Nr. 37. 37. Jahrg. Bezugspreis» Sterteliähtl. 18,50®t.,mcmnfl.i,SO®H. frei wa Saus, voraus zahlbar. Post- veznz� Monatlich 4L0 Ml. exll-gu- itkllungegebUhr. Unter Zireuzband ,'iir Doutschiand und Oesterreich-Ungarn 7.7b Mt. für da» übrige Ausland l2.— MI.bei taglich emmoLSufteOung 10.- Ml.-i- Valuta- Aufschlag. Post. Bestellungen nehmen an Dänemark. Holland, Luxemburg, Schweden und b.e Schweiz. Eingetragen in die Post» flettungs» Preisliste. 9er.Borwarts" mit der Sonntag». deUage.Volk ll-Aeit" ericheint Wochen» aglich zweimal Eonmag» einmal Zelegramm-Adreffe .Sozial demotral Berlin-. Morgen Ausgabe. berliner OolKsblstt 520pk«nnls) , Anzeigenpreis: Die achtgespaltrne Nonpareilezeile loltelll.— M, Deueruitgszuschlag«8°/». .tileia« Anzeigen-, dos toll- gedruckte Arn iä Pig. izuläliig zwei fertgedniüte Worte), jides«eliere Wort dv Pfg. Stellengesuche»u» Ech!»tste>Ie»«nzetgen das erge'.tert iE Pfg. jede»«eilrr« Wort 4» P-g. Borte über 1b Buchstaben jäijlfu sür zwei Wirte. Teuernugsiuschlag Familien.Anielgsn. l>»sttische>!»d gewerkschaftliche Verein»- Anzeigen i,— Ml»ie Zeile ohne Ausschlag Altteigen slir»ie n a ch u e Aumiuer mll stru d>»» Ahr nachmiltilgs im Hauptgeschitf», Berlin EW SZ. linde»- straße S. abgegeben werben,»eijffnel »eil 8 Uhr srüh bis ö Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratifcben Parte» Deutfcblande NeSaktion und Expedition: SN). 68, Lindcnstr. 3. .Fernivrecher- Amt Mortvvla«. Nr.»7,1 SV— ISl 37. Mittwoch, den Ä1. Januar Vonvärts-Verlag G.m.b. K., SW. 68, Lindenftr. 3. Fernsprecher: Amt Mortpplati, Rr.»17 SZ— 3». Mftimmung in Norösthleswig. Eisenbahnerstreiks. Seit mehr als einem Jahre wird die Oeffentlichkeit an- dauernd beunruhigt durch Streikbewegungen der Eisenbahner, die bald hier, bald dort aufflammen und für Tage, manchmal auch sür Wochen Teile des Eisenbahn- betriebcs stillegen. Den Höhepunkt erreichte die Bewegung zu Beginn dii'ses Jahres: denn sie erstreckte sich nicht mehr auf einzelne Orte oder Bezirke, sondern auf alle Teile des Reiches. Den Anfang machte Magdeburg, wo am 30. De- zember ein 24 stündiger Streik proklamiert wurde. Dann folgte Frankfurt a. SD?, mit der Ankündigung der passiven Resistenz, und endlich in den ersten Januartagen folgten in bunter Reihenfolge Arbeitseinstellungen im rheinischen Industriegebiet, in Oberschlesien, Holstein, Sachsen usw. In einer Hochflut von Telegrammen und eiligen Zuschriften an die Vorstände der Eisenbahnerverbandc wurden aus allen möglichen Orten Arbeitseinstellungen an- gekündigt. Zur persönlichen Bekundung der erregten Stim- mung im ganzen Lande trafen unaufhörlich Deputationen der Eisenbahner in Berlin ein. Immer wurde dieselbe Er- klärung laut: Wir können an unserer Dienststelle die Leute nicht mehr halten! Angesichts dieser Sachlage wäre es einseitig und vor- eilig, von einer Politischen Streikhetze zu sprechen. Die Tatsache, dah das grohe Heer der Beamten sich in Kampsesslimmung befand— ich erinnere nur daran, dag in Bayern die Erledigung der Be- soldungsreform stürmisch gefordert wurde und daß die Be- amten im Direktionsbczirt Frankfurt a. M. sich mit den Arbeitern solidarisch erklärten.— Diese Tatsache sollte eigentlick das Gerede verstummen lassen, dast die gegenwärtige Eisenbahnerbewegung politischen Ursprung habe und politischen Eharakter trage. Gewiß, in einzelnen Bezirken und O'ten haben sofort geschäftige politische Draht- zieher ihre Zeit für gekommen erachtet und mit allen demagogischen Mitteln versucht, die erregten Eisenbahner ihren Zwecken nutzbar zu machen. Wer nun aber weiß, wie vor dem Kriege infolge der reaktionären Maßnahmen der Regierungen der ein- zelnen Länder jede gewcrkschaftlicheSchulungder Eisenbahner unmöglich gemacht war, der wundert sich kaum über die Verirrungen, die die aus der schwcrcn.wirtsch a f tlichcn Not geborene Be- w e g u n g teilweise zeitigte. Der verhängnisvollen Demagogie einzelner gewissenloser Drahtzieher hätte am besten Einhalt geboten werden können durch eine rechtzeitige Beseitigung der Streik- Ursache, das heißt Bewilligung einer ausreichenden Ein- kommcnstcigerung. Viel zu spät erfolgte die Erhöhung der laufenden Teuerungszulagen um ISO Proz. für die Beamten. Nicht anders verhielt eS sich mit der tariflichen Lohn- regclung für die preußischen Eisenbahnarbciter und Hilfsbeamten. Nachdem feststand, daß die Preissteige- rimgen auf allen Gebieten ihren Fortgang nehmen, ebenso die weitere Geldentwertung nicht aufzuhalten ist. mußten Re- gierung und Eifenbahnverwaltung die Konsequenzen daraus ziehen, d. h. eine angemessene Einkommensteigerunq zusichern. Statt dessen erhielten die Beamten eine SOpiozentige TeuerungSzulägenerhöhung. während die Stundenlohnerhöhung für die Arbeiter und Hilfsbeamten 30 Pf. betragen sollte. Wie wenig die Zugeständnisse der Wirklichkeit entsprechen, be- weisen die bald darauf vorgenommenen Steigerungen sür Beamte um 150 Prozent, für die Arbeiter und Hilfs- beamten durchschnittlich um eine Mark pro Stunde. Die Zugeständnisse erfolgten leider er st in zwölfter Stunde, als die Organisationen des Personals erklärten, die Verantwortung für' den weiteren Verlauf der Bewegung nicht länger tragen zu können. Der Lorgang zeigt, daß die gewerkschaftliche T ä t i g k e i l immer noch nicht die Würdigung an den zuständigen Regierungs- und Verwaltungsstellen findet. die sie verdient. So äußerte sich ein Min:sierialdirektor aus dein Neichsfinanzniinisterium gegenüber einer rheinischen Eisen- bahnerdeputation, die Plötzlich einsetzende Streikbewegung habe zur Erhöhung der Zulagen für die Beamte» geführt. Noch eigenartiger verhielt sich der Regierungsrat M a r a n b a ch von der Direknon Essen, der bei den Torifberatungen in Berlin die Interessen der Verwaltung vertrat und in keiner Weise für durchgreifende Lohnerhöhungen sprach. Nach seiner Rückkehr erklärte er jedoch den Eisen- liahncrn in Essen, es wären höhere Lohnsätze festgesetzt worden. wenn die Gewerkschaften und vor allem der Vorsitzende Scheffel vom Deutsche« Eisenbahner-Verband e«ergischer Ein Aufruf zur Abstimmung. Abstimmungsberechtigte ans der ersten Zone Nordschlcswigö! Wer noch nicht seinen Abstimmungsantrag eingereicht hat, hole eS sofort beim Deutschen Ausschuß, Flensburg, Südergraben, nach. Anträge auch ohne Papiere. Letzter Eingangstermin in Flensbnrg schon 23. Januar! Spart nicht Eilbrief oder Telegramm! Fehlt nicht zur Rettung Eurer Heimat! Deutscher Ausschuß für Schleswig. Der Deutsche Ausschuß für Schleswig teilt mit: Alle Angehörigen von Kriegsteilnehmern, die in Schleswig stimmberechtigt und noch nicht ans der Gefangen- schaft zurückgekehrt sind, werden dringend aufgefordert, die Adressen der Kriegsgefangenen sofort dem Deutsche» Ausschuß sür das Herzogtum Schleswig in Flensburg, Südergraben 59, einzureichen. Den Abstimmungsberechtigten der ersten Zone in Schlei wig wird in den nächsten Tagen der Ausweis, welcher als Reisepaß dient, sowie der Gutschein für Fahrkarte zugehe». Weiter erhült jeder Ssimmbttrchtigle rechtzeitig einen Fahrplan über die Züge von und nach dem Abstimmungs- gebiet zugesandt. Tic Familienpapiere, welche die Stimmberechtigten zur Prüfung der Angaben auf dem Antrage eingereicht haben, werden bei der Abstimmung zurückgegeben. die Böria üas Sorgenmeer. Die direkten Verhandlungen zwischen Serbien und Italien iiber die Frage des adriatischen Meeres scheinen nicht zu einem Ziele zu führen. Italien pocht nn» auf seine im Londoner Vertrag vorgesehenen Rechte auf das ehemals österreichische Gebiet an der Adria. Nitti, der italienische Ministerpräsident, hat eine Er- klärung veröffentlicht, in der er für den Fall, daß die südslawische Regirrung nicht bis zum 2l>. Januar de» italienische» Kom- proniißentwurf annimmt, die Zugeständnisse Italiens für null und nichtig crttürt. Italien wird dann von Eng- land und Frankreich verlangen, daß der Londoner Vertrag von 1915 durchgeführt wirb. Eine HavaSmcldung aus Paris besagt, daß der Oberste Rat angesichts der Schwierigkeiten in der Finmr-Ndriafrage daran denkt, de« Londoner Bertrag in An- Wendung zu bringe'». Daß die an Italien im Londoner Bertrag gegebenen Ber- sprechungen schließlich nicht gehalten worden sind, lag an dem sieg- reichen Widerstand Amerikas gegen die Einhaltung dieser Ber- sprcchimgen. Nachdem Amerika sich völlig von dem Weltmachrrtisch in PariS zurückgezogen hat, kann Italien mit Fug und Recht vcr- lange», daß man feinen Anspruch anerkennt. Wen» Italien dennoch den Südslawen entgegengekommen ist, so ze»»gt das von einem entschiedenen Geist der Versöhnlichkeit auf italieni- scher Seite. aufgetreten wären. Aehnliche Aeußcrungen wurden uns von DtrektionSvertretern aus Hannover, Frankfurt a. M. und Breslau gemeldet. Durch derartige unwahre Berichte von VcrwaliungSbcainten lvird die lvilde Streikbewegung geradezu gezüchtet. Hier muß ein gründlicher Wandel erfolgen, wollen wir künftige Erschütterungen unseres Verkehrswesens und damit unserer Volkswirtschaft verhüten. Dann noch eine Angelegenheit, die schon jetzt'besprochen werden muß. Der vor dem Abschluß stehende Tarifver- trag für die preußischen Eisenbahnarbeiter und Hilfsbeamten sieht eine Anzahl Wirtschaftsklassen für jeden Direktions bezirk vor. Naturgemäß haben bei der Einreihung alle Orte den Wunsch, in die erste Klasse zu kommen. Welche Wirkungen dabei eintreten können, zeigt eine Betrachtung der Löhne. Der Hüchststundenlohn sür Handwerker beträgt in Wirtschaftsklasse I(mit Ausnahme Verlins, das mit 3,60 M. eine Sonderstellung einnimmt) 3.50 M.. II 3.30 M.. III 3,10 M., IV 2.90 M., V 2.70 M. Die alte und zurzeit noch geltende Lohnforderung sah 10 LobuortSgruppen vor. Seit ihrem Bestehen (Dezember 1918) haben hunderte von Dienswrten in stur- mischer Weise eine andere Einstufung verlangt. Die Anträge, die nur zu oft mit einer Streikandrohung versehen waren, sollten durch die Tarifberatung ihre Erledigung finden. Aber schon jetzt zeigt sich, daß dies nicht der Fall sein Wird, denn immer mehr häufen sich die Forderungen auf Einreihung in die erste Wirtschastskiasse. Kein Zweifel, die Not ist überall groß und eine sorgfältige und vor alle« gerechte Prüfung muß erfolgen, sollen neue Verkehrsstörungen vermieden werden. Da gibt es nur ein Mittel. Es müssen sofort entsprechende Maßnahmen getroffen werden, die eine überzeugende Beweisführung bei jeder Ein- gnippierung gestatten. Das einzige Mittel ist m. E. die sofortige Errichtung amtlicher Stellen zur laufenden Ergründung der Höhe der Haus- haltskostcn. Selbstverständlich unter Hinzuziehung von Vertretern aus Arbeiter- und Bcamtenkrcisen. Gelingt es,. eine solche lückenlose Organisation zu schassen imd ihr das Vertrauen der Bevölkerung zu sichern, so haben wir ein elastisches Mittel in der Hand, um von Monat zu Monat nachzuprüfen, ob irgend einem Ort Unrecht bei der Zuteilung zu einer WirtschaftSklasse geschieht. Mögen meine Anregungen bei den verantwortlichen Stellen Beachtung finden, ehe es wieder zu spät isi. Wir müssen dahin kommen, unseren Verwaltungsapparat auf die Höhe zu bringen und eine Wirtschaftspolitik treiben, die vorausschaut, nicht aber zum Schaden des Landes hinterher hinkt.___ Th. Kotzur. Zeitungsverbote unö Pressefreiheit. Aus Regierungskrelseu wird uns geschrieben: In Pressekrciscn hat man sich gegen das unbefristete Verbot des Erscheinens der»Roten Fahne" und der„Freiheit" und einiger anderer radikaler Blätter gewandt. Man glaubt diesen Protest dem grundsätzlichen Bekenntnis zur Presse- freiheit schuldig zu sein. Es erscheint jedoch durchaus verfehlt, diese ganze Frage nur unter dem Gesichtspunkt der unbedingten Wahrung der Preßfreiheit zu betrachten. Die Regierung, die die Presseverbote veranlaßt hat und verantwortet, nimmt nicht das Recht sür sich in Anspruch, der Presse gegenüber als Schulmeister aufzutreten. der über den Inhalt der Zeitungen zu entscheiden hat und gar bei unbequemen Meinungsäußerungen schlechte' Noten ausstellen oder Verbote aus gleichem Grimde erlassen kam». Die Freiheit der Presse ist sür die Regierung ein Grundsatz, an dem auch im erbittertsten politischen Meinungskampf nicht gerüttelt Iverden darf. Anders liegen die Dinge, wenn einzelne Blätter sazu übergehen, die politische Arena, in der miti Greueln. Ihre Sicherheitsorgane wie die aller Staaten haben die Aufgabe, nötigenfalls mit der Waffe in der Hand, den Elementen entgegenzutreten, die aus vcr- brccherischen Instinkten oder verrannter Ideologie mit Gewalt die Staatsordnung bedrohen. Diese A b iv e h l darf sich nicht nur auf den direkten Kampf beschränken, sondern muß. damit der Um- fang deS von d e n U m st ü r z I e r u anzurichtenden Schadens möglich st eng eingegrenzt wird, sich auch auf die Prophylaxe(V o r b cni g nn j i erstrecken. Diese Erkenntnis ist wohl allen Volkskmseii, die die Ruhe und Ordnung wollen, gemeinsain. Es wäre nun aber eine geradezu unverzeihliche Inkonsequenz und ein Jehler. der sich gar bald blutig rächen würde, wollte man bei der Prophylaxe vor denen Halt machen, die immer wieder die Massen auf die Siratze hetzen, die unablässig zum blutigen Bürgerkampfe treiben und»ffei: und unverhüllt zu Geloalitätigkeiten auffordern— vor der Presse der Kom nrn nisten und Unabhängigen. Man ist erfahrungsgemäß nur zu sehr geneigt,' bei Zeitungsverboten an die Presscpolitik früherer Zeiten zu denken, wo das Verbot von Zeitungen eine Strafe für politisch«unliebsames Verhalten" der Opposition war. Eine Politik, doppelt verwerflich in Zeiten, wo die gewaltige fried- liche Masse des Lölkes hinter der Regierung stand, und nur allzu große Bequemlichkeit der StaatSlenker und politische Intoleranz die Motive, des Eingreifens abgeben konnten. - Um nichts Derartiges handelt es sich jetzt. Das muß immer wieder klargestellt werden. Die heutigen Z e. i t u n g S v e r b o t e sind Maßnahmen, die perhindern sollen, das weiter Arbeiterdlut fließt, die den gewissenlosen Hetzern, die vom sicheren Schreibtisch auS die von ihnen fanatisierten Massen gegen das Parlament anrennen lassen, die Möglichkeit nehmen sollen, durch Entstellung der grauenhaften Vorgänge an dem blutigen 18. Januar ihre eigene Schuld zu vertuschen und von neuem Unheil heraufzubeschwören. l .Wenn der NuSnahMezufland dieRegierung ermZMgi. Ler- sammlungen zu verbieten, aus deren Hetzreden wieder blutige Saat emporschießen muß. so ist es nur die absolut z m i n g e ii d e Konsequenz, wenn den qe- wissenlosen Agitatoren nun auch verwehrt wird, die Worte, die sie nicht in den Bcrsammlungssaal hincinschleudern dürfen, durch die Presse in einen um das Hundertfache erweiterten Hörerkrcis hinausrufen. Darum: Nicht Pressefreiheit der ernsten politischen Presse steht hier auf dem Spiel, fondern die Parole heißt: Schutz des Volkes, Schutz der Ruhe und Ordnung vor jedem, der Gewalt an die Stelle p o l t t i s ch e r A r g u- m e n t e setzen iv i l l, sei es in Wort oder in Schrift I V!e„Serüm Volkszeitung" als Revolverblatt. In meinem Artikel:»Die Ehre der Partei' in der t�onnlags- nuvuncr des.Vorwürt!' habe ich unter anderen! auch ltdrauf hin« gewiesen, daß die von den Unabhängigen, der»Welt am Montag' und einigen Quertreibern in unserer Partei betriebene Hetze gegen d-e Berliner Parteiorganisation auch von der demokraiischen»Ber- liner Vol'-Zzemmg' in gehässigster Weise unterstützt wird. Ich halte weiier darauf aufmerksam gemacht, daß die„Berliner Volkszeitung', die notorisch zu ihrem Leserkreis eine ganze Anzahl Anhänger der Unabhängigen zählt, durch diese Politik ihre Arbciterleser über ihre unternehmerfreiindlichc WirtschaftS» und Sozialpolitik hinwegtäuscht. Die„Berliner Bollszeitnng' ist nicht imstande, dies zu widerlegen. Sie greift daher zu dem jetzt sehr beliebt gewordenen Mittel,„ent- hiint' die weltcrichutternde Tatsache, daß ich im vergangenen Herbst zwei Wochen in Holland war und dabei auch mit meinem Freunde und Parteigenossen Barmal zusammen gewesen bin. Tie„Berliner VolkSzeilimg' hat mit dieser.Enthüllung' ein eigenartiges Pech. Bereits vor einer Reihe von Wochen wurde in den d e u t s ch n a t i o n a l-a n t i s e m i t isch en Blättern t. Deutsche Tageszeitung',„Deutsche Zeilung' nsw.) ein Artikel über angebliche / Bevorzugung des„jüdischen Botschewisten' Barmat durch die deutschen � Reichsbehorden gebracht TuS Reichsernährungsministerium konnte öffentlich fepstelleir, daß die von ihm mit Barmat abgeschlossenen Lebensmittelliefermigsgeschäite völlig einwandfrei gewesen sind, und daß ihm weder jemals günstiger« Bedingungen gewährt sind als irgendeinem anderen Lieferanten, noch daß er in irgend- einer Weise bevorzugt worden ist. DaS hindert die im Moffe-Berlag erscheinende„Berliner VolkSzeitung' nicht, diese antiiemilischen Verleumdungen jetzt in etwas anderer Form wieder aufzunehmen. Biuinat ist ein, in der holländischen sozialdemokratischen Partei und in der Internationale hoch angesehener Parteigenosse. Das Jnler- nationaie sozintislische Bureau, das während des KiiegeS von Brüssel nach Amsterdam verlegt wurde, fand bei ihm bereitwillig Aufnahme. Den Vorwurf, daß er«in„Äroßschirber sei, wird die VolkSzeitung vor Gericht