Mr. 17. 37. 1-Hrg. Bezugspreis: Dicrttl�Lhrl. 13 jO 3Rt_mouüfl. 1,50 Mi. frei ins Sons, osrans rahlbot. Poft- btflig; Monatlich töO M!»«gH. flu« Ilrllungsgedühr. Umet Ä wu jbanb für Scutfchlmii) und Oesterreich-Ungarn 7,75 Mt. für das übrige Ausland 12,— MI, bei tSalich einmal. Anstellung 1.0,— Mt.+ Bauua- Aufschlag. Postbestellungen uedmen an Danemorl. Solland, üu-cmburz, Schweden»nd die Schwei,. Eingeeragen in die Post- zcitungs- Preislifte. Der„Borwilrts� mit der Sonntags- beilage„Volk u. ZeiU' ericheint Wochen- täglich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adreste: „Sajialbemotcaf Sertin'. Morgen-Ausgabe. Nerlinev Volksblatt (j20PfennigJ Anzeigenpreis: Die achtgeipaltene Zionpareillezeil» tostet2,-»M.,Teuerungszuichlag60-/» �Kleine lltuzeigon-, das teil- gedruckte Wort 75 Pfg. tzulLssig Zwei fettgedruckte Worte), fcdcs wettere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenaiizeigen das erste Wort . 05 Pfg., ledcs weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zähle» für zwei Worte. Teuernitgszuschlag 50°.� ssamilieu- Anzeigen, politifche und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen 2,— Mk. die Keile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Sauptgeschält, Berlin£® 6S. Linden» slrage 3, abgegeben werden,(tieostnet vo» S Uhr früh bis 5 Uhr abends. �entralorgan der rozialdcmokratifchcn Partei Deutfcblands Redaktion und Expedition: SW. 68, Ändenstr. Z. »ernivreeber:«ml Morinvla«, Nr. t.5t UV— 1,1»7. Vonvärts-Vezlag G.m.b. h., SM. 68, Lindenstr. s. Fernsprecher: Al»t Moritipla«. Nr. 117 Äli— 54. Die Eisenbahnerbewegung. Zwei Warner. Eö ist an dieser stelle unniittelbar nad» der V c r n c h- m u n g H i n d e n b u r g s und L u d e n i» o r f f S bedauert worden, dah nicht dns ganze deutsche Vdtk Zeuge jenes ino- ralischen Bankerotts des Militarisinus babe sein können. Denn durch deii recht lückenbaften einheillicheil Pressebericht ist die Oeffentlichkeit unzureichend informiert worden. Sie -hat sich Don der geradezu beschämend geistigen Leere der Aus- sagender beiden Heerführer und bon dem ungeheuren Matz von Schuld, das auf der Obersten Heeresleitung bei der Ablehnung der Wilson scheu Friedensver» tn i t t l u tt g und bei der Erkläre mg des rücksichtslosen ll-Boot-biriegcs lastet, nur ein uuvollkommenes Bild machen können. Im Vertrauen daraus wagt die a l l d e n t s ch c P r c s s e seitdem die Tinge so darzustellen, als hätten sich ibre.Halb- yvttcr glänzend gerechtfertigt. Tieies schamldse Treiben wird den Teutschnationalcn dadurch erleichtert, daß zweiäutzcrst wichtige Tokumente, die in Gegenwart der beiden Heerführer verlesen wurden, von dem Pressebericht damals mit knapp �firnf Zeilen abgetan wurden. Es bandelt sich um einen Brief des Botschaftsrats v. Haniel aus Washington an den Gesandten von Treutler vom IG November 1916 und um einen Bericht des(jetzigen) U n t e r- staatssekretärsAlbert ans tzkelv ihork an den da- inaligon Vizekanzler Helfferich vom 6. November 1916. Beide Schritt st ücke wurden von ibren Emptängern an die Oberste.Heeresleitung weitergeleitet und haben Lndendorsf vorgelegen, denn sie tragen dessen Signum. Nur die Raumnot nötigt uns. von einem vollinhaltlichen Abdruck dieser beiden äußerst imeressanten Schriftstücke ab- Auseben. Wir müssen uns mit Auszügen beguügen. Hier seien zuerst die wesentlichslen Stellen des Haiiielscl)en Briefes wiedergegeben: Seit dem.Wasstusiillstaud" im ll-Boot-Krieg(nnck der .Tujsez�-Nokl: vom 4. MnS München erfahren, sind die dor- tigen Eifeiibahncr mit der Forderung von 166 Proz. Lohnerhöhung an die Regierung herangetreten. Zurzeit fchwcben noch VerHand- lungrn, dir durchaus ruhig und fachtich v.'rlaufen. Wegen vollständiger Stockung der Kohlenzufuhr infolge Streiks und HochwafferS wird vom 13. Januar an der g e- famte Personenverkehr in Bayern eingest'.'llt. Auch die sächsischen Eisenbahner sind, wir den„P. P. N." ans Dresden berichtet wird, a»it neuen Lohnforderungen an die Regierung hcrangeireten. Tie Arbeiter forderten eine Lohnerhö- hung um 75 Proz: Ein entsprechender Entwurf wird seitens der Regierung der Bolkstainmer vorgelegt werden,(sine solche Lohn- erhöhung würde den Etat um 366 Millionen Mark mehr belasten. 56 Proz. Lohnerhöhung wurden den Arbeitern bisher gewährt. Tic Beamten rrhielten auf sämtliche Tciierungszulagcn einen Zuschlag von 56 Proz. Tie Verhandlungen sind durchaus ruhig verlaufen; ein Streik der Eisenbahner wird dalier nicht befürchtet. Tchlirsilick wird aus Breslau den„P. P, R." gemeldet, daß, da der Arbeitsministcr mitgeteilt� hat, daß die Tarifverstand- lungcn bis zum 26. Jenuar abgeschlossen sein werden, die Bres- lauer Eisenbahner ihren Streik vorlaufig bis zu diesem Datum hinausgeschoben haben. Ter EisenbastnrrailSstand im rheinisch-westfälischen Industrie bezirk nimmt immer größeren Umfang an. Heute morgen sind onch in Esten die Eisenbahnangrstcllten zum größten Teil in den Ausstand getreten, so daß nunmehr auch auf den Essener Bahnhöfen der gesamte E i s e n b a h n v r r° kehrringc stellt werden mußte. Auch in den übrigen Bezirken hat dir Zahl der ausständigen Arbeiter überall zugenommen, so daß die Verkehrsstörungen immer größer und bedrohlicher werden. Infolge des Eiscnbahncrstrciks im Hagener Bezirk konnte die Milch von der städtischen Molkerei in Bcdelacr nicht zum Versand gebracht werden, so daß die meiste» Säuglinge des Bochumer Stadtgebietes ohne Milch sind. Infolge des durch den Eisenbahnerstreik erneut eingetretenen Kohlenmangels sieht sich die Altiengeseufchaft Phönix gezwungen, den gesamten Betrieb der Härder Werke ab 16. d. M. bi� auf weiteres ft i l l z u l e g e n. Mit der Zentralstreikleitung in Elberfeld wurde eine Vst- ciiiborung dahin erzielt, daß die Kohlenzufuhr für dir städti- schen Industriebetriebe in Tüsseldorf nach Möglichkeit aufrecht- erhalten werden soll. Lebensmittel werden befördert. Ein Tchnrllzugspaar Köln— Berlin über Tüsseldorf ist genehmigt, je- doch ein Ein- und Aussteigen in Düstctdorf nicht gestattet. Tie Streiklage ist im übrigen in Tüsseldorf unverändert. von der Meinung deS Herrn Ludendorff die Rede ist, daß der unbesibränlle U-Boot-Krieg schon deshalb eintreten müsie, damit die Munitionstransporte nach Frankreich über den Kanal nicht weitergeführt werden könnten. Das ist offenbar ein wesentlicher Gesichtspunkt auch gewesen. Ist eS nun technisch möglich gewesen, diese MunitionstranSporte Englands über den Kanal durch den unbeschränkten U-Boot-Krieg zu hemmen?... War es nicht viclinehr notorisch, daß die Transporte durch den Kanal trotz des unbeschränkten U-Boor-KriegeS völlig ungehemmt weitergegangen sind? Zeuge Admiral Koch: Völlig ungehemmt, das glaube ich nicht, jedenfalls nur auf den kurzen Kanalwegen, weil sie dort die gesamten Abwehrmittel halten. Erst Horchschiffe, da- hinter Leuchtschiffe, dorlhinter wieder zwei Liliien mit Geschützen bewaffneter Borpostendampser. Also nur an der engste» Stelle deS englischen Kanals konnten die U-Boole nicht arbeiten. Tort allerdings sind auf kleinen Dampfern dauernd Transporrr. aber auch diese nur bei Nacht, unterwegs gewelen. Am Tage konnten aber auch diese wegen der U-Boot-Gesähr nicht fähren. Hier ist daS klare Geständnis der Admiral. tät, datz jene Möglichkeit, vor der sowohl Haniel loie Albert(siehe unten) nachdrücklich ivarnten. eingetreten ist! Trotzdem wurde der U-Boot-Krieg von der Obersten Heeresleitung durchgesetzt. Welche Folgen er haben muffte, setzt Hantel in seinem Brief aus dem November IlW' auseinander; Heber eines muß man sich bei im» jedcnfälls klar sein: eine Jurücknabme oder auch nur wesentliche Einschränkungen der sogenannten Konzession, welche wir ticjeS Frühjahr im N-Boot- Kricg an Amerika machten, bedeutet Krieg mit Amerika, und damit wohl auch mit Holland risra. die sonst ausgehungert werden würden. DaS ist die feste Ucberzeugung aller vier, die sich mit der Frage befchäsiigt haben—, a n ch�deijenigen. welche stüher einer anderen Auifassung zuneigte». Ohne Polin- schen Selbstmord zu begehen, könnte keine Regierung und keine Partei eS wagen, in dieser Frage Deutschland nachzugeben, in der es sich um das Lebey von Amerikanern handelt, nachdem Ämertla einmal so endgültig festgelegt hat, was es als sein« völkerrechtlichen An- sptüche bezeichnet. Das Nationalgenihl hat siötz hier ieit d.in Kriege so hoch gespannr, und die öffentliche Meinung ist durch die immer wiederkehrenden Zwischenfalle, Notenweckistl. geituitgS- hetzen ko hysterisch empfindlich geworden, daß sie in diesem Punkte keine Belastung Vertrages Eine Zurücknahme unserer Versprechungen würde den diplomatischen Bruch sofort noch sich ziehen. Aber wenn einmal der diploniatische Bruch erfolgt ist. wird der Druck zu stark. Auch die eifrigsien FriedeUSapostel lönnttu sich nicht vorwerfen lasten, daß sie mit dem Abbruch der diplo- malischen Beziehungen Teutschland gewistermaßei� einen?lblaß für die Tötung aller Amerikaner in der Zukunft gegeben haben. Von hier aus kann man deutlich beobachten, wie England jeden Anlaß ausnützt, um woniöglilü eiueu Lru.b zwischen Anieiika und Deuischlaild herbcizusübren. Lffenhnr schätzt man in Eng- land die Gefahr eines rücksichtsliscn Il-Voot-Ärieges bedeutend ge- ringer ein, ivie die Vorteile, Amerika aus die Seite der Alliierte» zu ziehen. DicS sollte uns jedenfalls zu denken gehe». Vo» vier uu« gcteben bat es jedenfalls den Anschein, als wenn ivir lcdig- lich unseren Feinden in die Hände arbeiteten, wenn ivir de» rücksichtslosen U-Boot-Krieg wieder beginnen. Ebenso unzwelfelllast ist eS mir, daß ein solcher Krieg' o- fort mit voller Einsetzung aller unendlich reichen HilsS- mittel Amerikas an Menschen, Geld, Kriegsindustrie. Flotte niw. durchgeführt werden tvürde. Auch darf ma» von dem deutsch-anierikanischen Element keine wesentliche Hrmin. mg erwarten. Sie können nicht und werden auch nicht versuchen, sich einem solchen nationalen Sturm zu widersetzen. Das hat unZ die ,Lusitania"»Zeit gezeigt. Ich branchc schließlich wohl nicht ans die unabsehbaren mora- tischen und wirtschaftlichen Einbußen hinzuweisen, welche daraus entstehen würdqn. wenn wir es auch mit Amerika sund damit wohl auch noch init weiteren S'eutraleu) zum Kriege kommen lasten, Einbußen, die sich weit über den Krieg hinaus fühlbar machen und eine wirtschaftliche Rekonstrukiion noch mehr erschweren würde». Heute ist endlich die Wahl esitschiedcn und zwar z«guiisie» von Wilson. Ich glaube, es ist für im« die günstigere Lösung. Denn wie Hughes sich Deutichland gegenüber stellen würde, zu- mal mit Roosevelt und seinen krieg-durstigen Anhängern un Rücken, läßt sich nicht leicht muimaßen. Em Nachgeben in der U-Boot-Frage wäre jedenfalls bei ihm cbcnsallZ ausgeschlossen ge« wesen.... Ich kann mir denken, daß die wilden Waiscr- und Basser m ä n n e r nicht gut auf uns v>er zu wre-vcn sind. Aber man kann doch nur nach seiner innersten Ueberzengung bandeln, besonders, wenn es sich um so folgenschwere Fragen handelt.» Eine gleich ernste Mahnung enthält die A l b c r t s ch o Denkschrift, die wesentlich ausführlicher ist, die wir aber aus Gründen der Raumnot ebenfalls nur in ihren wichtigsten Teilen abdrucken können: � Bezüglich der Vereinigten Staaten kann nach metner Alts- sastung kein'ZMssel bestehen, daß der Verlust amerikanischer Menschenleben infolge einer Torpedierring ohne vorherige Warnung und ohne Jnsicherheilbringeti der Passagiere Krieg mit den Vereinigten Staaten bedeuten würde. Die Wirkungen eines Kriege? zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland sind überaus ernst. Sobald dje Em- sckeidung für einen Krieg mit Deutschland gesallen wäre, wüiden alle Meinungsverschiedenheiten wie mit einem Schlage verschwinden. Alle Kreise würden sich einmütig hinter den Präsidenten stellen. Eine Hochflut eine?, ich möchte sast sagen hysterischen PatrioriS- muS würde das gesamte Volk ergrcisci:. Die Deutsch- Amerikaner würden die e r st e n sein, welche die RegiMniig ihrer absoluten Loyalität versicherten. ZlllerdingZ wurde eine unmittelöare Teilnakme der Ver- einigten Staaten an den militärischen Operationen kaum zu er« warten sei.(Sie ist später eingetreten. Und zwar sehr kräftig. Red.). Immerhin sollte auch dies nicht unterschätzt werden. Falls Japan im Einvernehmen mit England die nötigen Garantien gäbe, würde wohl mit der Möglichkeit zu rechnen sein, dah ein gewisser Prozentsatz der Flotte, insbesondere Torpedoboots- zerstörer u. dgll, dem Patroldienst gegen die Unterseeboote zur Rersügung gestellt werden würde. Wichtiger dürfte sein, daß sich eine g r o b e Zahl von Freiwilligen für die Armeen der Alliierten anwerben ließ.' Ausschlaggebend wäre aber nicht die militärische, sondern die wirtschaftliche Seite der Frage. Die amerikanische Regierung würde sich, insbesondere wenn«S sich um die in StaatSgeschäften erfahrene und erprobte republi« konische Partei handelt, von vornherein darüber klar sein, daß der Schwerpunkt der amerikanischen Kriegsührung nicht in der c'gcnen miltiärischeu Beteiligung, sondern in der energischen Unterstützung der Alliierten liegen würde. Die» würde prakliich bedeuten, daß die Aereinigteir Staate» die Finanzierung des Krieges übernähmen. Mit der Beseitigung der sinanziellen Sorge fiele für unsere Gegner der einzige Grund für eine baldige Beendigung de« Krieges fort, den sie im übrigen trotz aller Niederlagen genau so - lange, wenn nicht länger, wie wir fortsetzen könnten. Die millelbare Folge der Bereitstellung von Mitteln wäre ferner eine Perstärlung der KriegStteferungen. ES darf nicht vergessen werden, dag seit längerer Zeit die amerikanischen Schiffswerften mit Aufträgen über- bürdet sind und daß gerade in dieser Zeit die ersten Ablieferungen stattfinden. die sich naturgemäß in steigender Richtung enttvickeln werden. Daneben würde der gesteigerte Bedarf, wenn auch unter unerhörter Steigerung der Frachtsätze, die letzten entbehrlichen Schiffe aus dem neutralen Verkehr berausnehinen. Auch ist die Tonnage der möglicherweise verfüg« baren Transportschiffe der amerikanischen Marine nicht un- erheblich. Wesentlich würde hie psychologische Rückwirkung auf die Gegner Deutschlands sein. Wenn schon jetzt die Zähig- keit ulch Hartnäckigkeit der Engländer einen wesentlichen Faktor für die Fortführimg des Krieges bildet, so ist nicht recht abzu- sehen, wie England, Frankreich und auch Rußland von der»ei- leren Fortsetzung des Krieges, von der Aufbietung ihrer letzten Kräfte und von neuen außerordentlichen An streu- g tl n g e n abgehalten werden können, fobald sie die Vereinigten Staatcui hinter sich wissen. Das Ende des Krieges würde also, selbst wenn man mit unversiegbarem Optimismus an dem endgültigen Siege Teutschlands festhalten sollte, auf unüberseh- bare Zeit hinausgeschoben werden. Hiernach würde ich die Wiederaufnahme des uneingeschränkten