Nr. 81. 37. Zalirg. BcMnövrctS: Aier tl ihn. Iß.iO iHi�monatl.SJOOTl reo ms öcjä vornii» ahlbat.•Boft* htma Monalha 5.50 Ii!L erfL?ü- fleUunttsacbuht. Unter St tnubanb lät ■Seu.'itftlonb antt Ot'tertenh• Ungarn 8 7S III, iUr oa« nbngr'Suslanft 18— Mh. bft taalidi e-nmot. �u'tellnng U.-- Uli. 4- Baiuta»Äu'tchlag. Voft» dettellungen nehmen an Sanemar!. kiollano.-u-embutg. Schweben und hte Schwert. Ämgeteaarn>n fite Polt- -'eiwng»- Preisliste. Der.Borwan»� mtl der Sonntag» detlage.Boll u. Seif et'tkemi wachen- lagltw twetmah Honniag» einmal. Teiegramm-Äfiresse �dazialdetnakrat Varl!»». Abend-Ansnnlie. berliner NolKsblott Zentralorgan der rozlaldemokratlfcben parte! Deutfchlanda (iSPffenn'g) Anzeigenpreis t Vt» adjigeinalfene Sonpareinenellf toftet 8.— tUL, Xruming«ju(d)Iag 10°/» »mein« An, eigen-, fiae tett* gefirudte Wort 75 Big.(juläffig joel feflgefinnfte Worte),(eCea weitere Wort 50 Big. Stellengesuche unb Schlafstellrnantelgen Das erste Wort 65 Big. lebe« weitere Wort 40 Big. Wort« Uber 15 Buchstaben, Sl/len für zwei Worte. Senenmg», Uschlag 50»/» Familien» Anzeigen, politische und gewerljchastliche Verein«- Anteigen 1— Mi. fite Rette ohne Ausschlag. Anzeigen für die nächste Bummer müssen fii« 6 Ahr nachmittag« im PauolgeschSsl. Berlin Sffi 68. Linden- ftratze 3. abgegeben werben. Geöffnet •an» Uhr srith dt» 5 Uhr abend». Keüaktion unü Expedition: SM. 68, Linüenstr. Z. aernspreriier-«m» Uliorttivta«, Nr.».>1»«— l.'il V7. Neuer Kurs in England? Thronreden und Erklärungen von Swatsmännern pflegen sich nicht immer durch Offenheit.und Klarheit auszuzeichnen. Oft sind sie bemerkensmeiter durch daS. was sie rerschweigen, als durch daS. was sie sagen. Bei der Eröffnung deS engliülvn Parlaments war es diesmal anders. Selbst bei vorsichtigster Beurteilung konnte man in der Thronrede und in den Reden Lloyd Georges und des Außenministers Eurzon eine einheitliche große Linie erkennen. Abkehr von der kurz- sichtigen Revanchepolitik Frankreichs und Ab- kehr von dem Programm eine« Wirtschaft 5- k r ieg e S über den Krieg hinaus— sind die Leitsätze. die von nun an für die englische Politik gelten sollen. Wäh- rend die Thronrde es ganz allgemein als wesentlich erklärt, „daß der Friede und normale Zustände im Wirtschaftsleben Osteuropos und Rußlands wiederhergestellt werden", und Lloyd George vor allen� betont,„daß Europa nicht wiederhergestellt werden kann, bevor die russischen Hilfsquellen wieder zur Vor- fügung stehen, wendet sich Lord Eurzon vor allem Teutschland zu. In seiner Unterhausrede, die wir in großen Zügen bereits wiedergaben, lagt er wörtlich: „Tie Leute, di« den Friedensvertrag abgefllilvffcn habe», babcn ihr Bestes grtitn. Es muß sich aber erst erweisen, ob ihre Arbeit gut oder schlecht war. Ich sehe den Friedendver» trag nicht alS etwas Unantastbares an; vieles daran wird mit der Zeit revidiert werden müsse«. Nach der Ra» tmziening haben wir dir diplomatischen Leziehnngrn mit Teutschland wieder aufgenommen. Wen« Teutschland aufrichtig bereit ist, die FrirdenSbedingungea zu erfüllen, so werden wir unser Bestes tun, ihm dabei»u helfen und ihm einen Platz im Kreise der zivilisierte« Völler wieder z» »erschaffe n." Wir sind von jedem Optimismus weit entfernt, der deS Glaubens ist.' daß England nach dieiem Ausspruch gleich Deutschlands bester Freund werden wird. England wird auch weiter englische, d. h. imperial! st isch-egozen- t r i s ch e Politik betreiben. Aber es hat eingesehen, daß cS da- bei ohne den osteuropäischen Absatzmarkt nicht auSkoninicn kann und daß cS bei einem osteuropäischen Bankrott selbst dem Bankrott entgegengeht Die internationale Verpflcchtung des Wirtjcr-lebenS ist eben heute so weit fortgeschritten, daß Uebernattonalismus der beste Nationalismus ist. Und so ver- abfolgt Britannien seinen französischen Alliierten nach den letzten ckpuvinistisck'en Ueberspannthciten eine deutliche Warnung. Eine andere Bedeutung legen wir vorläufig den Reden im Unterhaus nicht bei. Daß die französische Presse über diesen„Tolchstoß in den Rücken deS Verbündeten!" aufs äußerste empört ist. ninimt bei der augcnblicklickvn geistigen Verfassung der fwnzösi'ck'en Nationalisten nicht wcitgr wunder. Man kann demnach aus das EraebniS der Londoner Konferenz gespannt sein. Erst hier wird sich zeigen, ob es England mit feiner..Neuorientierung" ernst meint. TU. Ge«f. IS Februar. Die franeösische Presse steht deiss- ständig unter dem Eindruck der Rede, die der englische Minister deS Aeuhern, Lord Gurzon. gehalten hat. Tie Agence HavaS bat die Erklärung, d'e Lord Aurzon an die Spitze feiner Rede gestellt Haste, den« französischen Publikma ttrhornlicht, aber die Berichterstatter der prosten Panier Zeitungen haben sie übermittelt, und in der diplomatischen Welt, besonders in den Wandelgängen des Parlaments, haben sie wie ein Blitz aus heiterm Himmel gewirkt. Tie Abgeordneten B a r t h o u und T a r d i e u, die von Vertretern der Presse befragt wurden, gaben ihre Ueberraschung zu. vertagten jedoch ihr Urteil bis zur Rückkehr» MillerandS von� der gestern begonnenen Londoner Konferenz. Aber der neugewählte reaktionäre Abg. Graf C a st e l l a n» erklärte of(«n. daß ihn die Rede Lord GurzonS a u fS tiefst« überrascht habe. Man müsse jedenfalls damit rech'»n daß die englische Politik ihre Richtung ändern wolle aul Rücksicht auf Parteiströmungen im eigenen Lande. Frankreich muffe demgegenüber seinen unbeding- i t e n Willen behaupten, auf der Ausführung de» ver- | sailler Vertrages zu bestehen. Auf die Preffe hat die Rede Lorb Curzon». wie der„Popu- �laire" feststellt, wie ern Tbeatereoup gewirkt. Die Regierung»» ; presse, so sagt diese» sozialistisebe Blatt, ist bestürzt. Der TienStag war von entscheidender Bedeutung. Wie Italien, so hat auch England eine neue Stellring eingenommen. Es wurde besonder» bemerkt, daß Lloyd George ausdrücklich die geheimen Abmachungen verurteilt, die bisher die Unterlagen bildeten für dir imperialistische Politik. Da» verhiingniSvolle Wert Clemenceaus ist zerstört. Was aber werden die lapitaiistischen Regierungen unternehmen, um den Friedensvertrag zu verbessern? Ter„TempS" bekämpft di« Polistk Lkoyd George« gegen. über den russischen Sowjets. E» sei klar, daß jede wirtschaftlich« Hebung Rußlands unter den jetzigen Verhältnissen zu einer Stär- kung der Sowjetrcgicrung und schließlich