zu beweisen Gelegenheit bekommen. Auch alle weiteren Behauptungen und Andeutungen hat sich die BoltS-eitung aus den Fingern gesogen._ Franz Krüger. Graf /lrco! Man schreibt uns: Neber die antisemitisch-alldeutsch-monar- chistischxn Kundgebungen im Anschluß an den Prozeß Arco ließen sich die hiestgen alldeutschen Blätter lange Berichte drahten. Die Korre'pvndenten faselten von einer„direkt revolutionären 6'" iiiig in München'. Der„Lokal-Bnzeiger' aber wußte zu be- f., daß die Vollstreckung deS Todesurteils„den Umsturz be« deutet halte'. Als Kronzeugen für die Nichtigkeit der alldeutschen Beurteilung der Stimmung in München führen die Herren ihre Gegenfüßler— die Kommunisten, an. Dann muß eS wohl stimmen. Die.Kreuzzeitung' ist entzückt, daß ekn leibhaftiger Gras den Jude» Eisner erschaffen hat. Man stelle sich vor, ein Graf erschießt einen Juden; er wird dafür zwar zum Tode verurteilt, aber von einem hohen Ministerium, in dem das Bürgertum die Mehrheit hat, nach zweistündiger Beratung (ein Zeichen, daß eS heiß hergegangen ist) ehrenvoll begnadigt, und von Studenten und ähnlichem Volk als.Held' und.Märtyrer' bejubeN— kam»«wn fich einen Sefferen Nustaki fllr Pogrome denken I Die Wotanverehrer mit dem Hakenkreuz müssen aber zur guten Hälfte Wasser in ihren Wein gießen; denn Graf Arco ist zur guten Hälfte ein Jude. Seine Mutter ist eine geborene Oppen. heim aus Köln. Der„alte Herr' des jungen Herrn Mörders wird seine guten Gründe gehabt haben, als er sich herabließ, eine Frau aus der reichen Bankiersfamilie Oppenheim zu nehmen. Die Oppenheim? sind tüchtige Leute. Dem Adel zu Liebe ist die eine Tochter katholisch geworden— d'e Mutter des jetzigen HeroZ des buntbemützten Straßcnpöbels von München. Eine andere Linie der Oppenheims ist protestantisch und die dritte hat ihren Stolz bewahrt und ist jüdisch geblieben. Vielleicht trösten sich aber Knüppel-Kunze und seine Genossen mit der BiSmarckschen Theorie von der guten Rasse, die eine Kreuzung zwischen einem germanischen Hengst und einer jüdischen Stute ergäbe. Der junge Graf Arco ist dann nur ein Fall von Atavismus und das arische Blut ist bei ihm Herr über daS jüdische Mutterblut geworden. Sonst heißt eS zwar, daß auch die geringste Spur von Judenblut genüge, um rettungS- loZ die ganze Nachkommenschaft zu verseuchen. DaS jüdische Blut in den blauen Adern genügt aber sicherlich, um eine Tatsache zu erklären, die immerhin recht auffällig ist: Der V o l l j u d e Toller hat während der Münchener Wirren dem Grafen Arco einmal das L e b e n g e r e t t e t. ES bleibt somit nur noch zu erklären, warum der Halbjude Arco den Juden EiSner erschossen hat. Aber wer weiß, welch jüdische Teufelei hinter der ganze» Geschichte steckt! Auf jeden Fall, unsere BlutmischungStheoretiker solltem den Fall Arco-- Toller- EiSner einmal genau auf die jüdisch- arische Wafferwage legen. Vielleicht können wir ihnen dabei helfen, wenn wir zu erwägen geben, einmal nachzuforschen, ob nicht der junge Graf Arco einmal bei einer Säbelmensur soviel Blut verloren hat, daß ihm K ä I b e r b l u t in die Adern gepumpt werden mußte. Es mag sein, daß daS Kälberblyt das jüdische Mutterblut paraly- siert bat. Diese Erklärung wäre doch für den reinen Toren Arco, ganz passabel, der nach dem„Lokal-Anzeiger' ein Mann ist, wie nie einer mit„reineren Händen' die Mordwaffe erhoben hat. G, welch Zartgefühl! Eil. Leser de? frommen„ReiÄSboten' hat die für seine Kreise immerhin beaütOiswerie Intelligenz gehabt, zu bemerken, daß der .Reichsbote' über die Briese Willis c�n, seinen lieben Niki' auch nicht eine einzige geiloi gebracht hat, während der unglaubliche Inhalt dieser Briefe die ganze Oeffentlichkelt be- schäftigte. Auf seine Anfrage erbäit er im Briefkasten des„Reichs- boten' folgende klasfische Auskunft: GeschästStüchtigkeit hat es fertig gebracht, Briefe Seiner Majestät des Kaisers, obgleich es sich um persönliche Briefe handelt, die der Verfasser zum Teil' ausdrücklich als .privat' und„streng venraulich" bezeichnet hat, an die Oeffent- lichteit zu bringen. Wir sind diesem Beispiel nicht gefolgt, weil wir eS für unanständig halten, derartige Briese bekannt zu geben. Wir fürchten, daß dieses Zartgefühl nur ein Deckmantel für die tödliche Verlegenheit deS ehemaligen Hofblattes ist. Oder würde der.Reichsbote' dieselben Begriffe von Anständigkeit und Unanständigkeit gellen lassen, wenn eS sich etwa um private und vertrauliche Briefs eines Sozialdemokraten gehandelt hätte?! Sieg üer Monarchie im Kino. Die rechtsstehende Presse berichtet:„In einem Kino in der Matzstraße wurde am Freitag der Dubarrh-Film vorgeführt. Nach Schluß der Ausführung erhob sich ein Herr und hielt folgende kurze Ansprache:.Meine Damen und Herren I Wir haben hier g e« sehen, was die Revolution ist, welche Scheußlich« leiten sie uns bringt.(Im Kino! Red.) Darum: Nieder mit der Revolution! DerKaiser soll wiederkommen!' Der Redner erntete mit seinen Ausführungen stürmischen Beifall. Konzsrt-Umfchau. N i k i s ch, Z>k a d r i g a l ch o r, Solisten. „Weil ein Vers dir gelang in einer gebildeten Sprache, die für dich sichtet und denkt, glaubst du ein Dichter zu sei»?'— diese? Goethe-Wort könnte in leichter Variation über den Eingängen der Konzertsäle prangen. Was alles hält sich für berufen, die Menschen zwei Stunden seil zuhalten, wer alles nennt sich Künstler und para- diert mit eingeübten Künsteleien! Daß ein Lied gelingt, weil daS Organ Töne hergibt; daß eine Passage auf dem Klavier dahinrollt, weit Zeil zum lieben war; daß ein Werk unser Ohr hat. tveil eS aus sich heraus Macht hat und lleberzeugung: was besagt daS für den Konzertveranstalter? Technik, Arbeit, Neben, AnSseilen an einem Stück ist ja nur ein knapper Ansang, ist ein Nicht?. Musik denk:, dichtet sür uns. Wir wollen sie im Temperament, im Erleben einer JiiSlvtdualitSt nachg»schaffen sehen, wollen hören, wie ein Herz und eine Seele musitalische Werke umklammert, und wie sich aus der . Bereinigung Wirkung löst. DaS allein ist Leben mit der Kunst, Aussteigen an ihren Geistern. Alles andere geht neben der Kunst einher. Nehmt da? Werk fort und ieinen Wert, derauscht enck nicht an einer Modesensation, seht weg von den Schlichen der Retiame, die so leicht Erfolg vorheuchelt, und sraA dann, ob der vermittelnde Künstler noch immer auf hohem Turm steht. Schärft Ohr und Blia seid kritisch; wenn aber das Blut dann noch in Wallung kommt, dann lazst es auch bis in die letzte Fiber des Herzens fttömeu. Das war, als Meister Nil isch BlucknerS VIl. Sinfonie dirigierte. Da war kein Ton, keine Phrase unbedacht, da fetzte sich nicht- Kantiges und Scharfes, da hob eine euipsindsame Hand den Schleier von sanften Uiiverstälidlichkeitcn, wuchicie das Grandiose felbsi im Adagio fühlend heraus und ließ, in wunder- voller Abstufung, die kein Partiti-rbilv dem Blinden zeigt, Farben leuchten. Schatten spielen, Gegensätze vorbereiten und abklingen. WaS bleibt von dem Vorwurf der Harmlostgieit an Bruckner hasten? Nicht ei» Won. Diese Siebente nicht lieben heißt: sie nicht kennen. So erfühlt, so männlich-wcich erlebt wie bei Nilisch klingt sie allerdings nicht alle Tage. Nicht alltäglich war auch, wie diesem Dirigier-Phänomen da? klavieriftische Phänomen v. k 6 v a c- Tempi im c-moI!-Ko»zert Beelhovens aiifz:, zwingen fuchiC. Ein Muster von Spielsauberhett. froh im Zeigen seltener Spielgelenkigkeir, reich an Empfinden und überreich an musikalischem Fond«, so rast dieses Ztind der Musik nach. Austoben, erleben lassen -- und die Kunst, in deren Falten sich die kindlichen Hände sicher angeklammert haben, verschwistert sich ihr ganz. Hier ist Aufschwung. Auch bei Josef Mann, der die Arie de? ByladcS aus der .Iphigenie' mit edlem Ton und ehrlicher Deutung uns zu Herzen singr.., Der Thiel ich« Madrigal-Chor, langst rn seiner Technik und nur selundenweiS von einer schlechten Aufpasierin ein- mal erschüttert, singr Madrigale und Lieder so erquickend schön, daß der Weg Jahrhunderle zurück nicht als schwer empfimden wird. Weiche, nachdenlliche Weisen von Arcadelt und Regnart, ein Schäfer- kied aus dem ZV. Jahrhundert, frisch melodisch ausgebaut auf der Kling-Klang- Quinte eines Saiten-JnstrumentS, kecke Gebjlde Lasso- scheu Satzes, dessen ,Gew' allerdmgS die gehäufte SerSoßerlichunz eines Scherzes ist und Ver'chtvinden darf. Zwischendurch greift die schlanke Hand der gebildeten LandowSka-Sckülerin Alice Ehlers in die Saiten des Cembalo und wirbt erfolgreich für eine schnell- lätzige Sonate MarelloS, der Bachsche Bässe gekannt haben muß. Werl und Spieler werden zur Einheit. Dann aber—. Ich greife ans der Schar von Solisten, die schon viel Eigrnes hergeben müssen, um wirklich für sich selber interessieren zu können, noch einige heraus, die einmal Bi.öner werden können. oder die in Teilen ihres Programms künstlerisch besonders wirken: Ilona F u r i g o weiß um den Ausdruck, um die trauliche Gesamt« Umhüllung eines Lieds, zielt nach dem Kern. Drei altdeutsche Lieder klingen fröhlich in den Saal. Dann stocki eS, die Stimme bleibt mnformierl, gibt nur noch eine einzige, gleichmäßige Lage her; und auch die Brabmsschen Lieder, denen Emma Schulz eine zu massige Brätichen- Stimme hinzugesellr, komme» über den bürgerlichen Atem nicht heraus. Agnes Leydhecker sehr einen weichen und dennoch großen Sopran mit der Tiefeniärbung eines Akt für die ernsten Gesänge Brahms' ein. Ihre solide Technik weiß zu verschleiern, daß der Stimme Blüte vorbei ist, ihr Empfinden scheint immer wieder neu genährt und gestärkt. Gerade daran fehlt eS der sonii so iymvathischen. in der Bewältigung ihrer Mittel aber noch unsertigeil und zagbafien Else ».Monakow. Schuberls.Roseiidaiid' und.Fischerweis»' gleii«!! farbig dahin, und auch derAn-druckbleibt sinnig, gefällig.„Verklärung' aber und„Junge Nonne' leiden an einer Maltheit der Töne, die, nicht mebr allein technisch entschuldbar ist. Die mnfikalische Linie ent- gleitet. Töne klingen, sammeln sich aber nicht zum Lied. Ich wünsche der Sängerin ein große? Erleben, daS sich in jeder Weise, jedem Klang offendaren müßte. Der Weg steht ihr offen. Eugen Linz spielt die chromatische Fantasie und Fuge(Bach?) mit solidem Anstand! technisch sauber, ohne Größe, mit der- stehender, nicht überall fühlbarer Liebe. In Beethovens op. 31 schwingt die Seele mit, und freudigste Anieiliiahme ist ihm sicher, selbst wenn er dem letzten Satz nicht ge»ügend.Glätte und Bindung gibt. Paul Schramm kann in zwei Viriuoö hingelegten Effefl- siücken von Liszi mir andeuten, daß er ein sattelfsster Musiker ist, sticht aber als Begleiter wundervoll ab von einer Säiigerin. die eben zu jenen allzuvlelen gebort, die heule noch eine ebrenwerte Kunstgöttin von ihren Rockschößen abschüttelt. Wir wollen diese» und znanchen anderen Namen verschweigen. Bis wir emvfinden: auch dieie treibt der Zauber und der Geist der Musik wirtlich in die Höhe!_ K u r r Singer. Buch Hannovers Wälder fallen. Au?.Hannyver wird uns ge- schrieben: Wer sich im vergangenen Sommer in den waldreichen Gegenden vom Harz zur Weser, im Teutoburger Walde oder in den noch so waldreichen Teilen der Lüncburger Heide erging, konnte neck) der wilden Kriegszeit iu Angesicht der Schönheiten deutscher Landichast wieder neue Hojsnuiig schöpsea. Tröstend durchleuchte u: manchen Wanderers Seele der Gedaule: Eins müssen die Feinde uns lassen, unser deutsches Landschaftsbild in seiner Eigenart und Treue bleibt uns doch erhalten! Und doch fällt auch in diesen Labe- trunk der bittere WermutStrevsen. Die Kahlennot hat auch hier bg- reit« gewirt:. Tors und Halz sohlen Ersatz liefern und man jsing in die Wälder und schlug die Bäum- nieder, Eichen. Buchen' und andere Harthölzer, die«n festeres Bramnurrrerpil liefet� cd} die Wkr haben den DnUarrh-Mm, de OTffge«#«cht gut gestellt ist, angesehen. Die Revolutionsszenen bilden den fünften Akt. Die ersten vier Akte behandeln die Maitressenwirtschaft der Monarchen von Gottes Gnaden. Auch die Leiden des Volkes unter dieser Wirtschaft sind recht anschaulich dar- gestellt. Dieie vier Akte scheinen allerdings für das Berlin-'W« Publikum nichts Abschreckendes gehabt zu haben. In der Motzsiraße, der Stätte der bekannten Nacktabende, kamt man sich freilich an solchen Dingen nicht stoßen, man ist dort unsitt» l i ch und kaisertreu bis in die Knochen. Heil der Monarchie, die solche Anhänger hat! Serliner Unruhen unü Neichsmarine. Aus dem RelchSwehrministerium wird mitgeteilt: Bei dem Ber« siick), daS BeiriebSrätegesetz mit Gewalt zu sabotieren, haben Männer in Marinewniform im Vordergrunde gestanden. Hierdurch ist die irrtümliche Meinung aufgekommen, es hätte sich um Angehörige der Reichsmarine gehandelt. Dieser Auf- sassung muß auf daS entschiedenste entgegengetreten werden. ES ist bekannt, daß kommunistische Elemente schon häufig die Marineuniform für ihre Zwecke mißbraucht haben tn dem Wahn, ihre um stürzler ischen Bestrebungen in gewissen Volkskreisen damit populär zu machen. Die Reichsmarine hat mit diesen Ele- menten nicktS zu schaffen. Im Gegenteil haben Verbände der ReichSmarine bei den Unruhen in Oberschlefien und bei vielen anderen Gelegenheiten in wirksamster Weise dazu beigetragen, die Ordnung wiederherzustellen. DaS unberechtigte Tragen der Marineuniform ist strafbar, und die Sicherheitsorgane find auf Grund der Verfügung deS Oberkommandos NoSke vom 4> August 1919 erneut ersucht worden, .Matrosen', die nicht im Befitze deS für die Reichsmarine vorge- schriebenen LichtbildauSweiseS sind, festzunehmen und der Straf« Verfolgung zuzuführen._ Die Nothilfe bei tzochwaffer. Aus Köln wird gemeldet: Da hier eine ausreichende Organi- sation zur Bekämpfung de Hochwassergefahr nicht bestand, ergriff der Leiter der dortigen„Technischen Nothilfe' mit dem Brückenkopfosfizier entsprechende Schutzmaßnahmen. In Eile wurde die dortige LandeSbezirksstelle der Technischen Nothilfe zu einer Zentrale für die Hochwassergefahr umgestellt, an die alle Nach- richten und Fäden der Hochwassergefahr zusammenliefen. Die Bauunternehmer wurden veranlaßt, sür die überschwemmten Teile Stege zu bauen. Aufrufe in den Zeitungen forderten BoolSsührer und Besitzer von Kähnen und Kraftwagen zur unver« züglichen Meldung auf. Daraufhin wurde ein planmäßiger unent- g e l t l i ch e r Bootsverkehr eingerichtet, während bis dah in.wilde' Bootsführer unerschwingliche Summen gefordert hatten. Die Feuerwehr wurde auf die zusammengeholten Pumpen verteilt, die einsaufenden Hilferufe nach Lebensmitteln und Brennstoffen wurden der aufgeforderten privaten Fürsorge zugewiesen, die Obdachlosen mit Hilfe de? Wohnungsamtes untergebracht. Beim Sinken des Wassers wurden noch weitere Pumpen von den Tiefbauunternehmern zuiammengebracht und damit planmäßig die Wohnungen vom Wasser wieder befreit. Der Oberbürgermeister sprach seinen öffentlichen Dank für diese wirkliche Hilfe in de Not ans, die keine andere Organisation so tatkräftig zu leisten inrsttnda gewesen war._ Em Notschrei aus üem Siegerlanö. Wie in allen Teilen Deutschlands sich die Not und das Elend ständig durch die K o h l e n n o t steigert, so ist eS auch im Sieger- land de Fast Dasselbe ist mit seinen vielen und größten Erz- gruben der Hauptlebensquell unserer Eisen- und Stahlindustrie, Der Bedarf an Kohlen und Koks beträgt für die dortige Industrie monatlich zirka IVO 000 Tonnen, und zirka 75 OVO Angestellte und Arbeiter erhalten dadurch ihre Verdienstmöglichkeit und Lebens- unterhalt. Leider ist das Bedarfsquantum schon teilweise zu nur harzige, weiche Tanne. Untd je weiter der Winter fortichritt, desto mehr mußten die Wälder von ihrem besten Besitz hergeben. Schon droht in waldannen Gegenden eine kaum miede gutzumachenca Enttvaldung, während in den großen, geschlossenen Waldgebieten dies« Gefahr wohl noch nicht so groß ist. Aber, wie gesagt, aus Gegenden, wo der Wald dünner ist, kommen bereit« Klagen. Und in einigen Gegenden wird die Axt sogar auch den Bäumen, die de Landschaft«in charakteristisches Gepräge geben, Birken. Pappeln und dergleichen, an die Wurzel gelegt. Ein Gut von unschätzbarem, idealem Wert wird damit zerstört! Die Zukunft der Wiener Staatstheater. Im Budgetausschuß der öftereichischen Nationalversammlung eklärte Staatskanzler Dr. Renner, daß die beiden Staatstheater unter allen Umständen. selbst wenn sie hohe Auftvcndungen erfordern, dem Staate und dem Volke ehalten bleiben müßten und nicht zu reinen Erwerbs- Unternehmungen weden dürften. Das Publikum habe sich der- wandelt; während frühe in der Oper sich alle großen und kleinen Mufikgemeinden zusammenfanden, sind diese Kreise durch die hohen Gebühren jetzt geradezu ausgeschlossen. Die ehabene Musik de Oper wird für Leute gemacht/ die sich zerstreuen wollten und die bintcr den Logen ihre Schiebergeschäfte mcchein De Unter- richtsverwaltung wird die Ausgabe zufallen, eine solche Organi- sation zu ermöglichen, die den wirklichen Kunstinter essen und dem künstlerischen Nachwuchs dient. Der letzte europäische Wisent. De letzte Wisend, der in Europck noch in freie Wildbahn ging, ist(nach dem„St. Hubertus") im September des Jahres 1919 niedergeknallt worden. Damit ist der mähnenumwallte Wildstie der li'amschen Wälder, de letzte Per» freier einer sonst ansgestorbenen Witdzatwng, de im Urwald von BialowieZ nur noch«in.? ZuflvebtSftätte gefunden hatte, nunmehr in Europa ausgerottet. Beim Abmarsch de schützenden deutschen Besatzung waren noch 129 bis 149 Stück da! Jetzt lebt nur»och im Kaukasus, den man den„sechsten Erdteil' genannt hat, weil rhu die Russen weder zu Europa noch zu Asien rechnen, hier und da seirz wilder Vetter, der.Tscherkessenbüffel'. Doch wie'lange noch? Theater. Im Theater tn der Könlggrätzer Straße wird heute in Aenderung des Spielplans Wedekinds.Schloß Wetterstein' ausgeführt. «ever die drei Brrwondknngen in Nievsck'e»„Zarathnstra« lvricht Theodor Kappitein am LS, Jan. vormittags Nft, Uhr im Hurmozuu msaal, Stegl�er>str. im Rahmen d>elühwwh.ilt!.'