Iluterseelwotlrieges alö ein nationales Unglück ansehen, das in letzter Linie zum Nnterliegeu Deutschlands führen könnte. Andererseits sind unsere Chancen, wenn wir einen Konflikt mit den Vereinigten Staaten zu vermeiden vermögen, auch vom Standpunkt der deutfch- amerikanischen Beziehungen n i ch l ungünstig. Sobald Deutschland ein für allemal als beunruhigender Faktor ans der hiesigen öffentlichen Meinung verschwindet— bicrzu würde allerdings notwendig sein, daß auch von der Eni- sendmig von Unterseebooten an die amertkanische Küste, selbst wenn sich ihre Tätigkeit im Rahinen des amerikamscherfeits an, erkannten internationalen Rechts hielte, in Zukunft abgesehen wird—, würde sich daS amerikanische Volk allmählich des Drucke? de« englischen JochS» ich möchte sagen, automatisch bewußt werden, wie wenn man von zwei sich die Wage haltenden(äfe- »schien— deutscher Unters eebootkrieg, enghischcr Handelskrieg das eine entfernte..' �•• Inzwischen sind bereits andere Faktoren in gleicher Rich- nmg tätig.. Die Knappheit der Weltwcizeneriwe ist so beunruhi- gend, die Preise werden durch Englands Käufe in absehbarer Zeit hier ,in den Vereinigten Staaten so steigen— jetzt bereits 1,85 M. statt normalerweise 1 M. pro Bushel—, daß möglichar- wefsc mit einem Entbargo gerechnet werden kann und muß. Das würde dieselbe Wirkung haben, die wir mit dem U-Boot herbei- führen wollen: Erschwerung der Versorgung Englands. Sowohl Haniel wie Albert lassen gar keinen Zweifel darüber, daß die Erklärung des unbeschränkten U-Boot« Krieges deirdiplotnatischen Bruch mit Amerika, und daß dieser Bruch den Krieg mit Amerika bedeuten würde. Diese Ueberzeugung hat auch der damalige deutsche Bot- schafter in Washington, Graf Bernstorsf, in unzähligen Briefen und Telegrammen zum Ausdruck gebracht: zuletzt noch am 27. Januar 1917, als er auf die Nachricht, daß der rücksichtslose U-Boot-Krieg beschlossen worden sei, drahtete: „Krieg unvermeidlich bei beabsichtigtem Vorgehen... Wilson wird diese Erklärung als Schlag ins Gesicht tzmpfinde n." Aber der Kaiser hatte sich schon damit abgefunden, wie aus seinem Telegramm an Zimmermann voni 16. Januar 1917 hervor- geht: .Seine' Majestät bemerkt, daß Allerhöchstdieselben gar keinen Wert auf Wilson» Friedensattion legen. Falls der Bruch mit Amerika unvermeidlich sei, ist es nicht zu ändern. ES wird vor- gegangen." � Wie bereits erwähnt, tragen beide Denkschriften das Signum LudendorffS. Während ihrer Lektüre durch den 'Abg. Schiicking machten sowohl Ludendorff wie Hindenbnrg wiederholt Zeichen des Erstaunens und erklärten schließlich, sich-dieser Schriftstücke nicht mehr entsinnen zu können. Luden- dorff führte mit einer etwas gleichgültigen Gests hinzu:„Es wurden ebensoviel Denkschriften eingereicht, die für den U-Boot-Krieg sprachen." Also hatte sich die O b e r st e H e e r e S l e i t u n g g I a t t über diese Warnungen jener Persönlichkeiten, die am besten über die tzmerikamschen Verhältnisse orientiert sein mußten, hinweggesetzt! Und nachdem sie diese Prophe- zehmgeu, die sich fast Wort für Wort erfüllt haben, gänzlich außer acht ließen, wagen sie es jetzt', die Schuld an der K a t a st r o v h e auf das Opfer ihres Hasardspieles, auf das deutsche Volk abzuwälzen! Hegen üas Setriebsrategeseh. Die„Freiheit" veröffentlichtz in ihrer Freitagmorgen- Ausgabe ein vertrauliches Rundschreiben der Metall.« i n d u st r ie l l e n vom 23. Dezember 1919 in dem für den Fall der Verabschiedung des Betriebsrätegesetzes die Still- legung sämtlicher Betriebe als Abwehrmittel erwogen wird. Der Plan ist äußerst verwerflich, zeigt aber jeden- falls deutlich, mit welchen Gefühlen das Unternehmer- t u m dem Betriesrätege5dtz gegenübersteht. Trotzdem schreibt dieselbe �.Freiheit" zwölf Stunden darauf in ihrer Abend- ausgäbe, daß das Betriebsrätegesetz nur dafür sorgen helfe. daß„die Herren im Gewerbe Alleinherrscher im Betriebe blieben". Wahrscheinlich ist das der Grund, aus dem die Unternehmer ihre Betriebe bei Annahme des Gesetzes still- legen wollen! Gleichzeitig agitieren die Radikalen dafür, die Annohme des.Betriebsrätegesetzes mit einem General- streik zu beantworten. Verrückte Welt! Krupp, Borsig. Siemens, Stinnes und— Spartakus Arm in Arm, um bei Annahme des Betriebsrätegesetzes die Betriebe stillzulegen! Dieses Bild sollte den Arbeitern doch einiges zu denken geben._ Lohnerhöhung— verelenöuckg. Dke„Rote Fahne" beschimpft die Berliner Metallarbeiter, weil sie eine Teuerungszulage von 25 M. pro Woche fordern. Mit derartigen„Bettelpfennigen" dürsten sich die Arbeiter nicht abfinden lassen, die Metallarbeiter hätten ganz andere Forderungen stellen müssen, die mit der jetzigen Teuerung im Einklang stehen. So die„Rote Fahne" auf'der ersten Seite. Um so erstaunter ist man dann, auf der dritten Seite der „Roten Fahne" im Wirtschaftsteil folgendes zu lesen: Solle» Lohnerhöhungen wirksam werden, so müssen vorher alle Garantien vorhanden sein, damit das Schwinden unentbehrlicher Güter verhindert und unnötige Preis st eigerun gen vermieden werde». Luxusproduk- tion und Luxuöeinfuhr müßten zum Verschwinden gebracht werden. Wenn man nicht das' Schwinden unentbehrlicher Güter verhindert, führen Lohnerhöhungen, je größer sie find, zu u» so rascherer Ser- rlendrmg der Arbeiter und Angestellte«., Also auf der ersten Seite fordert die„Rote Fahne" viel größere Lohnerhöhungen als die, um welche die Arbeiter kämpfen: auf der dritten Seite erklärt sie, daß Lohn- erhöhungen je größer sie sind, desto rascher zur Ler- elendung führen. Daraus muß man schließen, daß es das Ziel der„Roten Fahne" ist, die Arbeirer möglichst rasch zu verelenden. Jedenfalls verdient ihr Geständnis im Wirt- schaftsteil über die Wirkung rapider Lohnsteigerungen festgehalten zu werden, wenn die Kommunisten wieder einmal durch agitatorische Ueberbietung berechtigter Forderungen beul Lohnkampf der Arbeiter in den Rücken fallen. Monarchististhe Reichswehrpropaganüa. In welcher Weise die Monarchisten in der Reichswehr wühlen, zeigt folgender Bericht aus L i e g n i tz, der uns zur Verfügung gestellt lvird: Am Dienslag, den 6., nachmittags um 2 Uhr. fand hier in Liegniy eine ReichSwehc-Veriammlung statt, zu der ganz geheim, von Mund zu Mund die Einladung ergangen war. Die Sol« daten wurden nachweislich abteilungsweise in Militär-AutoS zum Versammlungslokal befördert. Ein Feldwebel au» Görlitz las von einem gedrucklen Zettel eine Werberede iür des deutsch- nationalen Soldalenvund, in der die ichäristen antisemitischen A n g r i i t e fielen. Aber eS wurde auch behauptet, daß die Monarchie, die baldigst wieder eingesetzt«erden müßte, unser Vaterland retten könnte. ES handelt sich alio um eine anonalchistiiche Versammlung, in der eine Propaganda getrieben wurde, die strikt gegen den Fahneneid, gemäß desien die Reichswehr auf die Reichsverfassung vereidigt ist, verstößt. Der deutsch nationale Parteisekretär aus Breslau wohnte der Versammlung bei.' Es liegt hier also nicht nur der Fall vor, daß die Deutsch- nationalen dis Rcichswehrangehöngcn in besonderen Versammlungen für ihre monarchistischen und antisemitischen Tendenzen zu gewinnen suchen, sondern daß diese Be- strebungen offenbar von irgend einer vorgesetzten Stelle innerhalb des Truppenkörpers unterstützt worden sind. Dafür spricht der Transport der Mannschaften mit Militäpantomobilen in geschlossenen Abteilungen zur Versammlung. Ter Reichswehrniinister hat unseres Wissens in einem besonderen Erlaß kürzlich auf das schärfste verboten, daß Mittel und Einrichtungen derRcichswehr zu politisch enZwecken m i ß'b r a u ch t w e rTi e n. ES würde hier also ein direkter Verstoß gegen diesen Erlaß vorliegen, für den die Stelle, die ihn verschuldet hat, zur Verantwortung gezogen werden mutz._ Die valutakommDon. Eine der Unterkommissionm der ständigen Valutalommiffion hat sich auf acht Leitsätze zur Verbesserung der deutschen Finanzlage. soweit dabei die Valutaftagcu mitspielen, geeinigt. Ww teilen daraus das Folgende mit: 1. Tie Valutakommission hat davon Kenntnis genommen, daß für die nächsten Monate zur Finanzierung der Einfuhr von Lebensmitteln sehr erheblich« Beträge zu Devisen erforderlich sein werden. Die Kommission ist der Ansicht, daß diese Einsuhr zwar unter den gegenwärtigen Verhältnissen als eines der Mittel zur Hebung der Arbeitslust und damit der Produktion notwendig ist, daß aber die Einfuhr von Lebensmilteln, die auch für die Reichs- finanzverwaliung erhebliche finanzielle Opfer mit sich bringt, mög- lichst eingeschränkt und daß dabei vor allen Dingen angestrebt werden muß, durch eine planmäßige, auch im Innern zu verfolgende Politik, die Einsuhr von LebenSmiUel-Ferugfabrikaten wie Schmalz, Speck und Fleisch, durch eine solche von landwirtschaftlichen Roh- stofsen, insbesondere Futtermitteln und Getreide zu ersetzen. Soziale Lehrmeister. .Der erste große soziale Lehrmeister der Neuzeit war Friedrich Wilhelm l.... Die» Wert hat erst Stein, bann Bismarck ausgenommen und weitergesührt/ Philipp Zorn im.Tag', Nr. S, S/1. Die Bilder hake schleunigst von der Wand, zu denen du bisher hinaufgesehen. Geirrt hast du, gebrauche nur Verstand, du Sozialist wick konnte das geschehen 1 Schnell fort mit Rousseau, Fourier, Saint-Simon, nicht brauchst du fernerhin sie mehr zu kennen; was soll dir Louis Alane und gar Proudhon, ich rate dir, sie gründlich zu verbrennen. Und wo die FeuerSglut am stärksten schwelt, versenke Marx mit seinen wilden Locken; daß Engels mit Lassalle nicht etwa fehlt. mach unverwetlt dich auf die Henkersocken. ES wurde Licht, es wurde heller Tag, gefunden ist der Wahrheit edles Körnchen, daS allezeit dir tröstend strahlen mag,— Herr Philipp Zorn grub» au» in seinem ZSrnchen. In deiner guten Stube sei fortan der erste Friedrich Wilhelm, Rex in Preußen, dein höchster Schatz— und hänge nebenan die Knute, die er schwang nach Art der Reußen. Dann Otto Bismarck, den du selbst gekannt, den großen Kanzler, Mann von Blut und Eisen— nun sind die wahren Meister dir genannt, du sollst sie rühmen und den Ktzndern weisen. Doch wer von jetzt noch ehrt die falschen Götter, hat vor der Stirn ein furchtbar dicke» Horn, ist reif zum Spielball für'die klug«, Spötter, ist nie ein Sozialist— sagt Philipp Zorn. S ch! a r a j s. Der Gcscventwnrf über die Kinozeusur stand gestern auf dir Taireserdnung des Rcichsrats. Der Berichterstatter machte einige kurze Mtt-llungen über die vom Ausschuß beschlossenen �bänderu»- gen der Regierungsvorlage, von denen tcine grundsätzliche Beden- tun« habe. Die Hauptbestimmung der Vorlage geht dahin, daß nur salche Films vorgeführt werden dürfen, die von einer amtlichen Prüfungskommission zugelassen sind. Die Zulassung soll nur der- fa-ff werden können, wenn die öffentliche Sicherheit gefährdet wird, ir*ni% die Filmö religiöse Gefühls verletzen oder durch Erregung n'drige. Triebe verrohend oder entsittlichend wirken. Tie amtlichen P r ü f u n g S st e l l e n sollen in Berlin und München, den Hauptsitzen der FUmindusiri«, eingerichtet werden. Sie setzen sich zusammen aus Beamten und Sachverständigen. Von den Sachverständigen ist je ein Drittel zu entnehmen aus den Kreisen der Industrie, den Kreisen van Personen, die in Kunst und Literatur bewandert sind, und den Kreisen solcher Personen, die aus dem Gebiete der VolkSwohlfahrt. der Volksbildung und der Jugendpflege besonders erfahren sind. Die Sachveritändigen werden vom Minister des Innern ernannt. Gegen den Bescheid der Prü- sungS stellen ist eine Beschwerde bei der in Berlin zu errichtenden Oberprüfungsstelle zulässig. Der Reichsrat nahm die Vorlage nach den Beschlüssen des Ausschusses an mit einer von dem preußischen Vertreter beantrag- tan Abänderung, wonach eine Ausnahme von der Prüfung nicht nur für solche FilrnS zugelassen ist, die wissenschaftliche Zweck« verfolgen, sondern arnfr für künstlerische Films, die in Vereinen oder sonstigen geschlossenen Gesellschaften zur Vorfiöhrung gelangen. Mit diesem Abänderungsantrag hatte sich Minister Koch ncrmenS der Regierung einverstanden erklärt Der Vertreter BraunschweigS enthielt sich der Stimme� weil der brannschweigische Landtag sich ggen die allgemeine Filmzensur ausgesprochen hat. Der Gesetzentwurf wird der Nationalversammlung am 12. Januar vorgelegt werden. Lienenmutter«der Blentntönignr? Zu dem Artikel:.Von Immen und Weiseln" in der Abendausgabe de«.Vorwärts" vom 3. Januar wird un« von einem Genossen, der selbst Imker ist, folgende« geschrieben: Die Alldeutschen— Konservativen— werben, aber sie werben mit gefältschten Mitteln. Sofern sie sich nämlich mit dem Beispiel de« Bienenstaate« an naivgläubige Leser wenden, tun ste da« regel- mäßig mit der Unterstellung, da« in größter� Ordnung sich ab- wickelnde Leben und Treiben im Bienenstaate s« bedingt. durch die Herrschaft der»Königin". Diese Annahme ist irrig l In früheren Zeittn glaubte man. der Weisel, auch Königin genannt, übe gewissermaßen ein patriarchalische» Regiment in einer Führerrolle au«. Er fliege beim Schwärmen voran, weise den Weg usw.. kurz erfülle olle Obliegenheiten etne« Führer» und Herrscher«. Eelches Märchen kann man heute nur noch denen auttischen, die vom Leben und Treiben der Bienen keinen blassen Schimmer hoben. In Wirklichkeit ist nämlich die so- genannte KSptgtn nicht« anderes als die Mutter aller Bienen. Dtt junfte Bieneiimutler verläßt die Wohnung an einem schönen warmen Tage, begleitet von einer Anzahl Männchen sDrobnen), wird auf diesem Fluge von einer Drohne, die dabei ihr Leben lassen muß, befruchtet und kehrt nun in ihre Wohnung zurück. Dort legt sie Eier und tut nicht» anderes! Nicht einmal dte Brut füttert sie. DieS und die Aufzucht der Brut besorgen die Ammen lArbeits- bieuen). Da ober in jedem Bienenvolle nur eine einzige Lienen- mutier ist. und Von deren Wohlbesinden ihr mehr oder weniger fleißige« Eierlegen abhängt, wird die Mutter von den Arbeit«- bienen auf« beste gelüttert: denn der Naturinstinlt läßt die Tierchen ahnen, daß e« mit der Fortpflanzung ihrer Art übel bestellt sein würde, wenn die Mutter in de: Brutzett nicht genügeud Eier legte. Da« Verhältnis der Bienen zur.Königin" ist also nicht da« von Untertanen zur Herrscherin oder von Geführten zum Führer, sondern beruht auf rein geschlechtlichen Instinkten und Bedingungen. Eigentümlich ist, daß das Bienenvolk(Der Bien) stet» nur eins einzige Mulier duldet. Schlüpft eine zweite oder zdritie aus, io werden die überzähligen noch oder vor ihrem Ausschlüpfen von den Arbeiterinnen gelölct. Die Ordnung deS Bienen ftaateS ist eine streng demokratische. Nicht ist ei so, daß im Bienenstaate geschieht, was die Mutier (Königin) wünscht oder anordnet. Nein, gerade umgekehrt: Wenn die„berufliche" Tätigkeit der Bieneiimntter den von den Arbeite- rinnen an diese Tätigkeit gestellten Anforderungen nicht genügt (Nachlassen im Eierlegen), so wird die»Königin" erbarmungslos beseitigt und einfach totgebissen. Vorher bauen dann die Arbeiterinnen eine sogenannte Weiselzelle(Weiselwiege) und lassen von der alten Königin ein Ei hineinlegen. Nach entsprechender Entwicklungszeit ist dann die alte Mutter verschwunden und«ine neue, junge. lrästigere waltet nach erfolgter Befruchtung ihre« Amtes als Eier- legerin. Manchmal tommt eine junge Mutter vom BefruchtungS- ausflug ohne den gewünschten Erfolg inS Haus zurück. Eine ganze Weile warten dann die Arbeiterinnen. Wenn aber der ersehnte Er- folg gar zu lange auf sich warten läßt, füttern sie eine oder mehrere gewöhnliche Arbeitsbienen mit besserem � Futter heran, wa« zur Folge halte, daß deren verkümmerte Eierstöcke anschwellen und die Tierchen� anfangen, ebenfalls Eier zu legen. Da diese aber von unbefruchteten Bienen mit unvollkommenem Äeschlechtsapparat gelegt werden, entstehen aus ihnen stet» männliche Bienen(Drohnenjl Solche Ersatzmütter nennt man deshalb Drohnenmütterchen. Ein Bienenvolk, das nicht recht- zeitig vom Imker mit einer wirklichen Mutter versorgt wird, muß also zugrunde gehen. Die Zukunft bei„BienS", wie man das Gesamtvolt nennt, ist also in Frage gestellt, wenn kein normales Mütterchen vorhanden ist. Das ist der w a hre> Grund der unendliche» Fürsorge der Bienen für ihre Mutter (Königin).