Ar. 77. 37. Jahrg. Bezugspreis: Biir' el ahrl.>6,50-MU, monatl.550 Mt. frei ins»aus, voraus zahlbar. Poll» bezuftl»Monatlich 5.50 Zitl»»cJL pu» ftsllung-kiidlihr. UnierSreuzbanb für Deutschianb und Seiterrrich- Ungarn 8,75'ii;v für da» übrig: Ausland 13,—®f„bfi tnolidi cmma!.?,u(toIUm(l II,— Mi.-f Baiuta- Aufschlag. Poft- beitellungen nehmen an Dänemark. Holland, Uu�emdurg. Schweden und die Schweiz. Tingetragen in die Poft- Zeitung»-Preisliste. Der.Vorwäris' mu der Sonntag»- betiage ,BoU u. Zeit' ericheml wochen- tagirch zweimal. Sonntags«iiuaal, Telegramm-Adrelle. �LozialSemolral BorllN". Abend Ansgabe. Verliner DolKsblntt � ISPfsps�g) Anzeigenpreis: Die achlgeloaltenr Zlonvareillszeile tonet!,— SU., Tenernngszuich lag W/o. leine Anzeigen--, das lett- gedruckte Wort 75 Pfg.(juläffig zwei fenged ruckte Äorlei, jede» weitere Wort 50 Pfg. Stellengejuche und Echlafftellenauzeigen da- erste Wort 65 Pig, teil«« welter« Wort 40 Pfg. Worte iider>5 Äuchftadeu zählen tür zwei Watte. Teuerungszuschlag 50»,» Familien--Änz-lgen, voiitiiche und gewertichastliche Lereins- An>e>gen 2,~ mä. die Keile ohne Luiichlag. Anzeigen iiix die u a ch'i e Rümmer müis-n bi» ä JJSit nnchmtttag» im HauntgeschSil. Berti!, S W 65. Linden- straße l>. abgcge'oeu werde», cheöllnet non i> Uhr irilh die 5 Uhr a. euds, �entrsiorgan äer sosialäemokratil'cken Partei Oeutfcblands Keüaktio« und Expedition: SW. öS, Lindenstr. Z. Fernsprecher:«liut Mortnvln». Sir.»StSV—!Sl S7. Mittwoch, den 11, Februar 1920. vorwärts-verlag G.m.b.H., EW. b§, Lindenstr.2. Nernsprrcher: Amt Moriftpia». Nr. I!? ZU— Zt. Die erste Zone öanisth. DaS endstültifft Abstimmungsergebnis NuS der ersten nurdschleswigschen Zone liegt noch nicht vor, aber die bisherigen Teilresultate lassen mit Sicherheit daraus schliefen, das« e i n e � r o st r M e h r h e i t d e r Bevölkerung für Dänemark gestimmt hat und damit das Land für Deutschland verloren ist. Bis 3% Uhr morgens waren für Deutschland 2» 924, für Dänemark 53 279 Stimmen gezahlt. Tic Gesamtzahl der Abstimmungsberechtigten betrug etwa 119 999, so dast die dänische Mehrheit ans alle Fälle feststeht. Als Sozialdemokraten achten wir den deutlich ausgesprochenen Willen der Bvöl'kerung, auch wenn wir ein an- deres Resultat der Abstimmung gewünscht hätten. Die deut- scheu Stimmen in der ersten Zone betragen bisher über ein Viertel der Gesamtzahl. Man müßte von einer, wenn auch starken Minderheit, als Demokrat verlangen, daß sie sich in loyaler Weise dem Abstimmungsresultat unterwirft, wenn diese Minderheit sountrennbarmit der Mehrheit verbunden wäre, daß von einer Loslösung oder Tren- nung der deutschen von den dänischen Bevölkerungsteilen nicht gedacht werden kann. So liegen die Dinge aber nicht. Die deutschen Stim- men dilden n i ch t ü b e c a l l die Minderheit, sondern einige Bezirke haben rein dänisch, andere rein deutsch, wieder andere gemischt gestimmt. Für jedes ein Beispiel: Im Sonderburger Landkreis wurden 13 332 dänische gegen 2281 deutsche Stimmen abgegeben. In Tondern Stadt da- gegen 2539 deutsche gegen 731 dänische, in Apenradc-Stadt 2W3 deutsche und 2124 dänische Stimmen. Aus diesen Zahlen geht das Unrecht der en-dlac-Abstiin- mung deutlich hervor. Es wird gar nicht der Versuch ge- macht, eine Grenzlinie zu ziehen, die dem Abstimmnngscr- gebnis i» möglichst Peinliches Genauigkeit Rechnung trägt, sondern das ganze Gebiet mit seinen deutschen Zubehören wird durch die Entente kurzerhand Dänemark zugesprochen. ES ist zuzugeben, daß eine absolut gerechte Grenzlinie nicht gefunden werden kann, da deutsche Sprachinseln zum Teil von dänischem Gebiet unischlossen werden und umgekehrt. Wer immerhin! Es hätte doch zum mindesten erst ver- sucht tverden können, oh sich die Verwertung des Abstim- mungsergcbnisses zunächst nach Gemeinden, wie sie für die zweite Zone vorgesehen ist, nicht auch zum Teil für die erste Zone hätte anwenden lassen. T o n d e r n, das fast rein deutsch gewählt hat. liegt z. B. hart an der Südgrenze der Zone. Mit diesem Unrecht bleibt die Abstimmung belastet. Den Volksgenossen, die trotz ihrer Abstimmung für Deutschland zu Dänemark geschlagen werden, rufen wir ein herzliches Lebewohl zu. Möge in Erfüllung gehen, was das Kopenhagener Blatt„Politiken" ani Tag der Abstimmung schrieb: Wenn wir in einiger Zoit da- uralte dänisch« Land mit seinen Minderheiten deutscher Bewohner erhalten haben, wissen wir, daß überall im dänischen Voll« der ehrliche Wille besteht, den Deutschem die nun nach Dänemark hinüber geraten, i n offener und brüderlicher Weise entgegenzukommen. Niemandem wird es einsallen, sie für die preußischen M e- th o d e n verantwortlich zu machen, die hoffentlich jetzt mit dem preußischen Militarismus verschwunden sind. Ebenso undenib«r ist die«nwenbun«»,n Me«l,»t>en dänischerfeitS, die auch nur im entferntesten an die Preußischen erinnern. DaS Zeichen, unter dem daS Dänentum zu siegen wünscht, ist allein die Freiheit. Das Vertrauen zu solchen Worten wird wesentlich er- leichtert durch die Tatsache, daß in der dänischen Regierung auch sozialdemokratische Parteigenossen sitzen, daß die dänische Politik gegenüber der deutschen Minderheit von Sozial- demokraten mit beeinflußt werden wird. Wenn in allen Ländern die Sozialdemokratie voll regieren wird, dann wird hoffentlich auch der letzte Rest nationaler Ungerechtigkeit getilgt werden. Das Abstimmungsergebnis. Slui Flensburg wird gemeldet: Bio heute morgen 2 Uhr liegen folgende Ergebnisse über die Abstimmung in der Nordmarl vor: HaderSleben, Stadt, LZzg Deutsche, 5202 Dänen. Land. 2300. 2360 ES fehlen noch 10 Gemeinden. Sonderbura, Stadt, 2601 Deutsche, 2027 Dänen. Land. 2281, 13 232. ES fehlen»och 4 Gemeinden. Tondern, Stadt,... 2503 Deutsche, 751 Dänen. Land.... 3323. 6632. Lpenrade, Stadt,.. 2784 Deutsche, 2233 Dänen. Land... 643. 1246. Es fehlen noch viele Gemeinden. Flensburg. Land... 273 Deuifche, 331 Dänen. Es fehlen noch einige Vemcüidcn. Gesamtzahl bis 2 Uhr michtS: 26 924 Deutsch«, 55 279 Dänen Die Städte haben übertoiegenS) deutsch, das Land meist dänisch geivählt. Gsorge über �ußlanö. Im Unterhaus« behanidelt« Lloyd George bei der Dsbatte über die Adresse auf die Thronrede in der Hauptsache Fragen interner Art. Er beantwortete die Kritik AdamsonS und MacleanS und wies darrnrf hin. daß das Budget 1SI9/20 günstig sei. Er nahm bczug auf seine Erklärung über die Lage in Europa bei der BeHand- luug des liberaleu Amendements, in dem eine Abänderung des Friedensvertrags gefordert wird, und beschränkte sich bei seiner Erklärung über die auswärtigen Angelegenheiten auf Rußland. Llond Gwrge verteidigte die Politik der Negierung n.iid legt« Nachdruck darauf, daß Europa nicht wiederher- gestellt werden könnte, bevordicrufsifchenHilfs- quellen wieder zur Verfügung ständen. Lloyd George wies auf die Zweckmäßigkeit anderer politischer Richtlinien hin. Ter Przulierminlster sagte.«L sei deutlich, daß der Bolschewismus nicht durch Warfe uge wall vernichtet werden töime. BerutS vor einem Fahre sei er dieser Anficht gewesen, er befürchtet keine militärische Invasion des Bolschewismus, weder im Westen, noä' im mittleren Osten, da die Bolschewisten nicht über die nötigen AusrüstungS» und Transportmittel verfügte» und da kein Anreiz zu einer Invasion bestehe und weil die Länder um Rußland herum dem Eindringling nichts bieten können. Unter Bezugnahme auf den Vorschlag des Friedensschlusses mit den Bolschewisten wiederholte Lloyd George, daß. bevor die Regierung, die Rußland verwalte, die barbarisch: Methode aufgegeben und auf zivilisierte Weise regiere, kein zivilisiertes Gmeimoefen in der W:lt geneigt fein tverde, u:> mittet oa: Frieden zu schließen. Es bestehe keine Regierung, die das Rvcht habe, tür ganz Rußland zu sprechen. Der einzig übrig- bleibende Weg sin. R u ß I a n d d u r ch d e n H a n d e l z u r e t t e n, was ruvrn beruhigenden Einfluß haben würde und mehr als zede andere Methode die Grausamkeit und Raubsucht der Bolschewisten ausrotten tverde. Nach der Debatte über die Adresse auf die Thronrede gab der Mliii.; dos Acußern, Lord Eurzon, eine ausführliche Uebersich.