Nr. 66. 37. Jahrg. Ve»u«SvreiSt «iert-H-hrl. mon-N.»« M. — I.M t)7. Donnerstag, den 5. Februar ltt£0. Vonvärts-Verlag G.m.b.H.» SW. 68, iindenstr.3. Kernivrecher: Am» Morinvlav. vir. ll7SZ— 54. Einmütigkeit. 1 ' Die ßifte der von de? Entente geforderten Personen, die heute morgen veröffentlicht w.urde, hat in ungezählten Fa- milien Beunruhigung hervorgerufen. Wenn man die Namen Hindenburg.Lude.ndorff,FriedrichWilhe-lm b. Hohenzollern, Bethmann. Tirpitz usw. liest, '.veiy man wenigstens, wer damit gemeint ist. In den meisten Fällen aber handelt es sich um die Namen von Unbekannten, die in Deutschland mehr oder minder stark verbreitet sind. und niemand weiß genau, wer eigentlich mit ihnen ge> meint ist.. So mutz diese unvollkommene Aste Unruhe trogen nicht .nur unter die Schuldbewutzten, sondern auch unter diejenigen, die besürchien. datz sie durch irgendeine falsche Denunziation auf sie gekommen sind. Wenn auch noch der unzweifelhaften Feststellung der Regierung eine Möglichkeit zur Auslieferung nicht besteht, die Genannten also nicht zu befürchten brauchen, sie würden in der nächsten Nacht*ms dem Bett geholt werden, �o. gehört eS doch sicherlich nicht zu den Annehmlichkeiten des Lebens, auf dieser Liste zu stehen. Hoffentlich gelingt es, binnen kürzester Zeit festzustellen, welche Personen eigentlich mit den vieldeutigen Namen, die da angegeben werden, gemeint sind. . Es ist einstweilen auch noch nicht sicher, ob mit dem in der. Ast«. genannten, von Frankreich gefoLderten. Auer wirk- lich der frühere bayerische Minister. Genosse Erhard Auer. gemeint ist. Die Nachricht, daß sich auch Genosse Auer auf der Liste befinde, mar uns schon, bevor wir diese selbst er- hielten, auf privatem Wege zugkgangen, ihre Nichtigkeit wurde durch den Anschein bestätigt, es kann sich aber immer noch tun eine Verwechslung handeln. Es braucht nicht hervorgehoben zu wenden, datz die Hal> tung der Berliner Mvrgenpresse von heute in der Kernfrage ■durchaus einheitlich ist. Ein Mittagsblatt, das von einem Angestellten der französischen Mission und Mitglied der deut» schen U. S. P. henauSgegeben wird, veröffentlicht den Vor- schlag eines linksstehenden.Demokraten, die Auslieferungs- frag« einer Volksabstimmung zu unterbreiten. Es ist nicht anzunehmen, daß dieser Vorschlag von französischer Seite rnspiriert ist, denn datz bei einer Volksabstimmung neun Zehntel oder neunundneunzig Hundertstel des Volkes gegen die Auslieferung stimmen würden,, ist nicht zu'bezweifeln. Eine Volksabstimmung ist aber auch kein Mittel, diese Krise zu lösen, da die buchstaben gemäße Verpflichtung zur .Auslieferung durch einen Akt der deutschen Gesetzgebung und das ist nach der Verfassung eine Volksabstimmung— nicht aufgehoben werden kann. Es handelt sich auch gar nicht um ein« Frage des Wollens, sondern um eine Frage des Kdnriens, und daß keine lsiegierung die Auslieferung durch» zuführen imstande ist. ist eine Tatsache, an der Abstim- mungsergebnisfe nichts ändern können. Es mutz immer- wieder gesagt werden, datz es sich um eine tatsächlicheLage handelt, gdgen die kein. Wille auf- kommen kann und die auch durch die leidenschaftliche Kritik. die von einem Teil der Auslandspresse zu erwarten ist, nicht beeinflußt werden kann. Die deutsche Negierung hat den Vertrag von Versailles unterschrieben, aber sie hat nie ein Hehl daraus gemacht, datz die Durchführung dieses moralisch und materiell unmöglichen Vertrages an Kewissen Punkten auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen wird.'und sie hat die Auslieferungsartikel des Vertrages von vornherein als' einen dieser Punkte bezeichnet. Wir gehen ernsten Zeiten entgegen, daran ist gar kein Zweifel. Die Gegenseit«» hat sich so festgerannt, daß ein Ausweg schwer zu finden sein wird. Die Macht, und Gewaltpolitiker, die auf ihrer Seite nicht fehlen. werden m der gegebenen Situation eine erwünschte Ge- legenheit erblicken, das Zerstörungswerk von Versailles nur, 'U?0"cn,H|en. Auf.der anderen Seite sind aber auch drüben die Stimmen der Einkehr und Besonnenheit so laut geworden, daß man hoffen kann, es werde auch dort keine Reiayng bestehen, eine neue Fahrt ins Ungewisse anzutreten. Eine gewisse Ueberraschung hat'.es bereitet, daß sich neben Frankreich und England auch andere Staaten an der Aufstellung der Auslieferungsliste beteiligt haben. Man gsaubte die? hier nicht erwarten zu dürfen und muß anneh. men. daß in diesen Staaten e i n U m schw u n g eingetreten »st- Folge dieses Umschwunges ist. daß an der Ausliefe. r»ngsfi-age nun nicht mehr bloß England und Frankreich, sondern alle alliierten Staaten Europas interessiert erschei- nen. Daraus kann man schließen, daß die Erwägung der weiteren Schritte, die unternommen werden sollen, in ge- memsamer Beratung erfolgen wird, wie das ja laut„ßavas" der Botschasterkonferenz bereits geschieht, und daß mit Affekt bandlungen eine» einzelnen Staates nicht zu rech- Tita ist. In der Pariser Botschasterkonferenz sitzen Freiherr»im LerSnrr hat Paris am Mittwoch abend um 1» Uhr verlassen. » Zu der Weigerung LerSnerS, die Liste der deutschen Schuldigen an die deutsche Regierung zu übermitteln, schreibt„TKe-graaf", es sei}ef>T gut möglich, daß man am Vorabend einer sehr ernsten K r t s i S in der Durchführung des- Friedensvertrags stehe. Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" ist der Ansicht, daß Lersner das Dokument derartig fand, daß er sich mit feiner Ueber-' mittlung nicht belasten wollte. „Allgemeen HgAdelSblad" schreibt: DaS Vorgehen LerSnerS geb- einen Vorgeschmack davon, vor welch« S ch w i e t i g He i t e n sich dir deutsche Regierung durch die AuSlieferungS frage, die die schwierigste von allen unangenehmen Fragen, die sie bisher zu lösen.hatte, zu werden droht, gestellt sehen wird. Kunö'gebung öer preußischen Lanöes- Versammlung. Der Aeltestenrat der Preußischen Landesversammlung bat beschlossen, den Beginn der Donnerstagsitzung um eine Stunde zu vertagen. Es soll eine Erklgrumg zur Aus- l i e f e r u n g s f r a g e abgegeben und dann die Sitzung zuu Zeichen der Trauer aufgehoben werden. Ter Inhalt der Erklärung ist folgender: Die Landesversammlung hält in Uebereinstimmung mit der Reichsregicrimg die Durchführung der AuSlicferüngsnott! für unmöglich, weil kein Deutscher sich herbeilassen würde, der Entente Handlangerdienste zu leisten. Diese Aus- lieferungsliste ist nur geboren aus der maßlosen Räch- sucht übermütig gewordener Gegner. Berufung öer Zraktionsvorstänöe. Dir Nrssirrunff hat die Borsitzendcn der Fraktionen der Nationalversammlung zum Eounabend zvsamwenbcrufen. um mit ihnen zu drsprechen, ob und wann dir National- Versammlung zusammentreten soll, um zu drr AuS» liesmingsjrage Stellung zu nehmen. Bis dahin hofft die Negicrung im Brfltz drr