__ Der Kampf gegen die Duderknlose. Die preußische Staats. regicrung bat oem Außerordentlichen Prol-ssor an der Lerliner Universität Dr. Friedrich Franz F r i e d vi ä» n das Garnisonlazarett w der Scharv- hprslslratzc als Institut zur Betämpsung der Tuberkulose zur Verfügung gestellt. In diesem Institut wird Pros. Friedmann die lerett» angekün- diglen Vorlesungen sür Aerzte und Studierende ab hallen sowie persönlich die Leitung der Arankenbehandllmg übernehmen. /, IIb?, im Lessing-Musemn vor. ' tzramillo Pildedrand. der frühere Dirigent deS Berliner Phllhannn. njichtn OrckefielS. der im vorigen Jahre an da« Freiburger Stadttheater überging, will diesen Palten schon wieder ausgeben. Er ist um Lösung seines Lertrageö zum 1. August eivgelommen. Nr. 17 ♦ 57. Jahrgang Seilage des vorwärts Sonnabenü, 7 s. Januar 1H2S Das sterbende Wien. IN. Die Kälte. Wien ist von Hungersnot bedroht. Was es aber mehr noch fürchtet alZ den Hunger, das ist die Kälte der nächsten Wochen. Die Unterhandlungen, die mit der Enlents und mir der tschecho-- slowakifchen Regierung geführt wurden, um das österreichische Boll rechtzeitig mir der nötigen Kohle zu versehen, haben nicht zu dem gewünschten Resultat geführt. Viele Fabriken sind infolge des KohlenmangclS nutet Betrieb gesetzt, während ganze Industrien aus denselben Gründen gezwungen find, ihren Betrieb auf die Hälfte einzuschränken. 1 Für Hausbrand ist so gut wie nichts vorhanden. Offiziell beträgt die Ration für den Hausbrand 7 Kilo pro Famstie und Woche. Auf dem Papier. In der Praxis ist von diesen 7 Kilo wenig zu merken. ES ist schon als günstig zu bezeichnen, wenn sich die armselige Ration von 7 Kilo in Zwischen- räumen von Wochen wieder einstellt. Ist eS da zu verwundern, daß Wien, nicht zuletzt im Hinblick auf das mangelnde Heizmaterial, mit Angst und Schrecken den Winter erlebt unb daß jeder, der nur die Möglichkeit dazu hat, Holz kauft oder— fich aneignet? Sich aneignet: das will sagen stiehlt, ohne an Bezahlen zu denken. Denn Holz kaufen und eS bezahlen und'so viel laufen, um deu Winter damit auszukommen, daß ist nur der woblhabenden Klasse möglich. Der Preis des Brennholzes, das Milte Oktober noch für 80 Heller oder eine Krone das Kilo zu haben war, ist seither auf 1,20 bis 2 Kr. gestiegen. Wenn man mm weiß, daß zur Beheizung auch der bescheidensten Wohnung, gering gerechnet, ein Quantum von 130 Kilo pro Wocke nötig ist, daß aber der Wochen- lohn eines Arbeiters, der in fester Arbeit steht, im Durchschnitt 200 bis 250 Kronen ausmacht, bann wird es nur allzu deutlich. daß keine Arbeiterfamilie in der Loge ist, sich Brennholz, und gar in ausreichenden, Maße, zu beschaffen. Da nun die Arbeiter nicht zusehen wollen, wie ihre An- gehörigen, ihre Frauen und Kinder, Kälte leiden, wenn sie eS irgendwie verhindern können, so eignen sie sich eben Holz an, ohne eS zu bezahlen, und holen eS. wo sie eS finden können. Lattenzäune. Türen, Planken, Bäume und schließlich die Wälder— nichts ist vor diesem Holz raub mehr sicher. Nichts wird geschont oder übersehen, was irgend* wie als Heizmaterial dienen könnte. Ein besonders krasser Vorfall, der die augenblickliche Demo- raiiiation der Wiener Bevölkerung, aber auch ihre panikartige Angst vor der Kälte kennzeichnet, wurde mir vom LandeShaupt- mann von Niederösterreich erzähll. Er hatte von dem Bürgermeister einer in der Nähe Wiens gelegenen Gemeinde«in Schreiben er« hallen, in dem die Hilfe der Regierung gegenüber dem Treiben der Holzdiebe angerufen wird. Das Schreiben, denen Abschrift mir zur Verfügung gestellt wurde, hat folgenden Wortlaut: Gemeindevorstehung Albern, Post Dien Xl/S. An die n. ö. Landesregierung Wien. Die gcr. Gc ine indevorst ehirng teilt hiermit der n. ö. Landes- rcgierung mit, daß in Hiifhwisr kein« angeschwemmten Lei eben in, Gemeindegebiet von Albern auf dem Friedhof der Namen- losen beerdig: werden können, somit die Leicken un beerdigt in Hinkunft liegen bleiben müffcn, weil der Friedhof rvn den Wiener Holzdieben gänzlich verwüstet wurde. Derselbe ivurde nichr nur seiner hölzernen Umzäunung und der Graökreuze beraukt, sondern eS wurde auch die m dem- '-Iben befindlich? Lcichcnkainmer samt den darin befindlichen Särgen und Werkzeugen demoliert und fortgetragen. Wenn der Landesregierung keine Machtmittel gegen dieses— einen geordneten Staat herabwürdigende Treiben— zur Verfügung stehen, kann auch die Gemeinde ibren Verpflichtungen nicht nachkoimuen. Albern, am 29. November 1919. * Was für einen Umfang dieses Umbauen der Bäume, dem ganze Wälder zum Opfer fallen, angenommen bat, das habe ich mit eigenen Augen zu sehen Gelegenheit gehabt. Die Zweim illion cnftadt Wien ist zu zwei Dritteln von einer waldreichen Hügelkette mit wunderbaren alten Bäumen, dem Wienerwald, umsäumt. Oder richtiger: die Hügelkette war mit Wäldern bedeckt. Denn sie sind jetzt im Schwinden und wer- den bald völlig verschwunden sei». Wo früher Taufende und aber Tausende blühender Buchen, alte Luiden. Eichen, Akazienhämne standen, ragen jetzt— zumal in der nächsten Umgebung Wiens— nur mehr kahle Stümpfe aus dem Boden. Seit vielen Wochen ziehen Taufende von Männern, Frauen und Kindern jeden Alters, allein oder familienweise, mit Säge, Axt und Messer bewaffnet, zu Fuß oder mit der Tram, in die Umgebung von Wien, schlagen dort die Bäume nieder — von einem regelrechten Sägen ist bei der Hast in den wenigsten Fällen die Rede—. backen sie in Stücke und schleppen sie auf dcrrvagen oder Handkarren»ach.Haufe oder— und das ist meistens der Fall— sie tragen das frische Holz in Bündeln von 39 bis 69 Kilo auf dem Rücken heimtoärts. Mitten in der Nacht beginnt der Aufbruch und am späten Abend steht man Züge von Hei mwan dernden. Das geht so tagaus tag ein, und täglich kann mam von einer nicht unbeträchtlichen Zahl von Unglücksfällen lesen, die sich beim Holzfällen ereignen. Da sind Frauen, die von um- fallenden Bäumen tödlich getroffen werden: Kinder, die von den Bäumen herunterfallen— tot oder mit gebrochenen Armen und Beinen; Männer, die in der Hast mit dem Holz Fuß oder Hemd mitsägien... oder denen von anderen ein Fuß oder eine Hand abgebanen wurde. Schlachtopfer des panikartigen Kampfes, den die Wiener Bevölkerung führt, um sick> gegen die Winterkälte zu schützen, um dem Tod durch Erfrieren zu entrinnen.... An einem Sonntagnachntittag bin ich mit dem Auto IhinauSge- fähren. Die Fahrt vom Zentrum der Stadt nach der Zunächst gelcgeneiwn Hügelkette dauert ungefähr eine halbe Stunde; zu Fuß dürfte der Weg au zwei Stunden erfordern. In der Stadt begegnete ich bereits Leuten, die schwerbeladen mit ihrer Beute heimkehrten. Je mehr ich nück» vom Weichbild der Stadt entfernte, um su größer wurde ihre Zahl, bis sie schließlich eine viele kilometerlange, endlose Kette formten. Sie marschierten in kleinen Häufchen zu drei und vier, zuweilen zu zweit, einer meist Himer dem anderen herlaufend, m Abständen von zwei bis drei Meter. Männer, Frauen, Greise, Kinder. Alles trägt auf dem Rücken einen Sack, aus dem die Enden von ganzen Baumsrrünken, von meterlangen Pflöcken oder Aeften in allen Größen hervorragen. Auf einen Ast gestützt, hum- pelnd, strauchelnd, so wanken sie dahin, gebückt und gebogen unter der viel zu schweren Last.... Die Augen nach abwärrs oder starr voraus gerichtet, ohne ein Wort zu sprechen, wandeln sie in stillem, endlosem Zuge wie eine Schar zu ewiger Sklaverei Verdammter. Den ganzen Weg entlang aber, in Keinen Abständen stehen und lehnen an Mauern und Bäume jene, die nicht weiter können, die ruhen müssen. Stets mit ihrer Last auf dem Rücken. Ein paar Mimiken der Rast, dann wieder weiter. Hundert, zweihundert, drei- hundert fünfhundert Meter weit«. Je nachdem die müden Beine und schwachen Schultern es eben aushalten, Zuweilen stockt für einen Augenblick der ganz« Zug. Wenn der eine od« andere von den mühselig Schleppenden— eine alte Frau. ein allzu schwaches Kind— unter der Büvde-znsammen- bricht, zu Boden fällt, mit der schweren Last neben sich oder üb« sicki. Die anderen, die folgen, halten eine Weil- still,'ckmalken den Sack los von den Schultern deö Niedergesunkenen, helfen ihm— od«? ihr— Wied« empor, setzen die Kraftlosen am Wegrand nieder. auf den gefüllten Sack, sprechen ein paar Worte dos Trostes, des- Mitgefühls. Und zieh:» dänn selbst Wied« die endlose Straße, den sterbenden Wald hinter sich lassend, der kahlen, kalten Prole- tarierwohnung, zu... Ein andermal wieder ist eS ein Wagen, der ein Rad verloren bat oder dessen Aebse gebrochen ist, der den Zug der Hcltzmiger für eine Weile zum Stillstand bringt. Jammernd, fluchend, weinend umstehen die Besitzer de» Wagen, ratlos, was sie mit ihm und der kostbaren Last in de? hereinbrechenden Nacht mitten am Wege be- giimen sollen. Schließlich wird ein Teil des Holzes auf den Rücken, ein anderer unter den Arm genommen, um es so nach Haufe zu bringen. Ein« bleibt bei dem twrunglückten Vehikel zurück, um es zu bewachen und wenn nötig gegen Vonüberckonrmende zu vertei- digen. falls die. in ikster Gier dir Gelegenheit benutzen sollten, ihre Beute zu bereichern und ihre Last noch zu erschweren. Tagaus tagcin werden auf diese Wciie Taufende und aber Tau- sende Kilo Holz entwendet und nach der Stadt geschleppt. Tagaus tagein ziehen so aus der Umgebung Wiens endlose Züge, einer Ket'.e ohne Ende gleich, stadtwärtS und uüeder hinaus. Bleich und hohl die Gesichter, aus denen der Hunger und die Entbehrung von vier Kricgsjahren sprechen. Eine Entbehrung, die das Jahr des„Zric- Pens", das tönen folgte, noch verschlimmert, ja unerträglich gemacht bau In Lumpen gehüllte Frauen und Kinder, vielfach barfuß oder nur mit den Resten eines ehemaligen Schuhwerks belleidet, das mir Stricken zusamniengehalten ist! Männer, Skeletten ähnlich, in alten Uniformen, die jetzt ihren estizigen KIciderbesitz bilden. Die Gemeinde hat anfangs versucht, den Holzraub zu verbieten und diesem Niederreißen-der Wälder entgegenzutnirken. Ohne Erfolg. Niemand hielt sich an das Verbot und niemand war bereit, dem Verbot Respekt zu verschaffen. Das Ende davon war, daß d'e Gemeinde schließlich spezielle Trams zur Verfügung stellte, mittels deren die Leute das Holz, daS sie sich angeeignet haben, nach Hause bringen können.... Trams, die freilich nur in geringem Maße der „Nachfrage" genügen und deretwegen Schlachten geliefert werden, um ein Plätzchen in ihnen zu erobern. » Wien wird doppelt vom Tode bedroht. Durch den Tod als Folge des Hungers und durch den Tod als Folge der Kalte. Und so entsetzlich ist der Mangel an Brennmaterial,- daß man das Ersuchen an mich gerichtet hat, nur solche Lebensmittel zu schicken. die nicht gekocht oder nur kurze Zeit aufs Feuer gestellt zu werden brauchen, um genießbar zu sein. Edo Fimmen. GroßlVerllu Sonderlehrgang für Arbeiterinnen. Ausbildung für beruslickw Arbeit in der Wohlfahrtspflege. Am Sonnabend nachmillag 6 Uhr findet in der Sozialen Frauenschule Eharlvttenburg, Barbakossastr. 65, die Eröfsnungsfeicr des halbjährigen Sonderlehrgangs für Arbeiterinnen statt. Der Unterricht beginnt am Montag, den 12. Januar. Es darf hierbei daran erinnert werden, daß die Wünsch? der arbci- tenden Frauen schon sehr lange daraus gerichiet sind, in größerer Zahl' ehrenamtlich und beruflich in die öffentliche Wohl- sabrispflege eintreten zu können. Unter dem alten Regierungsshstsm würben ihnen die theoretischen und praktischen A usbi I durrgs mögl iw- leiten vorenthalten. Nur wenigen, besonders starken Persönlich- leiten gelang es, in das der weiblichen Eigenart so ganz ent- sprechende Gebiet einzudringen. Für den Besuch her sozialen Frauen» schulen war(und ist noch) eine höhere Schulbildung Vorbedingung. Außerdem erschwerte das preußische Fürsorgegcsetz durch die Vor- schrift des Staatsexamens in der.Kranken- und Säuglingskranken- pflege den mittellosen Frauen die Lausbahn ganz bedeutend. Deshalb ist es richtig gehandelt, wenn laut'Beschluß d« Lei- tung dieses Sonderlehrgangs nur Frauen und Mädchen zugelastrn wuxdeu, die der Arbeiterklasse angehören und ihm Schulbildung in der Volksschule«halten haben. Ebenso selbstverständltch ist es auch, daß die Schülerurnen während des Halbjahrs namhasie Boi- hilfcn zu ihrem Lebensunterhalt beloprmen. Das Geld wird von den verschiedenen Ministerien und den Gewerkschaften gegeben. Der theoretische Unrerrichtsplan umfaßt: Volkswirtschaftslehre und Büvgertunde; Pädagogik, Äleinklnder- und Jugendwohlfahrt; Allgemeine Wohlfahrtspflege; Hmterbliebenmlfiirsorgc; Soziale Hvgione mit besonderer Berücksichtigung der Jugendlvohlfahrt; So- zialpolitit, msbesimdere Vlrsicherungswescn; Berufskunde; Organ i- sationslehre; Familien rech; mit besonderer Berücksickstigung der Jugendwohlfahrt; Arbeitsbefprcchiingeu au§ der pflegerifchen Tätigkeit. Lehrer sind: Frl. Äcargaret Barth, Fran Dr. Emmi Berg- mann, Dr. Margarete Bereut, Stadtrat M u t h e s i u s, G:- wcrkschaftssckretär Hermann Müller, Dr. Alice Salomo» und Frau Siddh W r o n s k y. Die theoretische Unterweisung wird in der Regel an vier Vor- mittagen erteilt. Für die Unterrichtsstunden werden Aufgaben gestellt, für die die Rachmittogsstunden und Abendstunden zu ver- Ivenden sind. Au den beiden anderen Wochentagen findet die An- leituug in praktischer Arbeft stari. Jede Schülerin wird zu diesem Zwecke ein« Fürsorgeftelle für Kriegshinterbliebene oder einer Organisation der Jugendnwblsahrt überwiesen, in der sie helfend Die Märchen des Steintlopferhanns. 