Ur. 13. 37. Ia�rg« Bezugspreis: 13�0 äRl_ monaL. tau ilt rnsi ins Bens, oarors-ahlS«.•San« bejug: Monatlich 4,50 Mi. ej'L gi;* ftillunzogebühr. OtKetRtcuibctub tüc �cuischland ttni Cefietriidj-Unjeiii 7,?5 Mi. für Dos übrige KuoUtoü 12.— M!., bei täalich emmaLRnft-Iung JO,— Mi.+ Talnta-Ausschiag.?oi:- nesteLungo» nehmt» au Sdnsunr!. SsllanS, Luxemburg. Schrrediu und üie Schweix. Eingetragen in die Post- iieitungs-Preisliste. er»Ponsatts� mit der Sonntags- beileg»„Poll n. Seif ericheint wochrn- logiKt) sweimoL Sonntags einntuL Telegramm-stldresti „Sojialdcroe'enl Serif»- Morgen-Ausgabe Berliner Volksblatt (" 20 Pfennig� AuzeigeupreiS: Sie achtgeipalten» Nonparrillezeiie ivitetZ.— M.,Teiltrunt!szuschIag HUVr.» �«leine«»zeige«-, das frti- gedruckte Watt 75 Pfg.(zuMlsig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort S0 Pfg. Stelleggefuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 05 Pfg. ledes weiter» Wort 4« Pfz. Worte über 15 Buchstaben ziihle» für zwei Worte. Teuerungszufchlag Si>>> Familie»-Anzeige», nvlttifche und gewertfchaftliche Berrins- Anreigei, 2.~ Mi. die Seile ohne Aufschlag. Anzeigen für die» d ch st e Rümmer tniisten bis S»hr nachmittags im Z>auptg«schäft. Berlin GW W. Linden- ftraße Z. abgegeben werde», cheblsnet van 9 Uhr früh bw 5 Uhr abends. �entralorgan der roziatckmokratifcben Partei Deutfchlands ReÜakrioa und Expedition: 63).£8, Lindenstr. 3. sttrniiuerfier: Am» Morl»»!««, Str.»Slttp— l�lL7. Donnerstag, den 8. Januar vorwärts-verlag G.m.b. H., SA). öS. Linöenstr. Z. Fernsprecher: Am» Morttzplnit. Str. 117 53—31. Gefahren. Ein Slitz aus heiterem Himmel. I->» ■/ y y.»itrtfifniicit IRfhHfrtt prttarte ft i» r(K ♦ r f t« tr Erst in späterer Zeit ivird eS offenbar iverden, unter welchen enormen Schwierigkeiten der Wiederaufbau der deutschen Textilwirtschaft erfolgt ist. Es machen sich heute noch die meisten Menschen keine rechte Bor- stellung von der zähen Energie, die jetzt notwendig ist, um zu verhindern, daß man angesichts der immer erneut auftretenden Widerstände nicht einfach die Sache hinwirft und sagt: Na. wenn unser guter Wille so schlecht gelohnt wird, dann macht doch ihr in der Regierung, was ihr wollt; nehmt aber auch dann die Folgen auf euch, wenn es unsere»! Bemühen im- möglich gemacht wird, eine neue Wirtschaft aufzurichten. Nun ist ja richtig, daß jede Regierung tut, was sie nur irgend kann, um der daruicderlicgenden Industrie auf did Beine zu helfen. Aber es werden doch mitunter Häuslingen unteruammen, die erkennen lassen, datz vorher der nötige Weitbli,. gefehlt hat. Eine solche Handlung ist das jetzt er- lasjene Ausfuhrverbot für Textilwaren. AlS cs herauskam, herauskam ohue jede Motivierung, da nahmen viele an. eS fei srfoljjt, um der zu billigen Abstoßung von Waren ins Ausland vor- zubeugen; eS solle also nur mehr eine Art Kontroll- innrichtulig für die Anpassung der Ausfuhrpreise au den Walt- Marktpreis sein. In diesem Sinne gehandhabt, konnte man die Verordnung vom W. Dezember, veröffentlicht im Reichs- anzetger vom 24. Dezember 1919. verstehen. Aber wie man jetzt erfährt, ist diese Verordnung zu eineiil ganz anderen Zwecke, nämlich zu dem Zwecke erlassen worden, die Textilwaren für den Inlandsbedarf zurück zu behalten. Dieser Zweck ist sehr löblich, schade nur. daß er zehn Monate zu spät kommt. Am 1. März 1919 mußte er vom Reichswirtschastömini- sterium durch eine ähnliche Verordnung zu erreichen versucht werden. Damals ging die Textilrohstossverwaltung aus den Händen der Kriegswirtschaft über in die Hände der Organi- sationcn für den Uebergang aus der Kriegs» in die Friedens- Wirtschaft. Und damals waren immerhin noch beachtenswerte Bestände an Rohstoffen aus der Zeit der Kriegswirtschaft vorhanden; Rohstoffe zu verhältnismäßig billigen Preisen. Ein Ausfuhrverbot für Textilwaren zu damaliger Zeit bätte bewirkt, daß erstens einmal preiswerte Erzeugnisse der Industrie für den Bedarf der einheimischen Bevölkerung gesichert werden konnten. und daß zweitens die Textilindustrie in ihrer Rohstoff- und BerkaufSwirtschast keine Störung er- fahren hätte. Denn im Marz vorigen Jahres war die ganze Industrie noch auf die im Lande befindlichen Rohstoffe ange- wiesen und die daraus hergestellten Erzeugniffe konnten, eventuell unlcr Zuhilfenahme einer Verordnung für Höchst- preise, zu verhältnismäßig niedrigerem Preise zur Vor- fügung der ciuheimischen Bevölkerung gehalten ivcrden. Aber damals machte man das Gegenteil. Damals fördert« man die Ausfuhr von Textilwaren aus den Beständen, die wir über den. Krieg hinüber gerettet haben, um unsere Valuta zu bessern. ES soll hier wegen jener Handlung den anordnenden Stellen kein Vorwurf gemacht werden. Lrein Mensch konnte wissen, daß die Ratifizierung des Friedens so lange auf sich »uarten lasten würde. Man nahm damals an. daß der Friede in kurzer Zeit zustande kommen wurde, imd daß es nur gelte, mit den vorhandenen Wirtschaftsmitteln über die Zeit de? Kriegszustandes hinweg zu kommen. Darin hat man sich geirrt, und das soll, wie gesagt, keinem Menschen zum Vor- wuri gemacht werden. Aber was nicht gebilligt werden kann, das ist, daß jetzt plötzlich, wie der Dieb in der Nacht, eine Regierungsverord- nung in das Gehege der Textilwirifchaft einbricht, die be- ftlmult, daß jede Ausfuhr von Textilwaren verboten ist. Solche Üeberfälle hält keine Industrie ans. Aua, nicht in normalen Zeiten, viel»oemger in Zciieit, wo einzelne Unternehmer oder Unternehmergruppen lastend versuchen, durch AuslandLkrediie wieder Boden unter die Füß- zu be- kommen. Heute sind doch die Bestände an Rohstoff aus der ..U s u ch t. DaS peiZt. ste hat Fühlung markt genommen, über die Möglichkeiten und Voraussetzungen der Rohstoffeiufuhr. Und� nachdem sie dieses wirtschaftliche Gelände ertunUt hatte, hat sie sich bemüht, fich die-der- langten Voraussetzungen für die Rohstoffeiufuhr zu vre- schaffen. Alle diese Voraussetzungen basieren auf der AuS- fuhr der cuS den Rohllosstm erzeugten Fabrikate. ES galt daher, kapitalkrajitge Exporteure zu suchen, die bereit waren, die nötigen Vorschusj« m der geforderten auS- Tea.'»gkischen Blättern zufolge erklärte Churchill in seiner grohen, in Snnderland gehaltenen Rede weiter: Ein Verband zwischen de,» russischen Bolschewismus nnd dem tür- tischen MohammkdaniSmnS sei für k:inen Staat in der Welt gefährlicher, als für den grSßteu aller mohammedanische» Staaten, das britische Reich. Tie deutsche Regierung sei Ulizcheifrlhgkt eine dem»- kratische; sie stehe bei der Wiederherstellung der Ordnung» bei der Beschaffung von Arbeit«od Lebensmitteln für das arbeitende Lolk und bei der Wirderinbetrirbsebung der Hnuptinonstrien soft über- (uciischüchen Busgaben gegenüber. Sie werde von zwei verschk- denen Feinden bedroht, die zugleich auch Englands Feinde seien: auf der einen Seite von der militärischen Gegenrevolution, auf der anderen Seite von den Bolschewisten. Den Mitteilungen der zahlreichen, iju Auftrage des ftriegeomtes in Deutschland befindliche» britische» Offiziere zufolge sei'.'s sogar möglich, daß eine Kombination zwischen den„Saisemiliiaristen" und de» Bolschewisten zustandekommcn»verde, um die deutsche Republik zu zrr- stören. Die Ablösung der jetzigen deutscheu Republik durch eine militärische R e a l 1 i o« oder eine bolschrwistische An- archie würde sowohl de» britischen als auch den französischen Interessen»achteilig sein und eine Katastrophe für die gesamte Welt bedeuten. „Times" meldet aus Delhi: Auf dem indische» Ratio- nalkongreß griffen pcrschiodeue Reduer den Vizekönig an. Zu ihren Reben trat U u» u s r i e d e« h r i t mit der Regierung und unverminderter Rassenhatz zutage. Die Lifte üer fluszuliefernöen. „Petit Pansieu" berichtet, daß gestern die interalliierte Kommissio«, die mit der Regelung des Rechtsstandes der Auslieferung von gemeiner Verbrechen angeklagte« Deutscheu betraut ist, unter dem Borfitz vou UnterstaatSsekrerär Agnace zusammeugetrete« ist. Diese Kommisfiou hat sich vojr» nehmlich mit der B e r t e i l u« g der verschiedene» Angeklagte» auf die M i l i t ä r g e r i ch t e der verschiedenen Staaten zu befaffen. Die Liste» der auszuliefernden Personen sind fertiggestellt.____ Lsnms§rieöensangebot. „We» Kork American" veröffentlicht de« Wortlaut des letzten Friedcuseogebote» Lenins an die Alliierten, daS mit folgender Drohung schließt: Die Sowjetregierung hofft, daß sie u,cht gc- nöt gt sein wird, sich mit diese« Angebot(mit den notwendige» Aenderailgen) an die Mittelmächte zu wende». Der englische Oberst Talleut ist von Reval nach London abge. reist.„Berlingc le Tidende" behauptet, daß diese Reise im Zusammen- hang mit dem Friedensangebot stehe. lieber die beßarabische Frage ist es zwischen England und Rumänien zn Differenzen gekoiymen, mit denen auch die Plötz. lich« Abreise des rnnwaischeu Ministetpräsidenten nach Paris in Ber. bindunz gebracht wird. Beßarabien wurde nicht Rumänien zuerkannt, nnd zwar angeblich aus dem Grunde, weil der Verband fürchte, Ru- wänien sei nicht in der Lage, den Bolschewismus genügenden Widerstand zu leisten, andererseits wolle er anscheinend die Boliche- misten nicht vor den Kops stoßen. Besonders England soll die Haupt- triebseder für letzteres Argument fein, um fich den Weg für eine Ber» stän diguog mit Sowjetrnßland nicht abzuschneiden. Die Hauptmasse der Bevölkerung find Ukrainer und Juden. Als» wird eS wohl--- zu Pole« zu schlagen sein. Oder zur Tschecho- slowakoi! AuS Moskau wird drahtlos gemeldet, daß nach Berichten aus Odrsia Sslt schal zurückgetretr» ist. ländischen Währung zu beschaffen, damit die ersten Rohstoffe hereingenommen werden konnten. Nachdem dieses Atrang-.'nieni getroffen war. die Exporteure die ersten Muster- kollcktionen in der Hand hatten, gingen sie zum ersten Male wieder hinaus in die ihnen offenstehenden Gebiele, die sie vor dem Kriege mit deutschen Waren versorgt hatten. Sie wurden, wie uns berichtet wird, mit großer Freude empfangen. Endlich, so sagte man, bekommen wir wieder die guten deutschen Qualitäten. Manche Ziveifel über die Liefe- rnngsmSglichkett sttogen wohl noch auf, weil man auch iul neutralen Auslande wußte, daß nnS die Rohstoffversorgung schwer werden würde. Aber diese Zweifel wurden zerstört."Den Leuten im Auslands wurde gesogt, die Rohstoffversorgung der deutschen Textilindustrie, bzw. der- jenigen Teile derselben, die als Warenlieferanten für euch in Frage kommen, ist gesichert, wenn»vir die ausländischen Zahlungsmittel aufbringen. Wir, die Exporteure, haben die e r st e n Vorschüsse geleistet; jetzt liegt cs an euch, weitere zu leisten. Gefällt euch die Ware, dann wollen wir cm Arrangement treffen, wie wir den regelmäßigen Bezug von Roh- stoff bzw. Fcrtigfabrikat ermöglichen können. Und die Ware gesielt Sie war zwar teuer, da auf den ersten Käufen die ganze Last der Valutadifferenz lag. so daß Konjunkturgewinne gar nicht in Betracht kamen. Aber die Ware gefiel. Sie war besser als die englische und franzö- fische, und man wurde einig. Der ausländische Käufer leistete auch eine Vorausbezahlung in der Währung seines Landes, die dem Einführer des Rodstoffes zufloß, der damit in die Lage kam. der Industrie im Rahmen seiner Wirtschaft' lichcn Kraft Rohstoffe zu Bedingungen, zuzuführen, die eine Konkurrenzfähigkeit verbürgten. Der Kaufmann war stolz darauf, nach fünf Jahren Unterbrechung feststellen zu können. daß die ausländische Konkurrenz in dieser langen Zeit nicht vermocht hatte, die Er- innerung an die Qualitätsware der deutschen Textilindustrie zu verdrängen, nnd alles, Einführender. Spinner. Weber und Exporten:, atmete auf: Endlich Land in Sicht! Endlich ficht, unsere Textilwirtschaft wieder aufrichten zu können! Eine einzige Hamburger Grossistenfirma hat in den letzten Monaten für zirka 69 Millionen Mark Textilwaren, in Tausenden von Artikeln, ins Ausland verkauft. Da kommt, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, am Weihnachtsabend die böse Bescherung der V e r o r d- nung, welche die Ausfuhr von Textilwaren verbietet. Nun stelle man sich einmal vor, welch' verheerende Wirkung diese Verordnung.für unsere Textilindustrie und jiir unser ganzes Wirtschaftsleben haben muß. Insbesondere, wenn nun bekannt wird, daß das Verbot zum Zwecke hat. Textilwaren für den Bedarf im Lande zurück zu halten. Alle Kaufleute im Auslande, welche Kredite gegeben haben, sagen doch sofort: da seht ihr die Hinter hältigkcit der Deutschen. Sie kommen heraus, schwindeln unS vor. Waren zu liefern, wenn wir ihnen Vor schüssc zum Rohstoffbezug geben, und dann, wenn sie das Geld haben, schnüren sie den Sack zu und sagen, daS, lvaS wir mit eurem Gelds eingekauft haben, behalten wir nun für und. Wie steht nun der deutsche Kaufmaun da, der im Vertrauen auf stabile Verhältnisse hinausging und feine früheren Kunden wieder an der deutschen Textilindustiie interessierte? Der Erfolg unendlicher Mühen wird mit einem einzigen Schlage in eine Katastrophe für die Textilindustrie umge- wandelt, ivcnnnicht sofort eineNachvorordnung zu der Verordnung vom 23. Dezember I9l9 erfolgt, die besagt, daß alle Waren, die bis zum Erlaß der Verordnung inS Ausl a n d verkauft iv a r e n und aus vom Auslände eingeführten Rohstoffen be' stehen, ohne Beanstandung ausgeführt werden können. Man mag ste den erforderlichen Kontrollprozeß durch- machen lassen. Aber, wenn es sich erweist, daß die Ware v o r dem 24. Dezember 1919, dem Tage der Bekanntmachung der Verordnung, bereits b e st e l l t war, und aus neuerdings ei::- geführten Rohstoffen besteht, so muß ste zur Ausfuhr frei gegeben werden, um das Vertrauen im Auslande nicht zu zerstören. Diese Nachverordnuug muß sofort berauskommcn, sonst sind die ungünstigen Wirkungen für die Industrie und die ganze Bekleidungswirtschaft katastrophal. Denn führen wir die in Auftrag genommenen Aufträge nicht aus, so stockt der Zufluß ausländischer Zahlungsmittel und damit auch die weitere Versorgung der Textilindustrie mit Roh- stoffeu. Das hat dann zur Folge nicht nur Arbeitslosigkeit, fondern Mangel an Bekleidung unter weit un- günstigeren Verhältnissen als heute. Heute muß gelten: Der Industrie muß durch günstige Rohstoffbeschaffung Boden unter die Füße geschafft werden. DaS kann nur geschehen durch Organisierung der Rohstoffetnfuhr auf der Basis der Devisen- bcschaffung durch die Warenausfuhr. Und je mehr wir uns auf diese Weife ausländische Währung vor- schaffen, je mehr kommen wir in die Lage, von den Waren. die wir aus den Rohstoffen machen, immer größere Posten abzuzweigen� für den inneren Verbrauch. Wenn wir ab« das eben gewonnene Vertrauen im Auslande zerstören, dann zerschlagen wir die Grundlage, oluf welcher die Textilindustrie eine neue Wirtschaft zur Versorgung unseres Volke-, mir Bekleidilngs gegenständen aufbauen will. H. Krätzig. Die Eisenbahner'Sewegung. Die Ei sr n l> ah n b e a m t e n s ch a ft ist von einer Unruhe erfaßt, die eS bringend notwendig macht, die am Donnerstag be- ginnnenden Verhandlungen über ihre Fordcrungcu mit der aller- größten Beschleunigung durchzuführen, wenn vermieden wer- den soll, daß impulsive Trileinstellungcn des Betriebes durch die Be- amten erfolgen. Die Berhandlunge» mit den Arbeitern schreiten vorwärts, und namentlich die schlechter bezahlten Gruppen der Be- amtenschaft fühlen sich dadurch im Nachteil, baß ihre Forderungen nicht mit der gleichen Beschleunigung zn einem befriedigenden Ausgleich betrieben werden. Uns geht folgende Mitteilung zuu Um wilden Streils der Eisenbahnbeamten und deren An- Wärtern auch im Bezirk Berlin vorzubeugen, hat sich der Bundes- bezirk Berlin des Gewerkschaftsbundes der Deutschen Eisenbahn- beamten gezwungen gesehen, nachstehendes dringendes Telegramm an den Gewerkschaft sbund Deutscher Eisenbabn b? amte n z>i richten: Erhöhung der Teuerungszulage um ISO Proz. seitens deS Deutschen Beamtenbundes noch nicht erwirkt. Unruhe greift stärker um sich. Wilde Streits drohen. Versorgung der Gros;- �tadt gefährdet. Stellt Deutschem Beamtcn'bund Ultimatum bis 10. 