Nr.7S. 37. 3ot)rj. BeznqSprttS: Bier«! cI�vl l#/>0 JJ! L. monaH. IJO Ml. jtei in» San» aorcin« ahtdar. Polt- &tTOa iKonatltii 6JS0'Sit, erN. Ru- !iellunq»aedit!>r. Unter Rrenjtban» ffiz Demichland jnb Oeitetmtfe- Unqora S.75 Diu. rüt da» i;bngj Ausiand Ii— Mk. bei»äaltch e-nmal. �ultellunz !!.— M! � Kaluta-Avistilag. beitellungen neamen an vaaemarl. Holland, anremdurg. Schweden und die Schweis Singettaaen m die Poid> -eitanfl»• Breiilüt«. Der.Sertsarts* mit Oer Sonntag» beilegt.Boll n. Retr* endterat woche» tcglics imeimaL Sonntag» euunaL Telegramm-« drelle Jbejlalbcauitcat OerfUe". Abend Ansgabe. Verlinev Volksblatt (isptsnnig) Ilnzet'aenprei»: D!e»chtgeipallent ÄonvareMeHeN» !»Neii— M., Teuerungozulchlag »Steine Anzeigen-, das en» gedriiat« Wort 75 Big.(zulässig zwei tengedrucktt Wortes, itde» weiter« Won 50 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenanzetgtit oao etfle Wort <5 Psz. leöet weitere Wort 40 Bfg. Worte Uber 15 Buchstaben zählen tiir zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%. Familien• Anzeigen, volitilche und gewertlchastltche Berein»- An>e>gen Z.— Ml. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen sllr die u ä ch st e Plummer «tlssen bt«» Ahr nachmittag» t» Kauolgelchäli. Berlin SW W. Linden- skahe 8, abgegeben werden.®eöffnet vou 9 Uhr iiiU) di» 5 Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemokratlfcben partel Deutfchlanda Neöaktion and Expedition: SV. 6$, tindenstr. 3. ikerutvrrcher: Ami Moriuvlau, Nr. RaiOO— lSIV?. Donnerstag, de» 1Ä. Februar vorwärts'verlag S.m.d. h., SW. PS, Linden str. 3. �rrnwrcchrr: Amt Moriuplan. Nr. lI7SS— S4. Kohlen/rage und Räumuugs- stiften. Der französische Ministarpräsident Milserand hat in seiner Note vom 8. Februar erllärt. daß Deutschland seinen Pflichten hinsichtlich der K o h l e n l i e f e r.u n g nickt nach- gekommen sei, und daraus leitet er sein Recht her, mit einer zeitlichen Ausdehnung der Besetzung und mit weiteren Zwangsmaßnahmen zu drohen. In seiner Note ist mit keinem Wort von den alliierten und asioziierten Regie- rungen und vom Wiedergutmachungsausschuß die Rede, son- dern die ganze Angelegenheit wird so behandelt, als ob sie nur zwischen Frankreich und Deutschland allein zu erledigen wäre. Es kann gar nicht entschieden genug betont werden, daß die Stellungnahme der französischen Regierung rechtlich un- haltbar ist. Das Recht der Besetzung wird nicht von Frank- reich, sondern von den alliierten und assoziierten Mächten ausgeübt. Ob die Dauer der Besetzung auszu- dehnen oder abzukürzen ist, und ob sonstige Zwangsmittel gegen Deutschland wegen Nichterfüllung des BertrageS an- zuwenden sind, hat nicht die französische Regierung, sondern der W i e d e r g u t m a ch u n g s a u s j ch u ß zu bestimmen. Im Rat der Alliierten und Assoziierten und in dessen Organ. dem Wiedergutmachungsausschuß, hat Frankreich eine ge- wichtige Stimme, es bildet ober nur den Teil eines Ganzen und dieser Teil ist nicht berechtigt, sich an die Stelle deS Gan- zen zu setzen. Die Lage Deutschlands ist schlimm genug, da der dauernde Druck der Entente auf ihm lastet. Daß aber jeder Teil der siegreichen Koalition mit Deutschland machen könnte, was ihm beliebt, wäre ein IkonsenS. Mit oemselben Recht wie Frankreich könnte morgen Italien, über- morgen Polen und überübermorgen die Tschechoslowakei kommen, um den Schuldschein zu präsentieren und Zwangs- Vollstreckungen vorzunehmen. Das ist nicht der Weg, den der Friedensvertrag vorsteht, und nicht der Weg zu einer neuen Ordnung zu kommen, sondern daraus müßte sich ein Rattenkönig von Konflikten ergeben zwischen den Alliierten und Teutschland und schließlich zwischen den Alliierten unter- einander. Frankreich ist nicht berechtigt, von sich aus zu erklären, daß die Räumnngsfristen noch nicht zu laufen begonnen hätten. Diese Erklärung widerspricht dem Friedensvertrag. Die Räumungssristen haben in der Minute zu laufen de- Jonnen, in der der Bertrag in Kraft trat. Die Räumung at nach Ablauf der Fristen zu erfolgen, falls bis dahin Teutschland seinen Berpflicktungen nachgekommen ist. Ob dies der Fall war oder nicht, hat nicht Frankreich, sondern der Wiedergiitmächungsaiisschuß zu entscheiden. An diesem Standpunkt muß festgehalten werden, wenn wir nicht dulden wollen, daß wir in vertragswidriger Weise auch noch deS ollerletzten Rostes unserer Rechte beraubt werden._ Sammelpolitik in Nußlanü! In mtserer hetrtigen Morgenausgabe haben wir entv«ufruf zur flentrfmS unserer Leser gebracht, der die Ttimtnung mancher Zlrstse Rußlands kenngeiibnet und daher als Symptom be- achtenswert ist. Ueberflüssig zu sagen, daß sich durch di« Ber- öffentlichung solcher Verzweiflungsrufe aus dem ösflichen Chao» di« Rsdcrktion in ihrer eigenen Stellungnahm« nicht bindet. Di« dar deutschen Soziardemakrati« ungefähr entsprechenden politischen Richtungen Rußlands bestimmen ihre Politik selbst, und soweit wir unterrichtet sind, glauben wir nicht, daß sie für eine Patiefl zu haben sind, die sich in den Richtlinien jenes Aufrufs bewegt. Das russische Problem ist unendlich nerwickelt. und nachdem dar Plan, den Bolschewismus von außen ber militärisch zu über- winden, nach Verdienst gescheitert ist. ist die Frag« seiner inneren Ueberwindung brennender geworden denn je. Aber der Anti- bolschewismus ist an sich noch kein Programm, man muß wissen. woö man an seine Stelle sehen will, und so gehen unter den anti- bolschewistischen Parteien die Meinungen über Ziel und Methoden sehr weit auseinander. Aus keinen Fall werden sozialdemokratische oder überhaupt irgendwie freiheittich gerichtete Parteien eine Entwicklung begünstigen wollen, die in Rußland an Stell« deS roten Terrors den weihen seht und die russischen Zustände in un« garische verwandelt. Di« deutsche Sozialdemokratie wünscht in allen Ländern drn Fortschritt eine» methodisch aufbauenden, da« Bolkswobt fördernden praktischen Sozialismus auf dem Boden demolrati scher Staatseinrichtungen und glaubt sich in dsese« Wunsche mit den nicbtbolschewiftischen Sozialisten Rußland« ein». Wte der Weg zu diesem Ziei zu finden ist. muß dem Urteck der russischen Genossen überlassen bleiben, Der vormarW üer öolschewsften. Bericht deS englischen ssriegsministerium» vom 8. 2. über die Lage in Südrußland. Die roten Truppen haben ihren Bor» marsch in der Richtung de» Dnjestr fortgesetzt. Die balsche-, wtstischen Streitkräfte» die durch die Meerenge» dies Krim eingedrungen waren, find nach ihrem Ausgangspunkt zurück- geschlagen worden. Di« bolschewistischen Versuche, neuerdings den Don zu überschreiten, wurden zunichte gemacht. Di« roten Truppen erlitten schwere Verluste. Eine Abteilung konnte immerhin daS Asowsch« Meer durchqueren und sich an dem südlichen Ufer festsetzen. Westlich des Kaspischen Meere» schlugen Truppen Denikias den Feind weiter zurück. > Gegen Deutschlands Vergewaltigung. Der österreichischen FriedcnSgcsellschaft wurde ein Aufruf über- reicht, der von dem.Bund für Weltfreundschast" in Lon- Von erlassen wurde und der die Unterschrrften bedeutender Person- lich leiten, nomhafter Autoren, Politiker, Universitätsrektoren und Arbeiterführer trägt. Der Ueberbringcr tzomS sprach bei der Ueberreichung die besten Wünsche au», daß die Qualen de» deutschen und de» österreichischen Polles bald beendet sein möchten. In dem »Aufruf an die Mitarbeiter und Bruder im Leib' heißt es».