Nr. 24. 37. Ictlrrs. Bezugspreis t ®iet1el|äI)cL IS�O M U, monott 4�50 Sö. irei ms Haus, voraus mhldar. Post- be-ug Monatlich iSO Kit, e�tl. Zu- iiellunzsgebsthr. Unter Stcrujbonb für Deutichlanb und Oesterreich-Ungarn 7,7ö Mt, Mr das ilbrtgc Ausland 12.— MI, bei tönlich einmal. Zustellung Ist,— Ml. 4- Valuta- Aufschlag. Post- bestellungen nclimen an vanernark. Holland, Luxemburg, Tchroeden und die Schweiz. Singetragen in die Post- Zeitung-- Preisliste. Der„Vorwärts" tnit der Sonntags- beilage„Voll u. Zeit" ericheint Wochen- täglich zweimal. Sonntags einmal. Trlegramm-Adpesie �Sozialdemokrat verNa". Morgen-Ausgabe. berliner VolKsblstt �20 Pfennig Anzeigenpreis: Sie achtgeivaltene SlonoareMezelle lostet 2.— P!.,TeuerungsjUschlag«U°/o. „Kleine Sinzeigca". das �ell- gedruckte Wor: 75 Pjg. lzulässig zwei settgedriutte Worte). ledes weitere ZLorl 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen dos erste Wort 65 Pfg„ lebe? weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben ziihleu für zwei Worte. Teuerungsznschiag 50'» Familien-Anjeigen. nolitilche und gewertfchastliche Vereins» Anzeigen 2.— Mt. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeige» für die n a ch(t c Siuiumre müssen bis S Uhr nadiimttags im Sanvtgeschiisl, Berlin SW6Z. Linden- strahe S. abgegeben werden, ibeoffnet von st Udr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozlaldcmokratifcben Partei Deutfchlands Reöakrion und Expedition: SW. öS, Lindenstr. Z. syernivrerder- Amt Moridvla«. Nr.»-»I.S7. Mittwoch, den 14. Januar ILÄO. vorwärts-verlaz G.m.b.H., Ew. öS, Lindenstr.Z. tkerilivrocher: Amt Morit-PIast, Nr. 117 33— Zt. Straßenkampf vor öem Sie Slutjchulö öer putjchiften:. 22 Tote, 2 Vermißte, 5V verwundete. Arbeiter, Parteigenossen! Noch vor wenige» Tagen hat das Berliner Organ der Äommnllisteu seine Ailh.ngcrschast zur Ruhe ermahnt. „Sich nicht provozieren lassen", war die Losung. Inzwischen sind die besonnenen Elemente unter den Kommunisten und Unabhängigen wieder einmal von den putschistischen Trei- bern überrannt worden. Die Folge war ein Strassen- kämpf vor dem Rcichstagsgebäude, der abermals zahl- reiche Tote und Verwundete gekostet hat. Tie Parteileitungen der Unabhängigen und der Kam- munistcn hatten für mittags� 12 Uhr zu einer Masscndemon- stration vor dem Reichstag äufgerufeu. Es war die Pflicht der Regierung und ihrer Orgaue, die Zugänge zum Reichs- tagsgcbäude freizuhalten und die Versammlungsfreiheit der National- Versammlung zu schützen. Den Parteileitungen der Unabhängigen und der Kom- mnnisten ist es nicht gelungen— ihren guten Willen vor. ausgesetzt—, die Ordnung und Disziplin der versammelten Massen zu wahren. Noch dreieinhalb Stunden nach dem Be- ginn der Demonstration standen die Massen ziel-, plan- und führerlos vor dem Reichstag. Schliesslich bemäch. tigten sich verbrecherische Elemente der Be- wegnng, sie griffen die Mannschaften der Sicherheits- Polizei an, entwaffneten und misshandelten sie und erzwangen auf diese Weise die Abwehr.. Tragen diese verbrecherischen Elemente die unmittelbare Schuld an dem vergossenen Blut, so trifft die u u a b h ä n- gigen und kommunistischen Drahtzieher doch eine furchtbar schwere M i t schuld. Sie muhten wissen, das, in dieser erregten Zeit die Veranstaltung einer Deinonstra- tion vor dem Sitzungsgebäude der Nationalversammlung ein gewissenloses Spiel mit Menschenleben war, sie mussteu voraussehen, dass sich unlautere Elemente in die Bewegung einmischen würden, und sie haben nichts ge- tan» nm diese Elemente in Schach zu halten. Selbstverständlich werden die Schuldige« den Versuch macheu, durch kitte verzerrte Darstellung des Tatbestandes die Schuld von sich abzuwälzen. Parteigenossen, glaubt ihnen kein Wort! Eure eigenen gewählten Vertreter waren Augen- zeugen dieser Vorgänge, und sie werden Euch bestätigen, dass die Organe der Regierung nicht früher zur Abwehr schritten, als bis ihnen kein anderes Mittel blieb, sich selber und das ihrem Schutz anvertraute Gebäude der Volksvertretung gegen gewalttätige Angriffe zu schuben. Wir appellieren an das RechtSgefühl der Arbeiter- schast! Ist es recht, wenn Abgeordnete, wie es geschehen ist. aus dem Wege zur Sitzung angehalten und bcspien werden, wenn die Volksvertretung unter den Druck des Terrors gestellt wird, wenn Orgaue der republikanischen Staats- gcwalt, die einen ihnen anbefohlenen notwendigen D i e nst verrichten, beschimpft, entwaffnet, misshaudelt wer- den? Kein klassenbewusster Arbeiter, wie immer er über die Arbeit der Nationalversammlung urteilt, wird solche Aus- schreitungen billigen! Arbeiter, man wird versuchen, Euch durch erlogene Dar- stellnngen in neue Torheiten hineinzuheben. Leistet solchen Versuchen krästige» Widerstand! Die Verfassung hat Euch zu gleichberechtigten Staatsbürgern gemacht. � Sie gibt dem ganzen Volke das Recht, die gesetzgebende Körperschast nach seinem Willen zusammenzusetzen over in allgemeiner Volks- aMnmmnng die Gesetze, die es für heilsam hält, zu bc- s-kfliessen. �.-«. � DaS ist der Weg. aus dem Ihr Eure Rechte erkämpfen werdet! Lasst Ench nicht von denen verleiten, die Euch von der Arbeit holen, um Euch gegen die Maschine a- g e nre h r e zu Hetzen! Denn das ist der Weg zum Unter- gang? Der Vorstand der sozialdemokratischen Partvi Deutschlands. des verbrechen. Ja, es war ein politisches Verbrechen, das sich am Tiensta�nachiiiittag um den Reichstag abgespielt h&t. Ja, es lvar eine S chu r ken tat. die fünfzig oder inehr im- ichulbioc Menschen mit ihrem Blute bezahlen mußten, mit Arbeiterblut, das über jene komme, die sie sinn- los inGefahrundUnter gong hineingerissen haben. Die schuldigen Verbrecher— das sind gleichermaßen die Putsch! stisehen.Hetzer, die sich der Demonstration bemächtigten, wie jene unbedachten und hoblkäpsigen Veranstalter der Demonstration, die noch Zehnt ausönden zählenden Massen um den Sitz der gesetzgebenden Körperschast versammelten, sie zur Siedehitze aufstachelten, um fie dann in stundenlangem. ziellosem Warten sich selbst zn überlassen— oder vielmehr nicht sich selbst, sondern jenem dunklen Gesindel, das überall mitläuft, um sich führerloser Massen zu bemächtigen und an ihrer Spitze nu.de Triebe auszutoben. Tie unabhängige und die"ommunisstsche Partei mögen ietzt ihre Hände in llmchuld waschen und erklären:„Das haben wir nicht gewollt, die sinnlosen Gewaltakte gingen von Anstiftern aus, die mir nicht bevollmächtigt habe«." Das hilft ihnen nichts, d ie Ve r a n t w o r t n n g. t rag e n sie dach. Denn sie'haben nichts getan,'um der Demon» stration irgendeinen friedlichen Abschluß zu weisen und um die von ihnen aufgebotenen Massen in der Hand zu behalten. Was nützt es, wenn man, wie die„Rote Fahne", in aka- dennichen Leitartikeln theoretisch putschistische Abenteuer verwirft, praktisch aber die Massen in diese h i n et n hetzt. Der größte Teil der Massen, die gestern den Reich-tag umstanden, hat nicht gewußt, wozu sie mißbraucht werden soll- te�, sonst wäre wohl mancher daheimgeblieben. Eins jedenfalls ist sicher: Die Regierung und ihre Organe trifft an dem Blutvergießen a n ch nicht die m i n d e st e S ch u I id. Die der Sicher- beitspolizei gegebenen Befehle lauteten auf äußerste Zurückhaltung und strengste Vermeidung all dessen, was provozierend wirken konnte. Der Minister Genosse Wolfgang Heine und der Polizeipräsident Genosse Eugen E r ii st haben die Jmiehaltung dieser»Instruktion persönlich an den Portalen des Reichstags kontrolliert. ».Tatsächlich stimmen denn auch alle Zeugenaussagen überein— und es liegen hier selten zuverlässige Zeugenaus- sagen vor, da ein großer Teil der Rcichstagsabgeordneten persönlich die Vorgänge beobachtet hat—, daß die Sicher- heirspolizei mit einer wahren Lammsgeduld sich lange Zeit Beschimpfungen, tätliche Angriffe, Entwaffnung und blutige Verletzung von Kameraden bis zum A e n ß e r st e n hat gefallen lassen, che sie von der Waffe Gebrauch machte. Zehn Sicherheitsbeamte mußten er st mit schweren Verwundungen vom Platze ge- tragen werden.. ehe. der Befehl zum Feuern erfolgte. Einige der vielen Zeugen, die sich freiwillig bei uns gemeldet haben, meinen sogar, die Sicherheitswehr habe zu lange Zurückhaltung geübt. Venn dadurch seinen die in vorderster Linie stehenden radaulustigen Elemente nur zur immer dreisteren Angriffen ermutigt worden. Das letztere mag zutreffen, aber doch hat diese Zurückhaltung einen großen Nutzen gehabt: sie hat mit unividerleglicher Deutlichkeit gezeigt, auf welcher Seite die An- greiferzusuchensind., Nun werden die Unabhängigen freilich behaupten, die bloße Anwesenheit von Sicherheitspolizei zum Schutze des Reichstags habe die Massen so gereizt, daß sie sich der Ge- walttätigkeiten nicht enthalten konnten. Ihre Sprecher im Reichstag haben ja auch mit Unschuldsmiene gefragt, gegen wen der Reichstag denn eigentlich geschützt werden sollte. Und während die Geyer uiid Henke so mit frommem Augcnanfschlag lamentieiten. wurden draußen Abgeordnete beschimpft und mißhandelt; darunter Ge- nosse Hugo Hei mann, ein Veteran der Berliner Arbciterbeivcgung. ein langjähriger Freund Paul Singers und August Bebels, den ein Haufen jugendlicher Schreier von oben bis unten bespuckte, wohl zum Dank dafür, daß er den größten Teil seines Vermögens für Zwecke der Arbeiter- b i l d u n g hergegeben hat! � Ja, gegen wen war wohl Schutz notwendig? Wort- sichrer der Masse verlangten, daß die Maschinengewehre zurückgezogen würden, dann wollten sie die Postenketten, die lediglich die Eingänge freihielten, unbehelligt lassen. Die Maschinengewehre wurden zurückgezogen, und das nächste war, daß die Menge sich auf die Posten stürzic' und sie e u t>0 a f f n e t c. Welche Garaniie wollen die Gcner und Henke dafür geben, daß diese Massen, die s o wenig in' der Hand ihrer Führer waren, nicht auch in den Reichstag eingedrungen wären, und die höchste gesetzgebende Körperschaft des Reiches auseinander gesprengt hätten, wenn die Sicherheitswehr nicht im letzten Moment eingegtzjffen hätte, Während in den Familien der beklagenswerten Opfer Jammern und Wcbklagcn herrscht, während man dokt woh! die gewissenlosen Anstifter deS Putsches vci flucht, reiben sich diese die Hände. Das Ziel dunkler Elemente i st erreicht: es ist Blut geflossen und neue Erregung in die A r b e i t e r m a s s e n hineingetragen. Mit ihrer Gewalttaktik haben sie die Regierung g e z w u u g c u. von neuem den Belag erungszu st and zu verhängen. A u ch das war ein lv o h l b e r e ch n e t e s Z i e l. Hat doch die„Rote Fahne" immer wieder geschrieben, der Zustand der vollen demokratischen Freiheit nach Aufbebung des Belagerungszustandes würde nicht lange bestehen bleiben. Die Regierung wallte den-Zustand der Freiheit, die Hetzer aber wollten ihn nicht, denn in der Luft der Freiheit gedieh ihre Saat nicht. Gezwungen, ans der unterirdischen Wühlerci ans freie Tageslicht deh Oeffcntlichkeit zu treten, mußten die Ucbcrradikalcn auch ihre i u n c r e Z c r r i s s e n- heit, ihr theoretisches Mcinungschaos offem baren. Ter Zustand'der Freiheit widerlegte ihre Hetzereien über die angebliche Entrechtung der Arbeiterschaft. Des» halb st ra b t e n si e mit aller Macht zurück in das unterirdische Dunkel, wo sie si ch allein wohl fühlen, desKalb zwangen sie mit ihrem gestrigen sinnlosen Putsch der Regierung von neuem den Ausnahmezusiand auf. Schon schwirren in der Arbeiterschaft Gerüchte von neuen Plänen, die Drahtzieher inöchten die Erregung benutzen, um den Generalstreik zu proklamieren und so den geeigneten Untergrund für neue unberechenbare Gewalt. akte zu schaffen. Es gibt leider immer noch Arbeiter.