Nr.«51. 36.Ichrg. Bezugspreis: VlertyI�ZHrl. 10,50 äüL.monotLS�O Ml. frei ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezug i Monatlich 3,50 Ml. ejtU gu- stellungsgebllhr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn b.75 Ml« für das übrige Ausland 10,75 Ml� bei täglich einmal. Zustellung 8.75 Ml. Postbeftellungen nehmen an Dirnemarl, Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schtveiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Der„Vorworts� mit der Sonntags- beilage»Boll u. Zeit" erscheint Wochen- täglich zweimal. Sonntags einmal. Telegraimn-Adresse: »Sozialdemokral verlin- Vevlinev VulKsblAtt (20 Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonpareillezeile lostet ILO M., Teuerungszuschlag 00%. «kleine Anzeigen-, das fett- gebruckte Wort 75 Pfg.(zuläsflg zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Echlasstellenanzeigen das erste Wort 65 Pfg., jedes weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%, Familien- Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen I SO Ml. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer miissen bis S Uhr nachmittags Ün Hauptgeschäft. Berlin EW 08, Lindenstraße 3, abgegeben werden. lSeiisniet van 9 Uhr früh bi» 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozlaldemokratl leben partel Deutfcblands Neöaktion und Expedition: SW. 6$, Lindenftc. 3. Fernsprecher: Amt Mori«platt, Nr. llZtiU»— ISI.S7. Sonntag, den AI. Dezember 1S19. vorwärts-verlag G.m.b. H., SW. 68, Lindenstr. 3, Fernsprecher: Amt Morittplatt- Nr. 117 SS— äl. enszu am vor öer Einigung in Paris. Aus Paris wird am Sonnabend gemeldet: Wie„Petit Parisicn" mitteilt, wird in der heute nachmittag stattfindenden Sitzung des Fünferrates Frankreich jedenfalls Vorschläge über die Lösung der Frage der Kompensationen für die zerstörten Schiffe von Scapa Flow machen. Marine- minister L e y g u c s und Wirtschnftsminister L o u ch c n r seien zu einem Kompromiß gelaugt. Frankreich werde auf seiner Forderung auf Lieferung der 5 leichten Kreuzer bestehen, werde sich aber entgegenkommend hinsichtlich der Lieferung des H a f e n m a t c r i a l s zeigen. Man habe Grund anzunehmen, daß England sich diesem Stand- Punkt nicht widersetzen werde. Tas Blatt glaubt, die alliierte Marinekommission in Berlin werde sich nach Danzig und Hamburg begeben, um Feststellungen über das Material der beiden Häfen zu machen.„Excelsior" glaubt sich berechtigt, nach Mitteilungen aus diplomatischen Kreisen diese Nachricht zu dementieren. Vorerst könne von keine? Feststellung an Ort und Stelle die Rede sein. Auch dieses Blatt glaubt, daß die notwendigen Rückfragen die baldige Lösung der Kompensationsfragc nicht lange hinausschieben werden. „Petit Journal" sieht deshalb voraus, daß die Unter- Zeichnung des Protokolls noch vor Weihnachten und der Ans- tausch der Ratifikationsurkunden so rasch erfolgen werde, daß der Friedenszu stand am 1. I a n u a r eintreten könne. Eine Reüe Lorü Cecils. „Nieuwc Rottcrdamsche Conrant" berichtet über die Sitzung im englischen Unterhaus weiter: Lord Robert C e c i l sagte, der Friede müsse sobald wie möglich in Krast treten. Eine N e v o l n- tion könne in keiner Hinsicht für die Alliierten von Vorteil sein und könne eine vernichtende Wirkung haben. Der Sturz der jetzigen deutschen Regierung würde nur zu drei Dingen führen können, nnd zwar zu einem vollkommenen Chaos oder zu einer Regierung der Sutzersteu Linken oder zu einer mili- tärischen Reaktion. Keines von diesen drei Tingen könne den AI- liierten von Nutzen sein. Cecil drang auf rasche Wicdcrhrr- stellung der diplomatischen Beziehungen mit Rufiland. Er sagte, die wahre Ursache des Bolschewismus und der revolutionörcn Ausschrcilnngen sei der H u n g e r. Solange die Lage im AuAande so verwirrt bleibe, werde England niemals zum Frieden in der Industrie und zur Wohlfahrt gelangen. Lloyd George sagte noch, bei der heutigen Lage in Europa müsse England dafür sorgen, das; es gesund bleibt? davon hänge die Zu- kunft der gesamten Zivilisation ab. Clemenceaus �ngst vor öer Reinwaschung. Die«Information" meldet aus Paris: Die Regierung hat auf Antrag Clemenceaus den sozialistischen Antrag auf B c r- öffentlichung der französischen Dokumente zum Kriegsausbruch abgelehnt. Tie Begründung hat man sich sehr leicht gemacht, indem man erklärte, dasi nachgewiesener- maßen die Schuld am Kriege Deutschland und Oesterreich tragen und eine Beröffentlichung der französischen Dokumente nur eine Reinwaschung gegenüber dem Auslande gleichkomme, waS Frankreich nicht nötig habe. Man hat also in Paris Angst, vor der Welt als unschuldig nnd reingewaschen dazustehen. Deutsch-französische Arbeit für Elsaß- Lothringen. Die deutsche Regierung hat sich verpflichtet, der französischen Regierung den Betrag von 25 Millionen Frank zu überweisen zum Zwecke der Entschädigung derjenigen Elsaß-Lothringer, die wäh- rend des Krieges wegen ihrer politischen Haltung oder Gesinnung durch die deutschen Behörden verhaftet, interniert, ausgewiesen oder zu einer anderen Geldstrafe verurteilt worden sind. Die französische Regierung hat sich demgegenüber bereit erklärt, das gesamte deutsche Mobiliar in Elsaß-Lothringen freizugeben. Sie hat eine Verordnung erlassen, durch die in einer für die Gerichte verbindlichen Form die Aufhebung der bestehenden Sequestrierun- gen deutscher Fahrnis in Elsaß-Lothringen und der am Tage des Abschlusses deZ Abkommens noch nicht durchgeführten Lignidatio- nen angeordnet und für die Zukunft in Elsaß-Lothringen die An- ordnung von Sequestrierungen, Liquidationen und Requisitionen deutscher Fahrnis, sowie die Abtretung deutschen Mobiliars an die Kriegsentschädigungsämtcr untersagt wird. Es wird durch, die deutsche und die französische Regierung eine gemischte Kommission von vier Mitgliedern, von denen jede Regierung zwei ernennt, in Kehl eingesetzt. Die Tätigkeit dieser Kommission ist bereits fest- gesetzt. §ür üie Hinterbliebenen öer Marlohopfer. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Die Hinterbliebenen der Matrosen, die in der Französi- scheu Straße erschossen worden sind, werden vom Reiche vcr- sorgt werden. Es ist Anweisung erteilt'worden, schlcu- nigst mit der Z a h l n» g von Vorschüssen zu be- ginnen, unbeschadet der endgültigen Regelung der zu gc- währenden Versorgung.__ Hastentlasinng v. Kesiels! ' Der militärische Gerichtsherr hat den Hauptmann v. Kessel aus der Haft entlasse:!, da die Voraussetzungen für ihre Fort- setzung nicht vorlägen. Als solche Voraussetzungen nennt das Gesetz: Flucht- gefahr wegen zu erwartender hoher Strafe, Gefahr der Ver- dunkelung durch Beeinflussung von Zeugen oder Beseitigung von Beweisstücken und Gefahr der Wiederholung der Straftat. . Auf Meineid steht Zuchthaus und was die anderen Vor- aussetzungen angeht, so sehen wir sie nach allen?, was bekannt geworden ist, durchaus als vorliegend an. Es handelt sich hier wieder um eine Herausfor- d e r u n g durch ein Militärgericht, zumal Zivilrichter die Voraussetzungen für gegeben angesehen hat. Wie lange werden wir diese Militärgerichte noch an der Arbeit sehen? Der Militär- und Lokalanzeiger erklärt, daß Noske mit der Enthastung nichts zu tun habe, für die der Gerichtsherr die ganze Verantwortung trage. Wir fragen: Wird vielleicht schon an dem Auslands- paß gearbeitet? Spät abends wird durch W. T. B. behauptet, daß ein „dringender Verdacht des Meineids" nach den bisherigen Ermittelungen nicht bestehe. Andere Momente, die eine Untersuchungshast rechtfertigen konnten, waren in dem Ver- fahren gegen Hauptmann v. Kessel überhaupt nicht vor- handen. So! Keine Verdunkelungsgefahr also! v. Kessel hat noch nie versucht, eine Straftat zu verdunkeln, Tätern zur Flucht zu verhelfen, Urkunden beiseite zu bringen, Zeugen zu beeinflussen und was sonst der Marlohprozeß über seine weitausgedehnte Tätigkeit enthüllt hat! Sind die Feststellungen im Marlohprozeß, ist der Eid des Zeugen Rump Luft?._ Nenners Sericht. Skaatskanzler Dr. Nenner.vertvies m der Wiener National- Versammlung auf den großen politischen Erfolg, welchen die Reise nach Paris darstelle. Die Krise sei übevlrmnden, sind es sei zu hoffen, daß nunmehr ein größeres Entgegenkommen der Entente an Oesterreich stattfinden werde. In den nächsten Ist Tagen werden täglich 7St> Waggons Kohlen nach Oesterreich komanen, außerdem würde Opsterrreich Kohlen aus dem Saargcbirt erhalten, da eine französische Firnia große Bestände von amerikanischer Kohle nach Frankreich bringe gemäß dem Diktat von St. Germain und so die Saarkohle weniger brauche. Von den: 40 Millionen-Dollarkredit seien noch 6—7 Millionen Dollar für Oesterreich zur Verfügung. Der Staatsianzler erklärte, daß alle Nachrichten über eine bereits gewährte große Valutaanleihe den Tatsachen widerspreche«. Der Oberste Rat will in keinerlei Aenderungen der Grenzen(zu welchen! Red.) einwilligen. Der Staatskanzler appellierte zum Schlüsse an die Parteien, nicht zu verzweifeln und alle Widerstände zu überwinden. Er schloß mit den Worten: Glaubt Ihr an uns, dann wird auch die Welt an uns glauben und unS Helsen." * Die deutsche Gesellschaft für staatsbügerliche Erziehung vcr- äffentlicht einen Aufruf zur Gründung von Lokalkomitees für die hungernden Kinder Oesterreichs. Er ist unterzeichnet vom Reichspräsidenten, vom Reichskanzler, vom Reichstagspräsi- deuten, Hindenfmrg, Mackensen. Feldmarschall v. Bülow, den Reichsministern Getzkcr, Koch, Mayer, Noske, Schiffer und einer großen Anzahl anderer bekannter Persönlichkeiten. Leider erklär: da? NeichswirEckiafiSministerinm, eS sei augen- b l i ck l i ch unmöglich und auch nicht vorgesehen, irgend eine Fort- setzung der auf vier Wochen beschlossenen Brothilfe für Wien er- neut vorzunehmen.— Wir sind überzeugt, daß das deutsche Volk, wenn es nötig ist, daS geringe Opfer auch weiterhin bringen wird. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres sind in Wien S2vtK mehr Todesfälle und KS 292 weniger Lebendgeburten im Vergleich mit dem letzten Friedenssähre zu verzeichnen, so daß der Gesamtverkust sich auf 121 306 beziffert. die Gefahren des Haffes. Die Schwierigkeiten für die Neuregelung der Welt fter- ben nicht aus. Die Machthaber der Entente werden jetzt wohl selbst erkennen, daß die deutsche Presse recht gehabt hat, als sie darauf hinwies, daß das in Paris an: grünen Tisch zu- rechtgemachte Idealbild für die künftige Ordnung der Welt nicht paßt. Mit der Absicht, die verschiedenartigen starken, wirtschaftlichen, nationalen, geistigen und Jnteressenströniun- gen der Welt in eine theoretische Schablone zu zwängen, lxiben sich die Herren stark übernommen. Man kann heute schon deutlich feststellen, daß die Entente die Unmöglich- keit erkannt hat, die künftige Regelung der Welt zu befehlen. Das politische Weltbild, das man zu konsolidieren hoffte, treibt immer mehr ins A n a r ch i s ch e. Ällent- halben gewahrt man täglich neue aufklaffende Schlünde, die sich nicht völlig überbrücken oder verkleistern lassen. Im Ver- sailler Vertrag hatte man ein Völkerbnndprogramn:, ans das sich alle geeinigt hatten und mit dem man der' Welt den ewigen Frieden bescheren wollte, aufgestellt. Die Verhältnisse waren jedoch stärker als die Menschen. Der Völkerbund ist in Gefahr. Die Politiker Amerikas ließen schon vor der Rückkunft Wilsons aus Frankreich erkennen, daß sie sich dem Völkerbund nicht unterwerfen würden.. Sie haben in der Folge eine Reihe von Vorbehalten aufgestellt, durch die Amerika eine Ausnahmestellung im Völkerbund erhalten soll. Nach dem, tvas jüngst bekannt geworden ist, muß man damit rechnen, daß sich diese Strömung in Amerika durchsetzt. Die übrigen Länder der Entente fühlen klar, daß daniit der V e r- sailler Vertrag überhaupt gefährdet wird. Wenn in Paris jetzt bei den Verhandlungen mit Teutschland über die notwendigen Garantien für die Durchführung des Frie- densvertrages die Ententevertreter sich einer versöhnlichen Haltung befleißigten, so liegt das nicht zuletzt daran, daß man die Unterstützung Amerikas für Europa nicht mehr im ge- wünschten Maße besitzt.' Im englischen Unterhause sind nun politische Differenzen zivischen England und Amerika ans Licht gezogen worden, die auf das Bestehen einer gewissen Spannung m i t Amerika schließen lassen. Amerika will sich die ansschließ- liche Herrschaft Englands in Persien nicht gc- fallen lassen. Weiter scheint Amerika sich in der türkischen Frage bis zur Grenze des Desiutcrcssemcnts zurückgezogen zu haben. Auch der französisch-englisch-amerikanische Schutz- vertrag wird''von Amerika sehr auf die kalte Schulter ge- nommcn. Amerika ist mit