<*.: Wir wünschen mit Ihnen in eine bessere Welt einzutreten. Des- halb bedauern wir diesen Frieden der Gewalt, den daS Gewissen der Welt verdammt. Wir ver- sprechen dafür zu arbeiten, daß dieser Frieden durch etn« Ucberein- tunft ersetzt werde, die die Grundsätze der Selbstverwaltung und der Gerechtigkeit enchäsi. « M i l l« r a n d, Marschall Foch� Marsal und Berthelot find in London eingetroffen. AwistbenfaU in Flensburg. Un» wird berichtet: Aus dem Hotel..Flensburger Hofin Flensburg. in dem die interalliierte Koinmlssion ihren Sitz hat, waren entsprechend der Nationalität der Kommissions- Mitglieder, die Flaggen Englands. Frankreichs, Norwegens und Schwedens gehißt. In der letzten Nacht sind von un- bekannter Hand die Flaggen Englands und Frank- reichsentfernt und durch diedeutscheundschles- wig-holsteinische ersetzt worden. Der Vorgang ist außerordentlich bedauerlich und nicht geeignet, die Stellung de» Deutschtums gegenüber der interalliierten Kommission zu stärken._ Strafmaßnahmen in Oppeln. Infolge der Zwischenfälle beim Einzug der Alliierten ist von den Berwattungsbchörden in Oppeln jede öffentliche Ver- sammlung untersagt wovden. Politische Plakat« müssen den AbstimmungSbehörden zur Genehmigung vorgelegt werden. Jede Person, die sich einer Beleidigung der alliierten Vertreter schuldig macht, wird von einem auS Vertretern der Alliierten ge- bUbeten Gericht zur Verantwortung gezogen werde». Cnöe ües Solinger fiusstanöes. Der Ausstand in Sosingen geht seinem Ende entgegen. ES wird zwisclien Arbeitgebern und Arbeitnehmern verhandelt. Vertreter der Regierung und des GewerberatS sind Mittwoch nach Solingen gefahren und haben dort mit den Vertretern der Arbeit- gcber und Arbeitnehmer Rücksvrache genommen. Es besteht AuS- siebt, daß eine E'niguno der Parteien im Laufe der nächsten Tage erzielt werden kann. Die Arbeitnehmer haben erklärt, daß sie vor- läufig die Rotstandsarbeiten ausfuhren werden. Weitere Schließung von Eisenbahn- Werkstätten. Di« Sisenbahndirektion Altona teilt mit: Wegen N n w i r t« s ch a f t l i ch k e i t deS Betriebes flt die Eisenbahnhauptwerk- statte Harburg an der Elb« am 12 Februar morgen» geschlossen worden. Sic wird demnächst unter Arbeitsbedingungen wieder er- öffnet, welche die Wirtschaitlichkeii des Betriebes und erhöhte Ar- beitSergelmisse ermöglichen. Aufgenommen werden, bei erheblicher Einschränkung der Belegschaft, nur solche Arbeiter, di« sich zu der mit den Gewerkschaften bei den gegenwärtigen T a r i f v e r- Handlungen vereinbarlrn Arbeit im Gedinge und zu einer täg- lichen Arbeitszeit von vollen acht Stunden verpflichten. Stichwahlen in Ungarn. Am Montag fände« die Stichwahlen für die ungarische RaSianulversammlung statt. Die Partei der kleinen Landwirte »ersilgt fld.-r 79 Mandate,«ätirrnd die Zahl der Abgeirdnetrn de» christlichen vlacke« bestenfalls 7S betragen wird. Dir Frage der ftS«tg»»ahl dürfte erst im S$matt zur DiSkussio» ge. lauge». Au Nußlanös Jrleöensangebot. Da» Ministerium des Aeutzera in Warschan teilt mit: «m 4. Februar wurde an den vallskommissar für auswärtige Angelegeuhrite« in MaSkau, Tschitscherlu, folgende De» des che gesandt: Die Regierung der polnische« Republik bestätigt den Empfang der radiotelegraphischen Teklaratiau der russische« Sowjet- r e p« b l i k vom 29. Januar 1920. Die Deklaration wird genau untersucht und sodann der Regierung SowjetruhlandS die Antwort erteilt werden. VtauiSlau» v« t» k, Minister de« Aeutzera.| die öeamten im Parteikampf. von MaxGronefeld. Vor mir liegt ein Stoß Zeitungsausschnitte, die sich mit der Beonitenfrage befassen und ein getreues Abbild davon geben, wie die rechtsstehenden Parteien bestrebt sind,' die Beamtenschaft mit allen erdenklichen Mitteln auf ihre Seite zu ziehen. Während sich ein Teil darauf beschränkt, die in der sozialdemokratischen Presse behandelten Beamtenfragen auf seine Weise zu glossieren, bringt der andere auch wirklich � einmal eigene Gedanken, und da ist es ergötzlich zu sehen j mit welcher Kraft und Ueberzeugungstreue die Deutschnatio- � nalen und Bolksparteiler sich als Hüter der Beamtenrechte und Forderungen auswerfen, von denen sie vor dem 9. November 1918 aber auch nicht da? Geringste gewußt haben. Es ist lelbstverständlich, daß gerade diese Parteien die wirtschaftlichen Forderungen der Beamtenschaft in den Vor- dergrund ibreu Erörterungen stellen. Den Bestrebungen der Beomtenverbande. die vor dem 9. November nur unmiin- dige Kinder waren, und deren bescheidene Forderungen sie als die Stützen des alten Systems zu vertreten hatten, haben sie ja nie Verständnis entgegengebracht. Um so mehr kann man sich heute nicht genug tun in der Aufstellung wirt- schaftlicher Forderungen, da man ja jeder Verantwortung bar ist und nur das eine im Auge hat, die vielen verlorenen Schäfchen wieder einzufangen. So stellt eines TageS der BeamtenauZschuß der Deutsch- ! nationalen Volkspartei mit Entrüstung fest, daß die organi- i sierte Beamtenschaft bei Festsetzung der Erhöhung der Teuerungszulage übergangen wurde, und fordert für die Beamtenschaft eine Erhöhung um mindestens 300 Prozent. Tic Teutschnationalcn haben immer aus der Tic- des Batcrlondes Kapital geschlagen. Während der Deutsch'' Beamtenbund als die wirtschafiliche Interessenvertretung dec deutschen Beamtenschaft eine Erhöhung von 150 Proz. als Forderung aufstellte, glaubten die Deutschnaticmalen das Toppelte verlangen und im Parlament vertreten zu müssen. ohne Rücksicht darauf, daß hieraus dem Staate Milliarden Mehrkosten erwachsen, die man früher Wohl für den Milst tarismuS, aber nicht für die Beamtenschaft übrig hatte. Zweifellos war es Kurzsichtigkeit der verantwortlichen Stellen, den Beamtenbund in der entscheidenden Frage zu übergeben: daß sich aber die D e u t s ch n a t i o n a l e n darüber entrüsten, ist denkenden Beamten unverständlich. Ist den Deutschnationalen und Volksparteilern nicht der Kamps bekannt, den der V e r b a n d m i t t l e r e r R e i ch s- P o st- und Telegraphenbeamten, einer der ältesten und fortschrittlichsten Beamtenverbände, gerade in diesem Punkte unter der Herrschaft Stephans und Podbiclskis mit seiner Verwaltung führen mußte? Unter Aufopferung seiner füh- renden Mitglieder mußte sich dieser Verband dem Willen der Verwaltung fügen, und die Forderung der wirtschaftlichen Interessenvertretung seiner Mitglieder in den Satzungen streichen. Gerade die deutjchnabionalen Gesinnungsschnüff' ler waren es damals, die die organisierten Beamten schweifwedelnd bei den Vorgesetzten in Mißkredit zu bringen such- ten und die G e w e r k s cha f t ß b e w e g u n g in der Beam tenschast auf daS schwerste gefährdeten. Waren es nicht di. Deuticknotionalen, die Stützen des alten Systems, die die Beamten während des einjährigen Krieges verkommen ließen und doch von ihnen die schwersten Opfer verlangten.' Innerhalb der Beamtenschaft gehörte es nie zum guten Ton. sich m i t P o l i t i k zu befassen: für die nachgeordneten Beamten war die Meinung der Vorgesetzten maßgebend. Es spielte dabei auch die Angst mit. daß ein sich politisch betäti- gender Beamter Anstoß erregen könnte, und dann unter den Schikanen seiner Vorgesetzten zu leiden haben würde. Fast unfaßbar ist es den rechtsstehenden Parteien, daß es auch einen großen Teil Beamte gibt, die sich der Sozia! demokratie angeschlossen haben und gewillt sind, ihre Kraft in den Dienst der Partei zu stellen. Ansnabms los stehen diese als„Novembersozialisten" in Verruf, obwohl eS jedem Einsichtigen klar sein muß. daß eine solche politische Betätigung früher einfach unmöglich war. Man nimmt an, daß es vor dem 9. November keine sozialistischen Beamten geben durfte, und konstruiert hieraus einen plötzlichen Gesinnungswechsel zur Ausnutzung der Konjunktur. Festzustellen, wie weit dieses zutrifft, dürfte wohl Sache der Partei sein, die sich ihre Mitarbeiter genau ansieht. Wenn ober der Abgeordnete D e l i u s in seinem Artikel „TaS politische Erwachen ber Beamtenschaft" behauptet, die Beamten hätten von der Sozialdemokratie nichts zu er- warten, da sie ihrem Wesen nach dem Beamtentum entgegen- gesetzt sei. und für die Sonderart der Beamten kein Ver- ständnis tzpben kann, so muß dem doch entschieden entgegen getreten werden. Die Totsachen beweisen, daß gerade die Soziakdemo- kratie vor und seit dem 9. November sehr viel für di« Beamtenschaft getan hat. Die wohlerworbenen Rechte sind in der Verfassung verankert und bestätigt. Es ist damit miSbrudTiä) g?sa dienst der Sozialdemokratie ist. Den Beamtenver- bänden ist das weitgehendste Recht eingeräumt, bei der Lösung aller Fragen, welche die Gesamtheit der Mitglieder betreffen, mitzuwirken. Ercke jahrzehntelange' Forderung der Beamtenschaft, die nach B e a m t e n a u s s ch ü s s e n, hat ihre Verwirklichung gefunden. Mit oller Kraft hat sich die Sozialdemokratie für die Beseitigung der geheimen Personalakten eingefetzt, und wenn diese heute noch nicht beseitigt sind, so ist es nur die Schuld der rechtsstehen- den Parteien und deren Anhang in Regierung und Venval- tung, die diese Maßnahme immer wieder zu verhindern wissen. Die Beamtenschaft ist aus ihrem erzwungenen politi- 