Nr.666. 36. Jahrg. Bezugspreis t WrrtrljShrt. 18�0 4,50 Kt fr« ins Hau», voraus, ahlbar. Pak- bezug� MouarUch iHO Mk, exkl-gu- slellunosgedllhr. Unter Zlreujdand für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 775«k. für da» übrige Ausland IS.— Rl. bei täglich einmal, izuftellunz 10.— Mt.+ Valuta- Aufschlag. SJoFi- destellungcn nehmen an Dimemart. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Singetragen w die Post- Zeitung»- Preisliste. Der.Vorwärts� mit der Sonntag»- deilage»Boll u. Zeit" erscheint Wochen- täglich zweimal. Sonntag» einmal. Teiegramm-Adrefse. .SezialOemotrat Oerll«". Morgen Ausgabe. Verlinev Volksblstt sisaksnn'g) Anzeigenpreis: Die achtgelpaltene Ronparelllezeilo kostet ILO M., Teuerungszuschlag«0 �Kleine Anzalgen". das tett- gedruckte Wort 7S Pfg.(zulässig zwei iettgedruckte Worte). ,edes weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 65 Pfg. lebe» wettere Won 40 Pfg. Worte Uber 15 Buchstaben zählet» für zwei Worte. Teuerungoziischlaz 50°/». Familien- Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Verein»- Anzeigen IPO Alk. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bi» 5 Ahr nachmittag» im szauptgeschäit. Berlin SW 68, Lindenltrahc 3, abgegeben werden,(beöffnet von 8 Uhr früh bis b Uhr abend». Zentralorgan der sozialdemokratischen parte» Deutschlands Uedoftton und Expedition: Slv. 68, Jfndenfh. 3. �erniV recher: Ami Wort»via», Sie. ISlSV—>»>S7. ! vorwarts-verlag S. m. b. h., EW. 68. Lindenstr. 3. Zserniprrcher: Amt Morttipla«. Str.»17 53—3�. Frankreich und wir. Nach dem relativ entgegeii?oinnienden Ton der fran- zösischen Antwortnote darf man wohl jetzt hoffen, daß der Friedensvertrag demnächst endlich in Kraft treten wird. Da- mit dürften auch die Beziehungen zwischen Deutfclüand und Frankreich eine gewisse Entspannung erfahren, und es wird im Interesse der beiden Maaten liegen, wenn man auf beiden Seiten den Beginn dieser neuen Phase der Welt- geschichte dazu benützt, das Problem der gegenseitigen Be- ziehungen einer leidenschaftslosen Prüfung zu unterziehen. Eduard Bernstein hat einmal im„Vorwärts" der„De- klamationspolitik" die„Vernunftspolitik", entgegengestellt, allerdings zu einer Zeit— nämlich vor der Ueberreichung der deutschen Gegenvorschläge zum Versailler Friedcnsent- Wurf—, in der diese„Deklamationspolitik" unentbehrlich war, um dem Verzweiflungskampf der deutschen Friedens- delegation gegen die ganz unvernünftige Politik des Ober- sten Rates den Rückhalt einer möglichst eininütigen Volks- stimmung zu verleihen. Aber es ist unbestreitbar, daß nach der vollzogenen Tatsache der Ratifizierung des Friedens allein eine„Vernunftpolitik" fruchtbar fein kann.' Eine der Hauptursachen der deutschen Niederlage war die gänzliche Unsähigsseit der alten Regierenden, die G e- suhle und Gedankengänge der anderen Völ- ker zu erfassen. Ein bis ins Groteske gesteigertes Beispiel dieser Unzulänglichkeit bieten die nunmehr traurig-berühm- ten Randbemerkungen Willielms II. Und überhaupt die ganze Kriegspolitik des alten Preußen-Deutschland wird durch diese Unfähigkeit, sich in Haut und Hirn des Gegners zu versetzen, gekennzeichnet: sie bestand z. B. darin, dast man die Londoner City mit Zeppelinbomben bewarf, um die Engländer ,, mürbe zu machen", und nickst einsehen wollte, daß man damit ihren Willen zum Durchhalten wirksamer aufpeitschte, als es die schwungvollsten Reden Lloyd Georges und Churchills vermocht hätten. Nun, es hat den Anschein, als wären weite Kreise des deutschen Volkes im Begriff, in denselben verhängnisvollen Fehler einer oberflächlichen Beurteilung des Auslandes von neue in zu verfallen. Wir leiden vielfach unter einer sub- jcktiven Betrachtung unseres nationalen Unglücks und nei- gen nieistens dazu, in allen Handlungen der Gegner aus- schließlich Bosheit oder Rachegier zu erblicken, wo doch neben diesen unleugbar vorhandenen Gefühlen auch andere Motive oft bestimmend sind. Am ehesten gilt dies für den- jenigen unserer bisherigen Feinde, dessen Maßnahmen zweifellos und besonders den Geist der UnVersöhnlichkeit atmen— man denke nur an die verschiedentliche Behang- lung der KriegSgefangenenfrage!— nämlich für Frankreich. Es genügt in der Tat nicht zur Kennzeichnung unseres Verhältnisses zu Frankreich und für die Beurteilung unse- rer künstigen Auslandspolitik, daß man immer wieder und immer nur von diesen offenkundig vorhandenen pfychologi- schen Fastoren des Hasses und der Rachesncht rede, denen wir auf Schritt und Tritt in fast allen Handlungen der fran- zösischen Regierimg begegnen. Auch andere Beweggründe sind drüben vorhanden und oft ausschlaggebend, und es kann nur in unserem Interesse liegen, wenn wir uns be- mühen, auch diese letzteren kennen zu lernen. So Paradoxa! es stingen mag, immer deutlicher er- scheint als eins der wichtigsten Motive der Franzosen das Gefühl der Angst. Es ist die Angst vor Deutschland und vor der Zukunst überhaupt. _. Die meisten Deutschen, die unter dem vernichtenden Emdnick unseres allgemeinen Zusamnienbruches und der schreahchen Zickimstsaussiclsten stehen, die der Versailler Vertrag für Deutschland eröffnet hat. sind überhaupt nicht in der Lage, diew Angst der Franzosen zu begreifen, oder sie werden sie nicht für aufrichtig halten. Die Absicht liegt mir wirstich fern. fürdieGegen- Partei zu deklamieren, aber ich möckste doch sagen: um die,- Seite der mrnzofischen Psvcbe zu erfassen, ist es not- WWW WWW NW tragsjeff»'» satz zwischen dein endlofen Ruinenfeld der Kriegszone und den blühenden Gegenden aus der weiteren Strecke Com- pidgne— Paris mit eigenen Augen gesehen imd— ohne übertriebene, weltfremde Sentimentalität, aber mit normalem Menschenherz— empfunden hat. der wird es viel leichter begreifen können, welche verzweifelte Stimmung die Seele des französiichen Volkes erfüllt. Aber nicht allein der trostlose Zustand jener Industrie- gebiete, die friibcr die Hanptquelle seines Reichtums waren, bat Frankreich in diese Stimmung versetzt. Die frische Erinnerung an die nur selten offen zugestandenen, aber immer ßranzösisihe Werber in Deutsthlan). Di« Ai<«trb»mH Deutscher für äe» Solänerdirnft im Auslände steht tr»tz»«grftreusstkstcr Bemühten und Warnung«» der d«»tschen Regirrung in eoflcr Nlüt«. So wurde l«ut K. L.- Korresp»nde«z in Frankfurt a.'M. ri»e Wcrbrzrntrul« bei einem Automibilhändler entdeckt. Unter anderen«nrde ein dem Rawen nach nicht bekannter sttiherer Angestellter des„MarinesicherheitSdirnstcS" als Werber enwitelt. Iufilg« Proteste der Zeitwige«»urde ein Ossizier der deutschen Sabnboiskamniandaatur zmu französischen Per- bindungsoffizier beschieden»ud ihm dort mitgeteilt, daß die sskachrichren über französische Werdunge«»rohes Aergernis in Frankreich hcroorgernfr» haben. Lant Friedensvertrag hätten dir Franzosen das Recht, i« besetzten Gebiet Werbungen vor- znnrbmen. lFraatfnrt ist«icht besetzt!) . Kurz, vor Weibnachten»in de dem Hanvtschriitleitcr der„Saar- zeitnng", Josef S ch e r e r, morgens 8 Uhr rrösinet, daß er bis mittags 12 Uhr Saarlouis»erlaßen haben muh. Seine Ausweisung erfolgte wegen eines Artikels, der von der Zensur unbeanstandet im Saarlouiser Journal erschien. Auch der Vorgänger SchererS, Rcvak- teur L ill ig, war ausgewiesen«»»den, nachdem ihn»aS sranzifische Militäraericht zu zwei Monate» Ärfiugniö und 4000 M. Geldstrafe vernrteilt hatte. SiS zu« Eintritt Scherers wurdt dann die Re- daktion»er Saarzeitung von einem Mitglied deS französischen Prosta- gandabnreauS. dm Agenten Lang, geleitet. Räch zu oerlässigen Meldungen werden die aus englischer Gesangenschaft zurnckgrkehrten Saarländer von den Franzosen in Sichtungslagee» zurnckgehalte»,«eil die französischen Berwaltungtzbeborden ihre Rückkehr nicht ge- statten. Auf Anfragen antwotte» die französische Verwaltnag nun durch eine Bekanntmachnng, m der sie die Schuld an der Ver- zögernng der Heimkehr der deutschen Regierung i« die Schnhe schiebt. Sir erinnert dabei an das Wohlwollen, das dir französische Regierung»er Rülkbesiirderung der �riegsgefangrnen im aUgeweinen und der saneläudischen im besonderen entgegen- gebracht habe. Material für den Bölkerbund! Rote Justiz. Einem drahtlosrn Bericht« anS Moskau zufolge ist im Gou- vernement P e n s a eine monarchistische Organisation aufgedeckt worden. 55 Personen wnrden auf Befehl der außer- »rdentlichrn Kommission erschossen. heimlich tief empfundenen ungeheuren Leistungen Deutschlaiids im Weltkriege, das durch das Weißbluten des stets kinderarm gewesenen Frankreichs noch schlimmer gewordene Mißverhältnis zwischen den Bevölkerungs- Ziffern der beiden Nachbarländer, die Sorge, daß im Laufe der Jahrzehnte an Stelle der Bündnisse mit der gan- zen Welt ein Zustand der unfreiwilligen Verein- s a m u n g eintreten könnte, das alles und noch manche ähnliche Tatsachen und Befürchtungen sind für die Politik der französischen Regierung uns gegenüber mindestens eben- so sehr bestimmend gewesen wie der nackte Geist der Rache und der Sckiadenfreude. Will man dies bedenken und als wahr annehmen, dann wird man viele drückende Bedingnn- gen des Waffenstillstandes von Compidgne und des Friedens von Versailles anders auffassen als bisher. Es braucht� nicht hinzugefügt werden, daß gerade die Politik von Compiögne und von Versailles, die Politik von Foch und Clemenceau, gerade vom Gesichtspunkte der Angst aus betrachtet, kurzsichtig und dumm gewesen ist. Denn noch viel wirksamer für die zukünftige Sicherung Frankreichs als die drakonischsten Bedingungen gegen Teutschland wäre ein wirklick gerechter Friede gewesen, der Friede des wahren Völkerbundes, der Friede der 14 Wilsonschen Punkte. Das hat noch kürzlich der italienische Geschichtsforscher G u- glielmo Ferrero, der während des Krieges alles andere als ein Deutschenfreuiid war, im„Secolo" in schärf- ster Form zum Ausdruck gebracht. Die Angst ist es zum Teil geioesen, die die französische Regierung dazu verleitet bat, durch den Versailler Vertrag das eigene Wort zu brechen und sich über die elementarsten Gesetze der Gerechtigkeit hinwegzusetzen. In gewissen Be- stimmungen des Vertrages, so in dem A n s ch l u ß v e r b.o t für Deutschö st erreich oder in der gewaltsamen Trennung Deutschlands von Rußland, tritt diese fran- zöfische Angst vor der Zukunft deutlich zutage. Aber immer deutlicher erkennen die Franzosen die Undurchführbar- kei t des Friedensvertrages und den Pyrrhuscharakter ihres „Sieges". Aber der eigenfinnige Greis, der heute über Europa regiert, begeht eher neue Ungerechtigkeiten, als daß er die einmal eingeschlagene Bahn verlassen möchte: nur so ist es zu erklären, daß unsere Kriegsgefangenen noch als Faustpfand für die Durchführung eines Vertrages betrachtet werden, an dessen Durchführbarkeit man drüben selbst nicht mehr glaubt. Diese Politik aber ist nichts anderes als ein «unheilvoller circuln-s viciosus, eine Verstrickung von Dummheiten und Ungerechtigkeiten, ans der der Ausweg um so schwerer zu finden ist, als sich nunmehr der Angst vor der Zukunft noch die A n g st v o r d e m s ch l e ch t e n Gewissen zugesellt hat. Und doch: es muß ein Ausweg gesunden werden, soll nicht Deutschland zusammenbrechen und Frankreich mit sich in den Abgrund reißen. Dieser Ausweg hätte in einem entscheidenden Zuwachs der französischen Sozialisten bei den letzten Wahlen gefunden werden können, aber seit dem 16. November haben wir diese Hoffnung aufgeben müssen. Ter rettende Ausweg liegt darin, daß beide Länder an Stelle der Teklamationspolitik die Vernunftpolitik einschla- gen. Eine einseitige deutsche Vernunftpolitik nützt in der Tat herzlich wenig. Auch die Gegner müssen sich bemühen, sich in unsere Lage zu versetzen, unsere wahren Gefühle zu erfors�cn und unsere wahren Verhältnisse kennen zu lernen. Am Ende eines eingehenden Vortrages über den„Friedensvertrag und die deutschen Finanzen", den er kürzlich in Hamburg hielt, sagte das frühere Mitglied der deutschen Friedensdelegation Dr. Karl Melchior: „Unser Schicksal— pnd damit das Schicksal des europäischen Konünents— wird davon abhängen, ob wir den Wiedcrgut- machungsauSschuß zu der Einsicht bringen, daß die Grundlagen für die Begrenzung unserer Entschädigungspflicht nicht in den 'ZäMen und Mengen deS Fried? nsv er l rages, sondern in der Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes, seiner Produktionsmäglichieit und seiner Steuerkraft zu finden sind." In dem Wiedergiitmachnngsausschuß werben aber auch Engländer und vielleicht Amerikaner sitzen(wie überhaupt das Problem der beuisch-französischen Beziehungen kein rein deutschchremzösisches ist), und schon deshalb ist die ttontinentolpolitik der„Vossiichon Zeitung" noch lange keine Vernunftpolitik: denn nni den Schein einer konsequenten politischen Haftung zu wahren, haben die Kontinental- Politiker den an sich gesunden Gedanken der deutsch-französi- schen Verständigung in eine doppelte Hetze gegen die deutsche Reichsregierung und gegen die angelsächsische Welt ausarten lassen. Sie haben die blinde Anbetung der Regie- rung Clemenceaus so weit getrieben, daß die„Humanitö" vom 17. November die Behauptung aufstellte,, die„Vossische Zeitung" sei von der französischen Regierung gekauft worden. Eine sicherlich unbegründete Beschuldigung, die aber für die Haltung des Blattes recht bezeichnend und— beschämend ist. Will man ans der gegenwärtigen Verstrickung unserer Beziehungen zu Frankreich herauskommen und das ängstliche Mißtrauen des französischen Volkes beseitigen, so darf man Weder durch ein ewiges„Ja und Amen" ü la„Voß", noch durch einen verbrecherischen Racherummel ä la„Deutsche Zeitung" die französische Regierung und ihre Presse in dem Wahn bestärken, sie befänden sich aus dem richtigen Wege. Nein, zugleich mit eistcm objektiven Versiick. die tragische Lage Frankreichs dem deutschen Volke klarzulegen, muß auch, sozusagen in einem Atem, den Franzosen gesagt werden, daß ihre bisherige Politik Teutschland gegenüber geradezu töricht, ja selbstmörderisch ist. Wenn der„Temps" vom 14. Dezem- ber erklärte, die französische Regierung hätte bisher„selbst auf die Gefahr hin, mit der eigenen öffentlichen Meinung in Konflikt zu geraten, alles getan, um einen Sturz der re- publikanischen Regierung in Deutschland zu Verbindern", so ist das einfach ein schlechter Witz. Tie Aufrechterhaftung der Blockade bis acht Monate nach dem Waffenstillstand, die Ver- sailler Friedensbedingungen, die Wiederverhängung der Ost- seeoloaade, die argwöhnische Behandlung der inneren deut- schen Sicherheitsmaßnahmen, die Zurückhaltung der deutschen Kriegsgefangenen über ein Jahr nach der Rückkehr der fran- zösischen— och! und so vieles andere aus dem ersten Jahr unseres nationalen Unglücks—, das alles bildete abwechselnd zur die äußerste Linke und für die äußerste Rechte, für die B o l s ch e w i st c n und für die M i I i t a r i st e n, das beste und billigste P r o p a g a n d a m a t e r i a l g e g e n u n s e r e republikanische Regierung, gegen unsere demokratische Republik. In einer der ersten Sitzungen der Nationalversammlung in Weimar rief Genosse Landsberg in einer Abrechnung mit dem alten Regime den Deutschnationalen zu:„Wie habt Ihr das Gottesgeschenk der russischen Revolution in den Schinutz getreten und vergeudet!" Arbeitet Clemen- ceau weiter in der bisherigen Weise gegen Deutschland. dann werden sich eines Tages die Befürchtungen Frankreickis in dieser oder jener Form verwirklichen, und dann werden auch drüben aus dem Munde eines Abrechners die Worte er- tönen:„Ihr lwbt das Gottesgeschenk der deutschen Re- volutiow verscherzt!" Militärifther Verbrecherschutz. Der Befehlshaber des Wehrkreiskommandos I, General- leutnant v. E st o r f f, stellte, wie ein Mittagsblatt meldet, auf Grund eines in der T i l s i t e r„ V o l k s st i m m e* von dem mehrheitssozialistischen Abg. Wolff-Tilsit