� die glauben, die Solidarität verpflichte sie, auch die sinnlosesten Unternehmungen einer ihnen unbekannten Leitung mitzumachen. Mögen diese Arbeiter lesen, was in der Dienstagnummer der „Freiheit" der bekannte Unabhänge Richard M ü l l e r an die Adresse Georg Ledcbours antwortet, der ihn öffentlich der� Feigheit beschuldigte, weil Richard Müller sedc aklive Beteili-' gung an dem Januarputsch von 1919 abgelehnt hat. Richard Müller schreibt: Ledcbour weiß aus unserem gemeinsamen Zulmmnenarbeiten vor der Novemberrevolution, daß ich mein Leben auf» Spiel setzte, weun es galt, die revolutionäre Entwicklung vorwärts- zulreiben. und daß ich nicht wie andere in kritische» Momenten das schütze«de Dach desRcichstageSanfsuchte. Ledebonr darf aber nicht glauben, daß ich„meine Haut zu Markte trage", wenn ei» politischer— sMüiler lvitl wohl sagen „Narr", icyt aber statt deS Wortes auS Partcirücknchten eine» vieliogcnden G e d a n ken stri ch. Red.) auS vollständiiier Ber- keiinniig der revolutionären Borauösc»»»gcn oder aus Eitelkeit eine „revoliltionäre Erhebung" für gegeben erachtet. Das ist entscheidend. Kein vernünftiger Mensch ist ver- pflichtet, seine Haut zu Markte zu tragen, um politischer Narren willen, die aus Eitelkeit oder Sensationssucht Dinge unternehme�, deren Folge neues unabsehbares Unheil bedeutet. Gestern ist eine zahlreiche Arbeiter- schaff, die zu friedlicher Demonstration gekonimen war, von infamen putschistischen Verbrechern auf das schmählichste miß braucht worden. Sie lasse sich nicht ein zweites Mal miß- brauchen, sie tr.age nicht ein zweites Mal für diese g e lv i s s e n l o s c n Gesellen ihre Haut zu Markte. • �» Wie es kam. Tie Blutschuld der unabhängigen Drahtzieher und Hetzer wird hinreichend durch dir chronoligischc Schilderung dr- Borfälle an dcui blutigfen Tienstagnachnüttag vewicsen. Diesmal wird es den unabhängige» Liigenblüttern trotz aller ihrer berufe- mäßige!» Gewandtheit in der Berdrehüng solcher traurigen Errig- nifst unmöglich sein, die Schuld am Blutvergießen der Sicherheits- wehr zuzuschreiben. Dutzende von einwandfreien Zeuge» bestätige« nämlich übereinstimmend, daß die Schuld a u ö s ch l i e s; l i ch auf seilen der durch zahlreiche Reden und Rufe aufgehetzten Menge liegt. Tie Sicherheitswehr, die übrigeus zahlenmäßig anßcroldent- lich schwach war— etwa 100 bis 130 Mann gegenüber einer Menge von annähernd 30 000 Menschen—, bewies eine geradezu»»glaub lichc Geduld nicht nur gegenüber den Schmährufen und sonstige» iilicr tätlichen Angriffen schlimmster Art. Sicherheitsbkamte, die sich in die Menge begaben, um diese durch freundliche Worte zu berusiigen, wurden überfallen und von den wildgcwordcnrn Männern, Fraucir und nicht zuletzt Jugendlichen blutig geprügelt. ?ie e Vorgänge spielten sich vor den Auge» zahlreicher Abgeord- >-cte» ab, die sie von den Fenstern sowohl des Restaurants wie auch »es Lesesaals des Reichstags beobachten konnte». Trotzdem wurde von der Waffe durch die Sicherheitswehr noch immer tcin Gebrauch gemacht. Dagegen nahm d,e Menge den blutig ,r iiihandelten Beamten ihre Gewehre ab. dir sie geschultert trugen, soweit sie überhaupt welche hatten, und zerschlug diese unter lautem < iejohle. In einer Ecke de? Hauses am Portal II konnte man am ibend mehr als zwanzig zerschlagene Gewehre liegen sehen, die man nach der Säuberung des Plapes geborgen hatte., Aber nicht alle von der Menge erbeuteten Gewehre wurden erschlage»« die Demonstranten, die durch diese„Erfolge" unter- »ehmungslustiger geworden waren, Versuchten in den Reichstag einzudringen. Sie schössen zu diesem Zwecke mit den erbeutete» Gewehren auf die SicherheitSbeamten, die das Große Portal am SiinigSplatz besetzt d'elten. Zwei Geschosse drangen durch baS Portal, das die Wandelhalle des Reichstags von der Rampe am KänigSplatz trennt. Ihre Spure» sind am Portal deutlich zu sehen. Das eine Geschoß wurde auf dem Teppich der Wandelhalle gefunden. Die Einschüsse zeigen unwiderleglich, daß sie von unten, also aus der Menge kamen. Einer der ersten Schüsse traf übrigens eine» SicherheitSbeamten schwer am Kopfe. Er wurde von Kameraden durch die Wandelhalle deS Reichstags weggetragen. E r st dann vernahm man das Maschinengewehr- !cucr der numerisch außerordentlich schwachen RcichstagSbesatzung. Es muß auch betont werden, daß trotz ihrer�bedrohten Lage die Wehrmäuner, als sie von der Waffe Gebrauch machten, offeuvar bestrebt waren, möglichst wenig Opfer zu verursachen: de»,, bei der Zahl der Kopf an Kopf stehende» Menge hätte ein Maschinengcwehrfcuer in Mannshöhr auf die Angreifer nicht ein Dutzend, sondern Hunderte von Toten innerhalb weniger Se- künden gekostet. So haben dir Sicherheitsmannschaftcn, auch in der größten Notwehr, eine Zurückhaltung an de» Tag gcl»gt, für . ie gerade die Demonstranten alle Beranlassung hätten, sich dankbar i» zeigen. Ob auch Sicherheitsbeamte, wie vielfach behauptet wird, in die Spree geworfen wurden und ertranken, kvnncn wir zurzeit noch nicht fcststrllcn. Aber die obenerwähnten Provokationen des Jan- .agclö, der sich an der unabhängigen Demonstration so zahlreich br- tciligt Hot, find durch so viele Zeugen festgestellt worden, daß es ein Deuteln und Rütteln über die Frage, auf wessen Seite die Schuld an den verlorene»?» Menschenleben liegt, überhaupt nicht geben kann. Serichte von Augenzeugen. Einer unserer Mitarbeiter, der Augenzeuge der blutigen Vor« gänge beim Reichstag war, löbreibt uns daisiber: Der Aufruf. den die Bezirksleitung der Unab« h ä u g j g e n und der Rot« V o l z u g s r a» an, Mittwoch früh in der.fjfwiheil' verössentticht halte», hatte gegen s ü n f z i g t a u s e»Ji i r b e i r e r und A r b e i t e r i» n e» auf die Beine gebracht. iior dem Hauptporta l des ReichSlagsgebäudeS naute» sich die Massen. Sie fiillten den KönmSplap bis über die Siegessäule bin- aus. Die Demonstration hatrc anfangs einen durchaus friedlichen Charakter. An verschiedenen Stellen wurden Reden von aänzlich unbekannten Größe» gebalie». Manche sprachen siemlich ruhig und besonnen, andere hielten wüste Hetzreden gegen die Regierung und die Mehrheitssozialisten. Die Sicherheilswchr benahm sich durchaus zurückhaftcnd. Losten standen an den Eingängen/ andere patrouillierten um das iebäude herum. Die große Frettreppe vor dem nach dem Königs- atz zu gelegenen Hanptportol war durch eine Postenkette gesperrt. Ei« in den Kuß Her Treppe und auf de» Rampen zu beiden Seiten . ücSselven standen die Massen der Demonstranlen. Die Zeit von 1 bis IZ Uhr war unter Reden. Hoch- und i e d e r r u i e» verstrichen. Die Massen langweilten sich ichließlich. Niemand wußte, welches Ziel die Temonstralio» eigentlich haben und wie lange sie währen würde. Man sah, daß die Sache weder organisiert«och geleitet, sondern die Masse sich s e l b st überlassen war. Tie Organi- 'ation der Unabhängigen hatte zur Demonstration zwar"auf- gerufen, ober eS unier lassen, derselben ein« autoritative und v e r a n r w o r t l i ch e Leitung z» geben. So kam. was voraus» zu'ebewwar. In der sich selbst überlasse»«» Masse drängte» sich die undisziplinierten radaulustigen Elemente in den Bordergrund. Das war»n diesem Falle die große Freitreppe. Man hänielte die SicherheitSbeamten. doch diese verhielten sich dem» gegenüber p o i s, v. Die Zurückhaltung der Beamten machte den zu„Taten" aufgelegten Leute» Mut.„Ach, die schieße» ja nich." „Die paar Mann können wir doch Übern Haufen reimen." So und ähnlich beurteilte man die Situalio». Schließlich gegen Va� Uhr stürmte die Menge die Freitreppe, entwaffnete die SichcrheitSsoldale», zerschlug ihre Gewehre und drängte die Mannschaften biS an die Eingangstüren am oberen Ende der Treppe. Kurz»ach ging oben auf der Treppe ein Schuß los. Er schlug oben an der Lcd-ig des Portalvorbaueö ein, was durch herabfallende Steinsplillcr. �ölaub iirtennbar war. Bald darauf fielen an derselben Stell« noch mehrere' Zchüsse, deren Einschläge nicht sichtbar waren. Später wurde»nS von Leuten, die e« gesehen haben, wollen, mitgeteilt, alle diese vor dem Portal gefallenen Schüsse rührten von u n- vorsichtigem Umgehen der Demonstranten»nit den erbeuteten Waffen her. Nachdem die Schüsse gefallen wären, blieb e« noch elwa zehn Minulen ruhig. Dann hörte man plöplich von der naäi der S i in s o n st r a h e gerichteten Seite des ReichstagSgrbäudeS her lebhaftes Maschinengewrhrseuer, welches mehrere Minuten anhielt. In w i I d e m Durcheinander stob die Menge ü'b er den Kölligsplatz nach dem Tiergarten zu. Viele warfen sich aus den schniutzigrn Erdboden, um sich vor den Kugeln zu sickern andere wurden im Gedränge nieder gestoßen. In wilder Angst strömlen die Nach- 'olgenden über die am Boden liegenden hinweg. In wenigen Minuten war der Königsplatz vollständig leer. Später erzählten uns Augenzeugen, die auf der großen Freitreppe cstaiiden hatten, die Leute, zoekche dort zuerst gegen die Sicker- h-itSwehr gewalttäiig vorgezzangen waren, seien die ersten gewesen, die beim Einsetze» d e S Maschinen» u cro ehrst uets Re t tz a u S nahmen, obgleich sie unter der Säulenhalle des PortalvorbaueS vollkomme» gedeckt ge- Wesen seien. « Eine Arbeiterin, die gleichfalls an der Demonstration teilnadm, gibt uns folgende Schilderung.' Wir slcmdeii aui dem K ö n i g s p l a tz, ganz Vor» au der Rampe de« ReichStagSgebäudeS. Der weite Platz war srei von Militär. Nur auf den o b e r st e n v i e r S t u f e n stand die grüne Sicherheitswehr. Reben wurden auf dem Königs- platz nicht gehalten. Wir standen stundenlang da, es wurde gegen die Sicherheitswehr geschimpft und plötzlich sprangen aus der Menge, die immer näher an dir Sol- baten herangerückt war, einige Leute vor» entrissen den Soldaten die Gewehre, schnallten ihnen die Handgranaten ab, nahmen ihnen die Mützen weg und zertraten sie. Dir Leute rissen auch ein Maschiiiengemehr an sich, das unter gewaltigem Geschrei »nie» auf dem Königsplatz zerschlagen urnrde. Ich selbst bin Zeugin, daß der Leutnant der Sichcrheitswehr seine Beamten davon abhielt, nach dem Angriff zu schießen, und so geschah eS, daß uach und nach fast alle entwaffnet wurden. Plötzlich ging miS einem der eroberten Gewehre ein Schuß in die Wölbung des Reichstagtportals und es wurden gegen daS Portal mehrere Handgranaten geworfen, durch deren Explosion eine große Anzahl Menschen in meiner nächsicn Nähe schwer verwundet wurden. Vielleicht hat es auch dabei schon Tote gegeben. ES wurde dann gegen das Portal gedonneri', offenbar wollte» die L�it« in de» Reichstag hinein. Nunmehr zog eine Abteilung MegierungS- lruppen, wohl auS dem ReichSlage heraus, die Moltkestraße hinunter und erössneteauSMaichinengewehrenFeuer gegen die den Platz erfüllende Menge. Es gab sofort Tote und Verwundete. Die Menge wich etwa? zurück und alle» warf sich zu Boden. Man hörte aber auch gleich Nufe, nicht zu weichen, sondern dazubleiben. Als nicht niehr geschossen wurde, erhob sich die Menpe wieder und rückte wieder nach vor». Darauf wurde wieder geschossen, und das wiederholte sich oftmals. Ich habe nicht» davon bemerkt, hätte es aber ieben m ü s i e n, daß von der Siegessäule aus geschossen wurde. Auf dem Postament der Siegessäule standen Kinder und Frauen, die sich retlen wollten. Gegen 4 Ubr wollte ich noch Hause. AuS einer Elektrischen, die am Brandenburger Tor langsam fahren mußte, stieg ein Ossi- zier auS. Menscken umringten ihn, schlugen auf ihn ein, nahmen ihm das Koppel und die' Mütze weg und traten ihn in den Schmutz. Verschiedene Wagen und Autos mit Offizieren wurden angehalten und die Jusosseii e b e>i s o b e h a n d e l t. In der Budapester Siraße griff ei» junger Mensch einen Offizier an; dieser ließ den Angreiser einfach von seinen Soldaien in die Mitte nehmen und mit fort- führen. Das geschah in r u h i g it e r Form. « Wie lange die Sicher heitSwehr sich Mißhand- lungen und Anrempelungen gefallen ließ, beweist auch folgende Zeugenaussage eines im Reichstage anwesenden Jolirnalisten: Ich sab. wie»in SicherheitSwebrsoldat»lutüberströme mit mehrere» Stichwunden im Kopf hereinstürzte und auf der Treppe zusammenbrach. Der Mann war unbewaffnet und rief:»Wir haben keine Waffen, die draußen haben welche l' Erst voll« zehn Minuten später fiel die Siilve. In der Menge befanden sich Individuen, die aus das wüsteste zum Vorgehen gegen den Reichstag aufreizten Es waren auch Ge» stalten zu sehen, die sich höhnisch aus die Gesäßtaschen klopften und riesen: „Heute habe» wir Waffen!" Unter denen, welche die Meng« aushetzten, befand sich auch der unabhängige Abgeordnet« Z u b«> l. Er verließ den Reichstag in Begleiiung einer unerlonnt gebliebenen Daine durch Portal ll, milchte sich»nter die Menge und hielt aufreizende Reden, wobei er mit den Armen gegen den Reichstag wie». Als der Offizier am Portal II die Menge zum Anseinaiidergehen ouffvrderle, rrat ihm Zubeil in heftig si er Weise entgegen. In den ReickSlag ist hineingeschossen worden Zwei Kugeln sind von außen in die Wände eingeschlagen. Wahrscheinlich stamme» die Schüsse aus Gewehren, die den Demonstranten abge- noinmen wurden. lliiier den im Reichstag eingelieferten Verwundeten be- findet sich auch ein Arbeilec I. aüs Reinickendorf-Ost(die näheren Personalien teile» wir bier aus naheliegenden Gründen nicht mir, wir besitzen aber vollen Namen und Adresse de« Berwundelen. Red.). Er hat eine tlaffende Kopswunde und sagt aus. daß er auf den, Wege von der Arbeit von den Demonstranten schwer mißhandelt wurde, weil er gearbeitet hatte. « Ein Mitarbeiter, der die ganzen Vorgänge miterlebt hat, meldet: � Obwohl die Sitzung der Nationalversammlung schon um 3 Ubr begann, gelang es mir erst gegen'AI Uhr, bis zum Reichstag vor- zudringen. Es schi-n bis dahin alles ruhtg. Ich begab mich in den Speisesaal, von dem aus man den Platz vor der Siegessäule fast ganz übersehen kann. AbsperrungSmahregeln waren nicht zu bemerken, die Masse rückte gegen die Rampe vor, Fäuste wur- den drohend erhoben. Nach einigen Minute» nahmen einige Sicherheit«- Polizisten Gewebe bei Fuß an der Rampe Aufstellung. Sofort drängten sich junge Burschen, die keineswegs den Eindruck von wirk, lichen Arbeitern machten, vor und im Nu waren die Polizisten entwaffnet. Ihr« Gewehre wurden an der Rampe ztzr» schlagen, sie selbst in die Menge hineingcrissen und miß. handelt. Tie Sicherheitspvlizisten hatten nicht das mindeste ge- tan, was die Massen zu erregen imstande war. Ein Mann sprang auf die Rampe und zielte mit dem Rep,lver in daS Fenster, an dem ich mit zahlreichen anderen Augenzeugen stand, lieh aber die Waffe wieder sinken. Zugleich sah- man ein Maschinengewehr über den Köpfen, ein Polizist umklammerte es, er wurde aber mit diesem in die Menge hmemgerissen. Im nächsten Augenblick hörte pian Schüsse, die auS der Richtung der Simsonshraße kamen, und»un wendet« sich die Masse zu wilder Flucht. Ein Teil von ihr mag die Dinge, die sich an der Rampe Abspielten, nicht gesehen halw» und hatte infolge- dessen keine Erklärung für da? Vorgeben der Sicherheitspolizei. Man sah Menschen fallen, ohne unterscheiden zu können, ob sie sich hin- warfen oder ob sie getroffen waren— vermutlich waren die Ge- trossenen unschuldige Opfer der unsauberen Elemente, die sick der Bewegung bemächtigt hatten. Gegen vier Uhr lagen zwölf Ver- wundete im Portal II des ReichstagsgebaudeS, und im Hof vor dem Portal III zwei Tote. In dem Abschnitt, hen ich zu beobachten Gelegenheit hatte, hat auch nicht ein Polizist durch grobeS oder gewalttätiges Vorgehen >die Blasien herausgefordert. Eher könnte man gegen die Mann- schoften den Vorwurf erheben, daß sie eS bis zu ihrer Entwaffnung kommen ließen. Vermutlich folgten sie aber, indem sie so großen Langmut bewiesen, dem ihnen erteilten Befehl. » Herr Dr. Trier. Sekretär de« zweiten Unterausschusses de« Untersuchungsausschusses, sagt folgendes aus: 1. Gegen 8.30 Uhr kam ich vom Brandenburger Tor zum Portal de» Reichstag». Wie ich da» Gebäude betreten wollte, kamen von der Richtung KönigSvlatz mehrere blutüberströmte Beamte der SicherheitSwehr. Die Leute hatten offenbar Verletzungen an Gesicht und Kopf; Art der Verletzung, ob Stich. Stoß oder Schuß, konnte ich nicht feststellen. Ein Stabsoffizier der SicherheitSwehr. der offenbar die Mannschaften am Portal S befehligte, bestimmte eine Anzahl Mannschaften zur Berstär» kung und gab mehrfach bestimmte Anweisung, unter keine» Umständen zu schießen. Ich iztmc den Siabsoffizier nicht, er trug aber de» I'our Ie mörite. 