zu ihrer vollständigen Anerkennung führen müsse Di« Erklärung Lord CurzonS über die Notwendigkeit der Revision de» Friedensvertrages fei»och über- � raschender, und mon muß« den Wortlaut der Red« abwar. i t«n. um zu verstehen, m tvelchem Sinne der Redner die Forde. rlRig aufgestellt Hache, daß in jedem Falle die Alliane« zwischen England und Frankreich ai'srechierhalten werden soll«. Da».Journal" gibt zu. daß die Reden Lloyd Georges u«d j Lord Eurzon»«inen schweren Gegensatz der Auffassungen und | Meinungen innerhalb der Entente enthüllen. Diejenigen Groß- mächte, die alle ihre KnegSziel« verwirklicht hätten, seien dabei. ihre Geschäfte wieder in Gang zu bringen, ohne sich an diejenigen Völker zu ketten, deren Ansprüche auf Entschädigungen und Wieder» gutmachungen sich in einer allzu fernen Zukunft verlören. DaS.Journal de» TebatS" anerkennt, daß die Politik England« nach einer Neuorientierung strebe. Frankreich müsse damit um so mehr rechnen, als auchJtalien ohne Zweifel mit der Londoner Politik übereinstimme. Es sei die Aufgabe MillcrnndS. während feine» Londoner Aufenthalts vollständige Klarheit in treker Richtung zu schaffen. Jedenfalls müsse Lord Eurzon zur Erkenntnis gebracht werden, daß ein E i n» vernehmen zwischen England und Frankreich in Kleinasien nur möglich sei mit der unbedingten Aufrechter» hallung der englisch-französischen Alliane« in Europa selbst. Der Pariser Korrespondent de».Lyoner ProgreS" macht darauf aufmerksam, daß Lord Curzon als Vizekönig von Indien «ine durchaus imperialistifbe Politik vertreten bade. Er halt« die Lage England? in Asien beute offenbar für lehr drückend und Bedoitern foftoeftesst und möck'te deshalb, datz England wiroer frei« Hand i» Europa be- 1 komm«. Vonvärts-Verlag G.m.b. h.» EW. 68» Linüenftr«?. Ferutvrecher:«m« Vlorttzviav. Str. 117 53—54. verbrechen öer Kriegsführung. Für den schlechten Ruf seiner Kriegsführung, für den Verdocht, besonders grausome und bcuburische Methoden anzuwenden. darf sich das deutsche Volk in erster Linie bei seinem ehemaligen Kaiser bedanken. Wilhelm II. war eS. der beim Auszug der Chinakrieger zum Entsetzen der ganzen Kulturwelt jene berüchtigte Ansprache an die Soldaten hielt, in der er auf das Beispiel des Königs Etzel und seiner Hunnen verwies, die sich vor Zeiten durch ihre Wildheit„einen Namen gemacht" hätten, und in der er die Soldaten ousforderte, dieses Beispiel nachzu- ahmen, damit tausend Jahre lang keim Chinese es wagen sollte,„einen Deutschen scheel anzusehen". Die englische Presse hat auf Grund jener Rede während deS gaw zeit Krieges die Deutschen überhaupt nicht anders als„die Hunnen" genannt. Wir wissen, daß das deutsche Volk als Ganzes von solchen Gefühlen der Grausamkeit vollkommen frei ist. Es ist nicht wahr, daß di« deutschen Soldaten, im Durchschnitt betrachtet, den Krieg grausamer oder unmenschlickfer aeführr hätten, als irgend ein anderes Volk. In Ouartiersorren im besetzten französischen oder belgischen Gebiet konnte man sehr oft beobachten, daß das Verhältnis zwischen den Mannschaf- ten und der einheimischen Bevölkerung ein außeror- deutlich gutes war: der Bauer erkannte in dem Bauern, der Fabrikarbeiter in dem Fabrikarbeiter und sei- ner Familie sofort den Menschen, der von genau den gleichen Sorgen und Nöten geplagt war, wie er selber daheim. Trotz der beiderseitigen Unkenntnis der Sprache war sofort ein inneres Verständnis für die Bedrücktheit und Onal des einen wie des anderen Teils vorhanden. Oft gewann man einander lieb und trennte sich nur schweren Her- zen? voneinander. Oft kam es vor. daß Fronttnippen. die nach monatelangen Kämpfen in ihren alten Ouartierort ein- rückteo. dort mit wirklicher Herzlichkeit begrüßt und vor ihren ehemaligen Luartierleuten festlich bewirtet wurden. Bei dpn sogenannten„Gebildeten" war eS freilich viel- fach anders. Namentlich in einem Teil des Offizier- k o r p s haben wohl ähnliche Anschauungen wie bei Wilhelm gespukt. Deswegen richtete sich der Haß der Einheimischen auch überall ausschließlich gegen die Offiziere. Nicht etwa, daß sie alle grausam und hochfahrend gewesen mit der Miene deS übermütigen Siegers herumstolzicrt wären. Aber einem nicht geringen Teil von ihnen war doch die ungeheure Machtfülle, die sie ausübten. ihre unbedingte Befehlsgewaft-, gewaltig zu Kopf gestiegen. Durchdrungen von ihrer Eottähnlichkeit sahen sie> weder ftt dem gemeinen Soldaten, noch in dem Bewohner des besetzten Gebietes denkende und fühlende Menschen, wie das selbst ein durchaus konservativer Schriftsteller, der Süddeutsche Adam Röder, in einem kürzlich erschienenen Buche„Der deutsche Konservatismus und die Revolution" mit tiefem Es ist ein sehr geschickter Schachzug der offenbar nach dieser Richtung hin offiziös inspirierten französischen Presse. Eng- ! lands Interessen in Kleinasicn gegen seine neue Haltung Etirotvi gegenüber auszuspielen. Ob daS etwas nützen wird muß die nahe Zukunft zeiaen. Dcut'chland sedenftstS kann eS nur begrüßen, wenn England und Italien wieder zu wirk- sicher Fricdensgcsinnung zurückkehren. Einberufung öer ttationalversammlung! Wie di«„TeuttRe ANg. Ztg."«rfährt» beabsichtigt PrLsibe«t Fchrenbach, di« Rationalversammlvng ziim 24. Februar riiizubrriifcn. Sollte b s dahin da»?Rater!al zu der Auslief«. rungdsrag« nicht so vollstiindig vorliege«, daß«» zum Gegen. stand der Berhandlungen gemacht werden kann, so wird die Notionalversommliing in der Erledigung der laufenden Bor» lagen fortfahren. Tarifverhanölnngen in Pommern. Laut Meldung au» Stettin hoben gestern die Darf fd er Handlungen zivi'chen Arbeitnehmern uno Arbeitgebern in de« Land- Wirtschaft der Provinz Pommern begonnen. Man st über VoTverHandliingen nicht binansg�konimen und vertagt« die ver- band.' ngen aui dc.i 23 d M nttttags. Eine Kommission Wierde eingesetzt, die in der Zwischenzeit einige Fragen erledigen soll._ �egen öcn ftchtftunöentaq. Die Münchener stldtisch« Arbeiterschaft hat sich gegen die Einslihnin« de» Achtstundentage» und der Aktard- arbeit ausgesprochen. T«g>'»en hat die Miinchener Gemeinde den Antrag aus ErhShun, der»»chentliche«« rbeit«»»it von 37>i ans 42 Stunde« an»«»«»«� öeainn öer üänistben Verwaltung. (Trahibericht unsere? Kieler Berichterstatters.) Donnerstag abend kamen eine Reih« hoher dänisch«« B e- am t e n an» Kopenhagen in K o l d i n» r'«. Freitag früh übcrschrittrn sie dir Grenze, wo sie von den BertrauenSlrutr« der Bevölkerung festlich begrüßt wurde«. �uswanörrung öer deutscben aus Thorn. Warscha«, 13. Februar.