der die Vorgänge in der gestrigen Versammlung deS Friedensbundes der Kriegsteilnehmer miterlebt hat. muß davon überzeugt sein, daß es sich nur um bezahlte Sprengkolonnen handelt. WaS wird getan, um diesen Mißbrauch der Ver- sammlungSfreiheit, um die Verwendung geschlossener For- mationcn unter Führung von Offizieren in Zukunft u n- möglich zu machen? Der Friedensbnnd d-er Kriegsteilnehmer ist angesichts des Treibens der Militaristen eine Notivendigkeit. Durch feine Existenz wird dem Ausland bewiesen, daß es an starken antimilitaristischen Kräften nicht fehlt. Bemerkenswert ist, daß die Bitte des Friedensbundes an die französischen Käme- raden, für die Heimkehr unserer Gefangenen zu kämpfen, die einzige Aktion gewesen ist unter den vielen, die eine Wir- kung vcrzeichnen kann: Tie ehemaligen Soldaten unter den Abgeordneten der französischen Kammer haben sich auf Grund dieser Bitte veranlaßt gesehen, sich für die sofortige Heimsendung unserer Kriegsgefangenen einzusetzen! Eine Wirkung, die ollen Organisationen und Veranstaltungen versagt bleiben mußte, hinter deren Forderungen selbst einsichtige Franzosen nicht jenes Maß von innerer Berecksiigung sckwn der Form nach erblicken konnten. das sie aufrechten Kämpfern für die Versöhnung der Völker zugestehen. .......... n i im.......................... in ii, iiini imiinii. 1.1z konnte sich nur in der Atmosphäre eines Arbeiterrats ent- wickeln, der unmittelbar zu einer Gewalthandlung großen Stils entschlossen war. Lindner hat seine Absicht den übrigen Arbciterräten vorher mitgeteilt, niemand hat ihn zu r ü ck g.e h a l t e n.— er hat sich nach der Tat gerühmt, niemand hat ihn verhaftet. Der Mörder hat vielmehr unter dem offensichtlichen Schutz des Arbeiterrats gestanden. Auch das ist bezeichnend! Den russischen Bolschewisten mag man nachsagen, was man will, aber sie haben sich ehrlich zu jeder jhrcr>Ta!en, auch zu der Sprengung der Duma, bekannt. Lenin und Trotzki haben sich nicht auf irgendwelche LindnerS herausgeredet, son- dorn offen erklärt:„TaS wollten wir." Solche Haltung im- paniert, wenn sie auch nicht überzeugt. Bei dem Münchner Zerrbild des russisckicn Bolschewismus aber finden wir wohl den Mut zum Schießen auf unbewaffnete Menschen, dann aber die schukbubenhafte Ausrede:„Wir haben es nicht ge- wollt, wir sind es nicht gewesen!" Die erbärmliche Art der Ausführung wird nur übertrosfen durch die erbärmliche Art der Ableugnung._ Unangenehme Erinmrmigen. Tie Feindschaft der Unabhängigen gegen das Parlament ist wohl begründet, wenn auch nur subjektiv. Die Herren holen sich dort wirklich keine Lorbeeren. Bei den wichtigsten Beratungen und Abstimmungen schwänzen sie, mag es sich um den Prozeß des Fürsten Phili Eulenburg oder um die Bestencrung des Vermögens der Kirche handeln. Auch der Parlamentsredaktcur der unabhängigen Blätter ist nicht zu beneiden. Dos beste Stück aus der Debatte muß er immer weglassen, um seine lieben Parteifreunde nicht bloß- zustellen. So hat am Sonnabend die Nationalversammlung über da« Gesetz zur Bestrafung der Kriegsvergc- h e n beraten und es in dritter Lesung e i n st i m m i g an- genommen. Wie aber dursten die Unabhängigen einer Vor- läge der„Noskeregierung" zustimmen, ohne sie zugleich gründlich schlecht zu machen? Infolgedessen mußte natürlich auch Dr. Oskar Cohn der Regierung heftige Vorwürfe dar- über machen, daß sie diese Vorlage'-nicht schon vor einem Jahre gebracht hätte, und daß in ihr keine Berufungsinstanz vorgesehen sei. Darauf erwiderte unser Genosse Dr. Lands- berg, daß ja vor einem Jahre Dr. Oskar Cohn Beigeordneter im Reichsjustizamt gewesen ist, daß die Schuld an einem etwaigen Versäumnis also Nanz(aTTern auf ihn fällk. Dskar Cohn habe auch einen Gesetzentwurf über Einsetzung von Volks- gerichten ausgearbeitet, aber unter den Vergehen, deren Aburteilung er diesen Volksgerichten zuweisen wollte, waren die Kriegsvergehen nicht. Obendrein wurde dieser Entwurf von den sechs Volksbeauftragten e i n st i m m i g abgelehnt, und ein unabhängiger Volksbeauftragter meinte bei der Kabinettsberatung, man wisse bei diesen Volksgerich- ten zwar, wo sie anfangen, aber niemals wo sie a u f h ä r e n. Diese Feststellungen sind im Parlamentsbericht der �Freiheit- sorgfältig h e r a u s g« st r i ch e n, der wahrheitsuchende Lese? der U.-S.-P.-Press« darf von alledem nichts erfahren. Und dieses ist nur ein typisches Beispiel dafür, wie im- angenehm den Unabhängigen die Erinnerung an die Zeit ist. in der sie selb st in der Negierung saßen. Ge- genüber alldeutscher wie unabbängiger Demagogie, die an den infolge der Niederlage höchst unglücklichen Verhältnissen Deutschlands reiche Nahrung findet, gibt eS überhaupt keine bessere Waffe als die Gegenfrage: Wie war es denn, als ihr regiertet oder mitregiertet? Die erste Handlung der Unabhängigen in der Regierung ist bekanntlich gewesen, daß sie zu H i n d e n b n r g gingen. Sie telegraphierten an Hiydenburg, er möge mit seinen be- währten Offizieren das Frontheer geordnet in die Heimat zurückführen. Nicht an die Soldatenräte, sondern an die Ge- neräle und Ossizier« haben sich auch die U.- S.- P.- Volksbeauftragten mit diesem schwierigen Auftrag gewandt. In der auswärtigen Politik waren e? Haafe und KautSky, waren eS die unabhängigen Volksbeauftragten, die dringend vor der Wiederaufnahm« deS di- vlomatischen Verkehrs mit Sowjetrußland warnten, um die Enteute nicht zu verstimmen. Da? hat sie natürlich nicht gehindert, jetzt, wo wir gar keine ge- meinsame Grenze mehr mit Nußland haben und der Friede im Westen noch immer nicht ratifiziert ist, der Regie- rung aus dem gleichen Verhalten einen schweren Vorwurf zu machen. Auf dem Gebiet 5er Finanzpolitik waren eS die unab- hängigen VolkLbeanftragten Fritz Geyer und Dr. I a f f 6, ioelche der sofortigen Beschlagnahme der KriegSgewinne w i- dersprachen und der KapitalSflucht ins Ausland Zeit gaben. An der akten Vureaukratie wurde nicht daS Geringste wandert, solange die Unabhängigen mit in der Regierung 'aßen. Unzählig sind die Verordnungen gerade der unabbän- gigen Volksbeauftragten, die den Arbelterräten die Ein- Mischung in die Rechtspflege und andere Ueber- griffe untersagten.