Kr. 64. 37. Z-Hrg. BczuqSvreiS: SSierteliätjrL IS-VURumonatLSJO�ßt trt' m« öau». ootan« ahldar. Post- bnuc Menatlid 5J0 Sil.«ril. Ru- fte!Iuaciefl»bul)t. Uni er Rrtmbnni) für Stuti cö laut! und Oefttn» i*• Unjam 875 Sil. rüt da« ubtigt Äutiand 18— Mi, btt tOfrlidi t-nniai. �uflfUunj U.-- Mi 4- Balula-Aulichlag. Pak- dtiitllunfttn nrhmtn an Santmort, Holland,-utembuta, Schweben and die Lchw:». Singenanen>n die Poft- ieiinna»- Preitlike. Der.Borwan»"«li der Tönning»- deilnge.Boll U-Reu" erichnni wachen- täglio.weimal Tonntag« einmal Teiegiamm-Adrek« «SojtaUemoieal Detlin-. Abend-Ansgabee berliner Volksblntt �ISpkonnig) Anzeigenpreis t SU achigeivalin» Nonaaiellleieile ioNel l— M., Teueningeznlchlag«0% vftl*in« Anzeigen- das eli- gedrukl» Worl 75 Plg. Iiuliilftg zw«! teNgebniiNe«orte». lebe» weile« Woil 5» Pia. Slellengeinche und Schlaiilellenan, eigen das erst» Wor:>-. «5 Plg. lede« weilere Wort 40 Psg. Worte«bei 15 Buchstaben jählen liie zwei Worte. Teuerungozuschlag 50%. Familten■ Anzelgen. oolititche und gewerllchattliche Perein»- An-eigeo 2,— Ml. die Zeile ohne Susschlag. Snzeigen>ur dt, nächst» illumuier müssen bis 6 Ahr nachmittag, im Sauvlgeichäit. Berlin SM OS. Linden- Krähe s. abgegeben werden,»eoffne! »on» Uhr srüh bis i Uhr abend». �entralorgsn der rozialdcmokratifchcn parte» Deutfchlands Redöftion und Expedition: 6tD. 6S, ilndcufh. 3.( dPieHMniii hott d. �ofintetr lO�O li Vor«ärts»verlög h., EW. b8, lindenstr. 3. ?erniän- rungSbegehren der alliierten und assoziierten Regierungen in Deutschland zweifellos die schwersten Erschütterungrn nicht nur auf politischem, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiete auslösen müßt«. Insbesondere würden die durchgreifende» Matz- nahmen, welche die deutsche Regierung zur Vermeidung dcS Wirt- schastlichen Zusammenbruchs, vor allem auf dem Gebiet« der F ö r- derung der Produktion, insbesondere von Kohle, zu er- greifen im Begriff steht, auf daS äutzcrste gefährdet, wenn nicht un- möglich gemacht. Die» würde natürlich die ernstesten Rückwirkungen für die Erfüllung der wirtschaftlichen Verpflichtungen, aus dem Friedensvertrag« unmittelbar nach sich ziehen. In der Aufzeichnung bor. 5. Rodcmber b. I. wurde zugleich der Weg einer für Deutschland erträglichen und praktisch durch- führbaren Regelung bei Angelegenheit angedeutet. Die alliier» ten und assoziierten Hauptmächte haben inzwischen auch Kenntnis von einem weiteren Tchrilte der deutschen Regierung erhalten, der erneut ihren ernsten Willen beweist, die einei Kriegsverb recheni oder KriegSvergehenS schuldigen Deutschen der gerechten Bestrafung zuzuführen. ES handelt fich um da» von den deutschen gesetzgeben- den Körperschaften einstimmig angenommene, gleichfalls in einem Abdruck angeschlossene Gesetz zur Verfolgung von KriegSverbrechen und Kriegsvergehen vom 18. Dezember ISIg. Der FriedenSvertrag�ist in Kraft aetreten, ohne daß die alliier ten und assoziierten Mächte ihren Willen zu erkennen gegeben hätten, in dieser Angelegenheit den dringenden Vorstellungen der Deutschen Regierung Rechnung zu tragen. In der klaren, durch die Eindrücke der letzten Wochen nur noch verstärkten Ueberzeugung von dem ausserordentlichen Ernste der Situation hält es�die Deutsche Regierung aber für ihre unabweitliche Pflicht, in letzter Stunde noch einmal an die alliierten und. assoziierten Mächte heranzutreten, um die Angelegenheit einer die Interessen dieser Mächte befriedigenden, für Deutschland praklisch möglichen Er. ledigung zuzuführen. Sie wiederholt und präzisiert deshalb noch einmal den bereits früher zur Erwägung gestellten Vorschlag und gibt demgemäß folgende Erklärung ab: „Die deutsche Regierung wird die deutschen Strafverfolgung?- l'ebiirden anweisen, gegen alle Deutschen, die ihr von den alliierten und assoziierten Regierungen-l? eines Verstosses gegen die Gr- fetze und Gebröuche de» Kriege« schuldig benannt werde», unvee, chglich ei» Strafverfahre« auf Grund de« zu übersendenden Ma. -ia'z ein.„leiten. Sie wird alle Gesetze, die der Einleitung eine« solchen Verfahrens etwa entgegenstehen, außer Kraft setzen, ins- besondere die bestehenden Amnestiegesetz« auf- hebe n." Zuständig für da» Strafverfahren soll das höchste deutsche Gc- richt, das Reichsgericht in Leipzig, sein. Ausserdem wird der jeweils beteiligte« Alliierte« und Assoziierten Rcgi-rung da» Recht eingerllumt, sich an dem Verfahren unmittelbar zu beteiligen. Ueber den Umfang dieser Beteiligung könnte ein« besonder« Bcr- einbarung getroffen werden. ES wäre z. B. eine Regelung in dem Sinne denkbar, daß die beteiligte Alliierte ober Assoziierte Macht dem Verfahren einen Vertreter ihrer Interessen beiordnete, der be. fugt wäre, von allen die Suche lietrxffend'n Schriftstücken und Akten Kenntnis zu nehmen, neue Beweisstücke vorzulegen. Zeugön und Sachverständige zu benennen, sowie überhaupt Anträge zu stellen und kür die Interessen der verletzten Partei zu plädieren. Allen von dem Vertreter gestellton Beweisanträgen würde stattzu- geben fei»«. Solche Zügen und Sachverständige, die Angehörige einer AI- liierten oder Assoziierten Macht sind, würden auf Antrag des Ver» treter» von den zuständigen GcrichtSbehöroen ihres Heimatstaates vernommen werden, wobei dem SngeNagten oder feinem Verteidi. ger die Anwesenheft zu gestatten wäre. Die von dem RexhSgericht erlassenen Urteile würden mit ihrer Begründung veröffentlicht werden. Di« Deutsche Regierung ist ferner bereit, über die Ein- setzung einer zweiten Instanz rn Verhandlung zu treten. Di« deutsche Regierung ist fest davon überzeugt, daß fich auf diesem Wege und nur auf diesem Wege die den Artikeln iK8 bis WO de» Friedensvertrages zugrunde- liegenden Absichten der alliierten und assoziierten Mächte tatsächlich verwirklichen lassen. Würden diese Mächte dementgegen auf der Auslieferung der angeschuldigten Personen.. aller Voraussicht nach nur solche Personen sreiw�lli dischen Gerichten st.ll-n, die sich sckuldloS fühle�sir eine Freisprechung rechnen können. Die wirtlich' � dagegen würden der Bestrafung entgehen, da die Reg der anliegenden Aufzeichnung näher dargelegt ist, finden würde, die bereit wären, die»erHaftung und Aus durchzuführen. Die erwähnte Aufzeichnung hat fohlenden laut: Der Standpunkt der Deutschen Regierung, daß die Ehre und Würde des deutsche» Volkes es nicht vertragen würde, wenn Boii,- genossen, die eines Vergehens gegen die Gcf.tze und Gebräuche d..' Krieges beschuldigt werden, an fremde Gerichte ausgeliefert iverden sollten, kann gegenwärtig nicht geltend gemacht werden. Aber du- J Tatsache, datz das ganze deutsche Volk ohne Unterschied der Klasse und der politischen Partei dieses Gefühl teilt, ist von. entscheidender Bedeutung. Wenn trotzdem die Deutsche Regierung octsiuifcn würde, die Ausliefe runig dnrchzu fuhren, so würde sie auf allen Seiten auf den schärfsten Widerstand stoßen. Zunächst würde es wahrscheinlich notwendig sein, ein neue» Gesetz zu schaffen, auf Grund dessen man zwangsweise zur Ausführung der Auslieferung, besonders zur Festnahme der auszuliefernden Personen schreiten könnte. Wenn die Mitglieder bcr gegenwärtigen Regier sing einen solchen Gesetzentwurf vorlegen wür» den, so würden sie in der Rativnalversammliing nicht dir nötige Majorität dafür finden. In ihren eigenen Parteren würden sie nicht Gefolgschaft finden, denn jede Partei, welche dem Gesetz zu stimmen würde, würde bei den nächsten Wahlen kompromittiert sein. Aber seübst, wenn ein solches Gesetz angenommen werden würde, würden die Anordnungen der Regierung hinsichtlich der Au s lieferung in Wirklichkeit unausführbar sein.