« Hochdeutschen zu erschließen.' Besonder« in der erslen Zeit de» Unterich» soll der Lehre da« Plattdeutsche verwenden,»eil es jhm hdljep fcpx. daS vertrauen der Kinder zu erlangen. Nr. 37 ♦ 37. Jahrgang Heilage des Vorwärts Mittrvsch, 21. Januar 1920 Helfferich gegen Erzbeeger. (Schluß aus der Wendausgabe.) Die Rede deZ Angeklagten Helfferich, die wir im gestrigen Abendblatt ausführlich wiedergegeben haben, wird von dem Vor- sitzenden LandgerichiZdirektor 23 a u m b a ch wiederholt mit dem Hinweis unterbrochen, daß es doch zweckmäßig wäre, bei dem allgemeinen Teil die Ausführungen möglichst zu beschränken, da es einerseits nicht möglich sein werde, dies« pclitistKm Ausführungen nachzuprüfen, es sei denn, daß darüber Weitgreiferde Zeugenvernehmungen stattfänden. Im übrigen würden ja bei den einzelnen Gruppen diese Dinge noch ausführlich zur Sprach? gebracht iver- den. Der vom Angeklagten gebrauchte Ausdruck„Reichsverdcrber" gegenüber dem Nebenkläger sei doch ein sehr starker, und es würbe Ivobl genügen, diesen Ausdruck als Kennzeichen für die Ansicht des Anaeklagten über die politische Tätigkeit de§ Nebenkläger? hinzu nebmen. Es muß natürlich dein Neben- kläa er �WegenheH gegeben werden, sich ausfübrlich über die auf. abstellten Vehaupiunagn zu äußern.— Weitere Zwischenfragen und ?st'rbalt'rnqen des Vorsitzenden dienen dazu, genau festzustellen, welche Bedeutung einzelne seiner Aussührungen hoben sollten. Nach Abschluß der Rede fraat der Vorsitzende den Beschuldigten: Aus Ihren Ausüihrungen ergibt sich ja schon, warum Sie geglaubt st'ben, zu scharfen Verordnungen zu greisen, weil Sie sich persönlich durch den Nebenkläger angegriffen fühlten. Nun kommen aber in der Broschüre so außerordentlich scharfe, beleidigende Ausdrücke vor. die an stck doch zur Währung Ihrer Stellung nickst absolut ru-stmendig gewesen wären. Dorf ich annehmen, daß Sie diese "'••idTÖife absichtlich gewählt haben, um damit die Stellung des StrckantrageS zu erzwingen?— Dr. Helfferich: Ja! � berstaotsanwalt Krause: Ich will die Sache hier nicht vom v•'■stschen, sondern vom rein juristischen Standvnnkt betrachten. Wrun tute fiter auf alle diese komvlizierten politischen Fragen ein- gst-m würden, so würde die Sache bald in? Uferlose gehen, wir werden msnate- und eventuell jahrelang bier verhandeln und wir würden trotzdem vielleicht keine Klärung der Frage herbeiführen können, welche Bortei als Kriegöver- u r l a ch e r in Arage kommt. Der Oberstaatsanwalt gebt sodann ausführlich auf die politischen Angriffe in der Broschüre ete und versucht an zwo' Beispielen nachzuweißen, wohin man ternme, wenn man die Richtigkeit dieser Angriffe innerhalb der Beweisaufnahme nachprüfen wollte. Die Strafkammer des stardaerichtS sei nicht dos Tribunal, vor dem diese Dinge nach» g-'vrüft werden können. Wir haben nnS hauptsächlich mit den Ar. likeln, soweit Crzherger als Mensch araearissen! wird, zu besckäftioen, und da muß ich sagen: die Ar- t.kel oehen weit über das Uebliche. auch über das, was man varlamentarisch nennt, hinaus. Ich möchte die Parteien bitten, ein Entgegenkommen zu zeigen, so, daß der Nebenkläger nur die Dciteafung formaler Beleidigung verlangt und i er Angeklaat« es dem Greichtshof überläßt, in dieser Beziebuno die Entscheidung zu treffen. Dann werden wir die ganze Sache enger begrenzen und über die Schwierigkeiten hinweg- kommen. Sin solches Entgegenkominez, der Parteien würde nach Vernehmung einer Reihe von Zeugen wohl möglich sein. Der Vorsitzende hält dem Nebenkläaer diese Anregung des Oberstaatsanwalts vor. fßeh. Iustizrot Dr. V. Gor don er- klärt, sich im Auocnblick nicht dazu äußern zu können. Zur Streckung der Beweisausnahme äußert sich R-A. Dr. Als» berg u. a. dah-n: Wir haben uns stet? auf den Standpunkt ge- stellt, daß wir nickst bestimmen wollen, was wir beweisen wollen, fordern was die Gegenseite durch uns bewiesen haben will. »rd daß wir den Gegenstand des Prozesses nicht verschoben haben mochten. Der Nebenkläger fühlt sich in bezug auf da? Thema ..belost'be Frage" durch di? ibebauptung des Dr. Helfferich. fein« A.i'iührurcwn seien..gemeine Lüge", getroffen. Dieser Ausdruck liegt doch snoerhalb des Komplexes der anderen Beleidigungen, e? kann also wohl die Aufrollung der belgischen Frage umgangen werden.— R�A. Dr. Alsberg: Was wir vor alten Dingen erörtert haben wollen, ist die Verguickung der Po- lüifchen und geschäftlichen Tätigkeit de» Neben. k'ägerS. und di« Angriffe meines Klienten richten sich gegen den cbenkläqer als Politiker und Mensch.— Vors.: Diese AuS» führungen mögen die Parteien zum Nachdenken aulfordern, ob es im Interesse Deutschlands liegen würde, wenn wir die belgische oder die österreichische Sache hier aufrollen würden. ES crhätt hierauf das Wort der Nebenkläger Aeichssinanzmmiswr Erzbergcr: Ich will dem Wunsche des Herrn Vorsitzenden, möglichst kurz zu sein, gern Rechnung tragen. Sollte es trotzdem länger dauern, so ist das darauf zurückzuführen, daß ich gezwungen bin, die Angriffe des Angeklagten, die er hier in voller Qefflvitlichkeit vorge- bracht hat, zu widerlegen. Ich stehe seit 17 Jahren in der Oeffcnt» ost-Mbonnenten �amit Ske regelmäßige Zustellung öes „vorwärts" im nächsten Monat keine unliebsame Unterbrechung erleiüet, ersuchen wir unsere yost-fibonnenten, das flbonne- ment für Zebruar bei Sem zustänSigen Postamt schon jetzt zu bestellen. vorwärts-Verlag H. m. b. h. Kchkeit, seit zwei Jahren bin ich Minister, und wer die politischen Verhältnisse kennt, wird mir zugeben, daß man auch mal Fehler machen kann, daS ist allgemeines DtenschenlosI Aber einS habe ich mir stets in meiner Tätigkeit vorschweben lassen: Ich will bis ans Ende meines Lebens dem ganzen deutscheu Vvlke diene»! In meiner parlamentarischen Tätigkeit bin ich schon früher bäufig mit dem Angeklagten zusammengestoßen. Ein? geradezu lach er» liche Behauptung ist es, wenn man versucht, mir zu unterstellen, daß ich. a» eiuem Diebstahl beteiligt gewesen sein soll. Mein Gewissen ist rein, und wenn von dem, waS der Angeklagte hier gesagt hat, auch nur ein minimaler Prozentsatz wahr wäre, so würde ich nicht hier stehen und hätte längst die Konseguenzen gezogen und wäre von der Dildfläche verschwunden. WaS die von dem Angeklagten behauptete Art der Material- beschaffung anbetrifft, so kann ich sagen, daß ich von der Unmenge Material, das mir in meiner parlamentarischen Tätig- keit angeboten worden ist, nicht IV Proz. verwendet habe. Auch die angebliche Indiskretion, die ich mit dem Bvirf des bei der Waffenstillstandskommission tätigen Major? begangen haben sollte, ist frei erfunden. Ter Angeklagte sagt weiter, ich hätte mich bei Kriegsausbruch gleich der Behörde zu Prvpagandazwecken zur Verfügung gestellt. Da« gerade Gegenteil ist der Fall! ES war gar nicht mein Wunsch, auf Drängen der Mar ine der- waltung bin ich tätig gewesen, ich habe mich sogar gewehrt da- gegen, man hat mich dazu gepreßt, man hat gesagt:„Sie. haben doch gute Beziehungen zum Auslände!" Ich habe mich dann sogar mit dem damaligen Direktor der Deutschen Bank, Helfferich, in Verbindung gesetzt, wie di« mir überge.benen Gelder verbucht werden sollten usw. Was meine angeblich schädlich« Propaganda im Alfslande anbetrifft, so erkläre ich, daß, ich nur einen Teil davon hatte, neben mir arbeiteten Militär- und Marinestellen, und alles, wa? diese Stellen falsch gemacht haben, wird jetzt auf Konto Erzberger verbncht. Mein Auftrag ging dabin, unter den Katholiken d«Z neutralen Auslandes und auch in den feindlichen Ländern ein« günstigere Stimmung für Deutschland zu erzeugen, und wohl jeder weiß, wie schwer es war, in diesem Kriege für Deutschland Sympathien zu erzeugen. Wenn Herr Helfferich weiter behauptet, ich hätte meine eigene Politil gemacht, so gebe ich meine Beziehungen zu dem Hause B o u r b o n- Parma zu, aber ich habe diese Beziehungen steis aus- genutzt zum Wohle des deutschen Volkes. Ich stand dadurch auch in bester Fühlung mit unseren Verbündeten und mußte dies, da ich der Ansicht war, daß der Abfall auch nur � eines Verbündeten die Niederlage Teuischlands nach sich ziehen würde. Wie recht ich dauiit hatte, zeigte der am 18. September erfolgte Abfall Aul- g a r i e n s, dem bald Oesterreich folgte. Minister Erzberger geht sodann ausführlich auf die Momente ein, die ihn zu der sogenannten Friedensrrsolutio« geführt hatten und erklärt, daß diese Maßnahme stets mit gol denen Lettern in der Geschichte des deutscher Parlaments eingetragen sein wird. In der Politik könne mar. eben nicht nach Richtlinien gehen, die man sich vorher gezogen habe In längeren Ausführungen geht Minister Erzberger sodann auf seine Wiener Reise und seine Beziehungen zu Czernin ein und betont besonders, daß jener Geheimbericht in der Sch w e i z längst bekannt und auch schon anderweitig nach Deutschland ge- kommen war. sehr scharf protestieren muß ich— so fährt Erzberger fort— gegen die Unterstellung des Angeklagten, als ob ich i Compitzgne deutsche Interessen preisgegeben habe. Hindenburg seil bat mir die Instruktion gegeben, ich solle nach Möglichkeit in be siiinmten Punkten Milderungen zu rrreichm suchen, und wenn in keiur Milderungen erreichen könnte, so solle ich— und diele Instruktion wurde vom Präsidenten Eberl bestätigt— den Vertrag unterzeichnen, da im Falle der Nichtniiterzeichniing in der damaligen Situation nrueS großes Unglück über Deutschland hereingebrochen wäre. Falsch ist auch, ich hätte die Handelsflotte ausgeliefert. Durch mich ist dieFlotte lediglich zur Verfügung gestellt worden, und der Zweck war lediglich, so schnell wie möglich Lebensmittel heranznschaffe!'. Wenn da? nicht geschehen wäre, so wäre im Somm« der völlige Zusammenbruch Deutschlands erfolgt. Ich reckne es mir mein Leben lang am V e r d i e n st an, durch die Unterzeichnung des V er- träges einen neuen Krieg verhindert zu haben, es iväre namenloses Unglück entstanden, wenn ick nicht unterzeichnet hätte. Es ist auch unrichtig, daß in den feindlichen Z e i l u n g c n ge- standen habe, ich sei stets zrir bedingungslosen Unter- Zeichnung bereit gewesen. Ich war mir völlig darüber klar, daß ich, wenn ich meinen Namen zum Abschluß der Vertrages hergebe, von oirlrn Menschen beschimpft werden würde, aber eS hieß damals Frieden schließen um jeden Preis. Ich sehe tatsächlich in dein Angeklagten einen der Mitschuldigen an dem entsetzlichen Ausgang« des Krieges. Ich bin auch dafür, daß die Korruption mit Pech und Schwefel auSgeroitet werden muß. Da will der Angeklagte behaupten, ich hätte v o I i- tische Tätigkeit und Getdinieressen verkuüpn? Abgeordnete sollen zwar aus dem Wirtschaftsleben entstammen, sich aber nicht als A u f i i ch t s r ä t e betätigen. Ich lenne Dutzende, ein halbes Hundert Abgeordnete, bei denen dies n i ch t zutrifft. Weil der Abgeordnete Erzberger aber in einen Aus- sichlsrat gewählt wurde, da wurde schnell ein Ausnahmegesetz geschaffen. Bemerken will ich nur: Es ist nicht richtig, daß ich «erwSgeitSlos nach Berlin gekommm bin. ich muß dies leider sagen und sogar familiäre Dinge hier zur Sprache bringen: meine Frau besitzt Vermögen. Es ist ferner falsch, daß ich ein sehr beträchtliches Vermögen habe, es schwirren ja in der Oeffeinlichkeit die tollsten Gerüchte über mich herum.' Mir wird vorgeworfen, daß ich viel mehr ausgebe, als mein Ministergehalt betrüg«. Ich bin überzeugt, daß der Angeklagte viel mehr für Miete auSgibt als rch. Es ist wirklich herrlich weit in Deutschland gekommen, daß mau einem Manne, der im politischen Leben steht, einem Minister, nachrechne!, inte viel er für sein Abendbrot ausgibt! Ich will aber auch auf die? alle? nicht eingehen, weil dies Sache der Beweiserhebung ist. Der Angeklagte wird es dann aber erleben müssen, daß er tatsächlich auf recht viel Quatsch und Tratsch hineingefallen ist. Der Nebenkläger bekämpft im einzelnen die zahlenmäßigen Ausführungen des Dr. Helfferich über dessen von ihm zahlenmäßig dargelegte finanzpoliliiche Täligleit und vor- teidigr seine F« n a n z p o l it i t mit Aachdruck. Was in Weimax ?an Krebsereuter. Seine Taten, Fahrten nnd Meinungen. Aufgrzerchne, von Hau» Müller-Schlösser. „Still, Fernand l Wenn wir auf'm Standesamt unsere Ladimg gelöscht haut, werfen wir im„Sonnenaufgang" Anker aus, dann künns du dich mit einem Glas oder drei Lagerbier abkühlen." Sie bogen um die Ecke dar Zitadellstrahe und gingen an der Franziskaner Kirche vorbei. Da saß vor der Türe auf ihrem Klappstühlchen die ölte Madam Krüll bei ihren Wachskerzen, die sie als Opfer für die armen Seelen im Fegefeuer verkaufte. Als die Witwe eines eliemoligen Tam- bours der bergrschen Truppen, die unter Napoleon noch Rnß- land gezogen waren, war sie selber ein Ueberbleibsel der napoleonischen Zeit. Sie hatte als � Marketenderin schon mehrere Feldzüae mitgemacht, als sie ihren späteren Mann. den kleinen Mathias Krüll, ihren„Matthieu", in der Gegend von Witebsk kennen lernte. Er war während eineS Gefechts an ihren Wagen heran gewankt, blaß wie ein Toter, und hatte sich von ihr die Schnapsflasche füllen lassen. Es tnor dem kleinen Tambour nämlich übel geworden, als er den ersten Verwundeten gesehen hatte, einen französischen Kürassier, dem die rechte Hand abaeschossen worden war und dem das Blut durch den weißen Mantel tropfte. Die robuste Marketenderin hatte Mitleid mit dem armen Tambour, der kein Blut sehen konnte, und dem gefiel es bei den vollen Kisten und Flaschen so gut, daß er lieber der drallen, ewig plappernden Jeanette beim Sckmapsverkauf half, als daß er zum Gefecht die Trommel rührte. Und eS dauerte nicht lange, da waren sie sich einig, sich zu heiraten und in Düsseldorf mit Jeanettes ge' Parten schönen Talern ein Spezereilädchen auf- zmuachen. Aber bei dem jammervollen Uebergcmge der zer- trümmerteu..Großen Armee" über die Beresina kippte in dem fürchterlichen Gedtänge der vollbepackte Wagen Jeanettes um. fiel in die Beresina und versank zwischen den Eis'chollen mit Pferd nnd allem, was darauf war, auch mit den schönen. gesparten Talern. Jeanette wollte in ihrer ersten Verzweif- hing nachspringen, aber der„Matthieu" hielt sie fest, drückte sie an sich und sagte, eS wäre ja verdammt schade um die schönen, blanken Taler, und wenn es jetzt auch mit dem SpezereUadche« nichts gäbe, so könnte er doch mit sein« Klarinette für zwei und so Gott will für noch mehr das Brot verdienen. Am Rhein wäre jaden Sonntag irgendwo Kir- mes, und um Hochzeiten und Kindtcmfen wäre er schon gar nicht verlegen, tote er die Rheinländer kenne, und, offen ge- standen, so ein spezereilädchen wäre ihm doch nicht so recht nach der Mütze. Also darum kein Kopfhängenlassen l Und schließlich wäre es noch gar nicht ausgemacht, ob nicht die Lauserussen und andere Spitzbuben ihnen auf dem unmensch- lich langen Wege nach der Heimat doch noch nach und nach alles abgenommen hätten. Dann doch lieber der Kotz' den Schwanz mit einem Hieb abgeschnitten k llnd die Jeanette hatte sich unter Tränen lachend an seinen Hals gehängt.— Und heute saß sie als Matrone, schon ein wenig gebückt, mit grauem Scheitel und Runzeln in dem lebhaften Gesicht, auf ihrem Klappstühlchen vor der Türe der Franziskaner Kirche und verkaufte Wachskerzen und Rosenkränze. Ihr„Matthieu" hatte sich vor etlichen Jahren ans dem winternächtlichen .Heimwege von einer Hochzeit nasse Füße und den Tod geholt, der gute Matthieu, der trotz des rückständigen Goldes ihren großen Empereur als einen Halbgott verehrt hatte. Reich- tümer hatte er mit seiner fleißigen Klarinette nicht erworben und als er starb, hinterließ er nicht? als eben dies« Klarinette, eine Witwe und den kleinen Matthieu.— „Bongschur, Madam KrullI" begrüßte Grades sie und blieb vor ihr stehen,„ich will heut zwei Kerzkes opfern, eins für die armen Seelen und eins für die heilige Mutter Goddes." Damit warf er ihr� das Geld in den Schoß. „Oh, Malheur!" rief sie und legte ihren Strickstrumpf auf das geflochtene Henkelkörbchen neben sich,„Monsieur Grades, ßwei Kerßen! Oh, isch bin verschrocken! Die kleine, junge Frau, das liebe Herhchen, ist sie vielleicht geworden malade?" „Nee, Madam Krüll. nir malad?" Ah, dem Diou, viere!!(Gott sei Dank) Monsieur Grades, isch bitte ßu grüßen die kleine Madame Grades von mir, k'U vons platt(wenns beliebt). Und soll bleiben immer gesund! Isch mag sehen serr gerne die Madame Trade«! Oh. ist »i jolie, si modeste,«i gentille!