'chen Schlaf erwacht. Ein kleiner Teil hat sich mit voller Kraft in das politische Getriebe gestürzt, um mitzuhelfen am Aufbau und an der Festigung der jungen Republik. Der größere Teil aber steht tastend imd vorsühlen'd abseits irnid kann 'ich nicht losmachen von den Eierschalen der Vergangenheit. Heute, wo die Sorge für das deutsche Volk fast allein auf den Schultern der Sozialdemokratie lastet, ist es außer- ordentlich schwer, einem Abseitsstehenden begreiflich zu machen, daß nur der� Sozialismus das Volk aus diesem Elend führen kann: denn immer neue Schwierigkeiten er- wachsen der Regierung aus der Erfüllung des Friedensver- träges und aus der bestehenden, Purch den Krieg verschul- wten wirtschaftlichen Not. Nicht die Regierung allein, son- bmt das gesamte Volk hat die Pflicht, bei der Ausge- staltung unseres Staatswesens zu Helsen. Das Vertrauen zur Regierung muß gefestigt werden, und da sind es an wster Stelle die Beaniten als Beauftragte des Volkes, die» ihre ganze Kraft in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen haben, um durch ihre Tätigkeit das Vertrauen zwischen Volk und Regierung zu festigen. Verlangt aber muß werden, daß die Gesetze und Verordnungen, die zum Wcstlls .vis Volkes erlassen werden, auch dem Geiste nach durchge- führt werden. Wer dagegen verstößt, macht sich eines Ver- �rauensbruchs schuldig und hat die Folgen zu tragen. Die Organisation der Beamtenschaft in der Partei, deren Kopf de.- Reichs-Beamtenbeirat ist, wird darüber wachen, daß den reaktionären Umtrieben in den Verwal- ungen ein Ziel gesetzt wird, und daß auch in diesen alten Brutstätten der Reaktion wahrer demokra- t i s ch e r Geist einzieht. Seemen unö Stuttgart zur MsUefenmgs- frage. Mt der Berliner Dagung des ParteianSschusse» und der Parteiredakteure beschäftigten sich die Vertrauens- rnänucr de? Sozi aldemo-krati scheu Vereins Bremen und faßten nach einem vom Genossen Dirndaurn gegebenen Bericht eine Ent- Schließung, worin sie sich gegen die Zeitungsverbote aus- sprechen und deren Aufhebung verlangen. In dem Vorgehen der Regierring auf wirtschaftlichem Gebiet, um eine höhere Leistungsfähigkeit, die allein Deu-ifchland vor dem ZufamMenbruch reiten kann, sehen die Versammelten eine notwendige Maßnahme. Verlangt muß jedoch werdcn, daß die Maßreglungen zurück- genommen werden, die besondors gegen Vertrauensleute der Gerverkschaften angoivngdt worden sind. Falls in der Aus» stie f ern n g s frage das weitgehende Angebot der ReichSregte- rung in ihrer Note vom LS. Januar von den Allsterten unter er- neutsr Bedrohung des SelbstbeftimmiungSrechtS der Nation zurück- gewiesen wird, fordert die Versammlung von ihren Vertretern in der Nationalversammlung und der Regierung die Wieder ttttwohmL Htm alten Forderung eines internationale» neutrale« GerichtS- ftofeS für die Kriegsschuldigen.' Auch die Groß-Stuttgarter Parteifun At onäre beschäf- Die unpolitW-christliche Liste. Eine Versammlung zur Vorbereitung d«r Wahlen für die Elternbeiräte. Thema: Die Aufgaben der Elternbeiräte. Der Redner: .WaS wir von den Elternbeiräten fordern uritffeu, das ist vor allem dies eine: daß sie mit aller Entschiedenheit für die Erhaltung de? Religionsunterrichts in der Schule eintreten.(Sehr richtig!) Hinter dieser Aufgabe treten alle die. anderen schönen Dinge, die da in der Verfügung genannt werden: Schulzucht, körperliche und geistig« Bildung, Wohlfahrtspflege und dergleichen als nebensächlich, ' ja als überflüssig zurück.(Bravol) Draußen in den letzten Häufern der Vorstadt., ehr kleines üehenfähriges Mädel... frierend hockt eS und hungrig vor dem (alten Ofen.. Bater und Mutter unterwegs, suchen Arbeit— die Fabrik wegen Kohlenmangels geschlossen. DaS Kein« Mädel, itternd. sinnt vor sich hin: In der Schulstube wär'S jetzt schön .norm— in der zweiten Pause gibt'S da eine warme Morgegsuppe. —„Wegen Krankheit," hat der Vater geschrieben, er will nicht Vetteln. Unwillkürlich irrt der Mick der Kleinen zu den Schuhen, die dort zerrissen in der Ecke stehen.... Wenn sie es barfuß ver- 'Uchte...? Aber nein, draußen liegt ja der Schnee... fröstelnd sieht sie die Beine dichter heran.... So muß sie schon hier fitzen md warten, bis--— Vater oder Mutter---- oder ein arckierer etwa? Der Redner:„SBenn es den Mierubelräkeu gelingt, unseren 'Hndern den Religionsunterricht in der Schule zu erhalten, so Taben sie ihre Aufgabe restlos erfüllt...."■* In der 4. Klasse der Gemeindeschule sitzt ei» hagerer, lang ansgeschossener Bengel. Gelangweilt malt er zum zehnten Male dieselbm Zeichen in sein Heft. Sein Sinn ist weit sott— er hat ,zs alles ja schon zum Ueberfluh und Ueberdrutz begriffen. Der tehrer siebt mitleidig auf ihn— aber er kann ihm nicht helfen. ..Freie Bahn"— durchzuckt eS ihn, ein bitteres Lächeln aus den Lippen. Freie Bahn! Ja, wenn daS Hindernis, das Hindernis nicht wäre! Er war ja vom Religionsunterricht auf Wunsch seiner Eltern befreit— in diesem Punkte ließen die Herreu und Damen vom Elternbeirat nicht mit sich spaßea. Der Redner:„Wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Schule und Elternhaus nicht vollends zerstört werden soll,»io muß die Sarteipolitik aus den Wahlen zu den Elternöeiräten�rundsätzlich -rusgeschalt et bleiben.(Bravo!) Wer es ernst meint mit unserer Schul«, mit unserer Jugend, der wählt die unpolitischchristliche Liste!"(Stürmischer Beifall.)■■■:,■ Eine Geschichtsstnnde.„Nicht Völkerversöhnung,«ei», Haß ?nd Rache müssen die einzigen Gedanke« fein, die dam deutschen ttgten sich mit der gleichen Maberte und«uhmeti ht einer gittbe- suchten Versammlung folgende Refolutton an. in der sie es als ihr« Auffassung erklären, daß eine andere Durchführung der Artikel 2L7 bis 230 des Friedensvertrages, als sie die Reichsregie- mug in ihrer Note vom LS. Januar der Entente vorgeschlagen hat, nicht in Frage kommen kann. Die schwere Krisis, die sämtliche am Krieg beteiligten Volker, vor allem die mitteleuropäi- schen Staaten, als Folge des verheerenden Krieges durchzumachen haben, kann nur überwunden werden, wenn jede Erschütte- rung des politischen Leben« vermieden wivd. Bei neuen Störungen der wirtschaftlichen und staatlichen.Entwicklung ist auf eine Gesundung und Befestigung der Verhältnisse nicht zu hoffen, was zur Folge hätte, daß auch die übrigen Anforderungen des Friedensvertrages nicht erfüllt werden könnten. Diese Er- schütterungen aber sind unausbleiblich und würden von den ver- hängnisvollsten Folgen begleitet fein, wenn die buchstabengetreu« ErWhing der Auslieferungsparagraphen durchgesetzt weiden wollte. Die"Versammlung spricht der deutschen Reichsregierung ihr Ver- trauen aus und richtet an sie die Aufforderung, an dem Angebot vom 2ö. Januar zur Wa h r ung der Selbstachtung des deutschen Volkes unbedingt feftzubalten. Ein Lakai der Entente. Während die„Freiheit" in objektiver Weife festgestellt hat, daß das AuSlieferuNgsverlangen der Entente ein Hohn auf jede Gerechtigkeit ist und daß auch der Schwerstangeschuldigt« An- spruch aus ein unparteiisches Gericht hat, gibt eö im Lande Unabhängige genug, die sich vor Bedientenhaftig- keit gegen den si»geStrunkenen Ententeimperia- l i S m u S gar nicht zu lassen wissen. Besonders ist diese Spezies vertreten unter den Unabhängigen im be fetzten linksrhei- nischen Gebiet. So erklärte der Führer der Krefelder Unabhängigen, der Stadtrat Theodor AlferS, i« mehreren Versammlungen über die Auslieferungsfrage: „daß die Forderung der Entente nur allzil berechtigt sei. Es sei nur Mache vo» der Regierung, daß die Auslieferung un. möglich fei« die Ehr« des Volkes werde dadurch nicht verletzt. ES seien doeb nur Menschem von minderer moralischer Qualität, und. je«her die!