- über die Lage im Auslände. Ein enges Zusammenarbeiten mit den Alliierten, vor allem mit Frankreich, sei notwendig, da England und Frankreich die natürlichen Wächter des Schicksals des nahen Ostens und Mittelasiens seien. „Times" schreiben zu der Llohd-George-Rcde: Die Nation habe aufgehört, ihm und seinen Anhängern Vertrauen entgegenzubringen. Zrantreich will öle Rhemlanöe! Ministerpräsident Millerand hat Dienstag der deutschen Re- gierung eine Mitteilung hinsichtlich dcS Aufschubs der Frist für die rheinische Besetzung zugehen lassen. � Diese offiziöse französische Meldung ist in ihrer Trag- weite nicht leicht zu überschätzen. Wir haben nie daran ge- zweifelt, daß der Friedensvertrag von Versailles ein Jnstru- ment ist, um die Zertrümmerung Deutschlands viel weiter zu treiben, als in seinen Worten ausgesprochen ist. D i e U n- terbrechung der fünf- bis fünf zehn jährigen Lauffrist für die Räumung der linksrheinischen Gebiete schafft die ernsteste Situation. Denn wenn die Frist erst wieder zu laufen beginnen toll, bis Deutschland alle seine Pflichten einschließlich der Auslieferung erfüllt hat, dann nvrd sie nie wieder zu laufen beginnen, und das Rheinland wird in französischer Hand bleiben! Es wird sich dabei, da für eine förmliche Annexion kein Rechrsgrund besteht, zwi- scheu dieser und der bloße» Bestzung ein zweideutiger Zustand herausbilden, der zu immer neuen Konflikten Anlaß geben wird. Die zivilisierte Welt sollte bemerken, daß hier ein n e u e s größeres E l s a ß- L o t h r i n g c n zu entstehen im Be- griffe ist, und sie sollte rechtzeitig der drohenden Gefahr vor- beugen. Deutschland wird d.i e deutschen Rhein- lande niemals aufgeben! Deutschland ist heute schwach. Aber auch Frankreich war einmal schwach und Ser- bien und Polen! Möge die Welt aus der Geschichte lernen und begreifen, daß die Lo-ßreißinig der Rheinlande von Deutschland diejenigen, die ehrlich für die Versöhnung der Völker arbeiten, vor eine unmögliche Aufgabe stellen würde. In Berlin ist bisher von der angekündigten Note Mille- rands nichts bekannt. Selbstverständlich ist übrigens, baß eine solche Note nur auf Beschluß der B o t s ch a f t e r k o n f e- r e u z ergehen kann, da Frankreich daS Recht zu selbständi- gem Vorgehen nicht besitzt. Reform der Sozialversicherung. Von Fried r. Kleeis, Halle a. d. S. Seit einigen Monaten wird eine Umgestaltung unserer . Invaliden- uno Hinterbliebenenversicherung vorbereitet. Um sie ! zu fördern, hat der Verband deutscher Landes ver- ! sicher un gsansta lten den„Entwurf eines Gesetzes betr. die Leistungen und Beiträge der Invaliden- und Hinterbliebe- nenversicherung" eingereicht, der bei der Bedeutung des Ver- bandes große Aussicht hat, wenigstens im ganzen und großen berücksichtigt zu werden. Die Invaliden- und Hintcrbliebenonversichcrnng ist zweifellos durch die Kriegsfolgen in eine große Notlage ge- kommen. Zunächst sanken die Einnahmen durch die Vermmde- rung der Zahl der Versicherten, sodann stiegen die Ausgaben durch'die stark vermehrte Zahl der Unterstützungsfällc und die Teuerungszulagen zu den Renten. Vom Jahre 1913 bis zum Jahre 1916 verminderte sich die Beitragsein- nähme aller Versicherungsträger(der Landesversicherungs- � und Sonderanstalten) von 299 auf 2Z2 Millionen Mark. Sie � stieg dann allerdings wieder auf 267 Millionen Mark im I Jahre 1918 und 285 Millionen Mark im Jahre 1919, aber nur infolge einer Erhöhung der Wochenbinträge um zwei Pfenn ge in jeder Markenklasse und der fortgesetzten Verschiebung der Versicherten nach höheren Lohnklassen infolge der Steigerung der Löhne. Ohne Eintritt des Krieges wären in den Jahren 1914 bis 1918 rund 259 Millionen Mark mehr an Beiträgen eingenommen worden. Durch die umfangreiche Hergabe von Geldern zu den Kriegsanleihen von 1283 Millionen Mark wurde allerdings auch eine höhere Zinsenemnahme erzielt, doch wurde diese durch den gewaltigen Kursrückgang der Kriegsanleihen weit mehr als aufgehoben. Dagcgm st iegendie Ausgaben an Nentenle,stungen von 129 Millionen Mark im Jahre 1913 auf 278 Millionen Mark im Jahre 1918 und voraussichtlich 385 Millionen Mark im Jahre 1919. Es wird allein die Aufwendung für Renten die Einnahme an Beiträgen um rund 199 M'.llioncn Mark übersteigen. Dazu kommen noch viele andere Unterstützungs- und sonstige Ausgaben, so z. B. für die Verwaltung 45 Mil- lionen Mark. Schon im Jahre 1918 mußte eine Anzahl Law desVersicherungsanstalten erhebliche Zuschüsse aus ihren Ver- niögenSbeständen machen, so die für Berlin von 3,8 Millionen Mark. Dabei ist zu bedenken, daß infolge' des versicherungs- technischen Aufbaues der Jnvalidenversichcrunn diese jetzt noch erheblicheRücklagen machen müßte. Die Versicherung beruht bekanntlich auf dem Kapitaldeckungsverfahren, �und es müßten für die neuen Belastungen aus den Hinterbliebenen- und verbesserten Altersrenten noch viele Deckungsmittel den Vermögensbeständen zugeführt werden. Dabei sei ausdrücklich festgestellt, daß sich die I n v a l i- denrenten der Zabl nach von 998939 am Schlüsse des Jahres 1913 auf 986 352 am Schlüsse des Jahres 1913 verminderten. Wenn das in einer Zeit der durch Kriegsverletzungen, Unterernährung usw. auss höchste geschwächten Voltsgesundhcit möglich war, so muß dcch� gesagt werden, daß die Versicherungsträger kein Mittel der„Spar- samkeit" unversucht ließen. Zugenommen haben vor allen Dingen jene Renten, die unbedingt gewährt werden müssen, weil sie nicht vom Nachweis eines bestimmten Grades der Er- werbsunfähigkeit abhängig sind. So vermehrten sich die Alters- reuten infolge der Herabsetzung der Altersgrenze� für ibren Bezug vom 79. auf das 65» Lebensjahr von 87 252 im Be- trage von 14,3 Millionen Mark im Jahre 1913 auf 239962 im Betrage von 39,5 Millionen Mark im Jahre 1918. Eine noch rapidere Zunahme fanden die Hinterblieben e n- reuten, beispielsweise die Waisenrenten von 64 746 im Betrage von 5,1 Millionen Mark im Jahre 1914 auf 432 954 im Betrage von 35,4 Millionen Mark im Jahre 1918. Die vom 1. Februar 1918 gewährten Teuerungszulagen, die zunächst monatlich 8 M. für jede Invalidenrente und 4 M. für jede Witwenrente betrugen, erforderten schon im Jahre 1918 Auswendungen in Höhe von 91 Millionen Mark. Sie wurden später auch auf die Altersrentnex ausgedehnt und vom 1. Oktober 1919 an auf 29 M. und 19 M.(für Witwenrenten) erhöbt. Diese Zulagen betrugen im Jahre 1919 bereits 189 Millionen Mark. Sie werden zwar vom Reiche zunächst vorgeschossen, müssen aber von den Versiche- rungsträgern abgetragen werden. Die Versicherungsanstalten haben wiederholt gefordert. daß jene Teuerungszulagen, welche die Hauptbelastung bil- den, eigentlich vom Staate getragen werden müßten. Im Hinblick auf die Geldnot des Reiches läßt sich aber hier eine Aenderung nicht vornehmen. Die neuen Vorschläge der Landesversicherungsanstalten zur Neugestaltung der Jnoa- Iikn» unb Hinterbliebenenversicherung bauen siH daher auch aus anderen Grundlagen auf. Es soll zunächst nur ein N o t- g e s e tz erlassen werden, daS etwa ein halbes Dutzend Paragraphen ändert. Eine durchgreifende Umgestaltung soll der zukünftigen allgemeinen Reform unserer So- z i a l n e r s i ch e r u n g vorbehalten bleiben. Bestimmungen, die mit der Wiederherstellung der finanziellen Leistunns- sähigkeit der Versicherungsträger nicht in unmittelbarem Zu- sammenhang stehen, haben kein? Aufnahme gefunden, wenn auch ibre baldige Regelung wünschensioeist erschien. Es unterblieb z. B. die Erhöhung der Versicherungsgrenze für die„Angestellten", die nach wie vor nur versicherüngspfl'ich- tig sind, wenn sie nicht über 2000 M. Jahrcsarbeitsverdi.'nst haben. Tie Frage einer Asenderung ist hier deshalb nicht aufgerollt worden, woil sie auch eine Aen.denmg der A n- g c st e l l i e n v e r s i ch e r u n g nach sich ziehen müßte. Zunächst wird eine Vermehrung der L o h n> fl 0 s s e n von jetzt fünf, die bestehen bleiben sollen, aus acht vorgaichlogen und zwar dergestalt, daß die fetzige Klasse V, die alle Aahresarbcitsverdienste über 1130 M. umfaßt, nur bis ,u 2000 M. reicht, die blasse V? die Jahresarbeitsver- dienste von 20lX> bis 3000 Tl., die Klasse VII alle jene von 3000 big 4000 M. und die VIII. alle jene von mehr als '000 M. einschließt. Die Vermehrung der Lohnklassen ist an sich unerläßlich, doch sollte eine völlige Neu ein- t e i l u n g stattfinden. Tie Abgrenzung der seitherigen Klassen ist.reichlich überbott und kann nicht aufrecht erhalten werden. Die unteren Klassen(Klasse I bis 330 M., Klasse II von 330 bis 330 M. und Klasse III von 330 bis 350 M. ssahresarbeitsverdiansi) kommen bei den heutigen Geldver- hältnisfen kaum noch in Frage. Dazu ronimt die dringende Notwendigkeit, diese Lohnklassen mit denen der Krankenversicherung in Neberein st im m u n g zu bringen. Der heutige Zustand, daß die Lohnklassen in diesen beiden SoujrtZweigen der Sozialversicherung so sehr verschieden abgegrenzt sind, ist eine der Ursachen aus denen die Versicherung nicht volkstümlich wird. Es sollen in der Krankenversicherung ohnehin die Grundlöhne erhöht und einheitlich für alle Kronkenkasien festgesetzt werben. Es ist nur selbstverstädlich und einfach, die Lohnklassen der Inva- lidenvc'rsicberung entsprechend übereinstimmend umzuändern, so daß z. V. die erste(unterste) Klasse die Iabresarbeitsver- dienste bis zu 600 M.