(Itl) Tie hiesigen Blätter me». den««» Thor«, daß bi» jetzt über 5000 Deutsche die Stadt vre. lassen habe«,«eionder» Beamte und Arbeiter»»»der« nach dem deutsche« Weste« au«. Völkerbund und Saarbecken. « m» e rd n m. 13. Februar.„Telegraas" meiert-u» Londo«. der BölkerbundSrat befaßte sich heut» mit der Rrgr- l«», der Frage de» Laarbrcken« und verwarf da» Er- suche« von vier deutsche« Gemeinden, i« dieses Gebiet aufgenom- «r« zu»erden. Der weiße kerror in Unaarn. Budapest, 12. Febtnar. lNnaarische» Telegr.-Kvrr.-Bste,.) Aus Gr««» der durchgeführten Tiszrplinaruatersuchuug verurteilt« zugestanden bat. Räber, der ein christlicher Konservativer, freilich kein Alldeutscher ist, schii- dert einen charakteristischen Fall, wie ein General ibn groß und verständnisslas angesehen bat. als er ibm gegenüber von dem Seelenleben des Soldaten sprach:„daß ein beut- scher gewöhnlicher Soldat ein Seelenleben baden sollte, dünkte ihm unmöglich"(a. a. O. S. 23). Gegenüber den Anschuldiglmgen der franzosischen Au?» lieferiingsliste erscheint nichts verfehlter, als Taten. wie sie dort behauptet werden, generell abzuleugnen. Daß Grausamkeiten und namentlich zu Grausam- keiten aufreizende Befehle, hoher Offiziere von deutscher Seite vorgekommen sind, kann und soll nicbt bestritten werden. Liegen hierüber doch sogar eigene Geständnisse der Beschiftdigten vor. Wir wollen nur eins erwähnen. Ein General, der zugleich ein bekannter Führer der All- deutschen ist. bat während des Krieges nach in öffent- sicher Versawinlimg vor vielen hundert Zuhörern sich mit folgendem gebriistet: Er habe ol» Kommanblerenber General e» stets b e- dauert, den Befehl nickt geben zu dürfen, daß keine sckwarzen Gefangenen gemacht werben. Er habe a!? General aber wiederholt seinen Untergebenen den Wunsch ge.' äußert:„Ich will keine Schwarzen lebend sehen". Aber der gutmütige deutsch« Soldat bringe doch immer wieder lebend« sckwarz« Gefangene ein. Da der betreffende General nicht auf der Aussiefervngs- liste siebt, so wallen wir. um jede Denunziation an die En- tente zu vermeiden, einstweilen seinen Namen und den Ort der Versawnstuna nickt nennen. Seinerzeit hat die Redak- tion de?„Vorwärts" in einem Schreiben an die da- malige Reichsregierung den Vorfall zur Sprache gebracht und ein Ermittlungsverfahren gegen diesen General verlangt. Was darauf geschehen ist. wissen wir nicht. Sollte aber die Anslieferungsfrage gereaelt sein. , mit» der durch das deutsche Gesetz vom Dezember 1919 vorher U.t.rrt»t»«i.ifte.»»«3 Pr.fess.-l�sehen« Gerichtshof in Wirksamkeit getreten sein, dann wer- wtttm ihre» Brrhafte«» wahren»»t, Pr.lrt«.«r»i»tatur ben wir nicht verfehlen, diesem Gerichtshof unser damaliges lSÄreiöen an die Reichsregierung von neuem zuzustellen, z«« B«» l» st» ihrer Sirllungr». Wir denken.— und darin wissen wir uns mit der jetzi- zen Mcgierung einig— nichrandenSchutzvonVer- brechen oder Verbrechern. Wir pflichten aber voll- lowinen der in der„Freiheit" geäicherien Meinung bei. daß auch der S ch w e r st a u g e s ch n l d i g t e Anspruch auf unparteiische N i ch t e r hat. Nach allem bisher Vorgekommenen können wir französischen und englischen Ge- richten nicht die Fähigkeit zuerkennen,.die Frage der Ver- rutwortlichreit und des persönlichen Verschuldens ohjeki.v zu eurteilen. Jeder, der einem Ententegericht auSgeliesert mird. ist bereits im voraus ein V e r u r t e i lte r. Die man- Müde Objektivität der Entente loird durch nichts besser illustriert als durch die Tatsache, daß. sie von vornherein uriegsverbrechcn und grausame Vesehle aus ihrer Seite 'irr auR g eschlo s s e n. erklärt, obwohl die Ententeoffiziere um großen Teil dürchaus Geistesverwandte ihrer deutschen >tollegen waren, und obwohl die Hungerblockade gegen Deutschland doch schließlich auch eine Tatsache ist. Man stelle sich, vor: Zwei Männer sind miteinander in Schlägerei gc- raten. Sie haben irr der rücksichtslosesten Weise alle Kniffe und Piisfe gegeneinander angewandt. Nun erklärt der Sic- gcr, der dem Unterlegenen das Knie ans die Brust gesetzt „Erstens hast du jetzt zuzugestehen, daß von meiner Seite keine Ucbergrifse erfolgt sind, zweitens werde ich a«gsn dich ein Verfahren wegen unfairer Griffe eröffnen. Und zwar werde ich selbst dabei als R i ch t e r fungieren." Daß so etwas ein Holm auf jede Gerechtigkeit ist, kann anch ein Blinder sehen. Wir fordern gerechtes, unparteiisches Gerücht, aber mit ..er gleichen Entschiedenheit verlangen wir auch die 23 e- st r a s u n g r a t sä chl i ch vorgekommener U e be r- griffe und Grausamkeiten. Die Angeschuldigten mögen sich jetzt bcwujch bleiben, daß wir nur das. Prinzip der Geb echt i g k ert, nicht ihre Personen, verteidigen. ie zum Teil jedem anständigen Menschen glles andere als Mpathjsch sind. Aber weil das Gerechtigkeitsprinzip n'u r i n ihrer Person geschützt werden kann, deshalb, ollein deshalb,'müsien wir darüber hinwegsehen. Diese schwere Pflicht mögen uns die Angeschuldigten nicht selber fort- gesetzt erschweren, wie z. B. der General d e l a E h e v a l l e- > i c durch feine provokatorische Erklärung. Sie bringen damit dem Volke' nur immer wieder zum Bewußtsein, daß' es 'in Teil sehr unwürdige und anfechtbare Ver- i r e t e r sind, in denen sich das Prinzip hier verkörpert. Leute, die gegebenenfalls das ganze Volk mit un erhör- :?.n Opfern verteidigen soll,— wenn auch nicht um ihrer Person, sondern um der Sache willen— haben in erster Linie die Pflicht b e l ch eü d en z u s ch W eigen. Wenn die Angeschuldigten erklären, daß sie sich auf keinen Fall selber stelle.» werden, welche Leiden auch das Volk deswegen...auf sich nehmen muß, so erinnert solche Erklärung nur in allzu starkem Maße an jenen Generalsdiinkel, wie ihn der Kon- izrvative Adam Röder, richtig beobachtet hat. An jenen kalten. Dünkel, der in den 300110 ihm unterstellten Menschen nur seelenlose Geschöpfe sieht/die mr den höheren Ruhm und öen Pour le märite des Herrn Generals besinnungslos in den Tod zu rennen haben. Diese Haltung kann nur dazu führen, daß das Bewußtsein von der Untrennbarkeit des .Prinzips und der Personen in diesem Falle im Volke sich stjtfejt.;.. .'