Ur. IS. 37. Jalirz. Abend-Ansflabe. Bezugspreis i Viertrljithrl. lZ�o Jl!«m»narl.tL0M. frei Ol» öou», ooroiie>al|lbac. ioft» bewa Bionat'.icft CSD Ml. rcfl- Su- (ttilunfisnrbubt. UmerSlremboub für SeulidilanB und Orfzfrttttti■ Ungatti 7,75 Ml. lüt da« jbngt üuslanb 12.—-Hl. br' tatiid) f-nuai. �uft�Uung 10,— JR'-> Baluta» Aufschlag. Post» beftellungrn nenmr» an öaurmarl. öallanS,.uijfmbuta Schweben i.nb bte Schwei,'. Singelragen n ble Past- leimna»- Pre-elilt«. Der.Borwarls' mi> brr Sonntage» beilagt»Boll o. Seit* rr chemi wochen- liigtich«wrimal Sonnlag« einmal. Zriegramm-Äbrege' ,Ll>;laIbemokrai verlia". ISpkenn g ) Oerlinev DolKsblntt Anzeigenpreis: Di« nchtgewnltene NonvaretstegeNe kolte' 2.— W„ Teuerungozuschlag 60°/». „Kleine Anzeigen-, das iett- gebrulkle Wan 75 Vig,(juläffig zwei fettgcbmckte Worrel, itbes weitere Barl 50 PIg, Stellengejuche unb Schlafltelleitanzeigen ba» erste Wort SS PIg. lebe» weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Teuerungszuschlag 50%, Fautilieu• Anzeigen, nolnische unb gewerlichastliche Bereins■ An-eigen 2,— Mi. die Seile ohne Ausschlag, Anzeigen für die n ä ch st e Rümmer müssen bis S Ahr nachmittags tw Ölmptgeldtäfl, Berlin S® 88 Linben- straße 3, abgegeben werben. Deoffnet von ä Uhr jrilh bis 5 Uhr abend«. Zentralorgan der fozialdemokrati fchen Parte» Deutfchlands Neüaktion und Expedition: EW. öS, Liadenstr. Z. iiernivreclieri il in i tvlorinvln«. Oir. 1 5 I!M>— I I!>? vorwärts-verlag G. m. d. h., Ew. SS, Lindenstr. Z. Zhernirrrcher:«ml Moritivian, Nr. 1 1 7 33— Z». /lm 10. Januar ßrieöensjchluß. Die /luslieferungsfrage. Von Otto Landsberg. Während des amerikanischen Sezessionskrieges herrschte in den Unionsstaaten starker Zorn gegen den Präsidenten der abtrünnigen Südstaaten, I e f f e r s o n Davis. Er erschien als der Erzverräter, der Inbegriff aller Greuel der Rebellion, und der ganze Norden Amerikas hallte wider von dem stürmisch erhobenen Ruf, ihm den Prozeß wegen Hoch- Verrats zu machen. Als die Niederlage der Südstaaten durch die Wassenstrcckung des Generals Lee besiegelt war. fragte den Präsidenten Lincoln ein Freund, ob es in Erwägung aller Umstände nicht besser sein würde, Jefferson Davis über die Grenzen entkommn zu lassen. Lincoln erzählte ihm als Antwort die Geschichte eines streng abstinenten Methodisten- Predigers im Westen, dem an einem heißen Tage ein Glas kaltes Wasser mit etwas Kognak angeboten wurde: er sagte. daß er den Zusatz von Alkohol durchaus nicht mißbilligen würde wenn er nur ohne sein Wissen hinzugefügt würde. Jefferson Davis fiel später in die Hände der Regierung der Nordstaaten, und diese kaum durch seine Gefangennahm« in eine böse Verlegenheit. KarlSchurz schreibt hierüber: „Gs stellte sich bald heraus, wie richtig Abraham Lincolns Jnsiinll gewesen war, al» er in seiner humorvollen Weis« dem Wunsch Ausdruck gab, der Anführer der Konföderabion möge „ohne sein Mitwisien' entkommen. AIS Flüchtling hätte ir unserer Republik wenig Schaden zusügen können uns seine Macht, daheim einen bösen Einsluß auszuüben, wäre erheblich verringert worden. Sein Prestige als Staatsmann und Vollsführer hatte so wie so unter dem ganz- lichen Miß kingen de« Kriege», der in dem Volk« der Südstaaten so oft schmeichlerische Hoffnungen auf Erfolg er» weckt hatte, gelitten; auch hatte er, während er noch am Ruder war. oft die abfällige Kritik bedeutender Männer der Konföderation erregtdurch seinen Dünkel. '':in Begünstigungssvstem, seine Empfindlich- keit. seine launische Zu- und Abneigung, seine Nachsucht, kurz, durch seine„Ouerköpfigkeit". Viele der erlittenen M'ßerfolge wurden, oft nicht ganz mit Unrecht, ihm zur La st gelegt. Als Flüchtling wäre seine Bedeutung infolgedessen gleich Null gewesen. Aber ni�n war er eingekerkert, er, der große Vertreter einer „verlorrnen Sache!*... Da erschien er, der im Kerker und in K:ttc« schmachtete, als ein Märtprer, der für fein Volk Qual und Schande von einem erbarmungslosen, rachsüchtigen Heinde erduldete. Dieser Nimbus, diese Märtyrerkrone verliehen ihm einen erheblichen Einfluß auf Verstand und Gemüt der Süd- staatler.... Sein etwa» fragwürdiges Helden, und Märtyrer- tum trug ihm die blind« Ergebenheit eines großen Teils jener Bevölkerung der Südstaaten ein, zu deren Unglück und Elend er so viel beigetragen hatte.* Karl Schurz hat denjenigen Teil seiner Erinnerungen, dem ich d'ese Sätze entnehme, in englischer Sprache erscheinen lassen. Gleichwohl scheint sein Werk in England nicht be- könnt zu sein. Zum mindesten haben die englischen Staatsmänner von der durch Schurz bezengten Klugheit Lincoln« nichts in sich aufgenommen. Sonst wäre ihre Haltung in der Frage der Auslieferung des ehemaligen deut- schen Kaisers eine andere. Wohl jeder Monarch, der vor einer republikanischen Er- Hebung hat weicben müssen, blieb für die m o n a r ch i st i s ch gesinnten Parteien seines Landes der Herrscher. dessen Rückkehr auf den Thron ihnen als selbstverständlich galt. Tie Monarchisten in Deutschland machen bezeichnender- weise eine Ausnahme von diesem Erfabrungssab. Sie sind sich offensichtlich darüber klar, daß die Aussicht. Wilhelm II. wieder im Besitze der Krone zu sehen, nicht geeignet ist, für den monarchischen Gedanken Propaganda zu machen. � So sprechen sie sich für die Monarchie aus. geben aber mit keinem Wort zu erkennen, daß sie die monarchische Gervolt Wik- Helm II. übertragen wollen. In der programmatischen Erklärung, die die Deutsch. nationaleVolkspartei am 14. Februar 1919 in der Deutschen Nationolversommlung durch den Grafen Posa- dowskn abgeben ließ, beißt es:• Dadurch snämlich durch die Ablehnung d«S gewaltsamen Um- sturzesi wird indessen nickt unsere grundsätzliche Ueberzeugung berührt, daß die Monarchie insbesondere für Deutschland die beste Staatsform ist, um den ruhigen und geordneten Gang der SiaatSgeschäfte zu führen. W:r erwarten alles von der gesetz- mäßigen Entwicklung, die auf die zunehmende politische Er- kenntnis des deutschen Volkes sich gründet." Hier ist von der Sehnsucht nach der Rückkehr de» Exkaisers nichts zu merken. Bezeichnend ist Ein Schreiben Elemenceaus. Pariser Havaödraht: Der Austausch der Ratisikations- Urkunden wird am Sonnabend im Ministcrium des A e u ß e r n stattfinden. Zugleich wird dem Frhrn. v. L e r s- n e r ein Schreiben ClemenceauS wegen de» abzugeben- den schwimmenden Materials übergeben werden. Die Vertreter der Mächte, die den Friedensvertrag von Vcr- sailles unterzeichnet haben, werden der Unterzeichnung des Protokolls beiwohnen.__ Die Zeremonien. Die Feierlichkeit des RanfilaiionsauStaulcheS werden im Ministerium des Aeuxern, im llhiciiiaal. am Sonnabend um vier, Uhr nackmistagS sianfinben. Zunächst wird das Pia- tololl vom t. November übeireicku werden, dann soll der AuSiauick der Raitfilationruilunden stallfinden. Bei den Feierlichkeiten werden folgende Staaten veilieren sein: Frankrelch, Grohbriiannirn Fiolien. Japan, Belgien, Boltoia. Guatemala. Peru, Polen. Tichechoslowalei, Siam, Uruguay und Deutschland. Die Vereimglen Siaaien fehlen also._ Dl* ülplomatischen Seziehongen. Pariser HavaSdraht: Llvyd Georg«, Nitti und Cirmt nceau hatte« Donnerstag abenv ihre erste Zusamcnkutisr. Mit dem auf daS Jnkdafttrrten des Friedensverträge» folgenden Tage, also Sonntag, werden die diplomatischen Be- Ziehungen mit Deutschland wieder aufgenommen werden. De M a r c i l l h wird nach Bcrlln abreisen, wo er Frankreich als Geschäftsträger vertreten wird, und Frhr. v. Lrrsner wird zweifellos Poiacare fei««eglaubigungSschreiben unterbreite»._ Die Gefangenen kommen! Die Reichsstelle KSlu für KrtegSgefaaseueurstck- kehr schreibt: Räch Mitteilung de» französtschen Oberkommandos in Mainz beginnt zwei Tage nach der Ratifikation de» Frieden» der Abtransport der KriegSgefaugeae« aus Frankreich, und zwar werden zunächst die im besetzten Gebiet beheimateten zurück- geführt werde«. Die Gefangene» komme« in Svaderzügda in die Durchgangslager, f» Gießen, Düren, Jülich und Efchwciler bei Aachen, und zwar in jede» Lager voraussichtlich täglich ein Z«g mit etwa 1000 Mann. Die Gefangenen bleiben ia diesen Lager« 48 Stunden zur Einkleidung und Ausstellung ihrer Papiere. Sie dürfen während dieser Zeit die Lager nicht verlassen. ES ist erlaubt, auS dem Lage, a» ihre Angehörigen Postkarten mit AnkunftS- benachrichtigung abzusenden. Ein formeller Empfang in de« Lagern«nd gemeinsame Kundgebungen sowohl seitens der