Ur.66Ä. 36. Jahrg. Bezugspreis t Ä-ert-IISH-I. lS�V Ml., monat!. tL0 Sil. 'tti ms feaus, oormis»ahlbar. Pok- bezuz Monatlich iZO Mi. e�kl. Zn- ftellunzsgedLhr. Unior Kreuzband fitr Demichland und Oesterreich- Ungarn 7.75-ML. lür das übrige Ausland IL— Ml., hf■ lasijch enmai. Zustellung 10.— JR;+Saluta-Auffchlo0. Poll- destellungen nenmtn an Äanemarl. Holland, curemdurg. Schweden und di» Schweis Singetraaeu'N die Post» -?e>tltnas- Breisliste Der.Vorwärts* mit»er Sonntagsbeilage.Volt n. Reit* ericheuu Wochen» täglich tweimal Sonntags«uunal. Telegramm-Adrelle »S«$lai6emort«f S-rN»". Morgen Ansgabe. berliner Volksblntt (lSpk«nn-s) Anzeigenpreis: Vi« achtgelvaltene NonvareillezeNe lostet 1« M..TeuerungSj«lchlag«0»/»' «Nlsins«nzoige»-, das»eti- gedruckt« Bort 75 Pfg.5 Buchstaben zählen für zwei Wort«. Teuerungszuschlag 50%, Familien- Anzeigen, volitische und gewertschastlich» Vereins» Anzeigen 1,80 ML die Reil«. Anzeigen für di« Nächste Rummer müssen bis 8 Ahr nachmittags im HauvtgeschSft. Berlin EW 68k Linden straße 8, abgegeben werden, v-offnet oon 9 Uhr jrüh bis d Uhr abends» �entralorgan cier sozialÄemokratif�en parte» Oeuttcklanäs Reüaktion anü Expeüition: EW. SS» Linöenltr. Z. .Ternivrertier:«in, Marinvla». Nr. I.'.I Utt— 17,1»7 Montag, den Dezember 1919. vorwärts-verlag G. m. d. H.» Ew. SS» Linüenstr. Z. Krrnlvrrcher: Amt MortNPlatz. Nr. l l 7 i. Neue Joröerungen Jochs. Der Kernpunkt. von Friedrich Wilhelm Foerster. I. In den letzten Verhandlungen des UntersuchungS» auSschusies haben es die Vertreter des alten Systems meisterhast verstanden, um den Kern der Sache herum- zugehen und dem deutschen Publikum aufs neue Sand in die Augen zu streuen. Es war darum sehr dankenS- wert, bah kurzlich im..Berliner Tageblatt" Walther Rothe- n a u aufs neue diesen Kernpunkt beleuchtet hat. An diesen HinweiK Rathenaus sollen im folgenden noch einige weitere Betrachtungen angeknüpft werden. Der Kernpunkt der ganzen Angelegenheit ist doch dieser: Sind in den Jahren 1916 und 1917 leichtfertig gewisse unleugbare Friedensmöglichkeiten verpaht worden? Ist ein Kriegsmittel von ungeheurer Tragweite ohne gewissenhafte Orientierung in bezug auf alle seine posi- tiocn und negativen Folgen angewendet worden? Ist die ganze Zukunft eines großen Volkes in unverantwortlicher Weise auf eine Karte gesetzt worden? Dreimal„Ja" ist aus alle diese Fragen zu antwortenl Alle Zeugenaussagen haben willig oder widerwillig, be- Wüßt oder unbewußt bestätigt. a»f Grund von wie gänzlich ungenügenden Informationen und-gegenüber wie schwerwiegenden Warnungen der Entschluß zum unbeschränkten U-Boot-Krieg gefaßt und die Vermittlung Wilsons preisgegeben wurde. Walter Natl>enau. dessen Aussprache mit Ludendorff („Berliner Tageblatt" 558) schlagend zeigt, von welchem Im- pressionismüs damals die Entscheidungen über Deutsch- lands Existenzfragen diktiert wurden, vertritt die Ansicht, es handle sich hier weniger um schuldhaste Handlungen, als um einen schuldhaften Zu st and. es habe die zentrale Einsicht. Handlung. Verantwortung gefehlt. Dies ist gewiß weitgehend zutreffend. Denn daß ein bloßer Militär, nur mit Berufung auf den Kriegszustand, in der Lage ist. allein von sich aus über eine Maßnahme zu entscheiden, deren Konse- guenzen ohne gründliche Kenntnis der dabei in Betracht kam- menden politischen. Psychologischen, technischen und Wirtschaft- lichen Faktoren doch nur zum kleinsten Teil übersehen werden können— das ist ja ein ganz abnormer Zustand, das furcht- bare Resultat einer ganzen Entwicklung von sechs Jahrzehn- 'ten: Es war der Aberglaube unserer Bildungs- schichten an Blut und Eisen, ihre unablässige Verhöhnung von Weltfrieden und Weltver- ständigung. was unvermeidlich zu einer solchen allmäch- tigen Verkörperung militärischer Diktatur sowie zu den ent- sprechenden grundfalschen Berechnungen und damit eben zum völligen Zusammenbruch führen mußte. In den Dozentenzimmern der Universitäten und in den Lehrerinnen dezr Gymnasien wurde der U-Boot-Krieg ent- schieden, die Schwertromantik und die Weltunkenntnis der deutschen akademischen Zivilisten bildete die Grundlage für Ludendorffs Diktatur und für das Fehlen jeder mit den psychologischen, technischen und Wirtschaft- lichen Realitäten der Umwelt rechnenden nationalen Politik. Insofern also ist es richtig, von einem ganzen„schuldhaften Zustand" zu sprechen, für den jetzt die am wenigsten innerlich beteiligten Schichten des deutschen Volkes am schwersten gestraft werden. Gleichwohl kann auch die schuldhafte Handlung nicht ganz abgestritten werden. Der vermessene Uebermut, mit dem die Oberste Heeresleitung Maß- nahmen, deren Beurteilung ihre Kompetenzen weit überschritt. ollen Warnungen zum Trotz nur auf Gcfühlsurteil hin ganz allein durchsetzte und durch ihre Zensur jede Mitarbeit Anders- denkender an der Bildung der öffentlichen Meinung unter- band.')— dieser Uebermut mit seiner geradezu grotesken Unterstützung de? Gegner ist durchaus als schuldhaft zu be- zeichnen und müßte vor der ganzen Nation als solcher gekenn- zeichnet werden. In welche Hände das verblendete deutsche Volk sein Schicksal gegeben hat daS zeigte sich in den immer wiederholten Anklagen der Heerführer gegen die Propaganda von de? Hei- mat her: Als ob wir selbst bei einer Höchstleistung aller un- serer Armeegruvven jemals die Ueben'ee hätten zwingen können, uns Robstoffe und Lebensmittel zu senden! Der euro- päisch? Kontinent als deutsche Etavve hätte doch ganz Europa zweifellos in ein noch weit entsetzlicheres Elend gebracht, als es jetzt hereingebrochen ist. Und wie konnte die Heeresleitung veutschlanS zur Neutralitätsverletzung gezwungen. Wie die.,P. P. R." erfahren, hat Marschall Fach durch die Waffenstillstandskommission der deutschen Regierung mitteile« lassen, daß sich in Danzig 24 russische Offiziere und lS7 Mann befänden, die nach Sssdrußlaad zu General Denikin transportiert werden sollten und daran das Verlangen geknüpft, daß dieses Detachement auf dem nächsten Tampfzr, der rusftschr LrirgSgrfangrne von Hamburg nach Eüdrutzland abbe- fördert, mitgenommen werden mühte. Dir deutsche Regierung gerät durch diese Forderung der Entente in eine mißliche Lage; Rußland erwartet die Heimkehr seiner Gefangenen und Deutschland ist durchaus bereit, diesem Wunsche zu entsprechen, zumal da ihm die Verpflegung und Unter- bringung der Gefangenen selbst Schwierigkeiten bereitet. Für den Abtransport besteht gegenwärtig leine andere Möglichkeit al« der Seeweg, und zwar aus Schissen, die nur mit Genehmigung der Entente und nur unter deren Flagge fahre« dürfen. Wenn die Entente, wie e» jetzt geschieht, dir Genehmigung zur Fahrt mit Lristungr« verbindet, dir im Grunde eine Verletzung der N r n t r a l i t S» bedeute«, so kann Deutschland sich trotz aller Bedenken dem nicht widersetzen, wenn es nicht auf den Abtransport der Gefangene« verzichten will. Die deutsche Regierung kann bei dieser Sachlage gegenüber einem etwaigen Einspruch der russische« Regierung nur ausdrücklich feststellen, daß sie jede Berant- Wartung für die ihr auferlegte Maßnahme voll der Enteute ü b e r l a f s e u müsse._ j Italien gegen Clemenceau. In seiner letzten Kammerrede hatte Elemeueea« auch ei» Liiblied auf die Heldentaten der Jugoslawen gesungen, ohne da- bei Italien, daS eifersüchtig aus die Jugoslawen blickt, irgendwie zu erwähne«. Tie französische Presse hatte diese» Teil der Rede unterdrückt, aber die italienische Presse ist dennoch in der Lage ge- Wesen, ihn zu veröffentlichen. I« Italien herrscht über die einseitige Parteinahme ClemenreauS für die Jugoslawe«, die einer Mißachtung und Hintansetzung Italiens gleichkommt, berech. tigte.heftigeEre egung. Diegesamteitalienische Presse weift die AnSführungen Elemeneeau« mit großer Schärfe zurück.„Seeolo" schließt feineu Leitartikel mit de» Worten: „Vielleicht glaubt man jetzt i« Frankreich de« Augenblick für gekommen, wo eS sich erübrigt, anf Italien»och irgend welche Rücksicht z« nehmen." Die Artikel der übrigen vlLtter sind auf de» gleiche« Ton gestimmt. 