1., sonst selbst vorgehen. Termin innehatten, sonst Führung nicht niehr verantworLich. Gewerkschastsbund Deutscher EisenbabnbZaniten. Bchir? Berlin. Wir wissen, daß dieses Telegramm von der Besorgnis diktiert ist, daß wilde Streiks entstehen könnten. Die Eiseubahnve- amte» wollen aber, daß die Regulierung ihrer Einkommensvcr- hältuijs« in vollster Ordnung und ohne jede Betriebs- e i n st e l l u n g vor sich geht. Wir sind wohl nicht allein mit der Empfindung, daß die ge- währte Teuerungszulage in �öhe von 50 Proz. des Friedensgehalts namentlich für die nntcren Klaffen nicht ausreichend ist. Die Verteuerung der Lebenshaltung ist so stark geworden, daß da- mit ein gerechter Ausgleich nicht bewirkt werden kann. Ob die For- dcrgng der Eisenbahner um eine IbOprozentige Teuerungszulage i m allgemeinen erfüllt werden kann, scheint zwei, f r l h a f t. Wenn jedoch die Verhandlungen mit aller Ruhe und beiderseitigen» Entgegenkommen geführt werden, zweifeln wir nicht, bi-ß es möglich sein wird, den Eisenbahnbcamten ein Einkommen zu verschaffen, das ihren Bedürfnissen angepaßt ist. Man darf darauf rechnen, daß die Beamten, die bisher treu und selbstlos ihre» Dienst versehen haben, die allgemeine BerarmungSlage Deutschlands bei der Festsetzung ihrer künftigen Grbührnisse in Rechnung stellen werden. Sic sind auch, wie sie es bisher bewiesen haben, menschlich genug empfindsam, um die schwere» Qkfah. reu zu erkennen, die namentlich der Bevölkerung der größeren Städte durch die Verkthrsunterbindnng erwachsen uiüsseu. Diese gute und nüchterne Gesinnung muß bei de» Ber- Handlungen im Bordergrund stehen, damit ein Resultat erzielt wird, 'das da? Fortleben des gleichen Geistes in der Be- amtenschaft gesichert ist. Wir richten deswegen an die amtlichen Stellen nochmals das dringende Ersuchen, mit aller erlsenkliche» Beschleuni- g u n g die Verhandlungen zu führen und die Beamtenschaft fordern wir auf, ruhig und leidenschaftslos bis zum endgültige» Abschluß die Nerven in der Gewalt zu halte». Am Mittwoch nachmittag fand eine gründliche Aussprache zwischen Vertretern deS Deutschen Eisenbahnerverbandes, des Allgemeinen Eisenbahnerverbandes und der Gewerkschaft deutscher Eisen- bahuer einerseits und Mitgliedern der MehrheitSparteirn der preußische» Landesversammlung und der Staatsregierung audcrefeits über den gesamten Komplex der L o h n fra g e der Eisenbahner statt. Naturgemäß konnte es sich nur um eine orientierende und unverbindliche Unterredung handeln. DaS Staatsministerium selbst wird sich in einer seiner näkchsten Sitzungen mit der vom Deutsche» Eisenbaliaerverband iu , der gleichen Angelegenheit eingereichten Eingabe befassen. De? Eisenbahnerftreit im Wösten. Aus Bochum wirb uns gedrahtet: Die Eisenbahner der Sta- tionen Witte und Langendreer sind am Mittwoch wegen Lohnforderungen in de» Streik getreten; es haben sich die Arbditer der Hauptwerkstättcn angeschlossen. Rund 5000 Arbeiter und Be- amte kommen in Frage. In der Versammlung wurde ausdrüiklich betont, daß es sich um eine» rein gewerkschaftlichen Lohnstreik handle. Man beschloß, daß auf den Bahnhoscn je eine Lokomotive zum Transport der Lebensmittel in Dienst bleiben solle. In Langendreer fand am Dienstagabend eine stark besucht? Eisenbahnervrrsammlung statt, in der mit 480 gegen 12 Stimmen der Streik beschlossen wurde. Ein Antrag eines dort anwesende» Ncgierungsrats aus Tortmund, de» Streikbeschluß nicht sofort zu fassen, sondern zuerst die Tarifverhandlungcn a b z u- warten, fand keine» Anklang. Eine zweite Versammlung am Mittwoch ttat dem Streikbeschluß bei. Daran schloß sich eine große Demonstration der Streikenden, die einen ruhigen Verlaus nahm. Aus Frankfurt«. M. wird«nS gedrahtet: Die Frankfurter Eisenbahnrrorganisationen, die sich sonst stets bekämpften, habe» Frieden geschlossen und wenden sich mit einem gemeinsamen Auf- ruf an die Bevölkerung, in dem sie die ganze Bewegung als einen Existenzkampf aller Eisenbahner bezeichnen, der durch die Kurzsichtigkeit und Vrrschleppungspolitik der Regierung heraufbeschworen wurde. Den Eisenbahnern seien seit Dezember 1918 keinerlei Lohnerhöhungen gewöhn worden, die Regierung drohe jetzt noch, statt die erbetene Hilfe z» gewähren, und sie treffe mili- tä tische Maßnehmen. Alle Parteien werden um Unterstützung bei der Regierung gebeten. Wenn jetzt den Eisenbahnern ein aus- reichendes Existenzminimum nicht gesichert werde und dadurch d?r Z u s a m m e u b r u ch des ganzen Wirtschaftslebens erfolge, dann treffe die Beamten und Arbeiter keine Schuld.„Ihr habt es fo gewollt!" schließt der von allen Organisationen unter- zeichnete Aufruf. Die Lage in den Werkstätten ist unverändert. Trotz aller Bitten der Beamten und der Arbeiter hat das Polizei- Präsidium die militärische» Maßnahmen zum Schutz des Dircktiansgcbändes noch nicht aufgehoben. (Wir können dies begreifen, da bekanntlich vor nicht allzu langer Zeit der Eisenbahnprüstdrnt von Demonstranten schändlich gB, demütigt wurde. Solange die Wache nichts anderes tut, als das Ge- bände s-hühcn» kann man ihr Borhandcnsein nicht als Heransfordr- rung ansehen. Red.) « Drei vou der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner, Sitz Elber« fcld, einberufene große Bersammlunge« iu Köln, Aachen und Düren nahmen zu den schwebenden GehaltS- nnd TeuernngS- fragea Stellung. In einer Entschließung wird anstatt der Gewährung einer gleichmäßigen Teuerungszulage von 150 Proz. aus sozialen Rücksichten folgende Abstufung gesordert: 175 Proz. TeuerungSznschlag für die unteren Einkommen, 150 Pro;, für die mittleren und 100 Proz. für die höheren Einkommen. Außerdem wird die sofortige Inangriffnahme der neuen Lohn- nnd Grhaltö« rrform verlangt. O Die.Freiheil" dringt in ihrer Nr. 3 vom 5. Janrmr unter der Ucberschrist:«Eine Drohung an die Eisenbahner" die Nachricht, daß der Re-ichSardeitSminister an die Eisenbahndirektion in Frank- fnrt ein Telegramm gerichtet hat, in dem die Arbeiter der Frank- furter Hauptwerkstätten aufgefordert worden seien, die passive Re- sistenz bis zum 5. Januar einzustellen, widrigenfalls die Hanpt- werkstätte wegen U nw. rtfchaf tli chkeir geschlos» sen werden wird. Die Mitteilung ist Insofern myntreffend, als dos erwähnte Telegramm nicht vom ReichSarbeitSminister Schlicke abgesandt worden ist. Absender ist vielmehr der der Eisenbahn. divektion Frankfurt vorgesetzte preußische Minister der öffentlichen Arbeiten, dessen Telegrammadresse„ArbeitZminister* lautet. Selbstverständlich steht aber auch das ReichZarbeitSministerium auf dem Standpunkt, daß unwirrschastlich arbeitende Staatsbetriebe im Interesse der öffentlichen Finanzlage nicht auf die Dauer aufrechterhalten werden können. Eine Veranlassung, in die Tarifvorhandlungen der Eisenbahner vermittelnd einzugreifen, lag für das ReichSarbeitSministerimn trotz des Ersuchens des Allgemeinen Eisenbahnerverbandes bisher nicht vor, weil die schwebenden Tarifverhandlamgen. an denen das ReichSarbeitSminifterium teil nimmt, einen befriedigenden Verlauf nehmen und auch die übrigen Eisenbahnerverbände einen solchen Eingriff zurzeit nicht für erforderlich halten. Gegen öie Amnestie. Die Nachricht, daß den baltischen Meuterern und Deserteuren Amnestie im vollen Umfang zugesichert worden ist, hat in großen Kreisen der Bevölkern;.; verstimmend gewirkt. Selbst der ganz alldeutsche.,N a t i o- nalverband deutscher Offiziere" erhebt in einer Eingabe slammenden Protest dagegen, daß die Strafen für Fahnenflucht niedergeschlagen werden. Der„Nationalve- band deutscher Offiziere" erklärt, daß seinen Mitgliedern ob:' chrliebenden Soldaten ,ch a s Blut in Wallung gerät.. wenn sie an jene Verbrecher denken". Sentimentalität dürfe nicht gelten. Wörtlich sagt die Eingabe: Bezügliche Am-nestieerlasse, Verfügungen, Begründung mit Festste llungSschwierigkeitcn usw. erkennen wir nicht an. nach unseren Ehrbegriffen unmögliche Behandlung der Nngr- legenhett enthält auch eine schwere Beleidigung des gesamten Soldatcnstandcs und des RechtSgefiMs des nationalen Teils des deutschen Voltes. Gegen die Behandlung der Angelegenheit er- heben wir daher ernstlichen Einspruch und wir forde:.: von der Regierung eingehende Revision. Wir. die wir n:;f völlischer und im besonderen auf Soldatenehre halten, vre spreche» den Vaterlandsverräter« unsere tiefste Verachtung an:, sie müssen dauernd mit allen zu Gebote stehenden Mitteln t.e- brandmarkt werden, wenn dir Sühne ausbleilst. Die Regierung aber möge unsere Ausführungen mit dem erforderlicbeu Ernst würdigen und dem Nationalempfinden, das sie zu stärl u heilig verpflichtet ist, aus das weitestgehende Rechnung trae.. „Nichtswürdig ist die Nation, die iricht ihr Alles setzt an il-r: Ehre!" Was aber kann deutsche Ehre mehr beflecken als eine Begünstigung von Landesverrätern? So ist es recht! So muß den Baltikummeuterern entgegengetreten werden!--- Aber wir bitten um Wer- gebung. wir haben uns nämlich geirrt. Die kraftvolle:'. Worte des„NationalverbandeS deutscher Offiziere" richten sich nicht gegen die Begnadigung der Baltikummeuterer, son- dem dagegen, daß die Regierimg die Leute begnadigten will, die nach dem 9. November 1918 in der allgemeinen Auflösung des Heeres dieses verlassen haben, ohne ordnungsmäßig em- lassen zu sein. Wenn der..Nationalverband deutscher Ossi- ziere" aber schon gegen diese Begnadigung so heftige Worte findet, so wird ohne weiteres angsnoimnen toerden, daß feine Worte doppeltund dreifach gelten gegen die Begnabi- gung der Soldateska, die sich im Baltikum frech gegen die Regierung aufgelehnt hat. nnd ganz speziell gegen die Be- gnadigung der Deserteure vom D e tg ch e m e« t Roß- dach, die entgegen ausdrücklichem Befehl ihren Posten der- lassen haben und sich nach dem Baltikum begeben haben, von wo aus sie noch öffentlich einen höhnischen AbscksiedSgruß an die Rogierung richteten. Die Eingabe des„Nationalver- bau des" wirft an einer Stelle auch der Negierung Schwäch- lichkeit vor. Die Regierung sollte diesen Vorwurf von den Deutschnationalen nicht hinnehmen und mit der größten Energie gegen die baltischen Men. tcrcr vor- gehen. Der Betriebsrat als Wärmefpenöer. Die SiemenS-Werke sind wegen Kohlenmangel stillgelegt worden. Räch Erklärung des Kohleukommisiar» find 7S mit Kohlen beladen« Tranöportkähne im Eise stecken geblieben. Die.Rote Fahne" schreibt dazu: Der Schluß au» diesen harten Tatsachen ist zwingend: Kampf um die Kontrolle der Produktion unseres Verkehrs durch die Arbeiter, Angestellte, untere und mittlere Beamte gemeinsam. Kampf um revolutionäre Betriebsräte. Sehr gut! Der revolutionäre Betriebsrat würde naturlich mit seiner revolutionären Glut sofort das Eis mn die 75 Kähne au«'- tauen. Im Ernste gesprochen: Die Kohlenvertejlung geschieht heute bereits in Deutschland nach sozialistischen Grundsätzen durch eine Reichszentrale. Daß dabei auch Fehler vorkomme», soll nicht ge- leugnet werden. Aber würde eS eine Rätewirtschast wobl besser machen? Die russischen Erfahrungen sprechen nicht dafür! Ein Wieöeefchen. Von Fritz Karstadt. Ein Heller Wmtervormittag trieb voller Lust lächelnd daS Leven auf den Markt, der wie ein leuchtender Keil allwöchentlich in die Enge der grauen Stadt gelrieben wurde. Die Farben aller Winterblüten knallten auseinander, da« Grün sang dazwischen und die Vogelbeeren aller Chausieen weit draußeu waren zm riesigen Sträußen vereint, die in zinnober und grellorang« alles über- tönten. Hundert fleißige Pferde hatten die Herrlichkeiten der unernüid- same» braune» Erde, die irgendwo nie in ihrer Arbeit nachließ, zusammengeschleppt, in kleinen Wagen, schwer von Kohl und präch- tigen Früchten. Diese Pferde säumten jetzt den bunten Fleck mit ihrer Wagenburg ein. Sie waren nicht mehr müde und nicht mehr hungrig, denn einige Stunden standen sie schon auf dem Fleck. Nun sahen sie sich um und freuten sich der seltenen Sonne, schüttelten die Mähnen, scharrten ein bißchen mit den Füßen und schlössen miteinander die vorsichtige Bekanntschast, die nur die Großstadl- pferde kennen. Ja, es lag viel Hoffnung auf diesem Marktbild, trotz deS WinterS; eine Hoffnung, die irgendwie von innen heran» ent- standen war, viel Gewesenes abgeschüttelt hatte und nun sich ganz selbst zu vertrauen schien. Während man mir das Büschel der roten Beeren reichte, daS ich nach Haufe bringen wollte, schob sich schnobend und vorsichtig ein schwarzes Pferdemaul in die Dolden der roten Früchte, ver- harrte einen Augenblick, um zu erproben, ob sich irgend ein Verbot ereignenwürde, hob longsam dieOberlippe und klemmte sich daS nächste Büschel herzhaft zwischen die Zähne. Jetzt sah ich ans und bemerkte als zweites einen weißen unregelmäßigen Quer streifen auf der Unter- lippe— einen weißen Streifen, den ich in seiner sonderbaren Zeich- nung so gut kannte. Dieser»oeiße Streifen, der nur Esau gehören könlits. Esau. dem treuen Tier— in zwei KricgSjahren. Hilf. Himmel, hätte ich dich gefunden, mein Pferd? Da bist du braun wie ehemals, mit der schwarzen Mähne und den grauen Haaren im Schwaüz. mit den weißen Fesseln und den strammen, ach, nicht so sehr schlanken Beinen. Du bist es, wie ich dich kannte, nicht dicker und nicht magerer geworden, deine Augen sind wohl ein bißchen müder, aber sonst stehst du da. rund und nett, wie ich dich zum ersten Male sah, als man euch bei jenem Dorf bei la Bassee unter dem Schutze spärlicher Obstbäume bei strömendem Regen den neuen Besitzern zuteilte. Ach, mein gutes Pferd, was haben wir erlebt ckeitdem? Jetzt hast du wohl einen Stall und wenn e« auch ein dunkler Stall ist, so ist«r sicher und wann und du denkst vielleicht daran, wie selten man dir damals ein Dach geben konsile. Und ein Stall, er war immer dein Entzücken. Wie singst du freudig an zu trampeln, wenn solch ein Quartier dir irgendwie sichtbar ward, wenn der warme Dust aus solch einem. finsteren Loch hervorschlug nnd es dir zur Gewißheit ward, daß du dich nachts hinlegen konntest. Denn da? tatest du so riesig gern. mein gute? Pferd, dich lang ausstrecken und dm anderen dm Platz wegnehmen. Aber es war ein wenig Phlegma in deiner Ratur, das dich denn auch instandsetzte, alle? Böse geduldig hinzunehmen. Wie gut war dieses Phlegma, mein Tier, wenn sie uns irgend eine niedliche Aufgabe aufhalsten und eS galt, durch brenzliche Strecken gut hindnrchzukommeu. Entsinnst du dich des Eisenbahndammes vor der Höhe von Bimh. wo du in einer kleinen Höhlung mit dem Kopf halb draußen standest, als einzige» Pferd dich nicht los- gerissen hattest und dir