Kriegsgefangenen wie seitens der Bevölkerung anf den Straßen oder de« zu durchfahrenden Bahnstrecke«, Ausschmückung der Bahnhöfe ist«nterfagtl Die Rückkehr der Kriegsgefangenen darf nur im Kreise der Angehörigen innerhalb de» Hause» festlich begange« werde». Jeder politische Anstrich muß ausgeschlossen sei«. Der Abtransport aus den genannten Lagern erfolgt nach Möglichkeit in besonderen. TranSportzügen oder in Züge« deS öffentliche» Berkehr». Im Anschluß an die Rheinländer fol- gen die übrigen deutsche» Gefangenen. Diese fahre« durch da» besetzte Gebiet unmittelbar in die Durchgangslager de» u n b e- fetzten Gebietes, von wo sie entlassen werden. auch das Zusseständnis des Grafen Westarp, daß die kürz- lich veröffentlichten kaiserlichen Randbemerkunge'» Deutschland schweren Schaden zuzufügen geeignet waren, der seiner Behauptung nach nur dadurch verhindert worden ist, daß die Minister sie unbeachtet ließen. So urteilt man nicht über Handlungen eines Mannes. den man aus dem Ruhestand in die Aktivität zurückzuver- setzen gedenkt Und der Führer der Deutschen Volks�artet, Herr.Heinze, ist in der Rede, die er am Ist. Oktober 1319 isi der Deutschen Nationalversrmmli'ng gehalten hat. sogar von der Person des letzten deutschen Kaisers sehr entschieden aö- aerückt. WaS anders' bedeuteten seine Worte:„Meine Zerren, Sie haben uns vorgehalten,'daß wir keinen Monarchen hätten, den wir als Träger der Monarchie präsentieren könnten. Das i st richtig. Wir der- treten dos monarchistische Prinzip als solches!" Was würde nun die Folge eines Prozesses gegen den Erkaiser sein?.�n einem Volke, das wie das deutsche zusammenaebrochcn ist— man weiß nicht, ob in höherem Maße durch den Krieg.oder durch den Frieden—, werden stets mehr oder minder große Schichten den Blick in die Vergangenheit lenken, ihre Zustände als goldene verherrlichen und ihre Wiederkehr herbeisehnen. Engländer und Franzosen heben keinen Anlaß, ob solcher romantischen Ar. Wandlungen auf das deutsche Volk spöttisch herabzusehen. Die Rückkehr der Stuarts und der Bourbonen beweist, daß' et Zeiten gegeben hat, in denen breite Schichten detz englischer und des französischen Volkes für die durch die großen Revolutionen des 17. und 18. Jahrhunderts errungenen Freiheiten kein Verständnis besaßen.. Wird Wilhelm II. vor einen Gerichts ho; der Entente gestellt, so haben die reaktionären Ele mente in Deutschland in ihm einen Heiligen, der ihnen im politischen Kampfe die wertvollsten Dienste leisten würde. Freilich würde die Entente ihm selbst die Thronkandidatm unmöglich machen, aber die Verehrung seiner Person, die sein Martyrium bei vielen, dxnen sie jetzt zum mindesten gleichgültig ist. hervorriefe, würde zum Festhalten an seineu politischen Gedankengängejir führen, den Haß gegen die West/ mächte zur Riesengröße anschwellen lassen und damit der Jde-dv des Revanchekcieges nützen. Dies alles namentlich dann, wenn der Angeklagte vo: seinen Richtern ein würdevolles Verhalten zeigen würde dessen Aufbringung für einen Mann in gänzlich Hoffnung- loser Lage, der unter sein Leben- einen Strich gezogen sieht nicht allzu schwer sein kann. Selbst wenn Wilhelm II., war viele Deutsche für seine Pflicht gehalten haben, nach dem Bekanntwerden der Friedensbedingungen der Entente erklär; hätte:„Ich sehe, daß Ihr das deutsche Volk für mich leiden lassen wollt, ich liefere-mich euch aus, schont mein V o l k!" hätte die Entente aus Klugheit ihm die Freiheit lassen müssen. Nock viel mehr müßte staats- männisches Denken sie davon abhalten, sich seiner Person mit Gewalt zu bemächtigen. Sie sollte ferner darauf verzichten, die vor Deutschen begangenen Kriegsverbrechen vor ihr Forumzuziehen. Es würde sonst sicher dahin kommen daß nicht wenige der aus der Auslieserungsliste stehenden Deutschen den Tod durch eigene Hand dem Schicksal vorziehen würden, das ihrer jenseits der deutschen Grenzpfähle harrte. Ich fürchte schon heute den Widerhall d e r S ch ü s s e, durch die sie sich entleiben würden. Soll es wirklich geschehen, daß kurzsichtige Engländer und Franzosen durch ihr starres festhalten an der Forderung der Ausliefe- rung den kurzsichtigsten Deutschen, den Alldeutschen, für di« Diesiste, die diese ihnen im Kriege geleistet haben, ihren Dan! abstalten? Es kann nicht davon die- Rede sein, daß die Entente durck ihr Prestige genötigt ist, auf der Auslieferung zu bestehen Das kürzlich erlassene deutsche Gesetz, das die Zuständigkeit des Reichsgerichts für die Aburteilung von Kriegs- Verbrechern begründet und den Ententestaaten eine weitgehende Mitwirkung im gerichtlichen Verfahren ermöglicht schafft gegenüber dem Rechtszustand der Zeit, in der da- Verlangen nach der Auslieferung von Kriegsverbrechern ein Bestandteil des Versailler Friedens wurde, eine neue T a t j a ch e, die der Entente den Verzicht auf die Auslieferung ermöglicht, ohne daß sie sich etwas vergibt. Und was Wisshelm H. anbelangt, so braucht die Entente um von seiner?luslieferung abzusehen und sich dabei einen guten Abgang zu sichern, nur dem Gedanken des Schutze- der kleinen Nationen treu zu bleiben, zu dem sie sich im Kriege so oft bekannt hat. Denn die Niederlande sind zur Auslieferung- des Kaisers weder verpflichtet noch berechtigt und werden sich voraussichtlich nur gezwungen zu ihr der- stehen. Ein Staat ist nur dann gehalten, eine auf seinen; Territorium befindliche Person zur Aburteilung auf das Verlangen eines anderen Staates auszuliefern, wenn diesem die Gerichtsbarkeit über den Auszuliefernden zukommt. Es gibt aber in keinem der Enteirtestaaten ein Gesetz, das die Zuständigkeit seiner Gerichte für die von einem Deutschen begangene„schwerste Verletzung der internationalen Moral und der Heiligkeit der Verträge" begründet. Die Nieder- lande sind also zur Auslieferung Wilhelms II, die die Entente wegen einer solcki>en Verletzung fordert, n i ch i verpflichtet. Dann ist die niederländische Regierung aber hierzu auch nicht berechtigt. Denn das derzerlige nieder- ländische Auslieferungsgesetz vom 13. August 1843/6. April 1875 verbietet eine Auslieferung, zu der für die Niederlande keine Verpflichtung vorliegt. Es bedarf nur des Anerkenntnisses dieser Rechtslage, die nicht in Zweifel gezogen werden kann; es bedarf ferner nur der Erklärung der Entente, daß sie einen ihr aus Rechtsgrllnden widerstrebenden kleinen Staat nicht vergewaltigen wolle, und der Gedanke des KaiserProzesseS ist erledigt. Die VersaMe? FriedenSbedinaun�en erschweren der Sozialdemokratischen Partei Teutschlands, die dieses Land zum Pfeiler der Demokratie und der Völkerversöhnung machen will, ihre Aufgabe auf das furchtbarste. Als An- walte noch ungeborener Generationen, die wir vor der Vernichtung ihres Lebensglücks bewahren wollen, rufen wir deutsche Sozialdemokraten der Entente zu: Lasset davon ab, die Erfüllung von Bedingungen des Ariedensvertrages zu fordern, die die Heilung der Wunden Deutschlands �verhindern und die euch deshalb ebenso schädlich sind wie uns! berechtigte Ablehnung. In mehreren Artikels der„Deutschen Zeitung" hatte der neugebackene Junker G r a e f e- Goldebce die Deutsche Volkspartei zu überzeugen gesucht, daß sie sich mit den Deutsch nationalen verschmelzen müsse, denn die Existenz zweier„nationaler Parteien sei in der fetzigen Zeit ein Luxus, den man sich nicht gestatten dürfe. Darauf antivortet die parteiamtliche„Nationallibcrale Korrefpondenz" mit kühler Ablehnung. Sie stellt fest, daß trotz gewisser Programmähnlichkciten die Teutschnationale und die Dculfche Volkspartei„auf verschiedeneWurzeln zurückgehen, und daß sie deshalb in ihrem inneren Wesen von- einander abweichen". Tie Deutsche Volkspartei sei von libe- raier Anschauung erfüllt und ein großer Bestandteil des liberalen Bürgertums würde den Anschluß an eine Partei scheuen, die trotz aller neuen Namen in der alten k o n s e r- v a t i v e n Partei wurzelt. In eine deutlichere Sprache übertragen bedeutet der Ein- wand gegen die Verschmelzung folgendes: Die Deutsche Volks- Partei ist die Partei der S ch»v c r i n d u st r i e, während hinter der Deutschnationalcn Volkspartei hauptsächlich der agrarische Großgrundbesitz steht, wenn sich beide Kapitalsgruppcn im Stampf gegen Sozialismus und Demo- kratie einig sind und daher auf diesem Felde ihre Interessen- gegensätze fortgcwischt erscheinen, so würden diese doch im Falle eines Sieges sofort wieder in die Erscheinung treten. Den Interessen der