AuSlirfrrungSnote zu sein, ohne deren Kenntnis Vcr Handlungen und Beratungen zwecklos sein würben. Der Stanöpunkt öer Negierung. Vor Vertretern der Preffe gab heute ein Mitglied der Reichs- regierung folgendes Bild der Situation in der AusneferungSfrag«: Wir befinden uns in einer ähnlich schweren Situation w i e i m Juni 1 L 1 S. Unser damaliger Versuch, die sogenannte Ehren- ,„ o � J", kl-usel abzulehnen, blieb erfolglos. Zwar stimmte am 22. Juni u t' i I- i"'die Mehrheit der'Nationalversammlung der Unterzeichnung des mit ihm genommen weiden, doch halt man es hier für sicher, geWitz viel kluge Leute und gewiß nicht lauter Eisenfresser. Ihre ! Lage ist. wie man in Teutschland zugeben und einsehen muß, auch nicht leicht, da sie von nationalistischen Strömungen gedrängt werden und das Argument. Deutschland habe unterschrieben, also müsse es auch erfüllen, für Leute, die nicht weiter über die Folgen nachdenken, eine gewisse Durch- schlagskraft besitzt. Aber braucht man erst nachzuweisen, daß Deutichland, das kein Heer, keine Flotte, kein Kriegsmaterial und keine kriegslustige Bevölkerung besitzt, Konflikte nicht sucht, sondern sie mit allen Kräften zu vermeiden bestrebt ist? Was kann Deutschland tun? Es hätte sich hoch- stens auf die altchinesische Diplomatie der Ausflüchte und d£s Hinhaltens einrichten können, aber was wäre damst ge- Holsen?. Deutschland zieht es vor, der Welt zu sagen, daß es alle Risiken seines gegenwärtigen Verhaltens zu tragen gezwungen$st, weis die Möglichkeit eines anderen Verhaltens nicht besteht. Die Negierung gegen Lersner. Dr. Mayer reist nach Paris. Wie wi� erfahren, mitzbill-igt die Äeaicrung das Verhalten' des Herrn v Ltrs'n er. der die Annahme der Note zurückwies, auf das Entschiedenste. Sie de- trachtet dieses Verhalten als provokatorisch und. nicht geeignet, eine sachlige Erledigung der Ausliefcrungssrage im günstigen Sinne zu fördern. Die Regierung hat ein großes Interesse daran, die Ausliefcriingsnote und die Liste erhalten, weil ihr ohne diese Schriftstücke die Grundlage zu jeder weiteren. Verhandlung fehlt. Das Wohl des Volkes mußte in diesem Fall dem Ebrenstandpunkt des einzelnen vorgehen. Konnte es.Herr v. Lersnvr durchaus nicht über sich gewinnen, die Notff in Empfang zu nehmen, so hätte er. dies vorher sagen und vorher.die Konsequenzen ziehen müssen. Herr v. Lersner hat zwar vor einiger Zeit gesprächs- weise geäußert, daß' er die Note nickt rntgegcnnchmen würde. Darauf ist ihm aber durch den Minister des Auswärtigen. Genossen Müller, die ausdrückliche Anweisung ge- geben worden, die Note ohne Aeußerungin Empfang zu nehmen. Gegen diese Anweiiung hat Lersner Widersptuch nicht erhoberO so daß angenommen werden mußte, er würde sie besorgen. Der Gesandte Dr. M a y e r> Kaufbeuren trifft heute im Laufe deS TagcS in Berlin ein und wird voraussichtlich.noch heute abend nach Paris abfahren, wo wir zur». zeit ohne ausreichende Vertretung sind. Er wird sich bei' seiner Abfahrt verpflichten müssen, die Note entgegen daß Dr. Mayer keine Schwierigkeiten machen wird, menn ihm natürlich auch durch das Verhalten von LerSnerS die an sich schwere Pflicht noch weiter unnütz erschwert worden ist. Ter Regierung liegt jedenfalls jede Handlung fern, die als Abbruch der diplomatischen Beziehungen gedeutet werden könnte. llersnexs Schreiben an Milleranö.. Die rnglischr» Zeitungen veröffentlichen de« Text de« Schrei- brnS des Freiherr« v. L e r ö n r r an de« Präsidenten der Frie. denskonferenz Millerand. Es lautet: � Paris, 3. Februar 1920. . Herr Präsident! Eure Exzellenz haben mir heute abend eine N» t e übermittelt, die die Namen der Deutsche« enthält, deren Auslieferun Oi« alliierten und assoziierten Mächte verlangen. Ich habe den Ber. trctrrn der alliierten und assoziierten Regierungen zehnmal schriftlich und d r e k z r h n m a l mündlich anf baS eindring- lichstr dir Gründe der Unmöglichkeit drr Auslieferung dargelegt, wie immer auch die s» z i a l r S t e l l u n g und drr Name des Beschuldigte» sei. Ich rufe Eurer Exzellenz die ErNärunssen, die ich beständig wiederholt habe, in Erinnerung: Man wird keinen deut- schen Beamten finden, drr sich dazu hergebe» würde, in irgend einer Weise zur A oSführung des AuSlieferungSbegehren beizutragen.- Es käme einer B-oi Hilfe gleich, wenn ich die Noir Eurer Exzellenz der deutschen Regierung übermitteln würde, und ich schicke sie Ihnen beigeschlossen zurück. Ich habe meiner Regierung mit- geteilt, daß ich meine Funktionen nick/f mehr weiter a u S. üben kann und PariS mit dem nächsten'Zug»erlassen werde. Genehmige» Sic, Herr Präsident, dir Versicherung meiner Hochachtnag.(gez.)». L e r s n r r. Friedensvertrages nur unter der Voraussetzung zu, daß die Ehren- klai�sel' abgelehnt würde, doch war di« Antwort hierauf das Ulti- m a t u m der Enteirte, das unveränderte Annahme verlangte, anderen fall? der Einmarsch der Ententeftuppen abends um 8 Uhr beginnen würde. Ureter dem Druck dieser Drohung haben wir den, Vertrag ohne Aenderung angenommen. Nicht aus Mangel an Natitmalgesiih!, sondern um Schwereres zu verhüten, denn es war unS bekann�, daß Frankreichs sehnlichster Wunsch dähin ging, i n Deutschland einzumarschieren, die Mainlinie zu be- setzen und Deutschland zu zerreißen. Unsere Annahme war ein Akt der Selbstrrhaltung, sonst wäre die Katastrophe eingetreten. In der Zwischenzeit haben wir alles versucht, um eine günstiger« Situation herbeizuführen. Unsere Vorstellungen bei der Entente fanden zwar volles Verstand- nis bei Amerika und. Italien, zum Teil auch bei England, nicht aber bei Frankreich. Inzwischen haben wir fortwährend versucht, die Liste der Angeschuldigten zu erhalten, um sie hier zur Rechen schaft ziehen zu können. Die Regierung hat in dieser Be- ziehung nichts unversucht gelassen. Der Uedner gab ein Bild der m- dieser Beziehung unternon-mecken Schritte und verlas ein Z'tat aus der Note bewFriedenSschulß, in der betont wird, daß die Unterzeichnung der Ehrenklausel nnr unter Zwang erfolgt ist, dajjsvir sie aber als unerfüllbar ansehen. DaS Angebot einer Bestrafung der Beschuldigten durch unS ist aber stetS glatt abgelehnt' worden, auch im November, alS von unserer Seite da« Angebot er- folgih, daß eine Mitwirkung der Ententestaaten bei der Aburteilung der Schuldigen vorsah. Heute ist die Situation wohl gegen Juni l9l9 mehr entgiftet, die Sehnsucht nach eine-m wirklichen Friedens zustand ist allgemein, und auch in den Ententeländern setzt sich die lleberzeugnug durch, daß nnr durch vernünftige Zusammenarbeit stStt L Ander die attz«nei«e wirtUastNH« Aatayrsp?