Ur. 61. 37. Jahrg. Bezugspreis t Vierteil ährl. ISL0 Ml. monatU 5,50 Mi. rtei ins Saus, oormts mhlbar. Poll- dezug Monatlich 5,50 Ml. erkl. Zu- liellnngsgedühr. Unter Krenzband Ar , �>riltlchlaitd und Oesterreich- Ungarn 8,75 Ml. für da» übrige Ausland >5,— Ml. bei täaiich einmal. Zustellung 11.»» Ml.+ Valuta-Aulschlag. Polt- 1 Stellungen nedmen an Zanemark, l'ollanv. üureUiburg. Schweden und die Schweis. Eingetragen in die Post- -ieitungs- Preisliste. Ler„Vorwärts� mit der Sonntag«. beiiage»Boll u.Zetr' erlchetnl wachen- täglich tweimal. Sonntag« einmal. Teiearamm-Adrelle �Sazioldeiuotrat Berlin-, Morgen-Ausgabe. berliner NolKsblstt ( 20 Pfennig) Anzeigenpreis: Di» achtgei palten« Ronpareillczcile lostet M. Zeurrung»zusck)Iag 00%. .(Hein* Anzeigen-, dos fett- gedruckte Wort 75 Pfg.(tulafstg zwei fettgedruckte Worte), f«des weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 05 Pfg. fede« weitere Wort«0 Pfg. Wort» über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungsziifchlag 50°,». Familien-Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Bereins- Anzeige» 2.— MI. die Feile ohne Ausschlag, Anzeigen für die nächste Nummer wüsten 51« 6 Ahr nachtnittag» im Hauptgeschäft. Berlm SW08. Linde»-' slratze 8, abgegeben werden,(beöffuet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr, abends. Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte! Deutfcblands Reöaktion und Expedition: SW. HS, Lindenstr. Z. s-ernivrectieri Ami Moriupla«, Nr. 15190— 13197. vorwäcts-verlag G.m.b. tz., SV). HS, Lindenstr. Z. «hernsprecher: Amt Morittplatt. Nr.�ll7 5Z— 51. Jreigabe der Kartoffel? Ziele und Möglichkeiten..> Der augenblickliche Kartoffelmangel hat tveite Kreise der Bevölkerung dazu bewogen, in den von der Landwirtschaft cinmiitig erhobenen Ruf nach Freigabe der Kartoffelwirtschaft ' einzupimmen. Um in dieser schwierigen Frage klar zu sehen,, muh man sich über, Ziele iflid Möglichkeiten der Freigabe ebenso untersuchten, wie über die sonstigen Begleitumstände, die eine so entscheidende Maßnahme iür die menschliche Er- nährnng unter den heutigen Verbältnissen im Gefolge hat. Soweit nicht lediglich das Streben nach erhöhtem Verdienst den Ruf nach der freien Kartoffelwirtschaft ausgelöst hat., werden folgende Gi ünde angeführt: das teilweise Ver- sagen der städtischen Versorgung, ferner die Mög- lichkeit, durch Freigabe.die Kartoffelerzeugung zu beben; dadurch, und zugleich durch die Vermeidung von Bemiitschastungsverlusien eine bessere Konsumenten- Versorgung im nächsten Jahr,, Das augenblickliche Stocken der Kartoffel- belieferung hat folgende Gründe: Ter unaewöhnlich frühe Frost, der die ungenügende Hcrbsteindeckung ver- schuldete/ stärkste Transporthindernisse, ferner die ungünstige psychologische Wirkung der Lieferungs- Prämie und endlich die Kartoffel verfütterung auch an die Zugtiere, deren letzte Ursachen die Freigabe des Hafers und seine bedeutende, noch immer njjht beendete Preissteigerung sind. Nichts davon beweist die Notwendigkeit einer Aufhebung der Kartoffelbewirtschaftung. Gegen vorzeitigen Frost hilft auch keine freie Wirtschaft, die Beseitigung der Transport- krise kann durch freie Wirtichast nicht erzwungen werden; verfehlie Maßnahmen, wie die ungerechten Lieferüngsprämien und die Freigabe des Hafers werden nicht durch freie Kar- toffelwirlichafl behoben, sondern mir dadurch, daß man sie in Zukunst vermeldet oder wieder rückgäng macht. Wo tat- sächlich böswillige Licferungsverweigerung vorliegt, da sind die Mittel zu ihrer Beseitigung vielfach von einer Zag- I' a i t i g k e�i t, die selbst in Kreisen vcrantwortunaSbewnßter Landwirte Staunen erregt. Die gegenwärtigen Hemmungen der Versorgung lasien also keinen Schluß auf eine Unmöglich- kcit weiterer Bewirtschaftung zu. Das. Hanptargunient. das die Verfechter der Karkoffel- freigäbe anführen, ist die Möglichkeit, hierdurch die Er- z e u g u n g z lt st e i g e. r n. Was ist damit gemeint? Eine Anbauflächcnausdehnung oder überhaupt eine Ver- mehrung des geia mtcn Nährstoffertrags der Landwirtschaft?— Dies letztere jollte auch wohl in jedem Fall das Ziel allex Maßnahmen sein. Unbestreitbar würde die Freigabe der .Kartoffeln, deren Anbaufläche steigern. Ueber den Umfang darf man allerdings nicht zu optimistisch denken. Die Ver- größerung des Kartoffelanbaues ist scharf begrenzt durch die versügbareu Arbeitskräfte— die Kartoffel braucht drei- bis viermal mehr Arbeitskräfte auf die Flächen- einbeit als das Getreide—, durch das notwendige Pflanzgut und durch den Vorrat an tierischem Dünger. Alle drei stehen nur im beschränktem Umfang. zur Verfügung, sie zu vernichren, ist nicht oder nur in geringem Maße möglich. Innerhalb dieses Rahmens aber wird die Ausdehnung der Anbaufläche eintreten. Da- bei drängen iich zwei Fragen auf: Sollte eine derartige, immerhin inäßige Ausdehnung nicht auch auf andere Weise zu erreichen iein, insbesondere durch Festsetzung eine? auch der Landwirtschaft geuebmen— d. h; angemessenen Nutzen lassenden— Preises? Und zweitens: eine Anbauflächen- Vermehrung bedeutet nicht etwa, einen vollen Mehr- ertrag um die Ernte der hinzugekommenen Fläche. Vielmehr ist eine Ausdehnung nur möglich aus .K osten einer andern Frucht, im allgemeinen des Getreides. Man muß schon eine LOprozentige Anbauflächenvcrmchrung annehmen, uni bei erhöhten� Kartoffelanbau einen Ueberschuß- enrag im Nährwerte zu errechnen. Diese an sich erstrebens- tverte Aussicht wird aber bei freier Kartoffelwirtschaft da- durch wettgemacht, daß eine äußerst starke Kunst- b ü n a�e r v e r iv e n d u n g zu dieser Frucht zu erwarten ist. Da aber die vorhandenen Kunstdungermengen nicht beliebig vermehibar sind, sondern nur ili Verhältnis- mäßig geringem Umfange zur Verfügung stehen, so muß der Kunstdünger anderen„unrentableren", das heißt in der Bc- wirtschastung verbleibenden Früchten entzogen werden, s Nach dem Gesetz� vom abnehmenden Bodenertrag wirkt der erste zu einer Frucht gegebene Zcnti.er Kunstdünger stärker! produktionsstelgernd als der zweite.. Der erste Zentner würde also dein Getreide entzogen und als zweiter oder gar dritter Zentner, der dann unbegrenzt rentablen Kartoffel zugeführt werden Eine einfache Berechnung erweist, daß auf diese Weite trotz der Förderung des Anbaues und der Erlragsergiebigkcit der Kartoffel schließlich eine Mehr- e r z e u g u n g an Nährstoffen in der Gesamtheit der deutschen Ernte nicht eintritt. Eher kann das Gegenteil der Fall sein, da der Rückgang der Getreide- ernte infolge des ihr entzogenen Düngers stärker sein Schwierigkeiten öer Volksernährung. Verkürzung üer Srotration. Wie die„P. P. N." au zuständiger Stelle hören, hat sich die Lage der Getreideversorgung in den lenten Tagen noch nicht so ver- bcffert. wir eS mit Rücksicht aus die kürzlich verordneten Prämien erhofft worden ist. An der langsamen Anlieferung ist wesentlich mit schuld die ungenügende Kahlenoersargung der Land- wirtschast. Obwohl energische Mastnahmr» ergriffen worden find, um Abhilfe zu schaffen, ist eine Erleichlerung zurzeit noch nicht zu ver- spüren. Jnfolgedrffen wird einr Herabsetzung der Ration von Gramm auf 200 Gramm in nächster Zeit vorübergehend unvermeidlich sein. Die nn- günstige Gestaltung der Valuta in der letzten Zeit zeigt erneut die Schwicrigtettcn, Brotgetreide ans dem Ausland zn erwerben. Eö muß daher auch aus diesem Grunde mit der inländischen Ernte so sparsam wie möglich verfahren werden. Sturm gegen üie Zwangswirtschaft. Der Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft hat i« seinen Verhandlnogen mit dem Reichswirtschastsministerium die Anfhebung der Zwangswirtschaft von Kartoffeln, Zucker, Vieh und Fleisch gefordert. Die Nachricht, daß er mit seinen Forderungen durchgedrungen sei oder wenigstens dir entscheidenden Stellen schwankend gemacht habe, hat i» städtischen Kreisen die schwersten Besorgnisse her- vorgerufen. Nach den uns gewordenen Informationen be- stätrgt sich diese Aackiricht jedoch nicht, insbesoudere ist es falsch, daß der R e i ch S r a t für die Aufhebung der Zwangs- Wirtschaft Stellung genommen hat. � Landwirtschast und Handel laufen Sturm gegen die Zwangsbewirtichaftung der wichtigsten LebcnSunterhaltsmittcl. Eine ungeheuere Gefahr droht der gesamten städtischen Be- völkerung des Reiches, wenn die zukünftige Ernte, die nur bei Rationierung auch den Mindestbemittcltcn einen Anteil liefern kann, der freien Preisbildung überlassen wird. Auch bei Erzielung von Rekordernten bleibt den aus technischen Ursachen beschränkten Produktionsmöglichkeiten für den einzelnen bei gleicher Verteilung eine beschränkte Ration. Daß den Landivirten Preise gesichert werden, die die Pro- duktionskosten decken und einen angemessenen Gewinn sichern. ist für jeden Städter eine Selbstvetständlichkeit, sein gutes �. x irx o A c. u r:«r. K ,1\if.. 5- l.-««. c. K•_ Recht ist es aber, sich vor der? treten wird, wenn äch vor der Ausbeutung zu sichern, die ein- jedermann.bei freier Wirtschast mit mit dem notwendigsten Lebensbedarf spekulieren und die Preise bis zur letzten Ausbeutung der Kaufkraft der Arbeiter in die Höhe schrauben kann. Bestände die Eitifuhrmöglichkeit, dann wäre ein Druck auf die Monopolpreise der inländischen Er- zeuger möglich. Auf billige Einfuhren ist aber in absehbarer Zeit nicht zu rechnen. Wenn die Zwangswirtschaft heute leider stark durchlöchert ist infolge der Demoralisation und der gesunkeneu staatlichen Autorität, dann muß diese wieder hergestellt werden durch die Macht der Arbeiterschaft. Produktion und Verteilung müffcn ehrlich gemacht werden, dann werden wir durchkommen auch bei nicht völlig ausreichender Gesainterzeugung. Die Wahrung der Lebensinteressen der Arbeiterschaft und Minder- bemittelten erfordert schönsten Protest gegen das frevelhafte Spiel, die Zwangsbewirtichaftung. d. h. eine ehrliche Ver- teilung der Produktion, beseitigen zu ivollen. Wir erwarten vom Reichswirtschaftsminister und allen wirklichen Volks- Vertretern, daß sie den Bemühungen um Freigabe der Kar- toffcln und der anderen, Früchte unter keinen Umstände nach geben, sondern dafür sorgen, daß mit fester Hand alle Maß nahmen zur Produktionssteigerung und ehrlichen Abliefernng zur Durchführung kommen._ Krise in üer �ischversorgung. (Eigenbericht ausHamburg.) Seit" einigen Tggen streiken in Hamburg- Altona die FisÄdämpferkapitäne und-Steuerleute und es droht sich imolgedesien der Streik aus die gesamte H e ch j« r- f r s Ä e r e i auszudehnen. Die Reeder wollen es wieder, einmal zu einer Kraft- probe kommen lassen. AuS dem bisher nicht klar ersichtlichen Tatbestand gehl soviel hervor, daß seitens der Reeder die Eni- loshing zweier Kapitäne, die sich angeblich Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen ließen, als S t r e i l g ru n d angegeben wird, während KeitenS des Vereins der Fiichdampserkapitänc und-Stener- leute in Kundgebungen an-die Bevölkerung klargelegt wird, daß von den Reedern ihre A»igest eilten auSschüsse nicht an- erkannt würden, so daß eS sich um ein nngeiechtfertigteS Lcr- halten derselben handele und dabei, die Schuld den Reedern zu- falle. Das Streikende ist noch nicht abzusehen und auf dem F i s ch- markt macht sich bereits eine starke Abnahme derLlefc- r u n g e n bemerkbar. muß als der Mchrertrag der Kartoffel. Eine tatsächliche Produktionssteigerung in der gesamten Landwirtschaft würde nur dann eintreten, wenn die Menge des verfügbaren Kunst- düngers durch gesteigerteErzeugung gehoben werden könnte. Hier haben alle Kräfte einzusetzen. Nach dem Gesagten sind mit doppelter Vorsicht die Folgen zu prüfen, die die Kartoffelsreigabe nach sich ziehen müßte. Wirkungen der freigäbe. Nehmen wir nun an. die Kartoffel erzen gung würde bei freier Wirtschast tatsächlich steigen, so bleibt es doch höchst zweiselhrtst; ob damit auch die Versorgung der Großstädte besser wird. Vor allem muß bedacht werden, daß dos kom- wende Wirtschaftsjahr aller Voraussicht noch immer unter stärkster Futterknappheit leiden wird. Mit der Kartoffel würde nun ein für fast alle Tierhaltintgen gleich- mäßig geeignetes Futtermittel frei. Kein Zweifel, daß inan davon so sehr wie irgend möglich zu profitieren suchen wird. Würde es gelingen, eine Mehrerntc von selbst Ist Millionen Tonnen zu erzielen, so würde diese Menge auf den Kops Gr o ß v i e h berechnet noch nicht einmal 4 Pfund pro Tag bedeuten. Hierbei ist aber eine Vermehrung der Schweinehaltung, die als Folge der Kartoffelsreigabe ein- treten wird, noch außer Ansatz geblieben. Rechnet man bei dem starken Eiweißmangel rund eine Tonne Kartoffeln pro Zentner Lebendgewicht, so werden für eine Erzeugung von o Millionen Zentner Lebendgewicht bereits 5 Millionen Tonnep Kartoffeln gebraucht. Der Landwirt, insbesondere der kleine, wird sich bei der Freigabe der Kartoffel sogleich stark auf Schweinemast werfen. Er kennt das Bedürfnis der Großstädte nach Fleisch nnd Fett, und er weiß genau, daß er seine Kartoffeln in Schweinefleisch noch besser bezahlt erhält als bei direktem Verkauf.- Gänzlich verfehlt ist darum die Ansicht, die Kartoffeln, müssen bei den hohen Preisen, wie der f r e i ö Markt sie mit sich bringen wird, auch auf den Markt kommen. Der natürliche, jetzt besonders starke Trieb des Landwirtes. Vieh und Schweine aufzuziehen, muß gleich- zeitig wie die große städtische Nachfrage nach tierischen Er- Zeugnissen die Entwicklung dahin lenken. Selbst ivenn die gegenteilige Wirkung einträte, nämlich, daß die Landwirte die teuren Kartoffeln verkaufen, so wäre bestimmt damit zu rechnen, daß dafür um so mehr Getreide verstittert wird— eine Folge, die ebenso, unerwünscht ist. Das Karlosfelangc- bot wird ferner durch die Zuiialuilc der gewerblichen Verarbeitung beeinträchtigt werden. Jnsbefandore wird die Herstellung von.Trockenfutterpräparaten einen großen Umfang annehmen. Tie Tvansportichlmerigkelten werden bei Fortsall zentraler Leitung das ihre tun, um auch im Zeichen frei« Wirtschast eine, bessere KartofsclvcrjoWimg der Großstädte zu hindern.