der- öffentlichten Artikels.Der Vulkan im Osten" Strafantrag wegen Beleidigung der Offiziere der deutschen Truppen im Baltikum, welche darin u. a. als Verbrecher bezeichnet werden. Die Offiziere der Baltikumtruppen find selb st der- st ä n d l i ch V e r b r e ch e r, die sich der schweren Meuterei, der Fahnenflucht, der Aufwiegelung und noch eines Dutzend ähnlicher schwerer Delikte schuldig gemacht haben. Unferet- wegen kann Herr v. Estorff wegen dieses Satzes auch gegen uns Strafantrag stellen. Es fragt sich nur. ob er überhaupt eine Berechtigung dazu hat. Straf- antrüge im Namen von Leuten zu stellen, die seiner Befehls- gewalt gar nicht unter st anden, sondern auf eigene Faust im Baltikum ein Söidnerleben führten. , Von dieser juristischen Frage abgesehen, halten wir es für einen Skandal, daß man versucht, die Meuterer, die selber vor das Gericht gehören, noch durch Straf- antrüge amtlicher Stellen zu decken. Kommunistische Geüankenlostgtew In der.Roten Fahne" wird das vom Reichsarbests- Ministerium vorbereitete neue Lohnsystem, das sich der Entwickelung der Warenpreise anpassen soll, be- kämpft. Daß die Kommunisten von der sozialpolitischen Eni- Wickelung keine Ahnung haben, ist nicht erstaunlich. Es ist ja viel einfacher, blauen Dunst zu machen, als mit den Tat- fachen und mit den bisherigen Erfahrungen von Wirtschaft- licher Entwicklung. Gesetzgebung und Verwaltung zu rechnen. Mit ihrem Mangel an Wissen prunkt die.Rote Fahne", indem sie behauptet, daß das nun in Deutschland und Deutsch-Oesterreich zur Verminderung kostspieliger Lohnkämpfe amtlich geplante neue Lohnsystem aus England stamme. In England hat man in der Kohlenindustrie den Versuch gemacht, die Löhne der Bewegung der Kohlenpreise anzupafien, was etwas völlig anderes ist als die Anpassung der Löhne an die Preise der wichtigsten Waren zur Befriedigung der Lebens- bedürfnisse der Massen. Richtig ist der Einwand der.Roten Fahne", daß bei wachsendem Schwinden der Warenvorräte den Arbeitern der reale Wert ihrer Arbeitskraft nicht zu sichern ist. Wo nichts ist, hat, abgesehen von den Kommunisten, jedermann sein Recht verloren. Große Warenvorräte in der Welt zu erfassen ist der deutschen Arbeiterklasse infolge der mangelnden Kaufkraft verweigert. Deshalb streben wir die Anpassung der Löhne an die Warenpreise an. Die Kommunisten sind gegen das neue Lohnsystem, weil es kein„revolutionärer Weg" sei und weil es beim Schwinden der Warenvorräte nicht zum Ziele fiihre. Jetzt fehlt nur noch, daß die Kommunisten beweisen, daß man auf dem re- volutionären Wege die Massen der städtischen Bevölkerung ernähren könne, nachdem die Warenvorräte geschwunden sind. Selbst mit der feinstausgeklügelten Rationierung der kommu- nistischen Gedankenlosigkeit und des großspurigen Wort- geklingels in ihren Versammlungen und Zeiwngc« wird man keinen Säugling vom Hungertode retten. valtensthwem und Noskehuaü. In der„Täglichen Rundschau" gibt ein aus dem Basti- fum zurückgÄehrter Hauptmann Damm seine Eindrücke beim Rückzug zum besten. Hauptmann Damm ist sehr ent- täuscht über den Empfang, den die deutsche Bevölkerung Ostpreußens den Baltibumern bereitet hat. Daß die Ost- Preußen über die battischen Rückläufer nicht entzückt sei« konnten, dafür haben diese schon genügend durch Rauben und Plündern gesorgt. Besonders schlecht war das Verhält- nis der Baltikmner zur Reichswehr. Hauptmann Damm schreibt darüber: „Unsere Leute vertrugen sich mit den Reichswehrangehöri- gen m ä tz i g. D-ie titulierten uns mit„23 a l t e n sch w e i n e", worauf unsere Feldkrieger prompt mit„NoSkehund" res- gierten." Hauptmann Damm kommt zu dem Ergebnis, daß es sich nicht lohnt, für das deutsche Volkauch nur einen Finger krumm zu machen. Hätte er nur früher diese Ueberzsugung gehabt und samt seinen Spießgesellen das bat- tische Abenteuer aufgegeben, das übrigens durchaus nicht so uneigennützigen Motiven entsprang, ehe das deutsche Volk schweren Schoden durch das eigenmächtige und disziplm- widrige Handeln hatte._ Nebeneinkommen und dienstpenston. Es bestätigt sich, daß im Reichsfinanzministerium ein Gesetzentwurf in Vorbereitung ist, wonach die Reben- einkommen der Offiziere und Beamten im gewissen Sinne auf die Pension angerechnet werden sollen. Der Gesetzentwurf ist die Folge von Kwei Resolutionen der Nationalversammlung zum Offizierspeufionsgesetz. Der in Aus- ficht genommene Gesetzentwurf hat keinesfalls die Ab- ficht, die Notlage der Staatspensionäre noch zu vergrößern. Das Reich ist jedoch heute nicht mehr in der Lage, Staats- Pensionären, die ein großes Nebeneinkommen haben, von dem sie ihren Lebensunterhalt vollständig bestreiten können. auch noch die Pension in ihrer vollen.Höhe zu gewähren. Härten für die kleinen Pensionäre sollen nach Möglich- keit vermieden werden. Andererseits aber hat die finanzielle Notlage des Reiches zu diesem Gesetzentwurf ge- führt, Uns erscheint eS nötig, die Nebeneinkommen der kleinen Pensionäre überhaupt nicht von der Pension abzuziehen. Wenn die„Deutsche Zeitung" jetzt Sturm läuft gegen die Regierung wegen des angekündigten Gesetzentwurfs und dabei schreibt, daß sich ein großer Sturm der Entrüstung bei den Offizieren eingestellt hat, so ist das außerordentlich bezeichnend für den Patriotismus dieser Leute, der nur bis zum Geldbeutel geht. vernichtenüe Kritik. Der Fehsspruch des Kriegsgerichts im Falle'Helmhocke- Hiller kann nicht trefflicher illustriert werden, als dadurch, daß selbst einem extrem alldeutsch-nationalistischen Blatt, der „Deutschen Tageszeitung", diese Milde gegenüber einem rohen Foltersknecht über die Hutschnur geht. Die„Deutsche Tageszeitung" schreibt: „6s ist ohne jede Krage, baß der Oberleutnant Hiller sich höchst bedenkliche Uebergriffe hat zuschulden kom- men lassen, die durch ferne physische und psychische Verfassung Mar erklärt, aber nichtvollentschuldigt werden können. Und eS ist sicher, daß eS dem allgemeinen Empfinden wohl mehr«»tsproche« haben wärt*, wenigstens nach dem Bild der Lerharldlung, das die OeffentKchkeit sich aus dem Bericht der Presse machen kann, wenn ssch daS Strafmaß mehr dem Au- trag de? AnklagevsrtreterS genähert hätte." Selbst von der„Deutschen Tageszeitung" als zu milde kritisiert zu werden, daß ist m der Tat das schlimmste, was den Rilitärrichtern paissieren konnte. Wenn der letzte per- zweifelte Widerstand der Militaristen gegen die Aufhebung der Militärjustiz sich regen sollte, dann wird man gut tun, an diese Kritik der„Deutschen Tageszeitung" zu erinnern. Gräfe als Klickfthneiüer. Genosse Abgeordneter Otto Wels sendet unS foloendc Zuschrift: „Herr v. Gräfe-Goldebee krastmeiert in seinem Leiborgan, der„Deutschen Zeitung", über den Friedensvertrag, den wir seiner und seiner Freunde Politik zu danken haben. Dabei kommt er auf eine Auseinandersetzung zu sprechen, die er über die AuslieferungSftage mit mir im Hauptausschuß der Nationalversammlung vor längerer Zeit gehabt hat. Herr d. Gräfe hatte damals die Frage aufgeworfen, ob etwa daran gedacht werde, Geiseln festzunehmen, falls sich die Auszu- liefernden nicht, stellen würden. Äuf diese politisch m. E. sehr unkluge Frage antwortete ich ihm, daß man von Geiseln lieber nicht reden solle, denn leider hätten ja die Franzosen deren mehr denn 400 000 in ihren Händen.— Diese jedem normalen Menschen verständliche Antwort verkuhwedelt Herr von Gräfe, um mir etwas am Zeuge zu flicken. Für diese Be- reitwilligkeit danke ich aber bestens, denn wenn Herr v. Gräfe schon als Politiker nichts taugt, so traue ich ihm als Flick- s ch« e i d e r noch weniger zu." Zum Zoll Stlarz. Genosse Rudolf Wissel! schickt unS folgende Erklärung: Die Bebauptung, daß nach der Weigerung des Reichs- kommissarS für Aus- und Einfuhrbewilligung, der Firma Eklorz eine Durchfuhrbewi ll igung für Textilwaren aus der Schweiz nach Polen durch Deutichland zu erteilen, ich mich zugunsten des Sklarz beim Reichskommiflar verwandt und erklärt habe, Stlarz habe sich so große Verdienste um die Revolution erworben, daß man ihm aus Dankbarkeit einen Schein bewilligen solle, ist in jeder Hwsicht»nzutreffrnd. Für meine Maßnahmen während meiner Amtszeit waren— eS ist traurig, daß ich daS besonders betonen muß— nur Gründe des Allgemeinwobls maßgebend und nicht Rücksichten aus irgendwelche Verdienste emer oder der anderen Person. In der Tat ist�der Firma Stlarz eine Durch- fuhrbewilligung, wie ich mich noch zu entsinnen weiß, erteilt worden. DaS ist jedoch geschehen, nachdem Herr Unterstaats- sekretär Töpfer vom Auswärtigen Amt dem WirtschaftSmintsterium mitgeteilt hatte, daß em außenpolitisches Interesse an der Erteilung der Durchfuhrbewilligung bestehe. Mit der Durchfühiung dieser Bewilligung hatte ich nichts zutun. ' Diese Talsachen werden sich sowohl auS den Akten des Wirt« schaftSministertumS. des Auswärtigen Amts, wie des Reichs- kommissars für AuS- und EinfuhrbewUligung ergeben. Rudolf Wissel!. Ob die Verbreiter jener Beschuldigung auch diese Erklärung ihren Lesern mitteile« werden? Herr Sklarz teilt dem„Lok.-Anz." mit, daß der Durchfuhrverkehr Schweiz— Polen infolge der szt. Verzögerung der deutschen Bewilligung seither regelmäßig durch Oesterreich geht. « Der sozialdemokratisch« llntersuchungSaui- fchuß zum Fall Sklarz hielt am Dienstag eine mehrstündige Sitzung in Berlin ab. Räch den Bekundungen der an den Ent- hüllung«, hauptsächlich beteiligten Persönlichkeiten ist anzunehmen, daß der Ausschuß nunmehr Besitzer des gesamten Material« ist, so- weit eS für seine Untersuchungszwecke in Frage kommt. Der Aus- schuß wird am Freitag, den S. Januar 1S20 zu einer weiteren Sitzung zusammentreten. Rebenher gehen bekanntlich mehrere ge- richtliche Untersuchungen. Der Vater des flüchtig gewordenen Sonnenfeld bemüht sich, den sozialdemokrattiche« Unlersuchu«LSau«schnß als.Gaukelei" hinzustellen. Er glaubt mitteilen zu können, daß beabsichtigt sei, daß an Stelle des Abgeordneten S o l l m a n n, der zum Vor- fitzenden de» Ausschusies bestimmt gewesen sei, der Abgeordnete Sinderman» gestellt werden n>ll. Er behauptet weiter: .Sindermann in Dresden ist mit Gradnauer zu identifizieren, Gradnauer ist aber nicht nur der Verwandte, sondern auch der Geschäftsteilnehmer von Sklarz." Alles das ist alberne« und erlogenes Gewäsch: Zunächst ist Ministerpräsident Gradnauer in Dresden mit Stlarz Peter Schlemihls Erlösung. 6] Erzählung von Edgar Hahnewald. Dann ober kam eine schwere Zeit. Immer häusiger mtd immer dringender erging die Auftorderung an die Bevölkerung, daS vor- handene Gold an die Banken abzuliefern. Ich trug täglich meine Goldstücke an die Schalter, an denen man mich lange mit Hochachtung, allmählich aber mit Erstaunen und endlich mit'offenem Mißtrauen empfing. Meine unerschöpflichen Goldstücke erregten Verdacht. Die Beamten ließen sie immer aufmerksammer auf dem gahlbrett springen— ich begriff, daß sie an der Echtheit dieser Münzen zweiselten. Ich wußte noch nicht, daß ich der einzige war, der sie noch so häufig und so regelmäßig brachte. Schließlich sagte man mir das einmal in einem Tone, der mich aufhorchen ließ. Eine Sekunde lang sah ich in eine dunkle Zukunft. Und doch kam mir, töricht wie ich noch immer war, nicht einmal der Gedanke, von meinem Golde eiu Vermögen in pckpierne Roten umzuwechseln und so in Sicherheit zu bringen. Ich lief täglich zu einer anderen Bank, um mein Gold zu wechseln, ohne das ich doch nicht leben konnte. Man kannte mich bald an allen Schaltern, und überall sah ich in erstauute und mißtrauische Augen, wenn ich meine Goldstücke aufzählte. Man hielt mich entweder für einen Geizhals, der sich nur stückwetse von seinem Golde trennen könne, oder für einen Fälscher. Die Blicke sagten eS mir. Ich wagte mich schließlich nicht mehr aus die Bank. Ich bezahlt« meine Einkäufe mit Gold und begegnete bald in alle« GeschSstev dem gleichen Mißtrauen. Ich verließ die Stadt und wechselte nun auf einer rastlosen Flucht vor diesen Blicken fortgesetzt meinen Aufent- halt. Ueberall war ich schon nach wenigen Tagen als der Mann mit den Goldstücken bekannt. Alle anderen Menschen zahlten fast nur noch mit Papiergeld. Schließlich tonnte ich diese Blicke nicht mehr ertragen. Ich verfluchte meinen GlückSsäckel, der, so oft ich auch hineingriff, immer die gleichen zehn Goldstücke her« gab. Da saß ich— ein unendlich reicher Mann— und doch dem Elend preisgegeben. Ich sah keinen Ausweg aus dieser Rot. Ins Ausland zu gehen wagte ich nicht, denn auch dort hätte mich die deutsche Prägung meiner Goldstücke sehr bald verdächtig gemacht. So irrte ich in Deutschland umher, ärmer als emer der Armen» die ich vor kurzem noch beschenkt, zog von einer Stadt zur andern und wechselte mein Gold bei den kleinen Krämern der Vorstädte, die sich mit einem erstaunten Ausrufe begnügten, ohne mich wegen der Herkunft des Goldes zu examinieren. Mein fluch- würdiger Reichtum brachte mich mit unsauberen Gesellen in Be- rührung, die die Goldstücke mit unverhohlenem Entzücken in ihren klebrigen Fingern prüften und sie mir für ihre dunklen Geschäfte abtauften. Ich führte damals ein gehetztes, armseliges Leben, und obendrein wurde e« immer schwieriger, so zu leben. Ein Dichter könnte mein Schicksal breit auS spinne»: ei» Ran« mit dem uaer- schöpflichen Glücksbeutel in der Hand, dem Elend und dem Hunger preisgegeben—«S wäre ein prachtvoller Vorwurf für eine» Roman. Meine ganze Geschichte ist eS. Ich bin kein Dichter, denn ich besitze keine Phantasie. Ich habe zu viel gesehen und da« hat mein« Phantasie ertötet. Ich- kann Ihnen meine Geschichte darum nur erzählen." Paul streifte mit einem Blick unschlüssig den seltsamen Mann. Schlemiyl saß neben ihm, arm und elend in all seinem goldenen Reichtum, mit dem ihn der märchenhafte Glücksbeutel beschenkte. Und doch saß er da— vornehm gelleidet, mit der Sicherheit, die nur der Wohlstand verleiht. Er kam aus einer Welt unbegrenzte, Möglichkeiten. Alle» war von ihm zu erwarten. Hatte er gestohlen. geraubt, einen Mord begange»? Ein leise« Grauen beschlich Paul. Schlemihl erriet Pauls Verdacht und sagte ironisch lächelnd: „Ich weiß, was Sie denken. Ich weiß. Sie trauen mir jetzt das Schlimmste zu. Die einfachste Erklärung finden Sie nicht— mir selbst schien sie damals nicht einfach. Höre« Sie. Elend und arm irrte ich umher und erwünschte mir den Tod. der mir versagt blieb. Und so trieb eS mich wieder einmal in diese Stadt zurück, die im Dunkel des dritten Kriegsjahres lag und noch ruhiger war al» sonst. Ich betrat meine Villa wieder, deren Räume ausgestorben und tot dem Staube so langer Zeit preisgegeben blieben. Ich durchschritt diese Räume, sah die vornehme Pracht, dir mir mein Reichtum gestattete, al« ich ihn noch zeigen durste, ohne die Augen scheu vor fremden Blicken senken zu müssen. Ich fand den Brief» tosten am Tore gefüllt mit Briefichasten. Ich trug fie hinein und öffnete fie ohne Neugier. Es waten Bettelbriefe, die ich wehmütig 'lächelnd beiseite legte. Die Armen, die da baten, hatte« ja keine Ahnung davon, daß ich in all meinem Reichtum ärmer war al« fie. Ich fand Bankabrechnungen, in die ich kaum einen Blick warf— wa» ging mich da» an! Geschäft«- berichte industrieller Unternehmungen waren unter den Briefen. Ich la« fie flüchtig und stutzte. Ich la» fie aufmerksamer— meine alten Hände zittert«. Nun nahm ich auch die Zuschriften der Banken noch einmal vor. Und immer deutlicher stieg eine Erkenntnis in mir auf, die mir das Herz heftig klopfen machte. Briefe meine? Notars, der meine Geschäfte treulich wettergeführt, gaben mir die letzte Gewißheit. Ich war reich. Ich war ein reicher Mann auch ohne Glücksbeutel. AL« diese Zuschriften, die nicht Bettelbriese waren, rechneten mir vor. daß mein Gold. da« ich damals ausgeliehen hatte, Reichtum heckte. ES trug Zinsen, brachte Dividende. Arme Industriebetriebe, die der Weltkrieg