«»ermiede» werde« tan«. Dennoch ist Grund genug zur Besorgnis vorhanden. Was die Entente iun wird, wissen'wir nicht. Dasj die Konsequenzen für u?iS schwere sein können, ist uns bekannt, aktiven .Widerstand zu leisten, steht weder in unserer Macht noch in unserer Absicht. Aber die Regierung ist einmütig der Ansicht, daß die.Durch- führung der Auslieferung ein Ding der UnmSgllchkrit ist. und daß keine Regierung, aus welchen Parteien und Per- sonen auch immer zusammengesetzt, sie gegen den Widerstand der gesamten öffentlichen Meinung durchsetze, r könnte. ES fehlen einfach die Machtmittel hierzu. Die Regierung wird tn diesem Sinne nochmals bei der Entente vorstellig werden. Sie beharrt auf ihrem Standpunkt in der Note vom L5. Januar! Jedes provokatorische Auftreten liegt der Re- gierung fern, aus diesem Grunde bedauert sie die Haltung des Herru von Ä e r Z n e r, der verpflichtet gewesen wäre, die Note weiterzuleiten u,� das Wohl deZ Volkes über seinen persön- lichen Ehrenstgndpuukt zu stellen. Der Redner teilte dann die be- vorstehende Abreise des Gesandten Dr. Mayer mit. worüber wir an anderer Stelle berichten. Zum Schlüsse verwahrte er sich gegen die Unterstellung, daß e Regierung sich von persönlichen Gesichtspunkten leiten iietze. Keine persönlichen Sorgen leiten die Regierung, die gern jeden Tag ihr schweres nnd dornenvolles Amt in andere Hände legen würde, sondern die Sarge um da» gesamt« Volk. französisches Kammerecho. Mittwoch nachmittag beschäftigte man sich in den Wandel- gangen der Kammer lebhaft mit der durch die unerwartete Ab< rrise des Frhrn. v. LerSner geschaffenen Lage. AuS einer ErklS» rung M i l l e r a n d S einigen Parlamentariern gegenüber geht hervor, dasi dieser Akt nur als eine aus eigenem Antrieb« erfolgte Manifestation der Beamten ausgelegt«erden muh, die aber die von den Alliierten verfolgte Altion nicht z» unterbrechen imstande ist. Das Schreiben, dessen Uebrrmittlung, a« die Regierung Herr ». Leesnor verweigert habe, werde dfeher mit einer Liste der Schuldigen in Berlin übergeben»erden. Troelsira über üie fiuslieferangsfrage. Nack» einer Meldung de? Hollan-dsch NIeuwSbuveau hielt der holländische Sozialistenführer Troelstra in Amsterdam ein« de- merkensioerte Rede, in der er u. a. ausführte, jjg handle sich jetzt i cht um die Krage, wer den Krieg veranlaßt habe, sondern wer für oiesen Friedm verantwortlich sei. Cr habe nichts dagegen, wen» Holland auf da» traditionll« Asylrecht hinsichtlich des Exkaisers Verzicht«, denn«r sträube sich dagegen, daß Holland vzxgen eines solchen ManiieS in Schwierigkeiten geraten sollte. Wenn aber W i l» Helm II. in? Loch gesteckt werde, dann gehörten auch Lloyd George und Clemenceau hinter da» Gitter und Wilson könnte als Gefängnisgeistlicher seine Kollegen trösten. Heber hie Zukunft der Sozialdemokratie führte Troelstra aus, daß man die Wahl zwischen der Internationale von Bern und der Internationale LeninZ habe, d. h- zwischen der Diktatur des Proletariats und dem Rätesystem auf der einen und der Sozialdemokratie auf der anderen Seite. Di« Arbeiterpartei und die russischen Sowjets seien die zwei Pol« der Arbeiterbewegung und dazwischen würde sich di« wirkliche International« entwickeln. ''-. verlangt üie Entente Leichname! Auf der AuSIiLfernngsliste befinden sich, wie die„B. Z." fest. steKt, eine Reihe bereits verstordenor Personen. So werden z. B. zur Auslieferung verlangt Gen«ral Fritz von Velow, der Graf Haeseler, der Admival von Jngenohk, alles Pex- fönlichkeiten, deren Tod eigentlich der Eniente bereits bekannt ge- oorden sein könnte. die Politik üer Tsthechoslowakei. In der letzten Sitzung des auswärtigen Ausschusses in Prag hielt de« Minister des Aeußxrn Dr. Be'nesch eine Rede, in der er zu den europäischen Problemen grundsätz- lich Stellung nahm. Er begann mit einer ausführlichen Darstellung der russischen Politik des tschechoslowaki- schen Ministeriums des Aeußern. Der Friede von Brest- Litowsk'habe bei den Alliierten einen heftigen Wider- stand gegen das heutige Rußland und also gegen den Bolschewismus hervorgerufen. Man sei hierdurch zum Prinzip einer Jnterventionspolitik in Rußland gekommen. Der Minister fuhr fort: Der Augenblick deS Waffen st tll st andes wendete die Aufmerksamkeit ganz Europas von den militärischen Fragen auf die wirtschaftlichen. Die B o I s ch e w i st e n. began- nen durch ihre Propaganda eine Gefahr für die übrigen euro- tzäischen Staaten zu werden. Da trat im Westen die Idee der Intervention in ihre zweite Phase ein. Man be- fürchtete nicht nur die soziale Revolution, sondern auch die Gefahr einer Reakfton in Deutschland und anderswo. Jetzt handelt es sich darum, die soziale Anarchie, die von Ruh- land drohte, zu beseitigen und eine Orientierung Rußlands in der Richtung der künftigen deutschen Politik zu verhindern. Es ist heute niemandem ein Geheimnis mehr, dag jede Intervention in Rußland Hunderttausende Soldaten und»in Milliarden- Budget verlangt. Wie bekannt, mußte sich unsere Arme« wider ihren Willen und wider den Willen ihrer Führer an dem Kampfe gegen die B o l sch e w i st e n in der ersten Phase der AktionSpolitik beteiligen. Grundsätzlich aber mußt» überall die einzig richtige Politik der tschechischen Arme« in Rußland die sein, sich nicht in dir innerpolitischrn BsrhSltnisso Rußland» einzumischen. Wenn die Alliierten heute die wirtschaftlichen Beziehungen zu dem russischen Volke aufnehmen, so bedeutet das, daß sie von der Jnterventionspolitik ablassen. Weiter wies der Minister darauf hin, daß man heute von einem Kampf des Germanentums gegen das Slawentum spreche, ein schicksalsschweres Wort, das vor dem Kriege Bethmann Hollweg ausgesprochen habe. Die Lösung dieses Problems enthalte gleichzeitig die Lösung des PrMemS, das zwischen der Tschechoslowakei und den Deutschen in Böhmen bestehe. Man dürfe keine Politik der Romantik und der Sentimentalität treiben, die nur zu einer Verwirrung beitragen könne. Die slawische Politik werde weiter auf der Verständigung mit den slawischen Völkern beruhen, womit'die Po- litik der Tschechoslowakei in Mitteleuropa eng zu- sammenhänge, solange rings berum das ChaoS herrsche. Die Rumänen verlasien Ungarn. Die rumänische Regierung hat den Befehl zum Rückzug der B es a tz u n g S t r» y p en au» Unga.rn ge- geben.