Ur. 13. 37. 1-Hrg. Bezugspreis: BiertÄISHrl. ZK!. frei ui3 Hau», ooruu» zahlbar. Postbezugs PionoUid) 1ÜO Ml. ejEL Zn- ttoUunzsgebühr. Uuler Kreujband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn V.7Ö Zill. Hit da» übrige Ausland l 2� Ml. bei iaalich e-nmal. Zustellung Id.— Ml.-s- Valuta-Aufschlag. Post- bestellungco nedmru au Lanemert. Holland, üuxemburg. Schweden und d.e Schweiz. Singerragen in die Post- Seitungs- Preisliste. Der.Borwä«,� ntit der Sonntags- beuage.Volk u. Zeit' ericheint wachen- täglich zweimal. Sonntag» eismal. Telegramm-Adresse .Sozialdemokrat Berlin-. Morgen-Ausgabp. berliner NolKsb!e»tt ( 20 Pfennig� Anzeigenpreis: Die achtgowaltene Nonpareillezeile � lostet 2.— M., Teuerungszuschlag 60';» „Kleine Anzeigen-, das fett- gedruckte Wort 75 Pfg.(zullisjig zwei lettgedruchte Wortes, tcdes weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlllsltelleuanzeigen das erste Wort bd Pfg. iedcs weitere Wort 40 Pfg. Worte über l5 Buchstaben zästleu für iwet Worte. Teuerungszuschlag 50°.». Familien-Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Berein»- Anieigen 2.— Mk. die Feile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis s Ahr nachmittags im. Hauptgeschäft. Berlin S9B68. Ltnden- strahe 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zcntralorgan der rozialdcmokratird)cn partd Dcutfchlands Neüaktion und Expedition: ctD. e$, Lindenstr.?. Fernivrecher: Amt Morrtiplav. Nr. kl-l iXt— 131!>7. Freitag» den 9. Januar 1920. Vorwäcts-Verlag G.m.b. h., SW. ö$, Lindenstr. Z. aernivrrcher: Amt MorlNvia«, Nr. i l 7 SZ— 31. Prämien auf Gefangenenmorö. die große Gefahr. AuS Rom wird uns aus. den letzten Tagen des alten Jahres geschrieben: Was hat das erste Friedensjahr Italien gebracht? Den Frieden nicht, auf den die ganze Welt vergebens wartet. Wenn für Italien am Jahresanfang die Erwartung stand. die Früchte des Sieges zu ernten, so steht am Jahresende die Enttäuschung. Italien ist ein armes Land und har einen riesigen Kraftaufwand gemacht, den es sich selbst nicht zugetraut hätte und dessen seine Verbündeten es nicht für sähig gehalten hätten. Für diesen Kraftaufwand erwartet es einen entsprechenden Gegenwert an nationalen Vorteilen. Ganz schematisch gesprochen, erwartete Italien die Lösung der folgenden Forderungen von' einem siegreichen Kriege: die Einverleibung der italienisch sprechenden Bevölkerung in seinen Staatsverband, die Sicherung seiner Ostgrcnze zu Lande, die Ncutralisierung der Adria und die Zuteilung wirtschaftlicher Einflußgebiete. die seine bisherige Abhängigkeit in der Roh- stofsversorgung von England und Amerika vermindere. Der erste dieser Zwecke, die Einverleibung der italienisch sprechenden Bevölkerung, stieg auf innere und äußere Schwierigkeiten. Er ist zurzeit nur unvollkommen erreicht worden. Dagegen ist die Landgrenze nach Osten so ausze- fallen, wie sie die weitgehendsten Wünsche gesteckt hatten. Ebenso völlig, wie der Erfolg zu Lande, ist aber der Miß- erfolg, zur See. Italiens unbefestigte und nicht zu de- festigende flache Oftküste ist den Einfällen der entgegengesetzten buchten- und inselreichen Küste ausgesetzt, von der aus die S l a w c n südwärts drängen. Die amerikanische und fran- zösische Arbeit zur Gründung eines starken jugo- slawischen Reiches läßt Italien mit denselben Sorgen gen Osten sehen, wie zu Zeiten der habsburgiscden Monarchie. In Sachen wirtschaftlicher Vorteile ist schließlich Italien als Aschenbrödel von der Entente behandelt worden. So steht das Land heute mit großer Bitterkeit auf die bisherigen Kampfesgenossen; man hat das Gefühl der Zu- rücksetzung und der verweigerten Anerkennung der tatsächlich geleisteten Dienste. Und man wird sich in Italien langsam bewußt, daß heute keine Jnteresscnsolidarität Italien an die Großmächte der Entente fesselt. Die Schaffung lebenSun- fähiger Staatengebilde, wie sie die Angstneurose Frankreichs zeitigt, muß Italien mit Sorge erfüllen, weil man hierzu- lande keine neuen Kriege will. Man hat auch kein Interesse an dem wirtschaftlichen Ruin und an der wirtschaftlichen Lahm- legung Deutschlands, weil ein Land, das auf die Einfuhr ansivärtiger Jndustrieerzeugnisse angewiesen ist. schlecht dabei fährt, wenn cm Staat das Monopol der gewerblichen Güter- erzeugung hat und Monopolpreise forderr. Italien hat weder Frankreichs Angst noch Englands Jnter- essen, aus denen heute der Strick um-Deutschlands Gurgel gedreht wird. Ihm braucht nicht vor einem starken mitteleuropäischen Staate bange zu sein, heute, wo dieser Staat als Militärmacht ausgeschaltet ist. Es braucht nicht, wieJFrankreich, Deutschland zu fürchten, als BevölkcrungS- masse mit anderem Zuwachsrhythmus als den eignen. Italien ist dichter bevölkert alS Deutschland, hat eine stärkere Ge- burtenzahl, hatte vor dem Kriege etwa denselben Geburten- Überschuß wie Deutschland, im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Es braucht sich seine eigene Lebensberechtigung nicht da- durch zu beweisen, daß cS andern die Lebensmöglichkeit ab- schneidet. Und von der Erwürgung der deutschen In- d u st r i e hat es schon ganz und gar keinen Vorteil. ES kamt seinen gewerblichen Bedarf nicht im Lande erzeugen, heute weniger als je. wo es 400 Lire für den Doppelzentner englischer Kohle bezahlen muß. Es braucht fremde gewerb- licbe Erzeugnisse, kann in normalen Zeiten dafür Bodcnpro- dukte und andere Erzeugnisse austauschen..?eute zahlt eS Monopolpreise für englische und französische Waren, so daß zwei Stahlfedern Centesimi, eine Nähnadel 5 Eeniesinn, eine Schere 20 Lire kosten. Italien ist weder ein mächtiges Industrieland, dem daran liegt, den Konkurrenten totzüschlagen. noch ist es ein um die Selbstbehauptung seines Volksbestandes besorgter Staat, der den Druck eines lebenskräftigeren Volkes mit allen Mitteln von seinen Grenzen abzuhalten sucht. Es ist ein aufstrebender junger Staat, demokratisch in der Verfassung und im Volks- rmpfmden. in dem nur sehr schwache Strömungen auf milita- ristische und Kolonialabenteuer vrängen. Es strebt nach Frieden und vor allem nach Unabhäiigigkeit. was ja ein Tell des Selbsterhaltungstriebes ist. Für den einzelnen wie ftir den Staat. Run hat Italien sicher seine militärische Unabhängig- kcit erhöht, aber eS steht sehr dahin, ob dieser Gewinn nicht durch die gesteigerte tvirtschajlliche und fluaujielle Ab» SO§rank für jeden toten Deutschen. Der Berliner schweizerischen Gesandtschaft ist eine Verbal- note der deutschen Regierung übergeben worden, in der es u. a. heißt:. TaS„Journal du Peuplc" vom 10. v. M. hat in einem Ar- tikel„k'rime 4 l'assassinat"(Prämie für Mord) gemeldet, daß die französischen Soldaten, welche die deutschen Kriegs- gefangenen bewachen, für jeden lebend eingebrachten Flüchtling eine Besohaung von 25 Frank, für jeden tot zurückgebrachten Flüchtling aber eine Belohnung von 5 v F r a n k erhalten. Diese ungeheuerliche Nachricht findet ihre Bestätigung in folgendem Vorfall, der aus zuverlässiger Quelle hier bekannt- geworden ist. Am 30. Oktober v. I., mittags 1 Uhr, hat der der L. G. R. L. 506, Lille(Nord), zugeteilte Sergeant-Fou- ricr Gabriel Renault vom 43. französischen Infanterie- Regiment vor der Kompagnie, die aus dem Hofe zum Ab- marsch nach dem Arbeitsplatz anqrtreten war, die Posten ge- fragt, ob sie Patronen hätte», und dann hinzugefügt: Sie schieße» ohne vorherige» Anruf auf jeden, der sich außerhalb des Trahtzaunes befindet'. Für jeden Getöteten zahle ich Ihnen eine Prämie von 5 0 F r. aus meiner Tasche! Das Auswärtige Amt wäre der schweizerische» Gesandt- schuft dankbar, wenn sie auf tclegraphischem Wege ihre Ver- mittlung eintreten lassen wollte, damit die schweizerische Gc- sandtschaft in Paris bei der französischen Regierung gegen die zurErmordungderKriegsgefaugenen geradezu auffordernde Maßnahme schärfsten Einspruch erhebt und auch die Forderung stellt, daß der Sergeant Renault um- gehend zur Verantwortung gezogen wird. Gewalt, Gewalt bis zum äußersten. Tiefe Kriegsparole Wilsons ist das Friedenswort des Obersten Rates. Die bereits angekündigte neue Note lautet: Im Lause der gegenwärtigen Bespvechun-gen hat der Vor. sitzende der deutschen Sachverstälidögeickommisfüm von Sünson eine Antwort aus Sfjtc» Brief vom 28. Ottober erbeten, der eine Note betreffend die vorläufige DomarZationSlime Mischen Deutschland und Polen und die Berichtigung der Ost- grenze übevmittelte. Die in der genannten Note(urchaltenen Vorschläge würden die Wirkung haben, den Vertrag von Versailles wieder zur Er» örterung zu stellen. Ihne» tan« abst> nicht Folg« gegeben werden. Die alliierten Mächte können sich nur an die De- stimurungeu deS Vertrage? vom 28. Juni l9l9 halten. Den Gewaltfrieden zur Erörterung zu stellen, wovor die Weltordner eine Heidenangst haben, das wird die Aufgabe des Proletariats in ihren Ländern sein. Bürdig schließt sich folgende Mitteilung an: General ße Rond hat die deutsche Note über daS Huiltschiner Gebiet vom 3. November dahin beantwortet, daß bor Oberste Rat di« Ablehnung der Bitte der Hultschiner BevAke-- cung auf Einbeziehung ihres Gebietes in die obevschlesische Ad- st immungszone beschlossen haSe. So gewähren die Theoretiker von der„Selbstbestimmung der Völker" den deutschen Hultschiuern nicht einmal das Recht, über ihre Tschechisicrung abzustimmen. Finch diesem„Frieden"! hängigkeit aufgewogen wird. Die Staatsschuld ist von 14 Milliarden(vor dem Kriege) auf nahezu 00 Milliarden gewachsen und wächst allmonatlich um etwa eine Milliarde. Die Staatsausgaben übertreffen die Einnahmen um das Drei- fache, die Staatsbetriebe arbeiten mit einem Defizit von meh- rercn Milliarden sährlich. Der Wert der Ausfuhr beträgt weniger als ein Viertel des Wertes der Einfuhr. Von der Staatsschuld sind etwa 14 Milliarden im AuLlando und müffen in Gold verzinst werden. Noch größer als die finanzielle ist die wirtschaftliche Abhängigkeit, und Zwar ist au die Stelle der Ab- hängigkeit voin Weltmarkt, der jedes dichtbevölkerte Land unterliegt, weil fein Boden die Bevölkerung nicht ernähren kann, heute die unmittelbare Abhängigkeit von der Entente und Nordamerika getreten, durch die tatsächliche Ausschaltung Rußlands. Ungarns und Rumäniens aus der Reihe der Korn liefernden Länder. Italien erzeugt 45 bis 50 Millionen Meter- zentner Weizen, die auch vor dem Kriege eine jährliche Ein- fuhr von 18 Millionen Meterzentnern nötig machten. Fast die gesamte Korneiufuhr kam über daS Schwarze Meer und komim heute aus Amerika. Ebenso wichtig wie Brotkorn sind einem Kulturlande Kohlen. Im Jahre 1013 wurden 12 Mittivnnl-tonncu cutgestchrl. jajt alle au» England. Im Vorjahre ließ sich nicht einmal die Einfuhr der Hälfte er- zielen. Die Konkurrenzfähigkeit der italienischen Industrie wird im Keime erstickt, wenn sie bei dem heutigen Wechsel (46 Lire für ein Pfund Sterling) die Kohlen in England kaufen muß zu dem hohen und beständig steigenden Preise. den die englischen Kohlenbarone mit Billigung ihrer Regierung für die auswärtigen Kunden berechnen. Weniger wichtig, aber immer noch wichtig genug ist die Abhängigkeit vom Petroleum des Auslandes, von dem einschließlich seiner Nebenprodukte etwa drei Millionen Doppcl- zentner im Jahre I9l3 eingeführt wurden. Die Entente- Politik, die die Wege nach dem Osten verrent, iv e i st Italien ganz ans Amerika, auf die Standard Oil Company. Deshalb hatte Italien seine Blicke auf Klein- a s i e» geworfen, auf die Bergwerke von Heraklea. auf die Ebene, die eine der Kornkammern des kaiserlichen Rom war. aber es scheint, daß es bei der Teilung der Erde zu spät gekommen sei. Während England und Frankreich sich über die„natürliche" Grenze zwischen Syrien und» Kilikien einig werden, scheint für Italien nichts abzufallen als gelegcnt- liche nnverbindliche Sympathieäußcrungen der Presse. Dazu die ratsächliche, unvermeidliche Kriegs not: steigende Preise, sinkende Valuta, Arbeitslosigkeit und Steuer- druck. WaS ist da natürlicher, als daß die U n z u f r i e d e n- heit wächst, wofür die Wahlen ein Beispiel geliefert haben. Deshalb zieht das neue Jahr für Italien mehr drohend herauf als verheißend. Tie h e r r s ch e n d e K l a s s e ist in ihrer Hcrrscherstellung erschüttert und scheint sich selbst aufzugeben. Die Arbeiterschaft hat das Bewußtsein dieser Machtverminderung und unterliegt der naheliegenden Ver- sührung, die Erschlaffung des Gegners als eignen Kräfte- Zuwachs zu deuteu. DaS wäre sie in der Tat. wenn es sich nur darum handelte, den Gegner niederzustrecken; daS ist sie nicht, da eL sich darum dreht, an Stelle des Gegners organisatorische Aufgaben von nie gestellter Schwere zu lösen. Hier liegt heute die große Gefahr für Italien. Die Arbeiterschaft ist vielleicht stark ge- nug, das heutige Regime zu stürzen, aber noch nicht reif ge- nug an Selbstsucht und sozialem Empfinden, um Besseres an seine Stelle zu setzen. Deshalb möge das Geschick dem Lande Jahre der Reifung bescheren, die ein starkes, technisch, orga- nisatorisch und sittlich hochstehende» Proletariat berufen, ein Regime abzulösen, das der Weltkrieg und der ihm folgende Frieden in seineu Grundvesten erschüttert haben. Sowjet-Schieber. Die Kommunisten sind offene Michel. Sie fordern die Arbeiter und— vorläufig— auch noch die Angestellten auf, durch revolutionäre Betriebsräte die Leitung der Produktion zu übernehmen und sie benutzen die gegenwärtigen Stockungen der Kohlen- und Kartoffelzufuhr, um den Glauben zu er- wecken, daß es das alles untci� dem Rätesystcm nicht geben würde. Rußland lehrt zwar, was für ein Blech das ist und wir wissen auch, welch ungeheuren, ja unüberwindlichen Widerstände bei der nichtsozialistischen Mehrheit in Deutsch- land diese„Regelung" entfesseln würde. Die Kommunisten selbst beweisen, wie verantwortungslos sie agitieren; da bei der Siebenstundenschicht schon überall Kohlennot herrscht, forden: sie— die Sechsstundenschicht, obgleich es gar keine arbeitslosen gelernten Bergarbeiter gibt. Aber das sind eben die� Kommunisten, da ist weiter nicht darüber zu reden, denn bei denen muß alles vcrungeniert werden. Da ist aber auch die„streng marxistische" U. S. P. mit ihrer historisch-matenalistischen„Freiheit". Die beschwert sich darüber, daß daS Essener„Ruhr-Echo" eine Papierliefcrunz nicht bekommen habe. Ob das nicht etwa mit dem Eisen- bahner-streik öv: Westen, der doch ganz in: Sinne der unabhängigen Verkehrsktreikler liegt, zusammenhängt,— tja. einen iroßen Geist aenierts«ich. und'neu kleeneu jehts nischt an. Die Verhandlung des BekriebsrätegesetzcL im Parlament wollen sie paragraphenweise zur Hetzerei benutzen, obgleich diese edlen Brüder die Möglichkeit, im A u s s ch u ß an der Verbesserung des Gesetzes zu arbeiten, ziemlich im- benutzt gelassen haben. Kautsky betont in seinem Buch über Terrorismus, daß nur Demokratie und Menschlichkeit uns den Sozialismus bringen können, aber die Haus— knechte der K. P. D. die täglich die Fußtritte ihres Herrchen» begeistert empfangen, arbeiten unausgesetzt durch Hetzeret und Gabvtage für den allgemeinen Wirrwarr, der die R ä t e b o n z e n an die.Herrschaft bringen. soll. Sie schieben Diktatur und schinden Menschlich- keit» die diese» Unduldsamen wesensfremd ist- Sie wisse» tlanz genau, daß Sowjeistädte keine Lebensmiitel, ein Soivjei- Deutschland keine Rohstoffe kriegen würde—, tut nichts, s i e schieben Diktatur. Langen dann auch die Terroristen von der anderen Fakultät, die Baltikumcr und sonstigen Mi- litaristen, zur Gewalt, so ergreifen in den Städten die kräf- tigsten Elemente des Zivils— die Herren Verbrecher— zunächst noch mal die Diktatur. Hat doch auch der Raubmörder von der Gipsslratze erklärt, wenn er mal was mache, gehe er zu den B o l s ch e w i st c n; die Reichswehr war ihm die Durchgangsstation. Sehen wir es nicht an den Taten der Weißen in Ruß- land und Ungarn, haben wir es nicht auch ui München und — jawohl!