1 Rock» im Jabre 1918 tr er nun auch wegfabre. Ich muß also annehmen, daß er kurze> Zeit nach mir daS ReichSkanzlerpalaiS verlassen hat. Die ganze Erzählung OehmeS von meinem Verweilen in den Privat- gemächern de» Herrn Reichspräsidenten und von unserer Verleugnung bei einem Besuch Ledebour» ist frei er- funden. In jener Rächt habe ich von Ledebour überhaupt nicht» gehört." Räch diesen Feststellungen des Krieasmin�ters wird wohl nun auch Herr Oebme zugeben müssen, daß er sich ge- irrt bat und daß er in jenen früheren Morgenstunden uack de» angeblich abgewiesene» Besuch Ledebour» Ebert nicht X jsmelnsam mit dem KriegSminister Sckieüch bei einer Flasche Dein getroffen habe. Das aber wollte Herr Oehme be- >iden. Wenn es so schon nm die Eide des Herrn Oehme bestellt ist, was mag man dann erst von seinen übrigen Eni» hiillungen haltenl__ Erzbergee und SonnenfelÜ. Der Vater des in der Sklmzaffäre in Holland verhafte» ren Tonnenfeld hat vo.'il NeichsfittanMiyister Erz» berger ein Schreiben erhalten, in dem dieser um nähere Angaben über die angeblich ans Reichsmitteln für die Wahl» Propaganda der S. P. D. aufgewendeten Summen gebeten »ird. Daraus hat Sonnenfeld geantwortet, daß der Schmie» zersahn des Genossen Scheidcmann. Henk, dem der Helfet» nenst bei der Reichs-tagstruppe unterstellt war, aus Mitteln . vl Ncichstagstruppe Aufwendungen für sozialdemokratische biahlpropaganda gemacht habe. Sklarz habe diese Sgmme, >ie Sonnenfeld mif 50 000 bis CO 000 Mk. schätzt, dann mit >er Reichs regierung verreclwet. Für nähere An- -oben und Material vcrlvcisl Connenseld auf seinen in Hot- -and noch in Hast befindlichen Sohn. Eine ungültige Amnestie. Vor einigen Tagen haben wir die Anfrage cm die Re- lierung gerichtet, was mit den Meuterern des Detache- nents Rostbach geschehe, die unter Mistachtung der ihnen gegebenen Befehle mit Gewalt und List nach dem Baltikum durchgebrochen sind und von dort eine die Regierung der- ahnende Proklamation erließen. Hierzu erfahren die P.P.N. von zuständiger Stelle: Es ist richtig, daß der für die Baltikumtruppen geltende Vor- warf der Un&otmästmkcit gegen die Reichsregierung in er- höbtem Moste und in verschärfter fhjrm gegen da» De- tachement Rostbach erhoben wcrdon kann Dieser Um- - wnd ist jedoch— für die Behandlung des Detachements Rost- ! ach— durch die späte ceu Ereignisse belanglos goioorden. Die Behandlung deS DeiarfveancntS Rostbach ncust sich richten nach den in die Äbsichl, die Führer der Baleikumtruppen alS die für alle Borkommnijse Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Dieser Absicht wurde seitens der Truppen dadurch be» gegnet, dast die Leute die Forderung stellten, die Zusicherung der Amnestie solle sich vorbehaltlos auch auf sämtliche Offi» ziere erstrecken. Als der Bevollmächtigte der Regierung -'audte, auf diese Zumutung nicht eingehen zu dürfen, machten sämtliche' Truppen diese Förderung zur ,conckitk> der allgr. meinen Abmachungen. Ihrerseits drängte die Enlentekommission unier Androhung von Siepressalien zum Abschlutz der Verhand- lungen bzw. zum Rücktransport der Truppen, andererseits war klar zu ersehen, dast die Truppen, die offenbar fest zu ihren Führern hielten, von ihrer Forderung nicht abgehen würden, dast em»ach die ganze VermittlungSakticm scheitern und«in lata- irophaler Konflikt zwischen Deutschland und ?er Entente entstehen müßte. Unter solchem Zwange hat ich Admiral Hopmann zu weitgehenden Zuge- ständnissen verstehen müssen. Der Reichswehrminister ist durch diese Zusicherungen seiner- seitS in«ine schwierige Lage verseht, dies um so mehr, als er devaniwortlick» ist für Geist und Disziplin der jungen ) Rehrmacht. Ilm allen Eventualitäten vorzubeugen, hat der - ReichSewrminister daher verfügt, dast die zwischen dem Regie» rung»Vertreter und den Baltikumtruppen getroffenen Abmachun- gen nicht summarisch übernommen, sondern dast sie durch Untersuchung jedes Eingelfalleö eingehend auf Legalität und Geltung geprüft werden. Wenn die Reichsregierung die den Dastikumtruppen ver- prochene Amnestie auf ihre Legalität, d. h. Gesetzmäßigkeit, Zrant Weöekinös �Zranztsta". Erstaufführung inder Tribüne. Die Tribüne tut gut. die dramatischen Versuche deS revolutio- nären literarischen Nachwuchses, zu deren Sachwalterin sie sich ge- macht hat, al? nicht illegitim dadurch zu kennzeichnen, dast sie in die Reih: ihrer Aufführungen daZ viel umstrittene Spätwerk WedekindS gestellt hat. Sie hat damit einmal die Ehrlichkeit ihrer Borsätze be- wiesen, zum andern aber in kluger Folie gezeigt, wie sehr einer ringenden Künstlergenerotion der Komplex Bedckind, der vor nicht allzulanger Frist noch recht zukünftig dünkte, befruchtend gegenwärtig geworden ist. Das Mysterium des WcibeS Franziska, das durch eine« überlegenen geistigen Impresario durch Erde und Inferno aller menschlichen Möglichkeiten faustisch geleitet wird, gemutet heule, je mehr die Linie deS Lebens unentwirrbar verläuft, bei weitem klarer und deutungsvoller als bei seiner Uraufführung: ei« Fiasko.des experimentellen Intellekts zugunsten einer verinner- lichten, im höheren Sinne religiösen Weltanschauung. Und Wede- lind bleibt trotz allec Verschnürkelung, trotz aller krampfhaften Anti. these. ja sogar trotz aller Verhöhnung se.ineS eigenen sittlichen Re- formatoreniumZ der Prophet erlöster Menschheit, die nur eines zu erstreben braucht, um Eden neu zp gewinnen: nämlich da» Äoaipli- siert- auf größtmögliche Einfachheit zurückzuführet« In einer Vorstellung, die gcmäh den Prinzisiken der Tribüne >!« Dekoration auf ein Minimum beschränkt und Wort und Gebärde auf ungestörter Fläche zu modellieren trachtet, entschleiert sich der Simplizitätsdrang Wedekind«, der mit verhaltener Wucht seine Ära- besken durchbricht, immer zwingender. Der Kampf de« Elementaren n dieser ahaSverischen Rawr mit dem tzochstaplertum ihrer sog?- nannten Modernität ist mir nie so bewußt geworden. Ich buche eS ohne Zögern als ein Verdienst der Regie Eugen Robert». In schmalerem Spiegel waren Verzerrungen gemilden, und das Ueber. dimensionale. das bei Wedekind zumeist zynischem Anruf g: horcht und nur einmal in dem Liebesdialog zwischen Veit Kunz und Fran- ziska in der siebenten Szene gleichsam aus der dichterischen Einfalt der Urvölker heraustritt, hatte unmittelbaren Bezug zu zedem, dessen Zuschauer» und Zuhörertum tn Aktion gewandelt wurde. Dast im Ertasten Wedctindscher Absicht Verschleppungen d«S Tempos und Un. gleichmästigkeiten sich einstellten, war der geringere Fehler dieser szenischen Nachdichtung, als deren größeren ich die Fehlbesetzung einiger Nebenrollen riig«. Dcr Erfolg des Abend» gipfelte tn der Person Albert Z t e i n r ü ck S, der als Wedckind-Darstellcr an erster Stelle steht und d?n Veit Kunz mit unerhorh-r Eindringlichkeit erlebte. Geballt aus Dämonie, ZyniSmn» und Schwermut, unübertrefflich in der ruckweise» Swnatur de? Verfall», da er auf dem Postament seiner angemaßten Gottberrlichkeit zum Bankrotteur zutammenschrumpft. ,nd grandios in letzter Szene, da er als Fürst der Pechvögel den Triumph feiner männlichen und menschlichen Niederlag« mit einem trivol.schmerzlichen Adeltum gibt, beschwor er den toten Wedekiad n Stimme und Haltung. Ihm gegenüber hatte Frau Sita hin prüft, so wistd sie wohl sehr schnell zu her Erkenntnis kommen müssen, daß die gesamte Amnestie rechts- ungültig ist. Seit dem 11. August 1919 besitzt das Deutsche Reich eine Verfassung, an welche die Negierung in ihren Abmachungen und Versprechungen strikte gebunden ist. Der Artikel 49 dieser Verfassung lautet: .Der Reichspräsident übt für das Reich das Begnadigcmgs- recht aus. ReichSamnestien bedürfen eines RrichSgrseheS." Der Reichspräsident kann danach kraft seines Begnadi» gungsrechtes nur in Einzelfällen bereits ver» hängte Strafen� erlassen oder mildern. Allgemeine Amnestien, wie die den Baltikumtruppen zugesickierte, be- dürfen dagegen des R e i ch s g e s e tz e s. Die Regierung und itamentlich das Reichswehrministerium weiß das auch, denn gerade jetzt läßt es zu den noch schwebenden Strafver- folgungen wegen Jahnenflucht amtlich mitteilen: Die eingeleiteten Verfahren sind keineswegs will- kürlich, sie haben sich aus den nock> geltenden Gesetzen ergeben. Die seinerzeit oerfügt« Amnestie reichte in ihrer Fassung nicht aus, konnte vielmehr auf gewisse Fälle gerade von Fahnenflucht nicht bezogen werden. Der Reichs-.oehrministcr hat die beschleunigte Ausarbeitung einer Gcsctzcsvorlage(das ist das