■*• verfasiungskonflitt in Hapern! München, S. Februar. Zwischen der daperischen Regierung und dem Landtage droht ein BerfasiungSkonftikt�weil im Ber- fassungSauSfchuß de» Landtags gestern beschloffen würde, daß alle bisherigen Zulagen für di» Geistlich«� auf die allgemeine Staat». lasse übernommen werden sollen. Der Ministerpräsidrnt rrNSrte darauf, daß ein LrrfaffungSkonflikt drohe, und daß er fich genStigt sehe, dem Ministerrat hierüber Bericht z« erstatte«.. Sauernbunö und Zentrum. Die Korrespondenz der Bayerische« Bolkspartei er- klärt offiziös, daß da» BanrrneinigüngSpr'ogramm nicht» enthalte, was den programmatischen Zielen der Bayerischen' BolkSpartri widerspreche. Solange die Verhandlungen zwischen den beiden bäuerlichen StandeSorganisattonen�loch im Gange sind. be. stehe für die Bayerische BolkSpartri keine Brranlasiung, bindeude Beschlüsse zu fasseu. Ullsihaufenführe? und Konterrevolutionär. Anerkannte Revolutionäre sind bekanntlich in Deutschland nich: vorhanden. Tressen, einmal zwei ganz Radikale zusammen, so ist lg gegen 1 zu wetten, daß der ein« den andern für einen„klein- bürifdrlichcn Ideologen" uiid„verräterischen Gegcnrevolutionär" er- klärt. Ein hübsche» Beispiel dafür liefert die kommunistische„llkäte- Korrespondenz" mit einepi Artikel ihrer Ätzten Januarnummer. der überschrieben ist:„Der Kampf um di« Betriebsräte". Zrnöchst werden darin nach dem üblichen kommunistischen Schema die gewohnten Vorwürfe gegen unsere Partei erhoben. Selbstverständlich wird auch das BctriebSrätegesetz al» Ausbund der Schlechtigkeit hingestellt. und demgegenüber das„revolutionäre Rätesystem" als das Allheilmittel für di« Arbeiterschaft gefeicri. Der Artikel geht aber auch mit den Unabhängigen sehr streng WS Gericht'und widmet insbesondere dem großen Strategen des unabhängigen Berliner VollzugSratS, dem großen Leichen- müller, einige recht„duftige" Liebenswürdigkeiten. Dem „Käsrchßnmüller" wird vorgeworfen, daß der von ihm propagierte systematische �Aufbau des RätegedaukenS ein systematischer Abbau der Revolution sei. Auch folgende Bemerkung muß Leichenmüller noch einstecken: „Er hat ja seit dem 9. November 1918 so gründlich shste- matisch„aufgebaut", daß von der Vollversammlung der Berl�per Arbeiicrräie und des VollzugSratS n'chtS übri� gcblichPn ist a!S ein Stoß Papier mit graphischen Abbildungen des„System?". Ein typischer Konterreoolutwnär wie er im Buche steht, eine deutsch« Paienrmarke...", Nachdem dann in recht bitteren Worten Richard Müller borge- warfen wird, die Kommunisten aus dem Bollzugsrat hinausgedrängt zu haben, heißt es weiter, damit habe er die„Bollverfammluus zu« Misthaufen gemacht". „Weder Kraft, noch Autorität, noch AktionSfäh'gkeit.'noch Geist und kein Tröpfchen vckn politischem Verstandest geblieben, nur oben der Misthaufenführer Richard Müller." Der Anblick eines Geschlagenen erweckt Mitleid, deshalb wollen wir unS jeden Kommentars enthalten und. uns begnügen, dem Opfer dieser radikalen„Eintracht" unser Beileid auSzusprschen. kleine polltische Nachrichten. 'Kammunistenverhastungen in Dresden. In den letzten Tagen sind in Dresden zahlreiche Kommunisten verhaftet worden, unter ihnen auch der, bekannte Kommunistenführer Frenze!. Fach bleibt im Amt. Wi« auS Paris gemeldet wird, wirb Marschall F o ch auch weiterhin seine internationalen Funktionen beibehalten und der technisch« Berater der Alliierte« bleiben. DaS Defizit bei den StaatSeisrnbahne«. Im bayerischen Land. tag teilt« Verkehrsministed v. Frauendorfer mit, daß die boye. rischen Eisenbahnen für 191S mit einem Verlust von 000 000 009 Rdark abschließen. Er wies dabei auf die preußischen Eisenbahnen hin, die für 1919'«In Defizit von 6 Milliarden Mark aufweiset«. Prozeß« 7 M.. oeb. S M.>. Der Wann der Tgt, der zähen Energie, d�r Sieger über die kindlichen GewaUen de« PoimeiseS, weist uns in seinen frischen Schildernnpen und kernige« Menlchendarstcllungen den Ncg zu einsochem, nallirgemähem Leben. I« einem besonderen Porwort an die deuiichen Leier entwillel» er feine Au- fchanung von der Verderbtbeit der„Kultur", die durch den Krieg grauen- hast«, Bestätigung erfuhr, programmatisch. Fünft der Mar»? Angebliche funken telegraphisch« Signale, die fowohl in London wie New Uork«inliejen und nach ihrer Her- kunst nicht ermittelt werden konnten, haben in der englischen und amerikanischen Presse zu allerlei phantastischen Erklärungen Beran- lassung gegeben. Selbstverständlich mußte der Mar? wieder her- halten. Schon wurde von Zeichen gefabelt, die der MarS uns sendet, und Marconis»Zeugnis angerufen. Marconi hat aber alsbald den Eifer gedämpft und erklärt, daß eS sich wahrsebeinlich wie schon früher um elektrische Störungen handle, die vielleicht von der Sonne ausgehen. Nach«nderen Forscher»! werden steche zunächst rätselhaften Signale von vagabondiercirden elektrischen Strömungen unserer Atmosphäre hervorgerufen, die freilich wieder wie die Polar- lichter mit den Protuberanzen der Sonne in Verbindung stehen. habe meinem Anwalt Dr. Alsberg die Sache übergeben.« Das..Berliner Tageblatt" brachte die Berichtigung, ohne den letzten Satz und ohne ein Wort des Bedauerns. Daraufhin habe ich die Privatklage erhoben. Am 9. August erschien darauf von der Reg-erung von amtlicher Stelle ein Dementi, in dem der Artikel des.»Berliner Tageblatt" mit denselben Ausführungen berichtigt wurde, wie ich sie dem„Berliner Tageblatt" bereits berichtet hatte. Die„Kreuz-Aeitung" schrieb, man müsse annehmen, die Seite, von der DombrowSki das Material erhalten habe, wäre identisch mit der Persönlichkeit, die DombrowSki die Weimarer Rede de« Reichsfii anzminifterS schon vorher zur Verfügung stellte. Herr Erzberger brachte«in Dementi in der.Deutschen All- gemenen Zeitung", in dem er unter Hinweis auf die in meh- reren Blättern unter der Spitzmarke.Vorpostengefecht" zum Prozeß Erzberger-Helfferich erfchterienen Artikel betonte, daß er weder von dem Inhalt des Material« Kenntnis gehabt habe, noch Herrn D o m b r o w S k i direkt oder indirekt unterrichtet habe. Es folgt nun die Vernehmung deS politischen Rsdaheur« de« ..Berliner Tageblatt", Herrn Erich DombrowSki. Dom- browski erklärt zunächst, daß er. um -da» RcdaktiiinSgeheimni« nicht zu verletzen, die Namen der in s�rage kommenden Personen nicht nennen könne. Weiterhin betont er. daß er Helfferich per» sönlick nicht kenne und daß daher bei der seinerzeit im.Berliner Tageblatt" erschienenen Notiz persönliche Gründe eine Rolle nicht gespielt hätten. Der Ieuge erklärt dann weiter, daß er Herrn Helfferich seit Beginn seiner politischen Tätigkeit scharf bekämpft habe. Am 9. Juli griff Herr Helfferich in der .KrlHlz-Zeitung" daS.Berliner Tageblatt" wegen der Finanz- rede Erzberger» heftig an und behauptete, da».Berliner Tageblark" jauchze ob dieser Red« Beifall. Herr Helfferich kritisiert« eS scharf, dach das„Berliner Tageblatt" vor allen Zertungen in der Lage war. die große Rede ErzbergerS noch am selben Abend zu bringen. Wenn Herr Helfferich in seinem Artikel in der..Kreuz-Zeitung" behauptest daß daS.Berliner Tageblatt" der Rede ErzbergerS„Beifall gejazchzt" habe, so muß ich darauf hin- weifen, daß ein darauf bezüglicher Artikel ironisch«nd kritisch gehalten war. Ich habe die Rede Erzberger» vom Pressechef deS Ministers erhalten, ebenso auch die„Frankfurter Zeitung". Ich mußte mich nur verpflichten, die Rede nicht früher zu geben, als bis sie gehalten war. Die Polemik Erzberger-Helfferich ging inzwischen weiter. Am 31. Juli v. I. sprach mich im Wandelgang in Weimar ein Herr an, dessen Namen ich nicht nenne, um das RedaktionSgeheim- nis nicht zu verletzen. Er sagte mir, daß Helfferich Erzberger einen Vorwurf aus seiner Tätigkeit beim Thhssen-Konzern mach«. Helfferich habe noch• ganz andere Transaktionen vorgenommen, und der Herr fragte mich, ob ich ein diesbezügliches Manuskript veröffentlichen wolle. ES war mir bekannt, daß seiner- zeit im Reichstage. über. die Abmachungen der cmSwärtigen Abtei» hing deS Reichs-Kolonialamte« mit der oftafrika- nischen Bank viel gesprochen worden war. Das mir über- ge�en« Manuskript /war durchaus klar gehalten, und ich hatte kaum Bedenken, eS zu veröffentlichen. DaS Manuskript trug als Unterschrift den Namen„ColoniensiS".