< Wenn aber eine wesentlich bessere.Kartosfelversorgmig selbst bei guter Ernte unter der freien Wirtschaft nicht er- lvartet werden kann, müssen ihre Folgen auf das Preis- Niveau imd damit auf unser ganzes Wirtschastskeben geradezu Verhängnispoll sein. Die mannigfaltigen Faktoren, die einen regelnigßige» Absatz schon unter der Zwstngswirtschaft hemmten, würden unter, der Herrschast des freien Handels noch vermehrt durch die erwähnten gesteigerten Verwendungsmöglichkeiten der Kartoffel sowie durch den Geioinntriev, Das müßte schon an sich eine ganz außerordentliche Preissteigerung liervor- rufen. Dazu käme aber eine linld entsetzende Konkurrenz der Kommunen, der Werke und der Privatpersonen, die den Preis einer so lebenswichtigen Fiylcht geradezu ins P'h a»- t a st k s ch c st e i g c r n würden. Die E r b s c n mit dem Nfackien Friedensniveau ihrer Preise sind ein warnendes Beispiel. Aber nicht der Kartoffelpreis allem würde düse Höhe erreichen. Ein wilder und völlig unwirtschaftlicher Kampf um die Betriebsmittel, inveson- dcre um die Düngemittel wind entbrennen: er ist xm- wirtschaftlich deswegen, weil die wringen vorhandenen Dünge- mittel ohirf u zur Anwendung gelangen und weil ihr Nutz- es fest nicht größer ist, wenn ein Landwirt sie für teueres 'Geld im Schleichhandel aus Kosten der Produktion seines Nachbars erwirbt. Der Landwirt ivird auch Hobe Löhne zu zahlen bereit sein, auch teure Pferde und Ochsen kaufen, aber alle dieie Betriebssaktoren sind gleich teuer, wenn sie zu dckn übrigen Früchten angewendet werden. Dann erfordern die nnab- änderlichen Wirtschaftsgesetze die Herstellung des natürlichen PreiZverhältnisses, d. h. die Hebung aller anderen Produktionspreise aus das Niveau des freigebildetcn Kartoffelpreises ustd der von ihm beeiuslußten Betriebsmittel'- preise. Keine Gesetzgebung könnte die Berechtigung dieser Forderung in Abrede stellen. Eine ebenso selbstverständliche Forderung der wirtschaftlichen Logik wäre es, den Preis d*3 Diese Mitteilung machte einen tiefen Eindruck in Darichau, wo die bürgerlichen Blätter einen heftigen Feldzug gegen den englischen Premierminister führem Trotzdem dürfte cS dem engliichen Einflüsse bald gelingen, Polen zur Einstellung der Feindseligkeiten gegen die Russen zu bewegen. Der bolschewistische Siegeszug. Dir„TimeS", die wenig Neigung beside« dürste, die Erfolg« der Rotruffrn zu vergrSßrrn, melden aus Chardin, daß die Bolschewistru das 20 Meilen uon Wladiwostol entfernte OkoauSko und den Ort Nikrlskajni erobert Hede«, wo der für Wladiwostok aufgestapelte Proviant untergebracht war. Es ist..allgemein bekannt, daß Trotzki nicht nur die allen zaristischen Wenerale und Instrukteure in die Rote Armee einreihen mutzte, um der Armee eine leistungsfähige Führung zu geben, sondern datz er auch eine autzerordentlich strenge, ja fast brutale Disziplin eingerührt hat, um die Armee zu einem brauchbaren Instrument der Negierung zu machen. Nach den neuesten Blätiermeldungon sind nunmehr auch die 1Sl7 aus- gehobenen Feldgerichte an der Front wieder eingeführt worden. Man sieht alko, datz et selbst in Sowjet-Rutzland nicht möglich ist. mit der Einrichtung der Soldatenräte auszu- kommen. Ossizirre de» alten Systems, straffe Disziplin und nun- mehr auch Feldgerichte waren nötig, um die Rote Armee zuiammen- zuhalten und ihre LeistungSsähigkett aufs äußerste zu steigern. Ein englisches Tsrrltsrlalheer.- Den englischen Blättern zufolge erklärte Churchill in einor Retx� in der er die. Reubildung eines Territorialheeres zur Verteidigung des britischen Reiches begründete, die Tenritvrialstreitkräst« seien dazu bestimmt, bei einem Angriff Deutschlands am Rhein oder Rußlands gegen Indien dem regiMren Heere zu Hilf« zu kommen. Das Reich unü Preußen. In einer genieinsamen Sitzung des ReichSkadinetts und deS Preußischen Kabinett» wurde, wie WTB berichtet, über den Antrag der Preußischen Landesversamm- lung wegen Herbeiführung des E i n h e t t L st a a t e S be- raten. ES herrschte Einigkeit darüber, daß die Reichsvcrfassung eine ausreichende Grundlage dafür gewähre, die einheitlichen Grundlagen deS Reiches z» erhalten und auszubauen. Tie Besorgnis, namentlich bei den süddeutschen Staaten, als ob das Reich beabsichtige, gegen ihren Willen ihre poli- tischen Rechte zu schmälern, wurde daher von allen Seiten als unbegründet erklärt. ES wurde auch anerkannt, daß bei der notwendigen Dezentralisation, die in einem Reiche von der Größe Deutschlands, ungeachtet seiner staatS- rechtlichen Konstruktion, immer erforderlich sein werde, und die nach mancher Richtung vielleicht sogar eine Erweiterung er- tragen könne, keine Veranlassung vorliege, die Gebilde der süddeutschen Staaten umzuformen. Andererseits wurden die Schwierigkeiten, den Preußi- s ch e n Staat in ein dezentralisiertes Reich einzugliedern, nicht verkannt. Aber auch hier versprach man sich eine Ab- Hilfe nicht in dem unhistorischen Gedanken einer Zerschlagung Preußens, sondern ging davon auS, daß die Entwicklung organisch vor sich zu gehen habe, wie denn die Bedeutung des Reiches mit seinen vergrößerte« Zuständigkeiten von selbst gewachsen ist und weiter'wachsen wird. Darüber, datz auf dem Wege einer Dezentralisation Preußens weitergegangen werden mutz, war man sich einig. Man verkannte weiter nicht, daß sich auS der gemein- samen Verantwortung, die das Reich und Preußen für manche große politischen Aufgaben tragen, Schwierigkeiten ergeben können, wie das auch unter der alten Reichöverfassung immer wieder der Fall gewesen ist. ES soll geprüft werden, wie man dieser Schwierigkeiten durch eine engero Fühlung- nähme Herr werden kann. Zur weiteren Klärung der Fragen wurde ein Unteraus- schuß aus dr;i. Reichsministern und drei Preußischen Ministeru gebildet._, Groß-tzeffen. Gaftwirtsstrei! in Franksurt a. M. Frankfurt a. M., 2. Februar.(Siq. Drahtber. d.„Vorw.".) Auf einer Versammlung der hessischen Zentrumspartei in Mainz wurde über die Zukunft Hessens gesprochen. Hessen dürfe weder unter dem Schcingru nä) Unitaris.nuS zu oindr preußischen Provinz werden, noch dürfe unter llebertrerbung deS Begriffs FödercrliSmns seder Versuch abgelehnt werden, zu einem Gebilde zu kommen,'das insolge erheblich größerer Bevölkerungszahl much erheblich«xistenz- fähiger sei. Alle Parteien sollten bestrebt sein, eine Lösung im Sinne der TlammeSvcrwandtschast des hessischen Volkes zu finden. Jujtizministcr van Brentano bestritt, datz eine Zentralisation mit dem Kopf Berlin ein Nutzen für Deutschland sei. Man sollte denen danken, die sich dafür einsetzten, datz e:i>dlich die Vorherrschaft PrcutzenS gebrachen werde. Die Frankfurter Gasthausbetriebe haben ihrem Personal zum lb. Februar gekündigt, insgesamt kommen 4000 Angestellte, darunter 2500 weibliche, in Frage. Man glaubt, datz das ReichSwictschasts- Ministerium noch bis zum 15. Februar in der Sonderbelicferung der Gastwirt« mit Lebensmitteln eine befriedigende Lösung der strittigen Frage suchen wird._ Oer vorläufige Reichswlrtschafisrat. In der öffentlichen Ditzunade» ReichSratS, die am Mon� tag abend unter Vorsitz des Ministers David staitfand, lag ein Antrag Preußens auf Ergreifung von Matznahmen vor, um der Ueberfremdung deutschen Eigentums wirksam zu begegnen. Ueber den vorbcreltcnbcn Reich Swirtschafts». rat berichtet« namens des Ausschusses Ministerialdirektor Graf v. H o l tz c n d o r f f. Der im Wege der Verordnung zu errichtende vvrbereirende R; i chMtn rtschaftSrat soll der Reicksregierung bei wich- tigen sozialpolitischen und wivtschastspolitischen Gesetzentwürfen gutachtlich zur Seite stehen, er sbA auch das Recht haben, selbst Bor- lagen zu beantragen. Den weitergebenden Wünschen der Jnter- essenten, datz der RcichSwirtschastSrat die Regierung auch zu? Ein- bringung von Vorlagen xtvingen könne, kann nach Ansicht der Reichsvegierung im Weg« der Verordnung nickt entfvrochen werden. Di« Interessenten müssen sich geduldigen, bis ein endgültiger Reichswirtschaftsrat im Gesetzwege zustande kommt, der unter Um- ständen auch dgS Recht bat, selbständige Entwürfe an die National- versainmlung ober den Reichstag zu bringen. Die vorläufige Rege- lung war nottvendig. weil der endgültige Reichkwirtfchastsrat einen ganz festen Unterbau bekommen soll in Gestalt von Bezirks- wirtschaftSräten usw. und dieser Unterbau nicht so schnell geschaffen werden konnte, wie wir lb» chrauchen würden._ Auch bezüglich der Zusammensetzung deS vorläufigen ReichSwirtschanS- ralS ist e« wicht möglich gewesen, allen Wünschen zu entsprechen, und es sind zunächst einige Gruppen vorläufig noch etioaS stief- mütterlich behandelt worden, so daß i- 23. für die Kunst vorläufig nur ein Vertreter vorgesehen ist. Die Hauptschmierigkeit lag in der .Herstellung eines gerechten Verhältnisses zwischen Industrie und Landwirtschaft, und die Regierung ist schließlich zu dem Er- ycbnis gekommen, beiden eine gleich? Anzahl von Vertretern zu bc- willigen. Fischerei und Gärtnerei werden noch besow-ws berücksichtigt. Der vorbereitende NerchSwirtschafiLrat soll sta. wie folgt zusammenscDen: 62 Vertreter der Forst- und Landwirtschaft; 2 Vertreter der Gärtnerei; 4 Berrreter der Fischerei; 62 Vertreter der Industrie; 40 Vertreter des Handels, der Banken und des Per- sicherungSwesenS; 34 Vertreter deS Verkehrs, der städtischen Ve- triebe und der öffentlichen Unternehmungen; 20 Vertreter des Handwerks; 20 Vertreter der Verbraucherschaft: 12 Vertreter der Beamtenschaft und der freien Berufe; 12 mit dem Wirtschaftsleben der einzelnen Landcöteile vertraut« Persönlichkeiten, die vom ReichSrat zu ernennen sind; 12 von der Reick?Sregierung nach ihrem Ermessen zu ernennende Personen, die durch besondere Leistungen die Wirtschaft des deulsche» Volkes in hervorragendem Maße gesö» dort haben oder zu fördern ereignet sind.— Der Reichsrat nahm ohne weitere Erörterung die Verordining an, die nunmehr noch dem B o l l s w i r t s ch a f i S a u S s ch u tz der Ülationalversanrmlung zur Genehmigung eingereicht werden soll. Schweinefleisches, dos erkemHtzerweise mit Kartoffeln prccku- ziert worden ist, ans das Preisniveau dar Kartoffel zu brin- gen. Wird aber der Preis von Brot und Fleisch auf das ?' ivecm der freigebibdeten Kartoffelpreise gehoben— und Hamn ist nichts zu ändern—, so v e r l i e r r jede Be- ivirtschaftung ihren Sinn und ihr Recht. Dann lurben wir irrit einem Schlage freie Wirtschaft und Welt- inarktspreis. Der Gesmntwert der dem Volk zufließenden landwirtschaftlichen Erzeugung ivuvde int Frieden auf zirka lZ, im Jahre 1919 auf zirka 29 Milliarden Mark berechnet. Damals galten Getreidepreise von 399 M. je Tonn«. Würde auch mir eine Verfünssochung der Preise bei freier Wirtschaft eintreten(Hafer stieg aus nahezu 4999 M. fe Tonne im freien.Handel), so würde die Mchrbelastnng des Volkes nind 199 Milliarden Mark betragen. Es ist mehr als zweifelhaft, ob ein Anwachsen der Geldausblähung in diesem Umfang pon der deutschen Mark ohne völlige Wertvernichtuna ertragen werden könnte. Heut«, wo der in allen Ländern sinkende Geldwert die Wahrschein- lichkeik auf eine weitere Verringerung der Valuta spannnna erwarten läßt, sollten wir nicht im entscheidenden Augenblick den Gesundungsprozetz durch Maßnahmen von so zweifelhafter Heilkraft rmterb indem___ dke Seutsch-alliierten yanüelsbezkehnngen. Aus Brüssel wird gemeldet: Ju Beantwortung eines Schrri- benS des HandelSkammerprästdenten von Brüssel gibt der Wirt- schaftSmin.ister bekannt, daß seit Aufhebung der Blockade die HandelSbezie Hunzen mit Deutschland vv« allen Alliierten einschließlich Belgiens wieder aufgr- uvmme» nwrden sind. Dabei könnten al« einzige Beschränkung Mahuahmrn zum Schutzr drr Interessen der nationalen Industrie in Betracht kommen. Kohlenlleferung unü M.enstbenaus!ieferung. Laut enver Havasmeldung berichtete in der Botschafter- konferenz vom 2. Februar Millerand über den Stand der Kohlenlieferunyen, die Deutschland laut Friedensvertrag schuld«, die«s jedoch nicht alisführ«. Me Konferenz setzte dann den Text einer Mitteilung betreffend die List« der von Deutschland gemäß Artikel 228 des Bersailler Ver- trageS auszuliefernden Beschuldigten fest. Di« Lifte wind tvahrscheinlich am Dienstag Herrn v. LerSner übergeben wenden. Die Konferenz hat den österreichischen DerpflegimgS- und Finvnzminister ermächtigt, nach Paris zu kommen, um von neuem.über die Schwierigkeiten der Wirtschaft- lichm Lage O e st e r r e i ch s zu berichten. Auf eine Beschwerde deri österreichischen Regierung, daß Ungarn die westlichen K omitate noch nicht geräumt habe, bat die Konserenz be- schlössen, die Abreise dar sich gegenwärtig in Budapest auf- haltenden Kommission von Generalen, die mit Ueberwachimg der Besetzung dieser Komitate durch österreichische Truppen beauftragt ist, zu beschleunigen. Warschau unü Moskau. Nachdem, wie wir im gestrigen Abendblatt mitteilten, Estland den Frieden nüt Räterntzland abgeschlossen hat, dürften die polnischen Angriffsabsichten. gegen Moskau er- l e d i g t sein. Die militärischen Vorbereitungen sind nach bolschewistischen Wahrnehmungen bcre't» eingestellt. Dazu kommt, daß Lloyd George dem Polnischen Ge- sandten in London mitteilen ließ, England könne der Pol- nischen Armee gegen zukünftige Angriffe durch die Bolschewisten keine militärische Unterstützung gewähren. Der englische Ministerpräsident soll klar zu verstehen gegeben haben. daß er sich keineswegs einem Friedensschlüsse zwischen Polen und Sowjetrußland widersetzen werde. �üa Negri. Zum fünfzigsten Geburtstag der Dichterin d«S Proletariats. vor ewenr Vierteljcchrhundert ging der Rame drr jungen lonckardifchen Volkkschullehrevin Ada Negri als«in neuer Klang der Dichtung um die Welt.- In jähem Aufleuchten, ober dauernder, als ctn Meteor, da» jäh wieder»ersätwindet, und immer noch ist dieser Klang lebendig. Wenn das. Proletariat im Kampfe stcrvfx Tage erlebte, wenn es festlich seinen ZnkunstSwillen vcrlündete, immer har durch all die Iah« bin Ada Negris Stimme ergrissen mitgewirkt, srinen Gebankca' Ausdruck zu geben. K einer nach ihr hat so viel «»eltu/ng erreicht; auch der Belgier Verhciexen nicht, der fünfzehn lsahre älter war als sie und erst viel später.in dt« Weltdichrung «nndrang. Kein Zweifel, dieser Sozialist ist künstlerisch gewaltiger als Erzähler und Verfasser von Welt ünd Leben, aber Ada Negris Dichtung schritt unmittelbarer in Reih und Glied tnit dem Geist der kampfevtveckten- Massen. TaS Proletariat war die Welt, aus der sie kam, und hier entkeimte, was ihr Gedicht in Bildern der Not Und Hoffnung und in befreierisch leuchtenden Gedanken des Muts zum Widerstände aussprach. Ein dichterisches Werk, das wie das erste Buch Ada NcgriS im Swrmfluge von Land zu Land wandert u-td überall ein laute» Echo auslöst, hat ein Anrecht, im Zusaimnrnhaiig mit geschichtlicher Eut- Wicklung gewertet zu. werden. Ties Buch war«in Signal all ver- breitetec foziaivr und politischer Stimmungen. Em Zusammen- bruchsahnen rarrschte mit breitrn Schwingenschlägen im Anfang der neunziger Iah«. Wie nie bisher marbte die Massenbewegung de? Proletariats sich im Glauben an seine kommende Macht geltend. Si? begann zu wevden, was die Arbeit ih«r Pionier« jahrzehntelang er- hofft und gewollt hatte, und si« stand im Begriff, die Klasse der Kapitalisten, für die das freie Spiel der Kräfte noch nicht zum alten Eisen gehört«, organisatorisch zu überholen. Anschwellen der kapi» talistischen Betriebsweise und riesiges Wachstum der prvletar!sck)en Masse, Niederbrechen der se�n diese gerichteten Ausnahmegesetze und mächtiges Aufsteigen' der sozialen Forderungen der Ausgebeute- tcn— all diese Bovaange gestalteten da? erregte geschichtlich« Bild der Zeit. Dieb aber spiegelte sich in einer brandenden Woge sozialer Dichtung, die sich g�-en die als flach und»er logen angegriffene Schängeisilitsratur der bürgerlichem Welt erhob... Das beherrsche, de Werk dieser Dichtung wurde damals Zolas „Germinal": dieser Rrman, in dem die Bourgeoisie entlarvt wird in den Augen de» nctgehetzten Proletariats, da» sich m wildem Streik rachedürstend erhebt. Die Aera d«r Mitlcidt-Hilfe, di« keine Anspruchsrechte der Armen an dt« Gesellschaft kamrt«, ging zu Ende, und damit wurde endgültig auck das bürgerliche Gewächs der sozialen Mitlodsdichtung bedtuiunMos. Bei de» Gepeinigte» drang fortan immer sioabrtfter die Einsicht durch daß ihre Rettung nicht m.'