«r. 10. 37. Jahrg. Bezugspreis: Vtrrteliillirl. 12.5V MU. mnnatl. CSV Mi- ■c« ins Hans, voraus-.abwar. Poir- dszng: Monatlich 4M AU» exib Ki- '-Mnngsgedutzr. Unter Srenzdinib für •eutidiioni nni Oesterreich- Ungarn 7.75 Ml» für das übrige Ausland >S.—• Sit, bei tänltch einmal. Zuitellimg 10�-SiL+ ZZalnta-Anischlag. Poit- aeftellungen nebmen an Dänemart -olland, ün�mbnrg, Schweden und oie Schwey. Eingetragen in die Post- Reitlings- Preisliste. ver.Borwärts- mit der Sonntags- oerlage»Doli n. Zeit� ericheint Wochen- lagüch üweimat. Sonntags einmal. Teiegramm-Adreste: „Soztaldnnrokrat VeerOe»». Abend Ansyabe. Verlinev VolksblAtt �ISpksnnig) Anzeigenpreis: Die achtgefpaitene ZionpareMezell» ioftet 2,— M., Teiterungsznfchlag«0°/» «Kleina Anzeigen-, da- feit» gedruckte Wort 75 Psg. tzulSlsig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere «ort 50 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort üb Psg» jedes weitere Wort 4a Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50°/». Familien- Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen 2,— Mi. dl« Feile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW W. Linden» stratze B, abgegeben werden. Geöffnet von g Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zcntralorgan der foztaldeniokratircben parte» Dcutfchlands Neöaktiou und(Expedition: SW. 6$, Ändenstr. 3. netntniediec: Ami Meruttla«, Nr. K5ISO— lätS7. Dienstag, den v. Januar vocwärts-verlag G.m.b. h.» SW. 6S, Lindenste. Z. Fernsprecher: Amt Morinpla«, Nr- 117 5>3— 54. Zranzosenpolitik am Rhein. Der sogenannte Präsident der so und so oft verunglück» ten Rheinischen Revublik. StaManwalt a. D. Torten in Wiesbaden, hat eine Belohnung für denjenigen ausgesetzt, der ihm nachweist, daß ihm. iAummdn aus fratt�oiischcn Quellen zugehen. Ich habe nicht die Absicht— so wird uns non einem rheinischen Abgeordneten agirfitwben— mir hieie Prämie zu verdienen, denn ich traueoen französischen Rhein- landspolitikern zu. daß sie geschickt genug sind, für Geld» s e n d u n g e n a n r h e: n i' ch e Hochverräter schwer oufiindbare Wege zu wählen. Immerhin' iollen die frechen Mleugnungen Törtens und seiner Zpießge'ellen einmal Ge- legenhert geben, einige Zusaimnenhänge zwischen den voliti- schen Rheinlandichiebern und ihren srvnzösisckicn Anitrag» gebern nachzuweisen. Schon Mitte November 1918, also bevor die' Franzosen esngerückt waren, hat ein in Wiesbaden ansässiger deutscher Freiherr der französischen Regierung Vorschläge für die -dauernde Besetzung der Rhemlande mit Aollanschluß an Frankreich und Uebernahme des Protektorats durch Frank- reich gemacht. Tie französische Regierung hat die Anregung dieses deutschen J u n k e r s sofort ernsthaft ausgenom- wen. Ter Mann hat" seine Eingaben unter voller Namens- nennung teils an Clemenceau. teils an den General Lccomtc gemacht. Er schlug vor. die Rheinlande nicht nrit eigentlichem Militär, sondern inil 39 900 französischen Gendarmen zu be° setzen. Für den Kriegsfall sollten sich die Rheinland? durch eine Militärkonvention verpilichten. 2Ä)09V Mann für <'>rankcelch zu stellen. Ter spatere Befehlshaber der srotizösi- scken Rheinlandtruppcn, General Mangln, wurde von der französischen Regierung zum Bericht auigesordert', er beauf- l ragte den Obersten Pinea u und dessen politischen Berater, den französischen Kapitän Braun, mit der Bearbeitung der Angelegenheit. Bei dieser Gelegenheit stießen die französischen Herren aus den später so rührigen'Staatsanwalt Torten. Schon am 19. Januar d. I. ging ein Memorandum nach Paris ab, in dem die Namen Törtens Gee recke und Ober- lehrer Kraerner in hochverräterischem Sinne auftauchten. Bon da ab entwickelte sich zwischen dem Bureau des Obersten Pineau. Obermilitärverwalter des Tistrikts Wiesbaden, und dem Torten ein sehr reger'Verkehr. Torten erklärte ''ich der französischen Behörde gegenüber bereit, den Putsch auf Absplitterung der Rheinlande zu machen. Es folgten verschiedene ver» 'önliche Unterredungen mit dem französischen General Man- gin, und in der Naäit zum 1. Juli kam es zur Ausrufung der Rheinischen Republik. Ter Putsch scheiterte nur an der Wachsamkeit und der Entschlossenheit der a r b e i» t enden Massen und einiger entschlossener deutscher Be» amten. In der entscheidenden Nacht erschien der französische Kapitan Braun bei dem deutschen Polizeidirektor in Wies- baden und erklärte ihm, im Laufe der Nacht würden Plakate unbekannten Inhalts von Unbekannten angeschlagen. Die Plakatlerung dürfe unter keinen U in st ä u d c n verhindert werden: auch dürfe die deutsche Behörde die Ankleber nicht belästigen. Frau- zösische Militärautos, deren Nummern festgestellt sind, und die von französischen Soldaten geführt wurden, brachten die Plakate für den Dortenschen Rheinlandput'ch auf das Land Alles das geschah auf den Befehl des französischen Ä a p it ä n s B r a u n, der n o ch j e tz t in Wiesbaden seine volitischen Treibereien fortsetzt. Man darf ruhig' annehmen, daß die Kosten nit die Aktion aus den Summen bestritten worden sind, die das Deutschs Reich für die Befatzungs- �rrbven aufzubringen hat, so daß also ein franzosenfreund» Ilcher Putsch gegen Teutschland mit deutschen Summen finanziert worden ist. Als deutsch- Bürger und Arbeiter in der Frühe des 1. Juli die Plakate der Rheinlandschieber sofort von den Säulen und Häusern rissen, gab der Oberst Pineau den aus» drücklichen Befehl, daß die Plakate neu anzukleben und von den Schutzleuten zu bewachen seien. Französische Offiziere veranlaßten die Festnahme von Zettelabreißern, und gegen deutsche Schutzleute wurden hochnotpeinlickze Verhöre ein» geleitet, weil sie gegen das Entfernen der Zettel nicht ein» geschritten seien. Dabei bestand und besteht eine Verordnung des Generals Mangin, die alle Plakate verbietet, wenn diese nicht mit dem Namen des Druckers versehen sind. Aus die anonymen Torten-Plakate wurde dieler Befehl nickt ange» wendet. Der französische Oberst Pineau, der schon durch verfrühte Telegramme an seine Regierung die gelungene Aus» rufung der Rheinischen Republik gemeldet hatte, befahl' dem deutsckien Landeshauptmann, dem Torten und seinen Ein» tags-Ministern entsprechende Räume zur Verfüanng zu stellen. Ter Landeshauptmann weigerte sich zunächst und wurde für seine Pflichterfüllung als deut» scher Beayrter mit der Ausweisung bedroht. Schon noch wenigen Tagen freilich war die Dortensche M» Ineöensfthluß am Sonnabend. Endgültige Einigung. Pariser HapaSdrahtmig: Der? e j- t der vom Obersten Rat allgeuommencn Formel, welcher die Berhandlnuzen über das von Deutschland zur Kompensation für die Zerstörung der Flotte von Scapa Flow verlaugte Mariuemate» rial zugrunde liegen, wurde am Woütag nachmittag dem Frciberru von Lersuer übergeben. Man hat sich mit der ! deutsche« Delegation endgültig über die Formulierung ge° � einigt, so daß der U u t e r z e i ch» n n g des R a t i f i- kationsprotokolls des Friedensvertrages nichts mehr im Wege steht. Die durch die Jnkraft- sennng des Vertrages nötig gewordenen Maßnahmen worden im Prinzip ins Auge gesasit. Der Austausch der RatisikationSuriundcn wurde aus Ion»- abend, 19. Ja u u a r uachmi.ttag festge setzt. ». Tie vom Obersten Rat angenommene Formel über d e n Er) S tz fü r-S c c> p a F l o w sieht die sofortige Lieferuüg pon 1 92999 Tonnen schwimmenden Materials vor. Die Alliierten erklären, sie seien