inneren Schwierigkeiten und mit der mexikanischen Frage so stark beschäftigt, daß es den Ueberschuß seiner politischen Kraft auf die aufmerksame Beobachtung Ostasiens konzentrieren muß. Belgien verlangt langfristigen Schutz durch England und Frankreich, den diese beiden Staaten ohne Amerika offen- bar nicht leicht zugestehen können. Frankreich, das unter dem Krieg am meisten gc- litten hat, und dessen nordöstliche Gebiete ans viele Jabre hinaus ein normales Wirtschaftsleben nicht ermöglichen können, ist verbittert, daß es die erwarteten Garantien für seine Zukunft nicht erhalten kann und daß England im Angesicht der ungeheuren Schwächung Frankreichs rücksichtslos die Politik verfolgt, die ihm seine Interessen vorschreiben. In Italien ist die Stimmung im Volke und in den Parteiest gegenüber dem Versäiller Vertrag sehr erregt. Italien ist entschlossen zu einer Aktion für die Revision des Versäiller Friedens. Die frühere Gegnersckiaft gegen Deutschland nnd Oesterreich ist so gut wie ausgelöscht. Nicht nur, daß Italien mit der Behandlung der Fiume-Frage unzufrieden ist, es verzeichnet auch die heftigsten Widerstände gegen die Art der territorialen. Ifen rege- l u n g E u r o p a s. Es will Ruhe an seinen Grenzen und ist überzeugt, daß die willkürliche Zersetzung der alten Donau- Monarchie einen Herd dauernder Unruhe bilden muß. „Corrier? della Sera" schreibt:„Oesterreich ist die Fehlgeburt einer Republik von Deutschen, die sich nicht deutsch nennen dürfen, Wien die Hauptstadt eines- Reiches ohne Reich." Italien will von dem Pariser Plan einer Donauföderation nichts wissen und ist in: Gegensatz zu seinen ehemaligen Verbündeten für die Verschmelzung Oesterreichs mit Deutschland. Insbesondere fühlt Italien, daß es durch den Krieg nnd durch den Gewaltfrieden völlig in die politische und wirtschaftliche Unterwerfung unter die Kredit und Rohstotke ge- währenden Großmächte geraten ist. In all diese Schwierigkeiten ist natürlich auch England verstrickt. Wenn der Völkerbund auseinanderfällt« muß auch England, das vielleicht am wenigsten geneigt ist, erhebliche Opfer für andere zu bringen, mit der Möglichkeit ganz neuer Politischer Konstellationen rechnen. England zeigt sich in höchstem Maße beunruhigt durch die Hai- tung Amerikas, das offenbar die Gewaltpolitik in Europa nicht länger mitmachen kann. Lloyd George rechnet anscheinend schon mit Ueberraschungen aus Amerika. Er erklärte im Unterhaus mit Bezug auf den Völkerbund: Er zweifle nicht daran, daß Amerika Mitglied des Bun- deS wird. Wenn es jedoch Mitglied werde unter Bedingungen, die nicht auf alle anderen Länder Anwendung finden, dann sei eS sehr schwierig, mit Menschen unter verschiedenen Ilm-- ständen an derselben Tafel zu sitzen, die eine Nation vollkommen frei und unbehindert, die andere Nation mit auf den Rücken ge- dundenen Händen, Wenn man zu einem Völkerbund komme, dann müsse es ein Bund von gleichwertigen Nationen sein, Lloyd Georg« sagte: Ohne im geringsten eine Vermutung dar- über zu äußern, waZ Amerika tun oder vielleicht tun wird, muß ich doch erklären, daß der Völkerbund von so großer Wichtigkeit für den Frieden des unruhigen En- ropas ist, daß die Regierung überzeugt ist, daß England auf jeden Fall auf dem Wege des Völkerbundes weitergehen muß. Aus diesen Sätzen spricht sehr deutlich das Bewußtsem der ungeheuren Schluicrigkeiten, die sich aus der Stimmung Amerikas gegenüber deni Frieden ergeben können. In diesem Artikel konnten natürlich nur andeutungs- weise die nächstliegenden Unstimmigkeiten dargestellt werden. Sie genügen jedoch, um zu erkennen, daß der Haß für den Frieden ein schlechterBerater ist, daß er zu Starrköpfigkeit, Verblendung und Uoberspannung führen muß, daß er der Vater immer neuer Komplikationen ist und daß das erste Erfordernis eines Friedensschlusses die Ueber- Windung J)er kriegerischen und zu Gewalttätigkeiten derlei- tenden Stimmungsrückstände ist. Ein dauernder Frieden, einVölk erb undkannnurausfried- l icher Gesinnung entstehen. Die Konsolidierung der Welt kann nur das Werk gemeinsamer, e i n t r ä ch- tiger Arbeit aller Völker sein. * DaS Amsterdamer„Handelsblab" berichtet drahtlos aus New York: Vorgestern erklärte L o d g e, daß er, was die Vorbehalte zum Friedensvertrag angehe, jetzt aiif seinem Standpunkt verharre. Der Scnatsausschnß für auswärtige Angelegenheiten ist auf Sonn- abend morgen zur Besprechung über die Entschließungen des Senators Kn o x zusaimnenberufen werden. Deutschlanös wirtschaftliche unö innerxolitische Lage. Das Budapester Blatt„Az Est" bringt eine Unterredung mit Re i ch s k a n z l e r Bauer. Der Berliner Redakteur des genannten Blattes, Herr Teri, stellte uns die Aeußerungen des Herrn Reichskanzlers zur Verfügung. Dieser antwortete auf die Fragen des Berichterstatters: „Tas Gefaniibilb des deutschen Wirtschaftslebens zeigt heute, daß sich die Lage im Laufe des Jahres ganz wesentlich g e- bessert hat. Tie schlimmsten wirtschaftlichen Lähmungserschei- iiungen, die sich nach dem Zusammenbruch im Jahre 1918 gezeigt habe», sind überwunden worden, aber noch befürdet sich das Wirt- schaftsleben Deutschlands im Zustand einer schweren Krise. Es fehlen uns nicht nur die Rohstoffe, die wir früher aus dem Ausland bezichen mußten, sondern es fehlen uns auch die- jenigen Rohmaterialien die wir aus bisher deutschen Gebieten be- zogen, die jetzt durch den Verlust des Krieges, durch die Bedin- Gingen des Waffenstillstandsverttags dauernd oder zeitweise von Teutschland abgetrennt wurden. Die Erze Lothringens, die Kohle des Saarlandes waren für unsere Industrie Faktoren erster Orb- lüing. Ihre Ausschaltung ist ein harter Verlust. Die ungeheure Kohlenknappheit zwingt uns, wie Sie wissen, zu immer schärferen Cm Such über Zrieöeich Engels. Von Friedrich Stampfer. Gustav Mayer hat schon mit seiner Lebensbeschreibung I. B. von Schweitzers eine Probe seiner hohen Kunst gegeben, mühsam gesammelten und gesichteten Stoff zu lebendigem Menscheubild zu gestalten. Diesmal hat er sein Können an einen noch viel würdigeren Gegenswaid gewendet, an eine Gestalt, die unserem Herzen viel näher steht als die des hochbegabten, aber moralisch nicht eindeutigen Erben Lassalles. Das Schlveitzer-Buch bleibt trotz aller Liebe der Verteidigung doch die Geschichte einer . Dekadenz und einer Episode, der erste Band der E.igcls-Biographie (Friedrich Engels in seiner Frühzeit 1829— 1851, bei Julius Springer-Berlin) ist die Geschichte einer Kraft und eines Beginns. Mayer ist kein Biograph im Sinne trockener Historie, er ist vielmehr Porträtist. Er gibt uns von seinem Helden nicht bloß zu hören, sondern er läßt:hn uns auch sehen, er ist kein Nekrologist, sondern er macht lebendig. Und so ist es Freude und Genuß, auf den vierhundert Seiten seines Buches das Leben des jungen Engels noch einmal miterleben, seine Gedanken mitdenken, sein« Kämpfe mitkämpfen zu können. Liest man's bei Gustav Mayer, so erscheint alles so selbstver- ständlich und einfach natürlich, auch daß dieser Fabrikantensohn aus Barmen einer der größten Vorkämpfer der sozialistischen Arbeiter- bewegung werden mußte, und erst langsam dämmert einem die Frage auf:„Warum gerade er unter so viel Tausenden?" Da? liegt aber nicht nur an der Darstellung des Biographen, sondern an der Eigenart seines Objekts, die richtig.herausgebracht zu haben, dann freilich auch das Verdienst des Biographen ist. Ueber allem, waS der junge Engels, und, ich möchte hinzufügen, auch der alte, getan hat. liegt ein gewisser Hauch frischer Naivität, jener Naivität im höchsten Sinne des Wortes, deren eben nur ein Genie fähig ist Das ist der Eindruck, den das Buch auf jeder Seite be- stärkt: Engels war ein wirkliches Genie. Wertet man rein geistig, so wird man Engels eigenes Urteil nur bestätigen können, daß Marx der Größere war. Aber Mon- sehen sind doch nicht nur'»ehr oder weniger gut funktionierende Gedankenfabriken, sie wollen als Ganzes, als Persönlichkeit ge- nommen sein, und da verdient Engels einen Platz nicht unter Marx, sondern neben ihm. Mayer» Buch ist i« hohem Grade geeignet, den Irrtum zu zerstören, als sei Engel? nur ein gelehriger Gehilse von Marx gewesen und hätte ihm auch sonst mit manchem ausgeholfen, ohne da» selbst ein zur Unsterblichkeit Bestimmter nun einmal nicht leben kann. Es zeigt uns. wie der junge Engels vor der gemeinsamen Abfassung des Kommunistischen Manifestes dem jungen Marx begegnet, ÄS«in Wurzelechter, auf anderem Boden zu gleicher Höhe Aufgewachsener, Gleichstrebender, geistig Gleich- berechtigter. Wie sich dieses Verhältnis der Koordination scheinbar zu einem Verhältnis der geisttgen Subordination gewandelt hat, und daß diese Unterordnung eben doch immer nur ewe scheinbare ßlieS, das zu zeigen bleibt da reizvolles Problem ffix bm Bio- Einschränkungen im Jndustrstbetrieb. EZ wird Arbeit, Mühe und Entbehrungen kosten, die Krise zu überwinden, aber sie wird über- wunden werden, denn der Lebenswille des deutschen Volkes ist stark. Ebenso wie auf wirtschaftlichem Gebiet läßt sich auch aus i u nerpo lit tsche m Gebiet zweifellos eine erfreuliche Besserung der Gesamtlage feststellen. Nur die Tatsache, daß politisch w�der größere Ruhe in Deutschland eingetreten ist ermög- lichte eine gewisse Gesundung und Stabilisierung der deutschen Volkswirrschaft. Di« schweren innerpolitischen Wirren, die die ersten Monate deS Jahres 1919 Deutschland gebracht haben, waren polt- tische Fiebererscheinungen an einem Volkskörpcr, der seelisch und wirtschaftlich zusammengebrochn war. Seit jenen Tagen ist eine Klärung und Besserung der Verhältnisse eingetreten. Die Demokratie und die Republik haben in der Nationalversammlung ein« sichere und große Mehrheit. Das klare Bekenntnis zur De- mokratte einigt die drei Regierungsparteien. Auf dem Boden der Demokratie wird sich die politische Gefundung Deutschlands voll- ziehen, aus diesem Boden werden die Fundamente zum Wirtschaft- lichen Wiederausbau Deutschlands errichtet.", Zur Einigungsfrage bemerkte der Reichskanzler: „Als Sozialdemokrat be � a u r e ich selbstverständlich die S p a I- tung der deutschen Arbeiter Partei auf das ttefite. Ich bedaure sie um so mehr, als 8i«s« Spaltung zu einem Kampfe von schonungsloser Art zwischen Heiden Richtungen geführt hat, der nur geeignet ist, der Sache des deutschen Proletariats auf» schwerste zu schaden. �Jch muß betonen, daß der alten sozialdemokratischen Mehrheit dieser Kampf ausgezwungen worden ist. Es sind immer wieder Versuche gemacht worden, die Kluft zwischen der un- abhängigen Partei und der alten Partei zu überbrücken, ich habe diese Versuche stets begrüßt. Nachdem sich aber jetzt auf ihrem Parteitag die unabhängige Sozialdemokratie Deutschland für eine Politik der Gewalt, für eine Politik der Diktatur entschieden hat, sehe ich keine Möglichkeit mehr, wie eine Einigung zustande kommen soll. Ich hoffe aber, daß bei den heute noch den unabhängigen Führern folgenden Arbeitern der gesunde politische Sinn mit der Zeit den Sieg davontragen wird. Es ist ein Unding, daß Arbeiter, die stets gegen den Militarrsmu« und gegen den Krieg gekämpft haben, jetzt den Bürgerkrieg als notwendig und erstrebenswert hinstellen. Tie bisherigen Errungenschaften, die das erste Jahr der deutschen Republik den Arbeitern gebracht hat, zeigen, daß im neuen Deutschland sozialistische Ziele auf friedlichem und gesctz- lichem Wege erreicht werden können. Sie könnten um so schneller und vollkommener erreicht werden, je schneller der Teil der deut- scheu Arbetterschast, der heute den radikalen unabhängigen Führern folgt sich von dvoen Politik der Gowaltanbetung wieder abwendet." Nschmals Anöner. Die„Freiheit", die drei Tage lang auf unsere Fest- stellungen nichts zu antworten wußte, hat sich einen Retter auS München verschrieben, der allerdings auch unanfechtbare Tatsachen nicht aus der Welt reden kann, sondern sich damit behilft, daß er Behauptungen widerlegt, die wir nie» mals ausgestellt haben. Der Münchener Mörderschützer erklärt erstens:„Es ist nicht wahr, daß das Attentat auf Auer geplant war." Als ob das unsere Anklage wäre! Wir haben behauptet und behaupten noch, daß die Auseinandersprengung des Landtags— begreift die„Freiheit" den Unterschied nicht, oder will sie nicht begreifen?— geplant war. Von den zwölf Schüssen, die der Arbeit errat von der Tribüne aus in den Saal feuerte, schreibt charakteristi- scherweise weder die„Freiheit" noch ihr Münchener Helfers- Helfer ein Sterbenswort. Es sei ferner nicht waht, daß die unabhängige Partei den Täter beschützt habe. Beweis: in der Zentralratssitzung habe Toller einen Antrag auf Verhaftung Liudners gestellt und dieser sei einstimmig angenommen worden.