\ Tie Beamten, die bei der Auslieferung ihrer Volksgeuossen mitzuwirken hätten, würden da« Gefühl haben, persönlich dafür verantwortlich zu sein und würden sich nicht dazu hergeben, einen Deutschen festzunehmen, um ihn den Gerichten der Alliierten und Assozierten Mächte auszuliefern. Die Regierung würde gegenüber einer solchen Haltung ohnmächtig sein. Sie könnt« diese Beamten aus ihren Stellungen entfernen, aber sie würde kein« anderen finden, die mehr geneigt wären, sich ihren Befehlen zu fügen. Aber abgesehen von diesen Schwierigkeiten würde die Deutsche Regierung, wenn sie Anord- nungen dieser Art geben würde, einen Sturm der Entrüstung entfachen, daß sie sich sowohl gegenüber dem Lande, wie dem Parlament und den Reichs Wehrtruppen in einer äußerst schwierigen Lag« befinden würde, deren Folgen im einzelnen mchs näher beschrieben zu werden brauchen. Obwohl eö dessen kaum mehr bedürfte, ist die� Aufmerksamkeit der Regierung vor einigen Tagen auf die ausserordentliche Schwierigkeit dieser Lage durch eine Mitteilung de» Vorsitzenden der Zentrums Partei gelenkt worden. Der Berichterstatter der Zentrum«. Partei hat am 28 Oktober in öffentlicher Sitzung erklärt, daß die Mitglieder der Konimisiion davon überzeugt sind, daß die Autn lieferung von deutschen Volksgenossen die größte» Gefahren für da» ganze politische Leben, ja sogar für die politische Existenz Deutschland» nach sich ziehen würde. Die gegen- wärtige Regierung sieht keinen Ausweg au« dieser Lage. Aber sie muß es als sicher betrachten, daß durch das Verlangen auf Auslieferung ralle Bemühungen um den Frieden auf da? Sckiwcrsle gefährdet würden in dem Augenblick, wo der Friese sich nach unendlichen Schwierigkeiten zu verwirklichen scheint. Die Deutsche Regierung ist sich dessen bewußt, daß sie von den Alliierten und Assoziierten Mächten nicht' verlangen kann. ohne weiteres auf die Recht«, welche sich aus den Artikeln Wv b'S 230 ergeben, zu verzichten. Sie weiß, daß«in vollkom«. mener Verzicht dieser Artikel mit Rücksicht auf die öffent- lich« Meinung den Alliierten und Assoziierten Ländern kaum möglich ist. Sie will den Alliierten und Assoziierten Regierun- gen auch nicht einen formellen und bestimmten Vorschlag einer anderweitigen Regelung machen. die �uslieferungolifte. Tie AuSlirferungSlifte ist gestern Dienstag in Paris de« Freiherr»»on LerSner übergeben worden. Von den 800 Deutschen, deren Auslieferung die Entente fordert, stehen, der„Reuen Zürcher Zeitung" zufolge, je 300 auf de. französtfchen und belgischen List«, 100 aus der englischen und.> Rest auf der der östlichen Verbündeten.- Alle verantwortliche.. Chefs der Arme« und Marine, außerdem Brthmaun Hollweg solle» «uSgrlirfert»erden. Tie Liste wird i« Lauf« de« heutigen Tage» der ReichSregieruu» übermittelt. Ungeheuchelt: Partei Meuchelmöröer! Den deutscknationalen Blättern hat unsere Kennzeich- .iiiing als„Partei-Meuchelmörder" nicht behagt. Wir sind ober heute genötigt, zu den Pressestimmen über das Attentat auf Erzberger noch eine nachzutragen, eine Stimme aus einer etwas abgelegenen Ecke, wo man hübsch unter sich beutschnational ist. Der„A rnswalder Anzeiger" lKreisblatt) bringt folgenden ergreifenden Kommentar zu dem Attentat auf Erzberger: Zu dem Attentat auf den ReichSfmanzminister schreibt uns ein Politiker: W i r w o l le n nicht b e u ch c l n. Die Nachricht von dem Mordanschlag auf Erzberger wird bei vielen, die diesen Mann glübend hassen, wen» nicht ein frohes, so dock, ein erwartnngs- volles Aufhorchen ausgelöst haben: ist er tot? Und eine unbe- denklich eingestauvene Enttäuschung mag auf vielen Gesichter» hervorgetreten sein hei der Mitteilung, dast anscheinend nur eine leichte Verletzung vorliege und daß für das Leben des Ministers nichts zu befürchten sei. Und achselzuckcnd wird man über den Vorfall zur Tagesordnung übergegangen fein. So schreiben die Deutfchnattonaleu, wenn sie einge- ilandenermaßen n i ch i h e u ch e l n. Da paßt nur eine Be- Zeichnung: Partei Meuchelmörder. * In der„Lustigen Ecke" der„Deutschen Zeitung" vom 4. Fe- bruar finden wir folgende„witzige" Bemerkung: Die zwei Brüder. 'Der eine war ein Erzgauner und der andere war auch Finanz- minister irgendwo... Dienftstunöen unö Sureauftunöen. Man muß schon das feine Ohr eines„höheren" preußi- scheu Beamten besitzen, um den Unterschied, der zwischen beiden ffiourn liegt, herauszuhören oder herauszufühlen. "aß er nMW>Mt, kann nicht bezweifelt werden, und zur IllustrM�DD�� Tatsache diene folgende Zuschrift eines Beamten, varnehmliöh die RegierungS- "und RegierungSräte bei dem OberpräsP "den Landesregierungen, sind auch heute noch der ''Festsetzung der D i e n st st u n d e n gelte nur sür die und unteren Beamten. Sie sprechen daher wohlweislich, von ihrer eigenen Arbeit reden, nur von Bureau- i d e n, während die Festsetzung der D i e n st st u n d e n für �iese feudalen Herren nicht besteht. Die höheren Beamten sind taatsbeamte nnd empfangen ihr Gehalt genau so vom Staate wie die mittleren und unteren Beamten. Wenn also ein derartig feiner Unterschied von gewissen Herren in der Arbeitsbenennung gemacht wird, so liegt hierin das Ein- geständniS, daß die Herren Regierungsräte. Regicrungsassesioren usw. nicht gewillt sind, in den mittleren und unteren Beamten gleichberechttgte Mitarbeiter zu erblicken. Wir können diesen Ausführungen nur beipflichten. Es ist unerhört, was gewisse, von, altpreußischen Kasten- g e i st befangene Beamte sich heute noch � herausnehmen und wenn diese Uebergriffe noch so fein und geschickt verhüllt werden, wie es in porliegcndem Falle geschieht, so werden sie doch dadurch um nichts erträglicher. Es gibt immer noch gewisse Kategorien von Beamten, denen von Zeit zu Zeit mit der erforderlichen Deutlichkeit klar gemacht werden muß, daß üc für den Staat da sind, nicht aber der Staat für sie. Wie hieß es doch so schön beim Militär? Dienst ist Dienst.- Das muß. auch für die höheren Beamten gelten, und wenn diese ihren„Dienst" nicht leisten wollen, w erklären sie sich selbst hiermit für überflüssig und müssen dem S t a a t die weitere Entscheidung über ihr Schicksal an- heimstellen._ Runge nicht aus üer Hast entlasten, Bon zuständiger Seite wirb uns mitgeteilt: Die Meldnng der Nvrrespondenz Sochaczewski, wonach Runge aus der Hast entlassen worden ist. und sich auf freiem �suße befindet, ist v o n A n- fang bis Ende falsch I» Wirklichkeit ist Runge aus der südlichen Militärarrestaostalt nach dem Strafgefängnis K o t t d u s überführt worden, wo er seine Strafe weiter verbüßt. Wir bedauern außerordentlich, daß die Oeffentlichkeit durch die leichtsinnige Falschmeldung der Korrespondenz Sochaczewski un- nötig in Emgiing gesetzt worden ist. Wir hatten die Meldung unter Vorbehalt wiedergegeben, die Folgerungen, die wir für den Fall der Richtigkeit an sie geknüpft hatten, sind damit selb stv erstand- lich hinfällig. Der bapensche Separatismus. In München waren cmi Dienstag die Obmänner der ch r i st l i ch e n B a u e r n v e r e i n e l Richtung Heim) zur General- Versammlung geladen, um die Trennung vom Reichszentruni und die Einigung mit dem Bayerischen' B a n e r n b u n d zu beschließen. Ein von Dt.