bereit, Ab» ziige vorzunehmen, falls die Lieferung der verlangten l99 999 Tonnen die L c b e n s i n t e r e i s e n d e r d e u t- scheu Schiffahrt gefährden, oder die S ch ä tz u n- g e n der Alliierten sich als überschätzt hcraussiellten. Auf jeden Fall werden die vom Obersten Rat zugestandenen Ab- ziige eine b est s m m t e§ a h l nicht ii p e r st eigen. Die näheren Angaben sind in eineig von Clemenceau i'nterzeichneten Schreiben enthalten, das nach Austausch der Natisikation dem Fresherrn von Lersner übergeben wird. Ter Bericht an de» Obersten Rat. Im Obersten Rat erstattete Loucheur B e r i ch t über die Unterhondlungen. die er mit dem Frei- Herrn von Lersner hatte. Er unterbreitete dem Rat die Formel, durch die das mit der deutschen Friedensabordnung über den Ersatz nir die in Scapa Flow zerstörte Flotte ab- geickilossene Abkommen venvirklickt wird. Ter Oberste Rat nahmdieFormclan. Loucheur lenkte darauf die Auf- merksamkeit des Rates auf die sebr gefährliche Er» n�hr ungslage Oc st erreich s. Die Lebsnsmittelvor-, rate würden bis zum 31. Januar erschöpft sein. und nach diesem Zeitpunkt sei die Bevölkerung dem Hungertode ausgeliefert. Aus Anlaß der Reise des Staatskanzlers Renner hatte der Oberste Rat beschlossen, eine bestimmte Menge Lebensmittel Oesterreich zur Perfü- g u n g zu stellen, um den dringendsten Bedürfnissen zu ge- nügen. Die amerikanische Regierung war ersucht worden, die nötigen Vorschüsse zu gewahren, hat bis jetzt aber noch nicht geantwortet. Die Lieferung konnte aus diesem Grunde nicht ausgeführt werden. Sodann beschloß der Oberste Rat, dem alliierten Aus- schuß in Berlin, der dort unter Vorsitz des englischen Gene- rals Masterman tagt, eine Note der Deutschen Regierung bezüglich der Herstellung des für Lustfahrwesen nötigen Materials und eines Regiments für Luftsahrwesen zum Studium zu unterbreiten. Internationale völkerbunüsanleihe! Nach Meldungen ans London wird der Vertreter Eng- lauds für Finanzfragen, Sir Georg cPaish, der jetzt in Amerika augekommcn ist, tatsächlich einen Kredit von 289 Milliarden Francs zur Wiederher- stell ung des Gleichjzewichts i« Europa verlangen. Er schlage vor, internationale Obliga» tione» io besagter Höhe auSzngebeu, für die die Mitglieder des Völkerbundes Garautie leiste» sollen. Die Obligationen sollen vier Prozent Zinsen bringen, ei» Prozent soll amortisiert werden, die Rückzahlung in vierzig Jahre« erfolgen. Paish glaubt, England werde eine Garautie von vierzig Milliarden Frank leiste«. Achtzig Milliarde» von dieser Auleille sollen für den Ankauf von Rohmate- r i a l i e u verwendet werden, achtzig Milliarden für den Wiederaufbau der verwüsteten Gegenden, und der Rest solle dazu dienen, die ausländische» Anleihen zurück- zuvergüten. Paish glaube, daß die von ihm�vorgeschlagene Operation automatisch den normalen Stand des Wechselkurses wiederherstellen werde. gieaing durch den Widerstand der deutschen Bevölkerung so kompromittiert, daß die Energie eines preußischen Polizei- kommissars hinreichte, um die Torten-Sippschaft aus dem Regierungsgebäude auf die Straße zu setzen. � Trotz des damaligen Fiaskos der Firma Torten u. Co. blieben diese Rheinlandschieber die Günstlinge der französischen Militärs. Torten schwärzte preußische Beamte an und setzte bei den Franzosen die Entfernung pflichttreuer deutscher Beamten durch. Er wurde ständiger Gast in den französischen Militärbureaus. Französiiwe Militärtelephone wurden ihm zu seinen Propa- ganda zwecken zur Verfügung gestellt. Durch Vermittelung der französischen Behörde erhielt er zu seinem� persönlichen Schutz von der deutschen Polizei requirierte Pistolen ausgehändigt. Tie Autos Dortens erhielten mit Erlaubnis de» französischen Obersten Pineau besondere Kennzeichen. Die Propaganda Dortens bat lämrst einen Umfang an- genommen, der auch von einem reichen Manne finanziell nichr mehr getragen werden kann. Der französische Oberst Pineau bat sich vor einiger Zeit dahin geäußert, die Sache Torten koste nun schon Millionen und beginne ihm fürchterlich zu werden. Woher erbäst Torten die Millio» neu? Die Frage ist vielleicht nicht schwer zu beantworten, wenn man weiß, daß dem Torten im französischen Offiziers- kasino(Palastbotel) in Wiesbaden, wo nur Angehörige der Alliierten verkehren dürfen, mehrfach Wechsel über hohe Beträge von seinen französischen Freunden über- geben worden sind. Torten steht laut den Verordnungen der Hoben Kom- Mission auch nach dem Friedensschluß unter dem Schutze der alliierten Regierungen, denn wegen politischer Vergehen während des Waffenstillstandes darf auch nach dem Friedens» schluß keine Klage erhobn werden. Torten ist also vor einer Anklage wegen Hochverrats sicher Dagegen könnte er. wenn er wollte, die vielen rheinischen Zeitungen, die ihn seit Mo- naten als ein Sübiekt in französischem Solde gescholten hoben, im beiebten Gebiete vor ein Gericht zitieren. Er hat sich bisher gebütet. das zu tun. Man darf rubg annehmen, daß die französt'�en Rhein- landvolitiker ollmählich einzusehen beginnen, daß sie mit Torten nickt zu ibrem Ziele kommen. Für die Beurteilung der französiicken Politik im Rheinlande und für ihre Me- tboden wird der Putschist Torten aber ein lehrreiches Bei» spiel sein. Spalten, Spalten, Spalten! Die Radikalen allesamt wollen uns mit dem Räteshstem 6v- glücken. Was aber eigentlich das Rätesystem ist. darüber sind sie unter sich so verschiedener Meinung, daß die angeblich ge» meinsamen Anhänger des RäteshstemS nicht einmal zusammen in einer Körperschaft aushalten können. Ter schon einmal zersprungene»Rote RumpfvollzugSrat', be- stehend aus U.S. P.D. und K. P. D., ist gestern wieder aus- einandergekracht, weil die beiden Fraktionen sich über das wirklich echte und allein scligmachende Rätesystem nicht einig werden konnten. Der große GeisteSathlet Richard Leichemnüller hatte nach dem Vorbild des dänischen Athleten I. P. Müller»Sein System" herauSgeknobelt; aber die»Rote Fahne' war so lieblos, das große Leichenmüllersche Rätesystem als �einen.in der GlaSphiole tot- geborenen Homunkulus' zu verspotten. Die K.-P.-D.-Fraktion erklärte das unabhängig« Rätesystem für Prinzipienverrat und gegenrcvolniionär. dafür brachte die 11. S. P. in der Vollversammlung der K.-P.-D.- und U.-S.-P.-D.-A rbeiterräte einen Antrag ein, in dem erklärt wurde, daß alle, die nicht auf dem Boden der Leichen- müllerschsn Richtlinien stehen, sich damit als Gegner be- kennen und dadurch als außerhalb der Arbeiter- rät« stellen. Da in der Vollversammlung die llnabhängigen die große Mehr- heit haben, wurde ihr Antrag mit 207 gegen 47 Stimmen ange- nommen. Durch die Annahme sind die K.-P.-D.-Mitglicder aus dem»Roten Arbeiterrat' herausgeworfen und eS bleibt ihnen nur noch übrig, einen„Rölesten Arbesterrat' zu gründen. Diese eine Spaltung kann natürlich dem radikalen SpaltungS- bddürmis nicht genügen, deshalb haben sich die Berliner Kommunisten auch rasch untereinander gespalten, oder, wie die »Rote Fahne' eS nennt, es ist wieder einmal eine.Klärung' ein- getreten. Das Zentralorgan der K. P D. berichtet darüber: Die Funktionärkonferenz von Groß-Berlin beschäftigte sich gestern mit den Verhandlungen ihrer Leitung mit der Reichs- zentrale über die Einberufung des Zentralausschusses und des Parteitags. Nach stundenlanger Diskussion mißbilligte man das Vorgehen der Berliner Leitung, die darauf zurücktrat, lssn die neue Leitung wurden gewählt ausgesprochen« Gegner der in de» Leitsätzen der Partei niedergelegten vragrammatische« Auffassung über Wesen und Aufgaben der K. P. D. Die»Rote Fahne' tut, als sei sie sehr vergnügt darüber, daß nunmehr die»Klärung' in der Berliner Organisation damit erreicht ist(.'welche die K. P D. fast die gesamte Mitgliedschaft kostet!). Jetzt könne«s nur eine Parole geben:.Loslösung von den shndikalisti« scheu Wirrköpfen. denen die tommmnstifcheo Arbeit« schon läuM Sen Rücken gekehrt haben, nnS konsequenter Neuaufbau der K. P. D. in Grob°Berlin.'