« Menschenschlächter und Massenmörder aus Deutschland verschwänden, um so besser sei es. Gewiß würden sich noch Arbeiter genug finden lassen, die diese Menschen faßten und auslieferten." DaS Hohnwort der Moskauer Bolschewisten vom'Mai vorigen Jahres, wonach die Taktik der Unabhängigen darin bestehe. die blutigen Stiefel der Gntentegruerale abzulecken, findet auch jetzt noch seine Bestätigung. Heraüe öarum... Der mwermeidliche Gustav Roethe, dre germanistische Zierde der Berliner Universität, der sich nach dem Kriege durch lautes Geschrei und während de» Krieges durch Helden- hafte Bewachimg des Potsdamer Bahnhofes auszeichnete. nimmt im„Bertiner Lokalanzeiger" endlich pinmal zu einer Frage Stellung, von der er etwas versteht— oder von der 'man dies wenigstens annehmen sollte: nämlich zu der Neu- ordmmg der Ne cht sch r e i b u n a. Wir haben zurzeit keinen Anlaß, auf die sachliche Seite der Frage einzugelvn, möchten nur die Art, in tu elcher der Herr Professor der„vor- ausfetzungslosen Wissenschaft" dient, kennzeichnen. Seine Sympathie für die großen- Anfangsbuchstaben begründet er nicht etwa mit irgendMlchen hl st ort schen oder germa- n i si i s ch e n Gesichtspunkten, sondern er äußert hierzu folgendes:;";v ■.DaS Leitmotiv der Reform scheint mir di« Vereinfachung zu sein. Mau will der Volksschule den ortho- graphischen Unterricht möglichst bequem machen. Zu diefsm Zwecke sollen zunächst die großen AlvfangSbuchstaben der Sub- stantiva fallen, die ja doch auch in der Schreibung der anderen. Sprachen nicht heroorgeihoben werden. Gerade daru« sollte« wir Deutschen diese» deutschen Brauch festhalten. Jungen beseelen, wenn e'c an die Geschichte seine« Volke«, an den Schmachfrieden von Versailles denkt. Der Tag der Vergeltung wird kommen,«ruß kommen, und schon jetzt soll euch ein Gefühl freudige« Stolzes durchrieseln, daß auch ihr dereinst.. Und der Tag kommt. Die Saat geht auf. Neuer Wahnsinn durchrast die Welt. Hunderttausende blühender junger Menschen liegen wieder zerschossen— zerfetzt. Hunderttaufende Mütter— aufschluchzend, aufjammernd, aufschreiend zu Hause..., Und die Mütter gehen und wählen die u icholiti sch-chr Miche Liste. L. Konzert-Umschau: Gchs, pfitzaer unö Solisten. Siegfried O it> s bescherte uns im HL Vereinskonzert deS Philharmonischen ChorS eine doppelte Freude, die dem Meister des ernstesten OryiorienstilS auch zwesiach angekreidet werden soll: er wiederholte Handels sroheS. in weicher Freundlichkeit der Melod.e schwelgendes Pastorol„AciS und Galathea"; und er brachte nach vielen Jabren wieder einmal die derb-humorige. lachend-festliche Geleoenheitskantate.Der zufrieden gestellte A e o l u S" von I. S. Bach heraus. ES ist da« eine mit mytho« logischen Figuren besetzte launige Tbeatergeschichie. Das ist eine bärmlose, aber musilaliich ungemein reizvolle Geburtstagsfeier. Die vollendetsten Kernstücke dieser Kantate sind: der stürmisch- jubelnde Einlenuugschor entfesselter Winde(von Ochsen? Scharen wundervoll bewäligt Vk die Lach-Arie des AeoluS(für den die massive, wuchtige Gestalt Fischer» und sein groß ausladender Baß eigen« geschaffen scheint) und ebenso die zweite, zartere, in der er die Winde zurückruft. Der leicht ge° wogene Stoff verführte Bach nickt zu einer Berniedlichung de« orchestralen Apparats;. im Gegenteil zeigen sich in der Begleitung der Reflationen und Arien sogar Stellen von ganz besonderem Kolorit der Instrumente. Bach und Händel lebten in ihren reinen, großen Humoren aui. Alle guten Geister waren in OckS lebendig. und da« übertrug sich auf den Riesenckor wie auf die Solisten. Ernst, Beschaulichkeit, sonnige Stille zog durch den Saal der Singakademie, als HanS P sitzner die Pastorale dirigierte. In dem Kampfbuch um eine neue Aestheiik. von dem noch zu reden sein wird. Hai Pfitzner eine Stimmungsanalyse des Werks gegeben. Er vermeidet die von ihm gerügte Oberflächlichkeit der Musikführer- weise, geht aber der Gefahr eine? zu persönlichen SvintisierenS nicht au« dem Wege. Der erste Satz bewies in dieser Jnter- pretation aber, daß Pfitzner ebenso fühlt, wie er denkt, daß das Wort ihm Ausdruck ist für EmpsindungSreiben. nicht Versteck vor Unbewußtem. Er verschleppte die Tempi für mein Geflihl so sebr. daß Beethovens Programm von den.heiteren" Empfindungen bei Ankunft auf dem Lände in eine fast phlegmatische Gemütlichkeit verwandelt wurde. Allegro kann auch nicht unter Palestrina-HSnden zu Sllegretto gemodelt werden. Sann aber der zweite Satz; man wird ihn Nicht oft verklärter, wärmer, poetischer gehör» haben. Welch ein Respekt vor der Achtelnote/ welche Ehrfurcht vor- der Phrase, welch ein prachtvolles Aufbauen. Berllmgenlafien. Hineinknien in das Melo«! Das nenne ich mir ein Musizieren l Leider wurde«um dieser Ladacht entrückt durch dt« Mitwirkung Gerud« �anrm? Dkefer Klekumädchenruf nimmt stch im Munt« eines fchnurrbartsttäubenden Professors reckt nietzlich aus� Abgesehen von der Feindseligkeit dem Volke gegenüber, vor dem man es allerdings als vornehmste Pflicht empfinden sollte, ihm die Erlernung seiner. Muttersprache so sebr wie möglich.zu e r l e i ch t e r n. ist für Gustav den Unbezwingbaren auch in dieser rein fach- lichen Frage der Nationalismus alles, die Sachlichkeit nichts. Lediglich aus Opposition uind aus lächerlicher Deutschtümelei also sollen die großen Anfangsbuchstaben bei- bebe Iren werden. Von diesem Gesichtspunkte aus können wir Herrn� Rosthe noch eine ganze Reihe weiterer Vorschläge zur Diskussion unterbreiten. Wie wäre es z. B., wenn wir, zum Unterschied von den anderen, sämtliche Buchstaben der Worte groß schrieben, oder wenn wir uns zur deutlichen Unterscheidung von den enropäischen Völkern der chtnesi- schen Lettern bedienten oder wenn— damit sich Deutsck- land durch das Fehlen seines Hauptnation alt si i s che n Schreier s_ vorteilhaft vor den imperialistischen Enten teländern abhebt— Herr Professor Roethe auf ein paar Jahre als A u s t a u s ch p r o f e s s o r zu den E s k i m a» übersiedelte?_ Der christliche lN5rüerfreunA. Vor einigen Tagen veröffentlichten wir ein Schreiben des Pastors eurer. G o r z e l an den Vater des Attentäters Ostwig von Hirschfeld. Daraufhin sendet uns dieser Herr. der sich außerdem noch„Mitglied beim Konzilium geistlicher Prälaten zu New Jork und Chicago" nennt, einen langen Aufsatz, den er„seinem lieben von Hirschfelb als Trost und Gruß in die Einsamkeit vonhoher deutscher Warte aus" zugesandt hat. Der Aufforderung des Herrn Gorzel, sein Werk im„Vorwärts" abzudrucken, können wir im Interesse unserer Leser nicht nachkommen Wir wollen aber nicht verschweigen, daß sich auf der ersten Seite folgende Sätze finden: Mso endlich, endlich hat sich ein deutscher Mann— nein, ein echter deutscher Junge ist'S gewesen— dazu g«. fanden, um dem ReichSverderber Crzberger einmal am eigenen Leibe Narzomachen, was daS deutfche Bslk ihm v-u Tag zu Tag wünscht. Seinen eigentlickun Zweck hat das Attentat leider bis zur Stunde verfehlt, und schon melden die Zeitunnen. daß Erz- öevger den Sitzungen im SteuerauSschnß beiwohnt. Dieser Mann hält sich für einen Jünger bei Jesus Christus von Nazareth, der gepredigt hat:„Liebet eure Feinde!"__ �Gehorsamste. Beim ReichSwirtschaftSger i cht exisifert folgende« ge. dvuckte Lkienformular{A. 29.) für die Wicdervorlegung"von Akten und Blattfammlungen: Regiffratn ran zeig«. Die Akten werden— Blatifammlung wird— auf die Verfügung vom ltz Blatt Nr. gehorsamst wieder vorgelegt. Berlin, de« 19 In dem richtigen GeküA, daß der Ausdruck.gehorsamst" für daS BeamtenverhAtnis in einer demokratischen Republik sich nicht mehr schicke, haben eine Anzahl GerichtSsckretäre b« Ausfüllung solcher Formulare das Wort.gehorsamst" durchgestrichen. Aber diese Frevler sollte bald die Rache ereilen. Der Präsident des ReichSwirtschaf�serichtS Lucas berief am 10. Februar den Bs. omtenanSschuß de» Gericht« zusammen und erklärte:»Die Be-- amten, die da« Wort gehorsamst bei der Wiedervorlogr-gestrichen haben, kommen bei der Uebernahme und Austelluag bei dem Reich? wirtschastszericht nicht In Frage." Also freie Bohn dem Kriecher. wm! Wir erinneen unS, daß seKst beim aktpreußl'sche» Mi- litär auf Urlaubsgesuchen usw. da« Wort gehorsamst" unter- sagt war. Will.Herr Präsident Luca« noch unter das Niveau dsS altprenßi schen Militarismus heruntergehen?! von Helene G linz! Die Dame hat Summe, sie ist auch technisch nicht schlecht beraten. Aber fie kämpft noch mit dem Material, mit dem Atem, mit der Koloratur, die doch nur in gönlickier Mühe- losigkeit ihren Reiz behält. Sie kam zu früh auf die Bretter, die ihr noch keine Welt bedeuten. Das kann man nun von Maria I V o g ü n, dem Münch-ner Star, gewiß nicht behaupten. Sie bat die faszimeiende Brillanz der Läufe, Passagen, Kunst'ertigkeiren, ihr Sopran trägt, schmeichelt, kost. Schuberts.Hirt auf dem Felsen" läßt st« fast so schön