- S chl i ttenbauer vorgelegtes Emigungs- Programm fand e i n st i mm i g c A n u a h m e. Den Höhepunkt der Tagung LildeiHein Referat des bekannten „Bauerndoktors" Heini. Der Mann versteht sein demagogisches Handwerk, er �appellierte glcickmaßig an partikularistische wie anttsozialistische, wie antisemitische Instinkte. Alle diese Töne mischte er zu einem Schlachtruf gegen Berlin. Der Zentralismus in Berlin bedeute die Verewigung der Kriegswirtschaft und der Korruption. O st j u d c n regierten, die Berliner Machthaber seien Werkzeuge in den Händen von Sckiiebern. Der„Schweinestall" müßte ausgemistet werden. Berlin sei die deutsche Erbitterungszcntrale. Man erkenne in Süddeutschland, daß der Berliner Hut nur Schmutz und Fäulnis be- deutet.„Die bayerischen Berge taugen nicht für Berliner Juden- zwerge."„Wir werden ihnen die Knochen einschlagen, wenn sie die Hände gegen bayerisches Eigentum ausstrecken. Wir wollen Sein Bez i r k s a in t v o n N e u- I e r u s a l e m an der. Spree wer- den.". In dieser Tonart weiter. Sachlich. verlangte Dr. Heim n. a. die Wiedereinmhrung des zehnstündigen Arbeitstages. Er behauptete, düster Prophet zeiend, daß wir Mitte Mai am Ende aller Versor- gungs Möglichkeiten sein würden, dann komme der Krieg aller gegen alle. ?Iuch sonst entwickelte Dr. Heim ein durch und durch reaktiv- närcs Programm des Klerikalisinus und Parti kulaxiSmus. Solche Leute, die jetzt mit allen Mitteln das Einheitsempsirtden untergraben, sind die wahren Toten-g�äber Deutschlands. ruckzukehren. Lltwlnosf fügte hinzu, er könne und wolle sich nicht darüber aussprechen, ob General B r u f j i! o w .11 die Dienste der Sowjetregierung getreten sei. Nach amtlicher rumänischer Meldung sind an der Grenze Delegierte der Soivjetregierung eingetroffen, um der rumänischen Regierung ein neues Friedensange- bot zu übermitteln, Ivelches' im wesentlichen mit dem an Polen überreichten gleichlautend sein soll. Rujstfch-estnischer Zrieüen. lieber den Vertrag zwischen Rußland und Estland be- richtet die„D. Allg. Ztg.": Es werden keine Kriegsentschädigungen gezahlt. Rußland erkennt die Selbständigkeit Estlands an. verzichtet auf das ehemals russische Staatseigentum im estnischen Gebiet, gibt daß estnische Eigentum heraus, zahlt tö Millionen Gold- rubel als Anteil Estlands am Goldvorrat der Russischen Bank aus und gewährt Estland das Recht des Bahnbaues nach Moskau sowie das Ausbeutungsrecht über eine Million DeSja- tinen des russischen Waldkomplexes. Rußland erhält Frei- Häfen an der estnischen Küste zur Verfügung sowie das Recht, die Krafterzeugung der Narwa-Wasserfälle auszubeuten. Beide Teile verzichten auf Durckgangszölle. Man sieht diesem Vertrag aus den ersten Blick an, daß er die übrigen Ryndstaaten zur Nachahmung des estnischen Beispiels lacken soll. Er entspricht aber auch den Er- klärungen Tschitscherins über den ehrlichen Friedenswillen der Moskauer Regierung. Die Bolschewikitrnppen sind nunmehr auch in Wladiwostok eingerückt. Von der Ostsee bis zum Pazifik! Litwinoff erklärte auf die Frage, ob es richtig sei, daß starke russische Streitkräfte an der polnischen und an der rumänischen Grenze zu'ammengezogen seien, daß Ruß- land natürlich militärische Maßnahmen getroffen habe, daß es aber sein W n n s ch sei, Frieden zu ichließen und seine Heere zu demobilisieren, um zu friedlicher Arbeit zu- . SchlesWjg-Holsteiner! In Flensburg und der ganzen zweite,, Zone fiudet die Absllm- mung am 7. März statt. Tic StimmvercKtigten müssen sich b i s ö u in 14. Februar abends N NYr haben eintragen lassen. Am 17. Februar sollen die fertige» Listen ausgelegt werden. Alle Stimmberechtigten, dir n i cki i i,, Flensburg und der zweiten Zone ansässig sind, müssen ,I,r Ansuche» um Ausnabme in die Listen ebenfalls bis zun, 14. Februar>i Ahr abends schriftlich einreichen. Pazifisten auf öem Knegspfaüe. Die belgische Gruppe der Interparlamentarischen Ver- einigung hat einen Antrag auf Ausschluß der deutscheu Parlameu- tarier geprüft. Für den Fall, daß das Bureau dieser Forderung nicht stattgäbe, würde sich die belgische Gruppe veranlaßt sehen. die Bildung einer Jnierparlamentarischen Vereinigung zu bean- tragen, die keine» Vertreter der Zentralmächte zuläßt/ Die Per- sammlung erklär!-, srnj, ohne zur Abstimmung zu schreiten über diesen Antrag, den sie grundsätzlich billigte, mit dem Gedanken einverstanden, gegenwärtig die Beziehungen mit den Parlamenten der Zeiitralniächre nicht wieder auszunehmen un> sich mit den Parlamenten der Enteilte zum Zwecke einer ge- meinsamc» Akiiyii in dieser Richtung zu verständigen. Kteine politisthe Nachrichten. Reform der Universitäten. Der Minister für Wissenichsät. Kunst und Volksbildung bat einen Erlaß an die rechts- und itaais- wissenschaftlichen Fakultäten' zu Breslau. GSttingen, Gveifswad, Hälle, Kiel und Münster sowie an die Philosophischen Fickutiälen von Bonn, KönigÄierg, Marburg und Berlin gerichtet, in dem au- die Notwendigkeit der Schulung der Mademiker mir praktische volkswirtschaftlichen Kenntnissen' unter Benutzung des vom Wirt- schaftlichen Leben gebotenen An schauungSmateriÄs hingewieien wird. Der Minister bittet um Einreichung von Vorschlägen seitens der Fakultäten, was bis svatestenS Anfang April d. I. zu geschehen habe. Verzweifelte Ernäyrungslagc in München. Die Ernäb- rungslag�e in der bayerischen Landeshauptstadt ist verzweifelt geworden. Die Brotgetretdercite Münchens reichen nur bis, zum 16. Februar. Auch in allen anderen wichtigen Lebensmitteln sind nur auf kurze Zeit Vorräte vorhanden. Infolgedessen sind von den Demokraten und von der bayerischen Bolkspartei Jnterp'ba- tionen an die Regierung im Landtage eingebracht worden Ein befristetes Zcitungsvcrbot. Durch Verordnung deS BefehIS Habers des Wehrkreiskommandos I ist die letzte Nummer der un- abhängigen Königsberger„Freiheit" wegen ihres verletzenden In- halt-5 beschlagnahmt und das Blatt aus die Dauer von vier Wochen verboten worden. Gegen den verantwortlichen Redakteur wurde die Schutzhaft verhängt. Heimkehr ans nmevikanischcr Gefangenschaft. Aus London wird gemeldet: Das Torpedoboot„Maine" ist am Montag in Plt, in o» t h mit ungefähr IVVO aus Amerika nach der Heimat zurückkehrenden Deutschen angekommen. Von ihnen waren während der Fahrt ISV an Influenza erkrankt. Zwei Deutsche waren bereits gestorben. Die„Maine" setzte die Reise nach Rotterdam fort. Der bekannte Agent Gallasch, der seinerzeit das Kölner Zentral- bureau begründet hatte, daS in Verbindung mit den Sonder- bündlern, insbesondere der Dortenschen Gruvpe, die Loslösung der Rheinlande anstrebte, hatte cS unterlassen, eine diiskte Weisung der britischen Behörde auszuführen, ja logar trotz Wa.nung sein Unter- nehmen