Vollend» zu ruinieren drohte und denen ich half, waren zu große« Fabriken aufgewachsen, in denen Hunderte und Tausende von Männern und Frauen Granaten. Stacheldraht, Unisormtuch, Sättel, Gewehre, Patronentaschen, Trainwagen, Wollbemden und Konserven für den Krieg anfertigten. Während ich arm und elend durch Deutschland irrte, meinen Glücksbeutel verfluchend, wurden jene reich. Und ich zu« zweit« Kaie mit ihne». Ich brauchte nur hinzugeh« und die Zinien und Dividenden abzuholen, die dank der Sorgfalt meines Rotars in den Tresor« der Banken auf mich warteten, und ich war wieder ein reicher Mann. Ich durste die Jalousien meiner Villa aufziehen, durfte wieder ünter Menschen geben, aufrechten Ganges und freien Blickes, denn ich war reich auf eine Art, die mich von dem Golde meines Glücksbeutels befteite. Da» schlug jäb wie ein Blitz verjüngenden Lebens in meine alten Adern. Ich brauchte meinen Glücksbeutel nicht mehr. Ich tonnte ihn verschließen und war dennoch reich. Und ich erkannte schaudernd diese neue Kraft meines Goldes; es heckte Reichtum ohne mein Zutun, ohne daß eS mich eine andere Mühe getostet hätte als die, Geld dorthin zu geben, wo eS Geld heckte. Ich hatte nie in meine« Leben eine Granate betastet, ich verstand nicht ein« einzig« der taufend Handgriffe, die zu ihrer Herstellung getan werden müssen, ich kannte weder die Bereitung des Stahls, au« dem fie gegossen, noch das Geheimnis der Puldetmifchung. mit der sie gefüllt wurde. Ich hätte nicht die kleinste Schraube an einem Trainwagen zu befestigen gewußt, ich verstand von der Her- stellung all der vielerlei Dinge, die da mit meinem Gelde fabriziert wurden, nichts. Ich hatte weder eine Ahnung vom kaufmännischen noch vom technisch« Prozeß der Fabrikationen, an dmen mein Geld mitwirkte. Ja, ich handelte nicht einmal in berechnender Klugheit, als ich mit meinem Reichtum jenen Fabrikanten half, und doch strömte mir nun aus jenen Unternehmungen ein neuer Reichtum zu, den ich mühelos erwarb und genoß. Seit jenem Tage blieb der Glllcksbnitel verschlossen im Geheimfach meine« Schreibtisches. ich sehe ihn nicht«ehr an, denn ich brauche ihn nicht mehr." .Sie»erden ihn in Zukunft noch weniger brauchen", warf Paul angriffslustig ein, der nun das veränderte Wesen Peter Schlemihl« begriff. Er saß neben ihm als Vertreter einer ver- finienden Ordnung. .Sie spielen auf die Revolution an", erwiderte Schlemihl. „Ich gestehe, und Sie werden eS aus meiner Geschichte heraus- gehört haben, daß ich mich mit Politik nie befaßt habe. In mein« jungen Jahr« war Politik die Angelegenheit der Kabinette. Sie war es wohl bis jetzt trotz aller Parlamente. Ich habe mich nicht darum gekümmert. Ich nahm ihre guten und schlechten Folgen hin wie Regen und Sonnenschein. Ich war reich Mein Reichtum floß mir mübeloS in die Hände. Sie, die Klasse, der Sie angehören, haben ein anderes Verhältnis zur Politik. Sie litt« unter ihren Wirkung«. Und ich finde te natürlich. daß das Schicksal, duldend, leidend, unwirksam unterworfen zu sein, alle Kräite in einem Staubecken sammeln mußte, aus dem fie fich nun zu höchster Wirksamkeit ergießen. Die Rollen find ver- tauscht, ein Kreislauf ist geschlossen. Ich stehe den Ursachen zu fern und bin weder am Alten noch am Neuen beteiligt.. Paul unterbrach ihn heftig. .Sie irre«, wenn Sie das glauben. Sie find mit Ihrem ganz« Sein beteiligt. Sie irr« wie jene, die in der Revolution nicht«etzr als den Wechsel de» politischen Systems zu sehe«»er- Nr. Sbö�ZH. Fahrgang Seilage öes vorwärts ■■■■■■■MBMMHMBBHMBMn—— nft—a—B—WP Mittwoch, 31. Dezember 1919 Das sterbenöe Wien. Ii. ?a den Wohnhöhlen öee hungerstaöt. Eines Abends Hube ich den klassischen Arbeiterbezirk Wiens �Favoriten) in Gesellschaft des BezirksvorsteherS Gen. August Sigl, einem der Leiter des Oesterreichischen Metallarbeiter-VerbandeS, durchwandert. Ich will versuchen wiederzugeben, waS ich dort ge- sehen und gehört habe. Wenigstens annähernd. Denn beschreiben, der Wirklichkeit entsprechend wiedergeben, läkit es sich nicht. Vor Jahren habe ich in den Wobnhöhlen von Amsterdam Armut und Elend kennen gelernt, daS dem Wiener gleicht oder ihm wenigstens nahekommt. Aber das waren die Höhlen der tiefsten Armut, eines moralisch und materiell völlig versunkenen Lumpen Proletariats. In Wien jedoch waren es die Behausungen von Arbeitern, unserer Arbeiter, die ich betrat, waren eS unsere organisierten Wiener Genossen und deren Frauen und Kinder, die ich gesehen und gesprochen habe. Ich werde von jedem persönlichen Kommentar absehen und buchstäblich nur wiederzugeben versuchen, waS meine Augen ge- sehen und meine Ohren gehört haben. ES find freilich nur Episoden aus der Fülle des JammerS und des Elends, die ich in Wien an diesem Abend durchlebte. « Wir treten inS HauS, mein Begleiter Gigl, noch zwei Genossen und ich. Eine von den 127 Notwohnungen— alle mit je einem Zimmer—, die bereits vor dem Kriege gebaut wurden. Drei Häuserblöcke, in denen 800 Personen zusammengepfercht leben und wohnen. In dem Zimmer, das LX6 Meter messen konnte, wohnen 10 Personen: Mann, Frau und sieben Kinder und der 80jährige Grotzvater. Der Mann ist Metallarbeiter. Oder vielmehr, er war eS. Denn der Krieg hat ihn auS der Fabrik gerissen, in den Schützengraben geworfen, von wo er als Wrack. nach fünf Jahren durchlebter Greuel und Entbehrungen wieder zurückgekehrt ist. Als Invalide. Lungenkrank. Arbeitsunfähig. Aber er bekommt eine Jnvalidenunterstützung. 180 Kronen alle 14 Tage oder SO Kronen für die Woche. Sein ältester Junge von 17 Jahren verdient als ungeschulter Arbeiter 40 Kronen dazu. Das gesamte Einkommen, von dem 10 Menschen leben müssen, be- tragt sonach 130 Kronen die Woche. Demgegenüber stehen folgende Lebensmittelpreise: 1 Kilogr. Brot 2.40 Kr.. 1 Kilogr. Kartoffeln 4.80 Kr., 1 Kilogr. Pferdefleisch 60 Kr., 1 Kilogr. Zucker IS Kr., 120 Gramm Margarine 6,12 Kr. und 1 Kilogr. Holz 1,20— 1,60 Kr. Die gesamte Einrichtung besteht auS einem Tisch, drei Stühlen, vier eisernen Betten, zwei Wandbildern, einer kleinen, armseligen Petroleumlampe, etlichen Pfannen und Töpfen. Das ist alles. Was früher noch da war, ist längst verkauft oder ins Versatzamt gewandert. In einem der Betten schläft der Großvater, in einem anderen schlafen Mann und Frau, in den restlichen zwei die Kinder: in einem Bett 3, im anderen 4, Knaben und Mädchen gesondert. Aber alle in demselben Raum. Statt der Matratzen liegen leere Säcke in den Betten. AIS Decken dienen Kleider, Lumpen und Fetzen. Der Mann läßt sein Mitgliedsbuch vom Metallarbeiter-Ver- band sehen. Er hat, wie der Stempel zeigt, seine Beiträge bezahlt bi« zu jenem Tage, an dem er mifgerufen wurde,.um dem Vater- lande zu dienen". Bei unserem Eintreten war die ganze Familie damit beschäftigt, kleine Püppchen aus Holz und Papier— für den bevorstehenden .Weihnachtsmarkt"— zu fabrizieren. Vielleicht brachte das ein paar Kronen ein. » Ein zweiter.Fall". Wieder eine Rotwohnung. Der Raum mißt ebenfalls SX« Meter. Bewohner sind ein Mann und 4 Kinder, wovon 1 Junge von 10 Jahreu und 3 Mädchen im Alter von 7, 4 und 2 Jahren. Die Frau ist vor drei Monaten gestorben. Die Siebenjährige versieht den Haushalt. Die Einrichtung besteht aus zwei Betten, einem Tisch und zwei Stühlen. Auf dem Tisch flackert ein Kerzenstumpf. An der Wand ein Marienbild. In einer Ecke ein kleines Eisenöfchen, etliche Holzscheiie, ein Paar Pfannen. Sonst nichts. Alles andere, was die Familie früher besessen hat, liegt im Leihhaus und kommt wohl nie mehr von dort hcrau«. Der Mann ist Eisenbahner. Organisiert. Verdient 200 Kronen die Woche. Er ist immerhin noch nicht so übel dran. Dennoch lebt er schlechter und armseliger als mancher Lumpen- Proletarier irgend einer West- oder nordeuropäischen Stadt. » Noch ein„Fall". Eine Ein-Zimmerwohnung, 4 X S Meter groß. Bei unserem Eintreten ist alles dunkel. Ich zünde ein Streich. hol, an. Aus einem Winkel kommt eine Frauenstimme, fragt, wer wir sind, was wir wollen. Eine Witwe. Hat sieben Kinder, von denen die beiden älteren IS und 16 Jahre alt sind. Der Mann ist vor dem Krieg gestorben. War organisierter Holzarbeiter. Die ganze Familie hat ein Wocheneinkommen von zirka SO Kr. Die beiden Mädchen verdienen zusammen 40 Kr. Die Mutter ver- dient eine Kleinigkeit dazu mit Waschen und Reinemachen. Drei von den sieben Kindern haben ein ärzlliches Attest, daS ihre völlige Unterernährung bezeugt und sie berechtigt, täglich in der amerika- nischen Ausspeisung eine kleine Portion mitessen zu dürfen. AlleS andere muß mit dem Einkommen von SO Kr. bestritten werdew Preise für Brot, Margarine, Kartoffeln siehe oben. Im Zimmer stehen zwei Betten. In einem von ihnen schlafen auf Lumpen und Säcken, über die irgendein Fetzen gebreitet ist, die vier jüngeren Kinder— im anderen Bett die beiden ältesten Mädchen. Die Frau und der IZjShrize Juoge schlafen auf dem nackten Bode«, in ihren Kleidern, ohne Decke.... Die rationierten Artikel kann die Frau nur zum Teil kaufen. Die meisten Karten müssen verfallen. Seit vier Wochen ist keine Kartoffel mehr auf den Tisch gekommen. .Wann haben Sie das letztemal Fleisch gegessen?" Sie lacht nervös auf. Dann ein Schluchzen. .Fleisch? Weiß ich nicht. Fleisch! Vielleicht sind's zwei oder drei Jahre her! Bielleicht auch Vieri Fleisch? An so was kann ich mich gar nicht mehr erinnern." « Eine andere Familie. Lebt ebenfalls in einer Ein- Zimmer- Behausung von etwa fünf Meter Größe. Die Familie besteht auS Mann. Frau und fünf Kindern. DaS älteste 3 Jabre. DaS jüngste noch keinen Tag alt... Ist in der vorigen Nacht zur Welt gekommen. Liegt bei der Mutter meinem der zwei vorhandenen Betten. Der Mann ist Eisenbahner und verdient, TeuerungS- Zulagen inbegriffen, ca. SOO Kronen per Woche. Er hat ständig Arbeit. Also einer von den.Privilegierten". Bis vor drei Monaten hat die Frau mitverdient, als KonfektionS- arbetterin in einer Fabrik. Dann mußte sie wegen vorgeschrittener Schwangerschaft zu Hause bleiben. Gleich ihrem Mann gehörte auch sie der Organisation an. Außer den beiden Betten— eS waren die Einzigen, auf denen ich an diesem Abend richtige Strobsäcke bemerkte— sind an HauSrat noch vorhanden: ein Tisch, zwei Stühle und ein Oefchen, dann etwas Kochgeschirr, Flaschen, Gläser, eine kleine Lampe, an der Wand ein Oeldruck- Heiligenbild und noch ein Bild. Auch hier ist, wie in den übrigen Familien, was nicht zum Allerunentbehrlichsten gehörte, im Laufe der KriegSjahre inS Leihhaus getragen oder ver- kaust worden. Während wir mit dem Mann sprechen, hört die Wöchnerin, daS Neugeborene im Arm, mit fieberglänzenden Augen zu. Natürlich finden wir daS Baby allerliebst und reizend. Wir dürfen eS in den Armen nehmen. Splitternackt, ohne jede Hülle— angstweckend klein und mager— liegt es in einem trostlosen Etwas, das vielleicht einmal eine Decke gewesen sein mochte. * Ein letztes Bild von den vielen. Wir stehen vor einem großen Gebäude. Eine Wohnung?» kaserne in der Hoftorgasse 1 mit 63 Arbeiterwohnungen. Besitzer des HauseS ein steinreicher ehemaliger.K. K. Hofichneider". Wir treten in den Hausflur. Eine breite Marmortreppe führt nach oben; zur Rechten und Linken je eine kleine Treppe nach unten, zu den Kellerwohnungen... Die Treppe hinabsteigend, gelangt man zu einem Gang, der von oben, aus ein paar kleinen Fenstern, Licht empfängt. Aus der einen Seite läuft eine blinde Mauer, auf der anderen sind Türen und Fenster. Nnr wenige von ihnen haben noch Glasscheiben. Die meisten sind durch Papier ersetzt. Willkürlich öffne ich eine der Türen. Es ist drinnen dunkel wie in einer Höhle. Beim Lichtschimmer eines Streichkol, es unter- scheiden wir aus einen Augenblick ein paar menschliche Gestalten. »Könnt Ihr nicht ein wenig Licht machen?" .Nein, wir haben keins." Auf das Geräusch unserer Stimmen hin erscheint in der Tür-- sllllung der Hinterwand eine Frau mit einem Tatglichlchen in der Hand, die Nachbarin aus dem angrenzenden Raum, der von dem .Zimmer", in dem wir uns befinden, nur durch die Mauer mit der offenen Tür getrennt ist und daher nie geschlossen werden kann. In dem matten Lichtschein kann ich immerhin sehen, daß wir unS in einem Kellerraum von 4 mal S Meter Größe befinden. Die Mauern sind feucht. Der Flur aus Stein. Einrichtung: zwei Betten, ein Tisch, zwei Stühle. Kein Ofen, kein Schrank, keinerlei Küchengeräte, keine Kleidungsstücke. In dieser Höhle wohnt eine Frau mit vier Kmdern, drei Mäd« chen im Alter von 17, IS und 7 Jahren und einem zwölfjährige» Jungen. Der Vater ist tot. 131S»für daS Vaterland gefallen". Er war Metallarbeiter; Mitglied unseres Metallarbeiter» Verbandes. Die Frau erhält 70 Kronen die Woche. Witwenpension. Die Fünfzehnjährige ist in einer Fabrik und verdient SO Kronen per Woche. Die älteste ist leidend, kann nicht arbeiten. Also gesamte Wocheneinnahme: 120 Kronen, zum Leben für die ganze Familie. Die Miete für diese feuchte, lichtlose Höhle beträgt 14 Kronen monatlich. Preise für Brot, Kartoffel, Fleisch, Fett usw. siehe oben. Durch die offene Tür betreten wir die NebeiUvohnung, in der eine Witwe mit fünf Kindern im Alter von 16, 14, 13, 10 und 6 Fahren harrst. Der Vater ist 1314, noch vor dem Krieg, bei der Eisenbahn tödlich verunglückt. Diese zweite Höhle gleicht der ersten wie ein Tropfen Wasser dem anderen. Nur daß sie etwas größer ist. 7 X 4>/z Meter. Die Miete kostet freilich auch nicht 14 Kronen, sondern 27 Kronen per Monat. Einrichtung: drei eiserne Betten, ein Tischchen, ein Stuhl, ein Oefchen, ein paar Töpfe. Und das Talglhmpchen. Das Tischchen ist an da« Bett angeschoben. Drei Kinder sitzen daran und sind damit beschäftigt,»Hafteln"(Häkchen für Kleider) zu sortieren, abzuzählen und zu verpacken. Dank dem Umstand, daß ihr Mann im Dienst und durch den Dienst den Tod erlitten hat, erhält die Frau eine Witwenpension von ISO Kronen monatlich, sage SS Kronen die Woche. Mit dem Sortteren und Verpacken der Häkchen versucht sie ihr Einkommen etwas zu erhöhen. Für je tausend solcher Päckchen er- hält sie' 4 Kronen. Wenn sie tagaus, tagein mit ihren Kindern bis in die Nacht um daS Lichtstümpfchen fitzt und sortiert und zählt und verpackt, kann sie es wöchentlich auf 6000 Päckchen bringen. Hat also damit eine Summe von 24 Kronen verdient. Womit daS Wocheneinkommen auf 60 Kronen ansteigt... Bei den erwähnten Preisen kann man sich vorstellen, wie weit man mit dieser Summe reicht. Von den rationierten Artikeln kann die Frau bestenfalls Brot und Mehl kaufen. Da« übrige muß verfallen. »Wamr haben Sie zuletzt Fleisch gegessen?" Ein malte« Lächeln. Achselzucken. »DaS weiß ich nicht mehr. Wer kann jetzt daran denken, Fleisch zu kaufen!" »Wa« essen Sie dann außer Brot?" Montrose. 56) Detektivroman von Sven Elvestad. „Das Gesagte beweist mir bereits," sagte Krag, ,.datz ber Brief>das abschließende Glied meiner Beweiskette bildet. Und es freut mich, daß AbbO Montrose auf die Nachsicht rechnen kann, die alle Schwierigkeiten im Menschenleben ver» ständnisvoll und freundlich beurteilt." Seine Eminenz beugte bejahend den Kopf. Krag durchflog hastig den Bief, der nichts, weiter enthielt, als was der Bischof bereits kurz wiedergegeben hatte. Dar- auf nahm er aus seiner Tasche ein sehr starkes Vergröße- rungsglas und die Photographie einer jungen Frau— dieselbe Photographie, die er in jener Nacht in der Bibliothek des Aijb�s gefunden hatte. Er untersuchte eine Weile so- wohl den Brief wie die Photographie sehr genau durch das Vergrößerungsglas. „Zweifeln Sie an der Echtheit der Handschrift," fragte der Bischof. „O nein," antwortete Krag. ,Ms Abb6 Montrose Ihnen diesen Brief am Abend schrieb, bekam er zufällig etwas Tinte an den Daumen. Mit Hilfe des Vergrößerungsglases finde ich nämlul> den Abdruck seines Daumens ganz unten in der rechten Ecke des Briefes. Derselbe Abdruck ist auch viel deut- sicher auf der Rückseite der Photographie KU finden. Diese Photographie wurde in der geplünderten Bibliothek des AVbSs gefunden. Als einige Stunden darauf ein Mann des Verbrechens verdächtigt wurde, stimmte sein eigener Finger- abdruck mit dem Abdruck auf dieser Photographie überein. Berstehen Sie. was das zu bedeuten hat?" „Nein, ich muß sagen--" Krag legte die Photographie vor Seine Eminenz hin. „Eine junge Frau." sagte der Bischof,„ein junges und syuxpathTsches Geficht." .