— auch in Berlin gesehen, was auf die„Ditta- tur" notwendig folgt? I Dagegen zetern die Herrschsüchtlinge um Crispien und Däunng' in ihrem vielfach krankhaften Geisteszustand; aber sie selbst sind am Werke, es dahin zu bringen. Sie selbst— die aufrichtigen Rätediktatoren und die Halbschlächtigen, denen jenes Endziel— wie jedeL Positive Resultat— nichts, die Bewegung dazu aber, die Hetzgelcgenheit und die Aussicht, jede andere Meinung revo- Iutions„gesetzlich" zu unterdrücken, alles ist: die Sowjet- Schicbcr._ Der Verräter. Wie oft wurde nicht während des Krieges die N i b e- lungentreue gerühmt. Die beiden Monarchen Wilhelm der ll. und Karl der I. wurden in allen Tönen als das Symbol derselben gefeiert. Wie oft haben diese beiden„erlauchten" Herrscher nicht in gegenseitigen Tele- grammcn einander ihre Treue gelobt. Wehe deni, der auch nur den leisesten Zweifel an der Nnerschütterlichkeit der Nibelungentreue zu hegen sich erdreistete, sofort fiel die ganze Meute der deutschen und der k. und k. Reaktionäre und Hof- schranzen über den Armen her. Wie man heute in diesen Kreisen über den verflossenen Kaiser Karl urteilt, zeigt folgende kleine Notiz im Berliner «Lokalanzeiger". Dort heißt es: Ter Verrätcrbrief Kaiser Karls vom 1s. März 1317 an den Prinzen Sixtus von Parma wird im heutigen.Abend", dem bestinformierten Spärabendblatt Berlins, daö täglich kurz nach S Ubr im Straßenhandel stir 15 Pf. zu haben ist, im Fakfimili veröffentlicht." So sieht der Patriotismus der„Kaisertreuen" aus. Während des Krieges machte man Geschäfte mit hurrapatroti- scheu Schilderungen über die Frontreisen und den Fall Kaiser Karls iu den Jsonzo. und heute macht nian Geschäfte mit dem Verräterbrief des Mannes, dessen Treue man früher nicht genug rühmen konnte._ Die angeblich verschwunöenen Ulkten. Durch die Korrespondenz B. S. verbreitet Genosse D a v i d s o h n jetzt eine Darstellung, in der er die Bchaup- tung, daß in der Sache S k l a r z Akten verschwunden seien, zu stützen sucht. Zunächst beröffentlicht er einen eigenen Brief, in dem er dem Staatsanwalt auf dessen Rückfrage um nähere Angaben, wo Akten verschwunden sein sollen, einen durchaus aus- weichenden Bescheid gibt und dem Staatsanwalt anHeim- stellt, sich selber auf allen Acmtern zu erkundigen, mit denen Sklarz in Berührung gestanden hat. Wir halten das nicht für die richtige' Art,-die Aufklärung der Angelegenheit zu fördern. Ferner veröffentlicht Davidsohn noch das Schreiben eines Herrn B a r u ch an Davidsohn, der behauptet, daß ein von ihm im Februar�919 an Scheidemann in Sachen Sklarz als „streng vertraulich" gerichtetes Schreiben aus den Akten der Reichskanzlei entwendet worden sei. Hierzu teilt uns Genosse Schcidemann mit, daß er sich dieses Schreibens augenblicklich nicht entsinnen könne. verstbollene berliner Tage. Von Josef Kliche. Wenn in meiner schlefischen Heimat vor dreißig und mehr Jabren die im letzten Lehrjahre stehenden jungen Handwerker jemand fragte, wohin sie wohl, sobald sie die Lehrzeit beendet, ihre Sckritte lenken würden, so antworteten sie stetö: nach Berlin! Dieses Nach Berlin! klang so zuversichtlich und selbstbewußt, daß ein Zweifel an der redlichen Absicht des Antwortenden, noch an der etwaigen UnWahrscheinlichkeit der Ausführung derselben gar nicht auskam. Nach Berlin gingen schon seit Generationen die jungen Bauarbeiter, die Maurer und Zimmerer. In ganzen Kolonnen fuhren sie zwischen Ostern und Pfingsten über KottbuS und Frank« furr a. O. in das Gebiet des großen Lockvogels, um kurz vor Weihnachten wieder in die Heimat zurückzukehren- Daö war schon so gewesen, als noch keine Eisenbahnstränge Schlesien mit Berlin verbanden. Damals waren sie zu Fuß ge- wandert. Mit Ränzel und Knotenstock verseben, strebten sie in Tagemärschen der märkischen Metropole zu. Und es hatte immer einen hohen Schein von Nomantik an sich, wenn die alten Arbeits« invaliden im Dorf von jenen Tagen erzählten, die wir Junge» uns kaum vorstellen konnten. Von den langen Märschen. von dem Ueber« nachten in Herbergen und schließlich von Berlin selbst, das etwa dreihundert Kilometer entfernt lag. Von den dortigen Handwerks« und ArbeilSbräuchen, von den Straßen und Plätzen, vom schlesiichen Viertel, vom Friedrichshaiir und anderen Berliner Stätten, die der Weltstadt einen Teil ihres Gepräges gaben. Knabensehiv suchte wurden wach und heischten nach den Jahren, in denen man selbst die Reise nach Berlin antreten würde. Und als dann der Tag der Erfüllung kam, da setzte man sich auf die Bahn und fuhr vierter Klasse in gut halbtägiger Fahrt nach jenem Ort, für den man solange geschwärmt. Auf dem Schlesiichen Bahnhof stieg man auS und suchte sich in der Gegend der Cöpenicker Straße oder der Frankfurter Allee eine Unterkunft. Mit der Zeit lebte man sich ein. Viele gingen im Späiherbst wieder in die Heimat zurück. Neben einem gefüllten Beutel nahmen sie auch den sozialistischen Gedanken mit in die kleinen schlesischen Landorte. Sehr zum Verdruß des OrtSgeistlichen. für den Sozialdemokraten damals noch so etwas wie Räuber und Mörder waren. Einige aber blieben je- weilig in Berlin zuvück, alklimatifierien sich und wurden im Laufe der Zeit gute Stützen der Berliner Arbeiterbewegung. Freilich, aus manchem Grünhorn ist später auch ein Taugenichts geworden, für den Idealismus und Organisation böhmische Dörfer blieben. Für den vom Lande Kommenden hatte Berlin ungezählte Reize. Und die Gedanken, die ein Stürmer und Dränger de» literarischen Naturalismus, Julius Hart, in sich trug, als er al» junger Student aus dem Westen der Reichshouptsiadt zueilte, die gleichen Gedanken lebten, toenn auch in anderer Form, in. den Köpfen mancher auS dem entgegengesetzten Ende Deutschlands kommenden jungen Arbeiter. Noch heute denke ich der Stunde, i» der ich zu« ersten- Ist aber das Schreiben, wie der Absender selber behauptet, an ihn persönlich als„streng vertraulich" adressiert worden, so könne es sich gar nicht beide nAktender Reichskanzlei befunden haben, da er. Scheide- mann, ein streng vertrauliches Schreiben niemals zu den Akten gegeben haben würde. Wenn Sklarz von dem Inhalt des Schreibens Kenntnis erlangt hat, so erkläre sich das wohl daraus, daß Scheidemann ihn auf- gefordert habe, sich zu den darin erhobenen Beschuldigungen zu äußern. Wenn Herr Baruch weiter in seinem Schreiben an David- söhn erklärt, daß er dem„Vorwärts"-Redakteur K u t t n e r über seine Angelegenheit schon vor Wochen Mitteilung ge- macht habe, so ist das richtig. B. vergißt bloß hinzuzufügen, daß auf seine Bemerkung, er wolle vorläufig von seinem Material keine Verwendung machen. Kuttner ihm unter dem 2. Dezember 1919 wörtlich geschrieben hat: Wir können Ihnen selber nur den Rat geben, an Gerichts- stelle zur Aufklärung dcö Falles zu tu«, waS in Ihrer Möglichkeit steht. > Es wäre nun an Herrn Baruch zu erklären, woraus er schließt, daß sich sein Brief überhaupt jemals bei den Akten der Reichskanzlei befunden hat. fin alle Eisenbahner! Tie gewissenlose Hetze zum Streik, die unter der Flagge der Wirtsckiastspolitik getrieben wird, ist weiter nichts als eine poli- tische Maßnahme. Sie soll der Einführung des Rätesystems nach kommunistischem Muster auf der Eisenbahn die Wege ebnen. ES ist unwahr, wenn behauptet wird, daß daS Ministerium der öffentlichen Arbeiten die Verhandlungen mit den Arbeiterorgani- sationen nicht in entgegenkommendem Sinne führe. Ebenso unwahr ist, daß das Ministerium seine Vertreter nicht mit genügenden Bollmachten versehen habe. Die Unterbrechung der Beratungen ist nicht auf die Winkelzüge de? Ministeriums zurückzuführen, son- dern darauf, daß die Arbeiterorganisationen die Wcihnachtspauscn selbst verlangt haben. Ja, der Vertreter der größten Organisation beantragte sogar, die Pause fünf Tage früher eintreten zu lassen, als es tatsächlich geschehen ist. Ein LrrkehrSstreik im jetzigen Augenblick wäre ein unverantwortliches Verbrechen am Volke! Jeder politisch organisierte Eisenbahner hüte sich, den unter fal- scher Flagge segelnden Demagogen nachzufolgen! Jeder politisch organisierte Eisenbahnbcdienstete höre nur ans die Parole sei- »er Organisation! Zeigt, daß Ihr Euch der Tatsache bewußt seid, daß Ihr am Wiederaufbau des' niedergebrochenen W-rt- fchaftSl.'benS den tätigsten Anteil nehmen wollt! Laßt die gewissen- losen Hetzer nicht triumphieren! Um so weniger, als die Vor- s ch ü s s c ans die noch in der Beratung befindlichen Tarife schon jetzt gezahlt werden. Bewahret laltes Blut! Haltet die Nerven im Zaun! Folgt den Aufpcitscher« nicht, die Euch mißbrauchen wollen! Der Werbcausschuß der sozialdemokratische» Eisenbahner Groß-BerlinS. x I. A.: Thurau. Grunwaldt. Ursachen öes westlichen Eisenbahnerstreiks. Der-A l lg e mei ne Eisenbahnerterband ersucht um Veröffentlichung einer Erklärung, in der es heißt, daß er einen Ein- griff in die schwebenden Tarifverhandlungen nicht ge- fordert habe. Wohl aber seien neben den im Gange befindlichen Tarifverhaydlungen von der Eisenbahnverwaltung Abschlags- Zahlungen gewährt worden, die wegen der vielgestaltigen Tisse. renzierung starken Unwillen erregt hätten. Diese Differenzie- rung habe in der Hauptsache den Anlcß zu dem westdeutschen Eisend ahner st reik gegeben. Schon die bloße Tatsache der Vermittlung des ReichsarbeitSministerZ in der Frage der Abschlagszahlung, wodurch die schwebenden Tarifverhandlungen in mal den Friedhof der Märzgefallenen betrat. Wie heilige Sckiauer wehte es durch das frühlingSsreudig geschmückte Geäst. Pulste eS durch die junge Seele. Lenaustimmung wurde wach: halb senti- mentale Schwärmerei, halb Rebellentiotz. Aus der verband«. bibliothel im stolzen, rotgemauerten GewerkschastShauS am Engel- ufer und auS der Heimannschen Lesehalle in der Slexandrinenstraße holte ich mir tag» darauf die einschlägigen Geschichtswerke, um jene Zeit deS deutschen Morgens in mir zu verlebendigen. Täglich strömten neue Gedanken in daS aufnahmebereite Gemüt. Man wuchs mit seinen Zielen. In den zehn Jahren meines Berliner Aufenthalts habe ich oft im Hain gesessen. An schönen Sommernachmiltagen wellten dort die Mütter mit ihren Kindern und lehrten diese spielen, während die Männer ihrer Arbeit auf dem Bau oder in der Fabrik nach- gingen. Manche Kleinen waren auch auf sich selbst angewiesen und tummelten sich sorglos in den schattigen Gängen deS Hains. Bei ihnen mußte eben auch Mutter auf Arbeit gehen. Die stische Jugend und das greise Alter saßen hier beieinander, und manch altrS Mütterlein, das die Tage von Achtundvierzig noch aus eigenem Schauen kannte, habe ich hier sitzen sehen. Das erzählte dann den Enkeln von damals und später, als die Gründerjabre ins Land ge- kommen, die Bauarbeiter und die übrigen Handwerker gut der- dienten und ganze Stadtviertel auS der Erde wuchsen und den einst freiliegenden Hain mehx und mehr umsäumten. Jahrzehntelang hat unser unvergeßlicher Paul Singer das weite Arbeiterviertel des Berliner Ostens im Reichstag veirrelen. Bi« wir ihn dann an einem milden Winterionntag draußen in Feiedrichs- felde zu Grabe trugen. Erst neun Jahre find eS her und doch fcheintS so unendlich weit. Nebelgrau wird manche». Wo find sie hin die tollen Abende des Pücklerspuks, an denen der Dreschgraf aus Klein-Tschirne seine tragikomischen Vorsiellungen gab! Verklungen ist der Sang der Harfenjule, verklungen ist auch manches andere vom damaligen Berlin. Wißt ihrS noch, denkt ihr noch des Sonntags, an dem Bülcko feine Kanonen ins Hohenzollernschloß fahren ließ, damit sie bereit stünden gegen die stürmisch- da« freie Preußenwahlrecht fordernden Massen? Deykt ihr noch der Treptow- fpazieigänge? Und denkt ihr vor allem noch der kraftvollen Einheit der Arbeiterklasse jener Jahre? Nun fitze ich bald ein. Jahrzehnt hier oben an der Nordsee. Nur flüchtig habe ich ab und zu Berlin noch mal gesehen, kenne da» Berlin von heute nur noch auS Zeitungsberichte, l. Aber ich fühle: das beutige Berlin ist ein anderes, ein ganz anderes. Und dennoch: ich möchte es wiedersehen. Diese melancholischen Gedanlen und Erinnerungen wurden in mir lebendig, al« ich in diesen Tagen Max Kretzer» neues Berliner Skizzenbuch las. Bei Elischer in Leipzig ist e» erschienen und„Wilder Champagner" tst es betitelt. Auch der„Berliner Zola", wie er einst im Freundeskreise der Hart und Conradi genannt wurde, ist eines TageS au» dem Ost» nach Berlin gelommeu. Auch er kam über leiner Weise berührt tvurden, hätte nach der Ansicht der Verbands- leitung die notwendige Beruhigung geschaffen. lieber den Stand des Streiks wird berichtet: Nach der vollständigen Einstellung des Personenverkehrs in Düsseldorf begann ein gewaltiger Ansturm auf die nach Benrath fahrenden Straße ndabnwagei, sowie auf die Wagen der Duie- bürg— Mettina, mer Kleinbahn. Der Güterverkehr ruht nahezu vollständig. Es drohen ernste Ernährnngsschtvic- rigkeiten. Ganz besonders schiWrig wird die Lage der Wasser- und Beleuchtungswerke sowie der meisten Industriebetriebe. Ter Streik im DirektionSbezirk Elberfeld dauert mit gleicker Schärfe an. Im Essener Bezirk wird nur an wenigen Stel- len gestreikt. Die Frankfurter Hauptwerkstätte arbeitet nor- mal. Die Haupttverkstäpe Nied bei Frankfurt a. M. erzielt dagegen äußerst schlechte Arbeitsleistungen, da dort nach wie vor passive Resistenz geübt wird. T« Nied zum besetzten Ge- biet gehört, bat die Direktion Frankfurt sich mit den zuständigen Bcsabungsbehörden in Verbindung gesetzt, damit von dieser Seit: die nottvendien Maßnahmen ergriffen werden. Die Direktion Elberfeld hat Anordnungen getroffen, die den notwendigen M i l ch- verkehr sicherstellen sollen. Die Eisenbahnhauptwe,:- statt Dortmund liegt seit Donnerstag morgen still. Sämtliche 3000 Aöberter streiken. Auck bei der Güterabfertigung in Dortmund ist die gesamte Arbeiterschaft ausständig. Ter Güterverkehr wird nur in ganz geringem Umfange aufreckst- erhalten. Im Personenzugverkehr sind bisher wesentliche Ein- schränkungen noch nicht zu verzeichnen, doch ist eine allgemeine Lahmlegung zu befürchten. Der Schnellzugsverkehr Berlin— Köln wird bisher durch Um- keitung der Züge durch daS besetzte Gebiet teilweise ausrechte-- halten, so daß noch eine Verbindung zwischen Berlin und Wei!