als amtliche Organisation bezeichnet®i wurde vom englischen Gericht zuaOll M. od er 14 Tagen Hast verurteilt Eine Heringsgesthichte. Sine leider wahre Begebenheit von Th. Thomas. Am Hafen zu Ruhrort standen die Menschen in hellen Haufen. ..Was ist denn los?" fragten Neugierige. „Dieses große Schiff-, ist eben voller Heringe au? Holland ein- geiroffen. Denkt: 600 Tonnen sind 10 000 Zentner. Jeder Zentner fix) Stück, das sind rund und nett fünf Millionen Fische. Weißt Du, was das bedeutet?" Staunen ringsum, dann:„Wer bekommt die vielen Heringe?" „Die gehen nach Süddeutschlaud, wo sie-die Kommimalverbände als Fleischersatz ausgeben." Whvenddem drängt sich ein Beamter durch die Menge. Auf- gevegp verhandelt er mit dem Kapitän des Heringsiahnes. „Haben Sie einen staatlichen Gesundheitsschein für die Ware? Nein? Daun dürfen Sie nicht weiter fahren. Ihre Fracht ist noch wichl untersucht/ Das Schiff bleibt hier, bis das nachgeholt ist." Dem Schiffer geht der Priem aus. „Dat is ja dull. Ick scholl doch van Tag noch...' .Aysgeschlossen. Das Gesundheitsamt in Geesteiüüude mutz die Heringe erst prüfen. So lange bleiben Sie hier, daran ist nichts zu machen." Mit diesen Worten unterbricht der Kommissar den Schiffsfahrer. „Na, dat iS ja an bulle? Stück, je je.. von Geestemünde he.. » Telegramm an das NntersuchungZamt Geestemünde. , Fünf Millionen Heringe Holland hier ankamen. Müssen gut- .achtlich geprüft werden. Schicket sofort jmuand Duisburg zur Ab- nähme. TelegrammausGeestemünde. Abkommen von hier unmöglich. Schicket Heringe Geesteniükiie. Untersuchunzsamt. » „Sind Sie der Kapitän dieses Schiffes?" „Dat soll woll sin, min Herr." „So, dann teile ich Ihnen hierdurch mit, daß die Heringe sofort a entladen sind, damit sie zur Untersuchung ihres ZustcmdeS nach Geestemünde geschickt werden." ..?????" /Nu machen Sie fein so blödes Gesicht. Ist denn das so was Merkwürdiges?" „IS dat nu en Spaß von sei...k" „Spaß? Behörden spaßen nicht. Verstanden? Kurz und gut, Sie müssen Ihre Heringe löschen. Sie bekommen moogen L0.Eisen- bahnwaggonls für diesen Zweck gestellt." „Dat is nu ne Sak. Up de Bahn laden, seggt sei?" „Ja, ja. Morgen sckon, damit keine Zeit verloren geht." Am anderen Tage werden die Hering- vom Schiff auf die Waggons„überführt". Der Kapitän ist ganz aus dem Häuschen. Er jammert immerzu, daß mm sein Kahn still liegt, daß die 20 Eisenbahnwagen doch wohl zu anderen Dingen nötiger gebraucht würden. Ader der überwachende Beamte tröstet ihn: „Atachen Sie sich darüber keine Kopsschmerzen, es passieren so viel dumme Sachen, daß wir uns darüber nicht aiifregen." Und die Fische ziehen nach Norden. Die Gütcrwagenbegleiter machen sich ihre Gedanken, ob es für diese Waggons und die auf- gewendete Kohle und Arbeitskraft nicht eine bessere Verwendung gegeben bätte. In Geestemünde wird die Ware geprüft. Zur Beanstandung liegt kein?lulaß vor; so können die 5 Millionen Schneiderkarpsen wieder gen Süden ziehen. Zwanzig Effenbahnwagen, Richtung Duisburg, rollen 4 Tage später über Osnabrück ab.. Ob es gerade noch 3 Millionen gewesen sind, dafür kann nicht garantiert werden. Spötter behaupten, daß-s unterwegs nicht mehr geworden sind. Jedenfalls wurde der Kahn, als die inzwischen immer kostbarer gewordene schuppige Fracht wieder eingeladen wurde, lange nicht so beschwert als ehedem.� Die Heringe waren auch nicht gerade frischer geworden: immer- hin, sie waren boch da und könnten nun, wem', dem das inzwischen eingetretene Hochwasser keinen Strich durch die Rechniung gemacht hätte, rbeinaufwärts schwimmen. Eine traurige Folge bat die Sacke: Der Kapitän des Herings- kahnes ist tieffinnig geworden. Er rechnet �und rechnet und kann doch nicht herausbekommen, warum bei der Transvortnot nicht um- gekehrt einer vom Untersuchungsamt aus Geestemünde nach Duis- bürg kam. Dadurch wären dem Staate 20 Waggons acht Tage lang erspart, die Fische zwei Wochen früher in den Handel gekommen, nicht soviel gestohlen worden und mindestens 130 Zentner Kohlen der Welt erhalten gehlieben. Bon dem Aus- und Einladen sind die Fische auch nicht gerade billiger geworden. Romain Rollands„Wölfe" wurden jetzt auch im Leipziger Siadttheatcr erstaufgeführt. Wie aus Leipzig geschrieben wird, wurden die Erwartungen, die man auf den Dichter des„Jean Christopbe" gesetzt, nickt ganz erfüllt. Nur im ersten Akt komme der stark- dichterische Grundgedanke des Werkes zu unmitte-kbareni ?lusdruck: Selbst der Kampf für die höchsten geistigen Ideale der Menschheit, selbst die allgemeine Rot und Gefahr des Vaterlandes sind nicht imstande, die Menschen zu einen, können sie nicht hindern, sich gegenseitig wie hungrige Wölfe anzufallen, sich zu zerfleischen. In den beiden letzten Akten mündet das Ganze in ein spannendes, an die französischen Theatraliker gemahnendes Schauspiel, das von einer mehr äußerlichen Intrige leltt. Ein nicht immer von innen kommendes Patdos und die Sekamrien Effekte einer gallischen Rethorck überwuchern hier die tiefer liegend« dich-terffchen Werte. Immerhin: Hinter dem allen steht'ine große, echte Menschlichkeit, und darum lohnt auch die Bekanntschaft mit dem Dramatiker Rol- land. Der Beifall war sehr herzlich. Eine gefilmte Utopie ZolaS Roman„Arbeit", eins der besten Werke des Dichters, dessen HanWnno ein kapitalistisches Fabrik. uniernehmeü zu- einer sozialistischen Arbeitsgemeinde erblicken läßt. ist großzügig verfilmt worden und macht jetzt in-den Pariser Kinos gewaltigen Eindruck. Ter Erforscher der Zcllennntur, Otto B ätsch Ii, dar das Zoologische Jnftiw-t der Universität Heidelberg seit vielen Jahren leitete, ist. 72 Fahre alt,-gestorben. Er bat in"den sifchziger.Jahren unser Wissen über sie ersten Enlwicklungsvorgängc der Eizelle, die Kern- und Zellteilung, die Befrnchtungsvorgänge grundlegc-nd aus- gehell! und weiterhin den Bau der Prowpiasinas, die Zellennatm: der Bakterien, überhaupt das Wesen der Urtiere, der Proloz: rn, ertragreich erforscht.* Prrnto Wille hat jetzt eine Skizze seines 60 jährigen Lebens unter dem Titel„Ä u s-T r a u«I u n s Kamp f" im Kulturverlag Berlin erscheinen lassen. Sie will die beiden Lebensroman» Willes. die natürlich Wahrheit und Dichtung find, ergänzen als Bericht wirklicher Begebenheit, wozu dieser zumal um seine pMfffcke Entwicklung Berlins verdiente Ällairn ein Recht hat. Erweiterung des Friedmann-Ansschusses. Wie wir hören, hat auf den dringenden Wunsch des Mwificis Harnisch der zur Unter- iuchung des Fricdmannschcn Tuberkiilostmitlels ewgcletztc Ausschutz einer Anregung des Professors Schleich Folge geleistet und sich durch eine Reihe von Mitgliedern ergänzt, die größtenteils bereits umfangreiche praktische Erfabrungen mit dem genannten Mitlei gemacht haben. Es handelt sich um die Herren Kraus. Schl-'-b. DLhissen. von Kruse-Leipzig. Deil-I-Lekpzig, Pabe-Zwickau, Braun, Uirici, Goepel-Leipzig. ' Ei» englischer Fall Nicolai..Nieuwe Rotterdamsche Courant meldet aus London i B e r t r a n d N u s s c l l, der während des kkri-ges wegen paMlücher Gesinnung seine Stellung als Lektor ftir Phllowphie au der Universität Cambridge verloren hatte, iit wieder in sein Amt ein- gesetzt worden..,. In Deutschland suchen gewiss- Leute den nämlichen«aul eben letzt anders herum aufzuzäumen. Drängen sie mit ihrer saulen Absicht durch so wärd dem Ausland sicher wieder ein Anlaß gegeben, mit Fulger» au? uns zu zeige»..