die Erde aus der Mähne schütteltest, mit der die explodierenden Granaten dich fürchterlich bewarfen? Kein Krachen erschreckte dich mehr: mit einer Wurstigkeit sonder- gleichen sahst du dir das schreckliche Theater an und weil du allein zurückgeblieben warst, schickten sie unS dann durch diese Hölle mit einein Befehl zurück. Ach. mein gutes Pferd, ich mußte mich auf dich verlassen, es ist mir unergründlich, wie du den Weg fandest; wie du zwischen den aufgerissenen Löcher», voll schreiender Menschen. Qualm, Funken und Getöse, durch stinkende GaSzonen nachrs den Weg zur Chaussee fandest. Art welcher Ruhe du deine» Trab fort- setztest, der niemals zum Galopp wurde. Denn daS machte dich nervös. Du laviertest um Ecken gewesener Häuser herum, zwischen Fabrikschomsteinen und Eisengerüsten, aber eS war richtig. Dann auf der Chaussee hieltest du und ich weiß, daß eS eine Chaussee mii niedrigen Bäumen war. voller roter Bogetbceren, wie du sie auch noch jetzt gern hast. Sie strichen deine Mähne von oben herab und du ruhtest nicht eher, bis du das Maul tüchtig voll hattest. Und ob uns auch eine neue Granu« fast umzeschmissen hätte, fraßest du sie geduldig auf bevor du in deinen glücklichen Trab verfielst. Dein phlegmatischer Heroismus, mein liebes Pferd, ivar un- nütz, wie so viele Heroismen unnütz waren. Es hatte auch für uns das Gute, daß wir die Wintersonne von heute noch erleben dürfen und dir deine Vogelbeeren noch so gut schmecken wie ehe» dem. Den Krieg haben sie aus der Welt geschafft znein gutes Pferd. ES ist nichts mhhr mit den Granaten, und wir können wieder so ziemlich ruhig überall hintraben. ES ist kein Feuer in der Luft, und auch sonst ist uns da» Feuer verloren gegangen. Du ziehst deinen Äemüsewagen mit den Kohlköpfen und de» bunten Aepfeln und kriegst Vogelbeeren ans der Hand zu fressen, und wenn du nach Hause kommst, host du einen warmen Stall, in dem du dich lang hinlegen und den anderen den Platz wegnehmen kannst, wenn sie eS sich gefallen lassen. DaS schadet nicht«, mein gutes Pferd, da« tun sie alle. Du hast eine Krippe voll Häcksel, ober ich hoffe, daß du e« auch noch erleben wirft, wieder Hafer zn kriegen, wem: eS den klugen Leuten und den anderen, die jetzt so fleißig an der Arben sind, gelungen fein wird, die aus den Fugen gegangene Zeit wieder einzurenken.----— »Nachts zieht er ssw Rachtdrojchle/ jagt dein Besitzer eben. Ach, daS ist ein übles Geschäft, mein liebe« Pferd, nach einer solchen Vergangenheit den Bielzuvielen der nächtlichen Schmarotzer im Lande dienen zn müssen--- aber du nicht allein. Die moderne Technik in« Sprachgebrauch. Wi« stark der Einfluß der Technik auf den Sprachgebrauch geworden ist, darauf weist Dr. M. Pollaczek in einem Auffatz des.Prometheus" hin. Ter Krieg hat die Berfjreihing von Ausdrücken ans dem Kresse der Technik und Industrie sehr begüustigt. indem er die verschiedensten Gcsellschafis- klaffen in nahe Berührung bracht« und technische Ausdrücke jedermann geläufig machte. Ein solches aus der Fabriksprache in du- Umgangs spreche übergegangene Wert ist?. B-..B r u ch". Ursprünglich nur für Stücke verwendet, die be« der Fabrikation zersprungen und wertlos sind, wird es jetzt allgemein zur Bezeichuuim von ver- ächtlich oder unbeträchtlich scheinenden Menschen und Geuuschofteu gebraucht. Sehr häufig hört man auch von Menschen, deren Be- griffsvermögen nicht sehr entwickelt ist. sie hätten eine„l a n g e Leitung". Dieses Bild kann natürlich nur in Kreisen verstand- sich sein, denen der telephonische Berkehr etwas Gewohntes ist. Ein gegerUvärtig viel in übertragenem Sinn gebrauchter Ausdruck ist auch das Wort Knochenmühle". Da die'moderne Technik sich zum größten Teil auf Dampf und Elektrizität aufbaut, so ist der Ausdruck.Hochspannung" etwa bei der politischen Atmosphäre ganz verständlich. Wird mit- geteilt, daß der..Draht zwischen zwei amtlichen Stellen gerissen" sei, so denkt der Leser gar nicht darüber nach, daß eS sich hier;:«« einen elektrischen Leitungsdraht handelt. Sind BerhandFungen „auf dem toten Punkt" emgelangt, so haben wir nicht mehr da» Bewußtsein, daß hier ein Begriff der Maschinenlehre auf da? alltäglich- Leben übertragen wird, sondern jedermann wcss, auch ohne die geringsten Kenntnisse� vom Bau und Laus einer Maschine, was dann« gemeint ist. Ebenso verhält eS sich«ss Ausdrücken wie „mit Hochdruck" arbeiten..Dampf hinterher machen" usw. Mit Vorliebe bedient man sich technischer Ausdrück« gerade in politischen und staatsrechtlichen Erörterungen, so daß wir weder bei..Reibung»- fläche" eine Maschine, noch bei„Pufferstaaten" einen Eisenbahn- wage» vor Augen haben. Der häufige Ausdruck.schieben" und „v e r s ch i e h e n" verdankt seine Entstehintg der Arbeit des Ran- gierens Ebenso ist der heute ganz geläufige Begriff der„Schraube ohne Ende" der Technik enttiommen.„Abläuten" wird für Beendigen und.öreiilseii" für verzögern benutzt. Und selbst bei An- sichren solcher Ausdrücke hört man nach dem heutigen Sprachgebrauch nicht auf, sondern muß mit einem Fabrikausbruck„Schicht machen", Im Grossen SckauspielkmuS findet am Sonntagnachmittag die lehk« Aachmittogsachsühning der.O r e« i» d e b A e s ch h l o S" außer Aboimelnent, aber z» volkstümlichen Preisen statt, Kvuftchronik. Die Lanuar-Ausstelinng bei K.B. Reumann, Knrsürsleiidainm 232, bringt vom 10. Jan. an SemSISe und Graphik von Friedrich Fetgl sowie Plastik«: von Georg Koch. gu den stSdtische« NolkSkonzerteu deS Blüthiier-OrchesterS i:n 'rmmar kam IS. Branerei königlladt und am 25. Brauerei Happoldt) sind TintrittS karten zu 80 Pf. auf dem OrchefterSmean, Ssitzowstr. 7S, und Buch- Handlung Vorwärts zu haben. Gin ständige« Marionrttcntheatex ist in TreSVen eröffnet worden. SS soll die.alten guten lächfischen Volt« stücke' pflegen. Der Zuschauer. ufixch OOQ Personen Nr.lZ-t-�.�ahegaKg Seilaae Kes Vorwärts Dsntterstag, S.�amsar 1920 Wirtschaft. Brruichtung von Srijcgsanlciheit als Netchsuviopfer. 2er Preußische Fiaanzministcr Gen. Dr. S ü d e k u m ha"« einen„Preußischen Geseßeniwnrf zum Reichsnot- v p f e r" ausaearocitei, der erst seht bekannt wird und folgenden Vorschlag enthält: Ter Sinn des Reichsnoiopfers könne nur der sein. T>eutschlands Entschuldung vorzubereiten. Für diese Eni- ichuldung gäbe es einen Weg. bei dem«das Reick neue Vermögens- sstücke oder Forderungsrechte, auf die der Feindbund die Hand legen könnte, nicht übereignet erhalte, wenn nämlich das Reichs- notopfer darin bestanden bätte, daß jeder ZahlungSpfiichtiße unter Kontrolle darin eine bestünmte Menge Kriegsanleihe hätte ver- »lichten müssen. Geseßt den Fall, man hätte sich entschlossen, zu? nächst erst einmal zwanzig Milliarden Schulden abzutragen und dadurch den Jahresetat des Reiches um eine Milliarde Zinsleistung gu erleichtern, so wären diese zwanzig Milliarden nach der Größe des Besitzes umgelegt worden, bade der Umlagepflichtig« früher enist'rechend seinem Vermögen Kriegsanleihe gezeichnet, so könne er diese jetzt lunter Kontrolle� vernichten;. habe er aber früher »eine vaterländische Pflicht versäumt, müsse er sich eine seiner Um- lagepflicht entsvvechende Anleihefumme derschafsen. d. h. kaufen und dadurch zu einer erwünschter Kurssteigerung der Kriegsanleihe beitragen. Wer zurzeit nicht in der Lage gewesen wäre, ge- fügend Geld flüssig zu machen, dem hätten private Rentenbanken beistehen können, wie sie sich zu anderen Zwecken bereits bewährt bätten.' Tor Gedanke der Vernichtung eines möglichst großen Teiles der Kriegsanleihe fei außerordentlich populär. Natürlich dürfe er nicht ungerecht einfach in der Form der Annulierung der Krieg?- Anleihe verwirklicht werden, sondern gerecht verteilt nach der wirk- rickcn Höhe des Besitzes, und, wie es in der preußischen Skizze ge- dacht war, sogar mit einer Bevorzugung derer, die viel Kriegsan- leihe gezeichnet haben, vor denen, die sick davor gedrückt haben. Leider habe die preußische Skizze erst eingereicht werden kön- neu, als der Entwurf des Reichsnotopsers schon die erste Lesung vassicrt hatte. ES war also eine naturgemäße Schwierigkeit vor- Händen, sie nock zur Geltung zu bringen. Vollständig unmöglich wurde dies durch den Kampf der Deutschnationalen nicht nur gegen die Erzbergersche Form des NotopferS, sondern gegen ein wirk- samcs Reichsnotopser niberhaupt. Die Zukmisr der Heercsüetriebe. Von zusländizer Stelle er- fahren wir: Zwecks Durchführung der kaufntännischen Organisation der ehemaligem Heeres-- und Marinebetriebe ist einstweilen beab-> stchligt, eine Sviycngescllschaft zu gründen, welche die Verwaltung der einzelnen Betriebe übernimmt. Hierzu berichtet das„Berliner Tageblatt': Wegen der Abwicklungsgeickiästs für HcereSbesiände d:S VerwertungSamicS plant das Reichsschatzministerium eine be- sonders VcrwerwngSgefellscbaft tür die frühereit MarinebeereS- betriebe, alio für die Gewehrfabriken, Artilleriewerkstätten, Werften usw. zu gründen. Diejenigen Staatsbetriebe, die bisher schon ab- seitS des KriegSministeriumS standen, also Aluminium-, Stickstoff- und ElektrizitäiSwerke, würden dieser neuen sogenannten Spitzen« gesellschasl. die den Namen Deutsche Werk Akt,-Gcs. tragen soll. nicht unterstellt iverden. Da? Aktienkapital soll nach der»Franks. Zeitung' IVO Millionen Mar! betragen und vollständig in Reichs« Hände» sein, obwohl in die leitende Organisanolr auch private Praktiker entsendet werden dürsten. flutung durch Zahlungsmittel, die Erhöhung der Kaufkraft des Publikums, auch in den Vereinigten Staaten sich vollzogen hat. Mehr Geld, weniger an Warenvorräte:!. Die Folge ist die V c r- tenerung aller Lebensunterhaltsmittel. Auch in Amerika ist eine bedeutende Tenerung cinzeireien, die den großen Massen stark fühlbar wird. Eine wilde Spekulation hat drüben eingesetzt.. Wir brachten kürzlich unseren Lesern die Milteilung, daß der Zinssatz für tägliches Geld in New Uork 2-1— 23 Proz. betrage. Der amerikanische Schatzsekcetär Carter Glaß macht den amerikanischen Steuerzahler darauf ausmerk- sam, daß er infolge des traurigen Zustandes der Regierungsfinan- zen bedeutend höhere Steuern zahlen muß als je zuvor. Das Regierungsdeftzit im laufenden Jahre ist 2903 Millionen Dollar und daö im nächsten 2003,90 Millionen Dollar. Da? sind gewaltige Betröge und würden in der ganzen Welt bei den Steuerzahlern Herzweh hervorrufen, hier aber besonders, denn vor dem Welt- kriege waren hier Ueberschüsse im Regiernngsschatz auf der Tages- vidnung.'_ Staatliche finanzielle Trusts in Nordamerika. Wie die„Börsen- Zeitung' mitteilt, bat der amerikanische Rong:eß ein Gesetz be- s ch l o'ssen, wodurch es möglich werden soll, unter der Aussicht des BundeSreserveamis Körperschaften zur Förderung dcS Außen- Handels zu gründen. Diese Untern ebmungen. große finanzielle Trust-Gesellschaiten unter staatlicher Anfsichl. werden berechtigt sein, auf Grnnd von bei ihnen hmrerlegten Sicherheiten ihre eigenen Obligationen auszugeben, die leichler Absatz finden dürsten als europäische Weripopicre. mit denen der amerikanische Markt übersättigt ist und gegen die er jetzt eine Abneigung hat. Die Nöte des umerttmuschen Schatzsekretärs. Alle Augen richten sich heute auf das reiche Amerika, da- von seiner Fülle an alle Notleidenden abgeben soll. Daß aber auch in den Vereinigten Staaten sich erheoliche finänzwirtschaki- st che Wandlungen vollzogen haben, müssen auch unsere Leser wohl beachten, wenn sie'.oirischastSpolitisch im Bilde bleiben wollen. Wir bringen aus diesem Grunde häufiger gerade amerikanische Nach- richten, um da- wechselvolle Wirtschaktsbild zu ergänzen. Amerika, t>. h. die Vereinigten Staate« haben während de- Krieges und daran anschließend in gewaltigstem Umfang Aaren in Form von Kriegsmaterial, Lebensmittel uns. ausgeführt. Was hat es dagegen bekommen? Nur das Gold Europas oder schuld- briefe, Wertpapiere usw. Die Folge ist, daß der gleiche Vorgang, der bei uns eingetreten ist, die Inflation, d. h. die lieber- Ausländisches Kapital iu der deutschen Oclulühken-Audnstrie. Vor dem Kriege war die Beteiligung auSländiiwen Kapitals in der Oelmühlen-Jndustrie nicht sehr bedeutend, im Gegensatz zur Margarine- Industrie, iu der es überwog. Aber auch schon vor dein'Kriege zeigte sick daö Bestreben ausländischer Konzerne, Ein- fluß ans die deutsche Oelmühleu-Industrie zu gewinnen, jedoch be- schränkten sich, soweir Großbetriebe in Frage kamen, damals die Bemühungen des Auslandes im wesentlichen darauf, sich im Wege von LohnverarbeitungSverlrägen die hohen Leistungen der deutschen Oelmühlen-Jndustrie nutzbar zu machen. Heute zeigt sich ein anderes Bild. Die drohende Gefahr einer Ueberfremdung dar großen deutschen Oelmühlcn- Gesellschaften wurde erkannt, Vorbeugungsmaßnahmen ergriffen, leider vielleicht zu spät. In den Generalversammlungen der Oelkabrik Groß-Geran— Bremen und der Bremen— Besigheimrr Oclsabrikcn gelang cS den Verwal- tungen nicht, ihre Antröge aus Ausgabe von stimmbevorzngten VorzugSaklien gegen die Stimmen einer starken ausländischen Gruppe durchzusetzen. Im Falle Bremen— Oesigbefm wäre allerdingk diese Gruppe nicht stark genug gewesen, den Antrag zu Fall zu bringen, wenn nicht ein deutscher Großaktionär mit 839 Stimmen der ausländischen Gruppe zurseite g-lreleu wäre und dadurch die Erzielung der erforderlicken Dreivierlelmajorität vereitelt bätte. Die Konzerne, die ihre Hand auf die deutsche Speiieöl-Jndustrie zu legen beabsichtigen, sind mächtige Wellkoiizerne, aber die Macht und die finanzielleu Mittel keines Konzerns reichen aus, die Oel- rohstoffe der ganzen Welt in seine Hand zu bringen und zu kon- irollieren, aber selbst wenn dies möglich wäre, so würde dieser Konzern die deutsche Oelmühlen-Jndustrie, die an technischer Voll- kommenheit die erste der Welt genannt werden darf, bei der Ver- arbeitung der Rohstoffe nicht umgehen können. An der Verarbeitung der Rohstoffe wird die deutsche Judustrie unter alle» Umstanden einen gebührenden Anteil haben. Tie go samt« deutsche Oelmühlen-Jndnsrrie bat sich bereits im Jahre 1617 freiwillig in der Wirtschaftsgescllschaft deutscher Oelmühleu zur ge- meim'amcn Beschaffung der Rohstoffe zusammengeschlossen. Die' Eitckaufsiätigkeit der Gesellschaft entwickelt sich in erfreulicher Weise und die bisherigen Ergebnisse begründen gute Ausfichten für den erzielbaren Beschäftigungsgrad der deutschen Oekmühlen. Die 3iob- stoffe werden nach Kontingenten, die sich auf den im Jahre 1913 verarbeiteten Robstoffmengcn aufbauen, auf die Oekmühlen verteilt. Im volkswirtschaftlichen Interesse wäre die NeberfreiNdmig der deutschen Sveiseöl-Jndusirie tief zu beklagen. Die ausländischen Gruppen. welche die Hand auf die Industrie zu legen beabsichtigen, sind identisch mit denjenigen, welche bereits die deutsche Mar» gariue-Jndustris beherrschen. Mit der Erlangung der Gewalt auch über die Speiseöl- Industrie, von der die Margarine- Industrie wesentlich abhangig ist, würde eines der wichtigsten Ge- biete der deutschen Volksernährung in die Hand ausländischer Kon- zerne geaehen sein, die Speiseöl- und Sveiiefettverloraung. Die Ueberfremdung, das heißt die Erzieluug des bestimmenden Einflusses anSläudischer Kapitalisten in deutschen Unternehmungen, ist eine äußerst ernste Gefahr, die auch die Lebensinteressen der Arbeiterschaft auf das engste �berührt. Bedauerlicher- und bezeichnenderweise leistet ein Teil der deutschen Industriellen und Kapitalisten die weitgehendste Hilfe, um ihre Werke den Ausländern in die Hände zu spielen.'