Nr. 72. 37. Jalsrg. vezaa«»re»« t «-«ttliSH:!. laL0«l.««wtl.»«Mt. s«, ms»au» oataa« ahwar. Pok- bs-aa iKanatlift ISO Mi.«rtt. fta» itslluagsqidithc. Um« SriilüdaaS für Dnmchland an# Setierreich- Ungarn S7S Mr. ritr Hat ädrige Alleiarld IS— Mi. bei läiijch nnmaK �jiteUang tl— iE;+ 9olBla»«Bff(chl«8, Poki- ttiitOangen ntnmtn an Sanemari. SoUanö, �«remdurg Zchweden umb fcts Schwebt.>rtagetraa»n>n die Pr!t» •eimtiQ»■ Pre-sliiie Der„Dormo rt«* sni»er Soimhia«* faeüoge„Bot! a. Seit* nidiemt rnecheri- kiiglich iweimai Saamags«mmal. T»>»aramni-Ä dreür .Sa?ialS«-»>area, iZerlto". Morgen-Ansllave. Bciiiucc DolKsblntt ( 20 Pfennig� AnzetftenpreiS! DK achigeivalieiie SianvaieMezeiK i»!le! S.— Ä. TeaerungSMichlag �Siriac Änzvig««,". das eti» zedruclie Aarl 15 Pig. tzaiiltstg zwei ieitgedraikte Worl?>. rndes wr r.sre Wori St» Ptg.>2lelleaqeii:ci,k mld SchiaMeilen anzeigen das ertte Wer! '& Big. icbee weiierc War! 40 Bs?. Worte über 15 Bnchlio.drn jfid'.tii rür zwei Worte. Teuerunaszlischlng bliez» Faniilien- Anzeigen,»»litilche VNS gewerlichatiilche tSemns- Anreigcit a— Mi. die Seile ohne Aufschlaz. Anzeigen ttir di- nächste Nummer müssen bis s Zilie nachmittag» im, KaumgetchSit. Berlin ZW W Linden» strafte S. abgegeben werde»,«tebffnei van ü Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentral organ der fozialdcmokrati fcben Partei Oeutfchlanda StH» Reüaktion und Expedition: ctD. 6$, Linöenstr. Ö. Äerttiprertier; Ami•.Wonmiiu«, Ztr.(.>1 UO- 151»7. Montag, den N. Februar 15�23. vorwärtssverlag G.m.b. H., Sw. SS. Linöenstr.Z. leernivrecitcr! Amt Mortttvlaa. Zir.>17 55—51. ...... rr iCie deutsche Regierung hat tu der Nacht vom Sonnabend I über Leichen hinwegschritten, nicht, einen einzigen von denen, Mn Sonntag die angekündigten Schriftstücks erhalten: die in; deren Auslieferung verlangt wird, wirklich über die deutsche telegraphiichem LuZzug bereits mitgeteilte Auslieserungs- liste, den Begleitbrief dazu, der an die Adresse des Herrn v. Leisner gerichtet war, und schließlich ein Schreiben des PräsiSenlen der Botschasterkonfere'nz Milleranb an den beut- schen Reichskanzler, der auf den Z w i s ch c n f a l l L e r s n e r! ziehen. Melden sich doch sogar in Frankreich, scs es vorläufig Bezug nimmt und in höflicher Form eine ernste Verwarnung auch nur aus einer Minderheit Stimmen, die dem deutschen cn� die deutsche Negierung enthält, ihre Pflichten aus dem! Ständpunkt ein gewisses Verständnis entgegenbringen. Darum Friedensvertrag zu erfüllen. heißt es. in Ruhe und Festigkeit, ohne Herausforderung der Grenze bringen. Man braucht die Hoffnung nicht aufzugehen, daß dieser Sachverhalt im Ausland verstanden werden wird, und daß man sich dort vemUhen wird, aus ihm die richtigen Schlüsse zu Nach der großen Aufregung, die die Veröffentlichung der Auslieferungslifte in ganz Teutschland hervorgerufen hat, enthalten diese beiden Briefs nichts, was nicht erwartet wor- den wäre, nichts, waS geeignet wäre, die Leidenschaften noch .weiter zu steigern. Immerhin enthält der erste Brief eine Stelle, die noch der Aufklärung bedarf, wenn ihre Wirkung nicht zu immer neuen Reibungen führen soll. Es wird dort nationalistischen Leidenschaften auf der anderen Veite, das weitere abzuwarten. Wir dürfen nicht den Kopf verlieren, wir Hoben ihn niemals nötiger gebraucht als jetzt. Am Sonnabend, den 7. Februar, in später Abendstunde überreichte der französische Geschäftsträger dem änderten Begleitnote. Der Note war ein Brief an den Reichskanzler beigefügt. Der Wortlaut der beiden Schreiben ist folgender: t-.tr. SprfitMnbe der zrlebenskonferenz. Pari?, den 3. Februar MLG. Herr PrSfideut; I« AusfLbrung de« Paragraphen Z des am LS. Jin-i 1918 unterzeiibneten ProtarollS beehre ich mich» Ihne» anbei im Name» der alliierten Möchte ein Exemplar der von der britischen, franzLsische«, italienischen, belgische«, pol- nischen, rumänischen und serbisch- kroatisch- s l»- w e a i s ch e n Negierung gcmäp Artikel 228 Absatz 2 deZ Bersailler ScrtrogeS aufgestellte» Liste» zu überreichen. ?n die Aufstellung dieser Listen sind nicht alle die mit ein- begriffen, tvelckie sich der im Lanfr des Krieges von deutschen ZieichS- angrhörigen begangenen zahllosen Lerbrechctt schuldig gemacht j haben. Die rdc» bezeichneten Regierungen haben geglaubt, schick- j lichetweise darin nur Personen ausführen zu sollen, die anscheinend dir schwerste Verantwortung lrifft. Die so ausgekührre gesagt, daß die Auslieferung nur der am schwersten Belasteien Neichswnzler die A u s l i e fe r u n g s l i st e mit der u n v e r- gefordert werde, daß aber nrchtdieAb sichtbeste he,-...-—•._.„ den andern eine Amnestie zu gewähren, viel- mehr behielten sich die alliierten Regierungen das Recht vor, diese aus ihrem Staatsgebiet zu verfolgen. .Härte diese Brief stelle den Sinn, den, sie zu haben ftcheint, so würde kein jeyt erwachsener Deutscher Zeit seines Lebens ungefährdet in da? früher feindliche Ausland reifen können, ein feder würde darauf gefaßt fein müssen, auf Grund einer Denunziation, di» ja auch falsch sein kann, festgenommen und vor ein stündliches Militärgericht gestellt zu werden. Das würde aber eine solche RcchtsunücherHeit schaffen, daß wir kaum glauben können, daß jener Passus so zu verstehen sei. Möglidhemeiie beabsichtigt die Entente eine zweite Liste berauszngeben. die die Namen derjenigen Personen enthält, deren Auslieferung zwar nicht verlangt wird, gegen die aber prozessiert werden soll, wenn sie das feindliche Staatsgebiet betreten. Aber auch eine solche Proskriptionsliste würde ebensowenig wie die grundsätzliche Vogelfreiheit dar Deutschen rm Ausland eine Stütze im Friedensvertrag finden. � In den Blättern häufen sich Nachrichten, die auf e r n st e,„„„. ,»»...j... „N e i nun g s v e r' ch! e d e n h e i t e n zwischen den Alli-! ber Schuldizcn bleibt weit zurück l-inter derjenigen der vcn terien ichließen lassen. Vaßwcklw Meinuugsve schieden Helten � Deutschen TtlfatSangebörigen in Verletzung der Gesetze und Gebräuche beuehen, ist imzweifelbaft, doch wäre es ilbereilt, aus ihnen 1 allzu optimistische Schlüsse zu ziehen. Auch wenn, wie be- hauptet wird, Lloyd George seine Meinung in der Aus- lieferungs frage geändert haben sollte, so besteht doch auf der andern Seite sicherlich das Bestreben, die Einheitsfront gegen Deutschland aufrechtzuerhalten. Allerdings hängt es von der Stärke der vorhandenen Melnungsverschiodenheiten ab, wie sich diese Einheitsfront weiter bewegen wird. Daß eine ein- zelne Mackst, die über die Ausführung des Friedensvertrags anders denkt als die andern, nicht berechtigt ist. für sich allein zu Repreisivmaßregeln zu schreiten ist schon In unserem gestrigen Leltaufsatz„Macht und Recht" ausführlich nach- gewie'-en worden. Es spricht somit ein hoher Grad von Wahrscheinlichkeit dafür, daß raickfe Entschlüsse der Entente, aus der ersten Er- rv Innj die Bedingunge» toiffe« lasse» würde, unter j Die MsUefeeuKKsUfte. Das Original der