-a von ebsn her als Akt der Güte zu erwart«», smid-ern von unten, cur als menschliches Recht zu fordern und zu crkämvfcil sei/ wuchtig und er- schütternd wie nie zuvor. An dieser Stelle der' geschichtlichen Eni- Wicklung des Kanipses der Arbeiterklasse erscholl Ada Negris Stimme. «ich das trug sie um die Welt. Es war e,n neuer Geist und Ton der sozialen Lyrik, die hier nicht aus bürgerlichen Menscklichkeits- !>: suhlen, sondern als seelische Acutzeruug de? Proletariats, als Arbeiterdichtung hervorbrach- � l.. Wer j« Ada Negris Bücher las, kennt die Herkunft dwier Dichterin. Gm ergreifendes Gedicht„Im großen Hospital' erinnert daran, datz einst auch ihr Vater, als si« noch ein kleines Kiird war, In diesem Maflenquartier der Siechen endete, und viele Gedichte, ergreifender noch, erzählen von dem Mariyrium der Mutter, die mit nie gebrochensm Mut« in der Fabrik aroeitete, um ihre Kind« zu näbren und einem Beruf zuzuführen, der ihnen dq» harte Los der Proletarier«sparte. In Lodi war Ada Negri geboren, und nach harter Kindheit und Iug«ck wurde sie als Achtzehnjährige Lehrerin in dem Wcberdors Motta Visconti am Ticino. Sieben Jahre lang mübte sie sich hier um ihr« achtzig Bauern- und Ar- beitcrkinder. Wer aber das zart? Geschöpf war, das diesen Drin st in Dürftigkeit leistote, das erfuhren ihre Dorfpenossen erst nach Jahren. In jenem Ort der schweren Arbvit, zwischen Wiesen und Wäldern, erwachte Ada Negris Dichtcrschaft. Vereinzelt erschienen erste Gedichte in großen Mailänder Blättern; als sie ad« 1803 zum Buche„S ch i ck s a l" zusaimnepwuchsen, wurde die Dichterin ein Er- eigii's der italienischen Dichtung und bald der Dichtung d«r Welt. In Mailand kam dies erste Buch an» Licht, und nun wurde ge- sorgt, die von Beifall und Fehde laut umlärmte Dichterin ftrr diese Sticht zu gewinnen: als Lehrerin für Literatur trat sie 1805 in ein Lehre rinnensemfnar«in- Doch dieses Amt hielt sie nur kurze Zeit. Ein Jahr spät« war sie Gattin, und' zwar die Frau eines In- dustriellen, und eifrig wurde damals in die Welt hinaustrompetet, die Klafsenkampfdichtevin sei erne Dame der großen Bourgeoisie gc- worden. Das war nun freilich arq übertrieben, denn ihr Gatte Garliiiida war nur- Tellhaber einer kleinen Tuchfabrik, betätigte sicki für diese als Reisender, haust- in bescheiden«. Wohlnung und war zudem in seinen Aiischainingan sozialistisch gerichtck. Es sollt? sich auch zsfeen, daß dir gespairnte Erwartung, ob Ada Äkegri fortaii chein als Dichterin beschritten� Wege treu bleiben werde, vergebens auf eine Abkehr gehofft hafte. Denn wie da» zweite Buch „Stürme", da? 1806 erschien, so bava auch das dritte,„M u t t e r- f ch a f t", vgn 1904, stärkste Beweiss ihrer unveränderten Gesinnung. und auch in dem ein paar Jahr« später veroffeiftlichtrn Buch„A u.4 d e r Ti e fc", das leiser nicht wie die ersten drei Werke ins Deutsche herübergeholt wurde, hißte Ada Regri— just in dem Gedicht, da» dem Buch den Titel gab— da» rote Kampfhann« ihrer Jugend. Schmerz ist das Wesen dieser Dichterin, aber nicht ein pessi- mistisch verzweifelnd« Schmerz. Sie hat ihn geerntet m den Leiden ihrer Kindbett: aus der eigenen Not und aus den Schmerzen ihr« Mitinenscheii. die um sie b«— dris ihre eigenen Wort«— an Pellagra und Hunger litten. Au» fciefem sozialen Schmerz brach ihre Dichtung anü„Doch ist» ein Schmerz, der sich nicht lteugt noch weicht, der selbst den Gött-rn wagt zu widerstreben." Der Kraft, die den gefesselten Prometheus zu beleben vermochte, vergleicht sie diesen Lrfimcrz. und so war er also der Boden, auf dem ihr Fuhlen und Denken fest und groß sich au«eck i? Dem Buche„Schicksal stellte sie ihren Vers voran:„Der Schmerz gibt den Gedanken Gö!t«krast." Doch immer lebt in den Gedichten, die ch« mäch- tigsten iv Uveen, b,id.:S sich stark avs: das P'U> sozialer Sckicksalsnot und das Ziel der sozialen Befreiung. Gedanklich fest»«gliedert wächst in irgreisendem Erleben die» aus jene in x brrvor.- Aus innerstenl Trieb muß sie in die schauerlichsten Abgründe nieder- steiqeu. aber das Unglück läbmt sie nickt: sie steht seine Schrecken offensten Auges und kann ihm, Siegerin trotz allem, imnmr doch muftg ins Angesicht lacken. Eine unendliche Liehe offenhart sich in diesem Schauen und Bekennen. Einer Weit, die blind ttn den Schicksten der Proletarier v«. übergipg, stellte Ada Negri das Dasei» der glücklos unten Schaffen- den, ber Hungernden und Gepeitschten mit immer neuem Eni- schleiern der von ihr erlebten Wirklichkeit dar. Si« dichtete als der Anwalt d« Enterbten unü» ihr Gedicht war entflammte Rede, lodernder Aufruf. Si» steht im Lärm d« Fabriken, iü den licht- losen Häusern, den Gassen der Proletarierkinder, auf den Landstraßen der Arbeitslosen und in ihren Schlafasylen, in Krank en- haus«n und armseligen Totenkammexn, an Seziertischen, auf denen Berhungerte zur Obduktion liegen, auf kraftderzebrenden Reis- feldern, in Gruben, wo hunderte Leben auf einen Schlag vernichtet >»erden, in Werkstätten, wo Kinder an Maschinen vergehe», in Sturm und Niederlage von Strems, in Maifenzügen BDn_ Arbeitern, die ihre auf den: Schlachtfeld der Arbeit gesunkenen Gefährten, ihre au» dem Kampfe gerissenen Kameraden zu Grabe aaleitön. Und innnee.ist sie den Menschen, deren Schicksale sie in solchen Stunden, an all diesen Stätten unerhörten OpserfällenS durchlebt,«greifend menschlich nahe, immer findet sie ohne Verbleichen den Weg, der dem Hril einer helleren Welt zuführt, eins: Welt, die gegen allen Krieg den Ruf„Frieden! Arbeit! Brot!" erhört, und d« Weg ist .Kmnpf und der Sieg wächst als ein Bauen d« brüderlich gseiuria Masse der Proletarier: Ein Klopfen gilt's mit Wucht' gen Hammerschlägen in harten Fels hinein, um nach und nach sckwerkeuchend bloßzulegen dos Rückgrat vom Gestein. Kampf! Angriff! Aichbarrsn! In diesen drei Willensmitteln lebt Ada Negris Kraft, aus der die groze Forderung der neuen Zeft loht:«Gerechtigkeit! nicht Mitleid!" Sie, die voll Erbarmen ist..nd di? Sieger zu Verzeihen mahn:, schlägt schonungslos di« Geißel den« Fotlide ins Gesichc, der„Welt von Bürgern, schlau und ehrenwert, die Geld anhäufen und begevem sich betten". /Der Unnatur, in die diese Welt der Herrschenden sich verbildet«, gilt ihr heiliger Zorn. Ten Jüngling, der um ihre Liebe wirbt, fragt sie tiefernst:„Hast du gearbeitet?" Sie trägt die freie Lust der Felder und Wälder mit sich in die groß' Stadt und rusr ihr herrliches„Gebt Raum!". Und tvsnn ihre in Leid und Schmerz gewordene Seele den Opferweg eigener Mutterschaft in schwere: BänguiS und träumendem Hoffen durchschritten hat, so blüht auch hier ein Ruf sozialer Befreiung, und die' Mütter sind die Erlösten, ihrem Kinde zum Heil. Die Bücher Ada Negris wachsen zusnnimen zu einem auv düsteren Nöten aufstrigeru ckcn, verkirndungSbollen FctebenSirni# der Gesellschaft und der Völker. Wir grüßen sie aus ein« Zeit, die der Menfüiheit aller Zonen'eine neu« und' die ungeheuerste Probe aus ihre Gegenwartskraft uv.o' ihren Zukunftsglaube» auferlegte. Das..alle Tor", daS Grauen, Leid und Verkommen in allen Formen sah, ist müde, und morgen wird-? fallen mit den grauen.Häusern der sckmntzigen Gasse, in b« eS steht aber„sollend wird e? vom göttlichen Licht zum ersten- mal einen Schimmer sehn". Wir grüßen die Bücher dirier sozialen Lyrik w Füb.-n von Ad.« Negris stürmischer. Gelöbnis: Für alles, was geboren wirb, was hoffnungsvoll sich regt, � will ich unsterblich leben I lrck. In» Tom veranslollet Professor Walter ffischer am kommenden Tom.ersto». 8 Ndr. ein v r a e l t o n, e r t. bei Melchem Frau Jeann« .«"oetber tEovranl und Herr Professor Robert Zeller(Violine) mitwirken. Eiulntt is: frei-z?gen lftNnahme eines Programms. dern ja die Diktatur des Proletariats. Die Herren haben über- haupr mit der Vorbereitung des Terrors und der Diktatur immer soviel, zu tun gehabt, daß ihnen für praktische Arbeit keine Zeit blieb. Die Eisenbahner sind froh, daß sie von dem Terrorismus der Unabhängigen befreit worden find. Bis an die Zähne bewaffnet sind UnabhSngtge in dte W«k. stätteo gegangen, um die Niederlesung dar Arbeit zu er» zwingen. Die Tckließung der Werkstätten ist ein« WeranS harte Maßnahme, aber die anständigen Arbeiter haben die Säuberung der Werk- statten selbst gewünscht. Tie anständigen und ehrlichen Elemente regen sich darüber auf, daß die ganz jungen Leute nur herum- sitzen', Zigaretten rauchen, Mundharmonika spielen, die„Freiheit' lesen und politisieren. Leider ist zu befürchten, daß bei der Wie deremstellung kleinliche Schikanen mitspielen. Die Vorgesetzten dürfen die günstige Situation nicht für ihre Zwecke ausnutzen. Die verniinffige.n Arbeiter bedauern, daß sie sich von den Syndi- lalisten und den Radikalinskis halben verführen lassen. Wir verstehen«rHerbingS nicht, daß immer noch monarchische Demonstrationen unter Beteiligung Bewaffneter geduldet werden können. Die deutschnaiionale Presse hat erst gegen den Minister Erzberger aahetz:, und nachher wollte sie es nicht gewesen kein. Billigen Sie schon den vierten Tag zanken sich die Parteien. Tie Opposition sollte nicht»ur Hetzen, sondern beim Aufbau mithelfen. Wir sind bereit, unter Ausschaltung aller Parteiuntersibiede am Wieder- aufbau mitzuhelfen, aber nicht mit Moralpredigten, sondern mit gutem Willen und mit der Tat. Rippcl lDnatl.): Wer die Szenen am Freitag tznd Sonnabend miterlebt hat, konnte eme Gefühl des Ekels nicht unterdrücken. Gegen die Elemente, die uns in den Abgrund hineinstürzen wollen, hilft nur eine Einheitsfront aller Parteien. Wir würden be° dauern, wenn wirklich Kündigungen im größorcn Umfange bei der Landwirtschaft vorgenommen sind. Aber man muß auch bedenken, daß tatsächlich die Laudarbeiterbewegung zum Teil einen spartakistischen Cha- rakter angenommen hat. Für den Pommerfchen Landbund find wir nicht verantwortlich. Entgleisungen kommen überall vor. Adolf Hoffmann(II. Soz.): Herr Riedel, der Märchenerzähler von Lichtenberg, hat keinen Anspruch auf Erwiderung. Bei den Deutschnationalen denkt man daran, den Willem aus Amrrongen berüberzuholen, um ihn vor der Auslieferung zu bewahren. Der Minister Heine ist den Beweis dafür schuldig geblieben, daß unabhängige Blätter mit dem Geld« der Entente gegründet wor- den sind, ebenso für alle seine Behauptungen über den 13. Januar. Der„Berliner Börsen-Eonrier" hat ganz mit Recht den hoch. fahrenden Ton de? Herr« Heine verurteilt. Wenn einmal Hin- dcnburg die Präjidentschgft übernimmt, dann wird sich hoffentlich die Arbeiterschaft Wer die Köpfe der Führer hinweg die Hände reichen zur Abwehr. des Kapitalismus. Redner verliest einen Brief des Herausgebers der.Rheinischen Republik", worin dieser erklärt, er sei wegen seiner Bestrebungen für Abtrennung des Rheinlands von Preußen aus der U. S. P. ausgetreten und von der Kölner Organiiation der L. S. P. noch außerdem ausgc- schlössen worden.- Ter von Heine erwähnte Baumann sei als preußischer Spitzel schon nach dreitägiger Tätigkeit als Redakteur entlassen worden, er sei mit Hinterlassung seiner Garderobe ver° schwunden und habe der ll. S. P. gar nicht angehört.(Hört, hört! bei den U. Soz.) Ter Brief schließt:„Ich erkläre hierdurch den preußischen Minister Heine für einen— nun kommen Worte, die ich nicht sagen darf—(große Heiterkeit), solange er nicht den Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen erbringen kann." Eine solche Regierung stürzt man nicht, sie geht an ihren elenden Ver- leumdungen selber zugrunde.(Vizepräsident Dr. Porsch ruft den Redner zur Ordnung.) Garnick(D. Vp.) tadelt, daß die Regierung gegenüber den Zuständen in den Eisenbahnwerkstätten nicht schon früher zugegriffen hat. Siering(Soz.): Hoffmanns Erzählungen waren dem Hause nichts Neues. An den bevorstehenden Putsch unter Beteiligung des früheren Kaisers glaubt er ja selbst nicht. Herr Dr. Friedegg, der Berichterstotter der„Freiheit", hat die Angriffe auf die deutsche Delegation in Versailles als nationalistische Mache bezeichnet, ob- wohl Frau Dornblüth heute noch daran krank liegt. Jetzt ist Friedegg in die Wirtschaftsorganisation der fvarizösischen Kommisston in Berlin eingetreten. (Hört, hört!) Frau Zietz hat im Bevölkerungsausschuß der Ratio- nalversammlung den freiheitlichen Geist der preußischen Regie- rung anerkannt.(Große Heiterkeit.) Herr Ziegler von den lln- abhängigen hat neulich in Görlitz in einer Red« geäußert, wenn die Arbeitersckaft zur Macht käme, würde mancher Laternenpfahl geziert werden.(Hört, hört!) Er hat aber bei den schlesischen Arbeitern keinen Anklang gefunden. Der Direktor von Drwlh vom Landbund hat selbst angekündigt, daß in Pommern 7Ml> Ar- beiter entlassen werden sollen. Wir freuen uns, daß die Regie- rung energisch dagegen borgeht. Mit den Bergwerken ist fünf Jahre lang Raubbau getrieben und die Zahl der gelernten Häuer ist stark zurückgegangen. Wir freuen uns über die Bergarbeiter, die Verständnis kür die Not des Volkes aufgebracht haben. Wir bitten aber die Regierung auch, die Bergleute ausreichend zu er- uähren. Grouowski(Z.): Bei den EtseWahnern darf mit den Löhnen keine Gleichmacherei getrieben werden. Wäre die Rechte in ftühe- ren Jahren klüger gewesen und hätte sie dem Volk das allgemeine Wahlrech: nichr vor enthaften, so wäre uns der Zusammenbruch erspari geblieben. Be« der Haltung der Unabhängigen ist der Be- lagerungszustand auch heute noch immer notwendig. Die rechts- stehende Press« hat in unglaublicher Weise gegen Erzberger ge- hetzt und noch nach dem Attentat Artikel gegen ihn gebracht, die, >wie z, B. ein Bild in der„Schlesischen Tagespost", das UnglaW- lichste von Gemeinheit darstellten. Tai ist politische Brunnenver- giftung schlimmster Art. Damit schließt jdie Aussprache. Nachdem' Abg. Brückner(Sog.) in persönlicher Bemerkung bestritten hat, daß er oder seine Partei emals den politischen Mord verherrlicht hätten, wird der Antrag der Nnabhängigcn auf Aushebung des BclagernngSzusttindeS gegen die Stimmen de? Unabhängige« abgelehnt. Hierauf wurden noch eine.Anzahl von Bittschriften erledigt, worauf sich das HanS auf Dienstag 12 Uhr vortagt: Kleine Anlagen. Anträge. Kleine Vorlagen. Schluß Uhr. werden sollen. Di« Frage ist nicht zur endgültigen Entsckei- dmng gekommen, sehr zum Schaden der Sache selbst und der Reiche« finangen. . Die von der ReichSpost in Auftrag gegebenen etwa 2M Personen-Kraftomnibusse sollen von dieser Behörde bei demnächst neu ins Leben zu rufenden Linien verwendet lverden, während neben- der auch die Kraftverkehrsgesellschaften die von ihnen bisher eingerichteten Linien weiter betreiben und neue Linien ein- führen sollen. Wieder also stehen wir vor der betrübenden Tatsache, daß eine Angelegenheit, die für den ösfentlichen Verkehr von weittragender Bedeutung ist. ni ch t großzügig nach ein- heitlicken Gestchrspunkten behandelt wird. Die Post erhebt Anspruch auf die Einrichtung von Personen- Kraftomntbuslinien; sie stützt sich auf' h i st o r i s ch e Reckt«. Er- fahrungen auf diesem technisch überaus schwierigen Gebiet hat sie jedoch so gut wie gar nicht: alle Einrichtungen, wie Werkstätten Tankstellen usw. fehlen bollständig; geschultes Personal muß erst angestellt bzw. ausgebildet werden. Auf der anderen Seite sehen wir die Kraftverkehrsgesellschaften ldic nicht etwa privatkapitalistische Unternehmungen sind, sondern staatliche Einrichtungen), die in allen Provinzen durch zahlreiche Betriebsverwaltungen einen umfangreichen Güterverkehr durch Lastkraftwagen und einen beträchtlichen Personenvcr. kehr durch Krastoninibussc aufzuweisen haben. Alle notwendigen Einrichtungen, Werkstätten. Personal usw. sind vorhanden ' Gibt es unter diesen Umständen Mick nur den geringsten Zweifel, daß diese öffentlich-rechtlichen Gesellschaften, die mit Reichsmittcln und den Geldern der Stadt- und Landkreise. arbeiten, die allein berufenen Stellen sind, um den Personenverkehr durch Kraftfahrzeuge auszuüben? Statt dessen muß das Reich durck die Post mit großen AuS- (Taben belastet werden, damit diese �überhaupt erst in die� Lag« versetzt wird, an derartig für sie. in diesem Umfange vollständig neue Aufgaben heranzutreten. Das Re'ch muß die von der Post beschaftten Kraftonrnibiisse ganz bezahlen, während dasselbe bei den KraftverkehrSgesell- schaiten nur mit einem Drittel beteiligt ist. also nur ein Drittel der beträchtlichen tzlnfchaffungskostcn— pro Kraftomnibus — oder 100 000 M.