Ar. 68. 37. Jahrg. Bezngsprets- Visrteljähri. 16�0 Ml., monotLSJSO Wi. f«t ms Siems ootuus icihlbor. Poft. beättfl; röonatliaj 5,50 Mk» erfl- Sil- tteEimgsaebiitir. Unter firmjbanfi für Deutschland und Oeslenrctch- Ungarn 8,75 Ml. für das übrige Ausland >3,—-Md. bei täglich einmal. Rii'ielliiiig )J.— Mt 4- Baliita- Aufschlag. Peilt- beftellungen nehmen an Däneinar', Kolland. Uu-emburg, öchrneden und die Schwek. Eingetragen m die Post- Zeitungs- Preisliste. Der„Vorwärts" Nlit der Sonntags- beilage„Volt u. Zeet" ericheint woehen- täglich jroetmaL Sonntags emmai. Telearanun-Adrefsee _S�iaI9'emo(cat Berlin". Abend Ansaabe. berliner Nolksbleltt � IS Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonpareillezell« kostet 2,— M., Teuerungszuschlag«0%. »kleine Anzeigen", das seit» gedruckte Wort 75 Pfg.(zulässtg zwei iettgedruckie Worte), jedes weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 65 Pfg, jedes weitere Wort 40 Pfg. Worte über 45 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%. Familien-Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen 2,— Mk. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW S8, Linden- strajze 3, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdcmohrati feben Partei Dcutfchlands Neöaktioa und Expedition: EW. vS, Ändenstr. Z. Fernsprecher: Am» tviorlnplan.«r.»Sli»«— 1SIS7. Freitag, den v. Februar IVÄO. Vonvärts-Verlag G.m.b. H., EW. öS, Lindenstr.Z. Fernsprecher: Amt Morittplap- Nr. l,K7 SZ— 54. Wilhelm& Co. als Diplomaten.; Alts den Erinnerungen des Kreit) arrn von Eck«r�stern. Die Veröffentlichungen KautskyS haben uns Wilhelm II.! als Geheimpolitiker und witzigen Randglossenschreiber ge- � zeigt. Der demnächst erscheinende zweite Band der„Lebens erinnerungen und politischen Denkwürdigkeiten" des Bot schastsrats a. D. Hermann Freiherrn von Eckard' ste i n*) zeigt uns Wilhelm von einer anderen Seite, die sein Bild in der Geschichte aber auch nicht besser erscheinen läßt. Bemerkenswert in diesen Erinnerungen sind vor allem die Bemühungen unserer deutschen Diplomaten in London und ihrer englischen Ministerfreunde um ein d e u t s ch/ e n g lä s ch e s Bündnis. Was uns Lichnowsky in seiner Denkschrift schon während des Krieges in dieser Hinsicht ge- sagt hat, lvird hier bestätigt. Viermal trat man in der Wrl helminischen Aera der Frage eines Bündnisses zwischen Eng land und Teutschland ernstlich näher, und jedesmal wurden die Verhandlungen, die zum Teil schon einen sehr freund schaftlichen Charakter angenommen hatten, durch die Ein' ffüsse in der Wilhelm stratze und anderer Unterströmungen gestört und zerstört. Schon damals fielen der deutsche Geile ralstab und die Kreise der Rüstungsindustrie jeder ersprieß liehen Arbeit unserer Botschafter an der Themse in den Arm. Ms im Jahre 1899 der Samoa-Vertrag zwischen Eng' land und Deutschland in einer für beide Teile befriedigen den Weise gelöst zu lein schien, trat Herr von Tirpitz �auf den Plan und richtete an den Kaiser ein Immediatgesuch. das Herr von Holstein als„ein von blutigen Tränen triefen- auf die Psyche des Kaisers berechnetes Dokument von Schaumschlägerei in höchster Potenz" bezeichnete. Der Erfolg war, daß die vorläufigen Vereinbarungen zwischen England i'nd Deutschland über den Haufen gerannt wurden und einem Vertrag Platz machen mußten, der England aufs höchste verstimmte. Wie sich-Herr von Tirpitz, der sich während des Krieges als den Netter Teutschlands aufspielte, im übrigen die deutsche Auslandspolitik dachte, geht aus einer Bemer- kilng hervor, die er Eckardstein gegenüber zur Zeit des Burenkrieges tat. Danach hatte die deutsche Politik Eng- land und Amerika gegenüber einen Eier- tanz vorzuführen, bis die Rüstungen zur See be> endet seien. Später wunderte sich Herr von Tirpitz, wenn man der deutschen Politik Mißtrauen entgegenbrachte und von einer deutschen Lügenpolitik sprach! Einen weiteren Beitrag zu den Machtgelüsten der Marinegewaltigen gibt Eckardstein aus der Zeit des inter- nationalen Feldzuges gegen China. Damals unterbreitete der Führer der deutschen Flottille in den ostasiatischen Ge- wässern den Vorschlag, das Fort von Wusung zu bombar- dieren und die chinesischen Gewässer nach deutschen Flotten- stützpunkten zu sondieren. Auf die Frage, wie er dazu komme, einen derartigen, den getroffenen Abmachungen widersprechenden Plan vorzulegen, antwortete er,„es sei doch der kaiserlich deutschen Marine unwürdig, wochenlang vor Schanghai zu liegen, ohne etwas Ernstliches zu unter- nehmen". Es ist selbstverständlich, daß die deutsche Diplo- matie durch diese Aktion in große Verlegenheft gebracht wurde und das Wort des Gesandten Dr. Rosen ist nur zu verständlich,„was die Herren der Marinever- brechen, das Haben die Gesandten a usz u- baden". Würdig an«die Safte des.Herrn v. Tirpitz stellt sich Generaladjutant General v. Plessen. Er hält während des Burenkrieges den Zeitpunkt für gekommen, England den frifch-fröhlichen Krieg zu erklären.„Jetzt ist es Zeit für uns, gegen England loszuschlagen." sagte der General, und auf den Einwand, wir hätten ja keine Schifte zur Verfügung, antwortete er ebenso schlagfertig wie leichtsinnig:„Das macht nichts. Nur eine Division brauchen wir b inüberzuwerfen und England ist erledig t." Als auch diese Phantasterei»ck absurdum geführt.wurde, erklärte er weiter:„Na, wenn auch das nicht gehen sollte, dann marschieren wir eben mit Rußland �zusammen nach?l?gvpten und Indien." So war es um die Mentalität jener Kreise be- stellt, die sich in Vorkriegszeiten anmaßten, über das Wohl und Wehe des Deutschen Reiches das entscheidende Wort zu führen. Aber nicht nur geistige Minderwertigkeit, sondern auch frevelhaftestes Jntriguenspiel. Ehrgeiz und Egoismus waren die Triebfedern, die Deutschland in das Unglück hin- einzwangen. So erzählt v. Eckardstein über die moralischen Beschaffenheiten derer, die gegen England hetzten, folgendes typische Beispiel: „Leider beteiiligte sieb auch Heribert Bismarck sebr leb- bcrst cm diesen englandfeindlichen Trraden in Teutschland. In der Tat wurde er wäbrend des Burenkrteges sowohl un Reichstag als auch in der ihm zu Gebote steheuiden Presse einer der schlimmsten Hetzer gegen England. Erstaunlich war es, daß gerade er, der, doch die wahre Politik seines Paters, welche seit dem Iah« 1875 stän- 1 Vertag Paul List, Leipzig. Zusammentritt öer S.p.D.