Echo trillern, wie e« die richtige Flöte Eßberger« vormacht. Zu Hugo Wolf scheint da« künstlerische Verhältnis der Sängerin doch viel zu weit, zu kalt, zu platonisch. alS daß restloser Genuß zuwege käme. Wer das Rassenlied.Ich bab' in Penna einen Liebsten wohnen" fingt, ohne daß selbst ein philharmonisch entzündbares Publikum die geniale Weise doppelt zu hören verlang», der übergehe diese« Blumenbeet. Der Maria Jvogün blüht der wahre Erfolg auf der Linie Mozart, Schubert. Donizetti. Strauß. Wer Sinn für unbekanntere Kammermusik hat, der kommt bei der neuen Bläser- Bereinigung des Philbarmonncken Orchester« auf seine Kosten. Diese routinierten Herren lHarzer, Kern, Schreder, Schumann, Moritz) blasen(mit Max Saal am Klavier) ein op. 452 deS himmlischen Amadeus so adrett, innig. gesüblAstark. daß eS uns warm umS Herz wird. Und versichern sich der Mitwirkung einer schönen, musikalischen Galaihee(Rose Walter) und versprechen Tbuille« Sextett op. 0. Ein guter,«in reicher, ein Speisezettel für Kenner und Amateure! D r. Kurt Singer. .Die Deutsche SchMer-Stif»n»s in Weimar ruft zu«wer .Schriftstellerspende auf, die lebenden Schaffenden zugute kommen soll. Mehrere bedrängt lebende Dichter und Schriftsteller sollen durch lebenslängliche Jahres sehälter geehrt werden. Jeder deutsche Schriftsteller möge eine einmalige freiwillig« Gabe an die Zentralkasse der Stiftung nach Weimar senden. Dichtungen Richard DehmelS spricht am 20. Februar im Mclfler- saa! Johanne« R i e m a n n. Theater. In der Uraufführung von Romain Rolland« .Danton", im Kratzen Sch auspielhaus spielt Paul Vegener den Danton. Werner»raus den Robespierre, Walter Janssen den DesmoulmS. Emst Deutsch de» Saint-Just, grix Delius den.Heraull de«echellc«, Helene Thimia die Lucile DeSmoulins, Rosa Berten« dl- Madame Duplay.— Im Deutschen K u n st I e r° T h e a t- r findet am 2K. Febn-ar die Uräufssthrung des Einakt-rzhNuS.Menagerie" vo« Kur Götz statt, mit Max Adalbert m den männlichen Hauptrollen. Valtsbüvue> Konzert. Im 12. Konzert de» Verbände» der Freien Volksbühnen<22. Februar. miilagS V,12 Uhr, im Theater am Billowplatz) wird Hermarm S ch e r ch e n die Kammernnfonie von A r n o l d>s ch ö n. b e r g zweimal hintereinander zur Aussübrung bring««- Nach oer ersten AÜfführMt« wird der DirizerN daS Werl kurz erläutern. Katser-Rriedrich-Atuseum wird seit Dienstag an den üblichen Besuchstagen obu- Beheizung wenigstens einige Stunden lang— von 10 bis. i Uhr— offen gehalten. Bei einsetzen stärkeren Frostes wird da« Haus ganz gclchlossen werden müssen. „Di««Nascht»--, ein vierattigeS Schauspiel von Paul Friedrich Schröder macht« bei leiner llrausführung im Eilcnacher Stadttbeater stallen mSmd. Das Werk bringt moderne Jndustrieprobleme aus die Bühne. Prozeß Erzberger- tzelsserich. Die DonnerStag-Verhsndlunig beginnt pünktlich HiO Uhr vor- mittags. Von ul�bekannter Seite varen Blumen auf den Platz HslrierichS und feines Verteidigers gelegt worden.(!) Gleich nach (Eröffnung der Sitzung stellte Rechtsanwalt Alsberg eine« Beweisantrag, .ri dem er angibt, e» babe sich bei ihm ein Herr gemeldet, der berett fei zu bezeugen, daß die L-eziehungen der Zeugen Erzberger und Berger während der fraglichen Zeit sehr rege gewesen seien. 'Dieser Zeuge ist der gtegierungs. und Baurat Morgenstern, den ich'unmittelbar geladen habe. Für dasselbe Thema habe ich auch den Herrn Regierungsbaumeister R a tz! i geladen, der nach An- .möe des Herrn Morgenstern in der Lage sein soll, die gleiche Be» ruitdung zu machen.(Bewegung im Zuhörerraum.) Die heutige Verhandlung dreht sich immer noch um de» Fall B e r g« r, der aller Wahrschciulichkeit nach arn heutigen Tage wird erledigt werden können. Hiernach wurde in der Pernehnmmg deS KommerzienratS Ssrger fortgefahren. Vors.: Habe,» Sie die Schreiben gefunden, bon denen wir in der letzten Sitzung sprachen? Es handelt sich um tvr Schreiben Erzbergers an Die, in welchem er seine Bereit. Willigkeit aussprach, in Ihren A u f s i ch t S r a t einzutreten, weiter um dm Einladung zur öffentlichen Generalversammlung und schließ» lich um eiu Schreibe« der LlaffenstiNstandSkommisst»». Die Einladung zur Generalversammlung die«u Juni flalksaud. wurde am IL. Mai tm.Reichsanzeige r" veröffentlicht. Rechtsanwalt Dr. Alsberg: Wir haben soeben gehört, daß die Em- .odung zur Generalversammlung am IL. Mai 1317 erfolgte, also nach vor der Fällung des letzten Schiedsspruches. Somit ist also das unrichtig, was der Kommerzienrat Berger und der Herr Nebenkläger in der letzten Sitzung hier behauptet haben. Oberstaatsanwalt Krause: Herr Komm-rz�nrat Berger, ei war Ihnen aufge- geben, auch daS Schreiben beizubringen, in dem der Herr Reben- t>äger Ihne» feine Bereitwilligkeit aussprach, in'den Aufsicht»- r a t einzutreten.— Berger: Ich habe nachgesucht, aber da» Schreiben nicht mehr gefunden. Ich tonn nicht genau sagen, ob daS ErnverständniS«S Herrn ReichSfinanzminister» übshaupi mündlich oder schriftlich«tolgt ist.— Bors.: Sie habe« ober bekundet, daß Sie" ei« Schreibe» von Herr« Erzbereee erhalte« hätten.— Geheimrat v. G o r d o n: Hatten Sie, Herr Kommerzienrat. bei Erscheinen der Helfferichschen Broschüre das Enchfinden, daß Sie durch die Ausführungen HelfferichS belei- digt seien?— Berger: Obwohl kern Namen genannt war, bestand kein Zweifel, daß unsere Firma gemeint war. Nachdem die Schiedssprüche gefällt waren, versuchte ich Minister Erzberger in den Aufsicht 5 tat hineinzubekoinmen, und ich habe mit dem Auf f'.chtsrat vor der Generalversammlung darüber Rücksprache ge- nsmman» daß wir ihn in den AufsichtSvot wählen könnten.— Helfferich: Diese Behauptung, Herr Zeuge, steht im Widerspruch zu den Ermittlungen deS Vorverfahrens und zu der Veröffentlichung des.RcichSanzeigerL". lieberlegen Sie sich bitte noch genau, was Sie sagen, denn Sie stehen hier unter Ihrem.Eide.— Der vor- fch-nde stellt aus den Akten fest, daß m der am 28. April 1817 abgehaltenen Aufsichtsratssitzuiu; der Firma Berger die Wiederwahl der LufsichtSvwtZmitgliedm Geheimrat Aronsohn, Präsident v. Ä r a u s« für di« Generalversammlung im Juni beschlossen wurde. — Helfferich: Im Protokoll steht cito von der Wahl Erzbergers nichts. Ader hat Herr Berger nicht den Aufsichtsrcrtsmitgliedern mitgeteilt, daß Herr Erzberger gewählt werden sollte?— Zeug« Berger: Ich entsinne mich n-cht.— RechtSantvalt Alsberg: Aann haben Sie denn den Mitgliedern des Aufsichiöcate» von der Absicht. Erzberger zu wählen, Mitteilung gemacht?— Berg er: Ich habe ja schon ausgesagt, daß ich mit Geheimrat Aronsohn .und Präsident v. Krause darüber gesprochen habe und daß der -etztere Herr erheblichen Widerstand» geleistet hat. Sowelt ich mich erinnere, war eS.aber keinesfalls vor >-m Schiedsgericht Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß in dar Sitzung des AusfichtSratS im April ein derartiger Beschluß gefaßt wurde.— Rechtsanwalt Alsberg: Da? ist aber das Wesentliche. — Zeuge: Nein, ich habe ja schon gesagt, daß Widerstände dagegen nrhabsn wurden.—. Dr. Alsberg: War man sich in der Auf» sichrsratssitzunq einig daß Erzberger gewählt werden sollte, ja oder nein? Kann Herr Berger auf st inen Eid nehmen, ob in der Sitzung von Erzberger die Rede war oder nicht?— Berger: Ich glaub«, ya.— Vors.: War man sich damals nicht schon schlülirg?— Zeuge: Da? glaube ich auch. Allerdings, nachdem die Wider» stände beseitigt waren.— Helfferich: War nicht der Grund. weshalb der Beschluß nicht ins Protokoll aufgenommen wurde, nur ein rein formaler, nämlich weil die Schiedssprüche noch nicht erledigt waren?— Ze v ge: Ich glaube ja.— Der Zeug« Berg er erklärt dann weiter: Ich bat den ReichStagSabgeordneien Prof. Dr. Faßbender, mir Auskunft zu geben, ob Herr Erzberger. wenn er sich ein Urteil gebildet hatte, auch Manns genug war, dies den Behörden gegenüber zu vertreten. Das war für mich der Be- wsggrund. Faßbender war damit einverstanden und empfahl mir die Wahl Erzbergers.— Helfferich: Warum hat sich denn der Zeuge, um sich nach den Eigenschaften Erzberger» zu erkundige», gerade an eine» Parlamentarier gewandt?