.'■ Solange wir nicht zur g e«r e i n w i r t s ch a f t l i ch e n Organisation kommen, in der alle Betriebe nach ihren Fach- gebieten zwangsweise zusammengeschlossen werden zu Selbstverwaltungskörpern, zu gemeiuwireschr.itlichcu Trusts. so lange»verden die Ausländer ihre Aach: in unserer hetmi- scheu Industrie mit unheimlicher Schnelligkeit weiter aus- dehnen und festigen. Tie Schuldigen sind die I u- dustriellen selbst, die diesen Zusammenschliisscu Widerstand entgegensetzen. Zu losen Verbänden, die ein einsichtiger Industrieller kürzlich„Gesangvereine" nannte, will maii sich schließlich verstehen. Diese helfen aber gegen die Ueberfremdung gar nichts. Die heillose Furcht vor der„Sozialisicrung hält die Herren Unternehmer von diesem unerläßlichen Schritt zur Zwangsorga nijaiiou zurück. Sie kommt ohne Gnade, weil sie entwickelungsmäßig kommen muß,»veiX es über kurz oder laug gar nicht mehr anders gehe» wird._ Hätten wir eine rein sozialistische Regierung, so hätten wir diese ZwangSorgamsation, die uns vor den:„Aus- verkauf' allein retten kann. AuSfuhrgegenstände im Reisegepäck. Nack offizieller Mitteilung sieht in Berdindmig mit einer Ausdehnung der Ausfuhrverbote und einer Verschärfung der Grenzkontrolle eine örtliche Dezentraliielion deS Ausfuhrbewilligung'versahrenS für solche im Jnlande gekaufte Waren bevor, die im Reisegepäck mitgeführt werden. Derartige Gegenstände sollen in Zukunft auch von den Handelskammern gegen Erstattung einer nach der Höbe des FakturenberrogeS zu berechnen- den Abgabe zur Ausfuhr zugelassen werden. Schultheiß-FeldschlSjichen D-ffau. Schultheiß Hai durch eins Bankfirma mehr als die Hälfte des 780 000 W. hetragenden Aktienkapitals erworben. Eine Fortführung de? Betriebes für später i>t nicht beabsichtigt, hauptsächlich soll daS Malzkontingent für den eigenen Desiauer Betrieb gewonnen werden. Diebstähle allf den englischen Bahne». Die Diebstähle auf den englischen Eiienbabnen haben in den letzten Monaten überhand genommen. Bei einer einzigen Eisen- bahngeiellschafl sind 18 000 Diebstähle in dieiem Jahre gemeldet. Das Uebel ist zu einer natisnale» Gefahr geworden Tie öfiein- lickis Moral hat ichwer gelitten, besonders die vom Heeresdienst entlassenen Soldaten zeigen so gut wie gar keine Ehrlichkeit. Die Diebe sind so keck geworden, daß sie selbst frühmorgens, wo alle? zur Arbeit gebt, das gestohlene Gut ganz öffentlich aus Handwagen durch die Straßen ziehen. Die riesige Korruption kommt öffentlich zur Kenntnis. JenieiiS des Kanals ist es auch nicht bester als bei uuS. Und in Frankreich herrschen ähnliche Zustände. GroßGerün Isi, üee ßunftke. Die Zeitungen feierten cineu neu entdeckten Künstler. Er mußte wohl etwas können, denn der große Saal des Konzerthauses war bis auf den letzten Platz gefüllt. Als eins große, elegante Erscheinung trat er auf das Podium. Täusche ich mich nicht? War der Künstler nicht Isidor, der Prügel- knabe von unS Kindern Und ich begann mich zu erinnern. Unsere Jugend verlebten wir in Berlin C, in einer Gegend, die. an und für sick eng belvohnt. auch viele Anden beherbergte, die das ungastliche Land des Aaren mit ihren oft sehr zahlreichen Familienmitgliedern verließen. In unserem Die Märchen öes Steintlopferhanns. ßj Von Ludwig Anzeugruber. Na, d-u weißt, unsereins schind't sich gehörig und man sein g'siind"» Stückl Schlaf. Na, so denk' ich mir, is dös dumm, rs ghniß wieder so a Malefizball beim Wirten im Dorf unten, daß man kein' Ruh' hat— und will mir die Aug'n reib'n— heilige Mutter Anna, war das a Schrocken. wie ich mir mit die dürren Beiner in die leeren Augen cinifahr'— und am ganzen Leib zum Scheppern ansang' l l— Jessas, denk' ich, du bist ja vor längst verswrb'n — und hitzt dürft etwa gar schon der jüngste Tag sein. Wann ich nur g'schwind' mein' Hosen zum H'neinschliefen bei der Hand hatt'—! So kannst doch nit unter die Leist' gehn!—- � Ich tapp' h'nirn, greif aber nur dort und da ein' Knopf von der Hosen, in'derer sie mich Vorzeit boig'setzt Hab'«, und wo ich an mich ankomm', g'spiir' ich's deutlich, ich muß aus- schau'n wie der ang'mal'ne Tod an der Kirchhofmauer. Brauchst gar kein G'wandstuck, denk' ich mir, hast ja eh' nix Unanständiges an dir, wenn dich aber nur nit der Spodiumbrenner aus der Kreisstadt d'erlengt, da gong's dir übel! � Ich überleg's noch sollst h'navs oder nit? Aber ej is so a Hundsmüdigkeit über mich kämrna, daß ich zum Tunken ang'fangl Hab'. Und wie ich mich so ails streck', gespür' ich nock. daß sich an die Beine? Ivos ansetzt, nit änderst wie der Feuerschwainm an die Bäum'. Dann schlaf' ich wieder. Wie ich munter iverd', scheint die Sonn' in mein' Truhen, rundum is die Erd' aufg'wühlt, als wie von einer Million Maust und Mauliivürf': ich schau' mich an, o Fix h'nein, da is derweil der Feuerschwannn rundum sauber nächg'wachsen. ich bin a mordscutberer Bursch word'n, ich heb' mich, ich guck' h'runr— alle Gruben sein leer! Jesses Maria, Hab' ich dir 'n jüngsten Tag verschlafen g'habt. Ich war dir ganz verzagt. Schau' in mein' Grub'n, sieh noch die schweren Hämmer. nimm st auf die Achsel, denk' mir, gilt'S oder gilt'S net, schaust halt—*■.....—-~s—~•-— i— toan A t, wo du zum ewigen Leben dein Brot hernimmst' - himinülche Aeruialem bauen, rverden st wohl auch Herob'n tragn wir keine Haub'n, sagt er. Da nimmt der nhender'n Kopf'abc, als er's sein laß!! Ich kenn' ihn, sag' ich. Na, so sagt es der heiligen Veronika, sie soll ibni was zurichten für sein Kopf, lacht der Gottvater. Na, was sag' ich denn, muß der nit sein Mützen hab'n, daß er ün ewige« Leben fortgrüßen kann, und dir muß ich wohl auch dein Pfeifen d'erlaub'n, daß d' doch meinst, du bist es!? Was half euch die g'scheiteste Weit? Hetzt mach, daß d' h'nunter kommst, zum Grutz-Franzl und sag ihm, ich nehm' eng ni? in Uebel auf, die andern, die sich's da unten meist hab'n wohl sein lassen, die hab'n freilich'a leicht' Auferftehn g'habt, die war'n ausg'schlafen, ös habts aber auf Erden schwer ge- arbeit'! Also sag ihm, es macht nix, wenn er'n jüngste'', t Tag verschläft und im ewig'n Leb'n soll er auch sein' himm- lisch« Mützen hab'n!— „Da war' ich recht froh," sagte der Grüß-Franzl,„wann der Traum so ausging!" „Warum sollt' er nit? Gute Nacht!" Der Steinklopfephanns ging seiner Wege. II. Waren sie heute neugierig gewesen im Ort!„Horck?, was ist das?" und„Horch, was mag's sein?" hieß es schon früh morgens, denn überm Berg drüben hat es so gepfustert und gerädelt, als ob eyic Eisenbahn war'— so sagten nein- lich eitrige, die schon eine solche probiert hatten. Der Ort lag im Tal und hinter den Bergen fing ein hübsch groß' Stück Nachland an, dort war es. wo eS heut nicht recht geheuer schien, aber wie groß auch die Neugier sein mochte, et ging eben ans„Schneiden" und da hatte keines —... Zeit für einen halbstündigsn Aufstieg oder gar um den Berg Räson nierhaunSl, sagt der Gottvater und lackst, w wie'S s herum anderthach Stund' nach der Ausmünd' zu rennen und d' willst. Ich hob's aber gleick gestern g'merkt, wie ich eng in die Ebene zu gaffen. E'lump aufg'weckt Hab', Ls seids nitt änderst word'n, wie's! Ilm Mittag zur Rastzeit erst kamen eist paar zurück, die g'wesen seid?!'eid's»och alleweil nit g'scheit! j eher ihrer Reugier ein Op'�r bringen konnten, da sie gar Mein Gott, sag' ich, häir st uns g'scheiter g'machtl � nichts zu schaffen imißten. Die. alten Ausnchmer. der„Leo g'flog'n. fledern mn mich herum. Dös war so sauber, daß ich mein' guten Hainur wieder krieg' und sag': Na, ös hiinmlisch's Geziefer, was pfnurrts mir denn um'n Kopf? Was wollrs ös? Sag'n st: Hanns, du sollst zum Goilvatern kommen. Sag' ich: Eh'nder muß ich mich doch a Weng waschen und anziehn. Sag'n st: Dos gibt's net unter die Selig'n. Sag' ich: DoS rs imscheniert: ober os werds uns doch nit's elvige. Leben neiden, wann mir im Schmutz d'crsticken, was nutzt ruis die ganze Seligkeit?! Sag'n s', ich soll keine Umstand' machen mid mitkommen. Einer packt meine Hammer und tragt mir s' nach und der andere führt mich, und wir kommen zum Gottvatern. Und wie er uns sieht, bebt der Gottvater die Hand mit den drei ausg'streckten Fingern in d'H'öh', wie im Bild am Hochaltar, und sagt: Grüß dich Gott, HaimsZ Sag, ich: Grüß dich Gott, Gottvater! 3!o, sagt er, tvie g'mllt dir denn die aufg'würrnch Welt? j Sag' ich darauf: Lieber Gottvater, du mutzt's für kein', vorlaute Red' nehmen, aber ich kenn' mich halt eben da noch' nit aus. Die frühere Welt war auch kein schlerht's Stück! Arbeir— Gott bewahr'— a jed's hat was drein g'fundeit, was ihm g'sallen hat, und die metst?n hab'n g'meint, die Dirndl wär'n dir so viel gut g'ratcn. Aber a bissel Zeit hätt'st dir schon lassen können,— was richt' eins in sechs Tagen? Es war ja sein' g'friemte Sach', dö auf'n Tag hält' fertig sein müssen! Ach Hab' mich auch uij reckst mit allem obfirrden können— w rat ich dich rechtt'chaifen biitm. wann mir's etwa da.auch wieder nit ausrehn sollt, t» mir den G'sall'n und mach', daß ich auch im ewig'n Leben tviader versterb'n kann. \ Straßen hm führen, mufft's doch im Himmel mit'm Teufel\ ingehn. wanists da keine Steiner zitm Klopfen gab'! Wie ich poch so spintisier', kommen zwei Srigerl» bah«, l 'Sagt er: Ja, glaubst, ich Hab' mein Allmacht g'stohl'n. wollts ös gar nix dazu tun? In d' taufend und taufend Jahr schau ich eng schon zu, und ssid's noch alleweil so dpmm! Wöllts ös nit'leicht a ganz anders Welt und ein' ganz andern �errgoit'n? Tauget grao zu euch!— He, kiegi da untstt pold" und fein Weib waren schon früh morgens die Straße dahingehumpelt, wobei sie den Weg mit ihren Stöcken schlu- ge», wahrscheinlich weil eS ihnen nicht nach Wunsch vor- Worts sstng.— der obsr kehrte sich gar nicht dartzn, blieb Herrgott n? Tauget grad zu euch! � K«. stiegt da untsst ruhig liegön. so lang er war, tcst wohl gar boshafterwrst' nir auch noch her Grug-igranzl und schnarcht in jüngsten Tag- Manchmal unversehens ein Loch vor den ästen Leuten auf, h'nein? dem is og auch S Grüßen verspart!-in das sie sodann mit kindischem„Hovverla" regelmäsüa Lleoer Gottvater, lag' tch» dos legt per mt ab.''"„r.i r■ ymeiirftolperten. cZosttl. folgt. Nachbaryause stand schon seit Jahren ein Neim unansehnlicher Laden frei. Eines Tage? verkündete an den Fenster» scheiden ein Plakat in schlechtem Deutsch, daß hier in Kürze eine Eicrhnndlung eröffnet werden solle. Bald darauf erschien ein Handwagen, der das ganze Mobiliar der Neuzugezogenen ent- hielt, die Eltern und sechs 5tinder hausten in der einzigen Küche, die hinter dem Laden lag. Im Laden stand ein alteS, zerrissenes Sofa, das sicher als Schlafstelle für zwei Personen diente, und die Kisten mit den Eiern. Ter älteste Sohn Jsi. ein schmächtiges blasses Bübchen mit ständig entzündeten Augen, hatte die An- und Abfuhr der Eierkisten neben den sonstigen Besorgungen zu erledigen. Die armen Proletarier- kinder aus der Nachbarschaft haßten die Neuzugezogenen. Wo ünnier sie sich sehen ließen, sehte eS Prügel. Blutige Nasen. Ist wahrte sich nie, nie schrie er. auch dann nicht, als ihn ein größerer Junge mit voller Gewalt an die Steinwand warf. Er hielt sich nur den Kops und stürzte dann zu seinem Vater. Niemals kam dieser scheltend auf die Straße, er wollte wohl die Kundschaft unserer Eltcrn nicht verlieren. Eines TageL lud Ist wieder Eier auf. Kaum entdeckten ihn die Kinder, als sie mit grausamer Lust die Fülle ihres Spottes über den armen Jungen entluden. Er flüchtete in den Laden. Da geschah das Unerhörte. Ein Junge faßte im Uebermute die Deichselstange des kleinen Wagens und ließ sie emporschnellen. Die auf dem Wagen stehenden Kisten kamen ms Rutschen und die Eier lagen auf dem Fahrdamm. Die Kinder stoben auseinander. Isis Vater stürzte aus dem Laden. ZllS er sah. daß nichts zu retten war. sein kleines Vermögen vernichtet auf der Straße lag. begann er zu weinen. Wir Kinder, die durch die Glasscheibe des Haus- flurS angstvoll lugten, waren erschüttert, als wir den Mann, vor dessen schwarzem, gewaltigem Bart wir doch etwas Respekt hatten, so weinend vor seiner vernichteten Habe stehen sahen. Aiu nächsten Tage sollte ich schnell der Mutter einige Ger einholen. Zu meinem Schrecken verkaufte Jsi. Herzbebend / forderte ich vier Eier. Ich glaubte, ihn im Zorn zu sehen. Nichts von alledem, statt der bezahlten vier Eier gab er mir fünf. Beschämt schlich ich aus dem Laden. Wenn ich es auch nicht ganz verhindern konnte, daß Ist, seine Geschivister und auch der kleine italienische Gipsfigurenhändler beschimpft tvurden, so setzte ich doch durch, daß wir Mädchen nicht mehr pstttatcn. Run entzückte der arme Jsi eine vornehme Dell, die achtlos und gleichgültig an dem Jammer derer vorübereilt. aus deren Kreisen er gekommen ist. Ein Zeugnis von Kraft. dieser Aufstieg; aber wieviel Kraft schlummert ungehoben noch in der Tiefe._ Auhaltende Besserung tu der Kohlenversorgung. Nach dm vorliegenden Meldungen sind bj» M'ttwo» abend zivei Schleppzüge mit insgesamt elf Kohlen- kühnen in Berlin«iyeeiroffm. Bon Fürstenberg find bis zun selben Zeitpunkt öS Kähne abgegangen. Da die SchiffahrtSabtcilung zugesagt hat. daß der Abtransport nn- unterbrochen weiter gehen soll, so ist eine anhaltende lleiserung in der Kohlenversorgung Groß-BerlinS zu erwarten. Hoffentlich machen uns der Wettergott und die— Eisen- b u h n e r reinen Strich durch die Rechnung; durch Streit» haben wir schon genug Kohlen eingebüßt, im Vorjahre allein LOOOOOO Tonnen.