(300 ArbeitstagexZ M.), die zweite Mcjenigen von 601 bis 1200 M. nsw., die höchste jene über 3101 M.(300 Arbeitstage x IL M.) umfaßt, wie ich des nähe- "?u in der ,. Arbeiterversorgung" 1020, S. 45, dargelegt habe. Die Rentenberechnung würde allerdings etwas komplizierter ueerden, indem die seitherigen Beitragswochenmarken anders lls die zukünftigen in Ansatz kommen müssen, aber das läßt sich leicht durchführen. Im übrigen siebt der Entwurf der Landesversichsnungs- onstalten eine Verdoppelung der L e i st u n g e n, zu ihrer Deckung eine Verdoppelung des Reichszu- s ch u s s e s und eine V erdreifach ungderPeiträge vor. Die Notwendigkeit einer dauernden Erhöhung der Renten kann nicht mehr in Zweifel gm.ogen werden. Sind diese doch tatsächlich zum Lebensunterbait nicht entfernt aus- reichend. Die Erhöhung auf den doppelten Betrag soll sich auch auf die Waisenrenten erstrecken. Daneben soll bis auf weiteres auch d!. e seitherige Teue- ruiigszulaqe von 20 und 10 M. fortgewährt werden. Allerdings soll sie nur auf besonderen Antrag und nur dann gezahlt werden, wenn nicht besondere Um- stände vorliegen, die ihre Gewährung als ungerechtfertigt erscheinen lassen. Die Zulagen sollen auch von der Ge- meinde gezahlt werden, die drei Viertel de? Gesamtaufwen- düngen vom Lande und vom Reiche wieder erstattet erhalten. Zurzeit beträgt z. V. eine Invalidenrente mit Kinder- zuschüssen 230 M., eine Altersrente 173 M. im Durchschnitt. Der doppelte Betrog, der sofort gezahlt werden soll, dieser Renten und die Teuerungszulagen würden daher Gesamt- betrag? von 720 und 390 M. ergeben, immerhin noch Ren- Durch Nacht Zum Licht. Bon Max E c!- T r o ll. Nacht. Kein Stern am H mmel. Regenwolken zieSen vorüber. Nur alle 300 Afeter brennt ein ärmliches GaSlichl unter schwächstem Druck. stohleimal! Tie Menlchen tapven an einem vorüber... wie wackelige Bären. Nicht wie Schauen, nicht wie schar umrandete Silhoueiten. So verschwommen sind die Konturen. Die Männlein und Weiblein steigen vor uns auf, wie aus einer Tbeatei Versenkung, wie in ein Faß mi: pechrabenschwarzer Tinte eingetauchte Weichlicre. Es ist früh 6 Uhr. So viele Arbeuer und Arbeiterinnen eilen schon zur Arbeits- statte. Wie Spukgestalten kommen sie auf uns zn. Man weitz nicht: Ist es ein Mann oder eine Frau, die da auf dich zukommt. Erst auf ein oder zwei Schritte kann man daS Geschlecht unterscheiden. Und das nur durch die Form des HuteS oder durch den ge- schlosienen Frauenrock, der die schwachen Lichtschimmer der rück- wärtsliegenden Laterne nicht durchläßt wie bei den Männerhosen« deinen. Weitgehendere Unterschiede zu machen verbietet die Nacht. Ob die Frau hübsct, oder nicht, der Mann alt oder jung, das zu ent- decken ist nur mit einer elektrischen Taichenlampe möglich. DaS Leben aus der Straße ist wie bei einem Maskenball, bej dem die Lichter de-Z Saales um die Milternachtsstimde erloschen find und alle Menschen die Masken aufbehalten. Und wer auf Maskenbällen und lichtloien Straßen auf die Freierei ausgeht, kann seine Enttäuschungen erleben. So ist bei Einbruch der Nacht das Leben mis der Straße so leblos... so farblos... so formenlos gewordeu. Die Lebensfreude wird eingeschläfert. Mau stirbt langsam dahin. Unsere alte» Germanen haben die Bogenlampe, daS Auerlicht, die Meialliadenlampe nicht gekonnt, aber üi ihrem Drang nach dem Lichr haben sie ihren Göltern flackernde Holzstöcke geopfert. Wenn orthodoxe christliche Theologen die Sonnenanbeter verdammen, weil für sie die Sonne als Lichtquell Gott ist. dann liegt für mich darin mehr Sinn als in manchen auf Konzilien gefaßten, heute völlig veralteten dogmatischen Beschlüssen über Gott und Gölter. Wohl selten hatien wir neuzeitlichen Deutschen eine größere Sehnsucht nach mehr Licht als jetzt in der Zeit der Dunkelheit. Man sehnt sich eben nach dem, was man nicht befitzt. Besitz» man ei, dann weiß man eö nicht zu schätzen. ien, mit denen in der gessenwärtigen Zeit niemand leben kann. Die Verdreifachung der Beiträge läßt ganz ansehnliche Wochsnbcträge herattsrommcn, nämlich in den acht Klassen 60, 90, 120, 160, 340, 320. 420 Pf., wovon der Versicherte und der Arbeitgeber je die.Mlste zn tragen haben. Die Mebrzahl der Versicherten wird wie seither in den höbe- reu Klassen sein. Bemerkenswert ist noch, daß Militärdienst- zeiten nicht mehr in Klasse II, sondern Klasse V angerechnet werden sollen. Mit Ausnahme der Klasseneinteilung, bei der wir un- bedingt eine Anpossung an die Krankenversicherung als unerläßlich halten, wird man im allgemeinen mit den Vor- jchlägen einverstanden sein können. Gewiß wird die Ver- doppslnng der Renten den Notstand der Rentenempfänger noch vicht beseitigen. Woher aber die Mittel nehmen und nicht stehlen? Es ist dabei auch zu beachten, daß die Ver- sicherten, die jetzt noch Beiträge entrichten können, sich weit höhere Renten durch ihren Eintritt in die neuen höheren Lohnklassen sichern, die um ein mehrfaches höher sind als die gegenwärtigen. Hoffentlich wird die Neugestaltung recht bald durchgeführt._ C!cm?nccö!i als Ehrenbürger abgelehnt. Der Mülhauser Gemeinderat hat, wie die V. P. N. er- fahren, einen Antrag der bürgerlichen Parteien, C lem en c ea u das E h r c�n b ü r g e r r e ch t zu verleihen, abgelehnt, nachdem die Sozialdemokratie erklärt hat, daß sie es als eine T a k t l o s i g k e i t ersten Ranges be- zeichne. einen derartigen Antrag in einem Gemeinderat ui stellen, dessen Hälfte aus Sozialdemokraten besteht. ClemeV- ceau bgbe sich in rücksichtslosester Weise parteipolitisch in die Wahlen eingemischt und die Parole gegen die o r g a n is i e r t e Arbeiterschaft ausgegeben. die elsäfflfchen Sozialisten für die öritte internationale. Der sozialistische Vczirksverbcmd für den Unterrhein (Straßhurg usw.) hat in einer Delegierteittzcrsammlirnq mit 68 Stimmeri gegen 11 beschlossen, am kommenden Parteitag die Re- solution zu unterstützen, die sich für den Austritt«ms der zweiten Internationale ausspricht. Die Redner der Minder- heit waren die ehemaligen Reichstagsabgeordneten Georg«? W e i l l und P e i r o t e s, der Bürgermeister von Straßburg. Der Bezirksvcrband wird auf den Parteitag 11 Anhänger der Mehr» heitsresokiltion und 2 Vertreter der Minderheit entsenden. Letztere tverden die zwei oben genannten sein. Bufsorüenmg zum Meuchelmorö. Die„Deutsche Tageszeitung" glaubt die Feststellung des „Vorwärts", gclrsisse nationalistische Kreise seien auf der S u ch e n a ch Meuchelmördern, entkräften und auf Ver- legenheit unsererseits zurückführen zu können. Demgegenüber dürfte das so scheinheilig tuende Organ der Alldeutschen viel- leicht folgende Notiz interessieren, die in der ihr geistesver- wandten„Staatsbürgerzeitung" dieser Tage zu lesen war. sie lautet: In einem Dierhans der Friedrichstadt erschoß sich am Donnerstag ein Leutnani Willy v. Bargen. ES ist schlecht um ein Volk bestellt, dessen Bürger nur an sich denken. Konnte Herr v. Bargen nicht, bevor er fein Borhaben ausführte, noch einen jeirc» Verräter, die es offenkundig mit unseren Kricasgrznern halten, auf die Reise inS unbekannte Land mitnehmen?! Deutlicher kann die Aufforderung zum Meuchel- m o r d wohl kaum ausgedrückt werden. Wie weit ist die Ver- rohung„deutscher Staatsbürger" vorgeschritten, wenn derartig unixwblünit mißliebigen politischen Persönlichkeiten die Reise ins unbekannte Land in Aussicht gestellt wird? Goeibe hal seinen so oft in falsch verstandenem Sinne ge- brauchien Ausdruck„Mehr Licht" in seiner Todesstunde geian. Man hat dieiem letzten Wort des slerbendeu Olympiers stels ei»« ideale. philosophische Auslegung zu geben versucht, als habe Goethe in seiner Sterbestunde damit sagen wollen:.In die Schädel der Menlchen muh mehr Alifkläruug, mehr Licht kommen, wenn sich die Menschheit aufwärts cniwickeln soll I" So schön und ijieal diese Auslegung ist, so falsch ist sie. Der Mediziner kann hier den Literarhistoliker lehren. Im Todeskampf sterben die verschiedenen Oroane in einer bestimmlen, ziemlich regelmäßigen Reihenfolge ab. Ist da» Bewußsein erhallen, so überlebt es