�shr Name ist Clary Singer." sagte Krag,„und dies« Frau ,st schuld daran, daß Abbä Montrose jenen Brief ge- schrieben hat." „Ah, ich fange an, zu verstehen—" „Aber," fuhr Krag fort,„damit Euer Eminenz ein deut- uches Bild von der ganzen Sache bekommen, wird es not- wendig sein, daß ich sie ganz kurz wiederhole. Die Sache hat in der Oeffentlichkeit ein so großes Aufsehen erregt, wie sie von Anfang an gar nicht verdiente. Ursprüngsich handelte es sich nämlich um nichts anderes, als um einen ganz ge- wöhnlichen, plump ausgeführten Einbruch. Die Verhältnisse aber brachten es mit sich, daß das eine Verbrechen ein größe- res nach sich zog. Ueberhaupt ist diese Affäre ein charakte- ristischeS Beispiel dafür, wie verwickelt eine an sich ganz klare Sache werden kann, tvenn sie mit einer anderen und nicht dazugehörigen Sache vermengt wird. Die Affäre Montrose ist nicht eine, sondern zwei Affären, die in diesen Tagen nebeneinander hergelaufen und von der Oeffentlichkeit und der Polizei übrigens begreiflicherweise vermischt worden sind. So etwas kann ja leicht in einer großen Stadt vorkommen, wo Menschen und Geschehnisse einander ununterbrochen kreuzen. Bevor ich aber fortfahre, habe ich Euer Eminenz ein Geständnis für eigene Rechnung abznlegen. Ich habe je- manden mit hierhergebracht. Dieser Jemand hält sich in einem Nebenzimmer auf, und wenn es so weit ist, werde ich mir erlauben, Euer Eminenz die betreffende Person vorzu- stellen." „Es wird mir eine Freude sein, den Betreffenden kennen zu lernen," antwortete der Bischof freundlich. ,�Im übrigen bin ich sehr gespannt, die Fortsetzung dieser merkwürdigen Sache zu hören. Bitte, fahren Sie fort, mein Herr." . Statt aber fortzufahren, verharrte Krag eine Weile in lauschender Stellung. „Es läutet," sagte er. „Lassen Sie sich nicht davon stören," sagte der Bischof. „die Besucher warten im Vorzimmer." „Ich möchte Euer Eminenz trotzdem raten, sich zu erkun- digen, wer eben gekommen ist." „Wie Sie meinen. Ich verstehe, daß Sie eine besondere Absicht haben." Er drückte auf den elektrischen Knopf auf dem Schreib- tisch und nach einem Augenblick trat ein livrierter Diener ein. Das Gesicht des Bedienten trug Spuren äußerster Ver- störtheit. ,Lsst da jemand, der mich sprechen will," fragte der Bischof. „Ja, ein Herr,.. ich meine der Verschwundene... ich—" „Wer, mein lieber Morien Philipp," fragte der Bischof von neuem. „Herr Abbö Montrose," antwortete Morien Philipp. „Führ den Mbö herein," befahl der Bischof und erhob sich erregt. Abb6 Montrose trat ein in einem schwarzen Rock, wie Priester ihn zu tragen pflegen. Große, blaue Brillengläser verbargen seine Augen. „Treten Sie näher," sagte der Bischof,„Sie kommen wie ein Wesen von jenseits des Grabes. Auch Krag hatte sich erhoben und betrachtete den Abbä. Montrose rührte sich nicht. Da ging der Detektiv auf ihn zu und streckte ihm seine Hand entgegen. „Lieber Arnosd Singer," sagte er,„nehmen Sie Ihre Brille ruhig ab, die Wahrhest ist unterwegs." Mbä Montrose schien einen inneren Kampf durchzu- machen. Da nahm er hastig die Brille ab-und trat mit festen Schritten ins volle Licht. Es war Arnold Singers bleiches Gesicht und seine strahlenden Augen, die Krag von Anfang an aufgefallen waren. „Ja," rief er.„von jetzt ab nur die Wahrheit und nichts anderes, �sch bin Arnold Singer. Aber inS Gefängnis gehe ich nicht wieder zurück." „Das sollen Sie auch nicht," antwortete Krag,„die rich- tigen Verbrecher sind ergriffen und werden bald ihren Lohn bekommen. Ich war gerade dabei, vor Seiner Eininenz zu entwickeln, daß jetzt nichts anderes mehr zu tun ist, als jede menschliche Nachsicht zu üben, die Wunden heilt und Glück zurückgibt. Sie haben bereits genug auf Grund des Miß- Verständnisses der Polizei gelitten. Sie sind außer Gefahr." Zum Bischof gewandt, fuhr Krag fort: „Die Ankunft dieses Herrn macht die Sache vollständig. Soll ich fortfahren? Also gut, nehmen Sie Platz, lieber Abb6 Montrose, meine Erzählung ist in vieler Beziehung Ihre Geschichte. Ich bitte Sie, mich zu unterbrechen, wenn ich etwas sage, was nicht mit der Wahrheit übereinstimmt. Also, meine Herren, Abbö Montrose hat sich vor drei Jahren den Gesetzen des Lebens und der Liebe unterworfen und ist eine Ehe mit Clary Whist, der Tochter des Wirts aus dem„Vergoldeten Pfau", eingegangen. Abbä Montrose verhielt sich noch immer schweigend. Es war also wahr. „Bereits damals," fuhr Krag fort,„begann er das Doppelleben, das vielleicht nicht so unerhört selten ist inner- halb des priesterlichen Standes, wie man gern glauben Schweigend holt die Frau unter dem Tisch einen Korb hervor. ES liegen Rüben darin, die bei uns als Viehfutter verwendet werden. Diese? Viehfutier bildet die Hauptnahrung der Familie. Wenn eS Feuer gibt, werden sie ohne Zusatz, nur mit etwa« Salz in Wasser gelocht. Gibt e« leinen Brandstoff was meistens der Fol! ist— denn Kohle gibt«S nicht und da« teure Holz ist bei einem Einkommen von S0 Kronen unerschwinglich—> dann wird da« Vieh- futter roh gegessen. .Können Sie denn nicht Holz holen gehen in den Wald, wie das die anderen tun V »Ich Hab' es versucht. Aber eS geht nicht. Ts ist so weit von hier und so schwer zum Tragen. Ich bin zu schwach dazu/ Während wir so sprechen, sttzev die Kinder mit ernster, gewich tiger Miene am Bettrand vor dem Tisch und sortieren und ver packen die Häkchen. Wir fragen weiter. .Haben Sie leine Kleiber? Keinen Kleiderschrank 7' Di« Frau lächelt, versucht zu spaßen und weist schließlich auf ihren Körper, auf die armseligen Lumpen, die fie auf dem Mbe trägt. .Das hier ist mein Kleiderschrank. Da« ist alleS, alle«. alleSl" Ein Zucken geht durch ihren Körper, der Kopf sinkt in die Hände und fie beginnt lautlo« zu schluchzen. Banz lautlo«. Rur der Körper zuckt zuweilen auf und zwischen den Fingern hindurch rinnen langsam die Tränen auf den Boden. Die Kinder schauen auf. Einen Augenblick nur. Und arbeiten dann wieder weiter. Sortieren die Häkchen—.Männchen' zu .Männchen' und»Weibchen' zu.Weibchen' und ordnen fie in Päckchen. Es mag wohl nichts Neues mehr für fie sein, die Mutter weinen zu sehen. Beim Weggehen liegt eine Banknote auf dem kleinen Tischchen—- tvaS bedeuten heute in Wien für einen Holländer 50, 100 oder 200 Kronen I— eine Summe, groß genug um— und wäre es auch nur um für eine Woche— Holz, Kartoffeln und etwas Fett zu beschaffen. Bielleicht sogar»in Stückchen Fleisch dazu. Auf einmal, ehe ich noch recht begreife, wa« eigentlich vorgeht, fassen zwei abgearbeitete, magere Frauenhände meine Hand. Und diese Hand wird geküßt. Und Tränen fallen auf die Hand, dir da brennen, brennen........ Ein paar Minuten später stehe ich draußen sin Gang der Großstadtkaserne deS ehemaligen K. K. Hoflieferanten und schäme mich und bin selber dem Weinen nahe. Und die Lust steigt in mir auf, dem einen oder anderen von dem Pack an die Gurgel zu fahren, die diesen Krieg gemacht haben und diesen Frieden. » Ich leg« besondere» Nachdruck darauf, nochmal« hervorzu- heben, daß keiner der angeführten Fälle.ausgesucht' wurde. Wir find ganz und gar willkürlich vorgegangen bei der Wahl der be» suchten Wohnungen. Und nochmals soll auch daran erinnert werden, daß e« sich nicht etwa um Sumpenproletarier oder arbeitsscheue» Gesindel handelt, sondern um Arbeiter, gewerkschaftlich organisierte Arbeiter und deren Angehörige- Familien unserer österreichischen Genoffen, die durch diesen fluch» würdigen Krieg alleS verloren haben. Und wie diese— oder doch ungefähr so wie diese— leb« vier Fünfte! der Wiener Arbeiterbevölkerung. GroK?&rllu vor dem Schaufenster einer Obst- und Südfruchrhandlung fleht ein altes Mütterchen; seine Kleidung zeugt nicht von Reichtum. Die große Schürze, die es umgebunden hat, zeigt viele Flicken, die niemand sieht; denn die peinliche Sauberkeit der Alte« fällt angenehm auf. Am Arme trägt sie eine Markttasche. Lange betrachtet sie die Auslagen in den Schaufenstern mit der Aufschrist»Edelobst': herrliche Weintrauben, prächtige Apfelsinen, wundervolle Birnen und rotbäckige Aepfel, fein Poliert.— Da öffnet sich die Tür deS Ladens. Ein junger Mann mit blauer Schürze und Mütze hat eine Kiepe vor sich mit angefaultem Obst. Schwapp! / Kullert es im Rinnstein I Denn leider ist eS jetzt bei uns auch Brauch, verdorbene Waren auf die Straße hinzuwerfen.— Das Mütterchen, das eben noch versonnen die Herrlichkeit im Fenster stumm bestaunte, wird voll Lebendigkeit. Es kramt mtt zitternden Händen in dem verfaulten Obst und manches Stuck wandert in die Markt tasche. AIS ich verwundert diesem Treiben zuschaue, da sagt die alte Frau:»Ja, ja, junger Mann, Sie wundern sich' Aber eine alte Frau will auch einmal ein Stückchen Obst essen. Ich bin Almosenempfängerin, da kann ich mir keinS kaufen und muß nun sehen, ob da nicht noch ein Stückchen zu gebrauchen ist.'— DaS find die Brosamen, die von der Herren Tische fallen——— A. Ö. Um den Zentralarbeiterrat des KreiseS Teltow. Der Teltower Kreistag trgt am DienStag zu einet mehrstün- stigen Sitzung zusammen, die zunächst eine Reihe von Beamten« und Vesoldungsvorlagen erledigte, den Voranschlag der Kretsspar» lasse für 1020 genehmigte und im Zusammenhang mit der Borlage über die Bewilligung der Mehrausgaben gegen den Boranschlag eine Erhöhung der KrankenhauSgebührensätze beschloß, um die be« sonders durch die Mehrkosten der Krankenhäuser gestiegenen Au»« gaben auszugleichen. Nach längerer Erörterung über das Klaffen- weien in den Krankenhäusern wurde ein Antrag der Unabhängigen aus Abschaffung der ersten Klasse abgelehnt und mit großer Mehr» hett beschloffen, in den KretSkrankenhäusern Lichtrrfelde, Britz und Töpenick folgende Sätze zu erheben: Für Erwachsene in der dritte« Klaffe 8 M. für einheimisch« und 0 M. für auswärtige Kranke, in der zweiten Klaff« IS und 26 M» in der ersten Klaffe 30 und 36 M.; für Kinder unter 14 Jahren in der dritten Klaff« 5 und 6 M. Auf demokratischen Antrag wurde die Ermäßigung für Kinder nur auf die dritte Klaffe beschränkt. Den grundsätzlich bedeutungsvollsten Gegenstand der ver- Handlung bildeten die Anträge der Freien Bereinigung und der Demokratischen Fraktion auf Verweigerung der weiteren Mittel für die Zentralstelle der«rbeiterräte de» Kreise» Teltow.. Für die sozialdemokratische Fraktion betont» der Abgeordnete Herbst- Eopenick, daß die Zentralstelle der«rbeiterräte sich wohl verdient gemacht habe, daß ihre Aufgabe jetzt aber er- ledigt sei und da» Kontrollrecht ouasibließlich den au« allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Körperschaften zustehe. ES sei jedoch notwendig, eine neutrale Beschwerdestelle in der Kreis» Verwaltung einzurichten. Die sozv'demokratische Fraktion beantragte daher, die Anträge auf Beseitigung der Zentralstelle dem Finanz- ausschuß zu überweisen mit dem Ziel«, au Stell« der Zentralstelle eine Einrichtung zu schaffen, die den Mitgliedern deS Kreistage» und de« Kreisaueichusse» als JnformationSburea» zur Verfügung stehe. Der Finanzausschuß soll dem Kreistag in der nächsten Sitzung eine Vorlage hierüber unterbreite«, vi« dahin solle die Zentrallstelle lediglich al» Beschwerdeinstanz ihre Tätigkeit fort- setzen. Di« Anträge der bürgerlichen Fraktionen wurden darauf mit 34 gegen 84 Stimmen, also mit Stimmengleichheit, abgelehnt, und der sozialdemokratische Antrag auf Ersetzung der Zentralstelle der «rbeiterräte durch eine Beschwerdestelle mtt großer Mehrhett an- genommen. Die Borlage über die Erstattung der Kosten, die die Gemeinde» zur Verbilligung der ausländischen Lebensmittel aufgewendet haben. wurde bis zu 5 Millionen Mark bewilligt und dem Antrag zugestimmt, den Zinsfuß der Kreisfpa, taste von 8'/, auf 8 Prozent herabzusetzen. Bei der Beratung der Vorlage über die Auf- besserung der Ruhegehälter der Krankenschwestern kam zur Sprache, daß die Dienstboten in den Krankenhäusern heute mehr Gehalt und Lohn bekommen al» die Schwestern. Der Kreismg beschloß, diese Frag« dem FtmtnzawPchuß zur näheren Prüfung zu über- weisen. Ein Atttrag miserer Frakiiort der den M'nister de« Innern er- sucht, die Bcstäligung und Einführung der ab 1. Oktober 1919 gewählten Amtsvorsteher zu beschleunigen, soll durch eine Eingabe an die Regierung erledigt werden. Der Eingemeindungsausschuß de« Kreise« hat ein« Denkschrist über die Frage Grotz-Berlin herausgegeben. Ewald erklär» hierzu im Auftrage seiner Frattion, daß dteselbe mit den Darlegungen der. Denkschrift fich nicht in allen Teilen einverstanden erklären kann Die Unabhängige» und Demokraten schließen fich dies« Erklä- rung an._ Die Aufhebung deS Verbots der Müuzeuverarbeituug. Da« ReichSwirtschastSministerium Hai durch eine Verordnung da« Verbot der gewerblichen Verarbeitung von Reichsmünzen außer Kraft gesetzt. Wie un« hierzu von fachmännischer Seite mitgeteilt wird, richtete fich das nun aufgehobene Verbot in erster Linie gegen die Befitzer von Silbermünzen. Der ständig in die Höhe gehende Preis von Reinfilber hatte zur Folge, daß den Schmelzanstaltrn fortgesetzt groß« Angebote in deutschem, aber auch in ausländischem Silbergeld gemacht wurden. Während zuerst nur die größeren Münzsorten vom Zwei- bis zum Fünkmarkstück zum Einschmelzen Möchte, und daS emerseits sein Verlangen, fem eigenes Leben zu leben, bofrivbigte, andererseits seine Stellung nach außen als angesehenen Gelehrten und Prälaten nicht schä- digte. Seine Frau kannte ihn nur als den braven und künst» lerisch interessierten Arbeiter, der ihres Vaters Hotel so hübsch und phantnsievoll dekoriert hatte. Sie führten em vollendet glückliches Familienleben. Jeden Morgen beglei- tete sie ihren Mann zur Straßenbahn; jeden Abend, wenn er nach Hause kam, ging sie ihm strahlend und froh entgegen. Ein Krnd erhöhte noch ihr Muck. Ich brauche mich nicht in Kleinigkeiten darüber zu verlieren, wie'es AbM Montrose glückte, sein Doppeldasein gu verbergen. Wahrscheinlich hat er irgendwo in der Stadt einen heimlichen Zufluchtsort, wo er täglich, wenn seine Anwesenheit in der Mböwohnung nicht mehrere Tage hintereinander erforderlich war, seine Verkleidung vornahm. Ich sehe Ihnen an, Abba Montrose, daß ich richtig geraten habe. Ich brauche auch nicht weiter auszumalen, wie furchtbar peinlich dieses Doppelleben mit der Zeit wurde. Die Wissenschaft und Ihr Amt hielten Sie lange fest, schließlich aber siegte das Leben und Sie de- schlössen, ihr offizielles Verhältnis zur Kirche zu lösen und wandten sich in dieser Veranlassung an Ihren Freund. Seine Eminenz, ohne jedoch den tatsächlichen Sachverhalt zu ver- raten. Ihr DerihöltniS zur Kirche wäre auch sicher in aller Stille und ohne Aufsehen gelöst worden, wenn nicht ein un- vorhergesehenes Ereignis eingetroffen wäre, daS Sie veran- laßte, schnell zu handeln, und da schrieben Sie jenen Brief dort an den Bischof.