(so hübsch, so bescheiden so artig). Wenn die Madame einmal haben von— von con- frestions— on ne pent pas savoir! n'est-ce pas— (Blutandrang— man kanns nie Nüssen, nicht wabr) isch Hobe von Medikament» serr gute!" „Merßi, Madam Krüll!" wehrte Grades ungeduldig ab, „seid so gut, die zwei Kerzkes I" „Oh, isch verstehen! ßwei Kerßen! Sie wollen machen eine große eozmge snr mer, n'eet-ce pas?(Seefahrt, nicht wahr) Und die Sainte Vierge soll schützen vor die große Wasser und die schlimme Wind..— Oh, Sainte Vierge, man dien dan auFe tutelairel"(Heilige Jungfrau, mein sehr guter«schlitz- engel) sagte sie und faltete fromm die Hände,„ist 1-' mftre de tout le mondel(die Mutter von jedermann) Ist ge- Wesen bei mir und bei man dan dlattbieu en Russie et— Dien bdnissel— ä la Bdr�sine!— Trös bien(meinem gutem Matthieu in Rußland und— Gott sei gesegnet~ an der Beresina.— Sehr wohl), M'sieur Grades, ßwei Kerßen für gute eavage!"(Reise). Sie stand von ihrem Klappstühlchen auf und nahm aus einem blauen Papierpaket zwei dünne, gelbe Wachskerzen. „Nee. Madam, nix Wojasch! Ich hau—" „Nix va.va�e?! 116, qnoi donc? justemect nn 6x6- Dement benrenx? n'est-ce pas? une affaire beureusc, n'est-ce pas?(Nix Reise? Nun, was«dann? Also ein g!ück> liches Ereignis? nicht.wahr? ein glückliches Geschäft, nicht wahr?) Ah, die ßwei Kerßen sollen sein ein bien merci dafür, n'est-ce pas?"(schöner Dank dafür, nicht wahr?) Sie zündete die beiden Kerzen cm den anderen, die auf einem mit Blech beschlagenen Brett flackerten, an und stellte sie auch auf das Brett. Faustdick hatte sich das abfließende Wachs angesammelt und hing in mächtigen, erstarrten-Drop- � fen über dem Rande. Und während sie diese Tropfen abbrach und mlf da«; Brett warf, plapperte sie weiter: »„Oh. itch habe gemerkt an Ihre fröhlisch Gesiebt, daß Sic haben eine afkaire beureuse!(glückliches Geschäft) Alle beide haben ein Gesicht, ganz freudisch, ganz lustisch, außi le M'sieur Kattelmeschell! Er haben ein Feuer in die Augen wie eine junge Mädchen, wenn sie huscht in dunkle Zlbend ßu die Bien-aime(Bielgeliebten), HL, hä!— He', m'sieur' Grades, plait-il(ist's gefällig), mir ßu sagen, was haben erlebt Schönes heute? Sie müssen wissen, daß isch misch serr freuen, wenn andere Menschen haben Glück. Ist so wenig Glück in die West, man muß sich freuen auch über eine ganz 'kleine bißken!" Grades strahlte über'das ganze Gesicht. Er nickte ein paarmal kräftig, spuckte weit hinter sich und antwortete: (Forts, folgt.) in den vier bis fünf Wochen nach seinem CSntreffen geschaffen worden, sei geradezu grundlegend geworden für die gesamte deutsche Steuerpolitik. Gewitz habe er den Angeklagten als den l e i ch t f e r i i g st e u F i n a n z:n i n i st e r bezeichnet. Das durfte er doch wohl tu», wenn man bedenkt, was Herr Helfferich alles über ihn gesagt hat. Aber er begründe seine Ueberzeugung nicht, wie Herr Helfserich durch einige Zahlen. 2 Milliarden Mark im Jahre ISlü waren mehr als 6 Milliarden im Jahre 1S19. WaS ich in bezug auf Hclfferichs Aspirationen im Hinblick�auf Belgien gesagt habe, habe ick zur A b w e h r hineingeworfen und dazu war ich doch wohl als Minister berechtigt, denn ich brauche M'ch doch nicht darauf zu beschränken, was dem Angeklagten gerade behagt. Wenn man untersucht, wer die Mitschuld trägt, an unserem schließlichen Zusammenbruch, so wird man dem Staats- fekretär a. D. Dr. Helfferich ein gerüttelt Maß von Mitschuld auf Grund seiner Stellung gegenüber Belgien zuweisen müffen. WaS ich in dieser Beziehung gesagt habe, war die Antwort auf Angriffe deS Angeklagten. Was da« englische.Friedensangebot' betrifft, so habe ich von einein.Friedensangebot' überhaupt nicht gesprochen, sondern dieses Wort ist von einer Pressenotiz aufgebracht worden, und daran hat sich da« weitere angeknüpft. Ich habe nur von einem.Friedens- sühler' und einer„Friedensaktion' gesprochen, und ein Historiker und Politiker von dem Rufe de« Pros. Delbrück hat mir darin Rech: gegeben, daß im September 1917 noch die Möglichkeit einet guten Friedens vorhanden war, wenn die Regierung eine bündige Erklärung über Belgien abgegeben hätte. Aber die damalig- Regierung hat fich zu einer solchen Erklärung nicht verstanden. Ich sehe der Beweis« «Hebung über alle Dinge, die der Angeklagte hier anschneidet, mit vollkommener Ruhe entgegen; seine Beschuldigungen werden fich als unwahr erweisen. Meine ganze Politik ist gelragen von der Liebe zu unserem armen Volke in dem Bestreben, ihm hinüber zu helfen über die furchtbar schwere Zeit. � Der Borsitzend e erklärte nach Schluß der Erwiderung de? Reben- klägerS. daß er weitere politische Erörterungen nicht zulassen wtrde und vernimmt nun Herrn Erzberger als Zeuge über den kurzen Punkt: in welcher Beziehung er zu den Artikeln in der„D. Allg. Ztg.' steht, die Beleidigungen des Angeklagten euthallen, wie beispielsweise die Wendung:.Mit solchem Gesindel und Pack muß man fich berumschlagen l'— Der Zeuge erklärt hierz«, daß der beireffende Abwehrartikxl nicht von ihm. sondern von einem bestimmten Beamten versaßt sei. Er könne sich nicht genau besinne», ob er den Artikel vor seiner Veröffentlichung gelesen habe. Borst: Aber ein so schwerer Ausdruck würde Ihnen doch auf« gefallen lein, w-nn Sie den Artikel geprüft hätten. � RechtSanw. Alsberg: Wer war denn der Verfasser deS Artikels?— Zeuge Erzberger: Den Namen will ick nicht nennen.— Dr. H e If fe- rich: Es ist unmöglich, daß ein Minister, der seinen Borgänger angreift, sich einen iolchcn Artikel nicht vorlegen läßt.— Zeug« Erzberger: Der Artikel ist nicht von mir ausgegangen, sondern von den Beamten und eine solche Abwehr habe ich im allgemeinen gebilligt.— Dr. Alsberg: Haben Tie den Artikel des Herrn DombrowSki im.Verl. Tageblatt' veranlaßt.— Zeuge: Nein, ich habe nichts veranlaßt und ihn nicht vorher gesehen. Der Beamte hat die betreffenden Informationen aus eigenem Antrieb gegeben ohne mein Wissen. Ich weiß nur, daß ein Schreiben ein- gegangen war. das jene Behauptungen aufstellte. Dieses Schreiben 'st in geordnetem Geschäftsgange erledigt worden. Auf eine An- regung des Angeklagte» erklärt sich der Zeuge bereit, das Schreiben aus den Akten noch vorzulegen. Es soll dann zur Erörterung der Thysscu-Ang rsegeohrit !;sfc der Tgtigkeit de« Nebenklägers in seiner Eigenschaft als Ar> s- sichiSratS Mitglied deS Thyssen-Konzerns bezw. der Berquickung feiner parlamentarischen Tätigkeit mit d« geschäft- lichen übergegangen werden. Hierzu wird vorweg der Generaldirektor G n i Z b e r t von den Bayerschen Farbwerken vernommen, der später nicht ab- kömmlich ist. Er bekundet kurz folgendes: Bei einer Besprechung mit dem alten Herrn Thyssen am 12. Mai 1917 habe dieser gemeint, die deutsche Regierung würde in: Falle eines Sieges die Grube deS Brieybcckens übernebmen. Er tZeuge) habe dann, als er am 18. Mai 1917 mit August Thhsten im Hotel Adlon zusammen- traf, diesem gesogt, daß nach seinen bei der Obersten Heeres- leitung eingezogenen Informationen dies nicht richtig fei. sondern General Lu d e n d o r ss nur in Erwägung gezogen habe, einen TerrirorialauStausch zwischen der Briey- Grube mit Kalifeldern im Eliaß staltfinden zu lasten. Darauf war Thyssen sehr erstaunt und konnre es nicht glauben. Der Zeuge ist dann mit der Obersten Heeresleitung in Verbindung getreten rmd ol» er nach Berlin zurückkam, ließ ihn Bug. Thyssen aus sein Zimmer bitten, und sagte ihm, er habe recht gehabt, und eS müsse schleunigst eine starke Propaganda für Lriey einsetzen. Dann entwickelte Herr Erzberger, der auch inS Zimmer kam. einen großen Plan, wie die Propaganda zu machen sei. Thyssen erklärte, er bade die Vertreter der Stahlindustrie schon versammelt, um die Mittel zur Entfaltung der Propaganda zur Verfügung zu stellen. Erster Staatsanwalt von Clausewitz: Hat Herr Erz« berger irgendetwas davon geredet, die Firma Thyssen wolle sich schon während deS Kriege? daö Eigentum von zolchen Gruben übertragen lassen?— Zeuge: Nein. Auf Vorhalt von mehreren Seiten glaubt der Zeuge aussagen zu können, daß es sich bei dem von Erzberger entwickelten Plan zur Propaganda wn Annexion gehandelt bobe. Hiermit wird die Sitzung geschlossen und die Verhandlung auf Donnerstag vormittag v'/, Uhr vertagt. GroßSerün Wehrt Euch, Irauen, gegen öie NeaStwn! In der von der sozialdemokiatifchen Partei veranstalteten Jrciuenversammlung, die am Montag in Berlin» Südost im„Reichenberger Hof" stattfand, sprach an Stelle der verhinderten Genossin Anna Simon die Genossin Helene G r ü n b e r g- Nürnberg(Mitglied der Nationalversammlung) über..Die Frau im Kampf gegen die Reak- t i o n Sie heigte, daß unserem jungen Freistaat die Gefahr der Reaktion nrcht nur von den rechtsstehenden Parteien droht, die uns mit einer Wieder her st ellung der Monarchie beglücken möchten, sondern auch von den Kommu- nisten und mitlausenden Ult abhäng igen, deren unmögliche Rätediktatur auch wieder nur den Mon- a r ch i st e n die Wege ebnen würde. Deutsckmotionale und Unabhängige, die durch ihr Treiben einander in die Hände arbeiten, haben ebenso nebeneinander gegen daS Bei riebs- csttsgesetz geMnpft. menn auch auS entgegengesetzten Be« weggründen. Die Frauen werden, ohne durch Maulaufreißer von rechts oder von links ihr gesundes Urteils verwirren zu lasten, in praktischer Arbeit Lug. mutig �und Pflicht- bewußt das Betriebsrätegesetz ausnutzen, dos selbstverständlich auch ihnen die Vertretung in den Betriebsräten gewährt. Die Rednerin ging in ihren tcmpera.nentoollcn Ausführungen' denen die ZuHörerinnen mit gespannter Aufmerksamkeit folgten, auf die b l u t i g e n Ereignisse v o m 1 3. I a n u a c ein und brandmarkte die schuldbeladenen Unabhängigen. Sie wies die Sinnlosigkeit des Wütens gegen die jetzige Regierung nach, die ihre mühevolle Arbeit des Wiederaufbaues gehemmt steht durch Aufhetzung der Bergarbeiter, der Eisenbahner usw., womit die Kohlennot verschärft, die Industrie stillgelegt, die Beschaffung von Nahrung, Kleidung und Wohnung unmöglich gemacht und die Not des BvlkeS bis zur Unerträglichkeit gesteigert wird.(Zustimmung.) W i r haben nicht die Mehrheit in der Negierung, weil wir sie nicht in der Na- tionalversaminlung haben, und daß wir sie da nicht haben, ist gerade die Schuld der Frauen, die gegenüber der Sozialdemokratie b« i den Wahlen nicht ihre Pflicht getan haben. Das Wahlrecht, das die jetzige Regierung den Frauen gegeben hat, mutz von ihnen bei den kommenden Wahlen benutzt werden zur Stärkung der Sozial» demokratie, zur Niederhaltung der Reak- tion von rechts und von links. Dazu bedarf es unennüdlicher Aufklärung der Frauen darüber, was auf dem Spiel steht.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion wurde die Hoffnung geäutzert, daß von den F r a u e n nnd ihrer poli- tischen Betätigung eine Gesundung unserer Verhältnisse ans- gehen werde.______ Nnfhebuug der„Roten Fahne"-Drockerei. Beschlagnahmte Hetzschriften. Der Polizei ist es jetzt gelungen, eine der Hauptdruckereien für hetzerische. Flugblätter und gleichzeitig den Herstellungsart der„Roten Fahne" während der Zeit ihre» Verboieb zu«mit- teln und zu schließen. Kriminalbeamte bemerkten, daß mehrere Leute mit schweren Paketen da» Hau» Elisabeth st r. 24 ver» ließen. Einer der Mann« konnte festgehalten werden nnd man fand bei ihm 2500 Stück eine» Flugblattes, da» von den politische» und gswerkschastlichen Vertrauensleuten der IL S. P. D. nnd den beauftragten der Rätemgantsation unterzeichnet ist und gegen die Regierung und„die Wiederaufrichtung des monarchistischen und kapitalistischen Zuchthaus staateZ' zu Felde zieht. Als Herstellerin de» Flugblattes wurde di« in dem genannten Hause befindliche Druckerei von Otto Waldoweki festgestellt und sofort durch Si cherh eit»b« am te besetzt. De: der Durchsuchung der Räume fand man n. a. 2VVV Exemplare einer Extraausgabe des„Revolutionären Arbeiters', heraus- gegeben von d« Kommunistische!! Partei. Die Nr. 78 der„Roten Fahne" w»r bereit? teilweise gedruckt, als die Polizei dazwischen- trat. Bei Waldowßki find auch die Handzettel hergestellt worden. die zum Proteststreik am vorigen Donnerstag aufforderten, ebenso die Beitragsmarken der K.P-D. und die hetzerischen Schriften. die die Kundgebungen vor dem ReichstagSgebäude am 19. Januar mit ihren bedauerlichen Erscheinungen zpr Folge hatten. Die Vernehmung deS Besitzer» Ottg Waldowkki brachte allerlei Ueberoaschungen zutage. JE. wohnt in Rahnsdorf« Mühle und hatte di« Druckerei an«inen gewiss«: Herzfeld verpachtet. Am Tage stellte man Akzidenzen, harmlose Geschäftspapiere, Formulare usw. her. Nacht» begann dann der eigentliche Druckerei- 'betrieb, dessen Seele der 84 Jahre alte Setzer Fritz K l i x, genannt Schreib«, und der ö2jShrige Hilfsarbeiter Richard Witteck aus Neukölln, waren. Dies« beiden Wärmer wurden nach ihrer ein» gehend«« Vernehmung der Staatsanwaltschaft vorgeführt. Da» Papier für all« diese verbotenen Blätter erhielt die Druckerei ordnungsmäßig von der Wirtschaft» st ekle für da» deutsche ZeitungSgewerbe unter der Angabe, haß es zur Herstellung von Zeitschriften verwendet werden sollte. Interessant ist auch, dah in dieser Druckerei die Zeitschrist„Der Dada" da» Licht der Welt erblickt. Leider sagt der Bericht nicht, ob auch daS Mättchen der guten Dadaisten bei der Beschlagnahme in Mitleidenschaft gezogen wurde, was fich unier Umständen, bei der großen Bedeutung der DodaS, zu einer Kulturkatastrophe auSwächsan könnte. Aber wie sagt doch Goethe:„Mir tut es in der Seele weh. daß ich dich in der Gesell- sch-ft seh."__ Erleichterungen in der Lustbarkeitssteuerordnuttg. Der StadtverordnetenauSickuß zur Borberatung der Magistrats- Vorlage über die Einführung einer neuen Ordnung zur bestehenden Vergnügungssteuer hörte in seiner letzten Sitzung die Bertreler der Freien Volksbühne sowie andere Vertreter, darunter Dr. Frantfurker und Prof. Felix Hollaender, die dafür eintraten, daß ernste, lite- rariich-künstlerische Theater mit verschiedenem Spielplan, die Anspruch hätten auf eine höhere künstlerische Bewertung, von der Lustbarkeittsteuer ausgenommen werden müssen. Ter Ausschuß nahm von diesen Ausführungen Kenntnis und beschloß— Er« leichter un gen für Sport- und Turnzwecke in die Ordnung aufzunehmen. Ferner wurde beschlossen, der Ordnung einzufügen:„Der Magistrat kann solche Theater und Konzert- Veranstaltungen von der Steuer nach Anhörung von Sachverständigen freistellen, die ohne jepe auf Gewinnerzielung gerichtete Absicht ausschließlich der Förderung der Kunst oder der Vorbildung dienen. Die Steuerbehörde kann erstmalige von Kunststudierenoen veranstaltete Konzerte aus Anrrag von der Steuer befreien.'__ Ein Wort au die Elternbeiräte. Man schreibt uns: „Schließt die Reihen m gemeinsamer Not und tue jeder an seiner Arbeitsstätte da« Aeußerfte für den Wiederaufbau des Vater. lande»!' sind wahrhaft beachtenswerte Worte. Und beim Beginn des neuen Jahre» laßt uns mit aller Krostanstrengung sorgen, daß der Kern des deutschen Volke«, au» dem heraus e« sich verjüngen soll, lest, gesund und kraftvoll bleibe. Unsere Jagend an Leib und Seele gesund zu machen, muß die erste und höchste Pflicht deS ganzen Volles sein. Und wenn in den nächsten Wochen in allen Schnlgemeinden die Elternversammlungen sich zusammenfinden zur Wahl der Elternbeiräte aus ihrer Mitte, so sollte an dem ersten Tage des Zusammentritts dieser Versammlungen a!s erster und einmütiger Beschluß gefaßt werden, die tiefernste Bitte vorzustellen: Wenn eine sittliche Erneuerung im Volke erstehen soll, so öffnet unseren Kindern untere Schulen ganz; gebt ohne jede andere Rücksichtnahme unserer Jugend einen vollen, geregelten Schulbetrieb wieder! Fori mit der' Zusammenlegung der Schulen! Fort mit der Kürzung deS Unterrichts I' H. ' Zu dem Kind-rmord in der Neue» Friedrichftraße wird mit- getoili. daß die Kriminalpolizei ihr« Ermittelungen jetzt abgoschws- sen hat. Danach ficht jetzt fest, daß vi- Frau ine Tat in g e i st i g e r. Verwirrung auSgesührl hat. Sie wurde jetzt dem Unter- suchungSrichter vorgeführt. Di« Mordkommisston besuchte noch einmal den Ta-iort in der Neuen Friedrichstr. 