die Sinne. Geruch» und Geichmackssinn scheinen zuerst zu schwinden. Darauf erlischt der Gesichtssinn. Die Sierbe»- den llagen dann nicht selten über einen Nebel vor den Augen oder rufen— genau wie Goerhe nach Licht. ' Goethe hatie also diese Art der Agonie zn überstehen, bei der daS Bewußnein über die Sinne triumphierte. Aber lassen wir es bei der idealeren Auslegung de» Goethe» WorieS. Und sehnen wir uns nicht nur nach dem Licht der Straße. Stecken wir in unterem Herzen Weibekerzen an, die unier Gemüt erleuchten. Wählen wir uns ein Ideal, für das wir kämpfen und streiten, opfetn und dulden wollen. Und es gibr kein schöneres Wollen, als zu streiten für die alten Ideale der Freiheit. Gleichheit und Brüderlichkeir. Für die Beseitigung aller Unierdrückung und Ausbeutung aller Rassen und Klassen und Konfessionen. Dann wird auch in die dunkelsten Winkel hinein Licht strahlen. Helles, klares, freudespendendes LiSr, da« durch keine noch so schwere Gewirterwolke getrübt werden kann. Das Licht des Herzens wird auch in der Finsternis leuchren. Und wir werden freudig gestimmt jein, auch wenn eS außen auf der Siraße des Lebens dunkel ist, denn wir wissen tzonn, jeder Schatten, der nnS dort begegnet, ist nicht ein Mensch, der vielleicht mein Feind sein kann, sondern er ist mein Bruder. Aber... bis dahin ist noch ein weiter... weiter Weg. Vorerst hängen wir noch zu sehr am Licht der Zleuherlichkeit weil wir eS noch nicht verstanden haben, die Weihekerzen im Innersten anzuzünden. Darum ist untere auiyrs Lebensfreudigkeit abhangig von Gassperre und Lichrsperre. Darum legen wir uns so häufig die- Frage vor: „Wann werden wir in der Finsternis wieder helle Straßen und helle Stuben haben? Die Sacke bat größere Bedeutung, als es aus den ersten Blick den Anschein bat. So große, daß ich kürzlich einem seisien Kriegs- gewinnler-Bourgeois auf die Frage: Wann werden wir in Deutich- land wieder ruhigere Tage erleben als jetzt? die Antwort gab: .Wenn neben der Versorgung mit Lebensmitteln Eisenbahn und Ein Such öss paffes. In einer Fachzeitschrift lesen wir ein Inserat, dessen jugendvergiftende Tendenz wohl alles übertrifft, was selbst nationalistischer Gesäsaftsgeist bisher erdacht bat. Es lautet: .Wer schreibt ein gegen den französischen Erbfeind gerichtetes Buch des Haffes, welches/ruf geschichtlich� Tatsachen auf- femeild, insbesondere die neuesten Schandtaten des minder- wortigen„Siegers" ins gehörige Licht setzt und unser Bolk zum Zusammenschluß gegen den äußere u Feind anfrust? Das Buch soll auch— vielleicht sogar in erster Linie — als Jugendschrift Berweudung finden. Material kann vom Berltg geliefert werden. Angebote de» ungefähren Umfang», der Lieferfrist und der Honorarbedingungen unter.Frau- zosenbuch" an den Verlag... usw." Wir zweifeln nicht daran, daß der Verlag alsbald einer nationalistischen Schmierer finden wird, der gegen ein ent- sprechendes Honorar das Buch im gewünschten Sinne abfaßt. Das Heimtückischste an dem Vorschlage ist der Versuch, das Buch der Jugend beizubringen. Die heutige Generation hat den Charakter u nsererNationäli st en zu sehr durchschaut, um für längere Zeit in ihre Garne gelockt werden zu können. Auch Aeuherungen des augenblicklichen Mißvergnügens an den herrschenden Zuständen ändern nichts hieran. Darum soll die Jugend eingefangen und m i? chauvinistischem Geiste verseucht werden. Man zweifelt mitunter, ob nicht diele Feinde der deutschen Sacke im eigenen Lande mehr zu fürchten sind, als die fremd ländi- schen, die man kennt urid vor denen man sich wenigstens zu schützen vermag._ Eme Anmaßung. Die„Kreuz-Zeitung" veröffentlicht folgende, im altpreußi- schen Kommandostil gehaltene Erklärung: Auf der AnSlieferungsliste stehe auch ich. Die Regierung lehnt heute die Auslieferung ab. Mit ihrem Umfallen>st in kürzester Zeil zu rechnen! denn die Worte„unausführbar",„verdorrte Hand" usw. sind in unserem Gedächtnis, ebenso die Taten, die diesen Worten folgten. Freiwillig stelle ich mich! rncbt, erkläre jeden Menschen, der mich mit Gewalt zwingen wollte, für einen Schuft, und würde in diesem Falle von meinem Revolver Gebrauch machen, aber nicht etwa, um mir selbst etwa das Leben zu nrhmeo. v. La Chevallerie, Generalleirtnant u. Kommandeur der 4. Inf.-Division. Es ist ein mißerordentlich starkes Stück, daß dieser General in dem Augenblick, in dem die Regierung alle Kraft gegen die Auslieferungsforderung der Entente konzentriert, nichts Besse- res zu tun weiß, als unflätig auf die Regierung zn schimpfen. Man muß sich sehr stark bewußt bleiben, daß es sich um den Schutz des Gerechtigkeitsprinzips, nickt um den Schutz einzelner Perionen handelt, um sich durch derartige Lümmeleien nicht beeinflussen zu lassen. Will Genemllentnant von La Chevallerie, der übrigens, wie uns mitgeteilt wird, der Reichswehr nicht angehört, mit seiner großen Revolverfertigkeit auch die Franzosen vom lin- ken Rheinufer vertreiben?! Ebenso wie dieser offenbar mit mehr Schneid als Gehirn gesegnete General verfährt übrigens auch die„Unabhängige Nationalkorrespondenz", welche die Beschimpfung der Regie- rung durch die auszuliefernden Generale mit der Behmwtung verteidigt, daß die.Heerführer mit ihrer Auslieferung nur die Kosten für das zahlen sollten, was die jetzige Regierung verschuldet hätte. Und da sind eS die Deutschnationalen, die von der Notwendigkeit einer„Einheitsfront" reden und die Linke beschuldigen, diese Front zu durchbrechen! Hamburg» Vertretung im Reichsrat. Zum stimmführerden Bevollmächtigten zum lll eich? rat wurde an Stelle des ausgeschiedenen Bürgermeister» Dr. Sthamer Senator Dr. Schramm ernannt., Straßenbahn wieder regelmäßig verkehre», und wenn der Arbeiter morgens und abend» in Hellem Lichterglanze zur und von der Ar- beilsitälie nach Haute fahren kann!" Denn auch im leuchtenden Licht der Aeußerlichleit liegt Freude zum Leben, liegt da» Bejahende... die Lust zur Mitarbeit am Aufbau. Wir alle aber wollen daran mitarbeiten und mitwirken, daß der Auibau nicht nur äußerlich geschieht. WaS nützt der schönste Bau. wenn er im Innern rauh und roh, die Wände unbeworfen. im Herd kein Feuer brennt und kein Licht die Räume erhellt? Rur der Sozialismus, die Religion der Gemeinsamkeit, kann die Räume wohnlich gestalten, kann das Leben lebensweri macken. Aber wohl veritanden: Der nicht mißverstandene Sozialismus, dem Diktatur und Terror und Gewaltpolitik wie Wasser dem Feuer feindlich gegenüberstehen. Lindenblätter. So betitekt sich eine Monatsschrift, die seit einiger Zeit vom Leiter des in Lichtenberg gelegenenen Groß-Ber- liner ErziehuiigsheimS.Lindenhof" herausgegeben wird. Die überaus ansprechende Art der Aufmachung, der geschickt ans bestimmte Zeitereignisse zusammengestellte Text— Sr ist meist von den An- staltszöglingen selbst geschrieben."der hübsche, an die Dürerbund- Veröffentlichungen erinnernde Bildschmuck beanspruchen bedingungs- lose Anerkennung. Jedes Heft, dem immer eine� Elternbeilage an- gegliedert ist, strebt nach einer in sich abgeschlossenen einheitlichen Wirkung. Beachtenswerte Feinfüihligkeit in allen pädagogischen Tin. gen stimmt den Ton des Ganzen. Ein prächtiges Stück moderner Erziehungsarbeit wird hier geleistet, auf das Berlins Einwohner- fchaft stolz sein kann. Dazu kommt ein sich ausschließlich in der Auswahl des Besten genügender literarischer und künstlerischer Ge- schmack. Die Schrift gelangt nur in die Hände der Angehörigen und Freunde des Lmdenhof». und zwar kostenlos. Sie sollte viel ge- lesen werden!_»• Märchenabend. Jbren 3. M a r ch e n a b e n d siir grobe und kleine Leute gibt Frida F> i ch e r am 14. Februar, abends 7 Ubr, in der Aula des Kaiier-FAedrüh-Rcalgymiiasitims. Deutsche, nordische und Uwrgenlandische Märchen. Häupter und Hämmer. Zugunsten des Dickter-llnterstützungs. wnds der„Gcielljchajt der Kannuerkunslabende Brandt> Jacoby" ipvicht Oskar Ludwig Brandt am 27. Februar, VI, Ubr, im Meisicilaal eigene Dichtungen(ans dem Werk«„Häupter und Hämmer" und Unvcr« üsfentlichleS). Robert Spörrn singt Lieder von Alired von Eponer nach Gedichten von Brandt. Karten bei Wertheini, Bote& Bock und in der VorwärtSbuchhandlung. Tie Nechtsprechungen des neuen BLHuenschiedsgerichts. daS durch den Karlellvertrag seht ausschließlich matzgebend iit, erscheinen von jetzt ab rexelinätzig in der„Dciil'ihcn Bühne" tOestcrbeld n.