— Mit ihren fortgesetzten.Klärungen" wird die Zentrale der K. P. D. bald soweit sein, daß sie ihre ganze Organisation wieder von vorn aufbauen kann. Reinharüs �bschieü. In der reaktionären Presse erzählt Oberst Reinhard a. D. von seinem Abschied. Die Stellung der Ehren» kompagnie für Hindenbnrg gab vorerst nur Grund, ihn für eine Versetzung nach Glogau für reif zu erachten. Inzwischen begann seine Rolle bei der Ermordung der Matrosen bekannt zu werden, und am 11. Dezember wurde ihm mitgeteilt, daß er innerhalb weniger Jtunden auf Wunsch deZ Reichspräsidenten und des Reichskanzlers seinen Abschied ein- zureichen hätte. Beide seien der Meinung, daß Reinhard, wenn er seinerzeit nicht Kopf und N e r v e n verloren hätte, die Erschießung vielleicht noch hätte verhindern könn e.n. Dazu bemerkt Reinhard, daß er immer so gehandelt haben würde, wie es geschehen war. Zu seiner Freude fei Ober- leutnant Marloh freigesprochen worden. Ferner sei ihm mitgeteilt worden, die Regierung hätte ihm Übelgenom- wen, daß er als Vorsitzender des D e u t s ch n a t i o- nalen Jugendbundes die Hindenburg- Ehrungen verschuldet hätte. Darauf hatte Herr Reinhard den für einen republikanischen Militär sehr dreisten Mut, zu erwidern, er könne weder dem Präsi- deuten noch dem Reichskanzler ein Urteil über seine militärischen Handlungen zuge- st e h e n. Als ihm weiter gesagt wurde, daß, wenn er nicht chnge, Rosjfe gehen müßte, meinte er gleichmütig, daß könne er auch nicht ändern. Nunmehr wurde ihm er- öffnet, oaß er den Beschluß der Regierung, sofort zu der- schwinden, für bindend zu erachten habe. Zuletzt wurde versucht, dem braven Gullifet ein höchst unangebrachtes Zuckerbrot anzudrehen. Er sollte General werden, wenn er nur gehe. Darauf wurde er stolz wie ein Torero, verschwand und vetzichtete 'ogar auf die roten Streifen. Das Neichswchrministerinm kann diese Schilderungen noch nicht bestätigen, hält ste aber für glaubwürdig._ „vom fremden Ge!öe� In der.�kreuz-Zeitung" polemisiert ein Herr von Waldeyer-Hartz gegen unsere Ausführungen zum Prozeß H i l l e r- H e l m h a k e. Aus unsere Feststellung, daß das deutsche Heer nicht von himen Erdolcht, sondern von seinen Vorgesetzten zu Tod« geschunden worden ist. antwortet dieser Herr mit dem üblichen alldeutschen Mittel der nn- sauberen Verdächtigung. Er schreibt nämlich bezüglich der Mannemannschaften: Verhätschelt hat man sie, damit kommt man der Wahrheit näher, und durch falsche Nachsicht reif gemacht für die Auf- saugung jener geschichtlich fefisiehenden verbrecherischen Propaganda, die au? deutschem Nörgelgeist geboren worden ist und sich schmähl'cherweise vom fremden atctdr bat spei'cn lasien. Der„Vorworts" kennt selibstverstärdlich diese Dinge sehr genau, voraussichtlich genauer als wir, weil er politisch dem lichtscheuen Betriebe nahrgestanden bat. DaS Wirken der Propaganda ist außerdem in voller Offenher.stgkeit zu verschiedenen und von verschiedenen führenden Persönlichkeiten der Sozialdemokratie in Wort und Schrift zugegeben worden. Auf solche Tai- fache weist der„Vorwärts" seine Leser nicht hin. Hier fehlt ihm der Mut zur Wahrheit. Herr H. von Waldeyer-Hartz hat erfreulicherweise eine von alldeutscher Seite— bisher stets in verkappter Weise— ausgesprochene Verdächtigung einmal in einer Form geäußert, die sich festnageln und fassen läßt. Wir werden diesem Herrn und der„Kreuz-Hei- tung" Gelegenheit g ben, vor Gericht ihre Behauptung zu beweisen, daß der„Vor- wärts" einer bom fremden Gelde gespeisten verbrecherischen Propaganda in der Armee nahegestanden hat._ Schamloser Terrorismus. Die Einwohnerwehr ist den Unabhängigen von jeher ein Dorn im Auge gewesen. Daß sie selbst die Haupt- schuld dazu beitragen, wenn die Reaktion in den Ein- wohnerwehrcn tonangebend ist. indem sie unter Anwendung von Gewalt die Arbeiter den Wehren fernhallen, daß zu erkennen, reicht ihre Logik nicht aus. Mit welch schamlosen Mitteln von unabhängiger Seile mitunter gearbeitet wird, nm ihr Ziel zu erreichen, die Einwohnerwehren nämlich zu Horten der Reaktion zu machen, beweist folgender unerhörte Vorfall: Seit dem Juni de? JabreS 1919 war unser Parteimitglied Genosse Lorkowili beim Verkehrsamt Neukölln al» Zimmermann beiltülngt. Auf die Ausiorderung des sozialtenio« kratiswen ParleivoistandeS bin, den Einwohnerwehren beizutreten, wurde er Mitglied einer solchen. Als nun om letzten Sonnabend diese Tatsacke bei seinen zum überwiegenden Teil der U. S. P. angeböienden Arbeitskollegen bekannt wurde. kam der stellvertretende Vertrauensmann zu ihm «nd erklärte ihm. seine Kollegen könnten nicht weiter mit ihm zusammenarbeiten; falls er im Dienst bleibe, wülden feine kiolleqcn in einen Streik eintreten. Eine kurz darauf vorgenommene Abstimmung ergab von K2 Summen 27 für einen Streik, 2 für den Genossen Lorkowski. die übrigen ent- hielten sich der Stimme. Es blieb dem Genossen Lorkowski nichts anderes übrig, als die Koniequenzen daraus zu ziehen und seine Entlassung nachzusuchen. Aus seinem ihm von, Magistrat ausgestellten Entlassungsschein steht ausdrücklich ver- merkt: „L. war beim Verkehrsamt der Stadt Reukölln beschäftigt und wuide wegen Zugehörigkeit zur Einwohner- wehr auf Wunsch der Zimmerer entlassen. Verkehr Sbauamt. Genosse Lorkowski mußte sofort da« Amt verlassen und ist nun erwerbslos. Hier liegt einer jener ganz offenkundigen Fälle des schamlosesten Terrorismus vor. der so gern von den Unabhängigen abgeleugnet wird. Wir sind gespannt, was sie in diesem Falle zu ibrer Entschuldigung— und um Entschuldigungen sind die Herrschaften ja nie verlegen— sagen werden. Besonders ctiaralteristisch ist bei der ganzen Angelegenheit, daß sich die Unabhängigen weit radikaler grbärdeten als die Kontmunisten. wohl um diesen zu zeigen, daß auch sie„echte Revolutionäre" seien Wir erwarten, daß die maßgebenden Stellen schleunigst alles Erforderliche tun. um dem Gemaßregeltcn zu seinem Rechte zu verhelfen.