..Aber was diese Herren auch tun und denken: Fsiu die - e g'a n t w o r.t Nch e n Stellen darf ein automasenhastes Ableugne« aller Anschuldigungen nicht in Betracht komm«).. Hier kann mir gelten: S t r e n g e u n d e nw r g i s ch e B b- 'it r 0 f v n g aller wirklichen Verbrechen, aber auch n u r dar wirklichen'Verbrechen. And dazu ist erste Voraussetzung ein. nnparteüfsches Gericht. UnabhäNglge Selbstkritik. Der Teneralsekrctär der französischen Partei, F r o s s a r d, erzählt in der„.Humanitc" von einem Gespräch, das er bei unncr Zusammenkunft in Bern mit dem Vorsitzenden der Un- abhängigen Sozialdemokratie. Crispien. geführt hat. Auf Sitte um Ruhe!. Parole von Rechts zur AuSlieserungSsiaze .Wir wollen ste mit unser« Leibern beifcn." Ein Ehor von Mäulern reiht sich» auf, von großen Mäulern, fast zum schrecken. Besessen brüllt, ein bunter Harrf nach Schießgewehr und Knotenstecken, und slandaliert,*• und agitiert: „Schlagt in die Pfanne die Verräter, wer treugesinnt, sei Littenläter l" Leicht watet wohlgemut im Mord der Lärm von hundert Schnarterweibern. schon fanden sie ein griffig Wort: .Wir decken sie n ii unfern Leibern�.— Im Hintergrund bleibt man gesund: .DaS schadet denn dem PlcbS das Sterben, Da? beste Blut darf nicht verderben." Zerstörung gab für Leuck und Land- die Lügenherrfch.aft- dieser Schreier, -doch unentwegt mit flinker Hand..-.- i zerrupfen sie die TobsuchtZleier. ObS noÄmal zieht, das alte Lied? Will man dem Unrecht widerstehen, muß Närr und Schurke schweigend stehen. '_ S ch I ar a ss.> -Richard Dehmels Einäscherung fand gestern nachmitiog in einer Stunde statt, die draußen Sturm und Regen um das LxiuS brausen .ließ. Die Kuppelhalle des Ohlsdorfer Krematoriums, von feierlicher .Ruftl durchtönt, war voll von Menschen. Die an der Bahre des Dichters Abschicfcsworte sprachen, taten es im Geist der Nähe zu einem Kämpfer, der sein Lebenswerk stark und groß volldrachl hat. Was Gerhart Hauptmann, dem Erkrankung die Reife nach. Ham- ourg unmöglich gemacht hat, gesagt haben würde, wäre cmSgeklun� ytti in den Gedanken Dehme! und Deutschland, und daZ bedeutet: ihm Zuversicht auf ein neues gereinigtes Werden bes'Landes, dem der Dichter mit so heißer Liebe Treue gehalten, Treue bewiesen hcche:„Du wirst Söhne haben im Geist, Söhne und Töchter,'wie Sand am. Meer, und das. arme gemartert« Deutschland wird nicht Änte?gehen.">.■ die Frage Frosiards, ob eine revokutionäre Bewegung in Deutschland demnächst zu erwarten sei, habe Crispien unter anderem geantwortet: „Manche Genossen glauben zwar daran, ich aber nicht... Wir babeu übrigens den Emdnick, als ob die Reaktionäre es nicht, ungern sächen, wenn wir sofort ans Ruder gelangten— damit sie uns sicherer und schneller loswerden. Wir könnten nur schwer die Städte verproviantieren. Das würde in allerkürzester Zeit zum Sturz unserer Regierung, genau wie in Nngarn, führen und die Wrcdererlangung der Machi durch die F u n k e r be- deinen. Dank den Vorräten an Lebensmitteln, die sie aufgestapelt haben, würden letztere dem Bolle die Illusion einer sofort ein» getrelesien Besserung geben können— und alles wäre vorbei!" Tasstst nur eine Wiederholung der Zlrgiuncntc, mit denen Hi l s e r d in gi die radikalen Beschlüsse des Leipziger Partei- tagcs in der„Freiheit" seinerzeit kritisierte. Slllerdmgs mit dem Unterschied, daß Hilserding• zum rechten oppositionellen Flügel gehört, während die radikale Strömung in der U. S. P. nicht zuletzt unter Erispiens Einfluß»and Führung stärker wurde und in Leipzig siegte. Ter Sekretär der Schweizer Sozialdemokratie Hugg- le r, der an diesem Gespräch offenbar als Dolmelscher teilnahm und selbst soeben aus Berlin zurückgekehrt war,' be- stätigte die Angaben Erispiens wie folgt:„Wenn die Un- abhängigen ans Ruder gelangten, würden die großen Städte, in denen sich alle ihre Kräfte befinden. Gefahr laufen, u-n v e r z ü gl i ch a u s g e h u n gert oder niederge- worfen zu werden. Schon halten die Bauern die Lebens- mittel zurück und stapeln Vorräte auf.". Und weiter sprach Huggler von den Nichtorganisierten. ans die sich die Werbearbeit der Unabhängigen konzentneren würde, folgendermaßen: „Eö gibt ein zahlreiches Lumpenproletariat, na- menklich in Berlin, emen dunklen Plebs, der fähig ist, sich dem Meistbietenden zu verkaufen und alle mögli- che« EZzess c zu begehen. Ganze Viertel sind leben-Sgefähr- lich geworben, sellgt bei Tageslicht riskiert man dort, überfallen und beraubt zu werden." Es interessiert uns.sehr, von Huggler zu hören, daß die U n a b h a u g i a e n aus diesen dunklen Elementen klassenbewußte Anhänger des Räte s y st c m s machen wollen. Wenn man von diesem Lumpenproletariat liest, das sieb meistbietend verkauft und aller möglichen Er- zesie fähig. ist, wer denkt da nicht an die Januar- und Märztage 1919 in Berlin und an die Helden der Räte- revolution in München, Düsseldorf usw.? Es wundert uns nur, daß Frossard, der große Bewun- derer der Unobhäugiaen. nicht gemerkt hat, daß, indem er diese Aeußerungen Erispiens und Hugglers zur Kenntnis der französischen Sozialisten brachte, er damit die deutsche Mehrheitssozialdemokratie in einer Weise rechtfertigte, die wir von der„Humonitö" in dieser Zeit nicht erwarten durften.___ 1 die Zahrt der Kaiserin nach tzollanö. Beleidigte Generale. Wir erhalten folgende'Zstschvlft- des Deutschen OsfisierZ- bunder.:'.,. In; eiftcr. öffentlichen• VeAauwcknna. der ZevÜMMtttei in . Ravensburg'har Herr Er�öergr-r ani .hauplu:'. ,Pliö e« sich seiiwzzeil darum. haubeste, ainen Äe.u e r.a.l zur. Begleitung-Sin Kaiserin-'qäch Auieoongeu zu findest, hätten a'lle Befragren abgelehnt, d�a r.u nt ear auch-« i n be- k a N N t e.r H o fg c n e r.al! Ter Sozialdemokrat Molkrnbuhr habe dann mangels anderer Begleitung das Amt auf sich genommen, die Kaiserin nach Holland zu bringen, mst»-habe dieses Amt ohne Fahr- durchgeführt. Da diese Bebauptnng eine schwere B.el.ei-di gung der Generale enkbält, hat der D.O.B. die Angelvgcnheit geprüft ur.d einwandfrei folgendes festgestellt: Als Ihre Majestät die Kaiserin den Wunsch zu erkennen gab, nach Äuicrongen zu reisen, übernahm der damalige Kriegsminister Staatsopcr: Tcr-Waffenschmied. Lortzing: Das ist die Wieder- geburt des Sinns für reine Melodie weicher Linie im Gesang, zart? und schmiegsame Instrumente: ist Erinnerung an naive, nur märchenhast-prümitive Dichtung aus