— Berger: Ich habe doch schon gesagt, daß Rechts- anwalt Bodländer mich auf ihn aufmerksam gemacht hatte und daß Prof. Faßbender ihn inir dann empfohlen bat. (Fortsetzung in der Morgenausgabe) Nach 11 Uhr. Wie ei u« die Polizeistunde steht. Um den nächtlichen Passanten gewisser Straßen im Westen Bari ins werben jetzt von 11 Uhr ab heimliche Kämpfe geführt. Wer durch die Motzstraße geht, die Ma�tin-Lukher-Straße oder»ach dem Viktoria- Luise-Platz zu. fieh� dunkle Gestalte« neben sich auftauchen. .Mein Herr, die T-Sar ist noch geöffnet, beliebe,! Sie...* .Dorf ich Ihnen empfehlen D-Diele..Die ganze Nacht...* „Suchen Sie noch Unterhaltung, mein Herr, da ist der Z-Paiast, erste Querstraße rechts.. In Erinnerung eines irgendwie vorhandene» polizeilichen MachigcbotS, das den 11-Uhr-Schluß aller Lokale.verfügt", mäch- tost du dich Überzeugen. Die dunkle, dicht verhängte Tür, das mollig verhängte Fenster lassen nichts ahnen. Aber beim Druck auf die .Türklinke fingear etwas, wallt ein Vorhang geheimnisvoll. Die Pforte öfsuet sich zu allen Himmeln. Licht flimmert aus hundert Zcken. Rote Seidenschirmlämpchen, grün«, gelbe, violett« glühen auf. Alles ist hier verschwiegen, heimlich und diskret: die laufchi» gen Winkel, die weichen Sessel, die Musik— nur der Nepp nicht. Der Nepp herrsch« unumschränkt, bläht sich auf, glänzt auf den Gesichtern all der Dienernden, hockt mit fr>chem Grinse» überall. Doch ün Angesicht dieses Publikums fragst du dich nicht mehr, ob «r berechnigt ist oder nicht Dieses Publikum, mit Ausnahme einiger weniger, die sich versehentlich hin einverloren habeu, stellt einen aus» gesuchten Kranz jener Elemente dar, die schmarotzend der jungen Wirtschast Deutschlands die Kraft zum Emporklimmen entziehen. Für eine Tasse Kaffee, die man dv gnädig gewährt— der -Mensch" Zeginnt hier erst bei EhaSlis— harK du LS K. zahle». Hin«nt> wieder wistS«S lauter. Der Kellner dämpft. Frem&Cän- bische Offiziere nehmen den Mund voll: Was könmte Deutschland im Höchstfalls kosten... Du verläßt die gastliche Stätte mit einer dumpien Erinnerung an einen großen Aktenbogen, auf dem ein Polizeipräsident verfügt, daß in* 11 Uhr dtk Lokale zu schließen hätte». SS ist 1 llhr... « DeS andern TagSk um Mitternacht ei» Kaffeehaus'in der Blumenstraße. Ein Bekannter weiß den Eingang durch den Mur. Musik und Liebespärchen und Leute, die von wolleneu Strümpfen reden und von Muminium und von Gummis und Lauf- decken. Dazwischen einer, der die Tasche» voll Seife hat und sie verkaust. Der Nepp ist nicht auf der Höhe und mit Solidität ge- mischt. Sehr ehrbare Leute, die sich Witze erzähl sn.— Ein Stückchen weiter in einer Nebenstraße eine ganzqLlein« Konditorei ohne Musik. Eingang ganß regelrecht durch die dicht verhängte Tür. Nur Kuutschecken und Flüstern. Wenig Licht und Knutschpreis« für Kaffee und Kuchen. Um 1 Uhr Schluß, weil eS sich nicht länger rentiert.— Landsberger Straße Köpenicker Stnche öhnftcheS. Keine Schlepper auf der Straße, aber jeder, der hier verkehrt, weiß mindestens eine offene Stätte. Echutzmann. de» da fragst, sagt:.Müsse,«wk stillst sehen." » Wir habe« t« Berlin eine Polizeistunde«« 11 Uhr ans dem Papier stehe«. Es besteht keine Notwendigkeit, sie zu verlängern. Aber eS ist wirklich notwendig, sie streng durchzuführen. Es liegt beim arbeitenden Berlin kein.Bedürfnis'' vor, sich n«h 11 Uhr zu amüsieren, wie«s bürgerliche Blätter glauben mache« wollen. Aber e» liegt«n Bedürfnis vor, die, die heute durch offenstehende Lokale noch angereizt werden— sie lasse« sich dwrch das Bewußt. stin.Meppen'—,-von der Verlockung dieser fragwürdigen Reize fernzichalte«. Man jammert' am de» Nachtruhm der.Weltstadt Berlin. Wir find, abgesehen von der Kohseatwi, die den später«, Schluß moralisch und wirtschaftlich stwfest» verbiete� im Begriff, wichtigere» fp. verliere, glS diesen.Ruhm'. Der letzte OmnibuS. GS gehl setzt endgültig zu Ende mit ihm. De? ratternde Kasten, gezogen von den zwei Pferden, Mauleseln oder Maubieren (ach selige Zeit, wo diese Streitfrage die Gemüter bewegt«), wird mit dem 15. Februar endgültig aus dem Berliner SiraßenbilZ» verschwinden. Uebrig bleiben zunäckst nur noch die Linie se zwischen SiÄmer Dahnhof und dem Halleschen Tor und der Nach tomnibu»verkehr, sowie die Bahnhof». wagen. Auch der KvaftvmnibuSverkehr foss eingehen, und zwar zunächst die Linie Pankow— Neukölln. Erhalten bleibt auch der so. germnnte LuxuSverkehr auf der Strecke Unter den Linden— Halensee. Di« VetgfttoRg de» LehrNnz». Zu unseren Betraihtnngen über die bedrängte Lage der Eltern von Lehrlingen, die mit der vor Jahren vereinbarten geringen Vergütung auch bei der jetzigen Teuerung auskommen sollen, sind unä noch weitere Mitteilun. gen zugegangen. Unter ihnen ist vi« Zuschrift eine» Bater», dessen Sahn in der Werkzeugmaschiuenfabri?.Samson werk' gelernt hat nnd dort noch im Jahre 1619 nicht mehr als 1 M.(e i n e M a r k) V e r g ü t« ng pro Woche erhielt. Die früher von uns mit. geteilten Vergütungen, über deren geringe Höhe die Eltern bisher klagten, erscheinen diesem Bater so hoch, daß er jene SUern noch für beneidenswert hält. Die Direktion deS.Samsonwerks' ist übrigen» im Jahre 1919 von Eltern ihrer Lehrlinge davon unterrichtet worden, daß«S bei der fortschreitenden Verteuerung aller Lebensmittel und der Klei» dung unmöglich fei, länger an der Vergütung von 1 Mk. pro Woche festzuhalten. Nachdem in einer'vom ArbeiterauSfchuß angeregten Versammlung der Elter« die Frage einer Teuerungszulage für die Lehrlinge erörtert worden war. wollte eine Kommission bei der Direktion vorstellig werden. Aber die Direktion winkte ab und berief sich daraus, daß die Lehrverträg« der älteren Lehrlinge durch den Kollektivvertrag von ISIS nicht berührt werden. Das kamt doch keine Firma hindern, freiwillig die Vergütung zu erhöhen— falls sie eben will! Die Burschenschafter tanzen. Zu der Kritik an«iwr Veranstaltung, die wir uuter dieser Spitzmarke kürzlich veröffentlichten, schreibt uns der politische Ausschuß der Deutschen Burschenschaft: LuS dem Wortlaut dieser Notiz geht hervor, daß der fragliche Ball von den sogenannten A.-D.-B.- Burschenschaften, d. h. also von den Verbitckiungen de» Allgemeinen Deutschen Burschenbundes, ver- anstaltet wird. Wir legen indessen großen Wert auf die ausdrück- liche Betonung, daß der Allgemeine Deutsche Burschen. bund, der Verband der sogenannten Reformburschenschasien, mit der echten»Deutschen Burschenschaft', dem verbände sämtlicher Burschenschaften auf reichSdeutschen und deutsch-österreichischen Uni. versiiäten und technischen Hochschulen, der in gerader Entwicklung die alte Durschenschafr von 1815 fortsetzt, nicht verwechselt werden darf. Beide Verbände haben nichts miteinander zu tun. Demnach hat auch die Berliner Burschenschaft, der hiesig« örtliche Verband der Deutschen Burschenschast, mit dem in Ihrem geschätzten Blatte be- urteilten Tanzvergnügen nicht doS geringste zu tun. Wir geben diese».Abrücken"'mit Vergnügen wieder. Selbstmord im Tiergorte«. Im Tiergarten wurde ein Gut». besitz« Werner Otto, der nach den bisherigen Feststellungen, die jedoch»och der Nachprüfung bedürfen, aus Schlagenthin stammt, «"schössen aufgefunden. Der Tote hatte eine Schußwunde am rechten Schlüsselbein und eine in der rechte« Schläfe. Da der Re- volver bei ihm vorgefunden wurde nnd der Tote olle Wertsachen befaß, ist anzunehmen, daß Selbstmord vorliegt. Aufzeichnungen über den Grund seines Lebensüberdrusses fand man nicht bei dem Toten. Die Leiche wurde dem Schauhause überwiese«. Die«erbindnvg«st Ostpreußen für gewShnliche nnd Wert- Pakete ist nach teüweiser Unterbrechung des Eisenbahnverkehrs vorläufig unsicher. Die ReichSpoftverwaltunq hat al« AuShilfS- mittel zwar auch einige Schiffe zur Beförderung von Paketen nach Ostpreußen auf dem Weg« über die Ostsee herangezogen, doch stehen nur beschränkte Laderäume zur Verfügung, die nur emen Teil der Paketmasse» aufnehmen können. Deshalb wird dem Publi- ftim geraten, in nächster Zeit möglichst von der Auflieferung der in Betracht kommenden Paket« abzusehen, die Aantahme kann nur auf Gefahr de» Absender» geschehe«. Nach Freistaat Danzig«»erden gewöhnliche und Wertpakete vorläufig nicht an- genommen. ES besteht die Hoffnung, daß die Verkehrsbeschränkung nur von kurzer Dauer fein wird. Neukölln. Den Arbeitern der Stadt soll die ihnen durch den umstrittenen Schiedsspruch vom 22. Januar zugesprochene Teuerungszulage, monatlich 50,— M. und pro Kind 15 M., bis zur Festsetzung einer höheren Zulage als Vorschuß gegeben werden, und zwar mit Rückwirkung vom 1. Januar. Der Magistrat bittet unter Hinweis auf die augenblickliche Notlage der Arbeiter die Stadtverordneten um Zustimmung zu diesem Beschluß.