BuSlirferiingSliste übersteigt an Lmfemg bei weitem den schon mitgeteilte« telcgraphischrn Auszug, enthält aber t e i n r w r i t e r r n N o m e n als die telrgraphisch cngcgebcne». Die Personen der Auszuliefernden werden in ihr genauer bezeichnet und bei jedem werden dir Gründe, aus denen die Auslieferung verlangt wird, mehr oder weniger ausführlich wiedergegeben. Dabei ist im allgemeinen festzustellen, daß die Begründung dcr Engländer meist außerordentlich knapp ist. die dcr Franzosen dafür desto auSführ- sicher. Das 190 Schreibmaschinrnseiten umfassende Schriftstück, das in französischer Sprache verfaßt ist, soll ins Deutsche übersetzt und abschnittweise veröffentlicht werden. Die Ausliefernug HindrnburgS und LndendofsS wirb wegen der Zresttirungen in Nordfrankreich gefordert, dir vo« T i r- p i tz wegen des unbeschränkten TauchbootkriegS. Der General Zöllner wird beschuldigt, Urheber der Deportationen ans Lille im Jahre 1910 gewesen zu sein. Paris, 8. Februar. tHavaS.j Gestern abend gelangte die Lisi � der von den Alliierten zur Auslieferung verlangten Personen zur Verteilung. Di« Liste umfaßt 194 Seiten und zerfällt in 7 Liste«. Die 1. Liste umfaßt die von England geforderten Personen ant der Zahl von 199. die zweite Liste die vo» Frankreich Gstör- dertsn mit 384 Name», di« dritte Liste die von Italien Gstör- decken mit 29 Rainen, die vierte Liste die von Belgien Gstör- dertei! mit 334 Namen, die fünfte Liste die von P o le n Geforderten mit 53 Namen, die sechste Liste die von Rumänien Gsfordorten inist 4i Namen und die siebente Liste die vo» Südslawren Ge- forderten mit 4 Namen. D>e Botschofrerkonfereuz setzte bi ihrer ge steigen V ormit tagSsi tzung den Text der Begleitnote zur Liste der Auszuliefernden fest. „Daily Chconicle" das Londoner Matt, schreibt, wenn die Liste stimme, so sei sie niemals der britischen Regierung übermittelt»nd von ihr genehmigt worden. Sie sei schlechthin grotesk zz? nennen. Verleqenheit ht Paris. In Paris ist man in großer Verlegenheit wegen der p k Z tz, lichcn Aenderung der Haltung Englands in vre A u s l i e f e r u n g sf r a g e. ES ist klar geworden, daß Lloyd Qirorge, unter noch nicht zu erkennenden Einflüssen, dir französische Ausliefernngspolitik nicht mitmacht. Aus den Pariser Meldungen ist ersichtlich, daß man zunächst dort nicht weiß, wie man sich zunächst weiterverhalten soll, um der Gefahr einer Jsoticrung z» entgehen. L o n d»«, 7. Februar. Dem Reulerfchcn Bureau wird an» Paris gcmrldet: Als der Rat der Botschafter die Liste der Schuldigen am Mittwoch nach Berlin sandte, gab er sich völlig der Erwartung hin, daß ma» in London dieser Aktion zustimme. Der britische Lordkanzler ist jedoch gestern früh aus England rin- getroffen und hat dem Rat der Botschafter mitgeteilt, daß Lloyd George seinen Standpunkt geändert hebe. Wie daS Rrutrrfche Bureau weiterhin meldet, kam ber Rat der Botschafter, an dessen Sitzung auch dcr britische Lordkanzlrr und der Attorney General teilnahmen, zu dcr Ansicht, die Alliierten müßten erst de« nächsten Schritt abwarten, bevor sie selbst etwa! unternähme«. Amstrrdo«, 8. Februar. Ter Pariser Korrespondent deS „Llgcmeen Haadclsblad" meldet: In Pari» ist man durch di« , c c;t i o c t ü« b e t a n g Lloyd Georges sehr unangenehm uhrt, da Frankreich dakuvch Deulschlanb gcgenitber in das Odium -"-er habsüchtigen Nation kommt. Die Stimmung in Paris ist s!urch keines iveg? englendfreunblich. Die Reise ■'i i l l e ran d s ti n ch£ o n b n n erhält dadurch ganz besondere Bedeutung. Man kann annehmen, bah die Haltung Lloyd GcorgeZ •ich Bon Einfluß auf die Haltung der Alliierten in der Frage der uslieferung des Kaisers sein wirb. Die Alliierten„nicht völlig einig". Paris, 7. Februar.„Evening©iciibarb" bringt eine Nachricht eines diplomatischen Korrespondenten, die englische Regie� eung habe ihrem Berliner Geschäftsträger eine Note über- ririttclt. die er dem Nliichsir.inister für auswärtige Angelegenheiten Müller überreichen falle, und die dem NeichSministerium seinen Entschluß erleichtern könnte. Dos Blatt fügt hinzu, man dürfe nicht erstaunt sein, wenn einige Abänderungen an dem AuslieferungSverlangen vorgenommen wurden.. Die Alliierten seien nicht vollständig einig über den einzuschlagenden LZeg. Der amerikanische und der japanische Delegierte, ebenso Lloyd George und Lord Curzon hätten sich völlig überzeugt von den Schwierigkeiten, vor denen die deutsche Regierung stehe, aber Frankreich sei durchaus anderer Meinung, während Italien sich zwischen den beiden entgegenstehenden Standpunkten halte. Diese Nachricht übermittelt der Londoner Korrespondent des„Pevit Journal". Pertinax im.Echo de Paris" stellt noch einmal fest, daß alle Klauseln, betreffend den Kaiser und die schuldigen Deutschen von Lloyd George kommen und fragt, warum Lloyd George heute sein Werk verleugne. Heute sage sich die patriotische Kundichast ! on Lloyd George kvS, er suche eine andere und wechsle deshalb das Urogramm. Wenn Deutschland nicht erfüllen könne oder wolle, was es versprochen habe, dann müsse man feststellen, daß es im. Verzug sei und müsse eine Kompensation verlangen. Lefsners Weigerung. Dr. Mayer fährt nach Paris. Wie wir hören, empfing der Reichsmin-ister des Auswärtigen, Genosse Hermann Müller, den englischen und französischen Gr- schäftSträger und teilte ihnen mit, daß Herr v. LerSner beauf- tragt gewesen sei, die für die deutsche Regierung bestimmten Schriftstücke nach Berlin weiterzugeben. Seine Weigerung, dies zu tun, fei lediglich eine persönliche Geste gewesen. Der deutsche Geschäftsträger in Paris, Herr Dr. Mayer-Kauf- teuren, wird heute noch an der Siynirg des Ausschusses für aus- wärtige Angelegenheiten teilnehmen und heute Nacht oder morgen früh die Reise nach Paris antreten. Die deutsche Regierung hat sich bisher darauf beschränkt, den Empfang der ihr übermittelten Schriftstücke zu lestätigeu. Eine Besprechung mit den Parteiführern, die im Lauf« des gestrigen "ages stattfand, ergab keine neuen Gesichtspunkte. Man war sich darüber einig, daß das leht« Wort der Nationalversamm- lung überlassen bleiben müsse. Eine Grundlage siir ihre Be- ratung wird erst gegeben sein, wenn die angekündigte Antwort auf die Note vom 2ö. Januar eingetroffen sein wird. Erzberger gegen öie �usliefenmg. KeichSfittanzmmifter Erzbsrger gewährte dem Sonder- derichterstatter der„DaÄy Mail" eine Unterredung, in der er iL a. etwa folgendes auSMrte: Di» Auslieferung irgendeines Deutschen an die Entente sei »infach undurchführbar. Der Körper der Nation würde in einer Weise erschüttert werden, daß kein Mensch sagen könnts, was aus Europa würde. Die Frage, ob dieses Verhalten dir Regierung in Einklang mit dem Friedensvertrag zu bringen fei, könne insofern nicht konstruiert werden, alS der Vertrag nicht in freier Vereinbarung unterzeichnet sei. Es habe Hoffnung bestanden, daß die Alliierten auf Grund gewisser Zusicherungen die Ablehnung der Ilebernakme einer Verpflichtung nach