49 und legte die Wobn- und Schlafräume, den Treppenflu'r und die Stelle, an der die Tonne stand, vhotographifch fest. Die Wohnung wurde dann dem Ehemann Hecklau wieder freig-zehen. Die Petroleumverforguuz gesichert. Infolge größerer Ei»Sichren ist e< jetzt möglich, wenigsten» den dringendsten Bedürfnissen der Petroleumverbraucher zu genügen. Di« für die Monate Dezember und Januar zu verteilenden Mengen an Leucktöl entsprechen an- nähernd der Hälfte des durchschnittlichen FriedensbedarfS. Da Petroleum lünfrig npr solchen Perionen zugeführt wird, die über keine andere Leuchiguelle verfügen, wild fich jetzt eine Petroleumnot kaum mehrfühlbar m.a ch e n. Allerdings find die P r e t s e infolge der Balutaverschlechterung gefikege«. Während im Dezember das Liter Petrolenm im Kleinhandel noch mit 2,75 M. verkauft werden konnte, wird es im Januar 8,20 M. kosten. Das Petroleum. daS zur Verteilung im Dezember vorigen Jahres be- stimmt war, aber infolge der BerkehrSschwierigkeiten nicht geliefert werden konnte, darf nur zum Dezemberpreis berechnet werden. Die Verteilung deS Januar-PetroleumS dürfte sich gleichfalls etwas verzögern. Hans HyauS neuer Fil«„Die glühende Kammer' wurde im Lichiipielpalast Unter den Linden der Presse vorgeführt. EL ist ein effektvolles Drama, das in raflnierter Mischung und Steigerung Szenen aus Verbrecherkreisen und höfischem Milieu aneinanderreihe Selbst durch die saftigen Kino-Knalleffekte spürt man da» tiefe Be:- ständnis für soziale Probleme, daS Hyan» Arbeiten auszeichnet. Die Darstellung war fast durchweg gut, vorzüglich mit wimersiein, Rosa Baletti und Melitta Ferrow besetzt. tu. p. Zuimnsten Deutscher«Inder. Da» TonntagSkonzett de« BereinS für das Deutschtum im Auslände im Ufa- Palast, dessen SrtrSgnisse sehr verdienstvoll auch einmal den deutschen Kindern zukommen solle», brachte daS oft gespielte Herenlied Wildenbruchs unter der persönlichen Leitung seine« Komvoniften, M. v. S ch U l 1 n g— Da« vlüthnerorchefter lst-lt sich dabei brav und der Vertreter Moisfi»— Molsfi selbst war natür- lich zu krank oder sonstwa»— Tarl Gerhard Schröder wußte sich mit der heiklen Sache gut abzufinden. Der Dirigent de» Konzerte« S e e i e r v. fi. FI o e, der zum erstenmal w verlin austrat, halte fich schon vor dem Krieg in Dänemark und Schweden einen guten Namen durch sein Eintreten für deutsche Mnfil gemacht. Droßen Beifall fand Emmi Leisner mit Brahmsschen Liedern in vollendeter Künstlertchast. Mi ein« straff und doch breit angelegte» Wiebergab« de» Metsterfinzer-Vorsptel» endete daS Konzert. Im„Grossen Schanftiielha»»« findet Montag, de»«. Febr.— ver- anstattet von der Künstler-B«ewigung Athenäum— ein Sesellschaiik- abend statt. Mufikaussührnngen unter Mitwirkung erst« Kräfte d« Staat � op«, de« Deutschen Opernhause« und berühmt« Säfte Darbietunzen bekannt« Mitglied« erst« Bühnen(darunter ein Keftroysch» Sinatter) werden geboten. Drrptow-Zternttarte.„Weliansang und Welt ende- hmtet das Thema de« mit Lichtbildern ausgestatteten Vortrage«, den Robert Henseling beute 7Vj Uhr im großen Hörsaal der Treptow-Srernwatt« hält. Mit dem großen Fernrohr wird abend» der Planet Jupit« beobachtet. Millionenanfwendungr» in der ErwerbZlosenfürsorge Neuköllns. Für das verflosseile Jahr hat die Stadt Neukölln für die Unter- stützung ihrer Erwerbslosen die Riesensumme von.22010914 M. verausgabt. Diese Zahl e-ntspncht einer täglichen Dnrchschn iitsauZ- gabe von zirka 70 009 M. Der Monat Dezember 1919 erforderte allein 1 090 000 M. In letzter Zeit hat sich jedoch eine starke Vor- Minderung der UnterstützungSanträge bemerkbar gemacht. Während noch im November v. I. etwa 8600 Neuemträge bei den Geschäfts- stellen der Erwerbslosenfürsorge gestellt wutlden, beschränkten sich die Neuaufnahmen im Dezember auf 2400. Mamnborf-Sfibende. Zu Beginn der Sitzung stellte Brandt (U. S. P. D.) den Antrag, als Protest gegen die Vorkommnisse am Reichstag und als Ehrung für zwei dort getötete Mariendorfer Einwohner zum Zeichen der Trauer die Sitzung jpl vertagen. Für diesen Antrag stimmten nur die Unabhängigen, dve sich anscheinend auch nicht einig waren. Unser« Genossen waren mit de? Temokr. und Bürgerlichen Fraktion der Meinung, daß die wichtigen Vor- lagen keinen Aufschub erleiden dürfen und stimmten gegen den Vertagungsantrag. Die Unabhängigen verließen hierauf den Sitzungssaal; auch ein Teil der Zuhörer schloß sich Ihrem Vorgehen an.— Genosse Waldheim erläuterte hierauf eingehend daö Projekt der kommunalen Müllabfuhr, wonach die Abfuhr de« HauSmÄlls m eigener Regie der Gemeinde ausgeführt werden soll; die Vorbedingungen in bezug auf Abladeplätze suw gang be» sondS günstig. ES ist damit zu rechnen, daß außer einer Ersparnis von 90 000 M. im Jahre für die Hausbesitzer gegen die jetzt fest- gefetzten Gebühren der Wirtschaftsgenossenschaft noch ein Neber- schütz für die Gemeinde von zirka 80 000 M. herauskommen wird. DaS vorgelegt« OrtSstatut wird hierauf einstimmig beschlossen. Dem Antrag deS Wahlausschusses auf ein« genaue Festsetzung der stimmberechtigten Mitglieder des Wahlausschusses zur Prüfung der Frage, welche BureaixhilfSkräfte und Arbeiter entbehrlich sind, wird zugestimmt.— Außer zwei GemeindgevorstandSmitgliedern und vier Gemaindevertretern gehören dieser Kommisssan an eine Vor- tretung der ständigen Angestellten, der Bureau- Hilfsarbeiter und der Arbeiteransschuß. Diese Korpo- rationen haben je eine Stimm«. Der Feststellung de» Plane? und dem Kostennachwei» über den Ausbau der Großbeerenstraße wird zugestimmt mit der Maßgabe, daß die Anlieger mit 90 Pro?, xu den Kosten herangezogen werden.— Eine ausgedehnte Debatte zeitigte die Nachbewilligung von Mitteln für Heizungszweck-. In. folge der ungeheuren Preissteigerung von Brennmaterial wird für die öffentlichen Gebäude der Gemeinde di« Summe von 129250 Mark verlangt. Genosse Kaphun und Vinte bringen Fälle zur Sprache, die darauf schließen lasse«, daß Verbraucher von Heiz. Material cnicb solche Personen fem müssen, die da»u keine Be- vcchtigung haben. Auch Gemeindeverlreter Hesse(Büraerlich) ist der Meinung, daß eine scharfe Kontrolle über den KokSverbrauch unbedingt notwendig ist. Zur Prüfung über die HeizungSanlagen und den Ver bauch deS Feuern ngSmater-ialz soll der BanaiiSi.buß einen Sachverständigen zu Rate ziehen nnd der nächsten Gemeinde. vertretersitzung Bericht erstatten. Die Gemeindevertrewng hat durch Beschluß festgelegt, daß Schulräume den politischen Par seien und gemeinnützigen Vereinen unentgeltlich evtl. auch geheizt� zur Verfügung stehen, wenn keine behördlichen Bestimmungen dieses verhindern. Durch eine Verfügung des KohlenlommissarS soll ei« Gimschränkung des Heizmaerial» eintreten, auch soll der Lichivcr- brauch»räch Möglichleit herabgefetzt werden. Diese Verfügung bat dem Dezernenten fiir die Schulen Veranlassung gegeben, die Ab- baltung von Versammlungen tn den S-bulräumen nur bis 9H Uhr zu gestatten. Gegen eine derartige Einschränkung der Versammlungssreiheit wird von allen Rednern energisch proiesttert. Es wurde schließlich beschlossen, die Versammlungsräume in den Schulen wie bisher zur Verfügung zn stellen.— Von der Waol eines Oberlehrers wird Kenntnis genommen und der Schaffunr von etatSmäßigen Oberlehrerstell-n am Cymnn zugestiwmt. Auf Antrag des Genossen Kaphnn wird der Polizerverordnung sib-r doS Klopsen von Decken und Teppichen mtt der Maßgabe zuge- stimmt, daß auch bei offenen Fenstern da! Klopfen verboten ist.■— Genosse Waldheim berichtete von-ine- Versammlung der De- meindearbeiter, di« aus Anlaß der Unruhen vor dem Reichstag beschlossen hat. zu Ehren der Opfer am Donner, tag di« Arbeit ruben zu lassen. Der Beschluß ging dahin, daß sämtliche Gc- meindearbeiter diesen Tag durch ArbeltSruhe feiern. Nach em- geb-nder Verhandlung mit dem.Gem-indevorstgnd wurde zu??. standen, daß die Feuerwehr'.md der Krankentransport in©efreb bleiben sollten Sämtliche Ausgabe von Rahrnn?»- Mitteln mußte an diesem Tage unterbleiben, so- gar die Volksküche mußt-'hren Betrieb einstellen. Durch Zurückziehen von Fuhrwerk zur Beschaffung von Lebens- mitten find der Gemeinde 220 M. Unkosten entstanden. Man wollte sogar daö Pferdenittern einstellen.— Genosse Deinert und säm'liche'Redner verurteilten ein derartige» Vorgehen gegen lebenZ- w-chtige Einrichtungen der Gemeinde. E» lag kein« Veranlassung vor kafollg einer politischen Aktion eine Lahmlegung von Se« mchndrb- trieben?u verursachen.— Gegen die Abirennnng de» Süd-ndrr OrtsteilS bei der Eingemeindung zum S�egl'Ne� wird fchfirffter Protest eingelegt, der der 17. Kommttfion de? LandeSversammlung übermittelt wurde. Ob-rschSn'wride. G««rindrvertreters!tz»»».®'« Antrag, da» hiesige Gymnasium statt Hindenburg« H»m b o l d t 1 ch u l e zu nennen, fand di« Zustimmung, beider sozialistisch«, Fraktionen, nach- dem unser Fraktionsredner B-rnbanm dl« Erklärung aög-g-ben ha»«, daß nicht politisch«, sondern erziehe riiche Momente uii« dazu bewegen. Ein Antrag der Demokraten, auch dw«.ein- Händler mit sämtliche» Semewdeware« zu beliefern, wurde durch Velde soMWsche Fraktion«, avsekednt, nachdem der unabl'ängige Schöffe unv Dezernent für da« LebenSmittelweien Besten eine Reihe von Mitzhelligkeitea mit Klein« Händlern dargelegt und unser Genosse Gchwarzburger für sein Dezernar(Mehlversorgung) sich dem anschloß, desgleichen am prinzipiellen Slandpunkt der weiimSglichsten Komm» na» lisierung dieser Materie festhielt. L Assistenten stellen für daS neugeschaffene Wohnungsamt wnrdm be- willigt, ebenso 8 hauptamtliche Lehrkräfte für die Fortbildungsschule ab t. April. Zustimmimg fand gleichfalls eine Vorlage, die e i n e einmalige Unterstützung Minderbemittelter vorsieht. Die Mittel für U e b e r» nähme deS Kinderhorrs und der Krippe wurden bewilligt. In den dem gesamten WohlfahrtSwefen vorstehenden Fugend- au S schütz wurden unsererseits Gemeindevertretsr Birnbaum und die Gen. Lehrer N. Meyer und Metallarbeiter Zobel ge- wähl». Die Beratung der Besoldungsvorlagen für Beamte und Hilfsangestellte wurde alsdam, um ein« Woche zwecks gründlicher Durcharbeitung vertagt. Rosenthal. Gemeindevertretung. Bei der F e st s« d u u g d'« r Dienststunden für den stellvertretenden Te- meindevorsteher kam es zu erregten Debatten, im Verlauf deren der Unabhängige K o s s e r t den AnSfpruch machte,„daß jeder rechtschaffen« Arbeiter Anstoh daran nimmt, daß Schwabe« d a I Gemeindsvorsteher ist, da sein Borleben nicht rein i st".— Dah einem Manne wie Schwabedal. der jahrzehnte. lang in der Arbeiterbewegung Ehrenämter be» kleidet, ein derartiger Vorwurf gemacht wird, ist bezeichnend für den Geist, der unsere unabhängigen Gegner erfüllt, und daß ausgerechnet ein Koffert solche Vorwürfe erhebt, ist charakteristisch für die unabhängige Partei. Hat Herr Koffert sein Vor« leben vergessenf Erinnert er sich nicht, dah er von einer Instanz, die wir in unserer Partei- organisation hatten, auf mehrere Jahre von der Bekleidung öffentlicher Ehrenämter au»ge- schlössen war wegen unlauterer Handlungen einem Genossen gegenüber? Dieser Mann stellt sich hin und erhebr gegen einen politischen Gegner, von dem er ganz genau weih, daß nichts Wahres daran ist, in öffentlicher Sitzung be- wuhtfalscheAnschuldigungen. Welch- Verkommen« h e i t und welch moralischerTiefstand liegt tn dieser Hand» lung! Sind das ehrliche Waffen, die«in„aufgeklärter" Arbeiter einem Gegner gegenüber gebrauchen soll? ES gÄt bei der n t ch t- denkenden Masse Beifall zu finden, und da ist daS schofelste Diütel gut genug und etwas in die Maffe hineingeworfen— und «Sg eS noch so unsinnig sein—, findet immer fem Publikum.— Unser Genosse Tchtvabedal genießt innerhalb unserer Gemeinde in allen Kreisen der Bevölkerung daS größte Ansehen, und dieseS ist den Unabhängigen ein Dorn im Aug« und versuchen sie es auf diese Weise, ihn zu verunglimpfen. Nicht auS Selbstsucht hat Genosse Schwabedal diesen Posten angenommen, sondern er ist von den Parteigenossen auf diesen Posten gesetzt und bleibt auch dort, bis ihn die Genossen abberufen oder andere örtliche Verhältnisse eintreten. Grost-Berliner Lebensmittel. Hermsdorf. Für Kranke, denen aus Grund eine« ärzMchen Atteste« Milch bewilligt it>.'/< Vib. Kakaopulver. Für Kinder im Alter bi« zu 7 Jabren eine Büchse tolalzertrakt bei den Drogisten. Lichtenberg. In der Woche entfallen auf die Kartoffelkartenavschnitte und b L Pid. Kartosteln: So. S und« zus. ÜOl) Gramm Teigwaren; if untz g znf. 200 Gramm Kartoffelstärtemebl. Soziales. verewheiiUchung des Schieüsgerichtswefeas. Fast täglich werden durch Gesetz und Verordnung neue Schieds- '...stanzen in« Leben gerufen. Ihre Errichtung neben den ordenl- litfien Gerichten entspricht nicht nur einem Zug« der Zeit, fie ist auch innerlich begründet, wenn e» sich nicht um die Entscheidung über den Grund eine« Anspruch«, also eine iuristische Deduktion, sondern lediglich um die im wesentlichen von Sachverständigen zu treffende Feststellung der Höh« ekne« Anspruch« handelt. Ter Gedanke, die bei der Entscheidung in erster Linie mit« wirkenden Sachverständigen ins Richterkollegium selbst zu berufen, liegt überaus nahe und hat sich praktisch aus« beste bewährt. Eine andere Frage ist aber, ob e« sich empfiehlt, für jede einzelne Materie eine besondere SchiedSorganisation zu errichten. Erwägungen finanzpolitischer Natur, die bei unserer jetzigen Lage besonders in« Gewicht fallen, müssen bereits zu einer Ler- neinung dieser Frage führen. Denn daß bereit« die Gesamtheit der einzelnen Schiedsgerichte, die jede? für sich eine besondere Orga» nisation und einen besonderen Beamtenkörper beanspruchen, ungleich kostspieliger ist als ein zentralisiertes Schiedsgericht mit einer einzigen Organisation, liegt aus der Hand; ein Ergebnis, an dem auch eine im sachlichen und persönlichen Interesse der Beteiligten im Einzelfall zu erwägende Dezentralisierung dieses einheitlichen Schiedsgericht« nicht« ändern würde. Gewichtider noch, insonderheit vom Standpunkt be» recht» suchenden Publikums au«, ist ein anderer Grund. Bisher sind nicht weniger als etwa 7 6 SchiebSin stanzen errichtet worden I Weitere sollen errichtet werden zur Entscheidung über die Anspräche der durch Tumulte und Fliegerangriffe Geschädigten, der durch die Sozialisierung Betroffenen, zur Schlichtung der Arbeiter st rertigkeiten. Sogar zur Festsetzung der Eni- schädigungen für die Aktionäre des zu tomniunalificrenden E h a r» koitenvurger Wasserwerk» soll«in besondere« Schieb«« gericht ins Leben gerusen werden. Die in aller Welt soll der einzelne Bürger, der seine Ansprüche geltend machen will, sich in diesem Labyrinth von SchiedSarganisationen zurecht« finden? Wird«S doch kaum dem Rcch�ökimd'ize» möglich sein, an» der Fülle der Schiedsgerichte im Einzelfall da« zuständige heraus- zufinden, zumal eine authentische Zusammenstellung der zuin Teil im„ReichSgesetzblatt", zum Teil im„ReichSanzeiger", zum Teil im .Zentralblatt für das Deutsche Reich", zum Teil fta anderen Stellen veröffentlichten Zuständigkeitsvorschriften nicht vorhanden ist. Berembeitlichung de« SchiedSgerichtswesenZ qut dringend not! Man wird sich um so eher zu dieser entschließen kihmen, als lvir be« reits seit 18 16 ein vorbildlich wirkendes, praktisch aufe beste bewährte« Schiedsgericht, das R eich« Wirt fch oft« geti cht in Berlin haben, dessen Organisation auch zurEntschcidung der bisher besonderen Schiedsgerichte übertragenen Streitfälle vorzüglich geeignet erscheint. Auch stimmt die Besetzung der EinzelschtedSgericht« im weient» lichen überall mit der des ReichSwirtschaftSgerichtS—«In Jurist als Vorsitzender und zwei oder vier sachverständig» Beisitzer— überein. Die Heranziehung der sür die einzelnen Maierien fach« verständigen Beisitzer bereitet keine Schwierigkeiten. Die Reichs- regierung hat bereit« vor geraumer Zeit Ermittelungen darüber eingeleitet, ob nicht zunächst die an« der Kriegswirtschaft stammen« den SÄedSorganisationen zu zentralisieren seien. Ein prakttsche« Ergebnis haben diese Ermittelungen bis heute nicht zu Tage ge« fördert. Möge dem sür die Rechtssicherheit loie für die Finanzen des Reichs gleich abträglichen Zustande der gersplitteuing de« SchiedSgertchtSwesen« baldigst ein Ende bereitet werden! __ Dr. Reinhold Schröder. Groß-Serlkner Partewachrichten. 8. Abt. Heute'/JB Uhr Sitzung aller Funkttonär« und Betrieb«« VulrauenSIeute bei Schult. Marieudoffer Str. S. »1. Abt. Heute?>/, Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula Olivaer Sir. IS. Referent Genosse Dr. Stelze!> Sliernbewät«. 33.«dt. Donnerstag, 7'/, Uhr, Sitzung sSmillcher Fimktionär« be! Gabriel, Demmwcr Str. 16. SS. Abt. Freitag, SS. Januar, 7 Uhr. im Lokal von Klimpcr, Bait« strotze 17, Versammlung aller Partei» und Gclverkschastssimliionäre. SK. Abt. Donnerstag, 7>/, Uhr, Sitzung der FunklionSre und ve- triebS-Vertrauenslmt» bei BSrwald«, Schlegelstr. 8. Effchewen Aller dringend nilig. S7.— 47. Abt. Donner«tas, 12. Jaimar. 7 Uhr, FmiIiionZrfitznng in der.ÄnnlnIuSdave", Bremer Str. 72/7S. Gruppe Wedding. Donnerstag, 22. yanuar. 7 Uhr, Sitzung sSmt. icher Funkttonir« w der Schulaula, Plantagenstr. 16/1«. Eiienbal»ver l Donnerstag, ti Uhr, Sitzung des Gesamt-WerbeauSschusseS(StreckcnoHeute, Bezirtsleiter. Brupvenfuhrer, Vertrauensmänner), Bellevneslr. 7, ll.— Freitag Versammlung der Kollegen mid Kolleginnen sämtlicher Behörden an der Ostbahnsireile bei Schlvarz am Babntzos KaulSdors. Nähere» durch Handzettel! Oberschöneweide» Heute 7'/, Uhr Mitgliederversammlung bei Drag», Wilhelminenhosstr. 41a, Restaurant»Zum Landsturmmann". Resere-N- Genosse Häutzler._______ Jugenöveranstaltungen. Zentrol-Pugendhei«, Lwdenstr. 8, i. Hof llnk» 8 Trepden. Heute T Uhr Vortrag:.Theorien der Weltentstebung'.— Abt. Stidoft. Jugend, beim, wrangelstr. 128(Gemeindeichule,. Heute 7 Uhr: Vortrag.— Groß, Lichterfelde. Jugendheim, vlbrechtstr. 14». Heute! Leseavend.— Ka, ilSdorf. Jugendheim, Adolistratze(Gemeindeichule). Heute 7 Uhr> ieseabend.— Lichtenberg. Jugendheim, Varlaue 10, Eck« MSllendorff- strafte, Heute: Dtslussionsabend.