«... �, Da geschieht eS. daß daS Verbrechen m Ihr Schicksal eingreift. Und das verbrechen wiederum hängt Mit der Entdeckung Ihres Doppellebens zusammen. Habe ich recht? Gut. wir sind jetzt zum Abend bor der Wsindmmg in Ihrer Bibliothek gekommen.' XL, S<Ül«ß. ,tv«»or ich aber weiter gehe,' fuhr ASbjör« Krag fort, .Muß ich einige Worte über daS arme verkommene Subjekt sagen, das in AbbS Montrofes Garten als Arbeiter ange- stellt war, ich meine Etrantz, auch der„verrückte Profestor' genannt. Ich habe nähere Erkundigungen über ihn ringe- zogen. Er mar ursprünglich für den geistlichen�Stand be- stimmt und studiert« Theologie an der Universität. Trunk» sucht und Not ab« brachte» ihn auf Abwege, davor er sei» Studium beendet hatte. Er sank tiefer und tiefer, und wenn er ftkin« zufällige Arbeit hatte, lebte er mit Verbrechern und allen möglichen Menschenwracks zusammen. Aber sogar in seinem Uesen Erniedrigungszustand konnte er die Träum« seiner Jugend nicht vergessen und war glück- lich, wenn er im Rausch sich und andern einbilden konnte, daß er die Verwirklichung seiner Träume erreicht hatte. Er liebte es, den Gelehrten zu spielen und war beglückt. wenn er fich in irgendein priesterlicheS Gswand kleiden konnte. Ich habe ihn in so einer Situation gesehen und habe selten das Elend des Lebens tragischer empfunden. Da ge- schiebt eS, daß dieser Maren Sie. Herr Abbch in Arnold Singers Gestalt wiedererkennt. Wahrscheinlich in der Nähe Ihres Hauses." „Es geschah eines Morgens auf der Straßenbahn,' er- klärte der Abb6.„Ohne daß ich es merkte, folgte er mir zu meiner heimliche» Wohnung und sah mich von dort in meiner geistlichen Tracht fortgehen. Es war am Tage vor dem unheimlichen Ereignis in der Bibliothek.' „Da haben wir's, und wenn ich mich nicht sehr irre. teilte der verkommene Strvntz Ihnen bereits am selben Abend mit. was er wußte und versuchte eine Geldsrpressung.' „Sie' irren sich nicht." „Wie behandelten Sie ihn?' „Mit Verachtung natürlich Ich berobschiedebe ihn.sofort und nahm als Vonvand, daß er Blumen auS dem Gar- ten der AbbSwohnung stahl, was er auch wirklich tat." „IlZei selber Gelegenheit bezahlten Sie ihm den Rest» betrog seines Lohnes von dreißig Kronen und notierten die Summe auf einem Stück Paprer. wie es Ihre Gewöhn- hert war.' .Lsa.' „Weiter: Bei selber Gelegenheit konnte Straretz Hemer- ken, daß Sie eine größere Gelbsumme in Ihrem Geld- schrank aufbewahrten.' „Die HospitolSgelber, sehr richtig.' „Sie wiesen Strang mtt Verachtung W tXm und er ging mit Zorn im Herzen. Gleichzeitig aber sahen Sie ein. daß Ihr Geheimnis, da« Sie drei Jahre so gut gehütet hatten, nicht mehr sicher sei, nachdem dieser gemeine Mensch eS durchschaut hatte, und Sie be- schloffen, den Knoten mitten durchzuhauen. Darum schrieben Sie diese» Brief an Seine Eminenz. (SchUß falgg fortgegeben wurden, griff im Frühjahr 1918 der Tilberhandel auch auf die Ein» und Einehalbemarkstücke über. Zumeist wurde die Einschmelznng und Verarbeitung des Metalls im Hinblick auf da« bestehende Verbot geheim betrieben. Das ein« geschmolzen« Metall wurde dann weiter in den Handel gebracht und zu gewerblicken Zwecken benutzt, namentlich zur Fabrikation von Tafelfilber, Sckmuck« und Kunstgegenständen. Eme Folge de« Verbot« war die starke Abwanderung deutschen Metallgelde» nach dem Auslände. Die nun erlassene Aufhebung de« Einschmelz- und VerarbeimngSverbotS dürfte vielleicht dazu beilragen, daß daS noch vorhandene Edel- metall im Lande bleibt._ Die Wahle» z« de» Elternbeiräten. Die Zeitungen verkündeten am DienStag, daß die Wahlen zu den Elternbeiräten laut Verfügung des preußisüen Kultusministeriums an den Volksschulen auf den 25. Januar festgesetzt worden find. Dieser Termin ist n i ch t in Tinklang zu bringen mit dem Erlaß de« KuliuSmmisterS über Elternbeiräte und der Wahlordnung für Elternbeiräte. In dieser heißt e«: 8. Der Schulleiter sstellt die Liste der Wahlberechtigten auf und legt fie spätestens vier Wochen vor der Wahl zwei Wochen lang zur öffentlichen Einficht auS. 4. Ferner beruft der Schulletter spätesten« vier Bocken vor der Wahl eine Elternversammlung ein. Die Sin- berusung kann durch Vermittlung der Schulkinder oder durch öffentliche Aufforderung erfolgen. In der Elternversammlung hat der Sckulleiter die Satzungen des ElternbeiratS und die Anzahl der zu wählenden Mitglieder bekannt zu geben, auch dre Wichtig- keit der Wahl hervorzuheben, auf da« SuSliegen der Wählerliste und die Zuläsfigkeit der Einspruchsfrist hinzuweisen, zur Ein- reichung von Kandidatenlisten aufzufordern und den Termin für eine zweite Elternveriammlnng festzusetzen. Letztere erfolgt zwei Wochen vor der Wahl. Sollte die Wahl am 25. Januar stattfinden, dann hätte die Elternversammlung am 25. Dezember stattfinden und die Wähler- liste fett diesem Tage ausliegen müssen, was nicht geschehen konnte. weil der Wahltermm damals noch nicht bekannt war. ES war auch eine Benachrichtigung an die Eltern nicht mög- lich. well wegen der Ferien die Kinder«ine solche nicht den Eltern aushändigen könnten. Die Benachrichtigung der Eltern durch die Kinder scheint für Berlin der einzig mögliche Weg, da eine Bekanntmachung im Schulhause von den Eltern nur dann ge- lesen werden kann, wenn fie selbst zur Schule kommen, wa» höchst selten geschieht. Eine ander« Art öffentlicher Bekanntmachung scheint zwecklos, weil fie nicht den Interessenten zugänglich ist. Wer da« versehen begange« hat, ist augenblicklich nicht fest. stellbar. Es kann aber sein, daß im Ministerium der Termin recht- zeitig festgestellt worden ist, daß eS aber so lange gedauert hat. ehe der festgesetzte Termin in die Zeitungen gedrungen ist. Eine Neufestsetzung der Wahltermine erscheiut dringend not- wendig, denn die Wahlen find sonst anfechtbar. 2. Mtt feinem Schließer durchgebrannt ist ein Räuber, der vor 14 Tagen von der Kriminalpolizei verhaftet worden war. Vor einiger Zeit fielen in der Koppenstr. 30 in dem Zweiggeschäft don Meyer zwei falsche Kunden, die Zigaretlen kaufen zu wollen vor- gaben, plötzlich über die Filialleitenn her, knebelten und fesielten die Frau, raub«»«, Kognak, Zigarren und Zigaretten. Der Kriminal- Polizei gelang e«. einen der Täter, einen Unteroffizier Jonaß. zu ermitteln und festzunehmen. Der verhaftete, ein ehemaliger Bal- tikumkämpfer, wurde nach Zossen gebracht, um von einem Militär- gericht abgeurteilt zu werden. Bevor e« jedoch dazu kam. ver- schwand er in der vergangenen Nacht mit samt seinem Schließer, einem Unteroffizier Rudolf, auS dem Militärgewahrsam in Zossen. Seine beide» Spießgesellen bei dem Ueberfall in der Koppenstraße, der Mtttäter und der Schmteresteher. sind noch nicht ermittelt. Dnrch Selbstschießer grtltet. In der Husfitenstr. 42 ereignete fich folgender Unglücksfall. Der Mieter Krämer hatte an iemem Keller einen Selbftichießer angebracht. In Abwesenheit seiner Eltern nahm der 12 jährig« Sohn den Scklllssel, um seinen Scklrtten zu holen. Da er da« Schloß nicht ausbekam, bat er den 13 Jahre alten Pottiersungen Zwieleit, ihm zu öffnen. Dabei entlud ftch der Selbftschießer. Der Schuß traf Z. in die Schlagader und führte den sofortigen Tod herbei. Krämer« Bater ist verhaftet. Amerikanische Liebesgaben. Zu der von dem amerikanischen LebenSmitteldiklator H o o v e r in die Weg« geleitete« Versorgung hungernder deutscher Kinder mit Lebensmitteln erfährt die.B. Z. am Mittaa' noch folgend« Einzelheiten:»Im Auftrag der amerika« nischen Quäker wird ein« Abordnung von 15 Personen unter Fübrung de« Herrn Seattergood am 81. Dezember oder 1. Januar in Berlin eintreffen, um die nötigen Arbeiten zu beginnen. Sie werden wahrscheinlich mit dem beim Reichswirtschaftsministerium gegründeten ZeniralauSschusie für amerikanische Hilfe arbeiten. In Danzrg und Hamburg sollen die aus Amerika eintreffenden Lebensmittel aufgespeichert und don da verteilt werden. Lager- Häuser find bereits durch den mtt der Organisation in Deutsckland beauftragten amerikanischen Major Goldsmith erworben worden. Die Durchführung diese« Plane« ist davon abhängig, daß die deutsche Regierung die Von den Amerikanern aufgestellt-« Be« dingungen annimmt. Danach bleibe« die zp Schiff herangebrachten, ausschließlich au« amerikanischem Geld angekauften Waren Eigen- tum der amerikanischen Verwaltung. Die Waren find, da eS fich ausschließlich um-LiebeSgabensendungen handelt, von jedem Ein- suhrzoll befreit. Ei« unterliegen nicht der Beschlagnahme durch die deutschen Behörden. Die Sendung an den einzelnen Sdreffaien in Deutschland darf aus dessen RahrungSmittelration nickt onge- rechnet werden. Die Liebesgabenpakete genießen in Deutschland auf der Eisenbahn und aus der Post die Bevorzugungen der Leben«- mittelsendungen und LiebeSgabeniendungen, die von der deutschen Regierung bisher gewährt worden find.' Die städtischen Bureau« und Kassen IchNehen am Sllvestertage um 1 Uhr. Die BerlehrSflunden in den städtischen Knssen und auch in der Sparkaff« für da» Publikum ende» um IL Uhr mittag». Die Große Berliner Straßenbahn teilt mit. daß die Linie«(Oft- weftring) zur pünNIicheren ynnehalimig ihre« Fahrplane« vom 1. Januar 1920 ab aus der Strecke zwischen Krlminalgettcht und Ztramftraß« ihren Unten weg mit dem der Linie 2»ertausch«.«» veriehrt also künsttg Linie« über die Straße Att-Moabtt und vtromstraß«. Linie 2 über Rathenower Straße. Turm- und Stromstraße. Lichtender«,«ahleu der Elternbeiräte. Diejenigen Eltern schulpflichtiger Kinder, die gewillt find. mU aus die Kandidatenliste zu kommen, werden ersucht, umgehend ihre«dreffen bei solgendcn Genoffen »bzuaebeu: RIsred«ünther, Srünberger Sir. l». V. 1 Tr. j August Klee- mann, GrtwhiuSstr. 13 j«eorg Schulze. Stmplonstr.«: Gustav BeSIer, «antstr. 90; Alftad»«twitz. Saguerftr. 9»; Max vachert, MSllendoaff. straß« 99.___ «roh-verliner Lebensmittel. Berlin, vis Sonnabend sllr 150. vrotkommlsston, bi« Dienstag sür ISO., 142., 143., 144., 147, 148. und 161. Vrotkommilston 126 Gramm Käse. Treptow. 960 Gramm Rudeln(107 und 108), 260»ramm Auslands. mar«elade(78), sür Personen über«6 Jahre 8 Tafeln Pseffertuchen(28), sür Jugendliche 200»ramm Geritenflocken(47). an Kinder bis zum ». Jahr 600 Gramm Kindergerftenmehl und 500 Gramm Haferflocken, an Kriegsbeschädigte»an SO Pro», und darüber 9 Pfd. Grieß und 2 PI», grüne Erbsen, 260 Gramm AuslandSmehl CS. 24). 6r*$*6crHncr parteinachrichten. IX. Abt. Heute 6 Uhr gemiithche« v-llammeniew den FunkttonSre «ck de« 99.«tndtbeztM M Cchngnt, SHaHaju* Eft.» SichtevVerg. Lchwng, Partei-«Mb v«trieb«w»MonSre k ftwttni. 71/. Uhr, bei KurkowZti, Psarrstr. 7t, außerordentliche FlmktionSrkonserenz, Wichtige Tagesordnung. Stralau. Siloefterseter Sri Vollendach. Pfannkuchen und Pu>rsch gratis._- Jugenöveranftaltungen. JahreSwendfcier, 1. Januar, im»Deutschen Hof«, Luttauer Ttraße, Saalöffnung t lldr, Beginn S Uhr. Mitwirkende: Rezila- tioncn: Ar. Gertr. Stube. Gesang; Herr Dr. Echundt-Mariissa. An- spräche: Gen. Lüdemann. Smtritt 75 Pf. Zentraljngendheim heute geschlossen.— KaulSdorf. Jugendheim, Gemeindeschule Adoljstratze, heute 7 Uhr: Vortrag.— Rosenthal. Heute! Silvester bei Barth.— Süden. Jugendheim, Jugendklubzimmer Ke- meindeschuie WilmSstr. 10, heute abend: Silvesterseier.— Westen. Jugendolm. Kantinenrauu! der Baugewerkschule, Kursürstenstr. Itl, heute: Unter- «altungSabend. Mus aller Welt. Mieterpreikbrohung in Hamburg. Montag abend fanden dom Zentralmieterrat einberufene, außerordentlich stark besuchte Versammlungen statt, in welchen gegen die Ausbeutung der Mieter durch die Grundeigentümer gesprochen wurde. Einstimmig wurde beschlossen, am 1. Januar in den Mieter streik einzutreten, d. h. keine Miete zu bezahlen, bis die von der Ver- sammlung aufgestellten Forderungen erfüllt find. Eisenbahnerrisiko. Auf der Strecke Ratibor�Kandrzin fuhr ein Güterzug auf einen � loSgerifienen Teil eines vor ihm fahrenden Güterzuges. Ein Lokomotivführer wurde getötet, ein Schaffner schwer verletzt. Sachschaden beträchtlich. Petroleum im Elsaß. Die Produktion der neuerbohrten Petroleumquelle in PechelhauS sElsaß) ist auf ca. 60 Tonnen täglich aestiegen. Neuere Untersuchungen ergaben, daß weit über da» KonzessionSgebiet der Pechelbronner Oelbergwerke hinaus nach Südwesten und Westen Petroleumquellen vorhanden find. Eine Flucht aus Rußland. Ende November traf in Wien ein der- stümmelrer Funkspruch deS russischen Volkskommissars für Aeußeres ein. wonach die Sicherheit mehrerer in Rußland befindlicher Oester- reicher von der NichtauSlieferung B e l a K u n« an Ungarn ad- hängig gemacht wurde. Später stellte e» sich heraus, daß dieser Funkspruch sich in erster Linie auf den Oberleutnant Alter bezog, der für den Verband Angehöriger österreichischer Kriegsgefangener nach Rußland gereist war. Alter war in Moskau verhaftet worden, »st aber aus dem Gefängnis entflohen und jetzt nach abenteuer- ltcher Flucht in Mährisch-Ostrau eingetroffen. Wetteranßsichten für das mittlere Norddeutschsaud bis Donnerstag mittag. Meist wolliges, ziemlich mstdes Wetter, bei sfld- lichen Winden, zeitweise Niederschläge. Rachruf! «m 29. Dezember verschied unerwartet unser] Spediteur in Nieder-Schönnveide, Genosse Willi Unruh. Pflichttreue und Gnoissenbastigkeit während! relangen Ttitigkeit sichern ihm ew dauerndes Seine seiner fahre! Gedenken. Bekanntmachung betreffend die Entrichtung der Umsatzsteuer für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember ISIS. «ns Grund de»| IT Abs. 1 de« Umsahst euergesetzc» und der Dß 45 und SJ der Ansfdhrungsbesiimmungen dazu wer' die zur Einrichtung der algemcinen Umsatzsteuer v erpsticht aewerbetretdenden Pertonen, Gesellschaften und sonstigen S Eigent Schmel»«— Direkte Verwertung. Per- Tie GeschiiftSleitnnß des BorwirtS-Berlages. Nach langem, mit Geduld ertragenem schweren Leiden verschied am Sonntag, den 28. Dezember unser guter Pater, Onkel. Bruder. Groh- oater und Schwiegervater, der Steinmetz Otto ft'stmd im vollendeten 92. Lebensjahre. 623b Im Namen der Hinterbliebenen Leoet Freund. Die Beerdigung findet statt am Mittwoch. den 31. Dez., mittags i Uhr von der Halle des St. Georgen» irledhose, in Wetßensee, RtUckestrahe. Xr, Orliftering Spezlalnrzl. InvaiidenstraBe 35 Ecke Chausseesiralle am Stettiner Bahnhof.' fenMr beseitigt Dr�trahl s San.-Rat gM8saJj,e led. HautausschU Flecht, Hautjuck., de,. Betaockad., Krampiadern der Frauen u. dergl» in Orieinaldosen 9 25. 9 75 erhilflich In der „Ekfamen-Apothckt"■ Berlin 213, Leipjiger Strale 74(a. Ovnhoffol 1 iiüjBistr.25 Saitt.Har,,. u.« Institut MeiSner Am Bahn um Frankf.Allee .... t.H«te«Ie*»lt»k., nervöse Schwache, spez Vera»et. l dUe.bei i�ueiki.ch.u.fchmcr» loker Behnndluno ohne Beruf», stlirung. Auskunst kostenl. ttarn ». Biutunlersuchung. 19-1, 5-8. Donnerstag u. Eonnrag 19- 12.' Lehrer Cbsto NervenaTee b.Nrrvenbeschw., tkopffchmerzen, Echlafiosigk., zngi Arr.-Pertalk. vorbeua., garant. sich. Wirkung. Probe 3 M., sllr einen Monat 12 M. Nith. b. Vwsl, Lehrer, Herrmannsdors 2»2 b.vreoiau. l-oulg XVI. Scdl»!elmae» Joieph Dreyfuß Kurffirstafltfannn 213 Sreioftati MM.* Platin pro Gramm J1 U2-. Metallkontor Alte JukobstraS« 138 Telephon: Vorilrplatr 12 858 Zigaretten Pro SBIiU» von R. 120.- a» "lirai (pttatB Qualität) 3imn ßflDflftflf RflüÄfflftfifBe i» liefert ad Lager ItOL» G. Wagner, «öpenichrr»rrafte 71 .»alf» Hef* (hin Ladengeschäft). ARGBNTIMBN. Dr. C. ladaleclo Oomeo, Rechtsanwatt, promoviert In WQrzburg und Buenos- Airt«.* Reken Ptacui, Ingenleu r u. Palentanwalt Buenos- Alre». Reconquista 37. Tel.