Deutschlands Kleinbürgertum. Ist Fröhlichkeit der Noten, lachende Bewegtheit des Spiels, ist trän- selige Rührung. Eine kindlich-harmlose LiebeZgeschichst, in der die Karten vom ersten Takt an ausgedeckt sind. Der Bürpcrtrotz des alten Ttadinger gegen den gräflichen SldelSmann ist. so meister- singcrlich er sich gebärdet, doch nur stille Unterbrechung einer geläuterten, ruhevollen Kleinstadtatmosphäre: nicht tragisch, nicht Lebensmotiv. Diese sonnige, launige Heiterkeit lortzingischer Volkslieder war nur im Orchester der Staatsoper. Otw Ucack,.den böse Zungen schon längst in den Ruhestand versetzten., führte die Instrumente mit leichter, graziöser, lieber Hand. Auf den Brettern aber war Griesgrämigkeit, gemachter, nicht erlebter Humor(bis auf den ge- lungenen Knappen HenkeS). Es kauten Arien, Chöre und Lic- der, luftige und tränend-sentimentale. Wer die Stimmung, das Lächeln, die Traulichkeit blieben tveg. So wirbt man nicht um Lortzina, der dem Volke gehören sollte, wie Weber und Wagner. Ein Spiel muß sein und Leben. Und ein Schein von Wahrheit; wenn wir dann seufzen und lächeln, dre alten Melodien mitsunnnen, dann wär' wieder. einmal„eine köstliche Zeit". Marie Esch er spielte lieblich und rämpstx gegen einen Kö- larrh;.Frau Sch e e I e-M ü l-le r unterstrich das Groteske des Ältsüngferlickien zu dick; VronS.geest blieb ein. matter, wem: auch stimmlich kräftiger trefflicher Graf;. Schützend ort' quält sich in der Hätz: und unlstreickjelt die kleinen Humore. Sein großer Schlager aber aus der blondgelockten Jünglingszeit wirkte wie stets. Aus- nehmend gut klangen die Chöre. Ein anderes Temperament auf die Bretter— und die nächste Volksvorstcllung macht tausend� Mcn- scheu für einen Abend froh. IL. Die Berstaatiichung deL HrilwefenS.?m Udker-Berlag Berlin ist soeben eine Denkschrift erschienen, zu der sich unter Führung von Dr. med. et plsil.' Hans Lungwitz eine Reihe hervorragender Hygieniker, darunter Professor Dr- A- Dnhrssen, Dr. Dreuw, Dr. Krämer ustv. zusammengetan haben, die für die Verstaatlichung dcS Heil- und Fürsorgewesens eintreten. '„Der letzte Walzer"(E rstan ffnh ru n g im Berliner Theater)...Vorspiegelung falscher Tatsachen" sag: der Jurist so wunderschön stumpfsinnig— aber es läuft den ohnehin mitunter nur halbbekleideten Premierenbr-fuchernrnen neben' anderen Schauern auch noch ter' SEander-vor der D»ix sangst übet den Rücken,, iveuN der ivegen Beleidigung-eines Mitgliedes des Zaren- baufes. angeblich zum Tode verurteilte Damenlicbli'ng Graf Dimitri .Sarawn.welch zchimer.-Nmne-l)-«lliche Stunden.-bevor.ihn die Ku- gel» des schon für. i hu bestimmten Pelotons'treffen,,.noch-—-.den letzten Walzer tanze?.kann, der-nch-l etfoa.alp �HetchcrsPalstzetz- Ersatz ge!vährt...lst. sondern mit allen Sterten geirofien-werden darf. „Natürlich" hat der- Großfürst nur so getan, denn er ist im Grunde 'genommen ein gu:'er Kerl— die. Damen des HofbgLettk bezeuge» die Vorbereitung und sichere Durchführung dieser. Reise. Hiekzn sah er neben anderen Sicherheitsmaßnahmen die Mitreise eines Generals vor. Die Generäle Renner und Rohden»: ld e. klärten sich auf Anfrage sofort bereit. En, bekannter Hosgeneral" oder ein anderer General sind überhaupt nicht gefragt worden. Einer von be.dcn, der General Rohden, ald, Inspektor der Eiscirbahntruppen, wurde zur Mitreise bestimmt und hat dann auch tatsächlich den Zug bis zur holländischen Grenze begleitet. Mit Rücksicht auf das auch den Bahnverkeh: störende Tieiben der Arbeiter- und Soldaienräte regte ferner der damalige Kriegs- minister- bei den Vobksbcauftragten an. sie möchten außer der militärischen Begleitung eine geeignete Persönlichkeit lhreö Vertrauens mitreisen lassen. Ms solche wurde Herr Molken- d u h r, der ältere, dezeichnet. Auch e r machte die Reise mit. Aber nicht, weil kein General mitreisen wollte, sondern mit dein Ge- ncral und der sonstigen militärischen Begleitung. Sowohl General Rohdewald als auch Molkenbuhr waren auf den von den Volks- beauftragten angefertigten Pässen angeführt. Nach, vorstehenden Fcstltcllmtgcn haben sich die Angaben dsS Herrn Erzberger als unwahr erwiesen. Dies zu ermitteln, wäre auch für Herrn Erzbergcr ein leichtes gewesen, che er den Versuch machte, die Behauptung in aller Oesfentlichkeit gegen die Generale zu verwenden. Der Deutsche Osftzierbund nr.rß als Vertreter der Stades- interessen der gesamten Offiziere gegen ein derartiges Vorgehen, dessen Tendenz sich salbst richtet, schärfste Verwahrung einlegen. Außerdem ist gegen Herrn Erzberger Strasan- trag wegen Beleid-igung gestellt. Erst durch diese Zuschrift wird der Ocssenttichkeit be- kamrt, welche Sorgfalt die sechs Volksbeauftragten im No- vember 1918 daran wendeten, die Frau des Exkaisers ohne jede Behelligung über die Grenze zu bringen. Die Dar- ftellung des D.O.B, entspricht in der Hauptsache der Wahr- Heft. Die Exkaiserin reiste mft einem Paß. der von allen Volksbeauftragten. also auch von Haaft, Dittmann und Barth. unterzeichnet war und wurde vom Genossen Molkenbuhr und dem General Rohdewald b:s an die Grenze begleftet. Ob anderen Generälen dieser Unternehmen zu gefahrvoll schien imd sie deshalb die Beteiligung ablehnten, wisien wir nicht. der Belvcis für dielc Behauptung nritß Herrn Erzberger überlassen bleiben. Sicher ist nur eins: hätten alle Generale so gehandelt wie L u d e n d o r f f, der da?nals zu Schiff nach Sck>:oeden war. w Isiitte sich kein General gesunden, der die Exkaiserin hätte begleiten können. Es ist hübsch, daß die anderen Herren setzt die Unterstellung, sie wären vom gleichen Geist der Vorsicht be'eelt gewesen, als eine Beleidigung zurückuxisen._ ver neue Hejchäfisträgec für Argentinien. Zum deutschen Geschäftsträger in Argem fiiien ist der Konsul Dr. OblShausen ernannt worden. Dr. OhlLhausen hat viele Jahre seines Lebens in Südamerika verbracht und lennt die der- tigen Verhältnisse. Man bofft in diesem tüchtigen Beamten die gcetgnc:ste Persönlichkeit gesunden zu haben, um die deutschen B:- Ziehungen in diesem ausblühenden und zukunftsreichen Lande zu pflegen, das während des Krieges seine Neutralität Teutschland gegemiber bewahrt hat. Antisemitischer Stuüentenpö'bel gegen Einstein. Durch die Exzesse eines antisemitischen Studenten.