2. Ich betrat dann den Reichstag, kam durch die Wandelhalle. wo angeblich vor wenigen Minuten z w e i Schüsse durch die Tür gegenüber des Kaifer-Wilhelm-TenkmalS eingedrungen waren. Tie Schutzöffnungen habe ich gesehen, sowie die noch am Boden liegenden Splitter. 3. Von dem Lesesaal deS Reichstags aus konnte man den Königsplatz im ganzen Umfange übersehen. Er war angefüllt mit Menschen, die fortdauernd lärmten. Zwei Sicherheit«. soldaten wurden von der Rampe heruntergezogen und von der Menge weggeschleppt, einer in das Wasserbassin beim Bismarck- Denkmal gestoßen. Verschiedene Zivilisten hatten Waffen offen- bar den SicherhritSsoldaten abgenommen, Gewehre oder Karabiner, denn die Tragriemen waren deutlich zu unterscheiden. Die De- monstrcniten machten fortgesetzt Versuche. ' die SlcherheitSmannschaften zu entwaffnen und sie über die Rampe zu ziehen. Innerhalb der Demonstranten bestand eine Verbindung durch Leute, die mit Taschentüchern winkten. Einer dieser Leute war z. B. an einem Laternen psahl hinaufgeklettert. 4. Erst nach diesen Vorfällen hörte ich einige Maschinen- gewehrschüsse fallen, worauf sich die Menge etwa bis zur Höhe des Bismarck-Denkmals zurückzog. « Ein Mitarbeiter der B.-S.-Korrespondenz, der die ganzen Vor- gäng« Miterlebt hat, meldet unS: An sämtliche» Eingängen standen Beamte der grünen und blauen Polizei, am Portal an der Sommerstraß« und an der Rampe sah man Maschinengewehre, während im Inneren des ReichStagSbaue» Flammenwerfer bereitgestellt waren. Polizeipräsident Ernst und Minister d«s Innern Hein« begaben sich nicht in den Sitzungssaal, sondern hielten sich meistenteils an den Portale» auf, da der Regi.'ruug zuverlässige Mitteilungen ge- macht worden waren, daß bestimmte revolutionäre Gruppe», ent. gegen dem Willen der Leitung, unter alle» Umständen versuchen würden, die Kundgebung zu störe» und tätlich gegen die Beamten vorgehen werde. Kurz vor%4 Uhr erschien eine Abteilung der Sicherheitswehr am Fuß der Freitreppe des Reichstages und versuchte, in Gänse- marsch, die Frei-trep'pe zu besetzen, um sie von den De- monstranten zu säubern. Die Truppen waren bewaffnet und hatten Maschinengewehre und Munition bei sich. Sie wurden von der Menge umringt und, je nach Temperament, mehr oder minder arg beschimpft. Immer mehr wurden die Soldaten, ungefähr 30 an Zahl, von den tobenden Menschen bedroht. Ein Teil de« Truppe wurde von den Kameraden getrennt und mußte»»verrichteter Sache umkehren. Tie anderen Soldaten aber waren hilflos der Wut der Mrnge preisgegeben. Im N» wurden sie umringt, und zwar der- art, daß sie sich kaum bewege» konnte», geschweige denn von ihrer Waffe Gebrauch mache» konnten. D?» Soldaten wurden buchftäb- lich teilweise die Kleider vom Leibe gerissen. Die Waffen wurden ihnen entrissen und nun hagelt: es Schläge auf die Soldaten, von denen einige sehr stark blutende Wunden davontrnge«. Inzwischen hatten die auf der»berste« Stufe der Freitreppe stehenden Demon- stranten die den Soldaten genommenen Waffe« schnßfertig auf di« fliehenden Sichrrhcitssoldatcn gerichtet, die im Laufschritt durch die Simsonstraße durch daS Portal III in den Reichstag zu flüchten versuchten. In diesem Augenblick fielen einige Schllsse, die über die Köpfe der Mengt hinwegpfiffen. Sie waren von den jetzt be. waffneten Demonstranten abgegcb-n worden. Im nächsten Augen- blick trafen die fliehenden Beamten der Sicherheitspolizei vor dem Portal III de» Reichstage« ein. viele Ware» in beklagenswertem Zustand und mußten von ihren Kameraden tn das Innere des Gebäudes getragen werden. Nunmehr wurde die NeichStagswacho alarmiert. Auf de« Befehl eines vorgesetzten mußten all« verfüg. baren Mannschnften mit ollen»u Gebote stehende« Maschinen- gewehre», Flammenwerfern usw. ausrücken««d gleichzeitig wurde di» Absperrung der Seitenstraßen de» Reichstages in verschärftem Maße vorgenommen. Im nächsten Augenblick erfolgte der blutige Zusammenstoß. Tie Maschinengewehre spielten, Handgranaten explodierten und da- zwischen ertönte das Knallen der Jnsanterirgewehrr. So ging eS etwa 5 Minuten lang, und mit kurzen Pausen mußte diese trau- rigr Musik immer wieder wirderholt werden. Die„mutigen" Agi- tatoren wart« verschwunden und überließen die verhetzten Rasse« ihrem Schicksal. Im Juuer» deS Reichstages hatte man aller Eile ein flieg:ndeS Lazarett aufgemacht, in dem man die Verwundeten notdürftig verband. Arm- und Bein- ichüss« wurden kunstgerecht geschient, und man ging nun daran, Fuhrwerke zu requirieren, um die Verletzten fortzuschaffen. Be- sonder» die großen Autobusse der Linie Haknie«— Unter den Linden wurde» angehalten, und so gingen die Transporte in die in der Nähe gelegenen Krankenhäuser, besonders in die Charitö, ab. Ein« Uebersicht über die Zahl der Verwundeten fft einstweilen noch nicht möglich, weil di« Demonstranten bemüht waren, alle ninc irgend transportfähigen Verwundeten nicht in die Hände der Dich-rheitS- Polizei fallen zu lassen. « Bemerkenswert ist übrigens die Feststellung, daß sich selbst unter den Demonstranten starker Widerstand gegen die unverantwortlichen Elemente geltend gemacht hat. welche durch Hetzreden und Provokationen und durch dio Aufforderung zum Stur« de« Reichstages die blutigen Auftritte verschuldet haben. E« kam an verschiedenen Stellen deswegen zu Scklägereien. Einer der Hetzer wurde durch einen Messerstich verletzt. * Alle bisher vom Minister Heine vftnommene» Zeugen haben übereinstimmend ausgesagt, ooii»ie SicherbeftSwehr sich bis zum Aeußerstr« provoziere» ließ, ehe von der Waffe Gebrauch gemacht wurde. die Zahl See Gpfer. 2» Tote, 2 Vermiete und 50 Verwundete. Bei Schluß des Blattes wurden al» tot gemeldet: 1. Gustav M a a ß, Heidenfeldstt. 4(Hcrzschuß), 2. Bruno Ewald, Hohenschönhausen, Orankcstr. 2Z(Kopfschuß), 3. Hans Pargel, Neukölln, Zietenstt. 61, 4. Artur Henke, Fürstenbcrger Str. 12. b. Walter Wohlleben, Mirbachstr. 28 v. I, 6. Otto H e i n i g, Katzlerstr. 18(Kopfschuß). 7. Reinhold Höpfner, Polizeirevier 49(HalSschuß), 8. Rosenfeld. Straßenbahner.(Kopsschuß), 0. Oberfeuertverker Richard Krause. Charlottenburg lttopsschuß), ll). W. Uckermann. Einrichter, Neukölln. Knesebeckstr. 64. Leider scheint damit di« Zahl der Toten noch niin erschöpft zu sein. Eine Lokalkorrespondenz meldet i« später Stunde: Jn>aS Leichenschauhdu» in der Hannovers che» Siraße wurden allein 10 Tote, wrunter 4 Frauen eingeliefert. Bon den ungefähr 60 Verwundeten, die in die Klinik in der Ziegel- st r a ß c gebracht worden sind, sind bereit» 10 ihren schweren Verletz ungen erlegen. Unter den hier Einge. lieferten, fast durchweg Männer, befinden sich auch vier Sicher. heitssoldaten. Sehr stark mit verwundeten belegt ist auch die Tharitö. Di« genau« Zahl steht noch nicht fest, da dies« auf die verschiedenen Abteilungen pereilt worden find. Die Axrzt« mußten in vielen Fällen sofort zu Operationen schreiten, da e i n großer Teil ziemlich schwer verwundet worden'st. Viele haben Kopf«. Brust, und Bauchschüsse, ander« sind mit weniger schweren Beinverletzungen davonge komme«. Da bei Nr. 24 �37. Jahrgang Seilage öes vorwärts Mittwoch, 14. Januar 1920 Sie Unabhängigen sabotieren öas Parlament. deutsche Nationalversammlung. ISZ. Sitzung. Dienstag, den 13. Januar 1S2<), nachmiltags 8,1S U h r. Am Regierungstisch: Schlicke. Sr�berger. Kock, David und Bell. Präsident Fehrcnbach widmet� dem am 26. Dezember 1919 verstorbenen Abg. Bärwald(Dem.)'einen Nackruf, den die Abgeordneten siebend anhören.— Abg. Winniz(Soz.) hat sein Mandat niedergelegt. Bor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Abg. Geher- Leipzig lU. Soz.) zur Geickäftsördnuiig: Das Haus wird von be- wasineicr Macht mit Maschinengewehren besetzt. Tie Besetzung kann nur mit Zustimmung des Präsidenten erfolgt sein. Es ist des Parlaments unwürdig, unter solchen Mahnahmen zu tagen.(Lacken rechts.) Diese Maxnahmen find der AuSflufi einer neuen Militär- berrschakt(Lachen rechts), die erfüllt ist von dem Geiste des alten Militarismus.(Unruhe und Lacken rechts.) Sie sind ein Hohn aus die angeblich freiheitlichste Perfassung der Welt.(Erneutes Lachen reckt'S) Wir vrotestieren gegen diese Gewalrmaxnahmen und fordern lo'ortlge Entfernung des Militärs aus dem Hanse.(Beifall bei den U. Soz., Lacken recht?.) Präsident Fehrenbach: Bei meiner Ankunft heute vormittag ist mir vom Bureaudireltor mitgeteilt worden, dab die Regirrung gc- wisse Polizei- und Sicherbeitsmaxregeln für den heutigen Tag als angezeigt erachtet hat.(Hört, hört! bei den U. Soz.) Ich batte weder das Reckt noch eine Beranlasiung. in die von der Regierung getroffenen polizeilichen SickerheitSmastregeln einzugreifen.(Rufe bei den U. Soz.: Oh. doch!) Die Gewährleistung der Sicherheit auch der Abgeordnet?« ist Sache der Regierung, und in diese Maßnahmen einzugreifen, wird jedem Präsidenten eines Parlament? fernliegen. Abg. Henke(U. Soz.): Es ist ein Hohn auf das Hau? und seine Inschrift:.Dem deutschen Bolke". wcnn mit Maschinengewehren beioaffnete Soldaten Hfis Hans schützen. Wogegen soll denn das Haus geschützt werden?(Rufe rechlS: Gegen Sie!) Untere Ber- bandlungc» werden nicht im geringste« gefährdet, wenn draußen das Bol! demonstriert. Präsident Zehrenbach: Mir hätte es nicht an Mut gefehlt, auch ohne diese Maxnahinen zu tagen. Wenn aber die Regierung nach de» ihr bekannten Börbereituugen gewisie Sscherheitsvorkehrungen für notwendig hält, so habe ich keine Veranlassung und kein Recht, ihr in den Arm zu fallen. Abg. Geyer-Leipzig(U. Soz.): Wir hätten gewünscht, der Präsident hätte selbst gegen die Polizeimahnabmen protestiert und die Würde des Hauses so gewahrt, wie sie am besten zu wahren ist.(Beifall bei den U. Soz.) Zur zweiten Seratung ües Setriebsrätezesetzes bericktet unter grosser Unruhe Abg. Schneidrr-Sachfen iDem.) über die AuSfchussverhandlungen. Plötzlich stürzt gegen 3% Uhr eine Gruppe Unabhängiger in den Sitzungssaal, voran Frau Zietz und Henke. Sie rufen in grösster Erregung: Draußen wird geschaffen! (Im Haule und auf den Tribünen entsteht eist ungeheure: Tumult. Zahlreiche Abgeordneten machen dem Präsidenten Fehrenbach er- regle Zurufe. Unabbängige und MehrbeitSsozialislen reden erregt auf« eiiiaiider ein. Der Präsident versucht wiederholt vergeblich, dem Berichterstatter das Wort wieder zu verschaffen und bricht schließlich dkc Sitzung ab. Tumult im Saale. Po» der Journalistentribünc aus versucht ein Jugendlicher in Feldgrau eine Ansprache zu halten. Er beginnt mit lauier Stimme:.Meine Herren! ES ist mit Ge- wehrkugeln geschossen worden Die Abgeordneten wenden sich nach der Tribüne, der Redner spricht aber nicht weiter, da ihm be- greiflich gemackt wird, dass er sich mit der Hausordnung in Wider- spruck ievt. Aufforderungen des DienerS, die Jonrnalisteutribüne zu Verlasien, folgt der junge Mann jedoch nicht. Um t Uhr IS eröffnet Präsident Fehrenbach die Sitzung aufs neue: Zu unserem schmerzlichen Bedauern muss ich feststellen.dass Ber- wiinduiigen vorgekommen sind, darunter, wie ich höre, auch solche mit lödlichem Ausgange.(Zurufe von Frau Zietz.) Wir sind.gegen- wäriig «icht in der Lage, die Schuldfrage festzustellen, ohne aitZreichende Unterlagen, lieber die Opfer(das HauS hat iick erhoben) drücke ich meine herzliche Teilnahure und mein Bedauern aus.(Lebhaste Zustimmung.) Jetzt kommt alles dar- auf an, dem Reiche und dem Auslände gegenüber die volle Ruhe zu bewahren. ES wird den stärksten Eindruck machen, wenn wir jetzt ruhig in unserer Beratung fortfahren.(Lebhaft. Wider- spruch bei den U. Soz.) Wir bringen den Verwundeten unser tiefstes Bedauern entgegen.(Zuruf der Frau Zietz: Na also!) Die Schuld- frage können wir aber jetzt unmöglich erörtern. Es muss jedoch den stärksten Eindruck machen, wenn wir jetzt als entschlossene Pnrlaniei'tarier trotz des bedauerlichen Vorfalles unserer herben i Pflichr folgen und weiter tagen. Die in der Minderheit bleibenden ! Abgeordneten bitte ich gegebenenfalls, sich in würdiger Weise einem etwaigen Mehrheitsbeschlüsse zu fügen.(Zustimmung bei den Mehr- hcitsvarteien.) Abg. Henke(U. Soz.): Im Namen meiner Freunde beantrage ich Vertagung. Wir müssen der ruhigen Vernunft folge«. (Gelächter.) Es würde auch auf daS Ausland den besten Eindruck machen, wenn wir den Gepflogenheiten der Demokratie entsprechend, uns nicht im Widerspruch zu dem Volksgefühl setzen, und uns vor den Opfern da draussen beugen. Es geht nicht, dass diese Sache zur Prestigefrage der Nationalversammlung gemacht wird. Es kann leine grössere Aufreizung des Volkes geben, als den Vorfall da draussen. Sie würde verstärkt, wenn die Nationalversammlung ihre Tagesordnung für wichtiger hält, als die Vorgänge ausserhalb des Haukes. Gegen die Fortsetzung der Tagung halten wir jeden Wider» stand für nötig.