7s Von Ludwig Anzengruber. Abseits standen die Weibsleute und wußten nicht, sollten sie lachen oder erschreckt tun, denn die Männer arbeiteten sich ganz rechtschaffen ab. freUich ohne Nutz, und tattweis' war'S immer ein Streich, wenn ihre Arme durch die Lust fuhren, und keiner zeigte eine Falte rm Gesicht— der Augenblick war zu ernst.. Hiptmel, wie erschraken sie und wie fuhr die.Kette aus- einander, als plötzlich ein greller Pfiff ertönte, als sollte«S der Maschine an gar nichts fehlen. Ta war niit einmal die ganze Maschine hübsch in alle Teile zerlegt.— Die Weiber lachten wie toll, und der letzte, der sich unbemerkt dem Zuge angeschlossen, der suchtelie noch fort und fort mit den Armen, schnaubte wnd stieß dann wieder jenen schrecklichen Pfiff aus. Jetzt aber lachten alle und riefen:„Der Stcinklopfer- Hanns'" Der war es auch, er ließ setzt die Arme sinken, stellte die Arbeit ein und sagte:„Grüß eng Gott! Hab' schon g'meint, ös sevds alle miteinander narrisch word'n." „Ah na." sagte einer. ,was d' g'selm hast, dös war nur die Mäblnaichin' von drüben, vom Herrn Grafen, wie st uns der reiche Lois erklärt hat." Man sieht. Undank ist der Welt Lohn: daß der arme M elcher sie mit aufgeklärt hatte, daran da äste keiner mehr. JAb." tagte der Steinklopferbonns,„dös war also die Mähmaschin'!? Na. is a schon'* G'spiel!" „Ich find' nix Lustig's an so einer Maschin'" sagte ein Tagwcrker,„dös bringt uns noch um unser Ärot: was der- bleibt uns hernacher? Dem feurigen Untier nachrennen und die Garben binden. Selb' werden s' a bisiel Müh' nennen gegen früher und a nur a bisse! Lohn zahl'n woll'n dafür." „Freilich wohl." sagte der Lehnerferdl. das war auch einer vom Tagwerk und nebenbei im ganzen Ort als ver- wegener Bursche bekannt, war keine Rauferei oder kein Un- fug ohne ihn.„Freilich wohl," sagte der,„so kommt's und anderscht nit. Ich wüßt', was man tun sollt',»her ös seids lauter Letfeig'n und eins allein rickt' da nix. Hinüber sollt' man, mit des Grafen Tagwerkern sollt' man reden, mit ihnen Übereins werden und die höllischen Maschinen herauöh.sten aus'm Stadel und zurichten, daß s' kein Teufel mehr auf- gleich bringt." „Und d' Schandarmcric?" warf einer bedenklich«in. „Ho," sagt der Lehnerferdl,„wegen der besinn' ich mich nit lang, bis sie kommt, ist die Tenne rein, dö Arbeit vorbei: folgt's mir, dö soll'n die wenigsten von uns erwischen. Mir woll'n keine Maschinen, hitzt is's Zest, daß man ein' Weiser gibt, eh's zu spat wird und z' viel schon in der Gegend sein, als daß man s' auf ein' Streich abtun könnt. Nit wir Tag- löhner allein, a Bauersleut' vom alten Schlag mögen die Maschincnwirtschaft net. Arbeit' so ein Großer billiger, so druckt er alle Klein' mit'n Preis." „Wohl, twhl." sagten mehrere, die Keine Wirtschaften hatten. „Wer weiß, was uns so a Mafchin'zeit alles noch brächt'? Hat'S doch der reiche Lois selber g'sagt, man traut sein' eignen Augen kaum, was man hitzt alleS mit Dampf be- treibt." „Was frag' ich danach," sagte der Steinklopferhanns, „eins können s' doch nicht mit der Maschin'!" „Was?" fragte der Lehnerferdl. „Leut' in d' Welt setzen," sagte der Steinklopfer., „Du bist allweil der unzeitig' Spaßmacher," schrie der Lehnerferdl.„Allmall Mit dir können s' auch noch fertig werden, die Steiner werd'n st doch mst Dampf verschlagen können?" „Tatens vielleicht eb schon lang," lachte der SteinKovfer. „wann sich nur die Kohlen dafür auszahlten. D' Mcn'chin kann dock nit. wie ich. nebenher betteln oder ins„Basteln" und Aushelfen»gehn?!" „No spaß du, ho spaß du," ärgerte sich der AufHetzer. „Besser ein lustiger Spaß als ein trauriger Ernst," sagte der Hanns,„wie einer is, in den du die Leut' hineinhetzen möch'st? Dir wär' doch nur zu tun um den Wirrwarr und um das Gaudium, wenn alles drunter und drüber ging, so weit kenn' ich dich, und wenn du sagst, die Schändern' sollten die wenigsten fangen, so mein' ich selber, daß sie nur die g'ringsten erwischen mächten, du wärst schon lang übers Eck. Und was wär''leicht damit gericht'? Kennen die Maschinen dcßtwegen nicht ins Land? A wohl, wer st braucht, der ruft s', und da sind s'. Halt' einer ein' Eisenbahnzug auf! Der bringt st hergeführt, und wollt' st unsereiner hab'n so a Ma- schin', möcht' st kein'm g'fallen, weim man ihm's möcht' in Uebel aufnehmen, daß er sein Geld drein legt. Aber Blitz h'nein, was red' ich euch, mir stiegt kein' Maschm' net auf und euch tut sie's auch nit. Oes Lallt, verstund's was davon, so wüßt's, selb' kann'in Grafen dreisten von Nutz' sein, aber da für kein' Bauer gibt's a Masckiin', die überm krumpen Erd- boden. über die Lehnen und Anstieg' hinaus und hinunter was ansricht'. Kind und Kindeskinder verleb'n wohl nach euer Tagwerk erlebstt, für dös ös eng so wehrt-, eh dös anderschter wird. Aber nachater kinrmt a Zeit, wo noch kein Mensch a Idee hat davon, als wie ich, der Steinklopferhanns, denn mir is's die vergangene Walpurgisnacht auf' gangen wie dös Buch, mit die sieben Siegeln: no, ös wißt's, ich bin a Ncusvnntagskind, für unsereins Hat'S kein Geheimnis in die Raunächten, s' ganze Fahr über und danach a noch net." Einige stießen sich leise mit den Ellbögen an und lachten einander zu, andere aber, die noch abergläubig waren, blickten bcimche ehrfürchtig airf den Steinklopferbanns hin, da er ver- sicherte, daß es für ihn kein Geheimnis habe,.,s' ganze Jahr über und danach a noch nit". Da aber der Hanns während dieser Zeit des ehrfürchtigen Schweigens das Maul zutat, als ob er's nimmer aufmachen loollte, so fiel diesen gläubigen Seelen ein Stein vom Herzen, als ein vorlauter Bursche, aus der Zahl derer, die meinten, der Hanns sollte eigentlich Prahlhanns heißen, mit der Frage losbrach: „No, und was war denn zu Walpurga?" „Bist recht vorlaut für dein Alter," sagte der Steinklopfer. „Was geht's dich an? I mag's seit der Zeit nit leiden, daß man über d'Maschin schimpst." „Verzähl doch, Steinklopfer. verzähl," rief es jetzt von allen Scsten. „Dös Hab' i mir eh' denkt," sagte der Angerufene,„daß ös mir wieder eine von meinen wahrhasten G'schichten'raus- bräteln wöllts, um hinterdrein z' sag'«, es wär' alles d'erlog'n und aus'tipfelt. Gleichwohl liegt mir nix dran. Lost's zu." lLorts. folgt.) an alle» Aufgaben teilnimmt und' dabei systematisch angeleitet wit& Die Zeitung des Lehrgangs liegt in den Händen eines Aus schusseS. der sich aus den folgenden Personen zusammensetzt: IlnterstaatSsekretär Schulz. Dorothea Hirschfcld, Helene Weber, Geh. Ober-R«g.-Nat Dr. Pallat, Carl Legten, Margarete Silber mann, Margarete Wolff, Marie Juchacz und Dr. Alice Salomon. Die Soziale Frauenschulc von Alice Salomon ist die älteste dieser Art. Die Idee ist geboren aus der frühen Erkenntnis, daß die Stärke der Frauen vorwiegend in de: sozialen Arbeit liegt und datz die Berufenen durch eine entsprechende systematische Ausbildung fähig gemacht werden können zu umfassendster Arbeitsleistung auf diesem so wichtigen Gebiet. Der Krieg mit seinen Folgen, die in unserer Arinut und dem wirtschaftlichen Niedergang einen so schlimmen Ausdruck finden, erheischt die Zusammenfassung aller Kräfte, nicht zuletzt auf dem bedeutend erweiterten Gebiet der .Wohlfahrtspflege. Möge dieser Sonderlehrgang und die etwa noch werter folgenden dazu bettragen. Wir sind aber auch weiter der Anficht, daß wir dabei nicht stehen dürfen. Der demokratische Ausbau unseres Schulwesens darf vor den Frauenfchulen nicht Halt machen. Jedem dazu befähigten Menschenkind muß diese Ausbildung ermöglicht werden. Geht eS nicht gleich auf der ganzen Linie in wünschenswert schneller Weise vorwärts, so muß durch gesetzliche Vorschrift die Berechtigung für ehemalige Volksschülerinnen zum Eintritt in die Frauenschule ge- schaffen und für den Unterhalt müssen Fonds für Stipendien bereit. gestellt werden. Städtische Wcihuachtöspende au Minderbemittelte. Der Stadtverordnetenausschuß zur Borberatung des Antrages über die Gewährung einer besonderen Weihnachtsspende an die minderbemittelte Bevölkerung von Berlin hat folgenden Antrag der Genossen Keys« und Ewald angenommen:.Der Magistrat wird ermächtigt, zur Gewährung einmaliger Unterstützung an be sonders bedürftige Familien der Stadt Berlin eine Summe bis zum Betrage von!>/, Millionen Mark aufzuwenden. Bei der Unter- slützung find in erster Linie kinderreiche Familien zu he- rückstcktigen. deren Einkünfte hinter den Bezügen der Erwerbslosen zurückbleiben.- Der Ausschuß war aber damit einverstanden, daß auch Erwerbslose mit kinderreichen Familien berücksichtigt werden. Beschwerde« über Kohlenlieferung. Der Berliner Magistrat teilt mit: Der Mangel an Kohlen, unier dem die Bevölkerung so emdfind- lich zu leiden hat, macht den Kohlenhändlern eine gleichmäßige und gerechte Verteilung� der knappen Vorräte zur unbedingten Pflicht. Trotzdem hören die Klagen über ungerechtfertigte Bevorzugung von Kunden und Verschieben von Kohlen durch einzelne Händler nicht auf. DioKohlendeputation deSMagrstrals Berlin. Spandauer Str. 10. bittet, nachweisliche Verfehlungen solcher Art zu ihrer Kenntnis zu bringen. Der Magistrat ist entschloffen. gegen pflichtvergessene Händler mit allen zu Gebot« stehenden Mitteln einzuschreiten, und wenn nichts andere« übrig bleibt, ibre Geschäfte zu schließen. Leider find die Angaben, die den zuständigen Stellen gemacht werden. meistens so allgemein gehalten, daß ein Einschreiten nicht möglich ist. Aussicht auf ein erfolgreiches Vorgehen kann im Einzelfalle aber nur dann bestehen, wenn möglichst genaue Mitteilungen ge» macht werden. Anzeigen, die anonym erstattet werden und in denen auch nicht Zeugin namhaft gemacht find, find in der Regel völlig wertlo». Wie man zur Abfuhr von«.'13 Zentner Kartoffckn drei Wagen gebraucht, ist uns rrichi ganz klar. Im übrigen erwarte« wir immer noch die Auskunft des zuständigen Ressorts im Lebens- mfttelamt._ �Angestellte von Kriegsgesellschaft ausgeschlossen!" Man schreibt unS au» Angestelltenkreisen: Ein Berliner Blatt enthält folgendes Inserat: »Jüngere. tüchtige Kontoristin,... nsw. Conrad u. Schumacher, Berlin- Schöneberg. Kaiser-Wilhelm-Platz 2. KriegSgescllschaft aus« geschlossen." Wo« denken sich denn die Herren? Sollen die Angestellten der aufgelösten oder in Auflösung begriffenen KriegSgeiellschasten fortan stellungslos Aleiben? Zuerst hoben die Herren Mittel- r—« parteifuuktioaäre, Setriebsvntrauevsleute, Angestellten- u. Seamtenvertreter, firbeiterräte üecS.P.V. l Wichtige Funktionärversammlungen am Sonntag, üen U, Januar, vormittags 10 Uhr, im Kriegerverciushaus, Chausseestr. 94. Desgleichen am Montag» öen 12. Januar, adeuüs 6 Uhr, tu d« Germania-Säle«, Chanffeeftr. HO. TageSordunug: Das Betriebsrätegesetz. Zutritt zu diesen Versammlungen haben nur die mit grüneit Answeiskarten und Mitgliedsbüchern v«seheneu Funktionäre. Soweit wie die in Frage kommenden Genossen nicht im Lefitz der gültigen Answeiskarten sind, wird darauf hingewiesen, daß die ÄbteUungSführ« und OrtSvereinsvor- fitzende» der Partei diese Karten ausgebe». Es werden alle Parteifunktionäre und alle Vertrauensleute zur Teilnahme auf- gefordert, damit jeder in der Lage ist, über den Verlauf der Beratnugeu Leu Genosse» Bericht erstatten z» können. Der Bezirksvorstand. Untersuchung der Jüterbog-Schiebungeu. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, bat das Reichs« wshrministerium über die auf dem Schießplatz Jüterbog aufgedeckien Hinterziehungen von Staatsgut eine Untersuchung eingeleitet. Mit der Führung dieser Untersuchung ist ein General ll?) beauftragt worden, der sich bereits an Ort und Stelle begeben bar, um sieb über die erforderlichen Maßnahmen zur Verhin- derung weiterer Entwendungen von Staatseigentum schlüssig zu werden._ Ter Achtstundentag des Waisenjungen. In Oberschöneweide erregt es seitjürngerer Zeit großen Unwillen, daß der Siemenöstr. 10 wohnerri* Schmrebemeister Be her zwei ihm von der Berliner Waisenverwälwnq in die Lehre gegebene Waisenknaben regelmäßig weit übet die achtstündige Arbeitszeit der Gehilfen hinaus beschäftigt. Da die Waiserkrnder der Stadt Berlin nach altem Brauch als Lehrling« ihren Meistern auch in Kostpflege gegeben werden swovon man einen besonderen.er- ziehlichen Einfluß" erwartet), so macht sich die Ueberschreitung der Arbeitszeit ziemlich einfach. Wenn ein solcher Meister Lie Ge- sellen nach Hause geschickl hat, setzt er selber die Arbeit in seiner Werkstatt fort— und mit ihm haben'die.zu seiner Familie ge- hörenden" Waisenjungen weiterzuarbeiten. Bei Meister Beyer wird von der Nachbarschaft seit Monaten beobachtet, daß die beiden Waisen— junge Burschen im 17. und IS. Lebensjahre— oft v o n morgens n7 Uhr bis abends S Uhr im Betrieb!>er Schmiede tätig find. Die Angelegenheit ist längst schon an verschiedene Stellen be- richtet worden, an die Schmiedeinnung, an den Arbeiterrat, an den von der Berliner Waisenverwaltung als.Waisenvater" mit der Aussicht über die beiden Burschen betrauten Lehrer Zimmer in Oberschöneweide, auch an die Berliner Waisen Verwaltung selber, di« nach Empfang eine« Schreibens mit den Unterschriften verschiedener Hausbewohner ihren ErziehungSinspektor Neubauer hmauö schickte — aber bisher hat man von einer durchgreifenden Ab» Hilfe nichts bemerkt. Daß die Anrufung des im Ort« woh« nende» Lehrers Zimmer, der die Jungen auch in der FortbildungS- schule hat, nicht zur Beseitigung der ihm bekannten Zustände ge- führt hat, fällt besondere unangenehm auf. Jetzt verspricht.man sich Erfolg nur noch von einer öffentlichen Festnsgclung dieser Ding« im.Vorwärts", die wir hiermit vollziehen, in der Hoffnung, daß danach endlich Abhtlfe geschaffen werden wird. Es wird sich vielleicht empfehlen, ist« beiden Lehrling« für den Rest ihrer Lehrzeit aui der Kostpflege beS Meist«rS zu nehmen und in einer anderen Familie unterzubringen. Auch sollt« die Waisen- Verwaltung erwägen, ob nicht allgemein mit dem überlieferten-p a» triarchalischen System" der Unterbringung von Waisen. hindern in den Familien ihrer Lehrmeister zubrechen ist., ständler mit allen erdenkliches Mitteln die Ailfhebung der Kriegsgesellschaften erkämpft und jetzt ioll deren Angestellten nunmehr auch die Möglichkeit genommen werden, anderweitig Stellung zu finden. Wenn die obige Firma die einzige wäre mit solcher Anschauung, dann könnte man darüber hinwemehen. Es ist aber leider nicht so. Der Syndikus eines Arbeitgebetvecbandes der Textilindustrie Hot an eine bekannte Kriegsgesellschaft ellenlange Briefe über die.Faulheit" und .Begehrlichkeit" dieser Angestellten geschrieben. Daß die An- gestellten der KriegSorganisationeu von einsichtslosen Firmeninbabern boykottiert werden, ist nicht neu. Nur geschieht eS immer im stillen, odaß man die Herrschaften nicht fassen kann. Die Herren Conrad und Schumacher haben wohl nur au« Versehen au« der Schule ge« vlauderr.