— Vors.:»Die Unterschrift„Solonietisis" verleitete Sie, Herr Zeuge, also gewissermaßen zu Mj: Annahme, daß es sich um einen Mann auS dem Kolonial- amt handele?— Oberstgatsanwakit'Krause: Sie haben da» Manuskript wohl nicht mehr?— Zeuge: Ich habe das Manu- skript noch, habe die Unterschrift aber abgerissen, um nicht durch ein« eventuelle Weitergabe da« Reiw-fnoiiSgebeimniS zu verletzen.— Vor s.: Herr Erzberger hat Ihnen das Manuskript also nicht gegeben?—Zeuge: Ich gebe die Versicherung ab, daß Herr Erzberger nicht» davon weiß.— Vors: Glauben Sie, daß der tzleberbringer des Manuskriptes auch der Verfasser war? Zeuge: Das glaube.ich nicht.— Vors.: ES wird behauptet, Minister Erzberger habe darum gewußt.— Zeuge: DaS weiß ich natürlich nicht. ES kommt im weiteren Verlauf der Vernehmung zu einem Zu/ammenstog zwischen Helfferich und DombrowSki über die Tatfache, daß DombrowSki seine Aeußerung im Tage- blatt zurücknehmen mußte.— Helfferich: Ich könnte, wie man das z. B. mit mir vor dem parlamentarischen Unt et» suchungSauSschuß gemacht hat, daS ZeugniS-ZwangS- verfahren gegen den Herrn Zeugen beantragen. Aber ich will darauf verzichten. Wollen Sie nähere Angaben über gewisse Persönlichkeiten machen?— Zeuge: Sotveit dadurch das Re- dai t i on s g e he i m n i» berührt wird, muß ich ablehnen.— Helfferich: Sie erhielten dos Manuskript der Erzbergersehen Rede e nen Tag bevor Herr Erzberger sprach. Erblickten Sie darin eine besondere Gefälligkeit dem„Berliner Tageblatt" gegenüber?— Zeuge: Auf keinen Fall.— Helfferich: Ich möchte sestge- stellt sehen, ob da»„Berliner Tageblatt" oder einer seiner Per- treter in engen Beziehungen zu Herrn Erzberger'steht.— Dom- browski: Der Fall lag so. Durch den>. Austritt der Demokraten aus der Regierung war eine gewisse Spannung eingetreten. Der Pressechef Herrn ErzbergerS versuchte, die Beziehungen auch zu den demokratischen Zeitungen aufrechtzuerhalten. Wir trafen un» ib Weimar, und er sag:« zu mir scherzhaft: Ra, nun sind wohl alle Beziehungen zwischen uns abgebrochen?— Ich antwortete: So schlimm wird «» wohl nicht sein. Darauf sagte der Herr zu mir: Ich habe übri- genS etwas für Sie und bot mir die Rede ErzbergerS an. florf.: Wer ist denn öieser Pressechef?— Zeug«: Herr ! r i»s« n.— Helfferich:� Also ein bekannter Pressever- treter. hat Jhnen-damals das Manuskript zu Ihrer Nottz übergeben? — Zeug«: Ich protestiere energisch gegen eine, solche Unter- stellung. Auf diese Art sind Weise den betreffenben Herrn fest- stellen zu wollen, wäre, für mich wenigstens, eine Ver- letzung de» Rcdaktionsgeheimmsses.— Helfferich: Wür- den Sie mir nicht einmal daZ Manuskript zeigen? Herr DombrowSki zeigt Helfferich da» Manuskript, obne eS jedoch au» der Hand zu geben. Helfferich: Also dieses Manuskript ist Ihnen, b?» auf kleine Aenderungen aus der Hand des.großen Unbekannten" zugegangen? Wollen Sie sich nicht über den.C o l o n je n f i S" äußern?— Zeuge: Nein.— Geheimrat v. Gordon. Herr Zeuge, ich will Sie.hier unterstützen. Nennen Sie ruhig den Namen. Es ist der Herr Dr. Driesen gewesen, Ci« brauchen."da» Redaktionsgeheimnis also nicht zu ver- letzeu.— Vors.: Ich glaube, wir brauchen uns hier nicht lauernd fo um da» RedaktionSgeheimni« zu bemühen. Haben Sie von der Person de» Herrn Dr. Trieien nicht auf Herrn Minister Erzberger söbließen müssen?— Geheimrat v. Gordon(zum Zeugen»: Hat Dr. Driesen gesagt, daß das ManuEript ihm zugegangen fei?— Zeuge: Ja. er sagte wohl, ei sei ihm zugegangen oder zugesandt worden.— RechtSann'alt SIHFberg: War die Bemerkung bei Herrn Dr. Driesen, daß Minister Erzberger von diesem Manuskript nicht» rpußt«. vielleicht nicht so zu verstehen, daß Herr Erzberger • ffigUIl nichts davon wüßt« oder wisse» wallte»— Zeuge: Die Frage ist fpitzfindsg.-— Dr Alsberg: Ich mein« eher daß die Aeußerung Dr. Driesen» spitzfindig war. Halten Sie eS nicht für merkwürdig daß Herr Dr. Dnejen mit seinem Chef über diese» Manuskript nicht vorher gesprochen hatte?— Zeuge: Ich habe mit Herrn Dr. Driesen doch eine Reihe anderer politischer Dinge besprochen und weih es nicht mehr.— trsberstaatsanwalt Krause: Haben Sie das Manuskript längere Zeit vor der Veröffentlichung erhalten?— Zeuge: Ich erhielt eS morgesss und-gab eS mittags nach Berlin weiter.* Als nächster Zeug« wird hie.auf Dr. Driesen, früher Presse» ch�f bei der WaffenstillstandSkommission, vernommen. Er schildert, wie Geheimrat H a e m m e r eines Morgens mit einem Brief zu ihm gekommen sei und ihm gesagt habe, er hätte daS von Herrn X. erhalten. Er. der Zeuge, habe nur gesehen, daß die Anlag«»Colo- niensiS" unterzeichnet gewesen sei und habe daher angenommen, daß Geheimrat Haemmer diesen Ariikd von Coloniensi« erhalten habe, den er alS e'ne zuverlässige Persönlichkeit kannte. Er habe mit Gelieimrat Haemmer nur kurz darüber gesprochen. Mit Rücksicht auf die politische Lage und um einen Gegenangriff gegen Helfferich zu führen, habe er daS Material zum Redaktetzr DvmArowski gegeben, habe ihm aber gesagt, daß Erzberger davon nichts wisse.— Aus Befragen des Vorsitzenden erklärt der Zeuge, daß der Verfasser deS Artikel« in keiner Beziehung zu Erzberger stände. Weiter schildert der Zeuge, daß er das Maderial mit Absicht. Herrn DombrowSki gegeben habe, weil dieser schon seit einigen Monaten eine Polewik gegen Helfserich als Finanzpolitiker ge. führt hatte. Er habe ihm aber anheim gestellt, sich selbst über-die Richtikeitde» Material» zn informieren, da er, der Zeuge, nicht wisse, ob e» der Wahrheit entspräche. AlS nächster Zeuge wird Geheimrat Hämmer vom Reichs. finanzministerium vernommen. Er sagt aus: Er babe in Weimar- einen Britzf aus.Berlin erhalten, der an ihn persönlich adressiert gewesen sei und in dem die Mitteilung beigefügt war, die dann später im„Berliner Tageblatt" erschienen sei. Er habe pflichtg�näß diese Anlage mit anderen Eingängen dem Finister vorgelegt, dieser habe sie überflogen und zurückgegeinn. Er habe keinen Auftrag deS Ministers gehabt, sie an Dr. Driesen zu übermitteln. Der Minister habe auch keine Kenntnis davon gehabt, daß si« der Presse zugestellt würde, Da die Anklage keinen Vermerk deS Ministers trug, so geht daraus hervor, daß Herr Erzberger keinJnteresfe dafür hatte. E» kommt hierauf zu einer sehr erregten Auseinandersetzung zwischci» Geheimrat Hämmer und Exzellenz Helsserich. indem der letztere diese Handlungsweise alS�Preßpiratentum bezeich. net, eine Beitierkung. die sich Geheimrat Hämmer sehr entschieden verbittet..