-Zrattion. Tic sozialdemokratische Fraktioa der Nationalver- s a m m l u u g tritt am Motltagvormittag Ist Uhr zu einer Sibung zusammen, zu der alle Mitglieder, denen es möglich ist, bis zu diesem Zeftpunkt Berlin zu erreichen, aus dem Wege der Veröffentlichung durch die P r e s s e eingeladen werden._ Die neue Note an tzollanö. Das �landelsblad" meldet aus London: Betreffend die Ans- lreserung des ehemaligen Kaisers ist eine ne»e Note fertiggestellt worden, die jedoch erst nach der nächsten Zusammenkunft der Ministerpräsidenten der Verbündeten abgesandt werden wird. Diese Zusammenkunft wird in 1» Tagen in London stattfinden. tzollanü und die Auslieferung Wilhelms. Nach einer KorrsspondenJ-Meldung erwiderte in öer Nieder- ländischen Kammer auf eine Anfrage des Sozialisten va» Kol, ob nicht die Jnternierung des Kaisers erwünscht seK der Ministerpräsident R u y s de Beerenbrouck, die Re- gierung könne stco über die Auslieferungsfrage jetzt nicht auslassen; ihre Antwort auf das Auslieferungsersuchen sei wohl erwogen und habe niobi anders lauten können und dürfen. Der Mrnisterpräftdent erklärte außerdem, es bestehe die Ab- ficht, nach dem Beitritt der Niederlande zum Völkerbund das Arbeitsabkommen zu ratifizieren. Di« 46- Stundenwoche werde ebenfalls eingeführt werden unter Vorbehalt von Ausnahmen für, die Betriebe, die durch die Auslandskonkurrenz mit Vernich- hing bedroht würden. Der„Matin" meldet aus dem Haag, daß die Alliierten in nächster Zeit eine Not« an Holland richten werden, in der sie die Auslieferung des Kronprinzen fordern, der gleichermaßen angeschuldigt ist wie die auf der Liste der Alliierten stehenden Schuldigen. Sachsen zur fluslieferungsfrage. Der sächsische Ministerpräsident Genosse Dr. Gradnauer äußerte sich«tnem Pressevertreter gegenüber zur Ausliefe- rungsfrage urch sagte n. a.: Man muß sich erinnern, daß die Regierungen in Paris und London von Anfang an zielbewußt darauf hingearbeitet haben. die Schuld am Kriege auf Deutschland abzuwälzen. Ebenso haben sie im Laufe des Krieges ihr« Völker durch einseitige und phantastische Greuelpropaganda mit leidenschaftlichem Haß erfüllt. Fetzt soll der Anschelin einer Be- weisführung erweckt und für alle Zeit dem deutschen Volk die Schuld aufgedrückt werden. Durch eine Prozeßführung, die eine Verhöhnung sedes wahren Rechtsverfahrens wäre, soll das einzige objektive Urteil der Geschichtsschreibung vorweg genommen und zugunsten der Entente festgelegt werden. Werden alle Länder mit den tendenziösen Prozehberichten über- schwemmt, so kann ungestört an die Ausführung des Gewalt-- f r i e d e n s in allen seineu Wschnitten und Auswirkungen ge-- gangen werden. Es muß allerdings mit den schärfsten wirtschaftlichen und militärischen Druckmittel» gerechnet werden, wenn die Auslieferung unterbleibst Das würde aber in jedem Falle geschehen; die Entente hat durch ihr beharrliches Verlangen ihre Karten endgültig auf- gedeckt. Wenn bei der Auslieferung Schwierigkeiten bereitet würden, so würde es die Entente allerdings so darstellen, als ob die wirb» schaftlichen und militärischen Zwangsmaßnahmen geradezu her- ausgefordert würden. Die Sache liegt ab er um- gekehrt. Erfolgt die Auslieferung nicht, so kaim die Greud" Propaganda nicht erneuert werden und ohne sie loürde die AusfiiH- rung des Friedensvertrages mit ihrem unendlichen I a m mer und Elend von den Völkern draußen nicht mi tau gesehen werden. Wird die Auslieferung vollzogen, so wird all di.s Grauenhafte, was uns jetzt droht, tatsächlich über uns verhängt, die Stimmen zu unseren Gunsten aber würden zum Schweigen verurteilt. Kurz gesagt, wir würden durch die Auslieferung gerade das ermöglichen, was manche sich einbilden, durch sie vermeiden zu können. Aus die Frage, ivie die sächsische Regierung sich stellen werde, sagte der Ministerpräsident, die Auslieferung würde für Jahrhunderte das Märchen von der alleinigen Schuld Teutschlands in die Annalen der Geschichte graben. Ich sehe nicht, wie ich zu solchem Verfahren meine Hand bieten könnte. Ich habe auch Zweifel, daß sächsische Beamte solchen Weisungen folgen würden. In dieser Stunde, so schloß der Ministerpräsident, kann es uur einen Weg der Rettung geben: das deutsche Volk muß sich in voller Einigkeit gegeu die unerfüllbare Auslieferung erklären, eS muß den Wi rtschaft- lichen und militärischen Z w a ng s ma ß r e g e ln ruhige Entschlossenheit und Bereitschaft zu jedem Opfer entgegensetzen Wir müssen die schwere Probe aushalten, nur dann können wir neue Hoffnung fassen. diy auf das Zustandekommen eines dentsch-engl ischren Bündnisses gerichtet war, genau kannte, in seinem politischen Tendenzen aus «ine für die Sicherheit des Reiches vom Grund aus so schiefe Ebene geraten mußte. Zweifellos spielte bei seiner ontienglischen Haltung im der Burenfrage auch das Bestrebe n mit, dem Staatssekre- t ä r Grafen B ü l o w als natürlichem Anwärter auf den dem- nächst freiwerdemden Reichskanzlerposten Schwierigkeiten zu bereiten, da er selbst ganz ernstlich auf den höchsten Posten im Reiche reflektierte." Achnffche imterirdi'cke Einflüsse machten sich ja auch kurz vor Ausbruch des Weltkrieges bemerkbar. Auch nach dem Urteil Eckavdsteins verliefen die Verhandlungen zwischen Sir Edward Grey und Fürst Lichnowsky über ein deutsch-eng- lisches Bündnis hauptsächlich wegen der„frevelhaften Torheit und persönlichen Eifersucht gewisser zurzeit maßgebender Persönlichkeiten im Auswärtigen Amt gegen den Botschafter in London" im Sand«. Man muß sich wundern, daß trotz dieser zahlreichen, einwandfreien Doku- mente noch immer Zweifel daran gehegt werden, daß der Zu- sammenbruch Deutschlands eine Schuld des alten Regimes ist, und nicht der Revolution, dieses letzten Aufschreis eines verhungerten und mißhandelten Volkes, zuzuschreiben ist. Aber gerade die Kreise, die diesen Zusammenbruch mit am meisten verschuldet haben, schreien heute am lautesten:„Haltet den Dieb!", und es ist deshalb wichtig, das Urteil, das Eckard- stein auch über diese Dunkelmänner fällt, der breitesten Oeffentlichkeit kundzugeben. Er schreibt: „Zu den Leuten, welche aus der in Deutschland vor- herrschenden Anglophobie ein Geschäft zu machen suchten, gehörte vor allem eine Anzahl in Südafrika f i n a n- ziell und wirtschaftlich interessierter Per- sönlichkeiten. welche danach trachteten, durch Vermitt- lung und mft Hilfe der deutschen Regierung für teils tat- sächlich, teils auch nur angeblich erlittene Schädigungen ihre Interessen von der englischen Regierung die exorbitantesten Eiftschädigungssummen zu erhallen." Also auch hier wird auf die rein egrnftiscfcn Eingriffe der Schwerindustrie in unserer Außenpolitik hingewiesen. Der dritte und wohl schwerwiegendste Faktor, der jede vor- nüftige Außenpolitik Deuffchlonds unterband, war aber Ex- kaiser Wilhelm selb st. Eckardstciu fällt über ihn das durchaus charakteristische Urteil, daß er in ruhigen Momenten wohl eine klare, zielbewußte und sachliche Politik zu treiben imstande war, daß diese Politik aber schon wieder im nächsten Augenblick durch rein persönliche, nur vom Temperament be- herrschte Gefühlsregungen durchkreuzt werden konnte. Und da wir vor dem Kriege in viel höherem Grade, als wir es damals ahnten, vom Absolutismus beherrscht wurden, so spielten diese Gefühlsregungen leider nur zu oft den ausschlaggebenden Faktor in der Geschichte des deutschen Kaiserreiches. Verfolgen wir diese Schaukelpolitik an einzelnen Beispielen, die Eckard- stein anführt. Er sagt, Lord Salisbury. der ursprünglich die fteund- schaftlichsten Gefühle für Deutschland besaß, sei, wie er sich selbst ausdrückte,„durch das unverständliche hyste» rische Gebaren des Kaisers" in eine verärgerte Stimmung versetzt worden, die er kurz in deki Worten zu- sammenfaßte:„Er sei kein ministre du roi de Prusse, sondern der Premierminister von England." Was unter dieseni hysterischen Gebaren zu verstehen ist, zeigt ein kleiner Zwischen- fall aus dem Jahre 1899. Nach dem großen Jachtrennen im. August, in dem die kaiserlichen Jachten glänzend abschnitten, richtete Wilhelm II. an das Komitee der Royal Jacht-Squadron ein Telegramm, in dem es heißt:„Eure Handicaps sind einfach entsetzlich." Es ist klar, daß sich Wil- heim durch derartige Liebenswürdigkeiten in England viel Freude erwarb. In ähnlicher Weise stieß Wilhelm seine eng- lischen Vettern an der Themse vor den Kopf, als ihn der Prinz von Wales bat. in der Auswahl seines Gefolges bei seinem bevorstehenden Besuche eine kleine Aenderung vorzunehmen. Die lakonische Antwort Wilhelms war:„Wenn ich