— Mosenthal. Jugendheim. Gemeinde- lchule Kaitantenallee. Heut« 7 Uhr: Borwag.— Pegel. Jugendheim, Bahnbosstr. 1». Heute 7 Uhr t Mädchenabend,— Westen. Jugendheim, Kantinenraum der BaugewerkSschul«, Kurfürstenstr. 141. Heut«! Vortrag, — Wilmersdorf. Jugendheim, vberrealschule am Teepark, Ecke Ecke« iergerswafte(Hindenburgichule). Heut»: Vortrag.— ivtahlsdorf. Jugendheim. Schule Baldenierswatze. Heute 7 Uhr, Leseabciid,— Marieudorf. Jugendheim, Hoch. Cliaussekstratz», Ecke Bergstratzc. Heut«! Fritz-Reuter- rlbend.— Marienfelde. Jugendheim. Aula der Gemeindetchule Dorf« stratze 64. Heute! Vortrag,— Prenzlauer Barftad». Jugendheim, LolaI Eichhorn, Danztger Str.«8. Heut« 7 Uhr i vorwag. Vorträge, vereine unü Versammlungen. MctchSbund der Kriegsbeschädigten. Bezirk Brltz-Buckow. Donners- tag, 7'/. Udr, Mitgliederversammlung bei W. Maler,(ldausfeeltr, SS/öS. Frau Schildhauer spricht über.Die Versorgung der Krtegshinlerbliebenen nach dem neuen Bersorgungsgesetz'.— Touristen-Berei«»Die Maine» freunde«. Reuwale Gruppe. DomierSiag, LL., Mitaliedewersanrmlung, 7 Uhr, Obmstr. L. Sonnlag, LS. MahiSdors— Blumberg— Hohen- Schön- hausen. Ab Schief. Bhs. 7,16.— GtenograPhen-Perein Gtolze-Schretz. Norvost-Vezwt. Donnerstag, 7'/, Udr, öS. Gemeindeichule, Klein» Frank- surter Siratz« ö,— Berliner Handwerker-Beretn. Sophiensw. IL, 8 Uhr, Bottrag de« StudtenassessorS vlbrecht:»Im Reich der Wolken". flus alker Welt. DaS Unglück bei Tchneidemffhl. Wie die.Schneidemühler Zettung' meldet, find die Namen der bei dem Eisenbahnunglück um» Leben Gekommenen: 1. Hilfsschaffner Holz-Schneldemübl, j>. Hilfsschaffner Franz Krüger Ü-Schneidemühl, 8. Waller Gerhammer-KönigSberg. 4, Robe« Albal, Kaufmann mGraudenz. 6, With.Albat. Kaufmann in Grundenz, 6. Roben Albat, Unteroffizier in Graudenz, 7. ein Martnesotoat, deffen Namen nicht festzustellen ist, S. Wilhelm Schmoll, Wachtmeister bei der Sicherheittwehr in Königsberg, 8. Sergeant Hoboist Johann Kroaul- «nklam, 10. Heinrich S»rempff,r-Milau, 11.»in Schaffner, dessen Name noch nicht festgestellt ist, lg. Erich Aepfert, Unterosfizier au» Hamburg, IS. Heinrich Dann gu« LudwigShafen, 14. vk, med. Müller aus Königsberg, IS. Emil Heßke, Bizefeldwedel au» Bonkenwald«(Kreis Heiligenbeil), 1k>. Bodo Kolbe, Gefreiter, auf einer Urlaubsreife nach Berlin, 17. O. E. Hildebrandt aus Danzig, IS. eins schwer verwundete Frau, die auf dem TranSpo verschied. Wie di».Schneidemühler Zeitung' weiter meldet, liege» sii. städtischen Krankenhaus zu Schneidemühl LI Verletzte, darunter drei Schwerverletzte. Ei» gesiihrltchrr ElSedeichbruch. Durch den Bruch de« alten Elbedeiches bei Kiegripp ist das Dorf Niegripp so statt'' gefährdet, daß die Räumung de« Orte« erfolgen mußte. Der Strom hat sich zwischen Hoheuivarthe und Niegripp einen neuen Weg gebahnt und bedroht setzt die ganze Niederung recht» der Elbe. Bon Magdeburg ist da« Pionierbataillon 4 zur Hilseleistui>g in die bedrohten Ortschaften abgegangen. Die Lage ist sehr kritisch. Die Grippe i« der Schwei». Wie die, oberffaA mischen Städte, st» werden jetzt die verschiedensten ttieaenben der Schweiz tviedernm von der G r i p p e, vielsach verbunden ntsi einer Darm. krankbeit sowie von der Schlafkron kbet t, heimgesucht S» sind bereits«ahlreiche Todesfälle festgestellt, darunter a>>ch einer an der Schlos-krankheit. „Museum»- Ausdehnung",„dluseuw artsusivn" nennt sich' «Ine Bewegung in den Bereinigten Staaten, die do.e Ausstellung«- Wesen zur wirklichen VolkSangelegmheit machen will. Den prakti. schen Amerikanern genügt es nicht, Mttseen einzurichten, ihre Tore zu öffnen und zu warten, ob nun da« Volk von der ihm gebaten», Gelegenheit Gebrauch mache. Man will vielmehr die Kunst in di Massen hineintragen und fie mit allen möglichen Mitteln heran ziehen. Amerikanische Museen veranstalien AnSstelllmgen und Boi- träge in Schulen, Werkstätten und Fabriken; sie arbeiten Hand' Hand mit den Schulvertvaltungen, benutzen die Abende und Sonntagnachmittag« für ihre Veranstaltungen, erteilen kostensiikn Zeichen- und Kunstunterricht und machen geradezu Reklame für sich, indem sie z. B. öffentliche Versammlungen dazu benutzen, die Teil- nebmer zur Beflchtignng der Galerien einzuladen. Im.Cicerone' wird man daraus aufmerksam gemacht, daß ähnliche Bestrebungen nunmehr auch in Schweden an Boden gewonnen. Der Leiter de« Nationalmuseum« in Stockholm hat zusammen mit dem Varstehex der Graphischen Abteilung diese» Museums einen Plan aukgecirb'j-s durch den da« Museum erst wahrhaft zum Eigemum des vi, gemacht werden soll. Führüngen werben bereits veranstaltet, ac« sonder« an den Sonntagen sür die Mitglieder des Arbeiterbildungö- verein«, und Lehrerlurs« find in Vorbereitung, die den Erzieher» der Jugend eine reichere künstlerische BuSbildirng gewähren sollen Außerdem sind systematisch angeordnete MuscumSsührimgen tn großem Umfang, instruktive EonderanSstellimgcn usw. In Aussicht genommen. Sr!efkasten Ser ReöakSksn. Zeder file den vrlefkafi«»»eiiimmten«vfeag» flls« man»tuen Nu Schätzen und«in« Rümmer bei. vrletlich, Auekuvkt wird nicht erteilt. Siliae An. srngen was» man in der Juristischen Sprechstunde, vindeniw. 8, t was pa». ierre link», vor. Tchristststcke und vertrüge stich miunbringe». Sprechzeiten der juristischen Sprechstunde: Montag, Freitag und Sonnabend 2—6 Nhr; Dientztag, Mittwoch» Donnerstag 4-7 Nhr. MeiibZwehr.Flieger 74. Nn» nicht bekannt; wenden Sie sich an da! Reichswehr-Gruppenkommandv 1 in Berlin.— O. K. Rur im sia'erett. Treptow. Kündigen St« und verlangen Sie Herausa ade Ihrer Sache. Eventuell müsse« Sie klagen— R. T. 1- und 2. Ja. 8, Rur wenn der vermleter sich im Verzug befindet.— F. F. Syvv. Ja.— Ä. M. ti8 Geben Sic zum Gericht oder Notar,— I. G- 100- Kenn Kablung ab» gelehnt wird, klagen Sie. Wenden Sie sich zunächst an da« Vormund- Ichasitgericht.— H. Sch. II. 1. u, S. Ja. S. Die Satzimiscn flnd inatz- gebend.— V.J. 80. 1. Der Deutsche Eisenbahiienierdanli Ist der nrbftere, Di« genaue Mttaliederzabl liegt noch nicht vor. 2. Rein.— I. iä- Sie müssen zahlen.— B. F. 8. Nein. Führen Sie Beschwerde bei Jbrem TruPpinieU,— Kaem. 1. tzi» 8. Sie müssen den Gewerbe- deirlev anmelden. Wenden Sie sich an eine dortig« Buchhandlung. —(8.®. 100. Wenden Sie sich an di« Deputation sür Wohnung»- nungswese», Stralauer Sir. 3— fl, und an die Vallendepuialion.»fite Jakobstr. 33—85.— G. M. S. 87. Sie haben«inipruch aus Wochen- hlls«.— K.sr.-ah, 28 vreu vreul» Zcvmiar. aed. Sesch, fittteLcdmw« u.?r«i. al»«liern. Vi« Beerdigung findet a» Vonn-rvtag. den 22, Jan» nachm. 9 Uhr, von der Lei. chendall« de, St. Thoma». tirchdose,. Neukölln. Her- mannsiraft», au» fta». Statt fcc(o»titm«azelg».| Tin 17. Sanum, nachm. I versch ed sanft I em swed» seiden| »"r Nhr. nach schwerem mein« lied« Frau RahÄs . geb. «m bS. tzebelMiad«. dtaMetuipe.silrllSersmSL. I Vi« ainSfcherung findet I beul« Minw�ch, Ä.Ja>u>m. I nachm. 4 Uss», im Nrema- 1 iartum Baumschui-nwea I statt 73*6 1 SSSmcS»», Anna ZeliJcr geb. Caspar, AjacsHBUsraan gb.Weng- ÄMSTälS?8' Karl Jüitner gen. Caspar. Obtn�enannte werden ertueht, ein Lebensiclchen au senden an Joaef Wanslar, No. N.y. liCi» an mvctv* II. 1. Street, aiorerevliie, Nortn-Ametiita. nso Silber»n» Münzen suiill' il sowseld lauft höchst? ahlend Silberzentrale und Huitenstraße öS. M(ei SeriiM Wmilll o. WWW. Heute Mittwoch, den Lt. Januar, abendS S'/, Uhr, in der«Nene« Meli", Hasenheide(kleiner Saal): Bertrauensmänner- Versammlung. Die Bertrauenssmönner und Kassierer, sowie die Vertrauenspersone« der.HilfsarbeiteroOrgattisation werden gebeten, vollzählig 29/9 ISaBHBaHBHB? zn erscheinen.— Legitimation. Albertnautal. Otto«loth. Il�auw ! gojt ttüuen, | CUnlaUta Mildiolnnti et«'4«vi«Jö Maiuisn. litt- dem»aütilichen tzä>itt«t ssuVtt oeisandle» fiel» 0-«n«t S-Pttz.-Hotor HSV, nicht iu laufen Saexer, Ulands». 13. 738 d* T". rr., jKtt» V,1 Ztex-Mr-Mvu ||&|SS>'0' HOBEL Tischlerei. F. Kernten, Neue Köulxatr. 19b. CtgrQndet i»««, Wtkulnair Schlahlnsier Spiltuimr NirnulM. In»ehr geflllg. Formen In groß.Auvw. am Uagcr. .auohevitanb! Psea-gMch, ermögl. In emlg, Tag.»n Rauch. gan» od. tellw. z. unter- L lassen. Amti, dszud- loCehiet Wlrkunc ver- oltift Vol istfind, un- tchfidl, Täv', Anerkenn. Auefc. mm. Inatftut Bo gl bracht. 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Kl. hioUauapiollx�na. .. u.: ßle MMkts Frau K.xuisrhc Oper ;3u: Dichterliebe. JUnstwplclliaus Arnold IM eck in; �BerOroßslaill-Mep n(»tp»p«l-Theat«p. ' ühr: Sybill «c» Operhttenhana. . a; Die kleine Holieit. »ohUler-Tlipat. Ohnrl. /v, uhr: Der Motor. ThaUs-Thoatef v.u.. Die nErrlsciie Liehe mit Oskar Sabo a. G. und Ferry Sil-Ta a. C. l'h.»mSi«Ue«idorfi>latr ■' Uhr- Ole BabeMteinerln. 7»'t Uhr: jDcf&terigetfdßfc Theatep de» We«te«s i Uhr: Ms.v. und Moritz. ,;,u.:Di8Fr5U imBeraeilii Wallner-Thenter �EiiieBallEacht, üesidenz- Theater. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: KoTküppcben. TägüCli j1/# Uhr: Emheii Kiinlireelit. Domi. 4: Max und Moritz, ).eitag-(: H dasei und Ofetel. ffianon-Theater. ehm. 4 Uhr. kleioe Preise: iinat nnu Sloritsc. TiißJlc-ö TS, Uhr: fttasherade. j-merstag 4; Rotkäppchen, t eitag 4; Mal und Moritz. Rose-Theater. T1� Uhr: Die Eraüdsdfterm. Volksbühne Theater am Bülowplatz. »>/-- Götz ron Berlidiinp. Lessing-tlieater. Direktion; Victor Üarnowsky, j«/4 uhr: Pygmalion. Donnst. T1/,; Hyiic, Weg, Erde. Freitag 7'/2: liälle. Weg, Erde. A,1Äf C�riaaae, (Konstantin, Götz, Watter.) SchaH im CroBtn Schauspieihaus Karl Ztr.. Schiffhaiiordamm. Odssy Holl Mady Chr-istlan« Paul G r n o t z Friede. Kollaender Hüde Gart Hubert von Meyerlnk Ann Hensinjcer Olli Sudali ti Fritz Feld Kar katurenfüni von Trier Eröitaung P/z, Beginn»>/» U. TSieatet? Dir.: James Klein- l7>, Allabendlich 7'/;. ' Heros, KraftjongleurJ \ Curran, das schwan- 1 Kend» Phänomen, ii 14 Hesselns, Sensal.- s 1 Akrobaten, IHadges u. de Vynos,! j Meistersch-Tünaei! 3 Z Ottkars, urkomisch; ] Keckakt. 5 4 Slernas, Rangen i.[ 1 Seebad, j 2 Aiorandls, Lebendes liandgepäcK. Inud'Rensen aufdciS Böhne mit Lorenz,} Pawke, Techer usv, Casiuo- Theater Loihiingerslr.37. TäglA/.SU: Der Schlager der Spicl.-eit Schsisjsels Lens Berliner VolKsstück in 3 Akt Dazu der Operetten-Sketch «Hrrvlscbl � m.Viktor Litzek. Sonntag Z'/z: DI« Wunder.tut. fflmslfasä 7'/j: Gr. Circus-Prcgr.! fj' U. a.: Lustiges u Sciiweine-PoiponF 9 Uhr Aphrodite44 Wiüler-Garien Täglich 7.15 Ul,r; VariBtö-Spieiplai) Rauchen �stattet! Die Frau im Delphin Der große Abenteuerfilm der 174/10 �amsa-Citograph G. m. b. H. (Gacifilm) W 8, Leipziger Straße 104. IValbaUa-Theatey, ■ni, Uhr: Die CsäFüästürstifl. Üiyffijüa-Theater ,, r-ßUer Volft. Badstr. BS) Täglich 7V, Uhr: ;ie Frau mit den 2 Münnerii. Schwank In 3 Akten. Vorher: '»llos-BrGdcr. Ocsangsp. : h«äi«r am aoit5u»er t»> T-i; Morltzplstx 14 an. dled. Abend St' i übe StttcSi» uger itgT der «wr. 0 ebtm. Mit fetsttiaer S i9on»t.BeoiB.S'Cht «mkS. fT»!s« ! Am Flügel: E. Hentschei.| >-- ♦ Mgäal Oelegenheitskäule ,, Speisezimmer, von 3700« rschlafzimmer, kompfvo« 2700,- ■ Horrsszimmer, Komp!' vo!: 3200,- KMCllSn in allen Farben von �l/O,- tinzelmöbe!, kleinmöbe!, PoistermSbel j-roBe Auswahl üosenthalcrstr.Sa iu 12(LadA ' ilar@n< r; flatin AoliZmünsen 26(1 M. 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Frau ErSnherg, wsi-\ « fzenses, Lindenallee 3. Bon fchtverem«sihmn! ' dsfrei:,— S. Frau IR. Anike, Berlin, Sloßcnöorf- straße 40, I. Kheumolisroiä« geheilt.— 7. ßerr '£. Ehr-iardl,«tv.-Cldjlcifc'.bc, Ringstraße 52a. Ehronisches Gfiffgelcntfeiöeti wleberhsit er- ioirreldh hehnnbelL— 3, Frau S. hodorff, j Berlin, stalberaer Sir. 23/29 Zleraea-n. Knochen- hantcu.zünbnag geheM.— 9, Frau JJeousä, T tmloio, Damerrwstr, 54. tnnpenbintm in vier Tagen voUsliinbig geheilt.— w. Frau S. Herz- mann. Schäneberii, Feurigsiraste 61. Slternbe\ AUIek nach ölirObarmoperation geheiil. Ä--—-------- M4 s sj M Trau I _______ HU)................| lies| ,0 16 jährigen l-crzleiben gehellL— 13. Herr j Iw. sttustver. Reinlckenbarf-rvest. Antonienstr. Z. j t* ttlefecveraitarung geheilt.— 14 Frau H Hagel, ' Snthfenhoasen de: Oranienburg i. Mark Mnletl.- ölutnnacn n. Zlerv nleldsa geheiil.— 15, Frau\ Ww. Zri-schler, Berlin, Mariendurger Straße llorntgeschirnisl gehellL— 15, Frau des Herrn! Jnspekwre S. Heinrich, Vcriin-Zriebrlchsfelbe, Atagervlehnaf. Bon»eh.-Knldung geheiil. j— 17. Herr Strich psd. Beriw Havelderger Elr 15. � Bon Jtici'cn- unb Blofonlcibeu, wafferfuchk allgsm. grastet Schivbche gehe!».— 18 Frau Renaur, He: ing, Berlin, SchSnhauser Mee 87. Bon Basebomscher Kcaatheil geheUL— IS. Frau . S. Poop, Berlin-Sichtenderg, GSrlnerstr. 10. Bon| Kj chro-1 Leiben, Herzschrackche unb Derstopfung M gsyei».— 2». Herr A. Schladitz, Berlin, Eaprivi- � i ikraKe 24. Bon«eklchtslugu» gehei»; vorher :nii Radium erfolglos-Kchandelt.— 2L r>err 2L Hell- rolg, S.-IZorfign-albc, Ernststr. 25. Von Magen- gefchwu!», TZerskopsnng unb Zkervcnschtvdche geheitt.— 22 Herr Milchhändler Cttferl, Berlin. Dreiienhaaener Straße 2«, Bon gichlisch-rhenwa- i tischen Schmerzen in Bein und Fußgelenk ge-\ ?>e!!t— 23. fierr Gastwirt«. Michael!», Ehrir-( ibtionhacg, Waslftr. 67. Von chronische::, Leber- leiben unb Seibiurül geheilt.— 24. Frau M. , Knarr. Berlin-Lirbtenberg, Scharnweberftr.«2. Bon herzschtvliche, Lcberanschmelinng geheilL- j 25. Sohn poni des Weichensteller» Herrn Wilhelm Hnffner. Beclin-DJcsfcnö Beamten haus. Bon schwerem Beinleiben geheilt. Bein sollte abgenommen werden. Briefliche Oriau ri Anerkeanungen von I tcr> tie-i!en stehen in Wart«, immer riftalt e>uf Wunich zur Siustchtl—»-trennte I Bchandiungsränme für Damen und Herreu>-[ Lvrech. und Behandiungszeit: 8—1, 4— 7V, Uhr. Sotmtag unb Feiertag: 9—1 Uhr.* HeUanstalt-besltzer Professor P. Mistelsky upprvhiert Itn Ausland iBppIln lbi> zu iifftickfTibtralle 10b am Bshnhot dacnowitzbriickc. Geöffnet von 8—6 Uhr. 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Kupier! Messing etc. » Sämtliche Metalle zu höchsten Tagespreisen kauft > Edelmclall.Elnkaufsbnreao, WeberstraBe 31.» Bekanntmachttn�. 1.(Sa entfallen aus die Abschnitte 106 und 107 der allgemeinen Ledenamltteltnrie der Stadt Leriin je tiio Gr. zus. 250 Gr. Haferflockeu zum Presse von 93 Pf. je Psttub (für Ware i Paketen u. Papterbeuieln gelten die aufgedr. Preise), auf den AdschnM tSS derselben Karte ISS Gr. inländische Hülsenfrüchte zum Preise von 83 Pf.(je Pfund LSD M.), unb aus den Abschnitt 109 derselben Karte 250 Gr. ausländische Maisfabrikate zum Preise von 1,48 M.(je Pfund 2.95 M.), ferner auf den Abschnitt 67 der Sebensmiffeltatke für Zugendllcho 200 Gr. Teigwaren zum Prrife von 48 Pf.(je Pfund Ich« M.). 2. Unter Ausschluß nachträglicher Annahme stnd die An» melbeabschnitie vom Wittmoch, den 21-, bis Sonnabend. den 24. Ionaar 1920, bei den Kleinhändlern adzugeden. 8. Die Kleinhändler haben bie Anmeldeabschnitte zu den oben aufgerufenen Nummern bei den lSrohhändleru am Wvntaa, de« 26. Januar ige«, abzuliefern. 6 Nicht abgeholte Ware verfällt mit bem 28. Februar 1920. Berlin, den 20. Januar 1920. Magistrat. 6330 m AbtcUung fiir Nährmittel. �fcisslack xylycX ICTL. Louis XVI. Scblafzimmer Joseph DreytaS Kurfürsten dämm 213 Steinplatz 5388,• "Si Gl�ÜSB-ÜEIISr tragen Marke 122/18* „Peitsche" innen eingestempelt Peitschengamascbea. Frisch eingetroffen: Kakno Schokoladen* pulver Schokoladen Prallnees Engl. Drog, Tee Kaffee Hafermehl weiße Bohnen honte Bohnen grüne Erbsen gelbe geschälte Erbsen Linsen Bananenmehl Maismehl F.P.UanlkaniiJ Berlin S 14, Wailslraße 55/36. En gros. Detail.| Krause« Pianes Großes Lager in• allen Holzarten BErliflWSMnshachErSir.l. Edelmetalle und Altmetalle, Kupfer, Misstng, ginn, gink. Biet, kaust htlchst. zahlend* Metall- Einkauf«- Zentrale Kottbuser Damm 66. Amt Moritzplatz 135 80. 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Tüchtige selbständige llhMMNGeWseu Nlr ein»-dgeschlossene pezialwerkstatt sofert g». KaushauS des Westens «erlin W 60 Tanentzlastratze 21/24. �lbstäudi�irdrifl�� MftSMMke siio Stark, nuo Schwachstrom werben«ittgestM 22/7 d- v. Kladrowskl. ZtSnIg»- Znuerlässige, ältere, selbständig arbeitende Appretnrmaschiuen- Monteure stir Berlin und aastvörls gesucht. Ausführliche Angebote erbeten an N9D iiiii!l>IziliL«ii!iiiE.VW Jüngere WeilsMrUM für dauernde Beschilft, oerlangt vutzke," Brandeuburgstr. 75. 7ZSb Jüngerrr, uuverhetrateter Lattner, ad. bmctraid ohne Kinder für Sanalotinn in Berliner «otott möglichst zum 1 Febr. gesucht. Meldungen mit Zeug. nissen vahlern, Kronprinzen- Allee 18. IHK Schrauben üreherin verlangt Meiallschraudensabri! Mag, Skatizer Str. 195. MTB» noch einem Drittel«elleferl worden, Wgeordnete. Deprrtatk« der Arbeiterschaft, Behörden und Wer?