— Ach, wirklich, man hat einen Antrag angenommen! Und das Stück Papier, auf dem der Antrag stand, ist Lindner nach- gelaufen, das S t ü ck P a p i e r hat ihn am Arm gepackt und ins Gesängnis geführt?!— Wir fragen: W a s i st i n A n s- führung dieses Antrages geschehen? Antlvort: Nichts! Das Gegenteil ist geschehen. Man hat die graphen, dessen Lösung man mit Spannung entgegensehen darf, Der erste Stord reicht nur bis zte den Anfängen der geistigen Zu- smnmenarbeit, die die beiden Männer dann für Jahrzehnte ver- einigte. Was hat aus dem Knaben, der in strenger Piettstenzucht in einem Fabrikantenhause ausgewachsen war, einen Vorkämpfer der Arbeiterbewegung gemacht? Die Freude an großen Auf- gaben, die Freude am Helfen dort, wo das Helfen am allernöttgsten ist! Wenn man Laffall« seine spielerische Eitelkeit vorgeworfen und selbst gegen Marx den Verdacht geäußert hat, es sei ihm manchmal mehr daran gelegen gewesen, recht zu haben als recht zu tun, so reichen solche Vorwürfe an Engels sticht heran. Er ist ga?iz ohne Eitelkeit, ohne Pose cncd ohne dogmatischen Starrsinn. Wenn er gewonnene Erkenntnis freudig verkündet und mit allen Fasern an ihr festhält, so doch nur, weil jede Erkenntnis— und auch jeder Irrtum— für ihn mit einem tiefen Gefühls wert verbunden ist. Engels ist in seinen Erkenntnissen und in seinen Irrtümern immer Optimist. In diesen objektiven allmenschlichen Optimismus entlädt sich sein Kraftgcfühl, das sich bei wenigen ge- sunden Naturen nur allzuleicht in übersteigertes Selbstbewußtsein verliert. Engels glaubte wohl an sich selbst, denn wem, er auch bescheiden von sich dacht«, so blieb er doch weltenfern von neurasthenischer Selbst- Verkleinerung, mehr aber glaubte er an andere, die ihn größer dünkten, und vor allem glaubte er an das Proletariat, an die englischen, die ftanzöfischen, die deutschen Arbeiter. Er erwartet vom EharttSmuS, den er besser ksn-nt als irgendein anderer Deut- scher, dann von den politischen Machtkämpfen in Frankreich und Deutschland die soziale Revolution. Seltsam der Widerspruch, wie er mit kühlster kritischer Verstandesschärfe miterlebte Ereignisse, so den badischen Aufstand, den er mitkämpfte, zu beurteilen versteht, und wie sein Blick zu schwärmen beginnt, wenn er sich in das Dunkel der nächsten Jahre wendet! Wir versieben heute diese Ueber- schätzungen aus einer Art der verkürzten Perspektive: zum erstenmal war Ziel und Richtung klar erkannt, kein Wunder, daß die Km, st, Entfernungen abzuschätzen, versagte I Wäre die Marx- Engelssche Lehre von Anfang an mit allen Wenn und Aber und Einerseits und Andererseits aufgetreten, die sich ihr im Lause ihrer Eigenentmicklung notwendigerweise angehängt haben, so hätte ihrer Wahrheit die Schnellkraft gefehlt und sie wäre bestenfalls tüchtige Professorenarbeit gewesen, nicht weltgeschichtliches Genwwerk. Meyers Buch mag uns helfen, diese Lehre als ein« Tat auS ihrer Zett heraus zu verstehen, dann wird uns auch der tragische Irrtum derer offenbar werden, die glauben, geschichtlich zu handeln, indem sie das Werk von Jung- Marx und Fung-Engels aus der 4Ser RedoluttonSzert getreulich nachklischisren. Marx und Engels waren im 48er Treiben«infam und eigentlich einflußlos geblieben, weil sie ihrer Zeit geistig weit vorausgeeilt waren. Sie schufen damals neu« Methode,, für die Menschen, sich in den Wirren ihrer Zeit zurechtfinden. Der Fehler des buchstabengläubigen NachbetertumS besteht nun darin, daß es diese Methoden weder zu noch gar sortznbilden vorstand, sondeon die von den Anheftung Les FahnSu-ngsplokats der(Maats- anwaltschaft mit Listdners Signalement verboten, man hat mittels der Zensur die Zeitungen verhindert, ihre Ansicht über Hergang und Charakter der Tat auszusprechen. Zu dritt behauptet der Münchener Mörderschützer, es sei nicht wahr, daß Lindner sich nach der Tat in München frei bewegen konnte oder sich gar i m L a n d t a g s g e b ä u d e (dem Sitz des Zentralrats) aufhielt. Wieder zum Teil etwas, was der„Vorwärts" nie behauptet hat. Der„Vor- wärts" behauptete vielmehr in Nr. 114 vom 3. März 1919 und behauptet noch: Der Mörder Lindner hielt sich mehrere Tage im christlichen GcwerkschaftShaus, Pestalozzistt. 1, auf. Dieses Gewerkschaft»- Hans war von Spartakisten besetzt. Diese haben Lind- ner in jeder Weis« beschützt. Der Münchener Komplize der„Freiheit" glaubt aber den Spieß umdrehen und dem„Vorwärts" Lüge vorwerfen zn können, weil wir 12 Stunden nach der Tat, in der S o n n- abend- Morgenausgabe vom 22. Februar 1919 infolge einer bedauerlichen Falschmeldung berichteten, daß auch Roß- Häupter und Timm ermordet worden. seien. Wir haben s e l b e-r zu Beginn der Polemik offen auf diese Falsch- Meldung hingewiesen, deren Entstehung aber nur dadurch möglich war, daß der revolutionäre Arbeiterrat uns die direkte Verständigung mit München unmöglich machte. Der Bube der „Freiheit" besitzt aber die schamlose Dreistigkeit zu behaupten, daß iwr„Vorwärts" sich geweigert hätte, seinen Irrtum zu berichtigen. Auch hier können wir den absolut kla- re n Gegenbeweis erbringen. Denn in Nr. 99 des „Vorwärts" vom Sonntag, den 23. Februar, steht groß und breit folgendes zu lesen: Minister Auer befindet sich noch am Leben, die Operation soll gelungen sein.— Timm... wurde überhaupt nicht verletzt. Das Ministerium des Aeußern teilt mit: Entgegen umlaufenden Gerüchten, daß in München ein Blutbad angerichtet lvvrden ist, wird festgestellt: Kurt EiSner wurde von Graf Area- Valley ermordet. Im Landtag ist Auer schwer verwundet wordnn ZlbgeordiTeter Osel(Zentrum) ist tot, zwei Ministerüribeanite sind verwundet, Minister Rosihaupter ist in Sicherheit. Alle Ge- rächte, daß noch andere Personen tot oder verwundet seien, sind unbegründet. Vollständiger, rascher und loyaler konnte Wohl die Falsch- Meldung nicht berichtigt werden. So sieht die„Weigerung" des„Vorwärts" ausl Bei der„Freiheit" warten wir freilich noch heute vergeblich darauf, daß sie ihren Lesern auch nur ein einziges der unzähligen Details über die Tat mitteilt, durch die un« sere Behauptungen bewiesen werden. f!uch ein Hochverrat. Die Führer der bayerischen BeamtengewerksSaft während der Münchener Räterepublik Jntendanturrat Schmidt und Postsekretär Wolfs sind vom Volksgericht in München einstimmig wegen Beihilfe zum Hochverrat zu je IVz Jahren Festung mit vierjähriger Bewäh- rungssrist nach fünf Monaten verurteilt worden.— Sie baiten bekanntlich an die Beamten die Aufforderimg gerichtet, auch unter dem Räterurnmel ihr Amt zu versehe». Diese Aufforderung war einmal im Interesse des Volkes gelegen und andernfalls wären die Beamten eben gezwungen worden. Mehrere Zeugen haben bekundet, daß die beiden Angeklagten sich als Mehrheitsiozialisien betätigt haben. Leider liegt uns ein maßgebender Bericht noch nicht vor. Die Steuergesetze im Reichsrat. Der Rejchsrat hat im feiner Sitzung am Scmnabeud dem Gesetz über das Reichsnotopfer, Wer die S o z i a l i s i e r u n g der Elektrizitätswirt fchaft und dem Umsatzsteuer- g e s e tz in der von der Nattcmalversa!nml.ung beschlossenen Fassung seine Zustimmung erteilt. Meistern mit Hver Hilfe erzielten ersten Resultate als un- zeobrechltche, keiner Verbesserung bedürftige Endwahrheiteu dem Reliquten schrei» seines Geistes einverleibte. Es ist gar possierlich zu sehen, wie sich in der neu bommmiisttschen Ltteratur mancher bemüht, im Jahre 1919 genau so zu schreiben, wie Marr und Engels im Jahr« 1849 geschrieben haben. Aber der Glaube, daß diese Männer heute wieder genau so schreiben würden wie damals, ist ein Aberglaube, denn s i e waren nicht danach angetan, siebzig Jahre zu verschlafen und nicht» aus ihnen zu lernen. Wie gerade Engels die Jahrzehnte nach seiner ersten Cut- täuschung mit offenen Augen miterlebt und wieviel er in ihnen ge- lernt hat, das hoffen wir bald von Gustav Meher zu hören, d.un fern erster Band ist, wenn auch für sich ein geschlofsen-reifes Werk, so doch nicht minder ein großes Versprechen. Obgleich mit Wissens- stoff reich belastet, entläßt er uns mit einem Gefühl der Spannung für das Kommende, wie etwa der erste Band eines trefflichen Romans. Und das kommt daher, weil in ihm trotz aller Literatur, Philosophie und Politik Menschliches menscylich gestaltet ist. Man kann da lesen, wie ein prächtiger Mensch ein großer Denker geworden und dabei doch ein prächtiger Ptensch geblieben ist, frisch und einfach, herzlich und bescheiden, in seiner alles Persönliche zurückstellenden Sachlichkeit eben erst so echt persönlich und durch und durch gesund! So war Friedrich Engels. Das Geschlecht beeiferter Schwächling« und ofenhockender Trübsalbläser läßt er weit hinter sich, und wie wir ihn durch Kontor und Bücherei männlich und wohlgemut ins Weite schreiten sehen, ist es un», als hörten wir leise«in« Rüstung klirren und al» schimmerte etwas Wer dem Haupt wie Götzens Helmbusch. Theater. In der Volksbühne wird an de» ersten beiden Feier tagen abends 6'/, Ubr„ezötz", am dritten Feiertage zum 50. Mai«.Maß lür Maß", Ansang 71/, Ubr, gegeben.— In den beiden heute und morgen stattfindenden, P a l e st r i n a'.Aufführungen gastiert Karl Erb vom Nationaltbeater zu München in der Titelrolle, die er bei der Uraufführung deS Werkes in München vertreten hat. In der kommenden Woche führt die StaatSoper wieder aus HumperdimkS.KönigSkindcr' am 23, Dezember, LisztS.Heilige Elffabelb' am 28, Dezember,— Im N o s e- T b e a t e r wird am 28. Dezember, nackm. 3 Uhr, die Tragödie von Gustav Stahlberg„Rose Frommhold' wiederholt. Fontane»um Gedächtnis veranstaltet der Verband märkischer Wandervereine am 28. Dezember, vormittags 11 Uhr, in der.Urania', Taubcnstraße, eine Feier. Dr. Olga Stieglitz spricht, OSkar volle wird in einem Lichtbildervortrage mit Fontane durch die Mark wandern. Die Vereinigung der Ehinafreunde veranstaltet am 22. Dezember, abends 8 Ubr, in den Räumen des Jatbo-VerlageS, Rankestr 3S, einen Empsang, bei dem der jungchinefische R-jormer Liang Tichi tschau über die geistigen Strömungen und sozialistisch-u Forderungen unserer Tage vom Siandpunlt der Chinesen sprechen wird. Im Anschlug werden chinesische Dichtungen vorgetragen. Die Leipziger Volksbühne, um deren EnMehnng sich der Bllbnen. schriststever Robert Overweg entscheidend gemüht bat, begann ihre Arbeit mit Sbakespeares.SommcriiachtSIraum'. Das Theater wurde von Affred Liebig durch den Umbau eines Hotels am Bayerischen Babnhos geschaff-n. Es sagt 1200 Plätze und ha, nur das Parkett und emen Rang. Di- tünst. lerische Leitung hat Fritz Biehweg, der Direktor deS Leipziger Schauspiel- Haus«». Nr. 651 ♦ 36. Jahrgang 1. Seilage öes vorwärts Sonntag, 21. Dezember 1 91 H französische Sozialisien, hört! Wir erhalten Mitteilungen über die Zustände im fr an- zösisch besetzten Gebiet, denen wir das Folgende ent- nehmen: Daß man uns schwarze und gelbe Franzosen ins Land ge- legt har, war zu erwarten; da« sich diese Kerle ärger als die Schweine benehmen, darf niemand verwundern, dah aber in Wiesbaden jene Straßen, die in der Nähe der Kasernen liegen, bei der jetzl herrschenden Tuntelheit von Mädcken und . Frauen abends nichl mehr begangen werden können, weil Ueber- fälle auf der Tagesordnung stehen, ist dock zu viel. Dabei gehen diese Ueberiälle nichl immer glimpflich ab. So liegt jetzt eben wieder eine Frau im Krankenhause, die einen doppelten Beinbruch erlitten hat, als ein Kerl sie aufs Pflaster niederwarf; daß er verscheucht wurde, weil die Frau furchtbar schrie, als er ihr init seinem Seitengewehr die Kleider zerriß, war noch ein Glück für sie. Was aber tun die Franzosen nun? Ein Offizier erschien bei der Frau und fragte sie, ob sie den Angreiser wiedererkennen würde? Bei der dichten Finsternis I Da sie nein sagte, folgte ein Kopfschütteln und die Sache ist wieder einmal erledigt. Ueberhaupt die französische Justiz! Es weiß jedermann, daß die Urteile schon serliggeschrieben vorliegen, wenn die VerHand« lung beginnt. Bei einem der früher zahlreichen Zopfabschncider- prozefie wollte ein Mädchen aussagen, daß der eine Angeklagte an diesem Abend überhaupt nicht in dem betreffenden Orte an- wesend war. Daraufhin wurde sie von dem Borsitzenden angefahren:„Was haben Sie für Ursache, für den Angeklagten günstig auszusagen? Sind Sie mit ihm verwandt? Sind Sie seine Braut? Haben Sie ein Verhältnis mit ihm?" Eine Belastungszeugin hingegen, der man von weitem schon das Gewerbe ansah, wurde vom Gerichtshof empfangen mit den Worten:„Sagen Sie ruhig aus, was Sie wissen; die fran- zofische Notiojr schützt Sie jetzt und für immer!' Entlastungs- zeugen wiederum