� Man könnte ein ganze? Buch darüber zusammenstellen. wie di« U. S. P. tat, als sie mitregierte. Auch die Ratio- nalversammlnng und ihr Wahltermin ist ja von den unabhängigen Vnsksheauftragteu mitbeschlossen worden. Aber die U. S. P. schämt sich dieser Erinnerungen an ibre Regie- runaSzeit so sehr, daß sie sie selbst im Parlamentsbericht unterschlägt._ Die Unabhängige« bitten gestern 67 Versammlungen rn Berlin und den Vororten «inberufen, in denen zum Marloh-Prozcß Stellung genom- men wurde. E» wurden scknv-re Beschuldigungen gegen die Regie. rung, vor allem gegen den RcichSwehrministcr erhoben. Auch über die Einigung wurde in dem Sinn« gesprochen, daß eS für die Unabhängigen unmöglich sei, sich mit Scheidemann oder Noske an einen Tisch zu setzen..Erst Reinigung, dann Einigung!' sei die Parole. • Die kommunistisch-! Partei hielt gestern zwei öffent- iiche Versammlungen ab, die ersten nach Aufhebung de» Belage- rimgSzufiunte». Beide Säle waren kaum zur Hälfte gefüllt. In „Götz von Gerlichsngen/ Volksbühne. Friedrich Kayßler hat den'Götz' für die deutsche Bühne bearbeitet, einer von vielen. Goethe pflegte wenig einzuwenden, wenn die Gestalten seine» Herzen» etwa» umgeformt oder ver- einfacht wurden, damit der zahlende Mann im Theater nicht durch Dichterrätsel behelligt werde. Als Goethe«in alter Mann und Hostheaterdirektor war, vergriff er sich selber an seinem Werk. Er tat«» nicht glücklich. Run ist der Schriftgelehrte dem letzten Be- arbeiter ein wenig gram, daß er die Bilder vom geistlichen Regi- ment in Deutschland, de»»Götz" kräftig malende Pfasfenidylle mit kaiserlichem Unterton, ganz und gar schmälerte. Aber sonst gebührt der Poll»bühn« Dank für diese Vorstellung. Darum, weil nicht» Unmögliche» versucht, darum, weil alle» Mögliche mit gesunden und ehrlichen Mitteln erfüllt wurde. Man spielte sich nicht gewaltsam in ein bewußt revolutionäre» Bühnen- bild hinein. Ja. man war sogar in der Malerei der Schloß, und Burgräume und der Waldeöszenen beinahe überlieferte» Hof- iheater. Auch klapperte statt de» ritterlichen Zinn» nicht selten STjeaterblech au» den willkommenen Humpen. Aber diese einzi» gen Unachtsamkeiten durften übersehen«erden. Besser wäre e» allerdings, man erzöge die Freunde der Volksbühne derart, daß ihnen auch«in derartiger Anblick wehetut. Und dann fing das Spiel an mit Götzen» Heiterkeit, mit Götzens Ehrlichkeit. Es geht von K a y ß l e r wirklich die Freude au», die nur der Starke und Gebende verschenken mag. Gerade weil er sich hütete, ein DramabaS zu sein, weil er seinen Haß und seine Humore meisterhaft zügelte, ist er der vortreffliche Götz. Er braucht den Scheinwerfer nicht, damit er stet» im Lichte steht. Wie er dann au« einem fröhlichen Ritter ein tragischer wird, der nicht mehr mit den Ränken unverwundet abrechnen kann, da bricht er antik, wuchtig, hoheitsvoll zusammen. E» schüttet sich von ihm Liebe auZ. Er ist von vornherein im Rechte. Er zügelt seine Künstler. Er könnte sich alö Stern hinauspoltern. Er bleibt be- scheiden, blendet keine» ab und erzürnt durch solche Bescheiden- heit, die seiner Bedeutung sehr wohl ansteht, den Regisseur Paul Legband nicht. Die Männer schulten sich nach ihrem Leiter. Jürgen Feh- king» Adalbert von Weißlingen sieht erst gar zu bedrohlich au». Man fürchtet, daß einer der klassischen Schufte agieren könnte. Doch bald erhebt sich seine Kunst. Er wird ei» Verstrickter, er wird ein Opfer. Seine Schuld ist nicht mehr eine Gemeinheit, sie wird zur Tragik, über di» gestritten werden muß. Da» Trauer- spiel Weißlingen» wächst denn auch höchst bewegend empor. Al- lerdingS darf e» kein Gemisch von Duma» und Strir berg sein, wie Marion Regler, die Adelheid, die einzig Mißtönende in diesem Kreise e» gern möchte. Hier wird von der Schauspielerin bte Grenze de» Erlaubten überschritte». E» ist aber wahr, die den Concordiasälen sollte Frau Zetkin sprechen, die aller wogen Zugoerspätung nicht rechtzeitig eintreffen konnte. Ein Herr K u n tz e. der für sie einsprang, machte unter den lebhaftesten Unterbrechungen aller möglichen Vertreter aller möglichen Oppo- sitionen in Scherben. Die K. P. D. müsse ins Parlament gehen. Mächtiger Lärm. Vielleicht werde e» gelingen, den linken Flügel der kl. 2>. P. D. ins kommunistische Lager hinüberzuziehen. Großer Lärm und Zurufe:.So etivaS sagt man nicht öffentlich!' Freilich nicht. Al» Frau Zetkin erschien, konnte sie nicht mehr viel sagen. Schon hatte sie ein Jüngling beim Kragen, der sie wegen der Ovation» die sie sich gefallen ließe, in den ehrwürdigen Stand der»Parteibonzen' erhob. Und so weiter. Zersetzung. �llöeutfth. Die dcutschnational«.Post' berichtete vor kurzem eine Ge- schichte von einem angeblichen Schulbesuch der Gattin de» Reichspräsidenten Ebert, wobei dieser in dem sichtlichen Bestreben, sie lächerlich zu machen, abgeschmackte und hochfahrende Redewendungen in den Mund gelegt wurden. Jetzt muß die.Post" selber ein« Berichtigung bringen au» der hervorgeht, daß die ganze Geschichte wieder einmal von A bi» 3 geschwindelt war, weder der Schulbesuch hat stattgefunden, noch ist«ine entsprechende Aeuße- rung gefallen. Wir aber registrieren diesen Fall al» neue» typische» Beleg- beispiel für die alldeutsche Hetzmethode, die nicht einmal vor einer der Politik fernstehenden Frau Halt macht, wenn auf diesem Umweg ein politischer Gegner in den Kol gezogen werden soll. E» gibt doch groß« Lumpe» unter den teutschen Jdealgestaltenl Zur Nachahmung. In Aulendorf(Württ.) tagte am 6. Dezember eine von allen Oberämtern de» württembergischen Oberlande» vertretene Kon- ferenz der sich in dieser Gegend zur«mcrgi scheu Bekämpfung de» Schleichhandel» und Sch»eb erunwesen» ge- bildeten wirtschaftlichen U«berwachung»au»schüsse. Die- selben entschlossen sich, angesichts der drohenden katastrophalen Zu- sammenbruche» unsere» Wirtsckmftsleben» zu einer Arbeitsgemein- schaft mit den zuständigen Behörde« unter Zugrundelegung folgen« da: Gegenforderungen: 1. Eine alle» umfassende durchgreifende PolVernähruwgS- und Bersorgungspolitit bei der die LebenSmittelratio- n e n auf ein di« Volksgesundheil sichernde» Minimum zu« r- höhen sind. 2. Ablasung aller.Befangenen', die Interessen de» All» gemeinwohl» schädigenden einflußreichen Beamten und Ange- stellten der KriegSwirtschaftsstellen durch unabhängige Fachleute und beamtete Sackwersländig«. 3. Beschleunigtes Inkrafttreten von Wuchervolk»- gerichten und schärfere Durchführung der bestehenden Matz- nahmen zur Bekämpfung der Preistreiberei, de» Schleichhändler- und Schieberwesen». 4. Einen einheitlichen durchgreifenden Pressedienst zur gemeinverständlichen Belehrung de» Publikum» über Ursachen und Zweck der behördlichen Bekanntmachungen und schärferer, rücksichtsloser Brandmarkung der Schleichhändler und Schieber. b. Entlassungsandrohung ohne PensionSgewäh- rung derjenigen Beamten in allen Zivetzjen de» Staatsdienste», die im Kampfe gegen Schieber und Schleichhändler versagen. 