überhaupt diesen Herbst nach England gehe, so nehme ich in meinem Ge- folge mft, wer mir paßt." Man darf nicht vergessen, daß diese Aeußerungen in eine Zeit fallen, in denen die Beziehun- gen zwischen England und Deutschland dank der Bemühungen unserer Diplomaten an der Themse gerade einmal wieder zu berechtigten guten Hoffnungen Anlaß gaben. Wir erinnern uns alle noch an den Pantheriprung nach Agadier. mit dem Wilhelm Deutschlands Lebens- interesse an Marokko betonen wollte und der Deutschland an die Vorschwelle des Krieges trieb.» Um so sonderbarer muß es anmuten, daß der Exkaiser noch im Jahre 1899, als zwischen Chamberlain und Eckardstein über die Zweckmäßigkeit eines deutsch-englischen Marokko-Abkommens verhandelt wurde, darlegte, er selbst habe n l e großes Interesse an dieser Frage genommen. Diese Beispiele iner Politik des Temperaments und der augenblicklichen Laune, einer Politik, die zwischen unerhör- ter Schwäche verantwortungslosen Einflüsterungen gegen- über und bramarbasierendem Auftrumpfen dem Auslande gegenüber schwankt, mögen genügen, von neuem aufzuzei- gen, wo die Kreise zu suchen sind, die Deutschland in den Ruf bringen mutzten, eine Nation der Lügner und Barbaren zu� fein, eine Nation, mit der Freundschaft zu halten un- möglich war. Und wir wollen gerade in diesen Tagen, wo die ersten Anfänge eines deutschen Wiederaufbaus und einer Wiederanknüpfung der internationalen Beziehungen trotz aller Gewitterwolken schüchtern in weiter Ferne aufleuchten, uns stets dessen bewußt sein, daß all das nicht möglich ist, wenn wir nicht diese wahren Feinde Deutschlands abzuschüt- teln und fernzuhalten vermögen. Provokationen. In einer Versammlung von Pressevertretern hat am Donnerstag ein Vertreter der Regierung klar und entschieden rot Provokationen gewarnt, die sachlich nur geeignet sind, die Entente zur äußersten Hartnäckigkeit aufzustacheln und jedes sachliche Entgegenkommen in der Auslieferungsfrage zu hintertreiben. Für die a l l d e u t s ch e H e tz p r e t l e ist diese Warnung allerdings in den Wind gesprochen, Ihr kommt es offenbar nicht so sehr darauf an, die Demütigung Deutschlands durch die Auslieferung zu verhindern, als die Sache für sich parteipolitisch auszuschlachten. Irgendein aus- rangierter Offizier macht von sich reden, indem er in der Presse auffordert, zum Protest die Eisernen Kreuze anzulegen. Wir lassen dem Mann sein Vergnügen, aber unerhört ist es, wenn die„Deutscht' Zeitung" die Aufforderung an auffälligster Stelle mit der großen Ueberschrift wiedergibt:„Wir waren die Sieger!" In Frankreich liest man so etwas natürlich als: Wir fühlen uns als Sieger und aus Siegesübermut heraus verweigern wir die Erfüllung des Friedensvertrages.— Glaubt Herr Wulle, der Schriftleiter der„Deutschen Zeitiinn", ernsthaft, daß solche lleberschristen die Entente nach- g i eb i ge i stimmen werden? Wer Herrn Wulle geht das Varteigesibäst über alles. Die männlichen Worte die Genosse Noske zu emem Vertreter der „Daily Mail" geäußert hat, versteht er mit der höhnischen lleberschrift:„N o s k e empfängt einen Vertreter der„Daily Mail?" Darüber steht eine Notiz mit der Ueberichrift:„Erzbergers Schuld an der A u s- l i e f e r u n g s- S ch m a ch." Die Parteisupve brodelt. Das- selbe Blatt, dos den Mund nicht voll geeug nehmen kann von Phrasen über völkisches Empfinden und deutsche Solrdarität. bekommt im Ernstfall nichts anderes fertig, als eine Frage, an der wirklich alle Deutschen interessiert sind, in kleinliches und gehässiges Porteigezänk auszulösen. Die republikanische Regierung fragt nicht nach der polt- tischen Stellung der meisten Herren, die auf der Liste stehen, üe vertritt einfach den internaiionalen Rechts- >t a n d p u n k t. Wenn man aber setzt die„Deutsche Zeitung" liest, so bekommt man doch einen gelinden 'Weisel, ob dieies Blatt sich auch noch io stark über Schmach und Schande der Auslieferung erregen würde, wenn anstatt Tirvitz und Ludendorff Erzberger und Scheidemann auf der Liste ständen. Bei den alldeutschen Hetzblättern, die nach dem Attentat aus Erzberger nur dafür Bedauern hatten, daß die Kugeln des Attentäters n tzch t t ö d- l ich wirkten, wird man sogar ohne weiteres voraussetzen Erziehen nicht Privatsache! Die Errenmigen der politischen Kümpse branden bis in die Ichul« und daben Vortowmmlie gezeiligt, die bis zur Trapik schwkr sind, ,ei»r bcitzt es Damme auswerten. Die(Sündigen «rß viele Lcbrer. viele Eltern. Aber nur Lehrer und Eltern können gegen das Hebel anbauen diu der Zeitschrist.Elternhaus und Schule- mabnt Dr. Nöchler.- In der Sorge um das geistige und leibliche Wohl der Kinder gibt eS tausend Fragen, die mit Parteien nichts zu tun haben und nur sehr tnenige, sie t rennend wirken können. Es gibt tausend gc- meinsame Sorgen, die aller Vater und aller Mütter innigste, herz- lichste Angelegenheit sind, und nur sehr wenige, die die Geister icheiden. Und meist nur deswegen scheiden, weil die Erwachsenen nur an sich und ihre vorgefaßten Meinungen und Rechthabereien denken, Sie vergessen gar zu leicht, daß sie gar kein Recht haben. die.Kinder in ihren Streit hineinzuziehen und daß ihre einzige, aber unabweisbare heilige Pflicht ist: sick zu«inen in der Fürsorge, dem friedlich gewiffenlfaften Bemühen, schlicht und einfach das Beste zu tun, was man tun kann mr die Kinder, für die Schule. Dafür wollen wir also arbeiten, baß Schule und Elternhaus sich finden, daß jeder Teil alles, was Erwachsen« wohl trennt, zurück- itellt und vor sich immer nur das Kind sieht, das mit vertrauendem Auge und.Serzen vor ihm steht, auf seine Hilfe, seine Fürsorge. seine Liebe bau», an sie glaubt und das ihm jeden Tag, jede Stunde juruft: WaS gehen uns eure Streitigkeiten an? Welches Recht habt ihr. das stille, heimliche unschuldige Wachsen unserer Seele zu 'iören mit dem lauten, rauhen Getön eurer Streite? Welches Recht habt ihr. uns wie Rechenpfennige einzusetzen in das eiskalte Getriebe und Geschiebe auf den Rechenbrettern eurer Rechthabereien? Mr wollen gar nichts a'? eure reine, fürsorgliche, unvoreinge- nommene Liebe? Dafür seid ihr uns gegenüber verpflichtet, ihr Eltern, ihr Lehrerl__ Ein alter Zielgeflihrte Bruno Wille« sendet uns em Schreiben, das als offener Brick sagen möcbte, was langjährige«mige Arbeit an hohen Ficisn empfindet. Wir wollen dem Briefe um so lieber einen Platz ge' en, als er auch erkennen läßt, wie der„Bor- wäris" sich hielt, als Bruno Wille vor dreißig Fahren den Kampf für feine Sache begann. Der Schauspieler Hermann Paris vom S'.antStheater ist der Grawlant, Er wurde seinerzeit bei Gründung der Freien Volksbühne als Mitglied deS Vereins.Durch" und als einziger Schauspieler zu allen Vorberatungen zugezogen und hat dann auch persönlich bei der Eröffnungsvorstellung als Brologfprecher und in der Roll« de? Fohannes Tönfen(„Stützen der Gesellschaft") mitgewirkt. Nu» übermitteln wir. wo? er in Werkficende an den alten Freund schreibt: Lieber Wille! Die Freie Volksbühne feierte am 1. Februar Deinen sechzigsten Geburtstag und da sollte ich mittun, wenn Krank- müssen, daß sie trotz allen völkischen und nationalen Getues der Entente ihre politischen Gegner jeden Tag mithöhnischem Lächeln präsentieren würden. Also wie gesagt: Die Herren Alldeutschen mögen nichts Uebermenschliches von uns verlangen. In dem auszuliefern- den politischen Gegner trotz allem zuerst den Volks- genossen zu sehen, ist möglich und erfüllbar. Wenn man dann aber erkennt, daß die e