— Dr. Alsberg: ES war ja der rein« Ketten- Handel mit anonymen Artikeln.— Auf Befragen Helfferich» erklärt. Geheimrat Hämmer weiter, daß die Zurückgabe ohne Zeichen bedeute, daß er, Zeugen nach feinem Ermessen eitt- scheiden könne. Erzberger habe nicht gesagt, daß der Artikel publiziert werden solle.— Dr. Alsberg: Wer hat Henn nun aber die absolut unrichtige Notiz in die„Deutsche Allgemeine Zei- tung" lanzieri, in der gesagt wurde, daß Herr Erzberger weder von denp Material KeckntUiS, noch Herrn DombrowSki direkt oder indirekt davön benachrichtigt habe?— Zeuge liest sich den Ar» tikel in der„Deutschen Allgemeinen Zeitung"' durch und bemerkt:. Ich persönlich habe kein« Ahnung- davon.— Helfferich: Der Artikel ist äm 22. Oktober in der„Deutschen Allgemeinen Zei- tung" erschienen.— Pr'. Driesen: Der Artikel ist von mir. ich habe ihn nach meiner Auffassung von der Sachlage verfaßt, da ich die Angaben für wahr hielt.— Vors.: Haben Sie sich denn darüber nicht informiert?— Zeuge Dr. D"i i e �e n: Ich glaube nicht, daß ich Herrn Erzberger gefragt habe. Ich habe da» vollkommen selbständig bearbeitet.— R.-A. Dr. Alsberg: Es ist also nun ziemlich erwiesen, wer den Artikel in der„Deut- fchen Allgemeinen Zeitung" losgelassen hat.— Dr. Driesen: Ich muß gxgen da» Wort„Loslassen" Prot« stieren. Dadurch bekommt d'e Angelegenheit ein ganz andere» Gesicht.— V o tz f.: Meine Herren, ich kasin keine Kritik zulassen.— Helfferich: Herr Erzberger war mit Ihren Diensten, Herr Dr. Driesen, also so zusrieden, daß er Sie zum Pressechef machte?— Dr. Driesen: Herr Minister Erzberger hat zu meiner Berufung. aus'diesen Posten nicht das geringste getan.— R.-A. Dr. Fried- l ändert Haben Sie Herrn Minister Erzberger ausdrücklich mitgeteilt, daß Sie da? in Frage stehende Manuskriptblatt Herrn DombrowSki übergeben haben?— Zeuge: Wie ich schon aus» sagte, habe ich dem Herrn Minister alles mitgeteilt.— Dr. Friedländer: Hot Minister Erzberger etwas Auffälliges in Ihrem Verhalten gefunden?— Zeuge: Nein, und ich bedaure nur da» ganz« Mißverständnis, in das Herr Geheimrat Hämmer und ich geraten sind.— R�A. Dr. A l tzb e r g: Aber Sie haben sich bei Ihren Nachforzchungen doch wohl'an da» Kolonial- amt gewendet?— Dr. Driesen: Nein, ich war der Anficht, daß Herr DombrowSki doch nähere Informationen ein- ziehen würde.— Dr. Alsberg: Gewiß, aber Sie hätten das doch viel leichter haben können.— Vors.: Meine Herren, da« führt zu weit.— Dr. Alsberg: Wir haben damit nur �klar- legen wollen, in welcher Art und Weise der Herr Minister und seine Beamten gearbeitet haben. Die Verhandlung wurde, da alle Zeugen vernommen waren, um UVt Uhr geschlossen. Am Montag wird der wikdergenesene Reichsfinanzminister Erzberger noch einmal zum„Fall Pnigodin" vernommen werdxn.___» GroßSerün Oer falsche polizelhaoptmann. DaS TSucherbnreau eines Berliner Schtvindlers. Eine Angelegenheit, die in Essen spielt und eine gewisse Aehn» lichkoit mit der Affäre de» Hauptmanns von Köpenick aufweist, be» schäftigt die V« r l i n er Kriminalpolizei.\ In der Essener'Gegend ließ sich vor kurzem ein Mann wieder, der bald in der Uniform eines Polizei Hauptmann?, bald in guter bürgerlicher Kleidung einhevging. Er nannte sich Dr/ jur. Rei- mann und erklärte, daß er Polizeihauptmann beim Re ich» w üch e ra m t in Berlin sei. Zum Ausweis besaß er auch eine Anzahl Papiere, die mit seinem Lichtbild und mit behörd- lichen Stempeln»ersehen waren. Der Herr Hauptmann.war seinen Erzählungen nach gekommen, um an der Aufdeckung von Schleich- und Kettenhandelsgeschäften mitzuwirken. Er richtete sich ein eige- ne» Bureau ein, in dem et mehrere„Hilfsbeamte" beschäftigte. „Dr. Reimann" trat sehr sicher und gewandt aus und verstand es, alle Behörden und Ansta-lten. mit denen er in B/rührung" kam. für sich einzunehmen und gründlich zu täuschen. Seine„AmlShand- lungen erstreckten sich auf Beschlagnahmen von allerhand Waren und Geldern bei Leuten, die er deS Schleich- und Ketten- Handels mit oder ohne Grund beschuldigte. Schließlich bekam die richtige Polizei mit ihm zu tun und nahm ihn in Essen fest. Auch ihr gegenüber nannte et sich immer noch Dr. Reimann und blieb dabei, daß er Polizechauptmann und vom R ichSwucheramt in Ber- lin entsandt fei. 6s gelang aber bald, ihn als einen 28 Jahre allen auS Berlin gebürtigen Bureauassistenten Marten Lange genannt Roimann festzustellen.-Ter Verhaftete war bis End« Marz vorigen Jahres bei einer Versicherungsgesellschaft in Berlin beschäftigt..Seit der Zeit n»ir er stellungslos und lebte von Schiebergeschäften und Schwindeleien. Nach verschiedenen Schrift. stücken, die man bei ihm fand. Hot er früher schon in Berlin und anderen Städten den EisenbahnverkehrSkommissae gespielt. Keine Politik in den Elternversammluvgelu Da» KulluSministerium teilt mit: Es werden Fälle berichtet, daß die Elternversammlungen, die zur Vorbereitung der EllerndeiraiSwahlen einzuberufen sind, zu polnischen E> örierungen demitzi werden, und daß von feiten der Schulleiter oder einzelner Eltern Kandidalentisten in ihnen zum Vorschlag gebracht werden. Da» Ministerium macht darauf auf- merlsam. daß beides durchaus unzulässig ist. Die von den Schul- leiiern einbernienen Elleri versamintungen haben nur-der Auf» llärung über Vre W a h l und die Beinnimungen des Aahl- vorftandeS zu dienen. Insbesondere sind Liften, die' in einer solchen Elternveriammlung vorgeschlagen oder ausgestellt werden, von vorn» herein ungiltrg. Ausländsbrief und Weltpostkarte. Die Postgebühr für eine« Brief soll von der Weltpostversammlung in Gens schon Ansang März von 25 auf 40 Rappen erhöht'werden, die für Postkarten vgn 10 auf 20 Rappen. ES ist kaum zu zweifeln, daß diese Erhöhung zum Beschluß erhöben wird. SaLie der deutschen Postverwaltung. wird eS dann sein, die Gebühren in die Markenwährung umzu- setzen. Länder mit einer notleidenden Valuta sind berechtigt, auch ohne Aenderung der Weltpostsätze ihre Gebühr für Auslands«' fendurtgen zu erhöhen. Die deutsche Post hat bekanntlich hiervon sclst>n Gebrauch gemacht, indem sie die Gebühr für Weltpostkarten auf 15 Pf., die für Briefe auf 30 Pf. erhöht hat. Tie Gebühr für ?luslandSbriefe wird nach diesem Verhältnis und der künftigen Erhöhung deS WeltpostsatzeS 50 Pf. betragen. ES ist aber nicht ausgeschlossen, daß der Satz noch höher wird, rechnet doch jetzt die Post schon bei den Gebühren, die sie den ausländischen Pöstverwal- tuncken ersetzen muß, den Franken zu 8 M. Nach dem jetzigen Verhältnis würde sich eine Weltpoftkarte künftig auf 30 Pf. stellen. so viel, wie jetzt der Ausländsbrief kostet. Ein« Erhöhung ist um so sicherer, al» auch die inländischen Postgebühren wieder gesteigert werden sollen..