6. Hebung unserer Valuta und de» Divisenmarkte» durch Einführung besonderer Aussuhrämter unter Leitung fach- kundiger unabhängiger Fachleute. Di« UebcrwachungSauSschüsse bezwecken eine Hebung unsere« beklagenswerten moralischen Tiefstande»»von u n t e n an f". Der Erfolg ist zu envarten, wenn sie sich der Unterstützung aller vom Geiste de» heutigen krassen egoistischen MammomSmu» noch nicht verseuchter Kreise au» allen Ständen erfreuen. Die Versammlung nahm einstimmig Richtlinien an, Me den zuständigen Regierungsstellen überwiesen wurden und von dort au» den Oberämtern zur öffentlichen Bekanntmachung und prak- tischen Durchführung zugehen und in denen sie«inen Ausbau der UeberwachungSauSschüfs« verlangen. besonder« Einstellung de» Texte», die Götzen» Burg und Adelheid» Kemmenate überscharf entgegenstellt, verleitet Fräulein Regler ein wenig zu derartiger Zuspitzung ihrer Rolle. Helene F e h d- m e r und Cläre R o! l m a n n stehen dagegen herb und stilecht an Götzens Seite. Fräulein Rollmann braucht gewiß die Wachsamkeit de» Regisseur», e» ist aber besser, daß in der Volksbühne die be» scheidenen Kräfte mit Kultur zusammengehalten werden, al» daß «in Stern, der kaum sehr verführend ist, allzu üppig entwischt. Hans Halden» Sickingcn hätte jünger sein können. Erhard S i e d« l verfügt über die liebenswürdige Lümmelei» um den Georg glaubhaft zu machen. Er ist nicht nur ein jugend- sicher Komiker unter schmaler Brust. Er kann ohne Künstelei nach- her den Panzer tragen. E» gibt also noch tüchtige junge Schau- spieler, die andere» al» die gepfefferte Perversität pflegen. Gerd gricke, schön von Gesicht, frisiert wie«in Chorknabe auf Minia» tuten, brachte eine Leidenschaft aus, di« weit mehr als geschrienes Theater ist. Guido Herzfeld, Stelzfuß, Letchtfutz, Würselan- beter und gute Gurgel al» Selbiz. Die Volksbühne darf diesen erfahrenen Episodenschauspieter mit Recht ehren. Max Hochdarf. Deutsche öramatische Gesellschaft. Den beiden Stücken, die vor geladenem Publicum am Sonntag im Kleinen Theater au» der Tauf« gehoben wurden, wäre kein Unrecht geschehen, wenn sie wie so viele Tausende anderer Bühnenmanusrripte auf ihrer Wanderung von Bureau zu Bureau niemals da» Lampertlicht erblickt hälfen. Da» erste ist ome Legende von Karl v. Feiner: Gevatter Tod, die wie ein alter Bolksliedver» durch Einfachheit und Einfalt die Herzen rühren mochte. Doch da» vertemgt gerade auf der Bühne eine völlig sichere und beherrschte Kunst, die die zerstreuten Einzelmomente zu einem klingenden Akkord zusammenschließen kann. Sonst wird die Ein- fach heit— auch ein« solche, die in der Mätehenerzählung vielleicht wirken könnte— banal. Und zum Banalen gesellt sich hier Prätentiöses. Der Autor, nicht zufrieden mit dem„Tod«', be- müht noch obendrein den Herrgott und den Teufel, die sich alle- samt einem armen Alten zur Patenschaft bei seinem jüngsten Söhn- lein präientieren. Gevatter Tod, den er lman weiß nicht recht warum) am Ende erwählt, beweist seine Erkenntlichkeit, indem er den Knaben zu einem Wunderdoktor werden, läßt, der mit Ge- n-ehmigung des.DlodeZ" auf ein bestimmte» Zeichen die Kranken durch ein Heilkraut retten darf. Zweimal versucht der junge�Mensch aü» Mitleid den mächtigen Gebieter zu himergehen, zu heilen, wa» jener schon dem sicheren Untergong aetveiht hat. Zweimal ver- «eibt der Tod. Da wird der Arzt zur schönen kranken Kör'.'ig»t«bter gerufen, und da» Gebot, da» er au» Mitleid brach, da» bricht er nun au» Liebe, und ist bereit, dafür zu sterben. Tie Märchen. Prinzessin, natürlich gleich hochherzig versiebt, bietet dem Tode ihr eigene» Laben al» Opfer an, und der Tod läßt gutmütig mit sich reden. Er gönnt den beiden Menschenkindern noch viele Jahne ihre» Bandes und führt sie in fein dunkle? Reich erst dann, al» ihre Bahn vollendet ist und al» sie selbst ihn herbeisehnen. Da» Symbotijche veegutckt sich mit allerhand willkürlicher Bizarrer». flrbesterhklfe für tviea« Räch dem Veispirl der holländische« Gewerkschaften hat setzt auch die schwedisch« Sezialdemokratie eine Hilfsaktion für Dcutschösterreich eingeleitet. Die Arbeiter vieler großer Be- triebe haben sich bereitertlärt, Ueber st uudeu zu leisten und den Lohn hierfür ihren notleidendcu Brüder« in Deutfchösterreicl? zukommen zu lassen. Gleichzeitig fordern die Arbeiter, daß sich auch die Unternehmungen mit einem entsprechenden Beitrag an der Hilfsaktion beteilige». Lenin an öas italienische Proletariat. Da« italienische Sozialistenblatt„L v a n t i" veröffentlicht einen vom 2Ä. Oktober datierten,«st jetzt— also noch den Wahlen— eingetroffenen offenen Brief Lenin» im Nomen der rufst- schen Sowjctregierung an da» italienische Proletariat anläßlich der radikalen Beschlüsse deS Kongresse» von Bologna. Darin heißt es unter anderem: «Es ist möglich, daß Englandund Frankreich mit Hilfa der englischen Bourgeoisie da» Proletariat zu provozieren ver- suchen, aber Ihr werdet Euch durch diese» Manöver nicht täuschen lassen. Da» wunderbor« Werk, da» bereit» von den italienischen Kommunisten vollbracht wurde, ist eine Garantie dafür, daß es ihnen gelingen wird, da» gesamte industriell« und landwirtschaftliche Pro.etariat, sowie die kleinen Besitzer für die Sache d«S KommuniS- muS zu gewinnen. Daun wird die Diktatur de» Volkes endgültig fein. Eine andere Ggrandie unsere» Triumphes sind die durch die französischen und englischen Kommunisten gemachten Fortschritte." 50000 klagen gegen Kaiser Wilhelm. Au» Pari» wird gemeldet: Wie da»„Journal" telephcmisch auS London erfährt, hat GeneralstaatSamvatt Sir Gordon Heward erklärt, der Prozeß gegen den gewesenen deutschen Kaiser werde unausgesetzt in der umsichtigsten Weift vorbereitet. All« gegen» teiligen Gerüchte ftien auZ der Luft gegriffen. Indessen erfordere die Arbeit der Experten viel Zeit. Sie hätten bisher schon mehr ak» dvlXXl Klagen und Erklärungen durchgeZehen. E» sei keine Red« davon, daß irgendloetche Unentschlossenheit den Prozeß in Frage stelle. Allrussischer Sowsetkongresi. Die schwedischen Zeitungen erhalten über Archangelsk einen drahtlosen Bericht, wonach der neue allrussische Sowjet- kongreß am g. Dezember eröffnet worden ist. Von den 1200 am Kongreß beteiligten Delegierten sind drei Viertel stimmberech- tigt, während der Rest nur beratende Stimme hat. kleine politische Nachrichten. Nicht recht zn machen. Nach übereinstimmender konservo- t i v e r wie nach unabhängig-kommunistt scher Ansck'au. ung sind Parlamente.Schwatzbuden", in denen nur geredet nichts getan wird. Aber die Nationalversammlung macht ein Gesetz nach dem anderen. Folge: die.Deutsche Tageszeitung" schreibt: .Schluß mit der Ge se tze»he tzel"— Ja, wie soll man es recht machen 71 Kohlenförderung iu FriedenSHIHe. Die deutsche Koblenförde- rung hat, pro Tag und Stunde gerechnet, bereits den Frieden». stand erreicht. Eine großzügig« Reuein st eil nng von Berg» a rb eitern ist im Gange, um die verminderte Zahl der Arbeit»» stunden wettzumachen. Die neue französische Kammer wird nach Pariser Meldungen beruflich folgendermaßen zusammengesetzt ftin: 134 Advokaten, 104 Grundbesitzer, 77 Geschäftsleute. 47 Aerzte und Apotheker. 44 Jour- naliften 87 Professoren und Lehrer, 35 Beamte. 26 Offiziere. 18 Privatangestellte, 16 Arbeiter, 7 Priester, 2 Aviatiker und 1 Schauspieler. Da» amerikanische Budget. Der Schatzsekretär der Dereinigten Staaten legte den JahreSvoranschlag vor, der ein Budget von 5 Milliarden für da» Etatjahr 1926 vorsieht. Stimmungsvoll war die eigenartige Jirszemenrng von Günther Stark, und die leise zahllosen VemandlungSpausen fülle: Musii von Max Marschall». Auch die Darsteller, besonders Willi Kaiser in der Hauptrolle und Tädo H e r z f e l d al» Vater trafen gut den legendären Ton... Dem Experiment im Maeterlinkschen Stile folgte ein ebenso- wenig geglücktes im Stil von HarUeben» Sittsicher Forderung ein Einakter.