i g e n e n Freunde der Auszuliefernden die ganze Sache mit ganz anderen Augen betrachten, daß sie die schwere Krise als Profit- liches parteipolitisches Geschäft ansehen, dann muß solche Erkenntnis sehr abkühlend auf jegliches Soli- daritätsgefühl wirken. Schließlich ist zu bemerken, daß von einer„Solidarität" mit jenen Personen, die wirklich g e- meine Verbrechen begangen haben, natürlich keine Rede sein kann._ die Kritik üer Illuftonspolitiker. Die„Voss. Ztg." übt an den im Freitag-Morgenblatt veröffentlichten Erklärungen des Rcichswehrministers 9! a s k e gegenüber dem Korrespondenten der„Daily Mail" Kritik und bemängelt insbesondere, daß nicht schon frücher die nötigen Schritte zur Beseitigung der in der Ausliefe- rungsfrage drohenden Gefahren getan worden seien. Es kann nicht überraschen, daß gerade die„Voss. Ztg." bei ihrer auf Illusionen beruhenden Auslandspoli- tik einen derartigen Kommentar machen zu müssen glaubt. Es ist längst bekannt, daß sie in der auswärtigen Politik grundsätzlich alles besser weiß, nie aber klare Vor- schlüge macht, was geschehen müsse. Demgegenüber muß betont werden, daß von den maß- gebenden Stellen jede sich bietende Gelegenheit benützt worden ist. um insbesondere mit Franzosen und Engländern in der eingehendsten Weile über die Aus- lieferungSfrage zu sprechen. Es sind immer die- selben Argumente geltend gemocht worden, und wenn bisher überhaupt irgendetwas auf die Alliierten Eindruck zu machen imstande gewesen wäre, so müßte es längst ge- schehen sein. Es verdient hierbei ausdrücklich bervorgeboben zu werden, daß eine große Anzahl ausländischer Per- sönlichkeiten den Standpunkt der Regierung durch- aus anerkannt hat. diesen aber bei ihren leitenden Stellen leider nicht hat durchsetzen können. Runge üock hastentlaffen. Z« ver Aoselegenheit der Haftentlasuag d«S Jägers St u n« e erfahren die P. P. N. von unterrichteter Seite, daß für dies» keine militärische Stelle, sondern die Staatsanwalt- schaft Kottbuö verantwortlich ist. Runge ist am 2». Januar aus der Südlichen Arrestanstalt Berlin in das Strafgefäng- u i s K o t t b u S übergeführt worden. Auf Grund ärztlichen Gut- achtens ist er infolge schweren Rrrvrnleidens nach einer Kopsver- leoung als nicht hoftfähig erklärt worden. Das Gefängnis in Kottbus hat deshalb bei der dortigen Staatsanwaltschaft beantragt, die Haftentlassung Ruages zu veranlaffen, worauf die Staats- «uwallfchaft eine Unterbrechung der Strafvoll- st r e ck u u g verfügt hat. Runge ist daraufhin auS der Haft ent- lassen worden, er muß jedoch jede« Aufenthaltswechsel anzeigen. Runge ist also doch aus der Haft entlasien. Angesichts dieser Tatsache müssen wir unser lebhastes Bedauern darüber aussprechen� daß unsere erste Meldung hierüber von feiten des Reichswchvmini- fteriums in so kategorischer Weise dementiert wurde. Nach dem Sachverhalt ist zwar Kar, daß das Reichswehrministerium an der Haftentlassnng von Runge unbeteiligt ist, aber nicht auf diese Feststellung kam es zunächst an, sondern auf die Tätsache, ob sich Runge in Haft befindet oder nicht. Die Stelle, welche die Hafiunterbvechung verfügt hat, interessiert erst in zwei- ter Linie. Nach der uns zunächst Mteil gewordenen amtlichen Auskunft mußte aber angenommen werden, daß Runge im Gefängnis Kottbus weiter seine Strafe verbüße. Ei ist ohne weiteres zuzu- heit mich an persönlichem Erscheinen nicht hindert«. So greife ich denn zu einer Soloaktivn und leite meinen Glückwunsch wohl am herzlichsten ein. wre's mir wohl nur noch allein zusteht, durch «in„Weißt Du noch?!" Dies soll sowohl mit Bezug auf die Freude nach dem Gelingen der ersten Vorstellung, die wir in der Hartschen Wohnung durch einen Umzug feierten, als auch mit Bezug auf die Gründungsschwierigleiten Dir heul« gesagt sein. Schwierig- feiten wurden Dir damals von allen möglichen Seiten gemacht, die Presse nicht ausgenommen, obschon Dir in dem damaligen Redak- t«ur des„Borwärts", Herrn Cutt Baak«, ein kräftiger Mitkämpfer erstanden war. Der festeste und zuverläsfigste Verteidiger Deiner Absichten und Ideen blieb aber Dein lauterer Charakter, der, wie er den Freundeskreis fest um Dich bannte, nun bald die große Volks- menge um Dich sammelte und festhielt, weil jedes einzelne Mitglied der Freien Volksbühne der Ueberzeugung war, daß ihm von diesem Vorsitzenden nur Gutes kommen könne. So ist-es auch wohl bis auf den heutigen Tag geblieben, denn die Frei« Volksbühne hat in dem Zeichen„Bruno Wille" gesiegt auf der ganzen Linie und bringt Dir als Dank zu Deinem Geburtstage ihre Glückwünsche dar, denen ich die meinigen anschließe in Treu« und Herzlichkeit. Dein alter Hermann Paris. BSlkerrecht und Unterricht. Der VSlkerbundsgedanke muß Angelpunkt des außenpolitischen Denkens werden. Die Völkerrecht- lich« Abteilung der Deutschen Liga für Völleround hat mit Bezug- nähme aus Artikel 148 der Rcichsverfassung an das preußische Mi- nisterium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung sowie an das Reichsministerium DeS Innern den An trag gerichtet, in den höheren Schulen und Volksschulen möchte den völkerrechtlichen Fragen und Aufgaben unserer Zeit eine Stätte«währt werden. Dr. Hans Wehberg hat hierzu ein- begründende Denkschrift ausgearbeitet. Er fordert Berücksichtigung deS Völkerrechts in der Ausbildung der Lehrer an höheren Schulen, besonders aber der künftigen Vehrer für Staatsbürgerkunde. Er schließt sich hierin an dl« Denischrist an, die zu dieser Frage Pros. Radbruch und Pros. Rüblmann her- ausgegeben haben. Für die Fortbildung der bereits im Amt« stehen- den Lehrer möchte er Kurs« eingerich-et sehen, dl« seinen Gedanken Rchnung tragen. Auch die Lehrerjeminar«— als Bildungsstätten der zukünftigen Volkstchullehrer— müßten berücksichtigt werden. Es fehlt uns vor allem an einer„freien Hochschule für politische Wn- senschaften", wie sie Frankreich in der Parsier„ecole libre des sciences" besitzt. Am Schluß seiner Denkschrift macki«r Vorschläge für die Berücksichtigung des Völkerrechts im Rahmen des jetzt be- stehenden Unterrichts, vor allem des«Äeschichts- und Geographie- Unterrichts. Ort: Kino, Unter den Linden. Der Saal ist ziemltch gefüllt. Auch einige amerikanische Sokdoten haben Platz genommen. Die Ordnerinnen weisen weitere Plätze an und Verkäuferinnen kneten ihre Ware foil. Schokolade gefällig? Einige, wenige kaufen etwas. Darunter auch die amerikanischen Sokdaten.--„Was kostet die Welt?" Der Saal verdunkelt sich. Eines der unzähligsn.Detektiv- dramen" gelaugt zur Vorführung.— Nur Aufmachung und Positur geben, daß das Reichsweh rministerram von der Tatsache der Hast- Unterbrechung nicht unierrichtet war dann war aber immer noch die uns erteilte Auskunft vorschnell. Zu der Tatsache der Haftentlassung selber können wir nur nochmals auf das verweisen, was wir zu der ersten Meldung in Nr. 63 des„Borwärts" geschrieben haben. Besonders auffallen muß es, daß Runge sich zurzeit in Berlin aufhält. Wenn er auch seinen Aufenthaltsort angeben muß, so ist doch gerade eine Millionen st adt der beste Ott, wo ein Mensch unauffällig verschwinden kann. Wir fordern nunmehr, daß der Justiz- minister, zu dessen Zuständigkeit die Angelegenheit gehört, die Sache auf das genaueste untersucht und rechtzeitig die nötige« L»r- »rdnnngen erläßt, ehe Herr Runge etwa verschwunden ist. Wanülung öes Grafen Montgelas. s„Berliner Tageblatt" Nr. 2 vom 2. Januar 1920. Zur Frage der Auslieferung.