___ Die Vernehmung der Verbrecher Straust. Zu der gester» mitgeteilten Verhaftung der Gebrüder Strauß wird uns noch gemeldet: Die Ermittelungen setzten ein, als die Verbrecher nach dem Kampfe in der Guineastraße, wobei der Ober- Wachtmeister Erdmann seinen Tod fand, entkommen waren. Beamte djo Sireifmannschaften waren Tag und Nacht unterwegs, um Spuren der Verfolgten zu suchen. Sie fanden auch mehr als eine; j rrsmal aber, wenn sie glaubten zugreifen zu können, hatten die flüchtigen ihren Schlupfwinkel schon wieder gewechselt. Ihr großer und zuverlässiger Anhang in der Verbrecherwelt ermöglichte ihnen diesrn ständigen Wechsel. Die Streifen der Kriminalpolizei galten besonders auch der Gegend des Kottbuser TorS. Endlich wurden die Vorbrecher in der Süpenicksr Straße gesehen und man fand her- aus, daß sie auf dem Grundstück Nr. 101 wckhnen mußten. Bei einer Qeti/.msn Durchforschung d-S HauseS blieb nur die Wohnung der Fi-au Lehmann übrig, in der man schließlich ihren Verbleib feststellte. Die Beiden bezahlten pünktlich die Tagesmiete. Was sio trieben, darum kümmerte sich die Frau nicht. Sie machte sich auch leine Gedanken darüber, daß ihre Mieter am Tage zu Hause blieben und nachts ausgingen. Da die Beamten auf einen schtveren Kampf mit den gefährlichcn Verbrechern gefaßt sein mußten, so trafen sie alle Vorsichtsmaßregeln, um keinen entkomme» tu lassen. Wie notwendig das war, zeigte sich bei der Festnahme. Tie Verbrecher waren mit Revolvern und Munition wohl auSge- rüstet. Ihre Waffen waren geladen und entsichert. Emil Strauß' erklärte beim Verhör auch mrumimwdm. daß er und sein Bruder von den Schußwaffen Gebrauch genutchi hat- ton. wenn sie nur noch irgend eine Möglichkeit des EnirlnnenS(je- sehen hätten. Sie waren erst kurz lwnber nach Hausc gekommen, und Emil mußt: den Weg nach dem Polizeipräsidium in Haus- schuhen ohne Strumpfe airixeteu. loöhrcnb sein Bruder halb Mili- iär.', hall? Zivilkleidung trug. Zu dem verhängnisvollen Zusammenstoß i« der Guineastraße haste biet Vermutung geführt, daß in den angeblichen Brüdern Bogel diz Posträuber vom Schlesifchon Bahnhof zu suchen seien. DaS ist nun aber, wenn Emil Stranß gestern im Verhör die voll« Wahr- leit! gesagt hat, nicht der Fall. Er behauptet, ein Bündel aufgc- sundener FünWgmarkschcine sei ein Teil des Erlöses für die große Beute aus einem Serdendieb stahl bei Dreffel in der Nieder- Wallstraße 13/11, den er mit drei anderen Leuten ohne seinen ■n rufte r ausgeführt habe. Hierbei fielen der Bande für 300000 M. Feide hi die Hände. Emil Strauß erhielt von dem Erlös 17 000 Mark. Seine'Wirtin und Geliebte, die«r in Braunes Diel« am Aleranderplatz ken»en gelernt hatte, mußt« nichts von diesem Schatze. Sobald es klingelte oder klopfte, wenn Emil Strauß zu Hause war. er sich, wie«r jetzt ans sagte, vorsichtig in eine Kabuse t, unter dem Zimmer zurück. Erst wenn sich ergab, daß cS nicht die Polizei war, die Einlaß begehrt Ha-te. tun et wieder zum Vorschein. Am Tage her Geburtstagsfeier der GeltMen hatte Erich, als es Napst-, gleich die Kabuse aufgesucht. Emil, der der vorgeschrittenen Erimmmdg der Gäste entsprechend feinen Rock abgelegt hotte, saß noch in Hemdsärmeln am Tische, c» die Beamten eintraten. So- bald er horte, daß sie die Posträuber suchten, verhandelt« er mit ihnen, bis einer«in Päckchen mit Jünszigmarkscheinen ent- deckte. Jetzt sah er. daß die Sache mißlich wurde und ging in die hinkte Kabuse, inr. ans feinem Rock die Brieftasihe an sich zu neh- rtcr Während die Beamten suchten, entsicherte Emil Strauß in de? Kabuse für alle Fälle seine Pistole. Dieses Geräusch vernahmen di- Beamten. Oberwachtmeifter Erdmann rief sofort!«Hände hochl" und fordert« den vermeintllä>en Bogel auf. aus der Kahus« heraus- zutreten. Jetzt kam Emil Strauß, wie er sagt, auf den Gedanken, sich zu erschießen. Statt dessen aber richtete er die Waffe au» der dunklen Kabuse heraus auf die Veamton und schoß auf einen nach dem Alle drei wurden gleich getroffen. Oderwachtuieister Erdmann stürzte sich trotz der ersten Verletzung doch noch auf he» Bevor echer. In dem Riugkampst; feuerte diefex weite? und traf ihn noch ztöefmal so schwer, daß«r zusaunnenbrach. Jetzt griff auch Erich in seinem Versteck zur Pistole und beide feuerten. bis sie alle Munition verschossen hatten. Als Emil sich dann in de? Wohnung nach weiteren Beamten umsah, erhielt er von Kriminal- Wachtmeister Kruncholz, der schwer verletzt am Boden lag,«inen Schuß in die linke Brustseite. Die Kugel streift« die Rippen und trat am Rücken wieder heraus. Jetzt zog er sich rasch an, raffte die Pistolen und die Patronen, die er noch fand, sowie das Geld zusammen, um mit seinem Bruder zu entfliehen. Er fand, wie er behauptet, nur noch 4000 M.. die 8000 M. sind im Trubel der- schwanden Während die Geburtstag sgäste die Treppen hinunter eilten, liefen die Brüder die Treppen hinauf, emfchlüpften durch ein Dachfenster, liefen über die Dächer bis nach der Seestraße hin, zertrümmerten dort die Scheibe eine» Dachfensters, stiegen auf dm Boden hinab und gelangten die Treppe hinunter nach der See- e nt kamen, Für wen sind die Arbeiterwochenkarten der Straßenbahn? Jeder Arbeiter hat Anspruch auf eine Arbeiterwochen- karte, wie schon ihr Name besagt. Doch auf den Straßenbahnhöfen müsse» immer wieder Arbeiter, die Wochenkarten verlangen, mit ihrem berechtigten Anspruch sich abiveisen lassen. Schon vor etwa einem Jahr wurde im.VorwäriS'' gerügt, daß man die Arbeiter- Wochenkarte verweigert hatte mit der Antwort, sie sei nur für Arbeiter mit einem Wochenlohn bis 50 Mark bestimmt. Das war zu einer Zeit, wo Arbeiter mit 50 M. Wochen- lohn längst keine großen Sprünge mehr machen konnten. Jetzt schreibt uns ein Arbeiter, daß aus dem Straßenbahnhof an der Kreuzbergftraße ihm und einem Kollegen sogar vor einigen Tagen, im Januar 1920, noch derselbe Bescheid gegeben worden ist. Von 50 Mark an soll einer»kein Arbeitet mehr" sein!? Wie viele Arbeiter haben denn jetzt noch unter 50 M. WoÄeneinkommen? Wer kann denn mit weniger als 50 M. sür die Woche heute noch leben? Die Festsetzung von 50 M. als Grenze für den Anspruch auf eine Arbeiterwochenkarte rührt aus der Zeit her, wo die Straßenbahngesellschaften 10 Pf. für die Fahrt nahmen. Da inzwischen eine Steigerung des Fahrpreises auf das Dreifache für nötig gehalten worden ist, wäre auch«lne Hinaufrückung jener EinkommeiiSgrsnze auf das Drei« fache, auf 150 Mark Wochenlohn, zu erwarten ge« Wesen. Wir bestreiten aber, daß die Festsetzung einer Grenzeüber- Haupt zulässig ist. In dem letzten Vertrag mit der Gesellschaft «Große Berliner Siratzenbabn" findm wir keine Vereinbarung darüber, und auch bei dem Erwerb des Unternehmens durch den Zweckverband ist unseres Wissens keine Aenderung in diesem Punkt beschlossen worden. Freilich, die alte Abneigung gegen die Wochen- karte ist bei der Direktion tvobl auch nach dem llebergang aus den Verband nicht geschwunden. In der letzten Sitzung der Verbands- Versammlung wurde ein Antrag, der für die Wochenkarten die Mög- lichtest des Kaufs bei den Schaffnern wünschte, mit nicht großer Mehrheit angenommen. Das würde den Wochenkartenbenntzern eine wünschenswerte Erleichterung bringen, einstweilen aber wird Ar- beitern immer wieder die Benutzung erschwert und unmög« l i ch gemacht. Wir fordern von der Direktion des jetzt dem Zweckverband gehörenden StraßenbahminternehmenS, daß die oben geschilderte, ei genmä chtige und sinnlos« Einschxän- kung der Wochenkarte nbenittzung aufhört. Woher kommen die Kartoffel«? UMer Nennung von Zeugen macht uns ei» Leser unseres Blattes Mitteilung von folgendem Vorkall: „Am Mittwoch nachmittag wurden vor dem Hause Mark- grase nstr. IS auf zwei große Wagen der Schultheiß« v r a u e r e i und aus einen anderen großen Rollwagen bcreit« i n Fäulnis geratene Kartoffeln aufgeladen. SchätzuugS- weise handelte cS sich um Mindestens 200 Zentner verfaulte Kartoffeln. Die Kartoffeln sollen der Weinfirma K r a m« r, Französische Str. 18. gehören, die im Hause Markarafenstr. 16 auch noch Kellerräume besitzt. Auf eine Frage an einen Kutscher, was mit den Kartoffeln geschehe, erhielt unser Gewährsmann die Antwort, das gehe ihn gnrnicktS an. Einige Leute waren der Ansicht, daß diese Kar- toffeln a b s i ch t l i ch der Fäulnis überlassen worden seien, um sie z u Spiritus zu verwerten. Nach Angaben von Hausbewohnern sollen>n dem fraglichen Keller noch mehr Kartoffeln lagern." Was lagt das Lebensmittel» mt dazu? Wir erwarten, daß e» sich sofort der Sache annimmt und Erkundigungen über die Herkunft der Kartoffeln und über die Ursache der Fäulnis anstellt. Der Verdacht, daß hier große Mengen eines wichtigen NabnmgSmittel» aus reinem Profitinteresse der Allgemeinheit entzogen wurden, ist nicht von der Hand zu weise«. AuS dem Reiche der Frömmigkeit. Fern liegen die Tage, da selbst die Frommen nnier dem Gang der Ereignisse, die sie bedrohten, so etwa« wie Selbst- bestimmung jedweder Kreatur— auch den.Dienenden"--- zu- gestehen wollten. Heule bat man vergessen und kehrt in den frömmsten und kirchlichsten Krankenhäusern wieder jene unduldsame, überhebliche Bevormundung hervor, die in dem Hörrgenwesen— ach. nicht nur der allerältesten Zeiten—- ein patriarchalisch Wider- wörtiges Frömmlcrtum züchtete. Und Wie und wo geschiebt eS? Nickt in dem stillen Mnlel eine« halbvergeffenen süddeutschen Klosters, nicht irgendwo an den Grenzen des Reiches, sondern mitten in dem nach- revolutionären, von tausend Fesseln befreiten Berlin. Stätte ist, wie uns gefedricben wird, das ElisabetH-KrantenHanS in der Lützowstroße. Ein Stationsmädchen wird dort engagiert und nach einmonatiger Tätigkeit erhält e» die schwer verdiente kolossale Entlohnung von 40 Mark. Zwei Schwestern sind bei diesem wich- rigen Augenblick im Zimmer anweseno: die eine zahlt die 10 Mark aus und die andere— ja, die andere nimmt sie wieder fort. Sie begründet da» auch freundlicherweise:.ES wird immer so ge- handhabt und falls Sie etwas brauchen, so können Sie e« sagen." Man mag sich nicht ausdenken, was geschehen wäre, wen» das Mädchen gesagt hätte: ich brauche alles.— Man denke vierzig Mark. Dafür wird nämlich von 6 Uhr morgen« bis 8'/, Uhr abends dauerndes Auf- dem- Posten- sein mit zweistündiger MittaaSvanse verlangt. Die zufriedene Stimmung unter den Mädchen, die wohl durch die gute Entlohnung nicht erreicht werden kann, soll dann durch erhebende Morgen- und Abendandachten gefordert werden und durch SonntogS-Kirchen- besuch, was ja bekanntlich die BedürftiiSlosigkeit steigert. Und nie- mand darf dabei fehlen. Die Fromme« in den Krankenhättsern scheinen ssck heute wieder sicher und selbstherrlich zu fühlen. Wo ist das Ressort, da» ihr« Kreise unterbricht und ihnen Verschiedenes zum Bewußtsein bringt?_ Wartmug vor Zuzug«ach Verli«. In letzter Zeit macht sich ein erhöhter Zustrom von Personen bemerkbar, die aus den abzutretenden Gebieten stammen und glauben, in Berlin Unterkunst und Arbeit zu finden. SS wird deshalb erneur in Erinucrung gebracht, daß sich jeder Arbeitgeber strafbar macht, der Perlenen einstellt, die erst nach dem 1. August 1911 zugezogen sind und kerne Erlaubnis des zuständigen DemooiimachungsaoSschusseS zur Arbeitsaufnahme in Berlin bei- bringen. Die Tatsache allein, daß der Zuziehende KiSher in dem abzutretenden Gebiet ansässig war, begründet noch kein Ausnahme von dem EinstellrmgSverbot.— Ferner weist der.Woh- nimstSverband Groß-Berlin" grundsätzlich nur solchen Personen eine 23 o'h n u n g zu, die bzreijs die Erlaubnis haben, hier zu gr- betten. Es kann also nicht dringend genug davor gewarnt werden. nach Groß-Berlin zu ziehen, ehe die ArbeitSerlaubniS gesichert ist. Täglicb werden durch die Tätigkeit der Prüfer deS DemobilmachungSauSschrrsies solche Auswärtigen wieder auS den Betrieben entfernt und die Arbeitgeber zur Bestrafung ge- bracht.— ES muß deshalb empfohlen werden, sich lieber in solche Orte zu begeben, die weniger unter Arbeitslosigkeit leiden, als gerade Groß-Berlin. In erhöhtem Maße gilt LorsiebendeS für die aus dem Auslande, namentlich aus Kongreß-Polen und Galizien, zuwandernden Ausländer, die nur in besonders dringenden AuSnahmesällen darauf rechnen können, die Erlaubnis zu erhalten, in Groß-Berlin zu arbeiten. Die Ursache der geringen Mschznfuhre». Der wirtschaftliche Verband der deutschen Hochseefischereien schreibt uns über die Ursachen der geringen Fischbieferungen, rir> Umstand, der sich bei der Not der Ernähr ungSläg« auch in Berlin immer fühlbarer macht:.Seit fast zwei Nionaten herrschen unier Island und in der Nordsee auf den Fanggründen der deutschen Fischdampfer derartige Stürme, daß die Dampfer nur mit ganz geringen Fängen zurückkehren. Oft toar es sogar den Dampfern unter Island nur an einem oder zwei Tagen möglich, zu fische,!. Andere Dampfer koruiten der schweren Stürme wegen, die sie auf der Fahrt nach Island zu bestehen hatte», Island gar nicht er- reichen. Wieder andere Dampfer waren gezwungen, auf der Rück- reise wegen Kohlennot englische bzw. norwegische oder dänisch: Häfen anzulaufen. In England wurde ihnen die Abgabe von Kohlen überhaupt verweigert, in Norwegen und Dänemark aber mußteu diese mit 1500 M. die Tonne bezahlt werden. Während sonst die Fischdampfer mit Fängen von 80 000 Pfund und dar ich er von Island zurückkehrten, brachten sie iu den letzten Wochen meist nur 15 000 bis 40 000 Pfund; in der Nordsee sind die Fänge von durchschnittlich 40 000 Pfund auf 6000 bis L0 000 Pfund heruntergegangen. Das alles hat zur Folge, daß den geringen Einnahmen au» den Fängen außerordentlich Hobe Be.trieösmrkosten gegenüber- stehen, so daß bereits viele Reedereien mit Verlust arbeiten und ihre Fifchdampfer nur mit Rücksicht auf die Notlage in unserer Lbensmittelversorgung in See schicken. Eine Hebung des Fanges der Fischdampfer kann nur dadurch erfolgen, daß«ine bessere Belieferung dew»Fischdampfer mit Kohlen eintritt. Zur- zeit ist die Kohstmversorgung wieder so ungenügend, daß die ein- zelnen Dampfer stets 10 Tatst und noch mehr im Hafen liegen müssen, bevor sie Kohlen für ein« neue lltsrse erhalten lömien. So liegen zurzeit in Geestemünde 55 und in Altona 22 Fischdampfer, die auf Kohlen warten." Bei der uns im Augenblick arg bedrohenden Ernährungskrise muh verlangt toerden, daß der Kohlenkommisiar auch der Beliefe- rung der Fischdampfer mit Kohlen seine besondere Aufmerksamkeit zuwendet. Gegen die geplant« LuftbarkeitSstever protestierten in einer am Mittwoch beim Magistrats-Stadtkämmerer B o e ß stattgehabten Besprechung die Bertreer deS Verbandes Berliner Bühnenleiier, des Bühnenvereins, der Bühnengenossensthast, der Spezialitäten- iheaior, Kinos und Schaustellungen sowie Verbände der deutschen Musiker, der Chorsänger und Orchester, die Gastwirte- und Saal- besitzcrorgamsationen. Dem Protest schloffen sich an die durch den Transportarbeiter»»nd den Bühnenarbeiterverband vertretenen Arbeitnehmer. Auch Dr. S e e l i g vom K u l t u» m i n i st e- riunt sprach sich gegen die HuftharkeitSsteuer aus. Der Shn- dikuS der Bühneng-tmssenschaft Dr. Schlesinger bemängelte vor allen Dingen, daß der Stadtkämmerer sich nicht schon b o r der Einbringung der Borlage, die bekanntlich am heutigen Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung zur Beratung kommt, mit den von der Steuer Betroffenen ins Einvernehmen gefetzt habe. Stadtkämmerer Boeß versprach Prüfuna aller vorgebrachten Be- schwenden und glaubte eine Revision der tzorla-ze in Aussicht stellen zu können. Eine Nnfitte, wie sie nicht schlimmer gedacht werden kaiii, lh- sich seit Kriegsende auf unseren Berliner Eisenbahnen breit gdmacht- Den vielen Erwerbstätigen, die im Felde an ihren L t m u n g s- o r g a n« n Schaden gelitten haben, und solchen, die durch Unier« ernabrung lungenleidend geworden und des außerordentlich geringen Krankengeldes wegen, trotz ibreS oft sehr bedenklichen Zu- standeS, die Arbeitsstätte nicht verfassen können, finden in den Myrgen- und Abendstunden auch nicht ein Eifenbabn« abteil, in dem eine nicht von Tabakrauch geschwängerte Lust herrscht. Wahrscheinlich wäre eS praktisch nickt durchführbar, alle die Rauchlustigen in den Raucherabteilen unierzubringetr. Diejenigen aber, di« die Nichtraucherabteile aussuchen, täten ein gutes Werk am Volkskörper, wenn sie dort das Rauchen unterlassen wollten. Ferbervngen der Berliner Kriminalbeamten. Ein« Tagung de» Verbände« der Polizci-Oberwachtmeister Groß-Berlinf beschäf- tigt« sich aus Anlaß des Falles des bei der Verfolgung der gestern verhafteten Brüder Strauß erschossenen OberwachrmeisterS Erd- mann, mit den wichtigsten TageSföageu der Berliner Kriminal- Polizei. In einer Entschließung werden die Reichs- und StaatLministerien ersucht, im allgemeinen Interesse Maßnahmen zu treffen, die den Justizbehörden ein« strenger« Handhabung der ihnen zu Gebote stehenden Mitteln gegenüber dem gewerbs- und gewohnheitsmäßigen BerbrechcrKtm zur Pflicht macht. Die bisher geübte milde Praxis der Justizbeböchen sei der Hauptgrund für da» Überhandnehmen des gewerbsmäßigen Verbrechertums xst- wesen. Zur wirksameren Bekämpfung des Verbrechertum? fordern die Beamten, daß zu den Beratungen neuer Strafgesetze praktisch tätige Beamte herangezogen werden. Für die Zukunft ihrer Familien und zur Sicherstellung ihrer eigenen Person fordern die Beamten, daß ihnen die Wohltaten de« UiifallversicherungsgesetzeS in erhöhtem Maß« zuteil werden, und daß sie bei der nächsten GehaltSregulierung in eine besondere Gefahrenklasse gesetzt werden. 