(Grosse Unruhe.) Brechen Sie deshalb die Ver- Handlungen ab.(Bestall bei den Unabhängigen.) Präsident Fehrcnbach: Die Prestigefrage scheidet aus. Die Minderheit muss sich der Entscheidung der Mehtheit fügen. Das gehört zum Wesen der Demokratie.(Zustimmung bei der Mehrheit.) Abg. Gcyer-Leipzig(U. Soz.): Ich fühle mich ausserstande, heute der Verhandlung ruhig zu folgen, wo die Opfer der Unruhen tot oder sterbend im Hause liegen.(Zurufe: Wer trägt die Schuld?) Draussen wird da? Weitertagen den Eindruck von KemülSroheit machen.(Sehr wahr! bei den U. Soz.) Wer eS fertig bringt, jetzt weiter zn tagen, während Tote und Verwundete im Hause liegen, dem fehlt die Tiefe des menschlichen GefüblS. Wir werden tun, was zur Verhinderung der Verhandlungen nötig ist. Präsident Fehrenbach: Der Vertagungsantrag bedarf der Unter- stlltzung von 30 Mitgliedern. Abg. Hmke(U.Soz.): Jetzt kommt eS nicht auf die Grundsätze der Demokratie, sondern auf die Grundsätze der Menschlichkeit an. (Zurufe: DaS sieht Ihnen ähnlich!) AuS Gründen der Menschlich- keit ersuche ich um Annahme unseres VertagungSantrageS. Pkäfident Fehrenbach stellt die Unterstützungsfrage: Für den Antrag auf Vertagung, erheben sich nur die Unabhängigen. Die Unterstützung reicht nicht aus.(Rufe auf den Tribünen: Pfui! Roheit! Lärmende Auseinandersetzungen zwischen Mehrheitssozialisten und Unabhängigen.) Berichterstatter Abg. Schneider-Sachsen(Dem.) nimmt das Wort zur Fortsetzung de» Berichts über die Ausi'chussberatungen. Sämt- lich? unabhängigen Abgeordneten erheben sich und rufen:.Roheit! Pfni! Schlüsse Der Redner kann sich in dem Lärm nicht berständ- lich machen. Von den Mehrbeitsvarteien kommen Gegenrufe. Präsident Fehrenbach: Ich ersuche die Mehrheit um Ruhe und hoffe, dass auch die Minderheit angesichts ihrer unbedeutenden Zahl die Verhandlungen nickt mehr stören wird. Ava. Schneider setzt die Berichterstattung fort. Die unabhän« gigen Abgeordneten machen andänerndc« LSr«. Di« Stenographen nehmen neben dem Berichterstatter Platz. � Abg.� Schneider diktiert ihnen seine Rede, die im allgemeinen Lärm völlig verloren geht. Abg. Düwell(U. Soz.) schlägt qndauernd mit seiner Mappe auf den Tisch. Präsident Fehrenbach erteilt den Abgg. Dr. Geyer-Sachsen oar vor Jahren verwitibt und..hatte eine junge Magd in Dienst genommen, die ihm sehr gesisls'als er nun merkte, sie werde in Gutein ihin nicht zu Willen sein, so brauchte er Gewalt. Es hätte ihm übel bekommen können, wäre die Dirne damals in die Gerichte gegangen, aber was getraut sich so ein armes Ge- schöpf? Sie demütigte sich vor dem Alten, beschwor ihn um Jesu willen, sie nicht in der Schande zu lassen: das war es. was'er haben wollte,.er machte sie zu seiner Müllerin, die Leute fgnden das für ganz ausnehmend brav gehandelt und lobten und rühmten ihn, aber es bekam ihm übler! W'e sich ein Ding anläßt, so wächst sichs auch aus, was- mit Schande. Angst und Heimtücke begann, konnte nicht mit Ehr', Fried' und Offenheit enden. Es kam da ein junger Knecht auf die Müble, und den mochte die Müllerin leiden. l'm rbre Jugend ivar sie betrogen worden, aber das junge Blut behielt' sein Recht. � Wohl wußten beide, es war nicht recht,>oas sie da im geheimen spannen, sie wußten es, gleich wie es onhoh, die Müllerin wußte es, als sie den: Burschen zulächelte, und der Buriche wußte es, als er verlegen das Lächeln zurückgab, aber das sah si- doch ganz unschuldig an und man konnte sich ia hüten, ober so blieb es bei jedem Schritte, mit dem sie sich mehr und mehr näherrllckten, und zuletzt erichien den beiden selbst das Aergste unverfänglich. Ihre Liebe war freilich wcht wie die anderer Leute, sie durften nicht stolz aufeinander sein, sie mußten darauf achten, daß man nicht merke, wie gut sie einander seien, imd daran im nur der Alte schuld, sie hofften, er werbe doch bald ver» sterben. Einmal wallfahrte die Müllerin, ein andermal der Knecht nach einem nahen Gnadenorte und baten die Mutter- gottes, sie möchte sie erlösen, sie beteten— um den Tod eines Menschen! Aber die Wallfahrer hatten kein Glück, der Alte blieb rüstig und gestmd, als sollte er ewig leben. Das war hart für sie; wie lange sollten sie denn noch warten und harren, um es zu gleichem Ende wie andere Liebesleute führen zu können? Immer unleidlicher ward ihnen der Zwang und das Geheinstun. und so fielen sie denn in einer Nacht gemeinschaftlich über dm Alten her und ließen nicht ab van ihm, bis er tot war. dann setzten sie die Müble in Gang— das klapperte Plötzlich weithin durch die Stille der Nacht, als wollte es das rubende Tal aus dem Schlafe schrecken, aber ihnen taugte das Getöse, es ließ sie nicht klar werden über das Geschehene und nicht an den kommenden Morgen denken. Ten Leichnam warfen sie in das kreisende Rad. . Die Sonne die sie weckte, war eine andere als die alte; Ivos war das für ein abscheuliches Licht, das in alle Winkel spähte, durch jeden Bretterspalt fiel?! Dort stahl es sich durch die verhangenen Fenster in die leere Kammer, und ein wirbelnder Streif tankte über die Polster des Bettes, fand aber nicht, wie sonst, einen Schläfer zu wecken. Wie glitzerte das Wasser am Mühlrade und— o. wpr sich hinzuschauen getraut hätte I— wie es den toten Mann mit jeder Uni- drehung hervor an das Lickt schleifte! Aber da galt kein Säumen, lebendig wird es schon rings im Tale, die Leute werden kommen, daß sie auch kommen müssen, daß doch die Welt diese Nacht über ausgestorben wäre! Was sagen? Was tun? Die Mühle wurde gestellt, die Müllerin stürzte mit Jammergeschrei, verwirrt und entsetzt in das Tal nach der nächsten Hütte, um den Leuten zuzuschreim, daß heute nacht ihr Mann verunglückt sei. � Aber die Sonne, die böse Sonne mit ihrem aufdringlichen Lichte ging nickst unter, ohne alles an dm Tag gebrocht zu haben. Der Mond fand die Mühle leer, dafür sah er dort, fern in der Kreisstadt, als er die Schatten der Gitterstäbe in di' Gefängniszellm warf, ein junges.Weib mit verweinten Augen und einen Burschen mit stieren, glanzlosen Blicken aflos vor sich hinstarren. (Forts, folgt. S!Mg der Geschäfts die Sitzung zu schließen sich erlaubt, dann wäre er nach Verdienst sehr nachdrücklich darüber beiehrt worden, was parlamentarischer Brauch ist. Auch die Unabhängigen schienen zuletzt einzusehen, daß die Sitzung gar nicht rechtmäßig geschlossen worden war, denn plötzlich brachten sie einen nochmaligen Antrag auf Vertagung ein. Zunächst wurden wegen der Erregung auf eine Viertelstunde die Verhandlungen ausgesetzt, nach Wiedereröffnung der Sitzung aber erklärte Genosse Ritter, daß bei der immer noch anhaltenden Erregung ein Verbandeln unmöglich sein wurde. Anzweiflung der Beschlußfähigkeic führte dann den Abbruch der Sitzung herbei. Die Unbemittelten und Erwerbslosen Berlins haben eZ der schließlich doch geglückten„Vcrsammlungssvrenaung" zu danken, daß sie nun noch länger auf ihre Wcihnachts- spende warten müssen. Der Magistrat hatte bereits alles zur sofortigen Auszahlung vorbereitet. «* Sofort nachdem Vorsteher Dr. Wehl'buc Sitzung eröffnet hat, stellt Dr. Rose n seid lU. Soz-i den Antrag auf V er- tagung: In tcn Straßen Berlins ist heute Blut geflossen! Tie sogen. Sicherheitswehr, in Wirklichkeit eine Militärtruppe, bat auf friedliche, unbewaffnete Demonstranten gefchossont Schon sind! 3 T o t e zu verzeichnen; zahllos sind die Verwundeten, di« noch in den Reichs- tag eingeliefert werden! Zum Zeichen des Protestes gegen dieses rücksichtslose und brutale Vorgehen der Sicherheit-- wclw müssen die Verticter der Bürgerschaft die Sitzung auf- bebe n. Es hat sich um friedliche Demonstranten gehandelt. lDie Aussührungen des Redners werden durch immer größeren Lärm und andauernde Zwischenrufe unterbrochen; auf Zwischenrufe Kochs(Bg. Vyg.) cri ii wartet Urig(U. Soz.) mit dem Zu-rus: Sie sind der wichtige Hetzpfaffe!(Koch fordert den Vorsteher wiederholt aus, Urig zur Ordnung zu rufen.) Die Sicherheitswehr ist gegen friedliche(?) Berliner Bürger nicht nur mit Seitengewehren, sondern auch mit Handgranaten und Maschinen- gewehren, ja auch mit Flammenwerfern aufmarschiert. Welche Entrüstung rief es in der ganzen zivilisierten Welt bervor, als diese brutalen Kampfmittel im Kriege angewendet wurden! Die Berliner Bürger haben kein Fischblut in den Adern; ein so provozierendes Verhalten der Sicherheitswehr mutz die größte Erregung in die Mafien tragen. Der Gedanke ist uns unerträglich, die Goschaft« der Stadt fortzuführen in«wem Augenblick, wo die Toten und Verwundeten vielleicht noch nicht einmal alle geborgen sind! Stadw. Cassel(Dem.): Wir haben keine Kenntnis über die Vorgänge und über die Richtigkeit der mm Dr. Rosenfeld be- baupteten Tatsachen; das wird sich erst später ergeben(Zuruf: Wenn Sie ausgeschlafen haben!) Wir wissen nicht, ob an den sehr bedauerlichen Vorfällen die Schuld die Sicherheit?- Polizei trifft oder andere, durch deren Schuld diese beklagenS- werten Opfer gefallen sind. Aus, die Behauptungen von Dr. Rosen» ield hin unh auf die Schreie und Zurufe aus gewissen Teilen dieser Versammlung, die ja gar keine parlamentarische Beratungs- statte mehr ist, die Sitzung abzubrechen, liegt gar kein Anlatz vor; damit würden wir durchaus nicht im Sinn« der Herstellung der Ordnung und Ruhe wirken.. Zu einer leeren Danonstration aber geben wir uns nicht her. Bruns(Soz.): Wir bedauern und betrauern die un- schuldigen Opfer, die heute gefallen sind. Ich mutz aber auf den Bericht eincs Auzenzeugen feststelleu, datz zunächst von sciten der Demonstranten zur Gewakt gegriffen worden ist und nicht von der anderen Seit«.(Bewegung und Un- ruhe.) Stellung zur Sache nehmen können wir erst, wenn ein- wand frei feststeht, auf welcher Seit« die Schuld liegt. Wi r sehen keinen Grund, die Sitzung abzubrechen, und werden gegen die Vertagung stimmen. Rüffer(Bg. Vgg.): Tie Schuld tragen die, die in dieser erregton Zeit die Massen auf die Straße gehetzt habcll.(Großer Lärm bei den U. Soz.) Als ich die Aufforderung in der»Freiheit" las, habe ich sofort voran Sgefoheu, was kommen würde. Dom�Porsteher muß ich die schärfste Mißbilligung aus» sprechen, datz er dem Stadlv. Urig keimen Ordnungsruf erteilt hat. Auch Dr. Lammerich(Z.) ist gegen die Vertagung. Dr. Rosenfeld: Von Cassel bis Bruns eine reaktionäre Masse!(Gelachter.) Der Antrag auf Vertagung wird gegen die U. Soz. abge- lehnt. Dr. Rosenfeld: Nach der Ablehnung unseres Antrages sind wir, weil uns der Gedanke, unter diesen Umständen unsere iberatungen aufzunehmen, unerträglich ist. gezwungen, den Saal zu verlassen. Vorsteher Dr. Weyl: Ms Mitglied der U. Soz. Fraktion sehe ich mich veranlaßt, ihrem Beispiel zu folgen. Damit ist das Prä- stdwm verwaist. Die Sitzung ist geschlossen. ?ch beraume die nächste Sitzung aus Donnerstag an.(Lebhafte Rufe: Nein, noinl) Während Tr. W.hl den Saal verläßt, erscheint Stadtv. Wege lBg. Vgg.) auf dein Präsidium, erklärt die S i tz u n g für er- öffnet unv fordert die Versammlung auf, in die Erledigung�der Geschäfte einzutrelen. Unmirtelbar darauf treten die U. Soz. Rosenfeld, Adolf Hoffmann und Urig wieder in den Saal. Adolf H o f f m a n n prolestiert gegen die Fortsetzung der Versammlung, die kein Recht zu tage,, habe und deren event. Beschlüsse ungültig sein würden. Herr Woge habe da oben nichts mehr zu suchen und solle, wie am 8. Januar, seiner Wege gehen. Merten(Tom.) zieht abermals 8 k der GoschästSordnung an, um daö Recht des Herrn Wege darzutun; Koch betont, daß eS am vorigen Donnerstag Dr. Wehl selbst gewesen sei, der den Vorsitz an Wege übertragen habe. Adolf Hoff mann; Ich protestiere gegen jede weitere Verhandlung; die Sitzung ist ordnungsmäßig(?) geschlossen. Ein dievtebhuudert Tote ist anulich festgestellt. Tue Mlehmmg der Vertagung müßte den Rechts sozialislcn die Schamröte ins Gesicht steigen lassen. In der weiteren mit gleicher Erregung geführten Debatte stellt Dave(Dem.) mit großem Bodauern fest, daß der Borsteher sich weniger alb Vorsteher, denn als Mitglied feiner Partei gefühlt hat; dadurch fei der ganze Wirrwarr entstanden.— Dr. Rosen feld hält für ausgemacht, datz jedes Gericht die Gesetzwidrigkeit der von dieser Versammlung gefaßten Beschlüsse aus- sprechen' würde.— Adolf Hoffmann richtet weiter die hef- rigsten Angriffe gegen den Vorsdeher-Slelloer treter Wege.— Koch beantragt schließlich Vertagung auf eine Viertel» st u u de, während die inzwischen in den Saal zurückgekehr» ton u. To.,. Sie Vertagung dieser„Versammlung von Siadtver- -ordneten" und namentliche Aoitimmung darüber beantragen.