« haben sich an den zuständigen Stellen alle erdenkliche Mühe gegeben, um eine bessere Belieferung zu erwirken, jedoch wurde ihnen an Hand der Bücher nachgewiesen, dag das Siegerland von dem vorhandenen Quantum prozentual beliefert worden ist. Weil nun aber die Zustände mit jedem Tag trostloser werden, so daß Feierschichten eingesetzt und teilweise nur mehr Notstandsarbeiten verrichtet werden können, daß von Werten mit einer Arbeiterschaft von 2— 3000 Köpfen nur mehr 4— B00 in ein oder zwei Abteilungen produktiv arbeiten, wandte man sich an unfern Genossen H u e. Derselbe nahm in einer am LI. Dezember in Siegen einberufenen Konferenz der Betrieb-vertrauenSleute die Wünsche und Beschwerden der dortigen Arbeiterschaft entgegen und wollte sich auch für ein« Mehrförderung für das Siegerland bei den Bergleuton einsetzen. Bis jetzt find jedich noch keine Züge der Extraförderung angekommen, so daß, wenn nicht umgehend Hilfe geschaffen wird, der sichere Tod deS Siegerländrr Wirtschaftslebens bevorsteht. die Kinozensur. Der ZL. Ausschuß der BevölkerungSpoliiik hielt am Dienstag nachmittag eine Sitzung ab, um zu dem Entwurf eines Gesetzes über die Prüfung von Bildstreifen für Lichtspiele Stellung zu nehmen. Von sozialdemokratischer Seite wurde beantragt, daß vor Eintritt in die Beratung heS Gesetzentwurfs ein Einblick ge» geben werde in da? bisherige PlüfungSveriahren. Nach einer längeren GefchäftsordnungSdebatie, an der sich auch Unter- ftaatsiekretär Lewald beteiligte, wurde vereinbart, Mitt- woch nachmittag im Gebäude der Polizeidirektion die beantragte Einfichtnabme vorzunehmen. Der Weileren Anregung, den Entwurf in zwei Lesungen zu behandeln, wurde ebenfalls zugestimmt und sodann in die GeneraldiSkusfion eingetreten. Bon einem Redner der Mehrheitssozialisten wurden gegen den Entwurf erhebliche Bedenken geltend gemacht, jedoch zugegeben, daß eine Zensur im Hinblick auf die Aus- wüchie im Filmwesen nicht von der Hand gewiesen werden könne. Ein Redner der Deutschnationalen stimmte dem zu. Eine generell« Zensur der FilmS fei unbedingt nötig. Ein Demokrat erklärte, daß er nicht besonders erbaut sei von d'er� amtlichen Zensur. Besser wäre die Selbsizen sur der Films« dustriellen durch Ausscheiden von Schmutz und Schund. Die G fäbr der politischen Einwirkung durch die ört- licheu Prüfungsstellcn sei groß und mllsse eingedämmt werden. Ein Vertreter be° Zentrum« sprach sich im Sinne de? Ge- setzenlwurreS und für Annahme der Grundlagen desselben auS. Ten örtlichen PrüsiingSstellen mußte das Recht gegeben werden, weitergehende Vorschriften, namentlich auch hiufichtlich der Film- rcklame, zu erlassen._ Sur Cupen und Naimeüp. Die Vereinigten Landsmannschoften von Enpen und Malmedy (Pertin NW 52) erlassen einen Aufruf:„Vlu Alle!", in dem es u. a heißt: Der Friedensvertrag ist in Kraft getreten. In diesem Augen- blick mächten wir die Blicke deS ganzen deutschen Volkes nach un- zerer Heimat lenken. Klein ist das Land, aber darum nicht weniger empörend die Vergewaltigung, die ihm widerfährt. Die Kreise Eupcn und Malmedy find Belgien zugesprochen worden. Nach dem Willen der Bevölkerung hat niemand gefragt. Wohl muß Belgien nachträglich eine Volksabstimmung vornehmen, aber diese Abstimmung verdient nicht den Nanzeu einer solchen, denn die Bewohner sollen nur daS Recht haben, in Listen, die die belgischen Behörden auslegen, gegen die Vereinigung mit Belgien zu protestieren. Wir, die wir unsere Heimat kennen und genau wissen, wie man dort denkt und fühlt, wir erklären hiermit laut vor aller Welt: Eupen und Malmedy ist urdcnischeS Land und will es bleiben. Nicht nur das, sogar biö zu füni Kilometer Tiefe in die belgische Provinz Lüttich hinein reicht die Deutsch sprechende Be- völternng. Selbst die wallonische Minderheit in Malmedy will nicht belgisch werden. Alles andere ist schamlose Lüge. Wohl gibt es eine geringe Zahl von Belzierfreunden, dies sind aber Leute, die gesinnungslos rm Anschluß an den Fremdling den schmutzigen per- iönlichen Nutzen verfolgen oder der belgischen Propaganda erlegen find. Die überwältigenda Mehrheit lehnt die Gemeinschaft mit diesen Abtrünnigen ab. Was fie wünscht, ist weiter nichts als eine unbeeinflußte, freie geheime Stimmabgabe ui::cr unparteiischer Leitung. Nirgends im Friedens- veruage ,st dies verboten. Darum fordern wir die Deutschen aller Stämme und alle billigdenkenden Ausländer, die sich noch einen Funken RechtZgesühi bewahrt haben, aus. mit allen Mitteln für dies Ziel einzutreten. Wir sind überzeugt, im Namen unserer gesamten Genauen in der Heimat zu sprechen, wenn wir versichern, daß man drüben in Eupen und Malmedy immer deutsch bleiben wird. Anfalle in Deutschland zerstreut lebenden Eupener und Malmedyer aber ergeht der Aufruf, sich um mtS zu scharen, um die Bande, die uns mit der Heimat verknüpfen, nicht locker werden zu lassen, sondern für unsere Heimat die gleiche, geheime Abstimmung wie in den anderen Gebieten zu fordern. Darum. Eupener und Malmedyer im Reiche, schließt euch unierem Proteste an und tretet— um ihn zu bekräftigen— ausnahmslos unteren Landsmannschaften bei. Die alte Heimat er- wartet das von euch._ der Zentrumsparteitag. (Schluß auZ der Abendausgabe.) Oll der Diskussion verlangt Freiherr v. Loö«in Ret ch« wirts cha stsp arlament unter starker Berück- �ückstchtwung der Landwirtschaft und die baldige Aus- schrerbung der ReichstagSwahlrn.— Generaldirektor ten Hempel polemisiert unter lebhaftem Widerspruch gegen das Betriebsrätegesetz, daS die Autorität im Betriebe untergrabe. Dr. Horster verbreitet sich über die Finanzpolitik ErzbergerZ. Das Notopfer in V-lbindung mir der Erb- i ch a f t S st e u e r vernichtet nach seiner Meinung die Einzel- kausleute und die öffentlichen Handelsgesellschaften. Au> das Betriebskapital'ei nicht genügend Rücklicht ge- nornmen worden. Den erwarteten Erfolg der Erzbergerschen Sleuerprojekte bezweifelt er und fordert in Zukunft eine stärkere Heranziehung der Vertreter von Handel und Industrie bei der Borarbeit zu iolchen Projekten. ES könne dann wenigstens jeder nach Hause gehen mit der Genugtuung, auch etwas dazu ge- jag:-u baden.(Lebhafte Heuerkeit. Tressorl bemängelt, daß in der Diskussion nur für die Landwirtschaft neue Fordermigea aufgestellt wulden, und daß diese Kreise kein BerstönduiS für die Rotlage der Arbeiterschaft bewiesen haben. Man beurteilt auf dem Laude die Arbeiterschaft die Leute«ist Land bringen und die Ernährung unseres Volkes sicherzustellen. Die Zwangswirtschaft müsse, wenn auch nicht in der bisherigen Form, aufrechterhalten werden. Die Freigabe des Leders, des Hafer» und der Eier habe gezeigt, wohin die Aushebung der Zwangswirtschaft unter den jetzigen Verhältnissen führe. Unter fortgesetztem Widerspruch fordert Treffart von der Landwirtschaft«ine Steigerung ihrer Produktion. Hätten die landwirtschaftliche» Blätter und Führer, so führt er au«, ebenso zur Arbeit aufgrfordert, wie die Gewerk- schaftssührer die Arbeiter, und nicht immer nur gehetzt, dann jähr rS heute besser im Lande aus. Bis zum Kriege hatten die Arbeiter in der Zentrumsfraktion nur einen Vertreter. Jetzt sitzen derer sieben darin. Sofort erhebt mau aber ein Geswrei,. daß die Arbeiter zu stark ver- treten sind und droht mit dem Abmarsch nach recht«. Wir aber find dem Zentrum treu geblieben und werden e« auch weiter sein.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Nach weiteren unwesentlichen Diskussionsreden wird in ge- h e i m e r Sitzung über interne Angelegenheilen der Partei beraten. fiti öle öerliner Zeitungsleser! Die deutsche Presse befindet sich gegenwärtig in einer schweren Krise. Falls es ihr uicht gelingt, gegenüber ihren von Monat zu Mouat anwachsenden beispiellosen Unkostru entsprechende Einnahmen aufzubringen, sind die Folge« onabseh- bar. In hohem Grade gefährdet sind dir Zeitungen durch die am 1. Januar 1920 in Kraft getretene Aazeigensteuer. Noch erheblich schwerwiegender ist die Erhöhung öer Papierprelse, die z> zeit 1000 Proz. deS Friedenspreises betragen. 100 Gramm ZeitungSrotationspapier kosten gegenwärtig SO Pf., und dieser Preis gilt nur für den Monat Januar! DaS bebeutet, daß allein der Preis deS»»bedruckte» PapierS erheblich h S h e r ist alS der bisherige monatliche BezngspreiS der frei in? HauS zu- gestellten Zeitung. Sieben dem Papier find aber anch all die viele» sonst für die Herstellung der Zeitung erforderlichen Materialien und Betriebs- stosfe bis zu 700 Proz., teilweise sogar bis zu ISSS proz. öes Irieöensprelfes emporgeschnellt. Dazu haben sich dir Kosten deS inländischen und — infolge der schlechten deutsche» Valuta— ganz besonders des ausländischen RedaktionS- und Nachrichtendienstes, sowie der Post- und Telegraphengebührea ganz außerordentlich gesteigert. Nicht zum wenigste» belastet werde» die Zeituugsbetrirbe anch durch daS stete Anwachsen der Löhne und Gehälter sowie der Tpeditious- kosten. Ein Ausgleich öer ungeheuren Mehraufivenöunsen durch Erhöhung der Anzeigenpreise kann anS wirtschaftliche» Gründen nur bis zu eiarm gewissen Grad« erfolge». In der Er. HSHnug der Bezugspreise sind die Berliner Zeitungen im Verhältnis zu den ausländischen Blätter» bisher sehr zurück- haltend gewesen, weil sie besonders in der Gegenwart auch de» weniger bemittelte« Kreise» de» regelmäßigen Bezug einer Tages- zeituuz nicht erschweren wollten. Aber die trostlose materielle Lage deS Zeitungsgewerbes macht es leider ganz unmöglich, diese Rück- sicht auch ferner zu üben. Die unterzeichneten Zeitungen sehen sich vielmehr genötigt, eine über den bisherige» Rahme« erheblich hfnausgshenöe Sszugsprelserhöhong zum 1. Februar 1920 einzuführen. Die«nterzeichnetc» Zeitungen hoffen, baß die Berliner Zeitungsleser, der Notlage Rechnung tragend, dieses'Qpftt auf sich nehmen werden in der richtige« Erkenntnis, wie wichtig im natio- nalen Interesse die Erhaltung einer wirtschaftlich und politisch unabhängigen Presse für den Wiederaufdav unseres politischen, geistigen und wirtschaftlichen LcbenS ist. Tie hoffe» ferner, daß jsdrr Leser seiner Zeitung Sie Treue bewahren wird. Bereluigunst Großstädtischer Zeiwugsverleger. Berliner Allgemeine Zeitung. Berliner Lokal-Anzeiger. Berliner Tageblatt. Deutsche Allgemeine Zeitune Deutsche Zeitung. Vorwärts. Berliner Abendpost. Berliner Morgenzeitung. Reue Zeit, Eharlotteuburg. Deutscher Kurier. Reue Preußische Berliner Börsenkurie:. Berliner Morgenpost. Berliner volkSzeitung. Di« Post. Rational-Zeitunq. Bossisä,« Zeitung. Berliner Börfenzeitung. Deutsche Tageszeitung. Tägliche Rundschau. Welt am Montag. (Kreuz.) Zeitung. yadeu-väqrend de» Krieges keine NavrungS sorgen gehabt und darum sehen fie auch nicht, wie viele Familienväter uichi wisien, woher fie da» nötige Brot nehmen sollen.(Lebhafter Beiiall.) Unrer großer Unruhe emes Teil der Versammlung fordert der Reimer von der Landwirtschaft, daß sie den Arbeilern angemesseae Löhne zahlt, ihnen b es s ere. W o h n g e l e g e n h eit gibt und eine besser« Lehaud laug augedeihe» läßt. Kur dann köuue man die hollänöische SszialSememokratie und öer vötkerbnnö. In einer Entschließung zugunsten des Beitritts der Niederlande zum Böllerbund erhebt der Pa�teivorstand der Niederländischen Sozialdemokratischen Ar- beiterpartei. gegen deu imperialistischen Geist deS Friedensvertrages, gegen den Ausschluß der unterliegenden Völker und dagegen Protest, daß die neutralen Länder bei dem Zu- standekommen des Völkerbundes nickt genügend um ihre Ansicht ge- fragt wurden. Der Vorstand begründet die Forderung des Bei- tritt» der Neutralen und insbesondere der Arbeiterparteien zum Völkerbund mit der Notwendigkeil, zu verhindern, daß der Bund alles de» augenblicklichen Machthaber» überlasse, die darin für ihre imperialistischen Ziele freiK Spiel haben würden. Verewigung öes Masses gegen Deutsthlanö. Im Anschluß an die Aeußerungen des englischen Lord- kanzlerS anläßlich der Oberhausberatung deS Fremdengesetzes, wobei er unter Wlederholung deS Gcey'ichen WorteS die Teutichen als wilde Tiere bezeichnete und behauptete, sie seien Lügner und hätten sich während des ganzen Krieges als solche erwiesen, schreibt das sozialdemokraiische Nachmittagsblatl.Fünf Uhr" in Kopenhagen vom S. d. MtS.: .Diese Auslassungen zeigen, daß trotz t-eS Friedensschlusses der uaeionale Haß sorgfältig au. Lrbeu erhalten wird und die c.:en Be- Icyuld�eugeu immer u-ieier wiederholt werden. Man geht gegen den geschlagenen Gegner mit immer stärkeren Anklagen und An- griffen vor. Aber wozu? WaS wird durch solche Auslaffungen wie die deS englischen LordkanzlerS erreicht? Ist eS jetzt wirklich uicht an de? Zeit, mft de» gegenftitizen Aeleidiznngen»ad Ver- Sächtiguug-n aufzuhöreu? D.e Auslassungen des LordkanzlerS können nur dazu dienen, die chauvinistischen Elemente in Deutsch- laud zu stärken, die bemüht find, siede: iu die Höhe zu komme». ES läßt sich nicht leugne«, daß die deutsch« AriegSfllhrung har und grausam war. Aber daS deutsch« Volk soll doch wohl nicht ewig für die Fehler einer längst entthronten Regierung büße», und wenn man von englischer Seite der deutschen Bevölkerung.Tier" nachruft, wird diese an die barbarische Hungerblockade denken und .Kindermörder' zurückrufen."_ d!e Schrveizer Arbeiterschaft 1L1H. (Von unserem Baseler Mitarberder.) Gin bedeutungsvolles und schicksalsschweres Jahr hat die schweizerische Eidgenossenschaft in politischer und wirtschaftlither Be- ziehung hinter sich! Zwar ist sie vom Kriege selber verschona ge- blieben, aber die Uebergangszeit gestaltet« sich für die Schweiz nicht minder schwierig, die sozialen Kämpfe, eine noiwerckige Folge der immer noch anhaltenden Teuerung der Lebenshaltung, waren zahlreich und schwerwiegend; der schweizerische November- Generalstreik 1918, der gerade in den Abschluß des Waffen- stillstandeS hiueinfiel, warf seine Schatten noch ins folgende Jahr hinüber, und daS erste Vierteljahr von 1919 war bcherxschr von deu Prozessen ge�endie Führer des GeneralstreÄs, die zu recht empfindlichen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Man wollte die Arbeiterschaft durch drakonische Strafen gegen die Führer abschrecken, auf dem radikalen Wege, der im November 1918 betreten wurde, weiter zu marschieren. Dieses Mittel zeigte sich aber als ei» verfehltes, denn die Unterdrückungö- und Gewaltpolitik war noch nie von guten Folgen begleitet, von welcher Seite sie auch kommen mochte. DaS hat der im Juli abgehaltene sozialdmnokra- tische Parteitag bewiesen, der mit großer Mehrheit den Beitritt zur Moskauer Internationale beschlossen hatte, welcher aber dann inderUrabstimmungschließlichverworfeu wurde. Freilich darf nicht unerwähnt bleiben, daß die schweizerischen Behörden von Bund, Kantonen und Gemeinden bemüht waren, die Klassen, die sich so heftig bekämpften, zu versöhnen; zunächst wunde die ArbeitSlosensürsorge mit fester Hand angefaßt; Bund, Kanton«, Gemeinden und Unternehmer wurden rn kräftiger Weise zur Beitragslei st ung herangezogen, was freilich nicht ohne heftigen Widerspruch seitens des Unternehmertums ge- schah, der indessen unbeachtet geblieben ist. Das verflossene Jahr brachte auch bereits einen teilweisen Ab- bau der Kriegswirtschaft und des militärischen Aufgebotes, wenn auch die Grenzen nach dem Auslände immer besetzt sind; auch die internationale Freizügigkeit, wie sie vor dem Kriege bestand,' ist imex noch nicht völlig hergestellt; es ist immer noch nicht möglich, ungehindert ins Ausland zu reisen, ohne die vielen Paßsvrmalitätcn zu erfüllesi; man bringt diesen Umstand mit den Verhältnissen auf dem Valuta- und Arbeitsmarkt in Verbindung. Aber spielt noch ein anderer Umstand mit, warum man in der Auslände: frage noch nicht rasch abbauen will, die Furcht vor der Einfchleppur.g .bolschewistischer Ideen' und deren Literatur. Der Beitritt zum Völkerbund gab im letzten Jahre viel zu reden und zu schreiben; während die welsche Schweiz Feuer und Flamme für den Beitritt war, fand man in der deutschen Schweiz starke nüchterne Zurückhaltung, die sich bis zur Ab- neigung steigerte; die Stimmung war sehr geteilt, aber von oben herunter wurde stark für den Beitritt agitiert; die Buiwcsrate selber sind in die politische Areua herabgesriegen und haben für de« Beitritt gesprochen, und der Bundesrat war eS, der es durchgesetzt hat, daß der alte Natwnalrat vor seinem Absterben noch übe? der Beitritt entscheiden mutzte. Die Abstimmung ist auch nach den' Wunsch« deS Bundesrates ausgefallen, der Beitritt wurde mit aller- dings nicht sehr großer Mehrheft beschlossen. Die Angelegen- hcit ist damit allerdings noch nicht endgültig erledigt, sie Hai in diesem Jahre noch die V o l k S a b st i m m u n g zu passieren, die ganz anders ausfallen kann, als die im Nationalrat. In den letzten Wochen deS alten Jahres gingen die Wogen nocb einmal sehr hoch; eS handelte sich um den Anschluß B o r a r I- bergs an die Schweiz; die Befürworter desselben fand man in allen politischen Lagern, mit Ausnahme der Sozialdemo- j k r a t i e. Aber derObersteRatin Paris hat durch seinen Eut- scheid, daß die Grenzen, wie sie der Friedensvertrag von St. Germau: festgestellt hat, unverändert bleiben müssen, der Bewegung rasch ein Ende gemacht. Einsichtige Schweizer Politiker wiesen alle:. dings schon vorher darauf hin, daß die Anschlußaktion bei der beut- schon und österreichischem Republik böseSBlut machen könne, und warnten davor, die Sache auf die Spitze zu treiben. Im verflossenen Jahre hat die Schweiz ihre obersten gesetz- gebenden BeHorden wieder neu bestellt; sie haben teilweise eine völlig veränderte Gestaltung erfahren. Die freisinnige Partei, die jahrelang die Majorität im Nationalrat hatte, hat dieselbe verloren, und die Sozialdemokratie hat ihre MandatZzahl von IS auf 41 erhöht, wodurch die bürgerlichen Parteien gezwungen waren, auf den Luxus eigener Parteipolitil zu verzichten und bürgerliche Sa m m e l p o l i ti t betreiben mußten. Durch die drei Neuwahlen in den Bundesrat ist der katholische Einfluß durch ein weiteres Mitglied im Bundes- rat verstärkt worden; die Sozialdemokraten, denen ehrenhalber eiire Kandidatur angetragen wurde, haben auf eine Teilnahme an der Bundesregierung verzichtet; sie wollen in der Opposition ver- harren. Die erste sozialpolitisch« Tat deZ neuen Nationalrates war die Erhebllchertlarung einer Morton. auf Ginführung einer schweizerischen Alters-, Invaliden» und Witwenversicherung und der Erlaß eines fortfchritilichen Arbeitszeitgesetzes für das Personal der schweizerischen TranZportan stalten, sowie eineS wettere» Ge- fetzes betr. die Einführung eines Gesetzes über die Einführung der Achtundvierzigftunden woche in gewerblichen Betrieben, die nicht dem Fabrikgesetz unterstellt sind, nachdem der alte Rarional- rat bereits das Fabrikgesetz im Sinne der Achtundvierzigstuuden- Woche revidiert hatte. Der sozialpolitisch« Zug in der schweizerischen. Gesetzgebung ist in gutem Lauf, möge er auch ttn neuen Jahre anhalren. kleine polltische Nachrichten. ZeitungSverbore. Nach der»Kölnischen Zeuunz* wurden die meisten Blätter der Unabhängigen im rheinisch-west- f ä l i s ch e n Jndustriegebier verboten, so die.VolfSzeiluug' in Düsseldorf, die„Bergische Volisstinune� in Remscheid, die.Bugische Arbcttelslinune" m Solingen und die»Volks- stimme� rn Hagen. Eine unabhängige Plefte. Die in Buer erscheinende»Ruhr« warte" hat den Konkurs angemeldet. Als lrauernde Hinterbliebene bleibt eme große Anzahl Bergleute zurück, die ihre Erioarnisse dem Unternehmen geopfert haben, unter ihnen dm Bergmann mi: 20000 M. Bolschewistischer Angriff aus Pole»? Im polnischen General- stab erwa-lel man einen starken Angriff der Lolschewisten auf Polen noch vor dem Frühjahr. Kcuada-Auswsnderer. Die tanodische Regierung h« be- schlössen, daß alle Einwanderer künftig 250 Tollars besitzen müssen, ehe sie jn das Land gelassen werden. Bisher wäre» hierzu nur 25 bis 50 Dollaxs erforderlich. 