(so.. Verlag, Berlin W 15). Die Nr. 6 vom 2. Februar verölsentlicht die beiden ersten Eiiticheidimgen in der..AuMrungsableUrmg" und„GenossenIchastS. abteilung", die von grundlegender Bedeuiung lind. Weitere Abteilungen des BühnenschtedSgerichts sint: Die Chorsänger- und die Musiker-Abtcilung Rachs 06er Reckt? Sei-incr beut Vertreter der Chicago Tribüne gewährten Unter» rcdung äugctce sich RcichSsinanzminister Erzberger über die Aus- licfcrungssragc u. a. folgenZermahe»: „Wir haben uns bereit erklärt, Personen, denen wirkliche Kricrchverbrechan nachgewiesen werden rönnen, vor einem Gerichts- Hof zur Verantwortung zu ziehen und haben der Entente dabei die Mäglichksit gegeben, sich von der vollkommenen Objektivität der Be- Handlung dieser Angelegenheiten zu überzeugen. Wenn die Entente sich darauf nicht einlassen wollte, so muss dies den Nnsckcin erwecken, als ob es ihr überhaupt nicht so sehr um ein objektives Ur- teil in der Tchuldsrage. sondern vielmehr um eine Befrirdignng maßlsfcr Rachcgcsiihle zu tun sei." ' ein RcvisionLbcamtcr zu Werken und stellt Bezüge> in Sckileich- handetzkoblen sesi. io bort er wohl Klagen über die Schieberei und die hohen Preise, doch lurln man ibm llateNagen für eine Ver- folgung der Schleiwhändler vvrzueutqoltcil. Die Quelle, Namen des Fuhrmannes, des Händlers, der Aechen k e n n t in a n angeblich nicht, trohdeul jedes Fuhrwerk Begleitpapiere haben muss. Man kauft, fordert zu iveileren Lieferungen auf, schimpfl— will aber auf keinen Fall die Möglichkeit des Bezuges weiterer ,be- ingsicheiiisreier' Kohlen verinnidern.— So erschwert man in lttizfichtiger Weite ans egoistische« Motiven dem Kohlenkonunissar und der Amtlichen Berteilungdst.'lle eine geordnete Reneliing, ver- iiiudcrt sie gcr„»rzii und iöidert das Schieberwesen. Solange ei» Teil der Jaduilric auf diesem Standpnükte bekarrt, anstatt die niass- gebenden Stellen zu unterslnheu. iallen die m dieier Hinsicht er- bobeucn Vorwürfe auf die Bezieher der Schleichhandelskohlen zurück. Eine Besserung der Verhältnisse kann in. E. nur dadurch her- beigkinbrt werden, das; die induttrielleu Verbraucher allgemein dem Ncichskoblenkominifsar und de: Anrilichen Verteilungsstelle in Essen rücksiik.tc los jeden cii!zcl>-eii Fall u n t e r N a m h a f t in a ch u n g von Mann und Pferd zur Anzeige bringen."— Diese AnSsührmigcn decken sich mit den uilkrigen. Da- Kapi'al k o r:» m p i e r t. nicht der H u ir q e r, Herr v. d. Kerkhoff. De' Proletarier hat nicht die bianen Sche'ue, um den Kellner, den Kutscher, den Pförtner, den Bahnbeamten zu b e st e ch � n und zu d e m o r a l i i i c r e n. D'e, die das tun. sind I h r e Klassen- genossen, Herr v d. Kcrkboss, für die cilic st a o t l i ch e?! u t o r i i ä t ossentar nichr mebr bestehr und die den Wicderauibau der Wirt 'chafl von oben saboiiercu. Tragcit Sie dazu bei, die lapira» l l st i i ch c n Wirl chgstssübrer zu moralisch vorbildliche n Meirichen zu machen, dann werden die„Nnaebildcten", die Prole- tarier, solchen Vorbildern nacheifern. Die Praxis des täglichen ' Lebens beweist uns immer von rreuem, dass Moral und K a p i t a I nebeneinander Nicht bestehen können. Stroh teurer als Korn. Die aussteigende Tendenz der Preise, wie wir sse seit dem Herbst auf dem Strohnrarkt beo'vichleil. Hai dazu gcsnbrl. dass die Landwirte für idr Stroh einen Preis von ungefähr 28 M. für den Zentner craalten, während iie tiir das Brotgetreide selbst ein-chliess- lich der neuerdings scstgei-'»:?» Abliesernngspräniien im Durch- schnitt nur etwa:2ö M. v>o Zentner bekoinmen. Für die Dresch- arbeit muss man ungeiahr 4 M. aus den Zentner veranichlagen, so dass die Landwirte rund 7 M. je Zentner lgleick zirka 30 Prozent) mebr erhalten, wenn iie da§ Brotgelretde gar nicht erst ausdrcichen. sondern die Halme mit dem Korn als.Stroh" verkaufen. Es er- öffnen sich au- diesen Berhälmissen jedoch Äokahren für die Brot- Versorgung und Mögltchkeiicii, Niit deilen nmn bisher nicht ge- rechnet bar. die jessi aber die ganze Aufmeilsainleit der inassgebenden Negierungsstellen verdienen. Tas agrarische Polen für Zwangswirtschaft. Die Regelung der volnilchen LebcnSmitlelbewirtschaftung schwankt von eincin Extrem ins andere, da in dem vorwiegend agrarischen Lande der Zwiespalt zwischen den Interessen der Produzemeil und dein Hunger der städtischen Bevö'lerung bisher nickt befriedigend gelöst werden konnte. Nachdem nnier dem Verpflegungkminister Sobanski die Regierung für Veschlngnobme und ZwangSwirrichasl sich einsetzte, gewannen unter dem gegenwärtigen Munster SliwinSli die FreihandelSrendenzen die Qbcrband. für die tick im Reichstage die Volksparteiler einsetzten, die sich aus Bauernkreisen rekrutieren »nd durch ihren Eintritt in die NegierungSkoaliiion ihrer Siimine Geltung verickaffen konnten. Eine Sensation bedeutet eS daher. dass der zur Heilung der LebenSmittelnöte nnf Wunick de§ Reichs» lages berufene.staatliche VeivstegungSral" in seiner erste» Sitzung mir grosser Mehrheit gegen die Stimme der VolkSpartei die Be» schlag nähme und zwangsweise Bewirtschastung aikcr'Agrarpro- dukte beschloß.________ GroßSerlw Robert Lampe f Im..VorwärtS"-Haus ist Trauer eingezogen. Nu 7 wer zum Bau gehört, kann ermessen, was cs sür uns bedeutet, daß der alte Genosse Robert Lampe gestorben ist. Seit mehr als einem Vöerteljahrbundert hat Lampe an hervorragender Stelle, als Metteur, sür dir technische Herstellung unseres BlajteS gewirkt, ein ruhender Pol in der Erscheinungen Fiucht, eine feste Hand in Zeiten voll Unruhe und Verwirrung. Lampe war da- Verbindungsglied zwischen der Redaktion und der Druckerei, und je länger er hier in unermüdlicher Pflichttreue wirkte, desto höher stieg das Ansehen, das er in unserem Kreise genoß. In jüngeren Jahren war der Hüne mit der mächtigen Stimme fast ein Schrecken für die Redaktion, denn er liebte es nicht, ein Blatt vor den Mund zu nehmen, sondern zog die Deutlichkeit vor. Des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr sollte für andere neriau so gellen wie sür ihn. Später, als sich die weißen Fäden durch den schwarzen Bart zu ziehen begannen und mehr noch, als der Gang durch schwere.Kranikheit mühseliger wurde, wurde sein Wesen milder, und Lampe war fortab„Bater Lampe", aber nichts änderte sich an der Strenge des Mannes gegen sich selbst. Genosse Lampe war am 9. Juli 1849 geboren, er erlernte das Buchdruckerhandtverk. Er machte den Berliner Buchdrucker- streik mit, in dem er sich als treuer und tüchtiger Gewerkschafter bewährte. Seit 1394 war er für den „Vorwärts" tätig. Später hat er am Leben der GeWerk- schasten und der Partei wenig Anteil nehmen können, er war darin ein Schicksalsgenosse unser aller, die ihr Berus in den?lbendstunden an das Blatt fesselt. An innerer Anteilnahme l>at es aber niemals gefehlt, und oft hat Vater Lampe durch die Klugheit gelegentlich hingeworfener Bemerkungen überrascht, in denen sich seine große Lebenserfahrung und seine abgeklärte?luffassung vom Wesen der vlrbciterbewegung kundgab. So>oar Lampe nicht nur als wch- irischer Mitarbeiter mit dem Betriebe des„Vorwärts" verwachsen, auch sein Herz gehörte dem Blatte, an das er die Arbeit fast eines Menschenalters gerveirdet halle. Er tvar ein lebendige- Stück Ge- schichte des Zentral arganS und damit der Partei, er hatte noch mit dem alten Liebknecht gearbeitet, er kannte sie alle. Schon vor einigen Monaten ha.te>hn eine schwere Lungen- entzündung getroffen, man bangte um sein Leben, aber nach ein paar Wochen erschien der alte Herr wieder pünktlich wie immer und arbeitete wie inrnicr. Er schien»nberwüstlich. Er schonte sich auch nicht, als der Kohlcnmangel fühlbar wurde und einige Tage. lang die Temperatur im Betrieb immer naher dem Nullpunkt sank. Da kam er eines TageS doch nicht mehr, eine schwere Grippe hatte chn ereilt, und sie hat jetzt seinem rastlosen Leben ein Ende bereitet. Sein?lndenken wird im Hause als guter Geist fortwirken, und wenn viele Jahre vergangen sein werden, wird mau noch gern die Letzten erzählen hören, die noch den„Vater Lampe" gekannt haben. Die Höchstmietenverordnung für Groft-Berlin. Der VerbandSau- schuß deS WohnungSverbandes Grotz-Berlin hat in seiner letzten Sitzung zu dem Einspruch des Lberpräsiden- ten Stellung genommen, den die»er gegen die vom Verband« be- schlosscne Ausführungsverordnung zur Höchstmretenanordnuug des WohlfahrtsmmisierS vom 9 Dezember 1919 erhoben hatbe. Nach- dem die erneute Vernehmung des aus je fünf Mietern und Ver» Mietern bestehenden Sachverständigenausschusses und ebenso die sich daran anschließenden Verhandlungen mal den Vorsitzenden der Groß-Berliner Mieteinigungsämter am Sonnabend ergeben hatten, daß die Mehrzahl der Sachverständigen und die Mieteini- gungsamtsvorsitzenden das!n der Verbandsverordnung gewählte grundsätzliche System für zweckmäßig bezeichneten, sah sich der VerbarihSausschutz nicht in der Lage, dem Einspruch des Qberprösidenten Folge, zu geben und abgesehen von einer?Icnde- ruiig in rechtlicher Hinsicht von seinem damals einstimmig ge- faßten Beschluß abzuweichen. Die durch den gestrigen Beschlutz bestätigte Verbandsverord- nung sieht ausser einem Grundzuschlag von 29 Proz. zur Miete des Jahres 1914 sfür Fabrikräume und Geschäftshäuser von 4!