„Das Wunder" von Wolfgang Götz. Zur Drapierung seiner dünnen Pikanterien scheut« der Verfasser selbst vor der Geschmacklosigkeit nicht zurück, al» Hintergrung di« 43er Barrikaden kämpft heranzuziehen. Ein ganz unmöglicher feudaler Regierungsassessor, der insgeheim für die schön« Schauspielerin Anselm« Viereck glüht und mif ein Wunder seiner Liebe wartet, wird durch den Besuch de» Dämchen» im Bademantel erfreut. Sie erzählt rhm, sie habe in diesem Kostüm aus ihrer Wohnung vor den Revolutionären flüchten müssen und erbitte seinen ritte» lichen Schutz. Der Jüngling glaubt ihr alles auf das Wert und zieht, als er die Düperic bemerkt, grollend ab, um seinem Köni« a'.S Soldat zu d enen. Das Publikum hielt sich für den Mangel an sonstigen Pointen anscheinend durch daS Bademantelkostüm genügend entschädigt und rief den„Dichter" vor. Conrad Schmidt. Tanzvariete find Tanzabende, wie Hannekore Ziegler sie bietet sin letzter Woäh« im Blüthnersaal). Tanzvaricte im beften Sinn«. Das alte Beriete der Artisten ist fast verschollen, nun wächst dieser in Lust und Scherz buntgemischten, vorwiegend gymnastischen Schaukunst vein Ersatz. Aus den Programmzetteln der Hannclore Ziegler w.rd daran erinnert, daß Artur Nisisch dieser glücklich begabten Künstlerin zur Seite gewesen ist. Dteie Hingabe de» Musikmenschen ist zu verstehen. Hier wgndett Münk sich sehr unmittelbar in mim'scb-plastische Bewegung: Hörbares wird reizvoll sichtbar, von keinem Grübeln beschwert, ein Entso ten in ungemein leicht verstandlicher Sprach«, vom Tanz getrennt oder hinüdcrbiühend in Heft Kunst, die daS bleiernd Jrdnche in schwebender Freude überwindet. H«n"clorc Zicglre siegt durch die ein- fache Klarheit ihre» Ausdrucks', im trogisch gebundenen Ernst, in tragikomischer Schal kSwehmut ist diese Klarheit so sicher gefaßt wie in wehendem oder stürmisch gelöstem Tanz. Ihr Radetzkymar'ch. ein vollkommenes Stück Brettlkunst, ist ein flatternd durchblätterre» Bilderbuch brauienden UebermutS. ein« köstliche Zusammenfassung aller jubelnden Launen ihrer reich bi-ldlebenden Bewegungsiust. ckst. Theoicr. Tie.Tribüne- setzt dl« für dies« Woche vorgchebenen Wiederholungen der- Stelndorfsschen Dramas»Die Irren' vom Zpielrie» ad. Toller».Wandlung"«trd allabendlich gegeben, auch am Sonntag- nachmittag.— Im Artedrtch-Wilhelmftadtilchen Theater wird am 1«. Te» zember.Gretchen" für Wle« aufgeführt. Mllrchennachmlttage veranstalte« da« Künstlerpo« Brandt» Jacob? am 17. und 21. Tezember, nachmittag» 4 Uhr. im Mcister- faal. Märchen von Swrm. Sspisch. Socthe. Hochländer, Grimm. An- hersen. Dehmel, Falke. Ein großes Werk über Michelangelo ist bei Brun» Calsirer. Berlin. erschienen Hans MackowSkv bat e« gefchiteben. Der Text wlrd durch m Bildtafeln nach de» Hauptwerke» de» größten«ena>ijaoc-lUniü-r« wert- Verlegenheitsgestammel. Unsere cm die„Freiheit" gerichtete Aufforderung, die „Fälschung" nachzuweisen, die wir bezüglich ihrer Jnschutz- nähme des Attentäters Lindner begangen haben sollen, löst ein neues klägliches Gestammel der sich in� tödlicher Verlegenheit windenden Redaktion aus. Die„Freiheit" macht es genau wie im Februar: auf sachliche Feststellungen von unserer Seite antwortet sie mit einer Flut von Schimpfworten. Irgendeine Fälschung in den von uns gebrachten wört- lichen Zitaten versucht die„Freiheit" nicht einmal nachzu- weisen. Als einziges bringt sie ein Zitat aus ihrer Nummer vom 25. Februar, wo sie— vier volle Tage nach der Tat— mit rein akademischen Worten, ohne auch nur die Namen Lindner und Auer auszusprechen, den Terror von rechts wie von links verurteilt. Was aber will diese ganz abstrakte Moralpredigt besagen gegenüber deni p r a k t i- s ch e n S ch u tz, den die„Freiheit" dem Täter hat angedeihen lassen— und auf diesen kommt es an! Wir stellen die Stufen dieses Schutzes noch einmal fest, Zunächst hat die„Freiheit" den Glauben genährt, die Tat im Landtag wäre ebenso wie das Attentat auf Eisner ein Werk von reaktionärer Seite. Als der„Vorwärts" feststellte, daß es sich um die Tat eines Linksradi kplen handelte, hat die„Freiheit" uns einer „verwerflichen Hetze" beschuldigt. Als der Vorwärts" sodann eine genaue Schilderung der Vorgänge brachte, ganz so. wie sie jetzt durch die Gerichts- Verhandlung einwandfrei festgestellt worden sind, hat die „Freiheit" diese unsere Darstellung für unglaubwürdig erRän. Als der„Vorwärts" die Teilnahme des revolutionären Arbciierrats an der Tat feststellte, hat die„Freiheit" ganz nach ihrer Methode diese Enthüllungen durch eine Flut wüster Beschimpfungen zu entkräften gesucht. Für die Tatsache, daß der revolutionäre Arbeitekrat als tatsächlicher Machthaber nach dem Attentat keine An- stalten machte, Lindncr zu verhaften, sondern ihn in Freiheit liest, hat die„Freiheit" nicht nur kein Wort der Ver- urteilung gehabt, sondern hat die Tatsache durch die Lügen- Meldung von der angeblichen Verhaftung Lindners zu ver- sch l e i e rn gesucht Wir können hier ihr Liiaenspiel noch in einem weiteren Punkt ergänzen: In Nr. 109 vom l, März 1919 machte sich die„Freiheit" die lchwindelhaften Ausfüh- rungen des offiziellen Münchener Räteorgans zu eigen und schrieb: E« ist ganz unrichtig, daß niemand daran denke. Lindner festzunehmen. Seine Verhaftung ist sofort angeordnet worden; er hat sich ihr nur durch schnelle Flucht entzogen, Bekanntlich ging Lindner noch tagelang nach dem Attentat in München spazieren und rühmte sich seiner Tat. Die „schnelle Flucht"-ist glatte Erfindung. Doch die„Freiheit" fährt auch jetzt im Handwerk fort: Iln'ne Behauptung, dast ein wohlvorhercitetes Attentat auf den Landtag vorgelaaen habe, soll nach den jetzigen Prozest- ergebniss n„eine Unwahrheit" sein. Doch wohl nur für den, der lediglich die kastrierten und unabhängig zensierten Pro- zestberickte der„Freiheit" liest. Fast alle Abgeordntenzeugen haben übereinstimmend ausaesagt, dast nach ihrer Ansicht ein organisierter AnscMag auf den Landtag vorlag. Die„Freiheit", die nur eine Afkekthandlima des Lindner zu- aeben will, möge von ihrer Auffassung aus folgende.Fragen beantworten: Woher kamen die insgesamt lVbislZfestgest-cllten Schüsse? Warum wurde von derTribüne geschossen, auf der der revolutionäre Arbeiterrat last, wodurch der Ab- geordnete O s e l getötet wurde? Warum rief der Vor- sitzende des Arbeiterrats Hagemeister nach den Schüssen in den Saal:„Das ist die Rache des Proletariats!" Woher kam es. dast die Abgeordneten auf Waffen untersucht, uns ein Trost und ein Ansporn in unserer Armut sein. Der So- zialiSmuS kann aus einer Wüste im Handumdrehen kein Paradies hervorzaubern, aber er kann ein« währe Kulturgrmeinschaft be- gründen, in dem Weimars Sterne dem ganzen Volke voran- leuchten.