• Der Tauz. In de» Kamniersälen, Telwwer Str. 1—4, bietet am L.Februar, mittags 11 st, Uhr, der BezirkSbildungsauSschutz Grotz-B erlin ein Programm der Tanzkunst, bei dem Eis e Z i m m e r- mann, das Tanz-Ensemble Mary Zimmermann und die Grotesk. Tänzerin Valeska Gert mitwirken. Professor Oskar B!e, der hervor- ragende Kenner der Tanzkunst, leitet die Darbielung-n durch einen Bor- trag ein. Das Blüthner-Orchcster mit« Schewpslug besorgt die Musik.. Füuf Vorträge über Türer lmtt Lichtbildern) hältPfarrer Georg Kempss an de» nächsten Mittwoch-Aöcnden, S Uhr, von heute ab in de- Segenskirche in Berlin-Remickendorj-Wesl. Eintritt 1 M. für den Abend. Druckfehler. In dem Aussatz der gestrigen Morgennummer über Ada R e a r i ist im ersten Absatz Berhaeren alS„Erzähler und Bersasser von Bell und Leben- bezeichnet worden:-s mutz heißen i.Srjühler und ßrirtsser llfffl-V Sonntag Augblattverbreitung! Keiner öarf fehlen! Sonntag, vormittags o Uhr, wicktige Kugblott- Verbreitung von öen bekannten Sezirkslokalen aus. der SezirksvorftanA. „fib|atzessekf und Kohlenpreiserhöhung. W.?. L. teilt mit. die Rtthrkohlenpreisc würden ab 1 !. Februar um 42,80 M. per Tonne einschl. Kohlen- und Uinsatzsteuer erhöht. Hiervon entfielen 22 M. auf den Aus- gleich für die(übrigens heute noch nicht definitive) Erhöhimg der Tariflöhne um durchschnittlich t 1 M. pro Mann und Schicht. Und W. T. B. erläutert: .Die Belastung, welche dadurch auf die Tonne abge- setzter Kohle entsällt, errechnet sich mit Hilfe des sogenannten '.AbsatzeffektS�, d. h.'der Absatzmenge, die au» epne verfahrene Schicht der gesamten Belegschaft etn- fäfli 1 Bei dieser Umrechnung ergibt sich eine Mehrbelastung von pro Tonne Absatz von fast 22 Mark." Ich muß gestehen, daß ich von diesem„s ogcnannten I b f a tz e f f e k t" erst in jüngster Zeit Kenntnis erhalten habe. Im vorigen Herbst erfuhr ich gelegentlich einer Besprechung im steichswirttchgstsministerium'von Wer ksvertretern, daß auf pro Kopf und Schicht der Gesamtbelegschaft im Ruhr- gebiet ein Absätz.von 0,30 Tonnen entfalle, hierauf müßten dfe geforderten Lohnerhöhungen verrechnet werden. Dagegen habe ich sofort entschieden Einspruch erhoben und darauf hingewiesen, daß es früher nicht übtich gewesen sei, die Betriebskosten nur auf den Absatz umzulegen, sonder� tnan habe stets diese Kosten nach pro Tonne„geförderter", o�er auch„verwertbarer" Kohle bemessen. Jetzt scheint der„sogenannte Absatzeffekt" glücklich schon wenigstens zum ränge eines halbamtlichen Wertbestimmungs- begriffs erhoben worden zu sein. Wie ist dieser neue Begriff bestimmt worden? Was gehört alles nicht zum„Absatz"'i Beispielsweise haben die niederrheinisch-westfälischen Gruben 1913 bei einer Gesamt- örderung von 114,4 Millionen Tonnen Rohkohlen 25.2 Mill. können Koks erzeugt, aber 1918 sind bei nur 93,9 Millionen Zgnnen Förderung 27 Mill. Tonnen K o k s hergestellt worden. Sie Verkokung und Nebenproduktengcwinnung bringt rieüge Eitragewinne. Wie wird der Absatz an die eigenen Kokereien, Brikettfabriken, chemische Nebenanlagen, Kraftwerke, Ziegeleien usw. verrechnet? Sind die hier erzielten, >ehr bedeutenden.. Nebengewinnc" auch als Betriebseinnahmen der G e s a m t�w i r ts ch a s t der Werke gut- geschrieben und bei der Selbsikostenauistellung angerechnet worven? Es gibt Gruben, die über 40 Proz. ihrer Roh- kohlenfördcrung verkoken, verbrikettieren■ oder sonst in eigenen Svndcrbetrieben selb st verbrauchen. Sind nur die restlichen 60 Proz. als„sogenannter Absatz- >: f e k t" in Rechnung gestellt, oder wie ist verfahren worden bei der Bemessung des„Selbstverbrauchs", der nicht auf den „Absaneffekt" verrechnet.wurde V Zur Vermeidung'unn recht ärgerlichen Irrtümern ist zu sagen, daß ich vorstehende Fragen hier nicht zu stellen i;. uichte, wenn den Arbeiter- und Äugest G�it e n- vci tretern in den auf Grimd des Reichsgesetzes betr. die Kohleuwirtschaft errichteten Stellen die Selbstkosten- ! echnungen der Kohlengruben vorgelegt würden. Das ist bisher nicht geschehen, man nannte nur einige sich überdies oft widersprechende Durch- 'hnitlszahlen, was mich veranlaßte, zu erklären, däß ich ' ü r keine Kohlen Preiserhöhung zu haben >ei. solange ich ihre Berechtigung und Not- wendigkeit nicht nachprüfen könne. Daß nach den Lohn-, Gehalts- und Materialpreiserhöhungen auch Kohlen- Preiserhöhungen nötig wurden, ist unstreitig; aber das Zlusmaß lann nicht bestimmt werden ohne Prüfung aller betriebs- -wirtschaftlichen Unterlagen. Den Arbeiter- und Angestellten- 'crtreicrn, meines Wissens auch den Konsumentenverlretern, imd diese Unterlagen nicht bekanntgeworden. Hier in 4 eine Lücke in unseren gesetzlichen Kohlenwirtschasts- i stimmnngen— neben manchen anderen—, aus die ich schon s ei der Beratung, hingewiesen habe. Ter in seinen Folgen für die K o h l c n v e r b r a u ch e r unabsehbar schwerwiegende neue Begriff des„Absatz- csfektS" ist alw ganz neuen Datums" Nach der Verlautbarung W. T. B/s ivird der Abfatzefiekt auf uro Mann und Schicht jetzt mit 0,30 Tonnen bemessen, also aus nicht mehr als im Herbst 1919. Mithin wäre im allgemeinen auch keine Verbesserung des Ausbringens eingetreten. Dem widersprechen aber auch Erklärungen vog der Werks wste. Die Harpener 33. G.(21 Betricbsanlagen» hatte schon .m August 1919 wieder' einen Fördereffekt.(pro Mann und Schicht der Gesamtbelegschaft) von 0.692 Tonnen, gleich 78.6 Proz. des Effekts von 1918 14 und gab pro Tonne 29,71 Mark Lohn ans! Die Harpener Ergebnisse können als typisch für den rheinisch-westfälischen Kohlenbergbau ango 1 krochen werden. Inzwischen ist der Fördereffekt dock nicht gesunken! Ist nur der Effekt von August 1919 geblieben, dann würden 19 Proz., der Harpener also fast ein Fünftel Förderung gar nicht zur Beurteilung des finanziellen Be- rriebsresultats herangezogen werden, wenn die Selbstkosten- Vermehrung nur auf 0.50 Tonnen„Absatzeffekt" berechnet würde l Das dies ein unhallbarer Zustand ist, wer will das bestreiten? Aus den mir gerade zur Verfügung stehenden fach männischen Mitteilungen über Fördereffekie möchte ich »olgende anführen: die Zeche„Dorstfelds" Hatte von Juli bis inkl. November einen Fördereffekt von 0,71 bis 0,771 Tonnen; Zeche„Hardenberg" erzielte im Juli 0,81, September 1,12, November 1,14(Hauer allein 2,57); Zeche .. Kaiser stuhl J." kam im Juli— November auf 0,669 bis 0.711, Zeche„Kqiserstuhl II" im Juli— Ottober auf 0,691 /.is 0,693, Zeche„Minister Achenbach" im Juli bis Oktober auf 0,706 bis 0,83, Zeche„Minister Stein" 'nx Juli— November aus 0,851 bis 0,920, Zeche„Oespel" im Juli— November aus 0,761 bis 0,844. Zeche., Tremonia" 'm Juli— Dezember aus 0.382 bis 0,759, Zeche„Viktoria Mathias Schacht Gustav, m Juli— Dezember auf 0,88 bis 0,91, Zeche„Eintracht Tiefbau" im September bis Oktober auf 0.74 bis 0,79 Zeche„Lange nbrahm" im Oktober auf 0.87. Zeche„Heinrich"- Ueberruhr im No- vember auf 0.65, Zeche„Wolssbank" im Novemb« auf 0,70, Zeche„Fritz"(Altenessen) im