Artikel 227 bis 230 annehmen würden. Aach der neuerlichen Drohung C l e m e n c e a u S sei am 23. Juni nichts anderes übrig geblieben, als unter dem ungeheuren Zwang der Drohung d es Einmarsches den Fried enSbcdingmrgen der Alliierten auch ohne Abänderung der Bestimmungen Zustim- mung zu geben. Der Ministsrst bezeichnete es als völlig falsch, auS der Haltung der Regierung den Schluß zu ziehen, als wolle Deuifchland die Verpflichtungen des FviedenZuertrages nicht einhalten. Schon noch den bisher erso igten Leistungen an die Alliierten könnten die Alliierten diese Annahm« nicht aufrechterhalten; die Forderung der Auslieferung untergrabe den Wiederaufbau des Deutschen Reiches. Zum Schluß sprach der Minister die Usbcrzcngung au», daß die in Berlin anwesenden Ententevertretungen, die die deutschen Verhältnisse auS eigener Anschauung sähen, die- selbe Auffassung wie die Regierung und das gange deutsche Volk hätten. OefQKgeKTNrLckkeh? aus Rußlanü. Tie Reichszentralstelle für Kriegs- und Zivilgefangene teilt mit: Nach langer Unterbrechung kann jetzt mü dem Eintrefkm eines Transportes deutscher Kriegs- und Zivilgesai-gener a«S Rußland gerechnet werden. Ein Funkspruch aus Moskau meldet, daß«tn Transport mit 600 deutschen Invaliden, Greisen, Frauen Und Kindern am 7. Fe- bruar MoSkan verlassen wird. Der Transport wird dank de» Entgegenkommens der polnischen Behörden über Borisow geleitet, wo für den Empfang und die Weiterleitung alle erwrderlichrn Maßnahmen getroffen sind. Die Sowjet-Regierung erwartet als unumgängliche Voraus- se tz u n g für den weiteren HehntranSport der Deutschen auS Rußland die Verhinderung jeglicher propagandistischen Anwerbung unter den i» Deutschland befindlichen russischen Kriegsgefangenen und Angehörigen der Bermondt-Armce zum Zwecke der Verwendung für irgendeine antibolfchcwtstischc Front. Heimkehrer aus Japan. Nach telegraphischer Mittiilunq der Schweizerischen Gesantüschart in Tokio hat der vierte Heimschaf- fungstransport fccuiicher Kriegsgefangner aus Japan auf dem Dampfer»Hudson Maru" am 27. Januar Kobe verlassen. An Bord befinden sich 12 Offizier«. 14 Portepee-Unteroffiziere und 582 Unteroffiziere und Mannschaften, rnSgefamt 608 Personen. früh um fünft... Unter diesem vielversprechenden Titel bringt ein Berliner Blatt in seiner Sonntagnummer einen Bericht über eine Rundfahrt durch die Berliner Nachtlokale, die trotz Kohlennot und Polizeistunde -bis zum frühen Morgen ihre Pforten geöffnet halten und den- jenigen, die es dazu haben, für riesige Summen angenehme Stunden bereiten. Man sollte annehmen, daß ein Blatt wie die ,Ber- liner Morgenpost", die in weiten Arbeitcrkreisen gelesen wird, aus diesen traurigen Zuständen die Folgerung zöge, daß von feiten der Polizei eine strenge Kontrolle über die Einhal- tung der Polizeistunde eingeführt wird. Weit gefehlt! Mit Rücksicht auf die arbeitslosen Kellner und„zahllose im Berufe tätigen Frauen und Männer", die auch einmal das Bedürfnis nach Ablenkung haben, schließt baS Blatt mit dem Ruf: „Drum: Fort mit der Heuchelei der jetzigen Poli» zei stunde! Aber baldigst!" Demgegenüber lassen wir«ine Zuschrift aus Arbeiter, kreisen, die uns zu unserem Artikel in der Sonntagmorgen- nummer zuging, reden. Sie lautet: „Zu Ihrem heutigen Artikel betreffs Verlängerung der Polizeistunde erlauben sich mehrere Arbeiter eines Betriebes, welch« der S. P. D. angehören, folgendes zu bemerken: Der Herr Minister des Innern hat wohl eins vergessen, daß die Arbeiter auf ihre Kohlenkarten nichts erhalten, denn aus Nr. 2 der Karte haben wir erst 1 Zentner erhalten, so daß die Arbeiter n i ch t in der Lage sind, sich das bißchen Fressen für sich und Familie zu kochen, während nach wohlwollender Erwägung der Herr Minister dos Innern bereit ist, den Schlem- «rem und Prassern noch mechr auf die Berne zu helfen. Nur immer so weiter und viel Glück dazu!" Die Fabrik. Von P. Neschow. Ein klein«? Sckafzi'chterdorf war der Ort. bevor die Fabrik gebaut wurde, die den Kail des Bodens nutzbar sür die menschliche Wirlichast machte. Sie hat zwei sSmuckloie, von ungeputzten Häusern wie Kasernen eingefaßte Siraßenzügc an die wenigen ärmlichen Bauernhöfe geiügt, bat die überflüssigen Söhne der Bauern, Städter und Arbeitslose wie wärmende» Licht angelockt, sie mit Arbeit und Bröl versorgt. Daß die Arbeiter dem geldgierigen Unternehmen in Kämpfen, die sie an den Rand des VerhungernS brachten, den Lohn ihrer Arbeit erst entreißen mußten— stärker fesselte es sie an die Fabrik. Und nun sieigt seit Wochen der Dampf de« brennenden Kalke« tiiSi mebr in die Luft, verzischen die Schneeflocken nicht mehr im Gebrodel, ist der Weg von den Häusern nicht mehr von tausend Füßen zu einem Brei von Schmutz und Schnee zerstampft. Weiß, kaltglitzernd deckt ihn unberührter Scknee wie sein Leichen- tuch, nur ein schmaler Pfad ist getreten zur Fabrikpforie, zum Oefen- haus, unier dem ein scharfer Rauch zitiert, anzeigend, daß noch Leben in den Oefen pulst, verhindert ihre tödliche Erstarrung, die die tausend Arbeiter mit ihren Frauen und Kindern brotlos machen würde. Morgen» und abend» trapsen wenige Heizer wie ein dünner, sterbensmaiier Blutstrom zwischen Fabrik und Stadt. In den Küchen drängen sich die Familien um den lauwarmen Herd, fragen die Frauen behutsam jeden Morgen: .In der Nacht hörte ich die Güterzüge rollen, sind vielleicht Kohlen gekommen?" Vergrämt, verbittert kommen die Männer vom Rathaus und schweigen, ein düsteres. ftosilvieS Schweigen. Stundenlang stehen sie an den Fenstern, blicken hinuher zum Güterbahnhof, ihre Augen wandern mit den Loren, in denen kantige Kohlen durch die Schneedecke hervorstechen, die Gleise auf und ab. Da— rollt die eine nicht cuf den Strang zur Fabrik? Langsam, narrend die hoffende Seele, schlingert sie sich auf die Weiche zu— jetzt— muß sie recht« ab— ack. sie bleibt auf dem geraden Wege stößt zu den andern, eine Maschine setzt sich vor die Reihe und führt sie weiter, fort, fort... Die umdüsterterien Augen folgen dem Zug, bis er von der Ferne verschluckt ist. Eines Tages aber, da ruft der Vater die Kinder, da stößt eine wacklige, prustende Lokomotive eine lange Reihe Kohlenwagen auf da« Anschlußgleis, schwarz, wie die Last, die sie wogen, schneiden die Räder die Schienen au« der weißen Schneedecke au«, wie«in Jubelfchiei schrillt die Maschine hinter den Fabrilhäusern her. wackelt allein, torkelnd und schwatzend den Weg zurück— wie eine alte Tante, die etwa« mitgebracht hat. Endlich! Bon Hau« zu HauS stapfen die Vertrauensleute: .Morgen wieder in'n Betrieb". Die Not der geistigen Arbeit. Am Sonnabend sprach Kukius- minister K o n r a d H a c n i sch im Berliner Schriftsiellerkiub über die große Not, die jetzt in Deutschland alle? geistige Schaffen schwer beeinträchtigt. Viel zu wenig beschäftige sich die Oeffcn!