Entscheidende. Red.) veranlaßt, durch die die Amnestie mich auf diese Fälle ausgedebnt werden �soll. Außerdem ist ange- ordnet worde n, daß die schwebenden Strafver folgungen unter- brachen und bereits eingeleitete Verfahren vertagt werden sollen. Wo Verurteilungen bereit? erfolgt find, soll vi« Strafe im Gnadenwege erlassen werden. Die angekündigte Ge» setzeSvorloge wird von der Nationalversammlung kaum in ihrer Ianuartagung, sondern erst im Februar verabschiedet werden können. Ist für die Begnadigung der„Novencherdeserteure" der Erlaß eines besonderen Reichsgesetzes notwendig, so ist er es fürdieBaltikumdesertenreer st recht. Wie der Staatsanwalt in jenen Fällen nach dem Buchstaben des Ge- setzes eingeschritten ist. so muß er es erst recht im Falle Roß» dach und Genossen. Sonst gehört nämlich der Staats- anwalt selber ins Zuchthaus, wie nachgulejen im ß 346 des Strafgesetzbuches:• Ein Beamter, welcher vermög- feine« Amte» bei Ausübung der Strafgewalt oder bei Vollstreckung der Strafe mitzuwirken bat. wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren bestraft, wenn er in der Absicht, jemand der gesetz&ich-n Strafe rechts» w'-djig zu entziehen, dir«erfvlgung einer strafbare« Handlung unterläßt usw. Der Staatsanwalt wird also in Aktion zu treten haben, und der Regierung kann das n u r l i e b fein, wenn kraft des geltenden Rechts, das auch Admiral H o p m a n n nicht außer Kraft setzen kann, die beklagenswerte Kapitulation vor der Erpressertaktik der Meuterer rückgängig gemacht wird. ch Die Meldung der„Freiheit", wonach in Schlesien ganz offen für eine„Hindenburgarmee" geworben wird, bezeichnet die„Deutsche Allgemeine Zeitung" als«absurd und unzu» treffend"._ Die alten und neuen Harnlfonftädte. Da? Reichsheer wird«nn 1. April 1S20 gebikd:t werden. Nach dem Friedensverträge darf e» nur SS 000 Nnteroffiziere und Mannschaften stark fein. Ebenso wie seine Stärk« ist durch den Friedensvertrag auch dl« Zahl der Verbände festgelegt. Sie ist verschwindend gering gegen die des früheren Heere«. Da» her werden am 1. April 1020«ine große Anzahl von Städten ihre Garnisonen verlieren. Diese Städte, besonder» die. die seit langen Jahren, oft feit Jahrzehnten, dieselben Truppenteile in ihren Mauern beherbergt haben und deren Geschichte eng mit denen der Truppenteile verwachsen ist, werden bierdurch schwer getroffen werden Wir stehen aber hier vor unabänderlichen Tatsachen. Staub, dl: für die erkrankte Frau Hofer die Titelrolle über- nommen hatte,«inen doppelt schweren Stand. Sie verfügt über eine Note, die zwischen Passivität und lässiger Anteilnahme balan- ziert. Nicht unwirksam im Affekt, maogelt ihr aber die Fähigkeit, die Revolution entfesselter Instinkte und deren Bändigung entzünde» ten Blute» zu gestalten. In der Festfpielszcne. die auch in der' Fassung der Tribütfe hart das bühnenmäßig Erlaubte streift«, hätte Herr L i e d t k e durch größeren Ernst als Herzog von Rotenburg vielleicht der Situation genützt. Ernst Gronau schließlich be- währte sich als Pater Smeran und Freiherr von Hohenkenznath als Chargenspicler von nicht gewöhnlicher Qualität. Kurt Erich Meurer. Gege« die Verfilmung DostvjewSNS. Lassen Knut Hamsun und .Hauptmann ihre Dichtungen verfilmen, liegt kein Grund vor, die Angelegenheit als etwa» Unerhörte» zur Sprache zu bringen, denn die Entseelung gebt ja mit dem Einverständnis der Schöpser vor sich. Anders liegt der Fall, wenn man vernehmen muß. daß an die Ausbeutung und Mißhandlung von Dramen und Romanen toter Dichter gegangen wird. Da muß denn doch etwas geschehen. Ich lese, daß man Dostojewski»„Brüder Karamasoff" bear- bettet und dem Film preisgibt. Die Lust an einfacher Verspottung solcher Schändung, verübt an einer der gewaltigsten Menschheit». Sinfonien in Prosa, kann einem vergehen, und der mnrische Hin. weis, nun werde die Hand de» Ailmmanne» stch bald auch nach dem Tasso ausstrecken und ihn mit Schänzel herausbringen, führt zu nicbtL. Schlimm ist und schmerzhaft, daß Künstler wie Ludtvtg W ü l l n e r sich diesem unentschuldbar verwerflichen Plane zur Verfügung stellten. Die„Brüder Karamasoff", die nicht nur die Seele Rußland», sondern die Entwicklung de» menschlichen Herzenz und alle Stadien seiner Triebe offenbaren— aber e» ist häßlich. eine so aufwühlend«, erhebende, unerreichte Dichtung mit drei Worten erklären zu wollen—, sind vielleicht mehr noch als Goethe- (che oder Shakefpearefche Dramen angewiesen auf daS Sichversenken in das Wort. Jede Bearbeitung ist takt- und schamlose Benin. glimpfung. E» ist zu forder«, daß die Presse fortan Bearbeiter, Schattspieler und Filmseelen, die sich an solcher Unkultur betetligen. dem Hohn preisgibt, statt, in Zelten der Papternot. die Aufführung zu würdigen und sie gar literarisch abzustempeln. Es ist zu fordern— Kultukminister, hören Siel—. daß der Dichter(soll er denn ewig schutzlose Beute geldgieriger Hände fein?) auf 100 Jabre nacb seinem Tode vor der Verfilmung gesetzlich geschützt wird und auch dann nur verfilmt werden kann, wenn erstens kein etwa noch lebender Nachkomme etwa» einwendet, zum zweiten ein vom Kultusministerium zu eruennender Ausschuß(gesäubert von Film. Schauspielern und-Schriftstellern) einstimmig die Verfilmung� für unschädlich hält.(Sofern es sich um eine Dichtung handelt, dürfte der Fall nicht eintreten.) Bis dahin, ober man beeile sich. Hut ab vor jedem Schauspieler, der. schon für die Versündigung gewonnen, noch nachträglich errötend die Mitwirkung am Film der„Brüder Karamasoff" berfagt. H a n» Sochaczewer. Kleine» Schausvicshau». Die Hofe, von Kork Strrnheim. Die Probe, welche die Neuaufführung dieser vor etwa einem Jahr- zeftnt in Reinhardts Kammerspielen erschienenen Komödie dar- stellt, fiel für da» durch sie vertretene Genre recht wenig günstig DaS frühere Heer ist auf Befehl der Reichsregierung aufgelöst Der Friedensvertrag legt Deutschland auch milttärische Kesseln an. Er muß durchgeführt werden. Für da? verbleibende kleine Heer müssen die Garnisonen nach der BerwendungS- möglichleit der Truppe und nach Ausbildung kgrund- säßen ausgesucht werden. Bet gleicher Bewerbung sprechen natür- lich die alten Garntsonbcziehungen daS erste Wort. Kür die übrigen Garnisonorte besteht militärischerseits keine Möglichkeit, den Verlust der Garnison auszugleichen. Die§luckt des Oberleutnants Vogel. In der Presse tauchen noch immer vage und»unbegründete Behauptungen über die Flucht de» Oberleutnants Vogel aus. Dazu erfahren die„P. P. N." an unterrichteter Stelle: 1. Es sind keinerlei Beweise für die Unterstellung vorhanden, daß die Flucht des Leutnants a. D. Vogel durch a m t- lich« Organe oder durch im Dienst befindliche Offiziere, Beamte oder Mannschaften bewerkstelligt, gefördert oder unterstützt wor- den ist. 2. Nach der Flucht Vogels hat auf Anordnung deS Reichs- Wehrministers sofort eine diesbezügliche Untersuchung stattgefunden. Di« Erhebungen haben«inen Verdacht in dieser Richtung weder gezeitigt, noch bestätigt. 3. Die Behauptung, daß die Personen, welche Vogel zur Flucht verholfen haben, der Regierung bekannt sind, ist unzutreffend. Die Ausgeburt des Siegerhoffes. Zu der bekannten Verurteilung der beiden Gebrüder R o e ch l i n g durds ein französisches Gericht muß nochmals Stellung genommen werden. Die Gebrüder Roechling hatten Maschinen, die aus den be- fetzten Gebieten entnommen waren und ihnen durch die Reichs- rcgierung zugewiesen wurden, wie andere deutsche Industrielle auch, in ihren Betrieben aufgestellt. Ter eine der Gebrüder Rocchiing befindet sich in Deutschland, der andere hat seinerzeit bei dem Vor- rücken der Franzosen, entgegen dem Anraten seiner Freunde, cß abgelehnt, seinen Platz zu verlassen. Er wurde von den Kran- zosen verhaftet und dann wieder auf freien Fuß gesetzt. Auch dann ist er den Ratschlägen, sich in Sicherheit zu bringen, nicht gefolgt, sondern ist geblieben. Wenige Tage daraus ist er e r n e u t verhaftet wvrden und nun hat man ihn zu zehn Jahren Zuckt- hau» und zehn Millionen Frank» Geldstrafe verurteilt. Tie gleiche Strafe wurde gegen seinen in Deutschland befindlichen Bruder ausgesprochen. Wie man politisch oder wirtschaftlich zu den Gebrüdern Roech» ling steht, spielt hier keine Rolle. Juristisch ist dirse» Urteil eine franzlsische