__ Die GelögewohnSen. In einer Schrift über daZ neue Landarbeitenccht von Dr. S. Rosenseld hatte türzlich gestanden, daß der Deutsche Landarbeiter- verband über eine halbe Million Mitglieder zähle und bllOVO Funktionäre habe. Deshalb stellt die„Deutsche Tageszeitung" eine weh- leidige Betrachtung darüber an, daß also je zehn Mitglieder des LandarbeiterverbcmdeZ Änen Funktionär aus ihren Beiträge« er- nähren müßten! Und da ihr diese Annahme selbst nicht ganz ge- Heuer vorkommt, forscht sie nach geheimen Geldquellen. aus denen dieses Funktionärheer unterhalten weroe. Ob etwa der Herr Landwirt schaftSmini st er dabinterstehe? Wir können die„Deutsche Tageszeitung" beruhigen. Ein Funktionär ist nämlich im sozialistischen Sprachgebrauch nicht ein Kann, der ein bezahltes Ami in der Oeganisution inne hat, sondern der überhaupt einen Ehren- und Ver- traueusposten bekleidet. Mindestens 99 Proz. aller Funktio- närpasten in der Arbeiterbewegung sind nnbcsvlbet. Daß die ffelanch Lautensacks„�farrhauskomödie". Kleines Theater. Heinrich Lautensack schied etwas vorzeitig aus dem Leben, weil sein Humor nicht ausreichte, um zu den 999 Genieinheiten ches Schick- ''als täglich Amen zu sagen. Alö er ging, war er ein Trüber und Verbitterter. Gedacht hatte er einstmals, ein Scharfer und ein Geißler zu sein, damals, als er mit elf Brüdern und Scharsrichtern zu München den Galgen aufrichtete, der allem Gcsinnungspöbel, Stumpfsinn und sonstigen kaiserlichen ReichSeinrichtungen den Hals brechen sollte. AuS dem lustigen Lautensack wurde eine Kindkraft. Zwischendurch gelang diese Pfarrhauökomödle. Sie ist sehr einfach. sie ist sehr derbe, sie ist gar nicht genial in manchem Bühnenbild« und ungeschickt. � Tie Zensur hatte kein Meisterstück unterdrückt. Die neue Spielfreihcit hat keine Ueberraschung gefördert. In dieser PfarrhauSkomühie benehmen sich die katholffchen gcist- lichen Herren wie die Eheherren und wie die Verlobten. DaS durste früher im Witzblatt geschehen. Da eS jetzt im Theater geschehen darf, ist es nicht sehr aufregend. Als der Goetheound in München Fest« beging, sang Papa Geiß vor den Studenten von dem Herrn Pfarrer, der nichts mehr auf der Welt entbehrt, denn er hat ja die Vest, die Rest, die Resignation. Di« Damen heißen diesmal Am- brosia Lindrainlner und Lona Prcchtl. Sie sind klassische Pfarrers- köchinnen und hal>cn sonst auch alle», was dazu gehört. Weshalb Ambrosia ein Kind kriegen soll. Natürlich kann sich Irma tüchtig auslachen, weil eS bei ihr noch nicht so weit ist. Tie alte Ambrosia bat das vom alten Herrn Pfarrer, der sich wie em schtver ver- b-irateter Herr Oberbuber ausdrückt und nur den lieben Gott ein wenig einmischt. Während der Pfarrer zur Ambrosia auf Besuch fährt, ziehen sich Irma, die Ersatzköchin. und der junge Kooperator die Schuhe aus. was für ihre Liebe sinnbildlich sein soll. Und Irma tanzt auf den Sprungfedern de? geistlichen Sofas. Und der Koopc- vator setzt die Stwdentenmütze aus. und Bier wird viel getrunken, und es ist außerdem noch sehr heiß. Wenig Map Halbe, mehr Alt- Heidelberg, nichts von Wedekind, und doch vergötterte Lautensack den g mialcn Frank. Ter Pfarrer kehrt, wie das der Aktschluß braucht, verfrüht von der Ambrosia zurück Das kümmert die Irma, die sehr deutlich wird, gar nicht. Sie schleppt den Kooperator dorthin, wo Liebesleute sich am besten gefallen. Tann hat die Ambrosia ihr Kind gekriegt, und die Irma ist so weit. Im ersten Akt war die Ambrosia sehr kleinlaut und die Irma sehr großmäulig. Tie Damen von der Küche können jetzt die Rollen vertauschen. Da« brächte ewigen Stank in? Hau». Der Pfarrer, mit dem Himmel befreundet und gleichzeitig erfahren im Herz der e öchin, verhindert da«. Die keifenden Damen reichen sich die Hände. Sie werden noch öfter keifen, sie werden noch öfter Kinder kriegen, sie werden sich noch öfter die Hände reichen. Da« ist Komödie. Sogar gute in der Idee, etwa« unbeholfene in de?«u»sührung. GS ist jetzt Sitte, die Wort« au« der Klinik und ähnlichen Cölbe» reitungSanstalten auf die Seligkeit etwa? übcrdeutlich auszusprechen. Da? ist Stil 1929. Man wird darüber bald wegkommen. Denn die nbckten Schuirern und derer? Nachbarschaft sind weniger unterhakt sam alS das nackte, wirklich und ehrlich entblößte Herz. Mindestens auf die Dauer. Lautensack beleuchtet mit Ach und Krach, und sein Werbbuch ist ein wenig Schweinestall. Die Berliner scheinen das heute zu wünschen und zu lieben. Sie schmunzelten bei einiger Auf- klärung im Geschlechtlichen hier und da. Lautensack wollte das gar nicht. Nun, er ist ja tot. Frau Höflich spielt da? PfarrhauStrampel mit Grazie. Frau Grün in g wälzte sich in die mehr kanonische Korpulenz der Am- brosia hinein. Beide Damen fanden sich mit Humor in ihre Baue- rinnen. Sie waren sich dessen bewußt, daß sie Menscher sein sollten und Menschen nickt. Frau Höflich war sich dessen allzu bewußt. Herr Licho und Herr Pröckl waren Pfarrer und Gehilfe; gute Typen, nicht eben SimplizissimuSbilder, recht einfach, schlicht Mann und Jüngling unter der Tonsur. Sie hüteten sich vor der Karika- tur. DaS war gut so. M a x H o ch d o r f. Da« BildungSamt der Grosjstadt. Im Berliner Rathause ent- wickelte dar Jahresfrist der damals in Charlottenburg, jetzt in Lübeck wirkende Stadtbidlwthekar Dr. Willy P i e t h, den unser« Leser aus mehreren Aufsätzen über Fragen des öffentlichen Er- ziehungswcssnS kennen, vor Groß-Berliner Gemeindcbeamten seine Ansichten über die Notwendigkeit der Schaffung gemeindlicher Bit- dungsämter. Jetzt liegt dieser Vortrag als Schrift des Verlags Gesellschaft und Erziebung. Berlin, vor(Preis 1 M.f. und wir möchten, daß er von recht vielen Lesern zur Hand genommen und studiert werde; denn was er fein will, ist er wirklich: ein Weg- weiser, der die Bildungspflege, zumal in den Großstädten, in ziel- sichere Bahnen lenken will. Die Revolution gab dem Verlangen nach verstärkter Arbeit der Bildungspflege den mächtigsten Anstoß und schaffte der Erkenntnis Raum, daß da? bisher Geübte durcb einen dicken Strich als abge- schlossene Pbase gekennzeichnet und durch neue Formen der Bil- dungSorganisation überholt werden muß. Pietb legt nun die Be- deutung des Zieles klar, daß der gesonderte Anbau der einzelnen Bildungsfelder, der im bisherigen Zustande die Regel war, fortan einer höheren Ordnung zu weichen habe: dem organischen Zusam. menfügen. der die engste Wechselwirkung möglich macht. In gutem Ueberblick wird der Stand der Teilorganisationen der BildungS- pklege skizziert. Sckwere Hemmungen Mißwollcn und Unverstand haben der böhcren Auffassung vom Wesen der Bildung den Weg verlegt. All den Einzclbeilen der Bi'dunpS- und Vo.'kSkunsr- pflege widmet Pieth nun Betrachtungen, die den Gewinn in? rechte Lickt stellen, den ein organisches Einstellen der einzelnen Gebiete aufeinander für den Weiterbau unserer Vo'kskultur erzeugen muß Da» BildungSamt, da» dieser Ernte dienen soll, ist nicht als ein diktatarischer Kops gedacht, der de» B'lduNgSw-sen die Freiheit nehmen darf. Wie Pieth darüber denkt, sagt seine trefflich.führende Schrift in den Schlußsätzen, die sich auldrücklick für Tezentrali- sation al« die auch fernerhin anzuerkennende Arbeittmetbod« au«- sprechen:.Es sind heute fast allenthalben lebendige Kräfte am „Deutsche Tageszeitung" aus den Erfahrungen der Deutsch- nationalen Partei heraus sich die Sache nicht anders vorstellen iann. als daß derjenige, der etwas kür die Partei tut, sich auch gehörig dafür bezahlen läßt, wollen wir ihr gern glauben. Ab-r Ar- beiter denken darüber anders als Großagrarier. firisch-germanifthe Nacktkultur. Es gibt immer noch Leute denen geholfen werden muß. In der„Vegetarischen Warte" finden wir folgendes Jnßüat: Lebensreformer, Anfang der Dreißiger, gebildet, wünscht mit gebildetem deutschen Mädöl zwecks Heirat in Verbindung zu treten. Bedingungen: Alter etwa 1/ bis 22 Jahre, arisch-germanlschcr Rasse, blondes Haar. lang- schädelig, gezeugt und geboren von streng vegetarisch leben- den Eltern, an Mutterbrust gestillt, vegetarisch ernährt>md im lebenSrcformerischcn Sinne erzogen, Anhöngerin der Nacktkultur und der Reformkleidung(Thalysia). Freund- liche Zuschriften im obigen Sinne mit Lebenslauf und Büd in Reformtracht, sowie drei Ganzaktlichtbildern, Border-, Selten-«nd