1V Tage tot ip ihrer Wohnung gelegen hat die öS Jahre alte Frau Lehmann, Gnetsenaustr. 21. Sie ist anscheinend einem Herzschlag erlegen. Siedl«»« muer«usschluh vo« Vodemuucher ist die Ausgabe, die sich di«. E m v o r' K o n s u m g e n o s l e n ich a s t gestellt hat. Durch rt*ö(jcte Landerwerbungeu ist eS lür jetzt moauch geworden, alle die. die iie bisher abaewielen hat, zur Mitarbeit ert der Schaffung einer Multerkolonie vor den Toren BerlmS einzuladen. Dir verivei'en ans da? Inserat in der vorliegen Ausgabe. OverschZnewride. Eine anßerordntttiche Gewcmdtvertrltersitz'iuz betchäitmto sich mit Mißhelligketten in der Gememdeverwalrung. Die Redner der Unabhängigen führte» Beschwerde über«nrctbl- mäßig« Alreneintragrmg. Uebergehen» der Rechnungsprüfung«- Instanzen durch den Bürgermeister. Yerzögerung und Ver- schleppung gefaßter Beschlüsse, ungenügenden Schutz»er Schöffen und Gcm-rndeverireter acqenübrr abfällige« Bemerkungen reakuo. närer Beamten. Einer lebhaften Kritik wurde gl-tchfal!! die Tätigkeit eines Sekretärs unterzogen, der die Zahlung der«rmenunter- ftützungen vom Beitritt zum Kriegerverein abhängig machen wollte, und für diesen verein al« reger Interessent Material. Schreib- Maschinen und Hilfskräfte inderBureauzei» benützt; de«- gleichen soll«r sich bei Vergebitna einer Papierriefenmg»ich: ganz korrekt benommen haben. Genosse Birnbaum verwohne sich gleichfalls gegen das Verhalten einzelner Öramten, die sich anmaßen, über der Gemeindevertretung zu stehen und glanren, deren Be- schlüsseignorieren zu können. ES müsse der Verwaltung zum Bewußt, ein geführt werden, daß sie zu der Gemeinde ledig- lich im SngestelstenverbältniS sich besinde. als dienen- des Glied der von der gesamten Bevölkerrmg gewählten Ver. netnirg sich zn bstrochltn habe. Der Fall Liudner heische rückirchtslose, schnellst« Untersuchung. Angenommen wurde ein An- trag, de» LefeesÄ Li»d»er l«i«t WM»«»: zu suspetzdere« und bis Eröffnung des Disziplinarverfahrens in die Wege zu leiten. Mit den Summen beider sozialdemokratischer Fraktionen wurde alsdaim die Unmöglichkeit weiteren gedeihlichen ZusammenarbcitenS mit dem Bürgermeister ausgesprochen. Groß-Verli«er Lebensmittel, An alle LrienSmittelämtrr! Wir richten an alle Lebensmittelömtor der Gemeinden Grox erlinS die höfliche Bitte, uns den wöchentlichen Lebensmittel BverteilungSplan so zeitig zugeben zu lassen, das; wir spätesten am Sonnabend mittag der Lorwoche in seinem Besitz find. ______ Lokalredaktion.Vorwärts'. Berlin. Der Kleluverkanfsprei« der ans die Sroß-öerliner parteinachrichten. Sonntag, vormittags lb Nhr. im Sitzungszimmer des Bezirks- Verbandes Bellevneitr. 7 II. Znsammenknaft der in der Jugend. dewegung tätigen Gcnoffe» dert8 Berliner Ndteiiungr». Tagesordnung: Die praktische Arbeit in der Jugendbewegung. Aus,»räche. Einteilung der Arbeit. IS. Abt. Freitag. 7 Uhr, bei«chukert. Rüdcridorser Str. 3. Sitzung der Varteisunttionäre und Äetnebsvertrauenslcut«. Schonederg. Freitag. 7 Uhr. bei ButtkowSki, Meimnger Straße 8. DtStuiiionSadend. Thema:»Die Vcriasluna'. Wilmersdorf. Heute L Uhr: Zahladcnd in den Abteilungen 1— S un!) 10—12, Freitag in der Abtritung S in den bekannten Lolalen. Wichtige Tagesordnung. Neukölln. Sttcrnversammkunzen zu den Wahlen zum Elternbeirat finden statt: Freitag 7 Uhr IS. A«m.«Schule. Hertzbergpiatz. bei Jung. Kaiser-Friedrich-Strage Eck« Roseggerstiatze: Vi% Uhr, 1. Knaben-Mittel» schule und 10 Genr-Schnle, Donaullrahe, im Schuigebaud« der Wittel» schule: 18. Gem.- Schule. Donaustraße, im Schulgebäude. Sonnabend 7 Ubr 20. Gcm.-Schule. Hertzbergviatz. bei Kellert, Laiser.Friedrich-Stiajie Ecke Hertzbergstiaße; 8 Uhr 1. Mädchen-Wittelschnle in»er Tnrnhalle Donaustraße i 6 Uhr 2. Mädchcn-Miltelschnle in der Turnhall« Richard- straße.— M o n t a g 7 Ubr 3S. G-m.-SchuIe. Richardltraße. D i e n S l a g 7 Uhr SS. Gem.- Schule, Aichardstraße. Beide Tage bei Martens, Böhmische Straße Ecke Schudomailraße. Mariendors-Südendo. Heute 7>s, Uhr bei Niendorf, Mariendors, Chausseeitr. tS, erwciierie Vorsts. dssitzung. Jnngiozlalisttiche Bereinig, ing ,2. B. D.). OrtSgrnvpe Süden. Heule abend 7'.', Uhr im Saal der Juiimschen Sprechstunde, Lindenstr. 3; Vortrag. Gen. Grunwald über.Die materialistisch« GeichichtSausfassung». Silöungsveranftaltungen. BezirksbildungSausfchntz Gr»h- Berlin. MSi'cheiivarlefunaen mit Lichtbildern: Sonntag s U Grün, ha! er Str. b sör bie 33.-36. und 44.-45. Abteiwng. 4 Uhr Echulauka �W>.> M...»...___.JB._____ mg. Eintritt Ilir Kinder V.SO M.. für Erwachsene 0,75 M. Karten bei allen Abteilung�- leitern und am Eingang.— 4. Ainstertunftadend»Die Balladen«: Sonntag, den 18.. abends 7 Ubr tn der Aula des«SlMnasinmS zum Grauen Kloster. Klofterflr. 7t. Eintritt 1,— R Karten bei den SibleilungSsühien«, im Zigärrengelchäft von forsch, Engelufer 15 und km Bureau deS BildnngZ auSschusses.—«lcineS Schauspielhaus: Sonntag, den 18.. nachm. 3 Uhr .Helden" von Bernhard Shaw. Eintriit 1.90 M. Verlosung der Plätze 2'/, Ubr. Karten bei Harsch. Engeinior Id. in der BorqäriS- Buch Hand» lung, Lindenilr. 2, im Bureau des AildungS.iuSswusieS, ichoie un Tbcater. — Boronzeige l An, 22. Februar findet in der Fefifiall« des Stadihauses eine Bebei-Gedächlnisseier statt, unter Mitwirkung des Männerchors.Namen- loS", der Schauspielerin Gcnosfln Iren« Triejch und des 2ambinon-Ouar> tetts.— Staat-tbeater(Schauspielbansi t Sonntag, den 18.: Matinee mittags 11 Uhr. Ei,'.tritt 1,10 M. Karten in der Vorwä. töbuchhasdiung, in» Bureau des BildunaSaus'chnsseS.— Das Burea»»es Bezirks- bildiingsausschusses. Linden»;. 3, 2. Hof IV, Zimmer 10 ist gsö'jnel»on morgens v Uhr bis nachmittags t Uhr. DynnerStags von S— 1 Uhr uno von S— 8 Udr nachmittags. Biidungsaustchnst Steglitz. Der Kursus über praktisch« Boikö- wirtschait, den Dr. ikvioe abhalten sollte, muß deS KohlennianzclS wegen ans den 23. Januar verschoben werden. Iußenüveranftaltungen. Zentraijugeudbeim: Lindenstr. 3. 2 Hof linls 8 Dr.: Reigenabend.— Jugendheim«harlottenburg. Rofineust,. 4, v. l. DistusnouSabend, Jugend und Partei.— Gejundbrnunen bei Pose. Koloniestr 15: Witgiicderoeriamln« iung.— Hei'MSdorf. Turnhalle. Roonstraße: Leseabend.— Lichtenberg. Jugendheim. Porlnue 10: Mädchenabend.— Marirnfcldc. Aula der Gemeindelchule. Dorfstr. St: Witgliederveifaminlimg.— Stcueutiagen. (Aememdeichule. Riedcrhcidenstraße: Mitgliederversammlung.— Steiikolln. Jugendheim. Münchener Straße 52: Witgiiederverlammiung.— SNeder- schöucwelde. Gemeindeichule, Berliner Str. 31. Eing. Handwerder Str.: Mitgli-deroersammiung.— Siegtitz-Artedenau. Lokal Element, Steglitz. Düpprlstr. 7: Milgliederversammlung.— Sämlliche Beranstalttingen finden heute abend stglt._________ Voreräge. Vereine unö Versammlungen. Ter Gesangverein der S. P. D. Charlottenburg hält seine UebungZ- stunden regelmäßig jeden Freitag 7—0'/, Uhr bei Bogen. Bismarck- streß«. Ecke Ka!Ilr-Fr>«drtch.Straße, ab.— Ncichsbund der Kriegs« brschSdigten, veziri Südwest. Donnerstag 7 Uhr Kencrolvevsainm- Iung im.Kasfino'. BclleaMancestr. 87.— Verband der Gast, und Schankwirte für Bertin. Donnerstag 3 Uhr>>i der Neuen WeU, Hajen. Heide. Pnfammlung: Stellungnahme zur Bierpreiserhöhung. Gexichtszeituug. Zuchthaus für Rezimetitskasfenniuber. Das Gericht der Slei-bS« Wehrbrigade 3 in Potsdam verurteilte den Sergeanten Kautz und den Gefreiten W i r n h o l z. bilde vom �eldartillerieregimenr 8, die im Juli vorigen Jahre» die NegimentSkasfe. mit einem Inhalt von 40 000 Marl eniwenveten. zu einem Jahr 0 M o n a l e n bezw. einem Jahr S Monaten Zuchthaus. Das Gericht erkannte augerdem noch auf V e r f e tz u u g in die zweite Klaffe des Soldaten stände», auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf B Jahr», ferner gegen Kaotz auf Degradation. Ms aller Well. De» WädÄenmvrd in LudwigShasen. Bor dem Kriegsgericht der morollaniiche« Division in Landau hatten sich der sranzolifche Sergeant Razino und die Soldaten Daudin und Servaye» wegen der Tötung der 18jährigen Katharina Arnold aus Frankenthal zu Verantworten. Raiino»vurde zu 5 Jahren. Daudin zu 18 Monaten und Servaye» zu 0 Monaten Gofangnis und 50 M. Geldstrafe verurteilt. Und die Bnße-MillionZ— Drei on- scheinend angetrunktone französische Soldaten belästigten auf der Augustiner Straße in Mainz Frauen und Mädchen und suchten sie von ihren Begteitem abzudrängen. Als ein Herr, der sich dieses Verbat, von einem der Fran«osen eine Ohrfeige erhielt, sielen er und andere Zivtliston über die Soldaten her und verprügelten sie. Deutsche Schutzleute nahmen sich der Soldaten am und michten sie vor der erbitterten Menge in Sicherheit bringen.. DaS Erdbeben bei Veracruz in Mirko ho: KEY Op isr ge- forderi. Besonders in Veraruz. Oaxa, TamoulipaK. und Marcelo� ivurden grohe Verheerungen angerichtet. Die Ansiedln«� San Juan wurde vollständig vertrustet. Der Kirchturm stürzte ein und tötete viele Kirchgänger. In Jakapa ist der gröstte Teil der Häuser zerstört. Insgesamt wurden 10 Erdstöße beobachtet. Die Bür- ger, die auf die Straße geflüchtet waren, wurde« von heu ein- stürzenden Häusern erschlagen. I», Theater von Jalapa eri1 stand eine Panik, bei der viele Menschen von den Rängen ins Parkett sprang«!». Schlachtfeldgeschäft macht sich. Wie die amerikanischen Reis.-. bureau» mitteilen, find tür die Roisezeit bereits N 000 Billetts noch den europäischen Schlachtfeldern bestellt Rur Joachim, nicht auch August Wilhelm, hat sich sein» t'r; scheiden lasten. Srkefkasten üe? KeöaMsn. Jeder 1%X bea Sriekkaften btiiiir.mfcn Anfrage tiiqe man einen B-'chstabcr und eine Numwcr bei. Ärikkiicte Aueluutt wird m«ht erteilt. Eilig»««■ ftaaen tra«» man In der InriMäun Soreontundo, Lindozistr. S. 1. Lot p,«. lerre Ullis vor. Eckriftststl!« und PcrtrSae n,ld mit.,iibri>w«n. vir. S37 Ti). Uns ist eine solch» Zeitichrisl nickt b«tai»,t. Wenden SI« sich an die Teiesmilenaeselljlhast. Trmpeibojer liier.— E. E. 19 Boiksverein sär Feuerbeilattunq, Btugstr. 27. Verein für fteuerbestattun z e. P..Die SBnmm«', Anhattstr. 6.— Z. 101. MS Sammelgut. eine Speditionsfirma; lotsen der Kosten erkundigvn Sie sich bei einer solchen.— kkrida-tk. Wenden Sie sich an die Vrovinzialhebaminen- Lebronllalt, Neukölln, Mariondoiser Weg.— Neizkäll» Ztz. LB. Te- Sriesocrkebr ist im(ftoxtge. Wegen dcS Konsulat» wenden Die sich an da. Auswärtige Amt.— A. 8. Strebkam. Unseres Erachten« bietet die Sleueroe, waltung zurzeit die bessere.'» AuSticht»,,. MindestausbildnngSzeii als unbesoldeter Supernnnierar 3 Jahre. Näher» Bediiigniilen bei de: Venvaltung der direitc» Steuern.— itz.®. 103k linö ist diese Gesell- schast nicht bekannt; wenden Sie sich an die Zeiischrtst.Die Boll- ivohnnrig". Zeitschrist slir Gledliingswesen, W tzch. Wilhcimstr. SV. R. In. llHetteraussichren für das mittlere Norddeutschkand bie Freitag mittag, ätzeist ivoikh». nachts leicht«! Frost, am Tage ciwa- ze- »iber, leine wesevtlichen Niederschläge. SWWraMEKWU Ein Freund warnte ihn Die Augen schmerzten imd tränten, die Lid- ränder waren dauernd etwas entzündet, das Lesen bei der Lampe ermüdet» ihn fckncll. Kopsweh und RervositätsetztenseineArbeitSfährgkeit weiter herab. Ein Freund warnte ihn und emprahl ihm. sich bei uns iostettlos die'Schrift»Rat- schlage eine» Fachmannes' zu erbitten. Jetzt find alle Beschwerden beseitigt, denn nur die Ueberanstreugung der Augen war die Ursache aller Beschwerden gewesen. Augen» fehler, angeborene, oder durch schädliche Ein» flüsie erworbene, müssen durch passende Gläser ausgeglichen werden. 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Er habe zuerst nach der Scheibe und dann einen Hirsch geschossen und sei am 4. Januar wieder abgefahren. Dieses Geschichtchen wird zum Schluß der sozialdemokratischen Presse zur besonderen Beachtung empfohlen. Wir folgen dieser Aufforderung gern und stellen hiermit die Tatsachen fest. Genosse Braun ist seit vierzehn Monaten Landwirt« schaitSministcr und als solcher im Besitze des Jagdrcckts in den Staatsforsten. Er bat in dieser langen Zeit jetzt zum ersten Male Zeit gefunden, von dem mit seinem Amte verbundenen Rechte ein- mal Gebrauch zu machen. Er hat sich am 29. Dezember sür zwei — nicht sür sechs— Tage nach dem staatlichen Forstbezirk Schorf- beide begeben, um sich dort zwischen Weihnachten und Neujahr ewige Stunden im Walde zu erholen. Er hat nickt im Jagdschlost des ehemaligen Kaisers gewohnt, sondern eine Nacht in derFörsterwoh- nung in HubertuSstock geschlafen. Er ist nicht am 4. Januar, son- der» schon am 39. Dezember nach Berlin zurückgekehrt. Obwohl der Minister nicht die Abficht hatte, die Jagd auszuüben, sondern nur auf knappe zwei Tage in der forstfrischen Waldluft ein wenig verschnaufen wollte, hat er dennoch, dem Drängen feiner Begleiter nachgebend, einen Hirsch geschossen. Dies ist der Tatbestand, den die agrarische.Deutsche Tages- zeitung" zu einer Staatsaktion mit der oben wiedergegebmn sensationellen Stichmarke aufbauscht. Diesen Leuten, die gewohnt waren, vor der Strecke jedes fürstlichen Jägers in Ehrfurckt zu er- schauern, �ist es ganz unfaßbar, daß auch ein sozialdemokratischer Minister einmal sein Jagdrecht ausübt und dabei nicht ins Blaus schießt. Da? Zentralorgan der deutschnationalen Agrarier muß sich. wie die Dinge liegen, nun einmal damit abfinden, daß auü sozial- demokratische Minister die Rechte ihres AmteS genießen. ES mag >ich ferner mit der Gewißheit vertraut machen, daß diese unbe- guemen Männer wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft WS Schwarze treffen werden._ Reaktionäres aus Hapern. In Kempten erklärte der Bauerndoktor H e i m in einer Versammlung, allgemein herrsche die Empfindung vor, daß Finanz- «imister Speck angesichts der ganzen Art und Weile, wie in Berlin die Steuergesetzgebnng gemacht werde, die Verantworwng für die Leitung de» bayerischen Finanzministeriums nicht länger tragen könne und wolle. Offiziös wird gemeldet, ein Wechsel im Finanz« Ministerium stehe voraussichtlich bevor, eine Entscheidung sei jedoch noch nicht getroffen.. Vergangenen Sonntag hielt die bayerische Königspartei ewe Tagung ihrer Landesvorstandschaft in München ab. DaS Er- scheinen einer eigenen Tageszeitung der Partei. des »Bayerischen Königsboten", fei vom t. Februar an gesichert. Die Partei will vorerst keine eigenen Kandidaien auf- stellen, sondern auf ewe Einigung aller monarchisch gesinnten Bayern hinarbeiten. /krbeitslosenkunAgebungen in Hamburg. (Eigener Drahtbericht des.Vorwärt s".) Millwoch vormittag haben zum ersten Male seit der Aufhebung deS Belagerungszustandes in Hamburg größere Kundgebungen stattgefunden. Nach.einer Versammlung marschiert« ein stärkerer Zug Erwerbsloser vor da§ Rathaus, wo stürmisch Einlaß jl) begehrt wurde. Eine Deputation verhandelte mit dem Senat und brachte verschiedene Forderungen vor. Während dieser Zeit entstand vor dem RgthauS ein Gedränge, in drssev Verlauf die Wache ein paar Schreckschüsse abfeuerte. Jrgestd welcher Schaden wurde nicht angerichtet. Die Menge zerstreute sich erst in später Abend« stunde wieder. In Wien fordern die Arbeitslosen eine Beihilfe von je 1999 Kronen und die Einstellung sämtlicher Erwerbslosen in die Betriebe, die ohnedies weder Rohstoffe noch Kohlen haben. Die frankfurter Mumtionsfthieber. (Eigener Drahtbericht de».Vorwärts".) Die bei der Firma Heidelberger aufgedeckten Schiebungen. bon denen wir bereits berichteten, nehmen immer größere» Umfang au. Es ist festgestellt worden, daß von den Gebrüdern Heidelberger und anderen Unternehmern nicht weniger als 50 Proz. des Per- fe-ialS der Deschoßsabrik in Siegburg bestochen war. Die Firma lieferte ihre minderwertige Ware auch au die Geschoßsabrikeu w Spandau und Sömmerda. Zu den bereits vorgenommenen Ver« hafrungen gesellte sich am Dienstag die des Oberleutnants Grupp, der bereits ein umfassendes Geständnis abgelegt hat und bei dem ein reiches Belastungsmaterial vorgefunden wurde. Uebrigens icheint nach Polen noch zu wenig Kriegsmaterial verschoben zu werden, denn die polnische Friedensdelegation hat beim Obersten Rat um die Erlaubnis nachgesucht. Kriegs- material in Deutschland zu kaufen. Die Inüustriellen beim Reichspräsiüenten. Am Mittwoch«mpfin.g der Reichspräsident im Beisein deS Reichskanzlers, des Reichsjustizmnnsiers und des Reichsschatz- Ministers das Präsidium des R e i ch s v« r b a n d es der deutschen Industrie. Für die Industriellen legte Dr. Sorgest» längerer Rede die Wiwsche der Industrie vor. Die Unternehmer seien in schwerer Besorgnis, ob die mner. vontische Ent-oicklung ihnen die Möglichkeit lasse, sich beim Wie- de raufbau in einem ihrem Willen, ihrer Krait und der Not der Zeit entsprechenden Umfange zu heieiligen. Die Forderungen der Feinde im Friedensvertrag machen»oUvendig, die indu- st r i c l l e Produktion so stark zu heben, daß ivir durch steigende Ausfuhr bezahlen können, andernfalls würde sich die Entente mit den Produktionsmitteln selbst bezahlt machen. Die Unternehmer verlangen die notwendige Selbständigkeit, namentlich hinfichtlich der Verfügung über die Betriebs- mittel,«ic seien bereit, finanzielle Opfer zu bringen, hielten aber«ine Gesetzgebung für verwerflich, die ihnen die Entschluß- sreiheit nehm« und ihnen das Betriebskapital weg- steuere. Sie warnten vor einer allzu schweren Belastung der Industrie, weil die Gefahr eines industriellen Zusammenbruches drohe. Ein« reine ülZerbraucherpolitik fei gefährlich, weil dadurch die Preise nur noch schneller in die Höhe geloteben würden. Um .die deutsche Wirtschaft wueder aujbausa zu können, sei«ine ein» beitiich« N»b Isatife»!! Krobulst. tionSpolitik nötig. Sie baten den Päftdenten, seinen ganzen Einfluß in dieser Richtung geltend zu machen. In seiner Erwiderung führte der Reichspräsident aus, daß er in der Wiederbelebung und vollen Entfaltung der gewerblichen Produktion die wichtigste wirtschaftliche Gegenwartsfrage überhaupt erblicke. Eine der Voraussetzungen sei nicht nur die möglichst freie Betätigung der Unternehmer, sondern u. a. auch die Hebung der stark gesunkenen A r b e i t S f re ud i g ke i t der Ar- beitnehmer. Dazu sei Allerdings notwendig, daß die b e r e ch- tigten Forderungen der Arbeiter erfüllt werden. Das gelte besonders hinsichtlich de- Betriebsrätegesetzes. Die Finanzlage Deutschlands erfordere gebieterisch durchgreifende Maß- nahmen. Er bedauere die Darlegungen der deutschen Industrie, die der schweren Situation, in der sich die Regierung befinde, nicht gerecht würden. Die Reichs regierung verfolge weder eine ein- seit ige Produzeuten- noch eine einseitige Konsumentenpolitik. Den Borwurf einseitiger Jnteresscnpolitik tmes der Reichspräsident mit aller Entschiedenheit zurück. Im Anschluß daran wurde in mehrstündiger Aussprache die wirtschastliche Lage des Reiches nach den verschiedensten Richtungen erörtert. In den praktischen Fragen trat dabei eine weit- gehende Uebereinstimmung zutage. Deutscher Protest. Beer der Deutschen jPaffenstillstandskonrmissioil, Düsseldorf, ist der interalliierten WaffeUstillftandskommissson eine Note übergeben worden, in der ausgeführt wird: Ter Oberstkommoudicrende der aWiertvn Heere hat für nötig befunden, den VeiivaltungSpräsidenten in Saarbrücken von Halfern und den ihm zugeteilten Regierung sa ssess or von Calmuth von ihren Pasten zu entfernen und aus dem besetzten Gebiete auszuweisen. Weiter hat«r dem Herrn bon Stumm bei Strafe der Verhaftung verboten, ohne Genehmigung in dqs besetzte Gebiet einzureisen. Als Grund für diese Maßregeln wurde die Haltung dieser Herren während der Unruhen in Saardrücken im Oktober an» gegeben. Di« deutsche Regierung vermag nickt anzuerkennen, daß der Waffensftllstm'.dsvertrag den Militärbefehlshabern der Entente überhaupt ein Recht gibt, deutsche Beamte von ihren Posten zu entheben oder Reichsange hörige aus den besetzten Ge- bieten auszuweisen. Davon abgesehen, muß die deutsche Regierung aber besonders ihrem Befremden darüber Ausdruck geben, daß der Oberstkummamdierende auf Ereignisse zurück- kommt, die bereits monatelang zurückliegen, und ein Verhalten mißbilligt, das von dem französisch«: Mlitärverwakter in Saar- brücken, der jene Ereignisse aus eigener Ansehauung kannte, nicht nur nicht getadelt, sondern als richtig anerkannt worden ist. Verwaltungspräsident von Halfern erfreut sich des uncinge- schränkten Vertrauens aller BevölkerurrgSkreis«, aller politischem Parteien im Saargebiete und hat stet? im besten Einvernehmen mit den BesavunosbrhLrde» gestanden. Er stammt aus den rheinischen Gebieten und es ist keine Persönlichkeit vorhanden, die neben dorn Vertrauen der Bevölkerung seine langjährige Er- fahrnng und genaue Kenntnis der Bedürfnisse und aller Verhältnisse des Saardeckens besitzt. Ein vollwertiger Ersatz sür Herrn von Halsern kann nicht gefunden werden, und ferne Entfernung schädigt somit auf daS schwerste die Interessen der Saarbevölkerung, deren sorgfältige Wahrung die Entente ausdrücklich versprochen hat. Herr von Stumm hat sich in Beglsitung serner Gattin aus rein privaten Gründen nach dem Saargeibiete begeben, wo sein gesamtes Vermögen investiert ist. Die vorschriftsmäßige Genehmigung zur Einreise in das besetzte Gebiet hatte er vorher erhalten. Mit den Unruhen hat er nicht das ge- ringste zu tun gehabt. Die deutsche Regierung muß feierlich Verwahrung gegen diese Maßregeln einlegen und gibt der Erwartung Aus- druck, daß die Angelegenheit einer neuen Prüfung unterzogen und daß die getroffene Verfügung zurückgenommen werden wird. Ueber die Art und Weise, in der die Ausweisung ausgeführt worden ist, sagt die Note: . Beide sind um ö Uhr morgens aus den Betten geholt und nach Gewährung einer kaum zweistündigen Frist zur Ord- uung ihrer Angelegenheiten über den Rhein abgeschoben worden. Die deutsche Regierung legt auch hiergegen Verwahrung ein und ?ibt in der bestimmten Annahme, daß das eingeschlagene Ver- ahrcn nicht den Absichten des Marschalls Fach entspricht, der Ueberzeugung Ausdruck, daß die verantwortlichen Stellen auf die uncmyebrachte Rücksichtslosigkeit ihres Vorgehens hingewiesen werden. Die deutsche Regie rutig weist abermals auf die schwere Schädigung hin, die der deutschen Verwaltung der besetzten Gebiete durch die fortgesetzten Entfernungen von wichtigen Beamten zugefügr wird, ein Verfahren, daö binnen kurzem zu einem völligen Z«> sammenbruch dieser Verwaltung führen muß. Die preußische Regierung hat mitgeteilt, daß sie schon deshalb nicht in der Lage ist, den Ministerialdirektor Esser zum Landrat und Verwaltungspräsidenten in Saarbrücken zu ernennen, weil sie die Verwendung diese» Beamten auf einem anderen Posten in Aussicht genommen hat. Sie rechnet mit einer Revision der Verfügung der» Marschalls Fach und behält sich die Entscheidung über die zeitweilige Verwaltung des Laift>ratSamts Saarbrücken-Äand vor. ES versteht sich im übrigen nach Ansicht der deutschen Regie- rung von selbst, daß die Verfügung deö Marschalls Fach, wenn sie etwa nicht schon jetzt wieder aufgehoben werden sollte, ihre Wirk- samkeit nrit dem Inkrafttreten des Friedensvertragrs' verlieren würde. » Die Werbungen für die Fremdeulegion lvsrdsn von französischen Agenten im Frankfurter Hauptoahichos nach wie vor, laut„Bolksstimme". mit großer Schamlosigkeit betrieben, leider vielfach mit Erfolg. Die Opfer werdeil zunächst ins französische AbschniitSkommando gebracht, hier gespeist, halb betrunken gemacht und dann unter blendenden Ver- sprechuugen in da? französische Truppenlager Gneichewi bei Darmstadt oder nach Mainz zum Abtransport nach Afrika geschafft. ßronzösische Gefangenenbehanülung. Der hiesigen schweizerischen Gesandtschaft ist folgernde Note übergeben worden: Wach hier vorliegenden Nachrichten aus zuverlässiger Quelle herrsche« in dem französischen Kriegsgefangenenlager Chat« au L a n d o n folgende Mißstände: Die Holzbaracken(zu je 190 Mann) sind kalt und unlücht und bieten keinen Schutz gegen die Witterung, insbeftmdere dringt der Regen ein. Heij» Vorrichtungen sind nicht vorhanderr, ebensowenig Waich- gefäße und Handtücher. Das Lagerstroh ist in neun Monaten einmal erneuert worden. Die Latrinen sind g�suichhsitsschäv» lich; nachts werden stinkende undichte Holzkchsten in jede Baracke gesetzt. ES herrscht Mangel an Kteidungssrückeu m>d Waichs. JUk ttz« Woche» mach vi»»»«emigendtttz jjkX Kl kleines Stück Seife ausgegeben. Jnfolgtdessen werden die Kriegsgefangenen stark von Ungeziefer geplagt, zumal da keine Entlausung stattfindet und die Badegdegqcheit unzureichend ist. Arznei- mittel fehlen. Die Ernährung ist ungenügend: 399 Granwi meist verschimmeltes� Brot täglich, dazu dreimal eine dünne mit ganz wenig Speckwürfeln versehene Suppe au» madigen Bohnen. Durch einen von Deutschenhaß beseelten Posten sind cin Kriegsgefangener erschossen und zwei erheblich verletzt worden, als sie zur Latrine gehen wollten. Das Auswärtige Amt erbittet die Vermittlung der schwÄze- rischen Gesandtschaft, um bei der französischen Regierung nach- drücklichst Einspruch gegen diese Mißstände zu srlreden urch auf unverzügliche Abhilfe zu dringen, sowie auch die Bestrafung des Postens zu fordern. Ferner loird gebeten, die französische Regierung zu ersuchen, die Namen des Getöteten und der beiden Verwundeten und die Begräbnisstätte deS Erschossenen anzu- geben sowie eins Sterbeurkuirde mitzuteilen und den Nachlaß herauszugeben. Die sechs deutschen Geistlichen konnten während der Weih- nachts- und NenjechrSzcit bei der großen Anzahl von deutschen KriegSzesangenen in französischer Hand nur einen Teil unserer Kriegsgefangenen besuchen. Es wurden in der Ehemaligen Kamps- zone an 80 Kompagnien und Lazarette der nördlichen und südlichen TepartcmentL sowie Kriegsgefangenenlager und Lazarette de, französischen Hinterlandes besucht. Die Gsiftlichen, die b.'i ihren Reifen von den französischen Behörden in einwandfreier Weise unterstützt wurden, konnten vielen Tausenden deutscher Kriegsgefangener die Grüße der Heimat überbringen. Die Grüße wurden mit fteachigepz Dan? und einem hoffnungsvolle n: „Auf baldiges Wiedersehen in der Heimat" erwidert. Hereit gegen öie ReskLion. (Wiener Drahtbericht des„Vorwärts".) Der Wiener 5kreisarbeiterrat beschloß am Mittwoch eine Kund- gebung gegen dir Reaktiv», die mit folgenden Worte» schließt: Seid auf der Wacht vor den Anschläge» der Reaktion, leid ans der Wacht vor den Intrigen der ungarischen«outerrevolutio- näre! Haltet Euch bereit, wrnn der Ruf ergeht, um zu demon- stricren für die Verteidigung der Republik gegen alle Anschlüge der Mächte der Bergauzenhcit. Ferner wurde die Kreiscxrkutive beauftragt, eine Massendemonstration des Wiener Proletariats gegen die Reaktion vorzubereiten und nötigenfalls ohne weiteren Beschluß einer Voll- Versammlung die Kundgebung anzuordnen. Daß die rot-schwarze Koalition erschüttert ist, zeigt auch folgende Wiener Meldung: Der führende christlichsoziale Adg Tripel jagte in einer Wählerversawmlung, daß im Laufe dieses JahreZ in der Verwaltung Oesterreichs ein völliger System Wechsel ein- treten müsse, da die sozialdemokratischen Gedanken sich nicht bewährt hätten. Die Zukunft Oesterreichs müßte nach gut bürgerlichen Gedanke« aus»enen politischen und wirtschaftliche» Grundsäöen ausgebaut werden, wobei de» Ehristlichsoziale» ein größerer Einfinh zu sichern sei als bisher. Dann werde auch der AbbrZckclungSpre'.ei der Länder aufhören. Die Ehnstlichsoziale Partei solle sich z u m Kampfe vorbereiten.___ HzmZesgerwsse Kse!« Wie der Pariser Korrespondent des„Journal de Genötie" in einer Beipreckuug der Sixntt bliese mitteilt, hat Oesterreich. Ungar tt bei seinem geicheiterten und von Karl verleugneten Sonderfrieden,:- versuch sich zu gewissen eigenen Konzessionen bxreir erklärt unter de», Vorbehalt, daß eS sich>n Schlesien und Bayern cut- schädigen würde. Dank vom Hauke HabSburg I llebrigeus wird jetzt auch dem Bundesgenossen Ferdinand von Bulgarien nicht nur geplanter, sondern trefflich vollzogener Verrat nach« gesagt._ Cöuarü Sernftem. Wie uu» aus Wie» gedrahtet wird, hat der Staatskanzler, Genosse Dr. Renner» folgende? Telegramm an Eduard Bernstein gerichtet: Herzliche Glückwünsche zum 79. Geburtstag! Möge eS uns gegönnt sein, Sie noch lange in voller Schaffenskrast zu sehen,—• Sie, einen der führenden Geister im deutschen und internationalen Sozialismus, dem Ihr ganzes Leben gilt! Karl Renner. Türkische Wahlen gegen öle Entente. Räch Meldungen auS der Türkei sind die Wahlen zugimsic» des Komitees Einheit und Fortschritt ausgefallen- Die gemäßigten Parteien seien geschlagen worden. Der Rücktritt der Minister des Inner» und des Aentzern, die beide bei des, Kammcrwahlen durchgefallen find, wird erwartet. Kleine politische Nachrichten. Eine Reichsrücklieferungskommission ist bor. den, LioichS mini sie» rium sür Wiederau fibau errichtet worden. Sie üvernimnrt die AuSsöärung der im Friedensvertrag vorgesehenen Rückbieferung von Gegenständen ans dem Besitz von Angehörigen der hie, her feindlichen Staaten, soweit sie sich auf deutschem Gebiete feststellen lassen; insbesondere Maschinen und Material, mit dessen Rückgabe bereits aus Grund der WaffenstiLftandSabkommen begomreu ist, ferner Wertpapiere. Ausgeumnme« von der Zuständigkeit du Kommission ist die Rücklieferung von Tieren und von Eisenbahn- Material, wofür besondere Organisationen vorlfandcn sind. Gleichzeitig Höven unsere Reichskommissaria!« zu bestehen auf. Ge- schäftsräume Berlin. Behreustr. L. Eine Abteilung wird in Frau!'- ftrrt a. M. die Geschäfte der dortigen Kommission sür die Rückgabe von Maschinen und Material fortführen. Sie reißen sich nicht drum. ClemeueeauS Nachfolger zu werden. Millerant, und Viviani erklärcu, daß sie nickt geneigt icten. aber Maurice Barrös. der Dickier, empfiehlt sich durch einen ekelhaften Hetzariiksl gegen Dsutickiand und die französische!, Sozialisten. Belgische Rache.„Vingtistme Siärle" hat die Liste der 02 Mi: gliedcr des Rats von Flandern mit genauer Wolinungsangabs ve: össentlicht.