wurden voni Vorsitzenden ermahnt, streng die Wahrheit zu sagen, was der Dolmetscher so übersetzte:„Wenn Sie nicht genau die Wahrheit sagen, das heißt, wen» Sie heute etwas anderes sagen als in der Untersuchung, werden Sie ins Ge- sängnis kommen I' Man läßt Verhaftete wochenlang sitzen, ohne ihnen den Grund zu sagen, man läßt sie hungern, schlägt sie und reizt sie aus jede Weise, um sie zum offenen Widerstand herauszufordern, damit sie dann möglichst streng bestraft werden. Besonders frühere deutsche Offiziere werden in dieser Weise behandelt. Ein Gärtner halle einmal, weil die Kinder des einquartierten französischen Offiziers wiederholt seine Beete zertraten, einem einen leichten Klapps ge- geben; er wurde zu ein paar hundert Francs verurteilt, aber der Villenbefitzer mußte den schon seit mehr als 10 Jahren bei ihm angestellten Mann entlassen. Was soll man diizu sagen, daß deutsche Beamte sich in den Dienst der sranzösischen Rachsucht stellen? So soll in der Strafanstalt W i t t l i ch bei Trier der Direktor die von den Franzosen zu Gefängnis verurtetlteu Deutschen vollkommen als Zuchthäusler behandeln. Eine Anzeige, oft eine Denunziation niederlrächiiger Nachbarn, daß jemand von Frankreich her noch irgendeinen Gegenstand besitze, genügt, um den Mann zu der« haften und bei ihm Haussuchung zu halten. Aber kaum glaub- lich ist es, daß in einem solchem Falle, als die Franzosen schon abziehen wollten, da sie nichts finden konnten, der sie begleitende deutsche Gendarm sie noch auf zwei kleine Nippiachen auf« merksam machte, die tatsächlich aus Frankreich stammten, ob aber aus dem Kriege, ist fraglich. Der Deutsche wurde streng ver- urteilt, der deutsche Gendarm aber öffentlich in den Zeituvgcn belobt. Bei einem Gespräch wurde erzählt, daß in Ludwigshafen drei Franzosen in den Rhein geworfen worden seien. Ein Gerichts« affessor aus St. Goarshausen benierkte dabei scherzweise:„Bei uns ist der Rhein auch reckt nahe". Hierfür wurde er von dem fran« zösischen Militärgericht zu einen, MonatGcfängni-Z und 3l)v<) Francs, d. h. mach deutscher Währung 13— l-tOOV M.. verurteilt.— Solche Urteile könnten wir täglich bringen, eS fehlt uns nur der Platz. Die einzige Hoffnung der unter der französischen Besetzung seufzenden Bevölkerung ist, daß die Zustände nach Jnkraftrelen des Friedens sich bessern. Die nordfranzösische Presse veröffentlicht zahlreiche Klagen, die sich gegen Uebergriffe englischer Soldaten richten. In Boulogne sur Mer sind zwei englische Krankenschwestern mit durchschniltener Kehle ausgefunden worden; als Täler ivurden schließlich zwei schottische Soldaten verhaftet. Die französische Presse stellt Be, trachtungen darüber an, welche Unmenschlichkeit in. einer Gebiets- besetzung durch fremdes Militär liegt. Wir fragen die anständigen Menschen in Frankreich und in der Kammer, deren es doch genug gibt, wir fragen insbesondere die Sozialisten, wie lange die Bc« srtzung deutscher Gebiete durch soll? Senegalesen und Anamitcn fortdauern Für"Weilrnac Seidene Blusen Ä-. !n Waschseide...... M. Seidene Blusen In Chinakrepp...... M Jupons In Wolle. M. OC>.- Jupons in Seide. M./ O.— Seidene Morgenröcke In eleganiesler Ausfülrrung Mädchen-Mänlel IUr d AU. v. 4 Jahr. M. Jede weitere Größ:3.— M. mehr Backfisch-Mänlel HO.-135.— Backfisch«Tanzkleid. In aparlen Formen,. M. 190-S50- FOcB,Se/alaskakarb. von, Skunks-Kanln-Kollier Kreuzlüchse- Weissfuchse Fuchs- u. Kragenform M. ISO.— Muff.. M. 1.-40.— 1 Nord. Füchse- sehr preiswert PöliKIHcSlllCil eigener Fabrik afion, in Bisam, Persianer, Breif-| In la Elekfrik-Kanin.__ .......................................................... SChWanZ, Maulwurf ZU VOrfeilhaffen Preisen. I 123 cm lang......... 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Januar 1920 fällig werdenden Zinsscheine durch unsere Hauptkasse nur gegen Vorlegung einer Einlösungsbewiiligung des zuständigen Finanzamtes eingelöst werden; im übrigen aber durch die Bankeinlösungsstellen, bei denen die Schuldverschreibungen oder die laufenden Zinsscheinbogen niedergelegt sind. 1277D Große Berliner Straßenbahn. Stammeln, Lispeln, Nervosität und Angstgefühl vor dem Sprechen, Atemnot etc. beseitigt gründlich Or. Schräders Spezial-Institot für Stotterer etc.» 1078* Berlin W, Lülzowsfraße 30. Spr. 4-7, auß. Sonnabend u. Sonntag. Jeder,derstofterfreisijigt.erhälteineflieflendenatürLSprach V Ankauf von Juwelen, Perlen, Gold, Milberachmnck Belmonte& Co., Juwellere, Leipziger Strafte 97, Köalgstr. 30. Frische Räucherfische (oerfch. Arien) in Postpaket. 9 Pfd. Znh cinscht! Porto u. Berpackg. ÄiL 31,— per Nachnahme ü.(Eilboten. Wllh. 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Wenn die Höchstgrenze über 20 Proz. festgesetzt wird, so ist grundsätzlich Einspruch einzulegen. Bei den auf Grund dieses Einspruches anzubahnenden Verhandlungen soll nach« drücklich darauf hingewiesen werden,.daß allein durch Bewilligung von Mitzuschlägen die Unterhaltung der Häuser durch die Ver« mieter erfahrungsgemäß nicht gewährleistet wird". Ueber die Trennung der Heizungskosten von der Miete wird gesagt, daß diese deswegen erfolgl sei, um den Vermietern von Häusern mit Zentralheizung eine Erleichterung zu ver« schaffen. Nach den gesetzliche» Bestimmungen sind die durch Heizung tatsächlich entstandenen Kosten maßgebend. Die Ver« mieier sollen darüber Buch führen und dieses dem Mieterausschuß vorlegen. Die Verordnung wird damit begründet, daß die SSohmmgSnot inimer mehr anwächst, voraussichtlich der fehlenden Baustoffe wegen noch einige Jahre andauern wird und damit auch die Gefahr weiterer ungerechtfertigter Mietfteigc ungen entsprechend größer wird. Der nicht überschuldete Hausbesitz wird nach der Meinung deS Ministers durch die neuen Bestimmungen nicht ge- schädigt. Bei der Festsetzung der Höchstgrenzen der'Mieten werden die Gemeinden zu berücksichtigen haben, in welchem Maße die Steuern, die Preise für Woffer und Beleuchtung sowie die Hppothekenzinsen gestiegen sind. Gegenüber der eingetretenen Er« böbunq der Unkosten ist aber bei Festsetzung der Höchstgrenze zu berückfichrigen, daß die geschäftliche Lage der Hausbesitzer gegen- wärrig in mancher Hinsicht erbeblich günstiger als in der Zeit vor dem Kriege ist. MietauSsälle infolge des Leer- stehenS von Wobnungen falle» ebenso fort wie die Kosten für Wohnungsangebote und Vermittlungsgebühren. Mit besonderem Nachdruck wird in dein Ausfübrungserlaß darauf hingewiesen, daß den Hausbesitzern Konjunkturgewinne nicht zuge- billigt werden können._ Zum Betriebsrätegesetz nahm die Obmännerkonferenz der Auge st eilten und Arbeiter der Reichsbetriebe am Sonnabend Stellung. Der Referent A u f f h ä u s e r, sowie die Abgeordneten W o I d t 20 M. ende Lreuzfuchskraaen Entzückende sehr preiswert. Pelzfutter «öM. Herrenpelzkragen 4» M. oerkaust solange Bort trat Pelzwarenhaus Noseathale« Straf,»»0/41 und Znvalldenstrah« 1, Ecke Brunnenstraße.* »delloacr Sitz blau u. farbig JacRetl. Anfüge Jacketts u. West. HOSezi vcanehmo Skreilenmualer.,, risusst« Formen.......... Sj>Ort5>el2Je verschied. Fellarfen Jiiiiöl--JaicRelt- Anfüge JUngllngs-Ulstes*......... Sieppunler hosen torjagd und Rehe 24 M. Keine Filialen mehr BoenSohn ana VerkaufssleUo Wur CH nn d s e e s t m s s e 29-30 Heute Sonntag von 1 bis 6 Uhr geöffnet. Nor 1 1 Prlscb gerösteten A Katfee Jv Hershey Wan Eta Schweizer Franz; JSsis.■' Schokolade Kakao JLindt-Kakao1 Kohl er-„ frz. Kognak, X Wachhol. Likör�» � diverse Liköre � � Pfefferkuchen � � Wallnfistse X Haselnüsse v*. 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Nur als die Fackel auf der See erlosch, hart an der jüti- sehen Küste, die zitternde, schwankende Notfackel, als die grauen Segel jäh aufs Waffer schlugen, da ward es urplötzlich stiller, und es schen, als müsse der Wind sich befrnnen. Wo eben noch der ge- waltige, wilde Nordlandswcllf geheult hatte und umhergesprungen war, lag eine riesenhafte, graue Katze auf der Lauer. Fünf weisse Häuschen, die in der Dünenmulde standen, waren die Mäuse, die sie nicht aus den Augen lietz. Und kaum daß einer zehn zählen konnte, richtete sie sich pfauchend und zischend auf. Der aufgewühlte Dünensand hagelte schver gegen die Fensterläden. Lange, wehe Klagetöne hallten um Dächer und Giebel. Die See aber schrie noch zorniger gegen die Wolken, höb die weißen Häwp- ter noch höher und rollte noch wilder über den Strand. Es war Flut geworden. Das kleine gelbe Nachtlicht wurde unruhig. Ein großes, starkes Mädchen stand neben dem Tisch und band sich die Flechten auf. Eine Weile guckte sie fragend in den Spiegel und dachte: bist bald alt geworden, Karen!— dann suchte sie Rock und Jacke und zog sich dick und warm an. Sie band ein schwarzes Wolltuch um den Kopf und zog Handschuhe an. Das Gekeuch des Windes und das Gebrüll der See hatten sie geweckt. „Kären! Niels streckte sein bärtiges Gesicht aus den roten Kissen und richtet« sich halb"auf. Verschlafen sah er sie an. „Flut." Sie hatte sich eine Tasse Kaffee eingegossen und trank langsam. Er brummte etwas Undeutliches, dann stieß er den neben ihm schnarchenben Jens an und rüttelte ihn wach. „Flut, Jens. Steh auf, Jens. Mach dich klar, Jens." Aber Jens schalt und knurrte.„Laßt mich schlafen. Morgen — nachher— gleich— ja, ja." „Dann haben die andern den Strand rein," brummte Niels, aber Jens schnarchte und war Nicht wieder zu ermuntern. „Allein geh' ich auch nicht los," sagte Niels und legte sich die Kissen zurecht. Es war unter der Decke doch wärmer als draußen. „Leg dich auch wieder hin. Schlaf noch'ne Stunde oder zwei... meinetwegen... zwei.. Aber Karen schüttelte den Kopf und ging hinaus. „Wenn was da ist, holst uuS," rief Niels ihr nach und hörte noch im haßbon Traum, wie die Tür klappte und der Wind auf- heulte. Zugleich fühlte er, wie die Kälte hcreinschlug, und er zog ohne Bedenken die Beine etwas höher und steckte den Köpf tiefer unter die Decke. Dann flog die Tür zu und es wurde stiller. Das Mädchen tastete vornübergebeugt über die Dünen nach dem Strand. Der Wind war so stark und so kalt, daß er ihr fast den Atem benahm und sie sich dann und wann unidrehen mußte. Wie scharfer Schnee schlug der Sand ihr ins Gesicht. Epst als sie den Strand erreicht hatte, wurde es besser. Es war tiefdunkel. Kein Licht. Und die See war nicht weit zu sehen. Nur fünfzig Faden weit leuchteten die weißen Köpfe. E i n Brausen und Keuchen und Zischen und Brodeln war die Luft, ivar die See. Das Wasser stieg rasch: der weiße Schamnstreifen wurde von jeder See Häher an den Strand gespült. An diesem Strich entlang ging das Mädchen und bückte sich. wenn sie etwas Dunkles gewahr wurde. Dann stieß sie es mit den Füßen an. zu erfahren, was es fei. Alles Holz las sie auf und steckte es in einen Sack, den sie unter dem Arm trug. Tang und Muscheln lagen viel da— weiter auch fast nichts. Ms es Morgen werden wollte, hatte sie immer noch keine Tracht. Hinter den Dünen erschien ein grauer Streifen, der höher und höher gekrochen kam. Der Sturm raste noch mit boller ltraft. Drohender uüd ge- waltiger schüttelte die See ihre Stierhäupter. Kein Holz, kein Schiff, kein Wrack, kein Notschuß, kein Feuer — nur schwarzes Waffer und weißer Schaum. Sie blieb stehen... Da trieb etwas... ejwas Dunkles, Undeutliches, Unförmiges... es kam näher. Aus Gewohnheit hielt sie die Hand über die Augen, wie sie an hellen Tagen oft getan hatte, wenn Sonnenschein um Dach und Dünen brannte und die Luft flimmerte. Es knnte ein Schiff fein, ein Kahn wohl oder«in Boot. Das Sceräuberblut regte sich in ihr, ungeduldig lief sie am Strand auf und ab. Ihre scharfen Augen unierschieden schon, ein Boot war es, voll Wasser geschlagen, eben, daß es trieb und aus- guckte. Nur wenn eine große See es auf den breiten Rücken nahm und dann zurücklief, ragte es höher auf. Langsam schoben die Seen es näher heran, und endlich saß es am Sand als Strandgut. Erst wollte Karen zurücklaufen und den Vater Niels, den Bruder Jens rufen. Aber sie besann sich anders und tat es nicht. So ging es nicht: Die Nachbarsleute konnten unterwegs sein, fan- den es und hatten es. Sie überlegte, was sie machen sollte, dann zog sie eilig ihre Schuhe aus und streifte die Strümpfe ab. Ihr schauderte vor Kälte. Aber was half das?' Sie schürzte den Rock auf und watete mit zusammengebissenen Zähnen in das eiskalte Wasser. Den Sieben hatte sie erfaßt und schwang sich auf den Bord- rand. Tastend suchte sie nach der Fangleine, um das Boot aufs Trockene zu ziehen, da stürzte eine riesengroße See heran und schäumte über das Fahrzeug hinweg. Sie war durchnäßt. Fast hätte sie das Gleichgewicht verloren, aber sie hielt sich im letzten Augen- blick krampfhast an der Ducht fest. Die See hatte es gut gemeint; Äs sie zurücklief, saß das Boot hoch auf dem Strand.