Rückenanfnahme an die„Vegetarische Warte" erbeten. Strengste Verschwiegenheit zugesichert und ver- langt. Die Bilder werden, wenn nicht zusagend, zurückge- sandt. Es ist uns gleickxzultig, zu wissen, welche bitteren Ent» täuichungen diesen Mann bestimmen, keine Katze mehr im Sack zu kaufen oder nachzuprüfen, welcher Hakenkreuztrottel seine„Lebenkanschauung" zur Frechheit, Geilheit oder Gaunerei kultiviert— recht möge ihm jene Würdelosigkeit g'eben, auf die er spekuliert. Hriefe, üie uns nicht erreichten. Zu unseren Feststellungen über Briefe, die während des Kri-oeS aus dem Ausland an unS gerichtet waren, und eist jetzt den Adresiaten zugestellt weiden, sendet uns Genosse Eckeidemoiin einen weiteren Beitrag;. ES ist ein viief des' niederländischen .Liiti«Oorlog»Naad". de? bekannten pazissstiicken Vereinigung vom 24. Februar 1916. Er IrZqi' önf der Rückieite den bekannte» Aus» druck:„Aus Anlaß deS Krieges in Deutschland zurückgebalten". Sein Inhalt sind Drucksachen mit der Ueberschriit:»Stimmen der Vernunft aus Deutschland und England". Wichtiger als der Umstand, daß die Auslieferung dieier Sacken nock ein Jahr über da? tatsächliche Kriegsende hinaus verzögert wurde, erscheint uns die Feststellung des Verbrechens der damaligen Regierung, die solche Milteilungen während des Kriege« nickt nach Deutschland gelangen ließ. Die Stimmen der Vernunft i« feindliche» Ausland durfte das deutsche Boll nicht zu hören bekommen. Auch die an unS adressierten und zurück- gebalienen Sendungen hatten meist ähnlichen pazifistischen Inhalt. die eine war beiipielsweii'e obgeiendel vom Schweizer.Bund für Mcnschheiteinteresien und Organisierung menschlichen Fornchiitis". E? war da? System Ludendorff, das solche Zu'chriiten dem deutschen Volke fernzuhalten strebte, das System der organifiertenKriegSlüge.» Wer hat öie Gefanaenen verkaust? Ans dem Kreise Teltow erhalten wir von einem Genossen folgende überaus zutreffende Ausführungen, die wir ihrcm Wort- laute nach wiedergeben: „Die Abendausgabe de?„Vorwärts" vom 2. Januar bringt. einen Artikel„Der alte Irrtum", in dem als Charakteristikum der Gefangenenbriefe der Vorwurf gegen die Regierung an- geführt wird, die Gefangenen seien beim Friedensschluß.verkauft" worden. Ja, diese Ansicht ist unter den Gefangenen vielfach ver- breitet, aber die lockenden W e r b e v e r s u ch e, die man ihnen von nationalistischer Seite entgegenbringen wird, worden ohne Erfolg bleiben, weil die Gefanocuen nie vergessen werden, daß gerade die alte, von nationalistischem Sinne getragene Re- gierung sie tatsächlich vertauft hat. Ich, und wohl auch alle meine Kameraden, werden es stets im Gedächtnis behalten, wie wir— es war am 4. Dezember 1917— müde von der Arbeit ins Lager zurückkehrten und beim Appell be». Werke. Tqs Biidungsamt wird den geeigneten Ausgleich und das nötige Sbstem in die Vielheit der rüstigen Arbeit bringen." Mit anderen Worten: es soll dieser Arbeit durch das Gewebe inneren Zusammenhangs eine größere und segensreiche Freiheit de« Schaffens bescheren. nv. Ter PulSschlag der Pflanzen ist von einem indischen Gelehrten Jazadi? Chandra Bose gemessen worden, der in seinem berühmten II n te rftichu-ig? iristitut in Kalkutta die erpmmentellcn Methoden l der modernen Na tu nviffen schaff mit dem hingebenden Verständnis des Inders für das Laben der Natur vereint. Wie er in einem Vortrag in der Britischen Aiademl« der Wissenschaften ausführte, ist es ihm gelungen, mit von u«n konstruierten feinsten Apparaten da» Wachsl'um der Pflanzen zu messen und ihre Reaktiancn auf jede» äußeren Reiz.zu- beobachten. „ES gibt einen PulSschlag in bestimmten Geweben der Pflanze. so wie es bei den Tieren den Herzschlag gibt." sagte er. Die gleichen Wirkungen können durch Reizung.» und Gifte in Tieren und Pflanzen hervorgerufen weiden, und auch der Todeskampf vollzieht sich bei beiden in gleicher Weise. Die Pflanz n besitzen sogar eine seiner« Sensibilität als tierische oder menschliche Wesen, und die Art, wie sie auf äußer« Reize aniworten, wird von dem Inder mit einem drahtlosen EmpfangSopparat verglichen. Bofe hat Instrumente ertziutdcri, auf denen die Pflanzen auiomatbch die von ihnen nach Reizungen ausgeführten B wegungcn auf- zeichnen sowie auch che Verhalten unter veränderten Bedingungen der Umgebung. Diese Apparate registrieren außerordentlich ge» ringe Bewegungen. So bat er festgestellt, daß die Bewegung einer Scknecke etwa«00vmal schneller vor sich geht, als die WackSIumS» bewegung in einer Pflanze, die durchschnitlbch den millionsten Teil eines Zolls in der Sekunde beträgt Der„Gr.stograph". mit dem das WacbSium einer Pflanze g messen wird, würde die Bewegung einer Schmecke mit einer Schnelligkeit van 200 Millwnen Fuß die Stunde zeigen. Die Messungen des Pulsschlages der Pflanzen ergaben, daß die von der Pflanze dabei ausgeführten Bewegungen den hunderttauscndsten Teil eine» Zolls in der Se- künde ausmachen.„ES gibt nichts im Tier," erklärte Bose.„das nicht in der Pflanze vorweggenommen ist. Bringt man eine Pflanze in ungünstige Bedingungen, etiva in heißeS Wasser, dann kämpft sie ein« Zeit und stirbt, und dieser Todeskampf vollzieht sich in derselben Weise wie beim Tier." Der indische Gelehrte hat seine Versuche auch-ruf die un» organischen Stoffe ariSg-dehirt und gezeigt, daß sich bei den Me- tallen Reaktionen auf Reize und Ermüdungserscheinungen fest» stellen lassen._ Dkieater. Da» TckMer.Thkaler Cearkoilenbi'rg miili die für den k>. Pavnar mmeftt-' Augübrunz dc« TramaS»Der Motor» von Han«». F-icker verlchleben. lieber»i« moderne Oper und ihre Sntwicklnnq fiält L o t b ar «and im Saal« de» Lyzeum», stnnalidenslr. It. r-ncn Zyklo« von acht Vorträgen die durch»elanq und Dmdielungcn am Flügel erläutert «et den. Beginn: 15. tzlgmiar. 8% Ubr abends Kerlen kWaiidenltr. 11. »Tie«renzboten«, die älteste deulsche Vockenichrlst. die oiSber bei tzl.«. Srunoiv erschienen, sind in den Best« de» verlose« K.$. Koedler. SeipKig. übel gegangen. Vre«scheinen unter der Leitung de« Ojtpoulilers Max Htldebert«oehm. fem trtgefle freu wurde, daß di« Unteroffiziere sich auf der Schreibstube melden möchten, da sie, wie auch die Offiziere, nach einem mit der deutschen Regierung getroffenen Ab- kommen nach achtzehnmonattger Gefangenschaft in einem neu- t r a l e n Lande, in Holland oder der Schmelz, interniert werben sollten. Also die Unteroffiziere, die von der Arbeit befreit waren, die nur als Aufsichtshab ende mit hinausgingen, die doppelte Löhnung bekamen, denen so manche lleme An- nehmlichkcit, wie z. B. kleines Zimmer zu vier Personen, gewährt wurde, sie sollten aus der Gefangenschaft erlöst werden; die Herren Offiziere, die im Gegensatz zu den Mannsckiaftcn geradezu ein Schlaraffenleben führten, sie sollten die goldene Freiheit wieder- gcnmincti; die Gemeinen dagegen, die Tag für Tag. ob Feier-, Sonn- oder Werktag, ob Regen, Sturm oder Sonnenschein, von Morgen bis Abend wie.Neger" arbeiten mußten(.IiKe nckro«' sagte selbst ein englischer Sergeant), die oftmals nur einmal am Tage eine Mahlzeit einnahmen, die fast täglich Beschimpfungen und Mißhandlungen auszustehen halten, die in Zelten oder schlechten Baracken— im Winter ohne jegliche Heizung— hausen mußten, sie konnten welter arbeiten, hungern, frieren und sich mißhandeln lassen. Wie konnte die kaiserlich deutsche Regierung einen solchen Vertrag