• Von Graf Max Montgelas. Graf Max Montgelas, der 1914 als General am Ein-i marsch in Frankreich teilnahm, sendet uns die nachstehende Zuschrift: Der Erdrosselungsfriede von Versailles ist keine Ehre für die, die ihn diktiert haben. Eine Bestimmung, die sie am meisten be- lastet, ist die der Auslieferung. Als am 23. Juli 1914 daS nach Form und Inhalt tief verletzende Ultimatum in Belgrad über-, geben war, entsetzte sich die Welt am meisten über den sechsten Punkt der Forderungen, daß an der Untersuchung gegen einige, der Mirhilfe an einer Mordtat verdächtige serbische Beamte und Offiziere vor den eigenen zuständigen Gerichten auch Organe der österreichisch-ungarischen Regierung teilnehmen sollten. Von Deutschland aber wird verlangt, daß es Hunderte, vielleicht Tau- sende seiner Staatsangehörigen fremden Gerichten überantworte. Die Geschichte aller Zeiten kennt ähnliches Unrecht nicht. Trotzdem, wie die Dinge liegen, daS Gebot der Stzuude wird laute«: Jeder Geforderte stelle sich. Seiner von uns, die wir im Feindesland standen, kann wissen, ob sein Name in der Liste ent-- holten sein wird, bei deren Zusammenstellung Nachsucht und Nach- giedigkeit gegen sensationslüsterne Instinkte mitgewirkt haben. Kindisch nnd feige wäre es, zu fliehen oder sich»u verbergen. Gewaltsamer Widerstand aber bedroht das Vaterland mit neuen, schweren Gefahren nnd trägt Zwiespalt in die Reihen unsere» Volkes. Wer, in Kriegspsychose befangen, wirklich gefehlt hat, der sei Mannes genug, dafür zu sühnen. Wer schuldlos ein Opfer wird der erbärmlichsten Gefühle, die noch je ein Gegner gegen de« Gegner empfand, der rechne es sich zur Ehre an, für sei« Boll ungerecht z« leiden. Daß die feindlichen Regierungen, die allen Anzeichen nach in kürzsichtiger Verblendung die Feindschaft zwischen den Völkern zu verewigen trachten, phrisäerhast die Missetaten der eigenen Seite verdienter Strafe entziehen wollen, sei kein Hinderungsgrund. Das Urteil der Geschichte wird hinwegschreiten über den aus- sichtsloscn Versuch, der Wahrheit dauernd den Weg durch Bajonette zu versperren. Der furchtlose Kämpfer für Völkergerechtigkeit hat für solche Heuchelei nur Verachtung. Verachtung, nicht Haß sei das Leitmotiv des Protestes» mit dem wir alle, wenn eS wirklich dazu kommt, denen gsgenübertretcn wollen, die in ihren verwirrten Rechtsbegriffen sich anmaßen, gkeichgeitig Kläger und Richter zu fein. („Berliner Tageblatt" Nr. 67 vom 6. Februar 1920.) Eine Ausgeburt des Wahnsinns. Wenn der Irrsinn, mit dem die Welt seit eineinhalb Jahren von einer Handvoll verblendeter Gewattpolititer regiert wird» noch einer Steigerung fähig war, so wurde da« durch die„AuS- lieserungsliste" erreicht. Ich weiß nicht, welcher Montgelas es ist, der wegen an- geblicher Verbrechen in Frankreich gefordert wird. Ich erkläre aber schon jetzt, daß die von mir Ansang Januar angeregte ftet- willige Stellung bei der all« Begriffe übersteigenden Ungeheuer- lichlect der Liste nicht mehr in Frage kommen kann. Graf Max Montgelas. und— anders gehi es wirklich nicht— der Detektiv ist ein gewisser Mr.£. aus Amerika. Seine Slumme�pfeise rauchend, verspertt er uns das Bild und weiß wohl selbst nicht, was er„aufzudecken" hat. Trotzdem, am Schlüsse, unter dem Beifall der kritiklosen Zu- schauer, große Ehrung des Detektivs. Auch die amerikanischen Sol- baten zeigen, schmunzelnd ihre Schokolade essend, ihre Zufriedenheit mit den Deutschen— Die Kapelle spielt zum soundso vielten Male einen„echten— Yankee. Cake Walk---- Idioten! ct. Ell» deutscher Künstlerrag. Eine große Anzahl Berliner Künltler» verbände, darunter Berein Berliner Künstler, Sezession, Allgemeine deutsche Kunftgenossenschast, fortzern zu einer Aussprache der teutichcn Künstler aus. Man plant die Begründung der oft gewünschten allgemeinen Vertretung der deutschen Künstlerichast. Theater. In der Volksbühne find bei der Erstauffübrung von Friedrich Hebbel»„GygiS iind sein Ring» am 13. Februar die Hauptrollen wie solgt besetzl i Kandauie»— Ernst Stahl-Nachbaur, Rhodope— Max Dietrich. Gyges— Günter Hadank.— Im Schiller» Tbeater findet am nächsten Freitag die erste Austührung von Tolstois „Die Macht der Finsternis� statt.— Die Erstausiüdrung der Oper„Der Prophet' im Deutschen Opernhaus beginnt ichon um 6 Uhr.— In dem am Montag im Großen Schausptetbau» staUftndenden GesellschastSabend gelangt anstatt der„Bösen Buben" N e st r o y s einaktige Travestie„Judith nnd Holo- s e r n e s" zur Darstellung. wollte aber auch einen mir unterstellten Offizier nicht fallen lassen und ich wollte auch eine mir ans Herz gewachsene O r g a n i- s a t i o n, der nach meiner Ansicht Berlin seine Weiterer: st enz verdankt, nicht durch Aufrollung des Prozesses komoromit- t i e r« n. Kam es zu diesem Prozeß, so mußte er u n h e i l v,o l l e Folgen für uns Soldaten haben! Vors.: Sie sagten eben. Marloh habe Unschuldige erschossen. Das ist doch ein Widerspruch zu Ihrer vorausgegangenen Aeußerung.— Angekl.: Marloh glaubte sa eben, den Befehl zu haben, so zu handeln, wie er gehandelt hat. Mein Einfluß ging dahin, Marloh für einige Zeit untertauchen zu lassen. Er sollte gar nichi ins Ausland gehen, er soll»« sich innerhalb Deutschlands ver st ecken. Vors.: Wann haben Sie zuerst sich damit beschäftigt Marloh verschwinden ,» lassen? Angekl.: Das war etwa Mitte Mai.— Vors.: Welch« vory«. setzten Dienststellen haben Sie denn veranlaßt. Marloh-um W'g- gehen»u bewegen?— Angekl.: Ich will hier nickt den Angeber spielen. ES sind ja die nötigem Zeugen geladen, welche hierüber aussagen körman.— Vors.: Sie wollen also dieSkamenAhrer Vorgesetzten nicht nennen?— Angekl.: Nein. Ich sagte zu Marloh, ick würde ihm auch einen Auslandspatz geben, falls die politischen Verhältnisse sich verschlimmern sollten. Ich sagte zu Marloh: Wenn Sie weggehen, wird für Sie gesorgt werden. Mr trafen damals Rechtsanwalt K i k a t h mchr an, und Marloh sagte da plötzlich zu mir, sei Verteidiger sei der Ansicht, Marloh iverde im Prozeß glatt durchkommen und er denke gar nicht daran, wegzugehen. Ich sagte zu ihm: Ich wünsche Ihnen ja alles Glück für die Verhandlung, aber daß Sie freikommen, glaube ich nicht.— Vor f.: Das ist ein Widerspruch, vorhin sagten Sie anders.— Angekl.: Die erste Behauptung lag zeitlich zurück, und man ändert doch schließlich seine Ansichten. Marloh sprang nnr nun plötzlich mit folgender Aeußerung ins Gesicht: Ja, wenn ich so nickt durchkomme, dann muß ich mich auf Ihre v Oberst Reinhards Befehle berufen. Ich war platt. Nach drei Mo- tETten suchte Marloh, in die Enge gedrängt, nun plötzlich nach einem Schuldigen Ich brach das Gespräch ab. und das war der Grund unseres Zerwürfnisses. Ich wollte mir die Schuld nicht auf- balfen lassen. Am nächsten Tage kam Marloh' zu mir in? Bureau und wir besprachen die Such: noch einmal. In dem Punkte der Befehlserteilung hielt ich an meinem Standpunkt fest. Ich sagte zu Marloh: Noch können Sie weggehen, befassen sich aber erst ein- mal die Gerichte mit der Sache, kann ich Ihnen nicht mehr helfen. (Fortsetzung in der Morgen-Apsgabe.) Wirtschast. Gemeinschaftskredit und Gemeinschastsverkaus. Eine höchstinteressante Gründung wurde vor kurzem voll- zogen, die Deutsche Jndustrie-Treuhand A.-G. Ans Anregung von Direktor Alfred Mann(Mannheims, dem ersten Vorsipende« des Vereins Deutscher Wirkereien E. B., und unter Führung der deutschen Wirkereitndustrie ist am 30. Januar d. I. in V-rlin die T-utfche J»dnstrie.Treuhand-A.