— Zu dem kamen des Blatte»,„Das 2V. Jahrhundert", paßt diese Ketzerverfolgung besonders gut!~ In Rumfinicn ba: mau jetzt die wegen Deuischenfteundlichkeit perurleilten Schriftsteller begnadigt, darunter de» bckamncit Ivan Slavici. Sie habe» genug, die ungarischen Sozialdemokraten von der Teilnahme an der Mordregierüng, zumal der Ackerbauminister in seiner NeujahrSrede sagte, er mache keinen Unterschied zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten. Sine Landeskonferenz der Sozintdeinpkraten soll dazu Stellung nehmen. Schotten sür Moskau, Die schottischen Verbände der unaü- hängigen Arbeiterpartei haben sich sür den Anschluß ait die Juter- nationale von Moskau ausgesprochen und beschlossen Lenin zum Führer der Partei und der gesamten sozialistischen Bewegung zu er- nennen.— Natürlich ist dieser Beschluß weniger auS der Solidarität mit den Moskauer Methoden als au? der Opposition.gegen die Jntervenno» hervorgegangen. Neuer Aalkankricg. Menienegro meldet nach Rom einen Erfolg gegclr die Serbin. Rur jn cö lohnte sich ja bisher»och nicht... ®e« Sramischv-tiger Landtag ist, w'iS sich HeraussieN. schau loi, man hat aSer berge iseu, es ihm gu sagen. An der Revolution wurde nämlich ein Gcsrh gemacht, dag er ans ein Jahr gctväM werde, und dicS vollzog sich am 22, Dezember 1S1L. Trotzdem soll er dieser Tage wisse?' zusa-mman treten. Die Regierung stellt sich auf«Jen Gtairdpnuki. der LmideLarbei!e erat habe den Landtag beauftragt, die Verfassung zu machen, und da sie noch nicht fertig ist, bleibe er zu Recht beisanimen. „Ei« ZeitungtSverbot." Zu der unter obiger Spitzmarke am 52. Dezember wiedergegebcnen Meldung von dem Verbot derThorner „Bolisstimme" toird uns mitgeteilt, dag während des Streits der Arbeiterschaft sämtliche Ctromanlagen sowie die Gasanstalt durch die Technische Nothilfe in Betrieb gesetzt waren. Unter BeriLf- sichtigung der traurigen Loh»Verhältnisse stellte sich die A b- l e h« u n g des Eingreifens der Technischen Nothilse als berech tig i dar. _ Prozeß Ferchlandt. Montag vormittag begann vor dem Kriegs- terichi in Halle unter dem Vorsitz deck KnegsgerichtZratS Dr. Thile er Prozesi gegen den Gerichtsattuar und Leutnant der Reserve Friedrich F e r ch l a n d t, ehemaligen MilitärbevollmächtiMen dos Hallcschen Soldatenrats, wegen Mistbrauchs der Dienstgewalt, um befugter Bildung bewaffneter Haufen, Freiheitsberaubung, Mch- Handlung Untergebener und von Zivilpersonen, sowie Aufwiegelung und Ungehorsams. Ter Prozest wird ungefäbr 14 Tage dauern. Soll der Kaiser ausgeliefert werden? Ueöer dies: Kardinal- frage dcS politischen Lebend werden am Freitag, 0. Januar, ?sä Uhr, im Herrenhaus, Leipziger Sir. 3, Eduard Bernstein und Hellmut v. Gerlach vor einer Versammlung de» Bundes Neues Vaterland sprechen Eintrittskarten ZU 2 M. bei ?l. Wertheim, Bote u. Bock. Portier d counv der Angestellten folgende Darstellung: Infolge einer«usforderung des Reich 5arbeitSamteS unter- .'ieie diesem der Ieniialverbar.d den Tarbestand. Es kam am 9. Dezember zu mündlichen Vorbespremungen. zu denen beide caneien im Laufe des SO. Dezember endgültig Stellung nehmen tollten. Der Arbeitgsbervetoand lebnte derart ichroff ab, daß ocr Vertreter des ReichSalbeilSamteS sein Bedauern dar- üSer aussprach, den Angestellten den LZonlau: de? Arbeitgeber» verbandSschieibeuS überhaupt mitteilen zu müssen. Die Sachlage stzllle das Reichsarbeilsamt wie folgt dar: � „Zn der am 20. Dezember 1919 siattg-habien Besprechung im ReichSarbeitSministerium über den Tarifstreit im Versicherung'- gewerbe wurde von meinem AbteilungSdirigenten, Herrn Geheimen RegierungSrat Dr. E i tz l c r, angeregt: 1. über dir Frage der Zulassung der nicht freigewerkschaft- licheu Hroamsationen einai SchlichtungSauSschuß einzu- berufen und 2. eine kleine interne Kommission— eventl. unter Hin- xusiehung eines Herni vom Reichsarbensministerium— zu bestellen, die in eine Vorbesprechung über die VerhandlungS- grundlagen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern im VersicherungSgewerba eintritt. Während mir von Ihrer Seite durch Herr« Dr. Aoll» brecht ein zustimmender Bescheid übermittelt worden ist, hat der A r b e i t g e b c r v e r b a n d mit dem Ihrem Vertreter in Abschrist ausgehändigten Schreiben vom 30. Dezember 1919 an daZ ReichöarbeitSministcrinm den Vorschlag abge- lehnt. Ich habe durch nochmalige eingehende Darlegungen den Arbeitgeberverband zu bestimmen versucht, sich an dem vorge- fchlagcne:: Schlichtungönersahren zu beteiligen und hoffe, nun- mehr einen zusagenden Bescheid zu erhalten. Die endgültige Eni- scheidung des ArbeitgeöervcröandeS dürfte bis zum S. d. M. nach- mit ags zu erwarten se». Nach ihrem Eintreffen wird Ihnen» weiterer Bescheid zugehen." Berlin KW 6, den 3. Januar 1920. „Im Anschluß an mein Schreiben vom 81. Dez-mber 1919 teile ich ergebcnst mit. daß infolge einer sachlichen Rückfrage des ArbcitgeberverbandeS desien endgültige Entscheidung am besttigen Tage noch nicht erfolgen konnte. Die Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband sowie mir den Gewerkschaft Sbiind cm werden meinerseits mit aller Beschleunigung fortgesübrt. Aon dem Ergebnis meiner Schritte werde ich Sie unverzüglich in Kenntnis setzen.� Die letzten Bemühungen des ReichZarbeitsminisreriumS lehnte nach Mitteilung des Reichsarbeitsmintsteriums der Arbeitgeber- Verband rundweg ab. All- vorgeschützten Angaben fielen damit hinweg, der Arbeitgeberverband war nickt willen S. den Angestellten auskömmliche Gehälter und ihre bisherige» freien Arbeitnehmerrechte zu bewilligen. Der ArLeirgeberverband deutscher Vernche- rungSunternehmungen ersucht unS um Aufnahme folgender 'uschrift: »Die in Rr. 0 vom 6. d. Li. imtcr der Ueberschrüt:»Irre führung der Versicherungsnngesiellten" erwähnte Pressenotiz deö Arb-itgeServerbandeS deutscher VersiüerungSunteruehmungen hat die Behauptung,»daß nach der neuesten Entscheidung deZ Reicks» arbeitSministeriumS die allgemeine Verbindlichkeit des Reicks- tari'vertrages aufgehoben ist", u i Ä t'enthalten. Vom Arbeit- geberverband sind vielmehr in d-r fraglichen Angelegenheit am 3. bezw. 3. d. M. lediglich zwei Mlteiluugen an' die Presse ge- langt/ Die beiden Mitteilungen an die Prest'e sind dem Schreiben bei- gefügt. Die erste beigefügt: Notiz„ReichStarifveruag im Ver- sicherungSaeweibe" enthält zwar die Behauptung,.daß nach der neuesten Entscheidung des RcickSarbeitSmimsieriumS die allgemeine Verbindlichkeit des NeickSianivertrageS auigehoven ist", nickt wörtlich. der ganze Inhal: der Rotiz ist aber eine Vegrimdung iür dieie Behauptung. Jeder unbefangene Leser kann auZ dieser Notiz des UmernehmerverbandeS nichts anderes herauslesen, al« in unserer Notiz in Nr. V enthalten war. Kein Streik in de» Vrauereien. Die Brauereiai beiter haben in den Betrieben darüber all- gestimmt, ob die von den Unternehmern angebotene Lohnerhöhung von 25 N. pro Woche anFenommen oder ob wegen der von den Aibeilern gesiellicn Forderung von SO M. der Streik proklamiert werden sollte. Das Ergebnis der Abstimmung wurde M'ilwoÄ abend in einer Vertrauensmänner- Versammlung der Brauereiarbeiter bekanntgegebeu. Von 5194 gültigen Stimmen waren 30St gegen. 2110 für die Amiahme des Angebotes. Die für die Ablehnung b-zw. des Streiks erforderlich- Zweidrittel- mehrheit ist damit nicht erreicht; sie beträgt 8663 Stimmen. Da« Li. gebot der Unternehmer ist also angenommen und der Streik tritt nicht ein. keins Wirtschastsbeihllfe öer hauöardeiter in Neichsoetc;eben. IN S�r.? de?.Vorwärts" hatte» wir die Zuschritt ein«S Parteigenossen teröffentlickt, der sich darüber beschwerte, daß die Hau d- arbeiter im Autopark der Tabil deS ReichSverwertungS« omteS noch inmrcr anf die Auszahlung der ongekündigi-n Wirt- kckaftSbeihilfe warten. Aehnlicke Klagen find uns auch aus anderen staatlichen Betrieben zugegangen. Eine uns jetzt übermiiielts Antwort des AeichSoerwertungS- omteS zerstölt auck die Hofsilung, dajj es sich vielleicht nur wn eine Bummelei der Verwaltungen in der Auszahlung der Wirlschafts- beihilse Handel«. Nach der Antwort ist dio Wirtschaitiboihilfe nur für die Handarbeiter in de» Verwaltungen, nickt aber in den i- ch u i ch e n Betrieben bestimmt. Die Zuschrift lautet: DaS ReichSverwertunqsamt ist nicht in der Lage, von sich aus über die Zahlung einer WinschaftSbeihrlfe selbständig zu beschließen. Wegen der Gewährung einer solchen BeihU'e für Handarbeiter ist' von der NeickSregicrung angeordnet worden. daß diese Beihilfe nur a« die Handarbeiter in den Verwaltungen— unter ver'chiedeuen Voraussetzungen— ausgezahlt werden darf. nicht aber au Handarbeiter in Betriebe«. Diesen Beschluß bat das ReichSverweriungSamt wie jede andere Reicksbebörde zu be- folget!. Eine eigenmächtige Äbwcickmig hiervon zugvnfien der Handarbeiter im Auiopark der Tabil des Reichsverwertungsamtes ist eben nicht zulässig, da cS sich hier um Arbeiter in den Be» trieben und nicht in einer Verwaltung handelt. In der Beantwortung einer Anfrage der Abgeordneten K o ck und Stahl, warum die Beschaffungsbeihilfe den Arbeitern der früheren HeereSwerkflätten nicht gezahlt worden sei, hat der Reicks- schatzminister bereits eine inhaltlich gleichlautende Auskunft gegeben und die BeschassungSbeihilfs für die Arbeiter in den B e r- waltungen damit mstiviert, daß die Löhne dieser Arbeiter- grupp« der Preisgestaltung nicht immer im gleichen Maße gefolgt wären, wie die iu den Betrieben deS Reiches und der Privatunternehmungen. Das ist freilich ein schlechter Trost für die Betroffenen. Mit Vollem Recht können sie sagen, daß weder in den Privat» betrieben»och in den Betrieben deS Reiches die Löhne auch nur annähernd der Preisgestaltung gefolgt sind. Die Preise haben die nicht zu verkennende Tendenz, sich den Welt- Marktpreisen zu nähern, während die Arbeiterlöbne sich immer noch auf der Höhe der für ZwangSbewirtschaftung not wendigen LebenSkosten halten. Tarifbekvegmtg bei de»: Städtische» Strastenbahncn Berlins. Der Gemeinde» und StaatsarberterveroanÄ, Filiale Große Berlin, schreibt uns: Am 5. und 6. Januar b. I. tagten zwei Voll- Versammlungen des Personals der Städtischen Straßenbahnen Ber- liuS, um zu der Frage erneS neuen Tarifabschlusses Stellung zu nehmen. Ms zum 31. Dezember 1919 waren die Städtischen Straßenbahnen, gleich der»Großen Berliner", an einen Tarifveo- trag gebunden, der zwischen dem Arbeitgeberverband der Straßen- und. Kleinbahnen Deutschlands und dem Deutschen Transportarbeiterverband abgeschlossen War. Dieier Tarifvertrag hatte schon bei seinem Abschluß den be- tätigten Arbeitnehmern so wenig Vorteile geboten, daß schon von Anfang an dagegen Sturm gelaufen wurde. Den städtischen Straßenbahnern aber bot dieser Bertrag nicht nur fcine Vorteile, sondern im Gegenteil schwere Nachteile. Das Personal der kommunalen Bahnen arbeiieke> stet gm ig anderen Arbertsbevingungen, gleich allen anderen kommunalen Ar- beide rn, als die der»Großen Berliner" oder anderer privater Unternehmungen, die sich daraus ergaben, daß die Kommune eine anders geartete Lohn- und Arbeiterpolitik betrieb. Diese unter- schied sich von der der kapitalistischen llntemccmimgen dadurch, daß neben den Löhnen ein Anrecht auf Ruhelohn. Bezahlung der Krankheitsiage, Urlaub«nd andere Vorteile sozialer Natur gewährt weichen. Auf daS Personal der Städtischer Sicußanbahn Berlins wurche auf Grund ihrer Stellung Äs kam. munale Arbeiter die oben erwähnte Entlohnungsart seit Bestehen der kommunalen Bahnen angewandr. bis eines TageS der Magistrat Berlin auf den Einfall kam. wahrscheinlich auf Betreiben des'früheren Dezernenicn für das Verkehrswesen. Herrn Kourad von Borsig, und unter Mitwirkung des Direktor? der Städtischen Bahnen. Herrn Dr. Dietrich, sich dem Arbeitgeber- verband der Siraßen- und Kleinbahnen anzuschließen, um sich so feder selbständigen Handlung in seinem Betriebe zu hegeben. Die Folge war, daß nun der erwähnt« Arbettnehmerverband einen Ta- rifvertrag abschloß und ihn dem Personal der kommunalen Bahnen aufoktroisterte, ohne lange zu fvogen, ob die andere Seite auch da- nrit einverstanden war.' So mußte nun, ohne die Möglichkeit einer Abwehr Zn haben. das Persona! der städtischen Dahnen zusehen, wie ihnen ihre Ar- veiisbedingungen und besonders die Einrichtungen sozialer Natur. die ihnen als /ommunals Arbeiter zustanden, erheblich verschandelt wurden, um den Straßenbahnern der»Großen Berliner"»keinen Grund zur Begehrlichkeit" zu geben. In den beiden Vollversammlungeit der städtischen Siraßen- bahner kam nun zum Ausdruck, daß sie sich auf keinen skall unter einer. Tarifvertrag mit dem Arbeitgebervervand zuxrn v. lassen werden. Sie beanspruchen auf Grund ihrer©tepr.' städtische Arbeiter Gleichstellung mit alle» ande r kommunalen Arbeitern und hoffen, mit dieser �verständlichen Forderung auf das Verständnis und die lhiwestützung der Arbeües- veriretung in der Kommune und der Berliner Bevölkerung rechnen zu können. Erwarte! wird, daß eS dem Wirken der Vertreter� der Arbeiter im Stadtparlamer.t gelingt, den Aordernngeii d-er städfi-, fchen Straßenbahner in der kommenden MagistratSsitzung Gehör zu verschaffen. Rur durch Entgegenkommen nach dieser Richtung hin wird es möglich sein, der Bevölkerung Berlins est:« BerkchrS» mifrre wie vor einem halben Jahre zu ersparen. In einer Resolution, die sofort der Stadtverwaltung und den einzelnen Faktoren zu übermitteln ist. protestieren die Berhrm-- melren gegen den Versuch, das Personal unier einen neuen Ber- trag nnt dem Arbeitgeberverliand zu zwingen. Die Resolution verlangt weiter für daS Persona! der städtischen Bahnen, unter den gemeinsamen Tarif aller bei der Stadt beschäftigten Arbeiter ge- stellt zu ln-rden. Di- OrtSv-rwaktungen des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter und des Deutschen Metallarbeiterve rbandeS werden beauftragt, alle not- wendigen Schritte zu unternehmen, um dieser Forderung Geltung zu verschaffe«.__ kkaffendotru aus de« Spevitlouö- und pHäbeltranStzartbeirieben. Freitag, de» S. Januar, abends S Uhr. im yerbaiidsnureau. Ergelufer Iii. vom kl, Zimmer R. wichllge Sitzunr, betr. Lsbii-Ztezulieruug. Die Ber- trauentleute und AnaefleN-n-AuStchußmItglteder werden gebeten, dt« Kasfenbotcn daraus ausmerlsam zu macheu. H.». Eckert. Lichtenberg. Die BetrleSSveriaminluna für den Ei- somtdetiieb findet am fireitaz, den 9. Januar, mittags tS Ubr, Vali. Vecantw. kSr den redaktlon. Teil: Art»' gickler. eiotfe. Berlin. Äerlag: kirrwürts-Bcrlag S. in. m !3.3u46a»re:e{ u. fcerloavo.jRal»-tznui Sina»». Co. Berlin. 5:nbt.:r._-, Z 3«. octlj KbottoMenbur«; für iätitrictn; b. S.. Berlin. Said; Sur« Rieten 1 BcUase. ForSseizung des i�w@iitiir-¥©rk®iifs En aüen«riaubten ausserdem Preiswerfe Lebensmittel Viktor a- Erbsen PfeBd 393 Bohnen....... Pfand 363 Tafel"Reis k».......... 6M Maisgries........ pw 253 Maismehl™ Haferbackmehl...... Pfand Z'* Backpflaumen...... P'>ad 52a Backobst...........»««d 5� Binsen......... ,....�5� Maronen HerKMim pm 290 rM 19" e�.lS«' Kaffee siü-ü jebT«»Bt Kakao x»,«,.!«»< Ordo-Tee........-> Pk-»ä 21� ..... Püi«! l10 £s&-Btrnen«�«�.fi-4 l,s Apfelmns..... 3 pfaad-v°« Stachelbeeren 2 pfund-oo«. Hetdelbeerea.. 2 Pk—d-v»-« £a*aerkirscljcn«'--:t., i; w.-D�e 5 � 3 Apfelsinen....... � 1U3 323 453 450