— zu tragen hat. Noch ist«S Zeit. Wird der Herr Finanzministcr diese Gelegenheit, dem Reiche aroße Summen zu ersparen, tatsächlich nickt ergreifen und dte Post darauf hin- weisen, daß sie mit der Erfüllung der ihr bisher obliegenden Aus- gaben gerade genüg zu tun bat, und daß für diese Bebörde gad kein Grund vorliegt, neue, kostspielige Versuche mit Reichsgeldern anzustellen." Wie lange werden wir die chaotischen Zustände auf dem Gebiet des Transportwesens noch ertragen können? Tie Betriebsunkosten für Pferde und Masch!- Grundsähen durchzufü!hren und auch in den Städten T'e ch- niker an die Spitze zu stellen, die nach gemeinwirt- s ch a f t l i ch e n Grundsätzen das gesamte private und städtische Transportwesen umgestalten. Millionen Kilo- meter werden heute unwirtschaftlich verfahren. Uns fehlt die Unterstellung des gesamten Kuhrwesens unter eine einheitliche Leitung, die Z n s a m ni e n f a s s u n g aller Transvortnntsrnehmungen. damit kein Kilometer u n W i r t- schaftlich verfahren wird. Wirtschaft und Verkehr. Krastverkehrsgesellschasttn oder Post? Zu dieser Frage erhalten wir folgende Einsendung: „Das Reichsami für Luft- und Kraflverkehrsüvesen, das vom UnterstaatSsekretär Euler geleitet wird und eine Abteilung des R e i ch s v e r k e h r s m i n i st e r i u m s ist, verhandelte dieser Tage über die Frag«, ob die für die nahe Zukunft vorgesehenen Personen-Kraftomnibuslinien von der R e i ch s p o st oder von den Kraftverkehrsgesellschaften in Betrieb genommen Wirtschaft. Vnbanstächcnznlnge fiir.Oelsnaten. In einer kommissarischen Besprechung mi Reichswirilchaft?- Ministerium wurde beschlossen, iür den Anbau von Soinmer-Oelsaaten, Sommer- Rübsen, Mohn, Leindotter und Senf, eine Flächrnznlage zu gewähren. Dieie soll 200 Mark je Hektar betragen und kämmt zur Auszahlung, wenn bei Sommer-Rübien und Mohn ein Min- besternte von je 300 Kilo und bei Leindotter und Senf eine solche von 400 Kilo für den Hektar erzielt wird. Bei Mrhre'rträgen sollen bei Sommer- Rübsen und Mohn außer dem gesetzlichen Be- schlaqnahmepreis SO Mark für 100 Kilo und bei Leindotter und Senf KO Mark für 100 Kilo zur Auszahlung gelangen, ohne daß die Flächenzulaa« auf den Durchschnitt der Anbaufläche berechnet mehr als 400 Mark je Hektar beiragen darf. Baumwolle aber keine Kohle. Hannoversche Baumwollspinnerei und Weberei. In der General- Versammlung wurde der divideiidenlose Abschluß genehmigt. Tie Berwaitunq bemerkte, der Betrieb liege nnnmebr still. Baum« lös Jan Krebsereuter. Seine Täte?:, Fahrten und Meinungen. Aufgezeichnet von Hans Müller-Schlösser. Und zum dritten Male steigen die Wasser, heult der Wind, toben die Wellen; die Arche Noah klafft schon vorne auseinander, und als die Wasser versunken sind, hängt sie als.nasses, ganz aufgeweichtes Wrack auf dem Berge Karmel, die Berlretcrin der Tierwelt, die tote Fliege, findet ihr schreck- liches Grab im nassen, schwarzen Schlamm. Jan, der kleine liebe Gott, aber ist zufrieden mit seinem Werke,-- nicht ober die Frau Schlüter vom zweiten Stock! Plötzlich erhebt sich unten ein Lärm, man hört einen Stuhl heftig rücken und einen Topföeckel gellend über den Boden rollen. Die Tür wird aufgerissen, und Frau Schlüters rauhe Bären- stimme reißt Jans Phantasiegebilde in Fetzen.- „Wat ist dat da oben für'ne Fer?eserei?!" schreit sie. „Wer ist denn da zu faul gewesen, den Treckeimcr auszu- schütten, wie sich dat gehört, und wer muß'damit so lang warten, bis dat er überläuft und einem dat stinkige Wasser in die Bobnensupp' dröppelt? Nee, so'n. Ferkeserei lebt doch nit!� Bab! Iknd akkurat in die Bobnensupp', die meinem Mann sein Leibgericht ist und wo er sich als die gänze Woch' drans kreutl Und jetzt ist sie für die Katz', denn wat für'n Ferkel soll sie jetzt noch genießen!! Ich wenigstens nit! Wat soll ich nun meinem Mann diesen Mittag vorsetzen, wenn er abgearbeitet und hungrig aus der Werkstatt kommt?! Tat sagt mir mal! Nee, nee, so en Ferkeserei! Und dat ist mar. doch gar nit gewöhnt von Euch!" Jan saß st:ll und verwirrt am Boden; er fühlte zum ersten Male, zwar noch ganz unklar, daß die Gedankenwelt mit der wirklichen meist im Streite liegt, daß die zartesten Blütegebilde vom ersten besten grobgeschlachten Bauern- klump zertreten werden, daß die Nase, die Ambrosia wittert unö� in die Höhe schnuppert, an dem nächsten Balken sich blutig stößt, daß der Fuß,� der auf Blumenbeeten wandeln will, über eine im Wege liegende Mistgabel stolpert.— Trüdeke lief voller Bestürzung herbei und rief hinunter; „Mein Gott, liebe Frau Schlüter, wat ist denn passiert?" „Eine Sauerei! Da! Guckt es. Euch an?" Und Frau Schlüter hob den Topf mit der angenehm duftenden Bohnensuppe ibr hoch entgegen wie eine Spfer- schale. „Och nee, Frau Schlüter," entgegnete Trüdeke beleidigt, „bat ist kein stinkig Dreckeimerwasser, dat ist pur Regen- wasser! Der Jan hat damit.gematscht!", „Hä, hä. Ihr seid gut! Wollt Ihr es auf dat unschul- dige Kind abladen! Nee, nee, von wat fiir'uer Seit' muß ich Euch kennen lernen!" Da klapperten des Bäckermeisters Plüschpantoffeln-Tuf der Treppe. Jetzt hob sich sein Kopf mit den blinkenden Brillengläsern aus einer beizenden Rauchwolke, die zhm voraufstieg, und bog um den'Treppenpfosten. „No. no, no!" tuschte der Bäckermeister.„Wat soll denn die Zänkerei!? Unter großen Fraulent'l Wie die kleinen Kinder! Schämt Ihr Euch nit?! Frau Schlüter! Tie Kundschaft im' Laden lustert schon!" Frau Schlüter wiederholte nnt großem Aufwand an Stimme und Gebärde ihre Anklage, aber der Bäckermeister unterbrach sie. „Psch! Psch! Frau Schlüter!" rief er und winkte mit dem Pfeifenrohr, daß die grllnseidene Ouaste der Frau Schlüter um die Nase fing,„seid doch vernünftig! Wat hat unser Heiland gesagt: Lassei die Kindlein zu mir kommen—" „Gewiß, Baas, dat kann der Jan ja auch—" „— L und wehret- es Ihnen nicht— „— und mit meinem Tünnes spielen— „— denn ihrer ist das Himmelreich!"' „Ja, gewiß, dat sag' ich fa auch! Aber dat dreckige Wasser in der Bohnensupp' ist und blcibt'Ferkeserei!"-- Seht Ihr, da lmtte ich beinahe vergessen, den Leser da- init bekannt zu machen, daß die gute Frau Schlüter vor vier Jahren ihrem Mann einen kräftigen Sohn geboren hat, der ein kleiner, knubbeliger Bengel ist mit kurzen,, dicken Armen und Beinen. Es ist günstig für den glatten Fortgang dieser Geschichte, daß mir die wichtige Tatsache des Daseins dieses Jimgen, der Toni beißt, aber Tünnes genannt wird, gerade jetzt einfällt, denn Tünnes tritt bereits im nächsten Kapitel handelnd mit auf, und darum will dieses Kapitel, das die Ueberschrift trägt: 3. Das Hering sfischen, der Pflaumen Handel und das Wettlaufen auch.mft �em Tünnes beginnen.(Notabene! Tie Familie Schlüter hat die Bohnensuppe doch gegessen!) Der kleine Tünnes hatte die Bärensfimme seiner Mutter und die Geistes- trägheit seines Bater geerbt. Er faß meist still in einer Ecke ans einem Fußbänkchen und kaute irgend etwas, und wenn es nicht schnell genug ging, stapfte er mit dem Zeige finge'' hinterdrein, daß er sich manchmal die Lust versperrte und einen blauroten Kopf bekam. ,„De arme Jung' hat sicher von mir de Auszehrung gefangen," jammerte seine Mutter immer und ging an den Küchenschrank, um ihm eine neue Schnitte Schwarzbrot zu schmieren. Sie glaubte fest daran, daß sie die sogenannte Auszehrung hätte, weil sie den ganzen Tag essen konnte, aber sicher war es nichts anderes als ein ganz gewöhn- sicher Bandwurm, den sie sich durch das viele rohe gehackte. Fleisch, ihre Lieblingsspeise, ange'clmfft hatte, und den sie durch fortwährend« Kauarbeit in seinem Sybariten leben er- halten mußte. Der arme Tünnes wurde nach und nach so dick ivie ein Schwartemagen, und mmi Jan ihn anstieß— und das tat er immer, wenn er nichts Gescheiteres zu tun wußte, und das war oft!— plumpsre er lautlos um wie ein Sack, und dann begann ein Schauspiel, das für Jan der begehrteste Augen- und Ohrenkitzel war. Zunächst nämlich blieb Tünnes nach dem Hinplumpfen steif und mit blödem Gesicht sitzen. Txinn aber kniff er die Augen zusammen und zog den Mund in die Breite bis bald an oie Ohren, bog die Mundwinkel ein paarmal rasch nach oben und nach unten, und nach diesen Vorbereitungen riß er unter einen? gräßlichen Gebrüll das Maul cmf„daß von Nase und Augen bald nichts yiehr zu sehen war, während die dicken Tränen sich in den Falten des zu- sammengequetfchtcn' Gesichts Gassen suchten. Jan entfloh und wartete ans dem nächsten Treppenabsatz dos Ende des Spek- takeis ab.—. Jan war jetzt sechs Jahre alt und Tünnes fünf.. Wo man den einen erblickte, sah mem auch den anderen. Meist saßen che auf dem steinernen Dürpel der Bäckerei, jeder an einer Seite, wie Löwen auf den Stufen eines Thrones und ließen sich nicht von der Kundschaft, die sich zwischen sie hin- durchzwängen mußte, in ihren tiefsinnigen Gesprächen stören, oder vielmehr Jan ließ sich nicht stören, denn er führte immer das Wort, während Tünnes, die Hände auf den Knien, mit offenem Munde zuhörte. „Tünnes,. sag. hast du schon'neu lebendigen Hering ge- sehen?" fragte Jan am Ende einer Belehrung über du auf der Erde vorhandenen Fische, nämlich Schell'iiche, Walfische, Heringe und Stachelditzkes, die man in der Düssel mit Blech- büchsen fangen konnte. v' „Nee," erwiderte Tünnes. Doris, folgt.) iBoIIe sei reichlich gtt BaBett, jedoch fehle eS an«ohle. S» wurde der LZorschlag gemacht, von jetzt aB Braunkohle zu feuern, zumal in dieser Beziehung eine neu« Erfindung ge« macht sei. Kommunale Ledererzengung. Zu der traurigen Lage am Ledermarkt, die durch die Frei« gäbe der Bewirtschaftung entstanden ist. schreibt das .Verl. Tageblatt�: Der Notlage der minderbemittelten Bevölkerung hat die Kommuualverwaltungen vielfach dazu geführt, die Häute an« ihren Schlachtungen in Lohn gerben ober gegen fertige» Leder vertauschen zu lassen, um sie- dann an die minderbemittelte Bevölkerung bzw. Stadtverwaltungen zur Berteilung zu bringen. Dagegen erheben die an der Bewirtschaftung de» Leder» beteiligten Berufskreise energisch Ein« spruch. Sie sehen darin eine unrechtmäßige Zwangswirtschaft, eineAu«- schaltung der berufenenen Erwerbskretie, eine Vergeudung von Material sowie eine Gefährdung genügender Belieferungen anderer ledcrverarbeitender Betriebe. Dte Kommiinalverwaltungen werden auf diese Vorwürfe die Antwort wohl nicht schuldig bleiben. Die Schwierigkeiten der Schuhdersorgung sind heute derartige, daß jede Bemühung der Kommunen, hier Abhilfe zu schaffen, lebhaft begrüht werdett muh. ES wäre nur zu wünschen, baß derartigen Aktionen ' gröberer Erfolg veschieden wäre, ai» nach Lage der Dinge ihnen beschiedea sein kann. Selbsthilfe der Städte. Ein interessanter Rechtsstreit beschäftigt im Augenblick da» Ministerium. Die Breslau er Stadtverwaltung batte sich an hie Regierung-gewandt, um ein« Aufbesserung der gerade in Schlesien sehr im argen liegenden Fletschbelteferung der BreSlauer Bevölkerung herbeizuführen. Die Regierung hatte dem Magistrat der Stadt Breslau mitgeteilt, dah er durch Bildung einer K o n s u m g e'n o s s e n s ch a f t da« Recht erhielt«, imterSaid der Provinz einige hundert ff e t t s ch w e i n« heranzüchten zu lassen und dann anzulaufen. Infolgedessen schloh die Stadt vreSlau mit Gütern und Kleinbauern Verträge ab, laut welchen diese gegen entsprechende Lieferung von Kraftfutter die Aufzucht der Schweine zu ubernehmen bereit waren. Der Schlefische Vieh andel«- verband erblickt nun trotz der Genehmigung der Reaisning in dem Vorgehen der BreSlauer Stadtverwallung«inen Verstoß gegen die bestehenden Verordnungen über den Aufkauf von Schlacht« vieh und ein« Eingriff in seine Kompetenzen, Er hat dem Magistrat der Stadt Breslau offiziell mitgeteilt, daß er nicht nur jeden Liefe- ranten, sondern auch die Vertreter der Koiisumgenoffenschasten sofort wegen Schleichhandel durch die zuständigen Polizei« bchörden verhaften lasten werde, wenn ohne seine Genehmigung Lieh aufgetrieben werde.— Da inzwischen auch andere große Städte derartige Genossenschaften mit Genehmigung der Regierung gebildet und Erlaubnis zur Aufzucht von Schlachtvieh erhalten haben, dürfte.- die Entscheidung in diesen Rechtsstreit prinzipiell von großer Bedeutung fein. Die Amerikaner in Anhalt. Zwischen dem Generalvertreter de« amerikanischen Maiskonzern» und einigen mitteldeutschen Maisstärkefobriken werden angenblicklich wichtige Unterhandlungen gepflogen, die die käufliche Uebernahm« dieser Betriebe durch den genannten Konzern bezwecken. T» kommen hierbei auch die beiden Anhaltischen Maisstärkefabriken gerbst und Steutz in Betracht. Die Verhandlungen stehen unmittelbar vor Ab« schlutz, so daß an dem Zustandekommen der DranSakiion nicht ge» zweifelt werden kann. r Die Amerikaner hoben die Absicht, große Maisvorräte nach Deutichland zu importieren und hier verarbeiten zu lassen.> Französische Konkurrenz in Hamburg. In das Handelsregister � de« Amtsgericht» zu Hamburg ist die Niederlassung einer französischen Aktiengesellschaft eingetragen worden. Die Compagnie Commerciale Maritime zu Paris mit einem Aktienkapital von 2 Mill. FrS. errichtet eine Zweignieder- lassung in Hamburg. Wie die Polen die deutschen JndustrieBmtntrn beseitige« wollen! In dem in Danzig erscheinenden„Dziennik Tdanski" wird folgenoer Beschlutz des Verbandes polnischer Techniker -und des Verbandes der Fabrikmeister über die Beschäftigung von Ausländern in der polnischen Industrie veröffentlicht: 1. Arbeiter, Handwerker, Meister, Ingenieur oder Direktor kann nur ein Bürger der polnischen Republik sein, der die polnische Sprache ausreichend beherrscht und Mitglied eine» polnischen Ver- bandrs oder einer jetzt bestehenden polnischen Vereinigung ist. 2. Die Heranziehung von fremdländischen Fachleuten ist grund- sätzlich unzulässig, sofern die örtlichen Verbände und vereinigun» gen«inen zweckentsprechenden Kandidaten vorschlagen. g. Fremdländisch« Meister, Ingenieure, Leiter von Fabriken oder Abteilungen, die vor dem Kriege während wenigsten» dreier Jahr« in unserem Land« in ihren Stellungen waren, und die sich durch den Dienst bei den Okkupanten zum Nachteil polnischer Jnteress«n nicht beschmutzt haben, können in ihren Stellungen verbleiben, jedoch nur unter nachstehenden unbedingt verbindlichen Bedingungen: ») sie müssen polnische Bürger werden, d) sie haben einem der jetzt bestehenden BerufSverbäude beizutreten, c) spätesten» in einem halben Jahre hat der betreffende Verband sein Urteil über ihre ausreichende Kenntnis der polnischen Sprache abzugeben. 