- lichkeit mit dem Elend unsere-? kulturellen Lebens. Während man vor dem Krieg den Wert der körperlichen Arbeit unterschätzte, spiele herite die geistige Arbeit ein« noch traurigere Rolle. Da? früher sozial bevorzugte Beamtentum stehe jetzt sozial unier dem Durchschnitt der Bevölkerung. Die Hochschulgel ehrten seien in der bedrängtest«» Lage. Es war Deutschland nicht mög- lich, den ersten Physiker der Universität Göttingen, der einen Ruf in die Schweiz erhielt, zu halten. Die Gefah-- der Abwanderung führender Gelehrter nach dem Ausland fei sehr groß; die Gelehr- teu sind heute infolge der unerschwinglichen Preise für Apparate und Materialien nicht mehr zu wissenschaftlichen Experimenten imstande. Arbeit und Forlschritt in der Heiltechnil sind aus dem gleichen Grunde zurzeit unmöglich. Die Herstellung Wissenschaft- licher Literatur sei derart verteuert, daß sie nicht mehr ausrecht zu erhalten ist. Gewaltige Mengen wertvoller deutscher Bücher und Handschriften gehen bei dem heutigen Valutastand ins Aui- land. Die Preußische Akademie der Wissenschaften sehe sich ge« zwungen, das Erscheinen großer wissenschaftlicher Sammelwerke einzustellen. Die Lage der Hochschullehrer und Studenten sei trostlos. Im Beamtentum wachse immer mebr die Gefahr der Korruption. Lehrer und Schüler der techrtiichen Hochschulen drohen in den praktischen Beruf abzuwandern. Auch bei Aerzten und Anwälten herrsche zum großen Teil nur«in glänzendes Elend. Mit am schlimmsten leiden die Arbeiter der Feder. Wenn auch die festangestellten Redakteure jetzt eine geringe Sicherstel» lnna besitzen, so sei eZ doch gerade für ihn. den Redner, als alten Sozialdemokraten ein unerträglicher Zustand, daß die, welche handwerksmäßig die Zeitungen herstellen, ungleich besser besoldet sind, als die geistigen Leiter. Den bildenden Künstlern könne der Staat in Zukunft keine Verdienstmöglichkeit mehr bieten. Das Mäzenatentum habe leider aufgehört, da die Jagd nach Orden und Titeln, welche reichliche Spenden brachte, aufgehört habe. Auch die guten Bühnenkünstler gehen ins Ausland. Er denke daran, die gesamte Staatsoper, um das Ensemble nicht zerreißen zu lassen, auf Gastspiel ins Ausland zu sichicken. Schwere Sorgen bereite die Kulturpropaaanda der Franzosen, die Theater auflaufen und auch sonst dentsche Bildung und Kunst zu der- drängen suchen. Hier muff« ein geistiger Grenzwall gezogen und die deutschen Kulturstätten müssen gestützt werden. Der Minister rief am Ende seiner Rede die geistigen Ar- heiter auf, sich zusammenzuschließen und den Massen klarzu- So sieht das Verlangen zahlreicher„im Berufe tätiger Frauen und Männer" nach Ablenkung aus, für das die„B. M." so schneidig eintritt. Der Arbeiter verlangt heute in allererster Linie, daß ihm neben ausreichender Verdien st Möglichkeit genügend Kohle zur Verfügung gestellt wird, un: sein Essen bereiten zu können und nach getaner Arbeit ein warmes Heim zu hauen. Darüber hinaus fordert er, daß zur Behebung der Kohlen- n o t alles unterbleibt,«vaS nicht im Interesse der Volkswirtschaft gelegen ist, und das ist in erster Linie eine Ausdehnung der Polizeistunde. Wenn in Interessentenkreisen darauf hingewiesen wird, daß durch eine verlängerte Polizeistunde zahlreichen arbeitslosen Kellnern Derdienstmöglichkeit gegeben wird, so sei demgegenüber nochmals betont, daß das erforderliche Mehr an Kohlen der In- dnstrie entzogen und so auf der anderen Seite eine noch größere Arbeitslosigkeit verursacht wird. Wenn man genügend Kohl« zur Verfügung hat, so beliefere man zunächst einmal im Interesse der V o l k S g e s n n d h c r t die Badeanstalten. Am Sonntag tourde in Neukölln eine große Proteftversammlung dos Deutschen Schtvimmerverbandes und des Arbeiter- Wassersportverbandes gegen die Schließung der Schtvimmbadeanstalten veranstaltet. Es wurde verlangt, daß die Nepp- und S ch' e b e r l ö k a l e, die ihre Räume als gut g c- h e r z r anpreisen und die auf dem Wege über den Schleichhandel das Vielfache der zur Inbetriebsetzung der Bade- anstalte n notwendigen Kohlen verbrauchen, geschlossen werden. Außerdem wäre es sehr ratsam, wenn statt dex Berläuge- rung der Polizeistunde, eine Verlängerung des Verkehrs wenigstens aus den>v i ch t i g st e n Linien durchgeführt würde. Heute wird leider von seilen der Siraßen- und Eisenbahn der Verkehr nach der Polizei st und e reguliert. Es gibt aber Taufende von Menschen, die um diese Zeit noch geschäftlich tätig sind, wir erinnern nur an die Presse, und die dann da? zweifelhafte Vergnügen haben, in nächtlicher Stunde weite Wege zu Fuß zurücklegen zu müssen. Wenn also Kohlen frei sind, dann denke man zunächst an das Wohl der Allgemeinheit und wenn hier alle, aber auch alle Forderungen erfüllt sind» dann gebe man unferetwegeu auch denen, die absolut nicht ander? leben können, Gelegenheit. mach dem alten Bummelliede„Bis früh mn fünfe..." ihre Zeit totschlagen zu können.' Kleine politlsthe Nachrichten. Echliesiung der Eisenbahnwerkstätten in Breslau. Dir Eisen- bahndirektion Breslau teilt mit: Wegen llnwirtschafilichkeit des Betriebes wurde Hauptwerkstättenamt la und lb Sonnabendabend geschlossen. Die Wiedereröffnung erfolgt demnächst unter Einschränkung der Arbiiterzah! und unter neuen Betriebs- bedingnngem. GewerkschastSkongerß der englischen Bergarbeiter. Der Voll- zunSuuIschuß drS BergarbeiterbnndeS hat Sonnabend in- folge der Ablehnung der Verstaatlichung der Kohlen- bergwerk« durch den Premierminister beschlossen, zu beantragen, einen besonderen Gewerkschaftskongreß einzuberufen. Die Emheitsgemeinöe Oroß-OerUn. Gemerndevertreterkonferenz. Die Konferenz der Groß-Berliuer Gemeindevertreter der S. P. D. beschäftigte sich Sonntag auf« neue mit der Frnge einer GinheitSyemeinde Groß-Berlin. lieber die bisherigen Verhandlungen deS mit der Prüfung des Gesetzentwurfes betrauten Ausschusses der Landes o er- f a m m l u n g berichte:« Bruns- Berlin, der dem Ausschuß an- gehört. Einleitend bemerkte er. vei dem langsamcn Gang dm: Bar- Handlungen sei leider nicht darauf zu recknen, daß zum April 1P'";0 das Gesetz in Kraft treten kann. Für den nächsten Etat der Ge- meinden y-ien UebergangSbestimmungen nötig, die Einsetzung einer Kommission auS Vertretern der einzelnen Verwaltungsbezirke zur Prüfung der Etatentwünne mit dem Recht deS Einspruchs und der endgültigen Festsetzung der Etat». Bruns beleuchtete dann die Grunde des Wider st andcs gegen das Gesetz, der immer noch, wie vor Jahrzehnten, tm Anfang deS Streites um Groß-Berlin, auf poliliiche Erwägungen sich stutzt. Man möchte jetzt den Gesetzentwurf in sein Gegenteil verkeyren. machen, daß auch der llnt«rg>vng unseres geistigen Lebens den Zusammenbruch bewirken werde. HanS Heinrich Twardowöki trug in der Sezession Rilke vor. Wer Rilke spricht, muß sich vor allem bewußt sein, daß es nicht angeht, ihn mit Gesten erläutern zu wollen. Die„Weife vom Cornet", allzu oft übrigens gewählt, als habe Rilke nicht Wesentlicheres geschrieben, sollte nicht stehend den Hörern nahe geführt werden." ES ist unpassend, die Worte durcki Körperdewe- gu-ng auffällig zu unterstreichen, sie