— r. Eine Gewerkschaft der Künstler BahernS bat sich gebildet. Sie besteh! aus vier Bei bau oSgnippen(Bildende Kunst, Dichiung. Musik. Mimik), die von der Reaierung als auSschlietzliche Vertreiung der baheriscben Kunst in wmichaftlich«» Fragen anerkannt werden und sinen Re'erenten im Ministerium für soziale Fürsorge erhallen eollen. Das Tigertier. Theobald Tiger läßt bei Felix Ledmann-Chmloiienburg seine politischen und ionsiigen Kantusse al«.Fromme Gesänge" erscheinen, waS unsere bäuS. liche Leier zu soigenden Klängen begeistert. ES tat ein Tiger hauien am grünen Slrand der Spree, Fritzt Spietzer und Banausen mitsamt dem Kanapee. Und wo er seine Zähne in Oberschenkel baut. sträubt Revenllöw die Mähne da ihm erschröcklich graut. Auch ionsten sind die Triebe de» Tigertieres kühn, es lieb: mit schöner Liebe Poldine Konstantin. Evviva! Tobe weiter, gefleckier Leonard, ic-nn auch die Hühnerleiter Alldeurschland wüienb knarrt! P a u I ch e n. ÄtaatSoPer. Die Sonntagsoorftellunaen.Tannhäuscr" am 15. und .Palesirtna" um 22. d. MS, werden als Vorstellungen gegeben, bei denen über sämtliche Plätze bereUs oersügi ist, In der ltranla wird Emma Kotlmann ihren Vortrag:.Fm Schwarz- wald" am Sonntag und Sonnabend wiederholen. Aontah: Dr. Küchlcr: „Unter der Miticriiach'ssomie durch die Vulkan- und GIclscherweit Islands". Donnerstag: Pres. Goerte:„Meine Rilsahit bis„um zweiten Katarakt", Dienstag, Mittwoch und s frei tag:.Winter in der Schweiz". Beste« der Wiener Kinder veranstaltet das Leistngmusenm, am 15. Dezember, 7'/, Uhr, einen buddhistischen Abend, Walter von Eynern liest aui seinem indischen Legendenbuche.der Buddha" vor. Fonrane-Feier. Gertrud B o m b c- Me st en d o r s hat aniählich dcS WeburrSlageS Theodor Fontanes einen Vvrtraasabend mit Werken dieses DichterS sür den 30, Dezember im Harmoniumsaai sestgesetzr. Als Privatdozentiu für Germanistik habiiiüene sich Dr. Agathe Lasch an der Homburger Universität, tjhre itlninUSvorlesung betraf den Anteil deS Plattdeutschen am ntederelbilchen Geistesleben im siebzehnten Jahrhundert, Dir öffentlichen«nentaelttiche««ngarischen Sprachkurse an der UnioerfiiSl sind wiederaufgenommen worden- Meldungen an das Unga- rische Institut, Bebrenstr. 70. wurden, die Mitglieder des ArbeiterratS aber schwer bewossnet erscheinen konnten? Wieso komiwn die A b g e- ordneten keine Tribünen karten sür ihre Angehörigen be- kommen, während der Arbeiterrat sämtliche Tri» bünenplätze für sich beschlagnahmte? Aber wir fragen wohl vergeblich, die„Freiheit" hält ja Antworten auf peinliche Fragen für„würdelos". ★ In der Angelegenheit des B i l d e r s ch w i n d e l s durch Ehren-Stössinger gesteht die„Freiheit" jetzt die Fälschung ein, die„Freie Welt" sei einem Jrrhtm zum Opfer gefallen. Aber halt, so schnell geht das nicht. Ehren-Stössinger hatte doch geschrieben: Das Bild, für dessen Echtheit wir bündige Beweise haben... Die Mitwelt Hot das Recht, diese bündigen Beweise kennenzulernen, von denen Ehren-Stössinger gesprochen hat. Unsere Kohlenförüerung. Die von der Preusiischen Oberbergbehörde im„Reichs- anzeiger" veröffentlicksicn Ziffern der prentzischen Stein- und Braiiiikohlenförderung lassen erkennen, daß doch schon in der zweiten Hälfte des Jahres 1919 eine sehr bemerkenswerte Zunahme unserer Brennstofsgewinnung eingetreten ist. Da- nach hat in Preußen betragen die IStS Sieinkohleiiforderung Braunkohleiikordenmg I, Quartal... 27, S Mill, Tonnen 17,1 Mill. Tonnen 2.,... 23,3,. 18,2,, 3..... 99.8.. 20 2, Zusammen 8l,0<) Mill, Tonnen öS, b Mill, Tonnen In das zweite Vierteljahr fiel der große Streik der Ruhr- bergleute, der einen Förderausfall von über 4L Millionen Tonnen gegen das Vorquartal herbeiführte. Im dritten Quartal ereignete sich der große Streik der oberschlesischen Bergleute, der einen Förderausfall von über einer Million Tonnen zur Folge hatte. Die wiederholten Streiks der mitteldeutschen Braun- koblenberglente, veranlaßt durch den konimmiistiich-lmab- hängigen„Bergarbeiterrat" in Halle, haben die Kohleniörderung insofern um hunderttausende Tonnen gekürzt, als die sonst eingetretene erhebliche Förderungszunahme dadurch verlang- ianit wurde. Der Haller Braunkohlenbezirk hat im übrigen trotzdem eine ständig steigende Förderung aufzuweisen. Der Aussall von immerhin zirka 5'/, Millionen Tonnen(l 10 Mill. Zentner 1) Kohlen durch die Arbeitseinstellungen wird unserem Wirtschaftsleben jetzt besonders schmerzlich fühlbar. Erfreulich ist die in der zweiten Hälfte des Jahres eingetretene Förder- zunähme/ deren Fortsetzung mit allen Mitteln durchgeführt werden muß. wenn wir den harten Winter überleben wollen. Uebrigcns ist nur im Saai gebiet die Kohlenförderung im 3. Quartal geringer als im ersten. Auch ein Beweis dafür, daß der Revolution, die sich in dem von Entcntetruppcn be- setzten Saarbecken nicht auswirken konnte, nicht die Schuld an dem Niedergang der Bergbamvirt-chaft gegeben werden darf. Gegen die ersten 9 Monate des Jahres l9l8 ist im laufenden Jahre gleichzeitig die preußische Steinkohlen- sörderung um fast 40 Millionen Tonnen, die Braunkohlen- sörderung um 9- lO Millionen Tonnen zurückgeblieben. Im Vergleich mit 1914 ist aber die Braunkohlenförderung 1919 schon 5 Millionen Tonnen höher I Die Steinkohlensörderung beträgt nun etwa 66 Proz. der vorjährigen. Sie muß also noch bedeutend erhöht werden im Interesse unserer Volkswirtschaft. Durchschnittlich waren in den ersten drei Viertel- jähren 1919 im preußischen Steinkohlenbergbau 648 861, im Braunkohlenbergbau 99 799 Arbeiter beschäftigt, zusammen 749 660, gegen 622 960 in der gleichen Zeit des Vorjahres. Daraus schlußfolgert die bürger- liche Presse ohne weiteres: 127 000 Arbeiter ni e h r, 50 Millionen Tonnen Förderung weniger. Diese Schluß- solgerung ist aber irreführend. 1918 wurden nämlich auch zirka 130000 Kriegsgefangene im preußischen Bergbau be- schästigt, die bei der Ausstellung im„Rcichsanzeiger" außer Acht gelassen sind. Rechnet man diese Arbeiter mit, dann kommen wir für 1918 auf 752 960 Beschäftigte, also auf eine noch etwas höhere Zahl als für 1919. Das muß gerechterwcise auch berücksichtigt werden, wenn man die bergbaulichen Ergebnisse im laufenden Jahre sachlich beurteilen will. _ Otto H u 6. Das Privatbergregal. Die Meldung des.Berliner Tageblatts", daß der fozkaldemo- kratische Antrag auf Aufhebung des Privatregals im Ausschuß der Preußischen Landesversammlung abgelehnt worden sei, ist unrichtig. Der Antrag wurde einstimmig angenommen; er, fordert, daß die Aufhebung so schnell wie möglich und zunältist auf dem Wege der Landesgesetzgebung ersolgen und daß die Knappschafls-Jnvaliden,-Wtlwen und-Waisen eine Erhöhung ihrer Pensionen erhalten sollen._ �uss Heimaldienst hat durch die Zeitungen cisigesordert. sich bereit z erklären, Wiener Kinder zeiiiveilig a u s z u n e b m e n. Daraus- hin haben sich viele gemeldet, die sich zur Auf»abu>e von Kinderi bereirerlläit Haben. Die beifi'cke Negierung sorgt»ür die U-iler bringung der Kinder. Es ist ein AuSickuß gebildei worden, weifte: der Abteilung zur Seile stebt. Außerdem bestehe» solche AuSschüi!' in den einzelnen Kreisfiäoien und Laudoilcn. Aebnlicke Organiiaiionen der anderen LandcSobteillingen st» im Weiden. Man boffi. daß es aus diese Weiie gelingen weide. wenigstens einen Teil der Hnngeniven Wiener Kinder vor den: Schlimmsten zu bewahren. Am Montag