— Cassel ist für dm Antrage Koch aeigesichlS des beispiellosen, allen denrokratisSzen Grundsätzen hohnsprechende» Vorgehens der U. Soz. Die Vertagung auf eine Viertelstunde wird beschlossen. Nachdem kurz nach 7 Uhr die Sitzung abermals für wieder- eröffnet erkläre ist, gibt'Ritter(Soz.) di« Erklärung ab, datz er irach den bedauerlichen Vorgängen, die sich hier abgespult haben, ei für seine Person nicht"mehr für möglich hält, weiter zu tagen. Er bezwotfelt die Beschlußfähigkeit und beantragt Vertagung, spricht aber gleichzeitig fein großes Bodaueml aus, datz nunmehr wichtige Vorlagen und die Angelegenheit der Erwerbs- losensürsorge unerledigt bleiben müssen. Das Bureau schließt sich dem Zweifel an; Stadtv. Wege er- klärt um 7.05 Uhr die Sitzung für geschlossen. GroßSerUn Gsoß-Serlkn in öer£ anöesversammlung. Die vorbehaltlose Eingemeindung der Vororte nach Berlin ist ein Programmpunkt der Berliner Sozial- demokraten seit Jahrzehnten. Wir wollen aus politischen und wirtschaftlichen Gründen die Einhettögemeinde Berlin. Unter der Republik ist uns ein gerechtes Kommunalwahlrecht geworden, das aber in Groß- Berlin wegen der Zerrissenheit der politischen Gemeinden bisher nickt zur vollen Geltung hat kommen können. In einer Reihe von Vororten herrscht noch immer der alte Geist, ist noch immer jener Einfluß maßgebend, der die Massen des werktätigen Volkes nicht zu ihrem Recht kommen lassen will. Die geschlossene Znsammen- fassung der politischen und wirtschaftlichen Kraft und M a cb t der Groß-Berlincr Bevölkerung in einer ein- beitlich arbeitenden Kommimalverwaltung ist unter Ziel. Was Groß- Berlin wirtschaftlich leistet, leistet es a l s Ganzes, nicht durch die Vermittelung der Einzelgemcinden. Deshalb muß auch die auf der wirtschaftlichen Leistung des Ganzen ruhende kommunale Finanzkraft Groß- Berlins zu gemeinsamer Nutznießung zur Verfügung gestellt werden. DaS ist nur durch die Eingemeindung und nur durch die Einhcitsgemeinde restlos zu erreichen,— beides muß nach der Revolution für jeden Sozialdemo- kraten selbstverständlich sein. Ter Gesetzentwurf für die Eingemeindung liegt der Landesversammlung vor. und diese hat ihn einem Ausschuß überwiesen. Der Umstand, daß die Staatsregierung unter den schwierigen Verhältnissen des letzten Jahres längere Zeit zur Fertigstellung deS Gesetzes brauchte, hat den Gegnern die Möglichkeit gegeben, sich zu sammeln und eine umfangreiche Arbeit in den Vororten und in der reaktionären Tagespresse gegen den Einaemeindungsgedanken zu organisieren. Sie behaupten, die Eingemeindung sei durch die Rcichsfinanz- reform überflüssig geworden, die Rcichseinkommenstcucr bc- fettige die Steueroasen, also auch die günstigere Lage der biS- her wohlhabenden Vororte. Richtig ist, datz die"ReichSein- kommensteuer alle Steuerpflichtigen— auch diejenigen in Groß-Berlin— gleich niäßig treffen wird. Die Mei- nung aber, daß hierdurch irgend etwas in der finan- zicllen Leistungsfähigkeit der einzelnen Gemeinden ge- ändert werde, ist grundfalsch. Das Reich wird den Ländern und auf dem Wege über die Länder den Kommunen ihren Anteil von der Reichseinkommensteuer, be- recknet nach dem Ertrag der Gcmcindeeinkommenstcuer von 1919 plus 6 Proz., zuweisen. Demnach erhalten die wohl- habenden und Rentnergemeinden hohe, die armen und durch den Krieg ruinierten Arbeitergemeinden niedrige Bcträoe, die einen viele Millionen die anderen Hunderttausende. Ohne Eingemeindung bliebe also alles beim alten, und manche Vorortsgemeinden wären wahrscheinlich gezwungen, ihren Bankerott anzumelden.— Zum anderen sind es ausgerechnet die Rechtsparteien, die iu der Eingemeindung plötzlich eine Gefahr für die Selbstverwaltung erblicken, dieselben Rechtsparteien, welche die Entwicklung der Stein-Hardenbcrgschen Staats- und Kommunalverwaltungs reform von jeher verdroffenen BlickeS uttd den stetigen Aufstieg der Selbstverwaltungskörper mit unverhohlenem Mißtraueu be- obachtct haben. Warum soll die Selbstverwaltung in den Vororten unter der Eingemeindung leiden? Weil sie nicht in den bisherigen Formen weitergefilhrt werden wird?— Nicht die äußere Form, sondern der Inhalt, der Geist äst es, toaS der Selbstverwaltung die große Bedeutung für die Volksintcrcsien verliehen hat. Es ist ein Wider- spruch in sich selbst, gerade uns Sozialdemokraten eine Schädigung des Gedankens der Selbstverwaltung zuzutrauen. Wir werden Mittel und Wege finden— und sie sind teilweise scbon gefunden!— die Mitarbeit aller Kreise der Bevölkerung an der Wohlfahrt Groß- Berlins, des Ganzen sowohl wie seiner einzelnen Teile, sicher- zustellen, und wir werden, soweit notwendig, neue F o r- men der Selbstverwaltung schaffen, wo die alten als ungeeignet beiseitegelegt werden müssen. Unsere ganze Kraft wollen wir in alter Heber- zeugungstreuo zusammenfassen, um bei dem bevor- stehenden Endkampf in der Landesversammlung den Sieg zu erringen und die langersehnte Einheitsgemeinde durchzusetzen. „Groß-Berlin" soll, wie so vieles andere, in dieser schwierigen Zeit, ein durch unsere Partei herbeigeführter Fortschritt werden. Hugo Heimann. Die Ginheit Grok-Berlins. Der AiiSsckutz der Landesvcrlammlung für den Gesetzentwurf Groß-Berlin erörterte am Dienstag zunächst grundsätzlich die Frage, ob eine EinheitSgrmeinde geschaffen werden soll, oder ob die Vereinheitlichung durch Schaffung einer Provinz oder durch Erweiterung des Zweckverbandes oder durch Schaf» fung einer Gesamtgemeiade erfolgen solle. Mit ganz besonderer Energie aber lämpste Abgeordneter Dr. P r e u tz(Dem) für die Einheitsgemeinde. Die bisherige Zeriplilterung der Ber» waltung in Grotz-Verlin nannte er den � denkbar größten Blödsinn und Irrsinn, die erschöpfende Lösung der Preisausgabe: mit den größten Kosten den geringster. Nutzeffekt zu erzielen. Wenn er jemals wirklich die Absicht gehabt hätte, Preußen zu aiomisieren, so müßte er sich über die Unfähigkeit Preußens zur Gesetzgebung freue», die mit der Ablehnung der Einherrsgemeinde zutaae treten würde. In Wahrheit aber bedaure er, daß. während die Opposition naiürlich die Borlage der Regierung geschlossen be» kämpfe, die MehrherlSparteien wieder einmal keinen einbeirlichen Willen au'bringen könnten. In der Abstimmung wurde die Ein- hertsgemeinde mir 14 gegen 13 Stimmen beschlossen. Zum räumlichen Umfang Grotz-BerlinS beantragten dann die Deuiichnationalen. die Städte Töveinck und Spandau, die Land- gemeinden AdlerShos. Alt- Glienicke, Biesdorf, Blankenburg. Blankenfelde. Buch, Buckow. Buchholz. Cladow, Falkenberg, Friedrichshagen, Gatow, Grünau Heiligensee. HermSdorf, Johannisthal. Karow. Kaulsdorf. Lankwitz. Lübars, Lichtenrade. Lichterfelde. Mohlsdorf, Malchow, Marienrelde, Mabrzahn. Nieder» schöneweide, Nikolassee, Oberschöneweide, Rudow, Staaken. Tegel, Tieswerder. Wannsee, Warlenberg, Wrltenau und Zehlendorf sowie eine Anzahl von GulSbezirken auS der Einheitsgemeinde herauS- ,ulaffen.«ach lebhaft« Debatte wurde der Antrag gegen fünf Stimmen abgelehnt. Die Wahl der Elternbeiräte. Der Termin für die Wahl der Elternbeiräte ist, wie wir von zuständiger Seite erfahren, durch eine Verfügung deS Prcvinzial- schulkollegiumS für Berlin und die Provinz Brandenburg auf Sonntag, den 7. Mär�, festgesetzt.! Räch dem Inkrafttreten deS Friedensvertrages sind im Post- Verkehr mit den an Polen fallenden Teilen vorerst nur ge- wohnliche und eingeschriebene Briefsendungen zu Jnlandsgebühren zugelassen. Nach dem Freistaat Danzig und dem M e m e I- gebiet wird der Postverkebr-unter den bisherigen Bedingungen aufrechterhalten; jedoch sind Warensendungen statistische Anmelde- scheine beizufügen. Nach den Kreisen E u p e n und M a l m e d y sind Postanweisungen, Postausträge und Nachnahmen nicht mehr zugelassen; für die übrigen Sendungen gelten die Gebührensätze und Bedingungen de? Weltpestvereins. Der Postverkehr mit dem Saarqebiet bleibt vorläufig unverändert, der Verkehr mit dem Hult schiner Ländchen findet wie mit ver Tscheche- s l o w a k e i statt. Im Postscheckverkehr sind Zahlkarten für Konten des Postscheckamts in Danzig nicht mehr zulässig. Mit diesem Postscheck- amt wird ein Ueberweisung-verkehr dergestalt eingerichtet, dag ein Postscheckkundc in Deutschland an einem Tage höchsten? 1000 Mark und im Monat höchstens 3000 M. auf Konten des Postsckeck- amtS in Danzig überweisen darf. Aufträge mit Postscheck(Zah- liingSanweii'ung) zu Barzahlungen an Empfänger im Freistaat Danzig. in Polen, im Memelgebiet, im Hultschiner Ländchen und im Gebiet Eupen-Malmedp werden durch die deutschen Postscheck- ämter nicht mehr ausgeführt. Die Tcpiltation für die Kohlenverforgung hat für den Norden und Nordwesten in der Fichie-Reall'chnle, Stepbanstratze, eine Zweig» sprechstelle errichtet, wo die Bevölkerung ihre Kohlenangelegenhciien regeln kann. Die DarlevnSkafse Cft warnt in einem Inserat unserer beutigen AuSgabe vor der Annahme der neuen Fälschung ihrer Zehnrubelschewe. Der ArbeitsnackiweiS der Stadt Berlin gibt bekannt, dag die Fachablcilnng tür da» K r a n k e np fl e g e», Bade, und Massage- ij e s e n an Amt Norden SÜSS— SO und 2190—95 und Norden 2157(treib- liche Abt.) und 2158(männliche Abt.) angcschloffcn ist. Sonn» und Feier- tag» und nachts von abends 7 Ubr ab Tclevbon nur Amt No-den 2157. Vcrttauenswmdige Pflegerinnen flehen für plötzliche Fälle zur Verfügung. Steglitz. Stellungnahme zum Gesetzentwurf Groß» Berlin war der HaupttageSordnungSpunkt der außer oHd entlichen Ge- meindevertretersitzunq. Der Versammlung lag eine Bor- lage�des Gemeindevorstandes vor. die in zahlreichen Abänderungs- antragen aus dem Gesetzentwurf für die Einheitsgemeinde einen solchen für die G e s a m tgemeinde zu machen versuckite. Genosse S z i l l a t verlrat demgegenüber den Standpunkt der sozial« demokratischen Fraktion, die an der Einheitsgemeinde fest- hält, und unterbreitete«ine diesbezügliche Resolution. Der Demo- krat Frenz versichert« gleichfalls, auf dem Boden der EinbeitS» gemeinde zu stehen, hielt aber trotzdem die Abänderungsvorschläge iür»» ü n s ch en« w er t. Herr Schwarz vom Bürgerblock lebnr die EinbeitSgemeinde ab und wünscht die Entscheidung durch die Landesversammlung binauszuschieben, der er übrigens das Recht abspricht, darüber zu beschließen, da da? ihre Kompetenzen über» schreite. A l i e r m a n n/, Liter. Die übrige Milchbeliesernng bleibt wie bisher.— Käse bis IZ. in den Bezirken der lt., 14., 19., 22.. 23., 25., 30. und 31. Brotkonnnission. Maricnborf-Tüdendr. Kinder»om 3—0. Jahre auf Vollmilchtarten A I, B I und II, C I und II je 6 Pfcstcrkuchen.— Kindorvollmilchkarten für Februar bis 17 w den Brotkommlifionen. werden durch die Post zugesandt. Nilchkarten stir Kranke Hroß-Serliner Partewachrichten. 17. Abt. Mitglicderveriammlung erft am 28. Januar 7 Uhr in der Schiilaula, Sohenlobesw. 10/11. Referent: Genosse Kurt Zacke über Völker- bund und Völkerrecht. Gharlottenburg. Tie 4. Gruppe lagt heute abend in der Kaiscrln- Auguita-Straj;« 9. Neukölln. Heule 7 Ubr Bezirk-versaunnlimgen in folgenden Lokalen: 1. Abt. Bez. 1—10. Glawe. Slbwkestr. 22: Tchmldt. Bürkneritl'. 1 1; Müller Hobrecht-, Ecke Pslügerilraße; Beck. Reuterslr. 4ß:»berzog, Fricdel- itraste 7: Brand, Pflügerstr. 19; Bezirk 9 und 10 am Donnerstag bei Afdring. 2' S! 5 t., V e z I r k 11—19. Morienfeld. Kaiser-Friedrick- Straße 220; Sckwcigböfcr. Weichiclstr. 39; Schüller, Weichsel- Ecke Donaustraüe; Vodbielski, Weichfelllr. 2; Prüsert, Fnldastr. 15; Ewald, Wcierstr. 172; Schlvensicl. Elbestr. 8. 3. A b t., B e z. 20— 27. Gvntterf Donanftr. 99; Schwach Bobbin- itrohc fi6; K-recke, Harzer Straße 32; Weber Wildenbruckiiraßc 81; Jung, Rvieggerüraße; Bräiiel, Rökeggerstr. 17; Schneider. Noscnltr. 7. 4. Abt.. Bez. 28—3«!. Münow. Kaiier-FriednchStraße 122; Wols, Kirchboistr. 41: Marten. Böbmiiche Str. 43; König, Eanncr Straße 14; Knkutsch. Saaleilr. 5; Ruck. Ringbahnitr. 34. 5. Abt.. B- z. 37-45.«ertbold. Kranoldftr. 1; Seidel. Relnbold« iiraß» 14; Behling, Glniowstraße. Ecke Bendastraße; Krüger, Emier Straße 86—87: Pank«, jdermannßr. 1: Müller. Tlmrinaer Straße, Ecke Wipperilriche; Lewerenz, Nogatstr. 9; Müller Emser Str. 27. 6. Abt.. Bez. 46—52. Adam, Bodeitr. 32; Gohlle, tzermannitr. 199; Kutzli, Lcinesw. 1; Kittler, Leykcstr. 3; Sauer, Thomasstraße 31; Kloster» mann. TbomaSitr. 40. 7. Abt., B e z. 23— SV. Grieger, Lcfsingstr. 9? Bethge, Steinmetz- straße 7; Lempe, Leistnaitr. 10; Growundcr, töerriurthstr. I. 8. Abt., Bez. 60—65. Dausackcr. Ziethcnstr. 35; Iben. Boddin» ltraß» 58: Wall. Allerstr. 7; Ablichläger, Stcinmetzstr. 53; Hentschcl, Herr» surthitr. 27; Kunert, Hrrrinrthttr. 21. 9. Abt.. Bez. 66—75. Marquardt, Mahlower Straße Ii; Schmidt, Münchener Straße 23; Breitkreutz, Reuterstraße 11; Schmidt, Wißmann- straße 20; Flebig. Mainzer Str. 6. Britz» In der Mitaliederveriammlimg am Donerstag, den 15. Jan., 7st, Ubr. In Beckers GeiellfchafiSbauZ, Chausfcestr. 97, spricht Franz Krüger, M.'d. N., über:.Der Fri-dcnSncrtrag und die deutschen Arbeiter",— Von gegnerischer Seite wird ueiiucht, von Parteimitgliedern Unterschriften für eirie Kandidatenliiie zur Wahl der Elternbeiröte an der 2. Gemeindeschule zu erlangen. Air bitten die Arbettereltern, Personen, die fie zu vor» stehendem Zwecke besuchen, nach der Parteilcgitimation zu besragen. Marienieldc. Heute abend 7 Uhr bei Mantz Generalversammlung. Borstandswahl, Jahresbericht. Stralau. Heute abend 7ff, Uhr Zahlabend bei vollenbach. Bortrag de? Genosse» Lehrer Tcpptd über Elternbeträte. Erscheinen dringend notwendig. Nosenthal. Heute 7 Uhr bei varth Zahlabend.— Für Nordend Int Friedrichszarten._________ Jugenüveranftaltungen. Wrdding. Irrtümlicherweise ist gestern morgen die Veranstaltung der Abteilung bekanntgegeben worden, die aber infolge deS Licht» und KohlenmangelS noch nicht stattfinden konnte. Der DiSkusstonsabend am Freitag findet in der 305. Eemeindeichule, Lütticher Str. 8, statt und wird daselbst väbcrcZ über die solgenden Veranstaltungen bekanntgegeben. Der Trefipuntt sür die MuscuniSsührung am Sonntag, vorntsttagS'/„lO Uhr, bleibt das Jugendhelm, Lütticher Str. 38. vortrage, vereine unü Versammlungen. Eine Protestversammlung gegen die Konzcrikarteuftrncr findet Freitag 4 Uhr im Beethovensnal statt.— Sämtliche Hilssträstc der Magistrats Berlin. Proleiwersammlung Donnerstag 3'/, Uhr im Zirkus " rband der Angestellte». Der Kursus über.Kapital Busch.