4. Die erwähnten DerufSverbände und Vereinigungen wählen eine ständige Kommission zum Zwecke der Beaufsichtigung der Einhal- 5ung vorstehenden Beschlüsse». 6. Vorstehender Beschluß ist dem Herrn Minister für Arbeiterschutz einguhändigen. Angestellte, Arbeiter, Beamte in Dbgrschlesien» merkt Euch da»! Die Tabakanbaufläch« in Deutschland.. Ueber den Umfang de« deutschen Tabakanbaues bestehen vielfach irrige Ansichten. Er betrug vor dem Kriege etwa 12 b00 bis 14 000 Hektar ll Hektar-»» 4 Morgen) und ist im Jahre ISIS auf»000 Hektar zurückgegangen. Jetzt hat die Tabakanbaufläche den früheren Umfang ungefähr wieder erreicht. Trotzdem spielt sie im Verhältnis zur- Gesamt« ackerfläch« keine nennenswerte Rolle. Sie beträgt, in Prozenten berechnet, nur etwa 0,7 vom Tausend der gesamten Kulturen. Die Tabakanbaufläch« ist relativ am größten in Baden, wo sie Il.SI vom Tausend der Ackerfläche beträgt, am geringsten in Oldenburg mit 0,01 vom Tausend der Ackerfläche. In Preußen macht da» mit Tabak bestellte Land 0,35 vom Tausend der Anbaufläche au«. Selbst wenn diese Ziffern zu niedrig gerechnet seiw> sollten, was bei der der derzeitigen Lage nicht ganz ausgeschlossen erscheint, kann man gleichwohl sagen, daß eine Beeinträchtigung de» An- baue» anderer ffeldftüchte durch den Tabakbau nicht zu befurchten ist. GrofrBerHn Ämähnmgsnot und fibhilfe. FllttktionSriunenkonferenz. Die vom Frauensekretariat deS Groß-Bertiner B-zirkSverbandeS der S. P. D. einberufene Konferenz der Funttionärinnen Groß- Berlin» beschäftigte sich gestern mit unierer Wirtschaftslage unter besonderer Berücksichtigung de» Er- «ährungSwesen». Das Referat von Genvsfln Gertrud Lodahl schilderte die Wirkungen des verwüstenden Kriege« und de« unS knebelnden Friedensvertrages. Für den notwendigen Wiederaufbau sind große Hoffnungen auf die S o z i a l i f i e r u n g gesetzt worden, sie wird aber dadurch erschwert, daß wir in der Rationalversamm- lung keine sozialistische Mehrheit««langt habe«, und daß überdies die ganz« Wirtschaffslage jetzt nicht zum Sozialisieren angetan ist. So„wertlos�, wie die Unabhängigen und die Kommunisten da» SozialisierungSgesetz nennen, ist e» gewiß nicht, sonst würden bürgerliche Parteien sich nicht so sehr dagegen gewehrt haben. Aber ehe wir in großem Umfang sozialisieren können, müssen wir unsere ganze Wirtschaft auf eine andereGrund- lag« st e l l e n. Wir haben in unserem verkleinerten Baterland nur noch 30 Millionen Menichen, aber nur noch Nahrung für 40 Millionen Die überschüssigen 20 Millionen wollen wir nicht ins Ausland gehen lassen, wo jetzt dem Deutschen mit Haß und Verachtung begegnet wird. Unser Export ist erschwert, weil England und Amerika uns den Absatz- markt entzogen haben. Rur kür Chemikalien, Farben. Kalt und Düngemittel würden wir willige Abnehmer finden, wenn wir Kohlen hätten, die wir zur Produktion brauchen. Wollen wir nnS vor dem Hunger bewahren, so müssen wir schleunigst die RahrungSproduktion im eigenen Land« steigern. Deutschland bat noch viel unbebaute Ländereien, die besiedelt und fruchtbar gemacht werden könnten. Wir müssen aber auch, um dem Boden mehr Ertrag abringen zu können, mehr Düngemittel erzeugen, von denen wir dann au» ausführen könnten. Aber für die Kaltsörderung und Dllngemittelfabrikation ist und bleibt Vorbedingung dir Kohle. Einfuhr ist jetzt unerschwinglich teuer, weil uns«» Mark im Au»- land nur noch ein paar Pfennige gilt. Papiergeld baben wir ja genug, aber nicht Papiergeld ist Reichtum, sondern er steckt in unserer Arbeitskraft. D i e müßte geboben werden, doch statt dessen sehen wir einen Streik nach dem andere«! Wirtschaftlich« Gründe werden angegeben, in Wirklichkeit aber sind eS politische Streik». at. Sie findet vorau»sichtirch«nn M i t t w o ch statt. Hierüber wird noch eine Anzeige im..Vorwärts'«rfolgen. Auch da» Zähneziehen wird teurer. Wenn alle» teurer wird, könnon die Zahnärzte nicht allein zurückbloiben. Im Hinblick auf die ständig zunehmende Teuerung, die gewaltig in die Höbe gegan- genen Behälter für Assistent«, und Hilfspersonal, sowie die hohen Unkosten für Materialien find di« Zahnärzte nach einer Mitte, lung ihrer Crganisatton nicht mShr en der Lag«, ihr«, Honorarforde- rungen die veraltete Gebührenordnung von 1806 zugrunde i�u legen. Die zahnärztlichen Verein« haben daher den Beschluß gefaßt, daß für alle zahnärztlichen Leistungen«ne den Lei tum- ständen angepaßte Erhöhung der früheren Honorare Platz geeifert soll. Priefbeförderung«ach Amerika i« Februar. Im Monat Fe- brnar finden Postavgänge nach Amerika außer mit«nglischc» Dampfern fetwa zweimal wöchenrliÄ nock mit folgenden Dampfern statt: Damvfer Noordarn nach New Nor,, von Rotterdam am 13.. Postschluß in Emmerich(Auslandstelle) am 11. vormlttwS» und w Hasckupg lAuSlaudpelle) gm A sbvcks�. Dampfer Are- ketil VIII nach Äctc York, von Kopenhagen am 1?.. Postschluß in HamSur»(AuSlandstelle) am 1K. m'.ttags und in Emmerich lAuSlandstelle) am Ib.— Dampfer HollanLua noch Rio de Janeiro usw., von Amsterdam am 25., Postschluh in Emmveicd (Auslandstelle) am LS. vormittags und in Hamburg(Auslandstelle) am 21. abends. Dampfer Rotterdam nach New D o r k, von Rotterdam am 27., Postschluh in Emmreich(Auslandstelle) am 25. f vormittags und in Hamburg(AuSlandstell«) am 23. abends. f'- Vermischte Lokalnachrichten. Tie Zchuldeputation beabsichtigt, vom 1. April ab regelmäßig innerhalb der ersten 14 Taa« des halben Jahres dtirch di< Klassen- lehr er oder-lehrerinnen Wägungen und Messungen der Schulkinder vornehmen zu lassen. Die Schulen sollen zunächst mitteilen, ob lwauchbare Wagen nnd Meßstäbe vorhanden sind.— Um zu Ostern 1920 die Umschulung der Kinder, welche wegen schwachen Augenlichte» dem Unterricht nur unge- niigend folgen können, in di.« Schule für Gehschwache zu«rmög- lictM, hat die Schuldeputation«in« Sammeluntersuchung aller stark schioachsichtigen Kinder durch eine �Kommission für er- ' forderlich erachtet. Tie Direktoren sind ersucht worden, die in �«ige kommenden Kinder innerhalb 8 Kagen zu.melden.— Bei der ssirnia L u d w. L o e w e u. C o.> tzuttenstr. 17/20, wurden elf Platintiegel im- Gesamtwerte von zibka 60 000 M. gestohlen. Die ffirma hat für Wieder beschaftuna derselben ein« Be- löhnung von 3000 M. cm«gesetzt.— Die Verhandlungen zwischen dem M a g i st r a t und dem Finanzministerium über die Unterbringung der Stadtbibliothek in den Räumen deS Marstallgebäüde» sind beendet. Der Magistrat hat be- ■ schlössen, das ehemalige Marstallgebäude auf zehn Jahre zu mieten. In der städtischen tzochbauverwaltung sind bereits Pläne für den erforderlichen Umbau im Innern m Arbeit. Die Vorlage ; über die Bewilligung der Kosten dürfte binnen kurzem den Stadt- verordneten unterbreitet werden.— Ein Straßenräuber ent- ! riß in der Nähe der Zelten einem jungen Diädchen di« Handtasche ' die 300 M. enthielt. Trotz der Hilferufe der Ueberfallenen entkam » der Räuber unerkannt mit der Beute.— Nach einer Verordnung . de« RetchSwIrtfchaftSmtnister« gelten Freibezirke und Zoll. x ausschüsse tm Sinne der Ein» und Ausfuhrverbot« als außer- t balb der Grenzen de» Deutschen Reichs liegend. Postpakete nach Helgoland müssen daher künftig wie Pakete nach dem AuS- land von einer Ausfuhrerklärung begleitet sein. Nähere Auskunst erteilen die Poftanstalten.— Di« Abschnitte der Paket- karten zu Paketen aus dem unbesetzten Deutschland nach Orten kn der französischen Zone der besetzten deutschen Rheingebietr dürfen wieder zu schriftlichen Mitteilungen benutzt werden. -Im Kampf umS Recht«(S. v.). Oeffentllche Verfammlunz«Itt- > wsch'/,« Uhr in der Aula des Lyzeums, SchSneberz. Kolonnenftr. 21— SS. v®c«lc()«trttcfiirtu9. Herne stricht der Abgcordnete Woldt von t—« . und Z über das Thema: �Berufsberatung- mit Lichtbildern. 1 Angestellte d. r PoftSmerr Süd.««dost nnd Oderlpree! Heute « Ubr stricht Genois, r-onbrichter Rnden über.Da« Setriebiräteaeletz und d-e Beamten- tm MSrtischen Hof, Admtralstr. IS«. Postauiwet» legitimiert. Mariendorf-Slldende«u« der Gemeindevertretersitzuni. Zur Verstärkung der Etatpositionen für die Unterhaltung der Gebäude toerden 102 120.60 M. nachgefordert. Genosse Mewcs fordert, daß verschiedene Posten, die hier untergebracht sind, den Positionen zu» steteilt werden, denen sie der Natuc der Sache nach angehören, um ton falsches Bild entstehen zu lassen. Auch dl« Ausführung der Arbeiten in Gemeinderegie gibt unter den jetzigen Verhältnissen zu �denken Veranlassung. Besonders angpeikbar sei der Beschluß des Etat» und Finanzausschusses, nach dem vorliegende Rechnunyen sofort zu bezahlen sind, bevor die Gemeindevertretung di« Zu- stimmunjz erteilt hat. Gemeindevorsteher und Kämmerer sprechen gegen diese Ausführungen, weil nur die dringenden und not« wendigsten Arbeiten bezahlt' worden sind. Ein Antrag Hesse(BÜr- gerlich), der 20 000 M. von der Gesamtsumme abstreichen will, wird abgelehnt: ebenso der Protest der Sozialdemokraten. Die Vorlage Wirt schließlich nach den Beschlüssen deS Etat- nnd Finanzautz- ichusses angenommen. Durch einen Beschluß der Schuldeputation Schulräum«, in denen Versammlungen stattfinden, um ')/'."hr durch Ausschaltung des Lichte gekpert werden. Durch einen Irrtum des Leiter» vom Schulbureau ist dieser Beschluß zustünde gekommen. Bürgermeister Holle führt dieses darauf zurück, daß eine Verfügung de» Kohlenkommissyr» die Befeuchtung in den Gast- wirftchaften einschränken will und der. Leiter des GchulbureauS dieses auch auf dt« IchulrSnme auSgcdebnt wissen wollte. Genosse Kaphuhn weist noch darauf hin, daß die Schuldeputation lein Recht hat, ihre eigenen Beschlüsse abzuändern. Nach diesen AuSsührugen stehen die Schulräume nach wie vor zur Verfügung.— Die Er» ,«ichtung einer SchulzahnKinlk erfordert noch dem Vomnschloy an eimnaligen Ausgaben 14 500 M., an laufenden Ausgaben LS 000 M. Genosse Wakdheim regt an, mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse Mariendorf in nochmalige Verhandlungen einzutreten, um hier r in!'>10 ist das Kriegskonto der Gemeinde abgeschlossen worden.. er>). zumwmsatz betrug 48 170 000 M. Die (0.> s a llUbelastUvg der Gemeiner beträgt 1 543 363 M. Ein weiterer lnlcihebidarf von 171000 M. ist für die Zeit vom 1. Oktober 1919 bis zum 81. März 1920 gegeben. Di« Vorlage wurde angenommen. — Als Winteröerhilfe werden nach einem vom-Genossen Mi ecke u-nr.i-.nen Antrüge den hilfst edürftigen Kriegerhinwrbliebenen Beträge von je 106 M. bewilligt,, was insgesamt über 11000 M. ausmacht.— Ter Wasserprciö ivird allgemein ab 1. Januar um 10 Pf. pro Kubikmeter erhöht, jedoch darf der Berliner Satz nicht überschritten werden. Ter Kokspreis wird auf l0,t)0 M. respektive 10,70 M. pro Hektoliter erhöbt. Bisherige Vergünstigungen für Kriegsbeschädigte, Penfionäre usw. bleiben bestehen.— Auf Antrag de» KrckkrnsanSschusseZ soll Bruno Wille anläßlich seine» 60. Geburtstages geehrt werden. Der Dichter wohnt seit etwa 30 Iah» ren in Friedridi-ihagen. ES wird beschlossen, die Nesserstraße in Aöuno- Wille- Straße umzutaufen.— Wegen Uebergab« der bi»herigen kommunafen Polizei an den Staat beziehungsweise « den votizeipräfitz,«« m« Bertm Hab« sverhandliuiec? mit einem Kommissar de? Minister» ftattyestrnben. G» ist boabstchtigt, nick« nur die Polizeimanschasten zu belassen, sondern auch LO Mann SicherheitNochr nach FriedrichShagen zu verlegen. C» wird de« schlössen, Räume und Inventar dem Staate zur Einrrchtung der staatlichen Polizei zu übergeben.— Die Beseitigung de» Arbeiter- rate« als Gemeindeeinrichtung bezweckt ein Antrag der bürgerlichen Fraktion, der dabin gebt, die Gememdebeichlüsse vom 16. Mai 1919 aufzuheben, durch die oem Arbeiterrat eine Anzahl Befugnisse er- teilt worden waren. Der Antrag wird vom Gemeindevertreter S ö h r i n g(Demokrat) damit begründet, daß der Arbeiterrat in der Gemeinde nach Durchführung der Demokratisierung überflüssig sei und seit dem Mai 1919 auch nichr» Positive» gel eistet hatte. Ver- tretet Miecke(Soz.) erklärt sich namen» der Fraktion für den Antrag Söhring, beantragt aber zugleich, eine Beschwerdekommissron zu schaffen, di« au» je einem Vertreter der drei Fraktionen bestehen soll. Unter anderm verwies auch er auf die Durchft'rhrung der De- viokratlsirung in Reich, Staat und Gemernde. Als seine Partei tm Mai vorigen Jahre» noch einmal dem Bestehen deS ArbeiterrateS zugestimmt habe, hätte man die fense Hoffnung gehabt, er werde zeigen, wa» er Nützliches leisten könne. Di« Mitglieder der«. P. D im Arbeiterrat hätten-, aber nicht« über positive Leistungen des Ar- beiterrates zu berichten vermocht. Nach langer Debatte wurde gegen die Stimmen der Unabhängigen nach dem Antrage Söhring be. schlössen, die Beschlüsse vom Viai 1919 auszuheben. Damit Hort der Arbeiterrat auf, al» G« m e i nd ee i n ri ch- tung zu existieren. Ferner wurde die Einsetzung der von Miecke beantragten Beschwerdekommission beschlossen. Sie soll et- waige Beschwerden über die Verwaltung prüfen.— Die Unabhängigen gaben dann eine längere Prtesterklärung ab, worin ihr Bekenntnis zum Rätesystem zum Ausdruck kommt und den Mehr- heitSsozialiffen die Verachtung ausgesprochen wird. In der Frage der Wohnungsnot wurde nach AuSführnngen de« E0 Pf.— Ortsgruppe Lichtenberg. Heut« 7'/, Uhr bei Schul». Ftnowstr- 10: DiStuffionSabeiid über Otto Brauns �" Schrifst--------• ü m Nachgelassene Echrijien eines FrühvollendeieN'. Gäste willkommen. Lrtnrnppe Tempelhof(einschi. ÄaNenbors, Ataftenselde, Lankwitz). Heut« 7ff, Uhc tin Sännerheim«use, ttaisev-Wilhelrn-, Ecke Werberstratze: Unter« baltungSabend. Güste mlllkommeü. Ortsgruppe Neukölln. Heute 7ff, Uhr bei Gohske, Hermonnstr. 180: Z iSkussionSabend über den. lläle gedanlm'. Gäste imllkdni'men.— voriigwatde. Mittwoch Vi, Uhr bei »eydcr: Zahlabend.-- Weddtng. Mitiwoch 7 Uhr: Zusummerckunst soz. Eltern der 312. Gemeinoeschule(Barackenschnle, Eeestratzk) bei KlaaeS, Utrechter Straß« LS. Tagesordnung: Slusstellimg einer Lifte zu den Wahlen für die EUernbeiräte. � Steglid. Astiiivoch, abends 8 Uhr, VuritandSfitzimg bei Clement, Düppelstr. 8) Die Geuvsse», die i» den vorbereitenden tluSschüssen für die Aohl der Elternbeiräie der rinzelnrn Cchnien vtUreten sind, werden ge- belen. zu dieser Sitzung einen Vertreter zu entsenden. Niedervarnim. Tie nächste Kreiskönserkitz findet am Sonnabend, nachmMagS 3 Uhr, im Jugendheini. Lindeustr. 3. mi) wichtiger TaaeS» ordnung statt. Besondere Einladungen erfolgen noch, ebenso der Versand der Delegglionskarten._____ Sttüungsveranstaltungen. Steglitz. Außerordentliche Sitzung des BildungSausschitsse? Mittwoch VI, Uhr bei Clement, Düppeistraße.