- dcutschland besteht. Jede Verbindung Düsseldorfs, wo der Eise» bahnverkehr völlig ruht, mit dem Industriegebiet ist unterbreche» Diese Nachrichten zeigen deutlich, daß Berkehrsstreik Volks- ruin ist. Amtlich wird gemeldet: Die Verhandlungen über den Lohn- taris mit den Eisenbahnatbeiterorgamsationcn nehmen auch toeiter- hin einen guten verlauf. In den letzten Tagen ist Einverständnis über die Bildung der Lohncrtsgruppen in den Eisenbahndirektions- bezirken Köln, Saarbrücken, Elberfeld und Essen erzielt worden. Ferner hat eine Einigung darüber stattgefunden, daß der Unterschied im Stundenlohn zwischen den einzelnen Lohngruppen 20 Pf. be- tragen soll., Meurer verabschiedet. W. T. B. meldet: Admiral Meurer,. der bisherige Chef der Mariuestation der Ostsee Hot in seinem(vom„Vorwärts" veröffentlichten) Neujahrsbesehl Ausführungen gemacht, die nur als ein Angriff auf die Politik und die Autorität der Reichsregierimg angesehen werden konnten. Admiral Meu- rer hat daraufhin seinen Abschied eingereicht, der ihm auch bewilligt wurde. Die öeamtenzulage vor üem Reichsrat. Der R e i ch S r a t stimmte mit Ausnahme der Vertrete Württembergs und Badens der von der Nationalversamm« lung gutgeheißenen Erhöhung der lausenden Teuerungszulagen de« ReichSbeam tcn für die Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1V20 um 60 v. H. zu. nachdem der Berichterstatter darauf hingewiesen hatte, daß die Wünsche der deutschen Beamtenschaft weitergehende seien, und daß am nächsten Sonnabend Verhandlungen mit den Vertretern der Beamtenschast im RekchSwirtschaftSministe- rium stattfinden werden. Am Sonnabend, den 10. Januar, findet im Reichsfrnanz- Ministerium eine Besprechung statt über vorläufig zu treffende Maßnahmen hinsichtlich der Teuerungszulagen, bis die B» soldungsreform in Kraft getreten ist. An diesen Besprechungen werden die Vertreter der Beamtenschast teilnehmen.— Weiterhin wird in einer auf Montag, den 12. Januar, festgesetzten Besprechung mit den Getoerkschasten und den anderen Vertretern der Arbeit- nehmerovganisationen über eine Neuregelung der Tarif- und Lohnfragen beraten werden. Bentlchen nach Frankfurt, arbeitete in der Fabrik und stieg danu zu Schriftstellerruhm empor. Wißt ihrS noch, wie er in seinem— fast möchte ich sagen epochalen—„Meister Timpe" die Zeit dcS aufstrebenden Kapitalismus gestaltet«? Und wie«S in manckieir seiner anderen Bücher von Mitgefühl für die Enterbten des Glücks pulste? Und war nicht der„Mann ohne Gewissen" ein gutgeschauler Typ so manchen Häuptlings der Gründerjabre! Später freilich floß manches auS seiner Feder, waS weniger typisch, weniger ein- drucksvoll war. Dennoch: seinen ehrlichen Namen hat er behalten. Die vorliegenden Skizzen geben manches Bild aus dem Berlin der letzten Jahrzehnte. So mancher bekannte Ort, mancher für den der Erinnerung lebenden Fremden liebe Name taucht auf. Lokale, Straßen. Einzeltypen, mit einem Wort: Volkstum, Berliner Volks« tum. Ein Kapitel ist auch der Zeit des Sozialistengesetzes gewidmet. Paul Singer, Louis Viereck, Jgnaz Auer und andere gehen vor- über. Und wenn aych die Skizzen nicht das Höchste sind, was wir auf diesem Gebiet kennen, so verdienen sie doch gelesen zu werden. Wenigstens von den» die Berlin lieben. Wenn ich auf die Jahre und ihren Zeitgehalt zurückdenke, wenn ich an den Namen Kretzer erinnert werde, dann will es mir immer scheinen, als fehlte uns eigentlich noch ein Berliner Roman.' Ein Roman, der alles das gäbe, was ich in den obigen Strichen skizziert habe. Max Kretzer ist veraltet, er gehört einer verflossenen Epoche an. Georg Herrmann hat manche» Beachtenswerte ge« schaffen, Alice Berend hat sich wunderbar einzufühlen verslanden. Auch HanS Land darf man nicht übersehen. Bon anderen und älteren ganz zu schweigen. Aber sie alle bringen nicht daS, was ich meine. Ein Buch, ein Roman müßte eS sein, der das ganze stolze KampfeSzeitaller der sozialdemokratischen Partei und der Gewerl- schoflen so vom Beginn der neunziger. Jahre bis zum Ausbruch des Krieges einfängt und künstlerisch»esiailet. Sozial, politisch und kulturell. Mit Hottentottenwahlen. Blockpolitil undWahlrechiSkämpsen. Mit Treplowspaziergängen, Maisesten und Märzgefallenen- ehrung. Nicht eng auf Berlin beschränkt, sondern weitauSholend. mächtige Quadern Schichtend, lebensprühend und doch nicht ohne Harmonie. Vielleicht ein Entwicklungsroman, wie ihn der zu früh verstorbene Wilhelm Holzamer in seinem„Entgleisten" schuf. Aber viel breiter, fundamentaler und vor allen Dingen mehr Zeitgebalt. Otto Ernst« Trilogie scheint mir gleichfalls ein noch zu knapper Milieuausschnitt, um als Vorbild dienen zu können. Jedenfalls müßte es d e r Roman werden, der K u l t u r r o m a n, der den politischen und sozialen Zeitgehalt vom Fall des Sozialistengesetzes b,s zu den fchlimm-schweren Tagen des Jahres 1014 einfing und wiederspiegelte.. Diese Aufgabe harrt noch ihre» Meisters, der ein Kämpfer und ein Dichter sein müßt«.__ Eine neue Organisation der BühnenschiedSgerichtr. Die beut- scheu Bühnen haben, wie in der„Deutschen Juristen-Zeitung" uüt- geteilt wird, die Schaffung-wer umfassenden schiedsgerichtlichen Or>a»ijatizm««ugrstf genommen. Es soll dadurch jür die ganz Nr. 15 4- 37. Fahrgang Seilage öes vorwärts 5reitag. H.Fanuae 1H2H Sie Wahlen im Zentralverbanö öer Angestellten. V�n einem Mitglied dieses Verbandes wird uns gc- schrieben: Am Sonntag, den 11. Januar, in der Zeit von 10 Ukr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, finden in her Ortsgruppe Groß-Berlin unseres Verbandes die Wahlen von Delegierten zur Generalversammlung statt. Um diese Wahlen hat sich ein lebhafter Kamps ent- spönnen, dem alle Mitglieder in ihrem eigenen Interesse ihre Aufmertsamkcit zuwcirdcn sollten. Die freigeiverkschaftlichen Angestelltenorganisationen, die vor der Revolution und insbesondere vor dem Kriege nur schwer vorlvärts tommen konnten und die zahlenmäßig chintec den bürgerlichen Organisationen weit zurückblieben, haben nach der Revolution einen gewaltigen Autscknvung genommen. Ihre Mitgliederzahl ist mehr als verzehnfacht und ihr Einstich ist in der Angestelltcnbewegung weitaus an die erste Stelle gerückt. Hand in Hand mit diesem Fortschritt ging eine starke KonzentrationZbetvegunq. So ist zum Beispiel der Zcutralverband der Angestellten, der jetzt sast 400 000 Mit- glieder zählt, aus der Verschnwlzung des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen, des Verbandes der Brireauangestellten und des Verbandes der Versicherungsangestellten entstanden. Für die größeren Ortsgruppen schreibt die Verbands- satzung vor. daß ihre Gencralversanmilungen aus Delegierten zusammengeseizt werden müssen, um die wichtigen Beschlüsse nicht von Zusallsbesetzungen in der Generalversammlung, die allen Mitgliedern ossen steht, zu der aber nur ein Bruchteil aus räumlichen Gründen Zutritt haben kann, abhängig zu macheu. Die Ortsgruppe Groß-Berlin, die fast 100 000 Mitglieder zählt, wählt am Sonntag, den 11. Januar, 200 Delegierte. Die Ausgabe der Generalversammlung ist in der Hauptsache, die grundsätzlichen Richtlinien fürdieVerbandstätigkeit festzulegen, die Ortsver- waltung zu wählen und zu kontrollieren. Es ist also not- wendig, die tüchtigsten und erfahrensten Bcr- bandsmitglieder in die Generalversammlung zu cut- 'enden, die durch ihre bisherige Tätigkeit im Verband, in der Fncbgrupve. in Be?riebsfilnkftonen bewiesen haben, daß sie das Vertrauen ihrer Kollegen genießen und daß sie sähig. und bereit sind, sachliche gewcrks chaftliche Arbeit zu leisten. Seit einiger Zeit hat sich aber auch im Zentralverband der Angestellten in Berlin eine gewisse überradikalc Strömung bemerkbar gemacht. Wiederholt wurde der- sucht, Anträge durchzudrücken, daß in die Ortsvenraltuug und für sonstig? Funktionen nur Mitglieder gewählt werden dürfen, die'ich auf das wirtschaftliche und politische Räte- 'ystem verpflichten. Bisher wurden diese Anträge abgelehnt. Aber die aus Unabhängigen und Komuninrslen bestehende so- genannte„Opposition" hat sich innerhalb des Verbandes eine besondere Organisation geschaffen und arbeitet mit den üb- lichen Mitteln(Radau in Versammlungen. Niederbrüllen der andersdenkenden Verband Zmftgliedet usw.) darauf hin, die Organisation in ihre.Hand zu bekonnnen und sie völlig in den Diensl ihrer Parteik-esirebungen zu stellen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß diese Opposition üch geweigert bat. am der Auntellung einer rein gewerkschaftlichen, varteipolitiich neutralen Kandidatenlisie gemeinsam für alle Jachgruvvcn teil- zunehmen, und unter allen Umständen ihre eigene Partciliste durchbringeu will. Wenn es bisher auch gelungen ist, diese Bestrebungen der radikalen Gruppe in de? Ortsgruppe Groß-Berlin zurückzuweisen, so darf doch die Gefahr nicht unterschätzt werden, wenn, die übrigen Mitglieder nicht auf dem Polten sind. Dre'e müssen üch darüber klar fein, daß der Verband nur dann die wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder wirksam und mit äußerster Kraft vertreten kann, wenn die Organisation einig und gelchlofsen bleibt, das heißt, wenn nur tmrt'cßoftlichc Interessen und keine parteipolitischen Interessen maßgebend sind. Werdieparteipolit i s ch e Z e r s p l i t t e r u n g und Zerklüftung auch in die Gewerkschaft hineinträgt, zertrümmert damit die Grundlage der gewerkschaftlichen Einigkeit und Disziplin, derSolid a r i t ä t u n d aller geWerk- s chä f t I i ch e n E r f o l g e. Deshalb haben sich diejenigen Mitglieder des Verbandes, die auf dem Boden schärfsten gewerkschaftlichen Kampfes, aber unter Wahrung voller parteipoliti- 'cher Neutralität stehen, aus allen Fachgruppen zur Aufstellung einer Liste Zusannnengefundcn. Diese Liste Nr. 5 Franz Krüger, Gustav Felix, Max Michnz (die ersten drei Kandidaten) muß von allen Verband smitglie- dorn, denen das Wohl ihrer Organisation und die Erhaltung ihres gewerkschaftlichen Charakters am Herzen liegt, am 11. Jaimar gdvählt werde". ★ Wahlberechtigt ist jedes VeriunbSMitgftei» ohne Rucksich: aus fein Älter, welches die Beiträge bezahlt hat. Gewählt wird von e1s in: Oatsgruppenbureau ausgc- stellt. Hills das Buch nicht beschafft werden kann. Es sind 47 Wahllokale eingerichtet und kann jedes SWifglied in jedem beliebigen Wahllokal wählen, ist also nuW an seinen Wohnbezirk geimnden. Die Wahllokale sind folgende: Berlin 6.: Sehdelstr. 30, am Spittelmarkt, Rest. Jriedr. Wegner. ■S.: Kichtestr. 29, Paul Liabes Fejtsäle. SW.:.Hagebberger Str. 6. Reftaurarw Heinrich.Hsuvw. W.: Bülwostr. öd, Restaurant I. Kroll. NW.: Bremer Str. 72/73, Reftauraut Max TchKzeO N.: Rosenchaler Sir. 11/12, Rosenihaler Hof. R.: Schönhauler Allee 128, Lanrberts ZfestiWe. N.: Rovenestr. 30, Restaurant Martin Mecklenburg. N.: Badstr. 44, Restaurant Franz Bär. NO.: Giaifswalder Str. 220/221, Resiauua.it Uuion-Feftsäke» O.: AndreaSstr. 21. Andreas-Feslfäle. O.: Fuanftrrter Allee 17, Restaurant Patzenhofer Klause. SO.: Grünauer Sir. 14, Restaurant„Zur VorsWnungbhalle". Neukölln: Tonaüstr. 106. Restaurant Hermann Gütig. Neukölln: Hermannstr. 70, Restauramt R. Kirsten. Neukölln: Kirchhafstr. 41, Ecke Wipperstr.,'Rest. Oskar Wolf. Brill: Chauffeestr. 7ö, Restaurant Paul Löitel. Lchöneberg: Mariin-Äuther-Sir. 69, Restaurant Ernst Qbsü Wilmersdorf: Derliner Str. 33, Resururant Arnold Wasse. Tempelhof: Berliner Str. 100, Restaurant Rinder. Tegel: Berliner Str. 65. Restauraiu Lindeugarten. Rcinickendorr-West: Eichborustr. 8?, Restaurant Schwenth. 'Reinickendors-Ost: Provinzstr. 84, Restaurant Bür�gerhüm. Weihensee: Antchuplatz 1. Restaurant Berliner Hof. EharloNeüburg: Bismarckstr. 57, Vogens VeveinshauS. Steglitz: Schloßstr. 17. Resmurant JuniuS. Friedrichsfcldc: Prinzenallee 35, Restaurant Oskar Turn. Groh-Lichterfelhe: Oaubwitz�r Str. 2/3, Iieftaurant Rich. Aarncr. Lichtenberg: 5tnarr-Prom<:nadc 2, Restaurant Logen-stasino. Adlershof: Metzer Str. 1. Restaurant Julius LiÄüke. Baumschnlemveg: Kiefholzstr. 249, Restaurant August Krause. Bernau:'Aepernicker Srr. 3, Restaurant Wallkasino. (Köpenick: Grüustr. 10, Restaurant Hei uze. Erkner: Berliner Str. 3. Restaurant Wiechert. FrtedrichShagea: Friedrichsir. 81, Restaurant Bruno Scholz. E.ichwalde: Golener Straße, ckiesu WiechcriS GefellschaftZhauS. Hennigsdorf: Hauptstr. 28, Restaurant Max Wolter. Hcrmbdorf: Kaiserstr. 1/2, Restaurant Zur Hütte. Äarlshvrst: TrrSckow--Allee 75, Restaurant Wuttkc. KSnigSwusterhanscn: Restaiorant BahnhofÄhotcl(Pfuhl). Siicderschöncwcide: Brückcnstreche 15, an der TreSckow-Orücke, SchuftWß.tResiauraut. Niedcrschöndanien: Katser-BÄHelm-Str. 84, Rest. Rdberi Klindt. Potödam: Waiicnstr. 30, Cafe Bismarck. NoivawcS: Eifenbahnfrr. 11, lZifenbi-bichoiel. Siemensstadt: iRonnendamm-Allee 87, Rest. Wilheln: Müller. Spandau: Potsdamer Str. 48, QrtSbureau des ZentralverbandcZ., K ollege n und K o lle ginnen im Zentral-! verband derAnge stellten, seid am Sonntag auf dem Posten, kommt alle zur Wahl und wählt einmütig die Liste Nr. 5 Franz Krüger, Gustav Felix, Max Maynz. Staötveroröqetenversammlung. Arbeitslosendemonstration.— Borstehcrwahl.—Erhöhung der Ärankcnhausgcbühren.+- Sturmszcneu.— Die Lustbarkeits» steucr. Der Beginn dcr Sitzung verzö.�cri sich, da vor dem Raihause starke Ansammlungen Arbeitsloser sich eingefunden und eine Deputation zum Stadtverordnetenvorstcher geschickt haben, um die schleunige Erledigung deS Antrags Wehl wegen G civlli h- rung einer W ei h n ach ts de i hi l fe zu betreiben.— Nach '■46 Uhr wird die Versammlung vom Porst eher-Stellvcrtreccr Wege mit der Mitteilung eröffnet, daß die Deputation das Verlangen ge- stellt hat, den betr. Antrag heute verhindelt zu sehen, daß iftr von Dr. Wey! bedeutet worden ist, daß das nicht angehe, daß der Auosäriß Freitag seine Beratungen fortsetzt und die AngelezmheU am 13. ihre Erledigung finden wird Zunächst Ifat lu der ersten Sitzung des Jahres die Slcukon- stituierung der Verscunurlung zu erfolgen. Zur Wahl der beiden gleichberechtigten B 0 r st e h e r und des ersten und zweiten Stellbertre-ters schlagt S i n t; e III. Soz.) die Wiedertvahl von Heimann lSoz.) und Dr. Wetzl(11. Soz.) vor. v. Rehbinde r(Zcntr.): Die Wahl zweier gleichberechtigter Bor- stekcr ist mit dcr Stäbteordnuug nicht vereinbar und hat sich auch n-ich: bewährt. Wir werden nur einen Vorsteher tvählem— Koch(Bg. Bgg.): Wir werden unS an der Wahl über-- Haupt nicht beteiligen. Wir haben nicht das Vertrauen, iahen.— Cassel(Deut.): Die Wahl zweier Vorsteher mit gleichen Rechten ist mit der Städteordnung auch nach unserer Ansicht nicht vereinbar. Zu Vorstel. crn iocrden gewählt Heimann kS. P. D.) mit 78, Dr. Wcyl(U. S..P.) mit 58 Stimmen. Heimann über- nimmt det: Vorsitz.— Tie Wahl der beiden Siellberireier wird vertag:. Zu Beisitzern werden durch Zuruf gewählt: Aug. Hintze(ll. Tcz), Bruns(Soz.), HallenSlebe»(Dem.), Schädel lZentr), zu Bsiiitzer-Steltvcrtretcrn Krau Demniag lll. Soz.), Frau Hoppe(Soz.)» Böser(Dem.), Frau Rindermann (Zentr.). Nach dem Antrag der Demokraten wird entsprechend den Aus- fchußvorschlägcn die Vermehrung der Bürgerdeputier- r e n um 65 auf 291 beschlossen, um auch den kleinen Fraktionen eine Vertretung in den Deputationen und Kuratorien zu sichern. Tie Vorlage betr. das Mitbestimmungsrecht der st ä d t i s ch e n Beamten wird von H c r r m a n n(Soz.) dahin erläutert, daß die Wünsche der Bearnieuschaft ursprünglich weitergegangen sind, daß sie sich aber bescheiden, iveun dcr Magistrat ins- besondere hinsichtlich des Rechts zur gutachtlichen Aeusterung groß- zügig verfahre.— Ä.rch kurzer Besprechung wird die Vorlage u n- verändert angenommen.— Die Erhöhung dcr Kur- und V e r p f l e g u n g s k 0 st e n in den städtischen Kranken- Häusern lehnt Dr. Wehl(ll. Soz.) ab. In absehbarer Zeit werde ofrnehnt Groß-Berlin eine Tatsache ssin: um so mehr sei cs bedenklich, in der heutigen schweren Zeit den Zutritt zu den Bcr- liner Krankenhäusern zu erschweren. Für den Mittelstand sei eine Verteuerung von 4 auf 7 M. täglich eine sehr harte Zumutung. Dr..Kollwitz(Soz.) begründet einen Antrag, angesichts der enormen Geldentwertung eine Erhöhung auf 6 M. eintreten zu lassen, womit auch die Krankenkassen sich noch abfinden könnten; die Erhöhung für Kinder auf 4/41 und für Auswärtige auf 12 M. nach dem Magiftratsantrag halt die Jealtion unter den obwaltenden Umständen für angemessen. Kämmerer B ö ß tritt für die u n v e r» kürzte Forderung ein, die immer noch einen Zuschuß von 136 Proz. zu den Selbstkosten notwendig mache.