geradezu zu„reiten". All öaS entfernt von Rilke, vertieft keineswegs, sondern lenkt ab und ver- ärgert. Darüber hinaus muß Twardvwski gesagt werden, daß Liilkesche Musik auch nickt verinnerlicht wird, wenn man all; i viel Wert auf den Inhalt, statt den Gehalt legt. TwardowSki schleicht ü u j den Worten, statt in sie hinein zu lauschen. Dadurch wurde Rilke erniedrigt; Gedichte wie der„Wahnsinn" oder „Schlangenbescbwörung" bleiben bei dieser Art zu ausschließlich auf das Stoffliche beschränkt; das Wort wird nicht vom Buch« staben befreit, es fehlt die Erhöhung in das Geistige. Deuten durch Biegsamkeit der Figur ist hier vom Mißdeuten nicht eben weil entfernt. Man wurde fo das Gefühl nicht los, als hätte Twardowski sich von dem Vortrag gesagt: heute wollen wir ein- mal ernst sein. Und dieser Wille war nicht genügend abgestreift. so daß alles bewußt und gelernt herauskam. Empfindung erweckt man za nicht durch Flüstetn oder einen heftigen Schrei; hier war aber nichts, was sie sonst hätte wecken können. So kommt man nicht an Rilke heran; er will behutsamer in der Melodie, inniger in der Kraft gefaßt sein, damit der Eindruck ausgelöst werde, den er beim Lesen stets vermittelt, hso. Dm Tuberkuloseforschrr Friedmann hält heute vormittag» IV Uhr, ferne Antrittsvorlesung als außerordentlicher Professor der Universität Berlin im Garnisonlazarett, Scharnhorststr. 13. Theater. Arn 17. Februar findet im Siaatstheatcr die Urauffühning der einaktigen Tragikomödie„Die Gabe Gottes" von Dr. Goldstein mit Sllven unii(iije Bassennan» in den Hanpirollen und unter Spiel- leiiung von Reinhard Bruck statt.— Das Lessingtheater läßt noch in dieser Svielieii eme von Franz Blei bearbeitete Dramajistening von DostojewskhS großer Romnndichtung„Die Brüder Sara- m a s o w" tn Szene gehe«. Sexualioiffcnschasüiche Lichtbilder erlmUett Sairitätsrat Dr. M a g- ,i n s Hirsch sc ld in einem Vortrag, der am 12. Februar, abend- MiS Uhr, in der Aula, Hallesch« Str. 24, stattfindet. Ei« Führer durch die Mosewoche, den der Verband der deutschen Mode-Jndustri« herausgibt, enthält Aussäy« von Ludwig Thieden über „Die deutsche Mode im letzten Jahrzchntt und von Max von Boehn über„Die Repubtit der deutschen Mode". Heber den Sicdlcrgartcn spricht Gartendirektor Ludwig Lesser- Steglitz am 14. Februar, abends 7 Ubr, im Hörsaal des Kunstgewerbe- museums, Bttn; Älbrccht-Straße. Mit farbigen und schwarzen Licht- bilden:. Äm 19. Februar folgt ein Boritag im„Vcrcinshaus deutscher Ingenieure" Über.Blumen im Hause und Blumen im Garten". Hin Revolnisousdrama„llooo ttomo" von Karl Hetdmann� das künftiettich einen stallen Eindruck machte, wurde im Lübecker Stadt- theater«nuifgeführt. - 2:.üc(sri.jz->3erUns uiiiö. uärle«, uai daS diu;-. ■./.MX-zn, aujsi will bcn Bezirksvcrwsitungcn möglichst viel 'echte geben, damit die Einheitsgemeinde mir ihrer durchlöcherten IcntrclgLiCött hedeutungslos tvird. Der Referent eröriertc die 'nni Ausschuß bisher beschlossenen Aenderungen. Daß der Umfang iciä lünftigcu Grsß-Berlul noch erweitert wurde, ist zu billigen. .uch unier dem ReichSeinkommerlsteuergesetz werden die Gemein- den trotz SteuerSberweifunqea weitere Einnahmen aus eigenen steuern suchen muffen, wobei den entfernter liegenden kleinen Ge- ueinden der Anschluß an Groß-Berlin nur nützen kann. In Groß- 'erlin wird die Stodiverordnetenverscnmnlung LA Mitglieder, der iuziitrat 30 Mitglieder haben. Ein Drittel deZ Magistrats soll ans inbesoldeten bestehen, wogegen man Bedenken haben kann, weil ierin eine Erschiverung für die Minderbemittelten liegt. Um die iechre der Bezirksverwaltungen— das ganze Gebiet Groß-Berlin wird in 20 Bezirks eingeteilt— ist im Ausschuß iin heftiger Kamps entbrannt. Die Gegensätze der wirklichen Einheitsgemeindo mit weitgehender Zentralisation und der die Rechte der Einzelgemeinden wenig antastenden„Gesamt. gemeinde" find hier scharf auseinander geprallt. Die Zentralgcwalt wuß. wie der Begierungscntwurs es vorfiebt. das Recht Haben, die iuSführung von Beschlüssen der Bezirlsveriammlunigen zu verhin- - e?n. wenn das Gesamtinteresse eS erfordert. Der Groß- berliner Magistrat Hai auch die von den Bezirken aufgestellten lez-.ncetatS zu prüfen und festzusetzen. Man darf dabei nicht an den Magistrat denken, den Berlin jetzt noch hat. Auf hie Zu- sammcnsetzung deS Groß-Berliner Magistrats kann ja joder Bezirk durch möglichst starke Beteiligung an den Wahlen zur Groß-Berliner Ätadtscrordnetenversmnmlung seinen Einfluß ausüben. Die Be- Urlsversammlungen haben fe nach der Größe deS Bezirke» lb bis sä Mitglieder, daneben aber besteht als ausführendes Organ das BezirkSaim mit je 7 Mitgliedern. Jede bisherige Gemeinde kann ich-ch einen„Ortsvorsteher" wählen, der dann einen nach den? BerhältniSfpstem zu wühlenden Beirat erhält. Die Klage über an- ebi:'•£ Einschränkung der Selbstverwaltung in den BerwaltungS- bezirlcn ist unbegründet, vielmehr tvird überall das kemmunale Einze'lebcn erhalten und gefördert. Weiter darf aber nicht gegangen werden, wenn man nicht Groß- Berlin zerstören will. Es ist. schloß der Referent, dringend nötig. Biß die Einzelgcmeindcn nicht durch Sonder wünsche die Schwierigkeiten noch steigern.(Beifall.) In der Diskussion bezeichnete Ritter- Berlin das bisherige Ergebnis der Au-sckußberatungen als wenig erfreulich. Er for- derte Unterordnung der Einzelintsreffen unter das Gesamt- interesse Groß-Berlins.(Zustimmung.) Dr. Borchardt- Eharlottenburg möchte im Ainblick auf die kommende neue Städtsordnung die Erledigung der Frage Groß-Berlin noch i n a u s s ch i e b e n. In Groß-Berlin werde der Bureaukra- iiZmu» regieren und Selbstverwaltung überhaupt nicht mehr mag« -ch fein. Nach Herausnahme Groß-Berlins aus Brandenburg werde der Provinzrest finanziell geschwächt smn und außerdem in ihm das reaktionäre Element das Uebergewicht haben. G u S k e- Mahls- eorf bedauerte, daß in kommunalpolitischen Fragen sogar Sozialisten manchmal krasseste Individualisten sind. Der G�ietz- entwurf sei jetzt schon so verwässert, daß Groß-Berlin nur noch ein . csserer Zweckverband sein werde. Hübner- Berlin wi«S bin aus die Notlvendigkeit einer zentralen Schulbebörde für Groß-Berlin und empfahl folgenden Antrag des bei der Kommunalen Kon- ferenz der S. P. D. bestehenden Ausschusses für Schul- und Er- ziehungsfragen:„Die Konferenz verlangt bei der Neuordnung der Schulbebörden die Einrichtung eines eigenen selbständigen Stadtschulamts kür Groß-Berlin. das unmittelbar dem Ministerium für Wissenschaft usw. unterstellt ist. Soweit Auf» gaben der Gemeinden in Frag« kommen werden, wirkt da? Stadt. 'chulamt als Organ des Magistrats, soiveit Aufgaben des Staates zu erledigen sein werden, handelt es im Auftrage des Staates und -war mit Beiugnisssn. wie sie einer BczirkSregierung znsteheit." Bogen Borchardt wandte fich Mermuth- Neukölln unter ent- ichisdensr Betonung des G.dankenS der EinheitSgemeind« Groß-Berlin, die allein di« ärmeren Gemeinden aus ihrer Notlage befrei«! kann.