<- Wegtreiben konnte es nun fürs erste nicht mehr. Wenn sie noch den Anker aufs Land brachte, war das Strandrecht gewahrt und sie konnte Hilfe holen.- Sie wollte es. Es war so bitterkalt. So kalte Hände hatte sie. Sie schauderte vor sich selbst. Wie Toteich ände waren sie, wie fremde Hände. Plötzlich fühlte sie eine andere Hand... ein Fremder war bei ihr im Boot... ein Toter... Als gehöre es sich so, fühlte sie die Haare, die Nase, den Mund.. als wenn sie träume. Wollte es demi nicht Tag werden? lieber den Dünen wurde es doch schon hell... Sie drehte sich wieder um und suchte nach der fremden-Hand. Dann zog sie den Toten halb aus dem Wasser und legte ihn mit dem Rücken auf die Ducht. Der stille Mann war schwer. Er steckte in Oelzeug. Der Südwester hatte sich in den Nacken geschoben. Die Augen waren weit geöffnet und das Gesicht schnee- weiß. Die Lippen waren fest geschlossen. „Jung," dachte sie, als sie keinen Bart sah. Um die Hüften war das Bootstau geknotet— so waren Boot und Mann zusammengeblieben. „Wer bist du?" murmelte Karen und beugte sich tiefer über ihn, um seine Züge zu erkennen, aber der Tag war noch zu grau. Wieder schlug eine große See klatschend über den Setzbord. Da ließ sie die Hände los und löste das Tau. Aus ihren starken Armen trug sie den Toten durch das Wasser und bettete ihn auf das Dünengras. Leise und scheu strich sie ihm das Haar aus dem Ge- ficht und schaut« verwundert in die hellblauen Augen. Verwundert ... einen kurzen Augenblick. Dann stand sie aus und machte sich wieder mit dem Boot zu schaffen, über das die See fortwährend schäumte. Sie. zog es etwas höher, dann entdeckte sie eine Kütz unter den Duchten und machte sich daran, das Wasser auszuschöpfen. Wenn auch die Seen immer wieder heveinschlugen und sie bei dem Winde kaum auf der Ducht stehen konnte, es glückte ihr doch, und als das Boot erst Lust hatte, kam es von selbst höher aus dem Waffer. Bald hatte sie es soweit leer, daß sie auf den Lohneg stehen konnie. DaS Boot war fast neu. Sie beugte sich über den Achtersteven. „Gesine von Hamburg" stand da. Von Hamburg, von Deutschland, dachte sie und sah nach dem Toten hinüber. Es war Tag geworden— sie gewahrte es und hielt inne. Dann sprang sie heraus und zog das leere Boot so hoch auf den Strand, wie sie konnte, band das Tau um einen herangeschleppten Felsen und lief die Dünen hinan. Der Wind wehte sie hinauf. Oben auf der Höhe kam es über sie, als habe sie etwas ver- gcssen; sie mußte sich umdrehen und nach dem Toten gucken. So sonderbar war ihr'zumute. Erst hatte sie sich gefreut, Baier und Bruder den Fund zu melden; nun war sie beklommen, war es ihr nicht mehr recht, was sie tat. Sie sah von oben mit einemmal auf ihr Liben hinab, auf ihr graues, stumpfes Laben. Ein Tag war wie Wk andere gewesen. Und die Gesichter immer dieselben. Eine Arbeit, ein Schelten und e i n Gespräch. Immer das Alte, keinen Tag etwas Neues. Fünf Häufer waren es, und fünf Häuser blieben es. Und auf den Dünen wuchsen ewig keine Blumen. So war es immer gewesen und sie hatte cS nicht gewußt: nun aber kam es über sie. Draußen aus der See, ganz weit hinten, daß sie eben noch zu sehen waren, gingen mitunter Schifte vorbei: Segelschiffe und Dampfer. Die Segel er- schienen so weiß und rein, und der Rauch stieg steil in die Lust. Da war die Welt, da fing sie an: da sangen und lachten die Men- schen und trugen schöne Kleider. Wie oft hatte sie als Kind barfuß auf dem Sand gestanden und gewartet, daß ein Schiff, ein einziges nur, heransegele und sie abhole. Aber alle zogen vorbei und kamen ihr aus den Augen. Einer mußte kommen, einer, der anders war, als die sie kannte, der lachen und singen konnte, der sich »reute und sie bei der Hand nahm, der ihr erzählte und sie fragte. Der hatte immer Kimmen sollen und war nicht gekommen. Sie schauderte... da hinten lag einer mit hellblauen Augen ... ob er es war, der zu ihr gewollt hatte? Sie wollte nicht— und trat doch ins Haus. „Vater! Jens!" Der buschige Schopf wurde zuerst sichtbar. „Was ist los?" „Ein Toter, Vater." „Weiter nichts?" Niels wollte sich schon wieder umdrehen. „Ein Boot auch." Da'F hals. Niels richtete sich auf. „Ein Boot?" Er stieß Jens heftig an. „Ein Boot, Jens! Aufftehn!" Das ließ sich selbst Jens nicht zweimal sagen. Niels stand schon in der blauen Unterhofe da und suchte nach seiner seemännischen Ausrüstung. Zwischendurch fragte er In einem fort: „Wo ist es?... Neu?... Treibt es noch?... oder sitzt es schon auf Land?... Was steht dran?... Und der Tote?... Was für Zeug?... Jens war auch bald reisefertig, und alle drei' wateten durch den Sand. Niels war guter Laune und erzählte von Schiffen und Gütern, die in früheren Jahren angetrieben waren. Daß der Sturm ihm fast den Mund verschloß, störte ihn nicht. Karen wies mit der Hand. „Seht! Da!" Karen war stehen geblieben. „Vater!" Niels drehte sich um. „Was willst du?" „Dem Toten müßt ihr seine Ruhe lassen. Den dürft ihr nicht anfassen. Versprecht mir das!" Jens lachte höhnisch. „Dumme Deern! Wenn das Zeug mir paßt, zieh ich'S an. Der braucht nichts mehr." Niels hustete. „Und wenn»vir ihn melden, müssen wir ihn beerdigen lassen und vom Boot bleibt nichts nach.' Wir begraben ihn in den Dünen und damit gut." Jens schüttelte den Kopf. „Seemannsgvab, Vater, Secmännsgrad. Das wünscht sich jeder Matrose." „Das tut ihr nicht! Versprecht mir das!" flehte das Mädchen. „Das dürft ihr nicht. Hört ihr?" „Mach doch nicht so'n Lärm um den Wien Mann," knurrte Niels.„Freu dich, daß wir'n Boot haben." „Dann geh ich nicht mehr mit," drohte Karen. „Geh meinetwegen nach Haus und koch Kaffee," sagte Jens gleichmütig.„Wir können's allein." Karen begann mit großen Schritten zum Strand zu lausen. „Willst du hierbleiben!" rief Niels, aber Jens sagte trocken: „Laß sie laufen!" „Was hat sie mit eiuemmÄ?" „Mag der Deubel wissen.— Das Boot sieht gut auS." „Das können wir brauchen." „Nanu? Ist sie verrückt geworden?" „Lauf, Jens, und halt sie auf." „Karen! Karen!" Die beiden fingen an zu laufen, aber bei dem schweren Wind kamen sie in dem tiefen Sand mit den großen Seestieseln nur langsam vonvärts. Als sie am Strand ankamen, war das Boot schon ein gutes Stück vom Lande. Karen stand auf der Ducht und schob mit dem Haken ab. Schver haute der Steven in die Seen, und das Fahrzeug dümpelte gewaltig hin und her, aber das starke Mädchen zwang es. „Karen! Karen!" „Dumme Deern, komm her." Aber der Sturm verschlang jedes Wort, und das Mädchen sah sie gar nicht; ihre Augen waren bei dem Matrosen, der still und friedlich auf den Lohnen lag. � Als sie weit genug war, kniete sie neben ihm nieder und faßte seine kalten Hände. Und setzte sich so, daß die blauen Augen sie ansahen. „Ich bring dich heim. Nach Esbjevg und nach HauS," flüsterte sie und strich mit der Hand weich über seine Stirn. Sie sah die fürchterlich Flage»ich herankommen und ge- »vahrte die riesige See nicht, die da» Boot wie einen Käfer ans den Rücken warf... Niels und Jens sahen eS mit an. ES»var ein stürmischer Novembertag... io Unsere Häuser sind heute von 1—6 Uhr geöffnet! Pelz waren Taschen-Tücher AI aska-F u chs-Kragen ieue grosse Form.......... Muffe, dazu passend,-,. Kanin-Fuchs-Kraren Muffe, dazu passend.... Sturmkragen gÄ*1 Kindergarnituren£ SS« 390°° 450°° Sy°° 110°° 110°° 50°° 49000 550°° 115°° 135°° 155°° 50°° Weisswaren Holzfächer........... 26B 350 450 Zelluloidfächer ÄS, � 14" 15" Ball-Schals, Batist........... 26°° Ball-Schals, Japon-Seide..... 35°° Elegante Negligehaube..... 1050 Untertaille»-»Hei-«» Voll« mit Spitzen. 2760 Morgenrötkeujacken z Stickerei-Tücher im Karton Damen Bekleidung Morgenrock»»» riausciutotf...... 79°° «« i»uiflaaschstoB, mitzrot«. IICOO Morgenrodc Kraz«««»-> Armgarmtar lAU Tuch-Morgenrock n�dh'ohSom1! 16500 Morgenjacke a.riau»chstoB,Qei»hafofm 29" Morgenjacke 4950 Morgenjacke all Xu*. QaUbafenn.. 29*° Abbild. 1., 8*0 Abbild.<.. 10�0 Mbiia.*.. 1 1�5 Abbild.! 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OnfVrbnry�oreTeTnprysos-t-e- Opernhaus. Palestrina. Anfang 5 Uhr. Schanspielhans. Wilhelm Teil. Anfang 6", Uhr. Direktion Max Keinhardi Ueutschen Theater. 7va Uhr: Und Pippa tanzt. Moni T/3; Jaakobs Traum. Hammersplele. ZV,! Frühlings Erwachen. 7 uhr: Advent. Mont. 7'/,; Gespensteraonate. Cir. Schaoaplelhaus KarlstraBe. ZV,: Oreslle(Nm.-Abt. C, I.V.) 7V2: Orcstle(auB. Ab.) Mont/?'/,: Oreatle(17. A, I. A.) Theater 1. d. KSnipgrätzerStraße Nachm. 3 Uhr: Mu«lk. "sä ü.: SchloC Wetterstein Mont.: SchloU Wcltersteln Dienst.; Schloli Wetterstein Donnerst, nachm.: Musik. (Klara: Maria Otska.) Aben s:Schloa Wetterstein preiiag nachm.: Musik. (Klara: Maria Orska.) Abt nJs.'Schloß Wetterstein Sonnb.: Schloli Weiterstein Sonntag nachm: Musik. Abends:SchlolS Welt erstein Mont.; SchlolS Wetterstein Dienstag: Ein Traumspiel. KomMienhans N'aebm. 3: L-Iselott v.d.pfala Abends V-S Uhr: Sie. Montag: Sie. Dienstag: Sie. Donnetst. nachm.: Eiselott. Abends'/tS Uhr: Sie. Freitag nachm.: Liselott. Abends V� Uhr: Sie. Sonnabend: Sie. Sonntag nachm.: Liselott. Abends VrS Uhr: Sie. Montag; Sie. Dienstag: Liselott v.d.Plalz Berliner Theater 3: Sterne, die wieder leuchten 7.i5 u: Bummel» Studenten Centrai-Theater 7v, uhr i Die fascfiingslee. Uentsrhes Opernhaus 7 uhr: Bänsel und GreteL Hierauf; Tänze. Oic TrSbüno 3 Uhr:„Die Wandlung." 7v.uhr: Je Wandlung." Eden-Theater 3 Uhr: Der Regimentspapa. Tb.:„U. L VI. fl." Frledr,-Wilhelm st. Th. 7'/, uhr: firetchen. Kleinen Theater. 3 Uhr: Jettchen Gebert. 7v,u: Die uulieriilirle Frau Kl. H«haaspi«lhans. �ÄlbineundÄßinst oder; Freut Euch d. Lebens Komlache Oper ZV< Uhr: Scliwarzwaldmäüel. tv, u: Dichterliebe. Lnscaplelhaas 3Vi Uhr: Das Sliltungsfeit. Arnold Rieck in: u7�: Der Großstadt-Kavalier Zketrep«! Theater. 3: Cliarleys fantc m. Thielscher ? Im: Sl'SIII Aieues Operettenhnn». 3'/, Uhr: Die keusche Susanne. 7v,u.:Ble Dame loin Zirkus. «chlller-Thcat. Charl. 3 Uhr: Wie es euch scfällL T/t uhr: Alt-Heldelticrg. Thnlln-Theater 3 Uhr: Jungier Sonnenschein. 7V. u.: Die närrisslie Liebe. 'i'h.am TtoUendorfplatz ZV, Uhr; Schneewittchen. TJ, Uhr: JOcrP/cTtCfcfrcßSs Theater des Westens 3»/, Uhr: Die lustige Witwe. 7v, u.: DleFranlniHennEiiD Theater d. Prledrlchstadt v/t uhr: Die Rutschbahn. VTallner-Thenter 3»/.: Geisha mit Mia Werber ti,:? Eine Ballaacht. Reiehshaii.-TbBater Heute nachm. 3 Uhr unb nbcnbä T/t Uhr Gtettiner Sänger. Wethaachw-Pr. Vgihshiihue 3 Uhr: Der Scbwarzkünstler, Götz vou Deriichiugei!. Mtg.M/zt Gütz ton Derlieblngen Lesslng-Tlieater. Direktion: Victor Barnowsky. 3 Uhr: Der rote Hahn. T-,. uhr: Pygmalion. Montag 7>/.! Pygmalion. Dienstag TV.: Pygmalion. Mittwoch geschlossen. Donnerst. 3: Der rote Hahn. Abends 71/.: Pygmalion. Freitag 3; Der rote Hahn. Abends 71/.: Pygmalion. Sonnabend und Sonntag 7V«: Pygmalion. Montag 7: Fräulein Julie. Der grüne Kakadu. Deutsches KüDStler-Theater 3 Uhr: Dies irae. TV, Uhr: vMIKUUe. (Konstantin, Götz, Walter.) Montag und Dienstag T1/,: Cyprlenne. Mittwoch geschlossen. Donnerst u. Freit. 3: Dies Irae. Abends 7V,: Cyprlenne. Sonnabend bis Montag T1/,: Cyprlenne. Residenz- Theater. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise; Der gute Ruf. Täglich V28 Uhr: Evclien Humbreclit. I.Feiertag 4: Der gute Ruf. 2. Feierlag 4: Der gute Ruf. Trlanon-Theater. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: Der EebenanrhUler. Täglich i/tS Uhr: Jßaslserade. 1. Feiert. 4: Der Lchensscbülcr 2. Feiert 4: Der Lebensschüler Rose-Theater. 3 Uhr: Schneewittchen. ?'/, Uhr: Die im Schatten leben. Walhalla-Theater. 3'/, Uhr: Das Gesetz. 7% Uhr; Am goldenen Horn. Apollo« Theater Dir.: James Klein Friedrichstraße 213| 7Vl Sonnten. 7* Dezember 1919 Unübertreiniches I |VBrl«t6.Programm| U a: Lo Kittay der weltberühmte GedankenObcr- trager, mächt jed. .Menschen willenlos. Zum I.Male a. „ ein. VarlelcbUhne GadbinsTodesspfUni aus der V. Etage 14 Kougbyn Fl iegende Akrobaten I 12 Varielä-Sensatlon.l Stg 3-/. I. Erw. 1 K. fr' f D Unter d. Linden 22/23 Dir. M. S 0 1 1 m a n. Auf vielseitigen Wunsch und der großen Nachfrage wegen sehe ich mich zu einer Verlängerung des Films veranlaßt Das Hecht der freien Liehe. AufsehenerregentLDrama in 7 Akten. Hauptrolle: Magnus Stifter Käte Richter Pietro Scholz. Karlchen wird eingeseift. Lustspiel In einem Akt. Hauptrolle: M Karlchen Plagge, 1 Sonntag, ben 21. Dezember, nachm. 2 Uhr: Schauspielhaus: Maria Mag- baiena. Nachm. 3 Uhr: Volksbühne: D.Schwarzfünstler Schlller-Th. Thariottenburg: Wie es eud) aefällL Lessing-Theater: Der rote Hahn. Kilnitler-Thealer: Dies irae. Friebr.