Schwerindustrie entspricht im allgemeinen die manchesterlich-libcrale Winschaslsanschauung, während denen des Großgrundbesitzes die konservativ-zünfllerische Wirt- ichaftsanschauung weit mehr entgegenkomnrt. So geschlossen daher beide Gruppen Sozialismus und Demokratie bekämpfen, so kann doch von einer inneren Ver- chmelzung zwischen beiden nicht die Rede sein. befchluß üe? Eifenbahnerverbänüe. Tie Vorstände der drei Eiscnbahnerverbände lDeusscher Eisenbahncrvcrband, Gewerkschaft deutscher Eisen- dahner und Allgemeiner Eiscnbahnervcrband) haben Ton- nerstag abend beschlossen, Freitag früh die Streik- leitung in die Hand zu nehmen. Bisher handelte es sich um einen wilden Streik. Offiziell ist der Streik noch nicht von den Vorständen obiger Verbände proklamiert worden. Wenn es sich bestätigt, daß die Eiscnbahnarbcitrr einen Stundenlohn von 3,öll M. gewährt erhalten, werden die Gcwcrkschaftsvorstände die Mitglieder auffordern, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Streikwelle. Die Eisenbavnarbciter von Kroß-Tuisburg Hoden in einer Ver- sammlnng am Donnerstag beschlossen am Freitag früh in den Streik zu treten. Die Notstandsarbeiten tollen ausgeführt werden. Auch in Singen haben dir Eisrnbohnarbritcr d e Arbeit ein- gestellt. In Betracht kommen etwa 2300 Personen. Tie Be- amtrnschaft verhält sich vorläufig dem Streik gegenüber neutral. Ter Zugverkehr fall noch Möglichkeit«ufrecht erhalten werde«. Die Kölner Eisrnbahndirektion teilt mit, daß«an für Freitag linksrheinisch keine wesentlichen S l ö r« n g e n de« Eiken- Nenfthweröung. Bon Martin Olm. ' Neulich fuhr ich mit der Boronbabn an einem angenehm kühlen Morgen quer durch die Großstadt, hinaus in die alle? heilende Äamr. Tiefer Tag iollte gan, mir geboren. Nicht allein meinen Körper wollte ich durch einen kräftigen Marsch stärken, auch mein Innenleben wollte ich neu beleben. So baue ich es schon in meiner frühesten Jugendzeit getan. Trobte mein„Ich" unter dem schleichenden Alltag zu leiden, so ging es abends hinaus, dorthin. wo der Mensch allein ist, ungestört und ungehindert, wo ihm zun, Bewußtsein kommt, mehr als Arbeitstier zu sein. Und diesmal sollte es ebenso sein. Eben hält mein Zug und ich stelle die Station fest: Putlitz- straße. Waren es nickt bald fünf Jal-re her, seit ich hier mit meinen Kameraden auf dem Wege zur Front verpflegt wurde? Und plötzlich bin ich wieder mitten>n jener Zeit, die uns an den Rand des Abgrundes gebracht hat. Bald befinde ick mich in einem Herr- .ichen Laubwald ui�d doch können sich meine Gedanken nickt von den Unglücksjahren trennen. Tausend Erlebnisse wirbeln bald zu« gleich durch mein Gehrrn. In der Hauptiacke muß ich an die vielen Gefahren denken, die uns Männer so früh ergraut machten, an unsere braven Frauen, die fich trotz aller Mübrn und Arbeilen nach uns sehnten. Und dann wieder kam mir die jüngere Zeit vor die Augen. Als fich Brüder in Verblendung blniiqe Minsen icklugen Reiche Menschen auS dem Hinterhalt versuchten, die Massen ouSein- anderzrijagen, um letzten Ende« nur ihien eigenen G.anz wiede, herzustellen. Wenigen lag daran»nier Vaterland zu retten. Und ist es nicht heute noch ebenlo? Wenn auch kein Blut mebr fließt, ein Teil un'erer Volksgenossen ist von einem ungeheuren Materia- liSmus ergriffen. Nor einigen Jahren habe ich auf der Berliner Kunstausstellung das Gemälde eines französischen MalerS geiehen, welche« ,n er- fchütiernder Werse das rücksichtslose Ringen der Menichcn zeigte— eine Menschenmasse, sich drängend, stoßend, die Schwachen zertretend und zerdrückend, übereinander getürmt. Tie gierig aufgerissenen Au ren, lste febnsüchtig ausgestreckten Hände nach einem uiisicht- baren Etwa» in die Luft gerichtet, und die, die am böchsteck aus- gelangt, hernnterstürzend, nm am Boden zu zerschellen. Paßt dieses Bild nicht genau aus unsere Zeit? Trotzdem glaube ich an die Volksgenofien. Nicht an jene, d«e aus dem Geldsack sitzen und ihn durch anderer Menichen Fleiß noch mehr füllen. Richl an jene. die untere Arbeiter täuschen und fie glauben machen wollen, ihre Leute würden in der Lage sein, ein Paradies auS dem zusammengebrochenen Deutschland hervor, u räubern. Aber es gibt erfreulicher- weise schon wieder ein« große Anzahl von Mitmenschen, denen e« lahnverkehrS erwartet. Die Bewilligung der Lonfordernngen ist allen Arbeiter lelrgrliphisch bekanntgegeben worden. Zurzeit wird überall gearbeitet. Ter Zogverkehr konnte bisher aufrechterhalten weiden mit Ausnahme der Züge in Richtung nach Elberfeld und Düsseldorf, deren Durchführung von den Eisenbahnern des Eldcrsrlder Bezirks verweigert wird. Ter Bcrkchr nach der rechten Rheinseitr ist völlig unterbunden. Fahr- karten dorthin werden nicht ausgegeben..Nur dir Berliner und Hamburger Züge werden über Deutz, Krefeld, Duisburg und umgekehrt geleitet._ Generalstreikpropaganüa. Die verstreuten Mitteilungen, die in der unabhängigen und kommunistischen Presse Teutschlands in immer größerer Zahl auf- tauchen und scheinbar rein referierend auf einen bevorstehen« den Generalstreik hindeuten, sind nicht ganz so harmlos, wie sie fich den Anschein geben. Es liegt hier wie>o ost seit der Re- volution— der gemeinsame Wille vor, mit allen Mitteln die zurzeit stattfindenden Verhandlungen mit den Eisenbahnern zu unterbrechen und einen General st reik zu inszenieren. Neuerdings mutz zu diesem Zwecke das Betriebsrätegesetz herhalten und zum Vorwand für die Generalstreikpropaganda dienen. So treffen zu gleicher Zeit aus Leipzig und auS Halle Mitteilungen ein, nach denen auf der in Halle tagenden Reichs- konferenz der Betriebsräte vorgeschlagen worden sei. der Regierung in Form eines Ultimatums einen Betriebsräte- entwurf vorzulegen, bei dessen Ablehnung am 13. Januar der Generalstreik in ganz Deutschland eintreten solle. Der gleiche Wunsch wurde— der„Leipziger Volkszeitung" zufolge, dre sseber in diesem Falle gut informiert'.st— in einer Versammlung der Leip- ziger Partei« und Gewerkschaftsfunktionäre gestellt. Hiernach dürften die letzten Zweifel darüber schwinden, daß die Bewegung, die von wirtschaftlichen Ursachen auS ihren Ursprung nahm, von radikalen und gewissenlosen Ele- menten inS politische Fahrwasser getrieben werden soll. Es braucht nicht im einzelnen geschildert zu werden, was gerade in dieser Zeit, mitten im Winter, ein Aufhören der Produktion bedeuten würde. Wir würden in ein Elend hineingeraten, dem gegenüber der heutig« Zustand als paradiesisch bezeichnet wer- den mutz, und aus dem uns auch di« Weisheit gewiegtester Betriebsräte nicht zu retten vermöchte. Ein absoluter Herrscher. Wenn bisher noch Zweifel an der katastrophalen Politik, die aks letzte Auswirkung uns unvermeidlich in den Weltkrieg hineintrieb, bestanden haben sollten, so werden sie jetzt mehr und mehr getilgt, je tiefer die Einsicht in das persönliche Regiment Wilhelms II. wird. Die Bezeichnung„Romantiker" für einen Menschen enthalt an sich nichts Schimpfliches, hier aber wirb sie— insbesondere in ihrer engen Verbindung mit Unfähigkeit uikd ver- stiegenem Selbstbewutztsein— zu einer Anklage von unerhört schwerer Wucht. Ein Brief Wilhelm? Il-, den die„Vossische Zeitung" veröffent- licht, behandelt die Pläne zur Schaffung eines kontinental- europäischen Bündnisses, das Deutschland, Rutz- l a n d und Frankreich umschließen sollte. Wilhelm II. und der Zar kamen überein, ein TefensivbündniS zu schließen, und die Vor- bereitungen hierzu waren schon so weit getroffen, daß beide' Man- nrchen sich V e r t r a gs e n t w ü r sie übersandten. Hierbei ist höchst charaktei istisch, dätz die etwa friedlichen Absichten Wilhelms 11. durch seine feindliche oder doch zum mindesten ablehnende Gesinnung Frankreich gegenüber beiseitegedrängt wurden. Während Ni- kolaus— was durchaus richtig und dem Wesen eines Bündnisses entsprechend erscheint— den Abschluß eines neuen Bündnisses dem mit Rußland bereits verbündeten Frankreich mitteilen will, l e h n t Wilhelm II. diese Forderung a b und glaubt, durch den Druck der Verhältnisse Frankreich zum Anschluß bringen zu können. Wenn Du und ick» Schulter an Sckulter zusammenstehen, so wird das hauptsächlichste Eracbnis das sein, daß Frankreich sich unS beiden ofien und in aller Form an- schließen mutz und damit endlich seine vertraglichen Verpflich- zum Bewußtsein gekommen ist, daß uns nur die Erneuerung eines jeden einzelnen Teulschcn vor dem Unlergange reiten kann. Wir wisien alle, daß