— Karten zum Bunten gamlltenabend am 28. Februar, adend» 8 Uhr, im Schloßpark(1,15 M.) ab Donnerstag bei den Bezlrtsführern. � �« ' Jugenöveranftaltunsen. Wedding. Das Jugendheim befindet sich ab 1. Februar in der Gemeiiideschrue Plantagcnftr. 15—18(Zimmer 17, pari.). Sämtliche im .Mmeilunasblaii" angekündigten Veranstaltungen finden daselbst statt. Heule 7 Uhr: Bortrag..Wesen und Bedeutung de? StaatsbankerottS". Steferent: Dr. Fs'b. Reinickettvon-Dst. Haute Uhr bei Rasch, Raschdorssw. 24: Wichtige Mtgliederversammmng. Wr»r«rauS>i«htcn für da» mittlere Nordveutschlaud bis Dirustaa mittag. Mild, zeitweise ausltareud, jedoch überwiegend trübe und tu: Norden, besonder? an der Küste, ziemlich zahlreiche, meist geringe Serlchtszeitung. Das Wuchergerlcht i« Potsdam. Unter rrngeheuvem Andrang de« Publikums brat am-Montag zum ersten Male da» Wucheraertcht in Potsdam unter Vorsitz de« LandgertckMirekkr? Barchewitz zusammen. Auf der An» kläaebank saßen der Kaufmann Waltsr Arnold ernS NlnvawrS, der fteun« Fritz Gvitzner und der Offizierstellvertveter Fussel- bach, beide au« Potsdam. Vorher vereidigte dtt Vorsitzende die Heiden Laienrichter. Außerdem gehören zum Gericht zwei Landrichter. Di« Anyekfegten haben tu geradezu unerhörter Weise im vergangenen"Jahre Sch letchhandel mit Vieh getrieben. In vielen Fällen haben die beiden ersten Ange- klagten da» aufgekaufte Vieb von dem mitansseklagten Offiziersbell- Vertreter unserweas beschlagnahmen lassen, um so die Bauern um ihr Geld zu bringen. Di« Verteidiger erheben Ein- Wendung gegen die Zuständigkeit der Wuchergerichte. Da? Gericht zieht sich darvushin zur Beratung zurück. ES wurde beschlossen und verkündet, da» Wuchergericht für zuständig zu erklären. BerurteAt wurden der Kellner Fritz G ritzner wegen Berruge»' ist vier Fällen in Tateinhalt mit Schleichhandel zn einem Jahr ,6 Monaten Gefängnis und zu 3000 M. Geldstrafe Walter Arnold wegen der gleichen Vergehen zu einem Jahr S Monaten GefängNt? und 3000 M. Geldstrafe der Ofsizierstellverireter wegen Beihilfe zum Betrug« in Taieinhrtt mid Schleichhandel und Anmaßung einer Amtsgewalt zu einem Jabr 6 Monaten Gefangni» und BOQ M. Geldstrafe.- � Eine recht bunte Berliner Gesellschaft zierte die Ankkagedan? der Potsdamer Gtraftammer. In der Nacht zum 20. November vorigen Jahre» wurde die DethlehemSkirche zu Nowawe? vom großen Mtarteppich bi« zur letzten AbendmablsMatr ausgeplündert. Am Bußtag« sirnd Kriminalkommissar Trettin bei der Aushebung der Gastwirtschaft Verth in der Ackerstraß- in Berlin zum Teil die gestohlenen Sachen wieder. Der große Teppich war bereits für mehrere tausend Mark an d-n Kunstmaler Max I. ver- kauft worden. Als Anstister dieses Kircheneinbruches wurde'd.c in allen VarietöS bekannte EntfesselUngSkünstler Jac ques Smttz ermittelt. Deine Komplizen waren der Matov Heinrich Klo.gmann uich der Händler Willi Borchatdt, gleiw- fallS an» Bertin Der angeklagte Smitz gab zu, den Einbruch der- übt zu haben; eigentlich sollten an dem bewußten Tage die Ar- deiterfahrräder auS einer Auftewahrung» stell« in Neu- b a b e l? h e r g'„entfesselt" werden. AIS dieser Plan mißlr z. gingen all« drei nach NowaweS und stiegen hier in die Kirch« ein. Nach einem kräftigen Schlaf gingen sie an die Arbeit und all:. was nicht niete und nagelfest war, wurde in die Altardecke gepackt. Der Anklagevertreter beantragte gegen die drei Hauptangc- klagten 3 Jahre Zuchthaus und b Jahre Ehrverl us:, gegen Veith und Kunstmaler I. 1 Jahr Gefängnis.. T Strafbrmmer verurteilre Smitz und Klogmann wegen schweren EinbruchdiebswhlS zu 2 Jahren Zuchthaus und L.Jahr�n Ehrverlust, Borchardt zu 1� Iah ren Gefängnis, Vrtrh wegen Begünstigung zu 400 M. Geldstrasc. Der Kunstin ncr tmirHe freigesprochen. flllS aller Welt. Falschmünzer. Der Buckhändler und Buchdrucker Louison in K o l m a r und ein gewisser Müller wurden von der Polizei bei der Herstellung von Fünfzigmark scheinen überrascht. Es wurden für 760 000 M. fertige Scheine aefunden. Die beiden Vrr- brecher haben bereit? für ungefähr 35 Millionen Mark falsche Banknoten hergestellt und in den Verkehr gebracht. verzweiflaag. Einer Frau Köhler in Oepitz bei Pößneck in Thüringen wurden ihre wenigen Lebensmittel gestohlen. In der Aufregung sprang die Fkau in den Dorfteich. Sie wurde zwar gerettet, starb aber an der Erkältung. Der Schneider von Wolfhage«. DaS Gaswerk von Wolfhqgcn. bei Kassel hatte vtrschiedenen.Ortsbewohnern, darunter einnVi biederey Schneidermeister, wegen Ueberschreilung der Gasration die Zufuhr gesperrt. Daraufhin' rief der Meister seine Gesellen Uno feinen Lehrling zusammen, packte die Nähmaschine auf einen Wagen und befestigte' an der Maschine ein Schild, dessen Aufschrift allg: meines Aufsehen in dem sonst demonstrationslosen Städtchen erregte; Sprechstunden von jetzt ab im Ratha«?! Der Zug ging zum Rathaus, der Meister belegte dort ohne Fackeln ein belenchtcteS Zimmer und begann zu arbeiten... Deutsche al» Wahlkandidaten in Australien. Im«mftvaKschvn Distrikt Eulcaivn-herrschr große Arrfvogung, weil zwetDeutsche, die während des KviageS interniert" waren, jetzt ftsir den Distriktsrat kanbidieven und wahrscheinlich gewählt werden-, Gsne Anzahl demobilisierter Soldaten dvofi). dieses gewaltsam zu verhindern, aber die in dem Bezirk leckenÄen Deutschen erklären.. wenn nötig«in« Leibwache vtm 2S0 Mann bilden zu wollm, un: ihre Landslrtit«, wenn sie gewählt wertem sollte� zu schützen. Rezcustille. 6rtef?oftcn der �eSaktion. Heber che ben Brieftrtten bestimmten Ankeaeie fstge mm.eine» vnKst-.ben und ein« Rümmer bei. Brietlilbe Ausknnfl wird nicht erteilt. Siüze A.> fraaen tkene man in der Iurütifche» Sprechstunde, Lindenstk. e, 1. Set»an teere link», vor. Schcittlwcke und Vertriistc stob miizubringen. »1. S7. 1. Vellevuestr. 7. 2. Relchebund der KriestSbeschädigt«'.. N 24, IohanniSstr. 14/15.— 91. B. v 3. Wenden Sie sich umgehend un den Bund für Mutterschutz, Berlin-Wilmersdorf, Uhlandstr. 143.— U. S.;>u Z. W. 0fc>. Jlwe Bedeuten teilen wir nicht, urüssen Ihnen aber!?!?, Entschddung überlassen-- M. fs.!t0. i. Nein 2. weben Sie eine eni- sprechende Erklärung den: StaiibesSeamien gegenüber ab. Die Mutter de-. Kinde»»md dieses selbst Häven ihre Einwilligung zugeben. Die Ii:::... schristen müssen gertchtltch.oder notariell beglaubigt werden.— H. S8. ttnr Aufrechming sind Ei« mrr dann berechtigt, wenn der Mietvertrag sie nutz verbietet.»— H. H. 36. Ihr Mitdewohner hat keinen Anspruch aus l..• iSrundstück.— G. D. 258. 1. Ja, ivenn 60 Letttäge einrichtet sün. 2. Nein.— 77. B. AI. 1.«. 8. Nein. 2. Vormundschastsgertcht- Wk, ch. 79. Nein-—.?)rcit(iitt)iu\ Von 16 Jahrerr an.— SB. g. 1«. öa.— Ü. SV. IIT1.(Xn, lt. Gewerbeordnung.— Hagnau. Ja, wenn die Gemeinde ans Grund des ß 9 der WohtmngSmangelverordnuug eine Anordnung erlassen ist oder wird.— Sirchcufieuer 19SJ0. Legen Einfmuch ein.—»st. 10. Rekurs an das Reichsmilitärvertargungigero r — G. ch. 31. U. iL. nein.— P. W.«28. Beinjung tft nicht znlSsi Besprechen Sie die Sache mit Ihrem Anwalt.— A. B. 13. Ja, we.ü: Sie zu den im S l3Sa Kew.-Ordn. bezeichneten Personen gehören.— Glück auf. Unier umstünden ja, wenden Sie iiai nj: das BorniUtidjchaitSA: i. � — Paul. 1. Legen Sie dem Steuererhebcr den Bescheid der I'.cuertalfi vor. L.Ja.— G. tl. 85.'' Ihre Tochlcc f a»i u eine Abfindung erhalten, einen Anspruch daraus Hai Sic aber nicht. Wenden Sie sich an die OrtSbehörde.— G. 37. Nein.— P. BZ. 80. Nein.— L.«.«1. Sie dürsten haltbar sein.— eger. übet die Anordnung zurückgenommen werden. Ihre Frage ist beretis br- antwortet worden.— Str. 106. Wenden Sie sich an die Bersorgung stelle in der General. Pap e-Sirahe.(Bezirislommando.)— Srrc.itirr Str. 51. Warten Sie zunächst die Verösienllichnng der prozentualen Zu- schlage ab. H. 35. Nein, warten Sie die weiteren Bekanntmachnnge» ab.— C. H. 31. Sie müssen zunächst die Betanntgab« der Zuschläge abwerten. O. Äch. 145. Rein.— O. 8. 35, 1. und 3. Nein. 2. Ja.— ffl. R. Ja, nach Matzeabe der Gebahrenverordnung iür Zeugen und Sachverständige.— R. W. 87. Rein, gehen Sie»um Mieteini!' nngo- amt.— S?i.<&. 83. 1. Der Magistrat rann die Kosken>•;.; lange». 2. Nsiht bekannt.— H.®. 17SS< 1. und 2. Ja muth 76. Darüber geben die Satzungen der ttrankenka Äst. 33. Die Veröffentlichung der Verkaussstellen soll c.......... folge«. Die Stellen waren her Rott, nicht«ngejügt. Opernhaas. Violetta. Anfang 7 Uhr. Schanspielhans. Friedrich der Große. I. Teil: JDcr Kronprinz. Anfang 6'/, Uhr. Direktion Max Reinhardt Ueutsnhe« Theater. i'/x Uhr; Onü Pippa(anzt. tit.w7,/>: D. Sendung Semaels. Kaxumeraplele. ■ Uhr: Aövent. Mittw.TVt: Ocspenstertonafe. !>p. SchauHpiellmnn Karlstraße. IV,: Hamlet(44. A,, I.A.) llitvr. 71/,: Hamlet(45. A. i.A.) Theater 1. d. iSniggrätzerStraße AS U.: ScbloB Wettcratein Hittw.: SchloC Wetterstein Sonst: ScbtoB Wetterstein KomOdlenhaDS l/z8 Uhr: Das lusttntcnklnd. Mittwoch; Sie. Donnstg.; Das lostaazcnklnd. Freitag: Sie» Berliner Theater UsUhr: Uninmel- _ Stnttenten Oentral-Tb eater /tu.: Fräulein Pnch. Dentachea Opernhana i uhr: Bäosel uDd Creiel. Hierauf: Tünte. Die Tribüne %u.: Franziska. Eden-Theater p/4 u.Jelenens Ehemänner. PpIedr.-WHhelmat.Th. i1/, uhr.• SJoheit der Dieb. Kleines Theater. [ji?r: Die PlarrliaDSkoniödie. Kl. füchaasplelhans. pa u.s Die nnberührte Frau Komische Oper f.2o u.: Dicbterliebe. huatspielhana Arnold Rleck in: �DerCroßsiadt-Raraller itetropol-Theater. 1 Uhr: Sybilt henes Opcrettenhnaa. 17, u.: Die kleine Bobeil UchUler-Theat. CUarl. i Uhr: Wilhelm Teil. w,uhr!¥ieilirniBinn!ebls XhnUa-Thcater py.u.t Die narrisebe Liebe Tb. am X oUendorfplatc 77« Uhr: JPcrMrrafefZeRfe Theater des Westena P/4 u.: Die Frau ImBermeiin Wallner-Theater Einp Ballnacht. Walhalla.Th eater. jh'= Csärdäsfflrstln. Elesidenz- Theater. Täglich 77, Uhr: Evclien Hiimlireotit, Mittwoch 4 Uhr, kleine Pr.t Kotküppchen. Trianon-Theater. Täglich 71/, Uhr: Femina. Lostsplel Ton C.?• Rossem und J. Soesttnanu. Mittwoch 4: Mix und Moritz. Rose-Theater. 7»A Uhr: Seine zweite Fran. Castno- Theater lotbringerstr.3}. Tägl.7«SU. i Letzter Monat--' seit November, auf eführt I Schniepels Lene Der Schlager aller Possen. s'eue Februar- Spczlalltäiep. lonntag 37,: Die Wunderkur. Unter d. Liniien 22/23 1 Dir. M. S o I i m a n 1 Uraeftfibruiagen 2 Sensationelles Detektivschauspiel in 4 Akten gespielt t. ersten Kräiten. 0. Drama in 4 Akten. Hauptrolle: Erra Bognar Bruno Eichgrün Volksbühne Theater am BDiowplatz. 77.: Göiz fob Bepilcliingen. Mittw.: Oer Llebestrank. (Jirsusllnsch Heute sowie tägl. 7V, Uhr: Bens Feb�.-Ejzezisliiäle!! U. a.: A vrdanis. ? Uhr:„Aphroipte�. >.W!iig-Itisslef. Oi«ktIou: Victoi garnowsk>. 77. Uhr: Pygmalion. Mtftt'.vocb T1/«' Pyjä�nalloii. Donnerstag 774: Dentsebes KünsflEr-Tbüter Allahendlich 77,: Die Harplse von Ärcls, (Konsfantin, Scrvaes, Straß ---- Wirt, Veidt). SehaU!i.Statteh Im Großen Schauspielhaus Karlstr., Scfalffbauerdamm. •Jnssy Holl Mady Cbrisilans Paul Graetz Hiins Hcinr.v.Twardowski Frledr. Hollaender Orgu Doelk Hubert voa Mcycrlnck Olli Suslab ti Kartkaturcuilini T.WrtlterTrier Eröffnung?>/,, Beginn 87, v. 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Bewerbungen mit kurzem Lebeuslttuf sowie bisheriger Parteitätigkttit bis 10. Februar 1920 an 0. Kahl, Königsberg i. Fr., Vorder-Boß- garten 61/62. 226/7» I Der Streik 6er Schlotbarone. Durch WTB. werden die Einzelergcbnifse bei der Zeich- nung der Sparprämienanleihe bekanntgegeben. Dabei stellt sich heraus, daß die Zeichnung in den einzelnen Teilen de? Reiches eine sehr ungleich nräßige war. Der of ziöse Kommentar schiebt das darauf, daß namentlich die besetzten Gebiete mit der Zeichnung sehr zurückgehalten hätten. Diese Erklärung genügt der alldeutschen Presse nicht, sie spricht von einem offiziösen Vertufchungsversuch, der das niedrige Resultat bemänteln solle. Run Wohl, dann muß hier offen ausgesprochen werden, daß die offizielle Erklärung dcS niedrigen Zcichnungsergebnisses in gewissen Gebieten noch viel zu milde ist. In Wirk- lichkcit liegt cjwas ganz anderes vor: die Schwer- industrie hat aus politischen Gründen die Anleihe sabotiert. In ganz Rheinland und Westfalen wurden nur 300 Millionen gezeichnet gegen 2'/« Milliarden bttf der letzten il riegSanleihe, also noch nicht einmal der siebente Teil. Für die Hauptzentren der Schwerindustrie wird das Ergebnis noch ungünstiger: Düsseldorf brachte nur 9 Prozent dessen auf, was in der gleichen Stadt für die 9. Kriegsanleihe gezeichnet wurde, und Essen, der Sitz der Firma Krupp. zeichnete gar nur 6 Prozent des letzten Kriegsanleihcertrages. Dabei liegen weder Düsseldorf noch Essen im besetzten Gebiet. Dagegen zeichnete die wirklich besetzte bayerische Pfalz immerhin 33 Proz. des letzten Kriegsanleihcbetrages. Gewiß hatte die Industrie in den letzten Monaten einen starken Kapitalsbedarf aufzuweisen, der das ZeichnungS- ergebniS ungünstig beeinflussen mußte. Aber immerhin konnten doch Hamburg 42 Proz., Frankfurt 50 Proz./ Berlin 53 Proz., München gar 65 Proz. ihres letzten Kriegsanleihe- betrages aufbringen. DaS rechtsrheinische Bayern insgesamt zeichnete sogar 75 Proz. Dagegen nehmen sich die 9 Prozent Düsieldorfs und die 6 Prozent Essens mehr a!S eigenlümlick aus. Hier haben doch andere Gründe vorgelegen. Diese Gründe sind zweifel- los in der politischen Gegnerschaft der Schwer- industrie gegen die jetzige Regierung zu suchen. Die Herren Großindustriellen haben gestreikt, ohne sich irgendwie für das Wohl der Allgemein- heit zu interessieren. Um so stärker erwächst daraus der Re- gierung die Pflicht, diese Widerspenstigen zwangsweise zu den Lasten des Staates heranzuziehen. Streikzusammenbruch. (Eigener Drahtbericht de».Vorwärts'.) In Lugau-Oelsuitzer Revier dürfte heute oder morgen die völlige Wirderaufnahme der Arbeit von feiten der Bergarbeiter erfolge». tWer Streik ist vollständig zu- fasmengebrochen Da» befürchtete Ucbergreisrn des Streiks auf das Z w i ck a u r r Revier ist nicht erfolgt. Tarkfverhanülungea kn öer sächsischen Latlüwirtfthast. (Eigenbericht des.Vorwärts'.) In der sächsischen Landarbciterirage finden augenblicklich Ver« Handlungen im Dresdener Arbeit« Ministerium wegen eines neu abzuschließenden T a r i f v e r tr a g e S statt. Der alle Vertrag war am Zt. Januar abgelaufen. Die beiden Parteien haben sich jedoch damit einverstanden erklärt, daß vorerst nach dem alten Tarifvertrag weiteq gearbeitet wird. In den Verhandlungen über den neuen Vertrag ist eine ziemliche Einstimmigkeit in fast allen Fragen bi» auf die Lohnfrage erzielt. Die Arbeit« n-hmcr sind bereit, den Arbeitgebern entgegenzukommen und etwas von ihren ursprünglichen Forderungen abzulassen, verlangen aber daiür die Wiedereinführung dcS Deputat». Die Arbeit- geber wollen höhere Löhne bewilligen, hierfür aber Garantien, daß die Preise der landwirtschaftlichen Produkte mit den dadurch entstehenden Mehrunkvsten in Einklang ge- bracht werden. Seide Parteien sind sich darüber einig, daß alles getan werden»ruß, um Ausstände zu vermeiden, da Streiks in der Landwirtschaft im jetzigen Moment den Zusammen« druch Deutschlands bedeuten würden. Der sächsische Arbeits« minister ist der-Ansicht, daß eine Einigung in den nächsten Tagen e r s o l gt._ Ein«.proletarischer"' Diktator. Eisetlreich ist ein gelernter. Schlosser, und zwar ein sehr geschickter. So geschickt, daß er spielend Schlösset und Mansarden öffnen konnte, als ihm das ehrliche. Schlosserhändtvc rk nicht mehr zusagte. Das tat er erst dann, als aiurrchistisch.syndiialisjische Ideen sein Denken und Fühlen gäirzlich beherrschten, i-ein Fanatismus war damals derart, daß er sich mst keinem Mü- «rbener vertragen konnte. Ei» Gericht schickte ihn wegen Ein-. druchdiebstahls auf 6 Jahre ins Zuchthaus. Dadurch'b/stte. er das Privileg erworben(anbete� erwarben es durch iNetlamaiionl, von der Toit nähme am-Krieg verschont zu sein. AI' die Revolur.on ausbrach, arbeitet« er in Offenbach.. Die politischen Wellen wirkten unheilvoll auf seinen Geisteszustand. Er gründete eine besondere kommunistische Partei'in Ossenidach und hatte den Er« folg, nickst allein das Z u h ä ltert'u m, sondern auch einen Wilhelmsplatz in Ofstu mtz gehörig auf und dun» giugL zum Sturm' auf die Kaserne, de« Sin de» Avbeiterratt. Statt den verrückten Eiscnneich und jene paar Zuhälter und Zuchthäusler dort zu verhaften, ließ man ox Gesellschaft gewähren. Zehn Minuten danach lagen im Kasernen-. iwf und auf der Slvaße 12 blutige Männerleichname, darunter auch gänzlich unschuldig« Leute. Im Kasernenhof lag 'erner eine.KommunEfin in TodeDznckungen. Einige Verwundete sind-m Laufe her nächsten Tage gestochen-."