— Sache des Zentralverbandes der Angestellten wird es sein, derartigem Boykott einen Riegel vorzuschleben. ES muß energisch gefordert werden, daß ein iolches Verhalten einzelner Firmen, daS gerade heute besonder« ausreizend wirkt, die entschiedenste Zurückweisung erfährt. ES mag jeder über die Tätigkeit und den Nutzen der KriegSgesellschakten denken wie er will, aber eS geht nicht an, ihren entlassenen Angestellten öffenttich die Eristenzberechligung zu bestreiten, weil sie noch der ganz, unmaßgeblichen und parleiisch orienlierten Meinung eine« LrbeitgeberverbandeS„faul und begehrlich" fein sollen. Man mag auch darüber im Zweifel sein, ob unsere Arbeitgeberverbände ge- rode für den Vorwurf der Begehrlichkeit die geeignetsten Instanzen find. stellt Woher komme« die Kartoffeln? Zu dieser Nosiz in der Morgenausgabe vom 8. Januar unS der Rechtsvertreter der Firma folgende Richtigstellung zu: .1. Richtig ist, daß azn 7. Januar vor den Kellereien meiner Zluftraggebevin KartofsOn aufgeladen wurden. ES handelte sich aber nicht um 200 Zentner, sondern lediglich uqr etwa IS Zentner. 8. Die Kartoffeln waren verdorben, aber nicht insolge schichter Lagerung bei meiner Auftrag geberin. sondern sie find bereits auf Sem Transport durch Frost und Nässe verdorben, so daß sie für menschlichen Genuß nicht mehr geeignet waren. 3. Meine Auftraggeberin Bat auf Kartoffelkarten 188 Zentner Kartoffeln mit Genehmigung des Landratz au» dem Kreise Pritzwalt bezogen. Die /chov erwähnten ca. IL Zentner wurden. weil sie aus dem Transport verdorben waren, aussortiert und sind am 7. Januar 1920, wie üblich durch den ständigen Abholer der Küchenabfälle zum Zwecke der Verwendung als Viehfulter abgeholt worden." Lebensmittelverband und Brotkartenschiebungen. Der Gemeindevorstand Lankwitz teilt unS mit: �Jm Mai des vergangenen Jahres wurden von der Gemeinde- Verwaltung Berlin-Lankwitz Zchiebungen mit Brotkarten durch schnelles Zufassen im vollen Umfange aufgedeckt. Durch ungetreue Angestellte gelangten bereits verfallene von den Bäckern am Man- tag früh bis 10 Uhr vormittags abgegebene Bratkartenabschnitt« der vergangenen Woche in die Hände von Berliner Bäckern, die die Marten erst später abzuliefern brauchien und somit in der Lage waren, auf Grund der Brotmarken nochmals Mehl zu fordern. Hier nwtiv. also schon dasselbe Betrugssystem angewandt, wie im Falle Deißcnsce. Der LebenSm sttelverband Groß-Berlin wurde deshalb von de.r«Äemsindeverwaltung seinerzeit ersucht, dahin zu wirken, daß in sämtlichen Groh-BerUner Gemeinden die von den Bäckern abzuliefernden Brotkar.tenabschnitte zu gleicher Zeit ab- gegeben werden sollen. Scheinbar ist der Lebrnsmittetverband aus umer Ersuchen nicht eingegangen. Während im allgemeinen in den kleineren Gemeinden die Abschnitte bis 10 oder 11 Uhr vormittags abgegeben sein müssen, verlangt zum Beispiel Bcrlin-Schöneberg biZ 1 Uhr mittags und Berlin sogar erst bis 11 Uhr abends di: Ablieferung. Dem Lebensmittelverband war demnach schon damals der Weg bekannt, den die Brotkartensckieber veguem geben konnten. Er hat von unserem ihm sofort mitgetsilten Lamwitzer Fall scheinbar keine Nutzanwendung gg-ogen, und somit den Schie- Bern die Möglichkeit zu weiteren Betrügereien gelassen. Ter Lebensmittelverband sollte sich zu diesen Darlegungen, nach denen tatsächlich nicht immer mit der nötigen Vorsicht verfahren zu sein scheint, ausführlich äußern. Beschäftigung der Schüler in den Kohlenferien. Stadtverordneter Genosse Dr. E.Witte schreibt un«: Eer Beschluß der Berliner Deputation für die äußeren Angelegenheiten der höheren Schulen, daß du Schüler der höheren Lehranstalten in dieser und in der nächsten Woche mehrere Male zur Schule kommen sollen, damit ihnen Ausgaben diktiert werden, ist von manchen Eltern kritisiert worden. Em« solche Beschädigung erschien aber notwendig, weil sonst die Schüler zu weit zurückkommen würden. Wenn der Unterricht wieder beginnt, werden die schritt- Irchen Arbeiten, die die Lebrer inzwischen nachgesehen haben, zurück- gegeben und mit den mündlichen Au'gnben durchgenommen. Vor 3 Jahren, wo der Kohlenmangel ebenfollS«ehr groß war bat man eS ebenso gemacht. Eine gesundheitsschädliche Wirkung, die daraus entstehen könnt», daß die Schüler einige Minuten in ungeheizten Zimmern sitzen, ist nicht zu befürchten. Bedauerlich ist es nur, daß in die'er B-zrehuirg die Berliner Schulen und die der Vororie sowie die verschitpenen Schularten nicht gleichmäßig behandelt worden sind. Die Schüler der Berliner Gemeinde- schulen z. B. brauchen nicht in den Kohlenferien zur Schule zu kommen. Wenn wir aber erst ein Groß-Berlin haben, dessen sämt- lich« Schulen einem einzigen Schulkollegrum unterstellt find, so läßt sich«ine solch» verschiedene Behandlung vermeiden. Selbstverständ- lich wird mit der Rechtfertigung der Beschäftigung von Schülern während der Kohlenferien nicht an der ,m.Vorwärts" zum Ausdruck gebrachten Auffassung Kritik geübt, daß die Schulen eine größere Berechtigung zur Ver» sorgung mit Kohlen haben als z.B. V�rgnügungS» lokale. Ranbüb erfülle auf Güterzüge. Em Reihe von Ueberfällen auf Güterzüge in der Umgebung von Berlin auf der Strecke Lichtenberg— Fried richsfelde— Biesdorf haben durch den Tod einet der Täter ihre Sühne gefunden. Die fragliche Strecke liegt in einer größeren Steigung, die die schweren Gut«. züge zwingt, langsamer als sonst zu fahren. Bereits in den letzten Nächten ist beobachtet worden, daß eine Bande von 10 bis 12 Mann die die Strecke durchfahrenden Gmerzüge planmäßig beraubte, Vo» dichcr Tatsache wurde hie Ueberwachungs-Meilung der Eisenbahn- Verwaltung unterrichtet, die einige ihrer Beamte? zur Beobachrung aussandte. In der Nacht rraf ein Güterzug ein, dessen Schluß- Bremser die Meldung machte, daß der eine der Wagen be- r a u b l und er selbst von den Räubarn mißhandelt worden sei. Nuumebr wurde die Stelle, an der der erste Ueberfall stattgesunden hatte, scharf übeuwacht, und als beim Passieren des nächsten ZugcS sich die Räuber wieder zeigten und versuchten, die Wagen de? jährenden Zuges zu erbrechen, wurden sie von den Boamien, die inzwischen noch Verstärkung durch die SichecBeitspolizei erhalten hatten, angerufen und versuchten zu entkommen. Lei der Androhung, zu schießen, blieb einer der Täter, der Schlosser Paul Fechner. stehen und konnte verhaftet werden. Nunmehr eröffneten die Beamten das Feuer, wobei einer der Fliehenden, der Schlosser Karl D e e k e, durchs Herz geschossen tot zusammenbrach. Der erschossen« unh der verhaftet« Schlosser waren auf der Eisenbahn- werkmeistsrei Lichtenberg ibe'chästigt. Nach den bisherigen Fest- stellungen scheint die Bande schon mehrfach Bermchungen von Güter» zügen ausgeführt zu haben. Schuhe für Minderbemittelte. Unter dem Vorsitz des Stadtv. Obermeister Eckerlein tagte im Rathaus der Stadtverordneten- auSschitß zur Vorberatung der MagistratSvorlage über die Beteili» gtaig der Stadt Berlin an der Peichsschuhversorgung G. m. b. H. in Berlin. Diese Gesellschaft, an der das Reich und die Städte München, Dresden, Stuttgart und Breslau beteiligt sind, bezweckt dt« Versorgung der minderbemittelten Bevölkerung mit preiswertem Schuhwerk. Der Ausschuß nahm die Vorlage an und bewilligte die Einlage. Die Rachforschung«ach Hrereöangehörige«. Den.P. P. N." wird von zuständiger Stelle mitgeteilt: Die beim Reichswehr- ministertum einlaufenden Gesuche um Nachforschung nach den Adressen von vermißten oder bei der Reichswehr eingetretenen Heeresangehörigen nehmen in letzter Zeit einen derartigen Umfang an, daß ihre ord» imngSmäßig« Bearbeitung in Frage gestellt wird. Wenn auch den AuSkunsisuchenden, in Sorge befindlichen Angehörigen selbstredend jede Unterstützung zu teil werden soll, so ist doch zu be- rücksichtigen, daß eS" u n m ö g l i ch ist, derartige Anfragen bei den heutigen Postverhältnissen, den sielen Truppen- Verschiebungen, der Unmenge einzelner Dienst» und Ab»- wicklungSstellen und anderes mehr innerhalb achr T a'g e n zu erledigen. Die Nachforschungen erfordern vielmehr zeitraubende Anfragen im H. V. Bl., die oft Wochen benötigen, ehe die gewünschte Auskunft— die dann sofort mitgeteilt wird— einläuft. Alle Evinneruirgsbriefe an bereits eingesandte Schreiben sind aus diesem Grunde völlig zwecklos. Oft werden Leute unrer vollkommenster Angabe ihres Truppenteils gesucht, ohne— daß dieser vorher befragt wurde. Dies verzögen die Auskunft nur. da auch das Reichswehrministerium zunächst nichts tun kann, als beim Truppenteil nachzuforschen. Zum mindesten muß in oll diesen Anfragen Vor» und Zuname, Geburtstag und»Jahr, sowie Geburt«» ort de« Gesuchten auf daS genanesre angegeben sein; eingehender« Nachrichten(besondere Kennzeichen, Militärvcrhölmisse pp.) find sehr erwünscht. Das Ezplostonöunglück im Proviantamt Moabit, über das wir im gestrigen Abendblatt berichteten, hat ein Todesopfer gefordert. Der Chauffeur Flohe ist im Moabtter Kranlenhause seinen Ver- letzungen erlegen. Zwei per Schwerverletzten schweben rn Lebensgefahr. Warnung vor AoSmanderung nach DeutschSfterreich. Jeder nach Deui'chästerretck Auswandernde muß sich, wie die Ausländsabteilung des Kourmänniichen Verein« von 1858 Hamburg schreibt, darüber klar sein, daß ein Einkommen von 10000 M. ungefähr einem Ge- bait von l0--i>0000 Kronen entspricht. Di« LebenSverhällnisse in Deuli'chösterreich find LbeiauS schwierig, z. B. kostet ein Zimmer ohne Heizung, ohne Lickl und ohne Bedienung 150-200 Kronen monatlich. Mitrog» und Abendesien in Gasthäusern 30—40 Ätonetv- für jede Mahlzeit In den Gemeinschaftsküchen kann man aller« dingS schon für 6—6 Kronen essen, jedoch sind die Portionen für einen stärkeren Esser nickt ausreichend. Ein neuer Anzug stellt sich auf 3—4000 Kronen, ein Paar Stiefel lostet 800—1000 Kronen, das Bei'oblen 250—300 Kronen./ Daö Deutsche Overnhau« veranstaltet heute m de« gesamten Fest- räumen des Zoologischen Gartens von ö'/i ab ein Solltest zum Besten seiner Penjionslaffe.. Douristeuveretu»Die Na»»rfreu«de»(Qrtsgruove Cövenlck). Heute, 71/, Uhr: Generalversammlung im„Bayernhos", Eingang Rudowcr Straße. Reukölln. Teilweise Tchiietzuitg des Stadtbode». Infolge Kohleumangels siehi sich der Magistrat gezwungen, vom 12. Januar 8jährige8 Stadtjubiläum. Die Stadt Freiburg im BreiSgau�ist in das Jubeljahr ihres 800jäHrigen Bestehens eingetreten. Für daS Jahr 1928 sind eine Reihe von Festlichkeiten in Aussicht genommen. Hauptfefttag ist der 18. Juli.■ -' Sriefkaften der Neüaktion. Sprechzeiten der inristischen Sprechstunde: Montag, Freitag und Sonnabend 3—2 Uhr; TienStag, Mittwoch, Donnerstag 4—7 Uhr. H.®, 71» 1. Jährliche« Schulgeld etwa 288 M., dazu dle Ausgaben tür Bücher. 2. u. 3. In Berlin und Potsdam(aber städlische, keine staatlichen SozUWemoKratlfcher I �crcln Berlls(S. P.D.)j 35. Abteilung. Nachruf. Am 5, Januar verstarb an l Herzschlag unser Mitglied krlkiMcd Gläser Voltastrage 43. Ehre seinem Andenken! Dia Beerdigung hat de- | reils statrgesunden. 232/10| ver vorstond. Sozialikm.&ablverein (ileiJerDarnim(S. P. v.) (Ortogr. Hohen-Neuendorf) Am Sonntag, den 4. d. M. verstarb infolge eines Un- falles unser langjähriges Mitglied, der Schlosser und Schmied Mtz Mäiilbers im Alter von SO Jahren. Ehre(«wem Anbenkenl Die Beerdigung findet am Sannheg, den II. Januar, nachunuaa« 3 Uhr, von der Leichenhalle des E-mew.de- triedhose» an» statt. Rege Beteiligung erwartet Z4S/II vor Vorstand. Zentroloorei» fit da» Wahl der arbeitende» Klagen. Zur ordentlichen allgemetne» Bersauunlung der Mitglieder Montag, den Z Februar 1420, abend» e Uhr, in Berlin, gen- tralsrclla für Volkswohlfahrt, Augsburger Str. Ol II, mit der Tagesordnung: t Jahres- beruh», 2. Vorschlag wegen Auflösung des gentralverein», S. Degebenen Falle«— Wahlen, werden die Bercingmitglteder hierdurch ergebenst eingeladen. Berlin, den 8. Januar>920, Für d.Borftand, der Borfigeode. Professor Dr. l/rnsi Pranckf. Oeffentliche Versammlung gegen die „Polizeizensvr- am Sonntag, den 11 Jaimar, vormittags 11 Uhr, in den Kammersälcn, Berlin, Teltower Strah«, Ecke Belle-Alliance�Sträße. Ref.: Dr, wenzal Solddana. Die oon der Regierung ge- plame Filmzenfur durch dt» Polizei gefährdet diese» de» Itebtefte Unlerhaltungsmtttel der Massen. 22Z,S ver Sinbarafar. Zaakraloerboud der All«- und Kino- AagehSrtge» veatschlaud». Ver iDewereschcft»»»!. Den Mitaltedern die traurige Racyrichr, dah unser«(Senoffin 320/1 Frida Geltner, Bez. 32, IV. Abt Böhmische Straße 42, vcrstorbm ist. Ehre ihre» Andenke» l Die Beerdigung hat de- rctt» stattgefunden. vor Vorstno». Dr. med. WockeofuB Frießr!cl!Str.l2§b«rÄ Spr. 11-1,«-S, Sonnt. 11-1 Harn- u.Bloiuntersacbung liefert gegen bar und auf Teilzahlung zu billigsten Preisen; Wohnslmmcr Schlafilmmep ttpelac zimmer UerrenBiBimer KarbleeKlicncn HiuzeTae Kübel Größte Rücksichtnahme Yieiere auch n. auswärts Kriegsanl. nehme in Zahlg. Möbel-Cohn Gr. 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D!e Haftsumme vermehrte sich um.... IHM,—„ Die Haftsumme betrag am 30. Juni 1919.. 34910.-. Die vorstehende Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung haben wir geprüft und bescheinigen deren Ueber- elnstlmmung iclt den ordnungemMIg geführten Büchern. ZeUandort, den 14. Oktober 191». 131/19 Die Rechnungsprufungskommission. Otto Müller. W. PaoUck. P. Laach. Oer Vorstand. Job. KrelseUr. B e r 1 i n 204 SW 19, Leip- 1 ricer Sfr. 74 tOflnholtpl Isolierten Kupferdralit, Litzen und Wachsdraht, kauft hOcnstrahlend» Ingcnlcurburtau Scbllchtlag Berlin W 9. Linkstraße 10. Tel.: Lüttow 3705 und 8518. Goldmünzen, Silbermünzen, kauft höchfizahlend• Edelmetall» EinkaufS- bnreau Weberftrnße 31 Tel: Alexander 4243. Ptcssing S.SCZK. Äupfcr 11 SR., 3tnn bis 36 SR.. Romuß 9«. Stet u.Blel Z�OM. per Kilo zahlt nur- Vroilvnen-ölttlviüng vresdener Strafte 14 am Kattduser Tor. Fernsprecher: Moritzplatz 125 23. 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'.g.2Va: Büchse der Pandora. lOends 7; Advent. tdr. Schimspielhaos Rarlstraße. ; Orestle(auB. Ab.) -ig. l'ry. Orestie(N.-A. F, I.V.) Abds.vy.: Oreslie(auB.Ab.J Theater!. d. KöniggrätzerStraße .8 U.: Schloß Wetterstein -unntag nhchin.: Erdjccisi. \h.; DieStützen d.Oesellschait >lontg.:Schl<>EWettersteln Komßdienhaus ■8 Uhr: Sie. ;önntag Nachm.; LIselott. Berliner Theater .13 U.: Bunimcl- Ktudonten in. d. neuen OperetL-Parodie. -tg.N.t Sterne, d.wieg. leuchten Centrai-Theater Fräulein Puch. Ueutaches Opernhans IV.: Die Tribüne v.u.: Franziska. Eden-Tbeater 1%:„ü. A. w. g" lArledr.-WIlhelmst.Th. '/»Uhr: Gretchen. Kleine» Theater. Lhr;-------------- Kl. Schansplelhaas. ,7. u: Die unberührte Frau Koiuisehe Oper ■/4u:Dichter!iebe. Stg. 3>/j: Schwarzwaldmädel. I.ustspielhaus Arnold Rieck in: �JerCroßstadt-itavalier Metro pol-Theater. 7 10 Uhr: Sybiil Sonnt 3.20 U.: Charleys Tante mit Thielscher Venes Operettenhaas. 