sollen von Holland, an? ztvej weitere Lebensmitteln nach Wien abgehen. kleine politische Nachrichten. Die Preußische LoiideSversamm nng erledigte am Sonnal» eine Reihe tleinerer Etals, ferner die Erweiterung des Siadtlren? Hannover und daS Provmziaistatut sür die östliche Neslprovi. z Montag SiedlungS'esetz. Der Schulkonflikt. Im preußischen Staatsministerium herrsch! Einstimmigkeit darüber, daß es wünschenswert sei, zunächst errn Klärung der ausgeworfenen Frage herbeizuführen, inwieweit du strittigen Bestimmungen der Novelle zum Schulunterhaltungsgesey mit der ReichSverfassung in Einkkmg zu bringen sind. Dave: wurde insbesondere hervorgehoben, daß der vorliegende Gesetz- entwurf schon im Sommer dieses Jahres vor Beratung der Schul- Paragraphen der ReichSverfassung im preußischen Staatsministerium verabschiedet und der Landcsversammlung vorgelegt worden ist lieber die Notwendigkeit einer baldigen Verabschiedung der übrigen Paragraphen des Gesetzes herrschte allgemeine Uebcreinstimmung, Der AntiparlamciltariSmus durch Eitzungschwänzen scheint in das neue— Aktionspi ogramm der Unabhängigen aufgenommen zu sciu, Letzthin wurde in der Naiionalversammlung der sozialdemokratisch Antrag, auch das Kirchenvermögen zu versteuern, da- durch abgelehnt, daß nicht ein einziger Uiiavhäiigiger im Saale war. Nur Frau Agnes tbronte als Schristführerin droben aus steiler Höbst Adolf Hosimann. wat sachste eejentlich zu die Ministranlendienste von deine Parteisenosten? Bor dem Helffer'ichprozeß. Der Erste Staatsanwalt beim Land- gerichl I leitl mil:.In der Angelegenheit Erzberper— Helffei ick weist die FiaatsmiwaUschait den letzten in der Presse erhobenen Vorwurf, sie habe zu einer Verichteppung de« Verfahrens bei- getragen, mit allem Nachdruck zurück. Die Ermittlungen sind von ihr völlig objeltiv und mit der großen Beichleunigung beir eben worden. Obwohl Vernehmungen außerhaib Berlins durch die Bahn- sperre eine mehrwöchige Verzögerung erlitten, ist es gelungen, die umfangreiche AnUagescknst bereits etwa zwei Monate nach Ein- gang des SuasaiitrageS der zuständigen Strafkammer vorzulegen Wenn die Erhebungen nicht weiter ausgedehut worden sind, so ist dieS nicht gescheben. um Dr. Helfferich in der Freiheil seiner Be> wclssührung zu bcichränlen, sondern enliprechciid den Wünsch?!' aller Vetestiglen, daß im Voiv-lfahren die Beweisanfnabme möglichst beschränkt und die Enticheidiing über ihren Umfang der Haupl- Verhändlnng überlassen bleiben tollte." Tie französische sozialistische Partei beruft für den 25. bis 23. Januar 1920 eine Delegiertenversammlung nach Straßburg ein. Die Tagesordnung sieht u. a. die Behandlung der Aktion der porlamentarlschen Gruppe vor, sowie die Stellungnahme zur Utter- nrrtionolen Lage und zum Kongreß von Genf. Nicht Tyren», sondern Ttzrell heißt der künftige Vertreter Eng- lands in Berlin. Im letzten Verzeichnis der Beamten im Aus- wörtigen Amt in Bowying Street vom Jahre 1914 steht Sir W G. Tyrell als Prsbatsekreiär von Grey oerzcichuet, der damals, bekannilich Staatssekretär sür Auswärtige Angelogen- heiten war und gleichzeitig als.ltester Senior-Clerk des' Foreign Office, Er hatte also eine sichere Anwartschaft auf einen Aus- icmdSposten. Keine Lzqidation deutschen Eigentums»n Belgien. Die belgisch Regierung erklärt, sie werde die L i q u> d a t i«» des mit Beschm belegten deutschen Eiaentums ei».stellen, nachbem die deustck» Regierung die Verpflichinng übernomme» habe, die Summe vw "50 Millionen Franken zu zahlen. Die angekündigten Berkäu> seien bereits verschoben worden. .Die Verhaftung der belgischen Journalisten, die während des Krieges am„£e Socialiste Belge" mitgearbeilet haben,� I a m,« r. Longvi Ile und Lühs ist trotz Protestes der Advokaten von der Anklagekammer bestätigt worden. a Zrauen, öle nkcht öen Ruf vernommen... Zeit ist der Weg zur Befreiung der Frau I Heute, über zwölf .�iiate nach dem S. November 1Sl8, gibt es noch ungezählte änderte von Proletarierinnen, die sich'mit Händen und Füßen oagegen sträuben.„Proletarier' zu sein. Daß die Zahl dieser sich .bürgerlich' fühlenden Arbeitnehmer beispielsweise unter den weib- lichen Angestellten viel größer als unter den männlichen Angcstell- ten ist. mag seine letzte Ursache im gefühlsmäßigen Sträuben und Dagegenankämpfen der Frauen haben. Die Töchter de§ sogenannten Mittelstandes wollen, auch wenn die heutige Wirtschaftslage sie zwingt, vom l4. bis zum 60. Jahre oftmals unter den härtesten Entbehrungen auf eigenen Füßen zu stehen, einfach nicht Proletarier sein, weil sich für sie mit diesem Wort in überkommener fälschlicher Uebertragung der Begriff des Lumpenproletariats verbindet. Zum mindesten aber sehen fie in einem Proletarier einen ungebildeten, ja vielleicht unzivilifierten Menschen, mit dem sie glauben, keine Berührungspunkte zu haben, und mit dem sie in keiner Beziehung identifiziert zu werden' wünschen. Eine instinktive Furcht hält sie ab, sich eines Befferen belehren zu lassen. Und gerade wir Frauen besitzen eine gewisse Geschicklichkeit und Zähigkeit, wo unser Empfinden es uns verbietet, uns Verstandes- mäßigen Erwägungen fernzuhalten, indem wir uns einfach hinter der sehr energisch sein sollenden Phrase verschanzen:„Eine Er- örterung ist ganz zwecklos, es ist eben meine Ansicht und die lasse ich mir nicht rauben.' Wenn wir Frauen schon zu diesem Mittel greifen, dann haben wir nämlich bestimmt gar keine Anficht über den betreffenden Gegenstand. Eine Ansicht ist keine vorgefaßte Meinung, kein Vorurteil, sondern die Anschauung über eine Sache, mit der man sich reislich beschäftigt hat. Wenn wir eine wirkliche Ansicht haben, stellen gerade wir Frauen in unserem angeborenen Eifer, eine Ansicht zu beweisen und zu. verteidigen, sie auch gern zur Diskussion, und machen, Ivenn es nötig ist, Abstrichel .Also jene, die auf dem Boden einer anderen Weltanschauung großgeworden, fich zurzeit noch nicht zum Sozialismus bekennen können, find das größte Hemmnis in der Vorwärtsentwickelung der Frauenbewegung nicht, sondern die, die den Mangel eines jegliche» Urteil» mit einem bornierten Vorurteil zu verdecken suchen. Unter den Angestellten ist ihre Zahl noch ungeheuer groß. Diese bedauernswerten Unwissenden sind nicht zu bewegen, eine Versammlung zu besuchen oder ein Buch in die Hand zu nehmen, wodurch sie dahin aufgeklärt werden könnten, daß man mit Prole- tariern lediglich den abhängigen, auf Entlohnung angewiesenen Arbeitnehmer im Gegensatz zum Bourgeois, den selbständigen Arbeit- geber, bezeichnet. Sie wollen nicht hören, daß„Proletarier" nichts weiter als die Bezeichnung für die eine Klasse, nämlich die arbeit- nehmende, der bestehenden Gesellschaft ist, pnd daß für deren Zu- geHörigkeit, keineswegs höhere oder geringere Bildung, sondern lediglich ein leerer Geldbeutel bestimmend wird. Sie fürchten sich, zu erkennen, daß Proletarier sein nicht be- deutet: Schuster oder Schneider, auch nicht Gastwirts- oder Handlungsgehilfe, auch darüber hinaus nicht Künstler oder Schriststeller zu