> Prozent) die Erlebung crnes Reparaturzuschlages von 15 Proz. der Miete von 1914, für Zcutralheizungshäuser von 29 Proz. vor, und zwar ausdrücklich als Beteiligung des Mieter? an den Repa- raturkosien. Eine Erhebung des Reparaturzuschlages ohne ent- sprechende Gegenleistung und somit eine Bereicherung de» Ver- Mieters ist nach dem Wortlaut der Verordnung unzulässig. Der VerbandSauSschutz glaubte die unbe schreckte Beanspruchung des Mieters euS dem K 19 der ministeriellen Anordnung für Repara- turen durch einen von vornherein fest begrenzten Zu- schlag abzugelten. �»eiratsnochflut. Dit für die Zeit nach dein Kriege erwartet« Mehrung der Ehe- schsietzu Ilgen war in Berlin schon im Jahre 1919 sogleich sehr stark. Gewiß werden die Eheschließungen, die in den letzten Kriegsjahren aufgeschoben und jetzt nachgeholt wurden, sehr erbeb- lich daran betailigit gewesen sein. Es scheint aber, daß auch sonst die Heiratslust, ungeachtet aller Unsicherheit des Erwerbslebens. beträchtlich z-ugenommen hat. Im Jahre 1919 wurden in Berlin 28383 Ehen g e- schlössen, sehr viel mehr als jemals in irgendeinem Iah« während der Friedenszeit. Die Jahre 1919. 1911, 1912, 1913, 1914 hatten 21 848, 22 672, 22 995, 21194, 22 702 Eheschließungen gebrach!, wobei für 1914 die Kriegstrauungen lallein 5793 im Monat August) in- Gewicht fielen. In den Kriegs jähren 1915, 1916, 1917, 1918 belief sich dann die Zahl der Eheschließungen in jähem?ll>sinken auf nur 16 622 und 13 967 und danach in langsamem Wiederauf- steigen lvon 1917 ab) auf 14 343 und 16181. Die plötzliche und außerordentliche Steigerung in 1919 ans 28 383 bedeutet eine Zu- nähme um 75 Proz. gegenüber 1918, um 103 Proz. gegenüber dem Tiefststand von 1916, um etwa 24 Proz. gegen- über dem Höchststand von 1912. Die Heirats-hochflut, die uns dos erste Jahr nach dem Kriege brachte, hat solbstverstäntdlich auch den Bedarf an neuen Wohnringen außerorderü-licb gesteigert und damit zu einer weiteren Ver- schärfung der Wohnungsnot l>eissetro>gvn. Allein in den Monaten Qktober, November, Dezembyr von 1919 wurden 3556, 2753, 2988, zusammen 9277 Ehen geschlossen, während z. B. in 1912 dieselben drei Monate 3645, 1859, ILM, znsoimnen 7361 Ehe- schtießungen bvachtcn._ Mangel cc Feuerung erschwert auch den Betrieb de? Oskar- Helene-HeimS bei Zehlendorf, das mit über 399 armen Krüppelkitlder'n belegt ist. Wir erfahren, dass die AustaU für ihre Zentralheizung ein«» nur noch für wenige Tage reichenden Koks- Vorrat hat. Kann gegenüber solcher Bedrängnis der Anstalten wie der Haushaltungen eine? es billigen, daß die dem Vergnügen und dem Genuß dienenden Lokale ihren Betrieb noch erweitern sollen? Jegd nnf Pelze. Ein Liebespaar, daS sich im großen Stile auf die Pelzjogd begibt, ist sicher etwas neneS, selbst in Berlin. Eine frühere Verkäuferin, Erna Fritze. g?ng in der Fredrich- .straße„spazieren" und lenkte dort durch allerhand Mittel die Apf- merk'amseit von Herren auf sich, die kostbare Pelze trugen und aus sie. ihrem ganzen?lnftreten nach den Eindruck von Schiebern 'machten. Folgte ein Kavaller ihren Winken, so besuchte man ent- weder gleich ein besseres Restaurant oder man verabredet dort zu einer bestimmten Stunde ein Stelldichein. In jedem Falle war der Geliebte der Verkäufer, ein Schlächter Paul Kunze, auch als Gast zur Stelle und nahm an einem anderen Tische Platz. Beim Ablegen der Ueberkke'dung wußte Erna Fritze es stets so einzu- richten, daß sie die Marke in die Hände bekam, die sie dann ihrem Geliebten zusteckte. Der Schlächter schlüpfte hierauf nach gemessener Zeit in den kostbaren Pelz und verschwand mit seiner Geliebten. So glang es dem Pärchen, eine ganze Anzahl von wertvollen Pelzen zu erbeuten, deren Verkauf ihm viel Geld einbrachte. Jetzt wurde die Diebin von einem Bestoblenen am Alexanderplatz wieder- erkannt und verhaftet, ebenso ihr Geliebter. Eine BuSstellun.q von LebrlnrgSarvekten«nd Gesellenstücken wird für ganz Gross-Berlin von der Handwerkskammer zu Berlin rn der Zeit vom 19. bis einschl. 23.?lpril in den Räumen der Kammersäle in der Teltrfwer Straß« 1— 4, in Gemeinschaft mit dem Jnnungsausfchuß veranstaltet. Die Handwerkskammer hat beschlossen, derartige Ausstellungen selbst stattfinden zu lassen, weil sie darin ein wesentliches Mittel erblickt, den Zugang der Ju- gend zum Handwerk zu fördern. In der Ausstellung sollen Lehr- lingSarbeiten aus dem zweiten»nd dritten Lebrjah« sowie Gesellenstücke aus diesem oder früheren Vierteljahren ausgestellt werden. Arbeiten aus dem ersten Lehrjahre sollen grundsätzlich ausgeschlossen sein. Der Verein„Zirdeiter-Hochichnl?» E. V. beginnt seine nSihltcn Vergnltallnngen am Sonnabend, den 14. Febr nar 7'/, llbr.?liila Wem ge». strgsse 30/31, mit einem Vortrag von Dr. Magnus IMrlchseld„Sexuelle Aufklärung der Lugend». Die VorlesungSreilien umlgssen.Englische— „Interessante EntdeckiingSreilrn" m. L'chlb.—„AnS nltbeuHrev Literatur" —„ZiiÄmd Wagner'. ES ünden ausserdem noch Sinzcloorträge, nie?c- sschtipnng eines ErzlediingSsselms, eine Licknivwandeinng und ein Lese- und DiSknNcrabend statt Vorleliingsver-elchnisse und.!> 01 erkalten in der Ei öss'»ncSvoileiuiig«rid vor den Borlesungen. GelchästSsselle C 2, Neue Friedrich str. 53/56, II. 10—12, 1-5. Giofl-Berliner Lebensmittel. Frievrichsselde. 3 Pfund Kartoffeln. AIS Ersatz kür die anSfallen- den 4 Psund Kariofieln gelange» ab Freitag ein Pfund Ackerbohnen zur Berteiluiiq. Tirolan. Kür stugendlicke SOO Gramm Hascrssacken. Aus ElnfitSr- zuiatzkarte. 500 Gramm amonlanüches Roggenmchl. Freihändig: Mars- nicht, Suppen.____ Groß-ösrliner Yartewackrickten» Wervoanskchns: ktir Post„nd Delegrapbte. Freitag 8 Uhr im Lokal von E. Schniiht, Tcltower Sir. 18, BkrtrulienSmännernertammlung der Gruppe 10 /Postämter lS. 19, 68, 61, 48, 11, 77, 47, 29. deS Possfubr» amts Möckei nitrasse, deS Tel.-ZeugamtS, der NeickSdruckerei und der Polt- ämter in Tempelhos und Mariendorf). Fedes Ami mutz vertreten lein. Zebleiidorf. Die Milgliedeiveiiairmluna des Sozialdemokrat. Wahl- vcrcins findet benie nicht iiatt. Näheres wild noch niiigeleill. Schmargendorf. Heute abend Mitgüedcrocriaminluna de» Soz. WahlvereinS im Schützendause. Vortrag des Gen. Lebnerdt 1 Erlebnisse au» meiner Täiigkeit als Kriminalkommissar. Vnchbolz. Heule 71|s Uhr M lgliedervcrsammlnng w HaeckelS Fell- iälen, Balcwalker Sir. 67. Reierent Genosle Paul Boiai. Lichtenberg. 5. Viertel. Donnerstag, abend» 7'/, Uhr, Verlamm- lung in der Aula Siegsriedstrasse. Thema: Elternbeiräte. Reserent Stadt- schulrat Dr. Sigget._ ?ugenüveranftaltungen. Verein„Nrbriier-sli-.gend« Grnß-Vertin. Jugendsekretariat V v, Bcllevueltr. 7, III. Die heutige ArbeitSgemeinschaslsfitzulig d«r Abt. Südost, Treptow-Baumschulenweg und Niederjchöneweide jälU au». Zur nächste» Sitzung erfolgt jchrisUiche Einladung. Eme Verte-öigung öer ReichssilckversorcsiMgsstelZe. In der„Post" veröffentlicht der Reichskommissar v. Flügge :r.e längere Verteidigung der Reichsfischversorgung, in der er ans- führt, daß der Beamte der Bersorguugsstelle auf die Denunziation von Firmen hin verhastet worden ist, bei denen unrechtmäsiig c-ngesührte Waren beschlagnahmt worden waren. Der Angestellte bebe lediglich die Weisungen feiner vorgesetzten Behörde befolgt. „Mi: einem krassen Wort," schreibt Herr v. Flügge,„es ist so weit, dos) j.ie Schieber die Beamten verhaften lassen." Kdne Krise im Neickswirtlckaftsamt. shalfche RüiktrrttKgerüchte. Tie in einem Teil der Presse verbreitet.' Nachricht von einem bevorstehende» Rücktritt des N c i ch-? w i r t sch a ftS m i- nisters Schmidt entspricht, wtze wir an zuständiger Stelle cr- fahren, in kriner Weise den Tatsachen. Tie Abwesenheit des Mi- nisters bei der 5labi»ettsit!ung über die Auslieferung, die als Spintom einer Ministerkrise angesehen wurde, erklärt sich daraus, des, der Minist:: durch Besprechungen mit Vertretern des Reichs- tages abgeholte!! war, im übrigen aber den Standpunkt des