7.15 u.: Die kleine Roheit. Stg. ZI/z: Die keasche Susanne. �chlller-Theat. Charl. .! Verschwörung des Ficsco. A Die Tür ins Freie. Thalia-Theater pi3 u: Die närrische Liebe mit Oskar Sabo a. G. und Ferry Sikla a. Q. Th. am Nollendorfplatte ö1/. Chr: La Travlata. 7V. Uhr: Dcf'PiefQstfCeJbte Theater dee Westens 4 Uhr: Max und Moritz. 7./-v.- MknuivRemeiiil Stg. z>/,: Die lustige Witwe. Wallner-Theater Eine Ballnacht. Sonntag 31/.: Die Oelsha mit Magda Almo. Residenz-Theater. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: Max und Moritz. Täglich 7Vi Uhr: Evdien Humlireciit. Sonntag 4: Per gute Hui. ...... h 4 U.:~ Mittw och' Rotkäppchen. frianon-Theater. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise; Ullnsel and Kretel. Täglich 71/, Uhr: jKaskerade. Sonntag 4 Uhr, kleine Preise: Johannisfeaer. Mittwoch 4: Max und Moritz. Rose-Theater. »1, Uhr: 1001. Nacht. 7V, Uhr: Die im Schatten leben. Walhalla-Theater. VI, Uhr: Die Csärdäsfürstin. Olvinpia-Theater (Iruber Voigt, Badstr. 38) Täglich abends?>/- YerhBlratBte JiinggBSBllEn. Große drelaktige Posse. Dazu Spezialitäten» Casino-Theater Lolhringerstr.ä?. Tägl.'/,8U.: Der Schlager der Spielzeit. Schniepels Lene Berliner Volksstück in 3 Akt. Dazu der Operetten-Sketch ..Brwlscht'* m. Viktor Litzek. ■Sonntag V/,- Frohe» Fest. 0 RIENT Volksbühne Theater am Büiowplatz. 7' Uhr: Paul Lange und Tora Parsberg. Lessing-Ttieater. Direktion: Victor Barnowsky. t«/. uhr: Pygmalion. Sonntag P/a: Hölle, Weg, Erde. DeutSBhES Kiinsfler-ThEülEr Cyprienne, (Konstantin, Götz, Walter.) OoHsttaff-SunS— AHluuVstr. 95 �Wijlklimmkiiftjtr für«ufrrf$finihfljrfr| Sonntag, 11. Jan., abds. V-8 Ahr, fcarniionfittbe 1 äSitottfeube: Pattla Weber(Gefang), Ernst Pelz((TcUo;| Otto Priebe(Orgel), Dr. Bruno Wille(Anspracht) 7 | Aua dem Prvgramm: Zärohms, vier ernste GesSuge j Abendkais?_ 19/4'__ Eintritt 50 T>f. Schall u. Rauch Im(iroöen Schauspielhaus Karlstr� Schiffbanerdaram. Oussy Holl Mady Christians Paul Graetz Frledr. Hollaender Hilde Gad Hubert von Meyertnk Ann Heusinger Olli Sudahti Fritz Feld Karikaturenfilm von Trier Eröffnung 7J/j, Beginn fP/a v. Apollo Theater Dir.: James Klein Priedrichstraße 218| 7Vs Am Montag, 12. Ganuac, 7.15 Ahr: Zum 85?�» TNnle: Dummel- Stndente« mit der neuen Gprrettenparodte im Lerlitter Cheater. Großes Schauspielhaus Allabendl. u. Sonnt, ß'/j I unter Mitwirkung der berütimiesten Rennfahrer wie: f.oreiiK. Pawke, Techmer, | um d. Meisterschaft| auf Bühnen- 1 Trainer-Apparaten, 20 000 Preise. 4 UesaemB, I Sensations-Akrobat.| Carrun. J tollkühne Vorführg. | a. schwankend. Mast,] Heros. der weltberühmte Kraft-Jongleur, J u. weitSensatlonen! | Keine Preiserhöhung: Sonntags 3'l, jeder Erwachs. 1 Kind frei Sonntag, 11. Januar, nachm. 2'/zUH? letzte Nachniittags-?iufftiHrung z. halb. Preis. die Grestie Regie: Max Reinhardt. Sauptroff en: Alexander Moisst, Maria Krämer. Paul Harmiaun, Else Heims, Gustav Czimeg, Joses stlem, Maria Fein, Frist Richard, Harald Paulseu, — Friedrich Mhue. Preise D. PI. M. 2 bis 1Ü. Billetts: Kasse d. Theaters, A. Wertheim u. i. Znvalidendank C'trmJbisck 7llt: Gr. Circus-Progr.I Ü. a. Burgos-Co» Resua u. Ass. 2 Lansons. O'Leary. 9 r. Aphrodite Wiener Restaurant Inh. JOSEF ZOLLER Berlin-Cbarlottenbg., JoachimsthalerStr. 41 1 Fernsprecher; Steinplatz 8021) nahe Zoo) zwischen Kantstraße und Kurfürstendamm. Versteigerung von Kraftwagen und Gummibereifung! vorausstchtlich am 19. Zonuar 1920 und eveutL au den solgendeu Tage» studet de! dem Reichsverwettuugs- an:f, Verkmifsabteifung für Automobilwssen(„Bau birst, Serlin-Temprlhol, Wettinerforfo, 9 Uhr vormittags de- ginnend, eine öffentliche Persteigerung von zirka 118 Fahr- zeugen statt Sur Versteigerung gelange»: 73/15 ca. 115 Lastwage»(repariert und un- repariert), 1 Fahrgestell; ferner: ein Posten neuer«. gebrauchter f h-j-t-f. russ.Vvllgummibereifung sow.»x/' ein Posten Leder-Protekteure I Verzeichnis der Versteiaeruttgsobjefte nebst Einzelheiten Uder die Versteigerung ist vom 12. Januar ad tu der Filiaii Berlin-Tempelhof zu erhalten. Doriseldft können die Odsekte am 15. und 16. Iamiar von SVa Uhr vormittqgs bis 3 Uhr nachmittags, am 17. Januar von 8»/, Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags gegen Hinterlegung einer Vietetantio» insHöhe von 500 3)7. in dar pro Person besichtigt werden. Ohne Hinterlegung der Biete- taution fanu das Gelände der Filiale am 15. bis 17. Januar sowie an de» Tagen der Versteigerung nicht bettete» werde:» Die Bietelautionskarte der vorigen Versteigerung hat leine Gültigfeit dieselbe muß neu gelöst werden. .Kriegsanleihe wird nur von solchen stänfern in Zahlung genommen, die den lückenlosen Nachweis liefern, daß die in Zahlung angebotenen Stücke aus ihren eigenen Zeich- mtugen herrühret» Der Nachweis ist den Stücken bsizu» fügen. Er ist durch eine eidesstattliche Ertlärung der Zeich. nungs- und Vermiitlungsstelle unter genauer Nummern- anfgade auf den vorgeschriebenen Vordrucken beizubringen. Diese Bordrucke sind bei der Filiale erhältlich. «n Zahtung.statt angenommen und».rechnet ntechcn: 1. Zum Nennwert: a) die 5 prozenti gen Schuldverschreibungen aller Kriegs- anleihen ohne Unterschied, d) die 5 prozenttaen Schastanwetsungen der L, 2. und 3. Ariegsanleihe, c) die TV- prozemiaen Schaßanwelsungen der 7., 8. und 9. Ltriegsanlelhe; 2. zu SN/, Proz.: d) die 4>/,prozentigen Tchaßanweisungen der 4. und 5. Kriegsanleihe(Ausgabe 1918). Sie Sezahlnng der Vereisung hnk in dar zn erfolgen. Der Betrieb irgendwelcher Geschäfte ober das Feilbieten irgendwelcher Gegenstände auf dem Versteigerungsgelände ist nicht gestattet. Verlln-Tempethof, den 8. Januar 1920. Reichsschatzmiuisterium. Neichsverwertungsamt. Verkaufsabteilung für Automobil- Wesen(„Vaubil"). l«obel Kur oder Kredit 1- n. Ä-Siulien-Einriflitungen. JKunte Küchen, Heppen-, Speise-. Schlaf aiiinimer In großer Ausw ahl zu kulanten Zahlungsbedingungen. Möbels Groß, Gr. Pranklurter Str. 141 . InTiiHdenstraße 5, Einganz Ackerstrade.. j[ Sleisenariiie� Zahn 5 M. und höher, in Platin Ql— aSra 0-r_ mm 100 M. u. höher. Mal-Brenn- B■«■«.ISl stifte, Kontakte, Krarnhons, Drähte, Tiegel. efter Schmuck usw. Höchste Preise. W"l" Knill Telohler, BelIeallianceplatz6a,H.prt. Zur Preußischen Mafseu Lotterie Ziehung der 1. Klasse 13. nnd 14. Znnnnr 1920 offniccc'a'-'j__Vj_ V» Los und Potto 42,— 21,— 10,50 3.25 20 Pf. rhal««nc Preutz. 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S:e billigt, daß an die Erteilung der Ausfuhrgenehmigungen die Bedingung der Abführung von Devisen geknüpft wer- den soll. Zur verstärkten Einfuhr ausländischer Rohstoffe und zur Erhöhung der inländischen Produktion sowie der Ausfuhr hält die Kommission den Weg der Veredelungskredite für sehr deachtenswert.. Um ihn zu erleichtern, empfiehlt die Kommission den Erlaß er- gänzender. gesetzgeberischer Vorschriften, welche dem Kreditgeber das Pfandrecht an der Ware auch währeitd des VerarbeitungS- Prozesses gewährleisten. 6. DaL einzige durchgreifmde Mittel, auf die Dauer zu einer Besserung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse und der Valuta zu gelangen, liegt in der Förderung der inländischen Produltion, die in erster Linie nur durch«ine gesteigerte Arbeit dcS ganzen Volkes erreicht wenden kann. ES muß nicht nur überhaupt mehr gearbeitet werden, sondern auch mehr als in den Ländern, die den Krieg gewönne,', haben. Eine vemugertr Arbeitszeit wirkt um so unheilvoller, als die Leistungsfähigkeit starke Einbuhe erlitten hat. Die Kommission ersucht die Regierung, sofort die Initiative zu ergreifen, um durch die Presse und alle Berufenen, insbesondere die Arbeiterführer, eine dahingehende sachliche, allgemein verständliche Aufklärung in jede Arbeitsstätte zu tragen. 7. Der zur Zeit vorhandene erschreckende Rückgang der inländischen und gewerblichen Produktion beruht wesentlich auf der man- gelnden Kohlenförderung und der durch die Transport- Verhältnisse bedingten mangelhaften Verteilung der Kohle. Die Beschaffung von geeigneten Wohinjelegenheiten für die Äohlenarbeiter ist zum Zwecke der Erhöhung der Kohlenproduktion zu beschleunigen. ES ist zu prüfen, ob nicht durch Auffchließumz neuer Läger eine Ausdehnung der Braunkohlenerzougung erzielt werden kann. S. Die Kommission empfiehlt für alle Gebiete der Wirtschaft, insbesondere hinsichtlich der landwirtschaftlichen Erzeug- nisse eine Prüfung der Frage, inwieweit die behördlich festgesetz- ten Preise im richtigen Verhältms zueinander stehen und einen an- gemessenen Ersatz für die Unkosten der Produktion enthalten. Die Kommission lehnt die vielfach erhobene Forderung der Anpassung der Inlandspreise an dia Weltmarktpreise ab, da die Durch- führung dieser Forderung eine Schraube ohne Ende bedeutet und zur Katastrophe führen muß. Tie.Kommission sieht eine straffe Grenzkontrolle alS.Voraussetzung einer Differenzierung zwischen Inlands- und Auslandspreisen an. Die Sklarz-Untersuchung. Der do» der Sozialdemokratischen Partei eingesetzt« Unter' suchungSauSschuß ist am Freitag zu einer Sitzung zusammengeireten- e» wurden mehrere Zeugen vernommen; die Vernehmung wird am Sonnabend fortgesetzt. Die Prozesse, die zu dem Fall Sklarz lausen, vermehren sich beinahe täglich; biSber hat Sklarz über Ä) Zeitungen im ganzen Deulkchen Reiche verklagt. In der Sache über eine angebliche Prämie für die E r m o r- dung von Liebknecht und Luxemburg ist Sonnenield jeiiior die öffentliche Beleidigungsklage zugestellt worden. Der Irieöensschluß. Sonnabend mittag werden in Paris, wie es nunmehr bestimmt bestätigt wird unter feierliche« Aufwand die Ratifikations- Urkunde» über den Frieden mit Deutschland ausgetauscht. Bau diesem Zeitpunkt an defindet sich Deutschland endgültig im Friedenjzusta n d. Das bedeutet einerseits für unS eine Erleichterung, weil wir damit endlich aus der 14 Monate währenden Ungewißheit hinsichtlich unserer Stellung in der Welt �herauskommen, andererseits treten zu diesem Zeitpunkt die ungeheuerlichen Per- pstichtungea in Kraft, die der Bersailler Friede» dem deutschen Volke auferlegt. Der 40j ihrige Marsch durch die Wüst« beginnt. Daran wird auch dadurch nichts geändert werde», daß die Entente zu einer nachträglichen Revision der besonders drückenden Bestimmungen des Friedensvertrages vielleicht geneigt ist. Was Teuischland über ein sehr niedrig gehaltenes Existenzminimum nn überschüssiger Kraft aufzuweisen habe» wird, wird die Entente für sich beanspruchen. Dieser Frieden wird in Deutschland nicht durch feierliches Glockengeläut eingeweiht«erden. Es besteht kein Anlaß zu Feftstimmuag. Im Gegenteil. Auch«it dem Friedensschluß ist die Zuluast Deutschlands noch vollkommen verschleiert. Es bedarf der Anspannung aller' Nerven, der äußersten Ausnutzung aller produktioaSsöhtgen Kräfte unseres Bolle«, wenn mir erreichen wollen, daß wir, den nächsten Hauptabschnitt deS Weges, den Teutschland gehen muß, ohne ernste Erschütterungen und Gefahren zurücklege» käimea. Mit de« Friedensschlüsse werden wir«it allen bisher feind- lichen Mächten wieder in wechselseitige diplomatische Lezirhuugeu treten. ES steht zu erwarte», daß wir schon in den nächste» Tagen die Geschäftsträger der verschiedenen Ententemächte bei uns in Berlin ihre Tätigkeit aufnehmen sehen. Zu einer Rote, die Herr Elemenceau am TonaerStag dem Vorsitzenden der deutschen Friedensdelegation in Versailles hat zu- stellen loffrn, w'rd mitgeteilt, daß die interalliierte Hohe Kom. Mission für die besetzten rheinischen Gebiete, die Wiedcrgutmochungttommisfioa und die interallnertcn lieber- wachungsousschiiße in dem Augenblick, in de« der Friedensvertrag »n Kraft tritt, ihre Tätigkeit aufnehmen werden.— Da der Jriedea�vortrag mit dem«»»tausch der Ratifikationsurkunden und der Errichtung deS Niederlegungsprotokolls am Sonnabend in Kraft gesetzt wird, so werden die genannten Kommissionen bc- r e i t s heute ihr« amtlichen Arbeiten beginnen. Wege» des TätigkeitsbeginnS der übrigen im Friedensvertrag vorgesehene« Kommissionen werden seitens der Alliierten noch nähere Mittet- langen erfolge».__ Wilsons Nachtmißbrauch. Hätts Wilson nicht zugestimmt— nimmermehr wäre MS Tchanöwer? von Versotllcs unh seine würdigen Nach. fokger von St. Germain usw. entstanden. Ter Widerstand des Senati' zeigt schon, dost Wilson das Land nicht hinter sich bat Jetzt schreibt der frühere GeneralstaatSanwält JameS Veck in der..North American Review": Im Februar 1319 versammelten sich 34 Senatorcu, qlso mehr als ein Drittel des Senats, und nahmen einen Beschluß an, in dem ausgesprochen wurde, daß der EaranKed ertrag nur' durch die amerikanische Ration angenommen werden könne. Tie Nachwelt wird einmal verblüfft sein darüber, daß die Staatsmänner Europas einer Monifsstalion von derartiger Bedeutung keine Beachtung schenkten und dabei beharrte», dem Präsidenten Wilson zu folgen wie die Kinder von Hameln dem flötenspielenden Rattensänger. Die Entscheidung deS Obersten Rates, den Gorantievertrag im Friedensvertrag zu belassen und nicht, wie der amerikanische Senat es gefordert hat, hie: eine reinliche TrennungSIinie zu ziehen, wird sich noch a!S der verhängnisvollste Fehler herausstellen. Bryan wandte sich in einer Ansprache auf dem Ban- kett deS demokratischen Nationalausschusses in Jacksonbay, aus welchem Wilsons Botschaft vorgelesen wurde, gegen Wilson wegen der Erhebung des Völkerbundes zur Streitsrage der nächsten Wahlen und erklärte, die demokra- tische Partei müsse die zur Sicherung der Ratifikation deS Friedensvertrages notwendigen Ausgleiche annehmet». Soll nun etwa ein Krieg gegen Mexiko nach altbe- währter Herrschermethode die innere Aufregung nach außen lenken und nebenbei die Petroleumgebiele eingemeinden? Ter„New Kork Herald" meldet aus Washington: Die Regierung der Vereinigten Staaten hat dtzr mexikani- schen Regierung eine Rote zugehen lassen, in der Genug- t u u n g wegen der Ermordung amerikanischer StaatSangehört- ger in Mexiko gefordert wird. Die Beziehungen zwischen der Union und Mexiko find sehr gespcrfnt. Tie militärischen Vorbereitungen der Vereinigten Staaten an der mexi- kanischen Grenze lassen darauf schließen, daß die Union ent- schloffen ist, in Mexiko militärisch, zu intervenieren. Leider zieht sich Amerika nicht nur politisch, sondern aiut) als Nährhelfer von Europa zurück. Ter„Manchester Guardian" meldet, daß die Ausfuhr von Lebensmit- t e l n aus der Union nach Europa im zioeiten Halbjahr 1919 um rund 35 Prozent weniger betragen habe alS im ersten Halbjahr 1919.