250 Dollars find bei der heutige» Valuta 12250 M. GAverkschBsbcwMW Tarifverhanölungen im versicherungsgewerbe. Nach den mehrlagigen Vorverhandlungen über die MatzregelungS- ablichten des Srbeitgebertums wurde nunmehr in die Verhandlung der Frage der WirrchoiiSdeibilfe eingetreten. Tie Sprecher des Zentralverbandes wiesen am die dringende Notloge der Versiche rungeangcstellten hin, die in immer giöxcre Verschuldungen, teils auch gegenüber den Arbeitgebern durch Vorschüsse und Darleben gerieten. Nack langen Verhandlungen gab der Arbcitgeberverbond nachstehende Erklärung ab: .Di« Arbeitgeber lönnen über die Höbe der in Aussicht zu nehmenden Tarifsätze, Verheirateten« und Kinderzulogcn und die damit zusammenhängenden Nachzahlungen keine Angaben machen, solange nicht Einverständnis über die Entlohnungsgrundlagen, so z. B. über Personenkreis, Arbeitszeit und Älasseneinteilung be steht und sich die Gesamtbelostung der Gesellschaften nicht über blicken läht. Sie schlagen deshalb im Interesse einer schleunigen Förderung der Angelegenheit vor, zunächst mit der Beratung über SM ZU beginnen. � Die Angestellten beantragten darauf Vertagung der VerHand- langen auf Mittwoch früh. Um olle irreführenden, scheinbar von interessierter Seite der- breiteten Meldungen über die Berbandlungskonimission der Vcr- stcherungsangestellten richtigzustellen, sei bemerkt, daß die Verhand» lungen von der Leitung der NeickSfachgruppe der VersicherungS- angestellten, sowie vom Vertrauen der Versicherungsangestellten getragenen OrganisaiionSbertreler und vor allem von Vertretern des Reiches aus sieben Städten, dem ReichsfachauSschub, geführt werden.__ Versammlung der Musiker. In der Mitgliederversammlung der OrtSverwaltung Berlin des Deutschen Musiker-BerbandeS wurden in den Vorstand gewählt: Hugo schwiegk, 1. Vors.!®- Gutkneckt, ti. Vors.; C. Schiemeny, 1. Sckrislf.; Gallas, Sekretär! G. Strehle, t. Kossens.; E. Jii'ckke, 2. Kassenf. Als Beisitzer: Sckleger, Hock. Jusko Wofseng, Höne und Hempel. Dt« bisherigen Delegierten für die Berliner Gewerkschaftskommission wurde» erneut bestätigt. Für Charlottenburg wurden Sckwiegk und Hirschfeld delegiert. Der Kassierer erstattete alsoann Bericht über da-Z verflossene Quartal. Der Kassenbcstand ist sehr günstig, die Miigliedenahl ständig im Wachsen begriffen. Einen breiten Raum rn der Versammlung nahm der Bericht des Nachweisvorstehers ein. Die neue Regelung über die Verteilung der eingelausenen Musikausträge fand allgemeine Zustimmung. Der Versammlung wurden Richtlinien vorgelegt, die eine streng individuelle, den tünsilerüchen Leistungen des Einzelnen und alle« Schematisierende aussckließende Verteilung der Mustkaufträge garantieren. Geschlossenen Kapellen ist Gelegenheit gegeben, täglich zu probieren, um speziell für den Sommer gute Blaskapellen für die Gartenlokale zur Perfügung zu haben. Die Versammlung genehmigte ferner die entstehenden Kosten für den geplanten Anschluß an den städtischen Arbeitsnachweis. Ueber die Belämpsung der Militär- und Beamtenkonkurrenz berichtete der Sekretär. Trotz aller unzweideutiger Verordnungen der Behörden musizieren die Beamten und die Militärmusiker in der bisherigen Form weiter und vergrößern dadurch die Zahl der erwerbslosen Musiker. Auch die Kapellen der Sicherbcitswehr be« terligen sich an diesem Wettbewerb. Letztere haben sogar schon für den Sommer Verträge mit einzelnen Gaclenlokatinhabern ab- geschloffen. Die Veriainmlnng soroerte nachdrücklichst, daß die seit vorigen Sommer vom Reichswehrministerium versprochene und jetzt noch immer nickt erledigte Regelung des gewerblichen Musizieren« der Militärkapellen nun endlich erfolgen solle. Der Verein der Stereetypeure und Galvanoplastiker Berlins und Umgegend nahm in seiner Generalver'ammlung eine Entschließung einstinnnig an. die sich in schärfster Weise gegen die ihre Wirtschaft- licke Lage schädigenden Zeilungsverbote wendet. Gegen weiter- gebende Bei böte erklären die Versammelten alle ihnen zu Gebole stehenden Mittel zur Anwendung zu bringen. Die wahren Ursachen der Kohlennot. Von der Gewerkschaft der Kohlenzeche Moni CeniS erhalten wir über diese am Ende des Jahres lölS im.Vorwärts* behandelte Frage folgende Eni- gegnnng: .In Nr. 608 des.Vorwärts* vom 29. Dezember v.J. wird be- hauplet. daß die wahren Ursachen der Kohlennor in den Betriebs- Verhältnissen liegen. Ans Zeche Moni CeniS müßte ein Mangel an leeren Wagen zu haltlosen Zuständen führen, auch die Maschinen seien in einem mangelhaften Zustande. Die Behauptungen sind unzutreffend. Es ist nicht richtig, daß die Leute im Revier Steg- mann erst um 12 Ubr mittags die ersten leeren Wagen erhalten {ioben. Wobl hoben sich an einzelnen Tagen zwei Betriebe be- schwert über Mangel an leeren Wagen. Diesen waren aber mit Absicht die leeren Wagen vorenthalten, damit sie nur Berge Verieyen sollten(das heißt die durch den LIbbau ent- standenen Hohlräume mit Bergen ausfüllen sollten, wie es die bergpolizeilichen Bor'chnsten erfordern). Die Pfeiler waren weit offen und genügend Bergewagen zur Stelle. Hätten die Leute pflichtgemäß verletzt, so wäre von einem Mangel an leeren Wagen keine Rede gewesen. Es ist ferner unwahr, daß die Grubenloko- moiiven sich in einem schlechten Zustande befinden. Im übrigen weisen wir noch darauf hin. daß wir bereit« vor einem Jahre drei neue Maschinen bestellt haben, von denen bis jetzt aber erst eine geliefert werden konnte. Tiefe ist sofort eingestellt worden. Im übrigen ist die Anzahl der Förderwagen, wenn man fie im Ver- bältnis zur durchschnittlichen Tagesförderung betrachtet, auf Zeche Moni Cenis besonders groß.* Diese Entgegnung wendet sich nur gegen einen Teil der nnS von einem Bergarbeiter mitgeteilten Klagen. Wir entnehmen dar- aus. daß unier Gewährsmann nicht so ganz unrecht hatte. Deutscher Metallarbeiterverband. Freitag, den 23. Januar. nachm. b llbr, Bezirksversammlnng der südenbezirke im GewerkschastZbans. Saal l. Tagesordnung: t. Bericht von der Keneralaersammlunq am 18. Januar. 2. Stellungnahme zur Generalversammlung am t. Februar Erlcheinen eller Kollegen und Kollegimmen notwendig. Mitgliedsbuch legitimiert I Einkasflerer der AbzablnugSbranche. Ani Donnerstag, den '22. Januar, abends S tthr, Ve'sammlung bei Degcner. Sehdelslr. 30. Gewerbliches Personal der Reichs, und Staa»sverwaltnngen. Am Freiwg, den 23. Januar, abends 6 Uhr, VertrauenSmänneroersammlung bei Feyharä, Melchiorstr. IS. Zentralverband der Angestellte». Versammlung am Mittwoch, den Ll. Januar, nachm. K>/, Uhr, Sektion der Versicherungs- Einnehmer, Dresdener Kasino. Dresdener Str. 96.— Versammlungen am Donnerstag Fachgruppe I Sektion a— o tR e i ch S» und Staatsangestellt») Miigiicderoersammlung abends'1,7 Ubr, Dresdener Kasino, Dresdener Srr. 96. Fachgruppe 5 Sektion a(Rechts- anwaltsange st eilte) Mitgliederversammlung abends 7'/, Uhr, Königftadt-Kafino, kmlzmarktstr. 72. Fachgruppe 7 Sektion o(Ange- stellte der Schubwarengeschäste) Mitgliederversammlung Tl. Uhr, Sophienjäle, Sophieristr. 17/18. tvirtsthaft. Zur Börsenlage. Gcorg M ü n ch, der wirtschaftliche Redakteur der„Boß", bringt einen Bericht über die gegeniväritge Börsenlage, auZ dessen Inhalt wir folgendes hervorheben: „Wohl selten vorher Haiben an der Berliner Börse solche Zu- stände geherrscht wie heute. Der Andrang des VubliikumS zum Aktienmarkt« kennt kaum noch Grenzen. Banken und BanckierS sind derartig mit Arbeiten überhäuft, daß es ihnen glatt- wog unmöglich ist, alles? tötig« pünktlich zu erledigen. Schon vor einiger Zeit hatte man sich gezwungen gesehen, Mittwochs den Börsenverkehr mehrmals aussollen zu lassen. Augenblicklich trägt man sich mit der Absicht, mehrere Tage Hintere irrander die Berliner Börse zu schließen. Zunächst sind als solche Ruhetage der Freitag und der Sonnabend dieser Woche in Aussicht genommen; weitere dürsten voraussichtlich folgen. Indes liegt ein Beschluß des Börsen- Vorstandes über«ine solche Pause noch nicht vor. Zu den Gründen der jetzigen AMenhausse.zählt vor allen Dmgem die Verschlechterung unserer Valuta. Die Flucht auS der Mark ist wieder in vollem Gange, und sie richtet sich auf den Erwerb solcher Papiere, denen ein hoher Sachwert inueznwohnen scheint. Darum sind auch die Jndustrieaklicn be- vorzugt; man argumeuttert, daß z. B. die Anlagen eine? großen Eife�>erks, welche ernstmolS, als unser« Mark noch normale Kauf- kraft hatte, errichtet wurden, heute einen viel höheren Wert als den damaligen darstellen, gleicht»'?! ob sich in der Zwifchenzeit Abschreibungen oder Ausgaben für Umstellung der Be- triebe als nötig erwiesen haben. Einen spekulativen Anreiz gewähren ohne Zweifel auch die zahlreichen Kapitalserhöhungen, zumal die NcuauSgabe von Aktien sich jetzt fast durchweg zu wenig über pari liegenden Kursen vollzieht. Dabei ist natürlich anderseits zu bedenken, daß m-it so billigen Neuausgaben von Aktien oiu« Ber- wässerung des Grundkapitals verbunden ist, welche schließlich für die Rentabilität der betreffenden Unternehmen nicht bedeutungslos bleiben kann. Empfehlenswert ist es übrigens, sich im jedem Einzelfall die Bestimmung einer Kapitolserhöhu-ng näher anzusehen. Man wird dann ftmden, daß die Schaffung txm neuen Akdien zumeist auS der Notwendigkeit hervorgeht, die durch hohe Löhne, teure Rohmatevialpreife usw. ausgezehrten liquiden Mittel zu ergänzen. Daß gerade der Mon ta näktten markt(Bergwerks- und Hütten- irdustrie) in der jüngsten Zeit im Mittelpunkt der Hausse(der Auswärisbewegung) stand, hatte ja mancherlei besondere Gründe. Fast täglich war von neuen Preiserhöhungen die Rede, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß sich der Prozeß der Annäherung der Jnlandpreife an die Weltmarktpreis« in der Mon- danindustrie bereits vollzieht. Daß diese Entwicklung, welche sich automatisch auf alle anderen Gebiete unseres Wirtschaftslebens übertragen muß, zu den allerernstestcn Folgen fuhren kann, wird für einen denkenden Beurteiler nicht zweifelhaft sein. In raschem Tempo kämen wir so einer K r i s i s nccher, die auch für die Börse verhängnisvoll werden müßte. Es soll fteilich nicht im Abrede gestellt werden, daß das Än- lagebedürfniS nach wie vor ein recht starkes ist. Das zeig! sich unter anderem darin,'daß die Obligationen(d. h. fest- verzinsliche Anteile) guter industrieller Gesellschaftern andauernd recht begehrt sind und daß neue derartige Ausgaben den Emittenten(d. h. den die Anteile ausgebenden Uutcvnehmungen förmlich aus der.Hand gerissen werden. So wurden letzthin die 50 Mill-omem Mark öprozentiger OAigatianen der bekannte» Loko- motivfabvik Henschel u. Sohn in Kassel in ein paar Tagen ausverkauft. Daß solch solides AnlagebedürftitS bei der gegenwärtigen Aktieuhausse auch eine Rolle spielt, soll nicht bestritten werden. Eben darum aber ist eS erst recht erwünscht, daß die Börsenbewe- gung nicht in Uebertreibungen ausartet, die schließlich zu einem bösen E n d e' f ü h r e n müssen.* Wir»Verden auf die wichtigen Fragen der Kapital- erhöhungen und Ueberfremdung noch eingehen. Jedenfalls bietet das vorstehende Bill» für unsere Leser eine kehr gute Unterrichtung._ Die Machtstellung der Judustrie.' Die organisierte Elektroindustrie hat beschlossen, nur noch Aufträge mit einem Drittel zinsloser An- zahlung anzunehmen. Hierzu bringt der»Börsen- Courier* folgende kritische Betrachtung: „Nur au« der ungewöhnlich starke» Machtstellung, die der Jndu- strie innerhalb unteres voltZwirtschaftlicken Lebens neuerdings zukommt, ist der eingangs erwähnte Beschluß überhaupt'zu erklären. Die Industrie kennt seit den letzten Jobren keine Absatzsorge» mebr. Die Aufträge wachsen ins Un- geheuerlicke, und die Lieferzeiten erstrecken sich über immer größere Zeitspannen. Die Händler. Grossisten und Ber- braucher find der Industrie also, wenn sie ihre wirtschaftliche Ezisienz nicht einfach preisgeben wollen, mit Haut und Haaren ausgeliefert. Sie müsien jetzt, wenn sie überhaupt Ware erhalten wollen, den größten Teil ihres Betriebskapiiats uu- verzinslich den Fabrikanten hergeben. Das bedeutet einmal, daß sie nach Empfang der bestellten Waren den ZinSverlust durch erhöh!- Preise wieder herausholen müssen; es bedeutet aber auf der anderen Seite eine gewaltige Steigerung des Betriebskapitals der In- duftrie und damit durchaus nickt notwendig eine Ermäßigung der Preise. Diese werden ja bei Abschluß eines Vertrages für eine bestimmte Zeit genau festgestellt. Die Lieferung spielt sich dann ratenweise ab. Den großen Werken fließen damit Summen zu, die ein Bielfaches des Aktienkapitals auemache», lieber ihre Verwendung fehlt dem Abnehmer jede Kontrolle, es wird ihm keine andere Garantie als ein Lieferveriprechen geboten. Tatsächlich würden die Kapitalserhöhungen, die in der letzten Zeit im Hinblick auf die steigenden Materialpreiie vorgenommen werden, ziemlich überflüssig werden, wenn das Prinzip hoher Anzahlungen allgemem durchgeführt würde.* Durch die Zusammen schlußbewegung, die während des Krieges in gewaltigem Umfang eingesetzt hat, haben sich die Industriellen eine ungeheure Machtposition geschaffen. Diese Einheitsfront steht heute dem Wirt- schaftsmini st erium gegenüber und hat die Macht, allen gemeinwirtschaftlichen Maßnahmen des Mi- nisterinms den allerschärfston Widerstand entgegenzustellen. Begrüßen wir auch diese Fortschritte in der Orgauisatiou an sich, die Voraussetzung für eine planmäßige Wirtschaft ist, so fordern wir aber doch gleichzeitig, daß diese F a ch- verbände unter eine scharfe Kontrolle gestellt»verden. Hoffen wir, daß das Gesetz, das die WirtschaftSriite schaffen soll, die heute autokratischen Organisationen recht bald d e- mokratisieren wird. Die allmächtigen Industriellen mögen den Bogen nicht zu straff spannen und nicht übersehen, daß das Volk die G ü t e r e r z e u g u n g als eine öffentliche Angelegeuheit behandelt wiffen will. SvetterauSsichte» kür das mittlere?torddeu»ichland vis Donnerstag mittag. StwaS kälter, zeitweise heiter, aber veränderlich. leichte Schneeichauer. Berantw. wr den redaktlon. Teil:«rtur zickler, Tftarlotienburg: iilr An-cwen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: BorwÄrto-Verlag S. m. d. Berlin. Druck: Vor- wärto-Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin. Lindenstr. S. vier»» t Beilage. Achtung! Edelmetall! 1 M. Silbergeld 7,15 M., Goldstück 260,— M. 22, o- gahle mehr wie stder andere. Aach Brachfachen! Fang er, Solhringee»trahe 100, nora l llnt». Mb nil n Hl erhalten Sie in kurzer Zeit durch meine Spezialmethode. Sommersaaten, Pickel. Mitesser, Leberflecke, Warzen, Gesichts- ur.U"asenröte, lästige Haare, schlechter Teint usw. verschwindet bald. Au. wunsen Blutumersuchunj. 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