Reichskanzlers in dieser Frage völlig teilt. Es wäre auch außerordentlich brtmerlich gewesen, wenn Genosse Schmidt zu einer Zeit seinen Posten verlassen hätte, wo die schwerwiegendsten Entscheidungen über die künstige Wirtschafts- posstst zu erwarten sind. Sein Rücktritt würde den Propheten der „freien Wirtschast" und den Interessenten wucherischer Ausbeutung Wasser auf die Mühle gießen. Die Sensationsmeldung, die von einem Teil der Presse übernommen wurde, hat bereits in Süd- deutschland leb haste Beunruhigung hervorgerufen. Mkehx von Revoiutionsvomanti?. Die Leipziger Funktionäre der Unabhängigen nahmen eine RssoluUon an, in der es heißt:. .,D:e versammelten Funktionäre der U. S. P. erklären sich mit dein Ergebnis der Reichsaonferenz dahin einverstanden, daß 'ie br eit sind, unter Ablehnung jeder revolutionSromantischcn separatistischen Bestrebungen, durch Wort und Schrift planmäßig unter Führung der Partei sür die Eroberung der politischen Macht der Arbeiterklasse und die Herbeiführung sozialistischer Wirtschaftsordnung zu wirken." Ein Antrag Kurt Geyer, den gegen die Revolutionsroman- tir gerichteten Passus zu streichen und hinter den Worten„durch Wort und Schrift" hinzuzufügen„durck die Tat", wurde nach Berichten der unabhängigen Presse mit erdrückender Mehr- heit abgelehnt._ �enöerson über Irland. Arthur Henderso.n, welcher Mitglied einer Stüdienkom- Mission der englischen Arbeiterpartei war, die nach Irland ent- sandt worden ist. äußerte sich nach seiner.Rückkehr sehr pessi- nt i st i s ch über die hortige Lage. Er erklärte, die Sinn-Feiaer würden erst befriedigt sein, wenn Irland eine Republik sein werde. Sie hätten jetzt jedes. Vertrauen zu' England verloren. Jüngst hätten sie noch einen Führer der Sinii-Feiner-Bewegung zum B ü r g e r m e i st e r von Dublin gewählt. Die einzige Lösung des Problems sei, das SelbstbestimmungSrech: dem irischen Volk zu gewähren, wie eS die Arbeiterpartei stets ver- langt habe. Er meinte zum Schluß, daß dies wahrscheinlich die Aufgabe einer aus den Reihen der Arbeiterpartei hervorgetretenen Regierung sein werde. Wirtschaft. „Und die Industrie kauft!" Wir veröffentlichten am 21. Fannar unter obiger Spitzytarke einen Aufsatz des Direktors van den Kerkhojs ans der .Deutschen Berg werks-ZeltuitgS', Werl er zeigte, in welcheii! riesigen Umfang das Industriekapital kor- r u m p i e r t. Der Verfasser entgegnet in Nr. 30 der„Deutschen Bergwerks-Zeitung", bezeichnet unsere kritischen Ausführungen als . Verlege 11 heitsphrasen" und zeigt, daß für ihn sozialistische, d. h. genitinwirtschastliche Wirtsckaslsaufsassung »ur., Gleich nt scheret" bedeutet. Wir können Wirtschafts- stihrer mit solcher mangelhaften wirtschastspolituchen und Wirt- Ichaslswtssenickaültchen Bildung wirklich nur mit Mitleid betrachten. Auf seine Ausführungen werden>vir noch eingebend zurückkommen, obgleich sie inbaUlich es nicht verdienen. Kcrlhoff tsl aber ein W i r t s ck a s t S s ü b r e r. der Ar.beiter beschä'tigl, und mit dkiem müssen wir uns auseinandersetzen. Heule sendet uns der Bealislrägle des Reichskohlenkommissars einige Ausführungen, die wir Herrn Kerckhoff nicht vorenthalten wollen; „Herr Direktor v. d. Ke rkh o kf hat behauptet, daß die Menge der gestohlenen und geschobenen Kohlen größer sei, als die aui ordnungsmäßigem Wege gelieferte, und hierbei Ivohl lpetiell den Zechen l a n d a b> a tz im Auge. Es ist das eine l'ebr ftai ke U e b e r» treibung. Für irgendwelche Dtebstähle die amtlichen Verteilungs- stellen verantwortlich zu machen, dürfte doch wohl zu weit gehen. Im übrigen bin ich der Ansicht, daß an der unliebsamen Ennvick- lima des S Ä i e b e r l il in s in Landavi'atzkohlen die Jnviistrie selbst den Haiipttril der Schuld trägt. Der Kohlenkomutissar hat im Herbst vougen Jahres unter Zuziehung Sachverständiger ans ollen Kreisen durch eine scharfe Verfüguiig, die den Ortskoblenitellen und besonders den Zechen viele Unbequemlichkeiicn und Mehrarbeilen verursachl, Ordnimg in dieie Dinge zu bringen gesucht. Dadurch aber, daß Industriebetriebe aus. größtenteils selbjtsnchtigen Gründen die wilden Brennstoffe kaufen und dafür jeden Preis zahlen, sogar(wie man vielfach hören muß und Herr v. d. Kerkboff selbst ausgeführt hat) die Fiihiw-rke auf den Zufahrtsstraßen anhalten lassen und durch ständige Ucbcrbietungcn die Presse immer mehr in die Höhe treibe,!, dann die ordnungsmäßige und gesetzlich vorge- schrieben« Meldung dieser Mengen unle'rtassen, die Quellen mit Fleiß verheimlichen, schaffen fie selbst den starten Aitzeiz und den Grund sür das Ueberhandnehmen dieses Schiebertums. Kommt GewsMWsbMBUKg Generalversammlung der Holzarbeiter. In der am DienZtag abstehaltenen außerordentlichen General» Versammlung der Zahlstelle Berlin de? Holzarbeiterverdandeö ge- dachte der Vorsitzende Siegle der Opfer der Demonstration am lS. Januar, unter denen sich auch einige Vcrbandsmitglieder be- finden. Einen ehrenden Nachruf widmete er dem verstorbenen Ver. bandSvorsitzeudcn N e u m a n n. Ucber die durch die kürzlich gefällten Schiedssprüche ge- schaffene Situation teilte Siegle mit. daß nach dem die Lohn- frage betreffenden Schiedsspruch jedem Kollegen eine Zulage von 1 M. für die St u n d e zusteht. Die Unternehmer haben sich aber auf den Standpunkt gestellt, daß die un Dezember und Januar»airährien Zulagen auf die Zulage von 1 M. angerechnet werden sollen. Das-st jedoch nach Meinung der Arbeiter nicht zu- lässig. Sie halten die Anrechnung der im Januar bezahlten Zu- lag« für diskutabel, aber nicht die Anrcchnuna der De�emberzulag«. Auk Antrag der Ortsvcrnmltung wurde beschlossen, in allen Be- trieben, wo seit dem 3. Januar kcin« Zulasse oder weniger als 1 M. gewahrt wurde, soll unverzüglich 1 M. gefordert und bei Ab- lehnung der Forderung das weitere durch die Werkstattsitzung im Einvernehmen mit der Ortivenoaltung beschlossen werden. lieber die gegenwäriig schwebenden B r a n ch e n st r e i k S teilte Siegle mit. daß sich 4I1-l Mitalteder im Streik befinden, und zwar 2318 Klavier» und Mechanikarbeiter, 414 Karosseriearbeiter ifelt dem 22. Januar), 450 Kistenmacher(seit dem 30. Januar). 594 Kamm» und Aacirschviuckarbeiter(seit dem 20. Januar), 139 Sargtischler. 70 Bodenleger. Beschlossen wurde, zur Unterstützung der Streikenden einen obligatorischen Ertrabeitraa zu erheben, der m i n d e- st e n? 1 ziß wöchentlich betragen soll. E-i wird erwartet, daß! d-e Kollegen, die es irgend können, höhere Extrabeiträge leisten.| Ferner wurde beschlossen, daß die Steik.-.nden zu ihren jetzigen l Unterstützungssätzen eine vom 1. Januar rückwirkend zu gktnöhrende Zulage von 80 M. für männliche, 20 M. für tveibliche, 15 M. für jugendliche Mitglieder erhalten. Den Angestellten der Ortsverwaltung wurde eine monatliche Teuerungszulage von LW M. bewilligt, was der Teuerungszulage der Holzarbeiter von 1 M. vro Stunde entspricht. Die Versammlung nahm Stellung zum außerordent- ! i ch e n V e r b a n d s t a ss, der am 25. April in Berlin zusammen- tritt. Er bat sich in der.Hauptsache mit der Erhöhung der Bei- träge und UntrrstützimgSkätze zu beWhästWn, die mit Rücksicht auf die geaenwärtiaen Verhältnisse notwendig ist. Radau brachte einen Antrag zum BerbandZtag ein. der besagt, daß die �Arbeits- lasen- und Krankenunterstützung abgeschafft und die Taktik de* Verbände? nur auf die K a m v f o r ga n i sn t i o n eingestellt werden soll.— Der Antrag wurde nach kurzer Diskussion a b- gelohnt.