jeder Einzelne, jeder aus seine Art. während dieser schrecklichen Zeit Febllriite begangen bat. Doch diese Erkenntnis genügt nicht— stark und frei wollen wir sein. Dazu müssen wir erst reif und Persönlichkeiten werden. Wenn wir erst wieder vernünftig denken gelernt baben, dann stellen wir alle als erste Folverung, nickt nur ein S-äublein im Well- ganzen zu sein. Denn wer sein JuneieS kennt, weiß, daß er sich als ein selbständiges, in seiner Eigeuait besonders gestalteies aeistigeS Weken fühlt, und gerade diese Feststellung ist schon eme Art Per- iönhckkelt. Zur Persönlichfeit gehört allerdings viel. Ein icköneS Gesicht und rücksichtslose Selbstsucht baben damit absolut nicktS zu tun. Ter nur verdient den Namen emer Pelsönlichkeit, in dem das Edelste und Tie'ste seiner Seele sick. zum einheitlichen, in sich ge- ichlossenen Weien emporbildet und so daS Allgemein-Menschliche ein individuelles Gepräge erhallen Hai. Vor und während des Krieges waren wir Marionetten, die tanzten, wie gezogen wurde. Vielleicht hatten wir uns an diele Rolle sehr gewöhnt. Und eS gibt ungeheuer viele Menschen, welche diesen kläglichen Zustand vermissen. Aber auch sie werden in der kommenden harten Lebensschule eine Art Periönlichleit werden werden müssen. Da« ist immerbin ein erireulicheS Haben iü, unlere junge Republik. Und st? gibt ihren Bürgern die Möglichkeit sittlichen Handeln» in freier Selbstbesttmmung. Es gibt Meulchen. für die ist Deuis»land nur da, um ihnen etwas zu geben: sie genießen die Vorteile, welche ibr Vaterland zu veraeben bat. und machen sie ihren persönlichen Zwecken dienstbar: sie fordern, um ihre Wünsche ,u befriedigen: sie sind nur die Emp- rangenden. Das ist ungesund: Organismus, der immer neue Nahrung forderte wird bald zuarunde geben, wenn er sie nickl in der Arbeit und Tätigkeit um'etzt. Einnahme und Ausgabe muß balancieren, ioll der Staat besteben. Das»U lebren, ist unlere Pflicht Doch wir lönnen diese Lehre erst völlig und reckt werter- geben, wenn wir Persöiilickkeiten, wenn wir erst wieder ganze Menichen geworden sind. Das Bewußtsein, daß wir uns auf dielem Wege befinden, machte meinen Schritt behender. Mensch werden. das«st unsele Aufgabe.' Die heutige Elaque. Die Thcaterskandale, die jüngst in Berlin. und München vorgekommen sind, und die sich imm�r mehr bäusen. veranlassen Max Epstein in der„Freien Deutschen Bübnc" das „Recht auf den Theaterskandal" zu untersuchen. Mit scharse» Wor- ten brandmarkt er das pöbelhafte Verhalten eines Publikums, da� durch andere Aeußcrungen fein Mißfallen kundgibt alz durch dre althergebrachten des Pfeifens und Zischens. Freilich kann aber auch der Beifall zum„Skandal" werden, und das ist bei der Claque der Fall, von der»vir eigentlich glaubten, daß sie nicht mehr existiere. knngen gegenüber Rußland erfüllt, was für«n» von größtem Wert ist, besonders im Hinblick auf seine schönen Häfen und seine gute Flotte, die dadurch auch zu unserer Ver� f ü g u n g stehen würden. Auch hier, wie so oft, sah fich Wilhelm II. in seinen Hoffnungen getäuscht. Aber er geht in seinem brüsken Auftreten Frankreich gegenüber noch weiter. Während der Vertragsentwurf des Zaren die Bestimmung enthält, daß der Zar die nötigen Schritte unter- nehmen werde, um Frankreich in das deutsch-russische Bündnis« i n- z u w e i h e n und es zu»crpslichten, sich als Verbündeter anzn» schließen, enthält der Entwurf Wilhelms II durchaus agressive Tendenzen. Der entsprechende Absatz des ersten Artikels lautet: Falls eine? der beiden Kaiserreiche von einer europäischen Macht angegriffen werden sollte, wird sein Verbündeter mit allen feigen Streitkräften zu Lande und zur See ihm beistehen. Vor- kommenden Falles werden die beiden Verbündeten ebenso g e- meinsame Sacke macken, um Frankreich zur Beachtung der Verbindlichkeiten aufzufordern, die es nach dem Wortlaute des französisch-ru''siscken Bündnisvertrages übernommen hat. Also eine unverhüllte Drohung mit gewaltsamem Vorgehen. Hier finden sich bereits Spuren jenes überheblichen Pochens auf die „schimmernde Wehr" und jene Ilnterschätzung aller nichtmonarchiscken Staaten, die zu dem unheilvollen Ergebnis führen sollte. Er, der nur mit Kaisern und'Kö n i g e n verkehren wollte, war doch nur ein reckst kleiner Mensch, und es scheint fast, als habe er— trotz aller Abneigung gegen die„gelbe Kultur"— nach jenem chinesischen Sprichwort gehandelt, da? da lautet: Große Persönlichkeiten sind ein Unglück für nn Staatswesen! Der zürnenüe lleöebour. Georg Ledebour, der Achill des JanuarputscheS, zürnt uns, weil wir uns erlaubt haben, seinen nur für die Freiheitsschäflein bestimmten Artikel über die Januarunruhen auch mit unseren Augen zu lesen. Ledebour hatte seinen Getreuen die Tat im bengalischen Glänze schildern wollen, er hatte fich bemüht, mit jeder Zeile nachzuweisen, wie notwendig und nützlich der Januar- putsch war, daß er um der Existenz und Zukunft der Partei willen unternommen werden mußte, daß er eine politisch« und revolmio- näre Notwendigkeit gewesen sei. Wer mit solchem Stolz schreibt, für den ist es allerdings recht unwürdig und kläglich, auf der andern Seite zu jammern, daß er nur„provoziert" worden sei und aus eigenem Antrieb die Sache gar nicht gemacht hätte. Die Ledeboursche Tarstellung geht an ihrem eigenen Widerspruch zugrunde: Entweder man hat die Sache gewollt, oder man ist wider Willen provoziert worden, aber man kann nicht gleichzeitig gewollt haben und widerwillig hin» eingezogen worden sein. Und da Ledebour in seinem Artikel das Hauptgewicht auf das Gewollte und B e a b s i ch- trgte der Tat gelegt hat, so haben wir die» als das Wesent» Ii che hervorgehoben. Von„Fölscherpraktiken", die uns Ledebour vorwirft, kann um so weniger die Rede sein, als unser Leitartikel in Nr. 8 die Legende der Provokation in auSführlickster Weise be- handelte und widerlegt«. Ledebour macht es ungefähr wie die Alldeutschen in der ersten Kriegszeit, die sich im vertrauten Zirkel brüsteten, weil sie den Krieg herbeigeführt hätten, dem Ausland gegenüber, aber jedes Verschulden am KriegSausbruck mit Entrüstung in Abrede stellten. Er sollte doch diese z w e i f e l- Haft« Doppelrolle, die gleickzeitig Angreifer und die ge- kränkt« Leberwurst agieren Will, preisgeben, sie kleidet ihm.-nicht. Immerhin ergießt sich über unS nur die eine Schale- des LebeHpurscken Zorns, die andere träufelt ihren Jnhast-auj das Haupt' Rudolf Hilferdings, der den Januarputsch als„die Marneschlacht der Revolution" bezeichnet hat, sowie auf daS Haupt' Richard Leichenmüllers, der sich„erlaubt", diese Erbe- bung einen„Putsch" zu nennen. Such Daumig bekommt ein paar Ledeboursche Maulschellen, weil er in einer geschichtlichen Darlegung deS EntwickelungSgangeS der U. S. P. D. die Januar- erhebung überhaupt nicht erwähnt, vielmehr totge- schwiegen hat. Der Prophet gilt eben nicht? in seinem Vater- lande, und in den eigenen Reihen der ll. S. P. D.— ob rechter, ob linker Flügel— ist man von den Ledeboursche« Januartaten durchaus nicht fo entzückt, wie dieser es möchte. Wir finden es Ter Verfasser behauptet aber, daß die heutig« Claque nicht„eine böswillige Erfindung von Tbeatertrilikern und nervenschwachen Personen ist". Heber sein« Erfahrungen erzählt er:„Ich habe Menschen beobachtet, die jeden Abend in dieselbe Komödie grnz-n und aus Leibeskräften Beifall spendeten, ohne daß sich in ihren Mienen eine besondere Anteilnahme zeigte. Solche Menichen bracyien euch eine kleine Gemeinde mit. die wohl irgendwie an dem Erfolg der Vorstellung interessiert war. Bei Operettenvorstellungen werden sogar Darfteller schon beklatscht, bevor sie noch etwas gesagt oder ge- sungen haben. Vielleicht ist das eine feine Nuance der Elaqueure und soll bedeuten, daß man lieber vcrher Beifall spendet, weil man es nack-her nicht mehr verantworten kann."> Tie heutige Claque hat verschiedene Tricks ausgebildet, die nur von geübten Beobachtern erkannt werden.„So sagt etwa rin tüch- tlger Claqueur zu seinem Nebenmann laut:„Famos, hier gebe ich noch mal hinein"(womit der Mann durchaus recht bat'),--und hier schicke ich alle mein« Verwandten und Bekannten her"(womit der Mann, der für die ihm zugcwie'encn Billetz eine Steuer er- hebt, ebenialls reckt batj. Bei musikalischen Possen verstärkt man den Erfolg eines Schlagers dadurch, daß man gewisse Perf einen bis vorbei entspreckendcn Unterricht genommen haben, di? Melodie des Schlagers mitsummen oder sogar mitsingen läßt. Man glaubt gar nicht, wie weit die Voraussicht geht- Mir ist erzähl! worden, daß der tüchtigst« aller Tbeatermänner au? den letzten 30 Jahren. Adolvh Sliwinski. tüchtige Leute angestellt hat. die nach der Vorstellung bei der Entgegennahme der Garderobe noch in dem dort enistebenden Gedränge die Hauptmelodien sangen, um ihre unbegrenzte Wirk- samkcit zu ossenbaren."