Ungcheuerlicklcit. Was die Gebrüder Rocchiing getan haben, ist auf Veranlassung oder wenigsten» unter aktiver Hilfe der damaligen Reichsregierung erfolgt, die für sie al» obHste In- stanz de» Deutschen Reiches maßgebend war. Wenn Frankreich etn« sachlich« Verfolgung der Angelegenheit am Herzen gelegen wäre. hätte e» sich damit an dt« deutsche Regierung wenden müssen. So stellt sich das richterliche Vorgehen al» ein ekel- h a f t e r Justizmord und al» die Absicht dar. jeden deutsckea Einfluß aus dem brfeyten Gebiet hinauözutrciben. To» Urteil tft in seiner Wirkung gleichbedeutend mit der LonfiSkatio« der ge- samten Raechlinschrn Werke durch Frankreich. Zwanzig Millionen Franken sollen die Gebrüder Roechling zusammen bezahlen. daS macht nach dem gegenwärtigen Stand der Währung fast 100 Milliv« nen Mark au». Da eine derartige Summe natürlich niemal» be- zahlt werden kann, nehmen die Franzosen die Roechlingschen Hütten- werk« jn Beschlag und konfiszieren sie al» Ersatz für die Geldstrafe. Da» ist nackter Raub, ausgeführt von baßerfüllten Mensch««. Auf ähnliche Weise kann Frankreich allerdings etn« ganze R-'he von deutschen Fabriken unter Gewaltanwendung enteignen und sie französischen Kapitalisten in die Hand spielen. Rücksicht»Ioser ist wohl nie die Lüge von der Gerechtigkeit, die die Alliierten fortgesetzt im Mund« geführt haben, entkleidet worden. Scham- lofer ist nie da» Recht vergewaltigt morde«. au». Man hat in der Sternheimschen Manier, in feiner vielfach an Wedekind gemahnenden Forcierthert der Situationen, der it h»- rafterWk und de» papiernen Dialog», den Ausdruck einer besonder» originalen, ja spezifisch modernen satirischen Eigenart entdecken wol- len und eine Menge Tfessinn zum Nachweis dafür aufgewendet. Wa» unbefangener Sinn als Mangel und Armut empfand: die Ma» rionettcnltastigkeit de» Stils sollte ähnlich wie beim Dichter des „Erdgeist" gleich die Offenbarung einer neuen höheren Kunstart sein. Ein« Mode, deren Uebertreibungen in nicht zu langer Frist ihr« Zugkraft endgültig verloren hatten dürften. Die glänzende Rollenbesetzung der Reinhardtschen Aufführung hatte eine verklä- rende Aureole der Erinnerung um Frau Maske» intime» Klei- dung»stück gewoben— den Eindruck htintertassen, al» lebe min- desten» tn jenem ersten Wurf eine frische Kraft der Laune. Beim Wiedersehen, ohne di« Hilfe einer Schauspielkunsi. die aus der Fülle eigner Phantasie di« leeren Flächen in dem Rahmen schöpfe- risch belebte, aber schien jede©pur de» Reizes fortgewischt. Man kämpfte gegen, da» Gefühl von Leere und spitzfindiger Willkür vergebens an.' Dabei war der fellbstgefällige feiste bürgerlich« Held, der sich, aufs Ammaliichet beschränkt, im Leben wohlfiihlt wie die Made tm Speck— ein Typus, der bei Sternheim häufig wie- derkehrt— durch einen Schauspieler von zweifellos bedeutender naturalistischer Gestaltungskraft wie Vallentin vertreten, der sicher jeden Zug des VonlrildeS herausarbeitete, also billigerweis« für da» Versagen der Wirkung nicht oerantwortlich gemacht wer- den konnte. Auch Frau Roma Bahn- Martin und Alice Torning in den Figuren de» lüsternen Krauchen» und der noch schlimmercit Freundin, wie Georg Alexander als schmach- rend schmächtiger Friseur(in manchen karikaturisfischen Wen- düngen recht drollig) genügten den Forderungen, die der Verfasser nach feinem Texte stellen konnte. Eine wirkliche jchau spielerische Niete bedeutete nur der feinen Inspirationen nachjagende, bei der Familie Maske einquartierte Aefthet des Herrn von Alten. Hier fehlte ganz die Mimik übermütig grotesker Literatrnpersi- flogt. Doch auch ein Treffer in diesem Punkt bätte die Last der in diesem Stück gebäuften Hemmungen, Breiten und Peinlich- ketten nicht überwinden können. Der Betfall klang am Schluß rech: matt. Eonrad Schmidt. Ttjeetn. Im Deutschen Künstler-Tb eatcr wird al? nächsie Erstauf- sühcimg Karl Sternbelms Schauspiel.Die Matauis« von A r e i S* vorbereitet.— Da» Theater des«esien« sühn am ZO. Dez. und 2. Januar ,B a ft i e n und Bafttenne", hieraus„Die«iirit- berget Puppe- auf.— Das Theater der Friedrich päd« wird vom Silvesterabend ab eine Bühne für Bariet» sein. Für die Notleidenden Wien» findet in der Volksbühne am Minwoch, 7. Januar, nachmittag« Z'r- Uhr. eine Sondervorstellung de« „G de' mit Friedrich Kahtzler in der Titelrolle statt. Musik. DaS Acujabrskoiizert, da« der BolkSkraft- Bund am 1. Januar, vormittag« 11 Uhr, im Ufa-Palast am Zoo mit dem Orchester des Deutfchen Opernhauses veranfiallet, bringt u. a. Wag. ncr« Vorspiel tu den ibieiftei imgern sowie Vorspiel und Liebestod aus „Tristan und Isolde' und Beethovens Lconore III. Solisten Sabin« Meyen und Paul Schramm. tlrpui«. 9fm Freitaguachmiitag wird der Bortrag„Mit dem Lust- schiss nach dem Bodenlee' zu kleineu Preisen gehalten werden. Reue Burqtheatcrtcttc. Die vor etniaer Zeit beigelegt« Direkt ion»- krise am Wiener Burgthcater scheint erneut auszubrechen. Der Burg- tbeatcrdirekwr Alberr Hern« hat(ich erneut dahin ausgesprochen, daß«r Wien müde sei und jeden Ruf nach Deutschland gern annehmen wit-�-. Qt iKiftnnfrfft mU dtm Sil&ufycivfc Welt darf nicht müßig dabei sieben, wenn Tausende von Menschen gegen den Tod ankämpfen. Sie muß bessere Versorgung der G«» icuigeiven möglich machen. DaZ Internationale Komitee fordert zur Sammlung von Geldbeträgen auf und erklärt sich bereit, die gesam- melten Betrüge zu zentralisieren und nach Wladiwostok zu geleiten, Ivo sich die Vertreter der Organisation befinden, die jetzt schon zu- gunsten der Gefangenen tätig sind. Die Summe soll zum Ankauf von Kleidern, V Medikamenten oder als Beitrag für die Kosten der Heimschaffung venvendet werden. Eine Moskauer Meldung spricht von vollständiger Unter- brechung der Amurlinie. Blcaowestschensk sei abgeschnitten, im Lager von Shabarowsk sei ein Aufstand Ler deutschen und ungari- scheu Kriegsgefangenen ausgebrochen. 4- Koltschaks Fiasko. Dem Pariser Vertreter der Genfer �Feuillc" erklärt« ein aus Sibirien zurückgekehrter französischer Offizier, daß, abgesehen von den Soldaten und einer kleinen Anzahl deS Bürgertums, die ge- saonte Bevölkerung die Rückkehr der Bolschewisten wünsche. Die Roten Truppen würden als Retter empfangen wer- den. Die französischen Truppen in Sibirien seien viel zu gering, um irgend etwas ausrichten zu können. Die Truppen Koltschaks seien völlig d e m o ra l rf i e r t und ihre Offizier« dem Trünke er- geben Das ganze Unternehmen Koltschaks müsse als beendet betrachtet werden, und die Verbündeten hätten ihn bereits endgültig fallen gelassen. Auch Denekin werde ohne Zweifel daS gleiche Schicksal erleiden. Tomsk ist geräunit. Zwischen den Esten und der Noten Armee soll eine große Schlacht toben, die für die Esten schlecht steht. �meritanijche Hilfe. Ten schon bestehenden großen amerikanischen Ausschüssen in Boston, Chikago, Newyork, Milwaukee, Philadelphia, St. Louis, San Franziska usw. hat sich nun in Ziewyork ein neues Komitee hinzugesellt, das in enger Gemeinschaft mit dem Jentralyilfskomitee und dem Deutschen Roten Kreuz seine Aufmerksamkeit ganz der deutschen Kinderwelt widmen wird. Der Vorsitzende des AufsichtSratei der Chaie Rational Bank A. Barton Hepbnrn ist Vorsitzender. JameS Speyer, der bekannte Bankier, Schatzmeister des Zentralhilfskoinitecs, auch Schatzmeister des neuen Komitees. Ferner sind George Foster Peabodh. Charles Hayden, Charles H. Sabin, Paul M. Marburg, Adolf'Kuttroff u. a. unter den Ausschuß« nntgtiedern zu finden. Es dürfte sich vor allem darum handeln. die vom ReichsgesundheitSamt und ReichSernährungSministerium als wünschenswert bezeichneten Z u s a tz r a t i o n en für Klein» linder und Schulkinder regelmäßig nach Deutschland zu liefern. Liebesgaben zu politischer vemonftration. In Flensburg ist Freitag ein dänisches Schiff mit Weih- nachtslieb esgabeu gelandet, an dessen Bord sich über'dreißig Personen befanden, die kein deutsches Paßvisum besaßen. Abends naä) der Ankunft des Schiffes hat unter Beteiligung der dänisch gesinnten Kreise Flensburgs ein Fest an Bord stattgefunden. Die deutschen Behörden haben pflichtgemäß die Schiffsinsaffen darauif aufmerksam gemacht, daß ohne Paßvisum das Betreten Flensburgs verboten fei, worauf der Leiter der Expedition erwiderte, daß dann die W e i h n ach t S p.a ke te nicht abge- liefert werden könnten. Vor Ausrüstung deS Schiffes hatte die deutsche Gesandtschaft in Kopenhagem das die Liebesgaben verteilende Komitee verständigt, daß nur drei oder vier ihrer Mit- g lieber das deutsche Paßvisum erhalten könnten. Die dänische Re- gierung hat von dieser Stellungnahme der deutschen Gesandtschaft Kenntnis erhalten. Trotzdem find an Bord des Schiffes mehr als dreißig Mitglieder des Komitees mitgekommen, die ohne das deutsche Paßvisum Flensburg betreten wollten. Von deutscher Seite ist auf den oben wiedergegebcnen Bescheid noch einmal der dänischen Ex- pedition erklärt worden, daß das Betreten Flensburgs ihren nicht mit Paßvisum versehenen Mitgliedern verboten sei und daß das Himreg setzen über diese Vorschrift eine Verletzung der deutschen Gesetze bedeute.