— Wie es aber um Mitteleuropa, be- sonders uni Wilsons Schöpfung„Deutschösterreich" steht. geht daraus hervor, daß in Wien der Preis für den Laib Brot von nahezu 4 Kronen auf 3,25 Kronen, der Preis für .Kochniehl auf nahezu 11 Kronen das Kilo bestimmt wurde. Die Nation für die nächste Woche ist pro Kopf und Person ein Laib Brot und 3/, Kilogramm Mehl. Dabei ist na- türlich nicht etwa an reines Getreidemehl zu denken. Das gibts nur für die Schieber und Fremdherrscher. In einer Botschaft Wilsons an den Temokratisch-natio- nalen Ausschuß heißt es: Das einzige Mittel, um den Willen des amerikanischen Volkes in bezug auf den Völkerbund festzustellen sei. rhu zur Streitfrage der nächsten P r ä s i- dentschaftswahl zu machen. Wilson erklärte, wir können den Friedensvertrag nicht von neuem schreiben: wir müssen ihn annehmen oder ablehnen. Der Präsident sagte. daß. wenn die Vereinigten Staaten sich nicht dem Völker- bunde, anschlössen, so würde der Versuch gemacht werden, die neu geschaffenen Länder in Europa zu vcr- Nichten._ Die Auslieferung. Der englische GeneralstnatSanwalt Sir Howard soll beauftragt worden sein, das an die Niederlande zu richtende formelle Ersuchen um Auslieferung de« vormaligen deutschen Kaisers fertigzustellen..Daily Mail� teilt mit, in diplomatischen Kreisen verlaute, daß die Liste der für schuldig befundenen Deutschen beträchilich verkleinert worden sei. Von 1200 Namen, die zuerst auf der Liste gestanden hätten, blieben nurnochZOV stehen, darunter der deutsche Kronprinz und Prinz Nupp recht von Bayern.,. Nur 30» sst gut! In einer überfüllten Versammlung deS Bundes„Neues Vaterland" sprach Freitagabend Genoffe Eduard Bernstein über die AusIieferungSfragc. Wir werden über seine Ausfüh- rungcn noch berichten. Kleine politische Nachrichten. Der Rcichskohlenrat und die erneute Kohlenverteueruag. Am 14. Januar wird der Reichskohlenrat zu einer Sitzung zusammen» irelen, worin unter anderem auch die für den IS. Januar beschlossenen, aber vom Minister beanstandeten weiteren Preis- erhshungen behandelt werden. Verhaftung eines Werber» für die Fremdenlegion. In einer Wirtschaft in Frankfurt a M. wurde, wie die Blätter melden, der 24jähcige Gärtner Willi Leucky aus Auerbach im Bogtlande der- haltet, der am Haupiöahnhof als Werber für die Fremdenlegion ausfiel. Baltikumende. Ter Abtranzport der Lalrikumt�uppen aus Ost- Preußen ist beendet. Der RäumungSgeneral Eberhardt, dessen Aufgabe erledigt ist, hat das Kommando a» General Nehbel ab- gegeben. Das Tetachement Roßdach ist bereits seit acht Tagen in seinem TemobilmachungSort Ratzeburg a» gekommen und seine De- Mobilmachung geht ordnungsgemäß vor sich. Wirtschaft. Belgien verletzt das deutsch-belgischc Finanzabkommen. ES befinden sich in Belgien eto, 6'i10 Milliarden Mark- choten, die zum Teil aus der Zeit der deutschen Besetzung her- rühoen, von denen aber ein großer Teil direkt naw der Räu- mung Belgiens von Spekulanten, vor allem aut.Holland, über die Grenze nach Belgien geschmuggelt und dort zum Friedenskurs von 1.26 Fr. umgetauscht wurde. Jeder Kursrückgang der Mark traf naturgemäß Belgien fast ebenso empfindlich wl« Deurschlaud. Die belgische Regierung mar schlußlich zu sedem Opfer bereit, um die Mark Milliarden loszuweÄen und schloß daher mit Deutsckland den für Belgien so vorteilhaften Finanzvertrag. Danach nimmt Deutschland die«n Belgien befindlichen Marl gegen«in« bprozentig« Obligationsanleihe zurück und berechnet die Mark dabet zum vollen frieden»wert von 1,26 Fr. Als Gegen- leistung verpflichteten sich die belgischen Untorkändler, de n g e s a m- ten deutschen Besitz in Belgien, der, wie man weiß, der Bc- scblagi' ahme verfiel, zurückzugeben. Jetzt aber erklären dtt belgisckxin Blätter..2c Peuplc" unp..Le Soir" wieder, die Mgische Regierung werde einen Äesetzentlrurf einbringen, der die r e st l o s e Wegnaam« de» gesamten deutschen Eigentum» in Belgien durch- führen soll. Trotzdem will d!« Regierung ihre neue innere Prämienanleihe auf den deutschen Fi- nanzvcrtrag aufbauen ' Die Koste» des LebenkuüttelbednrfS. Eine sehr lehrkwche Arbeit veröffentlicht der Direktor des Berliner Statistischen Amts Prof.- Dr. H. Silbergloit, aus deren Inhalt wir folgende Ausführungen bringen: Bei der fordauernden Steigerung aller Preise sei e« im Gebiet deS SrnährungSbedarfS, fei eS in demjenigen der Bekleidung. sei e« für Wohnung. Heizung und Beleuchlung, sei e» endlich de» AuSgabenbedarfS für geistige, gesundheuliche und gesellige Zwecke und nicht zuletzt auch bei der bevorltebenden starken steuerlichen In- ansdruchnahrne hat die Frage deS Geldbedarfes zu» Bestreitung tzel Existenzminimums von Tag zu Tag an Bedeutung gewonnen. Die Physiologie führt die Nährmittel auf die drei Gruppen der Eiweißkörper, der Fette und der Kohlehydrate zurück und mißt sie nach Kalorien lWärmeeinheiteu). Bon diesen einfallen inS- besondere nach den Rubnertchen Forschungen je 4,1 Kal. auf 1 Gramm Eiweiß und 1 Gramm Kohlehydrate, 9,3 Kal. auf 1 Gramm Fett. Man darf annehmen, daß für einen Mann von mittlerem Körpergewicht und mittlerer Arbeitsleistung im ganzen 8000 Kalorien täglich erforderlich sind, derart, daß Fett und Kohle« Hydrate sich im allgemeinen vertreten können. Ter notwendigste Lebensmittelbedars nach Nährstoffgruppen, Wir««- wert und nach der Art der Beschaffung im Spätherbst 1919. Da» Wesentliche ist, daß durch die rationierten Lebens- mittel im November nur 60,2 Proz. de» gesamten KalvrienbedarsS gedeck: waren. Kostensätze je Kopf für de» notwendigsten Eruährnngsbrdarf: Die Erhöhung der ErnährungSkosten in den letzten drei Monaten betrag» mahezu 100 Proz. I Blieben die Verhältnisse deS Slovember 1919 daS ganze Jahr hindurch maßgebend, so würde do» Existenzminimum allein, soweit nur die Ernährung in Frage kommt, für einen erwachsenen Mann mit 2700 M. sicher nicht zu hoch be- wertet sein. Seit Ansang des JahreS 1920 sind wiederum Preis- erböhungen von rationierten Lebensmitteln eingetreten: Brot von 0,82 auf 1.21 Marl, für Butter von 14 auf 28 Mail, für Margarine von 12 ans 14,66 Mark, für HülsensrLchtr von 2,ö0 aus 3 Mark, für Marmelade von 2,60 auf 6,43 Mark, sür Kartoffeln von 0 40 auf 0,60 Mark je Kilogramm. Veränderungen, durch welche eine Per- teuerung dieser Lebensmittel herbeigeführt wird von 1,21 auf 1,83 Mark je Kopf und Tag , 10.58. 12.78,,,, Woche. , 650,16„ 664 56 ,,,. Jahr. Nun sollen für Kartoffeln und Zucker in naher Zukunft weitere Preissteigerungen bei der Rationierung zu gewärtigen sein, wodurch das Exiftenzminiinum wieder eine Verteuerung erfahren würde, falls nicht etwa— was aber kaum anzunehmen ist— bei den anderen Arten der Be- schaffung, sei es im freien Handel oder sei es im nichtöffent- lichen Verkauf ein.Ausgleich zustande kommt. _ Zur Ernährungskrkse in Italien. Man schiebt der..Täglichen Rundschau" auS Lugano: Das europäische Gebot der Stunde:„Weniger konsuneieren— mehr produzieren"— gilt für Sieger und Besiegle und verhallt einst- weilen überall ungehört.......... Wie aus den nüchternen Angaben de? UntcrstaatSseirctacZ Muriakdi in der italienischen Kammer hervorgeht, bilden auch in Italien die Ernährungsfragen nach wie vor den Gegenstand ernster und ständig wachsender Schwierigkeiten. Di« Getreideanbauslächen des Landes gehen dauernd zurück. Vielfach macht, sich der Einfluß einer kommunistisch gefärbten Agitation geltend, die Ktottipäcktcr und Bauern zu bestimmen sucht. nur das für den beschränkten lokalen Gebrauch erforderliche Stück Land zu bebauen und keine weitere landwirtschaftliche Arbeit aus dem Felde und in den Viehställen zu leisten...„ ..Diese Leute," schrieb der„Secolo"..fragen nicht danach, ob sie die ersten Grundsätze'des Sozialismus verleugnen: ihre Augen sind starr nur auf die Aufteilung jedweden Besitzes gerichtet~ Pro- buitioe und sozial schaffende Arbeit kennen sie nicht. in. der Kammer entrollte Bttd des italienischen WirtschaftSbetriebeL ist trübegsnug: die Getreideernte weist ein MinuS von rund zwei Millionen Doppelzentner gegen daS Vorjahr auf. Die ReiSernte ist nm U Million Doppelzentner geringer. Die Oelgewinm-ng beträgt kaum ein Drittel des Vorjahres. Milchprodukte erreichen nicht die Hälfte der Vorkriegszeit,'. ri„. ■ Die Regierung gjbt daS auf dem. Monopolwege gekaufte Heber- seegetrside zum Preise von 60 Lire für den Doppelzentner ab.(Sin- heimisches Getreide kommt allein auf 90 Lire!) Der Staat zahlt für Importgetreide an Argentinien und La Plcua 130 Lire, an Nordamerika 180 Lire! Der staatliche Zuschuß für Brotgetreide beträgt gegenwärtig 2%— 3 Milliarden Lire nn Jahr. Dieser Uebersee- Import(monatlich etwa 2Vs Millionen Doppelzentner) erfordert die Bereitste Ifimg von 50 Dampfern, die monatlich zwischen Italien und Amerika verkehren.(Kostenaufwand deö transatlantischen Verkehrs 7000 Millionen Lire.) Neuerdings ist die Regierung bemüht, mit Rumänien und Bulgarien Abschlüsse für Getreide zu erzielen, um die ungeheuren Spesen zu verringern. � Die Ankündigung einer erneuten Steigerung de? BrorpreiieS rief in der Kammer den Protcststurm der Linken hervor und die Forderung deS Friedensschlusses mit— Lenrn, um russtschct Getreide kaufen zu können.. „Und das Rußland LeninS hungert'." kommenttcrtc der„Secolo den Ruf des Maxtmalisten._ Getreideschieber am Pranger. Der Landrat dos Kreises B i t b u r g hat folgende War- nung veröffentlicht: I Warnung. Folgende Landwirte haben an den Schleichhändler Robert Sck,w icke rath aus Kyllburg Nr. 124 Getreide zum Verkauf ms Ausland zu Wacherpreisen veräußert: 1. Gemeindevorsteher Franz Osten in Hisel, 2. Landwirt Johann Meyers in Hiiel, 3. Landwirt Matthias Spartz in Olsdorf, 4. Landwirt Johann Barchel in Olsdorf. � Ich habe angeordnet, daß den Beteiligten sämtlich� Getrmde abgnommcn und ihnen die Selbstversorgung entzogen wird,-�«s bet mneir vorhandene ungedroschcnc Getreide wird zwangsweise auf ihre Kosten auSgedroschen werden. Ferner habe ich die Angelegen- heit dem.Herrn Ersten Staatsanwalt in Trier zur Weiterverfolgung üborgeben. Außerdem habe ich angeordnet, dgß vorstehende Be- kannimachung 8 Tage lang in den Gemeinden Hisel und Olsdorf öffentlich ausgehängt wird. Den Gemeindevorsteher Franz Orten habe ich, weil er sich seines Amte« unwürdig gezeigt bat, vorläufig seines Amtes ent- setzt und das Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet. werde ich in jedem einzelnen Falle in gleicher Weise vorgehen. Bitburg. den 9. Dezember 1913. Ter Landrat. gez. Lomwrtz.* Der Streik im vei Vettere flusSehnuug öes Streiks in Herlin. Der Lohnkampf der Angestellten im Vcrsicherungsgetverbe hat am gestrigen zweiten� Streiktage erheblich an Ilm- fang gewonnen. Die Weigerung der Unternehmer, mit dem Zentralverband der Angestellten zu verhandeln, hat auf die im VerstcherungSgcwerbe beschäftigten Angehörigen anderer Fachorganisationen die entgegengesetzte Wirkung ausgeübt, als die'Unternehmer erwartet haben. Wenn sie hoffen. mit Hilfe der Mitglieder der beiden Gewerkschaftsbünde ihre Betriebe notdürftig aufrechtzuerhalten, fo haben die am Freitag vorgenommenen Betriebsabstimmungen der beiden Gewerkschaftsbünde durch diese Unternehmerkalknlation einen Strich gemacht. Mit SO bis 90 Proz. haben die Gewerkschafts- bündler sich f ü r den Anschluß an d e n S t r e i k er- klärt. Ein großer Teil der bisher noch arbeitenden Angestellten hat sofort nach der Abstimmung die �lrbeit eingestellt, der restliche Teil wartete noch auf die gestern abend in einer Ver° Versammlung des Gewcrkschaftsbundes auszugebende Parole und— wird von heute morgen an der Arbeitsstelle fern- bleiben. Am Freitag ruhte ür etwa 90 Berliner Lersiche- rungsunternehinungen der Betrieb voll- ständig. Ueber 12000 Angestellte hatten sich bis dahin der Streikbewegung angeschlossen. Tie Versicherungsgesellschaften glauben in totaler Ber- kennung der Situation immer noch, ihre Angestellten mit Drohungen schrecken zu können. Allen im Streik befindlichen Angestellten wurde mit dem gestrigen Tage die schriftliche Kündigung zugestellt und ihnen mitgeteilt, daß sie, sofern sie nicht bis zum 12. d. M. die Arbeit wieder aufgenommen haben, fristlos entlassen sind. Die Versicherungsgesellschaft Nordstern hat den Angestclltenausschuß, unter Anwendung des Hausrechtes, aus ihrem Gebäude verwiesen und ihn gleichzeitig für sofort entlassen erklärt. Die Preußische Lebensversicherung hat ihren Angestellten gedroht. die bisher bestehende Pension zu annullieren. Hoffentlich dämmert dem Arbeitgeberverband angesichts der erfreulichen Solidarität der Angestellten bald die Erkenntnis, daß Ver- Handlungen und Verständigung immer noch der beste Weg lind, einmal ausgcbrochene Konflikte beizulegen. Am Willen der Angestellten wird es nicht liegen, wenn die Verstän- digung nicht erzielt wird. Daß diese Erkenntnis dem Arbeit- mberverband recht bald kommt, ist im Interesse der gesamten Wirtschast nur zu wünschen. Voraussetzung für aussichtsreich!! Verhandlungen ist natürlich, daß der Arbeitgeberverband an Me Gegenseite nicht Forderungen stellt, die bereits vor der Verhandlung die Anerkennung vott Verschlechte- rängen des bisher bestandenen Tarifes in sich tragen. Das ist der Fall bei der Forderung, das Mitbestimmungsrecht auf den Rahmen des zur Beratung stehenden Betriebs- räiegesetzcs zurückzuschrauben. Im bisherigen Tarif � waren darüber hinausgehende Rechte festgelegt. Dieses un- billige Verlangen, bereits vor den Verhandlungen diese Rechte aufzugeben, muß vom Arbeitgeberverband zurückgenom- m e n werden. Nur so kann es zu Verhandlungen kommen. Um deren Erztvingung. und nicht um die Durchsetzung ihrer inirtcriellen Forderungen sind ja die Angestellten in den AuS- stand getreten. Die öewegung im Reiche. In fast allen in Betracht kommenden größeren Städten Deutschlands hat der Streik, der am Donnerstag bereits in einigen Orten proklamiert war, am Freitag voll eingesetzt. Ebenso wie in Berlin sind die Berufskollegen in der Provinz Ver Streikpärole fast ausnahmslos gefolgt. In verschiedenen Städten ist der Ausstand erst für den heutigen Sonnabend estgesetzr worden. Ueber den Streik in den verschiedenen Städten erhalten wir folgende Drahtungen: Franksurt o. Äl., 0. Januar. Sämtliche Angestellten der motzen Versicherungsgesellschaften und BcrsicherungÄmre-us sind 'mute früh in den Generalstreil eingetreten. Hamburg. S. Januar. Auch hier sind die Angestellten im Versicherung-tgcwrrbe in den Streik getreten, da beim Arbeit- kcDe�verband erneule Tclrifverhandhingen nicht zu erreichen > aren. Der Streik ist ziemlich v o l l�st ä n d i und umsaht 'lle Betriebe einschliestlicb der gewerkschnftlich genosseuscha-ftlichen ..Volks für sorge". Autzct bestimmten Gehallssorderungeu wird die Einbeziehung der gesamten Arbeitnehmerschaft des Ge- Derbes in den Tarif verlangt. Der Gewerkschaftsbund kauf- männi'cher Angcstelltenverbände hat noch keine Parole au-?- gegeben, jedoch verlautet, datz der G. d. A. sich an dem Streik beteiligen werde. Na siel, S.. Januar. In einer Versammlung der Angestellten im Kasseler Vcrsich«rungsgewerbe wurde beschlossen, in den Streik zu treten. Hannover, S. Januar. Die Arbeitnehmer im H'engen Ver- sichern ngsgeweribe werden morgen die Arbeit niederlegen. Erfurt, 9. Januar. Die Versicherungsangestellten in Erfurt sind wegen Nichterfüllung ihrer Forderungen in den Ausstand ge- treten. Durch den Streik werden eine Direktion und 29 General- agenturen betroffen, mit über 700 Angestellten. Dresden, 9. Januar. Die Versichern ngsangcstellten Tres- dens sind gemätz einem gestern abend gefaßten Beschlutz heute früh in den Ausstand getreten. Infolgedessen ruht der Betrieb in sämtlichen hiesigen etwa 80 Versicherung?