-'- Gemeinsamer Tod rinc» Ehepaare». Krankheit, und Sorg« um die Zukunft Hab n den 56 Iatrt« alten Arbeiter Gustav Kante» reit au» der Stra.'auer Alle« 32 und seine Frau in den Tod g/trieben. Di« beiden Leute waren die ganze Zeit über kränk und arbeitsunfähig und verzweiftlten an der Zukunft. Der Mann äußerte wiederholt, daß es für' ihn und sei»« Frau keinen Zweck habe, weiterzuleben, und daß sie bald ein End« mache» würden. AlS man sich gestern wach den Eboleuten umsah, fand man. beide tot auf. Sie hatten sich mit G a» vergifiet. Tie Leichen wurden beschlagnahmt und nach dem Schoulynos« gebracht. Bnndalen am Gönselleiel. In der lehren Nardt wurde an einem der schönsten Schbiiickvloyfigure» WilmerSdori» von Bubenbänden eiki NobeitSakt verübt Am Gänielieieldenkmal auf dem NikolS- burger Play haben unbekannte Täter drei broniene Gänie ab- -aeichlagen und g e st o h l e n. Von den Ditben fehlt leider noch jede Spur.» Gegen die Echllesti-ng der Hallenbäder in Grost.Verlln. für die sofortige Wiedererösfnung diese» so wichtigen Hilfsmittels zur Grhaltting und Förderung der Volksaesundheit, veranstaltet' der Krei». l deS Arb-Wassersvort-V/rbandes am Sontag. den 8. Fe- bruar, vorm. 10 Uhr, in KliemS Festsäle, Hasenheid«, eine Pro- t e st v e r s a m m l u n g. Wrost-Berliner Lebe»Smsktel. Wittenau. Von Freitag, den S. Febiuar, ab 150 Mramm(Brief und 150 Mramm Hüll� srüchte aus Abichnitt 6d— g al» Ersatz für die sthleuden Kartoffeln der Woche._, Groß-öerllner partelnachrkchten. 18. Vbt. 818.. 819., 824.«. 325. Bezlick Freitag, abend« 8 Nbr. im Lokal von Heele.-'Mtweler S'rane 61. Da« En'cheinen sämtlicher CejitkS- genossiiinen und Genosse» ist dringend eriorderlich. ---"v Vorträkke, Vereine und Versammlungen. Ter RelchSbund der Äriegsbefchödigten, KriegSieilnebmer, Krieg». chinierbliebeiien und Kriegsgelaiigenenobteiluni verauslaltet Konnlog. den 8. Febr., vorm. iE Uhr. in der Reuen W.-lt, HaienbelSe, eine Versammlung sür alle KnegSopser. Tagesv' dnnng: Der Rolichrei der KriegSovfer in Volk und Republik.— Veretu für GSrlueranliedlunG. Freitag, den g F«> bruar, im WUbelwSbos, An ho liste. 12: Vortrag de» VerbondSdireklor« Schätze: Ho»«, Hol und Gatten dd« Ansiedle»«, seine So» gen und Hoff» nungen. Gelchäit«sielle O. 54, Aide Sa önbauler Str. 88. An» Rorden 8t0l. — Die„Freie Turnerichatt Fried uau- begeht am Sonnabend, den' 7. Februar, ihr l2. SliflungSseil in den Geiamtläumen de» Li»denpar-l», L>ch:eifelde-Wesl, Unter den Eichen. Die iTurnstunden stnden bi« aus weite: e» Montag« von 8—10 in der Turnholle de» Reaigymnaffum», Friedenau. HomuIsUape, slatt.— Bund der lechnt'chrn AngefteUten und Beauuen. Fachg:upr>nveitanmilung der chemffchen Industrie Ftet- lag, den 6., 7 Uhr, im Rosenthater Hos. Ziosenlhaler Str. 11/12. GewerkschafisbewMng HewerkschastskommWon und Lebenshaltung. In der wetteren Debatte über diie ErnährungSfrag« wurde st» ber Sitzung ber Gewerkschafiskommission von Bauer die Behaup» tung aufgestellt, daß Deutschland in ber Lage sei, seine Bevögerung ohne Einfuhr selbst ausreichend zu«'r nähren. Sin Beweis für die tiefgründigen Kenntnisse de» Wirtschaftslebens eine» „modernen" Gewerkschaftsleiters. Don anderer Seite wurde darauf hingewiesen, daß infolge he» KohlenmangelS viel Getreide nicht au»» gedroschen werden könne. Es wurde bann eine Kommission von drei Mann(Bauer, Bredow, Rusch) gewählt, die beim WirlschaftS« minister mit den Berliner Gemeindebehörden gemeinschaftlich gegen die drohende Aufhebung der ZwaNgSwirt- fchaft Schritte unternehmen soll. Von der-Kommission wurde dringend gewünscht, daß Genosse Körst en sich ihr anschließen möge. Dann entspann sich eine Debatte über den früheren Beschluß, dofi die Gewerkschaftskommission eine einheitlich« Zylage von 25 M. für bi« Berliner Arbeiter erwirken solle. Es stellte sich heraus, daß nur 18 Gewerkschaften da Damit mußten schon am Sonnabend die Verhandlungen als ge- scheitert gelten. Da auch die am Montag und Dienstag stattgefunde« nen nochmaligen Zusammenkünfte ein anderes Resultat nicht brach- ten, entschlossen sich die Vertreter der Angestellten, beim Reichs- arbeitsministerium einen Schiedsspruch zu beantragen. Diesem Wunsche versprach der Minister nachzukommen und erklärte dessen Vertreter, das Schiedsgericht werde eventuell a u ck i n A b w e s e n- heit der Arbeitgeber entscheiden. Der Schiedsspruch dürfte Ende nächster Woche zu.erwarten sein. Klar und deutlich müsse. aber schon jetzt ausgesprochen werden: wenn die Entscheidung unseren gerechten Forderungen nicht entspricht, dann ist der Streik da. Der tausenstimmige Beifall, der dieser Aenßerung des Redners folgte, bewies, daß die Versicherungsangestellten die Erklärung bitter. ernst auffaßten. Dasselbe Bild ergab die Diskussion. Vermeidung des Kampfes, wenn es ftxht: festes und unerschütterliches Zusammen-' stehen und Ausnahme des Kampfes, wenn es sein mutz. Ihren ernsten Entschluß bekundeten die Anwesenden durch die Umrahme einer längeren Resolution, in der sie die volle Ueberein-- stimmung mit den Vertretern des Zentralverbandes bei den Tarif- Verhandlungen aussprachen. Weiter lehnt die Resolution den von den GewcrkschaftSbündcn abgeschlossenen Tarifvertrag ab und er- klärt, daß d'e Kollegen, die sich mit diesem Tarifvertrag einver- standen erklären, Streikbrechern gleich zu achten seien. Die Re- solution saßt dann noch einmal die Forderungen der Bersicherungs- angestellten zusammen und betont, daß die Angestellten den GchsedS« spruch abwarten wollen, sich aber bereit erklären, für chre berech- tigten Forderungen die letzten Mittel deZ gewerkschaftliches Kampfes anzuwenden._ Das internationale Arbeitsamt. Vom 26. bis 23. Januar fand in Paris die erste ordentliche Tagung des Verwaltungsrats des in Washington gegründeten In- ternationalen Arbeitsamts statt. Das Internationale Arbeitsamt ist eigentlich ein T/it des Friedensvertrags. TaS Arbeitsamt hat mindestens einmal pro Jahr allgemeine Arbeitskon sevenzen einzu- berußen, zu denen jedes Land vier Vertreter entsendet, wovon einer Arbeiter und einer Unternehmer fein muß. Diese Konferenzen be- schließen über internationale Arbeiter schutzmaß- n ah ui e n, jedoch müssen die Beschlüsse durch die beteiligten Länder erst ratifiziert werden. Der Verwaltungsrat, der sich aus 12 Regie- rungsvcrtretern und je 6 Vertretern der Arbeiter und der Unter» nehmer zusammensetzt, bildet eine Art Regierung, das Arbeitsamt die ausführende Behörde sür internationale Sozialgesetzgebung. Die Variier Tagung verlies im allgemeinen sehr sachlich Zum erstenmalmahmen auch deutsche Delegierte— Legten, Vorsitzender des Gewerkschaftsbundes, sür die Arbeiter, Geheimrat Leh-s mann vom Reichsarbeitsamt, alz Regie cnngsvertreter— an den Arbeiten des Internationalen Arbeitsamts teil. Tos Verhalten gegenüber den deutschen Delegierten war ein durchaus kor» r e k t e s, besonders seitens der Arbeitervertreter, mit denen der dentsche Arbeitervertreter in kameradschafttichem Ton« verkehrte. Die Konföderation der französischen Gewerkschaften lud die Arbeiter- Vertreter zweimal zu besonderen Veranstaltungen ein, wobei herz- liche Worte internationaler Arbeitersolidari» tat gewechselt wurden.