-W>hclmst Th.: Jugend. Th. d. West: Di« lustige Witwe. An beiden Weihn.-Feierlagen 25. u. 26. Dezember Nachm. 2 Uhr: Schauspielhaus(25. Dezember): Heimat Nachm. 2V, Uhr: Deutsches Opernhaus: Das goldene Rreuz. Nachm. 3 Uhr: Volksbühne: D.Schworzfünstler Schtller-Th. Thariottenburg: Wie es euch gefüllt Lesstng-Theater: Der rote Hohn. Alinstler-Theater: Dies Irae. Friedt-Wilhelmst. Th.: Jugend. Th. b. West: Die lustige Witwe. Kasino- Theater totlirlngerstr.37. Tägt'/.SU.. Schniepels Lene Berliner Volksslück I. 3Aufz. Vorher erstkl. Spezialitäten. Viktor Lltzek i. d. Op.- Sketch „Erwischt." StgJV,: Ein sauberes Kleeblatt Winter-(«arten. Hcnteg Vorstellg. S'/g Uhr (Kleine Preise Kind d. Hälfte! TlilOir Variete■ Spielplan. �Rauchet�estattetl kille Braunes Diele| Alexanderstraße 55. U Direkt; Karl Helnzius. M Tata-Toto- Duett Rudi Neumann Mla Bergemann Kltly Detra Georg Kaiser Adolf Bartley lä Am Flügel: Hans Sagave|J ysxEXZzzssxzzsa ilmfalast Jtammersäle Beliealliancestr. 5 Eck« Teltower Str UrauffQhrg. Der Teufeln. die Madonna Hauptrollen; Magnus Stifter Gertruds Welcker. Ferner: Der lustige Ehemann Lustspiel in 3 Akten. Wochentags: Sonntags: 7 Uhr- 4 Uhr Kassenöflnung: Eine Stunde vor Beglan. Theater am Hotthuer Tar «Tut; UoritzpUtz 14 814. Jed. Abend 7'i« übi: -Sänger 9 ehom. Mitgi dar Slotiiner Singer. ■joDtitncbro 3 Uhr nrmäß Prefselvoll. Abend- Programm) 1 Kind Irell• Raucht □ gestattet ___ louert Beg. 7.10 Obr. Votverkf. 11-1V, n. 4-8 Ubr. Gr. Welhnachts-Progranini! JenifaiiÄ kÄd v_ WaJ/tr Xo/Zo. Ab l. WeiHnachtsfeieriag I llhr: Kr!, puck. Vaudeoille In 3 Wen von Franz Arnold und Srnft Vach. MustloonWalter Kollo. InSz-negeledloonSranzArnold. — Tänze ewstudlert von Bolletmilster Robert Regrell.— Hauptbarstellert Paul Heidemann» Alice Hechy. Maat Senkleer. Gustav Iahrbeck. Dominik Löscher. Theo Slgmnnd. Karl vlaten. Vorverkauf an der Tageskasse. Werthelm. Jnoaflbenbank. Großes Schauspielhaus Zweiter Weihnachtsfeiertag 2'/, Uhr Einmalige Uachmittags-vorstellung anher Abonnement Vie Grestie Regt«: Max Reinhardt. Sauptrollen: Alexander Moisst, Aue-------*- Roj Ferd. Preise der Plätze M. 2 bis 10. Billetts: Theater!. A. Wertheim ir. i. Invalidendank H.T. HumW-Tteater. HJ. Badstr. 19. Lichtspiele Bndstr. 19. Hanneiiianii, ach Hannemann, fang' hlcO nischt mit di« Mädels an, Filmoperette in 5 Akten. Text und Musik von Richard Jäger, unter Mitwirkung von 12 Süngern und Sängerinnen. Verstärktes Theaterorcheater. Dirigent der Komponist u. Verfasser:Richard Jäger. Hauptdarsteller> Molly Wessely, Maria Lux, Hennry Bender, Eugen Rex. ESB Potsdamer Str. 38 Madame Dnbarry Turmstr. 12 Alexanderpiatz-Passage Friedenau, Rhelnstr, 14. Lillis Ehe 1 Admirals-Palast.1 Zwei Vorstellungen V,4 Uhr und 8 Uhr« UWMW! GermaniaPrachttile C.Richter, N 4, Chausseestr. 110. Jed. Sonnig. Holfm. Nordd.Sänger. Beg. d. Vorst6,d,Konz.5V, Nachd. Fam.-Kränz- chen.lm weißenSaal v. 4 Uhr ab: Gr. Ball. AM ZOO Zur heutigen 4 Ahr Vorstellung haben Zugendliche Zutritt heute 4, 6 und 3 Uhr Die Puppe mit Ossi Oswalda Regie: Ernst Lubitsch und /m � pcrsönüchcs Auftreten BALLETT CHARELL 20 Tänzerinnen undTanzer j Abgeschlossene pünktlich he-| ginnende Vorstellungen. Vihrend| ' der Vorstellung kein Einlassl I Vorvarkaui 11-1(ohna Aulschlag) Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart und Berlin. Soeben erschien das in seiner Art unvergleichliche Buch: Otto Braun: mmmmKmmmmmmmamwaBmmBmmBmmmmmmmmmKi Aus Mit drei Bildern in KUpferdruck. Herausgegeben von Julie Vogelstein, Auf feinstem holzfreien Papier, in vornehmem Pappband 10,— Mark. Aus der Fülle von Aeußerungen einmütiger staunender Bewunderung seien folgende angeführt: Oerhart Hauptmann:.., etwas Köstliches, Einmaliges und gerade das. was fehlt, was die Gegenwart ersehnt, die Zukuntt braucht. Konraa Burdach; Der Eindruck des ganzen Buches schwankt zwischen Entzücken, Staunen, Wehmut, heftigem Schauer. Welch ein Wundermensch blühte hier auf! Wie Ist diese Begabung unfaß- bar bis zum Dämonischen... Oral Harry Keßler: Ich bin fast Oberwältigt von der Fülle des Un- gewöhnftchen und Schönen. Heinrich Frledjung: Otto Braun wäre sicherlich einer der Führer seiner Generation geworden. Friedrich Thimme: Diese Jünglingsgestalt von leuchtender Schönheit wird durch dieses Buch unsterblich sein. Küthe Kollwitz; Es ist mir ganz starkes Bedürfnis, zu sagen, wie erschüttert und erhoben ich beim Lesen dieses Buches bin. Stefan Großmann: Ich las das Buch mit brennendem Anteil und— Ich schäme mich dessen nicht— zuletzt unter heißen Tränen. Oberbürgermeister D o m i n i c u s: Ich habe an die sämtlichen Direktoren unserer höheren Schulen für Knaben und Mädchen geschrieben, sie auf dieses Buch aufmerksam gemacht und Ihnen die Anschaffung für die Schülerbibllothek empfohlen. Gabriele Reuter: Ueber viele schwere und ernste Dinge Ist wahrhaftig das Letzte gesagt worden. Man steht wie vor einem Wunder vor dieser Reife und Denkklarheit.... Otto Liebmann: Ein Frühvolle. deter hat der Nachwelt Schriften hinterlassen, die zu dem Besten gehören, was die Gegenwart hervorgebracht hat. Durch jede Buchhandlung zu beziehen. Wsihnachtsmesse Dresdener Str. 34/35 ist eröffnet. Größte Schau Berlins, Weihnachtsmarkt, Konzert und Tanz, Volksbelustigungen, Ringkampfe. 1270D Rosten Mu.' Kerzen — 32 Pf. 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H.(Heiligabend) bleiben oie Theater geschlossen "1 ALS FFEH PELZ- PELZ PELZ-BAS PELZ-KI & 7/, I Eintrittspreis(einschl. Lledertexte und Tanz) 2,— I iiiumiiiuiuiuiiiiiiiiiiminniiiiiiiii beiAe. Verlangen Sie hie Lach er In Ihrer Luchhenbhmg Karl Marx Die Not. Kinder der Straße. Haß, Liebe, Geld. Edith flelldr. Vorführnngt 4, 0», 8» Allabendlich 7 und 8»/. Uhr Sonntag« ab 4 Uhr nachm. 4 Voret.llungen Der Rabbi von Kuan-Fu 3. Teil des grossen Mzy-Filai-Zykln« Dia Harrin dar Wall HanptroUen; Hl A HAY Mlchaal Bohnan Klnstlertsohe Oberleitung: J O a May Vorvarknufl II bin 1 Uhr ..."'{mtcjimmi P'f'A«BchSSlnctäiiwnä»» ofloT fttW»uP««- Möbel-Lechner, i IVik»tr»lc �isektlx. Xugo SsumgSrwsr BepIIis NO IG, Edpsnlrlrsr GermLS 7S, an der BrückenstraSe Spezialität: Guatemala-Miscbungen 25/9 Hildebrands Kakao, ffein Tee-Melange tägl. frisch, gebr. 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Sophienstras,« 11/16: Mitglieder- Versammlung der im Zentralverb, organisierten Bureau« Hilfskräfte des Magistrats Berlin. »«oordnung: Der Magistrat und sein Verhalten i ------"'. Referent: Kollege gl«Sie i T-. >em Schlich tnngsansschuß. Referent: Kollege g teilet In Anbetracht der Wichtigkeit des Themas wird pünktliche» und vollzähliges Erscheinen aller Kolleginnen und Kollegen de- stimmt erwartet Btitglledoinich legitimiert!- __ Die Zachgrnppenleitnng Dr. med. Hollaender Spezialarzt Aufklärende Broschüre Nr. I. 2,50 M. gegen Nachnahme.* Berlin, Leipziger 3tr. 108\ täglich 11— 1,5—7 Uhr, Hanburg, Kolonnaden 26/ Sonntags 11—1 Uhr. Frankfurt«. Mala, Bethmannstr. 56. Oeffentiiehe Versammlung Montag, den 22. Dezember, abends 7 Uhr, in den„Sophiensälen", Sophienstraße. - Thema:- Qretizen des Gastrechts Referent: Ffttz Spiegelberg. Trde viskussion. Sozialistischer Kulturbund. Platin pro Gramm Al. 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Dezember 1919 an den Vorsitzenden der Seist Wnnhram, pforzhc.ni, Etücked Prrßlommission � HSidenstr. 8, einreichen. 223/13' Parteisekretär gesucht. Für den Wahltreis'Alsfeld- Lautsrbach- Schotten (vberheffen) wird mit dem Eitze in Alsfeld ei» 223/16- Parteisekretär gesucht. Der Antritt der Stelle soll möglichst bald erfolgen. Ferner suchen wir, edrnfall» zum baldigen Antritt, eine» zweiten Landesparteisekretär mtt dem Sitze in Darmstab!. Di« Anstellung der beiden Sekretäre erfolgt nach den Be- dingungen des Vereins Arbeiterpresse durch den Landesvorstanii der Sozialdemokratischen Partei Hessens. Geeignete Bewerber wollen ihre Bewerbung unter Angabe der Gehaltsanfprüche und Tag des evtl. Eintritts bis spüleftens 10. Zannar 1920 an den Unterzeichneten einreichen. In der Bewerbung Ist über die bisherige Tätigkett und Stellung in der Partel Mitteilung zu machen. Auch ist anzugeben, wie lange der Bewerber Mitglied der Partrlorganisatton ist. 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Götz in Waldenburg und der sozialdemokratischen Fraktion des Kreistages ist es im September 1S19 zu tiefgehenden Meinungsverschieden- h e i te gekommen, weil der der Sozialdemokratischen Partei an- gehörige und am 2. Juli 1913 vom Schwurgericht in Schweidnitz wegen Meineids mit einem Jahre drei Monaten Zuchthaus be- strafte Buchdruckereifakwr Hj) ff mann in Weißstein zum Mit- glied des Kreistages und des Kreisausschusses gewägt worden war, der Landrat aber, sobald ihm die Zuchthausstrafe des Hoff- mann bekannt wurde, die Beanstandung dieser Wahlen mit Rücksicht auf§ 31 Str.G.B. in Verbindung mit§ 96 der KreiS- ordnung für geboten hielt. Die sozialdemokratische Fraktion des Kreistags, die 2S von 46 Kreistagssitzen innehat und Hoffmann als das Opfer eines politischen Prozesses ansieht, fühlte sich durch dieses Lorgehen verletzt und gab in der Kreistagssitzung am 1. Oktober 1919 eine Erklärung ab, in der sie sich snit ihrem Fraktionsmitglied Hoffmann solidarisch erklärte, dem Landrat von Götz ihr tiefstes Mißtrauen aussprach und es ablehnte, mit ihm länger gemeinsam zu arbeiten. Dieser Konflikt, in dem dem Landrat das Gesetz zweifellos zur Seile stand und in dem die Smatsregierung, wenn er sich an sie gewandt hätte, ihm nach dem Gesetz unbedingt hätte recht geben müssen, hat dazu ge. führt, daß der Landrat ein weiteres gedeihliches Zufammen- arbeiten mit den Selbstverwaltungskörperschaften des Kreises für ein« Unmöglichkeit hielt, weshalb er selbst seine Beurlau- bung nachgesucht hat. Diese ist ihm gewährt worden. An seiner Stelle ist mit der Verwaltung des LandratsamtS Walden- bürg der Gewerkschaftssekretär Mücke beauftragt worden, dessen Berufung den parteipolitischen Mehrheitsverhältnisien deS Kreises entspricht und der für das Amt durchaus geeignet erscheint. Von einer Amtsenthebung ursd Maßregelung deS Landrais von Götz kann bei dieser Sachlage keine Rede sein. Auch soll Landrat von Götz nach Ablauf des ihm gewährten Urlaubs eine feinen Fähigkeiten und Leistungen entsprechende anderweitige Verwendung im Staats- oder Reichsdienst finden." Aus dieser authentischen Darstellung geht klar hervor, daß die Presseangviffe gegen den Minister in dieser Angelegenheit von falschen Voraussetzungen ausgegangen find. Wir aber fordern aus diesem Anlaß, bah die fluchwürdigen Zuchthausurteile der monarchischen Zeit, die auf politische oder soziale Kämpfe zurückgehen, schleunigst gelöscht werden. DaS Ma- terial wird die sozialdemokratische Presse liefern können. Oer Meifterschimpfer von Rathenow. Herr Major a. D. Freiherr Schilling von Canstatt, Geschäfts- führer des Alldeutschen Verbandes, meldet sich mit dem arg miß- verstandenen§ 11. Er„berichtigt" den von uns einer Korrespondenz entnommenen Bericht über sein-: Rathenower Rede. Er habe von Ebert nicht gesagt, daß er sich mit Burgunder gütlich tue. sondern daß er in Weimar und Berlin öfters stark über den Durst getrunken habe. sSo etwas müßte den Reichspräsidenten einem richtigen All- deutschen doch sympathisch machen I) Noske habe er nicht als Kognaktrinker hingestellt, sondern nur politisch besprochen, Erzberger n u r als Landesverräter, nicht als bezahlten Spion bezeichnet. Nicht übel ist es, daß der Alldeutsche sich auf eine angebliche Äeußerung Wetterlös über Erzberger beruft. Ein rechter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden, doch sein« Schimpferei'tl benutzt er gern! Aber auch der Erzfeind G r e y ist dem Freiherrn recht, um sich auf ihn, der Lichnowsky einen Idioten geheißen haben soll, zu berufen! Graf Bernstorff sei scherzhaft von Familie und Rem- «reut„Jdi" genannt worden, als er aber genug Geld erheiratete, habe es noch zu-einem führenden Diplomaten gereicht. Die Tipp- danien der Friedensdelcgation will der Freiherr nicht als„Juden- schicksel" bezeichnet haben, datz aber die zu einem Viertel anZ Juden bestehende Delegation unter dem Titel von Tippfräulein? Verhält- nisse mitgenommen habe, hält er aufrecht. Er wolle nur die Gleich- berechtigung mit den Juden erkämpfen, toeil in der Revolutionsregierung 80 Vroz. Juden säßen. lDas„säßen" kann sich nach deutschem Sprachgebrauch nur auf die gegenwärtige Regierung beziehen und da ist es schwer gelogen.) Weniger über die Kupfer- nase GieSberts habe er sich aufgehalten, als über den Rausch, den er sich am Abend