— Das Verhalten der Dänen, die sich über die deutschen Bestimmungen hinwegsetzten, wird von der Flensburger Bürgerschaft als Herausforderung und als Demonstration politischen Charakter»«npfundeii. unglücklichen Nacht im Garten des Försterhauses, als meine. ge» liebte Minna Hochzeit mit dem Schurken RaScal hielt— jetzt klangen sie mir wieder in den Ohren, und düstre Ahnungen be- drängten mich. Und eines Tages, als ich Unglücklicher in meiner Höhle weinte, verfinsterte ein Schatten den Eingang— 0 Herr, es war mein Schatten. Ich erkannte ihn sofort wieder; denn nichts haftet so treu im Gedächtnis wie die Vorzüge eines leicht- sinnig verscherzten Glücks. Ich stürzte daraus zu, beglückt, meinen Schatten wiederzuhaben, denn ich wußte, daß mir nur sein Wie- dergewinnen die Erlösung von allem Leid durch einen friedlichen Tod bringen könne. Aber der Schatten entglitt wie damals auf der Heide meinen Händen. Ich rannte gegen einen Körper, der im selben Augenblick sichtbar vor mir stanh. ES war der Mann im grauen Rock. Er lachte höhnisch und fragte: Bist du immer noch nicht klüger geworden? O, ich hätte ihn erwürgen mögen mit meinen'schwachen Händen, und ich besaß doch keine Macht über ihn. Er aber war allmächtig über mich. Daß ich es kurz erzähle: er zeigte mir den GlückSsäckel, den ich verabscheute, und sprach: Da, nimm ihn, du Tor. Der gäckel ist dein,«S zieht khn zu dir, solange ich deinen Schatten habe. Oder meinst du. man macht einen Handel dadurch ungeschehen, daß man den Preis von sich wirft? So spottete der Fremde meiner. Ich rief: Ich mag deinen Beutel nicht, der mir nichts als Unglück brachte. Behalte ihn und gib mir meinen Schatten wieder! Ich bat, ich warf mich dem Fremden zn Füßen und flehte ihn an. Er aber lächelte kalt und zog jenen verfluchten Vertrag herbor, den mit meinem Blute zu unterzeichnen mir graute. Er ließ meinen Schatten vor mir zu Boden gleiten, der Schatten heftete sich an meine Füße, aber der Fremde nahm ihn wieder an sich. Er reizte mich mit tausend teuflischen Künsten, bis ich, nahe daran, besinnungslos den Pakt zu unterzeichnen, zornig aufsrpang und den Fremden mit lauter Stinnue aus meiner Höhle wies. Er ging. Ich hörte ihn lachen — dann sank ich erschöpft und aller Kräfte beraubt in tiefe Be- täubung. Als jeh evwachte, lag auf dem Steine, der mir als Tisch diente, der Glücksbeutel, den der Fremde in schlauer Berechnung zurückgelassen hatte. O, er hatte die Stunde gut zu wählen ge- mußt. Ermüdet, von Hunger und Leid zermürbt, unterlag ich der Versuchung. Die Lockung des Goldes ist mächtig, ihr sind schon stärkere Seelen unterlegen alS ich eS bin. Für dreißig Silber- linge verriet Judas Jscharioth seinen Herrn, und er war doch-in Junger. O junger Herr, Sie ahnen nicht, wieviel Verrat Äen- scheu an Menschen begangen haben um de? Geldes willen. Jh bin nicht der einzige Schlemihl, der seinen Schatten für Gold der- kaufte. Ich verlor den meinen unwiderbringlich. Und ich hatte in jener Stunde nicht mehr die Kraft, den Preis zu verschmähen, für den ich den Schatten hingab. Ich nahm den Beutel und ging wieder unter die Menschen, die ich so lange gemieden." st „Und die Menschen?" rief Paul. Eorts. kclat.) Minengefahr infolge Sturmflut. Durch die schweren Stürme, die in der letzten Zeit auf See geherrscht haben, sind besonders auch in der Nordsee große Mengen von Minen von ihren Berankerungen losgerissen worden, wodurch die Schiffahrt sehr gefährdet wird. Kapitän Graden- Horst, der Führer des früheren Hamburger DampfetS„Mannheim", von Rotterdam kommend, hat am zweiten Weihnachtstage in der Zeit von S bis 12 Uhr vormittags nicht weniger als 16 treibende Minen angetroffen. Auch im Mittelmeer sind Minen auf- getrieben. Der Dampfer.Noon" hat auf der Reise allein sechs Minen treibend angetroffen._ wiener Weihnachten. SiaatSkanzler Dr. Renner erklärte einem Preffevertreter nochmals, daß die deutsch-österreichische Regierung zum R ü cktritt gezwungen sei, wenn die Ernährung der Bevölkerung nicht ge« sichert werde, wie es im Geleitbrief zum Friedensvertrag von St- Germain vom 2. September versprochen wurde. Mehrere Bürgermeister und sonstige städtische Vertreter von italienischen Städten find in Wien eingetroffen, um 1600 Kinder abzuholen. Die amerikanische Hilfsaktion hat zum Christfest 100 000 arme Wiener Kinder mit Christstollen, feiner Seife uud Aepfeln beschenkt. Im übrigen ist es bei der vrrringerten Brotration von einem Zweipfundlaib ä>ZaiSbrot für die ganze Woche geblieben und die Aufrechterhaltung der Beleuchtung und des Straßenbahnveriehrs ist immer nur von Tag zu Tag gesichert. Die Verhandlungen wegen Verpachtung-deS Tabak- monoPols werden in Paris von Staatssekretär Reisch geführt werden. Zunächst handelt es sich um einen V o r s ch u tz von 150 bis 200 Millionen Franken._ Troelsira über öas neue Wettrüsten. Im Verlauf der Marinedebatte in der holländischen Kammer, welche bekanntlich mit dem Rücktritt des MarineministerS Bijleveld endete, ergriff auch Genosse T r o e l st r a in der Sjtzung vom lt. De- zember das Wort. Er stellte Betrachtungen über den Zusammen- hang zwischen Abrüstung und Völkerbund an in Anlnüpfung an vorhergehende Ausführungen der Abgeordneten Treub(Economische Bond) und DreffelbuyS sFreiliberal). Ursprünglich bätte man — so meinte Troelstra— sich die Entwicklung deS Völkerbund- gedankenS in der Richtung der internationalen Ab- rüstung gedacht. Mehr und mehr aber scheine man jetzt in dem Völkerbund eine Institution zu sehen. welche die Völker zu dauerndem Wettrüsten zwingen solle, DaS in Bern entworfene Schema des Völkerbundes weicht beträchtlich von dem Machwerk von Versailles ab. Nach dem Karikatur» frieden von-Versailleö sei die Welt noch innner in starker Gärung begriffen und eS sei nicht unmöglich, daß für die Er- lösung der Welt vom Fluche deS Krieges andere Kräfte als der Völkerbund in Aktion treten würden. Angesichts der finanziellen Erschöpfung und der durchgängigen Verstümmelung deS sozialen LebeuS werde kein Volk die Verantwortlichkeit auf sich nehmen, die Flamme des Weltkrieges wieder anzufachen. Die Alliierten, die Verkünder des„ewigen Friedens", geben sich Mühe, aller Welt zu zeigen, daß daS neue Wettrüsten mit Hochdruck weitergeht. Die„Information" meldet auS PariS: Der französische General- stab erklärte, infolge des Menschenmangels mit einer geringeren als drei- jährigen Dienstzeit nicht mehr auskommen zu können. Man brauche 20000 Mann amRhein. 100000 Mann für die Kolonien. 30000 für die Levante, 43 000 für die Garnison von Paris und 80 000 Mann für die vsr- schiedenen Depots. Der Jahrgang 1920 habe aber nur 200000 Mann ergeben.