- Zas Sch-vurgeriche in Dann stadt schichte Eis«streich auf 8 Jahre und fernen Kumpan Ba�ch auf 6 Jähre ins Zuchchau». Ter mit« angeklagte Bockhardt erhielt ö Jähre Gefängnis. Diese drei Vor- vrte-.It« habe« das Rechtsmittel der Revision ans Reichsgericht «griffen, das aber die Revision als unbegründet verwarf, lpnter- essant ist die Begründung Eisenreich». Er will nämlich durch Hypnose und �Telepathie durch eine andere Person u» j«w»u-chnng.u-' gt.;»ii r.jjen worden sein. So sieht der- Mann au?, der die Schtazwootc der U. S. P. nnd-K. P. T. praktisch auszunutzen versuchte. Kommunistische Selbstkritik. Hauswurste, Geschästshuber und Phantasten. Rückschlüsse auf die Zustände im kommunistischen Lager läßt ein kommunistisches Flugblatt zu, das von unserem Frankfurter Parteiblatt zum Abdruck gebracht wird, lieber die Frankfurter Kommunistenführer Hammer, König und Sauer wird da allerhand Erbauliches berichtet, wie z. B.: .Er(König) bezog sein Gehalt und versteckte sich feige vor den Bütteln der Reaktion: er getraute sich nicht einmal, auch nur eine Zeile für die.Rote Fahne zu schreiben, so groß war seine Angst. Pfui Teufel, über solche Revolutto- närel" Weiter wird in dem Flugblatt festgestellt, daß der stuau- ziellc Zusammenbruch der Frankfurter Komtnunistenzeitung ausschließlich auf daS Verschulden der drei erwähnten»Re- volutionäre" zurückzuführen fei, die als.politische Hanswurste, Geschästshuber und Phantasten" bezeichnet werden. Eine ähnlich scharfe Selbstkritik wäre auch bei den U n- abhängigen angebracht, an die sich gleichsfalls eine bunte Schar von Abenteurern herangemacht hat. In der Stadt- verordnctenversammlüng von MörS hat kürzlich der Führer der Unabhängigen Dr. Gabriel als einziger gegen einen Protest gestimmt, der sich gegen die Beschimpfung eines deutschen Be- amten durch die belgische Besatzungsbehörde richtete. Ueber diesen unabhängigen Erzengel weiß nun die»Soz. Korr." folgendes zu erzählen: Dr. Gabriel war ursprünglich Katholik und wurde dann Protestant, um eine Redakteurstelle an dem konservativen .Grafschaftler" in MörS zu erhatten. Dort hat er stets gegen die Sozialdemokratie gehetzt, de« unbeschränkte« Unterseebootkrieg verherrlicht und die wildesten Amiexionswünsche»ertreten. Lei der Nachricht von der Abdankung Wilhelms II. ist er in Tränen ausgebrochen. Vor der Stadtverordnetenwahl in MörS bemühte er sich bei der D e m o k r a t i s ch e n Partei um eine Kandidatur. Daraufhin entließ ihn der Verleger des.Grafschaftler", und nun wurde er Mitglied, Redner, Flugblattschreiber und Siadtverordneter der U. S. P. Das sind schon die rechten Lertte, um die Sozialdemo- kratio»auS prinzipiellen Gründen" zu bekämpfen! vor öem Kestel-prozest. Die Anklage gegen den Oberleutnant von Kessel wird am 6. d. M. vor dem Kriegsgericht der Ahwicklungsstelle des 4. Garde- Regiments stattfinden. Die Anklage lautet, wie schon mitgeteilt auf Meineid, B e ihi lfe.zur Flucht des Oberleutnants Mar- loh und Herausforderung des Pfarrers R n m p zum Zwei- k am v f. Der Anklage wegen Meineides liegt Folgendes zugrunde: Als Oberleutnant Marloh flüchtig geworden war, nahm Kriegs- gerichtSrat Dr. Mayer uinsongneiche Zeuymvornchamnym vor; v. Kessel wurde am 6. Juni vernoMnen und vereidigt. Ihm wird vorgeworfen, daß er folgende unwahr« Tatsache« beschworen x habe: er habe nicht gewußt, daß eine Verlhaftung Marloh s bevor- stand und habe deshalb MarWH auch in keiner Weise gewarnt; er wisse nicht, wo Marloh sich am 1. Juni aufgehalten habe, nachdem er sein« Wohnung verlassen hatte. Er harte weiterhin bekundet, daß er keine Fingerzeige über den Verbleib Mar» lohs geben könne und sich auch gar nicht erklären könne, wie Marloh kurz vor dem Erscheinen des KriegsgerichtSratS habe v« e- schwinden können,,- Schließlich ihat er ausgesagt, daß Marloh seines Erachten» an Berfa lgungswahnsinn leide und ein etwas konfus ge» haltener Brief Marloys nach seiner Ueberzeugung nicht simuliert und zum Zwecke der Täuschung geschrieben worden sei. Alle diese Bekundungen sollen nach der Behauptung der An- klage wissentlich falsch von dem Angeklagten unter seinem Eide gemacht worden sein. In Wirklichkeit soll er, wie ja auch schon im Marloh Prozeß eingehend erörtert worden ist, derjenige gewesen sein, der � aus patriotischen Gründen Marloh zur Flucht vovanlaßt und dessen lebhafte» Widorstand gegen den Fluchtgsdanke« schließ- llch zu überwinden gewußt hat. Die Einzelheiten der auf das Verschwinden MarlohS gerich- teteu Unterredungen in der Wohnung dos Pfarrers Rump in der Perleberger Straße sind in dem Marlohprozetz Gegenstand der lebhaftesten Erörterungen gewesen und haben, wie noch er« innerlich sein wird, zu heftigen Zusammenstößen geführt. Auf Betreiben v. Kessels soll Marloh auch ein vordatiertes Ur- laubSgesuch, daß der Angeklagte siizziert hatte, geschrieben und darin eine Form gewählt haben, die den Anschein erwecken sollte, daß es sich um das Schreiben eines an PerfolgungSwahnideen leidenden Mannes handle. ES wird behauptet, daß damit der Zweck verfolgt worden sei, Herrn KriegSgerichtSrat Dr. Mayer zu der Meinung zu bringen, daß Marloh g e i ft e S v e r w i r r t in der Stadt umherirre und auf diese Weise den Erlaß eines Steckbriefe? z« hintertreiben. Marloh ist dann, wie bekannt, mit Geld und falschen Papieren ausgerüstet, am Abend des 2. Juni abgereist und in Frank- furt a. M. festgenommen worden. Die Anklage hält den Angeklagten v. Kel-fel für überführt, sich der Anstiftung zur unerlaubten Entfer« nung im Sinne de» Z 115 M.St.G.Ä. schuldig und, da er sein« Mitwirkung unter seinem Eide bestritten hat, sich des Mein- e i d S schuldig gemacht zu haben. Marloh ist bekanntlich seinerzeit von der Anklage de? Totschlages freigesprochen und nur wegen unerlaubter E n t f e r n u n g und Benutzung falscher Legitimarionspapiere verurteilt worden Da in letzterer Beziehung somit nur eine tiebertretung nach§ SöS St. G.B. in Frage steht, kann eine Bestrafung von Kessels wegen Beschaffung der falschen Urkunden aus Gründen der Verjährung nicht eintreten. Die Herausforderung zum Zweikampf hat v. Kessel an den Pfarrer Rump stiegen persönlicher schwerer Beleidigungen, durch zwei Leutnants ergehen lasse». Pfarrer Rump hatte iedoch den Zweikampf von vornherein a b g e l e b u t. Die Verhandlung wird .unter Porfitz de? ÄriegSgeriäusrat Ehrhardt vor sich gehen, die Anklage'ist vom KriegSgerichtsrat Dr. II II mann erhohen, die Verteidigung v. Kessels hat Rechtsanwalt Dr. Alsberg übernommen, linier den zu vernehmenden Zeugen befinden sich Dberlerltnanr Marloh, Pfarrer Rump, KriegSgerichtsrat Dr. Mager, iChcrleutnatU Huf mann, Leutnant W e b m e y e r. Rechtsanwalt Kilash uich mehrere Offiziere und Kriminal- beachte._ der Eiü auf üie Republik. Aus� Lberlehrerkreisen wird-uns geschrieben: T-c.Kuhtvsmin-.iker Harnisch hat vor einiger Zeit einen Er. laß über die Vereidigung der Lehrer an öffentlichen Schulen herauSgc geben. In ihm wird ongeoudnet, daß dies« Vereidigung auf die Reichsverfassung tunlichst vor versammelter Schulge- rncinfce vorzunehmen sei. Diese Bestimmmtg über die Form der Eidesleistung war Hut. Sie war geeignet, der Schuljugend'recht eiüdri.'lgl'ch vorzuführen, daß unser Staatswesen mm mm Form erhalt n hat, daß der Lehrkörper ntturneyr amtlich verpflichtet ist, dem Staate in femee repMidrnischen �orm zu dienen, daß Verherrlichung der Monarchie und Verunglimpfung der Republik sowie Duvurny von DsuwulfftuKm«« gegen tHe se�kge SEaaäSstscm fax der Schule ottieA Bruch dcS in feierlichster Favm geleiststen EideL bedeutet. Wer kennt d« Mattster unsere Roakiimn noch immer ivcht?i Wie um alles im der Weilt konnte er fernst die verhänMt isvolle Ein. schvänkung.tunlichst" inachen! DisseS.tunlichst" hat zur Folge gehabt, daß man sich am die Besolgung des Erlasses gedrückt' hat. Reakttonäre Lehrkörper u-üd Direkwvon der höheren Schulen haben in dem Zusätze einen ebenso bequemen wie willkourmeueii Auswog goftltlden, mn dem ihnen peinlichen Akte zu entgehen. An billigen Ausreden. hat eL. dabei ittcht gefehlt. Hier hat die Kohlennot herhalten müssen: man könne doch nicht eigens«inen Raum heizen. Als üb die kurze Handlung nicht zur. Rat auch in ungehoiztem Ranme hätte vovge- ncnstmen werden können. Dort bat:nan ge-fundxn. daß die Etded» loiftnmg vor den Schülern und Schuilermnen lächerlich w.irksi« würde. Wie das? Würde etwa manchmal das tatsächliche fite.'» halten des SchwSvsirden in gar zu krassem Widerspruche zu dem Inhalte des Eides gestanden haben? Man sieht wirklich nicht, stxie fünft die feierliche Handlung hätte lächerlich wirken können. Daß diese und ähnliche Voowände Dinge find, die der Minister ganz gewiß nicht im Auge gehabt hat, als er„tunlichst" sagte, weiß die Reaktion' natürlich Aber was tut«S? Man benutzt, was sich bietet, um sich seinen unbequemen Anweifiungen entziohem zu können., Wo bleiben Sie Oeamtenräte? Unter der Beamtenschaft schwirren alleviioi nnvettbürg!« Gerüchte herinn, daß von ganz bestimmter Seite die Vorlegung. des Gesetzes über die Beamtenräte; hinauszögert,' wenn nicht verhindert werden soll. Auch mmmt eS wunder, daß von dem neuen Beamtenrecht noch nichts zu hören ist. ES ist uu- erträglich daß noch heute die Beamten unter den schikanösen Disziplinarbestimmungen- einer verknöcherten Bureau« kratie schmachten muß.' Um eine Klärmrg der Lage herbeizufichren, hat der Abg. Ge« nosse S t e i n k o p f folgende kleine Anfrage« an die Re-lchsregierung gerichtet: 1. Ist die Reichsregierung bereit, darüber Auskunft zu geben, wann die Vorlegung des Entwurfs zu einem Gesetz über die Beamtenräte zu erwarten steht? Man sagt, daß der Referenten- entwurf für dieses Gesetz bereits seit Wochen fertig gestellt ist, ohne jedoch bis jetzt irgendwelche Forderung erfahren zu haben. st. Ist die Reichsregierung bereit, über folgendes Auskunft zu geben: a)� Wieweit find die Arbeiten für das ne«e Beamte«- gesetz, insbesondere für die Disziplinarbestimmunge» vorge- schritten? d) Gedenft die Reichsregierung diesen Gesetzentwurf»och den Nationalversammlung zur Verabschiedung vorzulegen? c) Ist-die Reichsregierung bereit, falls die Nattonalversamm» lung für die Verabschiedung des envähuten Gesetzentwurfes nicht: mehr in Frage kommt, möglichst bald den Entwurf einer Novelle zum Reichsbeamtengesetz vom 31. März 1873 vorzulegen durch den die'härtesten Bestimmungen dieses Gesetzes de« neuzeitliche« Anschauungen angepaßt werden? Ms öem Steuerausschuß öer Uationalverfammlung' In der fortgesetzten Beratung deS KapitalerttagSstcuergesetzes wurde ein Antrag Keil(Soz.) angeuommeu, der Stiftungen, An- stalten und Vereine für Kriegsbeschädigten» und Hinterbliebenenfürsorge von der Sreuer ausnimmt und serner ein Antrag Rieh er(Dem.), der die gleiche Befreiung für Hochschulen und deren Stismngen sowie für gemeinnützige Sitslungeu und Anstalten im allgemeinen ausspricht. Bbgelehnt wurde mit den Stimmen der Sozialdemokraten und Demotraten ein Antrag Dühringer(Dnat.), der die gleiche Aefreiung für die Kirchen und religiösen Gemeinichaften festlegen wollte. Im§ 3 de» Gesetzes waren Steuerbefreiungen für gewisse Wertpapiere der Hypotheken- banken vorgesehen. Der Ausschuß lehnte si�mit großer Mehrheit ab. Bei der Festsetzung der S t e n e r h ö h e— die©teuer soll 10 Proz. des Kapitalertrages erfassen— regte Abg. Braun- Franken(Soz.) eine unterschiedliche Besteuerung zwischen den hoch- verzinslichen Dividendenpapieren, die vielfach SpekiilationSpaviere sind, auf der einen Seite und den festverzinslichen Papieren auf der anderen Seite an. NnterstaalSfekrelär M o e s l e hielt den Weg nicht für gangbar, weil die besonderen Gewinne au« deir hohen Dividendenpapieren schon stark durch die Einkommensteuer ersaßt werden, und weil die Unterscheidung zwischen hoch und normal verzinsten Papieren mehr schwierig sein werde. Abg. D e rn b u r g-(Dem.) befürchtet, daß im Falle der Annahme de» Antrages Braun die deutsche Industrie keinen Kredit mehr haben werde� Die Steuer wurde nach der Regierungsvorlage auf 10 Proz. iür alle unter das Gesetz fallenden Kapitalerirägtiisse festgesetzt.