(Zustimmung.) Meyer- Köveni? hält die bis- horiaen Äußschußbefchlüsse für nicht zu weitgehend. Es müsse bald entschieden werden, damit die Einzel gemeinden wissen, wie weit ' e z. B. in der Lel-enömitteldersorgung noch selbständig handeln dürfen. Groß- Lichtenrade begrüßte im Interesse der entfernter regenden Orte die DezentralisationSbestrebungen deS Ausschusses. Im Schlußwort erklärte Bruns, die von den Gegnern des Gesetz- eiitwurfeS versuchte Beschränkung der Groß-Berliner Zentralgewalt auf einen engen Kreis von Kompetenzen sei nnan- nehwbar. Mit der Brovinz Brandenburg werde fich Groß-Berlin auseinandersehen müssen Beschlüsse wurden nicht gefaßt.?,nx>ck der.Konferrrrz war nur, über den Stand der Sich« zu imteriichien. Der Antrag Hübner wurde zurückgezogen. Der Borstand wird ihn unseren Genossen in der LandeSversammlung als Material überweisen. Groß'�erün Notschrei dz�r Kriegsopfer. Mehrere Daufend Kriegsbeschädigte und Hinter- bli ebene von Gefallenen hatten sich gestern auf Einladung deS ReichSbundeS der Kriegsbeschädigten im großen Saale der Neuen Welt versammelt, um für eilte zeitgemäße Aufbesserung ihrer Bezüge zu demonstrieren. T�er Referent Bader(Gaufekreiär des Reichsbundes) sagte, er klage die Regierung, die Bolksvertretung. ja das ganz« Volk an, toeil für die Opfer des Krieges nicht ausreichend gesorgt werde. Die Zahl der Edier lasse sich fetzt übersehen. ES gebe über 000 000 Witwen. 1 200 000 Weifen und etwa 600 000 andere Hinterbliebene. Die Zahl der Kriegsbeschädigten sei im September auf etwa 800 000 festgestellt worden. Seitdem sei ein monatlicher Zugang von 2 0 0000 a>uS Lazaretten und aus den Reihen der zurückgc- kehrten Kriegsgefangenen zu verzeichnen. Wenn man die Ange- hörigen der Verforgungsverechtigten hinzurechnet, dann muß mau etwa den füvstcn Teil des ganzen BolkeS als Kriegsopfer betrachten. Arbeiter, Angestellte und Beamte haben unter An- Wendung der ihnen zu Gebote stehenden Kampfmittel ihr Ein- kommen aufbessern können. Auch Reich und Staat hätten für diesen Zweck Mittel aufwenden müssen. Aber für die Kriegsopfer habe man nichts übrig. Der Exkaiser, der Deutschland ins Elend gestürzt habe, solle noch obendrein eine Abfindung von 100 Millionen Mark erhalten. Wenn solche Summen an solche Leute versel-wendet werden, können die Finanzminister nicht sagen, es seien keine Mittel vorbanden. Für die Kriegsopfer sei es jetzt an der Zeit, andere Saiten aufzuziehen und ganz energisch eine Berücksichtigung ihrer berechtigten Forderungen zu verlangen. Die Kriegsopfer, die nur auf ihre Renten ange- wiesen sind, befinden sich in einer drückenden Notlage. Sie apxÄ- lieren an da» Volk, besonders an die Arbeiterschaft, daß ihnen eine den DeuerungSverhälrnisjen entsprechende Aufbesserung zugestanden werde. Sämtliche Diskussionsredner schlössen sich zum Teil in sehr scharfen Äusstührungen gegen die Regierung den Dar- legungen des Referenten an. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die u. a. besagt: „Einstimmig unterstützt die Versammlung die von den Kriegs- beschädigten und Kriegshinterbliebenen aufgestellten Forde- rungen: Gewährung einer einmaligen Wirtschaftsbet. l> i l f s, sosornae wesentliche laufende Rcntenerhöhung, Uebertragung der Mittel der Nattonalstiftung an die amtliche Fürsorge unter weitestgehender Mitwirkung der Hinterbliebenen, Fortgewährung der Mittel der KriegSwohlfahrtSpflege und un° rerzüglichs ,-0 e r a b j v) i e d n u g reo G e| c � c o über den E i n ft e l l u n g S z w a n g." Einstimmige Anrmhnp: fand auch ein« zweite Resolution, die gegen die gepleutc Abfiaduug des Exkaisers scharf probcsticrt und fordert, daß die Schlösser und Park» in Erhol n n g s st ä t t e n umgewandelt werden. Der Internationale Bund der Kriegsbeschädigten hielt gestern vier Versammlungen ab. die»sofortige Olewährung eurer ein- maligen Veichaffungsbeihilfe für Kriegsbeschädigte und Hinter- blieben« sowie Gewährung von laufenden Teuerungszulagen, die den bestehenden Teüerungt'verhälwissen entsprechen" verlangten. Ter Kampf gegen die HZchstmieten. Die Hausbesitzer können sich absolut nicht beruhigen. Die Verordnung über die Hoch st mieten hat sie in namenlose Wut gegen den Minister Stegerwald versetzt. Kein Wunder, ist doch ihr Rllerheiligstes, ihr G e l d b e u! e l, in Gefahr. So lassen die„Notleidenden" keine Gelegenheit unbenutzt, um mit mächtigem Getöse ihre papiernen Proteste in die Welt zu senden. Am Sonntag tagt« in Berlin der 21. ordentliche Verband?« tag des Preußischen Landesverbandes der Haut- und Grund- besitzervereine. Ais erster Redner legte sich der Geheime Justiz- rat B o r n h a k für das verflossene Treiklassenwahl- s y st e m ins Zeug, denn anders ist seine Forderung nach„Siche- rung gegen den Mißbrauch des allgemeinen Stimmrechts bei den Gemeindewahlen" nicht zu verstehen. Die Aussprache über die Hochstmietenverordnung nahm schein- bar einen sehr st ü r m i sch e n Verlaus. Die Verordnung wurde selbstverständlich als n i ch t z u R e ch! bestehend bezeichnet. Mächtige Angst hat man vor der S o z i a Ii s i e r u n g, der„Vernichtung des HauSbesitzes". Herr Ladendorff, der Häuptling der Berliner Hausbesitzer, ging mächtig mit Herrn Siegerwald ins Geschirr, den er schlecht und einseitig beraten nannte und als den intimsten Freund Damaschke? hinstellte. Mit diel Getöse wurde verkündet, daß man sich vor einem Mieterstreik absolut nicht fürchte und daß sich der Berliner Wohnungeverbond trotz der Beanstandung seines Be- schlusses durch den Obcrpräsidenten nicht einschüchtern lassen und„demnächst entsprechende(?) Beschlüsse" fassen werde. Die angenommene Resolution bewegte sich natürlich im Nah- men der Referat« und warnte davor,„in unbedachter Weise aus Furcht vor der Straße durch die Höchstpreisverordnung neuen Z ü n d st o f f in das Volk" zu tragen. Der mit viel Theaterdonner inszenierte Pootestrummel der Hausbesitzer gegen die Höchstmietenverordnung wird ihnen nichts nützen. Der W oh l f ah r t s m i n i st e r wird sich nicht ins Bockshorn jagen lassen, und die Mieter werden, wenn die Haus- agrarier die Dinge auf die Spitze treiben, den Beweis dafür er- bringen, daß die Hausbesitzer den Mieterstreik sehr wohl zu fürchten haben._ Ter Trtitl Tirols. Ter Bürgermeister der LondeSLouptstadt Innsbruck hat für die feiner Gemeinde aus dem Groß-Berliner Hilfswerk überwiesenen Liebesgabe» an Oberbürgermeister Mermuth den Dank Tirols übermittelt. In dem überaus herzlich gehaltenen Schreiben heißt es u. a.: »Sprechen Sie. hochberehrrer Herr Obe:bürgermeister. der g e- samten Bewohnerschaft und namentlich den Groß-Berliner Schulkindern, in deren jungen Herzen MenschlrchkeitS.