— Clemenceau erklärte, daß zwischen Frank- reich und England ein Uebereinkommen dahingehend bestehe, daß die Armeen beider Länder nach einem gemein- samcn Plan auf Grund einer Verständigung der französischen Heeresleitung ausgebildet werden sollen. Das ftanzösisch-englische Heer werde künstig die sicherste Gewähr von neuen kriegerischen Verwicklungen sein. Am Weihnachtsabend haben in vielen Städten Frankreichs zahlreiche sozialistische Versammlungen stattgefunden, bei denen be- tont wurde, daß es an der Zeit sei, endlich durch gemeinsame Aktionen in allen Ländern zugunsten Deutschland» gegen die imperialistische Politik ClcmeucrauS Stellung zu nehmen. Vertreter der neutralen Staaten, sowie England und Amerika haben sich diesen Aeußerungen angeschlossen, besonders betonte Troelstra im Namen der holländischen Sozialisten, baß eine gemeinsame Aktion mit den Deutschen gegen Clemenceau eingeleitet werden solle. Der in Berlin vorhandene angebliche Militarismus sei nur ein Schutz gegen den imperialistischen Militarismus, der von Clemenceau und seinen Anhängern getrieben würde. Die Formel, daß der Militarismus von Berlin nach Paris verzogen sei, sei viel zu schwach, denn in Wirklichkeit sei der deutsche Militarismus lediglich eine Maßnahme zur Landesverteidigung gewesen, während der Pariser Militarismus Clemenceauö rein imperialistischer Natur fei, der durch Chauvinismus unterstützt würde. . Englanüs Arbeite? sotten antworten. Unter der Ueberschrift«Die Entscheidung liegt bei den engli- schen Arbeitern" bringt der„Labour Leader" einen aufsehen- erregenden Artikel, worin es u. a. heißt:„Der furchtbare Kreis von..junger, den die Ententemächte über ganz Mitteleuropa zielen der systematisch durch die Forderung der Auslieferung vy» Eisenbahnmaterialien, Schiffen, Docks usw. verschlimmert wird, ist das Ergebnis eines so raffinierten und so grausamen Plaues, daß man es nicht glauben, viel weniger verstehen kann, daß er zur Ausführung gebracht wird. Der Gedanke, nach Abschluß des Frie- oens die Führer des deutschen Volkes zur Verantwortung zu ziehen, kann durch eine plumpe und barbarische Verdolmetschuug von Recht und Olewjjhtigteir noch begründet werden. Aber der Gedanke, die Strafe aus ein ganzes Volk auszudehnen, das seine eigenen Führer gestürzt und sich von ihnen freigemacht hat, ein ganzes Volk dem wirtschaftlichen Ruin, Hunger und der Tuberkulose auszuliefern— eine solche Strafe auf unbestimmte Zeit ist daS Produkt eines TollhauLtraumes. Nichtsdestoweniger ist dies kalt- blutig ins Werk gesetzt worden." Der Artikel führt dann weiter aus, daß im Laufe der Zeit Spanien, Holland, Frankreich und Deutschland die englische Welt. Herrschaft bedroht haben. Spanien und Holland sind nur noch Er- innerungen, Frankreich ist ruiniert, Deutschland und Oesterreich der- nichtet, Belgien außer Spiel gesetzt. Englands neueste Konkurrenten si-nd Amerika und Japan. England hofft, daß eS möglichst schnellFvieder seine wirtschaftliche Welthcrr- schaft erreichen wird. Die Macht beruht nicht mehr auf der B e- herrsch ung Europas. Die englische Industrie späht mit Wolfshunger nach den finnischen Wäldern, nach den russischen und sibirischen unerschöpflichen Reichtümern an Rohstoffe« und Mine- ralien. Die Entscheidung der Fragen liegt in den Hände« der eng- lischen Arbetterllasse. Soll es verhindert werden, daß die Entwick- lung des Sozialismus, der das Glück vieler Millionen bedeutet, in einen schmutzigen Profit für die Aktienbesitzer verwandelt wird? Soll Deutschland aus diesem Grunde Karthagos Schicksal erleiden? Sollen Mllioncn von deutschen Männern und Frauen zugrunde gehen? Sollen Kinder rettungsoS Hunger, Frost und Tuberkulose preisgegeben werden? Englands Arbeiter müssen auf diese Fragen Antwort geben." Der amerikanische slußenhanSei. Die amerikanische Ausfuhr im November hat 143 Millionen Pfund Sterling gegen 127 Millionen im Oktober und 102 Millionen im November 1918 betragen. Die Einfuhr im November be- trug 8ö Millionen Pfund Sterling gegen 80 Millionen im Ol- tober 1919 und 20 Millionen im November 1918. In den 11 Monaten 1919 wurde für 712 Millionen Pfund Sterling mehr Ware ausgeführt als eingeführt. Im vorigen Jahr betrug der Unterschied nur 200 Millionen. Kleine politische Nachrichten. AnSfuhrkontrolle für Textilwaren. Um der steigenden Knappheit an Textilwaren für die BeMeihing der breiten Schichten der Bevölkerung einigermaßen zu steuern, erscheint es erforderlich, die Ausfuhr derartiger Gebrauchsartikel zu k o n t r o l l i e r s n und zu beschränken. Der Reichswirtschaftsministcr hat daher durch eine Bekanntmachung im«Reichsanzeiger" in Ergänzung der unter dem 4. Dezember 1919 veröffentlichten AuSfnhrverbotslisten eine Anzahl weiterer Tcxtilfertigwaren dem Ausfuhrverbot unterworfen. Di« Ausfuhr von Luxusartikeln der Texnlindustrie und der Veredelungsverkehr. bei dem Fertigwaren gegen ausländische Rohstoffe ausgetauscht werden, soll auch ferner durch beschleunigte Erteilung von Ausfuhrbewilligungen gefördert werden. Keine„Hindenburgarmee". Gegenüber der„Freiheit" erklärt die„Deutsche Allgem. Ztg.", daß keinerlei Vorbereitungen für eine „tzindenburgarmee" stallfiiiden. Man möge doch genauere Angaben über Namen und Orte machen. Der Anti-Baltikum-Major K a u p i s ch bürge für Verhinderung, Wegen brieflicher Erzberger-Beschimpfung ist der Kaufmann Hehirich llkcna in Leer(Ostfriesland) vom Landgericht I Berlin zn 400 Mark Geldstrafe, im NichtbeitreibungSfalle zu 40 Tagen Gefängnis verurteilt worden. In dem Mainzer Schieberprozeß sind auch eine Anzahl fran- zösischer Offiziere zu Gefängnis und Degradation verurteilt tvorden. Kapitel Biilkerbefreiung. In der belgischen Kammer fordertc. Genosse C amille H u y s m a n s in flämischer Rede Einsetzung einer Verständigungskommission für die flämische Frage. Die Autonomie- sorderung des Aba. Macs(fläm. Frontpostcn) wurde mit Lärm aufgenommen in den er hincinrief:„Nieder mit der belgischen Ein- heitl" Die Abgg. van Cauwelaert und Huyshouwer beantragten Urmvandlung der Universität Gent in eine flämische. Die Sowjet-Brchr. Der Reiv Borker Geistliche Grent de- zeichnet« die Ausweisung der?lnarchisten als unklug uud uuzweck- mäßig, der die anarchistischen Ideale und Gedanken dadurch neue Propagandakraft gewinn«« und außerdem Amerikas Ruf als Be- schützen der Redefmheit(!) gefährdet würde Die 300 Ausgewiese- neu seien 800 Prediger des Hasses gegen Amerika. Die Unruhen in Argentinien. Der Streik ist jetzt auch auf dem Lande in Iveitcm Umfange ausgebrochen. Die Arbeiter fordern einen Tageslohn von 40 Pesos, das sind 2 Pfund Sterling. Der Zlnschlusi der Schweiz an be» Völkerbund ist, wie uns aus Basel gedrahtet wird, dadurch gesichert daß die Vertreterversammlung des Schweizerischen Bauernbundes den Anschluß befür- wortet hat. Der Aufbau Deutfchlonös ist daS hohe Ziel, das die vereinten Kräfte unseres Volkes erreichen müssen. Diesem Ziele jedoch stehen nennenswerte Parteigruppen in Kampfstellung entgegen. Von rechts und links wird die junge Republik umfehdet. Rechts die Reaktion von ehedem, die mit den ungeheuren Geldmitteln ihrer schwerreichen Gönner dem System zustrebt, das Deutschland ins Unglück gestoßen hat. Links organisieren die Putschisten die Umwälzung in der Richtung auf den den Ruin vollendenden Bolschewismus. Beiden Extremen gegenüber, die eine gleich große Gefahr für das deutsche Volk sind, verfolgt der„Vor- wärts" getreu seiner seit Jahrzehnten befolgten Politik einzig und allein diejenige Politik, die im Interesse der Werktätigen Bevölkerung geboten ist. Er läßt die Reaktion, getreu den sozialistischen Grundsätzen, nicht aus dem Auge und wird es als seine vornehmste Aufgabe ansehen, in noch größcrem Maße als bisher durch Wort und Bild politische Aufklärung in die breiten Massen des Volkes zu tragen.„Vorwärts"- Leser, sorgt für Aufklärung, werbt mehr als je für Euer Blatt! Wir sind gezwungen, ab 1. Januar den Abonnements- preis auf 4,50 M. pro Monat zu erhöhen. Die Material- preise, deren Steigerung hier veranschaulicht wird, lassen keinen anderen Ausweg: Preise vor de in Kriege: jetzt: Druckpapier. 100 M. 21,— M. 760---- 8S7 Proz. Ausschlag Druckfarbe.. 100„, 08.—„ 280= 6S7„ Meiall.... 100,„ 42,—, 900= 2044„ Maschinenöle 1,„—,45„ 7,28= 1533,„ Drucktücher. 1 St.„ 1,18„ 10= 747., Nußkohle... 10 t„ 222,—, 1800= 726„ Braunkohle. 10 1„ 127,50„ 1700= 1233, Folgender Zettel ist ausgefüllt an die Expedition deS „Vorwärts", Berlin SW 68, Lindcnstr. 3, zu senden. Ich abonniere ab l. Januar de«„Aorwärts" mit der illustrierten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit" in Groß-Berlm täglich zweimal frei ins Haus für 4,5» Dtk. monatlich. Ausserhalb Grotz-Bcrlins Wohnende wollen beim Postamt ihre» Wohnortes bestellen. Name--————---—-:——----——. Wohnung-— -:------- Straße Nr__ vorn— Seitenflügel— Äuergebäude- Treppen. Bei wem?