abschließen, der tatsachlich auf Verkauf der Gefangenen als Arbeitsvieh hinauslief? Ob es aus Wahrheit beruht, daß der von der englischen Regierung gemachte Vorschlag, das Zlbkommen auch auf die Mannschaften auszudehnen, an dem Widerstand der deutschen gescheitert sei, weiß ich bis heute noch nicht; auch falls es nicht wahr ist, ändert es nichts an der ganzen Sachlage. Tie Erbitterung gegen die alte Regierung trat bei Busbruch der Revolution klar zutage, als die Gefangenen auf die erste Kunde von den Kieler V o r f ä l len in vielen Lagern eine aus Taschentüchern schnell hergestellte rote Fahne aufpflanzten. Wenn alldeutsche Blätter aus dem angeblichen Verkauf der Kriegsgefangenen beim Abschluß des Waffenstillstandes und des Friedens in ihrem Interesse Kapital schlagen wollen, so werden sie damit kein Glück haben; daß sie tatsächlich von der alten Regierung lange schog vor dem November lLl8 verkauft wor- den sind, das werden die Kriegsgefangen«, nie vergessen." Wirtschaftliche Nachrichten. Neue Zusammenschlüsse. Die Erkenntnis, daß bei einer ausreichenden Höhe der techni- sche» Entwicklung das G e g« i n a n d e r a rb c i t e n der Unter- nebmer unwirtschaftlich ist, und die Z u s a m m e n f a s s u n g der Beiriebkniittel und Kapitalien zur Erzielung der technischen H ö ch st l e> st u n g e n das gegebene Mittel für die wirtschaftlichste Produktionsweise ist, bricht unter dem Zwang der Verhältnisse sich erfreulicherweise sichtbar Bahn. Für den Unternehmer bedeutet die Aufgabe der wirtschaftlichen S e l b st ä n d i g k e i t. des Rechts, nach eigenen Plänen spekulieren zu können, sicherlich ein große» persönliches Opfer, immerhin dadurch erträglich, daß er eine größere� Sicherheit feiner Kapitalrente dafür eintauscht. Vom s o- zialiftischen Standpunkt können wir diese Konzentrations- bewegung, wenn sie organisatorisch und fachmännisch sicher geführt wird zu neuen, soliden Aufbauten ohne ProduktionS- st ö r u n g e n, nu� freudigst begrüßen. Tie planmäßige Wirtschaftsführung unserer ungeheuer vielseitigen Industrie läßt sich nicht von heute aus morgen er- reichen. Nur schrittweise kann e» vorwärts gehen, denn gewaltige Orgonisationkarbeit ist dabei zu leisten. Um die Hemmungen, die den Zusammenschlüssen sich ent- gegenstellen, zu überwinden, muß der W i r t s ch a f t s m i n i st e r allerdings nachhelfen durch Druckmittel, die ihm reichlich zur Verfügung stehen, denn die Volksgesamtheit hat doS höhere Interesse an der auf das Maximum gesteigerten Produktivität, die nicht nur vom Arbeitswillen, sondern auch von der technischen und wirtschaftlichen Organisation abhängt. In der Leipziger Rauchwarenindustrie hat ein bedeu- tungSvoller Zusammenschluß stattgefunden. Namhaft« Rauch- warcnzurichier und Färbereien L-ipgigS hoben sich unter der Firma:„Vereinigte Rauchwaren-Veredelungs-Werke, G. m. b. H." zusammengeschlossen. Ihr Ziel hat die Vollendung, bei der Ver- edelung der Pelz feile und damit Förderung der OualitätS- arbeit, die allein berufen scheint, die Vorrangstellung Leipzig» auf dem Nauck?warenmarkte zu sichern. Die angestrebte gemeinschaft- liche Arbeit der gedachten Vereinigung fußt auf Austausch der bisherigen Erfahrungen und technischen Kenntnisse unter Zurück- stcllung oller Conderinicressen. Die erste positive Arbeit galt der Schassung einer gemeinschaftlichen Zurichtung auf Kanin. Diese „Einheitzurichtung" ist für alle Farbmethoden ohne Nachzurichtung geeignet und wird in den angeschlossenen Betrieben einheitlich uno gleichmäßig ausgeführt. Der Vereinigung gehören zurzeit an die firmen: A. Herzog, Wilhelm Jeute G. m. b. H.. Theodor Kniesche, Dr. Friedrich König, Marquardt u. König, Theodor Thorer in Leip g. In Oberschlesien wurde die Chemische Weep. Oberschleslrn G- m. b. H. mit dem Sitz in üindenburg und einer Zwe'gr.icder» lassung in Berlin zwecks gemeinschaftlicher Verarbeitung und Ver- Wertung ihrer gesamten Erzeugung an Teer, Benzol und A m- m o n i a k von der DiSmarckhütte, A. Borsig, Berg- und Hütten- Verwaltung, Konsolidierte Gleiwitzer Steinkohlengrubcn, Gräflich Schaffgottschc Werke G. m. b. H., Kattowitzer Aktiengesellschaft für Bergbau und Eisenhüttenbetrieb, Oberschlesische Eisenindustrie A.-G. für Bergbau und Hüttenbetrieb, Oberschlesische Kokswert« und chemische Fabriken A.-G. gegründet. Der„Berliner Börsen-Courier" schreibt hierzu: „Der Zusammenschluß der oben erwähnten Werke ist ein ftit Jahr und Tag sorgfältig gepflegter und vorbereiteter Plan, :r indessen bislang durch die E ig e n b r öd e l e i einzelner ''.'keiiigter nicht zur Ausführung gelangen tonnte. Solange die Terke aus ihrer Selbständigkeit noch Nutzen zogen, war ja auch kein Zwang zu gemeinsamer Betriebssührung vorhanden. Die Verhältnisse haben sich aber nunmehr geändert." Eine Umstellung der technischen Betriebsfübrung bedeutet die Gründung der Chemischen Werke Oberschlesien G. m. b. H. leider nicht, sondern nur eine Vereinfachung der Verkaufs- und verwal- tungsorgan'sation. Ferner soll eine bessere Kontrolle des Marktes für Teer. Benzol und Ammoniak erreicht werden. In der Berliner Elektroindustrie hat der Zusammen- schlug der Glühlampenher st ellung kürzlich stattgefunden. A u e r, A. E. G. und S i emenSwerke werden ihre Fabrikation von Glühlampen zukünftig gemeinschaftlich betreiben. In der letzten Generalversammlung der A.E.T. sagte Rathenau: Die Bestrebunaen hinsichtlich der Vereinfachung unserer 'Produktion sind selbstverständlich auch in starkem Maße auf die E.G. anzuwenden, und hieraus erflärt sich auch die in diesen Zachen durchgeführte Konzentration auf dem Gebiet der Glüh- empenfabrikation, die nicht nur eine Vereinfachung der gesamten �erkaufswirtschaft, sondern vor allem auch einen Austausch der Erfahrungen der nunmehr zusammengeschlossenen Unternehmen bringen soll. Vom W i r t sch a f t S m i n i st e r dürfen wir wohl erwarten, daß er sobald a!S irgend möglich für Maßnahmen sorgt, die die ge» samien privatkapitalistisck�en Monopole unter di« unerläßliche ge- meinn irtla afil'chc Kontrolle bringt. Alle dies« G.«. b. H.d, �?u keinerlei VerösfenI'ichMlg:n shrer Ertrifnisie vcrxfiichlet sind, wie es bei den Aktiengesell'chaf- ten der'r f-'-*''"• iVp dr'naend der schärfsten sachverständigen Ucberwachung in Anbetracht der gewaltigen Wirtschaftlich' n Mach, die sie in ihrer Gesamtheit darstelle«. Dr. S i r i e m e r. Groß-Verün Schließung der Siemenswerte wegen Kohlenmangels. Die B. S-Korrespondenz meldet: Die Direktion der Siemenswerke hat sich infolge des Fehlens an Kohle genötigt gtsehen, ihre Betriebe in Siemens- st a d t am heutigen Dienstagnachmittag zu schließen. Damit werden nicht tveniger als LöOOl) Arbeiter beschäftigungslos. Wann der Betrieb wiederaufgenommn werden kann, läßt sich augenblicklich noch nicht sagen. Die Firma rechnet damit, in einigen Tagen so viel Kohlen zu bekommen, daß si« hie entlassenen Arbeiter wieder einstellen kann. Seitens der zuständigen Stelle beim Kohlenkommissar wird erklärt, daß es nicht möglich war, die SiemenSwerle so recht- zeitig zu beliefern, daß die Schließung vermieden werden konnte. In F ü r st e n b e r g sind nicht weniger als 200 Kohlenkähne eingefroren, von denen ein großer für Berlin bestimmt war. Gegenwärtig wird der Wasserweg von Fürstenberg nach Berlin freigemacht, eine Anzahl Eisbrecher und großer Dampfer sind am dieser Arbeit. Von diesen Kohlenkähnen