-G. mit 12,5 Millionen Mark Kapital gegrünsct worden. Beteiligt an der Kapitalaufbringung ist in der Haupttache die deutsche Wirkerei- industrie in allen ihren Gruppen, daneben andere Zweige der deutschen Textilindustrie und sonstige Gruppen der deutsch:« Aus- suhrindustrie. Zweck der gegründeten Gesellschaft ist die B e- schaffung von Auslandskredit und Halbfabri- katcn. Alleiniger Vorstand der Gesellschaft ist Generaldirektor Adolf Waibel(Chartottenburgs. Diese gemeinschaftliche Kreditbeschaffung auf der Grundlage gemeinichoitlicher Haftung wird in unserer zukünf- tigen Wirtschaftsgestaltung eine hervorragende Rolle svielen. Die notwendige starke Heranziehung des Kapitals durch steuer- liche Belastung zur Deckung der Reichsausgaben vermindert naturgemäß die Betriebsmittel der Unternehmungen. Folglich wird an die Stelle des P e r s o n a l k r e d i t s der Gemein- schaftskredit treten müssen. Diese Kusammenschlußdewe. gung ist aber ein wichtiger Schritt vorwärts zur Organ i- s a t i o n der Wirtschaft. In der organisierten Produk- tion wird an Stelle privater Kapitalisten die zusammen- geschlossene Fachgruppe die Produltionsmittel unter Kon- trolle des Staates beschaffen und verwallen. Da die Wirtschaft jedes Volkes auf den A u s t a u s ch von D i e n st e n beruht und der Reichtum an Gütern und Äulturwerten allein von den Dienstleistungen, von der Proöuktionssteigerung abhängt, so ist privates Kapital völlig entbehrlich, wenn der Aus- tausch der Dienste richtig organisiert ist. Kapital dient nur dazu, daß eine Oberschicht, die Kapitalbesitzer, sich aus dem Markt der Dienste herausziehen und eben andere für sich arbeiten lassen können. Die höchste Wohlhaben- h e i t kann ein Volk aber nur dann erreichen, wenn möglichst alle produktive Arbeit leisten und möglichst wenige Nichtarbeiter oder Arbeiter an ü b e r f l ü s s i g e n Din- gen von den produktiven, nur Werte schaffenden Arbeitern miterhalten werden müssen. Eine andere interessante Gründung bereitet sich vor, eine BerkaufSgemeiuschaft für Vtsenb-thnobrrblmmatertalien. Mit der Frage der Bildung eines neuen Verbandes für Effen- bchhnoberbanmaterial haben sich die Werkvertreter ziu wiederhol- ten Malen nach der Auflösung des Skahltverksverbandes be- schästigt. Die Rheinischen Stabuoerke haben im Laufe der wei- ieren Verhandlungen einen Vorschlag gemacht, eine Verkaufsge- meinschaft der in Betracht kommenden Werke für den gesamte« Bedarf der deutscheu Ttaatseisenbahnen zu errichten. Dieser Ver- band soll also nicht nur Eisenbahnoberoaumaterial wie Schienen und Schwellen, sondern aiug Trauer, Slabessen, Radsätze, Klein- eisenzeug usw. umfassen, so daß die deutsche StaatSbahn als«in, bettliche Verbrauchergruppe ihren gesamten Bedarf an Eisen- und Stahlerzeugnissen auch bei einer geschlossenen Erzeugergruppe decken könnte. Die Lokomotiv-, Waggonfabriken usw. sind ja seit vielen Jahren festorganisiert und haben ihren Abneh- mern, den Staatsbahnverwaltungen, die Preise diktiert. Nun wird der Verkauf sämtlicher Materialien an die Reichsbahnen privatkapitalistisch m onopol i- s i e r t. Diese Zentralisation begrüßen wir gleichfalls, fordern aber einen gemeinwirtschaftlichen Zusammen- s ch l u ß, den das Reich ausreichend kontrollieren kann. GroßGerlln Hygienische Bolksbelehrung. Seit einiger Zeit besteht ein Landesausschuß für hygieniiche Volksbelehrung, der dieser Tage eine Berichtsversammlung im Herrenhaus« abhielt, die vom preußischen WohlfahriSminiiierium einberufen war. Professor Adam berichtete über die Tätigkeit des Ausschusses, di« sich bisher fast ausschließlich auf Berlin und die Vororte erstreckt hat Es wurden in den letzten Monaten 164 aufklärende Vorträge veranstaltet und zwar 88 über Ge- schlechtskrankheiten. 15 Tuberkulose, 14 Säuglings- und Kleinkinder« hyoiene. 16 ansteckende Krankbeite». 51 sonstige Themen. Die Be- sucherzohl betrug 28 641. im Durchichnitt 213. Außerdem wurden Merkblätter verteilt, besonders in den Schulen. In der lebhatten Diskussion kam ollgemein zum Ausdruck. daß die hygienische Aufklärung von so ungeheurer Wichtigkeit fei, daß die Tängkeit deS Ausschusses auf eine breiter« Grund- lag« gestellt und insbesondere auch auf die Provinz ausgedehnt werden müsse. Besonders hervorgehoben wurde die Wichtigkeit der gesundheitlichen Belehrung in k>er S ch u l e und Fortbildungs- schule. Dazu Bedarf eS ober der Hilf« der Gesetzgebung und der Miiwirlung der Lehrerschaft. Der Vertreter des Zentral- bildungSausichusses, Genosse W e i m a n n. wies auf die Bedeutung der hygienischen Aufilärungsaibei» namentlich auch unter der schul- entlaiienen Jugend bin unv befürwortete ein enge» Zusammen- arbeiten des A u s ich u s fe« mit den Jugenvver einen sowie mit den Arbeiterorganisationen, besonder« den Gewerkschaften. Dabei sei die Beruf«- und Wirt« schaftshygiene sehr wichtig und die Tätigkeit de« Ausschusses nach dieser Richtung hin auszubauen. Bon den Vertretern deS preußischen Ministeriums für Kunst. Wissenschaft und VolkSbtldimg, fowt» des Re>ch?ministertune? de« Innern wurde eine weitgehende Unterstützung öer hygie- niichen AuftlärungSbestrebunqe« zugesagt. Es sind außer in Preußen auch in den ander«« Bundesstaaten bereit» gleiche Ausschüsse ge- bildet oder in der Bildung begriffen. Ebenso ist ein Reich«» a u s s ch u ß unter Leitung des RetchsministertumS des Innern im Werden, der seinen Sitz in Dresden haben wird. Besonders gewünscht wurde noch, daß die P r e s s e in stärkerem Maße als bis- her dte hygienischen Aufklärungsbestrebungen unterstützen möge. Soweit es sich um Arbeiterpresse handelt, dürite diesem Wunsche sicher soweit als möglich Rechnung getragen werden. Auf Lebensmittel hat es eine Diebesbande abgesehen, die in der Gegend des Görlitz er Bahnhofs ihr Unwesen treibt. Nachts dringen die Diebe in die Häufer ein und hoien wahrscheinlich mit Stangen, an denen Haken befestigt sind— durch die offenen F l u r f e n st e r die auf den Blumenbrettern stehenden Le- bensmittel fort. Da die Gauner wahrscheinlich auch in anderen Stadtteilen zu„hamstern" versuchen werden, sei vor ihnen gewarnt. Vermischte Lokalnachrichte«. In der Notwehr erschossen hat der Kriminalwacht» merster Ho ff mann einen noch unibekcmnten Mann von etwa 30 Jahren. Der Beamte wurde an der Ecke der Lange und Koppen- stratze bei der Ausübung seiner Amtstätigkeit von dem Unbekannten tätlich angegriffen und schwer bedrängt, daß er zur Waffe griff und zwei Schüsse auf seinen Angreifer abfeuerte. Di« Kugeln träfet! diesen in Kopf und Brust so schwer, daß er tot zusammenbrach. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhcruse gebracht. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Postauflage bei. Friedenau. Die Gemeindevertretung hat in ihrer letzten Sitzung einen Antrag der demokratischen Fraktion auf Gewährung billigerer Milch für Bedürftige angenommen und ebenso einen Zufaszantrag des Schöffen r i e d e l, wonach dem Lebensmittel- amt 20000 M. zur Verbilligung der Milch für Unbe- m i t t e l t e und Bedürftige zur Verfüguno gestellt werden. Aus diesen Mitteln sollen Kinder bis zum 2. Jahre, werdenden Müttern und Kranken, die Milchzeugnisse besitzen, Z u s ch ü s s e b i s zur Höhe von 50 P r o z. des heutigen GestehungSpreises ge- währt werden. Die Verbilligung für Unbemittelte und Bedürftige fM sofort in Kraft treten. Groß-Serlinsr partewachrichtea. Konferenz der Gemeindevertreter. Sonntag vormittag 10 vhr im SihungSsaal deS Berliner Rat- Hauses Konferenz der Gemeindevertreter von Groß-Berlin. TadeS- ordnung: Der augenblickliche Stand der Eingemeindungsfrage Groß- Berlin. Referent Genosse Bruns. Es habe« nur Gemeindevertreter Zuttsitt, die Mitglieder der S. P. D.