August schon«ms 0,93 Tonne Förderung pro Mann und Schicht der Gesamt. belegschast. Weiteres Material habe ich zurzeit nicht zur Hand. Aber schon dieses beweist, daß es mit Rücksicht ans die Kohlexwerbrancher nicht gebilligt werden kann, die Seldstkostenerhöhung lediglich nach dem„sogenannten Absatzeffekt" von 0.30 Tonnen pro Mann und Schicht zu berechnen. Es gibt auch Zechen, die sogar 30 bis 40 Proz. ihrer Förderung gar nicht zur Berechnung stellen. Dementsprechend erhöht sich auch der Aufschlag aus die K o h l e n p r c i s e. Dagegen mxxß ich Einspruch erheben. Otto Hu c. GroßGerlw die Nummer. Em Mosaik der Gegensätze scheint die Welt: denn, es gibt auch Leute, die nicht Nummer sein wollen.' Und doch auch nicht Persönlichkeiten.... Die Berliner Straßenbahn- schaffirer nämlich. Seit Sonntag tragen sie, wie mitgeteilt, keine Nummer mehr am Mützeixwulst. Nach eigenem Beschluß. Einem lobenÄverten, will ich meinen I Er zeugt von Takt und Bescheidenheit. Denn wer tritt beute noch zurück ins Nichts, wo sich ibm Gelegenheit bietet, eine Nummer zu sein? Nur die Straßenbcchner tuns und es wäre mir kaum aufgefallen, schreckte mich nicht plötzlich ein Fahrgast ans meinem Philosophieren. „Was stoßen Sie mich denn, wenn ich vorrücken soll?" ,kJch berührte Sie nur, mein Herr." „Sie stießen mich!" Der dicke Fahrgast schnappt über: „Ihre Nummer, Schaffner." „sie haben keine?" Der Schaffner zuckt stumm die Schultern. ..Seit loann?— Unerhört!"-- Pustend und schimpfend verläßt der Dicke den ZLagen, der eben hält. Ter Schaffner reckt ihm sein Fahrbuch hm- aus, das er verächtlich ignoriert. Man lacht allgemein, denn ein Nervöser kam um seine Beschwerde. m Für ciuc Million Güter unterschlagen. Fortgesetzte Tieberoien und Uixterschlogungen. die sei: Oktober vorigen Jahres aus dem Hamburg-Lebrker Güterbahn- hos vorgekommen sind, mürben van der Äriminalpolizci jetzt auf- geklärt. Biete Anzeigen lenkte» den Verdarbt ans den Dienstan- fäuger Ernst M i c r ö aus Reinickendorf. Der Beschuldigte leugnete erst, mußte aber nach imd nacb allerlei zugeben. Die Untersuchung zog immer weiiere Kreise und ergab endlich, daß MierS eine der Haupttriebfedern bei den fortgesetzten Veruntreuungen mar. Außer ihm wurden als Haupimittäter die Güterbodenarbsiier O u a st nnld Wollschläger und als Haupthehler ein Soifenhändler Otto Jordan aus Reukölln entlarvt. Als Täter kommen im ganzen »cur Personen und als Hehler ebenso viele in Frage.. Die Diebstähle fingen klein an: Zunächst bandelte es sich nur um Kiste Zigarren. Dann kamen Stoffe. Seide u'w. hinzu, und dxe ganzen Veruntreuungen erreichten im Lause der Zeit den Werx von rundeiner Million Mark Güter- und B-areauarbeiier gingen miteinander Hand in Hand. Fracht vriefc wurden vernichtet, Avise gefälscht. Während einige der Beteiligrcn aktiv mitwirkten, beschränkten sich andere daraus, die Veruntreuungen, von denen sie ivnßten, geschehen zu lassen. Den größten Teil der Güter brachte Jordan an sich, um damit oinen schwunghaften Handel zu treiben. Er setzte die gestohlenen Waren;um Teil unmittelbar aus dem Wochenmarkt in Neukölln wieder ab, zum Teil gab er sie an Hehler, die er an der Hand hatte, regelmäßig weiter. Bei ihren Nachforschungen nach den Gütern- stießen o:e Kriminalbeamten auch-aus einen Posten Kunstseide, Batist und bedruckte Seid«. Es ergab sich. daß diese Stoffe zwar nicht aus den BablxhokZdiebstählen, aber ohne Zweüel auch aus Schiebungen oder einem. Einbruch.herrilbren. Wem der Posten, der LOVOOtt M. wert ist, gehört, ist«och nicht be- kanut. Er wurde beschlagnahmt, und Proben können im Zimmer 88» des Berliner Polizeipräsidinm.s angesehen werden. Tvdesobser im Sicherheitsdienkt. Bei der ErsüllxtltQ ihrer Pflicht im Kamvse gegen das Verbrechertum sind gestern du Uirterwach: me' üur Grontkowsky mü» Grosse von der 8. Adtoilimg der 4..Hauptmannschaft der SicharheitSVokspti gröffexx. Ais gestern abend dar Sohn des Schloffermesiier Much ein verdächtige! Ge- äusch in seiner WerS'wtl«wt dem Grundstück Lyu-rrfir. 37 börte, ging er hinein und ssictz auf. drei tSmdvecher. die setzt sofort die Flucht ergiriffen. Bon Kürtz verfolgt, lresvn zwei über die Puttlitz- li rücke und entkamen. Ter dritte»abm feinen Weg über die FexrnSrückc. Äaxrtz: der ihm folg«, traf Uae die Unterwochwrerster Grontkowsktz mxd Groffe von der Moaknter Wach«, die min mit ihm die Verfolgung fortsetzte::. In der Lehrter Straiße horte Gront- kowskn den Verbrecher fast erreeckü irnd wollte ibxx stellen, als dieser sich plöhrich umwandte und aus einer Entssrnun» von zwei»Tckritt den Umterwacksimesiter durch einen Prustschuß nieder- streckte. Grosse verfolgte den Einbrecher wsiier, erhielt aber von ihm vor dem Hause Ourtzowstraße 139 einen Genickschuß und brach ebenfalls zusammen. Jetzt setztm der PMzeiwackstiiieffter Schilzke von der L-rdxumgspcstizei mit mehreren Zivilisten die Verfolgung 'ort. Am Stephcmplatz kam es zu einem mehvmal igen Mixgelwechsek, der damit endete, daß Schilzke den Einbrecher tödlich traf. Die bei- den schwerverletzten Unterwachtmoisrer wunden narb dem Krankau- Hause Moabit gebracht und starben dort bald nncb d�r Auf- nähme. Tie Leiche des Einbrechers wurde dem©dinufwuse zuyc- fiifct, wo er als.4«.38 Ja ine alter aus Aackxen gebürtiger Schlosier Judius B o i s festgestellt mitte.—.Ein verchänanisv ollen Irrtum hat ebenfalls in'der vestgangeaen ÄaM dem Polstzeimach! inelfter K locke vom 118. Revier das Leben gekostet. Klacks:mxrde tun 10� Uhr von dem Schuldiener ser Ki: stiaie-r-Oberrealschule nach dem Grundstück Zwingltstr. 2 gerufen,«-eil. dieser glaubte, daß sich Einbrecher in dem Gelwxche befänden. Der Schirldiener t>erinniete, es mit Bodensinbrechern zu Nur zli haben und ging von der emen Seite lihtmiis, während Klocke die andere Seite nahm. Oben hielten sich nun die beiden Männer gegexrseing für Ei'.wvecher und schössen in dar Dunkelheit aufeinander. Ter �chuldiener tauf den Polizei- wachtmeistcr fo schwer, daß er bald darairf im Krankenhaus Moabit starb. Für den 70 jährigen Invaliden, dessen Aoxlage kürzlich hier unter der lleberichrift„Ein Stiefel verloren" geschildert wurde, gingen 20 Mark von S. Sauer. Rankestr. 22, ein. Der Betrag wird dem Invaliden durch uns übermittelt werden. Zur lieber« «ittlxmg weitester Spenden find wir gern bereit. Groß-Serkiner parteinachrichten. Neu kost«. Am saeitag, den 6. Februar, 7 Uhr, im städt. Lyzeum. berliner Str. 10/12, Versammlung der Genossen, deren Kinder die Real< schule Boddinstraße-uid Ltzeum Berliner Straße besuchen. Anbänger der S. P. sind ebenfalls herzlich lvillkommen. 2.-8. Abt. Gruvpe Südvcst-West. Montag, den 9. Februm', 7 Uhr. Kursus über Betriebsräte nnb Gewerkschaften von Lindow, in der Schule Msttenwakoer Straße. Neuenhagen(DP}. Donnerstag, 7 Uhr, im Lokal Wolter. Königs- alles, öffentliche Bersaomnuiig. Tagesordnung: 1. Unsere Stellungnahme zur Gemeindeverwaltung. 