— Dr. Wetzl legt den MehrheiiSsozialisten nabe, wenn sie schon überhaupt die Sätze erhöben wollten, dann auch für die Kinder nicht über 4 M. hinaus- zugehen, die die Krankenhausdeputafton für angemessen Halle. Dr. K 0 l l w i tz ändert seinen Antrag deurenispreaend. Eine» tnmultuarischea Zwischenfall führt dcr Stadtv. S t r e d t e r pan der Bg. Agg. herbei, indem er ausführt, die üble F i n a nq l a g e der Stadt sei die Folge der verbrecherischen Politik des 9. November, der Po- litik von Leuten, die dem Dr. Wetzl näb erstände� als ihm. Ter Lärm, der nach, diesen Worte» in den Reihen der U. Soz. aus- bricht, ist so g«oalt!g, daß er dem Sprecher das Weiterreden un- Die Märchen des Steinklopferhanns. 6) Von Ludwig Anzcugrüder. Und als die beiden �eirdlich doch, cchpehetzt und Hunde- müde, dcks Talende erreichten und vor sich rn dte weite Fläche hineinlugten, da konnten fie sich ncxh weniper aus. Denn dort und da stie>ä über den Feldern kvhlrabenpechschNwrzer Rauch auf, cs päd aber keinen Feuerlärn: von all den Kirchtürmen rings in der Weile und dazu psusterte und rädelte es fori, und fort. Eisenbahn war über Nacht keine ins Land gekommen— nein, nein, das geht nicht so schnell, das ha: ihnen einer gesagt, der selbst an einer solchen ntitgcgraben und gesck)aufelr hafte. „Was wird'S sein?" sagte der reiche LoiS und streckte sich so hoch er war. und sah stolz um sich.„Was wird's sein? Der Oekonomiker, der Herr Graf enter'» Berg schnerd't mit Dampf— nit währ. Melcher?" Melcher nickte bekräftigend so leichchin mit dem Kopfe, als märe däs„Schneiden mit Dampf" der geringsten Klei- nigkeiten eine, die er zu bestätigen wüßte, lohn' sich kaum der Müh' und wüßte„ihrer einer" noch gar andere Sachen, „So,»0. sagten die, die ins Tagwerken gingen.„So. so," und schüttelten die Köpft...Kämen s' richtig schon mit den Malefiziuaschincn angerückt?� Sie Kweüelten gar nicht an dem, was der reiche Lais aussagte, sie hatten schon lange gefürchtet, davon hören zu müssen, und nickst nur, was der Mensch hofft, auch was er fürchtet, glaubt er leicht! . ,-;;*tun' und was ist's denn?" und.„was war's denn nach-!«Schneiden mit Dampf?" sagten die andern, denen die her?" fragten die Leute, nachdem sie den verwirrten Bericht Sache nickst so nahe ging, und schüttelten zweifelnd die Köpfe. gehört hatten. Da waren ihrer zwei am Ort„ die sich heute schon oft- malS mit einem überlegenen Blinzeln angesehen hatten, und das war der reichste Bauerslohn und das ärmste Dorfkind. Der eine'0 reich und der andere so arm, daß ihnen das an ihre Rufnamen angehängt wurde und so Ist eß der eine ,cher reiche Lo>s" und der andere„der arme Melcher". Und son- dcrbar, der arme Melcher wußte es so gut wie. der reiche Lais. was da uberm Berg vorging und wenn er's aus Bescheiden- seit oder Demntigkeft vor den andern nickst aussagte, so war doch der rcie Lots.?o gern er sjcks auch ftuwi überheben mochte, diesmal auf die Bekrastignng seiner Worte durch den armen Melcher angewiesen. 9tl» es vorm Jähr hieß,„in Wien hätten sie alles, was in allen vier Enden der Welt gearbeit'. gelKnidelt und gebaut würde, unter ein großes Dach gebrachst und da 5önnt' jeder btneingelm und fich'S anfchau'n", da(ftt x- j�cr den reicks'.i Luis noch den armen Melckrer mehr daheim, der eine ließ sich i von ftinern„Alten" dos Reisegeld und einen schönen Zehr- Das war dem reichen Lois an die Ehr' gegriffen...Ihr ! Feren, leid ihr dabei gsweftn, wie unsereins, daß ilm so | rcd't? Schneiden mit Dampf?— Warum nit? Man pflügt, ! man säet, man schneid't, titan drischt mit Dampf! Meint ! man doch nit, man könnt' seinen eigenen Augen trauen, wenn ! man's mit ansieht, was man alles betreibt mit Dampft Spinnt und webt man nicht, wäscht und mahlt man nicht. und weiß was sonst noch, alles per Dampf? Gell. Melcher?" Melcher nickte wieder bekräftigend und sagte aus:„man' pflüge, säe, schneide, dresche.'Pinne, webe, wasche und mahle, und weiß was sonst noch, alles per Dampf." „Schaut man io eine Maschin'," fuhr der reiche Lais fort,„glaubt man erst, das sei ein wahrer Höllenspuk, aber sieht man näher zü. kriegt die Sach' Händ' und Fitzß' und Kyvf obendrein. Seut, obenaus geht der Rauch von der Feuerung in die Höh'"— Lois zeigt dabei nach seinem Hut, um den Leuten den Schlot der Maschine zu versinnliche.i— „und hinlenaus entweicht der Dampf."— Alle drängten sich herzu, um die Erklärung reckt würdigen zu können, als aber Ctf\T h�r Ootft �nan- Tcvrrrfo tnli*.— V Ti—»o— sie ihn doch als er.chÄauarte,.ihnen das um- mit seinen zwei'alleiniKrn i Armen vormachen zu können, da der Sensen rundum wohl an fünfzig oder hundert, wenn nicht gar. mehr wären, und als sich in dieser Not der Melcher ihm anschloß, und beide gar belehrend mit den Armen fuchtelnd über das Feld hin- schritten, da zweifelte keiner mehr, die Mähmaschine stand leibhaftig als unantastbare Tatsache vor ihnen. Ganz un- bestritten wie der Telegraph und ebenso einleuchtend wie der. so was Alltägliches, daß eigentlich keiner zu sagen wußte, Nxmim ihm das nicht schon längst eingefallen sei, obwohl keiner seinem Buben widersprach, wenn der gelegentlich die Meinung an den Tag legte, daß an den langen Drähten ge- zogen würde und die Depeschen demnach aus lauter kleinen .„Ruckerln" beistünden, die der Beamte am Arm oder Fuß, wo der Draht eben befestigt sei, verspüre. War das Bescheidenheit, um vor den eigenen Kindern nicht mit deckt Besserwissen zu Prunken? Ach. die meisten Leute lassen sich noch hruttags die ungereimtesten Wunder, die niemand und nirgends erlebt, als glaubwürdig einreden und an denen, inmitten deren wir leben, gehen sie. gleich- gültig vorüber: da sebt zu. denn da sind lauter begreifliche Wunder, und da ziehet fromm den Hut, denn das hat der Menschengeift erdacht und errungen, und das ist Geist von eurem Geiste, und der heitere Stolz, der euch besevrleicht. wenn ihr still vor euch hinsagt:„Das hat der Mensch erdacht?" Das ist der Gruß Gottes an die strebende, ringende Menschheit? Mittlerlveile aber ging es gar sonderbar auf dem Felde zu. wo der reiche Lois und der arme Melcher den Leuten die Mähmaschine vormachten, denn nicht lange währte e?. s» fühlte jeder große Lust, zu zeigen, daß an ihm die Belehrung irickst nutzlos aiisgelvendet worden wäre, und daß er das Ding jetzt schon„weg" hab5, und so schloß sich erst einer, dann de? andere dem voranschreitendeu Lois an mnd bald schritten alle Mannleute in einer langen Kette hinter dem Führer daher und fuchtelten also anichauliclj mit den Armen, und da waren jetzt wirklich rundum wohl an fünfzig oder hundert, wenn nicht gar mehr Sensen in Arbeit und so mähten sie über das leer? werden als Vertreter der Hausbesitzer StadtvD. Lädendorff und M a n a s s e, als Vertreter der Mieter S e d l a tz e k und P a t t l o ch gewählt. Der Vorlage wegen Einfichruug des holländischen Gemüsebaues auf den Rieselgütern stimmt die Versamm hing.zu. Tie neue Lustbarkeitssteuerordnung. die die bestehenden Sätze für Kinos erheblich erhöht und dieser Steuer auch die Theater, Konzert« usw. ohne jede Einschränkung unterwirft, wird von Levy(Dem.), Poetzsch(Soz.) und Alexander Katz(Z.) in der Hauptsache sympathisch aufge- nournien; Poetzsch legt dabei ein gutes Wort für die Schonung der„Freien Volksbühnen" ein. Alle drei empfehlen Ausschuß' beratung. Entschieden ablehnend derhält sich Zubeil(IL Soz.l, der dem Kämmerer vorwirft, die Vergnügungen der Reichen, der Schieber und KriegSgewinner, frei zu lassen, die minderen Kunst genüsse aber, die sich die Arbeiterschaft nur leisten könne, desto aus' giebigcr zu einer Steuer heranzieht, die besser„ErdrosselungS' steuer für kulturelle Zwecke" hieße. Die Vorlage sei direkt Volks- feindlich. TaS sei auch die Meinung des Ministeriums für Kunst und Volksbildung. Der Kämmerer legt sich energisch für die Vorlage und für die Ausdehnung des KrciseS der Steuerobjekre ein; die früher unpopuläre Steuer werde mit jedem Tage popu- lärer. Man könne diejenigen, die sich heute Theaterbesuch zu hohen Preisen noch m leisten vermögen, nicht steuerlich bevor- zugen, müsse sie vielmehr zu einer Vorausleistung heranziehen. Die Vorlage geht an einen sofort vom Vorstande ernannten A u s- fchuß. Die Ordnung über die Erhebung eines Zuschlags zur Reichszuwachsfteuer und die Vorlage wegen Festsetzung der Gas- preise gelangen zur Annahme. Gegen%10 Uhr Vertagung auf Dienstag. schen Arbeit zurückkehren und das Geschauie unh Gehörte anwenden nach dem Motto: Prüfet alles und behaltet das Beste! GroßSerün Nanu--!• Aienrlos kam mein Freund ins Zimmer gestürzt, in der Hand die Tonnerstagahendausgabe der„Freiheit". Er sagte nichts, son- dern zeigte nur auf eine Stelle der 4. Seite und ich las: „Was sollen die Arbeitslosen vor dem Rathause? Gestern wurden aus den Straßen an Arbeitslose gedruckte Zettel verteilt, in denen zu einer gemeinsamen Kundgebung vor dem Nathause aürf gefordert wird. Die Dcmonitrauon soll heute nachmittag 4J,i Wr vor dem Rathause in der Königstraße stattfinden. Tie Aufforderung, die vom„Arbeiterrat der Arbeitslosen" uiicrzcich- net ist, sagt u. a.: Wollt ihr. daß eure Forderung Anerkennung findet, dann ist cä Pflicht eines jeden Arbeitslosen, sich an dieser Massenkundgebung zu beteiligen. Es ist völlig unklar, um welche Forderungen es sich im vor- liegenden Falle handeln soll und warum die Arbeitslosen von dem Arbeiterrat ausgerechnet nach dem Rathause bestellt werden." Eine kurze Weile sahen wir uns erstaunt an, dann wagte ich schüchtern den Einwurf:„Tie wollen vielleicht vernünftig werden." Zweifelnd zuckt? mein Freund die Achseln.„Das ist doch nur Futterneid bei u Brüdern," entgegnete er,„sie fürch- ten, daß Spartakus.„n den Rang abläuft und darum nennen sie„völlig unklar", was sie früher als eine„spontane" Kund- gebung des revolutionären Proletariats feierten.— Oder haben die Unabhängigen etwa Angst, daß hie Arbeitslosen, dje ihnen so oft als Vorspann vor ihren Parteikarren dienen mußten, nach berühm- ten Mustern die Stadtverordnetenversammlung sprengen und die U.-S.-P-S!adtväter vermöbeln werden--?" Wir fanden des Rätsels Lösung nuht. wurden unS aber darüber ftar, daß die Unabhängigen trvy ihres Leipziger Parteitags immer noch nicht für die Moskauer Internationale reif sind. Kinder-«nd Angendwoklfnhrt. Am Donnerstagvormittag 10 Uhr wurde in dem unter der itung von Frl. Anna v. Gierke stehenden Charlotten- burger Jugendheim ein zehntägiger Kursus eröffnet. Der Zweck, der Veranstaltung ist die Einführung der als Stadtver. ordnete»der Bü'gcrdepulierte in der JugendwohlfahrlSpflcge stehen» den Frauen in die praktischen Probleme dieser Arbeit an der Hand eines kumen Anschauungsunterrichts. Tie Kosten der Veranstaltung trägt daS Ministerium de? Innern. Tie Teilnehmerinnen sind den den Verwahungen der Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern entsandt. Von ihn-n werden auch die Kosten der Delegation getragen. Veranstalter des Kursus sind: Anna v G i e r k e Mitglied der Rationalversammlung; Dorothea Hirschfeld, Referentin im Reichsarbeitsministerium; Ma�ie Juchacz, Miiglied der Ratio- nalversammlung; Dr. Marie Elisabeth LüderS. Mitglied der Nationalversammlung; Klara Mende, Mitglied der Rationalver- sammlung; Oberbürgerweister M ü tz I a f f. Geschäftsführer des Deutschen und Preußischen Städt-'agz; Heinrich Schulz, Unter- ftaatssekretär im Reichsamt des Innern; Helene Weber, Mit- glied der Nationalversammlung. Die Namen beweisen, daß eS mit gutem Willen möglich ist, auf manchem Gebiet trotz der Verschiedenheit der Weltanschauung gemeinsam zu arbeiten. Die einzelnen Tage des Kursus sind den verschiedensten Auf- gaben der Jugendwohl fahrt gewidmet. So wird beispielsweise be» handelt: Am Donnerstag, den 8. d. M, zur Einführung die Fürsorge für die werdende Mutter; Freitag: Das Kind im«äuglingsalter; Sonnabend: Das vorschulpi ichtige Kind; Montag: Das schulpflichtige Kind; Dienstag: Die schulentlassen« Jugend, ihre Fortbildung und Behütung; Mitrwäch: Die Fürsorge für die gefährdete Jugend; Donnerstag: Wohnungsnot und Jugendwohlfahrt; Freitag: Ge- fundheit und Jugendwohlfahrt; Sonabend, 17. d. M., zum Schluß noch einmal zustmimaigefaßt: Die Prohfeme und Organisation der Jngendwcchlf ahrt. Frl. v. Gierke eröffnete am Donnerstag den Kursus mit einem Rückblick auf ihre Söjährige Tätigkeit, die auf das engste verbunden ist mit der Geschichte der Charlottenburger Jugendwohl- fahrt und des Jugendheim». Genossin Juchacz sprach Worte der Begrüßung und erläuterte den Zweck und die Entstehung der Veranstaltung. Wir wünschen der Arbeit vollen Erfolg, der darin bestehen möge, daß die Teilnehmerinnen, unter denen wir einen erheblichen Stfcti Geuojjämea begrüßen dürfen, voll befriedigt zu ihrer heimi» Tie Erhöhung der Bierpreise. Am Donnerstag nahmen in der„Neuen Welt" die Berliner Gastwirte-Organisationen zu der neuen Bierpreiserhöhung von 42 aus 65 M. pro Hektoliter Stellung. Im Auftrag der Lokalkommission unterbreitete Röder die Vorschläge der Kommission zu den- neuen Bierpreisen. Er verwahrte sich zunächst gegen den Vorwurf, daß die Gastwirte bei der Preis- erhöhung der Brauereien untätig zugesehen hätten; sie seien gar nichr in der Lage gewesen, in die Verhandlungen, die zwischen dem ReichS-W'rtschastsministerium und den Brauereien stattgesunden hcchen, einzugreifen. Nur zu einer Verhandlung, am IS. Dezember, sei«ine Einladung an die Gastwirt« ergangen. Als man dort mit scharfen Worten die Empörung der Gastwirte über die Preiser- höhung zum Ausdruck gebracht habe, habe man ihnen bedeutet, daß man in„solcher Tonart" nicht mit sich verhandeln lasse. Der Grund für die Bierpreiserhöhung der Brauereien läge einerseits in der Absicht, die bisher sehr schlecht gestellten Brauereiarbeiter in ihren Löhnen aufzubessern, andererseits aber auch in dem überraschen- im in Parteifunktionärs, Setriebsbeamten-».Angestellten Vertrauensleute, fftbeiterräte der S. p. V.l Wichtige Funktiouärversammlunge» am Sonntag, üen 11, Januar, vormittags 10 Uhr, KricgervereinShauS, Chausseestr. 31. Desgleiche» am Montag, öen 12. Januar,' abenös 6 Uhr, den Germania-Süle», Ehaussekstr. 110. Zutritt zu diesen Versamm'ungru haben nur die mit grünen NusweiSkarten und Mitgliedsbüchern versehene» Funktionäre. Soweit wie die in Frage kommeudcn Gruoffco nicht im Besitz der gültigen AusweiSkartcn sind, wird darauf hingewiesen, daß die Abteiluugsführcr und Ortsvereinsvor- sitzenden der Partei diese Karten ausgeben. Es werden alle Parteifunktionäre«nd alle Vertrauensleute zur Teilnahme auf gefordert, damit jeder in der Lage ist, über den Verlauf der Beratungen den Genosicu Bericht erstatten zu können. Ter Bezirksvorstand. den Entgegenkommen, das die Regierung den Brauereien plötzlich gezeigt habe. Eine Einigung erfolgte damals nicht, und erst am 3. Januar erfuhren die Gastwirte aus dem„Reich&juzeiger", waS ihnen bevorstehe.(Hätten sie den„Vorwärts" gelesen, dann würden sie schon zirka 14 Tage früher Kenntnis erhalten haben! D. Red.) Man stehe also vor einer vollendeten Tatsache.