- gefühl und werktätige Liebe zu ihren StammeSgenosscn schon zu schöner Blüte stch entfaltet haben, unseren herz« l i ch st e n und innigsten Dan! aus. Hoffenilich wird eS uns einstmals, wenn die jugendlichen Wohltäter erwachsen und wieder besser« Tage für das gesamte deutsche Volk gekommen sein werden, gegönnt sein, recht Vielen von ihnen durch gastfreundlichste Aufnahme in unserer schönen Bergwelt den Dank für da» an uns getätigte LiebeSwerk auch in der Tat abstatten zu könne»:. Ein Volk, dessen Jugend mitten«r eigener Rot, so edler Reznugeu sähig ist, kann trotz aller schwersten SchicksalsschlSze, von denen es betroffen wurde, nicht de« Untergang« geweiht fem." ssran Banknotensälscher. Am 16. v. M. erschienen in den Tageszeitungen Bekanntmachungen der DarbchnSkasso Ost, die vor neuauifgetauchten, gut hergestell- len Fälschungen der Zehnrubel scheine dieser Kasse warnten. In Tilsti waren auf einmal für 300 000 M. solcher Falsch- scheine in Verkehr gebracht wordeei. TAstter Krnninalibcamte stell- ton die Ingenieure Fritz Klein aus Breslau und Karl Schönberg aus Berlin als die BerauSgaber fest. Die ReichSbanksalschgeld- «bteilung hat sie als Fälscher der Schoitre und die Eheleute D om ke und de« Buchdruckeraubefitzer Kenia aus der Miedeostr. 4 als ihre Mittäter entlarvt. Es inurde festgestellt, daß die Eheleute Dornke und de? Bnchdruckarribesitzer Koma bereit? seit mehreren Jahren B«ik:«tenfälschungen betrieben. Der Gedanke zur Herstellung der Rubelnoten war von Schön- b e r g ausgegangen, der al? Soldat zuletzt im Baltikum gestanden hatte. Er hat sich auch mit dem Ingen ienr Klein am der Herstellung dieser Scheine tätig beteiligt und auch den Vertrieb der falschen Rufbelnoten übernommen, die man tu der Domkeschen Fabrik sorg- sam in Zähibänder, die ebenfalls von Koma gedruckt ioavcn, g«. büudolt hatte. Dia Bevhwstoten, die sämtlich geständig sind, wurden in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert, auch Frau Domke, die dos Geschäft für ihren tanbjttlrömen Ehemann führte. Die Klischee- fabrik wurde goschfossen. Vermischte Lokal,> VorfiairdeS aufgehoben. 85. Abt. Heule 7 Uhr Sitzung der Partei- und Gewerkschastsfunl- rionäce bei Kümper, Wattstr. 17. 37. Abt. Mitglied erversanmilung Dienstag, 7 Uhr,.Artushof", Pettebcrger Stt. 2b. Genosse Wolfganz Heine:»Di« preußisch« Vcr- fassuna". 4L Abt. Genossen, deren Küwer die 140. Gemeindefchule besuchen, am DieuSlag, den 10. Februar, 7 Uhr. bei Kerfm, Panlstr. 00, Zusammen- kunft. Vorwärtsleser und Freunde sind eingeladen. Ncuttilln. Dienstag, 7 Uhr, Restaurmit Schwengel, Elbestr. S, Per- sammlung der Genossen, deren Kinder die Borschule, das Realgymnastum in der Kaiser-Fri?drick>.Siraß« und die Präparandenanstalt besuchen. Alle Eltern und Anhänger der S. P. D. werden gebeten, an dieser Besprechung teilzunehmen. Friedrich ssewe. Dienstag, 7H Uhr, bei Haberland, Wilhelmstr. 3�, Versammlung. Tagesordnung: l.«Die politische Lage", R-serent Genosse Rod. Fendel. 2.„Die Elteinbrirat-wahlen". Charwtteudurg. Dienoiaft. 7 Uhr, Im„VockshauS": Kombimerte Sitzung des Wahlvereins. Mittwoch, 7 Uhr, bei Eckmaim, Scharre!:-- strafe 34, am Wilbelmplatz, außerordentlich« Mitgvederversammlung. AU-Glienicke-Falkcnberg. Dienstag, ftzg Uhr, bei Bahn, Grünauer Str. 55, Zahlabeno._ Jugsnöveranftaktungen. Sozialistische Schülerscltiau. Heute 7 Uhr im Jugendheim, Löwen- ftraße 8, 2. Hof links, S Tr., Vortrag des Gen. Thomas:„Zusammen schluß der proletarischen und imellskwellen Jugend". All« Schüler höherer Lchranstatteü, die aus unserem Boden stehen, sind eingeladen. VsrtrZge. Vsreme unK Berein sür Bolkshygirnc. Dienstag. 8 Uhr, Vortrag deS Professors Dr, Strauß:„Krankheiten aus unzweckmäßiger Ernährung", in, Zimmer 103 des Rathauses zu Berlin, Jüdenstraßc.— Verband sozialistischer Lehrer mis Lehrertnve«. Sitzung Dienstag, 5 Uhr, in der Aula Hinte: der Garr-tsonttrche. Thema:„Personalakten". HMwffchHsbewlWmg KsuftreNA öer Leitsr svAialee Saubsttiebe. Im GowerkschostShaufe in Hamburg fand am S. und S. Fe- bruar eine Konferenz der Leiter beugewerblicher Produkttvzenoffcn- sthafteu und anderer sozialer Baubetriebe statt. Sie wurde ein- Ixrufcn vom Vorstand des Deutschen BauarbeiterverHan>des, der vom BauarbefterverbandStag in Wcirmir den Auftrag zur För- derungderSozialisierung bekommen hatte. An der Ksn- fsrcnz nahmen außer etwa 00 Delegierten sosicrlisiertcr Betriebe auch der Vorstand und Beirat des Bauarbeiterverüa'ndeK sowie Aer» treter fast aller anderen baugeweublichen Arbeiterverbände teil. Ferner hatten das ReichSwirtschaftsmiutsterium und der Reichs- kommissar für das Wohnungswesen, die Baudeputatiari von Ham- hury, der Magistrat der Stadt Kassel, der Zentral verband und dt« GroßailAaussge s ellschaft deutscher Konsumvereine sowie eine Reihe anderer Körperschaften und Behörden Vertreter entsandt. Nachdem mehrere Gäste BegrüßitngSanspvachen gehalten und der Konferenz guten Erfolg gewünscht hatten, erstattet« Ellin- g e r-Hamburg Bericht über den Stand der Sozialisierung im Bau- geworb«. ES war daraus zu entnehmen, daß man sich zurzeit in zahlreichen deutschen Städten mit der Sozialisierung des Bau- ycwerbeS keschäftigt. Außer von den Bauarbeitern und Bauttch- nikern wird die Sozialisierung auch von einem große» Teil der deutschen Bauoberbeamten sür notwendig erklärt, wer! man einsticht, daß nur durch die Sozialisierung die Arbeitslust der Arbeiter zu heben, die Arbeitsleistung zu stei- gern, und darüber hinaus auch durch die Ausschaltung oder Be- grenzung de» heute außerordentlich hoihem UnternehmerprofitS eine Verbilligung der Baukosten zu erreichen ist. Heber die beste Form der Soziali sierung und üiber den Weg. der zur Sozia- sisierung fühlst, gehen aber heute die Meinungen noch auseinander. Der Berbandstag des Deutschen Bauarlbei terve rbande s bat sich für die Soziali sierung des BawgeworSbeS auf dem Wege der Verstaatlichuuz lNtd Kamm u nalisie rung ausgesprochen. Dieser Forderung hat der Schöneberger Stadtbaurat Du-Ing. A agner feinen Sozialisie- rungsplan gegenübergestellt. Wagner will unter Mithilfe von Staat und Gemeinden soziale Baubetriebe gründen, die von baugewerstlickwu Kopf- und HandaÄoitern verwaltet geleitet werden sollen. Die sozialisierten Betriebe will er zusantmenschließen zu ein«« Vor- band, der später— nach Durchführung der Sozialisierung— zusammen mit den einzelnen svAierlisterten Betrieben, Eigentümer der bcMt>ewerNichen Produktionsmittel und Träger der gesamten Bauproduktion werden soll. Bis fetzt ist nur st? Berlin eine soziale Baugesellfchaft mit Mitteln des preußischen Staates, der Provinz Brandenburg umd der Grch-Berliner Gemeinden gegründet wor- den. Jedoch sind in den verschiedensten Teilen de» ReicbeS Bau- arbeiter-Prvduktivgenoffenschaften entstanden, die im wesentlichen die �gleichen Ziel« verfolgsn, wie die sozial« Daugesellschaft in Berlin. Auf dar Konferenz warcei nahezu 40 solcher Genossenschaf- ten vertreten, außerdem zwei städtische Regiebetriebe und einige Regiobaugenossenschaften. Ein« größer« Anzahl von Genossen- schafteer in allen Teilen Deutschlands ist in der Gründung be- griffen. Im Anschluß an den Bericht EvingerS erstatteten die Delegierten der einzelnen sozialen