2. Die bevorstehenoen Wahlen der«UernbeKäte. HeweckschHsbewMno Am Tarifbewegung im verllcherungsgewerbe. Wie wir in unserer heutigen Morgenausgabe berich- teten. haben die Gewerkschafksbünde der Ange- st e l l t e n nach dem Abbruch der Verhandlungen durch den Z e n t r a l v e r b a n d der Angestellten mit dem Ar- beitgeberverband einen sogenannten Tartsverlrag geschlossen. Der Zentralverband mußte seine Mitwirkung an den Verhandlungen einstellen, nachdem klar zu erkennen tvar, daß der ArSeitgeberverband nicht Willens ist, den berechtigten ! Forderungen der Angestellten auch nur annäbernd entgegen- ! znkommen. Die mangelnde Berechtigung der Gewerkschastsbünde zur Abschließung eines Tarifvertrages für die gesamte Branche der Versicherungsangestellten ergibt sich schon aus der Tatsache, daß die Gewerkschastsbünde noch nicht ein- mal 10 B r o z. der Angestellten des Gewerbes zu ihren Mitgliedern zählen können, während der ZentralDestband etwa 9 0 Proz. der Angestellten in seiner Or- ganisalion zusammengeschlossen hat. Erst jetzt, nach dem Abschluß dieses famosen Tarifver- träges zeigt sich klar, daß das Bestreben her Unternehmer, die Gewerkschastsbünde auf alle Fälle als Tarifkontrahenten mitwirken zu lassen, ein sehr geschickter Schachzug war. Die Unternehmer wußten im voraus, daß ihre Halsstarrigkeit zum Abbruch der Verhandlungen führen mußte. In den Gewerks ckkastsbünden sahen und fanden sie ein williges In- ftrument, einen Keil in die geschlossene. Front der Angestellten zu treiben. Trotz des liebediene- rischen Entgegenkommens der Gewerkschastsbünde wird diese? Bestreben aber durchkreuzt werden, dafür sorgt schon die organisatorische Bedeutungslosigkeit der Gewerkschastsbünde xmBersicherungsgewerbe. Wie bereits gemeldet, bat der Zentralverband der Ange- stellten sich nach Abbruch der Verlxandlungen wegen Ein- s e tz u n g eines Schiedsgerichtes an das Reichs- arbeitsiiiinisterium gewindt. Es ist zu boffen, daß durch das Eingreifen des Arbeitsmimsteriums die Versicherungs- angestellieii ocffcr zur Ersüllmig ihrer berechi'gi«! Forde- rxmaen kommen, als das durch den unmöglichen Tarifab- schiutz ohne Mitwirkimg der in Betracht kommenden Organi- sation erreicht worden ist. . Zur weiteren Stellungnahme in der Tariffrage versammeln sich die Versichernngsangeitellten heute abend 7 Ubi in einer Mitgliederversammlung in der Neuen Welt. .Hasenheide..____ Streik in samtlicken Kieler Suchöruckereien. (Eigener Trahtberich.t des„Vorwärts".) Kiel. 4. Februar. Hier haben heute morgen die Buchdrucker wegen Lohnftrsitigkexten in allen Betrieben die Arbeit niedergelegt. Das Kieler Lohn- und Arbeitsamt hatte für die sämtlichen Betriebe eine Teuerung? z�u läge von 2 4 Mark wöchentlich festgesetzt. Der Unternehmer verband im Buchdriickgewerbe weigerte sich, diese Teuerung?- znlage zu bezahlen und steht aus dem Standpunkt, daß für alle Lohn- und Arbeitsdisicrenzen die Beschlüsse der Tarif i.n stanzen maßgebend sind. Darauf traten heute morgen alle in den Buchdruckereien beschäftigten Per sonen in den Ausstand. Sämtliche Zeitungen,'ind am Erscheinen verhindert. ) Stürmische Vnchdruckerbex-samuxlnng. Zu der am DinnÄtag im Gewerffchatlöhause abgehaltener. G e- neralver sammln ng dels Vereins der Berliner. Buchdrucker und S ch r i s t p i e ß c r nahm die Erörterung der: rnlatzlich der Vorgänge am IT Januar erfolgxen ZKkunasverbotc einen breiten Raum ein.— Ter Vorsitzende Massini. der diese Angelsgenheit in feinem Situation sbericht behandelte, führte an?. der Vorstand Hecke wegen Freigabe der verbotenen Blätter mit Nercksragierung verhagelt und dabei beton:, daß die Arbeiterinter- «ssen eine möglkckst baldige Aufhebung der Zei- rungsv erböte erfordern. Die Rcgierungeverioeter hätten erklärt, die Au Snabnremaß regeln sei«« norwendig gewesen zur Aui- rechierhaltpng der industriellen Produttion und des ganzen deutscher Wirtschaftslebens. Die Bergarbeiter und die Eis enb.cknarbail er seien nicht nur durch mündliche Agitation, sondern besonders auch durch die verbotenen Wärter fortgesetzt zur Arbeitsniederlegung auigefordert worden� Ein Erfolg dieser Agitation würde die schwersten Schäden für daS ganze deutsche Volk zur Folge gehabt haben. In dem Augenblick,!vo diese Gefahr beseitigt sei. .wo der Fortgpng der Arbeit in den Kohlengruben und den Eisen- h-al>nhc: rieben gesichert sei, würden die An snahmem aßr egsln stillen. In der letzten Besprechung habe. Reichskanzler B a e r erklärt, einige Zeitungen seien schon nneder- freigegeben, das Verbot der„Leipzig s BoWzeitnng" werde nächstens wieder ausgehoben werden, wann die Freigabe der in Berlin verbotenen Zeitungen erfolgen werde, könne er noch nicht sagen. Inzwischen seien, wie Massini-bemerkte, einige der verbotenen Blätter wieder erschienen. Zun:'Ichlutz l-eionte der Rodner. daß die Buchdrucker aus de.« Standpunkt« stehen. daß der Forderung Rechnung getragen wird. bsi notwendig werdenden Prefievestbören die Verbots zu befriste:: U!ch eine Beschwerdeinstanz gegen die Verbote Zu schassen In der Debatte kam es zu äußerst stürmische". Austritten. Zunächst sprachen mehrere Redner der radikalen Richtung. Fl- lär. geren Ausführungen vertraten sie ihre politischen Anschauungen, verurteüton die tsiegierungspolitik im allgemeinen und die Preist;.- Verbote im besonderen. Äxxer dieser Redner brachte eine Resob:- twn ein, die unter anderem fordert, daß der GewsrkschastSbund o«". anlaßt werde, Schritte zur Wederherstelluna der Pressefreiheit zu mrternckhmen, SÜottiöS, bei ben Vvrttimern gegenüber ben Stanbyrmki der lizialdemoZratischen Zlirtglreder vertrat, bezeichnete es als eine U n- ehrlich leit der Opposition, daß sie sich als Hüterin des Rechts und der Verpa»dsin«resien aufspiele, sich aber mit keinem Wort gegen d-ie Beschimpfung der Buchdrucker durch die „Freiheit" gewandt habe. Ebenso inkonsequent sei eS, wenn die Opposition verlange, daß der Allgemeine Deutsche Ge- w e r s ch a f t S b u n d, dessen Vertreter sie immer als Arbeiterver- räter bedeichnxn, siä) für die Wiederherstellung der Pressefreiheit einsetzen solle. Eine Heuchelei sei es, wenn sich bie Radikalen fetzt für di« Pressefreiheit ereifern. In den Januartagen des von- gen JahreS, wo die Unabhängigen und Kommunisten in Berlin die Macht hatten, unterdrückten sie die linksstehenden Zeitungen, während sie di« reaktionäre Presse unbehelligtlietzen. Der Redner besprach die Vorgänge am 18. Januar und betonte, daß er und seine GesinrmngSgenosien selbstverständlich für volle Pressefreiheit seien, aber die Pressefreiheit habe da ihre Grenzen. wo die Interessen der Mlgemsinheii bedroht würden. Von diesem Gesichtspunkt feien die Magnahmen der Re- gierung zu beurteilen. Im Interesse des ganzen Volkes sei es zu begrüßen, daß die Regierung gegen die Störung des inneren Friedens nicht wieder, wie früher, mit halben, sondern mit ganzen Maß- nahmen vorgegangen sei. Die Ausführungen des Redners waren wiederk-olr durch Zwi- fchenrufe der Gegner unterbrochen worden. Nach seinem letzten Satz brach ein ungeheurer Tumult aus. Zunächst waren es ein- zelne. die mit'erhobenen Fäusten nach dem Redner droihten und ihn durch wüste» Schreien am Weiterreden hinderten. Der Haufe der Schreier vergrößerte sich schnell, drängte nach dem Red- nerpult und verlangte stürmisch, daß der Redner nicht weiterspreche. Etwa eine Viertelstunde währte der wüste Lärm. Alle Versuche des Vorsitzenden M a s s i n i, die Ruh- wiederherzustellen, blieben «rfolglos. ES schien daß es auf die Sprengung der Ber- s a m m l u n g abgesshsn war. Nach einiger Zeit gelang c§ einem Redner, der sich als Ange- höriger der Linken bezeichnet-, sich e.nen Augenblick Gehör zu der- fchaffen und die Schreier zu ersuchen, die Redefrekheit zu achten.