_, Zwei Vorlesungen von Karl Kraus, dem bedeutende« Stene r Knlturkrilster, der auch in Berlin eine ielte Gemeinde hat, finden am lO. und 11. Lanuar. aterids 8 Ubr, im Klindrvorth- 5charrventa-saal Natt. Kraus lieft(ein bisher nur in den Heften der.Fackel- erichienenes drama» tische» Wert„Die letzten Tage der Men! iiheil- und andere eigene Schritten. Was Kraus während der letzten Jahre schrieb, lieg« jetzt in zwei Bänden „Weltgericht" als grotzzü'ige Satire des Sclttrleges vor. Der Krieg hat die Scheidewand, die KrauS lange vom Sozialismus trennte, schlretzlch zülammenbrechen lagen. Friedrich Kavstler veranstaltet am 26. Januar, abends 3 Uhr, im BlLIHncrloal einen Bnddba-Bchcl.Slbend. Knnstchronik. Tie freie Sezeifion veranstalte« ibre nächste Berliner Ausstellung rom ib. Apiil bis 1. Juli im AuSstellungSdauIe am Kurillriien- «amm. Zur Ausnelluin, kommen Bilder, Slulviuren und HolzlchiiUtc. Tos Tetninnr für W, rluntrrrtch« in Leipzig, betannl unter der Bezeichnung.Lebrericminar für Knabeiiarbeit-, nimmt zu Ottern seine» vol.rn Bclrieb Ncked« aus. Das Tcmmar vcraiislallel Kurse von ver- ichicdrnrr Dauer, d'e die gründliche Beherrschung der wertunterrichllichen Arbeitsgebiete anstreben. Ter Film«m Dienste der B-lesbelebrung. Immer deutlicher tritt jetzt das Bestreben zula.re. den Zum in de» Dienst ernster Bolls- beiebruna zu iieven. So werden einige Berliner Uia-Theatcr in kurzem eine bedeustame Neuerung dringen, nämlich öffentliche belehrende Film« Vorstellungen mit Begleiloorirägen von FachwissenichajUeru. Es ist beieis ein(Reiuch um die Gcnedmigung dieser Filmoorjührung«, vor der Polizei- lich sestgeletzteu 7-Uhr-Ndendstunde eingereicht. sehr brav, daß Lededovr sei« Kind gegenüber seine« Part«» ßenußen, die es nicht schön finden, mutig verteidigt,«der dann soll er nicht plötzlich uns gegenüber die Vaterschaft in Ab- redestelle nl Der Solozeuge. Herr Oehme macht sich seine Anklägerschaft bequem. Seine Darüellung der Ereignisie, die sich in der Nacht vom 23. zum 2L Dezember 1913 in der Reichskanzlei abgespielt haben, ist bisher von allen Beteiligten für falsch erklärt worden. Aber was will das sagen I Aus der einen Seite stehen.nur' die Aussagen von Eberl, Scheidemann. Krüger und S ch e ü ch. aus der andern Seite aber steht er Walter Oehme, das Musterbild der politiichen und peisönlichen Zuverlässigkeit! Wer nicht glaubt, daß Dehme allem die Wahiheit sagt, und Scheidemonn, Eberl, Krüger und Sweüch ganz gewöhnliche Lügner sind, dem ist nicht zu helfen. Leider werden große Männer Oehmeschen Schlages oft verkannt. Jreunülicher Empfang. Dem.Vorwärts' wird geschrieben: Am 29. Dezember wurden aus England in Bremerhaven emgetrosfen« Kriegsgefangene von der Lloydhalle in die Lloydkantine zum Mittagesien geführt. Auf dem Wege dahin passier- ten sie einen englischen Kreuzer, der am Kai vor Anker lag. Plötzlich knattern Revolver schüsse, die knapp über die Köpfe der Heimkehrer hinweg in eine Mauer einschlagen. Als Schübe wurde ein Bordinsasse des englischen WachischiffeZ erkannt. Die beim deutschen Hafenkommandanten anhängig gemachte Be- schwccde gedieh zu dem Ergebnis, daß ein leichtfertiges Schuldner- halten des elastischen Seemannes vorlag, der zu seiner Entschuldigung anführt«, er habe die neue Browningplstole etnschießen müssen. Der englische Befehlshaber drückte dem deutschen Kom- Mandanten sein Bedauern wegen des Vorkommnisses aus und sagte strengste Bestrafung deS Missetäters zu. Aber was wird damit gewonnen? Ein platonischer Verweis. Mehr nicht. Denn was es mit der Bestrafung unverantwortlicher Untergebener in solchen Fällen auf sich hat, weiß memand besser zu beurteilen als die Kriegsgefangenen selbst, die monatelang die all- mähliche Erstarrung ehemals freier Völker in Militarismus und Chauvinismus an Ort und Stelle studieren und deren abscheuliche Begleiterscheinungen leider oft am eigenen Leibe erfahren mußten. Den Unabhängigen kann man angesichts solcher Vorfälle nur immer wieder warnend zurufen' Vertraut nicht auf die an- geblich bevorstehend« Weltrevolution. Die symptomatischen Wesens- äußerungen der siegreichen Staaten reden eine andere Sprache! Keine Vertagung ües tzelfferick-prozesses. Zu der Zeitungsnachricht, daß der Helfferich-Prozeß der Ter- tagung anheimfallen würde, erklärt Oberstaatsanwalt Krause: Die Zeitungsnachricht ist unrichtig. Sowohl die Beteiligte»(An- geklagter und Nebenkläger), wie die Allgemeinhoit hoben das größte Interesse daran, daß die wider den Rcichsfinanzminister Erzberger erhobenen Vorwürfe so bald und so gründlich wie möglich vor Gericht nachgeprüft werden. Nun hat der An- geklagte zwar erst in diesen Tagen für sein« Behauptungen einen sehr umfangreichen Beweis angetreten. Indessen wer» den die Justizbehörden alle Kräfte daransetzen, um die vorgeschla- genen Beweismittel(Zeugen und Urkunden) rechtzeitig zur stelle zu schaffen. Doch ist mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf zu rechnen, daß die Verhandlungen pünktlich am 19, Januar osgsnNen und ohne llnterdvechung' zu Ende geführt werden. Aus und hin. Reuter erklärt, daß die Armee Koltsckak als militärischer Faktor nicht mehr existiere. Wirtschaft. Gewaltige Kurscrhöhungen der Bergwerfsan teile. Das Dortmunder Bankhau« GebrüderStern berichtet vom rheinisch-westfäljschen Wertpapiermarkt wie folgt: Die erste Woche des neuen Jahres brachte dem rheinisch-west- lauschen Wertpapiermaikte Umsätze, die an die lebhaftesten Kriegs- zelten erinnerten, und Steigerungen, wie sie der hiesige Markt bis- her an einem einzigen Tage in solchem Umfange noch nicht gekannt hat. Namentlich an der Montag, und Dienstagvörse vollzog sich der Verkehr unter größter Beteiligung aller Interessenten und unter exploilvartigen Kurserhöhungen. An den Steigerungen sind s ä m t- 1 1 ch e Märkte und f a st s ä m t l i ch e Werte beteiligt Die Be- wegung wurde damit begründet, daß unter Berücksichtigung des ge- funtenen Wertes der Mark die Kurse für Kuxe(Bergwertsantcil») viel zu niedrig seien, und daß insbesondere auch das Ausland fort- gesetzt großes Interesse für die Werte des hiesigen Marktes zeige. . Ausverkauf? Die Maschinenfabrik Oberschöneweide Akt.-Ges. in Berlin, die Huri Loewe-Konzern gehört und früher Deutsche NileS-Werkzeug- mofch inenfabrlk firmierte, plant die Veräußerung des Vermögens im ganzen. Wenn die Fabrik ibr Inventar an Maschinen und Werkzeugen einzeln oder insgesamt nach dem Ausland mit den gewaltigen Teuerungs- und Vulutazuschlägen verkauft, was ja heute spielend leicht ist, so machen die Aktionäre sicher ein glänzendes Geschäft, nick: aber die deutsche Volksivirtschaft. die an der Erhaltung der Produktionsmittel das größte Interesse hat, um ibren Arbeitern ArbeitSmöglickkeit zu bieten. Hoffen wir. daß die Zentralstelle für die Bewilligung von Ausfuhr- genehmigungen in der Maschinenindustrie gut aufpaßt und die Aussuhr sperrt. GroßSerün Explosionsunglück im Proviantamt Moabit. Kurz nach lv Udr vormittags explodierte heute auf dem Grund- siück des Provianioint» in der Paulstroße ein Benzintank. wodurch süni Perionen schwer und zwei leicht der- letzi wurden. Tie Erplosion entstand bei einer Reparatur des TankS. Der Salosser Gans war damit beschäiiigr, eine Stelle zu lölen. als das Benzin explodierte. Der Schlosser und der Cbauffcur Flohe wurden durch Sliwflammen schwer verletzt. Die fünf Swwerverletzlen wurden now dem Krankenbaus Moabit gebrocht. Die vom Schloß Bellevue herbeigeeilt« Feuerwehr ist da- mit beschäsiigi. den brennenden Schuppen, m dem die Heercsver- waltung die ihr gehörenden Automobile und den Benzintank unter- gebracht hat. niederzureißen. Man vermutet, daß sich in dem brennenden Schuppen noch ein Mann befindet, der sich nicht mehr rechtzeitig retten konnte. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Postauflage bei. Msplünöerung ües Schießplatzes Jüterboö. Dre.Bossisch« Zeitung' brachte in ihrer Abendausgabe vom 6. Januar bereit? aufsehenerregende Mitteilungen über s k a n- dalöse Zustände auf dem Schießplatz Jüterbog. Sie teilte mit, daß dortfelbst täglich für etwa 49 999 M. Ge- s ch o ß m e t a l l von Unbefugten herausgeholt wird. Diese Fort- nähme von Staatseigentum geschieht nach der Schilderung der«Vossischen Zeitung" am hellen Tage in aller Oeffentlichkeit. Die Leute rücken mit Pferd und Wagen an und nehmen alles mit, was sie an Metall vorfinden. Selbst Tau sende von Eisenbahnwaggons, die mch den Geleisen der Militärbahn stehen, sind nicht sicher und werden buchstäblich ausgeplündert. Auf diese Art sollen im Lause der Zeit dem Reiche nicht zu übersehende Millivaenverwste zugefügt worden sein. Die„Vossische Zeitung' hat sich nnumehr an die zuständigen Stellen, die unbegreiflicherweise erst durch die Veröffent-, l i ch u n g Kenntnis von diesen Zuständen erhalten haben, um Auf- klärung gewandt. Die Kommandantur Jüterbog teilt mit, daß die Klagen über das Fortschleppen von Geschoß Material alt sind. Am Mittwoch, den 7. Januar, seien allein bei Haussuchungen in Lücke nwak« über 12 999 Zentner Geschotzmaterial zu- tage gefördert worden. Die Kommandantur ist der Ansicht, daß es sich hier ,n i ch t um durchweg unrechtmäßig erworbenes Altmaterial handelt'. Während des Krieges wurde der Schietzplatz vergrößert. Mit den Besitzern der Grundstücke, di« an den Schießplatz an- grenzen, wurden Miet» und Pachtverträg« abgeschlossen, nm diese Geländeteile zu Schießplatzzwccken verwenden zu können. Nach de« Erlöschen dieser Verträge haben die Besitzer der betreffenden Grund» stück«, die auf ihrem Gebiet gefundenen Sprengstücke aufgelesen und damit ein gute« Geschäft gemacht. Dieses Beispiel hat auf zahlreiche arbeitslose Anwohner deS Schießplatzes.Eindruck' gemacht, und sie haben, nachdem sie morgens ihre Arbeitslosen- Unterstützung erhoben hatten, sich an die Auflesung der Spreng- stücke gemacht und diese dann verkaust. Di« Kommandantur hat sich, da ihr genügend Kräfte zur Unterbindung dieses Unfuges nicht zur Verfügung standen, an das Wehrkreiskommando III in Berlin gewandt und ihm u. a. den Vorschlag gemacht, di« Ausnutzung des Schießplatzes an Privatunternehmer zu ver- pachten. Da? zuständige Wehrkreiskommando erklärt, daß«s baldmöglichst alle Maßregeln treffen wird, um die Zustände in Jüterbog zu beseitigen. In der Reinickendolfer Straße zu Berlin soll sich ein ganze? Kon- sortium befinde», das sich nur mit der Verschiebung dieses gestohlenen Materials beschäftigt. Die K r i m i n a l p o l i,z e i Ver. lin wird in dieser Angelegenheit nunmehr gründlich durch» greifen. Auch die Eisenbahndirektion Berlin erklart, gleich der Kommandantur Jüterbog, daß sie der Beraubung der 9999 Per- sonon- und Güterwagen, die reparaturbedürftig sind und auf der ganzen Strecke der Militärbahn Jüterbog-Zossen— Marienfelde stehen, vollkommen machtlos gegenübersteht. Sie teilt ferner mit, daß ihr bekannt sei, daß diese Wagen beraubt würden,.dagegen lasse sich aber nichts machen. Soweit die Angaben der.Bossischen Zeitung' und der zu- ständigen Behörden. Wir können nicht umhin, unser Erstaunen dar- über auszudrücken, daß man zur Verhinderung dieser geradezu himmelschreienden Zustände noch wicht eher und ener- gischer durchgegriffen hat. Wie ist e» überhaupt möglich, daß die zuständigen Stellen erst durch die Veröffentlichung einer Tages- zcitung auf diese Wirtschaft aufmerksam gemacht werden müssen? Wir erwarten, daß daS Versprechen des ReichswehrkommandoS III, .baldmöglichst alle Maßnahmen' Ml ergreifen, unverzüglich indreTatumgesetzt wird. Wir können e» uns bei der Lage de« Reiches nicht gestatten, so ungeheure Millionenwerte— die Eisenbahnwagen repräsentiere« allein einen Wert von 1S0 Millionen Mark— der Profitgier einer Handvoll unverantwortlicher Schieber zu überlassen. Dummejungenstreiche. Zu größeren Ausschreitungen ist«S am Donnerstag abend im Norden Berlins gekommen. Am Stettiner Bahnhof hatte sich eine Rotte von etwa 199 jungen Burschen und lichtscheuen Ele- menten versammelt und e« wurden hyperradikale An- sprachen gehalten. Der Regierung wurden ebenso wie dem ZRa- gistrat Berlin di« schwersten Vorwürfe gemacht, daß man der Be- völkerung weder Arbeit noch Lebensmittel verschaffen könne. Ein Redner forderte schließlich auf. jeder soll« s:ch das nehmen, was er sonst nicht bekommen könne. Unter Johlen und Schimpfruse» auf die Regierung zogen über 199 Personen, darunter auch Frauen und Mädchen, nach der B r u n n en st r a ß e, wo sie in die Konditorei von A s ch« n g e r eindrangen und dort über di« ausgestellten Torten und Kuchen her- fielen. Dre Verkäuferinnen und Kellner waren vollständig macht- los und mußten die unerbetenen Gäste gewähren lassen. Auch die Gäste, welche Zrisammenstöße befürchteten, flüchteten und überließen den Eindringlingen das Lokals In wenigen Minuten wäre,: die dort vorhandenen Eßwaren verschwunden und der Trupp zog unter den Rufen»Nieder mit Noskel',.Nieder mit det Regierung''und unter Schmährufen auf da« B e- triebSrätxgrsctz, auf die Straße, wo dre Burschen d»e S t r a ß e n b a h n g l« ise in beiden Richtungen sperrten und die herankommenden Wagen an» hielten. Dem Zureden vernünftiger Passtmten gelang eS, die Schienen freizumachen. Am Rosenthaler Tor sperrte man dann wieder den Verkehr. Ein SicherheitSbeamter erreichte schließlich, daß der Trupp nach etwa 15 Minuten die Straße freigab und weiter- � Di« inzwischen immer radaulustiger werdende Menge belästigte zahlreiche Passanten und namentlich Frauen, ohne daß irgend ie- mand Widerstand zu leisten vermochte. Schließlich zogen dl« Exze- dcnten nach der Brauer«i König st adt in der Schönhauser Allee. Während ein Teil der Burschm in den Saal ein- drang, blieben die anderen vor der Tür stehen. Von der Braue- rei Königstadt aus wurde die Alexanderwache der Polizei alarmiert, die in einem Kraftwagen 19 Beamte entsandte. Tie Polizeibcam'cn gingen energisch vor, und so gelang es ihnen�in kur- zer Zeit die Exzedenten auseinanderzutveiben. Tie in den Saal der Brauerei eingedrungenen Burschen, die dort die airwesenden Gälte belästigten, kamen hier an die falsche Adresse und wurden nach Ver- abreichung einer gehörigen Tracht Prügel an die �.uft ge- setzt.'_ Unrcgelmaszigkcitc« in einer Berliner Meierei. Von zuständiger Seile wird einer Lolattorreipodenz mitgeteilt: Gegen die Meierei Hermann Spekowsly in Berlin N. Zrons- kirwstraße 38. besteht der dringende Verdachr, daß sie sich in ihrem Betriebe erhebliche Unregelmäßigkeiten bal zuschulden kommen lassen. Der an der Meierer besonders lnlerisierte K r e l s Nieserbarnim hat ein eingehendes Ermitttungsver- fahren eingeleitet und zugleich alle Maßnahmen in Form einer Zwangsverwaltung der Meierei geiroffen. die die Fort- setzung etwaiger Unregelmäßigletten zu verhindern geeignet sind. Die Erzählungen der Gebrüder Strauß. DaS Vehbrecherpaar Emil und Erich Strauß wurde auch gestern wieder einer � Vernehmung unterzogen. All« Fragen, die ihnen vorgelegt werden, beantworten sie mit größter Offenheit, so- weit es sich um ihr« eigene» Straftaten handelt. Ue'.er ihre Spießgesellen, mit denen sie die letzten großen Einbrüche ausgeführt haben, verraten sie nichts. Ten Äriminalbeam- ten sind sie, wie Emil Strauß besonders betonte, zu Dank per- pflichtet Sie hatten, wie er angibt, damit gerechnet, daß die Be- amlen, sobald sie sie erwischen würden,.blutige Rache' für die Er- schießung ihres Kameraden Erdmann nehmen und sie einfach niederschießen würden. Fern hätte es ihnen gelegen, die Beamten bei ihrem Zusammentreffen in der Guineastraße zu erschießen, sie sind vielmehr nur darauf bedacht gewesen, sie kampfunfähig zu machen, um sich der Verhaftung zu entziehen. Ter Tod E r d- manns sei ihnen sehr nahe gegangen und sie hätten sich tatsächlich mit dem Plane getragen, sich selbst das Leben zu nehmen. Auch über den aufsehenerregenden Einbruch in das Kri- minalmufeum des Berliner Polizeipräsidiums erzählten sie nähere Einzelheiten. In FreändeSkreisen sei davon gesprochen wor- den, sich durch diesen Einbruch in den Besitz der besten und modern« sten Einbrecherwerkzeuge zu setzen. Ter Plan sei jedoch bald wieder verworfen worden, weil er ihnen unausführbar erschien. Die ver- wegenen Gebrüder Strauß reizten aber gerade die zu überwinden- den Schwierigkeiten. Als die Brüder die genaue Lag« wußten, schritten sie zur Ausführung ihres Vorhabens, das ihnen denn auch vollauf gelang.