-Adr. Pincus, Buenoa- Aire«, A B. C. Code. n-efMali •nrtt Umfatzsieuer- schristllch einzureichen. Der Unchchsteuerpflicht unterliegen nnr 04« gNwentOefwrwngen, lei*nn auch die sonstigen Ingen, insoweit diese innerhalb der gewerblichen Tätigkeit insoweit diese innerhalb der gewerb liegen. SteueigfOichiig sind Hiernach z. B. auch Gasthauobetried«, HHnmeratrraieminiwn, Befördeningsunternehmnngen, Per» «ekrunew und Sogerrrn,»geinerbe, Verqnllgungsgewerbe, Witsch eeeien. SendWerkebetieede aller Art, insbesondere auch '" ratunn, IWOgllationeu und ähnliches aus- « gtgenten ufw. tchger GeweWedetrieb gilt ferner der Betrieb ireschatt. der Viehzucht, der ffisch-rei und '''' Die Absicht der insoweit stiheen. s. «1» ftenei. der Land- nnd_,... des Bartendeues, sowie der Bergwerksbetrieb. Gewinnertzlewog ist nicht Boraussetzung sllr da» Borliegen eine» Gewerbebetriebes Im Sinne de» Umsatzsieueraefede». Die Steuer wird auch erhoben, wenn und soweit die steuerpflichtigen Personen usw. Degenstände au» den eigenen Betrieben zum Selbftgedrgnch oder Verbrauch entnehmen. Als SnOgett gilt in letzterem Falle der Betrag, der am Orte und znr Feit der entnähme von Wiedervertäufern gezahlt zu werde«»4le«t, Die»ichiewnichinitz der DrNSrnng zieht ein« Ordnung». strafe bis zu 159 Wart nach sich. Bei nicht rechteetkiger Ginreichaug der Steuerer klärmrg wird»in SeoneranfMla» dt» zu 19 vom Hundert de» Steuer- betrag« k,sttz«f«Dt werde«. Da» Um.aaflenergesetz bedroht denieuigen, der über den Bettag der Snfe-U» wissentlich unrichtige Angaben macht und vorftztzlich die Umsatzsteuer hinterzieht oder einen ihm nicht gebührenden Stenerverteil erschleicht, mit einer Deldsttake bis zum zwanzigfachen Betrag« der gefährdeten oder hinterzogenen Steuer, Kann dieser Etcuerbettag nicht festgestellt werden, so ttitt Geldstrafe von 100—199900 Mark ein. Der Berfuch ist strafbar. gur Einreichung der schriftlichen Gekllrung sind Vordrucke zu verwenden, die nach MSgstchkett fedem Steuerpflichtigen kosten» los zugesandt werden. Aber auch diejenigen sind zur An» Meldung der Entgelte verpflichtet, denen ein Bordruck nicht zu- gegangen ist. Die betreffenden Bordrucke können bei dem unter» zeichneten Umsatzsteurramte kostenlos entnommen werden. Die Abgabe der Erklärung kann im llbrigen durch nötigen- fall» zu wiederholend« Geldstrafen erzwungen werden, un- bcschadet der Befugoiss« de» Umsatzsteueramte», die Veranlagung auf Grund schätzungswetser Ermittlung vorzunehwen. Verlin c 25, Aieianderfttatze 41, den 18. Digember 1913. Stenerdeputation des M«gistr«ts. Umsatzsteueramt. Hamburger. Dgb.Rr.l49PU.St. 1,1«. ZfsMfWtzW dkl MmtiOk« vlis- liraMIit Spuubnu. Am t Sanuat 1920 tritt der V.Rachttaa zur Satzung unserer Kaste in Kraft. Danach wird Krankengeld nach fechsmonat» iicher Mitgliedschaft bei der Koae dt» 39 Wochen. Hilfsmittel be«"bigt-m Heiwersehreii bi» 3««ark, Scherbezeld k»r d«,»»«ttinl zwei Drittel, tttt ein Word Uber 4 Zadren oi» Hälft, und unter 4 Jahren sin viertel de» Mitaliedersterbe- gelb« gewährt. Für dir Ali!- glicder selbst wird nach sechs- monatlicher Mitgliedschaft der vierzigfache, sonst der dreißig» fach« Bettag de» Grundlohn« al« Sterbegeld ae»adit. Auch die gesetzliche Wod>en- hilf«, gültig vom I, Oktober 1919 j�u gleicher geit seilen wir mit, daß vom L Jnnnar dezw 1. Februar 1920 ad alle Beiträge im Intereste unsere» Vaterlandes nur noch ca� un�r Post. HOBEL Tischlerei» P. Kernien, Nene Kflnlgstr. 19b. Gegründet 1894. WohulniBr Schlofzlniner Speisezlnnisr Herrenzlam. in sehr eetällg. Formen In groS.Autw. am Lager. schedtonto Jtr. 14919, bczw. glledi _ 7. eingwndlt«erden mltffcn. Nähere Stttteiwngen «erben jeder gahlungsauf- forderung unsere�eit« beigefügt werden. Welte« machen wir darauf aufmerksam, daß vom L Januar 1930 ab nachfolgende siahnarzte 1«. Denttsten Unseren Mit- edern nach freier Wahl zur Verfügung ftetzea: 1. gahnawt Bedoondf, Siemens» fiadt.«enaendnMM-Olllee ch > gähn««« Sisgsried Bruno Bernstein, Säandau, Potsdamer Sir. 40 �dau, Pichelsdorf? attf 1 st DentisiO.F.Goldmann,Span- bau, Reuendorfer Str. 09 8. Denttst Karl Zrgana, Spandau. Potsdamer Str. 44/45 9. Dentist Eduard PrechL Spandau, Schönwaider Sw 13/14: Außerdem ist vom 1. Januar' 1920 ab neben den bisherigen Kastenärzten noch Herr Dr. 1 Ho tamp, Spezlalayt für Nerven- u. Gehfrncrkrankungen, l Spandau. Brette Str. 55, zur freien BrkanMwn« unserer Mitglieder|i"" Gegründet 1868. PELZ- waren Exzowvt Fngro« EinzMauf wie(HjälirHGh preiswertes Angebot in Krazgnn, INulTcn nnd PelxhUten* Fuctejarulturen in groker Auswahl kpntma fl.kiMuD3 prompt und billigst Ad. Abratiemsolta Nnchtr. 2dl Nene Konlgstr. 261 6 Proz. erhöht Satzungsändfrungen und Aerzieverzeichniste stehen den "' aebern und Bersichertcn >erem Kaffeniotal unent- zur Betftigung. Dar Darstanb. 289/17 S. Richter, Vorsitzender./ !!!Geld!!! gründlich» Unttneeifuna. F. Simon, Berlin IV 36,«tagbc| Brillanten, Selb«! An- äTÄwr5» i SifiavES Punsch Rum Kognak für das Xnstfcrsfcst empfiehlt F. P. A. 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Antritt kann sofort, muß aber möglichst noch ftanuar erfolgen. Gebalt nach Uebereinkunft. Bewrrbui find zu richten an llt. � gesucht. inuarWW,. ,d zu richten an 24. vorowote, Königsberg t. tdenftt. 28/29, I. 221 im In der 223/29» KOnlgBbergep Tolksieltnngf Ist die Stelle eines Geschäftsführers von sofort zu besetzen. Ddr Antritt soll möglichst nicht nach dem 1. Febr. 1920 erfolgen. Zu den Obliegenheiten des Stelleninhabers gehört die gesamte kaufmännische und technische Leitung des Druckereibetriebes. Gehalt nach uebereinkunft Ausführliche schriftllcho Beweibungen unter Angabe der bisherigen Tätigkeit zu richten an A, Berowskt, KOnlgeberr I. Pr>, Llndcostr, 28/29. upb ein« fdle Parteiorganisation fitt das westliche Westfalen stirl!! für möglichst bald einen 123; 1 Jugendsekretttr Sekretärin für die(frauen-VeiveOAng. 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Frau 1 e. Biöbocn, eaptQia.«ueuftt-Sittoriaftrastc 24.! herz-. Leber- a. Ziieren leiden«i averholt ge- i veGeri.— 4. Herr«. S»»i«, Zieftour. Shor- � latWabucp, SuNenftr. 12.«hroalscher mittel. »hrtotocrh geheilt.— 5. Frau«rtinbera. IRri- hensee. Ltndenailee 3. San schrnerern«sthrno i befreit.— 6. Frau Bl. Aaste, Bertin, NoNendorj. itrake 10. 1.«tseuraoflaams geheilt.— 7. Herr &. übcbarbl.«c.- Lichter fclb«,«ingstrehe S2a. ifbronifche» yaftgelenkieidrn wiederholt er i solgrefch»ehaavelL- 8, Frau Ct. ycdorst. Beiita, Rilderger Eir. 2b,'Zi Jtetatu- n. Aneche».| hanieatzandnag gehailU- 9 Frau ZZreub.: paatow.!vamero«ssr. 54. Langendlutea in vier! Tagen aoflstendig geheilL- 1». Frau«. Herz. rnana, SchSueberg. Zeurigsirahe Sl.«iternde I Ziflel nach Blinddarm Operation geheilL—! Tl. Herr S. Hitler, Ariedenan,«ponfpUftcake 56. Ben«uletcienflciien geheilL— 12. Frau| 5L Hahnaofcc, Berlin, Bresiauer Str. 1. Stiles 15 jdhrige» Herzleiden geheilt— ia Herr 1 i m. dl ohne«.««-.nickeadors-Wefl. 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Bon chronischem Leber. an« cheidsuchl geheNL— 24. Frau M. . Beriin-Lichienderg, Scharnwebersir. 62. Von «ertschwOche, Leberonfchwollung geheilL—> ! 25. Sohn Paul des Weichenstellers Herrn Wilhelm Aaffaer, Berlin. tNestend, Beamlenhau». Von schwerem Beialeideu geheilL Bem sollte ab- genommen werden. ■BT* Brieflich« Original.Auerfennnngen von \ un««beiltet Patieateu stehen im Wartezimmer der«vftalt aus«n»Ich zuriiaficht!—«etrenat«| «ehondlm-.gsrdAme flkr Semen und Herren!— Sprech- und Behaadwngszeit: 8—1. 4— tv.«he. I Sonntag und Feiertag: S— l llhr.* I HeilauNolisdefttzer Professor P. Mistelsky anprobiert im Anvlond Berlin HO 16, BickickenatraBe lOb am Bahnbot Jannowitzbrücke. Freiheitsbombe, wiitt rote Fahnen und Blumen aus, 75 Pf. Mnalkachokoloda 1.— 150 M. Musik- Cakesrollo f.— M Schrei. eades Portemonnaie I.— M. Schlagende Zigaretten I.— M. Spritztellcr 20 Pf, Radauplattcn 40 Pf. Schemlgaretten, Scherzkoalekt, Knallbonbons Dtzd. 150 bis 10.— M. Dekor. 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Das Auftreten des Sonnenfeld-Vater— eS sei auch an seine zum Teil in Versen abgefaßte Anllageschrist erinnert— macht den typischen Eindruck eines geisteSkranlenOuerulanten: es ist nur charakteristisch für eine gewisie Preffe, daß sie die völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen dieses offenbar auS dem Gleichgewicht gebrachten Manne« zu Sensationen aufbauscht. Meöerewführung öer Golözolle. In zwei Roten hat der Oberste Rat in Paris der so- fortigen Erhebung von Goldzöllen in Deutschland zu. gestimmt. Deutschland ist ermächtigt, auf die Zölle ein Aufgeld in der Höhe zu erheben als die jeweilige Entwertung der Reichs« mark gegenüber dem Dollar beträgt. Hierbei müssen die BorkriegS» Zollsätze zur Anwendung kommen. Die Ermächtigung gilt zunächst für drei Monate. Das Gesetz über die Zahlung der Zölle in Gold, da? vorüber- gehend außer Anwendung war, wird mit dem 1. Januar 1V2V Wieder in Kraft gesetzt werden. Die Anerkennung der Goldzöll«, die an der westlichen Landes- grenze außer Geltung waren, durch die Entente hat zur Folge, daß die Einsuhr von Waren über das besetzte Gebiet nicht mehr vorteil- hafler ist als die über die Hafenstädte. Die Einfuhr nicht unbe- dingt nötiger Fertigfabrikate wird dadurch behindert, die einheitliche Anwendung des Zollsystems an allen Grenzen deS Reiches ermög- licht. Auch wird die Erhebung, der infolge der Zahlung in Gold bedeutend erhöhten Zollsätze der Verschleuderung deutscher Waren an das Ausland, entgegenwirken. Hätte die Entente dieses Ber- ständnis für die deutsche WirtlchastSnot schon früher gezeigt, so hätte mancher schwere Schaden vermieden werden können. Die sächsische slrbeiterschast für den Einheitsstaat. Aus einigen Aeußerungen deS sächsischen solzialdemokratischen Ministerpräsidenten Genossen Dr. Gradnauer war geschlossen worden, daß innerbalb der sächsischen Sozialdemokratie eine nennenswerte Strömung gegen die Verwirklichung des deutschen Einheitsstaates bestehe. Nach unseren zuverlässigen Informationen sind diese Schlüsse durchaus unrichtig. Sowohl die Masie der Parteigenossen wie auch die sächsische Landtagsfraktion und der sächsische Parteivorstand sind Anhänger des Einheitsstaates. Engländer in Hamburg. Auf Veranlassung des Obersten Rats wird eine britische Kom- Mission, bestehend aus Kapitän Tottenham und zwei anderen Ossi- zieren, mit einem britischen Zerstörer om St. Dezember in Ham- bürg eintreffen, um Einzelheilen über Schwimmdocks, Kräne und anderes schwimmendes Material in deutschen Häfen festzustellen. Völkerbund and Saargebiet. / D«s Pariser„Journal" meldet, daß Wilson wisse« ließ, er sei bereit, den Völkerdundsrat zusammcnzuderuien, welcher so- fort nach dem Austausch der Ratifikationsurkunde» daS Regime deS Saargebietes festsetzen soll. In Nordamerika mach» sich immer mehr das Bestreben geltend, den I ö l k e r b u n d bei de» kommenden PräsidrntschaftS- wahleu als H a u p t l o s u n g s« o rt z« ertlire«. i>h«e ßch um dir Aktion deS Senats z» kümmern. Diese Wahlvarole solle keine parrcinche Stellungnahme bedeuten, sonder» nur den Zweck verfolgen, jede« Kandidaten für den Präsidentenfitz zu riaer Meinungsäußerung über den Wert des LölkerdimdeS zu veranlasie». A» der Spitze der Bewegung steht Senator B o r n h, und es ist bereits im Verlaufe der letzten Woche eine Or-v.'.üsation gebildet worden, dir im ganze» Stande Zweigstellen rrhalren soll. Die Kreise, die hinter dieser Orga- nisation stehen wünschen, daß die demokratischen und republikanische« Parteien Erklärungen gegen den Völkerbund i» ihr Progrann» auf. nehme». mögen. Gestern erklärte mir ein alter, kluger Doktor der Philo- sophre, daß er Vcrnunftmonarchist, vielleicht nur GewohnheitS- Monarchist gewesen sei. Aber schon längst habe er erkannt, daß die Monarchen und ihre Helfer nicht mehr die Führer deS Volkes waren. Nun frage eS sich, ob die Männer der neuen Regierung diese Führer seien. Er bezweifelte eS. Aber nicht darauf kommt eS an. Nicht die politische Revolution ist daS Entscheidende. Sie setzt neue Männer an die Stelle der gestürzten. Sie schafft Rechte an Srelle des alten Unrecht«, sie schaff! nur Voraussetzungen. Das Ziel ist nicht die polirische, tS ist die wirtschaftliche Revolution. DaS Ziel ist der Sozialismus.'(Schluß folgt.) Shaws„Helven* im Kleine« TchcmGiekh««». Der vezirk«. bildungsauSjchuß Groß-Berlin bringt als nächste der von ihm allsonntägiich nachmittag« im Kiemen Schauspielhaus, Charlottenburg, Falanenstr. 1. veranilaliclen Theatervorstellungen Shaws.Helden' zur Austübrung. Diese.Satire auf daS müitänsche Heldentum', wie der .Vorwärts' das bekannte Stück in einer kürzlich erfolgten Besptechung nannlc, schildert in köstlicher Ironie den Gegensatz zwischen natürlicher Menschlichkeit und vei togenem Heldentum und ist gerade jetzt nach dem Zusammenbruch des prcußilch-deutichcn Militarismus besonders aktuell. Die Groit-Berliner Arbeiierschast möge daher nicht versäumen, sich die Aus- sührung des wertvollen Stückes am morgigen ReujahrStage. nachmittags 3 Uhr, anzusehen. Für eine gute Besetzung der Rollen ist, wie immer, Sarge gelragen. Karten k 1,90 M. sind bei den Abteilungsleitern und an folgenden Stellen zu haben: Vorwärtsbuchhandlung, Lindcnstr. 2, Zigarrengcschäst Horich, Engeluser 1ö, bei Wollstein, NO., Lietzmannstr. S. Dir Plätze werden von B/, Uhr an an der Theaterlafse verlost. Dostojewski. Abend. Aisred B e t e r l e veranstaltet im Schtllersaal Cbarioltcnburg am 4. Januar seinen ersten Vortragsabend. Dostojewski: Der Traum eines läckeriichen Menschen. Jouve: Für Europa. Weitere Abende folgen am L0. Januar. Andrcjew: Die Geschichte von den sieben Gedentten; 21. Januar: Strtndbcrg: FriedenSnooelle: LS. Januar: Käme- raden der Menschheit. Dichtung«! zur Welir-oolulton: Breft-LitowSk— Eme Weitwende, Szenen au« den FnedenSverhandtungen. Bernhard Shaw übernimmt die Leitung der soziallWcheu Verstaat- lichungspropoganda. Aontaoc-A»ssiellu»g im iviürkische« All»fe«o. I» eine« eigenen Raum sind einmal die Original» Drucke seiner Werte in chronologischer Folge ausgelegt, die ein last lückenloses Bild seines reichen literarischen WirkenS dielen. Manche Settenheit findet fich dar So die drei Auflagen seines Iteinen, zuerst 1850 gedruckten EpoS.Von der schönen Rosamuude'. Ein Epemplar einet auch den besten Kennern unbekannten Schrift Fontane», die er im Jahre 18S0 zur Enthüllung des Berliner Denkmals für Albrecht Tbaer veröffentlicht hat. Ferner ein von chm znsammengestellres Dichter- albvm, daS zuerst 1852 bei Otto Jankr erschien und bis zum Jahre ISA süns Auslagen erlebte. Bemertenswcrt ist ferner ei» von Fontane zwar nicht versaßtcs. aber viel benutztes Buch, ein Exemplar der englischen Aus» gäbe der von Thomas Percy gesammelten VotlSIIeder, daS er für seine Uedcrsetzungen zur Hand halte und in daS er zuweilen improMerevd sertig« Itropben mit LIeiftist geschrieben hat. Neben den Drucken liegen die-igeudändigen Manuskripte von vielen Werken de» DichwrS. den.»au- derungen", Romanen und Novellen au», jene koflberen Stücke, die Frau Emilie Fontane nach dem Tod- de». Gatten dem«ärttschen Mnseu« ichenki«. und die seit Jahren von den Jüngeren der tsterarhistorfichen Wys-nschast vietsach benutzt worden find.