— Zentrglvrrband> lind Arbeit". Referent Leopold Freudenberacr, beginnt M i t t w o l?, 21. Januar, abmdS 7'/, Uhr. Belle- Alltance-Str. 7—10. den Sriefkasten öer Reüaktioa. Sprechzeiten der juristischen Sprechstunde: Montag, Freitag und Sonnabend 3—5 Uhr; DienStag, Mittwoch, TonucrSteg 4-7 Uhr. F. M. ICO. Nein.— Urtext»LS». l.biS ll. Ihre Frage läßt fich nicht allgcniein beantworten. Wenden Sie sich an die Gemeinde. 4. Ja, wenn die Witwe invalide ist 5. Höchstbetrag: Anderthalbfaches der Jnva- lidenmtl«. die der Mann bezogen hat. 6. Vcrfichernngsamt. 7. und 8. Wenden Sic sich an die Fürsorgestelle,— W. O» 8Ä. Ja,— H. 57. Die Anficht der Eisenbahndirektion ist richtig und deckt fich mit unserer Notiz.— M. H. 100. 1. Nein. Wöchnerinnen baben Anspruch ans Wochenhilfe bczw. Wochensürsorge. Da« Wochengeld wird«ms die Dauer vor: zehn Wochen gewährt, von denen mindesten» sechs in die Zeit»ach der Niederkunft fallen müssen. 2. Allgemeine OrtSkrankenlaffe.— I. Sch.«4. L Zweiselhast. 2. 1200 BeitragSwochen.— S. 50. Soweit Erlaß vor» liegt, sind Sie zur Zahlung nicht verpflichtet.— Kusel. Kommeu Sie in die juristische Svrcchstrmdc.— Stargard(Pommern). New.— A. H. 32. Die Höht der tzinlcrbliebenenbezüge hängt von dem Dienstgrade und da- von ab, ob den Hinterbliebenen die allgemeine Versorgung zusteht oder nicht.— C. 3. 111292. 1. bi» 3. Ja.— W. Sch. Mit den Ansangt- buchstaben de? Mädchennamens. 0 w E « E W « /gSSe««* Unserem Partei- freund u. Norfch enden«l vu»«»v IVle»»«»- kr die besten Wllnsche zum 5! SV. EcburlVoa! J,' Die Funktionäre u> der S.P. <>) der b. P.®.«> Ä. Riederschiinhause« lj, Sozlslilemolli'lltijche? ! verein Berlin(3. P.D.) 34. Abteilung. Am 10. Januar verstarb 1 unser Parteigenosse, der I Schristseger 6896 Adolf Dill. Ehre seiner» Aadenlen! Beerdigung: Donner«- tag. den 15. Jan.. nachm. Z Uhr, Friedhof d. Friedens- gemeinde, Niederschönhau- sen(Nordend).' stiege Beteiligung erwartet Die Abtrtlnng«ieit«»g. Speeialaret Dr. möd. Kröterlsg Haut-, tiorn-, 1,'nteeleidtleia. d.iUänn. u. brauen, ölulunlee!. lnvaliSeoitrake 39, Ecke Citausscestr. Stett Bh(. Spr. 11-1 u. Virgil, Sonnt 11-12. Spezialarzt Or. med. Koeben. Erprobte und schmerzlose Behandlung* Frle!lrlciistr.81.Kgne0np?ibk Sönigstr.SSSUÄ Spr. 10-1 u. 4-7, Sonnt 10-1. Separate« Damenzimmer Spezialarzt Dr. med. WockentaB Friedrielislr. 125 Ä'Tor Spr. 11—1, 6—8, Sonrii. 11—1 Haro- a.Blaiontersacbong Louis XVI. 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Erscheint-in Massen, es geht jeden an! Eintritt frei Die Elnbernfcr M«W and alle anderen Tra»»qori> aerilte lles. billigst.(v-. tz.Vor«: ». M«ll»ee. i�0 onlcu. 5t. 71 Merbe» Versammlung der Gemeinnützigen Gnrtenfiedlung Dabendorf, = Potsdamer Vorortbahn. E. G. m. b. H.---- am 18. Zanuar 1020, oortniffuaa IN Ahr, Im„Ciabes- BOtten", Inhaber p. Werner, 1» Dabendorf. I. Ziele und Zwecke der chenostcnschaft. 3. Ueder B anweisen und Finanzierung. S. Freie Aussprache. 4. Aufnahm« neuer Mitglieder.«80d Bödol LeloxenKeitsKüuke echt Eiche, i Speisezimmer, kompi, von f Schlafzimmer, 2700, Herrenzimmer, sSmpi'v1� 3200,-- KliChen'o allen Farben von 500,'» Einzelmöbel, KIcinmObcl, FoIatermubcL ßtoße Auawahl Bogeptlialer«tr.8« I n. 1 2(Lad.). Baron> Platin 141 bis 145 ü�ark. ——— PI.-Zäline nicht unter 9 Mark.- Siibermark 6 M., Oolämünzea üher Preise Goldsachen, Silber-«S»,-,,, BlOcherefr. 40, saeheu k a u i t Jl»W fcHin«, v. Ii. 140,20a bestät. d. heils. 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Orestle(30. Abt., 1. Abd.) Iio.nn.71 j: Orestie(31. A., I.A.) Theater 1. d. f�EiggratzerStraße hr: bttiizcn i'erticsellschafl 1'i nst.: Schloß Wetterstein I reit: Schlott Wettcrsteln KomOdiechans 1.3 Uhr: CSe. /..•O.Male:*>lCe Berliner Theater MS U.: Unnimel- Stndcntcn m. d. neuen Opcrett.-Parodie. Central-Thenter " Uhr: kldnsel und Oretel. ■3u: Fräulein Pnck. tf eutMciie« Opernhans 7 uhr: Undine. Die Tribtin« v/.u.: Franziska. Etlen-Theater m;„ü. Ä. w. g." Irl edr.-WiJhelmst.Th. Ca uhr: Grelchen. Kleine« Theater. L';?r. ß!e Plarpliaaskomöilie. Hl. HvhnuaplelhanH. 7v,u,: Die ünheriilirte Fraa Komische Oper ivs u: DichterUebe. I.nstspielhaao Arnold Pieck in: .J��erGroEslsilt-RavallBr Tnfetropol-Theatep. V' Ohr: SybiU \eneB Operettenhnn«. 7.i5 u.-. Die kleine Hobeil » hlller-Thent. Chnrl. .i Uhr; Minna von Bamhelm. Iii Die Tür ins Freie. Tb nlla-Thearer 7v;u.: Die närrische Liehe mit Oskar Sabo a. G. und Ferry Slkla a. Q. Th.am Siollendorfplst« 3', Uhr: Der Vetter, 7'/. Uhr: J}crWcfgcfteC)te Theutep des Westens 4 Uhr: Max und Moritz. /.u.-Die Frau im Hermelin Wallner-Thcater 1'Ir Eine Ballnacht. i;,2Sldenz- Theater. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise. Kotkäppchen. Täglich 7'/j Uhr: Evclien HumbrecM. dann. 4: Max und Moritz. . reitagl: Hansel und Oretel. Volksbühne Theater am Bülovplatz. 6-fc= Götz von Beriichingen. Lessing-Theater, Direktion: Victor Barnowsky. w. uhr: Pygmalion. Donnerstag 7, zum I. Male: NSIIe, Weg, Erde. Deutsches KDnsüer-Theater f Cyprienne. itin, Götz, Walter.) Allabendlich :>/» Uhr (Konstantin Kasino- Theater i.othringerstr.37. Tägl.'/.SU.: Der Schlager der Spielzeit. Schniepels Lene Berliner Volksstück in 3 Akt Dazu der Operetten-Sketch „Erwischt" m.ViktorLilzek. Sonntag 31/,: Frohe» Fest. Theater Dir.: James Klein Weltrekordmann Heros | berühmt Kraftjongl. Cnrran Tollkühnheiten | a. schwankend. Mast, i 4 Vossems I MB Sensations-Akrobat iaiijes& he Vynos Meistersch.-Tänzerp 2 Ottkars Urkom. Reckakt. 4 Steinas Rangen im Seebad. I Sowie pers. Auftreten ] der berühmt. Rennfahrer wie: Lorenz, Pawke, Techmer und andere; anfder Kühne j Seftatt tt. Ratteb Im Qro&en Schauspielhaus Karlstr„ Schiffbauerdamm. OnasT Holl Mady Christians Paul Oraetz Friede. Hoflaendcr Hilde Gsd Hubert von Mcyerink Ann Heusinger Olli SudaML Fritz Feld Karikaturen!» ni ton Trier Eröffnung 7>/>, Beginn 5>/, V. Theater am ttotlhaser Tor TU.: lloritzplatz U dir Jed. Abend 7'lt Cbi emte-SHaeer B ebem. MltgT dar Stetbner sar gor. doontaonm 3 Uhr armäS Prriselvoll. Aüestl- Prooramm) 1 Kind frei!• Bauchen gestattet jlClhuetT- Konzert. Beg. 7.to Uhr. Totrerkl. il— ll's«. 4—• Uhr. Cinu3usti Vitt Or. Clrcus-Progr.! U. a. Bargos.Co. Resua u. Aas. 2 Lansons. OXeary. uV: Aphrodite 1 Admirals-Piilast.1 iOielüstigePuppej 'Ädralrals-Kino1 ! Die lebende Tote! mit Henny Porten. I HeichsbalL-Theater Sehen BlhmbT'/, und jpjconnt. 9ltn.3U.; JZ- Stettiner Tanger. Nochmtttags „-t-U crnuiBigteLScgile BAßON Trimen-Theater. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: -Eux and Durlt«. Täglich 7Va Uhr: Maskerade. u nnerstag 4. Rotkäppchen. i:ci'.ag 4: Max und Moritz. MU- As Ao.'/Qu f Tiisllch l'ß Uhr: JrUPuck Hauptdarsteller: �lice hechy Pavl heiösmann Mittivoch, 14. Januar,» Uhr: inetfel u. D ratet(OL Preise) Ganntoa. 18. Januar, 3 Uhr: V-e Zaschingsse»(kl. Preise) Äeivert Theaterkaste 10—2 u. 8 ilerthewl uub Invalidenbank. Kose-Thester. Vit Uhr: Die Im Schatten leben. Walhalia-Theater. Vf, Uhr: Hie Cs&roasffirstin. Olympia-Theater tlrülier Voigt, Budstr. 58) Taglich abends IV, V�hsiratste Jiinygeseilen. Große creiaktige Posse. Dazu Spezialitäten. Winter- Garten Täglich 7.is Uhr: VarletP-Splelplaii Raachen gestattet I UETROMf f|KAß4R£TT# »'e£MRWST.SJ-SV% TJanos n. Olivla � Marg. n. Luise Onwe j * Lea Florenz j Franz Gravenhorst« SpteS u. Geo i Aanle Kllcmchen i Vfnda bonas I ♦♦ Sema Sönelanfl In ihrem Sketch ,Pst Pst" Fritz Herger. j Kapeile Mundl Neumann. [Am Flügel: E. Hentschel. 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Ter Reichstag war von schwachen SicherhcitSwehrpostcn umgeben, die die Nationalversammlung vor einer Ucbcrflutung durch die Demonstranten schützen und ihr ruhiges Arbeiten ermöglichen sollten. Diese Polizeibeamten verhielten sich völlig ruhig und zurückhaltend. Bald nach 3 Uhr drangen jedoch Demonstranten durch Portal V in das Gebäude ei», entrisse« den Sicherheits- wchrleuten Seitengewehre und Karabiner, zerschlugen die Waffen, wobei ein Schuh gegen die Deck« ging, und m i h- h a n d e l t c n die Welirleutr. Auch auf der graßen Freitreppe wurden die Posten entwaffnet und mißhandelt. Drei verwundete Poll» zisten wurden in.daZ Haus gebracht. Bis dahin war trotz alledem von der Sicherhritswchr kein Gebrauch von den Waffen gemacht worden. Bald fielen aber auS der Menge einige Schüsse anS erbeuteten oder eigenen iWafsen, dann versuchte ein Haufe in das Portal II(Eingang für Abgeordnete) gewaltsam einzudringen. Die wenigen Sicherheitspolizisten an dieser Tür gaben hierauf in der Notwehr Maschinengewchrieuer, durch das die Menge, Tote und Verwundete zurücklassend, in die Flucht gejagt wurde. DirS ist der nach unseren Feststellungen von Hunderten einwandfreien Zeugen beobachtete Sachverhalt. Es ist als» eine Lüge, wenn von« n a b. h« n g i g e r Seit« behauptet wird, au» dem Reichstag sei zuerst gr- >■-i-r-|T I BSBamSSS* h.'1 I.■ I l.11",!' I schössen worden. Das Blut der Opfer vom 13. Januar kommt auf da? Haupt der Drahtzieher der gestrigen Demonstration, die nichts getan haben, um die Gewalttaten der Demonstranten zu verhindern. Allgemein nmrde die Ruhe, Gedchld und Zurückhaltung der Polizeibeamten bewundert» die lediglich in Notwehr handelten. TiefstesMitleidmitdrnunslücklichenvPfern: Mit den schuldigen kommunistischen Draht. ziehern aber muß die Arbeiterschaft endlich auf» räumen! Jetzt wird die Parole zum Generalstreik ausgegeben. Tie Anhänger der Diktatur und des TerroriSmu« wollen mit den« Blut ihrer Opfer ihre Agitation düngen. Auf dem Unglück nnd der Not de» Volkes, auf dem Zusammenbruch unserer Wirtschaft hoffen sie ihre Herrschaft aufrichten zu können. Arbeiter! Angestellte! Ihr steht vor der schwersten Entscheidung! ES geht um Aufstieg«der Ber. nichtung des deutschen Volles. Generalstreik bedeutet Sieg der rohe« Gewalt und Hungersnot! Deshalb Nieder mit dem Generalstreik! Dir klassenbewußte» Arbeiter und Angestellte« arbeiten, weil nur so unser Volk vor völliger Vernichtung geschützt werden kann. Ter Vorstand der Bezirksorganisation Grost-Berli« der G. P. T. • ' Achtung! S. p. v.* Funktionäre. ParteifullktionSre, Betriebsvertranencleote, Arbeiter- Aa- gestellten- nud Beamlenrüte der S. P. D. heute nachmittah puukt 5 Uhr Konferenz im KnegervcreinShauS, Chansseestr. 94. Tagesordnung: Die gestrigen Vorgänge. Vollzählige»(kr- schetnenstnibedingt erforderlich. Mitgliedsbuch und Karte legiti- miert! Der Bezirksvorstand. »__________ einer größeren Anzahl noch Lebensgefahr besteht, so dürste sich die Zahl der Toten wahrscheinlich noch erheblich erhöhen. Um U Uhr nachts wird von amtlicher Seite gemeldet: Bei de» Ausschreitungen gegen die Nationalversammlung verlor die Sicherheitswehr 2 Tote, 2 Beamte, die anscheinend»er- schleppt worden sind,«erden vermißt. Außerdem hat die Sicherheitswehr 10 Verwundet« zu beklagen. Aus feiten der Angreifer wurden bisher 20 Tote und 40 Berwun- d c t e festgestellt. « verüjsnter Lohn. Auf dem Weg« zur Nationalversammlung ist ein.Arbeiterver« räter* von sehr würdigen Vertretern der.Arbeiterschast" angehallen und von oben bis unten bespien worden. Dieser so gerecht ab- gestraste Mann heißt H u g o H e i m a n n. In jüngeren Jahren war er aus Idealismus in die Arbeiterbewegung eingetreten, hatte alles, seine Arbeitskraft und sein Geld, dein Kampf für den Sozialismus geopfert, er wurde der nächste Vertrauensmann von Bebel und Singer und iämpste nach dem Tode der Freunde in ihrem Geist für ihre Ziele fort. So wurde er ein Mann mit weißen Haaren, hochangesehen bei Freund und Feind. Aver was hilft ihm das, alles, er ist den alten Parteiidealen treu geblieben, er glaubt nicht an das Heil der Räie« dikiatur, er ist mit einem Wort ein verruchter Sozialdemosrat und Arbeiterverräier. So können ihn all feine Verdienste um die Arbeiterbewegung und auch sein weiße» Haar vor schmutzigen Mißhandlungen nickt schützen. Wahrlich, wäre am blutigen Dienstag nichl mebr passiert, die Arrangeure einer Demonstraiion, bei der ein solcher Zwischenfall möglich war, hätten allein schon um dessent« willen alle Ursache, stolz zu sein. Di« Berliner Arbeiter» bewegung speit sich in ihrem hervorragendsten, verdientesten Vertreter selber an. Es ist geradezu ein Symbol! « Im Sitzungssaal. Was sich unmittelbar nach den blutigen Vorfällen im Innern deS Reichstages, namentlich im Sitzungssaal abspielle, wird em Schandfleck in der Geschichte der U. P. bleiben. Abgesehen davon, daß zahlreiche Tribünenbesucher, osienbar durch die unabhängigen Abgeordneten mit Karten versehen, nach dem Muster der Berliner und Neuköllner Stadtverordnetensitzungen den Gang der Verhandlungen, durch fortgesetzte Ruf« zu stören versuchten, benahmen sich die unabhängigen A b g e. ordneten in ihrer Mehrheit buchstäblich wie die Wilden. Sie beaniragten die Vertagung, um angeblich die Toten— Opfer ihre» Treibens— zu ehren, und da die Mehrheit des HaufeS auf diesen heuchlerischen Versuch der Henke und Genossen, die blutigen Vor» fälle parteipolitisch auszuschlachten, nicht einging, wollten sie— ein Dutzrnd Mann stark— die weitere Tagung verhindern. Infolge einer Lücke in der Geschäftsordnung des HauseS.gelang dieser Versuch. Durch kreischende.Schluß"-Rufe, durch Schläge auf daß Pult, durch Johlen und Linne« verhinderten sie sowohl den Berichterstatter des BetriebSrätegesetze» am Sprechen, wie auch den Präsidenten, sich Gehör zu verschassen. Tie äußerste Linke des Hauses glich einer tollwütig gewordenen Menagerie: besonders die Abgg. Düw'ell. Fritz Geyer, Zietz und Laukant gehärdeten sich schamsvS. EL fiel dagegen angenehm auf, wie die Abgg. Wurm und SlgneS sich an dem wüsten Lärm nicht beteiligten. Abgeordneter OSkax Cohn war nicht amvsfend. Noch nie sind Tote in einem Parlament so geschändet worden, wie am 13. Januar die unglücklichen Opfer der unabhängigen Trei- berei-n durch die unabhängigen Abgeordneten. Das hat Präsident Fchrenbach unter starkem Beifall deS HauseS in einem kräftigen Satz den Herren Tüwell, Fritz Geyer und To. zu verstehen gegeben.» Der IL. Januar 1020 ist in jeder Beziehung ein Tag der Schuld und«in Tag der Schande für die Unabhängigen. Außerhalb wie innerhalb des Parlaments. Die Mittwochfltzung öer Nationalversammlung. Tie Sitzung ist auf vormittags 49 Uhr einbernfen. Vor � Eröffnung der Verhandlungen wird Reichskanzler Bauer eine Darstellung der Vorgänge des 43. Januar geben und den Standpunkt der Regierung dar- ldgen.