(Zuruf: Wie immer!) In einen Abwehrstreik gegen die Brauereien, daS heißt, ihnen kein Bier mehr abzunehmen, könne-man nicht ein- treten. Man müsse infolgedessen ui eins Neugestaltung des Bier- preise» gehen. Diese sei durch die Preisprüfungsstelle in drei Grup- Pen geteilt worden. Zur Gruppe I gehören die kleineren und mittleren Gastwirtschaften, wo der Konsument einen Liter- preis von 1,60 M. zahlen soll, zur Gruppe II die Saalbe- sitzer und Nonzerlokale mit einem Literprei's von 2,40 M. und zur Gruppe III die großen Cafes, Kaba- r e H s und LuxuSlokale mit einem L i t c r p r e i S von 3 M. 'Der Vorsitzende Strauß teilte mit, daß die Weißbier- brauereien 3Zt!prozcntiges Bier zum Preise von 0 5 Mark pro Hektoliter liefern wollten. Im Auftrage der Gastwirte Neuköllns verlangte G e m m e ck c r, daß zur Unter st ützung des Lohnkampfe sder Brau- ereiarbeiter der Bierpreiserhöhung zugestimmt würde, daß jedoch der Literpreis auf 1.80 M. erhöht werden solle. Von radikaler Seite wurde der Vorschlag gemacht, den Brauereien kein Bier mehr abzunehmen, sondern Selterwasser zu schenken. An eine VierprelSerhöhnng könne man nicht denken, da die Gastwirte bei der Arbeiterschaft und beim Bürgertum durch de» zweitägigen Streik schon- in Mißkredit ge- raten seien. Der Antrag der Lokalkommission wurde angenommen. In einer cngonominenen Resolution heißt es: „Die Erhöhung des Bierpreises wird bedingt durch den Rück- gang des Konsums, Erhöhung der Unkosten, Einschränkung der Po- lizeistunde, Umsatzsteuer und vieles anders mshr. Die Gastwirte bitten die Preisprüfungsstellen und das Publikum, ihrer außer- ordentlich schwierigen Lag« Gerechtigkeit widersahren zu lassen. An den fortgesetzten Preissteigerungen find die Gast- und Schairk- Wirte schuldlos. Sie verlangen für sich nichts weiter, als gleichfalls leben zu können. Sie beschließen daher, in allen Lokalen Groß Berlin? die von der LakaUommission vorgeschlagenen und sestgesetzten Preise einzuführen.", (Geständnis des Raubmörders Tobrik. Der Raubmord an der Kartenlegerin Dummik in der GipS- siraße bat jetzt seine völlige Aufklärung gefunden. Nach anfäng- I'.chem Leugnen hat der Mörder Kurt Dobrik ein umfassen- des Geständnis abgclegt Besonders schwer belastet wurde Dobrik durch die am Tatort vorgefundenen Schnürschuhe. Seine .Geliebte hatte ausgesagt, daß er sich die Schuhe der Ermordeten angezogen und dafür die seinigen zurückgelassen hätte. AIS ihm die Schuhe gezeigt wurden, behauptete er zunächst, daß eS nicht die seinigen seien. Inzwischen hatten aber die Beamten ermittelt, daß Dobrik die Schuhe wenige Tage vorher einem Freunde unterschlagen hatte. Dieser Freund wurde ihm gegenübergestellt und er be- kündete, daß es seine Schuhe seien, die in der Wohnung der Er- mordeten vorgefunden seien. Nun konnte Dobrik nicht mehr streiten und gab zu, daß Verbrechen ausgeführt zu haben, und zwar schon am Sonntag, den 28. Dezember. Er gesteht jetzt auch ein, daß die Hcinrichsen nur Zeugin bei dem Verbrechen gewesen sei. Er sei in der Absicht hinaufgegangen, um den Studenten zu bcstehlen. Plötzlich während seines Besuches bei der Schneiderin sei ihm dann der Grdanke gekommen, diese umzubringen ußd zu berauben. Er habe sich, als sie den Kaffee in da? Zimmer brachte. auf sie gestürzt, auf das Bett geworfen und solange gewürgt, bis sie regungslos liegen blieb. Ein wahrer Blut rausch, habe ihn überfallen und er selbst habe sich durch laute Zurufe angefeuert. Seine Geliebte habe zitternd dabei gestanden und nur durch seine Defehle habe er sie zu bewegen gewußt, die Streichhölzer zu holen. um im Wohnzimmer der Ermordeten Licht zu machen und dort alles zusammenzuraffen.__ Die Städte zur Brotversorgung. Die dem AufsichtSrat der ReiwSgetreidestelle ange« Härchen Vertieter der deutschen Städte haben beim Voifitzenden des AufsickitSratS beantragt, letzteren schleunigst einzubs- rufen, um über den Vorrat und die Zufuhr der Reichs- getreidestelle im einzelnen unterrichtet zu werden. Die deutschen Städte erachten die bisher gegebenen Erklärungen nicht als ausreichend, um Sicherheit in der Mehlver» sorgung auch nur für die nächste Zukunft zu bieten und hallen es für ihre Pflicht, sich davon zu überzeuge», ob die Eingänge in der Reichsgetreidestelle sich entscheidend heben. Bisher liegt dafür ei» Anzeiche» nicht vor. Vermischte Lokalnachrichten. Auf dem Bahnsteig in Treptow starb plötzlich ein Unbekann- t e r von etwa 42 bis 45 Jahren. Der Mann fiel, während der Zug hielt, rücklings aus dem Abteil auf den Bahnsteig und starb gleich daraus. Die Leick»« wurde nach d�r Halle in Baumschulenweg ge- bracht. Bei ihr fand man eine Monatskarte, die über die Strecke Treptow— Alexanderplatz und auf den Namen Ferdinand oder Fried- rich Harke oder Heike lautet.— Von einem neunjährigen Mädchen wurde in einer Wohnung:n de? Präger Straße ein Einbrecher verscheucht, der trotzdem erhebliche Beute machte- Er durchschnitt mit einer Schere die Sicherieitskette vor der Tür, leuchtete mit einer Blendlaterne in der Wohnung umher und weckte so daS Kind. Dem Einbrecher fielen zwei Gegenstände in dre Hände: ein massiv silberner Blumenaufsatz, der etwa 20 000 M. kostet, und ein Gehpelz im Werte von 4000 M. Ans die Wiederbeschaffimg ist eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt.— Die beschleunigten Personen- züge ab Charlottenburg 10.58 vorm. und an Sck'Iesischer Bahnhof 5.15 nachm., die bisber zwischen Berlin und Kattowitz vcr- kehrten, werden von Montag ab in V-Züge umgewandelt. Zwischen Berlin und Jüterbog verkehrt ein neues Zugpaar, und zwar ab Anhalter Bahnhof 5.30 früh. Der Zug aus der Gegenrichtung trifft um 0.41 nachmittags Anhalter Bahnhof ein. Beide Züge ver- kehren nur an Werktagen---Telegramme nach Rumänien können ohne Beschränkung wieder aufgenommen werden. Wort- Gebühr bis auf weiteres 85 Pf.— Vom 15. d. M. ab finden die •ührungen in der Nätionalgalerie und im Krön- Prinzenpalais nicht von 12— 1, sondern von 11— 12 Uhr stakt. Dienstag, Mittwoch in der Nationalgalcrie, Donnerstag, Freitag und Sonnabend im KronprinzenpalaiS. Zwei Waffenschmuggler wurden von der Kriminalpolizei ge- stellt. Auf einer Streife fiel einem Beamten am Bahnhof Friedrich st ratze ein Mann auf, der sich mit einem schweren Handkoffer schleppte. Er hielt ihn au. stellte ihn über den Inhalt des Koffers zur Rede und erhielt die Antwort, daß er mit einem Reisegenossen sich, auf der Durchfahrt nach Halle befinde. Dieser Reisegenosse entpuppte sich als ein Kaufmann Knappe aus der Burgstraße, der Kosferträger selbst war ein Arbeiter Voß aus Halle. Die Untersuchung ergab, daß der Koffer nicht gewöhn- licheS Reisegepäck enthielt, sondern 00 Pistolen und 3000 Schuß Munition. Voß erzählte nun, er sei mit Knappe in Goslershausen in Westpreußen gewesen und habe dort die Waffen und die Munition fiir ostpreußifche Rittergutsbesitzer aufgekauft. Es besteht der dringende Verdacht, daß die beiden die Waffen und die Munition in Berlin zusammen gekauft haben, um sie den Polen oder den Bolschewisten auszuliefern, durch die scharfe Grenzkontrolle aber gezwungen wurden, wieder uniznkehrsn, um eine bessere Gelegenheit abzuwarten. Gegen Beide wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Chactottenburg. Die Stadtverordnetenversammlung wählte am 7. d. Mts. die Mitglieder des Vorstandes der Stadtverordnetenversammlung Charlottenburg. Genosse Dr. Borchardt wurde mit 40 Stimmen zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Als Stellvertreter mit gleichen Rechten wurden der Demokrat Dr. Frenze! und das Mitglied der Bürgerlichen Fraktion Dr. Markus? gewählt. Die" Wahlen der Mitglieder für den Wahl- ausscbuß, Petitionsansfchuß, Rechnungsprüfungsausschutz und den Ausschuß zur Prüfung von Stadtverordnetenwahlen wurden auf Grund der eingereichten Vorschläge en dloc vorgenommen. Ferner wurden ein Ausschutz zur Ausgestaltung der Bolksbildnngssurfe gewählt, in dem von der sozialdemokratischen Fraktion die Ge- nassen Frau Zucker, Dr. Rosenfeld, Skaller und Horlitz vertreten sind.— Die Vorlage betreffend Abänderung der Satzuck- gen des Wohnungsverbandes Groß-Berlin, wo- nach Charlottenburg einen Mieter in den Sachverständigenaus- schuß des WohnungöverbandeS zu wählen hat, wurde angenom- men. Die Mehrheit der bürgerlichen Fraktion setzt« die Wahl des Rechtsanwalts Dr. G o« tz e l durch.— Der Erwerb der Eni- benzolisierungsanlage, welcher der Stadt durch den ReilbSichatzminister angeboten wurde, wird beschlossen.— Für die Hochbauverwaltung, die Fortbildungsschulen, den Straßenbau und die Beschaffung von Schreibma- terialien und Lernmittel für unbemittelte Kin- der der Gemeindeschulen werden Nachbewilligungen ge- nehm igt.— Zum Schluß wird die Errichtung eines Kleingarten-BauamtSs beschlossen, welches den kleinen Pächtern Ratschläge fiir die rationelle Bewirtschaftung ihrer Gärten geben soll._• Hrsß-öerliner Parteinackrichten. Jnfolz« der grosten Kunkttonärkonscren, fällt die für Sonn. tag. vormittag« 1« Uhr. anberaumte Konferenz»er in der Juqcnddewegnng tätige»«Äenosfen an«. Es erfolgt«ine neue Einladung. 6. Abt. Sitzunn aller Funktionäre und BctriebsvettrauenSleut«, Montag i/,? Uhr bei Schult. Mariendorfer Str. 5. 27. Abt. Sonntag, vormittags S>/, Uhr, Sitzung der Bezirkslührer und BetriebSoenrauenSleule bei Dodioblaw, Swinemünder Str. 11, am Arkonaplatz. Neuheist wichtige Tagesordnung. Schmargendorf. Morgen 8 Uhr. im Kiunewaldkasino, Hubertus- bader Str. 7— S: Zahlabend. Sonnabend: Funktionärfitzung daselbst. �ugenöveranftaltungen. Zentraljugendhrim. Lindenltr. 3, 2. Hos. l. Ausgang. 3 Tr. Sonn- tag, den lt. Januar, abends 7 Uhr, Lichtbildervortrag:„Die �rei stania- städtc Hamburg. Bremen, Lübeck".— Freitag, den 9. Januar, abends" Uhr: .Konigoumtterhauien. Mitgliederversammlung, Restaurant»Zum Luit- sch'fs*.— Lichtenberg. L«>«abend, Jugendheim, Partaue IS.— Reu- kölln Süd. Jugendheim, Nogatstt. 53, DiSiusstonsabcnd.— Nieder- schöi.hauien. Vortrag„Die Theorien der Wciteiitslehung", bei Reibe, Kaiscr.WiihcIm»Str. 10.— Liien. Jugendheim, Gcmeiiidclchiile Stiatz- mannur. 6. Vortrag:.Durch di- Jugendbewegung zur Arbeiierbewegung". — Schönbauser Rorftadt II. Jugendheim. Pavvelollee 41/42. Vortrag: .Schule und Leben".— Süden. Jugendbeim. WilmSstr. 10(nahe Bär- waidstraßc). Vortrag:.Ein russisches Mrenzabenteuer".— Treptow. Baumschulenweg. Jugendheim, Elsenstr. 3. Vottrag:.Die Geschichte der proletarischen Jugendbewegung".— Wedding. Heute 7 Uhr. in der 305. Eemeindejchule Lütticher Str. 8. Mitgliederverlnmmlling mit wichtlger Tagesordnung. TcS Kohlen- und LichtmangelS wegen können die Per- anstaitungen im Jugendheim vorläufig nicht stattfinden und sollen dieselben daher am Sonntag und Dienstag aus. Die Wleder- eröffnung deS Jugendheims wird durch die Helfer betanntgegebe».— Weiftensee. Jugendheim, Woelkpromenade(Ledigenheim), Dtstusfions- abend.__ Vorträge, vereine unö Versammlungen. Zentralverband der Angrftellten. kSildungsausschusi) Sonn- abend TL Uhr, i» der Friedrich-Werderfchen-Realschuie. Nieder, vaMlr. 12. Vortrag über.Bilanztundc".— Ardeirerftenograpbenbund Jntrr. systemal. Sitzung Freitag. 7 Uhr. bei Handtke. Fruchtstr. 71. Aiisanger. kursus beginnt am 2 Februar, �ursusgeld beträgt 10 M.. Kursusdaurr 1» bis 20 Stunden.— Hauvtausschusi sür Leibesüvui'ge» und Jnaendvsieae. UnterftaatSsetrelär« ch u l z spricht heute im LandeShauS Matthäikirchstr. 13/25 über: Jugendfürsorge,-Pflege und-Bewegung. Srieskasten üer RedaFtton. Nachrichtcnamt der Stadt Berlin S. 10. Ein derartiges Verzeichnis St. G. 40. Fragen Sie beim (Dr. Prerauer). RathauZ, an.—«1. j gw, j. n, 2. Die Wochenhilfe wird von berienlaen Kasse gewährt, der Ihre Frau angebört. 3. Nein.- M.«-»«0. Nein.- P«. Polizeipräfidium BerlM.— H. Z. 1. An diejenige Stelle, die die Unfall. rcnt: ststges-tzt bat. 2. Ja.- Berlin S8. 1.©enden Sie sich an die Pommcrsche Landgelellschaft. Stettin. Könlgsplatz la. Z. Voraussetzung einer Kapitalabsindung ist di?' Anerkennung des Versorgungs- anjpruches. Bitten Sie um Bcschlcumgiw.g de» Rentenverjahrens. Bus aller Weit. Wilson«ach Kalifornien? Amerikanische Blätter melden au4 Washington, dav der frühere Schatzsekrelär und Schwiegersohn Wilsons, William Mac Adoo, schon vor einiger Zeit in der Nähe de« Städtchen« Santa-Barbara in Kalifornien, da« wegen seine« sonnigen, fast tropischen Klimas bekannt ist, eine Besitzung angekauft hat. die sich durch ihre Lage am Fuge eines Hügels aus- zeichnet. Da» Besitztum soll geteilt werden. Ein Teil� ist für Wilson bestimmt, der andere für Mac Adoo. Dorthin, so berichten die Zeitungen, will sich Wilson zurückziehen, wenn er daß.Weiße Haus' verläßt, dort wird er Heilung von seiner Krankheit suchen, dort wird er die Geschichte des großen Krieges, des FriedenSver- trage« und der Bildung des Böllerbundes schreiben.— Vielleicht gräbt er auch nach dem Gold seiner 1« Punkte... Eine drauiatische Hinrichtung.' Der französische Soldat Ren° Saumureau, der im Oktober 1915 an der Front von Sauchy seinen Sergeanten Tarda nach einem Streit durch einen Revolver- schuß verletzt hatte, ist dieser Tage auf dem Polygon von Le Maus durch die Kugel hingerichtet worden. Saumureau halte da« Urteil gelassen aufgenommen und war auch am Tage der Hinrichtung durchaus ruhig. Im letzten Augenblick, als das Exekutionskommando ihm bereits gegenüberstand, erhob er jedoch beide Arme und rief mit schallender Stimme:.Nieder mit Frankreich!— ES lebe Deutschland!'— Jetzt wird der Durchschnittsfranzose überzeugt sein, daß die Hinrichtung am Platze war. war wichtig im Weltkrieg? In den leider verbrannten Alten de» Militär-PolizeimeisterS von Bukarest befand sich folgendes Aktenstück:„Tagebuch Nr. 41041/13. U»ilau,f bei sämtlichen Ab« teilungen! Sosortl Heklor. der Hund des Herrn Major V., hat heute im Gebäude der Kommandantur die Hundepeitsche. die er im Maul trug, verloren. Es wird gebeten, nach dem Ver- bleib der Peitsche zu fahnden. Auf Befehl: J�, Leutnant und Adjutant. Im Auffindungsfalle ist sie bei Abteilung 1 abzugeben. Sofort an Abteilung 1, 2, 3. 4 usw.' Das Datum fehlte; es war ain lg. Juni 1918, was der Nachwelt wohl nicht vorent- halten bleiben darf. Der Vorfall erinnert an eine Feststellung des Kunstwarts: Wir wissen ja, wir interessieren uns nur fürs Große. Zum Zeugnis dessen etwas aus dem.Bornaer Tage- blatt'. Das hatte als Teilnehmer einer Dankaudienz beim König zunächst den Seminardirektor des Ortes, dann zwei Realgymnasial- lebrer genannt. In der Nummer vom nächsten Tage brachte eS aber eine„Berichtigung': In der vorigen Nummer hatten wir die drei Herren aus Borna genannt, welche vom König am Sonntag in Audienz empfangen worden lvoien. Hierbei ist jedoch im Drange der Arbeit eine Abweichung von der Reihenfolge der Audienzliste in der„Sächsischen StaaiSzeitung' insofern unterlaufen, als Herr Studienral Professor Dr. H.. an zweiter Stelle, statt an der ersten, ' aufgeführt wurde. Es hätte vielmehr heißen müssen: Siudienrat Professor Dr. H., Schulrat I. und Oberlehrer Z. Auf an un« gerichteten Wunsch mag diese Ungrnauigkert hier- mit nachträglich festgestellt und ausgemerzt werden. Ja. Mt- deutsche, wenn wir zu stolz werden wollen: derlei ist auch noch bei uns möglich! In Kair» wurde ein italienischer Musikant, der angeblich versucht hatte, einen Truppenkordon zu durchbrechen, von einem b r t t i s ch e n Soldaten getötet. Die Italiener befinden sich in größter Erregung. Die meisten Orchester streiken und„ägyptische Agitatoren bauschen" die Angelegenheit zu einem politischen Bor- fall erster: Ranges auf. Das Erdbeben in Mcxik» zerstörte in der Provinz Vera Cruz ein Dutzend Städte oder Dörfer ganz oder teilweise. Die Stadt Calcahulco(?) soll in einem Abgrund verschwunden, von dem ganzen Orte nichts übriggeblieben sein als eine mit Trümmern angefüllt Grube Grobe Ungebühr. Im„Altmärker Volksfreund* zu Stendal inseriert einer den Hosenträger.Liebknecht*. Fehlt nur noch doS Korsett„Rosa Luxemburg'. Wilhelm arbeitet mit den anderen Amerongern, um durch Er- höhung des Dammes die UeberschwemmungSgeiahr zu bannen. Wettrrausfickten für das mtttlere Rorddentlchland bis Sonnabend mittag. Ziemlich mllde. verüiiderlich, überwiegend bewöM, mit öster wiederhoucn. Im Norden vielfach starke», im Süden meist ichwächeren Niederschlägen. Ußxdh S tüch. N&Htf t � tsmam Tembrea nerei enHdnaa Generai-Vertreter: Vertriebsgesellschaft für Brennerei-Erzeugnisse m.b.H., Berlin W 9, Potsdamer str. 23 a. Telephon; Kurfürst 743. Am 6. Januar verschied plötzlich an Herzschlag unser lieber Mitarbeiter, der Buchbinder August Nentwich Im 60. Lebensjahre. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Pezsonal o. Gescbäfts- leitunz der Vorwärts- Bacbdruckerei. Die Beerdigung findet am Freitag, den 9, d. M, vormittags 10 Uhr, auf dem Hedwigs kirchhol in Reimckenduif statt Durch einen Unglück». fall verschieb plötzlich der Faitbsmatier Martin Malm im Alter van 59 Zahren. In tiefste« Schmerze vi« ylalerdUedenea. Berrm-Friedenau.Wielanb- ftratz« 7. Der Tag der Beisetzung wird noch bekannt gegeben. Bekanntmachung. Die von der Etadtgemelnde Berlin für da» Slak-Iohr ISIS geieifleten Beiträge zu den»oftea für die kanbweres- tummer zu verlin sollen nebst den an» dem Vorjahr Uder. nomnienen Ausfallen durch Amlage aus die hiesigen Sand- wertvdetriede zur WIebereinzfehung gelangen. Amlaae- pstlchtia ist jeder Inhaber eine» hiesigen Handwerksdetricoes eimchiieziich der Hausgeiverdetrkidenben. Der Beitraatvird für das Bechnunasjahr in«nee Summe erhoben. Den zNabilab für die Feftietzung des Beitrage, bildet die slnatlich voran- tagte»»merbeslener, soweit sie auf dem Ernaqe de» Hand. wert, deruht. Bei Haudwerlern, die neben dem Handwerk noch ein anderes nicht zum Handwerk zilhlendes Gewerbe betreiben U. B. Handel oder Gaftwirtichaftj, ist der staatlich veranlagte GewerbeNeuerfatz soweit zu kürze», bah der zur Verand zu Grunde zu legende Steueriag sich zum Gesamtsteuersatz« ver- hält, wie der Erlrag des Handwerks zum Gesamterträge. da» Rechnungsjahr 1919 werden 40 von n> erbest»urrf»tz?, erhoben. S«r Hundert desnn, gink. Blei so- . wie sämti. Att- u. Edelmetalle taust höchstzahiend' tzletall- lllnkauts-Zentrale, ll»t«bn»»e Damm 06. Amt Moritzpiatz 15580. Ständig grobes Lager in 55® Zigarren lämtiichet Preislagen Lagerveluch lohnend. Pro devers. o. Äachn Prtedrdch st Oonda, Serün SO. 33. Skaflster Str. 40 SO. Fernwrecher:__ Amt Morihpiatz 2385. I«nilnaptphfcpat*• u u'- ur Wilhelm». Kirchhact. LuilUyCriutllolul pers.z. sprechen Potsdamer Str. Iii (Liitzowstr.) Langjahr Erfahr. ZuverlSss Rechtsnelstand Ii Ehe-, Alimenten- u. Vertrauenssach. 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Täglich 7V3 Uhr:■ Maskerade. onn ab. 4: Hansel und Grete!. onntag 4 IA; Johannis feuer. Winter- Galten Täglich 7.1S Ihr; Variefe-Spielplan Hauchen gestattet! Volksbühne 6'i2: Götz von Berikthingen. Lesslag-Tlieater. Direktion: Victor Barnowsky; 7, zum ersten Male:' Hölle, Weg, Erde. Sonnabend Tl,: Py�melioa. Sonntag V/t- ilüile.Weg, Brde. ßentselies Kilnstler-TlieateF A"a7v- uhr' Cyprienne. (Konstantin. Oötz. Walter.) Schall u.ftaueh Im(iroßen Schauspielhaus Karlstr« Schirfbauerdamm. Gussy Holl> Mady CiiristlanS Paul Ciraetz Priedr. Holloender Hüde Gad Hubert von Meyerlnk Ann Hcuslnger Olli Sudnhtl Fritz Feld Karikaturenfilm von Trier Bröflnung JV,. Beginn 8 ,- ü. Apollo Theater Dir.: James Klein| I PrledrichstraEe 218 7Vz Allabendl. 7 /,> u. Sonnt. S1.'. I 1 in unter Mitwirkung der beröhm testen Rennfaiirer wie: l.orcnz, Pawke, Techmer, um d. Meisterschaft| auf Buhnen- Trainer-Apparaten, 20 000 Preise. 4 Cesneins, I Sensations-Akrobat. Cur ran. J tollkühne Vorfdhrg. I a. schwankend. 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Wie oft ist uns Schriftstellern im Felde von unseren Kameraden gepredigt worden: Präge Dir nur alles recht deutlich ein, und wenn der Krieg dann doch einmal zu Ende ist, so schreibe! Bisher nun sind nur die Memoiren der„Großköpfe" erschienen, der Heerführer, die meistenteils die Schuld an den begangenen Fehlern vom einen auf den. anderen schieben. Wenn sie sich auch nicht zu einem so gigantischen Märchen versteigen, wie Ludendorff, der die hübsche Fabel vom„Dolch der Heimat" erfunden hat und nun nicht müde wird, sie in allen Fasson? dem Volke aufzu- tischen. Wann werden die Memoiren des gemeinen Mannes erscheinen? Wann endlich wird man erfahren, wie es dem Landsturmmann, dem Grenadier und Musketier, dem Mann ohne Achselstück und Stern ergangen ist? Es muß. wieder und wieder gesagt werden, daß 1318 die Zer° mürbung des Heeres die Folge eines falschen, vor allem gänzlich unpfychologischenShstems war. Man hatte keine Ahnung von der richtigen Art der Menschenbehandlung. Verstanden die B e- rufsoffiziere noch einigermaßen, sich ihre Autorität aus an- geborener Befehlsbegabung zu sichern, so fehlte dieS den Reserveoffizieren zu einem sehr erheblichen Teil, und je jünger sie waren, je mehr sie selbst den Abstand zwischen sich und ihren Untergebenen merkten, die oft genug etwas waren und etwas vorstellten, um so kräftiger legten sie sich auf das Anschnauzen, Schimpfen und — Einsperren. Die Strafregister schwollen von Woche zu Woche immer mehr an. in dm Arrestlokalen der Etappe war auf Tage hinaus kein Zimmer zu haben(Ueberschcift: Die Woh- nungsnot im Feldej, und durchaus gutartige, gebildete Leute, die noch nie in ihrem Leben mit den Strafgesetzen in Konflikt ge- kommen waren, wurden in Tausenden von Fällen mit Arrest- strafen belegt, während ein Wort der Aufklärung oder Zurecht- Weisung vollkommen genügt hätte. WaS wurde nicht alles bestraft: unvorschriftsmäßigcs Grützen, Sprechen im Gliede, ein zu hoher Kragen, eine unvorsichtige Aeuße- rung, eine Theaterkritik, die den Herren da oben nichc ge- fallen hatte! Man sollte sich doch wirklich einmal die Mühe machen und die Strafregistee hcrvorsuchen, man würde da zu ganz entsetz- lichen Ergebnissen kommen. DaS Beschwerderecht stand oirf dem Papier und war eine glatte Farce. Wer sich wirklich beschwerte, hatte in Zukunft nichts zu lachen. Wollte man sich über den Obe r- a r z t beschweren, der einem Patienten ein paar hinter die Ohren versprach, so komtte einen der betreffende Mann bei der nächsten Ge- legenheit„k. v." schreiben. In speziellen Fällen wurde dem Bestraf- ten sofort eröffnet:„Wenn Sie sich beschweren, so kommen Sie vor das Kriegsgericht." Die ganze M i l i t ä r j u st i z ist und bleibt eine mittel- a l t e r l i ch e Institution. Es ist eine Gemeinheit, anständige Menschen drei Tage und drei Nächte bei Wasser und Brot weg«! irgendeiner harmlosen Aeußcrung in eine dunkle Zell« zu sperren, und die Gemeinheit wird noch größer, wenn man, loie es auch häufig genug geschah, ihnen hohnlächelnd erklärte:.Sic können sich ja nach- her beschweren!" Luöenösrff an öen»Matin*. Der„Matin" veröffentlicht einen Brief, welchen er von 2 u d e n d o r f f als Antwort auf die Aufforderung, sich über die innere Lage Deutschlands zu äußern, erhallen hat. In diesem Blies lehnt Ludendorff ein Eingehen auf den Wunsch deS.Matin" ab, in- dem er sich für außerstande erklärt, irgend welche aulhentische Mit- teilungen an dir Enlenlepresse zu geben. Ludendorff schreibt dann weiter, daß die Entente eS sich selbst zuzuschreiben habe, wenn sie in das Chaos, das über Deutschland hereinzubrechen droht, mit hineingerissen iverde. Er Härte nicht die Macht, die Aufmerksamkeit der Entente auf die Gefahren zu lenken, denen sie sich infolge ihrer eigenartigen Rechtsverhältnisse des Theaterlebens eine fachkundige Stelle eingerichtet werden, die zugleich wichtige Bausteine für daS noch immer fehlende deutsche Theatervecht liefern wird. Ein Schieds- gencht, dessen Vorsitz ein Jurist hat. und. das aus Vertretern des Deutschen Bühnenvereins, der Pereimgung der Bühnenverleger und des Verbandes Deutschor Bühnenschriftsteller und Komponisten ge- bildet ist, entscheidet die aus den Aufführungs- und Verlagsverträgen entspringenden Fragen. Die Streitigkeiten zwisck>en Bühnenleitern und Bühnenangehörigen werden vor Schiedsgerichten zum AuStrag gebracht, in denen unter einem unparteiischen Vorsitzenden je zivei Vertreter des Bühnen verein? und der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger sitzen. Hier sind 10 B-zirksschiedsgerichte in Berlin, Breslau, Dresden. Frankfurt a. M., Hamburg. Königsberg i. Pr., München, Köln, Stuttgart und Dortmund vorgesehen sowie als die Einheit der Rechtsprechung wahrende Berufsinstanz ein Oberschiedsgericht in Berlin, bestehend aus einem juristischen Obmann mit je drei Mitgliedern des TarifauSschusies der beteiligten Organsationen. Für die Streitfäll« zwischen VühnMleitern und den Mitgliedern des Deutschen Chorsänger- und Ballettverbandes ist eine entsprechende Einrichtung getroffen. Ein Eucken Bund soll gegründet werden. Im Geist der Lehren des greisen Rudolf Eucken ioll er gegen das Abiinken der gesellichaft- liche Hultur ins Acußerlicke durch Berinnerlichung der Kräfte des Lebens ankämpfen.- �Eine Gruppe Persönlichkellen, besonder» aus akadcmiichen Kreisen,«riäßt jetzt einen Aufruf zur Gründunq des Bundes, der feine Hoffnungen und den gesellichaftlichen Zustand kennzeichnet durch den Satz:.Rur ein geistiges Wunder kann uns retlen". Volkshochschulen als Siedlerschulen. Eine enge Verknüpfung der Volkshochirtmlbewegung mit der Siedlungsbewegung befnrworlet Hans Horst Kreisel in der im Verlag von Eugen DiederichS in Jena ericheinenden Monatsschrift.Die Tat". Die planmäßige Neu- besiedlung Deulichlands müßte von einer jhsiematischen neuen Volks- bildung begleitet werden. Wenn Siedlerschulen zugleich alS länd- liche Volkshochschulen eingerichtet werden, dann erreichen wir damit, daß einmal tüchtige Siedler als Führer für das neue deutsche Volkstum erzogen werden und daß andererseits die Siedlerschüler prattlich in Feld. Garten und Kleintierhok sowie zugleich, und zwar betonderS im Winter, in geistiger Hinsicht erzogen werden. Mit ihrer präktiichen Siedlungsarbeil sind sie imstande, die Kosten für die Volkshochschule aufzitbringen, so daß nur ei» einmaliges An- lagelapital nötig ist. Zunächst sollte in jedem Gliedstaat und in jeder Provinz etile solche Doppelschule als Muster- und Mutter- anstatt errichtet werden. Von hier wird dann die weitere Arbeit ausgehen. Solche Volkshochschulen auf dem Lande, die zugleich Mederschulen sind, würden Heimatsschulen im besten Sinne sein. Friedrich RückertS Tochter, dcs Dichters letztes Kind. Marie Rückcrt, ist in Neuses bei Koburg, wo Rückert 186« starb, gestorben. Sie hat sich an der Herausgabe nachgelassener Werke ihres Vaters beteiligt. Der«erbau» der Freien«oltsbühue» veranstaltet eine Vortragsreihe mit dem Thema: Einführung In das Verständnis von Musikwerken. Der erste Bortrag findet am U. Januar, abends 8 Uhr, im Bechsteinsaal. Linkstr. 42, statt. Vortragender: Leo Kesten« b e r g. Karten zu t M. an der Abendkasse. lieber Lieder unserer Kriegsgefaugene« spricht Pros. Dr. Stuuips am lt. Januar im WijjMiichajtliche» Verein lHörjaal, Grorgenstr. 34—8«. Kurzstchtigkeit aussetze. Wenn sie aber soweiterarbeite, wie bisher, würde eine schreckliche Katastrophe für ganz Europa wohl unvermeidlich sein.__ Die Irankfurter Mumtionsschiebung. Laut„Franlfurter Ztg." ist. die Untersuchung gegen die Firma Heidelberger insolge eines Prozesses eingeleitet worden, den ein Ingenieur der Firma wegen Gewinnbeteiligung angestrengt hatte. Die Untersuchung erfolgt durch die Zentralstelle des Kriegs- Wucheramts. Die Firma, die Zünder und Znnderteile herstellte, soll während deS Krieges 18 Millionen Mark verdient habest. Ein Bruder des Inhabers der Firma habe als Vertrauensmann der Abnahmestclle dafür gesorgt, daß die Fabrik reichlich mit Auf- trägen bedacht wurde. Die Untersuchung erstreckt sich auch auf daS Personal Ider G e i ch o ß t a b r i k e n in Duisburg, Spandau und Sömmerda und wird lange Zeit in Anspruch nehmen. UebrigenS: was ist denn aus der seinerzeitigen Reichstags- und Regierunzskommission zur Nachprüfung der KrisgSlieferungen geworden? Schläfste oder wachste, Kommission, was wachste? Der wieöeraufbau Noröfrankreichs. Der ReichSminister für den Wiederaufbau, Dr. Geßler. hielt Mittwoch vor einem zahlreichen Kreise von führenden Männern au« Industrie, Handel und Gewerbe und den Vertretern der Behörden im Gürzenich in K ü l n einen Vortrag und gab ein allgemeines Bild dessen, waS bisher an Vorarbeiten für den Wiederaufbau geleistet worden ist. Der Minister behandelte hauptsächlich die Frage, in welcher Form die Vergebung der Arbeiten im zerstörten Ge- biet vor sich gehen solle, und wie sie im zerstörten Gebiet selbst zu leisten seien. Er wies darauf hin, daß die französische Regierung beabsichtige. ausländische Arbeiter, hauptsächlich polnische, italienische und tschechoslowakische, heranzuziehen. Bei den Verhandlungen in PqriS werde deutscherseits der Standpunkt vertreten, daß das Reich als G en e r a lunt e rneh m e r hafte. Bei der Lieferung der Baumaterialien müßten die einzelnen Länder, soweit eS sich um Massenlieferungen handle, z. B. um Türen, Beschläge usw., anteilmäßig berücksichtigt werden. Nach dem„TempS" belaufen sich die Wiederherstellungskosten der Kriegsschäden allein im Departement Aisne auf 10 Milliarden Mark. Der Wiödcraufbauminister Geßler sprach heute im Saal dcs KaiserhofS zu Essen vor einer Versammlung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern dcs unbesetzten Teils des Regierungsbezirks Düffel- dors und der Provinz Westfalen über die Frage des Wiederaufbaues in Nordftankreich, wohl die wichtigste der unS im Friedensvertrag gestellten Aufgaben. Der Minister entwickelte in längerer Rede die äußeren und inneren Schwierigkeiten der Sache. ES werde sich um Schwierigkeiten in dreifacher Richtung handeln, die Auf- r ä u m u n g der zerstörten Gebiete, der Wiederaufbau der zerstörten Ortschaften, Anlagen und Gebäude, endlich die in du- strielle Wiedergutmachung. Politisch sei chervorzuheben, daß Deutschland zur Hilfe in weitestem Umfange bereit, aber ganz ungewiß darüber sei, ob und in welchem Umfange unser: Leistungen und Lieferungen von der anderen Seite überhaupt gewünscht wer- den. Bekanntlich bestehe in Frankreich eine starke Gegenströmung gegen die Beschäftigung deutscher Arbeiter und deutscher Unternehmer. Noch schwerer sei die Lage im Innern. Wenn wir für Frankreich arbeiten sollen, müssen wir arbeitsfähig sein. Es fehle uns aber am wichtigsten, an Lebens- Mitteln und Rohstoffen. Der Minister ging auf die Kohlen- frage im besonderen ein. Solange wir so viel an Kohlen ab- liefern müssen, daß nicht einmal das Allernotwendigste für den hei- mischen Bedarf übrigbleibe, werden wir keine Wirfsame Hilfe leisten können. Zum Schluß wies der Minister auf die sonstigen Aufgaben seines Ministeriums hin und hob besonders die