— Nach und nach trat Ruhe ein und Thomas konnte in seiner Rede forttahrcn. Der Vorsitzende ersuchte ihn, um die Ursache des Lärms feststellen zu können, möge er den letzten Satz sedier Rede wieder- holen. Als Thomas hierauf begann:„Ich möchte feststellen," rief ihm jemand zu:„daß Tu ein Lump bist."— Hessige Protcstrufe der Mehrheit antworteten auf dies« Beschimpfung. Ms sich die Versammlung wieder beruhigt hatte, verwahrte sich Thomas gegen die Annahme der Opponenten, daß er das Vergießen von Ar- beiteikblut gebilligt habe. Davon könne gar keine Rede fein. Aber dabei bleibe er, daß die Maßnahmen der Regierung zur Aufrechter- Haltung Pn Ordnung und des Wirtschaftslebens zu begrüßen seien. Nach Sckiluß der Diskussion wurde folgend« von Thomas emgebrachie Resotoion mit großer Mehrheit angenommen: Tie GewerÄversammlung stellt sich prinzipiell aus den Boden vollster Pressefreiheit nnd bedauert daher die . aus Anlaß de>r Vorgänge vom 13. Januar erlassenen Zcitungs- verböte. Sie erkennt jedoch die schwierige Lage der Regierung an. die ohne /Rücksicht aus irgendwelche Wchersiande von Interessengruppen, lji;- sich mit dem Gemeinwohl in Widerspruch setzen. für eine W r e'd c r g e f u n d u n g des Wirtschaftslebens zu sorgen hat. Es wird jedoch gesorderi, daß sofort Vorkchrun gen getroffen werden, die jede Willkür bei Presscverboten auS schalten. Im übrigen wird als Selbstveiständlichkeit auSg* sprochen. daß nie Pressefreiheit ebenso w i e die Freiheit der Person da ihre Grenze hät, wo es um die Existenz des ganzen Volkes geht. Hierauf nahm di« Versammlung Stellung zur bevorstehenden VerbandSgeneralverßammlrmg. Die dazu vom G an vor stand gestell- ten Anträge wurden angenommen, ebenso ein von K o t t e gestellter und von M a s s i n i däkr» erweircrter Antrag:„Arbeitsgemeinschaft oder Rätesystem", welcher auf die Tagesordnung des Verbandstages zu fetzen ist._ Lohnbewegung bei der Z?irma Ruhnke. Auf Veranlassung des kaufmännischen Personals der Firma Optiker C. R u h rr k e, die in allen Siadtieilen Groß-B«rlins Filialen hat. setzte sich der ZeniralvaBajid der Angestellten mit der Firma in VerHindun«, um eine Erhöhung der Gehälter, die wirklich sehr zu wünschen übrig lassen, durchzusetzen. Den Optikern ist es gelungen, wesentliche Verbesserungen zu erreichen; es hat aber den Anschein, alö ob die Firma der Ansicht ist. daß sie dem kauf» m ä n n i s ch e n Personal kern Entjjegenkommen zu erweisen braucht, denn die jetzt gebotenen Gehasier entsprochen in keiner Weise den heutigen teuren Lebensverhältnissen. Wohl bewilligte die Firma einzelnen Angestellten höhere Gehälter als verlangt wurden, aber wie klar ersichtlich, nur zu dem Zweck. Zwietracht in die Reihen der Angestellten zu bringen, was ihr aber nicht gelingen wird. Nach wie vor stehen die Angestellien fest zusammen und werden sich in einer demnächst stattfindenden Versammlung über die weiteren Schritte schlüssig werden. I Herst«, Kampfreihe it. Durch Verrat eines Spitzels wurde er am ! Weihnachtsheiligabend 187ö festgenommen und ! Monate in Untersuchungshaft«ehalten. Das gegen ihn eingeleitete I Verfahren endete mit Freispruch. Seit dem!. März 1883 wirkte s er in Halbcrstadt als Arzt. Sein erfolgreiches Wirken ist umso ! höher zu bewerten, als Crohn stus auch den Armen ein hilfs- ' bereiter Sozialdemokrat war, weswegen er von dem honetten t Bürgertum geächtet und gesellschaftlich bchkottiert wurde. Desto ! mehr wurte er von den Arbeitern gpliebt und geehrt, denen er stets ein Helfer und Berater war. Der„rote Doktor" hatte einen ; guten Namen in her deutschen Sozialdemokratie. Es wird seiner stets in Ehren gedacht werden. parteinachrichten. Genosse Dr. Crohn zcstorben. In Halber st adt starb am 31. Januar unser Genosse Stadt- verordneter Dr. Moritz Crohn im Alt-r von 83 Jahren. Der Verstorbene stand schon unter dem Sozialistengesetz m den vor- Mus aller Welt. Totgestürzt. Bei Tessau stürzte ein mit vier Personen besetztes Flugzeug der Junkers Fiugzeucwerke aus großer Höhe ab. Die vier Insassen waren ioiort tot. Französische Truppen lehnen polnisch» Ovationen ab. Beim Eincug der tianzössiaen Tiuppeii in Beulten hatte sich' am Nach- mittag in der Bahnhoistraße eine Anzahl polniicher Vereine mu roten Fahnen und dem weißen Adler eingefunden, um mit Musik die Beiatzungsiruppen zu empfangen und in ihre Ouarliere zu be- gleiten. Der französische Transportsührer sab den kleinen Zug, der nus etwa 158 Perionen bestand, an und eröffnete dem Füarer der Polen, daß er aui derartige Empfänge keinen besonderen Werr lege. Er ließ den p-sinsichen Zu, abrücken, ohne daß die französischen Truppen sich anschloffcn. Erst einige Stunden später rückten die Truppen ein. Mut zeiget auch der Mameluk, sagte sich Georges V l e m e n- et au, als ihn. die Engländer vor Attentaten der Nationalisten warnten und reiste nach Aegypten. Sollte gar hinter der englischen Warnung die Furch: gestanden haben, der Tiger könnte auch das Aeghptervolk„befreien" wollen? Tie argentinischc« Wasserkrilfte. Ueber die Ausnutzung der Jguacufälle hat der deutsche Ingenieur Dr. Kltngenberg in �Berlin der argentinischen Regierung ein Gutachten unterbreitet. 'Die großen Fäll« an der Mündung de» JguaguflusseS in den Pa. ranastrom bilden an der argerttinisch-brasilianischen Grenze eine Wasserkraft, di-e der des Niagara ebenbürtig ist. Der S:urz der Jguaou fälle ist 80 Meter hoch, der der Niagarafälle nur 47 Meter. Ueber das Projekt sollen Verhandlungen zwischen Argen- tinicn und Brasilien schweben. SS! Berantw. für den redaktion. Teil: Situr zickler, Cbarloiienbura: für Änzeinen: Th.»lecke. Berlin. Verlan: Borwürte-Verlaa S. m. b. S. Berti». Druck: Vor- waris-Buchdruckerei u. Verlaosanlwlt Paul Sinaer u. To. Berlin Lindenftr. 8. S»islilem. iitshlvelein cichtenberg tS.?. D.) Den Parteigenossen zur Nachricht, das, unsere lang- jährige Deno-sin Müs Bauer ged Schöne gestorbeu ist. SSSjU Ehre ihrem Baden ken I Di« Beerdigung findet Donneretag. den 5. Febr.,. nadirn. 8 Uhr. auf dem Friedhofe in Marzahn statt Um rege Beteiligung er- sucht Der Vorlianö. MteRefsertepplcliB bis 3X4«US Privathand gesucht. Jahn Rodoothgl, Berlin W.S, Taubenstr. lu. Fernsprecher Zentrum ,791. Messing 10,00, bei größeren Posten 11,00, Kupfer 18,00, bei größeren Posten bis 10,00, RoiguB 16,00 bis 17,00, Blei-.50 Bis r.0», Zink bis 4,75, Zinn bis 36,00, Weißmetap 22,00 zahlt m. Kilo IßtallSfJmslzs, ÄT" an der Kottbuser Brücke. Amt Moritzpl 10658 Neben anschluß.[ Mtmetalle Äspfce, äReifian. gwu. gink und Blei, auch Edelmetaste laufi höchftzahlend si!elä!I�IssliZii!-!eiitki!e. Ii ott bitter Damm(ib. tUipl. 13580. Franzlstsche» KojinaK-lCcxept oertiwfltch. Offerten unter Ii. 43 an diele Zeitung. ♦ BuSMiim BoimSfö, Bftilaöfflis Lindcustraße 2. Im Tollhan je Bon Arwr Zickler. 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