- .psthelS ist die gestrige Borke i.ing des bekannten Prosei.sors Ein st ein, der die wiffenschafiSnmmmzeude Rel a t-ivirä t»« h e o r i e aufgestellt hat, zun, Schauplatz wüster- Szenen geworden. Professor Einstein-hatte gewünscht, daß seiner Vorlesung auch n ich t i m m a tri k u lie rte Hörer beiwohnen könnten. Der Studentenausschuß kam dagegen zu einem ablehnenden Be- schlust Zu Beginn seiner gestrigen Vorlesung bedauerte Professor Einstein diesen Beschluß und bat dann in der ruhigsten und sachlichsten Weise seine Hörer, mit ihm darüber zu beraten, an welchem Orte vielleicht doch das Kolleg in der von ihm gewünschten Weise abgrlalrcn werden könnte, da er auf seinem Wunsch, auch nicht- es ibm ja und da, muß eS natürlich n�hr sein. Allerhand Handlung und noch dazu einige Spannung, wie'S wohl noch werden wird; das ist mehr als man heuzutage von einer Operette verlangt. Und dann Schlager, Schlager im 1. Akt geht'S schon loS und der Hauptschlager kommt im dritten „Ch,!«, la, öh,!a, la, das kann ein Glück sein, oh, la, la, oh, la, la— das kann ein Trick fern.. Barer Unsinn, wenn man's so niedergeschrieben sieht, aber hinreißend gemimt und gesungen von der M a s s a r y, diesem lebendig gewordenen Begrifl von„Ich weiß nicht was"(so schr an ihr anregt), wie ein geutboller Franzose einmal in äbnlichein' Falle gesagt Hai. Ein Rageweib mit schlummernden Reizen, die alle geweckt werden von Oskar Strauß, dem glücklichen Verfasser der Operette, dem sehr Ijülsschc Sächelchon eingefallen find in Sang, und Klaqg und auch in instrumentalen Dingen kleinen und' grö- ßeren Formate-. Die Llbrettisten sind die Herren Julius Brammer und AI- sred Grün wald.„Es tut mir in der Seele weh, wenn ich. dich in d e r- Gesellschaft seh'!" braucht man glücklicherweise erst im letz- ten Akt zu sagen, dann aber um 5b mehr. Neben der Massary verdienen noch besonders Otw Storm, ihr Gegenspieler, und die Damen Jan otv i tz und Engl, sowie die Herren W a tz m a n n, Kühne und Scholz genannt zu werden. Ausstattung und Or- chester, das vom Komponisten dirigiert wurde, waren fehenS- und hörenswert.■ Ter Schweizer Dichter und Litcratnrforschtt Adolf Fretz, der in jungen Jahren die Freundschaft des schwer zugänglichen Gott- .sried Keller gewann, au- der ein schönes Buch.Erinnerung" hervorging, ist 65 Fahre alt in Zürich gestorben. Er hat eifrig der Aufgabe gedient, der Schweizer Dichtung in Deutschland eine Heim- statt zu schassen. Die aber verdient auch seine mannhaft warmherzige ernsthafte Lyrik._ Theater. Die Uraufführung von Romain RollandS Danton ta Großen SchausticlfauZ am Sonnabend Legirmt pünlllich um 6'!, Uhr. Musik. Zu Ehren A I e r i-5 5-> c i l a e n d e r S. des Tousetzers und Munkpädaqogen, der nrn 25. Februar 80 ftahl« olt wird, sindet am 22. Fe- bruar. nach»'. 4 ilvr. tu der Singakademie ein Festkonzert statt, in dem ausschließliib nompolitioncn HellacuderS zur Aufführung gelangen. Kartm bei Schlesinger. Eine Ausstellung von Haudzeichuungcu der verstorbenen Künstler Tbeo von Vrockhu'eu uno Waidcznar R o S l c r wird am 14. Februar in der Galerie Möller«öffnet. I Filme für Sandwirte. Tie Deutsche Ächtlnld-Gesellsckalt bat eine «onze iieioc a«rte wo ersiänb 5 che r Fam» und LeGliii»« fir Landwirte geschaffen. Im Zusammenhang mit der diesjährigen Berliner LandwirilchastZwochc reramtaltet sie von beute ab bis Ende des Monats tüqlich von 10—6 Uhr Borsubrungen von FSmen'or da« Land in den Vorföbrungöräumen der Neanlichk�rseUchast/ Friebrtchstr.»tS, oder Kursürstevdamm 24. Ueder erregende und betäubende Gcnusimittel itzricht Dr. L. Le« w i n am 20. Februar, abends 6 Uhr. in der Aula der Technisch«» Hoch- schick« zum Lest« der Hchsaaft derselben. inrmtrtrfMterfe HSr« zvMÄassen, bestehen«Me. Die Nnt- wort war ei« Riesenstandal seitens einer Gruppe von alldeutschen Studenten, der sich in Rufen wie„Jude!" und ähnlichen auS- todte. Dao-zus erNärte Professor Einstein, dast ex sein Kolleg ab- sage und durch die Quästur die Rückzahlung der beueiiS einzc- zahlten Kolleggelder veranlassen werde. Professor Einstein ist einer der wenigen Deutschen, dessen Tlaau auch heute noch im ganzen Ausland uneinge- ichränlles und unangefochtenes Ansehen genießt. Wenn eine Scheie grüner' Jungen'aas deutsche Ansehen nicht anders glaubt verteidigen zu tonnen, als daß sie diesen Mann mit antisemitischen Unslätigkeiton beschimpft, so kann es einem um die'Geistesverfassung dieser„Deutschlandsretter" wirklich leid tun, Hoffentlich ermöglicht der Kultusminister auf diesen Vorfall hin sofort Professor Einstein, seine Vorlesung in der von ihm gewünschten Art an einem neutralen Ort aozuhalten, Gerade der Umstand, daß Professor Einstein Hörer auS allen Schichten wünscht, beweist uns, daß der Bildungshochmut nicht eine Eigenschaft der wirklich Wissenden, sondern nur jener Halbbildung ist, wie sie wohl fcvn im nationalistischen Dhrasenrausch ersoffenen Trägern bunter Mützen eignet. Prozeß Erzberger-tzelsserich. Die Freitagsverhandlung beschäftigte sich mit der Beteiligung Erzbergers an der Erfindung eines Ingenieurs K o w a st s ch, der ein Verfahren erfunden hatte, flüssige Luft als Spreng- üoff zu verwenden. Um Mi 10 Uhr eröffnet Landgerichtsdirektor Vaumbach die Verhandlung, Vors.: Ich nehme an, baß der Herr Angeklagte sich zunächst zum heutigen Thema äußern wird Helffcrich: Es handelt lich mm die geschäftliche Ausnutzung der flüssigen Luft als Sprengmittel durch den Herrn Nebenkläger. Erzberger hat spätestens im Herbst 1011 ein finanzielles Interesse an der Verwertung dieses Patentes eines Ingenieurs Kowastsch zur, Verwendung der flüssigen Luft als Sprengmittel genommen. Es wurde zu diesem Zweck ein Kon- s o r 1 1 u m gebildet, an dem Erzberger, Kowastsch. ein Herr Baldus und die Thyssensche Gcwerlsebast„Deutscher Kaiser" mit je ernem Viertel beteiligt waren. Erzberger hatte durch seine engen Beziehungen zum Kriegsministerium Kenntnis von der gefährlichen Knappheit an Stickstoff. Als Referent in' der Budgetkom- Mission wußte er, daß für den Bergbau vom Frühjahr ISlö an nur geringe Mengen von Stickstoffsprengmitteln würden abgegeben werden können. Zunächst hat Erzberger sich bei den Behörden, vor allem im preußischen Handelsministerium und dem Vorsitzenden der Prü- tungskommisfion für Sprengmiltel, Geheimrat Will, ganz ein- fettig und mit großem Nachdruck unter Hervorkehrung seiner Eigen- ichaft als Mitglied des Reichstags und Verschweigung seiner