furchtbare Lage der Ausländsdeutschen und der Deutschen in den abgerissenen ReichSteilen hervor, denen Heimat und Habe genommen sei. In der anscktlieftenden Debatte wurde eine Reihe von Einzelfragen ein- gehend erörtert. Allgemein hob man die furchtbare innere Lage hervor, in der eS uns selbst am Nötigsten fehle. Ante? öer Zcrntigsherrfthast. Ter Mörder deS Aachener Arbeiters Köppen, ei» französischer Soldat, wurde zu 10 Jahren Zwangsarbeit vcrurteUt. Der An- llagevertreter hatte 20 Jahre beantragt. DaS Brgermeisteramt von Scherpenseel bei Eupcn ver- öffcntlicht eine Bekanntmachung des Majors der belgischen Be- sayung, wonach infolge von in d�r Dunkelheit versuchten Angriffen von Zivilisten auf Soldaten folgender Befehl ausgegeben wor- den ist: «Wenn verdächtige Personen oder Pcrsoncngruppen sich nähern und auf den Befehl„Hände hoch!" nicht stehenlllsiben, haben die Soldaten von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Außerdem werden, wenn weiter derartige Fälle vorkommen, jeden Abend au? Bürger- und Arbcitrrkreisen Geiseln gestellt werden müssen." Die französisch« Regierung beschloß, den militärifiben A u S- nahmezustand auch n a ch der Ratifikation deS Friedens in El- saß-Lothringen aufrechtzuerhalten und im Berkehr mit Deutschland keine wesentlichen Veränderungen eintreten zu lassen. Die Einreise Deutscher ins Elsaß wird nur in AnSnahmesälle« mit besvnderer Erlaubnis der französischen Paßbehörde in Straßburg gestattet werden.' Die Pariser Polizei verbietet seit etwa zehn Tagen den Ber- kauf einzelner italienischer Blätter und zwar dcs«Avant i", der„Stampa"»nb des„Resto del Carlino" und der Genfee„Feuille". wer hat öie Entente erWutlgt? „Hoinme libre" schreibt zur Neröffeutlichiitig der Briefe des Kaisers Karl ans dem Jahre 19l7, daß die französischen Geheimarchive nicht n«r Briefe des Kaisers Karl, sondern auch solche des Königs von Bayern und des Herzogs von Braunschweig, besonders aber des G r o ß h» r? zogs von M eckte nburg-Strelitz enthielten, deren Beröffeutlichung in absehbarer Zeit nicht ausgeschlossen scheine. Sie rechtfertigten nur die Clcmenceausche Auffaffnng, daß Deutschland und se'ne Berbündeten schon 1915 politisch nnd militärisch verloren waren. Das Clemencean-Blatt sagt nicht, ob es sich um Briefe an Gntentcleatc oder etwa um gestohlene Schriftstücke handelt. Revisionsverhanülung üer Nöchling-Sache. Der Kassationshof in Paris hat die»an Robert Röchling beantragte Revision dcS Urteils in dem Prozeß gegen ihn und seinen Bruder angenommen. Es wird also eine neue Bcrhandluug stattfinde«. Das nichtasioziierte Amerika. Die„Chicago Tribüne" meldet, daß Amerika weder an der Unterzeichnung dcö Protokolls, noch a« der Zeremonie deS Aus- tauscheS der Natifitationsurkundcn, noch an der Sitzung de? ans- führenden Rates des Völkerbundes teilnehmen werde. H a v a S meldet, daß, sofern am kommenden Sonnabend die Unterzeichnung deS Protokolls durch die Deutsche» erfolgt, die Rechtskraft des Friedens von Versailles am 17. Januar eintreten soll. Gegen den sogenannte» Sowjetgesandtcn in Nordamerika, Maertens, ist ein Befehl zur Tcportierung erlassen worden. Moskau unü Irkutsk. Aus Moskau wird gefunkt: Die Regiernng Koltschaks ist gefallen. Di: neue sozialistisch-rrvolntionärc Regierung in I r"k u t s k ist bestrebt, eine sozialistische Koalition zu schaffen, in welcher anch die Rfiteregierung vertreten sein soll. Ei« Abgesandter der Jrkutsker Regierung wird in den nächsten Tagen in Moskau eintreffen und Verhandlungen mit der Rätceegieruug ciuleitcn. Weiter funkt Moskau, daß die roten Truppen das ganze Doucstbcckcu besetzt haben und festhalten. Damit würde die Sowjetregiernng in den Besitz der Kohlcnschätze Sndrnß- lands gelangt sein, Ei» Bukarcster Blatt meldet, daß die russische Regierung ein neues Friedensangebot an die rumänische Regierung gestellt hat, wonach Rußland die Augliederung Beß- arabicus au Rumänien anerkenne, wenn Rumänien keine Truppe» gegen die Bolschcwisten entsendet. Generalstreik in Irlanü. Laut„Daily Mail" ist in Irland der Generalstreik ansgebrochcir Arbeiter und Bürger erklärten sich solidarisch im Kampfe gegen dir Engländer für die Unabhängizteit Irlands. In Dublin sind die Gast- und Kaffeehäuser geschlossen. Selbst die Feuerwehr streikt. General French hat sich an die britische Regierung um KrirgS- schiffe und Trnppcn gewendet. In Dublin, Limcrick und Cork haben schwere llnrnhen statt- gejundra. ES.kam zu b l n t i g c n Z u s a m m e» st ö ß e n zwischen bewaffneten irischen Nationalisten und britischen Truppen. In Lime- rick wurden mehrere englische Soldaten getötet, vorauf da? Standrecht verhängt wnrdr____ IraozsjWe Präsiöentenwahl am 17. Januar. Kamnier und Senat sind für den 17. Januar zur National- Versammlung nach Versailles einberufen, um die Neuwahl des Präsidenten der französischen Nepublt! sür die kommcndcn sieben Jahre vorzunehmen.. Kleine politische Nachrichten. Bclcidigungstlage des Reichspräsidenten. Der Reichs Prä- siöe n t und daZ gesamte R e i ch s m i n ist: r i u m baben gegen (den Chefrodaktenr der«Ostpreuhischen Zeitung", Eduard Kenkel, Strafantrag wegen Beleidigung gestellt, die in einem Artikel„W.c lange lassen wir uns das gefallen?" erblickt wird, den Kenkel am 28. Oktober veröffentlicht hatte. ReichSbcihilfe für die Marloh-Opfcr. Wie die„P. P. 5k." erfahren, ist für die Zahlung von Beihilfen, welche die Hinterbliebenen der in der Französischen Straße erschossenen Matrosen vom Reiche erhalten sollen, die A b w i ck l u n g s- I'n t e n d an t n r de-- früheren Gardekorps, Abteilung 2b, Berlin, Dorotheenstr. 76, 3 Treppen, zustöndig. General von Est-rffs Absetzung verlangt. Der Tilsiter Parteisekretär der Sozialdemokratischen Partei in Tilsit, Bij. 2301;, hatte kürzlich in der„Tilsiter Volksstimme" unter der lieber, chrift „Der Vulkan im Osten" einen Artikel verössenthcht, in dem er die heimkehrenden baliischen Truppen heftig angmft und das Verhallen der Offiziere als verbrecherisch bezeichnete. Wegen dieses Artikels hatte der Befehlshaber des Rcichswehrgruppenkommandos I, Generalleutnant von Estorff, gegen Wolf und den verantwort- lichen Redakteur Zingler Strasantrag� wegen Beleidigung gestellt. Daraufhin hat Wolf unter dem 4. d. M. em Schreiben an den Reichskanzler Ba u e r gerichtet, worin er die Ab setzung des Generals von Eitorfs fordert, weil dieser Disziplmbrecher und Auftührer decke._ DaZ NcichS-AuZwanbcrungSgesetz wird in den nächsten Tagen der Nationalversammlung zugehen. Tie schlechten Erfahrungen der ersten deutschen Auswandererzüge, namentlich in Südamerika, laßen den verstärkten S ch u tz der AnSloanderer vor A u s b e u t u n g durch schwindelhafte AnsiedlungsgesellscHasten um so dringender«icheinew als der mternationaie Rechtsschutz der deutschen Auswanderer im Ausland infolge Fehlens von besonderen Verträgen mit den E>n Wanderungsstaaten noch viel zu wünschen übrig läßt. Anwachsen ber Mieterorganisationen. Die Organisationsl'a wegung der Mieter macht imRuhrgebiet crußerordentlich slarl< Forischritie Innerhalb eines Mertcljahres Heft sick die Mitglieder j*aM der Mietervereine von 18 000 auf rund 4ö»00 gehoben.~ftt ! Gelsen kirchener Micterverein hat es auf S0V0 Mitgl edcr gebract der Verein Essen beträgt sogar 8000 Mitglieder. Kehren die Kriegsgefangenen heim? Auf französischem BrV müssen in Müncken-Gladbach für die aus Frankreich demnkft heimkehrenden Kriegsgefangenen Quartiere geschafft- werden ES soll ein Durchgangslager eingerichtet werden. Zu diesem Zwecke müssen schon bis Ende der Woche die hierfür be- stimmten Gebäude geräumt sein. Außerdem werden noch Durch gangSlager in den Nachbarstädten Düren und Eschw.ciler cr richtet. Sollte man tatsächlich mit, einer baldigen Heimkehr der Kriegsgefangenen rechnen dürfen? BorzugSbehandlung von Kriegsgefangenen. Auf Verlangen de? Hohen Kommissars der Allnerien im besetzten Gebiet, Tirard, wer- den die Gefangenen der besetzten Gebiete von der franzö- fischen Behörde vorzugsweise behandelt und schneller he im befördert alS die anderen Kriegsgefangenen. Der zweite Bürgcrmeistcrposten in Frankfurt am Main w.rd von unseren Genossen bcansprucht, die unseren bekannten Sozial- Politiker Graes vorschlagen. Besoldung der Stcuerbcamtcn. Unter dem Vorsitz des Mi- msteriaidlrektorZ v. Stockhammern haben im. Reichs- finanzminiftcrium am 8. und 7. d. M. Verhandlungen mit den Vertretern der Zoll- und Stcuerbermten über die neue B e- soldungSördnung und die Einteilung der Beamtenschaft in Besoldungsgruppen stattgefunden. Der politische Beauftragte Italiens in Berlin, Bordonaro, wird demnächst nach Prag versetzt werden. Für ihn soll als Ge- schäftsträger bis zur Ankunft des neuen Botschafters Graf Aldo- brandi nach Berlin geschickt werden. Ein sozialistischer Geiucinderat in St. Qnenti«. Die während des Krieges fast gänzlich zerstörte Siadt St, Ouenrin bot einen rein sozialistischen Gemeinderat mit einem sozialistische» Bürgermeister an der Spitze gewählt. Diesem liegt eine außer- Wirtsthast. RatheuauS„Autonome Wirtschaft�. Dalther Rathenau, der Präsident der A E.®.. wendet sich wiederum in einem neuen Hefr�) an daS deutsche Boll, um rhm den Wea aus der ölonomiichen und sozialen Kaiasirophe zu zeigen. Die besondere Bedeuumg dieser PersünliSkeit liegt darin, das; sie sich, obgleich selbst Groiikapitalist und Führer eine» der be� deutendsien Konzerne, auf den Boden der sozialistischen Wirti'chafts« auffassung stellt. Iii''einer während des Krieges erschienenen kleinen Tedrifr:.Die Neue Wirtschasl", bat Ralbenau die Forderung ge- stell?, durch eine Ärl von Vertrustung der Industrie die pro- vuktive Höchstleistung und soziale Gerechtigkeit zu er« streben. In der Zeit seit Ericheinen der erstgenannten Schritt ist ist a t l, e» a u auf dem Wege der völligen.Gozialisierung� der Wirtschaft vorwärtsgeschritten. Er beginnt die neue Schrift mit den Worten:.Was uns ge- scheben ist wissen nur wenige. Und die eS wissen, find zumeist be- fchästigl, sich und das ihre in Sicherheit zu bringen." Rathen au rieht die dreifache Aufgabe und dreifache Lösung. Die erste Auf- gäbe»st. die Wirlschast erlragsäbiger zu ma�en, ■>ie zweite die des gereckten BefiyauSqleichs, die Aus- bebuiig des proletariichen Verhältnisse«, die Schak« 'uiig der neuen Gesellschaft, die dritte Aufgabe betrifft tue Vergeistigung der Arbeit. Die endgültige Lösung ist: die Ueber'ührung de« UntrrnebmenS nickt in den Besitz de« StaaieS, wie der klaisiiche Sozialismus fordert, iondern in den Besitz der totcu Hand, d.h. von Produklionsgciueinscbaften unter dem Schutz des Staates. Eine Tatsache ist es auch für ihn ge- worden, daß es zwischen Urnernebmern und Arbeitern keinen Frieden mebr gibt, und dah hieran unsere ProduklionSkiasr zugrunde geht; die Folgerung ist, dast das Uniernebmer« i u nr aufhören ni u st. Niemals wird der ZwcUlaffenzuftond: lliiternehmei tun,—Arbeilerichan zur letzten S olioarität fuhren. Soll der Arbeirer mir neuem Mut und Geist arbeilen in einer Zeir, die nofr härter fein wird, als die jetzige, so mutz er wissen, datz das Unleniehmen ihm gehört. Der Weg zur Schaffung autonomer Unternebmungen ist stir Raihenau der, datz die Aktionäre oder sonstigen Besitzer in die steiho der G l ä u b t g e r zu treten haben, die vorerst eine feste 'steiiie und T lgungSquote ei hallen. In die vollen Reckte der Vor- nesttzer treten Arberter und Angestellte. Die Unter- iiehmiingeii werden zu Gilden z u sa m m e n g e fa st t, vre die Erträgnisse ausgleichen, die GelchäflSWrung kontrollieren und reitungslo'e Betriebe stillsetzen. Die ProduknonSpolitik gebt auS ■»tii Händen der zersplitterten Werkleiiungen in die Hände der zentralen G il den leitun gen über. Die materiellen Vor- ieile werden vo» den siitlicken überlroffen. der Srbeitsprozetz wird leiunden, denn eine Arbeiter- und Beamtenschaft wird nickt >egcn ihr eigenes Unternehmen kämpfen. Der Staat hat die Steuerhobeit, er kann Vermögen, Einkommen und Erbschaft, belasten, er kann die Renle selbst tu eine nullprpzenLige verwandeln. Wäre der H o ch k a p i t a I i s m n s, sagt Ratbenau. durch die Uebtrspaniiinig der Weltkoiikurrenz nickt katastrophal zerbrochen, io wäre er an der Enge der Auswahl, an der Schwäche der zwertei» and dritten Führergenerätion ebenso langsam und kläglich oerendet. Die Forderung, die industrielle Produktion zu vertrusten. weil die bestehenden, freiwillige n Zuiammenschlüsse zu Fach- verbänden unzureichend sind, wurde in jüngster Zeit auch von dem Industriellen Direktor BertholdNothmann, Berlin, auf- aestellt..Für uns Sozialisten ist esdochersreulich zusehen, datzFührerdes Grostkapiialisnius vorhanden find, die über die Dividenden- Politik ihrer Unternehmen hinaussehen und die u n u m g ä n g- l> ch e Umstellung der privatkapiralzstischen Wirtschaft in eine remeinwirtschafrliche anerkennen. Das Absterben des '.'libeitswillenS. der weder mit Zwang noch mit Nor. noch Güte belebt werden kann, zwingt unabweisbar zur Herstellung der n e u e n W i r t s ck a f l s g e I e l l i ch a f l. um die das Prole- tariat mrt heißem Herzen und ungebrochener Hoffnung zielsicher känipsr. Die Arbeitnehmerschast sollte besorgt kein, datz das kleine Hert Rathenaus ihren Unternehmern und leitenden Angestellten! zur freundlichen Beachtung auf den Trick gelegt wird, denn solche I Schrrsteu werden in diesen Krersen nicht gern beschafft. Daher sjdJten V.i Presse am SHrakrmarkt geradezu c-narmen Um- sang angenommen. Die erst kürzlich im Handel verlangten Preis« von 900 bis 1000 M. pro Tonne Alteisen sind beinahe schon wieder zur Ausnahme geworden und es werden bereit» Preise von 1400 Mar.! und mehr bezahlt. Erhöhung der Roheisenpreise. In der Sitzung des Verbandes wurde über die Marktlage berichtet und auf die Schwierigkeiten bingewiesen, welche bei den Hochoienweiken infolge der ungenügenden KoilSv eri'o r" g un g entftanden sind. Di« ,'cklechte Belieferung der Hochofen- werke mrr Koks bar zu erheblicher Einschränkung der Roheisen- erzeugung geführt. Zahlreiche Hochösen mutzten ausgeblasen oder gcdämp't werden, wodurch in der Versorgung der weiterverarbei« tenden Industrie eirre weseniliche Verschlechterung, die durch die verricheudc» VerlebrSschwierigkeiten noch verschärft wird, ein- getreten ist. Durch die starke Erhöhung der Seefrachten ist eine ioeientliche Verteuerung der ausländischen Erze cingetrelen. ferner haben die Hochöfenwerks mit einer Er- böhling des Preises eines Teils der inländischen Erz« und Schmelzmaterialien. sowie mit den erhöhten Kokspreiscn und seinerweiteren Steigerung der Fabrikationskosten zu rechnen. Roheisenpreis« ab 8. Januar:> * Hämatir- und Eu-armeö- Stahleisen... 347 M.- Gietzerer-Roheii'en.......... 410„ Siegerländer Stahleisen und Spiegeleisen. 231 r Die neuen Preise haben Giliigkeit bis Ende d. I. In der Veriammlung der Vertreter der Erzeuger, Vor- b r a u ch e r und Arbeitnehmer wurden die Beschlüsse zur Kenntnis gebracht und insbesondere darauf hingewiesen, datz ein Teil der Erhöhung notwendig sei, um endlich eine allmähliche Tilgung der bekamiteil Kredite herbeizuführen, dre die aus den Bezug ausländischer Erze angewiesenen Werke im Interesse der Landeöverleidigung und auf Veranlassung der Regierung auf sich nehmen müßten. Der Vertreter deS RerchSwirtschaftsmimsterS bat gegen die Preiserhöhung Bedenken geäußert und sich die Stellung- nähme des ReichSwirlschastiministeriumS vorbehalten. Der Ver- tmer des Vereins deutscher Maschinenbauanstalten erhob Bedenken gegen die abermalige erheblich.