— Da über das Vorleben der beiden Brüder noch manches zu klären ist, bleiben sie vorerst noch im sicheren Gewahr- sinn deS Berliner Polizeipräsidiums. Sie befinden sich in Einzel-- zellen, die durch besondere Posten bewacht werden. Vermischte Lokalnachrichten. Ein mutmaßlicher KindeSmorz» beschäftigt die Kriminalpolizei. AlS ein Müllkutscher einen Kasten, den er auf dem Grundstück Pücklerftraße 5 abgeholt hatte, in den Wagen entleerte, fand er darin die Leiche eines neugeborenen Knaben. Er übergab sie der Polizei, di« sie nach dem Schauhause bringen ließ.— Durch einen Sturz vom Dach hat sich die 37 Jahre alte Photogrcrphin Else G r y n w a l d aus der Potsdamer Straße 134 das Leben genom. men. Sie stieg durch da? Bodenfenster auf das hohe Dach und stürzte sich auf den Hof hinab. Die Ursache zu der Tat ist nicht be- kannt._ Einer armen ZeiinngSaustrSgerin ist am Donnerstag t» der Luckauer Str. 16 eine Tasche mit Zeitungen, Kopstuch und biet Schlüsseln abhanden gekommen. Abzugeben Spedition P rX n z e n st r. 31. FriedrichSfelde. Der GaSpreiS für Monat Januar beträgt bei Entnahm« durch den Privatgasmcsser 72 Pf. je Kubikmeter. Bei der Entnahme durch den Automaten wind ein Zuschlag von 57 Ps. pro Kubikmeter erhoben._ Groß-Berliner Lebensmittel. Pankow. ISS Gramm Graupen(III), S00 Gramm reineS Obstmui (SS), für jugendliche SM Gramm Kartoffelsago(47). �HerMdorf. 30 Gramm Pelusken(93 u. 94). Für Jugendliche 200 Gramm Mis(47). FrirdrichSselde. Diejenigen Personen, die in der vorigen Woche nicht 7 Pfund Kartoffeln voll erhalten haben, können, aber nur für diese Woche nachbeliefert werden. Jugenüveranftaltungen. Verein Arbeiterjugend. Abt. SchSnebcrg. Jugendheim, Rüden», Ecke Hauptstraße, heute abend 7 Uhr Musikabmd. Vorträge, Vereine unü Versammlungen. Freireligiöse Gemeinde. Freitag vorm. 11 Ubr w der Stadtballe, Klofterslr. SO. Vortrag des Herrn Dr. M. Brie: Ludwig Börne als Mensch und Schriftsteller. Harmonium:- Andante IGluck). Gäste willkommen.— Im Zrntraltnftitnt für Erziehung und Unterricht, Berlin W 35, Potsdamer Str. 120, finden folgerbt Borlragsreioen statt: 1; Dr. Richard Mülbcr-öreiensels:»Grundproblcme der Pchlosopbie" Dienstags abevdS vom 13. Januar ab. 2. Unieritaatssekretär a. D. Dr..Baege: ,,Die Hauptrichlungen in der modernen Soziologie'. Freitags S— 7 vom 16. Januar ab. 8. Geb. Regier ungSrat Dr. Gürich:„Das Schulverwaltungs- recht" unter Berücksichtigung der insolge der Revolution eingetretenen Aenderungen. Dienstags S— 7 vom 13. Januar ab. 4. Schriftleiter Agabd:„Ausgewählte Kapitel der Jugendwobliahrt". Donnerstags von S— 7 vom 15. Januar ab. 5. Lebt« Bogen:„Das Heimatsprinzip in den verschiedenen Unterrichtsgegensländen". Montags S— 7 vom 12. Januar ab.— Große PogrlausftrUnng. Die Ncntöllner Gruppe de» Groß- Berliner Kanarienzüchier- und Vogelschutzverbande» veranstaliet Sonn- abend, Sonntag und Montag in den Prnchträumen der Kottbuser Klause, Kottbuser Damm 90, Ecke Bürlnei straße, eine Große Allgemeine Ausstellung von Kanarienvögeln und allen mit der Kanarienzucht verbundenen Gerät- schasten, Futtermitteln usw. HewerkschaflsbeliMMg der Streik öer versicherungsangeftellten. Die Streiklage ist unverändert. Die Wcigeritng de1" Unternehmer, mit der Leitung der. Angestellten zu verhandeln, erscheint unverständlich, da auf eine Weiterführung der Be- triebe oder auch nur die Erledigung der notwendigen Ar- Veiten durch Arbeitswillige nicht gerechnet werden kann. Die wenigen Mitglieder des Gewerkschaftsbundes, die noch ar- Veiten, dürften sich wahrscheinlich'noch heute dem Streik an- schließen. Der Gewerkschastsbund nimmt heute eine Ab- stimmung über den Streik vor, die wohl nach Lage der Sache für den Streik ausfallen wird. Die Mannschaften der Sicherheitspolizei benahmen sich im allgemeinen zurückhaltzend bei der Bewachung der Betriebe. Vor dem Geschäftsgebäude der„Viktoria' in der Lindenstraße sind heut nur einzelne Polizeibcamte zu sehen. Streikende gehen vor dem Gebäude aus und ab. Sie tragen große Plakate mit Inschriften, die zur Solidarität auffordern und den Vorübergehenden mitteilen, daß nur bittere Not die Angestellten zum Streik gezwungen habe. Die Streikposten können ungehindert mit jedem sprechen, der das Gebäude betreten will. Der Aufklärung der Arbeitswilligen wird von der Polizei im allgemeinen kein Hindernis bereitet. Aber es gibt auch Ausnahmen. Von den Streikenden werden uns Einzelfälle mitgeteilt, wo ein Sichcrheitsmann in das Ge- spiäch eines Streikpostens mit einem Arbeitsivilligen eingriff und diesem zurief:„Arbeitswillige dürfen das Gebäude be- treten.'— Dairtit bat der Beamte offenbar seine Befugniffe überschritten, denn die Polizei hat hier keine andere Ausgabe, als Arbeitswillige vor ckwaigen Gewalttätigkeiten zu schützen. In den Verkehr zwischen Streikenden und Arbeitsivilligen, solange er sich inneilialb friedlicher und gesetzlicher Bahnen beivegt, hat sich die Polizei nicht einzumischen. Es ist not- wendig, daß dies den Sicherheitslcutcn von ihren Vorgesetzten eingeschärft wird, denn nur unter der Voraussetzung können ernste Konflikte vermieden werden, daß auf allen Seiten die gesetzlichen Vorschriften streng beachtet lverden. Versicherungsstreik auch in Hamburg. Die gesamte Angestelltenschaft im Lersicherungsgewerbe Hamburgs hat heute vormiljag beschlossen, in den Streik zu treten. �• D!e AMon öer Gewerkschaflstewegung. Der in unserer heutigen Z>?orgennummer erwähnte Jahres- rückbiick im„5�orrcspondenzblatt des Allgemeinen Deutschen Ge. wcrkschastsbundes" enthält u. a. auch eine trefilich- Zeichnung der theoretischen Nichtlinicn und orgrnisatorischen Grundlagen� die der deutschen Gewerkschaftsbewegung durch den Kongreß in Nürnberg gegeben worden sind. Das„Korrespondenzblatt" bemerkt' hierzu: Ter Kongreß verfestigte das bisher lose Zuiammcnw rken der Gewerkschaften zu einem geschlossenen Gewerkschafisbund. in dessen Rahmen die Verbände, die Generalkommission und die Vorstände- konsercnzcn sowie die Gewerkschaftslartelle organisch eingefügt wurden. Die für diesen Gewer'schaftsbnnd ausgestellien Richtlinien zeichnen sich durch Klarheit und Werbekraft aus und werden selbst den weitestgcstccktcn Zielen in der UebergangSperiode der Soziali- sierung gerecht. Besonderer Wert wurde auf die Demokratisierung der Wirtschaftsverfassung durch Einführung geordneter Arbeit- nehmervertretungen in den Betrieben mit weitgehenden Rechten ge- legt und durch Leitsätze die: Gewerkschaften verpflichtet, die Betriebs- räte auch durch tarifliche Vereinbarungen zu stützen. Von wirtschaftspolitischem Weitblick zeugt die Schaffung der Arbeitsgemeinschaften, die besonders für dem Wiederaufbau unseres WirtschastS» lebens unentbehrlich sind. Die Kämpfe, die sich um dies« Arbeitsgemeinschaften in den Kreisen der Arbeitnehmer selbst entsponnen haben, galten der eigentlich recht theoretischen Streitfrage, oh sich dieser Wiederaufbau besser mit oder ohne Unter- nehmertum bewirken läßt. Es gibt Köpfe in der Arbeiterbewegung, die den gegenwärtigen Zeitpunkt für geeignet hielten, die Soziali- sierung auf der ganzen Linie durchzuführen, tund die daher der Dil- tatur des Proletariats den Vorzug vor der Demokratisierung der Volkswirtschaft gegeben hätten. Theoretisch muß dieser Streich genannt werden, weil auch die radikalsten Versechter des Soziali- siernngsgedankens sich davon überzeugen mußten, daß an eine Ver- wirklichung des Sozialismus durch proletarische Diktatur in Deutsch- land unter den gegenwärtigen Zuständen nicht zu denke« ist. Leider haben es diese Kvcise nicht bei dem theoretischen Streit bewenden lassen und nicht darauf verzichtet, ihn ausgiebig agita- torisch auszumünzen, und so haben sie sich in ein« doktrinäre Ägi- tation hineinverrannt, deren Unfruchtbarkeit am besten durch die Zersplitterung im eigenen Lager illustriert w i r>d. So bekämpfen sie auch die Arbeitsgemeinschaften au§ dem- selben Prinzip wie die von ihnen selbst geforderten und von der Volksregierung zugestandenen Betriebsräte. Noch weiter geben die am gleichen Strange der proletarischen Diklalnr ziehenden kommunistischen und syndikalistischen Strömun- gen, die auch die Gewerkschaften selbst bekämpfen und dies« durch «ine Art loser Betriebsorganisation als Instrument des revolutio- nären Willens des Proletariats ersetzen möchten. Dos fortschreitende Wachstum der Gewerkschaften beweist am besten, wie wenig Rück- halt solche Phantastereien in der Arbeiterklasse finden. Diese Ge- werkschaftsgegncr haben es seither auch ängstlich vermieden, zahlenmäßige Seerschau über ihre Anhänger zu halten und über ihre Stärke oder Schwäche zuverlässigen Aufschluß«zu geben. Jede neue Million unserer Gcmerkschaftskampfec schlägt Hunderte jener kommunistische« Theorie« tot!