-- GeweckschoßsbewMNg �in Reichstarif für Sie Sürsieninöustrie. Nach längeren und mehrlagigen Verhandlungen, die in N ü r n- berg unter dem Vorsitz des nordbayerischen DemobilmachungS- lommissars Dr, Schneider genihrl wurden, ist es am Dezember gelungen, einen Reichstarifvertrag für das Bürsten- und Pinsel machergew erbe und für die Bleistift- indnstrie abrnichliesten. Vertragschließende Partei ist auf Arbeiterseile der Deuliche Holzarbeiterverband. Dieser bat schon vor Monaten einen Vertragsentwurf ausgearbeitet. Dem Vertragsabschluß stellten sich aber rntofern Schwierigkeiten ent- gegen, als es auf Seiten der Unternehmer an einer umfassenden Organi'atioir fehlte. Hier sind die Organisationen noch recht jungen Datums. Die Bürsten« und Pinselmacher-Jnnungen hatten sich in einen Verband zusanimengeschlossen; außerdem hatte es der zufällige Umstand, daß die Pinselindustrie ebenso wie die B l e i st i f t- i n d u st r> e ihren Hauptsitz in Nürnberg haben, zuwege ge- bracht, daß dort ein Verband der Bleistift- und Pinselindustrie ge- gründet worden war. AuS diesen beiden Organisationen ist neuer- dings der A r b e i t g e b er s ch u tz v e rb a n d für die B l e i st i ft-, Bürsten- und Pinselindustrie und verlvandte Ge- werbe mit dem Sitz in Nürnberg entstanden. Mit diesem hat nun der Deutsche Holzarbeilerverband den Neichstarif abgeschlossen. Ursprünglich war der Tarifvertrag nur iür die Bürsten- und Pinsel- industrie gedacht. Die Bleistiftindustriellen erhoben aber auf Grund ihres organisatorischen Zusammenschlusses den Anspruch, den Ver- trag auch aut ihre Betriebs auszudehnen. Dem konnte entsprochen werden, zumal die Bleistiftarbeiter wie die Bürsten- und Pinsel- macher im Deutschen Holzarbeiterverband organisiert sind. Durch den Vertrag, der am 20. Dezember in Kraft getreten ist, sind die in Betracht kommenden Orte in vier Tarif klaffen geteilt. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt in der I. und II.-Klasse 46, in der III. 47 und in der IV. Klasse 48 Stunden. Die M i n d e st st u n d e n l v h n e sind nach dem Alier und den Tarisllassen abgestuft. So erhalten männliche Arbeiter zwischen 16 und 18 Jahren in den vier Tarifklassen 2.15 M., 1,65 M., 1,40 M. und 1.15 M-, weibliche der gleichen Aliersklasse 1,50 M., 1,10 M., 1,— M. und 90 Pf. Für Arbeiter über 24 Jahren bc« tragen die Mindestlöhne Tarifklasse Männliche.. Weibliche.. I S.— 2.- II 2,50 1,60 III 2,25 1,50 IV 2,- M. 1,40„ Die Akkordlöhne sind so festzusetzen, daß 20 Prozent über dem Mindestlohn verdient iverden können. Dauernd in Zeitlohn be- schäfligie Arbeiter und Arbeiterinnen erhalten mindestens 20 Pf. mehr als den Mindestlohn. Ferien werden den über 20 Jahre alten Arbeitern und Arbeiterinneu, auch den Heimarbeitern gewährt und zwar nach einjähriger Beschäftigung 3 Tage, nach zwei Jahren 4 Tage, nach drei Jahren 5 Tage, nach vier Jahren 6 Tage, und weiter steigend bis 10 Tage nach sechzehn Jahren Beschäftigung. Lehrlinge und Jugendliche erhalten 3 Tage Ferien. Der Vertrag regelt weiter die Befugnisse der A r b e i t e r a u§ s ch ü s s e, die in allen die Arbeiter interessierenden Fragen ein Mitbestimmungs- recht haben. Die vertraglichen Löhne können vom 1. April 1S20 ab einer Revision unterzogen werden. Wichtig ist auch die im Vertrage vorgesehene Regelung der Verhältnisse der Heim- a r b e i t e r. Alles in allem genommen bedeutet dieser Tarifvertrag einen bedeutenden Fortschritt, der umso höher zu veranschlagen ist, als die Lob»- und Arbeitsverhältnisse der Bürstenmacher im allgemeinen rückständig waren und ihre zentrale Regelung erhebliche Schwierig« keilen verursachte._ Gewerkschastsgenossen! Sefucht die Montags- Versammlungen. Die Gewerkschaftskommisson veranstaltet am Montag abend zwanzig Versammlungen, in denen über die am 1. Januar 1920 bevorstehende Verleuerung des Brotes und der Kartoffeln sowie geeignete Gegenmaßnahmen gesprochen wird. Es ist allen Arbeitern und Arbeiterinnen zu empfehlen, diese Veriammlungen zu besuchen. Näheres sie im Inseratenteil. Ter Ausschuß der Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Wo bleibt das Neichsaufsichtsamt für Privat- Versicherung'i Vom Zentralverband der Angestellien wrid�ns geschrieben: Der Arbeilgeberverbanb der deutschen Versicherungsunternehmer lehnt es bekanntlich gb, N»ue Tarifvertragsverbandlungen mit der bisherigen Tarifveritogspartei zu beginnen. Die Gründe, die der Arbeitgeberverband dafür angab, wechselten innerhalb weniger Tage. Neuerdings erklärte er, lediglich deshalb nicht zu verhandeln, weil er gegen den Willen der Angestelltenschast auf Anweisung deS zentralen Arbeit leberverbandes die neue Hinzuziehung gelber Angestellten« organisattonen auS parteipolitischer Rücksichtnahme verlangt. Auch daS Versicherungsgewerbe soll also nach dem Willen des Scharfmacher- tums zum Schauspiel von Kraftproben der Reaktion gemacht werden. DaS Versicherungsgewerbe ist jedoch in so hohem Maße eine öffent« liche Einrichtung von sozialer und wirtschaftlicher Notwendigkeit, daß diesem privaten Siörungswillen Halt geboten iverden muß. Wir haben nun in Deutschland ein Reichsaufsichtsamt für Privat Versicherung, das die Interessen der Versicherten gegenüber den Versicherungsunternehmungen wahrzunehmen gesetzlich berufen ist. Das Reichsauffichtsrat schätzt die drohende Gefahr auch richtig ein. Wo bleibt aber die Einwirkung dieses Amtes, das weitestgehende Befugnis hätte, die einzelnen Unternehmungen zu veranlassen, durch den Beginn der Tarifvertrags-Verhandlungen mit der bisherigen Tarisvertragspartei, den Arbeitskampf mit allen seinen Begleit- erscheinungen abzuwenden. Damit würde selbstverständlich das Aufsichtsamt zu den Forderungen der Angestellten durchaus nicht Stellung nehmen. Die Verhandlungen selbst würden dann ergeben, ob und wieweit die Forderungen der Angestellten erfüllbar sind. Jedenfalls können die Versicherten wie die Gesamtheit erwarten, daß hier die Pflicht zum Eingreifen seitens des Reichsauffichts- amteS einsetzt, um die einzelnen Unternehmungen zu zwingen, alles zu tun und nichts zu unterlassen, um Geschäfisstörungen zu vermeiden. Die Frage, ob es in den nächsten Tagen zu Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeberverbande und dem Zentralverbande kommt, wird die Entscheidung über die mögliche Vermeidung deS Wirt- sckaftskampfes bringen. Jedenialls haben die Angestellten aller großen Versicherungsplätze beschlossen, einheitlich hinter ihrer Or° ganisation zu stehen.__ Ter Syndikalisten-Kongreß. Am Nachmittag erstattete Kater den Geschäftsbericht. Die Bewegung habe im letzten Jahre eine günstige Entwicklung ge- nommen. Kater polemisierte beionders schärf gegen die Kam- mu nisten, deren Kampfesweise gegen die Syndikalisten er als besonders niedrig bezeichnete. Nach weiteren Geschäfts« berickten wurde in eine Diskussion über die Berichte eingetreten, die heute Sonntag fortgesetzt wird. Ferien« und Lchrlingsfrage im Töpfergewerbe. Für große Teile der im Verband der Töpfer und Berufs- genossen organisierten Arbeiterinnen und Arbeiter sind in den letzten Wochen zentrale Abinachungen in der Ferienfrage ge- troffen worden, und zwar für alle in den Kachelofenfabriken be- schäftigten Angehörigen des Töpferverbandes. Mit dem Verband Süddeutscher Kachelofen- fabrikanten haben mn 25. November in Würzburg Ver- Handlungen stattgefunden, wobei die Vereinbarung getroffen wurde, daß alle Arbeiter und Arbeiterinnen, die ein Jahr im Betriebe tätig sind, Anspruch auf 6 Tage Ferien hcchen. Für Arbeiter unter 16 Jahren und Lehrlinge soll die Ferienftage besonderen örtlichen Abmachungen unterliegen. Auch für daS Jahr 1919 soll noch jeder Ferien erhalten, sofern er seit 1. Juli 1919 in einer süddeutschen Kachelofenfabrik tätig ist. Als Entschädigung für die Urlaubswochc wurde der Durchs chnittsläh n des letzten Vierteljahrs zugrunde gelegt. Mit dem Verband Deutscher Kachclofenfabri- kanten haben die Verhandlungen am 8. Dezember in Leipzig stattgefunden. Vereinbart iourde, eine jährliche Ferienzeit von sechs Tagen für alle iin Zentvalverband der Töpfer und Berufsgenoffen organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen einschließlich der Jugend- lichen und Lehrlinge festzulegen. Die Ferien haben auch für das Jahr 1919 Gültigkeit, sofern Arbeiter und Arbeiterinnen seit Neu- jähr 1919 in irgendeiner Ofernfäbri? beschäftigt sind. Jedoch können für dieses Jähr die