Finanziellinteressiertheit für das noch ganz unfertige Kowastsch- Verfahren eingesetzt. Mehr als das! Er hat den, Versuch gemacht, andere bessere Verfahren des Sprengcns unt flüssiger Luft beim Handelsministerium und den Bergbehörden zu diskreditieren. Nachdem Erzberger sich den Boden vorbereitet hatte, trat er an die Bergbaurnteressenten heran und bot ihnen unier Hinweis auf die vom Kriegsminifterium in Aussicht genommene Einschränkung der Belieferung des Bergbaues mit Stickstofffprengmrtteln sein Verfahren an. und zwar zu Bedingimgen, die wegen der durch die S t i ck st o f f k n a p p h c i t geschaffenen Notlage als eine Aus- nutzung aufgefaßt wurde," T£t Herb Nebenkläger verlangte sstr die , Ual-erlassunA des noch unfertigen und später als unbrauchbar er- „wioseneü Verfahrens,«icht weniger,. als f ü n f M i II i t:n e n -Varl. Der Bergbauverein Icchnte dieses Angebot ab. Die Jnter- cssentsn an dem Marsitverfahren hatten inzwischen den Eindruck gewonnen, daß die Erzbergersche Einwirkung nur zu überwinden sei, wenn sie Erzberger finanziell interessierten. Infolgedessen kam dann eine Fusion der beiden Gruppen zustande. Die Wirkung ivar, daß Erzberger sich nach der Fusion mit genau demselben Eifer für das vorher als unbrauchbar preisgegebene 5towastsche Verfahren. 'o jetzt für das bisher als lebensgefährlich bekämpfte M a rsi t verfahre si einsetzte. Oberstaatsanwalt Krause: Woher wußten Sie dcS, waren Sie, Herr Angeklagter, damals schon Staatssekretär? Helffe- rich: Mir sind diese Mitteilungen auS BergwerkschaftS- k reisen zugegangen. Rechtsanwalt Dr. ,F r i ed l än d e r: Ich möchte im Namen des Herrn�NebenklögerS folgende Erklärung abgaben:»Die Gegenseite bringt hier, wie m allen Fällen, einen Komplex von an sich unauffälligen Tatsachen. ES ist immer loieder dasselbe System der BerdSchtigung des Herrn Nebenklägers. Dak Interesse des Herrn Nebenklägers an der Erfindung beginnt nicht erst im»Jahre 1014, sondern schon im Jahre 1910 oder 1911. Durch Vermittlung emcS Parteifreundes, des Paters Simonis, wurde dem Nebenkläger der Ingenieur Ko- wä-stsch zugeführt, der eine bedeutende Erfindung gemacht haben sollte. Kowastsch legte dem Abgeordneten Erzberger seine' damals noch nicht patentierte Erfindung vor. Erzoerger erktnrnie, daß eS sich um eine Sache ven rntgeheuter Tragweite handelte, um einen Sprengstoff, der die Gefahren der Berg- arbeit er beim Sprengen vollständig beseitigte, der den Bergbau mir unnemrbaren Mengen Sprengstoff mit verhÄtniSmätzig niedri- gen Preisen versehen konnte. Erzberger beteiligte sich zuerst mit einigen tausend Mar! an der Bürgschaft, die zur Durchführimg der Patentierung beim Patentanwalt gestellt werden mußte, da der Erfinder zu a r m dazu war, die nötigen Summen hierfür auszu» bringen. Er hat diese Summen gegeben, ohne etwas davon z u haben, ohne jede Gswiuuibeteiligung. Als das Verfahren dann patentiert war, wandt« er sich an einen Parteifreund, dem Fabrikbesitzer Baldus, der sich mit 20000 Mk. beteiligte. BaMls erklärte dann, es sei ungerecht, daß Erzberger nicht beteiligt sei. Erzberger solle sich mit AXW Mk. beteiligen, et, Baldus, über- -rehme die anderen 18 000 Mk., und für Erzberger solle dann eine lOproz entig« Gewinnbeteiligung vorgesehen sein. Im Kriege erhob sich dann die Frage, wie weit das Mittel sich als S i ch erhei ts sp rwri g fto ff als brauchbar erweisen würde. Das Mittel bewährte sich dort außerordentlich. Später ist Erzberger ausgetreten. Der Herr Nebenkläger bat in dieser Angelegen- Mt vollkommen uneigennützig gehandelt.— R.-A. Als- lo r g: Unser Wunsch ist es, daß der Herr Nebenkläger aus alle diese Fragen als Zeuge antwortet,— Zeuge M iniflerialdiret! or NcuhauS teilt mit, daß de- eigentliche Referent in divscr Angc- gelegenheil, Geheimrat ht o l e n S! t. versterben sei, und daß der in den Akten genannte Geheimrat Menzel mü der Angelegenheit n:cht vertraut sei.— Taraus wird Reichs sin an-zminist e r Erz- I' e r g e r als Zeuge vernommen. Er gibt folgende E r k I ä- rung ab: Im Jahre 1910 ist Herr Kowalsch au mich heran- getreten, und zwar mit der Form einer neuen S t a t i st i k. In den daraufsälgenden Verhandlungen machte er mich aus seine Er sin- du ng aufmerksam, flüssige Lust als brauchbares Sprengmittel zu verwenden. Der Fabrikbesitzer Baldus hn�c dann das Geld ge. geben. Ich sagte ixnnal« zu Äeheimr«rt Polentzki, daß«ck? und mmtt Freund das Verfahren Kowatsch unterstützten,«Ähcimrat Polentzki erwiderte mir:„Das ist mir'ehr wichtig." Ich betone nochmals,-ch Habs uich: geschäftliche Vorteile, sondern das Wohl der Wgcmeinheit im Äug: gehabt. (Forksetznmg in der AorgeuauZgcche.) Wirtschaft. Die«eue Wirtschaft? Der Direktor der A.E.G. Vaul Mamroth ichreibt, in Nr. 8 der„A.E.G.-Volkswirtschastlichen Blätter": Der Zusammenschluß der A.E.G. mit der Siemens u. HalSke- A.-G. und dem Großaktionär der in Liquidation tretenden Auer- Gesellschaft, Geheimrat Koppel, zum gemeinsamen Betrieb der drei größten Glüblampensabriken Europas, ist ein bedeutsamer Schritt auf dem Wege zur neuen Wirtschaft. Mit der Entwicklung der letirischen Glühlampe ist die Geschichte der A.E-G. eng verbunden. ES ist sehr zweiselhast,- ob unsere Ge- sellschaft ins Leiben getreten wäre, wenn nicht Emil Rathen au 1831 die Bedeutung der noch recht primitiven Kohlensadenlampe erkannt hätte, die Edison auf der Pariser ElekrizitätSaus- stellung vorführte. Bis dahin Wae für den Laien der Begriff: elektrisches Licht schlechthin gleichbedeutend mit der Bogenlampe; aber auch berufene Vertreter der Technik standen der Edison- erfinldung kühl und ablehnend gegenüber. Mamroch schildert dann die Bemühungen und Erfolge der von Emil Rathenau aus Grund der deutschen Edisonpatcnte inS Leben gerufenen Studieng es ellschafi. Er erinnert weiter daran, wie die Glüh- lampentechnil über die Aernst-, Tantal- und Osmiumlampe ihre Wiedergeburt in der Erfindung deL gezogenen Metalldrahts und der Herstellung gasgefüllter Lampen fand. Vereinbarungen zwischen der General Electric Eo in New Fork mit einer aus A.E.G., S. u. H. und Auer bestehende» Patentgemeiuschast sicherten bis zum Kriegsausbruch unter Herstellung territorialer Abgrenzungen die gemeinsame Arbeit. Die deutsche Gruppe, die anderen Fabrikationsftrmen im In- und Auslände durch Lizenz» erteilung die Beteiligung an der Entwicklung ermöglichte, hat