sollen sofort einige den SiemenSioerken überwiesen werden, und es wird damit gerechnet, daß die ersten Lieferungen bereits am Donnerstag in SiemenSstadt eintreffen werden. t Auf telephoniscke Anfrage teilt unS die Leitung der Siemens- werke mit, daß sie für die Werke SiemenSstadt und Barten- seid Folgendes bekanntgegeben hat: Ab heutiger Nachmittagsschicht bis Freitag früh ruht Betrieb aus Kohlcnmangel. Lohnzahlung Freitag. Ein Notschrei aus der Gartenstadt Hohenschöuhause'. Vor 10 Iahren wurden in Berlin-Hohenschönbansen an der Falkenberger Straße große Terrain» Ackerland parzelliert. Van den Unternehmern wurden den Käufern gute Versprechungen gemacht, auch sollte der Bebauungsplan bald geneh- m i g t sein. Da diese Terrains, in der Nähe von Berlin gelegen. mit der Straßenbahn zu«reichen sind, blühte das Geschäft: den Anliegern wurden hohe Preise abgenommen. Die Gemeinde- Verwaltung hatte große Gewinne, dachte aber nicht daran, den Anliegern entgegenzukommen. Dafür wurde die Polizei auf. geboten, um mit Ordnungsstrafen neu« Einnahmen zu schaffen. An jedem Sonntag stellten Beamte fest, ob die Abort« besondere Gebäude waren, diese mußten abgerissen werden. Wenn di« Laube nickt genau die Stellung der Zeichnung hatte, kam«in Strafmandat von 30 M. und di« Drohung, daß d>« Laube abgerissen werden muß. Gemauerte Kochmaschiuen mußten entfernt werden. War dem An- liener der Febler passiert, die Laube% Meter größer zu bauen. so kam ein Strafmandat nach dem anderen usw Die Anlieger waren den Großbanern und den Bodensuchern sehr ver- haßt, weil die Herren glaubten, daß ihr Geschäft in der Kolonie Neu-Kohenickönbausen geschwächt werden könnte. Der Gemeinde- Vorsteher König stand diesen Herren wacker zur Seit«.. Da die S'edlung vorwärts ging, kam der Gemeindevorstand auf den Ge- danken, selbst, mit Vermittlung der Herren D ö b b i ck e und Andren, groß« Terrains an der Großen Langestraße zu kauten; diese wurden parzelliert und für hohe Preise verkaust. Von den Anliegern an der Falhnberg« Straße hat die Gemeinde schon an Grundwert- und Umsatzsteuer ca. 175 000 bi? 200 000 M. verdient, ohne in 10 Jahren die Sacke zu f ö r d e r n; noch ist kein Bebauungsplan vorbanden. Der Grundbesitzer- und Ver- schönerungsverein dieser Anlieger hat kein Mittel unv er- sucht gelassen, um zu erreichen, mit Hilf« des Landra.es. de? Zweckverbandes usw. endlich die Gemeindeverwaltung zu zwin- gen, den Bebauungsplan herauSzubrinaen. Di« wetteren For- derungen um Verlängerung der Straßenbahn bis zur Gartenstadt, die Anlage von Wasser und Kanalisation, von Lickt usw. sind von dem Bebauungsplan abhängig. Die neueren Petitionen der An- lieger wurden von Herrn Gemeindevorsteher König überhaupt nicktmehrbeantwortet. Die große Wohnungsnot Berlin? könnt« etwas gelindert werden, wenn diese Siedlung gefördert würde; denn 100—150 Woh- nungen könnten frei werden. Die Herren von Hohenschönhausen arbeiten aber streng noch dem alten System. Herr König ist Herr in seinem Nestchcn. Für die Großbauer und Bodenwucherer sorgt er wie ein treuer Gleichgesinnter, die kleinen Leute können ja gehen, wenn die Ersparnisse verbraucht sind. Wann sollen sich nun erdlich diese Zustände ändern? Auch die Stadtverwaltung von Berl-n hat ein Interesse daran, daß diese Siedlung gefördert wird. denn dort liegen die Städtischen Spielplätze, viele tausend Kinder müssen im Sommer von der Straßenbahn noch% Stunden laufen. Seit Iahren könnte dieser Mißstand durch Verlängerung der Straßenbahn beseitigt sein. In Arnsfeld« sind die großen neucn Friedhöfe, die Verlängerung der Straßen- bahn würde für die Besucher der Friedhöfe ein« große Erleichte- rung sein...„ Am 80. Dezember 1919 tagte eine Versammlung der Anlieger, welche in scharfer Weis« gegen den Gemeindevorstand Stellung nahm. Eine Kommission von 5 Anliegern soll die Weiterbearbei- tung der Wünsche vornehmen. Man will bei den maßgebenden Stellen bis zum Minister vorstellig werden, um die Mißstände ausführlich klarlegen zu können; denn von Herrn Gemeindevorsteher König mir Gemeindevorstimd ist auf kern Entgegenkommen zu rechnen, sie arbeiten nach dem Grundsatz:.Immer langsam voran, daß der Wucherer genügend abschöpfen k a n n."__ Ei» MiNionenschwindler verhaftet. Der 20jähriqe, aus Sauerwitz(Oberschlesien) stammende Kauf. mann Max Steier» Mitinhaber der Fa. E. Sudermann u. Steier, Mittelstr. 38, erschwindelte sich auf gefälschte Duplikat- f r a ch t b r s e f e über VA Million Mark. In leichtsinnigster Weise vergeudet« er da» Geld, indem er Brillantohrringe für 17 500 Mark, Möbeleinrichtungen, Autos, Motorräder. Eßbestecks und dergl. in reicher Auswahl kaufte und teils verschenkte. Nach seiner Flucht macht« er in AutoS gleisen. Dem mit seiner Ermittelung betrauten Detektiv wurden von Freunden Steier» alle möglichen falschen Spuren angegeben, um ihn irrezuführen. Da Steier ursprünglich dieses Schwinbelgeschäst über Hamburg machte, lag die Vermutung nahe, daß er ch wieder nach Hamburg gewandt hätte. Man ermittelte bald, daß Steier sich unter den Decknamen„Oß- wald" und„Werner" dort aufhielt. Ehe er in Hamburg ding- fest gemacht werden konnte, war er als Mat Werner nach Görlitz abgereist. Der sofort telegraphisch verständigten Kriminalpolizei gelang eS dort auch, ihn festzuicehmen und hinter Schloß und Rieg.'l zu bringen. Der Betrüger hat sich mit einem großen Betrage an einer Görlitzer Weinhandlung beteiligt und machte in wenigen Tagen die u n s i n n i g st e n Einkäufe. So bestellte er bei einem Schneidermeister 20 Anzüge, beteiligte sich an einer Vuchdruckerei und kaufte, was ihm in den Weg kam. In wenigen Tagen gelang eS, ganz beträchtliche Werke bis in die Hun- derttausende sicherzustellen. Der Raubmord ao der Kartenlegerin. Zu der gestern mitge- teilten Aufklärung de» Raubmorde» an der Kartenlegerin Dum- m i k in der G i p s st r a ß e wird uns weiter mitgeteilt, daß die verhaftete Mirtäterin, da« 20 Jahre alte Dienstmädchen Irmgard h H e i n r i ch s en, sich auch bei ihrem letzten Verhör noch zu keinem vollen Geständnis bewegen ließ. Alle Angaben, drr d.r-vl-ichuldiglr über den Hergang der Tat macht, lind lückenhaft. So kann man bi? jetzt noch kein klares Bild von dem schweren Verbrechen ge- Winnen. Insbesondere aber nicht darüber, was dem Paar, der Heinrichsen und ihrem Geliebten, Kurt Dobrik. als Beute in die Hände gefallen ist.. Die Heinrichsen will darüber kein« näheren Zlngaben machen können. S,e sagt, sie hätte nur gesehen, daß ihr Geliebter alles erbrochen, durckwllhlt und dann den Raub wahllos in den mitgebrachten Lederkoffer gepackt habe. Tiefen Koffer mit seinem Inhalt habe er gleich darauf in einem Lokal in der Wein- meisterstraße für 200 M. verkaust. Von diesem Gelde habe Dobrik die Zeck�bc-ahlt und ihr dann die Hälkte des Erlö'es, 96 M,, ausgehändigt. Auf dem Stettiner Bahnhof hätten sie sich getrennt, um sich am nächsten Tage wieder zu treffen. An diesem Silvesterabend, den sie gemeinsam feiern wollten, habe sie jedoch vergeblich auf ihren Freund gewartet und seit dieser Zeit ihn auch nicht wieder gesehen. Es ist nicht aukgcsch'ossen, daß dieser da« Mädchen hat sitzen lassen»nd noch am selben Tage aus Berlin verschwand. Jedenfalls wird er mehr erbeutet haben, als das Mädchen angibt. Wahrscheinlich wird er außer Schmuck- und Wertsachen auch noch einen erheblichen Barbetrag gefunden haben. Treptow. Unabhängige Journalistik.