— Angenommen wurde ein Antrag, der verlangt, daß das Statut dahin geändert werde, daß auch zu außerordentlichen Bttb-nndswaen die Delegierten neu gewählt wwden. An Stelle von zwei zurückgetretenen Beisitzern im Hauptvor» stand wurden S c m f e und Weil ch und als Angestellter der Ort?. Verwaltung WilmS gewählt. Für den Vosten eines»weiten An« gestellten machte sich eine Stichwahl nötig, deren Ergebnis bei Schluß der Versammlung noch nicht festgestellt war. Der Streik der Wfchercikapityne. AuS Hamburg wird uns gedrahtet: Da der Streik der Hoch» seesischereikapitän« und Steuerleute durch Hineintragen kommunistischer Agitation des Seemansbundcs drohte, die Versorgung gründlich zu gefährden, veröffentlicht der Garnison» älteste in Hamburg«ine Verfügung, wonach die Hochfeefischerei- betriebe als lebenswichtig im S'nne de» Gesetzes über den Ausnahmezustand zu betrachten sind. Dar Streik kann damit als erledizt angesehen werden. GeneralvsLsKktt»nlLng der �asirikarbeite?. Der Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands, Zahlstelle Groß- Berlin, hielt am Sonniag, den 8. Februar, seine Generalveriamm» lung ab. Dem Geschäftsbericht, den der 1. Bevollmächtigte W. Ret- mann gab. ist zu entnehmen, daß die Hoffnungen, daß die Wirt- schaftlichen Verhältnisse für die Arheiter sich günstiger gestalten würden, leider nicht erfüllt worden sind. Die andauernde Preis- steige rung für alle notwendigen Bedarfsartikel bedinge neue Lohn- fovderungen der Arbeiter, die, wenn der Vertrag kaum abgeschlossen ist, schon wieder durch die Teuerung überholt seien. Schwierigkeiten entstanden bei der Ausgleichsforderung für die AblieferiingZprämien für Brotgetreide und Kartoffeln. Während ein Teil der Unter- nehmer der Forderung der Gewerkschaftskommission eine wöchent» liche Lohnerhöhung von 25 Mk. zu gewähren Rechnung trug, zum Teil sogar weit darüber hinausging, macküe ein größerer Teil durchaus u n gc n ü g en de Zugeständnisse. So brit der Arbeitgeberver- band für die chemische Industrie seinen Mitgliedern empfohlen, den über 20 Jahre alten Arbeitern eine wöchentliche Teuerungszulage von 6 Mk., unter 20 Jahre alten 1 Alk., außerdem iür die Ehe- srau und für jede? nicht gewerblich tätige Kind 3 Mk. zu zahlen. Dieses Angebot ist ohne Mitwirkung der Organisation der Ar- heiter zustande' gekommen und die Arbeiterschaft hat mit über- großer Mehrheit unter Ablehnung des Angebots eine Erhöhung des Tariflohnes um 50 Prozent gefordert. Hier scheine der Kampf, da es um die nackte Existenz der Arbeiter geh«, unausbleiblich. Aehnlich liegen die Dinge in der künstlichen Blumen- und Federnindustrie. Hier haben die Unternehnier nur 7,50 M. zu- gestanden, und dann auch noch otine die verlangte Rückwirkung vom 1. Januar 1920. Ei muß unter allen Umständen gefordert werden, daß Regierung und Unternehmertum, sollen schwere Wirt- schastliiche Kämpfe vermieden werden, den berechtigten Forderungen der Arbeiter Rechnung tragen. Fast für das gesamte Agitationsgebiet sind im letzten Onartal, zum Teil nach sehr langwierigen Verhandlungen, Lohnabkom- men getätigt worden. So für die chemische Industrie, für die Gummiindustrie. Papier und Pappen, Industrie der Steine und Erden usw. Bei der Eigenart des Agitationsgebietes waren viele Einzelbewcgungcn zu führen. ES sei ein Zeichen des guten Willens der Arbeiterschaft, daß dieS fast immer ohne größere Arbeitscin- stcllung möglich gewesen sei. Wenn nicht immer allen Wünschen Rechnung getragen werden konnte, dann lag es daran, daß die Verhältnisse stärker waren als wir. Auch an unsere Kollegen muß die Mahnung ans mehr Mitarbeit und Aufklärung unter der Arbeiterschaft gerichtet werden. Phrasen haben wir im letzten Jahr genug gehört, scßt heißt cz arbeiten im Dienste der Arbeiterbewegung. In diesem Sinne sei auch zu den kommen- den Betriobsratswahlen zu rüsten und hier nur nach dem Grund- satz'u verfahren, der rechte Mann an den rechten Platz. Eni- sprechend der Resolution der erweiterten Varftändekonferenz habe die Berivoltnng den Kampf geaen das Zustandekommen des Be- tricbkrätegesetzes geführt! setzt beißt cZ sich Ritt dem Gesetz abfinden und eS voll auszunutzen. Die Diskussionsredner erklärten sich mit der Tätigkeit der Orts- Verwaltung einverstanden, übten jedoch scharfe Kritik an dem Auf- treten de» Kollegen U r i ch vom Mctallarbeitervcrband anläßlich einer Funktionärverfammlung in der chemischen Industrie. Hier müsse gesagt werden: Kehre jeder vor seiner Tür. Der Antrag. Rüdersdorf als Bezirk von Berlin loszulösen und den Hauptvorstaud zu ersuchen, dort eine selbständige Zahlstelle zu errichien, fand einstimmige Annahme. Ebenso eine Resolution des Bezirk? Norden, die die Unterzeichnung de? Aufrufs in der„Frei- heit" zur Demonstration gegen das BeiriebSräteaesetz gutheißt. Der Kassenbericht lag gedruckt vor und wurde«instim- mig genehmigt. Da die kommende Zeit hohe Anforderungen an die Lokalkasse stellen wird, wurde beschlossen, für die Monat- Ja- nuar, Februar und März«inen Extrabeitrag in Höbe je eineZ Wochenbeitragcs zu erheben.—'Ausgeschlossen wurde daS Mitglied Bruch(Tegel) wegen Strcikbruchs. Einstimmig gutgeheißen wurde die Maßnahme des Hauptvor» standes, die Beiträge vom 1.?lpr>l 1020 ab um 35, 30 und 20 Pf. wöchentlich, und dafür die Streiluntcrstützung ab 1. März 1020 um das Doppelte des jetzigen Satzes zu erhöhen. Bedauert wurde, daß diese Maßnahme nicht längst vorgenommen wurde, da Verdienst und Beitrag heute niÄt mehr im gleichen Verhältnis stehen wie früher. Als unbesoldete Bevlvaltungsmitglieder Wulften wieder- reim neugewählt die Kollogen Pohl, Prinzk«, R. bitz, Wurst und die Kolleginnen Röder und � Gewerkschaftsvat wurden delegiert: Karl Schulz, H. Buchholz, W. Baer, R. Albrecht und O. Breukreutz. Reimaiui, Vetter, Kä- Frau Kolbe. In den 4Z tt'K» M. Loh» nachgezahlt! Vor der Berliner SchlichtungZkommission für Militärschnei- derei wurde Anfang Mai 1010 mit dem Schneidermeister Damm ein Veroleich abgeschlossen, Ivor.ach d'rselbe sich verpflichtete, ein- schließlich bereits gezahlter 3000 M. insgesamt den Betrag von 45 000 M. zu wenig gez. rhu er Löhne nachzuzahlen. Da er viesen Vergleich nicht erfüllte, so erhob Kunze vom Schneiderveröatid für die beteiligten Arbeiter Silage beim Landgericht. Hier wurde Damm zur Zahlung renirieilt, seine Berufung beim Kammer- gench: wurde zurückgewiesen. Gegen daS Urteil des Kammergerichts legte Damm Revisionsklaze beim Reichsgericht ein._ Das Reichs» gerickü hat die Revision als unbegründet verworfen. Da das Urteil des Landgerichts gegen Hinterlegung für voll- streckbar ertiärt ivnrdc,'o hinterlegte der Verband der Süneider den verlangten Betrag. Hierauf zahlte Tamm den Gesamtbetrag. Nachdem da? Urteil des Reichsgerichts vorlag, zahlte die Schlick»- tungskommiffion vor einigen Tagen den Klägern, 88 an der Zahl, das Geld aus. Vor der Auszahlung teilt« Kunze mit, daß die Schlichtungs- komm-ssion an Hand der von ihr getroffenen Feststellungen die Verteilung vorgenommen habe. Mii dieser Auszahlung sei alles erledigt. Weitere Ansprüche könnten von keiner Seite geltend ge» macht werden. Für diejenigen, welche Zweifel in die Rechtmäßig- keit der Enkscheidimgen der Schlich tungSkoinmiisi an gesetzt haben, möchte er betonen, daß durch die Urteile der ordentlichen Gerichte, wie in diesem Falle deS Land-, Kammer, und Reichsgerichts, diese Einwendungen als unbegründet dargetnn seien. Die Tätigkeit der Schlichtungskominission sei von dem höchsten deutschen Gericht als richtig anerkannt worden. Soweit die Kläger ihr Geld vom Geiverbegericht am Tage der Auszahlung nicht abgeholt haben, können sie sich dasselbe gegen Vorzeigen einer ausreichenden Legitimation in der Zeit von 8 Uhr früh bis mittags 1 Uhr beim Verband der Schneider, Sebastian» straße 37/38, abholen.'_ Deutscher DranSportarbeitervrrband. Hansdüner, Packer, sugend- liche Arbeiter aller Kriwpen, Bavier-EngroZ. Branche, graph. Gewerbe. Buchhandel und PavierinduslriebeUiebe! Donnerslag. den 12. Februar, abends 6 Uhr vüuItUch. Branchcnverlanimlunz im Kövigiladtkasino. Host- m-rkislr. 72. Tagesordnung: Jahresbericht. Neuwahlen der Branchen- leitung. Wahl eines Delegierten zur Haiideishils» arbeiterlonserenz. pa<9 alkt Welt. Handzranatene.rplcsson. Nach ZeitungSmeldungen ereignete sich Dienstag abend auf dem Bahnhof Dirschau, wo der I1-Zvg 4 stand, aus unbekannter Ursache eine Handgranaten�explo» s i o n. Es entstand ein helles Feuer, das sich- mit großer Schnellig. keit ausdehnte, aber bald gelöscht werden konnte. Der Reisenden bemächtigte sich eine Panik. Vier Personen sollen verletzt war» den sein- Ein Eisenbahnunfall. Zwischen Rheda und Neustadt sind DienS» tag nacht zwei leerfahrende Maschinen zusammen» gestoßen. Tie Ursache ist nicht bekannt. Die eingleisige Strecke ist jetzt bereits wieder befahrbar. Von dem Lokomotivper» s o n a l sind drei schwer und einer leicht verletzt. Berainei. für den redRIWti. Stil: Attnt Ricklee,©latluttcrbuta: tür Slniriatn; Tb. Glocke, aerlln. Ccrlan: Vorwürta-Brrlaa Ä. m. b. s., Btrllir. Dr-.ui: Vor« würts-Bmbdrucktroi u. Bcrlaasanstalt Paul Ciuacr u. Co. Berlin. LlNdeallr. S. Ksssing 12 i. Kupfer JMS.SO. Kot- Kaair.-,atn5i»,s'«. K!ei7.itz1},{>eiiB!nbl8 05,-, We!,;jstetall b. 30,-, Aln:nl!>)at!;i]<3. per Kilo zahlt nur RotiproduKten-üroSliancl'p. BFGiößasrstJS/M- Mpl, 12S23. Kostenlose Abholung. Bitte tenau«ul iiinnmer zn»cnrenl Platin pro Gramni «'S' Metaltkontor Alte JalEobMroQo se,8 Telephon: Moritzplafz 12S58 _(iegrflndet 1003. 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