— DieAusstellmeg bleibt bt» ztnn 15. Januar geässuel. die Mftimmung in Eupen-Malmedp. Auf die Anfang dieses Monats mitgeteilte Note des Herr« Clewenceau betr. Eupen und Malme dy ist jetzt von der beut- schen KriebanSdelegation folgende Antwortnote in Paris über« reicht worden: Mit Bedauern stellt die Deutsche Regierung fest, daß die ein- gehenden Ausführungen in ihrer Note vom 3. Oktober bei den Alliierten und Affoziierten Regierungen nicht die erwartete Beachtung gefunden haben. Die Note der alliierten und affoziierten Regierungen vom 10. November betont besonders, daß daS Abstimmungsverfahren für Eupen-Malmedy ni ch t mit der für Oberschlesien oder Schleswig vorgesehenen Volksbefragung verglichen werden dürfe. Demgegenüber muß die Deutsche Regierung wiederholt darauf hin- weisen, daß die alliierten und affoztierten Regierungen in ihrer Note vom IS. Juni die Abstimmung in Eupen-Malmedy mit der Abstimmung in Schleswig auf dieselbe Stufe gestellt und mit den gleichen Worten behandelt haben, und daß bei allen Volksabstimmungen, einerlei unter welchen äußeren Formen sie stattfinden, gewisie gemeinsame Grundsätze obwalten müssen. Die Antwortnote vom 10. November erklärt ferner, Belgien werde unter seiner eigenen Verantwortung die Ab- stimmuna durchführen und für eine freie Stimmabgabe Vorsorge treffen, Kann man an sich schon von den Bebörden eines Staates, der an dem Ergebnis der Abstimmung interessiert ist, schwerlich eine unparteiische Haltung erwarten, so liefert das in der deutschen Note vom 3. Oktober eingehend geschilderte Borg eben der belgischen Behörden in den Kreisen Euven und Mal» medh nach Ansicht der deutschen Regierung den Beweis dafür, daß bei einer unter belgischer Leitung stattfindenden Volksbefragung von«nee freien Stinnwadgabe nicht die Rede sein käme. Die Deutsche Regierung kann nicht umhin, ibrem Befremden darüber Ausdruck zu verleiben, daß ihre ausfuhr» lichen Beichwerden über dieieS Verhalten, deffentwegen auch jetzt noch fortwährend Rone» der verängstigten Einwohner einlaufen. in der Antwort der alliiert«, und assoziierten Regierungen mit keinem Worte berührt werden. Roch Ansicht der Deutschen Regierung kann von einer wirklich freien Abstimmung solange nicht gesprochen werden, als den belgischen Bebörden freie Hand gelösten tvird. In ihrer Note vom 3. Ollober halte die Deutsche Regierung daher vorgeschlagen, eine vom Völker- bund ernannte Kommission zur Ueberwachung der Abstimmung einzusetzend Dieser Vorschlag, der übrigen? dem Artikel 32 deS Friedensvertrages keineswegs widerspricht, war von der Deutschen Regierung nicht willkürlich gemacht, sondern war veranlaßt durch die Zusicherung in der Antwort der alliierten und affoiiierten Regierungen vom IS. Juni(Teil H, Abschnitt 1), daß die Abstimmung„unter der Leitung deS Völkerbundes" statifinden werde. In der Antwortnote vom 10. November wird erklärt, dieser Zusicherung werde Genüge geleistet, wenn Belgien das Ergebnis der Abstimmung dem Völkerbund unterbreite und seine Eni- scheidung abwarte. Der Deutschen Regierung erscheint diese Auslegung als eine Einschränkung derfrüherenZusicherung. Sie vermag ferner nicht zu erleben, wie der Völkerbund, der in den Kreisen Enpen und Malmedy über keinerlei Organe verfügt und anscheinend auch nicht verfü««n soll, in der Lage sein könnte, nach- träglich festzustellen, ob und in welcher Weise eine unzulässige Be° einffuffung der Bevölkerung staltgesunden bat. Im Jnteresie der Bevölkerung der Kreise Eupen und Malmedy, die von ihrer heimatlichen Regierung Schutz und Hilft erwartet und in ihrer übergroßen Mehrheit dem Anschluß an Belgien ab- geneigt ist, kann sich die Deutsche Regierung mit der Antwort ber allst erirn irnfc afsoqsteriett Regierungen vom 10. Nc» emster nicht für befriedigt erklären. Sie hält es vielmehr für ihre Pflicht, auf ihr« m der Note vom Z. Oktober gestellten Anträge zurückzukommen und zu bitten, daß die alliierten und affoztierten Regierungen diese Anträge erneut eingehend prüfen, daß sie die lücken- haften und unklaren Bestimmungen des Artikels 04 deS Friedensvertrags im Geiste ihrer wiederhotten feierlichen Zusicherungen ergänzen, daß am« mit der Ueberwachung der Abstimmung beauf- tragte Kommission des Völkerbundes eingesetzt wird, und daß d-i« Beschwerden gegen das Verhalten der belgifcheu Be- Hörden alsbald abgestellt werden." Mitteleuropa als Kolonie Frankreichs. Die Wiener„Arbeiterzeitung" despricht die Umwandktmg dir Länderbant in„Bank der Länder Mitteleuropas" mit de« Sitz in Paris und bezeichnet dies als wichtiges Symptom für die Ber» Wandlung Mitteleuropas i» eine französische Kolonie. DaS Blatt äußert fich sehr scharf gegen die Groß- kapitalisten, welche Oesterreich unter die Herrschaft des EutentokapitaiS gebracht haben. Kein deutscher Botschafter i« Wie». Wie die französischen Blätter melden, hat der Oberste Rat der Alliierten der deutschöfterreichischen Regierung wissen lassen, daß er eS nicht dulden werde, daß das Deutsche Reich in Wien weiter durch einen Botschafter»ertreten sei. Da die Vertreter der alliierten Mächte nur Gesandtenrang bekleiden würden, müßte fich auch Deutschland mit einem Gesandten in der österreichische« Haupt- stadt begnügen._ Neue Beratungen in Paris. Nach englischen Meldungen wird Lloyd George» wahr- scheinlich Mittwoch oder Donnerstag nächster Woche in Begleitung von Curzon und Bonar Law nach Paris abreisen. Die Pariser Konserenz werde schätzungsweise vierzehn Tage dauern. Die schwierigste Frage sei die Festsetzung der FriedeuSbedingungen für die Türk«._ ZranMfthe Steuerprojekte. In d« letzten Sitzung der K a m m e r brachte Klotz seine A n- leiheprojekte ein. Der Mmifter legte die Gründe dar, die ein« Umgestaltung der Finanzpolitik notwendig machten. Die AuS- gaben während de« Krieges belrefen sich auf 22 0 Milliarden. Sechs Prozent der bewilligten Ausgaben seien nicht aufgebracht. Die Rogierung habe die neuen Steuern nicht vor der Be- frviung de« Landes einbringen wollen. Di« Einkommen hätten zur Besteuerung noch nicht erfaßt werden können. AuS dem Ein- kommen könnten 1486 Millionen, aus Verkehrssteuern 1512 Millionen Herausgebpacht werde». Das Budget weist gegenüber demjenigen vor dem Kriege die drei- bi» vierfachen Beträge auf. Die Kriegsgewinne müßten besonders herangezogen werden. Deutschland müsse alle einge» gangrnen«erpslichtunge» genau hakten. Um die schwebende Schuld zu verringern, müsse der Papiergeldumlauf eingedämmt, die Einfuhr mit der Ausfuhr ins Gleichgewicht gebracht werden. Ein Antrag, der gegen dieSteuerfreiheitderRenten gerichtet war. wurde abgelehnt. Schließlich wurde das gesamte An- leiheprofekt mit 401 gegen«4 Stimmen angenommen. England streng und mild. Streng gegen Irland,! wo es den Belagerungszustand verhängt, gegen Egypten, wo es statt der versprochenen Sekbftderwalitmg Kugeln spendet und gegen Indien, das man in Hunger, Seuchen und Unbildung verkommen läßt-- aber milde gegen die rosfisch« Reaktion, für die soeben laut.Daily Herald' 5 WÜOionm Ceti Oerie- geschosse in England bestellt wurde«. Ungarische Menschenjäger. Sticht nur in Ungar» selbst, sogar in Wie« haben Offizier« der «eißen Garde Kommunisten und Sozialisten insgeheim verschleppt und in einem Gesandtschaftsauto nach Ungarn gebracht. Das Auto soll gerade' an dem kritischen Tag einer„Aktiengesellschaft" übergeben worden sei«. Die Wiener Regierung hat eine Anzahl verdächtiger Offiziere ausgewiesen. Der ungarische Staatssekretär deS Aeußern Dr. L o p a s z y er. klärt einem Ausfrager: Wir streben die Wiederherstellnng deS Königtum» an. In der Wahl de« Herrschers befindet fich dir Entente, welche die Wiederkehr der Habsburger aus daS energischste untersagt, in vollstem Einvernehmen mit der ungarischen Nation, die für die Habsburger nichts mehr übrig hat. Also, sie haben ihn schon!_ Verhandlungen mit Ungarn. Die erste Gruppe der ungarischen Friedensdelegation begibt sich am S. Januar nach Neuilly. Dieser Gruppe werden die Führer der Delegierten angehören. Die politischen Beiräte und die wirtschaftlichen Sachverständigen werden zu den Beratungea orst später zugezogen. die Wahrheit sickert. Nachdem bereits vor einiger Zeit der Kapitän der Lusitania i« England erklärt hatte, daß er absichtlich durch die Sperrzone ge- sahren sei, äußerte jetzt in Rotterdam der Kapitän deS Imperator gegenüber Journalisten, er habe im Krieg die Aquiiania komman- diert, die gleichzeitig Truppen und Verwundete transponierte, also als Lazarett- und als Truppeubesörderungsschiff benutzt wurde. Wurde sie versenkt, dann war eS natürlich deutscher Mord an verwundeten Vorkämpsern der Menschheitsbefreiung... der Swdenten'kongreß. (Baseler Drahtbericht des.Vorwärts'.) Der internationale Studentcn-Kongreß hat fich gespalten: der Moskauer Internationale find beigetreten die Schweizer, Fran- zosen, Holländer, Südslawen. Italiener und die deutschen Kom- muniften. Der Landeskongreß der Schweizer sozialistischen Studenten beschloß den Anschluß an Moskau. Was wird man dort zu diesen neuen Genossen sagen, die doch größtenteils Bourgeoissöhne sind?• kleine politische Nachrichten. DaS Röchltug-Urtcil. Nach der Verurteilung hat daS AuS- wärtige Amr sofort alle Schritte getan, um zunächst einmal das Matrrral in die Hand zu bekommen, auf Grund dessen da« un- gehcuerliche Urteil gesällr wurde. Aus dem Material wird man dann erst ersehen können, welche Unterlagen der Prozeß hatte, und welche jurtstischen Momente zur Verurteilung führten. Fertigstellung der Reichstagswahl- Gesetzentwürfe. Wie die .Vvssische Zeitung* erfährt, sind die Reserentenentwürse für das Retchstagswahlgesetz fertiggestellt, und ihre Veröffentlichuitfi steht unmtltekbar bevor. Die Entwürse stimmen darin überem, dax aus je S0 000 Stimmen ein Mandat entfällt. Ueber die Zu- rechnung der Rest-Stimmen, die entweder einheitlich für das ganze Reich oder nach Provinzen erfolgen soll, gehen die Entwürfe aus- etnander. Die Beetz-wSeiter für das Wvhustittiengcsrtz. In ein« in Bochu« abgehalten«! Konferenz et klärten die Zechenbe- triebsräte, zunächst müsse die Wohnungsfrage für 150 OVO Bergleute gelöst werden, um ein« ausreichende Belteserung der Baustoffindustrie mit Kohle,, ohne welche die Juan- griffnahme des Wohnungsbaues iu den übrigen Reichs- gebieten undurchführbar fei, sicherzustellen. Die Entschließung ver- langt nochmalige Durchberatung des Entwurfs unter Heranziehung von sachoerftändigen Vertretern der Bergarbeiterorgaui- sationen und betont im übrtaen das unbedingte Festhalten an dem WohnstäNengefetzentwurs deS ReichSwirtschastSministeriumc Scheüchs Rücktritt. In der Morgenausgabe der.Freiheit" vom 30. Dezember 1919 wivd die Behauptung ausgestellt, daß der srühete Kriegsminister Scheüch seinerzeit zurückgetreten sei, weil die rechts- sozialistischen Volksbsanftragten die Veranlwortung für die von ihm angeordneten militärischen Maßnahmen gegen die Matrosen- diviflon auf den Kriegsminister abzuwälzen versucht hatten. Dem- gegenüber wird von zuständiger Stelle festgestellt,-- daß diese Dar- stellung den Tatsachen durchaus widerspricht: Der frühere Kriegsminister Scheüch hatte sein RücktrittSgesuch bereits am 15. Dezember 1918 eingereicht, die Verhandlungen über seinen Rücktritt zogen sich jedoch hinaus, da sich der damalige Oberst Rein- Harb erst nach dem Austritt der unabhängigen Bollsbeaustragten dazu bereit fand, das Amt de« Kriegsministers zu übernehmen. Völlig« EinjWtzrf-eiheit für Liebesgaben. Durch eine Verfügung des ReichSwirtschaftSwinifterwmS wird bestimmt, daß Liebesgaben aller Art, die an» dem Ausland nachweislich als Geschenk zum eigenen Bedarf der inländischen Empfänger eingehen, ohneTinsuht- dewilligemg eingeführt werden dürfen. Die Heimkehr der Kriegsgefangenen ans England. Der Smster- damer»Telegraas' meldet auS London: Der Staatssekretär für den Krieg teilt mit, daß am Sonnabend 1333 deutsche Ofstziere und 450 Mannschaften nach Deutschland abgeschickt wurden. Ab- gesehen von den Fliege«! und den an der Versenkung der deutschen Flotte bei Tcapa Flow beteiligten deutschen Seeleute haben jetzt alle deutschen Kriegsgefangenen England verlassen. Die stlufwandßener. Im Reichsfitianzministerium ist die Vorlag« fast fertig, die höhere Erntommcn, bei denen nicht zugleich eine Kapitalbrldung erfolgt, einer besonderen Aufwandsteucr unter- wirft. Richk mehr anerkannt. Der Oberste Rat hat beschlossen, daß die alliierten Vertreter keine Beziehungen zu dem deutschen Agenten in Caracas aufnehme« werden, dessen Beglaubt- gungsschreiben von der gegenwärtigen Berliner Regierung nicht erneuert ist. Ferner wurde beschlossen, daß der AlterSrang de» deutschen Gesandten in Stockholm vom Tage seiner An- kunft an zu laufen beginnen solle. Titetfeagen. DaS Kabinett hat sich mit der Frage der Titel- Verleihung besaßt und fich dahin ichtüsfig gemacht, die Angelegen- fit« der Bei»idungsvorleae unter»Neuregelung der »tsbezeichnangen' theor Lösung zuzuführen. Den Be- aintenorgontsateouen wird Getegmhett gegeben werden, z« der Frage Stellung zu nehmen, um so mehr, als sie bei den Beratungen zur Besoldungsvorlage aufs engste beteiligt sind. Raset hat eine einstweilige Verfügung erwirkt, die einem Biidevblatt die Weiterverbeetnmg seiner Photographie verbietet. weil er Attentate fürcbtet. Nun hat aber auch die Freie Siössinger-Welt«in Radekbild gebracht; eS ist freilich dem Rädel, den wir kannten, so unähnlich wie die Matrosenerschießung m Wettzense« der Wahrheit. Anflöfimg tvird von den Truppen d'AnuunzioS mid DenikinS berichtet, Rückkehr MOS Deutscher ans Jap«». SSem man in Paris' keine Em wände erhebt, werden im Januar 5000 Deutsche auS Japan in ihre Heimat zurückyeschukt toe&m. Die Tarifverhanölungen im ÄjenbahnminPerium. Bom Deutschen Eiscnbahnerverband wird unS geschrieben: In de: Presse sind in letzter Zeit Berichte erschienen, die teils tendenziös entstellt sind, zum anderen Wahres mit Falschem der- mischt enthalten und geeignet find, die herrschende Erregung unter den Eisenbahnern noch unnütz zu erhöhen. Eine vorzeitige öffent liche Berichterstattung über die Tarifverhandlungen vor Abschlug des Vertrages halten wir sür unziveckmästig, sehen uns aber doch unter den obwaltenden Umständen veranlagt, folgendes festzustellen: Die Tarisverhandlungen haben am 2. Dezember im Ministerium der öffentlichen Arbeiten zwischen Vertretern der ge- nannten Stelle in Gegenwart von Delegierten des Reichs- uiulistcnumZ und Finanzministeriums und den Vertretern der Arbeitnehmer-Organisationen begonnen. Im weiteren Verlause der Verhandlungen stellten fich noch einige Mitglieder der Preußischen Landeöversammlung, Abgeordnete der Mehrheitsparteien, »l« Zuhörer ein. Selbst den Fernstehenden wird ohne weiteres klar sein, dag solche Verhandlungen langwierig sind und große Schwierig- leiten mir sich bringen. Handelt eS sich doch um die Schaffung eines ReichSlariseö sür fast 600000 Arbeiter und Hilfsbeamte des umfangreichen und lomplizierien Eisenbahnbetriebes. Außerdem ist der Tarif ein Erstlingswerk und erfordert als solches eine sach- gemäge und eingehende Durchberatung in allen Teilen. ES wäre allerdings dringend erforderlich, dag die VerHändler de« Eisenbahn« ininisteriunrS mit den nötigen Bollmachten versehen würben, damit leine unnütz«» Zeitverluste eintreten. Die herrschende Erregung der Eisenbahner im Lande ist allerdings weniger auf den Gang der Verhandlungen zurückzuführen, sondern vielmehr auf daS bisherige ungenügende Entgegenkommen in der Lohnsrage. Die Arbeiter- verrreter haben von vornherein die Festsetzung der neuen Löhtie als die dringendste und wichtigste Forderung bezeichnet. Das Ministerium erklärte jedoch, dag die Unterlagen, Material über die bestehenden Löhne der Privatindustrie usw., noch nicht vorhanden sind. Die Verhandlungen wurden am 13. Dezember bis zum ö. Januar vertagt. Sie sind also nicht abgebrochen, wie in der Presse berichte: wurde. Eine Verständigung ist zwar über eine Reihe zum Teil»ich: unwichtiger Punkte erzieit worden. Uebereinstimmung wurde auch darin herbeigeführt, dag der Tarifvertrag in aller» seinen Teilen, also auch inkl. der neuen Löhne. am l. Januar lS20 in Kraft treten muß. während der Abschluß der Verhandlungen voraussichtlich erst gegen Ende des Monats Januar erfolgen wird. Die wirtschaftliche Not der Eisenbahner wurde nicht verkannt, und um Abhilfe zu schaffen, soll am 1. Januar ein Abschlag auf die neuen Löhne gezahlt werden. Im Prinzip sind weder die Eisenbahner selbst noch ihre Organisationen dagegen. Nur in der Höhe des Abschlages gehen Angebot und Forderungen ziemlich weit auseinander. Eine Reihe von Sitzungen und Besprechungen fanden in dieser Sache mit Vertretern des EisenbahnministeriumS, StaatSmimsteriums tind denen der Organisationen statt. Trotz aller Bemühungen war es den Arbeitervertretern nicht möglich, einer: höheren Abschlag als folgende Sätze besagen, zir erzielen: Für Groß-Berlin soll bezahlt werden pro Stunde: sür Hand- werker 50 Pf., sür Arbeiter 40 Pf., für Frauen 30 Pf. Für die anderen großen sogenannten gehobenen Orte sollen die Sätze 40, 30 und 20 Pf. betragen, für die übrigen kleineren 30, 20 uud 10 Ps., und LS, 20 und 10 Pf. für die ländlichen Dienststellen. Außerdem soll für Lehrlinge ein Abschlag von 10 Pf. in Berlin und 5 Pf. pro Stunde für die übrigeu Orte gezahlt werden. Angesichts der jetzigen TeuerungSverhältniffe kann das keines- ivegs und nirgends Beiriediguug ausilöfsti, selbst dann nicht, wenn der Tariflohn, was wir als eine Voraussetzung betrachten, im wesentlichen entsprechend höher gesetzt wird. Vor allem hat auch die Klassifizierung dcS Abschlages liefgehende Unzufriedenheit er- w-ckl. ES kann aber keine Rede davon sein, daß die Verhandlungen abgebrochen sind, oder daß ein Tarifvertrag für die Eisenbahiter nicht mehr in Frage komme, mag eS auch Leute geben, bei denen der Wunsch der Kater solcher Gedanken ist. Die Leitungen der be- teil igten Verbünde betrachten es alS ihre Pflicht, alle« zu versuchen iin!