« Ver- teucrung des Roheisens und wies auf die gefahrdrohende Lage hin, in vi- die verarbeitende Industrie hierdurch gelangen müsse. Schwedische Forderungen für Erzlirferungen. Die.Frank- furter Zeitung" berichtet, datz Verhandlungen über die Ab bürdung schwedischer Forderungen für Erzlieserungen an Teutschland sich dem Abschluß nähern. Der schwedische Hauptinteressent ist die Grängesberg-OxÄösitnd-Gesellschaft. die ihre Forderungen im Sommer auf 1.2 Mffioueu SNmsn bezifferte. Schuldner sind meist Kredit« sind durch Bürg- erwngen 1. Nachl „Allehrnda" kommen holländische und amerikanisch« Firmen in Be- tracht, von denen erster« die Forderungen an einen großen rheinisch- westfälisch.'?! Konzern, die Amerikaner jene an ein« Reihe ober- schlestscher Werke übernehmen sollen. Die Berhandlnngen uiit den holländischen Firmen werden zurzeit in Kepeichagen zu Ende geführt. 1400 Mark für die Tonne Alteisen. Infolge deS in der letzten Feit überaus erschwerten regelmäßigen Bezuges von ausländischen Em«« habe« sich die deutschen Werke veranlaßt gesehen, auf die »»n Jokrndergen. soweit angänatg.� zurüäzugveiken. Etz-!»«ch! sich bereits, ruf verschiedenen Werken Dlierschleliens wie Rheiirlemd-Weftfaleuv ein eaipfindlicher fbiangel an Eisen gellend. *) Autonom« Wirtschaft, Lerluz E. DiedecichS, il.Lö Ki. GewerffchBsbcwMns der Streik im versicherungsgewerbe. Immer deutlicher wird die Erkenntnis, daß die Unter- nehmer es ganz zielbewußt auf eine Kr.aftv rode mit ihren Angestellten ankommen lassen wollen. Ganz unbe- kümmert darum, daß der Streik, der durch issre hartnäckige Weigerung, mit dem Zentralvcrband de? Angestellten in Ver- Handlungen zu treten, zum Ausbruch gekommen ist und kommen mutzte, im Wirtschaftsleben empfindlickse Störungen hervorruft, haben sie den ganzen Donnerstag verstreichen lassen, ohne dem Reichsarbeitsministerium irgendwelche Vorschläge zur Beilegung des Konflikts zu machen. Offenbar spekulierten die Herren daran?, datz die An- gestellten im Versicherungsgewerbe, eine im gewerkschaft- lichen Organisaftonsleben noch junge Arbeitergnippe. nicht den moralischen Mut ausbringen würde, die Heraussorderun- gen ihrer Arbeitgeber entsprechend zu beantworten. Datz diese Spekulation fehlgeschlagen ist, hat bereits der erste Tag des Streiks bewiesen. In bewundernswerter Ein- mütigkeit haben die Angestellten zum letzten gewerkschaft- lichen Kampfmittel, dem Streik gegriffen, um dem Unter- nehmertum zu beweisen, datz auch im Versicherungsgeiverbe die Zeiten vorbei find, wo die Direktoren die Riesengehälter einsteckten und sie ihre Angestellten mit Bettelpfennigen abspeisten. In ihrem Streik haben die Angestellten die volle Sympathie der berufstätigen Bevölkerung auf ihxei Seite. Sollte der Untsrnehmerverband weiterhin auf seiner Weigerung, zu verhandeln, bestehen bleiben, so wäre es an der Zeit, die Herren etwas schärfer anzufasseil, als das bisher geschehen ist, Wohl in keinem Industriezlveiga sind so alle Vorbedingungen für die Sozialisierung ge- geben, wie im Versicherungsgewerbe. Es geht auf die Tauei nicht an, datz die Interessen der Versicherten grnd der Angestellten Not leiden, weil eine kleine Unternebmergrupve rück- sichtslos und brutal ihre materiellen Interessen vertritt. Während das Arbeitsministerium bis in die späten Abendstunden vergeblich auf eine Acutzerung des Ar- beitgeberverbandes gewartet hat. ist eine Lokalkorrespondenz in der Lage, den Wortlaut der Aeutzerung des Arbeirgober- Verbandes an das Ministerium mitzuteilen. Auch ein be- redtes Zeichen für die Hochachtung vor der amtlichen Stelle und den Willen, den Konflikt baldigst beizulegen. Das Schreiben lautet: „Der ArbeitgÄöerverüand stellt zunächst mit Befriedigung fest, daß der ZerurÄverband der Angesiellien seinen hchäriäckigell Widefftand gegen die Heranziehung der Wrigen Angestellten- organistriionen zu den Tarifverhandiungen aufgegeben hat. Hier- durch sei das e r ff e Hindernis für die Aufnahme d'ese? Ver- Handlungen beseitigt. Der ArbestgeöerverbaNid kann sich jedoch Erfolg von irgendwelchen VerhandlunZerr' e r st dann ver- sprechen, wenn der Zentralverband der Angestellten ihm gegen- über schriftlich durch bindend« Erklärung den von ibmaufg«stell tenTarifv er tragScntwurffallen läßt nnd insbesondere auf seine Forderungen hinsichtlich des MiWestimmungSrechts verzichtet, soweit sie üoer das Bereiche- rätezesetz hinausgehen. Ferner mutz der Arbeirgeberberband ver- längen, daß die Arbeit sofort in allen Betriehen bedingungslos wieder aufgenommen wird. Streik- tage werden nicht hezachlt." Fall» diese Forderungen erfüllt Warden, ist der Veriband b g r e r t, in Verhandlungen einzutreten. Wenn daS tatsächlich die Anttvort der Unten'.ehmer dar» stellft so'sind wir uns bewußt, datz die Unternehmer nach Möglichkeit den entstandenen Brand schüren und es auf eine Machtvrobe ankommen- lassen wollen. Die Antwort ist kein Ver'uch zur Anbahnung von Vergleichsverhandlungen, sondern eine neue Brüskie- r u n g der Angestellten. Wenn es eine Entschuldigung für das skandalöse Hinhalten des Arbeftsministeriums durch die Arbeitgeber gibt, so ist es die, datz sie sich schämten, dem Reichsarbeitsministerium diese Antwort direkt zu übermitteln. * Auch im Reiche ist der Streik in den verschiedensten Orten wirkunosSvoll begonnen worden. Aus Stuttgart wird gemeldet, daß der Streik dort restlos durchge- führt wird. In den meisten größeren Städten werden am heutigen Freitag die Angestellten des Versicherungsfaches ebenfalls in den Ausstand treten. Mit den Städten des be- setzten Gebietes bat die Streikleitung, wie wir erfahren, bis- her keine Verbindung. Frankfurt a. M., 8. Januar. Die Frcmtsurter Versichernngs- angestellten werden morgen in den Streik treten, nachdem der Generalstreik für ganz Deutschland beschlossen worden ist. Leipzig, S. Januar. Von der Leipziger Fachgruppe der Ver- sicherungSangestellten deS Zeuinckverbandes der Angestellten wurde der einstimmige Beschlutz gefaßt, heute, Donnerstag, in den Streik zu temen. Es kommen«, Leipzig etwa 2000 V e r s i ch e- rungSange stellte in Betracht.« Dresden, 8. Januar. Es kann mit Bepimmtheit angenommen werden, datz sich die Dresdener Vefficherungsan gestellten der all- gcrneiiven Streikbewegung der Versicherungen nge stellten f a st d u r ch- weg anschließe» werde«. Für heute abend ist ein« Versamm- lung einberufen worden, in der endgültig über den Eintritt in den Streik, der für Freitag früh in Aussicht genommen ist, Beschluß gefaßt werden soll. Uebee 7 Millionen Httveek�chastsmitglieüer. Da»»Korrespondenzblatt des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schpftSbundeS� gibt in seinem Jahre-rückblick für 1V10 über da» Anwachsen der Gcwprkschaften folgenden Aufiwlutz: „Die deutschen Gewerkschafien könaen auf das Jabr 1919 mit Befriedigung zurückblicken. Mit 1,6 Millionen Mitgliedern begannen sie ihren Wiederaufstieg, und am Jahresschluß erreichten sie 7.1 Millionen. Die Entwickln, ig war geradezu eine stürmische. Bereits Ende Januar war die Mitgliederböhe der Vorkriegszeit von 2,o Millionen erreicht. Ende Februar überschritten die Gcwerksckasien die dritte Million. Ende April die vierte, Mitte Juni die fünfte. Mitte August die sechste Million. Seitdem hat sich der Zugang merklich verlangsamt. Zweifellos können noch mehrere Millionen Arbeiter und Angestellte für die Gewerkschaften gewonnen werden, auch unter Berücksichtigung eines gewissen Prozentsatzes, den andere GewerffchaftSgruppsi, r.rr sich ziehe». Aber diese werden nur i« dem Matze orgrmisitkior.Sreif, a lS sick das W ir t- fchastKlobes«reveu erstarkt. Auch die Rrllwueu Arbeitnehmer der Landwirtschaft werde» erst nach Jahren den Gewerkschaften zugeführt werden können. Immer- hm wurde von Mitte August bis Mrtte November, also in drei Monaten, eine weitere, die siebente Million von Mit- gliedern hinzugefügt. Auch heute noch befinden sich die zewerk- fchafrlichen Mitgliederzahlen im Steigen, und wenn es auch langsamer vorwärts geht, als in den ersten Quartalen, so dürfen wir doch noch einen weiteren beträchtlichen Zuwachs erwarten. Bon den ö2 Gewerkschaften zählen 12 über 100000 Mitglieder; sie vereinigen mit insgesamt L.Ol Millionen etwa 82 Pro», der Gesamtmitgliederschasl. 10 weitere Verbände zählen über 50 000 bis ÖOCOO Mitglieder. Mit 710000 Mitglieder» umfassen sie etwa 10 Prcz. der Gesamtzahl. Die restlichen 500 000 Mitglieder ver- testen sich auf 20 Gcwerk'chaften, von denen 17 Verbände zwischen je 10 000 und 48 000 und 13 weniger als je 10 000 Mitglieder zählen."_ Unabhängige und Setriebsrätegeseh. In den Kreisen der Gewerkschaften wird von unabhän- giger Seite zurzeit eine rege Agitation entfaltet, um am Dienstag, dem Tage des Wiederzusammentritts der National- Versammlung, durch Demonstrationen gegen das Betriebsräte- gesetz zu protestieren. Für die Unabhängigen handelt es sich bei ihrer bekannten Stellung zimi Betriebsrätegesetz natürlich nicht darum, durch die Demonstration auf eine Verbesserung der Gesetzesvorlage hinzuwirken und damit die Sache der Arbeiterschaft zu ver- stärken. Sind ihre Vertreter in ihrer doktrinären Verbo rt- heit doch entschlossen, auf alle Fälle das Betriebs- rätegesetz abzulehnen, weil es ihnen nicht ihr utopisches Rätesystem bringt. Die Unabhängigen wollen die Demonstration, weil sie die Hoffnung haben, die immer mehr zur Erkenntnis kommende Arbeiterschaft erneut vor ihren Parteikarreu spannen zu können. Bei all denen, die die prinzipielle Bedeutung des gewiß verbcfserungSfähigen Gesetzentwurfes für die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft erkannt haben, werden solche krampihaften Bemühunaen, den Einfluß der Unabhängigen auf die enttäuschten Massen durch das verbrauchte Schlag- wort..Rätesystem" aufzufrischen, nur ein mitleidiges Lächeln erwecken._. Glänzende Entlohnung städtischer Arbeiter. Die im Gemeinde- und StaatScrbeimverbund organisierten, auf den städtischen Gütern und Rebenbeiriebeu Beschäftigten reichten, wie uns die Organisation schreibt, am 11. November 1Sl9 einen Amrag bei der Deputation für die Güter Berlins ein, der dahin ging, daß ihnen neben den Tariflöhnen eine wöcheiltlrcha Beihilfe von 15 M., rückwirkend ab 1. Oktober 1919, gewährt wird. Dieser Antrag wurde am 5. Dezember abgelehnt Ein ern 15. Dezember erneut gestelltes Ersuchen ebenfalls. Deshalb ist die Ärbeilerschoft in große Erregung versetzt, da ,bre Notlage eine allzu große ist. Die Barlöhne beziffern sich zurzeit pro Boche unter 3 0 M.. eine Summe, welche voll.ommen unzureichend ist. Erne nochmalige mündliche Verhandlung mit Herrn Bürgermeister Reick« ging dahin, diese Angelegenheil nochmals zu prüfen und in der schnellsten Weise zu erledigen. Tie Gemeindearbeiter forder« Teuerungszulage«. In einer am Donnerstag abgehaltenen außerordentlichen Gene- rakvcrsammlung des Gemeindeaxöeiierverbandes führte der Vorsitzende P o l e n s k e aus, die bedeutende Verteuerung der Lebens- halrung zwinge die Gemeirrdearbeiler. noch vor Ävlauf des Tarifverträge» neue Teuerungszulagen zu fordern. Sie halten diese Förderung auch deshalb für berechtigt, weil die Beamten der unteren und mittleren Gehaltsstufen durch die Neuregelung der Besoldung bessergestellt seien als die Ärbeiier. Der kürzlich gefaßte Beschlutz der Gewerkschaftskommisston, wonach alle Gewerkschaften eine wöchentliche TeuerungSzuloae von LZ M. fordern rollen, könne den Teuenxngsverhälimssen nicht Rechnung tragen. Einige Tage ver dem gerisnnten Beschluß der Geweenschaflskommission habe die Qrlsverwaltung des Gememdearbeiterverbandes bereits den Beschlutz gefaßt, von den Gemeindebehörden eine laufende Teuerung-- zulage von wöchentlich 50 M. für jeden Beschäftigten und 12 M. für scdes versorgungsberechtigte Äind zu fordern. In einer 23c- sprechung mit den Vertretern der anderen für die Genieindebetriebe in Frage kommenden Gewerkschaften hätten diese anfangs ein Hinausgehen über den Beschlutz der Gewerkschaftskommission für bedenklich gehalten, sich aber dann überzeugen lassen, daß die von der LrtSverwaltung beschlossene Forderung berechngt sei ujte>hr zugestimmt. Eine am veraangenen Sonntag abgehaltene Versamm- lung der Gasarbeiter habe beschloffen, daß außer der laufenocn Teuerungszulage von 50 M. und 12 M. noch eine einmalige W'ri- schaftsbeih.lfe von 500 M. für jeden Beschäftigten und 200 M. für jedes Kind gefordert werden solle. Von dpr Erhebung dieser Forderung rate die QrtSvcrwaltung ab, West solche Zulagen doch immer an einen Stichtag der Beschäftigungsdauer gebunden seien, woraus Ungerechtigkeiten und Gegensätzlichkeiten zwischen den Arbeitern entständen. Gegen die Forderung der Wirischaftsbeihilfe spreche aber besonders der Umstand, datz die geforderte Teuerungszulage um mehr als 100 Prozent über den Beschlutz der Gewerkschrfis- kommissipn hinausgehe und wenn außerdem noch weitere Forde- rungen gesMi würden, auf die Sympathie der gesamten Arbeiter» schaft nicht gerechnet werden könne, wenn eS wegen der Forderung zum Kampf kommen sollte. In der lebhasten Diskussion erklärten mehrere Vertreter der GaSarbeiier, daß sie unbedingt auf ihrer Forderung bestehen und wenn diese von der Generalversammlung abgelehnt werben pllte, wurden die töaSarbeiier ihren eigenen Weg gehen.— Ein Vertreter der Elektrizitätsarbeiter bemerkte, ÄBe Kollegen hätten soeben m einer Versammlung beschlossen, Mchr die Forderung der Gasarbeiter, sondern die der Ortsverwcckrung zu vertreten. Tie Versammlung stimmte mit sehr großer Mehrheit den von den GaSarbeitcrn aufgestellten Forderungen zu.•— Ein Ve-toej-r der in den städtischen Betrieben beschäftigten Mitglieder des Trans- Portarbeiterverbandes erklärte, diese hätten sich die Forderungen der Gasarbeiter zueigcn gemacht urid ständen einmütig hinter denselben. Polenske bemerkte, die Ortsverwaltung werde die dem oben gefaßten Beschlutz entsprechenden Forderungen den Gemeinde- behörden einreichen._ Achtung, Töpfer! Zwischen den Vertretern der in Frage kommende» Arbeitgeber« und Arbeitnehmerorganisationen ist am 7. Januar dieteS Jahre« bezüglich der Lohnbestrmmungen folgendes vereinbart worden und treten diese neuen Bestimmungen am 5. dieses Monats in Kra't: Die TeuerungS-ulapen erhöhen sich: h-i Zeitlobnarberlen von 180 auf 240 Proz., so datz der G e s a in t st u n d e n I o h n 4.25 Mark beträgt, kür Akkordarbeiten: bei Offen von 200 aus 260 Proz. und bei Herden von 230 auf 280 Proz. Tie neuen Bestimmungen gelten bis auf weiteres. ZentralverSand der Töpfer und Berufsgenossen Deutschlands. Filiale Grotz-Berlin. ! Vollversammlung sämtlicher Angeftelltenansschiiffe der Fach. arnpp« 3«» der Heercsdetriebe am Freilaq, den S. tXanuar. abends o1/, Uhr. in den Sovbiensälen fmecher Eaali. sopbien'te 17/18. Eintritt«. berechtigt und nur die allioen Mitglieder au)»rund des den Angeftellteu. auSltüssen zugegangenen Ausweise«. H. st. Schert. Lichtenberg. Die Betriebsoerrammluna für den Gr- samtbetrieb findet am Freitag, den 9. yanunr. mittags IS Uhr. in Lichten- l'crg. Tuendalte, Pürotrbcunitrclit, statte_ Neranü». für mn red-iftion. Teil: Art»» Fickler» ChätfotteJtbBtj; iär finjrieui: r». Mute, Berlin,»erlag: korwärt». Berte« S. Ul. d. H.. Berlin. Druck: Bor. wario-B�cho.uckcrei u. Berlaa-s-ltralt«aul Singer u. Co. Berlin, Ciuder.Rr. S. «ata l r—