-Die Kommission erklärte sich mit dem Antrage Dernburg einverstanden, der die Formulierung der SteuerenirichtungSvorschriften im ein« zelnen dem Reichsfinanzminister überläßt. Einige strittige Punkte wurden in eine Unterkommisflon ver« wiesen, in die als Vertreier unserer Partei die Klbgeordneten Keil und Braun- Franken entsandt wurden. klewe polMsche Nachrichten. LuciuS, der Belschewist. Wie das„Berliner Tageblatt" mit- zuteilen weiß, hat di«.italienische Regierung gegen die Entsendung des Herrn v. Lucius nach Rom auf inoffiziellem Wege Bedenken erhoben. Sie stützen sich, wie es heißt, aus«ine Denunziation von dritter, n-ichkitalienischer Seite, nach der Herr v. LuciuS. bisher Ge* sandte r in Stockholm, bolschewistischer Neigungen' verdächtig sein soll Noch einer gewissen Auffassung-gibt«s eben nur zwei Sorten von Deutschen: Militaristen und Bolschetviskm. Geht es nach ihr, so ist schwer zu sagen, wer das Deutsche Reich ü6«ha,ipt«och" im Auslande vertreten kann. Erzberger gegen Diisterberg. Major Düsterberg hat in einem u. a. in der.Kreuzzeitung" vom 24, Januar 1920, Nr. 44(Abend« ausgäbe) mite? der Ueberfchrift„Ter erbrochene, Brief" nvchgedruck« ten Artikel in der„Hallefchcn Zeitung" behauptet, ein von ihm an den Kriegsmini ft er„persönlich" gorichteter Bericht sei in dem Bu rea il ,E r zb�rg e r, Berlin, Budapester Straße 14, geöffnet und Von demselben eine- A b sch r r ft sür Ministes Erzborger hergestellt worden. Aus Anlaß dieser Behauptung hat Rekfisfinanzminister Erzberger gegen Major Tüstcrberg Straf« an trag wegen Beleidigung gestelli. Ehrliche Feinde siireinander. Laut„Algemeeu HandessZblrd" schreibt der britische General Jan Hamilton an die„T i m e s" zu einem Gerücht, daß der Name des deutschen Marschalls I i m a u von Sander? auf der A u» l i« f e r u ng s l i st« stehe: Er ei überzeugt, im Namen aller Truppen, die an den Dardanellen gekämpft haben, zu sprechenl wenn- er den Wunsch zum Ausdruck bringe, daß Limanvon Sa uderS nicht vor Gericht ge« zogen werde, Simon von Sanders sei ein ehrlicher G c g- n e r gewesen und habe nie die britischen Sammelplätze oder' Hospitalschiffc mit Bomben bewerfen lassen. General Hamilton appelliert an daS britische Publikum, darauf zu dringe'!, daß man Liviau von SanderS nichj behellige. Die Danziger Schichauwerft ist Montag mittag geschlossen worden. Wie die Blätter melden, sammelte sich vor dem Direktion�- AebHld« eine große Anzahl Akbeiler a.n. um getoaltsam' Z u qe- st ä n d n i s s e von der Direktion ztl-erlangen. Horbeigäruseas Sicherheitstvehr besetzte die Werftgebäude»ntz stellte die Ruhe wieder her, / GewerWiMewMng Generalversammlung öer Netallarbeiter. In der am Sonntag stattgefundenen Generalversammlung der Metallarbeiter wendete sich Rusch gegen das Verbot der Presse. insbesondere der„�reihen'', wobei er in gewohnter Weise den „Vorwärts" angriff. Der Redner meinte, man müsse in den einzelnen Betrieben Stellung dazu nehmen, um Material zu sammeln, welches den masigebendxn Stellen vorgelegt werden soll. Z i S k a ersialtete Bericht der VerhandlungSkommilsion. Diese Ver- Handlungen baben folgendes Ergebnis gezeitigt: Schichtzulage für jeden beschäftigten Arbeiter pro Woche 6 M.. bei Verheirateten für die Frau pro Woche L M., für jedes Sdind unter Ii Jahren pro Woche 6 M. leheliche oder voreheliche Kinder werden gleich behandelt). Tariferhöhung für Männliche: Einstellunoslobn und Akkordbasis Li) Pf. pro Stunde. A r b e i t e r i n iz e n 6 M. Schichtzulage: Tarih erhöhung für Cinstellungslobn und Akkordbasis 20 Pf. pro Stunde. Fugendliche i M. Schichtzulage: Tariferhöhung für männliche und weibliche von Ii— IS Jahren 1» Pf., 16—18 Jahren IS Pf. pro Stunde. Lehrlinge erhalten nichts. Die Schichtzulage(6 M. resp. 3 und i M.) ist ein Bestandteil des Lohnes und wird nur für die wirklich geleistete Scbicht gezahlt. Bei durch Streik oder Demonstration unterbrochener Schicht wird die Zulage nicht gewährt. Wenn mit Zustimmung des Arbeid gebers hie Schicht nicht voll gearbeitet wird, soll die'Schichtzulage voll gewährt werden. Auf die im Schiedsspruch vom 2. November 1S19 für die Glühlampenarbeiterinnen vorgesehenen Löhne findet die Erhöhung der Alkordbasis sinngemäße Anwendung. Bisher lvurde gezahlt: 1,76 M., jetzt 1,96 M.; l,S6 M., jetzt 1.76 M. Die Kontrolle über die Umlage der von den Arbeitgebern gezahlten Ktnderzulage wird dem Hauptausschub übertrage«. Die Vereinbarung tritt mit dem Tage der beiderseitigen Zu- stimmung in Kraft. Die Frage der Regelung> der Arbeitszeit wird einem uu- parteiischen Schiedsgericht überwiesen. Ziska betonte, die M e t a l l i n d u st r i e l l e n stützten sich zum Teil darauf, daß in den Reichs- und Staatsbetrieben die i8-Itunden- arbeitszeit durchgeführt werde.' Die Teuerungszulage habe als ein Bestandteil des Lohnes.zu gelten; die Lohnsäge sind erhöht worden. Dazu kommen die Teuerungszulagen, so daß 46 Pf. die Stunde mehr gezahlt werden.> Wenn auch dieser Lohnausgleich nicht der Teuerung entspreche, so könne im gegebenen Moment nicht mehr erreicht werden. In der Diskussion wurde bekannt gegeben, daß die Unternehmer Flugblätter in dis Wohnungen der Arbeiter senden, um damit Eindruck auf die Flauen der Kollegen zu machen. Ein Antrag Heilmann, welcher besagte, daß die Verhandlungs- kominission nochmals verhandeln soll, wurde abgelehnt. Sodann berichtete ein Mitglied von der Eisenbahn, daß bei der letzten Lobn- zahlung die Werkstätten mit Militär besetz: gewesen seien. Die Sbleule und Vertrauensleute der Betriebe hätten nun auch be- schloffen, restlos zu unterschreiben, um so wieder in die Werkstätten zzi kommen. Es wurde ferner gesagt, man solle in den Betrieben selbständig vorgehen und S6 Proz. des Arbeitsverdienstes fordern. Bei der Abstimmung über die Vorlage ivird diese gegen eine starke Minorität angenommen. Alsdann wurde über den eigen:- hichcn Punkt der Tagesordnung, über Aenderung des OrtSstatutZ beraten. Müsch betont, die jetzige Generalversammlung sei ein zu großer Körper; wenn der Entwurf des Statuts angenommen werde. würde sich die künftige Generalversammlung ans 1566 Teilnehmern zusammensetzen. 766 Teilnehmer haben dann beschließende und lf66 nur beratende Stimme. Die Angeitellien müßten sich alle halbe Jahre zur Wahl stellen. Der Entwurf sei ja nicht mehr zu bis- kuiieren. weil er allen zur Genüge bekannt sei. Demgegenüber forderte Kollege Karl Schmidt eine Diskussion, wobei er folgende Ktesolution vorlegte� Die Schaffung eines JndustrieverbandsS kann nur Aufgabe de« Hauplvorstaiides nach dem Aniiag Müller der Generalver- sammlung in Stuttgart sein, welcher belogt, der Vorstand wird erniächng't. alle Vorbereitungen dazu zu treffen. Es kann aus ) diesem Grunde nicht Aufgabe einer einzelnen Verwaltungsslefle sein, für sich einen Judiislrievorband selbständig zu schaffen. In dem Entwuri der Ortsverwaliung werden die Vertrauensleute, welche die Hauptarbeit in den Betrieben zu bewäliigen haben, dürch das System der Delegierten entrechtet, ebenso die Mitglieder der erweiterten O r t s v e r w a l t u n g, welche nur beraiende Stimme haben, aber die gewaltige AgitationS- arbeit leisteu Ter K 8 gibt der so zusammengesetzten Generalversammlung weitgehendste Rechte, welche fiüber nur durch die gesamte Mit- .gkiedschaft ausgeübt wurde, so daß also hier eine wesentliche Verschlechterung der Rechte der Mitglieder des Verbandes geschaffen wird. Im K 18 tvird das Mugliedsalter zur Bekleidung eines verantwortlichen Postens von zwei Jahren auf ein Jahr herabgesetzt, so daß auch hier schwere Bedenken erhoben werden müssen. Um alle in dem Entwurf ausgeworfenen neuen, so außerordentlich wichtigen Frauen zu klären, hätte die Orts> Verwaltung dafür sorgen müffcn. daß den Teilnehmern der Generalversammlung das alte Orlsstatut mit dem Entwurf zu- samnren ausgehändigt worden wäre. Aus dieien, nur in großen Umrissen angeführten Gründen muß dieser Entwurf abgelehnt werden. Zur Erläuterung der Resolution führte Schmidt aus, daß der Entwurf die Rechte der Mitglieder vei schlechtere, und die Kollegen, welche außerhalb der Melallindustrie beschäftigt sind, rechtlos ge- macht werden, ebenso werde es fast undurchführbar sein,'restlos alle Betriebe, zu erfassen, da auf 366 Kollegen' ein Delegierter cnt- fallen soll, welches von mehreren Rednern ebenfalls bezweifelt wurde. Diese Ausführunaen fielen bei denen, welche schon am 12. Januar 1926 ihre Richtlinien von Maltzahn in der Versammlung des roten VollzugSrats bekommen haben, auf sieimgen Boden. Es wurde dann mow gefragt, welche Stellung die anderen Verbände einnehmen, deren Mitglieder anch� in der Metallindustrie tätig sind. Die Antwort blieb man schuldig. Die Rusch und Genoffen stehen eben schon vollständig auf dem Boden der Räteorganisalion des U.-S.-P.« und'K.-P.-Vollzugsrais. Der Entwurf wurde gegen 22 Stimmen, die sich für die Resolution Schmidt erklärten, an- genommen. Hierauf forderte ein Antrag K-ttler, daß sofort die Hälfte der Angcstelktcn gekündigt werden soll. Dieser Antrag richtet sich ganz offensichtlich gegen diejenigen An-- gestellten, welche noch aus dem Boden der S. P. D. stehen. Der Antrag wurde dann ebenfalls gegen 22 Stimmen angenommen. Auch die Beilragserböhung gelangte aege» einige Stimmen zur Anirahme; sie tritt am 15. Februar in Kraft. Sodann wurden, wie üblich, die Kollegen der S. P. D. angegriffen. weil sie es gewagt hatten, in einer besonderen Veisammlung zu den wichtigsien Organffationsfragen Stellung zu nehmen. Die Rusch und Genossen scheinen jetzt doch mehr als bisher die Kollegen der S. P. D. zu fürchien. Rusch teilte dann noch mit, daß die ordentliche Generalversammlung erst am li. März stattfinden könne: infolge des PreffeverbolS sei>cS unmöglich gewesen, früher dazu Stellung zu nehmen. » Wie aus dem vorstehenden Bericht hervorgeht, hat der Bevoll- mächtigte Rusch erneut sich über die Unterbindung der Preßfreiheit beklagt. Derselbe Rusch aber hatte in der Versammlung am Sonn- tag eine Kontrolle eingerichtet, deren Ausgabe es> war, scharf zu be- obachten, daß niemand über den Gang der Verband« lungen schriftliche Aufzeichnungen mache. Mitglieder der S. P. D.. die sich an dieses S p> o n a g e s y st e m nicht lehrten, wurden tätlich bedroht. Wer nimmt angesichts solcher in der Arbeiterbewegung beispiel- loser Vorkommnisse die Entrüstung eines R u s ch über die Unter- bindiing der Preßfreiheit noch ernst? Organisationsführer, die ohne moralische Regung die Freiheit der Presie nicht nur, sondern äuch die persönliche Freiheit ihrer eigenen Klaffengenossen vergewaltigen, haben daS Recht verwirkt, sich über die Unterdrückung einer nur ihnen genehmen'Presse zu entrüsten. S i e s i n d p o l» t i s ch e H e u ch l e r und gemein- gefährliche Demagogen. Ihnen ist nur eine Presse genebm, die ihre dunklen Bestrebungen unierstützt.. Wer in der Arbeiterbewegung steht und ernste Ziele verfolgt, hat nicht nötig, die Ocffenltichkeit zu scheuen. Die S.-P.-D.-Vertraucnsmänner der Buchdrucker und die Zcitungsverbote. In einer am Montagabend abgehaltenen, sehr stark besuchten Versammlung der auf dem Boden der S. P. D. steheiiben Ver- trauensmänncr der Buchdrucker betonte der Referent T'homas, daß ein Zusammenhalten unserer Parteigenossen gegen- über dem unaufrichtigen Treiben der Opposition im Vor- band unbedingt notwendig ist. Die Lauheit unserer Parteigenossen im Verband sei schuld daran, daß der Vorstand im Streit der Parteien keine f e st e Haltung einnehme. Es sei deshalb not- wendig, daß sich die der S. P. D. angehörenden Kollegen hinter den Vorstand stellen und der Opposition gegenüber rückhaltlos ihren Standpunkt vertreten. Der Redner besprach die nach dem 13. Januar erlassenen Z ei t u n g s v e r b o t e, die ja die Buch- drucke? besonders angehen. Es steht fest— sagte der Redner—, daß im Anschluß an die Demonstration vor dem Reichstage ein Putsch beabsichtigt- war, durch den die Regte'ru ng gestürzt und die R ä t e d i k t a t ur errichtet werden sollte. Das ist durch das energische Eingreifen der Regierung verhindert worden. Die Regierung hat die P f I i ch t, im Interesse der Gesamtheit des Volkes die Wiederho-Iung solcher Vorgänge zu verhindern. Dazu war die Berhängung des Belagerungszustandes ebenso u n- vermeidlich wie- das Verbot derjenigen Blätter, die durch Lügen und Entstellungen der Tatsachen die schwierige Si- tuation noch ve r s ch ä r f t haben würden. Das ist die ideelle Seite der Sache. Die radikalen Opponenten-operieren aber nur mit den in a t e r i e n e n Folgen des Vorgehens der Regierung. Sie machen bei den Kollegen Stimmung mit dem Hinweis darbus, daß durch die Presseverbote eine Anzahl von Berufsangehörigen arbeitslos'geworden sind. Diese Agitation' ist ein d e m a- gogischer Trick. Wenn die Treibereien der Unabhängigen und Kommunisten Erfolg haben sollten, die durch einen Streik der Bergarbeiter die sofortige Einführung' der Sechs- stundenschicht durchsetzen �wollen, dann werden Hundert» taufende von Arbeitern aller Berufe wegen Koh- lenmangel arbeitslos. Dieser Zahl gegenüber bilden die aus Anlaß der Presseverbote arbeitslos gewordenen Buch- drucker, auf die die radikalen Agitatoren hinweisen, doch nur einen Bruchteil. Die Unabhängigen und Kommunisten haben gar kein Recht, sich über die Arbeitslosigkeit von einigen hundert Buch- druckern zu entrüsten. Die Regierung hat durch ihre Matznahmen vsrhindert, daß infolge unabhängiger und kommunistischer Treibe- reien unser ganzes Wirtschaftsleben zugrunde gerichtet wird. Der'Referent empfahl die folgende, der am Dienstag ftatifin- dendcn Generalversammlung des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgietzer einzureichende Resolution: Die Generalversammlung stellt sich prinzipiell auf den Boden vollster Pressefreiheit und bedauert daher die aus Anlaß der Vorgänge vom 13. Januar erlassenen Zeitungsverbote. Sie erkennt jedoch die schwierige Lage der Regierung an, die ohne Rücksicht auf irgendwelche Widerstände von Interessengruppen, die sich mit dem Gemeinwohl in Widerspruch setzen, für eine Wi edergesundung des Wirtschaftslebens zu sorgen hat. ES wird jedoch gefordert, daß sofort Vorkehrungen getroffen werden, die jede Willkür bei Presseberboten aus- schalten. Im übrigen wird als Selbstverständlichkeit ausge- sprochen, daß die Pressefreiheit ebenso wie' die Freiheit der Person da ihre Grenze hat, wo c s u m die Existenz des ganzen Volles geht. Die Diskussionsredner stimmten in allen wesentlichen Punkten mit dem Referenten üb er ein. Gefordert wurde, daß die Regie» rwung gegen Ausschreitungen der rechtsstehenden Presse ebenso scharf wie nach links vorgehe.— Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Lohnbewegunc» der Arbeiter und Arbeiterinncu im chcmi- scheu Groszhandcl, Mineralöle und �fettc. Die Verhandlungen mit dpm Arbeilcicbervcrband des Großhandels baben sich zerschlagen, ein Termin vor dem Schlich« tungsautschuß ist von uns beantragt und findet in den nächsten Tagen statt. Die Unternehmer der einzelnen Betriebe versuchen jetzt die Arbeiter zu Sondervereinbarungen zu über reden. Kollegen und Kolleginnen! Sagt den Unternehmern, daß Ihr Eure Interessenvertretung dem TranSvorlarbcller- Verband übertragen habt, laßt Euch nicht werben, seid ans der HutI Transportarbeiter- Verband, Bezirk Groß«Berlin. �Zentralvrrband der Angestellten. Versammlungen am Mittwoch den 4. Februar: Fachgiuppe 2(Angestellte des Magistrats, Abteiluiiz Brolvcrsorgung und Lrottommisstoncn), abends 1/.7 Uhr, SchuItheitz-AuS- (chank, Nesie Jakobstr. 24/25»Eingang Schmidstraäei. Fachgiiivv« 4a'Ver. iilderunasanaeiiellte) abends? Uhr im großen Saale der.Neuen Weit-, jdaknheide 108—114. Fachgruvoe 9(Angestellte der Lederwirtichatl» abe idS 6 Ubr Alerandrmi-nstr. 37a. Fachgruppe 14. Äklion b(Keldichrankiabriken, Kiinstichwss'ereie.- abends'/,? Uhr im VerbandSbilreau, Belke-Allianee« straße 7—10. P ruvpe 15(A. E G-Setriebe außer Brunnenftr.i abends 7 Ubr Musikersät taiicr-WUHelm-Itr. 31. Fachgruppe IL(Verbands, und Vcrcinsangelicllle, PrioalhandcISlchrcr) abends 7 Uhr im Köniustadtkasino, Holzmarktür. 72.-''...„ Angeftelltenausschüsso der tzlketallindnltrie. Heule oh, Uhr Sopbiemäle. Weißer Saal. Betriebsräteaesctz. Maßregelungen usw. Veraniw. Nlr den redatiivn. Teil:«rtvr glckler. Cbarlolienbiira: wr Anzeigen: Tb. Slock». Berlin. Verlag: Borrvärts-Berlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vor- wärts-Buchdruckmi u. Verlaasanstalt Paul Sinaer u. Co. Berlin. Lindenstr. S. vicrzu 1 Beilage Sozinldcmostp, Partei Reu tidiiands. < Bezirk Berlin Biichholz.) Am Freitag, den A>. Ja- nuar, verstarb linser Ge- riosse, der Bäcker Mtz OlSroag. Wir werden ihm ein ehrende» Andenken be- wahren. Der Vorstand. 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