des Friedensdiktats angetrunken hätte(sagt Schilling!). Auch Schillings Abschwächung ist noch reich an Gem— ütlich- keiten. Wenn im monarchischen Deutschland«in Opposition»- mann auch nur den geringsten Teil dieser Dinge gegen Minister be° haupiet bätt«, wäre er zeitlebens aus dem Gefängnis nicht mehr herausgekommen und die Presse der Alldeutschen hätte ihn obendrein noch bis an den Hals mit Dreck beworfen. Zum Schluß gibt uns der Freiherr den Rat, durch eine An- frage bei D ä u m i a festzustellen, daß Erzberger pon den llnab- bang igen an die Spitze gestellt iverden würde. Wir haben keinen Grund, diese Frage zu unterdrücken. Ebensowenig die Schillingsche Mitteilung, daß nach einer alldeutschen Versammlung ein sp a r ta- kisti icher Führer in Thüringen die Rückkehr des Kaiser? als einziges RettungSmittel bezeichnet hähe. Durch feine Ausführungen kennzeichnet sich Herr Major a. D, Frei- kerr v. Cannstatt als ein solcher politischer Hans RaivuS, daß man beinahe annehmen kann,«r handle in gutem Glauben, wenn er die von ihm verbreiteten alldeutschen Lügengeschichten als lautere Wahrheiten anpreist. Unnihe km Nuhrgebket. Die Kohlcnsnge in Essen hat sich weiter verschärft. In der Arbciter'chast gärt eS. In Essen fanden flroße Demonstrationen Patt. Tie Lage ist sehr ernst. Wenn cS nicht möglich ist, die Grovindnftrie baldmöglichst mit den nötigen Kohlen zu versorgen, wftv es zvr Tiillegimg der Betriebe kommen mstssen und dadurch zu großer ArbeitSlosi-leit. Tic britische Behörde kündigt die Berbängung deS Belagerung«- zubände« über den Solinger Bezirk an, falls die streikenden Straßenbahner, mit denen sich die ganze Arbeiterschaft solidarisch er- klärte, bis Sonntag die Arbeit nicht wieder anfgenommen haben. ffeilisabenS üe? Sklaven. Unter Leitung von Delegierten des Jwternafionalen Komitees vom Roten Kreuz rollen aus der Schweiz besondere zu diesem Zweck zusammengestellte Lastauw-Kolonnen in die ehemalig« Kampfzone. Ter ganze südliche Teil des W i ederaufbaugeb�etes, in dem der größte Teil der deutschen Kriegsgefangenen arbeitet, bis heraus nach Laon. wird uri! Liebesgaben versorgte Der nörd- liche Teil wird durch eine zweite Lastautomobik-Unternehmung von Paris und von Boulogn« aus beliefert. Die Liebesgaben bestehen aus WSfche, Kleidung, Schuhzeug, Decken und Tabakwaren, welch« von der deutschen Regierung nach der Schweiz und nach Paris geschafft wurden. Bon Dänemark wurden unmittelbar nach Boulogne auf dem Seewege 24 Waggons mit Lebensmitteln gesandt., Den KriegSgefangenen-Lagern im französischen Hinterland ist' eine besondere deutsche WeihnachtSgabe zugegangen. und> es ist alles geschehen, um ihr rechtzeitiges Eintreffen sicher zu stellen. Dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz uud der Dänischen Rote Kreuz-Vertretung in Paris gebührt wärmster Dank für die selbstlose aufopferungsvolle Tätigkeit dieser schäme- rigen Verteilung. Außer Liebesgaben geht an jedes einzelne Kriegsgefangenen» loger ein, besonderer Weihnochtsbries, der die herzlichsten und an- teilvollsten Grüße der Heimat übermittelt. Jedem Brief ist eine kleine Geldspende beigelegt, um den Heiligen Abend auf Heimat- liche Art so freundlich zu gestalten, wie es unter den jewelligen Umständen möglich ist. Rückkehr aus öer Gefangenschast. Aus Aegypten ist der letzte Heimkehrerlransport am 19. De- zember in Deutschland eingetroffen. Außerdem sind auS B r a- s i l i e n und Argentinien 294 Deutsche zurückgekommen und aus Frankreich ein größerer Schwerverwundetentransport und neun Zivilisten. Das„fthwarze* Problem in Amerika. Aus zuverlässiger Quelle erfährt die„Dena", daß sich die Negerfrage in den Vereinigten Staaten immer mehr zuspitzt. Sie allein soll der Grnnd sein, weshalb sich Amerika in den letzten Wochen nicht mit mehr Energie um die europäischen msi» kleinasiatischen Verhältnisse beküm- mert. Nack uraltem Brauch hatten die Neger auf den Baum- wollplantagen das Recht, die Hälfte der Ernte für sich zu be- halten. Von dieser Hälfte ließen sich die Plantagenbesitzer die Ernährungskosten und die Beträge für Werkzeug usw. be- zahlen, und da die Preise, die die Besitzer machten, hoch genug waren, steckten die Neger bei den Plantagenbesitzern meist arg in Schulden. Da aber das amerikanische Gesetz einem Neger verbietet, eine Farm zu verlassen, auf der er noch Schulden hat, so war in Wirklichkeit die alte Sklaverei, nur in etwas anderer Form, wieder eingeführt. Mt einem Ntale ist nun unter die Neger, wie die Amerikaner mit Erstaunen&e- merken,„ei n Geist des Aufruhrs gefahren". Die aus Europa heimgekehrten schwarzen„Sammies" haben plötzlich eine hohe Meinung von ihren Menschenrechten bekommen, und die Spannung zwischen Schwarzen und Weißen ist wieder ein- mal so stark, daß beide Parteien nur noch bewaffnet die Häuser verlassen, und daß es alle Augenblicke blutige Konflikte gibt. In der letzten Zeit macht sich nun unter den Negern ein starker Zug nach den Fabriken des Nordens und Ostens bemerkbar, die Farmen liegen verödet da und die Baumwollernte wird, bei der Voreingenommenheit der Pflanzer gegen jede Nachgiebigkeit, sehr schwierig einzubrin- gen sein. Die europäischen Webereien haben aber dringenden Bedarf an Baumwolle. Von Washington aus sind verschiedene Beamte mit dem Auftrag in die Baumwollgebiete gesandt worden, um Rnndfragen anzustellen. In den Nordstaaten macht sich bereits eine neue Bewegung zugunsten der Neger bemerkbar. Das Programm üer belgischen Regierung. Die belgische Regierungserklärung, die vorgestern in der Kam- mer verlesen wurde, rechtfertigt die Existenz des K o a I i t i o n s- Ministeriums damit, daß keine der drei Parteien die Mehr- heit im Parlament erlangt habe. MS Ziel der Regierung werden die Demokratisierung d«S Senats, die Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts und das Frauen- st i m m r« ch t bezeichnet, ferner wolle die Regierung baS Sprachen- Problem und die gewerkschaftlichen Fragen prüfen sowie im Bergbau und im Eisenbahnwesen die Regieverwaltung in Aussicht nehmen. Beim Ausbau deS ArbeiterrechtS werde-die Ausbreftung des Achtstundentages geplant. Heber die Verhandlungen zur Abänderung der Verträge von 1839(Neutralität betr.) sei Abgeschlossenes noch nicht mitzuteilen, alle Garanttemächte hätten die Verpflichtung, Belgien neue Garan- ticn zu gebe«. Belgien wolle sich in Zukunft auf den Block der West- mächte, besonder? auf England und Frankreich, stützen, mit welchen Abkommen zur Sicherstellung der Landesverteidi- gung und wirtschaftliche Verträge geplant seien. Schließlich beabsichtige die Regierung auch, weitere Verbesserungen in den Kolonien einzuführen. Das neue Ungarn. In LrcSkcmet organisierte ein weißer Offizier namens H e j j a« eine bewaffnete Antisemitenbande und machte dann Jagd auf dir Juden. Sie verschleppten aus dem Ge- fängnis die dort gefangen gehaltenen 31 Kommunisten, von denen 23 Juden waren, dann noch weitere 28 Juden auS der Stadt, von diese» Personen sind bisher 22 ermordet aufgefunden worden, die anderen sind spurlos verschwunden und wahrscheinlich auch ermordet. Die Ermordeten wurden vollkommen a u s g r. raubt. Einige Tage später griff die Pogrombande den nach Buda- Pest fahrenden Zug an und zwang alle jüdischen Passagier« auS- zusteigen. Sie wurden erfcho ssrn und ausgeraubt. Diese vor vier Wochen geschehenen Morde sind in Budapest erst vor wenigen Tagen bekannt geworden, da die Behörden ängstlich bemüht waren, die Angelegenheit zu vertuschen, bis das sozialdemokratische Blatt„NepSzava" die Pogrome enthüllt hatte. Die Behörden wollten anfangs den Anschein erwecken, datz es sich um eine gewöhnliche Räuberbande handelte, doch ist es erwiesen, daß die Morde die Folge einer ausgesprochenen Pogromagitation waren. Bei einem Bankett, an dem der Ministerpräsident teilnahm, wurde der Oberbandit stürmisch gefeiert. Aufgehängt werden aber jetzt die Mörder von der anderen Fraktion: _ Der politische Beauftragte der bolschewistischen RevolutionS- gerichtshöfe Dr. Eugen LaSzl» und der Ehef der politischen R S t e- P o l iz e i sl) Otto Korwin-Klein wurden zum Tode per- urteilt. Sie haben Gesuche um Begnadigung eingereicht. Den Größenwahn der feinen Regierung zeigt eine RegiernngS- Verfügung auf Einberufung der Jahrgänge I895>— 98 zur Ablösung der sich im Dienste befindlichen ältere» JahreSklassen.„Die Angehörigen Kroatiens, Slawoniens und�fiumcs werden nicht als fremde Staatsangehörige angesehen uftd müssen ebenfalls einrücken." Die Südflawen werden ihn«» was blasen! England und SowjetruKland. L i t w i n o f f erllärte, er wäre mit O' G r a d y fast zu einer Einigung über die Heimsendung der noch in Deutsibland durch Eiitentegebot festgehaltenen Russen gelangt, als O'Grady aus London angewiesen wurde, nur 109 dieser Russen gegen alle in Sowjetrußland gefangenen Engländer anzubieten. Da« betrachtete Litwinoff mit Recht als Abbruch der Berbandlungen. Die Labour Party hielt in Worchester eine aroße Versammlung ab. um gegen die Haltung der Regierung gegenüber Sowjetrußland zu protestieren. Dabei führte Cox aus. England wäre schon längst nicht mehr im Kriege mit Rußland, wenn dort nicht t 600 000 000 Pfund Sterling investiert wären. Nicht die Grausamkeiten der Bolschewisten seien der Grund, weShatb England nicht Frieden schlösse, sondern einzig und allein diese gewaltige Summe. Soviel Pfund euglischen Geldes in Rußland seien, soviel Argumente gebe eS für die Regierung, den Frieden nicht abzuschließen. Kleine politische Nachrichten. Gegen den Rcichseinheitsbcschluß deS PreußenparlamentS hat sich nun auch der sächsische Ministerpräsident Genosse Dr. Gradnauer ausgesprochen. Man solle gerade jetzt die wider- strebenden Süddeutschen nicht reizen. In Sachsen werde der Wahl- spruch bleiben:„Des Reiches Gedeihen ist unser höckstes Gesetz." Aber das Reich könne nur gedeihen, wenn seinen Teilen Lebens- Möglichkeit und Lebensfreudigkeit gelassen wird. Hilferding soll jetzt radikal abgehalftert werden. Am Morgen muß er eS tn der„Freiheit" aus Niederbarnim und Neukölln bringen und am Abend gar in einem Leilarukel seines atlbewähnen Freundes Däumig, der sich über die schleckte Presse beschwert, die der Parteitag sogar in der U.-S.-P.-Presse hat. Da kann kein Kautsky und kein Longuet was dran machen... Der ReichSrat stimmte einer Verordnung über Milderung der seuchenpolizeilicken Maßnahmen bei der Einsuhr aus Amerika zu. Bei einer Verordnung über die Malzkontingente der Bierbrauereien wurde von verschiedenen Seiten Gewicht daraus gelegt, daß lünstig eine Bevorzugung der bayerischen Brauereien nicht mehr statt- finden dürfe. Steigen der Preise im Saargediet. Wie die„P. P. N." erfahren, sprach in einer Arbeiterversammtung in Schiffweiler ein Redner das Bedauern der Arbeiterschaft darüber aus, daß die OberpreiSprüfungS- kommiffion, deren Einsetzung anläßlich der Oltober-Unruhen im Saarbecken von den Streikenden gefordert und von der französischen Verwaltung zugestanden worden war, bis heute ohne jeden Erfolg gearbeit hätte. Die Preise seien seit jener Zeit noch erheblich ge- stiegen und würden auch weiter steigen. Liebe Gäste. Für eine Ententeüberwachungskommission wird zurzeit auch in Hannover Quartier gemacht. Die Rommission soll sich mit der Ueberwachung der Steuerangelegenbeiteii und der Industrie besassen. Zwei Hateis in öer Nähe des Bahnhofs wurden bereit? mit Beschlag belegt. Eine neue Petroleumquelle Elsaß tv-urbe im Revier von Pechelbronn erbohrt. Das tägliche Erträgnis beträgt 39 Tonnen. Sie liegt verhältnismäßig günstig, nur 435 Meter unter der Erde. Kuba ratifiziert. Der Senat von Kuba beschloß, den Frie- densvertrag zu ratifizieren. Nenner fährt nach Belgrad. Staatskanzler Renner wird nach Neujahr nach Prag fahren und dann nach Belgrad. In Prag wird er mit dem südslawischen Minister Kristan zusammentreffen, der darauf nach Beilin kommt. Zeitungsstrcik in Belgien. Belgien ist von einem allgemeinem Zeitungsstreik bedroht. Das Angebot der Unternehmer einer 16'/.)- prozentigen Lohnerhöhung ist von den Arbeitern, die 35 Prozent fordern, abgelehnt wordern. GewerkschafisbMWUno 5ür gerechte Entlohnung. Eine erneuie DemonstrationSversammlung der A n g e st e I l t e n der in Berlin ansässigen Versicherungsgesellschaften fand gestern mittag im Zirlus Busch statt. Die Teilnehmer bc- gaben sich nach Schluß der Bureaus größtenteils in g e s ch l o s s e- nen Zügen nach der VersammluiigSsiäite. Der Andrang war so stark, daß viele keinen Zutritt mehr finden konnten. Im ganzen dürften etwa 10 999 Personen zusanimengestiömt sein. Dr. Vollbrecht vorn Zeniralverband der Angestellten be- richtete über die Erfolglosigkeit der Versuche, Ver- Handlungen, mit den Arbeitgebern zustande zu bringen. Diese hätten sich schon auf einen Streik der An- gestellten eingerichtet, noch ehe sie deren Forderungen kannten. Aber dem Arbe'tgeberverband sei eben der Kamm geschwollen, weil er sich seine gelbe Schutztruppe geschaffen zu haben glaube. Mit ihr zusammen wolle der Zentralverband der Angestellten sich allerdings nicht an den Verhandlungstisch setzen.