Baubetriebe Bericht über die Er- sahrungen, die seit ihrer Gründung bereits gesammelt worden find. Dabei wurde übereinstimmend hervorgehoben, daß die Arbeits- leiftung in den sozialisierten Betriebe» erheb- lich größer i st als in den privaten Unternehmer- betrieben. Stadtbaurat Dr. Zizler vom städtischen Regiebetrieb in Neukölln konnte z. B in mehreren Fällen über eine Verbilligung der Baukosten sür die Stadt von mehr als 25 Proz. berichten. Am ztveiten Verhandlungstag« wurde über die Gründimg eines Verbandes sozialer Baubetriebe und über die Finanzierung der sozialen Betriebe verhandelt. Stadtbaurat Dr. Wagner und her kaufmännische Leiter der sozialen Baugesellschast in Berlin, Serr Thie kicken, hielten dazu die einleitenden Referate. In der Dts. kussion stimmten alle Redner, bis auf einen, der Gründung eines Verbandes sozialer Baubetriebe grundsätzlich zu. Die Konferenz nahm schließlich nach eingehender Beratung einstimmig folgende Entschließung an: Die erste Konferenz sozialisierter Baubetriebe und Bauge- noffenschasten erklärt ine Vergesellschaftung deS Bau- u n d Wohnungswesens für eine unbedingt« Notwendig- keii. Die Konferenz erwartet zur Durchführung der Vergefell- schaftanz die latkräftige Pttthilfe der Regierungen, Behörden, aller gemeinnützigen Körperschaften sowie insbesondere auch aller Arbeiter und Angestellten. Hat NmSchft i« VszxjS'HFschaftua.K' d« BalSÄMs- k«sstig gegrüudst vird» Die j!onfe»srq asesxtei, dsß der Deutsche Vau- «cbederverband ü» Verein unt weilerer. iuieressisrlen Organ i- fatirmen die Gründung deZ �Zwüuschten Verbandes in die Harra nimmt. Nachdem die Konferenz noch' einen Ausschutz von E Personen gewäbl: hatte, der gemeinsam yiit t«wl Vorstand de- Bouarbeit«r- Verbandes und den anderen Berbändchl dir mei irren Bsrarbeite« er. lsdigea foll» fand die sehr anregend vrrlaüfrne Konicrenz ihr Ende. KohufMderLA?»sn der Kinomusiker. Die im Deutschen MüWerverhandj srzanislerLan Ktnomustiier «cchme» in einer Berfammkr-aa Stellu�z zu der von der Gewer!- HÄfZüräsr: deZ VtegiftraÖ xts tir Era-tz-Boreü'.er Ä-Zimmmen Ätes T«!ste-beaz aSzuichuetzÄ. Hn �r eeüta di«. ArLöi�chsr unts Führung d-ti Stadtrats Dr. S.-r eu veruandeu, d'r AugslcgenhÄL zu rerschieppu?. Sud.ieo halien sich die ÄiaM-ate d*.u dar-eiiicden. Es mutz ttun caSfciSaSch ftfisestrüt werdisn. daß nur der Ze«rraÄ-.sbi Bankgewerbe stattgefunde»». Die VerhandluHzen werben Dienstag, den 10. Fsoruar, im MühZardsitsmtuiAeruHv. beginnen. Die MagPraitSSiMkrH!«. Scit Monaten heurücheu si�g dre Beausirregte«; der ZeudrÄver- bcmd der AngssteMr« und der sirst-, WngsstMtvuievband, sirr die nach einer iurgai BeratuuJ criiäri, daß sie für den hlmrigs» Bcr- hemÄlungÄag nichts dagegen lätten, wen» der G.L.A. informato- rtsch daran teilnimmt, aber bis zum nächster, Verhandlungstermin nach seinen eigenen Ausführungen drn SchÄchtungsauSschuß Groß- Berlin anzurufen hätte UveckS. FcstflsLukig, ob eine Teilnahme des G. k. A. an den weiteren Verhandlungen tn bezug auf feine bot» . gebrachte AWvkxsitiuiatios bsantrsx. wäre. Auf dicfen Bermitt» lungSborschlcg hin erdlärt- Herr Schltzsst Dr. Szcki, daß er sich t-.rauf nicht ainlassen könne und er den Vertreter des G. i. A. aktw an den Verhandlungen teilnehmen ließe. Nu« erst erALrtvu die Vertreter der freien Gctnerlice. en, daß sie die Berhandlungen aLHrscheu. Nach dieser Erklärung wurde'die Sitzung geschloffen. Zentralbstband der An.zestellten. Hochschild. Freier Angestelltonvcrband. Burkert. Zentraler TuSichusi der Hilfskräfte des Magistrat» Berlin. KicsrowsÄ. sn. te.- zuerf: zum Wort kamen, sprachen über alle? andere, nur nicht zur ! Wahl. Von bau anderen Diskuffionkrsdnerrt waren es vor allem .'Schult, GSrn und Träger, die recht wirkunasvoll für die ' Wiederwahl der alten engeren Or.SveLvattuug eintraten. Jnter- ichfani ti�w er, das; die Anhänger der radikalen Richtung sich von j eine«: ihrer cizsue» Zreuudc, und sicher einem der besten ihrer Leuie, denn er war zum Gegenkandidaten HodappS ausersehen. sagen lassen mutzten, datz mit solche i Generalversammlungen nicht Iveiterzukommen sei. Gr sagte: Die Kritiker wollen gewiß das Deste, aber sie erreichen das Gegenteil. Bezüglich der Wahlen sagte er: Hodapp ist der Marnv den wir brauchen, damit unsere Jntersne« den ArdeitMbern gegenübsr gut vertreten Werder,. Gerade weil ich als Mitglieh der OrosverwaliüUjZ die Diuge kenne, lehne ich eine Kandidatur gegen Hodapp ad. In'r-uem Schlußwort tonnte Hodapp ausÄhren, daß fachlich gegen che Berwalmug rein aar nichts vorgebracht worden sei. Die persönliche.! Angriffe zerpflückte der Redner aber so gründlich, daß nichts meor übrig blieb. Die Versammlung beschletz darauf,. die Neuwahl des engeren Vorstandes durch UrWahl vorzunehmen. Bei der Nominierunz der Kandidaten wurde em sprechend dem Vorschlage der Vertrauensleute für jedes der bisherigen engeren Vorstandsmitglieder, mit Ausnahme des Kassierers Kästner, ein Gegenkandidat anfgc- stÄlt. Zur Urwahl steten also die bisherigen Borstandsmitalieder: Hodavp. Schmitz, Grotzfutz. Rüster, Scholz. Als radikale Geaenkandtdaten wurden aufgestellt: Bocksch, Hainke. Äeh. Seidel, Iahnke. Die übrigen Vtitgliede? der Orts- derwaltung. die den einzelnen Branchen entnomnien werden, sowie die Revisoren und anch die Mitglieder des Kuratoriums wurden gleich in der Bersammkung gewählt. »- üskusi mmnu vm e» i,?«.« Die Brauerei- und MüSlenarveiter hatten am Sonntag im Lokal prn- BÄer in der Weberstratze die Fortsetzung ihrer am vorigen Sonntag vertegten Generalversammlung. Vor allen Dingen hau- dalte es sich um die Wahl der Mitglieder der OnSverwaltung. Der Bevollmächtigte Hodapp teilte hserzu mit, dqtz die vrtSver» Wartung eiiTstknmig die Wiederwahl des bisherigen engeren Bor- stand««, dar aus sechs Personen besteht, empfiahlt. Demgegenüber. empftthlsn die Vertrauensleute, jedem der bisherigen Mitglieder des engeren Vrrstaerdes eilten GegenZaudedaLen gegsnüperzustellen und dann eine Nrwahl vorzunehmen. Zestralvcrband b-r Äirz.chctbrn. Bsrsammtwlgo» am Dtenstag. den iCy Februar: Fackigruppe 4a(Bertrauensleute der Verftcherungseimieb- mer), nach»!. iiS Uhr. bei Wegenei, TepdeZstr. Jg.— Fachgruppe 4c>Vr» rufsgensssenschasts-Angeftelli:), abenbo 6 Ubr. HaderlaudS Festsali. Neue Friedrich-Str. Z5.— Fachgruppe 10. Scktwn III fKrawaltenbranches, ösfcnNlch« Versammlung(Tarifbksprechuug). abends ist« Ubr. Mufiler- SZIe.»aisee-MlhÄm-Str. ZS'A.— Fachgruppe 13, Sektion»(Verbands- �ellsioffbranchel. abends leS Uhr, Kosenthaler Hos, Rosemhalcr Str. 11.'IZ «Vortrag und Tarifbesprechung). Berankw. für i>«N redatrit». Seit; Ärtnr.gifilu. gharlettendurg: fär Än?-iaen: Tt. iSlecke. Berlin. ZZrrlag: Borwört�Betlaq S. m. b. K.. Berlin. Druck: Bor- wm ts-Buchdruckcrei u. Barlo azat-stalt Bau! Sinaer u. Ca. Berlin. LindenKr. S. �ucl? Äßs AKUbSl'Gte ist der Gefahr auSgefstzt, daß ihr Kind aus der Schule gelegentlich Ungeziefer mitbringt. 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