sein, sonder» dieses alles, wenn man nichts weiter hat als seine Arbeitskraft. die man als einzigen Lefitz gezwungen ist, denen zu verkaufen, die ihrerseits Kapital daraus schlagen. Sie fürchten sich vor dieser Erkenntnis, weil sie eines TageS aufwachen könnten— und sich Proletarier süblen! O Schreck! Sie begreifen nicht, daß man den Dingen, wie fie nun einmal liegen, festen Auges ins Antlitz sehen muß, denn nur so kann man ihrer Herr werden. Ist es so schwer, sich selbst und seine Lage zu erkennen, beschämend,„Proletarier' zu sein? Muß nicht derjenige, welcher gelernt bat, jede Tätigkeit, gleichviel ob Hand- oder Geistesarbeit, lediglich nach ihrem gesellschaftlichen Wert einzuschätzen, stolz sein, Proletarier zu heißen und die ersten Konsequenzen der gewerkschaftlichen und parteipolitischen Organi- sation daraus zu ziehen?! Frauen, die Ihr noch immer zu geblendet seid, um Eure vor- nehmste Pflicht, die Nebung der Solidarität gegen Eure Klassen- genossen, zu erfüllen, besinnt Euch schnell, denn die Zeit drängt und ist kostbar. Nur durch unseren freien Wille» können wir auf dem Wege der Demokratie zur Befreiung der ge- samten arbeitnehmenden Klasse, nicht zuletzt des weiblichen Ge- schlechtes gelangen.__ Grete Weinberg. HMerkschojbbeliMmg Sranchenkonferenzen in üer holzinöustrie. Der Deutsche Holzarbeiterverband, der in fich zahlreiche von- einander mehr oder weniger unabhängiger Berufe vereinigt, hat für eine größere Zahl derselben für die nächst« Zeit besondere Branchenkonferenzen einberufen. Die Berufe der Korbmacher und der Bürsten- und Pinselmacher geben bereits jetzt den Auftakt dazu. Bei beiden Branchen lag der äußere Anlaß in der Vorbereitung von Reichstarifen, beide haben gemein, daß neben Orten mit alter festgefügter Organisation und günstigen Arbeitsverhältnissen, kleine und abgelegene Orte mit bescheidensten Lebensgepflogenheiten und Heinlarbeit in weiterem Umfange in Frage kommen. Und auffallend trat bei beiden Branchen trotz der sonst hie und da auftauchenden Gegnerschaft zu den Tarifgemeinschaften ohne jeden Widerspruch nur die eine Meinung zutage, daß nur durch einbeit« liche Tarife einer Unterbietung der Preise auch bei der Ware Arbeitskraft begegnet werden könne. Der weitere Aufstieg der fortgeschrittenen bedingt das Mitnehmen der zurückgebNedenen Orte, die au» eigener Kraft am Auf stieg nicht teilhaben würden. Bei beiden Tagungen drehte sich der Streit nicht um die Frage des Tarifabschlusses an sich, sondern um deffen Inhalt im einzelnen und vor allem um die Zuteilung der einzelnen Orte zu den einzelnen Tarifklassen. Die Tarife rechnen als Grundlage sür die Akkordpreisbildung mit Stundenlöhnen, die fich etwa zwischen 2 und 3 M. für Erwachsene bewegen. Neu sind in den Tarifvorlagen die Bestimmungen über den Urlaub, der sich zwischen 3 und 10 Tagen nach 1 bis Illjähriger Beschäftigung bewegt und bei den Bürstenmachern auch auf Heim- a r b e i t e r ausgedehnt werden soll. Beide Konferenzen stimmten den Tarisvorlagen im Prinzip zu. Die Korbmacher, die am 7. und 8. Dezember in Erfurt tagten, konnten im übrigen eine wesentliche Hebung ihres ganzen Berufes einschließlich der Heimarbeiter in der KriegSzeit feststellen. Die Geschoßkorbfabrikation brachte in diesem Berufe Hochkonjunktur, die mit Hilfe der Organisation für die Ar- beiter ausgenutzt werden konnte. Seit Abschluß deS Krieges war das Jntereffe der Berufs- angehörigen auf Anpassung der Preise für die Friedensarbeit an die Zeitverhältniffe gerichtet. Der Fortschritt der Orgauisation war diesmal auch daran zu erkennen, daß ehedem kaum zugängliche Gebiete, so Oberfranken und das Land um Kehl in Baden ver- treten waren. In den gefaßten Beschlüffen sind Forderungen auf Schutz der Heimarbeiter gegen Ausbeutung und gesundheitliche Gefahren niedergelegt wie zum anderen auf Erweiterung der Werbe- tätigkeit der Zentralkommission, deren Sitz in Berlin bleibt. Die B ü r st e n m a ch e r hatten am 10. und 11. Dezember Vertreter von 31 Orten in Nürnberg versammelt. Hier fiel die Tagung mitten in die Tarifverhandlungen, deren Ausgang auf des Meffers Schneide stand. Die Entscheidung wurde durch das Ver- langen der llnternehmerorganisation gefährdet, die unter diesen Tarif auch die lediglich örtlich mit der Pinselindustrie zusammen- fallende Bleistiftindustrie haben wollte. Die Entscheidung steht noch aus. Der Sitz der Branchenzentralkommisfion bleibt in Nürnberg, als dem bedeutendsten Ort des Berufs. Zur Tarifbetveg ung der Bureauhilfskräste der Magistrate tstrost- Berlins. Es dürfte in der Oeffentlichkeit noch bekannt sein, daß, als der Streik der Bureauhilfßkräste ausbrach, der Magistrat Berlin be- müht war. die Schuld von sich ans die Hilfskräfte abzuwälzen. Im Interesse der Stadt und der Bevölkerung nahmen die HilfS- kräfte die Arbeit wieder auf, mit der bestimmten Erwartung, daß ihre gerechten Forderungen noch einmal Gegenstand der Vcrhand- lungen sein würden. Seiten? fast aller Vorortgemeinden wurde diesem Verlangen auch Rechnung getragen, indem sie bereit waren, mit der Organisation der Angestellten durch den Schlichtungsausschuß Groß-Berlin nochmals eine Enischeidung herbeiführen zu lassen. Wochenlang gingen die Kompetenzstreitigkeiten bez. des SchlichtungS- ausschuffeS Groß-Berlin hin und her. Als man jetzr glaubte, eine Einigungsbasis gefunden zu haben, ist eS der Magistrat Berlin, der von seinem Herrenswndpunkt auS erklärt, die getroffene Verein- barung für sich nicht anzunehmen und nur in Beratung über den Manteltarif einzutreten, während die Gehaltssätze für ihn als er- ledigt gelten. Dieses angesichts der sich immermehr steigernden Lebensmittelpreise und der soeben verabschiedeten Beamtenbesol- gungsrefornr I Die Angestellten bzw. die Organisationen werden hieraus die nötigen Schlüsse ziehen und fich in keiner Weise vom Berliner Magistrat von ihrem berechtigten Standpunkt abbringen lassen und die ihrerseits erforderlichen Schritte in die Wege leiten, um die Kollegen— auch gegen Berlin— zu ihrem Recht zu ver- helfen! Zeutralve'rband der Angestellten. Fachgruppe 2. Herr Walter Görges sendet uns eine Zuschrift, in welcher er sich gegen die Behauptung wendet, daß er bei den Wahlen zum Kuratorium sür den Arbeitsnachweis des Fleischergewerbes im Wahllokal sich unter die wartenden Wähler gemischt und versucht habe, diesen geschlossene Kuverts zuzustecken. Er habe vom Wahl- Vorsteher die Erlaubnis gehabt, als Vertreter seiner Organisation zwecks Aufrechtbaltung der Ordnung sich im Räume aufzuhalten. Seine, Herrn Görges, Entfernung aus dem Wahllokal sei geschehen, als er den Wahlvorsteher darauf aufmerksam gemacht habe, daß an der anderen Seite im Wahllokal Stimmzettel verteilt würden. Kuorrbrem'e und angeschlossene Betriebe. Montag, 15. Dez&r., vormittags 10 Uhr, Lichtenberg,„Logen-Kanno", ütnorrvromenade: Be- triebsverjammlung aller noch ausgesperrten Kollegen und Auszahlung der StreikuMerltützung. Verbandsbuch und Streikkarte und mitzubringen. Wer länger als sechs Wochen im Rückstand ist, erhält leine VervandSinNerstübung. Deutscher Mnsikerverband. OrtSvcrwaltung Berlin. Montag, 15. Dezember, vormittags 10 Uhr. im Milfiker-Bereinshaus, Kaissr-WUHelm- "waße 31: Mitgliederversammlung. Arbeiterausschusimitgliedcr und Bertranensleute der Reichs., Staats-«nd Heeresverwaltungen, gewerbl. Personal. Montag, 15. Dezember, abends 6 Uhr, im chewcrkschastShauS, Zimmer 48: Ver- trauensmännerversammlung. Zentralverband der Angestellten. Versammlungen am Montag, den 15. Dezember: Fachgruppe 7, Scltion C(Spezialgeschäste). Oestentliche Versammlung, abends 7 Uhr. in den Prachtsälen„Ait-Bcrlin", Blumen- straße 10. Tagesordnung:„Ter Tarifvertrag für die kaubnännischen Angestellten im Schubwarenhandel. Referent: Kollege Wille.