— Den Notstandsar beiteru soll dieselbe Teuerungszulage, wie den Gmeindearbeiiern gewährt werden, mit Rückwirkung vom 1. Ja- nuar. NoiftcmdSarbeiier, die zwischen 1. Oktober und 31. Dezember wegen Frost oder Regen ubcht arbeibeu konnten, sollen 50 Proz. des unverschuldet ausgefallenen Verdienstes erhalten(unter Abzug von Krankengeld usw.). Für Bußtag und beide WeibnachtS- tage soll allen Rotstandsarbettern der ausgefallene Verdienst voll nachbezahlt werden. Wegen der Dringlichkeit hat der Magistrat die ÄnSfnhrung dieser Beschlüsse für die NotftcmdSarbeiter heran. laßt. Er bittet die Stadtverordnete» um nachträgliche Zustimmung. Groß-VerNner Lebensmittel. Lichtenberg. Auf Abschnitte 7» und b d« Kartoffelkarte: S Pfd. Kartoffeln, 7 c, cl,«, f und g; DoO Gramm Hülsenfrüchte. Wittenau. 250 Gramm auSl. Rogzenmelil. Freihändig: SSO Gr. ObftmuS. Auf Abfchnitt S 6 bis g der Kartoffelkarte als Ersatz für di» fehlenden Kartoffeln 25) Gramm Hülfenstüchie und 150 Gr. Nudeln. Hroß-Serliner parteinachrkchten. 47. Abteil««». Freitag, den IS.. 7 llbr, in der Schulaula, Ostendet. Strasse WM: Versammlung der Eltern, deren Kinder die 6., 53., 56., 159., 300., 301., 305. Gemeindeschulen, 20. HMschule, 14. Real- schule und 6. Oberrealfchule besuchen. Ausstellung der Kandidaten zu den Dahlvorstände». VorwärlSIeser nnd SUern, die aus dem Boden der S. P D. stehen, stnd«ingeladen. Wirtschaft. die ZufamWeasihlaßbewegvvs im Srauereigewerbe. Die letzten»Fusionen�— Kindl-Brauerei mit« Frte drichShain. LSwenbrauerei mit Frie- drtchShain— haben uns veranlaßt, daS Material zu be- schaffen, das unS einen Ueberblick über die Zusammenschluß- bewegung in den letzten zehn Jahren gibt.. 1. L«>erbier ES bestehe» heute: 1. Aktiengesellschaft Friedrichs- höhe von«. Pntzenhefer. 2. Brauerei Königstatzt A.-G. S. Deutsche Bierbrauerei. L Aktiengesellschaft Schloßbrane- rei Schöneberg. 8. Berliner Kiadl-Branerei L.-G. a. Vergschloßbranerei S.-G. 7. Böhmisches BranhanS A.-S 8. Brauerei JnlwS Bötzo». S. Brauerei F. Happoldt. 10. LSwenbrauerei S.-G. 11. SereinSbraser. Testmä« 12. Versuchs- und Lehranstalt für Sranerei. IS. Schultheiß» Brauerei| lt.«enVssrnschastSbruuerei Fric- drichShage«. IV. Engeldartzt-Brauerri A.-E. hrauereie«. ES«nrdeu anfgrsage«: 1. Berliner vockbrauerei S.>G. 2. E. Habels Sranerei G.m.b.H. S. Münchener BranhanS A.-G t. Brauerei Gabriel«. Richter. 5. Aktieabraurrei FriedrichShaia. S. Berliner Bierbraoereie« A.-G. vor«. F. W. Hilsebei». 7. Bürgerliches BranhanS Gebr. Wanninger. 8. Hansa- Brauerei A.-G. g. Brauerei Germania A.-G. 10. Brauerei Karl Gregory, später Phönix-Brauerei A.-G. 11. Brauerei A. Wenn A.-G. 12. Norddeutsches Brauhaus A.-G. 13. Brauerei C. FlrhinghauS. lt. verlirr Uniousbrauerei. 15. Brauerei Pfeffrrberg. IS. Bpandanrr-Lerg-BrauerÄ 17.»ranerrk Oswald Berliner. 18. Biktoria-Vraurrei A.-G. IS. Kaisrr-Branerei A.-G. 2V. Bergbranerri Racher«. Co. ES mm den stillgelegt: i. Berliner Stadtdranerri G.«. b. H 2. Branerei Schwelzergatte« ?, Schneider. 3. Klofierbraurrei A.-G. 'alzdier-nnd Keißbierbrauereie». s. 10, 11, Berliner Weißbierbranerei«nd Malzfabrik Albert Bier. 8. Böhm. MalzbierbrauerriAlbert Sindermanu. Boniffia- Branerei Walt. Lehm- derg. Brauerei verokina Ernst Krüger Branerei Gefundbrnnue« Hugo Rieme. IS. Brauerei Carlsberg, Iah, Gedr. Otto n. Pippo«. 18. Brauerei B. Lehman«. lt. Brauerei Lnisenpadt E. Weber. 15. BraurreiSchwarz.AdlerA.Reich 1«. Brauerei Gabriel«. Jäger. 17. Mal�ier-Branerei Christoph Groterjaha. 18. Brauerei S. ff. D. Möwe». 10. I. ff.«. Richter«. ff». 20. Carl Schultz. 21. H. Schul,. 22. Weißbierbranerei M. RathgiG. 23. Weißbirrbraueret H. Schade. 2t. Weißbier- GrnoffrnschastS- Brauerei Süd-Ost E. m. b. ffl. 25. WrißkNer» u. Malzbierbranerei Rördl. Borotte G.«. b." 20. Brauerei„Alt-Berlin" Hirschwald. ES bestehen heute: 1. Berk. Weißbierdraurrei A.«S., dorm. Carl Landrck. 2. Berk. Weißbierdranerri ffarl Richter. 3. Berliner«eißbierbrauerei E. Willner. «. Weißbierbr�uerei A.-S., dm». H. A. volle. 5. Weißdirrl>ranrreiff.Breith»»pt 0. Bra«erriGr«ttrjanti.ffo.,A.-G. 7. Bayerische Malzbi�-Braurrri Max Böhm. 8. Verl. Wcikbierbranrrri JnlinS Ttolpmaun. S. Brauerei Kieng«. ff». ES»urden stillgelegt: 1. Erste Verl. Wrißbierbranerri. Genossenschaft der Gastwirte. 2. Verl. Wcitzdierbrauerei A.-G. vor«. Gerick«. 3. Berliner Weißbierbrautrei W. Bönnhoff. 4. Verl. Weißbierbranerei„Fried- riqstadt" Julius BotSdorf. 5. Berliner Weiffbierdrauerei Ed. Gebhardt A.-G. 6. Berliner Weiss- und Mal,«er- branerei Christian Stauch. Bon 88 Lagerbierbranereien im Fahre 1910 bestehen noch 16«IL selbständige Unternehmungen, von 38 Malz- und Weitzbierbrauereiei: 1910 sind 10 selbständige Brauereien ver- blieben. Diese wenigen Betriebe versorgen die Bier-Millionen- Bevölkerung Groß-BerlmL mit Bier. Jeder Tag kann weitere Zusammenschlüffe bringen, und wenn eines schönen Tage» die Aktionäre und Gnzelbesitzer besonders gut gelaunt und fried- lich gesinnt fein werden, dann überrascken sie unZ mit der Mitteilung, daß eS nur noch eine einzige Braueret in Berlin gibt, die die verantwortungsvolle Aufgabe übernommen hat, den Berlinern die Gläser zu füllen. Dies« Zusammenschließung ist eine Angelegenheit die nicht bloß die beteiligten Kapitalisten angeht, sondern auch die Gesamtbevölkerung, die an der Erzeugung deS qualitativ besten und billigsten Bieres in verschiedenen Ge- schmackSarten hervorragend interessiert ist. Wenn eS den Kapitalisten gefallen würde, wären bis ge- samten Berliner Brauereien tm Verlauf einiger Stunden von einem tüchtigen Notar vertrustet. ES entstände ein Prtvatmonopol, dessen Umwandlung in einen ge- meinwirtschaftltchen Betrieb ein einfacher Ver- waltungsakt wäre. Nun die wirtschaftliche Seite. Die Zentrali- s a t i o n, die Ausschaltung der kostspieligen Konkurrenz, die Vereinfachung des technischen Betriebes und der Verwaltung würden zu erheblichen Ersparnissen führen. Außer- ordentliche Ersparnisse würde die Organisation des Trans- Portes, der Biervertcilung. erbringen, wenn man die hohen Unterhaltungskosten deS FuhrparkeS berücksichtigt. Heute liegen die Verhältnisse so, daß, wenn die Kapitalisten den Zusammenschluß beschließen, um sich die aus ihm er- gebenden Vorteile zu sichern, alles in schönster und bester Ordnung ist, daß aber ein solcher Zusammenschluß das allergrößte Unglück bedeutet, wenn nicht die Kapi- talisten. sondern gemeinwirtschastlich denkende Sozialisten eine solche Forderung ausstellen. Wenn uns entgegengehalten wird, daß durch daS Fehlen der Konkurrenz sich die Güte des Bieres verschlechtern würde, so ist zu bemerken, daß bereits seit langem die verfügbare Cr Menge Bieres fo gering i st. daß fa jeder zufrieden sein muß. wenn er dank besonderer Beziehungen überhaupt be- liefert wird. In absehbarer Zeit wird sich daran nichts ändern, die Brauereien sind bereits Monopolisten. Würde aber ein gemeinwirtschaftlicher Trust gebildet werden mit den hervorragendsten Fachleuten an der Spitze, so würden die im Ä u f s i ch t s r a t sitzenden Ver- braucher, Gastwirte, Arbeiter und Angestellten wohl dafür sorgen, daß berechtigten Silagen nachgegangen würde. Es soll einstmals beim Magistrat Berlin sogenannte„ S 0 z i a 1 i- sierungskom Missionen" gegeben haben. Gehört und gemerkt hat die Oeffentlichkeit von ihnen nichts! Aber der Herr Kämmerer, der arg in Nöten ist, interessiert sich sicher für eine solche Organisation. Wie wäre es, Herr Kämmerer, wenn ein Teil der Kapitalprofite, die zurzeit mangels Gerste allerdings bescheiden sind, die aber durch zweckmäßige Organisation sich erheblich steigern ließen, zu Ihnen den Weg fänden? Ware gegen Ware. Der Tiefstand des Geldwertes in den verschiedenen Län- dern zwingt in Art der alten Naturalwirtschaft wieder zum Tausch von Ware gegen Ware überzu- gehen. Wir brachten bereits im politischen Test hierüber heute eine Notiz. Auf diesem Wege lassen sich die Folgen beS entwerteten Geldes, des„gefälschten" Kapitals, im Handelsverkehr zwischen den Nationen in einfachster Weise ausgleichen. Wir werden