� � Infolge der Verhängung des Belagerungszustandes wird von Mittwoch früh an die Reichswehr die Ord- nung vor dein Reichstagsgebäude übernehmen. Es sind umfassende Absperrungen vorgesehen, so daß die Natlonalversammlung die cchsolute Sicherheit für ihre Ver» Handlungen erhält.» Der /kusnahmezustanü verhängt Anf Grund de« Artikels 48 Abs. 2 der Reich«. Verfassung, betreffend die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nötigen Maß- nahmen, hat der Reichspräsident für da« Reichsgebiet mit Ausnahme von Bayern, Sachsen, Württemberg und Bade« und die von ihnen umschlossene« Gebiete den Ausnahmezustand verhängt. Die Gründe. Durch WDÄ wird bekannt gegeben: Die an verschiedenen Orten des Reiche» aufflammenden Unruhen, die blutigen Ausschreitungen vor der Rationalversammlung in Berlin, besonders aber die Notwendigkeit, den Eisenbahn- betrieb und d,e K ohl e n v« r s o r g n n g zur Vermeidung einer wirtschaftlichen Katastrophe unter allen Umständen in Ord- nung zu halten, haben den Reichspräsidenten veranlaßt, auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung für das ge- samte Reichsgebiet mit Ausnahme von Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden und der von ihnen umschlossenen Ge» biete die erforderlichen Ausnahmevorschriften zu erlassen. Wo keine Veranlassung besteht, werden die auSfüh- renden Stellen voii� den AuSnahmevorschriften praktisch keinen Gebrauch machen. Für den ganzen Geltungsbereich der Verord- nung wird aber jede Betätigung durch Wort, Schrift oder andere Maßnahmen verboten, die darauf gerichtet ist, lebenswichtige B«, triebe zur Stillegung zu bringen. Lebenswichtige Betriebe sind olle öffentlichen Verkehrsmittel und alle Anlagen und Einrichtungen für Erzeugung von Gas, Wasser, E l e k t r i- z i t ä t und Kohl«. Die Autdehnung der Berordnung auf Bayern und Sachsen, wo AuSnahmedorschriften bereits besteh«« und auf Württemberg und Baden bleibt nötigenfalls vorbehalten. Die Verordnung. Tie Wcrordnung ded Reichspräsidenten auf Grund deS Ar. titelS 4L. Absatz � der ReichSversassung betreffend pi, zur Wieder» Herstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Reichs- gebiet mit Ausnahme von Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden und der von ihnen umschlossenen Gebiet« nötigen Maß- nahmen lautet: Auf Grund de» Artikel» 48 der Reichsverfassung verordne ich zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ord» nung für da» Reichsgebiet mit Ausnahme von Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden und die von ihnen umschlossenen G»- biete folgende»: Z 1. Die Artikel 1l4. 11». 117, IIS. 123, 124 und 1« der Verfassung deS Deutschen Reichs werden bis auf weiteres außer Kraft gesetzt. Es sind daher Beschränkungen der persönlichen Freiheit, des Rechte« der freien MeinungSäuße- rung einschließlich der Pressefreiheit, da» Berein». und Versammlungsrechte», Eingriffe in da» Brief-, Post-, Telegraphen- und Fernfprechgeheimni», Anordnungen von Haussuchungen und von Beschlag» nahmen sowie Besch-ränkungen de» Eigentums auch außerhalb der sonst hierfür bestimmten gesetzlichen Grenzen zu- lässig. Z 2. Mit der Bekanntmachung dieser Verordnung geht die vollziehende Gewalt anf den RcichSwehrminister über, der sie auf einen Militärbefehlshaber übertragen kann. Sie wird von dem Militärbefehlshaber auf dem Gebiete der Zivilverwal- tung unter Mitwirkung eines Regierustgskommissars(§ 3) aus- geübt, den der Reichswehrminister im Einvernehmen mit dem Reia)sminister deS Innern ernennt. § 8. Die Weisungen d«S Militärbefehlshabers an die Zivil- Verwaltung?- und Gemeindebehörden sowie seine allgemeinen Anordnungen an die Bevölkerung sind, bevor sie ergehen, zur Kenntnis de» Regierungskommissars zu bringen. Anordnungen deS Militärbefehlshabers, die Beschränkungen nach§ 1 enthalten, bedürfen zu ihrer Rechtswirksamkeit der Zu- stimmung de» Regierungskommissar». § 4. Wer den im Interesse der öffentlichen Sicherheit er- lassenen Anordnungen des Reichswehrminister» oder de« Militär» befehlshaberS zuwiderhandelt, oder zu solcher Zuwiderhandlung auffordert oder anreizt, wird, sofern nicht die bestehenden Gesetze eine höhere Strafe bestimmen, mit Gefängnis oder Haft oder Geldstrafe bis zu IS 000 M. bestrast. § 6. Gegen die■ Anordnungen de» Militärbefehlshaber« im Einzelfalle steht die Beschwerde an den Reichswehr- minister offen. Soweit e» sich um Beschränkungen der per» sönlichen Freiheit handelt, ist da» Gesetz betreffend die Berhaf» tung und Aufenthaltsbeschränkung auf Grund deS Kriegszustände» und deS Belagerungszustandes vom 4. Dezember 1910 (Reichsgesetzblott Seite 1328) entsprechend anzuwenden. § 6. Jede Betätigung durch Wort, Schrift oder andere Maß- nahmen, die darauf gerichtet ist, lebenswichtige Betrieb« zur Still- legung zu bringen, wird verboten. Als lebenswichtige Betriebe gelten die öffentlichen Verkehrs. mittel sowie alle Anlagen und Einrichtungen zur Erzeugung von Ga«, Wasser, Elektrizität und Kohle. Zuwiderhandlungen werden nach§ 4 bestraft. 8 7. Diese Verordnung tritt mit der Verkündung in Kraft. Berlin, den 13. Januar 1920. Der Reichspräsident Cbert. Der Reichskanzler Bauer. Der Reichswehrminister Noske. Noske übernimmt die Vollzugsgewalt. Auf Grund der Verfügung des Herrn Reichspräsibentq, de- treffend den AnSnahmeznstand übernehme ich persönlich die Ausübung der vollziehenden Gewalt für Berlin nnd die Mark Brandenburg ohne Uebertragung an einen bc- sonderen Militärbefehlthahrr. Zum Zivil. k» m m i s s a r ist der Polizeipräsident fsix Berlin, Herr Eugen Ernst, bestellt worden. Der ReichSwrhrminister. gez. Nooke. Verbot von Umzügen. Auf Grund der Berfügung deS Reichsprästdenten vom 13. d. M. verbiet« ich für den LandeSpolizribezirk Berlin, den Stadtkreis Spandau und die Landkreise Teltow und Nieder- barnim all« B er s» m m l» u g e n in nichtgeschlasse- nenRänmen, serner Umzüge und Ansammlungen von Menschen- mengen. Ein ernruter Versuch, die gesetzgebende Körper- schaft de» Reiches in ihren Arbeite« durch Ansammlungen und Kundgebungen vor oder im Umkreise de» ReichStagSgebändeS zu' stören, würbe schon im Beginn durch rücksichtslose Waffenanwendung verhindert werden. TaS Oberkommando. gez. Noske. �usüehnung öes Verkehrsstreiks. Die Streikwelle wächst. AuS allen Teilen de? Reiche» wird steigende Erregung und Nervosität unter de» Eisenbahnern g:< meidet. E« ist ohne Zweifel sestgrstellt, daß die U n a b h ä«« l g« n und Kommunist«« einen Riosrnkamps in Deutsch- l a n d mit allen Kräften schüren.. DoS politische Secbrech:rtu« ist am Werke, da» deutsche Volk mit Gewalt in den Abgrund zu stoße«. Im Westen habe« diese Schufte bewirkt, daß wohl EnEntezüge durchgelassen, daß aber Lebensmittel- und Milchzüge für die städtische Be- völkerung angehalten wurden. Auf allen Stationen ist man am Werke, die unerfahrenen Arbeiter in den Streik zu Hetzen und den V:rkehr zu stören und einzustellen. Mau treibt offenbar zu- nächst anf eine EinheitSfront'der Eisenbahner im Westen hin. AuS Frankfurt a. M. wird unS gedrahtet: Di« Eisen» bahncrbewegung hat sich derartig zugespitzt, daß auch hier mit einem Streik gerechnet werde« muß. Die Handarbeiter verlangen sofortige Regelung ihrer Einkommenverhältnisse. B:denk- lichcr ist die Lage in de» Bahnämtern Wetzlar» Limburg und Gießen. Obwohl die Eisenbahndirrktion die Einreihung dieser Orte in die Lohnilasse I für dringend erachtet, hat die in Berlin taginde Kommission sie der Lohnklasse III zugeteilt. Die betreffen- des,«cmter wollen diese Znrücks.'tznng, fall» sie nicht sofort behoben wird, mit dem Streik beantworten. Hierdurch würde der verkehr mit dem rheinisch-wefffglischr« Industriegebiet vollständig unter- bunden und eine Streikeinhei't»front vom Rubrgebiet bis an dir Mainlinie hergestellt, während die Auswirkungen noch gar nicht zu übersahen sind. In O b e r s ch l e s i e n Ist im allgemeinen die Betriebglag« und die StrelNage dieselbe wi: Montag abend. In K r r« z b u r g hat sich der Streik weiter ausgedehnt. Für Dienstag morgen wurde der Streik der Wagenwerkstätte Gleiw'tz erwartet. Die«Köln. Ztg." meldet au» dem Industriegebiete: Die viele» Nachrichte« in den letzten Tagen über einen allgemetnen AjjLstand sind vor�allem auf die eifrige Tätigkeit in der Zen- trale der Betriebsräte Deutschland» zurückzusühr:« und dann auch auf die Bildung eine? neue« verkehrSrrvolu- tionSrate« in Berlin. Diese Bereinigungen wolle« de» schwebenden Eisenbahnerausstand für ihre Zwecke gehörig auS- nutzen. Zu einem allgnneinrn Ausstand ist bis jetzt weder von der Zentrale der Betriebsräte noch irgendeiner andere« Körperschaft aufgefordert worden. Nach entscheidenden Beschlüssen der Nationalversammlung in diesen Wochen bei den Verhandlungen über das BetriebSrätegrsctz ist ein solchir Schritt auch nicht zu erwarten. Die kritische Zeit im Industriegebiet wird erst m i t d e m 1. Februar beginnen Dir radikale« Elemente unter den Vrrgarbeitcrn v»«- langen von diesem Tage an unter allen Umstände« die Sechs- stund.'nschicht und wollen von diesem Zeitpunkt an längere Schichten nicht mehr fahren. Welche Lösung diese Frage finde» wird, weiß bis heute noch niemand. Die L a g a im rheinisch-westfälischen Industriegebiet ist L u ß e r st r r n st. Ter Streik der Eisrnbahnarbeiter Im hiesige« DirektionKbczirk, der von Duisburg bis Dortmund reicht, ist allge- mein: die Beamten verlialten sich neutral, nur die Gelsenkirchener streiken trotz bewilligter Forderungen weiter. Personenzüge fahren nicht mehr. Die Rotstandsarbeiten werden zwar verrichtet, abee bei dem herrschenden Wirrwarr nur in ungenügendem Maße. Die Be. licferung mit Dienstkohle»um Beispiel ist nicht ausreichend, so daß auch im übrigen Reiche der Verkehr der Personen-, Güter. und Let-ens, nittelzüge in Mitleidenschaft gezogen werde» wird. Die Lebensmittelversorgung im Industriegebiet, besonders in Essen, ist zurzeit nur m>t außerordentliche« Mittel» aufrechtzuerhalten. Sämtliche Schachtanlagen der Zechen Friedrich Thvssra < früher Deutscher Kaiser), Diergardt und Neumühl« befinden sich feit Montag im Ausstand. Tie Streikenden fordern Erhöhung der Löhne, BeschnffungSbelhilfe von 1000 Mark, sofortige Einführung der Sechsstunvenschicht, anderweitige Regelung des Betriebsräte- grsetzeS. Aufhebung des BelaoeruugSzustaadeS und Frei.'asson, de« politischen Gefangenen. ■ GewerWlDbewMng Die Teuerungszulage la üer HolzlnüuMe. Die von der Berliner Gewerkschaftskommission geforderte Teuerungszulage von 25 M. wöchentlich hielten die Holzarbeiter nicht für ausreichend. Die Verwaltungssitzung, die sich mit dem Beschluß der GewerkschaftStommission beschäftigte, stellte die Forderung von 1 M. pro Stunde Zulage für alle Arbeiter, 75 Pß sjir Albeiterinnen und 50 Pf. für Lehrlinge und Jugendliche unter 1» Jahren. In mehrmaligen Verhandlungen lehnten die Vertreter der Unternehmerverbände die Forderungen ob, zuletzt noch mit dem Einwand, eine Vereinbarung habe keinen Zweck, weil sich die Arbeiter doch nicht daran halten. Durch Zirkular forderten sie dann ihre Mitglieder auf, 50 Pf. pro Stunde zu be- willigen, wo Forderungen gestellt werden, neue Arbeitskräfte aber unter keinen Umständen einzustellen. In einer starkbesuchtcn AertrauenSinännerversammlnng des Holzarbsiterverbandcs in den«Prachisälen des Ostens* berichtete Siegle über die Verhandlungen mit den Unternehmern. Namens der Verwaltung empfahl er, der Teuerungszulage allein wegen nicht zur Arbeitsniederlegung zuschreiten. Wenn es zum Kampf komme, sollen gleichzeitig die allgemeinen Forde- rungen für die bevorstehende TarifvertragSbcwegung mit gestellt werden. Wollen die Kollegen aber sofort die Teuerungszulage haben, so können sie in ihrem Betrieb die Forderung geltend machen, aber sie müssen ohne Werkstattstreiks durchgeführt werden. Ein werkstattweises Vorgehen kann nicht gestattet werden. Als allgemeine Forderungen nannte Siegle Festsetzung der Arbeitszeit auf täglich 8 Stunden und Sonnabends 4 Stunden; Einstellungen und Eni- lassungcn nur mit Z u st i m m u n g d e S Ausschusses; Sommerurlaub von S bis 12 Tagen; für Lehrlinge drei- jährige L e h r z e it, im 1. Jahr% im 2.