> alles zu tun, um auf dem eingeschlagenen Wege Lohn» und ArbeitSbedinguageir zu schaffen, die den Zeit- und Teuerung«- Verhältnissen entspreche»., Im Lande sind unVera ntiv ortliche Führer und Slreikhetzer am Werke, und vielfach wird versucht, die rein gewerkschaftliche Bewegung auf politische« Gebiet zu ichieben, was angesichts der tiefgehenden Erregung und anderer Momente nicht schwer ist. Wir warnen unsere Kollegen auch noch- mal« an dieser Stelle, den Lockungen und Weisungen uuveranl- worlticher Personen zu solgen. Aber auch an die maßgebenden Regierungsstellen mochten wir einige Worte richten. Es ist gewiß !?in unbilliges Börlangeu, wenn auch die Eisenbahner mir Tut- schieden heit Anspruch aus einen auskömmlichen Lohn erheben. Wenn sich zurzeit der Eisenbahnbetrieb nicht rentiert und nicht einmal die Selbstkosten trägt, so befreit da« den Staat nicht von der Verpflichtung, für ein auskämmlicheö und erträgliche« Dasein seiner Arbeiter und Angestellten zu sorgen. Der Deutsche E i s e n b a h n e r v c r b a n d hat den zuständigen Stellen mit Rück- ficht aus die Weiterverteuerung der wichtigsten Lebensmittel eine neue Forderung unterbreitet, die den Tarifvertrag nicht berührt. Wie die Privallüdustrie, so muß auch der Arbeitgeber„Staat" die steigende Teuerung durch Gewährung einer besonderen Zulage aus- gleichen, die pro Familienmitglied und Woche in einer Höhe zu zahlen rst,- die dem Mehraufwand für den Lebensunterhalt ent» spricht. Mögen die maßgebenden Stellen tun, we« möglich ist. und auch schnell handeln, ehe e« zu spät ist. Die Rücksichtnahme auf das Allgemeinwohl lassen wir keiurn Augenblick ciiS dem Auge, aber die zunehmende Berelendung der Eisenbahnerfamilieii zieh: auch hie: Grenzen. » In unserer Morgenausgabe am gestrigen Dienstag nahmen wir Notiz von einer Zuschrift, die die..Bosstiche Zeitung" ans Eifenbahnerkreisen über die schwebenden Tarifverhandlungeii der- öffentlichte. Die DisnS tagmorgennmnm e r deS genannten Blattes enthält nun eine Entgegnung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten, wonach das Ergebnis der bisherigen Verhandlungen mit den Organisationen der Eisenbahner in einem wesentlich günstigeren Lichte erscheint. ES heißt da: Die Verhandlungen haben eine Verständigung zwischen der Eifenbahnverwaltung und der Arbeiterschaft in einer Reihe wichtiger Punkte ergeben, und es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß auch der weitere Verlauf der Verhandlungen, die des WeihnachtSseftes wegen bis zum S. Januar vertagt worden sind, zu einer Einigung über den Tarifvertrag führen wird. Daß die Verhandlungen nicht schneller vor sich gehen, ist erklärlich, wenn man bedenkt, daß eS der erste Tarifvertrag ist, der von den Bewer.'fchafte» der Eisenbahnarbeiter und der Eisenbahn- Verwaltung abgeschlossen wird, und daß eS sich um einen Tarif« vertrag handelt, der unmittelbar das Dasein von 6 00 0 00 Ar- beitern beeinflußt und darüber hinaus für das gesamte deutsche Wirtschaftsleben von allergrößter Bedeutung ist... Wie bereits gesagt, ist auch die jetzige Abschlagszahlung bis zum Zustandekommen de« Tarifvertrages nicht ohne Fühlung- nähme mit den an den Tariftverhandlungen beteiligten Gewerk- schaffen gemacht Word«:, und es ist von der Eifenbahnverwaltung auch vom Beginn der Verhandlungen ab der größte Wert darauf gelegt worden, daß Verrreter der Preußischen Landes- Versammlung an den Verhandlungen teilnehmen, um die Volksvertretung über den Gang dieser hoch bedeutsamen VerHand- lungen auf dem laufenden zu halten. Die Eisenbahnverwaltung hofft, daß die Tarifverhandlungen,! deren ungeheuere Bedeutung für die ungestörte Entwicklung deS Verkehrswesens und das gesamte Wirtschaftsleben ihr und den Gowerkschaften vor Augen ist, zum guten Ende gebracht werden. DieS wird um so sicherer der Fnll sein, wenn die Arbeiterschaft auch in dsr Zwischenzeit Vertrauen zu den Führern ihrer Gewerkschaften behält und sich nicht durch unverantwortliche Elemente zu Unbesonnenheiten hinreißen läßt. Auch von der Prefie darf e?wartet werden, daß sie den verständigen Gang der Tarif- Verhandlungen nicht durch unmotivierte BrunruhigungZschreie stört. • Der Beamtenausschuß der Magdeb urger Eisenbahndirektion erläßt, da der Teilstreik politisch ausarte, eine Kundgebung, in welcher die Beamten aufgefordert werden, alle Arbeiten zu übernehmen, die zur Aufrechterhält!� g des Betriebes notwendig find. Zum L»hnk«mpf im Tchornsteinfsgerzetverbe. Zu der in Rr. 656 deS„Vorwärts" enthaltenen Notiz:„Lohn- kämpf im Tchornfteinfegergewerbe" übersendet uns ein langjähriger „ Vorwärts"leser und Hausbesitzer eine längere Zuschrift, die wir deS allgemeinen JntereffeS wegen im wesentlichen zum Abdruck bringen wollen. Sie lautet: Also diese Männer, die unter großer Lebensgefahr bei Wind und Wetter in leichter Arbeitskleidung ihr Brot verdienen, verlangen wöchentlich 120 Mark Loh», gewiß eine sehr bescheidene Forderung. wenn man den heutigen Wert de« Geldes betrachtet. Die Meister können angeblich nichr zahlen, weil sie an Verträge gebunden und die bösen Hausbesitzer die Erhöhung nicht tragen wollen. Wie liegt aber die Sache in Wirklichkeit? Der Polizeipräsident als Aufsichtsbehörde' hat im Jahre 1018 den Schornsteinsegermeistern gestattet, auf die Kehrtaxe 50 Prozent Aufschlag zu erheben. Hiervon haben die Meister, wie eS ihr Recht war, erheblichen Gebrauch gemacht und nach oben abgerundet. Vor wenigen Wochen erfolgte abermals die Genehmigung eines weiteren 50-Proz.-AufschIages. Da ich als selbständiger Ge- schästSmann auch etwas von Kalkulation verstehe, behaupte ich, daß die Schornsteiufegermeister auch ohne diese letzte Erhöhung, die jeder Hausbesitzer zahlen muß, ihren Gesellen auskömmliche Löhne bezahlen können. Wie aus dem anliegenden Vertrage ersichtlich, zahle ich für mein kleines Grundstück, da« von 30 Arbeiterfamilien bewohnt wird, pro Jahr 56 M. Fegcgebühren. Hierfür wird acht- mal im Jahre gefegt, macht ftir sedeSmal 7 M Der Geselle fegt an einem Tage mindestens sechs Häuser, er verdient seinem Meister also 42 M. pro Tag. Ist es nun wirklich so ungeheuer, wenn er von diesem Verdienst 20 M. pro Tag für sich haben will? Ein Schornsteiufegermeister, der zwei Gesellen beschäftigt, hat nicht not- wendig, sich die Finger schmutzig zu machen, die zwei Gesellen verdienen ihm soviel, daß er gut davon leben kann auch ohne die neue Erhöhung, die ich ihm aber bei dieser teuren Zeit gern gönne. Nun zu dieser neuen Erhöhung. Wie Sie aus dem aniiegenden Vertrage 2 ersehen, den ich noch nicht unterschrieben habe, verlangt der Meister, dem der Herr Polizeipräsident ein weiteres Einkommen von 50 Pro? mit einem Federzuge garantiert, von mir ab 1. April 1920 eine Erhöbung des FegelvhnS von 56 M. auf 200 Mark pro Jahr, das sind nicht 60, sondern über 250 Proz. Ich wehre mich dagegen, wenn der Satz, den der Herr Polizeipräsident festsetzt, um das sünffache über- sehr,'.tcn wird, und hoffe bestimmt, daß die Aufsichtsbehörde, der ich den Fall unterbreiten will, Remedur schaffen wird. ES ist auch nicht wahr, daß durch die Weigerung der Hausbesitzer, die über- trieben« Erhöhung zu zahlen, auch nur ein einziger Schornstein- fegergesclle arbeitslos wird, denn die Herren Schornsleinfegerin«ster werden sich hüten, die Arbeit, die gemacht werden muß, selbst aus- zuführen, das haben sie ja auch nicht nötig, da die schon jetzt er- hobenen Gebühren die Zahlung eine« angemessenen Lohnes er- möglichen. Es wird heute so'viel über die Sozialisierung der Betriebe ge- schrieben, warum macht man tm Schornsteinseaergewerbe nicht mal den Ansang? Wenn der Schornst-infegergeselle sein« Arbeiiskrast dftekr dem Arbeilgeber, und da« ist der Hausbesitzer, anbieten taim. könnte er nnt Leichtigkeit seinen Verdienst verdoppeln, ohne seine direkten Austraggeber zu belasten. Der HauSloirt zahlt die Er- yöhung nicht aus seiner Tasche, er ist gezwungen, die Erhöhung auf die Mieter abzuwälzen. Es ist auch nicht richtig, daß die Erhöhung auf die Mieter 25 Pf. pro Monat ausmacht, bei mir kommt mehr denn der dreifache Satz, dieser Sag erhöht sich bei Häusern mit weniger Mierern. Ha:tc ist der Schornsteinssgergeselle gezwungen, um sein Leben fristen zu löunen. sich von den Mietern Tlinkgelder zu erbitten, die er sich dadurch verdient, daß er die Kechmaichinen reinigt. Diese Arbar könnte sehr gilt in dem Fegelohn mir einbegriffen sein und alle drei Beteiligten. Mieter, Hausbesitzer und der die Arbeit aus- führende Geselle, wären zufrieden., Ich bin überzeugter Anhänger der Tarifverträge und habe in meinem Gewerbe und auch in anderen Gewerben seit langen Jahren mitgewirkt, solche Verträge zustande zu bringen. Sollte der Weg nicht gangbar sein, daß die Organisation der Schornfteinfeaergesellen in Gemeinschaft mir der Organisation der Hausbesitzer für die Aufhebung des Privilegs der Schornsteinfeger- ineister tone Errungenschaft vormärzlicher Zeit) Front machte und dann Löhne festsetzt, die jedem sein Auskommen ermöglichen? Zur Tarifbewegung der Bersicherungsangestellteu. Wiederholt ist darauf hingewiesen worden, daß der Arbeit- geberverband der Deutschen Privat-BersicheruiigSges«llschasien mit allem ihm zu Gebote stehenden Mitreln den Abschiuß eines neuen Tarifvertrages verhindern will. Einen weiteren Beweis dafür, daß der Aroeitzeberverband überhaupt nicht willens ist, in Ver- Handlungen einzutreten, liefert sein letztes Rundschreiben, welches jetzr zum Jabresichluß von den einzelnen Direktionen den Ver- sichcrungSangeslellten zugestellt wird. Es lauiet: „Der ReichStarisvcrtrag sür die Angestellten der privaten Ver« sicherungsunternehmungen vom 12, Mai 1919, welcher mit seinem Abschluß die Grundlage des zwischen unS bestehenden Dienstver« trazeS bildet, ist von Arbeitnehmerseite zum 31. Dezember 1919 gekündigt worden. Wir sind bereit, daS Dienstverhältnis mit Ihnen über diesen Termin hinau» und zwar auf Grund der gesetzlichen Vor- schriften über ans unbestimmte Zeit laufende Diensiverträge mit der Maßgabe fortzusetzen, daß sür Ihre Entlohnung die Bestim- mungcn deS ReichSlarifvertrageS vom 12. Mai 1919 weiter Geltung behalten. Die Fortsetzung Ihrer Tätigkeit über den 31. Dezember 1919 hinaus werden wir als Annahme unseres Angebotes an« sehen." Die gesamte Kollegenschast sei nochmals daranf aufmerksam gemacht, daß der am 12. Mai 1919 nbgeschlosien ReichStarisvertrag für die Angestellten der privaten Bersicherungsnnternehmringen vom Reichsarbeilsminlster am 19. Dezember für die privaten Bersiche- rungSunternehmunzen einschließlich der Verwallungs- und Pro- visions-Generalagenmre« für da« Gebiet des Deutschen Reiches rückwirkend vom 1. Juli 1919 ab für allgemein verbindlich erklärt worden ist. Daß durch die Tarifvcrtragskündigung die allgemeine Ver- bindlichkeitSerllärung in keiner Weise beeinflußt wird, besagt ein Bescheid des ReichsarbeitsminrsterS vom 13. Dezember 1919 J. K. R. 6549. Dieser Bescheid lautet wörtlich: „Die Kündigung deS Vertrag-verhältnisies zwischen den Vertragsparteien bleibt zunächst ohne Einsluß auf das Fortbestehen der allgemeinen Verbindlichkeit eines Tarifvertrages. Diese bleibt in Geltung, bis sie durch besondere Verfügung deS NeichSarbeits- mirristeriums aufgehoben wird. Bon einer Aufhebung der ver- bindlichen Wirkung wird so lange abgesehen werden können, als zloische» den Vertragsparteien Verhandlungen zur Fortsetzung des bisherigen Verrragsverhältiiisies ichweben. Im Falle der Fortsetzung des Tarifvertrages würde der für allgemeinverbindlich erklärte erneute' Tarifvertrag mir feiner verbindlichen Wirkung unmittelbar an die bestehende allgemeine Verbindlichkeit anknüpfen können. Falls jedoch nicht innerhalb einer angemessenen Zeit eine Foriietzuug deS VertragSverhältnisieS erfolgt, wird die bisherige Verbindlichkeit durch das ReichsarbeitSminiftcrium.aufgehoben werden. Im Auftrage: gez. Naumann." Der Bereitwilligkeit der Arbeitgeber, das Dienstverhältnis mit den Angestellten auch über den Kündigungstermin hinaus mir der Maßgabe fortzusetzen, daß für die Entlohnung der Angestellten die Bestimmungen des ReichStarifvertrageS vom 12. Rai 1919 Weiler Geltung behalten sollen, ist dieser Bescheid des Reichsarbens- ministeriumS zuvorgekommen. Also das letzte oben erwähnte Rundschreiben des Arbeitgeberverbandeö hat rechtlich gar keinen Wert. Die Fortsetzung der Tätigkeit eines jeden einzelnen An- gestellten über den 31. Dezember 1919 hinaus kann insofern nicht als Annabme eine« neuen Dienstangedot? der Arbeitnehmer und zwar auf Grund der gesetzlichen Vorschriften über auf lin- bestimmte Zeit lautende Dienstveriräge angesehen werde», als jeder Dienstvmrag erst dann rechtsgültig ist, wenn auch der Angestellten- Ausschuß seine Zustimmung dazu gegeben hat. Die Angestellten-SuSschüsie sämtlicher VersicherungSbeiriebe werden sich aber nicht dazu hergeben, daß die Angestellten zu de» bisherigen geringen Tarifbezügen weiterarbeiten. Die gesamte VersicherungS-Beamtenschast ist sich darüber einig, daß eine Erhöhung der gegenwärtigen Bezüge unter allen Um- ständen eintreten muß. da sie mit den derzeitigen Hungerlöhnen nicht mehr länger existieren kann. Die Lohnbewegung der Gummiarbeiter Groh-Berlius. Am Montag, den 22. d. Ms., iand eine Funktiunärkonferenz dieser Branche statt, die sich mit dem Schiedsspruch deö Schlicht ungS- auSschnffcS beschäftigte und denselben alS ungenügend einstimmig ablehnte. Ein Antrag, den Schiedsspruch in den Betrieben zur Abstimmung zu bringen, wurde angenommen und am Dienstag den Kolleaen unterbreitei. Mir übergroßer Majorität wurde auch dort der Schiedsspruch abgelehnt und di« Branchenleitung beaustragt, den Zentral-SchlichtungSauSschuß als letzte Instanz anzurufen. Freitag. �5 Uhr, P. D. stehenden und Verbands- Achtung, Vertrauensleute der Metallarbeiter. F u n! t i o n ä r s i tz u n g aller aus dem Bode» der E. Vertrauensleute im Gewertschastshaus, Partei- buch legitimiert. öriefkasten der Reöaktion. Jeder Nie den Bri»fkaii«n beßimmten Anfrage fitg« man einen Buchstaben _.~-■ und eine Nummer bei. fragen Iroge man in der Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Znristischcn Sprechstunde, Lindenftr. INI Eilige An- 1. Hos parierte links,«r. SchriftsttUte und Bertrdgc find mitzubrrngen. Heute fällt die juristische Sprechstunde aus. Stowe. Wissen wir nicht: seken Sie die Lotterieliste nach.— O. W. 105. Sie können sich im Tuberkulosedellinstitut. Berlin, Litzowftrahe 49, vamit behandeln lasten.— L. I. 107. Vielleicht finden Sie elwaS Passendes unter isiellsngesuche im„Berliner TagedlaU".—®. 20. Erkundigen Sie sich- cra der Landwirtichaitlichen Hochschule, Berlin, Ammlidenittasi-.—«rost-Berltn 10«. Fragen Sie beim Genossen Brolat. Berlin. Lindenftr, m, an.—(3. Z. 34. 1. Ja. 2. Ja. 3. Rem. (». L. 34. Fstbren Sic über daS Verhalten deS Vormundes Be. schwerde bettn VolniundschaftSgericht.— W. H. 100. BIS 30. Jnni 1919. Legen Sie sofort Berusung«in.— O. lt. K. Ja, Ihre Nötlage.— Veraniw. filr den redattien. Teil: Art« ifilktee Tb.»tellc, Berlin. Berte,: BorU> Strafte 166 Flügel, Pianos, Harmoniums auch mit eingebauten Spielapparaten iehne NUefifceiHitnisse»«(ort sgWbar), nm u, galiraucht. 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