> i In gleichem Maße, als die Gewerkschaften das Vertrauen der Arbeiterschaft gewannen, stiegen auch die Anforderungen in bezug auf die beruslich« Regelung der Arbeitsbedingungen. Die Verbands- lcitungen haben nicht Hände genug, um alle diese Wünsche zu er- füllen. Die Zahl der Tarifverträge wächst von Tag zu Tag. und besonders in solchen Industrien und Gewerben, die sich früher von der tariflichen Regelung fernhielten, flnd die Fortschritte am stürmischsten.. Freilich kommen dies« Vereinbarungen nicht immer friedlich zustande. Es fchll nichl an Widerständen und Reibungen. die schließlich in ernste Kämpfe ausmünden. Der Kampf in der Berliner Metallindustrie war ein bezeichnendes Beispiel dafür. Er hätte vermieden werden können, wenn auf beiden Seiten das Gefühl der Ver. antwortung für die ungeheuren Schäden, die aus einem solchen Kampfe in gegenwärtiger Zeit für das deutsche Wirtschaftsleben erstehen müssen vorhanden gewesn wäre. Auch in einigen anderen Industrien sind die zentralen Tarifvcrhandlungen gescheitert, teils weil der Taritgedank« noch zu neu war. um gleich in zentraler Bindung anerkannt zu wenden, teils weil er mit neuen Problemen in Verbindung gebracht wurde, die sich bisher der tarfilichcn Rege- lung entzogen hatten. Das erklärt manchen Fehlschlag. Trotz dieser Enttäuschungen ist der Sieg des Tarifgedankenst nicht mehr auf- zuhalten, and es ist zu erwarten, daß schon in wenigen Jahren tariflose Gewerbe zu den AuSnabmen und untarifliche Arbeitsverhältnisse zu den Unglaublichkeitcn gezählt werden dürfen. Wöchentliche Extrabriträge im Transportarbeiter« i verband. Der Vorstand des Transvortarbeiterverbandes teilt in einem im Verbandsorgan an die Mitglieder gerichteten Aufruf mit, daß die außerordentlich hohen Anforderungen, die in der zweiten Hülste eeS verflossenen Jahres in finanzieller Hinsicht an den Verband ge- stellt worden sind, die auf die letzte Beitragsregelung gesetzten Hoff- nungen zerstört haben. Dadurch sei die Verbandsleitung vor die Notwendigkeit gestellt Wördens sich erneut mit der Frage der Rege- lung der Verbandsfinanzen zu beschäitipen. Ter Verbandsvorstand hat die Frag« der Erhebung von Extrabeiträgen in einer gemein- samen Sitzung mit dem VerbandsauSschuß und dem erweiierten Vorstand zur Erörterung gestellt. Die genannten Körperschaften haben einstimmig beschlossen, ab 1. Februar IvSlI bis auf we'tcreS gleichzeitig mit den Verbandsbeiträgen einen wöchentlichen Extra- beitrag in folgender Höbe zu erbeben: in Beitragsklasse 1 20 Ps.. in Beitragsklasse 2 lb Pf., in Beitpagsklasse 3 lO Pf. Die am 2l. und 22. Dezember abgehaltene Konferenz von Vertretern de? Gau- und OrtSvorständc hat ebenfalls zu dieser Frage Stellung genommen und ist obigem Beschlüsse einstimmig beigetreten. Keine Tarif« sondern„häusliche Slnstellung Sverträ g e". Die Lösung einer brennenden Frage haben am 8. Januar in einer Sitzung der Arbeitsgemeinschaft für den hauSwirtschastlichen Beruf die Vertreter der HauSfrauenorganisationen Grotz-BerlinS und der Provinz Brandenburg zum Scheitern gebracht. Als Be° rufsberater hatte sich Herr Direktor Knopf vom ProvinziakberufZ- amt als unparteiischer Vorsitzender in dankenswerter Weife der Sache zur Verfügung gestellt. Seit über einem Jabre beschäftigt man sich in fast allen Kreisen mit der Lösung der Frage: Wie können die aus den gewerblichen Berufen ausscheidenden Arbeiterinnen dem HauSangestelltenberuf wieder zugeführt und junger, tüchtiger Nachwuchs herangebildet werden. Da auf Arbeitgebersei.e ganz besonders Wert auf die Ausarbeitung von Lehroerträgen gelegt wurde, mußten die Arbeitnehmer ihrer- seits in erster Linie ans Abschluß e:neS Tarifvertrages dringen, damit einerseits d�e Arbeit der Hausangestellten als Berufsarbeit ge- wertet wivd und andererseits die AuSgelernten einem geregelten Berussverhältnis zugeführt werden könrn n. Tie Aufgaben der ArbeitSgemeinschast sollten sein: 1. Aufstellung einer HauSangestelltenordnung. 2. Förderung des Abschlusses van Tarifverträgen für Hausangestellte. 3. Regelung der Schlich- tung von Streitigkeiten au» dem Arbeitsverhältnis. 4. Regelung der Ausbildung des Nachiviichses für den Beruf. Der Gesamtausschuß der Arbeitsgemeinschaft sollte in drei Unterausschüsse zerfallen: 1. Für Groß-Berlin, 2. für die Prov.nz- städte, 3. für das Land und die Landstädte. Zu fruchtbringender Arbeit in den Unterausschüssen kam es nicht, weil es in einer gemeinsamen Sitzung abgelehnt wurde, Tarifverträge mit den Hausangestelltenorganisationen abzuschießen. Wohl wollte man von Arbeitg.berseite den Mantcllarif als„HäaS- lichen Anstellungsvertrag" zur Annahme empfehlen. Dem konnte aber von Arbeitnehmerseite nicht zugestimmt werden, weil dadurch j die Olgonisation als verantwortlich ausgeschaltet wurde. Die Arbeitnehmer werden sich die Frage vorlegen, ob die Ar- Zeitgeber, in diesem Fall die HauSsrauen, wirklich den Ernst und die Dringlichkeit dieser Arbeit erkannt hatten und wie sie nun in der Oeffentlichkeit ihre Ablehnung verantworten wollen. AuS allem geht hervor, daß die Hausfrauen es nicht wünschen, daß von Organisation zu Organisation verhandelt wird. Ein Bs- sinnen bei den Hausangestellten sollte eS aber nun n.cht mehr geben, sie sollten so schnell wie möglich den Weg zur Organisatw» finden.( Gericktszeitlmg. Der recht bunte Lebensweg eine? Mitgliedes der„Vorwärts"« Besatzung kam in einer Verhandlung vor der 1. Strafkammer de» Landgerichts I zur Sprache. Angeklagt wegen Teilnahme an einem bewaffneten Haufen, Aufruhrs und Landfriedensbruches war der Kunstmaler und Graveur Georg R e n s ch. Der Ange- klagt« war vom Militärdienst dispensiert worden, um sich mit Hilfe eines Stipendiums als Kunstmaler auszubilden. Er lebte in Paris, Brüssel, Antwerpen und machte hier eine militärische Erfindung, die er erst dem deutschen Generalstab anbot» der jedoch ablehnte. Bold daraus trat die englische und französische Re- gierung an ihn heran und beide kauften sofort die Erfindung. DieS hatte für ihn sehr bös« Folgen, den» als er zu Kriegsbeginn aus Antwerpen flüchtete, wurde er in Essen unter Spionage- verdacht verhaftet und blieb die ganzen vier Kricgsjahre in Schutzhaft, bis er durch die Revolution befreit wurde. Als er end- sich, wieder auf freiem Fuß war, stellte ei sich, wie er behauptet. heraus, daß während seiner Schutzhaft seine gesamte Möbel. einrichtung und sein sonstiges Hab und Gut ver- schwunden war. Da ihm die damalige Regierung nicht helfen konnte wandte er sich an die Unabhängigen. Auf diese Weise gelangte er auch in den„Vorwärts". Das Gericht hielt den Angeklagten auf Grund der Beweisaufnahme im Sinne der An- klage für überführt und erkannt« auf 7 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 4 Monaten Untersuchungshaft. Groß-öerliner parteinachrichten. 17. Abt. Mitelied'nver'omwluna nicht am U. sondern am 23. Jan., abends 7 Nbr, in der schiitauta. Hobenlobeitr. 10/11. Ncicieul bei von bei Enlenle aus Metz ausgewiesene Parteisekretär Curt Zacke Thema.: Völkerbund und Völkerrecht. 31. Abt. Conutag 10 Ubr VilduugSkursu«. Die Teiknebmer werde» gebeten, da nichtige Beichtüsie zu fassen sind, vollzählig zu erichcinen. Kür weibliche Angeftellte der Polt und Teleeraphie Sonnabend, 8 Ubr im �ugendde m. Lindenilr. 3. L. Hos links. 8 Treppen, Ver'ammlung. Berantw. wr den redoktion. Teil: Brtnr glillei. Tdarlotlendur«: für Anzciqcii: ?d. Stocke, Berlin. Berla«: Borwärtz. Verla»®. m. b. 6. Berlin. Druck: Vor- Wärto-Buckidruckerei u. Lerlaasanllali Baut Einaer u. Co. Btztlin Lindeattr. Z. ussi mit echtem . Friedens-Kautschuk scbSne, oatCrUche Farbe bei 5 jÄtlF, SCMtliCllOF GSfäOÜE. Zahnziehen mit örtlicher Betäubung nach bewährter Methode bei Bestellung von Qeblssen gratis! SpiaitZäbne ohne Gaumen! Kronen von 30 Mark an. Der* Keine Luxuapretse."WG Fachmännische Mnndantersucbang and Rat kostenlos. DÄÄHatvani Ecke Schänbauter Allee, Eingang Danzlger StraSe. Sprechstunden von 9—12, 2—7. Sonntag» u. Feiertag» 9—12 In den letzten 2 Jahren Ober 2500 Gebisse zur vollsten Zu- :: friedenheit geliefert.:: m'flilfncws jtrcnzfllchse, Alaeka-Blau- fllchsi, pruna. von 90—325,— Seleaenlieit in Stunts. 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