% im S. Lehrjahre Gesellenlohn. Der 2. Bevollmächtigte Zirkel gab zu bedenken, daß über allgemeine Forderungen wochenlang verhandelt und die Teuerungs- z«lage dadurch lange hinausgeschoben würde. Vielleicht sei eine iverkstattweise Durchführung der Geldforderung der bessere und schnellere Weg. In einer langen Diskussion sprachen sich alle Redzier für schnellste Durchführung der Teuerungszulage auS. Sie griffen die Verwaltung wegen» der verschiedenen ange- führten Bedenken gegen die Werkstattstreiks heftig an. Die meisten berichteten dabei, daß die eine Mark pro Stunde in ihren Betrieben bereits bewilligt ist. Das konnte auch später durch Handaufheben der Versammelten aus einer großen Anzahl Betrieben festgestellt werden. Der Verbandsvorsitzende N e u m a n n versprach den Berliner Kollegen die weitgehendste Unterstützung durch den Hauptvorstand. Beschlossen wurde, die angesührren allgemeinen Forde« rungen am nächsten Tage an die Unternehmerorganisation ein- zureichen. Bis Freitag ynitag muß die Antwort eingegangen sein. Ueber die Antwort und die anschließenden Verhandlungen mit den Unternehmern wird in einer späteren Bertrauensmännerveriammlung berichtet, die auch die weiteren Schritte beschließen soll. Auf Antrag verschiedener Vertrauensleute beschloß die Versammlung Extra- beitrüge zur Durchführung de« Kampfes zu erheben. Der alte Geist lebt uoch: Ende Dezember ISIV wurde auf Grund von Vereinbarungen zwischen der Oberpostdirektion Berlin und den beteiligten freien Gewerkichaslen den Aus belfern im mittleren Beamiendienst der Post- und Telegraphen- Verwaltung eine Gehaltsaufbesserung von LSProz. gewährt, und zwar rückwirkend ab 1. Dezember 1019; dadinch anerkannte die O.P.Fi., daß die Notlage der Angestellten durch die geringe Entlohnung' eine immer größere geworden war. Die meisten Amtsleiterstm Bezirk der O. P. D. Berlin waren auch einsichtig gsstug, dies zu begreifen und zahlten ihren An- gestellten die Gehaltserhöhung nach wenigen Tagen aus. Nur das Postscheckamt glaubte ein Vorrecht zu haben, den Angestellten die Auszahlung bisher noch vor:uenihallen. Die Angestellten wandien sich beschwerdeführend an ihre Organisation, die bei der Amisleilung diesbezüglich vorstellig wurde. Diese jedoch dekretierte kurz und bündig was folgt: .Dem Personal ist Gelegenheit gegeben, seine Wünsche und Beschwerden durch Vermittelung des Beamten- und Arbeiter- Ausschusses zur Kenntnis des AmteS zu bringen. Wir lehnen es deshalb ab, auf Ihr Schreiben einzugehen. gezeichnet: Neumann.* In welchen vorsintflutlichen Anschauungen muß der für das brüske Schreiben veraniwortliche Beamte leben, wenn er glaubt, berechtigte Beschwerden von Organiiationsleiinngen mit ein paar schnoddrigen Redensarten abtun zu können. Wenn heute die Mn-istcr in enger Fühlung mit den Organisationsleitungcn ihr schweres Amt führen, wirkt e? lächeilich, wenn ein x- beliebiger Postdireltor die Vertreter der Arbeiter in solcher Weiie anbläst. Wir hoffen daß dem Herrn klar gemacht wird, daß der.alte Geist* keine Daseinsberechtigung mehr hat, und da, wo er sich doch bervorwagi. von höherer Stelle dafür gesorgt wird, daß er sich nicht mehr breit machen kann. � Lebensmittelteuerung und Lohnausgleich. Der Vorstand der Zentralarbe>tsgcmeinschast des Deutschen Tiaiisport- und Verkehrsgewerbes faßte in seiner VorstandSsitzung vom 9. Januar 1920 in Berlin folgenden Beschluß: Die wirtschaftliche Lage der Transport- und Verkehrsunter- nebniunaen ist eine besonders schwierige, weil sie nicht in dem Maße wie andere ErwerbSzweige feweilig zu einer dem An« wachsen der Ausgaben entsprechenden Erhöhung ihrer Einnahmen durch Erhöhung ihrer Beförderungspreise zu schreiten in der Lage sind. Trotzdem empfiehlt �die Zentralarbeitsgemeinschaft den Unternehmungen des Deutschen Transport- und VerkehrSgewerbeS, die infolge der von der Reichsregierung beschlossenen Ablieferungs- Prämien für ihre Arbeitnehmer eintretende Verteuerung der grund- legenden Nahrungsmittel»Brot und Kartoffeln* für die Dauerung der durch die beschlossenen AblieferungSprämien bedingten Preiserhöhung zu übernehmen und baldmöglichstdurch» zuführen. Selbstverständlich kann diese Entschließung nur insoweit Gel- tung haben, als nicht in einzelnen Betrieben bereits durcki besondere Vereinbarungen der obenbezeichneten Verteuerung der Lebensmittel Rechnung gelragen ist oder soweit Naturalverpflegung gewährt wird. ES wird dem Zweck dieser besonderen Zulage entsprechend empfohlen, die Zulage nach Maßgabe der Kopfzahl der von: Arbeitnehmer zu versorgenden Familien- angehörigen-- Kinder bis zum vollendeten 15. Lebensjahre— zu bemessen. Diese Cnschließung wird in der Erwartung gefaßt, daß die Arbeitnehmer durch entsprechende Arbeitsleistungen die dem Unter- nehmen auferlegten neuen Mehrausgaben anszug�eichen be- reit sind. Bund der technischen Angestellten und Beamten. Fachgruppe Kcldschrantsabrikeii und Großfchlossereien. Donnerstag, den 1o. Januar, abends 7 Uhr, wichtige Versammlung in den VharuSsälen, Müllerflu 14S. Deutscher BSerkmeifter-Berband. Große Werkmeister-Versammlung für alle Mitglieder des Deutschen Werkmeister-Bcrbandes im Kriczervcr- einShaus, Chaiissecstraße 91, am 15. Januar abends 7 Uhr. Wirtschast. Inland- oder Auslandversorgung? Bei den obersch lesischen Drahtwerken sind umfangreiche Auslandsbestellungen eingelaufen. Die Fabriken sind auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit an- gelangt. Sie können dennoch nicht die zahlreichen Aufträge erledigen, da außerdem dringende JnlandLbestellun- gen vorliegen. Die Ausführung der Auslandsaufträge sichert den Werken die beträchtlichen Valutagewinue, die selbst gegenüber den hohen Inlandspreisen einen starken Reiz ausüben. Da wir auf der einen Seite an der. Ausfuhr hoch- w e r t i g e r Erzeugnisse ein Lebensintercsse haben, um uns Auslandsguthaben für die Einfuhr zu schaffen, auf der anderen Seite der Inlandsbedarf befriedigt werden muß. um das Wirtschaftsleben in Gang zu bringen, so muß die Entscheidung über die Verteilung der Produktion aus der privatkapitalistischen Interessensphäre schnellstens gerückt werden. Ueber die Verwendung unserer Inland- Produktion mutz gemeinwirtschaftlich entschieden werden.. Solange wir keine Zwaug-Fachverbände haben, die die Be- darfsdeckung planmäßig regeln, die Produktion im Interesse der Gesamtwirtschaft verteilen, unterliegt unsere Wirtschaft der privatkapitalistischen Ausbeutung. Der Reichswirtschaftsminister möge alle Kräfte daran setzen, um die Widerstände der Industrie gegen eine Unterstellung unter eine gemoinwirtschast- liche Kontrolle zu überwinden. Die Produktion und ihre Verteilung ist keine private Angelegenheit mehr, nach den Existenzbcdürfnissen der V o l k s g e s a m t h e i t ist die Pro- duktion zu leiten._ Die deutsche Wärmcwirtschaft., Geh. Oberbaurat Dr. Wittfeld, der zum Leiter der im Ministerium der öffentlichen Arbeiten geschaffenen Abteilung zur Erforschung der neben der Steinkohle in Deutschland vorhandenen Brennmaterialien bestellt ist, berichtete am Montag über unsere zukünftige Wärmewirt schaft und machte die folgenden, höchst wichtigen Mitteilungen: Di« großen Vorkommen von Torf und OÄschieser müßten in erster Linie der deutschen Wärmewirtschaft zugänglich gemach: werden. Oelschiefervorkommen erstrecken sich vom Süden der Pro- vinz Hannover über Braunschweig, Darmstadt bis nach Württem- berg hinein. Die Größe der Oelschieferlager wird auf 18 Milliar- den Tonnen, der Inhalt der Torfmoore wird auf 5 Milliarden Kubikmeter Brennstoff geschätzt. Die Vergasung deS Brennstoffs sei das große und erlösende Problem zur Regulierung der Wärmewirtschaft in Gegenwart und Zukunft. Die Verseuerung einer Tonne Braunkohle ergibt 385 Kilowattstunden; bei einer Vergasung werden 406 Kilowattstunden erzielt und dazu 35 Kilogramm Teer, 4 Kilogramm Pech, 4 Kilogramm Paraf- sin, 4 Kilogramm'Starr schmiere, 10 Kilogramm Schmieröl und 10 Kilogramm Trieb öl gewonnen. Der außerordentlich starke Kohlenverbrauch der Eisenbahn, der in Deutschland 12 Millionen Tonnen Steinkohlen jährlich betrögt, heischt weitgehende Acndcrungen. Die Elektrisierung einiger Strecken, so z. B. der Hamburger Stadtquerbahn, und der aus- gebauten, aber noch nicht in Vollbctrieb befindlichen Strecken Magdeburg— Leipzig— Halle und Königkzelt— Hirschberg— Lauban habe gute Ergebnisse gezeitigt. Nach der durchgeführten Elektn- sierunz der Berliner Stadtbahn wird zunächst an den Ausbau der Vollstrecken Berlin— Breslau über'Görlitz— Hirschberg und Berlin— Magdeburg— Leipzig und Halle als Elektrosirecken gc- gangen werden. Als allgemein interessierend sei schließlich er- wahnt, daß ein Verfahren entdeckt worden ist, auS Teer Speise- fette für die Dlargarimefabrikation herzustellen. Eine der größten holländischen Margarinefabriken hat dieses Verfahren bereits übernommen._ Der Ausverkauf unserer Produktionsmittel. Tie Holländer kaufen unserx Oelfabriken. Nach der„Frank:. Zeitung* ist es die dem holländischen Margarinetrust angehörende Firma Juergens in Nnmwcgen, welche die Auskäufe von großen Aktien Posten der Oelfabrik Groß-Gcrau-Bremcn und der Vre- inen-Bestgcheimer Oelfabriken vorgenommen hat. Die holländiscks Firma steht im Begriff, matzgebenden Einfluß aui die Nicder- rheinischen Oelwerke in Goch zu gewinnen. Der Aufsichtsrat der Oelfabrik Groß-Gerau hat sick> mit den neuen holländischen Großaktionären bereits verständigt. Das erlassene Gebot von 350 Proz. für die noch ausstehenden Aktien erfolgt für Rechnu:eg der holländischen Firma im Einverständnis mit dem Aufsichtsrai der Gc- sellschast. Der belgische Einfluft im deutschen Zinkbcrgbau. Wie wir er- fahren, beabsichtigt die belgische Zinkhütten industrie, aus die dcnt- scheu Zinkbütten verstärkten Einfluß zu nehmen und hat zu diesem Zwecke größere Wienposten der Stollberger Zinkhütte und der Rhei- nisch-Naßauischsii Bergwerksgesellschafl erworben.� Die Enzländer in Bremen. Das hiesige Hotel Stadt Petersburg, in dem sich- augenblicklich das Durchgangslager Bremen befindet, ist, wie verlautet, an die englische Cnnardlinie verkauft worden. Der Kaufpreis soll 7000 Pfund Sterling oder nach dem heutigen Kurs 1400 000 M. betragen. Ausländische Häuseraufkänfe in Berlin. Der ganz« Hausvogtci- platz soll in Gefahr sein, von ausländischen Kapitalisten aufgekauft zu werden. Der Hausvogteiplatz ist das Zentrum der Berliner Kon- fektionsindustrie. W. M. F. Geislingen. Wie verlautet, soll der bedeutendste Teil der Wien der Württembergischen M'tallwarcnfabril in Geislingen in ausländische Häirde gelangt fem. So geht es tagtäglich weiter! Was geschieht, um die'em Ausverkauf, diesem Verrat der Kapitalisten am eigenen Lande ein Ende zu machen? Nur der schnellste zwangsweise Zusammenschluß der Unternehmer nach Fachgebieten und ihre Unterstellung unter die Kontrolle der Gesamt- heit kann uns retten. Wo bleibt das Gesetz betr. den Schutz gegen die Ucberfremdung? TaS Rcichsmonopolamt für Branntwein hat technische Bestim- mungen über-die Vergällung von Branntwein, Untersuchung von Branntwein, Brannüveinerzeugnissen usw. erlassen, die tue Zentral- blatt für das Deutsche Reich zur Veröffentlichung gelangen. Regierung und Eisenindustrie. Tie Verhandlungen zwischen den Vertretern der Eisenindustrie und der Regierung st- der Frage der Schaffung von SelbstverwaltungSkörffern fchiDc6en._ Man ist sich soweit nahegekommen, daß sich die Jndustrü: mit der Schaffung von ISelbstverwaltungskorpcrn nach dem Plane der Regierung(das heißt unter Hinzuziehung der Verbraucher und Arbeitnehmers grundsätzlich einverstanden erklärt hat. Eine Einigung über die zur Beratung stehenden Punkte iEisenhöckstpreise und Ausgleicht- lasse) ist zu erwarten. Tie Eisenindustriellen fordern aber eine energische Aktion der Regierung in der Richtung der S�ch l i e ß u n g des LocheS im Westen und in bezug auf die Sicherstellung der Kohlenversorgung der Eisenwerke. Mus aller Welt. TaS Hochwasser. Die Edertalsperre ist über die Ufer getreten, und eS ist Hochwasser in den Flüssen zu befürchten. Vom Oberlauf der Fulda auf der Röhn kommen bedrohliche Nachrichten. Tie Stadt Fulda meldet anhaltendes Steigen, Ueberfluiungen und Verkebrsiinterbindungen. Auch von Werra und Lahn kommen Unglücksbotichaflen. In Kassel ist die Fulda über die Ufer getreten. Die Straßen der niedrig gelegenen Stadlteile sieben zum Teil unter Waffer. Ter Verkehr wird dort mit iiätncn bewerksielligt.— Regnitz und Main führen starkes Hochwasser. AuS ganz Nordoberfranken wird starkes Hochwasser gemeldet. Be- sonders katastrophal wirkte das Hochwasser in Kr o nach, wo weite Stadlteile unter Wasser gesetzt sind. Zahlreiche Geichäftkräume und Läden sind überflutet. Hochwasiermclduuaen treffen ferner aus vielen unterfränkiichen Gebieten ein.— Der Main steigt mit»n« heimlicher Schnelligkeit und ufert in den tiesergelegenen Stadtteilen Frankfurts bereits an vetichiedenen Stellen aus. Tie t-rsge- legenen Keller und die unteren Stockwerke werden bereits geräumt. Der Pegel ist von 2.78 auf 4.14 m gestiegen.— Der Rhein- in Köln ist über die Ufer getreten. Große Schiffskatastrophen. Nach einer Meldung de«„Petit Aaristen* aus Mailand ist der Passagierdampfer Prinzessin Mafalda, der dem iialienrschen Lloyd gehört, aus eine Mine gelaufen. 700 Menschen sollen umgekommen sein. Die Nachricht sei jedoch von der Firma, der der Paiiagierdampker gekört, noch nicht be- stäligt worden. DaS Schiff ist in Genua beheimatet und hat 9210 Tonnen/— Der französische Postdampfer., Afrtque* hatte im Untergang um Hilfe angerufen. Man kand aber nur ein Boor mit 11 Personen und ein Floß mit 15 Personen aii der Unglücksstelle vor. Die„Astique* haue 405 Personen an Bord. Die asiatische Pest verbreitet sich in der ganzen Ukraine und im Norden Beßarabiens mit großer Schnelligkeit. Hunderte von Opfern sind zu beklagen. Einige Fälle wurden bereits auch in rumänischen Städten, wie in Jassy. amtlich festgestellt. Berontw. für den rctmltion. Teil: Art»? gickler, Eliarlotteiiburq: kiie Anzeiqen: Th. Slocki, Berlin. Verlag: Borwärts-Berlag S. m. b. K. Berlin. Druck: Bor. wäria-Buchdruckerei u. 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