Ferien abgelöst weiden durch Extra- zahlung eines Wochenlohnes in der Durchschnittshöhe des letzten Bierteljahresverdienstes. Für das Jahr 1920 und 19L1 müssen dagegen durchgängig Ferien gewährt werden mit der gleichen Ent- schädigung, und zwar in den Somaneruionaten allen Arbeitern und Arbeiterinnen, sofern sie mindestens ein Jahr in derselben Ofen- fabrik beschäftigt sind. Iin Jahre 1921 sollen erneute VerHand- langen in der Ferienftage stattfinden. Auf der letztgenannten Konferenz wurde auch die Lehr- lingsfrage zentral geregelt. Die Lehrzeit soll durchweg drei Jahre dauern. Nach Ablauf des ersten Vierteljahres der Lehrzeit ist jeder Lehrling auf seine Eignung für den Ofenformerberuf zu prüfen und zu entlassen, wenn er sich als ungeeignet erweist. Ter Wochenlohn des Lehrlings soll im ersten Lehrjahr 30 Mk., im zweiten 35 Mk., im dritten 40 Mk. betragen. Im AKord sollen Lehrlinge im ersten Lehrjahr nicht beschäftigt werben, jedoch ist es zulässig im zweiten und dritten Lehrjahre. In diesem Falle soll dann der Lehrling im zweiten Lehrjahr 50, im dritten 75 Proz. des Gcsellenakkordfatzes erhalten. Die Zahl der Lehrlinge soll, da großer Mangel an gelernten Kräften, zunächst keiner Beschränkung unterliegen, jedoch muß eine gute fachmännische Ausbildung garantiert werden. Auch die Ofensetzer und Scheibentäpfer, die im Töpferverband organisiert sind, machen in der Ferienftage nach und nach Fort- schritte. Für die Scheibentäpfer haben bereits vor mehreren Mo- naten zentrale Verhandlungen mit dem Topfwarenfabrilantenver» band in Görlitz stattgefunden, sie find leider resultatlos verlaufen, weil die Unternehmer ungenügende Zugeständnisse in dieser Frage gemacht hatten. Im Ofensetzerberuf haben die Unternehmer Ferieu abgelehnt. Beide Avbeiterkategorien des Töpferge- merbes sind jetzt dabei, Ferien durch örtliche Abmachungen durchzusetzen. Sie haben aus diesem Wege stellenweise achtbare Er- sölge erreicht. Politische Maßregelung oderKSndiguug wegen Sabotage. Vom Kontrollausschuß der Eisenbahnhauptwerkstätte Grunewald erhalten wir zu den unter obiger Ueberschrift in Nr. 652 des.Vor- Ivärts* wiedergegebenen Auslassungen der.P. P. N." eine Zuschritt, in der betont wird, daß die in der Werkstatt Grunewald vor« gekommene Maßregelung ein erneuter Beweis dafür sei, welche reaktionären Strömungen in der Eisenbahnverwaltung nach wie vor maßgebend sind. Die betreffenden Ausführungen der ge- maßregelten Kollegen sind in Betriebsversammlungen, die von der Verwaltung genehmigt waren, erfolgt, die die Einführung von so« genannten Kontrollausschüssen zum Zweck hatten. Selbstverständ- lich müsse der Kritik in einer derartigen Versammlung, in der die Arbeiterschaft über eine Sache entscheiden soll, freier Spielraum gelassen werden. j „Soll", so heißt es in der Zuschrift,„das nun eine Aufforderung zux Sabotage sein, wenn von Arbeiterseite erklärt wird, daß sie kein Interesse an der Erhöhung der Produktion haben könne, so- lange es nicht verhindert werden kann, daß nur das Schieber- und Schleichhändlertum diese, unlere Arbeit, ausnutzt? Weiter soll man hierbei bedenken, daß das Mißtrauen der Verwaltung gegen- über ein großes ist, da sie mit allen Mitteln danach strebt, das vollkommen unmögliche Akkordsyftem wieder einzuführen. Man sollte sich nur einmal in die Arbeiterplyche hineinversetzen, dann würde man sich nicht wie das Ministerium auf juristische Spitzfindigkeiten versteifen. Bezeichnend ist es auf jeden Fall, daß der Minister sich allein die Entscheidung vorbehalten hatte, sich aber von der Arbeiter- Vertretung nich» sprechen ließ. Unzählige Verhandlungen über diesen Fall haben � weiter nichts erreicht, als daß wertvolle ArbeilSzeit verlorengegangen ist. Wo die tatsächliche Sabotage liegt, werden die Kontrollausschüffe zu gegebener Zeit feststellen, was selbstver- ständlich bereits jetzt von gewissen Geheimräten unangenehm empfunden wird, weshalb sie nichts sehnlicher wünschen, als daß die Kontrollausschüffe wieder in der Versenkung verschwinden mögen."_ Zeutralverband der Angrftellte«. Fachgruppe 18, Sektion c (Asa-Angestellte), Sonntag, den 28. Dezember, voimittags 9'/, Uhr: Der- sammlung im.Rosenthaler Hos", Nosenthaler Str. 11/12. Tagesordnung: Fortsetzung der Tarisberatung.— Verlammlungen am Montag, den 29. Dezember: Fachgruppe 18 sScit. b(Handelslehrer u. Lebreriimen): öffentliche Versammlung, vormittags II Uhr. im»Alten ASkanier", Andaller Straße 11/12. Tagesordnung: Beschlußfaffung über den Tarif.— Fach- g nippe 3, Seklion b(Heeresbetriebe): Mitgliederversammlung nachmittags 2 Uhr im Konzerlhaus.Flora", Belle-Allionce-Str. 21. Tagesordnung: Wahl der Scktionsleitung.— Fachgruppe 9, Seltionen a— d: Sektionssitzung abends 8 Ubr in HaverlandS Aestjälen, Neue Friedrichstr. 35. Tages- ordnnng: Die Tarffverhandlungen. Ortsgruppe Kroß-Berlin. Die für Montag, den 29. /De- zember, in den.Zentralscstsälen", Ate Jakobstr. 32, anberaumte allgemeine Funktionärversammimig findet nicht statt. Siemenswerke. S. P. D.-Mctallarbeiter-VertrauenSleutc und E. P. D.-Funklionäre des SiemenskonzernS! Montag nachmittag 4st, Uhr, Im Restaurant Maria, id, Heidekrug: Konferenz. Tagesordnung sehr wichiig. Erscheinen dringend notwendig. Mus aller Welt. sind teilt mit, daß fäurtliche Misse in Baden, namentlich auch Schwarzwaldflüsse, außergewöhnliche Hochfluten aufweisen. Der Neckar hat den Stand von 9 Meter bei Hetdelberg, der Rhein einen solchen von 8 Meter bei Dkaxau erreicht. Der Bahnhof Maxau bei Karlsruhe steht ganz nnter Wasser. Die Altstadt von Heidelberg ist überschwemmt. Die Bahnstrecken im Schwarzwald südlich Freiburg sind durch Wegspülen der Dämsne unterbrochen. Vielfach mußte nachts die Bevölkerung alar- miert werden, damit sie sich und ihr Hab und Gut in Sicherheit vor den heranwälzsnden Fluten brachte. Schneeschmelze und Regengüsse im Gebirge dauern fort. Zudem wird auch auS dem Alpengebiet ein Anschwellen der GebirgSftüffe und allgemeine Schneeschmelze gemeldet. Auch auS Frankreich, Belgien und Elsaß- Lothringen werden Wasserkatastrophon gemeldet. Kohleunvt in Kiel. Bis zum 4. Januar 1920 ist die Abgabe von elektrischem Strom tagsüber von S— 4 Uhr eingestellt. Ein furchtbares Lawinenun,lück hat zu Weihnachten den Schweizer Kurort D a v o s heimgesucht. Wie uns gedrahtet wird, sind zwei kleine Nachbarortschaften vollständig verschüttet, 24 Hau- ser zerstört und bis jetzt über 48 Tote und 10 Schwerverletzte fest- gestellt. Die Unsicherheit in Wien. Am Heiligen Abend und am ersten Weihnachtsfeiertag wurden 30 Einbrüche mit einer Beute von 3 Millionen, zwei Mordtaten und zahlreiche Raububevfälle auf offener Straße in der Innenstadt verütst. Tie K-hlennet in Krankreich ztvingt zu den einschneidendsten Riaßn ahmen. Man will auch den Neunstundentag im Bergbau einführen. � Auch ein Weihnachtsmann. Die Lissaboner Polizei entdeckte bei einem Syndikalisten 90 Bomben Berantw. für den rcdaltwn. Teil: Artur glckler, Charlottiiibura: für tb.»locke. Berlin. Verlag: VorwLrto-Verlag D. m. b.£>., Berlin. Druck:. wärts-Duchdruckerei u. Berlaasanlwll Paus Singer u. Co. Berlin. Lindenlir. S. Hierzu 2 Beilagen. H. Leipziger Straße Künlgalraße Rosenthaler Straße Morl&plafe Kolwein IBIS" DärkHeimer......... II20 1918" Oberingelheimer.... II50 1917" Priorato,'�«''",'�..,1350 1917" Cru laPatache(B�-) 1720 Rheinwein 1918- Diedesfelder......... 1060 1918" Laubenheimer Berg. II40 1918" Goldberg..... 1300 Wachstum Winzer- Genossenschaft Dessertwein Tarragona, rot............. 1960 Tarragona, weiß............ 2020 Malaga................... gO60 Österr. Süßwein....... 21°° Preise verstehen sich einschließlich 20% �Weinsteuer Freitag, den 2t Meilsen mmsere Oesct* weyen Inventur- Ibis 3 CJiur gesctilossen ScherzartiKei Kopfbedeckungen für Damen und Herren in großer Auswahl........... von 20 Pfg. an Knallbonbon mit Scherzartikel, Musikinstrumenten und Kopfbedeckungen......... von 2" an Gummiballon zum Aufblasen.... Stück 95 Pfg. Papierschirme............... von 95 Pfg. bi$ l50 Büschelstäbe zum Necken.... Stück 30 und 15 Pfg. Büschelhörner mit Stimme......... Stück 30 Pfg. Gießblei im Karton, Inhalt 12 Stuck mit Löffel.... 285 Praline mit Scherzartikel.......... 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