- gesellschasten. Die Gesamtzahl der vom Streik betroffenen Betriebe Sachsens wird auf 500 geschätzt. Tanztg, 9. Januar. Die Angestellten der hiesigen Versiche- rungsgesellsckaften sind heute mit Ausnahme einiger Bureau? in den Ausstand getreten. Esirn, 9. Januar. Die Angestellten im Versicherungsgewerbe sind seit heute ausständig. Vermittlungsversuche des Reichsarbeitsministeriums. Das Rrichsarbettsministerium hat unter dem Borsitz der Herren Lüdemann und Tr. Weigert seine Aomülntugen, im verflchrrimgSgewerb« eine Verhandlungsgrundlage bci>»r Parteien zustande zu bringen, am heutigen Nachmittag fortgesetzt. Die vorläufig nach unverbindlichen Verhandlungen haben zu einer die Sachlage Uäreube« Aussprache zwischen Arbeitgeberver- tretern und Arbeitnehmcrvertretarn geführt. Die Besprechungen wurden unterbrochen,«m beiden Parteien Gelegenheit zu geben, zu dem'Ergebnis der Aussprache Stellung zu nehmen. Tie Ver- Handlungen sollen tunlichst schnell fortgesetzt werden. Der Schlichtungsausjchuß zu üem berliner Konflikt. Der SchKchtmtgsausschuß Groß-Berlin hatte gestern über erno vom Zcntralverbaud der Angestellten, Ortsgruppe Berlin, eingereichte Beschwerde über mangelnde Ver- ha n d l u n g s be r e i t s cka ft des Arbeitgeberverbandes deutscher VersicherungSuntentelimer verhauMt. Als unparteiischer Vorsitzender fungierte Ingenieur L ii d e in a u n vom Reichsarbettsministerium. für den Arbeitgeberverband war Herr Dr. R o h r b e ck erschienen, der zunächst die Zu- siändigkeit des Schlichlungsausschusses anzweifelte und noch Ableugnung der von ihm vorgebrachten Bemängelungen eine Teilnahme an den Verltandlungen ablehnte. Ter Schlichtungsausfchitß führte dessenungeachtet seine Vera- tungen weiter und kam zu folgendem, einstimmig gefaßtein Spruch: 1. Dem Arbeitgeberverband deutscher Bersicherungsunter- nehmungeu, Sitz Berlin, wird aufgegeben, entweder selbst oder durch seine Ortsgruppe Berlin unverzüglich, spätestens aber bis Sonnabend, den 10. Januar 1920, nachmittags 3 Uhr, in Berhandlnngen über den Abschluß des Tarif- Vertrages um die Gewährung einer Wirtschafts- beihilfe einzutreten. Als Grundlage für die Verhandlungen sind neben dem bis- herigen Reichstarif sämtliche von den Vertretern der Arbeit- geber und Arbeitnehmer eingereichten und noch einzureichenden Forderungen über Anträge zuzulassen. Als verhandlungsberechtigte Vertreter der Angestellten sind alle der AentralarbeitSgemeinschaft gewerb- licher und industrieller Arbeitgeber- und Ar- beitnehmerverbändc angcschlosseneu Ange- gestelltenorganisationen anzuerkennen, dir Versiche- rungsangestellte zu Mitgliedern haben. 2. Ter Arbeitgeberverband deutscher Versicherungsunter- nehmungeu und die beteiligten Organisationen der Angestellten werden aufgefordert, am Sonnabend, den 10. Januar 1920, nach- mittags 2 Uhr, in das ReichSarbeitSministerinm» Berlin NW., Luisenstr. 33/34, zur Eröffnung der Verhandlungen vor dem SchlichtungSauSschuß bevollmächtigte Vertreter zu enffenden. 3. Ten Verbänden der im Groß-Berliner Versicherungs- grwerbe tätigen Augestellten wird oufgegebe«, sobald die Ver- Handlungen über den Abschluß eines Tarifvertrages begonnen haben, dahin zu wirken, daß am Montag, den 12. Januar 1920, in sämtlichen Unternehmungen des Arbeitgeberverbandes deutscher Bersicherungsunternehmunge» d i e Arbeit wieder aofge- no m m e« wird. Sollte das Zustandekommen her Verhandlungen aus dieser Grundlage daran scheitern, daß bevollmächtigte Vertreter der Arbeitgeber nicht erscheinen oder die erschienenen Vertreter nickt verhandeln, so ist der SchlichtungSauSschuß der Ans- sassnng, daß der aus der Fortdauer der Arbeitseinstellung ab Montag, den 12. Januar 1920, für die zwecks Herbeiführung von Verhandlungrn streitende» Angestellten sich ergebende Lohn- auSfall von den BersicherungSuuternehmnn- gen z u tragen ist. Es ist zu Kossen, daß dieser Spruch des Schlichtimgsaus- schusscs Groß-Berlin dazu dient, die Verhandlungen zwischen den Arbeitnehmern und Arbeitgebern im Versicherungsge- werbe endlich in Fluß zu bringen. Der Spruch des Schlich- tungsouSschusses.Groß-Berlin fordert von de» Arbeitgebern Verhandlüngswilligkeit, ja er belastet sie, vorausgesetzt, daß die Arbeitnehmer imverzüglich sich zur Wiederausnahme der Arbeit bereit erklären und in der Arbeit auch während den sofort zu beginnenden Verhandlungen beharren wollen, mit der Bezahlung des Lohnes für die dann nach Auffassung des Schlichtungsausschusses zu Recht Streikenden. AngestchtS dieses Spruches darf man nun also wohl auf unverzüglichen Beginn der Verhandlungen rechnen. Es fei noch darauf hin- gewiesen, daß der Schlichtungsausschuß Groß-Berlin nur lokale Geltung hat, der Streik der Angestellten im Verstcberungsgewerbe sich aber über einen großen Teil des Reiches erstreckt. Es darf jedoch damit gerechnet werden, daß zum mindesten die moralische Wirkung des Berliner Spruches dazu beitragen wird, sowohl die Angestellten wie die Arbeitgeber auch außerhalb Berlins verbandlungswillig zu machen. * Tic Bankbeamten zum Streik im Bersichervngsgcwerbe. Der Zentralvorstand des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Baulbeamten hat in seiner gestrigen Plenarsitzung zu dem Streik im Vcrsicherungsgewerbc Stellung genommen, und einmütig de- schlössen, den BersichernngSangestellten die Solidarität der im Ver- bände organisierten Bankangestellten dadurch zum Ausdruck zu bringen, datz die VerbandSmitglieder gehalten find, jegliche Arbeit zugunsten der Versicherungsgesellschaften, die geeignet ist, den Streik der Ange st eilten zu schädigen, zu ver- weigern. Angestellten-Ausschüffe und Streikleitungen. Die Zentralstreikleitung befindet sich vom Sonnabend, den 10. Januar 1920 ab: Königgrätzer Str. 40, Restaurant Müller(Schultheis) Telephon: Amt Kurfürst 3896. Die Streikleitungen werden ersucht, dafür zu sorgen, datz tag- lich nachmtttag» 4 Uhr ein Kollege zur Entgegennahme des Be- richtS sich einfindet. Die Zentralstreikleitung. GewerkschafisbewMng Internationale Berständigung der Bergarbeiter. Die Vorstände der vier Bergarbeiterverbände haben sich über die Lohnforderungen in dem neuen Tatif für den rheinisch« westsälischen Kohlenbergbau verständigt und die Forderungen schon dem Werkbefiyervcrdand übermittelt. In Anbetracht der großen Teuerung wird eine erhebliche Lohnerhöhung gefordert- Auch über die Schichtzeitregelung soll verhandelt werden- Sodann beschloffen die Verbandsvorstände, an die ausländischen Bergarbeiterorganisationen mit dem Ersuchen heranzutreten, sich möglichst schnell mit den Deutschen über die internationale Einführung der Sechs st undenschicht für die Unter» tageSarbeiterzn verständigen. EindementsprechendeS Schreiben ist bereit? an den internationalen Generalsekretär der Bergarbeiter abgegangen._ Konferenz der Chausseewärter Schlesiens. Eine Konferenz der Chauffeewärter Schlesien?, die erste dieser Arbeitergruppe, fand am 4. Januar in B r e SA a u statt. Die vom Verband der Gemeinde» und StaatSarbeiter einberufene Konserenz beschäftigte sich mit der Regelung der Lohn- und ArbeitSverhältnisie und mit dem Abschlug von Tarifverträgen für die einzelnen Kreise. Betont wurde, datz bei den Ehaussecwärtern noch Monatslöhne von SV— 120 Mark, wozu noch eine RietSentschä- digung von 120 Mark jährlich trete, zu finden seien. Die Konfe renz sprach sich prinzipiell für die Schaffung von Tarifver- trägen auS, eine Forderung, die auch von dem anwesenden Regie- rungsvertreter unterstützt wurde. Als Vertretung der Arbeiter bei Abschlug von Tarifverträgen wurde der Verband der Ge« m einde- und StaatSarbeiter bestimmt. In einer Entschließung wurde die Gauleitung Schlesien dieses Verbandes beauf- tragt, an alle Kreise, in denen Chauffeewärter organisiert find, her- anzutreten, um für die Chauffeewärter einen täglichen Mindest- lohn von 10 Mark zu verlangen: zahlbar ab 1. Januar 1920. Die recht fruchtbringend verlaufene Konferenz war von 40 Ber- lteiern aus 16 schlesiichen Kreisen besucht. Selbstherrlichkeiten von Cisenbahnbeamte«. In dem Städtchen Ruhland in der Lausitz bnt der Deutsche Eiiendahnerverdan) seit einem Jahre eine ansehnliche Ortsgruppe. Bis zum Frühjahr war da? Verhältnis zwischen Tiensworständen und Bediensteten als angenehm zu bezeichnen. Seit geraumer Zeit scheint der dortige Bahnhofsvorsteher nebst Untewfsizteren an- derer Ansicht geworden zu sein. Ter Bevollmächtigte der Orts- gruppe, Schrankenwärter L., ein diensttreucr, aber eifriger Gcwerk- schastler. wird von diesen Herren als die Zielscheibe benutzt. Warum? Weil derselbe samt seinen Kollegen von dem von der Regierung anerkaninen Koalitiensrecht Gebrauch macht; das andere Mal dem dort herrschenden Schlendrian und reaktionären Treiben einer sich bevorrechtigt fühlenden Beamtenklassc- neue Umgangs- formen zugänglich machen will. � Jetzt ist«tu ö. Dezember der Schrankenwärter L. durch Siras- Versetzung uuscbädtich gemacht worden. Wer gibt diesen Herren das Recht dazu? Wissen sie nicht, datz die Arbeitcrausschüsse darüber mit zu entscheiden haben? Haben diese Herren an dem Oberbahn- anistsnien Richter aus Ruhland noch nicht genug? Entweder, es ist bestellte Arbeit oder eine grenzenlose Dummheit. Letzteres ist eher anzunehtnen. denn sonst hätte der Babtthofsvorsteher G. in einer Sitzung nicht den Antrag eingebracht, den Bezirkslciter vom Deutschen Eisenbahncrverbanö in Halle zu ersuchen, den L. von seinem Posten als Orisgruppenleiter zu entfernen. Selbst die seit 14 Tagen von der Direktion Halle an sämtlichc Dienststellen ergangene Weisung, datz die vom Deutschen Eiscnbahnervcrbaitd neu erwirkte Beschaffungsbeihilfe genehmigt ist, scheint diesen Geistern unbekannt zu kein. Auch dem Freimachen der Arbeitsstellen für die Landwirtschaft tragen diese Herren keine Rechnung. Dafür schikaniert man lieber organisierte Bedieitstetc. hauptsächlich Schlosse. Und warum? Weil, wie sich der Wagernueister ausdrückte, cni anderer Zug unter den Bediensteten bemerkbar sei. Kein Wnn- der, datz die Handwerker der Werkstatt immer mehr den Rücken kehren. Die Erhöhung der Produktion scheint diesen Herrsche en Rull zu sein. Ileberhaupt scheinen sich aus dem dortigen Bahnhof Zustände entwickelt zu haben, die der schnellsten Klärung bedürfen. Diese Zustände werden von der dortigem Ortsgruppe des Eisen- bahnerverbandes bekämpft und deshalb die Hetze gegen den Schron- kenwärter L. Es wind endlich Zeit, datz das Ministerium diejenige!: Beamten, die sich den neuen Verhältnissen nicht anpassen wollen, von ihren Posten entfernt. Tie Zeit der Willkür und Selbstherrlichkeit sollte endlich vorbei und die Anerkennung der Koalttionsfreihett: gesichert sein. Jeder hat im Interesse des Staates seine Pflicht ztt tun unv nicht, wie diese Herren, sich den Tag mit Agitation, Politik usw. zu vertreiben.__ Zugestellte! Die Ortsgruppe Groß-Berlin im Zentratverbaud der Angestellten wählt am Sonntag, den 11. Januar, 10—3 Uhr die Delegierten Zur Genekalversämmlung. Große Kam pfe sind in der nächsten Zeit zu führen. Wer von den Mitgliedern für kraftvolle Gewerkschaftsarbeit, gegen parteipolitische Zersplitterung der Organisation ist, wählt die Liste Nr. ä>. Franz Krüger. Gustav Felix. Max Mahuz. .Zentralverband der Angestellten, Ortsgruppe Grost- Berlin. Die Wahlen für die Delegierten zur örtlichen Generalversamm- lung finden am Sonntag, den 11. Januar, in der Zeit von 10—3 Uhr, statt.(Alles Nähere siehe Anschlagsäulen.) Die.zum Uinschreiben dem LrtSbureau«mgereichten Bücher des ehemaligen Verbandes der Bureauangestellten sind olle am 8. d. M. ausgefertigt zum Versand gekommen, bzw. sind für die Wahl Wahl- ausweise ausgestellt worden. Wer von den beteiligten Mitgliedern sein umgeschriebene-5 Buch oder einen WahlauSweiS nicht erhalten hat, kann denselben am Sonnabend, den 10. d. M.. von 5—" Uhr autzer der üblichen Bureauzeit sowie am Wahltage von 9—12 Uhr im Bureau, Belle« Alliance-Str. 7/10, persönlich abfordern. Sämtliche Trausportarbeiter in städtischen Betrieben, etomitug, den 11. Januar, vormittags 9 Uhr: Große Versammlung in den .Zentral-Feslsälen', Alte Jakobstr. 32. Tazesordnung: 1. Die Löhne der Arbeiter und die gegenwärtige wirtschaftliche Lage. Rcjercnt: H. B a r w i g. 2. Diskussion. Bund der techniichen Angestellten und Beamten. Fach- gruppe: Maschinen-, Werkzeugbau und Gießereien. Dersamailung Sonntag, den 11. Januar, vormittag» 10 Uhr, in den ..GernianialäleM, Ebausseestr. 110.— Fachgruppe: Holzgewerbc. Sonntag, den 11. Januar, vormittags 10 Ubr, Haierlands Fe male. Neue Friedrichslratze, Ecke Rochslrajje.— Fachgruppe der Steine und Erden(Stcinmetzer usw.): Sonntag, dm tt. Januar, vormittags 10 Uhr, vorm. Patzenbofcr Brauerei, Tnrmjtr. Z3/26: Versammlung. Zcntralverdand der Angestellten. Verlammiungen am Montag,- den 12. Januar 1920; Fachgriippe.lS. Settion f lSiienbandel u. AoiwandleS) Mitglicdcroerjammlunn, abends, Uhr in den Muiitelsäten, Kaisei-Wildelm- (irasje 31.— Fachgruppe 15, Selpon a 9l. E. G., außer Brunneniiiaße.: Mitgliederversammlung, abends 7 Uhr in den Musikersälen, Kailer-Tilhcim- slraße 3l.— Fachgruppe 15. Settion c(Bergmann- Konzern. Berlin und Roientbal): Mitgliederverlammlung, abend» 6 Uhr im Rosenthaler Hos. Rojenihaler Str. 11/12. Deutscher Wcrkmrtsterverbaud. Sonntag, vormittag 10 Uhr, ver- sammeln fich sämtliche vctriebSvertrauenSIeute und Funllionäre im Schult- heiß, Neue Jalobslr. 24/L5._ �ugenüveranftaltungen. Beranstaltungcn am Sonntag: Abt.«öpenick: bei Sttppekohl. Schönerlinder Str. 5, 7 Uhr. Mit- gliederoersammlnng.— Abt. Groß Ltchterielde, Lllbrechtstr. 14 a. Lichtbildervortrag.— Abt. Hermsdors. 7 Uhr, Turnhalle, Rponsirage. Mit« gliedervcriammlung.— Abt. Kanlsdorf. 7 Uhr. Adolsuraße(Gemeinde. schule). UMerhaltungSabend.— Ad». Prenzlauer Borstadt. Besuch de» Bau- und BerichrSmuseum». Treffvunti: 11 Uhr daselbst.— Abt. Rosen- »Haler u. Schönhauser Borstadt. Besuch der Nalionalgalerie. Tress- Punkt'/.lO Uhr daselbst.— Ab». Eharlottenburg. Rosinenstr. 4. Lieder- abend(Lieder für Sopran und Alt mit Klavierbegieitmig).— SÄilmerS- dors. Wanderung(Tresspunlt: 6 Uhr. RaihauS). «SetteranSsichte» für da? mittlere Norddeutschland bis Montag mittag. Zeitweise heiter, aber veränderlich, nacht» leichter Frost, am Tage eiwaS milder, keine erheblichen Niederschläge. Berantw. füt den rcdaktion. Seil:«etue zickler. Tharlottenburg: für Anzeigen: St.»locke. Berlin. Berlag: Borwarto-Berloa S. m.b.H.. Berlin. Druck: vor. wärta-Bttädruckerci u. BerlagoanvaU Paul Singer u. So. Berlin, Lindenftr. g. «tcri» 1 Vellage.