>sind. AlS Legitimation ist am Eingang das Mitgliedsbuch des zuständige» Wahlvereins vorzuzeigen. Z. Abt. Morgen 71/, Uhr Bei Schneider, Körnerstr. 5: Sitzung de? Vorstandes, der Bezirlssührer und BettiebsvertrauenSlente. Flugblätter können gleich w Empjang genommen werden. Eharlottenburg. Sonntag, vorm. 9 Uhr, von den bekannten Lokalen Flugblattverbreitung.— Juristische Sprechstunde von 5—6 Uhr im Sekretariat, Rosinenstr. 4. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Arudt-Sochschule(Wllhelmahmnasium, Bellevuestr. lö). Der Film- Vortrag;.Die Technik des täglichen Lebens- ist aus Montag, 7ll, Uhr, v« schoben worden. Pros. Fölster wird im Februar über.Die Wissenschast vom deutschen Lande und Volte" sprechen. Die Vorträge finden am 3., id., 17. und 24. Februar statt.— Buud techniicher Angestellte« lOrtS- gruvpe Südost). Heute 7 Uhr, Reichenberger Straße 147: Mitglieder- Versammlung.— Zur Reform der Sexualgeletzgebung nach den Er- fahrungen der kriniiiialistsschen Praxis wird Kriminalkommissar Dr. Kopp am IL. Februar,'/ß Ubr, Halleschestraste 24, einen Vortrag halten.— Akbeiter-B-assersport-Verband, Kreis I. Montag, Dresdner Garten, Dresdner Straß« 45: Schwimmwartfitzung. Springer als Gäste will» kommen.— Sämtliche Kreismitgiieder! Sonntag: Proiestvetsommiunz für die Oefinung der Hallenbäder, vormiilagS st, 10 Uhr, bei Kliem, Hasenheide.— Zentralstelle für Einigung. Sonntag 10 Uhr, auger- ordentliche Generalversammlung im Sophien-Ghmnasium, Wemmeister- straße 15. GewechiWsbewMllg Oer verkrachte �Tarifvertrags. Das heiße Bestreben des Arbeitgeberverbandes deutscher Versicherungsunternehmungen, nach Rücktritt des Zentralverbandcs der Angestellten sich in den beiden ihnen genehmen Gewerkschaftsbünden eine willfährige Gefolgschast für den Abschluß eines Tarifverttages zu schaffen, ist im letzten Moment noch in die Brücke gegangen. Die in dem von den Unternehmern im Tarifvertrag verlangte Selbst- entmannung der Angestellten will der eine der Zwillings- brüder, der Gewerkschaftsbund der Angestellten, nun doch nicht auf sich nehmen; er hat seinen Rücktritt von den VerHand- lungen erklärt. Der Gewerkschaftsbund kauf- männischer Angestelltenverbände, die deutsch- nattonale Gründung, ist natürlich nach wie vor bereit, den Sttohmann zu spielen. Er hat seine Unterschrift unter den Vertrag gesetzt, was ihm schon um deswillen nicht schwer wurde. als diese gelbe Gründung fast gar keine Mitglieder in der Branche beschäftigt hat. Maßgebend für die tariflichen Verhältnisse im Versiche- rungsgewerbe sind natürlich nicht die von den Gelben im Ver- ein mit dem Arbeitgeberverband verübten tariflichen Scherze. Die Berliner Versicherungsangestellten haben in einer macht- vollen Kundgebung bereits dokumentiert, daß sie nicht willens sind, sich nach dem Diktat des Arbeitgeberoerbandes neben einer völlig ungenügenden Erhöhung'der tariflichen Positionen noch eine erhebliche Verlängerung ihrer Arbeitszeit gefallen zu lassen. Sie haben be- kanntlich das Reichsarbeitsministcrium wegen Einsetzung eines Schiedsgerichtes angerufen und werden ihre weitere Stellung von dem Ausgang dieses Schiedsverfahrens abhängig machen. Die Schutztruppe der Agrarier. Aus Stralsund wird uns geschrieben: Am Mittwochfrüh begannen hier in Stralsund die Verhandlungen für einen neuen Landarbeitertarif für den Regierungsbezirk Stralsund. Die Ver- ire hinge» der freien, der christlichen und dor � Hirsch-Dunckerschen Lcmdarbeiterorganisationen erklärten übereinstimmend, daß sie bereit seien, in die T a r i f ve rhan d l u ng e n sofort einzutreten. Gegenüber der Beteiligung der anwesenden Ver- treter der im Pommerschen Landbund organisierten Arbeiter hätten sie nichts einzuwenden. Sie betrachteten aber die Arbeiterorgant- sation deS Landbundes als gelb« Gewerkschaft, deren Be- recktigung zur Teilnahme an den Verhandlungen und vor allen Dingen am Abschluß eines Landarbeit«: Vertrags nachzuprüfen sei. Sie riefen gleichzeitig den zuständigen Schlichtungsausschuß zur Prüfung dieser Frag« an. Ästnem Schiedsspruch bzw. einem zu bewirkenden höheren Schiedsspruch würden sie sich u n t e r- werfen. Tie Arbeitgeber de» Landbunde»«klärten demgegenüber, sie würde« nnr in dt- Tarifverhandlungen eintreten, wenn von den and««« drei Organffationen zuvor die Organisation der Landbundarbeiterschaft als gleichberechtigt an, erkannt ja. De» Schlicht» ngsau stchuß lehnten sie als u n z u* flSitkig dB. Nachde« Set SttebteS ttstz �ZMündiget Krug von diesem seinem Svandvunkt nicht abzubringen war, wurde vom Unparteiischen die Verhandlung als gescheitert erklärt und geschlossen, nachdem in einer Schlußerklärung die Vertretung der Landarbeiter den SchlichtungZausschutz sormcll angerufen hatte. Es wird also zunächst dieser Schlichtungdausschutz über die Frage AU entscheide» hoben, ob der Landbund von Rechts wegen als Ver- treter von Landarbeitern anzuseben sei oder nicht. Bedauerlicher- weise sind die Verhandlungen über einen neuen Tarif— der alte t'f schon seit 1. Januar abgelaufen— gescheitert, wiederum an einer Kraftprobe des Landhundcs. der diesmal nicht nur mit allen drei LaudaLbeiterorganisationen, sondern auch mit der Einrichtung des Schlichtungsausschusses den Kumps ausgenommen Hai. Teuerungszulage« für Angestellte und Ardeiter. Von matzgcbender Seite wird uns geschrieben: In letzier Zeit bäufen sich die Fälle, datz Angestellten- und Arbeiterausschüsse zur Feldzeugmeisterei kommen, um sich über den Stand der?lbrechuung betr. der Ansprüche der Firmen gegen die Heeresverwaltung Aus- tunkt zu�boloir. Die Angestellten- und Arbeiteraueschüsse geben an, datz ihr Unternehmer erklärt hat. Teuerungszuschläge zu bewilligen, wenr, seine Ansprüche an die Heeresverwaltung befriedigt sind. .Dieses Vorgehen der Ausschüsse an die betr. Dienststellen hat f c i neu Wert, da die Ansprüche von mehreren Stelleu sorgfältig geprüft werden müssen-«nd ein schnelleres Erledigen durch Vorstellig- werden nicht möglich ist. Auck bat die Änsrage, aus die Prüfung selbst keinen Einslutz. Tie Entscheidung der Ansprüche der einzelnen Firmen kann von der Bedürftigkeit der Tsuermgszulageu für die Angestellten und Ar- bciter nickn. abhängig gemacht werden. Im übrigen werden Ab- schhrgszahi ungen. an die Firmen bis zu einem gewissen Prozentsatz aus die Ansprüche geleistet, datz der Rest der Zahlung aus die Bewilligung einer Teuerungszulage nickst ausschlaggebend sein kann. Dieser kurze Hinweis dürfte den Angestellten- und Arbei'.eraus- schüssen genügen, ihre Anträge auf Bewilligung von Teuerungszu- logen. nicht van der Erledigung der Ansprüche der Firmen an die Heere-emwltuiig abhängig zu machen. Lehrlinge«nd Achtstundeutag. Nu.'