— Fach- gruppe 17, Sektion d(Spirituosen), abends 7l/4 Uhr, in den„Sopicn- sälen", Sophienstr. 17/16.— Versammlungen am Dienstag, den 16. De- zembcr: Fachgruppe 1, Sektion a(Angestellte in Reichs- und Staats- betrieben), abends 6'/, Uhr. im„Englische» Hos', Aleranderstr. 27 o. Tagesordnung:„Das BetriebSrätegescb und die Staalsangestelltc»'. Rcserent: Kollege Burkicczal.— Fachgruppe 4. Seition d(Kranken- |(Kolonialwaren. Butter und Delikatessen). Mtgsiederversauunliuig abend», 7 Uhr, w den„AndreaS-Festsälen", AndrcaSstr. 2l. Tagesordnung: Bericht von den Tarisverhandlungen mit den Arbeitgeberverbände». Referent! Kollege Andrse. Fachgruppe 3, Sektion a(KriegSorganisationen), Dienstag nachmittags 4 Ubr: Mtgliederversammlung in der Aula der 157. Ge- memdeschule, Derfflingerstr. 18 a: Wichtige Tagesordnung. Parteinachrichten. Der Parteiausschuh trat Sonnabendvormittag unter dem Bor- fitz von Otto Wels im Reichstagsgebäude zu einer Sitzung zu- sammen, die aus dem ganzen Reiche stark beschickt war. DaS ein- leitende Referat hielt namens des Parteivorstandes Wels. Es schloß sich daran eine eingehende Aussprache über die gesamte innerpolitrsche und außenpolitische Lage, an der u. a. Reichskanzler Bauer, die Minister N o s k e, Hermann Müller und Otto Braun sowie der Fraktionsvorsitzende Scheidemann teil- nahmen. Die Verhandlungen werden am heutigen Sonntag fort- gesetzt. Soziales. kafscuangestellte), nachmittags 4 Uhr: Mitgliederversammlung in den „Musikersälcn", Kaiser-Witbelm- Str. 31.— Fachgruppe 17, Sektion a Arbeiter und öffentliche Gesundheitspflege. Die Zeiten, in denen derjenige Teil der öffentlichen Gesund- heitspflege, den man als Fürsorge zu bezeichnen pflegt, fast aus- schließlich in Händen von Vereinen lag, sind vorüber. Mehr und mehr hat sich die Erkenntnis durchgerungen, daß es Pflicht der Gesellschaft sei, diese Bestrebungen zu fördern und sie selbst in die Hand zu nehmen.— In zahlreichen Städten ist die Kommunali- siorung der öffentlichen Gesundheitspflege recht weit fortgefchritten. Und alle Anzeichen deuten darauf hin, daß Reich und Länder auf dem Wege der Gesetzgebung und durch besonders dafür zu schaffende Organe das Fürsorgewesen in Stadt und Land regeln und über- wachen werden. Auch die Aerztefchaft, die sonst allen So-zialisie- rungsbestrebungen auf dem Gebiete des Heilwesens ablehnend gegenübersteht, hat sich auf der kotzten Tagung des Leipziger Ver- bandes auf den Standpunkt gestellt, daß die Fürsorge in erster Linie Sache der beamteten Aerzte sei.— Es würde natürlich verfehlt sein— ganz abgesehen von den daraus erwachsenden finanziellen Schwierigkeiten—, die auf diesem Gebiete bisher tätigen Vereine auszuschalten. Denn zahlreiche ihrer Mitglieder besitzen erhebliche sozialhygienische Erfahrungen, die man unter allen Ilmständen benötigen wird, und die auszuschalten zurzeit ein großer Fehler wäre. Aus der anderen Seite ist es auch durchaus abzulehnen, wenn man den Vereinen nur die Mittel zur Ver- fügung stellen würde, ohne sie zum mindesten einer behördlichen Aufficht zu untepslellen. Weitaus der größte Teil der Vercinsmitglieder besteht aus Persönlichkeiten, die nichtproletarischen Kreisen entstammen, zwar häufig von sozialem Verständnis und Wollen erfüllt sind, aber der sozialistischen Weltanschauung ablehnend gegenüberstehen. Hinwiederum gehören die Fürsorgebedürftigen überwiegend dem Pro- letariat an. Dieser Umstand mag wesentlich dazu beigetragen haben, daß das Verhältnis zwischen fürsorgetätigen und ftirsorge- bedürftigen Personen nicht immer von dem wünschenswerten gegen- seidigen Vertrauen durchdrungen war. Aber leider fehlte und fehlt auch heute noch in weiten Kreisen de» Proletariats die Kenntnis und das Verständnis für die bestehenden Institutionen und De- strebungen. Es genügt deshalb nicht, wenn einzelne Mitglieder der sozia- listischen Parteien in der Stadtverwaltung oder in einer staat- lichen Behörde in der öffentlichen Gesundheitspflege tätig sind, son- der» eS mutz dafür Sorge getragen werden, möglichst viele Frauen und Männer aus den arbeitenden Schichten zu den Aufgaben des' Kinderschutzes, der Tuberkulose-, Geschlechtskranken-, Mkohol-, Krüppelfürsorge usw. heranzuziehen. So begrüßenswert der von der sozialen Frauenschule, Berlin, am 1. Januar 1920 beginnende Kursus zur beruflichen Ausbildung von Arbeiterinnen für die Betätigung in der Wohlfahrtspflege ist, so wird auch dieser Kursus der oben genannten Forderung nicht in ausreichendem Maße gerecht werden. Es kommt darauf an— trotz unverkennbarer Schwierigkeiten—, ehrenamtlich tätige Personen aus Arbeiterkreisen in großer Zahl zu gewinnen. Die Zahlabcnde sind geeignet, um alle einschlägigen Fragen ausgiebig zu erörtern.— Sache der Parteiorganisationen, GeWerk- schaffen und Stadtverordneten aller sozialistischen Richtungen wird es sein, die Parteimitglieder mit den bestehenden Einrichtungen vertraut zu machen und ihnen die Möglichkeit zu geben, dort aktiv mitzuarbeiten. Denn je größer die Zahl der für die Aufgaben der Fürsorge interessierten Personen ist, desto schöner werden die Ergebnisse der Arbeit sein. Und letzten Endes fängt der Erfolg der fürsorgerischen Arbeit doch von dem Verständnis und dem Vertrauen der breiten Massen ab. Um dies zu erreichen, ist niemand berufener als die eigenen Klassengenossen._ Dr. M o s b a ch e r. DaS„Konfumgenoffenschaftlichc Bolksblatt" hat mit seiner letzten Nummer die Auflagezahl tzon 700 000 erreicht. Das Blatt hat sich von dem durch den Krieg verursachten Rückgang der Auf- läge weniger leicht erholen können als viele andere Blätter. WetteranSfichte» für da« mittlere Norddeutschland bis Montag mittag. Vorwiegend wolkiges, teils nebliges Weiter be! schwachen Südostwinden und leichtem Frost. Keine erheblichen Niederschläge. Vcrantw. fvr den redaktion. Teil:«rtur ftlckl». Charloitenbura: fflr Anzeiaen: Th.®IoÄf. Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag s. m. b. L.. Berlin. Druck: Bor. wärts-Buchdruckerei u. Berlagsanftalt Paul Singer u. Co. Berlin. Lindcnstr. 3. Hierzu 4 Beilagen. Leipziger Straße Morlfeplafe Rotenttialer Straße K.öaigstreüße Leih- Bibliothek in allen vier Geschäften LeJeruxtren-A Iteilung Geldtaschen Lcder, fax Damen u. 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