• Auch das Verhalten der Presse war korrekt, eher sym» payjisch als feindlich Albert Thomas, der bekannte französische sozialistische Abgeordnete, wurde definitiv einstimmig zum Direktor des Jnternationaken Arbeitsamts gewählt. ES wurde eine Kommission, zusammeng.-setzt aus je zwei Vertretern der drei Gruppen, eingesetzt, die den Organisationsplan deS Arbeitsamts ausarbeiten soll. Für den Juni, wurde nach Genua«ine i n t e r« nationale SeemannSkonferenz emberusen und die nächste allgemeine- Konferenz auf das Frühjahr 1S21 bestimmt� Di« nächste Tagung des BerwalrungSrcns findet am 22. März statt. In der Generalversammlung des Verbau»«« der Gastwirtsgehils«, am 3. Februar gab Skepsgardh den Ouartalebericht. Ver» Handlungen wegen Wiedeleinstellungen von Kollegen waren. 270 not- «endig, davon 162 mir Erfolg. Bei Enrlassungen von Vertrauens- leuten wuide in 17 Fällen verbandelt, davon 16 mit Erfolg. Wäh» rend der Bericktszeii sind vier Lolowereine übergetreten, vi« Mit- gliederbewegung zeigt folgende« Bckd: Bestand om ö. Quartal lö>9 10 508 männliche und 5060 weibliche, insgesamt 16 502, om SMluß des 4 Quartals 11077 männliche und 7276 weibliche, insgesamt 18 353. Die Zunobme beilägt iomit 18öl. Mit dem Caietierver- band wurde am 12. Dezember ein Tarifvertrag abgeschlossen, für die anderen Kategorien sind die Verhandlungen noch nicht zum Ab- schlug gelangt. i Die Beamtengehälter Warden antraggemäß geregelt und dem Kaisierer einstimmig Decharge erteilt. Wegen vorgerückter Zert wurde beschlossen, die Versammlung bis zum 24. Februar zu vertagen, wo die Neuwahl der Orlsveiwaliung stattfinden soll. Buchdruckereibilfspersoual. Erneut» Wüblereien der Berliner OrtS- Verwaltung machen es den aui dem Boden der I. P. D. stehenden Äst- gliedern zur Wicht, in der am Freitag, 5 llhr, in der gienen Welt, chaieubeide. stattfindenden Versammlung vollzählig zu»richeme«. Neu- wähl der crtSverwaltnug steht auf der»agesorbnnng. Allgemeiner Verband»er Deutschen Bankbeamten. Sonntag, den 8. Febr-ar. porm. 10'/, Uhr,. in den tKermama-Prachpälen, Tbaussee- striche 116. öffentliche Bankangestellten-Bersammlung. Thema:»Um deu Reichötaris". Referent: Mdrx. Parteinachrichten. Zu be» kommenden Wahlen nahm eine yutbesuchte versamm- lung des ehemaligen 10. sächsischen ReichStogSwahltrrricS Slellung. Genosse Schöpflin hat» brieflich mitgeteilt, daß er infolge der Uebernahme der Redaktion des Karlsruher ParteiblaiteS lein Mandat nur noch bi» zu den nächsten ReichstagSwablen ausüben will, eine weitere Kandidaiur>m Kreise nicht wieder annehmen lönne. An seiner Stelle soll auf einstimmigen Beschluß Gen. Alfred Fellisch- Chemnitz dem Bezirksvorstand als Nationalveisammlungs« landrdat vorgeschlagen werden. Des werteren wurde eine Reso- lvtion angenommen, wodurch der Parteivorstand aufgefordert wird, angesichts d»S-zu erwartenden heftigen BabllamvsaS und der be- reits jetzt ein'eyenden Propaganda der Reaktion, noch recht- zsitig vor den Neuwahlen einen Parteitag einzuberufen, der der deutschen Arbeiterschaft die klaren Richtlinien de» Kamps»« gibt. Genosse Adolf Bartel, bisher leitender Rebakteur der .Königsberger Bolkszertung� hat die Schnftleitung der»Donziger VollSstimme" übernommen.— Bei den Wahlen zum Kr er«- und Provinziallandtag im Freistaat Hessen am 1. Februar d. I«. haben die Unobhanpigen eure außerordentliche Wahlniederlage erlitten. Während sie noch am S. November 1910 in Main, 5150 Stimmen erhielten, be- kamen sie jetzt zur KreiStaoSwahl 2096 und zur ProvinzialtogSwahl 2094 Stimmen. Allerdings erlitten infolge der ichwachen Wahl« beterligung auch die übrigen Parteien einen erheblichen Stimmen- rfickgang, und zwar von 36 673 auf 18 782. In Darm- st a d< erhielten bei 42 Proz. Wahlbeteiligung die S..P. D. 6846. die U. T. P D. 1087 Stimmen. In Offenbach hatte die Mebrbeits- parrei. um k die Wablkysten zu ersparen, den Unabhängigen den Vorschlag gemacht, eine Mandatsverreilung gemäß der letzten Wahlen vorzunehmen. Die U. Soz. lehnten ab. Aus dieie Weif« ist den Steuerzahlern eine Wablkoiienrechnung von rund>6000 M. entstanden. In der S>ad« Offen dach erhielt die sozial- demokratische Mehrheit 7688' Stimmen, die U. S. P. 4066 Stimmen. In den Landorten haben sie noch weit schlechter abgeschnitten. Den Vorteil de« Bruderkampfes erzielren die Reaktionäre. Während sie in Offenbach am 1. Juni>616 10 Pro,. aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinzgten, erhielten sie jetzt 20 Pro,. Di» S. P. D. bebielt ihr« 82 Proz.. die Stimmen der U S. P. D. fielen von 24 Proz. aui 20 Proz. B-ranlw. für de» redokiion. Seil: Art«« llstkle». TbarloUenbur«: kbe Anreisen: TV»locke, Berlin. Beclo«: Borwsrts-Berla» 9. m. b. 6. Berlin. Druck: Bor- wärts-Buibdruckerei u. Berlaooinstall Paul SInaer u. Co. Berlin Lindenstr. 3. Eine hochinteressante weltreife für alle Leser »es' WaS regt den Geist von neuem an. bringt Frohsinn und Schaffensfreude wieder?—— Reiwlust und Reiten! Wir wollen erfahren, wie die Weit in Wirklichkeit mit oll dem Reichtum' ihrer Naiurschönheiich, aussieht und wie vre Manschen darauf leben. Wer Zeit und Geld hol. der reist. Aber wie viele können dieses überhaupt und sollen sie e« sich verfiegen?* Nein I Trete dabei jeder mit uns getrost die Wellreike an und lerne die Plackt der Natur, die Sitien und Gebräuche der verschiedenen Menschenrassen ohne Rerfebeschwerden, teure Ausrüstungen und Reisegelder kennen. Er kann Alles im gemüt- ticken Heim für nur 10 Pf. pro Tag durch unter „vorwärts". illustriertes Prachtwerk.Im Fluge durch die Welt' genießen. Um der Reise besser folgen zu können, erhalten all« Besteller außerdem einen Haaöatlos volljlänütg gratis. Berlongeu Sie iofort durch Gutschein eine« Prospekt gratis_ des Gutschein N«den Verlag Peter I. Oeftergaard, Berlin- SchSfteberg Ich bestelle hiermit einen Prospekt über die Weltreise »Im Fluge durch die Welt' kostenlos zugestellt. 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