„Dem Gerechten müssen alle Tinge zum B e st c n dienen." so folgern die unabhängigen Berichterstatter nur zu oft, und Ivenn die Dinge gar nicht„passen", werden sie eben passend gemacht. So meldete die„Freiheit" vom 23. Dezember 1919 und ibr südöstlicher Ableger vom 24. Dezember 1919, daß der preußische Minister des Innern die Auszahlung einer von der Gemeinde Berlin-Treptow beschlossenen Winterbei» Hilfe für Unbemittelte zu Weihnachten inhibiert habe, nachdem sich ein„Eingesandt" in der„Deutschen Tageszeitung" dagegen ge- wandt habe. Zum Schluß heißt eö:„Charakteristisch ist aber, daß der„sozialdemokratisch'«" Minister Heine sofort reagiert, wenn die konservative„Deutkche Tageszeitung" eine Noiiz bringt, die be- zweckt, die Selb st Verwaltung der Gemeinde auf zu. heben. Bei anderen öffentlichen Anklagen, die sofortiges Ein- greifen der Regierung erfordern, hat man sich bisher immer taub gestellt. Ja, Bauer, da» ist auch etwas andere»." Die Vorgänge, die der Notiz zugrunde liegen, führen nun aber zu einer gerade entgegengesetzten Schlußfolgerung: Die sozialdemokratische Fraktion der Gemeindevertretung Trep- tow hatte im November beantragt, allen Haushaltungen, die in diesem Winter n i ch t den Satz der EriverbSlosenunterstützung mann- licher Personen als Einkommen erreichen, eine einmalige Beihilfe in Höbe von 50—500 Mk. zu gewähren. Die Gemeindevertretung beschloß am 12. Dezember, Sätze von 50— 300 M., in besonderen Fällen unbegrenzt mehr, zu gewähren. Die Maßnahme ist jetzt bereits in der Hauptsache durchgeführt. Am 2. Dezember, also vor dem Beschluß, erschien nun in der „Deutschen Tageszeitung" nickst ein„Eingesandt", sondern der Be- richt über ein« deutschnationale Gemeindevertreter- konferenz, in der der Antrag in vollständig entstellter Form als bereits gefaßter Beschluß hingestellt wurde. Daraufhin hat nicht der Minister, sondern eine Regierungsstelle von der Gemeinde Bericht eingefordert mit dem Hinweis, daß ein solcher Beschluß möglicherweise genehmigungspflichtig fei. Die Anfrage kam auf dem üblichen Dienstwege an die Treptower Gemeindeverwaltung. Diese hat sofort mündlich und schriftlich Bericht gegeben, und der Minister Heine hat, sobald ihm der Fall nunmehr erstmalig vorgetragen wurde, sofort zugunsten des Selbstverwaltungsrechts der Gemeinde entschieden, so daß diese am 24. Dezember bereit? einen schriftlichen Bescheid in Händen hatte und die Auszahlung veranlassen konnte. Ebenso hat der hierftir zustündige KreiSauSschuß am 23. Dezember sofort entschieden, daß dieser Beschluß der Gemeinde nicht genehmigungSpflich- Hg sei. Richtig ist asso, daß nach erfolgter Beanstandung durch einer einzelnen Beamten die zuständigen neuen RegierungS stellen mit außerordentlicher Schnelligkeit zu' gunsten der Gemeinde in jeiner Sacke entschieden beben, di bei der alten Regierung viele Wochen erfordert hätte. Diesen tat sächlichen Vorgang zu berichten, hätte freilich den unabhängige! Berichterstatter nicht zu dem gewollten Schluß geführt. Denn, de. Mann muß aufjeden Fall gehenkt werden.« GewerffchaftsbewWng die volkswirtschaftliche Gefahr öer ver ftcherungsangeftelltenftreiks. In einer Reihe von TageSblöttern wird an Hand von Zähst auf die volkswirtschaftliche Gesahr des drohenden Streiks der Vc sicherungSangestcllten hingewiesen. Aus chieser Erkenntnis he aus entsprang wohl auch eine Anregung des ReichSaufsicht'am! an den Arbeilgeberverdand heranzutreten. Unter dem 29. D zember lehnt« der Avbeitgeberverband jedoch vorläufig ein Eii gehen auf Verhandlungen ab. Trotzdem er in dem Schreiben c das Reichsaufsichtsamt dazu ausführen mußte, daß er in richtig Einschätzung der mit einem allgemeinen Streik der Versicherung angestellten für alle Beteiligten unbedingt verbundenen schwer Nachteile handelt. Das ReichsaufsichtSamt hat auch gesetzliche Möglichkeiten, si zwar nicht in den Konflikt zwischen Angestellteninteressen und dc Interessen der Unternehmer weiter einzumischen, wohl ab die Interessen der Versicherten gegenüber den einzelnen Unie nehmungSlciiungen zu wahren. Angesichts der mitgeteilten E kenntnis des ArbeitgederverbandeS von den schweren Benachteil gungen, di« der Versicherten warten, ist eS unverständlich, wie d< ReichsaufsichtSamt trotzdem am 80. Dezember schriftlich nac stehende Stellungnahme kundgeben konnte: Die Arbeitgeber selbst stehen auf dem Standpunkt, daß e lavgandauervdcr Streik die berechtigten Interessen der Versiche ten in beträchtlichem Maß« in Mitleidenschaft ziehen würde. S haben darüber dem Amt eine Reihe von Vorschlägen gemack aus denen sich ergibt, däß zur Ablehnung eines etwa drohendl VersicherungSnotstandeS eine Reihe»ort Maßnahmen getrofft worden sind, we'che. soweit sich zurzeit übersehen läßt. Schäl gungen der Versicherten hintanhalten könnten. Merkwürdig ist die Doppelzüngigkeit der Angaben d«S Arbei geberverbande» vom 29. und 30. Dezember. Di« Schädigung d Versicherten wird natürlich eintreten. Sie wäre leicht abzuwend. gewesen, wenn der Arbeitgeberverband von seinem unberechtigt' Standpunkt abgegangen wäre, daß er daS Monopol dafür best! zu bestimmen, welche Organisation die Angestellten vertritt. Bekanntlich forder, der Zentralvorhand der Angestellten ledi lich, daß nur solche Bngestellenvertretungen mit verhandeln. I nachweisbar von einem nennenSiverten Teil der Angestellten bear tragt worden sind. Hinter dem ablehnenden Standpunkt de» A beitgcberverbandes verbirgt sich die sehr reale Berechnung, n Hilf« eingereichter Forderungen von Scheinorganisationen dui Herbeiführung dieser zu den Verhandlungen die berechtigten Fori rungen der Angestellten empfindlich hcrabzu drücken. Di« weiter au? allen Orten einleusenden Abstimmung?ergc nisse zeigen ungefähr dasselbe Bild: 80 Prozent Stimm- für den Streik. Da« Gesamiergebni« der Abstimmung wi erst im Lause de» Mittwoch zu überblicken sei». Die»S. S."-Korrespondenz meldet: Aus dem Reich find vn Lause des den: igen DienStagS«ine ganze AnzM von Telegrammen «mS großen mÄ kleineren Städten eingelaufen, in denen die An- gestelltenschsst fast geschlossen für einen Streik sich ausspricht. Die Bersicherungsangestellien in Stuttgart sind bereits in den Streik getreten- Jinosgedeflen bnben die dortigen Banken erklärt, daß sie mit den BersicherungSgesttlschaften gegci'.wärtig nicht mehr arbeiten -ännen. In Leipzig haben sich K» Pruz., in Hannover 83 Proz., in München üv Proz. für den Ausstand erklärt. Aus Dresden und Köln tft nach lasber erngkäauienen Meldungen die Mehrzahl der An- pesiellzen für den Streit. Die Zabl der BerficherungSangesteKte-n in Deutschland befragt rund SOlltA) Personen. Am heuligen Nachmittag wird die Entscheidung darüber fallen, rb der Streik, bereits am Mrttwochmorgen einsetzen, oder ob man sich Alaskäfüchf» 75 xf!"chte Sotfü'jic 90 ict! öicganle Silberfüchse, nfuchse, stobelMaile sowie : anderen Pelaarten in tzer Auswahl tu aller. igllen Eommerpreifcnl acalafchen! Schmucksachen! ihaus! Darschauerffrotze 7. haffftielel. Kerrenrock- Sin. m irtel. Alpakkaschürzc. l» , 13 Jahr, verkauft nach Uhr Diesel«, tSlbena«. tze»*11« f Pelzwaren. enorm billig, ' jedes Stück ein Gelegenheit»- ' kauf. Kreuzfüchle, bildschäne, fesche Berarbcitun». 98 M. 3abelfüchse, bildschSne, fesche Berarbeitung, 98 Mk. Masla- stichfe. feibengläntend. 68 M. ! Blaufüchse, imitiert. 38 M. . 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