-nistngs mehren sich die Klagen, datz Untemeibmer. ins- besondere Kleinmeister, von Lehrlingen eine längere Arbeits zeit t-erlangsn. als nacb den gchetzlichen Bestiiinmungsn zulässig ist. Es herrscht vielfach noch die Aufsaffung. die Arbeitszeit der Lehrlinge untersteht nur dann rechiskräfti�n Ginschränikungen, wenn diese in den geltenden Tairfver trägen besonders festgelegt ist, der Klein- ssdeister dagegen an keine Verordnung gebunden ist. Das fit ein ■Ftrfum. Für ine Lehrlinge iwlten ganz allgemein dieselben Be- ssimmungen hinsichtlich der Arbeitszeit wie für alle anderen Be- ichästigten Für sie ist also die Verordnung der Reichsvegierung vom 23. Rovember 1918 matzgebend, wonach ab 1. Januar 1919 die achtstündige Arbeitszeit eingeführt werde« mutz. . Was geschieht aber, wenn der.Unternehmer sich trotzdem. nichi 'fügt? Tie Antwort lautet: Es' tritt Ziffer W obenerwähnter Verordnung in Wirksamkeit. Tiefe besagt: ,Mit Geldstrafe bis zu 2009 M.. im Unvermögenssalle mit Gefängnis bis zu 6 Monaten ttfcdi befivast, w«t den ÄtstHenden! SBefÄttemmge« ovet den auf Grund derselben erlassenen Anordnungen zuwiderhandelt. War der Täter zur Zeit der Begehung der Straftat bereits wegen Zuwider- Handlung nach Absatz 1 bestraft, so tritt, falls die Straftat vorsätz- lich begangen wurde, Geldstrafe von 100 bis 3000 M. oder Gefängnis bis zu 6 Bkmatcn ein." Allerdings werden diese Matznahmen nur dann wirksam, wenn Straftaten, also die Ueberschreitung der Ar- beüszeit. angezeigt werden. Bon solchen Anzeigosritattungen ist bisher in der Regel Abstand genommen worden. Wir sehen ober gar ntchr ein. warum noch weiterhin Rücksicht genommen werden soll. Gerade dort, wo es sich um die unverantwortliche Ausbeutung der Lehrlinge handelt, ist eS ein Gebot der Pflicht und der sozialen Fürsorge, gegen die Gesetzesberächrer und böswilligen Uebertretcr mit den fchärfften Mitteln vorzugehen. Auch versucht man, die Zeit, die durch den Besuch der Fort- bildungsschule fortfällt, nacharbeiten zu lassen. Auch daS ist unzulässig und eine Umgehung der Verordnung vom 28. November 1918. Ilm einen wirksamen Fugendschutz durchführen zu können, bitten wir alle Arbeitereliern und Lehrlinge, jede Usbertretung der Bestimmungen im Jugend fekretariat, Berlin W. 9, Bellevuesir. 7, Z Treppen, Zimmer 19, zu melden. Geöffnet zur Entgegennahme von Meldungen täglich von 9— 1 Uhr und Mittwochs und Freitags von 9 bis%8 Uhr abends. I« der BezirkSversamwlung der Holzarbeiter in den Hohen- staufensälen in Neukölln am Dienstag, die von 400 Tischlern be- sucht war. sind die von den S.-P.-D.» Mitgliedern vorgeschlagenen Kandidaten durchweg als Delegierte zur Generalver- sammlnng gewählt worden. Abs Bezirksovmann ist Alb. Runge gewählt. Dieses Ergebnis ist der Rührigkeit der Vec- bandsmitglieder zu danken, mit der sie gegen Bestrebungen politischer Rieblungen Einspruch erheben, die darauf hmauSgebcn, Anders- denkende im Verbände rechtlos zu mack.en. Die S.-P.-D.-Mitglieder wehren nch gegen Vormundschaft und Diktatur im Verbandsleben und wollen nicht blotz zahlende Mitglieder, sondern in der Organi- sattem mitarbeitende und mittbestimmende sein. Zu dem Ausgang der Wahlen hat nicht zum wenigsten durch sein bMes Schimpfen über Verbandsrnitglieder in den„M itteilungen de r Orts- Verwaltung" der Ortsangestellte Lieste beigetragen. Nicht gerode vertraaenrrweckcnd! Zu diesem Artikel in unserer Morgenausgabe vom 2. d. M:s. wird uns aus den Beamtenlreisen der D. W. F. gesebrieben: Das gerügte Ouiltungsformular wurde in der letzten Zeit von den meisten Beamten nicht mehr unter- schrieben Die Firma nahm das stillschweigend bin. vielleicht wagte ihre Leitung nicht, den Versuch zu machen, diese Unterschrift zu er- zwingen, vielleicht balte sie auch eingesehen, datz eine rechtliche Durchsetzung dieses Formulars unmöglich war. Aber eine andere Sache iei noch der Oeffentlichkeit unterbreitet: „Bei den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken besteht eine Pensionskassc für die Angestellten, der jeder Neuengagierte innerhalb 6 Monate beitreten mutz. Diese Kasse erhebt nun ordentliche und aotzerordentliche Beiträge. Die ordentlichen Beiträge werden beim Ausscheiden aus den Diensten der Firma ohne jede Zinsvergütung zurückerstattet, die autzerordentlichen Beiträge verfallen aber dem Penfionsfonds i Bei feder Erhöhung des Dtenstemkomt«nS find nun ö vom Hundert des JabreSbetrages der Erhöhung Irls autzerordeutlichcr Beilrag an die Penssonslasse eiu-uzahlen. Datz es nch hier um nicht unbedeutende Beträge handelt, ergibt fich wohl am besten aus der Tatsache, datz fast jedem Beamten im ber- flossenen Jahre ca. ISO M. als ontzerordentliche Beiträge von seinem kargen Gehalt in Abzug gebracht worden find. Da nun das AngestellrenverhältniS bei vielen der Angestellten nicht von so langer Tauer ist, um einmal Anspruch aui Pensionierung zu erheben, müssen sie einen beträchtlichen Teil ihres Einkommens zugunsten einer»sozialen Fabriieinrichtung" opfern, die ihnen nie und nimmermehr auch nur einen einzigen Pfennig Vorteil gewährt." Hier mutzte die Ausichtsbebörde eingreifen, denn bei der beutigen Teuerung und Not in der sich die Angestellten befinden, verstöht eine derartige.soziale Wohlfahrtseinrichtung" direkt gegen die guten Sitten. parteinachrichten. Es geht vorwärts! Unsere politischen Freunde von rechts und links überbiete« fich gegenseitig in Behauptungen, datz die sozialdemokratische Partei von Tag zu Tag an Anhänger verliere, datz die Bolksstimmung fich zu- sehends von ihr abwende. Da erscheint es angebracht, an der Hand von Tatsachen einmal das Gegenteil zu beweisen. Gerade in den letzten Wochen wurden in allen Teilen Deutschlands neue Orts- g r u p p e n gebildet und wo solche vorbanden, ihnen beachtenswerte Mitgliederaufnahmen zugeführt. So stieg in den badiichen Orts- vereinen F r e isn s h e i m die Mitgliederzahl von 90 auf 210, darunter 5ö Frauen: in Insheim von 23 auf 108. In den kleinen pfälzischen Landortcn Einöd. Dunzweiler, Ditt- Weiler, Höheischweiler wurden in der vergangenen Woche neue Ortsvereine mit stattlichen Mitgliederzahlen gegrnndei.— Eine gme BorwörtSeniwickelung weist der Bezirksverbond Hessen- Kassel auf. In der Zeit vom 1. April bis 31. Dezember stieg die Mitgliederzahl von 15 020?auf 18 332, darunter 696 Frauen. Im Freistaat Coburg zählen 32 Orlsvereine 1718 Muglieder. die Parteipresse hat 6200 Bezieher. Von insgesamt 264 Gemeinderäten sind 162 Sozialdemokraien. ausserdem 14 OrtSschultbeitzen und b Siellvertrerer. Von 11 Landtagsabgeordneten geböten 7 unserer Partei an. In Hoya(Hannover) zählt der vor sieben Monaten gegründete Ortsverein 124 Mitglieder. 50 Jahre Parteimitglied. In Friedrichsfeld(Baden) konnre am 31. Januar unser Genosse Christian Gembe auf seine fünfzigjährige Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei zurückblicken. Während dieses halben Jahrbunderts hat der Jubilar an allen Kämpfen der Partei innigen Anteil genommen und ihr die Treue gehalten. Möge es ihm noch recht lange möglich sein, in gleich regem Sinne für die Partei zu wirken. Üerantr». für de» Mdattion. Teil:«tter Zickler, Charlottenburq: für Anzeige«: Id. Glocke, Berlin. Berlag: Vorwärto-Verlag G. m. b. 6.. Berlin. Druck: Vor- wÄrts-Pnckdruckerei u. Dcrlagsonswl! Paul Singer u. Co. Berlin. Lindenltr. S. iw—wi in Hl iw»m iiii iiim m■■ iwiim iii> g>!>»>,! im i— Verband der CitlsO- «rapiienj SKindruAer und �eruiandien Berufe ' Den Mitgliedern geben >pir hierdurch dir Nachricht. dah unter«iollrge, der Sieindrncker Paul Künk oui 3. Februar im Wtrr oatt 4i tzaliren an herz. Urbmuna oeritorben tu. ' Cin ehrendes Andenken (|t ihm gesichert. Die Beerdigung sindel am Sonnabend, den 7. Fe- brugriuuchniitrng» 3", Unr. oen der-Seichenhalle des alten Sorchien-Nirchhoies in der Bergitrasie an? llatr. Um rege Beteii-gun«, er- Dt« Berwaltung. sucht Fratbusisiche« Koenah-Rexcpt eertSuilich Offerten unter »i. an diele Zeitung.' Messing 9,-| Kupfer>8, QotiheSm, �TaWanneiifctr. VI. 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