in Zukunft Maschinen direkt» gegen Weizen, Spielwaren gegen Fett, Bijouterien gegen Kaffee usw. tauschen müssen. In einer organisierten Wirtschaft bietet die Ausbildung eines solchen Tauschverkehrs von Zentrale zu Zentrale keinerlei Schwierigkeiten. Leider sind wir von einer solchen organisierten Wirtschaft noch sehr weit entfernt und wird der Widerstand der H a n d e l S k r e i s e erst noch niedergerungen werden müssen. Wir richten an den Genossen Schmidt die bringende Bitte, alles zu tun, um diesem organisierten Waren- a u s t a u s ch die Wege frei zu machen. GeweMWsbelvVlmo Seginn üer verhanölungen im Sankgewerbe. Im Reichsarbeitsamt begannen am gestrigen Mittwoch die Verhandlungen über den Reichsmanteltarifvertrag im Bankgewerbe. Zuerst wurde die Farm der Verhandlungen festgelegt. Es soll zunächst eine Generaldebatte über den ein- gereichten Tarifentwurf staiifinden, dann sollen die einzelnen Spe- zialpunkte beraten werden. Nach einem oder zwei Tagen VerHand. lung soll immer ein Tag ausgesetzt werden. Es wird angenommen, daß die Tarifverhandlungen sich über mehrere Wochen er- strecken werden. Der SchlichtungSauSschuß tagt unter dem Vor- sitz des GeheimratS Sitzler aus dem Arbeitsministerium. Diese Behörde stellt drei unparteiische Vorsitzende, die aber nach den ge- ■rossenen Vereinbarungen zusammen nur eine Stimme abgeben. Die TeuernngSzusage» in der Schuhindustrie. Zwischen den Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- organisationen in der Schuhindustrie fanden in FranZsurt c. M. zentrale Verhandlungen über die Zahlung einer Teuerungszulage statt. Nach langen schwierigen Verhandlungen wurde ein Nachtrag zum Reichstarisvertage für die Schuhindustrie beschloffen, der foü gende Bestimmungen enthält: Als Ausgleich für die neuerdings eingetretene Teuerung der Lebenshaltung werden Teuerungszulagen gewährt: bis 13 Jahren je nach OrtSKaffen 8—13 M.. 16— IS Jahre 12- 20 M.. 18 bis 21 Jahre 17— 29 M., über 2l Jahre 21—38 M. wöchentlich. Weibliche Arbeiter, die Ernährer der Familie sind, erhalten die gleiche Zulage, wie sie für männliche Arbeiter in der gleichen Alters- and Lohnklasss festgesetzt ist.(Als Ernährer der Familie gelten Witwen, ledige Mütter, sowie Ehefrauen, deren Mann im Sinne der R.B.O. erwerbsunfähig ist.) Heimarbeiter erhalten an Stelle der für die Fabrikarbeiter festgesetzten Beträge«ine Teuerungszulage in Form von 25 ProZ. auf chren jeweils erzielten Wochenverdicnst. Mit der vorstehend bezeichneten Teuerungszulage ist gleich- zeitig die von der ZentralarbeitSgemeinschaft empfohlene Not» standSzulage abgegolten. Die wöchentliche Teuerungszulage wird bei gesetzlichen Feier- tagen, Arbeitsversäumniffen und bei ArSeitszeitkürzungen von längerer Dauer nur anteilmäßig im Verhältnis zur gearbeiteten Stundenzabi bezahlt. Bei Arbeitszeitverkürzungen von kürzerer Dauer wird, die Teuerungszulage voll bezahlt. Die Teuerungszulage Witt mit Beginn der 3. Lohnwoche de» Monats Januar in Kvaft._ Ein freier Tag für Zeitungsausträger. Am 10. Februar 1920 traten die Vertreter des A r be i t ge S e r V er b a nd e Z für da S deutsch« ZeitungSgewerbe und die Vertreter des Deut- fchen TranSportarbeiterverbandeS zusammen, um über die Forderung eines freien Tage? für die Fei- tungSauSträgerinnen zu verhandeln.- Von den Vertretern des TranSportarbeiterverbandeS wuüde die Forderung gestellt, daß die Zeitungsverleger in Deutschland auf das Austragen der S 0 n n tag S a u S g a b e ab 1. April d. I. verzichten sollten. Von den Vertretern der ZeitungSverleger wurde mit Rücksicht aus die schwere wirtschaftliche Schädigung der Zeitun- ge» durch den Verzicht auf die SonntaaSeuSgabe diese Forderung als unmöglich abgelehnt- Um aber den Wünschen der ZeitungsauS- trägerinnen nach einem arbeitsfreien Tage entgegenzukommen, er» klärten sich die Vertreter des Arbertgeberverbandcz bereit, auf die Montag-MorgenauSgabe zu verzcchten, trotzdem aber keinen Abzug für die mindergeleistete Arbeit vorzunehmen. Dieses Entgegenkommen wurde von den Vertretern deS TranS- Portarbeiterverbandes als nicht genügend abgelehnt mit dem Hinweis, daß sie zum Abschluß eines Abkommens auf dieser Grundlage nicht ermächtigt seien. Nstgemeinverbindliche Tarifverträge. Das Re>chSa rde itSm'i n isteri u m hat wiederum ein« Reihe zwischen Arbeitgeber, und Arbeiterorganisationen für'Groß- Berlin abgeschlossen« Tarifverträge für allgemein verbindlich erklärt. Es sind dies: Tarif für die Markthallenarbeiter u n d S ü d f r I' ch t g r 0 ß l? a n d l« r: Bog nn der Verbindlichkeit: 1. Dezember 1919. Tarif für das Bäckerei- und Äondi- to r e 1 g ew e r oe; Beginn der Verbindlichkeit: 27. Lktober 1919. Tarif für die im Kartoffel großhandel beschäftigten K 11 1 f ch c r>-" Ji.'-:---. rc-- i. Varblndlichkeit! lö. De» zember 1919. Tarif für die kaufmännischen und tech» -scheu Ana? st eilten der chemischen Jndiistris; Beginn der Verbmdlichkeit: Id. November 1919. Sie erstreckt sich nicht auf Arbeitsverträge, für die besondere Fachtarifverträge t.r Geltung sind. Tarif für die Werkmeister in der Leder- fabrikation; Beginn der Verbindlichkeit: lö. Dezember 19tS. Sie erstreckt sich nicht aus Arbeitsverträge, für die besondere Fach- tarifverträge in Geltung sind. Handelshilfsarbeiter in der Teztilbranche und Engros-BeNei- bungSindustrie. Eine überaus stark besuchte Mitgliederversamm- lung deS Deutschen TranSportarbeiterverbandeS der Hausdiener und Packer obiger Branchen nahm Stellung zu dem VerhandlungS- ergebnis mit den Arbeitgebcrderbändsn zwecks Gewähruug von TeuerungSzuschlägen. Nach einer lebhaften Aussprache, bei der fast allgemein die Zuschläge der Zeit entsprechend als zu gering be- .zeichnet wurden, wurde gegen eine Minderheit di« neu« Regelung der Tariflöhne anerkannt. Di« neue Vereinbarung lautet: Für dir Zeit vom 1. Januar 1920 bis zum 30. März 1920 werden den zur Zeit des VertvagSabschlusseS beschäftigten Saus- dienern folgende Tcuerungszuschläge pro Woche zu den Tarif- löbnsn gewährt: Juzendl-che männliche Arbeitskräfte: 14—16 Jahre 9 M.. 15—18 Jahre 18 M.. 18-20 Jahre 27 M. Männliche Arbeitskräfte über 20 Jahre: ledig 42 M., verhei- ratete ohne Kinder 47 M., mit Kindern 62 M. Weibliche Arbeitskräfte erhalten 8S Proz. dieser TeuerungS- zuschlage. Di« Kinderzulage tritt nur in Kraft, wenn eZ sich um Kinder handelt, die sich nicht bereits in ausgebildetem Beruf« befn-oen. Witwer und Witwen sind als verheiratet anzusehen,.oenn sie einen eigenen Hausstand führen. Die Auszahlung der Teuerungszulagen! erfolgt am Lohnzablungstage der 2. Februarwoche. Für die am 23. und 29. Februar tagende Handelsarbeiter» konfsrenz wurden Schacht und Wolter einstimmig gewählt und »c» Ersatzleute Luckow und Liebrucks von der Versammlung be- stimmt._ Ilngeftellte der Holzindustrie, deS MSdelSandelS«nd der Krrditliiiiiser. Frestag, den 13. d. Mt«., abends S><, Ubr, im Schult» heiv-Ausichank, Neu« Jakobstr. 21/25: Versammlung der Angebellten der obigen Branchen. ArbeitSgemcinschast sreicr Angestelllenverbinde. Drnt'cher Werkmeisterverband. Konnadend. den 14. Februar, abends 7 Ubr, im Berliner Ratskeller sPereinS, immer). Eingang Juden. stratze: Versammlung der Werkmeister für die Nordöstliche Textilindustrie. Deutscher Portierverband. Branche der Privo'twöchter. Sonn- abend, den 14. Februar, morgens 9 Ubr, im Lokal von Schirm, Cbar- lottenstraste 7/8: AgitotionSverlammIung aller aus Bauten, Hol,- und Lagerplö�en, Fabriken, Geschäsls- u. Industrie!) äusern beichäsligten Wächter. Tim aller Meli. Deutscher Schoner verschollen. Der deutsche Schoner H e n n y, 120 Tonnen groß, aus Arnis bei Kappeln, der am 8. Januar Hör- sens mit einer Ladung Eisen für Kopenhagen verließ, ist laut HorsenS Avis verschollen. Die Besatzung bestand aus dem Schiffer R e n n 0 f f und drei Mann. Schweres Brandunzlück in Wie». Der Mittwoch abend auSge- brochen« B r a n d bat die D 0 n a u b r ü ck e der Nordwestbahn zum Teil zerstört und den Eisenbahnverkehr vorläufig unterbrochen. Veraniw. lllr den redaktlon. Teil: Brtni Rickler. Cliarlvttendura: für Anlniae»: Tb. Stocke. Berlin. Verlan: Ponoiirto.Berlaa®. m. d. Ö.. Berlin. Druck: Bor» wärts-Buchdruckerei u. Berlaasanklall Bau! Einaer u. So. Berlin Lindenstr. 3. 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