(Zurufe: Nie» mal? I) Der Arbeitgeberverband sei bereits auf den Kampf gerüstet. In einem aufgefangenen Rundschreiben an die Arbeit- geber werde Fllhlungnabme mit Offizieren der Sicherheitswehr empfohlen.(Einrüstete Zurufe.) Die Arbeitgeber sollen Pläne ihrer Bureaus anfertigen, die für die Unterbringung der Sicherheitswehr dienen könnten.(Gelächter.) Das ganze Verhalten des ArbeitgebervcrbandeS sei provozierend. Tatsächlich sei es sein Machiwille, der es bisher nicht zu Verhandlungen kommen ließ.(Lebhafte Zustimmung.) Ter Redner mahnte, in allen Beirieben für Solidarität zu sorgen. Getrosten Mutes könne die Angestelltenschaft dieser Machtprobe der Unternehmer entgegensehen. Wenn sie ausharrt, werde der Arbeitgeberverband zur Verhandlung mit der Organisation gezwungen werden, die von den Angestellten als die richtige Vertretung ihrer Interessen angesehen wird.(Stürmischer Beifall.) In der Diskussion wies ein Redner darauf hin, daß nach der Hinauszögerung der Bei Handlungen durch den Arbeitgeberverdanv die Angestellten bei der weiteren Verteuerung der Lebens- mittel vielleicht noch eine Revision ihrer Forderungen nach oben nehmen muffen. Mit allen Stimmen gegen eine wurde unier stürmischem Bei- fall. folgende Resolution angenommen: Die Versicherungsangestelllen der Groß-Derliner VersichernngS- betriebe nehmen nut flammender Entrüstung Kenntnis von dem weiteren ablehnenden Bescheid deS Arbeitgeberverbandes. Sic erheben allers chärfsten Protest gegen das dikta- torilcke Vorgehen der Arbeitgeber und erwarten von dem Z. d. A., daß er geeignete Schritte und Maßnahmen trifft, die gewährleisten, daß der jetzt wieder zutage tretende „Herr-im-Hauie'-Standpunlt der Arbeilgeber auf ei» vernünftiges Maß zurückgeführt wird. Ihren Führern in der Angestelltenbewegung sprechen ffe ihr vollstes Vertraiien aus und ersuchen dieselben, den bisher ein- geicklagenen Weg unerschütterlich weiter vorwärts zu gehen und für die'volle Durchführung des'Tarifvertrages auf Grund der Magdeburger Beschlüsse nn- bedingt Sorge zu tragen. Die versammelten Angestellten geloben, daß sie geschloffen und einig hinter ihren Führern stehen werden, und sind bereit, trotz der versteckten Drohungen der Arbeilgeber im gegebenen Fall den berechtigte» Wünschen durch Anwendung der allerschärf st en gewerk- schaftlichen Mittel Erfolg zu verschaffen. Dem Arbeitgeberverband antworten sie auf fein an die An- gestellten gerichtetes Rundschreiben vom 15. v. Mls., daß sie sich keinesfalls einschüchtern lassen werden, die von den gewählten Führern ihrer Bewegung beschloffenen Maßnahmen fernerhin stritte durchzuführen. Die Berliner Versichcrungsaitgestell- ten erkennen eSnicktan, daßweiiereVerbändealsderZentralverbaud der Angestellten zu den Tarifverhandlungen hinzugezogen werden. Sie durchschauen die Absicht der Arbeitgeber, durch Hinzuziehung der gelben, den Unternehmern freundlich ge- sinnten Verbände einen Tarifvertrag zustande zu bringen. der wohl den Arbeitgebern gerecht werden, aber keinesfalls der wirtschaftlichen sowie der sozialen Notlage der Angestellten Rech- nung tragen wird. Die Versammlung bestätigt den Standpunkt des Zentral- Verbandes der Angestellten, daß nur die Angestelltenverbände als VerHändler möglich sind, die eine durch Vollmachten der An- gestellteiiauSschüsse und Betriebsversammlungen nachgewiesene erhebliche Minderheit der Angestellten vertreten. Sie sprechen daher den im GewerkschaftZbund kaufmännischer Angestelltenver« bände sowie im Gewerkschaftsbund deutscher Angestellten ver- tretenen Verbänden jede Interessenvertretung ab. Einstimmig wurde noch eine Resolution angenommen, die unter Hinweis auf die erneute Verteuerung wichtigster Lebensmittel wie Brot und Kartoffeln und auf die ungerechte Verteilung der S t e u e r l a st e n einen Ausgleich durch entsprechende Lohnerhöh u n g verlangt und von den Kominunalverwaltungen angesichts des zunehmenden Mietwuchers die Festsetzung von H ö ch st- misten erwartet. Nach Schluß der Versammlung begaben sich die Teilnehmer in geschlossenem Demonstrationszug über die„Linden'' zum Brandenburger Tor. Dort löste der Zug sich auf. Streik auf der Bisnmrckhüttc. Wie aus Breslau gemeldet wird, ist die gesamte Belegschaft der Bismarckhütte in den Aus- st a n d getreten. Es handelt sich uin zirka WOO Mann. Das Werk ist von der Reichswehr besetzt. Die dritte Marine- brigade hat die drei Hauptführer auf Grund des Belagerungs- zustandes verhaftet. Man hat versucht, auch die Ver- Achtung der Notstandsarbeiten zu verhindern. Von den sieben in Betrieb befindlichen Martinsöfen sind schon vier ein- gefroren, so daß mit Verlust dieser Oefen gerechnet werden muß. Die drei anderen Oefen werden notdürftig von den Meistern geheizt. Man hofft wenigstens, sie erhalten zu können. Die Streikenden versuchen auch die anderen Gruben in den Ausstand mit hineinzuziehen. Es besteht die Gefahr einer weiteren Ausdehnung. Der durch die Arbeitsniederlegung auf der Vismarckhütte entstandene Schaden beläuft sich heute schon auf Millionen. Da die Bismarckhütte mit Au s l a n d L a u f t r ä g e n über- häuft ist, so ist der Export-Austailschverkehr stark in Mit- Icidenschaft gezogen._ Gewerkschaftlicher Zusammenschluß. Der Verband der Schaufenster-Dekorateure Deutschlands ist nach vorangegangenen Verhandlungen zum Zentralverband der Angestellten übergetreten und bildet hier in Berlin in der Fachgruppe? die„Seklion der Schaufenster-Dekorateure". Damit ist dem seit langer Zeit gestellten Wunsche der in dem erst- genannten Verbände organisierten Kollegen Rechnung getragen und die EinheitSorganisation iür Schaufenster-Dekorateure geschaffen. Alle auigeklärten, denkeitden Kollegen, die als Dekorateure tätig sind, haben nunmehr die Verpflichtung, sich dem Zentralverbatid der Angestellten anzuschließen, um mitzuarbeiten an der Ver- befferung ihrer wirtschaftlichen Lage. Allgemeinverbindliche Tarifverträge. Der zwischen dem Verband Berliner Metallindustrie(ler, dem Bund der technischen Angestellten und Beamten sowie acht weiteren Verbänden und Vereinen technischer und kaufmännischer Angestellten am o. September 1919 abgeschlossene Tarifvertrag zur Regelung der Gehalts- und Anstcllungsbedingungen der kaufmännischen und technischen Angestellten in den Betrieben der Metallindustrie ist für allgemein verbindlich erklärt für das Gebiet, das durch eine Ver- bindungslinie zwischen nachbenannten Orten eingeschlossen wird: Notvawes� Spandau mit Staaken, Nauen, Velten. Oranienburg, Bernau. Strausberg, Erincr, Königswusterhausen, Wünsdorf, Groß- Lichterfelde, Wannsee, Nowawes. Von diesen Grenzorten fallen nur Spandau mit Staaken, Wünsdorf, Grcß-Lichtcrfelde und Wann- fee in das Tarifgebiet, Die allgemeine Verbindlichkeit beginnt mit dem 1. November 1919 Der zwischen dem Ncichsverbmid des Deuischen Tiefüaugewer- be» Ortsgruppe Grotz-Beriin, dem Deutschen Bauarbeiterverband, Zweig verein Berlin, dem.Zentralverband christlicher Bauarbeiter Deutschlands, Ortsverwaltung Berlin, und dem Zentralverband der Maschinisten, Heizer und verwandten Berussgenossen Teutschlands, Geschäftsstelle Groß-Bcrlin, am 5." Juni 1919 abgeschlossene Tarifvertrag zur Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingunzen der ge- werblichen Arbeiter im Ticsbaugewerbe ist für allgemein verbindlich erklärt worden. Die Verbindlichkeit beginnt mit dem 1. November 1919. Der zwischen dein Verein Berliner Buchdruckereibesitzer E. V-, dem Verband Berliner Buchbindereibesitzer, dem Gewerkschaftsbund kaufmännischer Angestelltenverbändc und den Bevollmächtigten der freigewerkübaftlich organisierten Angestellten in Berlin am 10. Sep- tember 1919 abgeschlossene Tarifvertrag ist gleichfalls für Berlin mit Vororten mit Begimi am 13- November 1919 für allgemein verbindlich erklärt.__ Tie Post- und Tclegraphenbedicnsteten nahmen in einer Veriammlung in den Prachnälen des Ostens er- neut zn dem Verhalten des Reichspostministeruims Stellung. Vor einigen Wochen hatte der Zentralverband deutscher Post- und Tele- graphenbedienstelen Forderungen an daö Reichspostministerium ge- richtet und zwar 50 Proz. Lohnerhöhung, 50 Proz. Teuerung?- zulage und 50. Proz. Kinderzulage, rückwirkend vom 1. Oktober 19. Ein vom Reichspostministerium an die Oberpostdirektionen ab- gegangenes Telegramm besagte, daß im Höchstsatz 25 Proz. ge- nehmigt würden. Bei den jetzigen Bezügen der Post- und Telegraphenbediensteten würden die bewilligten 25 Proz. auch nicht annähernd die elende Lage der Bediensteten lindern können und ans diesem Grunde haben die Lohnkommissionen es auch auftraggcmäß abgelehnt, über die 25 Proz. eine Zulage zu geben. Der Verbandsvorsitzende Heiden sowie Rühle von der Berliner Lohnkommission gaben den Bericht über die bisher stattqefundenen Verhandlungen Beim Reichspostministerium sowie beim T. B. A. Der vorliegende, uns vom„Bund deutscher Telegraphenarbeiter", Bezirksverein Berlin, übersandte Bericht enthält Angriffe gegen den dem Reichspostministerium zugeteilten Herrn Knöner, ein lang- jähriges Mitglied des Transportarbeiterverbandes, von dem be« hauptet wird, daß er in den Lohnverhandlungen mit undenkbar klingenden Argumenten austrete und den Versuch gemacht habe, den Verbandssekretär Vallenthin bei der letzten Lohnbewegung zu maßregeln. iMaßregelung eines Verbandösekrelärs? D. R.) Wir geben diese Behauptung mit allem Vorbehalt wieder? leider war es uns bisher nicht möglich, mit dem angegriffenen Herrn Knöner in Verbindung zu treten, uni ihm Gelegenheit zu geben, sich zu diesen Anschuldigungen zu äußern. In einer einstimmig angenommenen Resolution erhoben die Versammelten Protest gegen das Verhalten der Postverwaltung und verlangen die En.'assung de§ Herrn Knöner. Letzterer dürfte sich wohl gegen die erhobenen Vorwürfe bald äußern. Tie Arbeiter und Arbeiterinnen des Reichsbekleidungsamts er- beben Anspruch darauf, daß die den Beamten und Angestellten be- willigte WirlschaftSbeibilfe auch ihnen gewährt wird. Sie wurden von der zuständigen Stelle mit ihrem Verlangen abgewiesen, da das Reichsfinanzmimsrcrium auf dem Staudpunkt steht, de» Arbeitern der technischen Reichsbetricbe und deren Bekleidung?- ämtern werde die W i r l s ch a f l S b e i h i I s e nicht gewährt. Eine am Sonnabend im Sophiensaal abgehaltene Versammlung des Personals des Beklcidungsamtcs nahm zu dieser Angelegenheit Stellung. Es Ivnrde als eine Ungerechtigkeit bezeichnet, daß An- gestellte mit Monatsgehältern von öooDzyb M. die Wirtschafts- beihilfe bekommen, während sie den Arbeitern und Arbeiterinnen mit einem Monatseinkommen von 408—520 M. verweigert wird. Die Versammlung beschloß den Schlichtungsausschuß beim Reichs- arbeitsministerium anzurufen. Zum Abbruch des Streiks bei Wcrtheim. Der Zentralverband der Angestellten legt Wert aus die Feststellung, daß bei dem Streik der Handels-Hilfsarbeiter und Handwerker der Firma A. Werlheiin das bei ihm organisierte kauimännische Personal keine Streik« brecherarbeit verrichtet hat. Die bei Werlheim tätigen Mitglieder des Zentralverbandes der Angestellten haben sich strikt»ach den Weitungen ihrer Organisation gerichtet und Streikarbeit verweigert. Streikbrecherarbeit leisteten lediglich einige so- genannte„leitende Angestellte" sowie einige Mitglieder kauf- inännischer Harmonievereine, die sich ja auch bei Lohnbewegungen ihrer Kollegen berufen fühlen, Rausreißerdienste zu leisten. Zentralverband der Angestellten. Oesientlichc Veiiammlnngen am Montag, den 22. Dezember: Fachgruppe s, Sellion b(Spedition), abend» 7 llbr in den Musiker- Sälen, Kaiser- Wilhelm-Str. 31.— Fachgruppe 16, Sektionlat5 Heule Sonnlag von 1-a geöffnet auch der Fatirlterlenverkeul Im RelsetoUro Leipziger Platz Damenkleid aus gutem Crepe de Chine, jugendliche Machart, in dunklen und hellen Farben....... Oamenkleid, fesche Machart, aus Kunstseiden-Trikot, mit moderner Tressengarnicrung............ Bluse aus Seidenkrepp m. gesticktem Vorderteil, mit Handstich verziert. Bluse aus Crepe de Chine, runder Ausschnitt, mit Seidentresse garniert, in verschiedenen Farben........ Kostümrock aus gutem Eolienne, elegante Form, schwarz........ 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