zusammengehalten und in schwerer Zeit ans dem Glühlampen- markt Nützliches geschaffen. Aber ein hoher Grad tochnischcr Leistungen in wirtschaftlicher Einheit war nur von der völligen Verschmelzung der drei Fabriken und dem vereinten Streben ihrer führenden Männer zu erwarten. Diesem Ziel dient die jetzt durchgeführte Transaktion, Die OSram-Werke G. m. b- H., an der wir maßgeblich beteiligt sind, erwerben die Lampenfabriken der A.E.G. und von S, n. H, Die drei bewäbrten nnd beliebten Marken tverden auftcchterhalten, allen Werkstätten stehen die gesamten FoSrikaiionSerfahrungen der drei Firmen befruchtend zur Verfügung Große Laboratorien dienen dem Fortschrei. ten von Wilsenschaft und Technik. Eine maß- volle Preispolitik, die zurzeit durch Verein» barungen mit in- und ausländischen Lizenz- trägern ergänzt ist, gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Verwaltung. Di? Pressemitteiffingen über die Gründung der O s r a nt» G. m. b. H. bedürfen einer Berichtigung. Die neue Gesell- schaff ist eine K o m m a n d i t g e f e l l i ch a s t, für die es gesetzmäßig k e i n e n A u f s i ch t L r a t gibt. Die Mitteilung, ,>den Auisichtsrat bilden folgende Herren", war also irreführend. Ans dieseni Wege hat man also die Arbeit» n e h m c r von einer Wahrung ihrer Interessen und der der Mgemeinheit ausgeschlossen. Man hat ein reines P r i» vatmonopol geschaffen. lind soläte Privatmonopole, nemff Herr Mamroth„Neue Wirtschaft", zu solchen Privat nronopolein bietet ein Walter R a t h e n a u die Hmrdl Peinlicher Widerspruch zwischen Theorie und Praxis! Und die Jodufirie kaust! Unter diesem Stichwort haben wir uns mit den Kohlen- schieb, ungcn wiederholt beschäftigt und darauf hingewiesen, daß an den elenden Zuständen diejenigen schuld sind, die kaufen! Die„Boss. Ztg." veröffentlicht unter dem Stichwort:„M a t e r i a l v c r f ch i e b u n g c n" folgende Einsen- dung aus der Berliner Großindustrie: »Die außerordentlichen Schwierigkeiten, mit denen die In» dustrie unter den heutigen Verhältnissen bei der Herstellung ihrer Fabrikate ohnebin zu kämpfen hat, haben in den letzten Wochen eine unerhörte Steigerung dadurch erfahren, daß die notwendigen Rohstoffe in wachsendem Ilmfange von gewerbsmäßigen Schiebern aufgekauft werden. Zu dem Mangel, der in so vielen wichtigen Rohstoffen vorhanden ist, tritt also die Tatsache, baß auch die vorhandenen Materialien der Produktion innner mehr entzogen werden. Die Gründe für ein solches Vorgehen liegen auf der Hand: einmal ist den Leuten bielfach das Material lieber als unsere Papiqrscheine. sodann aber gibt e« bei der rapiden Steige- rung aller Preise ja kaum ein rentabletes Geschäft, als notwendig gebrauchte Materialien für ein paar Wochen oder Monate ein- zulagern und dann mit hohem Nutzen zu verkaufen. Was tut die Regierung, um diesen Zustände« zu steuern? Nichts! Sie sieht tatenlos zu. und hofft anscheinend immer noch, daß die Dinge sich von selbst irgendwie entwickeln werden. Die Schieber aber lacken sich vergnügt ins Fäustchen, dieweil sie so bequem und ungeftrasr ihre Taschen füllen können. WaS geht denn sie die Volkswirtschaft an! Zu dem spekulativen Zurückhalten der Materialien tritt weiterhin ein anderes Uebel, das in nicht weniger erschreckendem Maße zugenommen hat: die ungeheuren Material- Diebstähle, die heute in allen Fabriken ausgeführt werden.» Was tut die Regierung? Das ist die billige Frage' Wir möchten an die Herren der Berling»- Großindustrie die Frage richten: Wer kauft denn nun don den Schiebern? Sic, verehrte Herren, sind es voch selbst! Bei Ihnen melden sich diese Halunken, warum fassen S i c selbst nicht zu, warum stellen Sie sie nicht an den Pranger, warum führen Sie keine schwarzen Listen, wie Sie es gegenüber sozialdemo- kratischen Arbeitern so gern tun? Sie sind dach in Ihren Verbänden straff organisiert. Warum schaffen Sie selbst keine Abwehrorganisationcn? Wer im GlaShauS sitzt, darf allerdings nicht mit Steinen werfen. Kapital und Moral schließen sich eben gegenseitig aus. GroWerlln Moüewoche, Zurzeit ist Berlin wieder einmal für die Fremden in seinen Mauern auf ein Glanzbild eingestellt. Sehr rührige Leute der Modcmdustric haben die Zeit für geeignet gehalten, eine Modewoche mit reichlich theatralischen Behang zu veranstalten, und weil damit auch ein Schaufenster-Wettbewerb verbunden ist, so sieht der arbeitende und knapp gekleidete Berliner im Vorübergehen, wie Deutsch- lanfc heute noch die kostbarsten Dinge reichlich hertmrbruigt. Er sieht soviel seidene Wäsche wie köstliche Leinwand, Schals, Tülls und Moirees, die Schlaugenhaut genannten ailasartcgetl Stoffe, und lernt auch sozusagen begreifen, daß man nur in den Modefarben Koralle und Türkisblau glücklich sein kann. Wie reich ist Teutschland, denkt er sich, daß eS diese fabelhaften Dinge in Hülle und Fülle sich leisten kann.(Er selbst hätte aern einen Anzug und kämpft seit Wochen um den Luxus eines neu anzuschaffende«- Hemdes.) Es ist ein Komplex der Widersprüche. Man hört den Schrei über den Rohstoffmangel,"der es nicht erlaubt, die notteendtgüen Kleidungsstücke zu annehmbaren Preisen her- zustellen, und hier ist der Kleiderluxus aus Orgien in Farbe und Material geftomt. Schließlich weiß et, j-der, daß es heut cm Per- brechen a« Lok? ist, die aufs knappste bemessenen Rohstoffe zu Dingen zu verwenden, die nicht unbedingt den notwendigsten Zwecken dienen. Schließlich weiß ts jeder, daß uns die KleidungSno: nicht weniger bedräng i; als die Ernährungsnot; irgendwo reißt tnen sich um billige Stiefel— und hier...? Um sich vor den Verhält- wissen und der Zeit zu rechtfertigen, lassen sich die Interessent« folgendermaßen dichterisch vernehmen: .Wir wollen durch den Verband der Deutschen Modeindri strien alles, was Deutschland an seinem Teil dazu beiträgt, die, Geste der Be- und Entkleidung verfiübrerisch zu machen, sammeln, in Ausstellungen auffangen und wieder entfalten, steigern und diesen Komplex von unwiderstehlichen Lockungen zu einem äußerst ehrbaren Zweck dein Ausland unter die Augen rücken: unserer Valuta durch einen in der Leistung wahrhaft begründeten Export das molluskenhafie Rückgrat steifen. Nichts sei raffiniert, nicht s sei luxuriös, nichts zärtlich genug.... Ter Unbefangene sieht dieser prächtigen Programmblüte hilflos gegenüber. Er braucht, chn Hemd und ein paar Strümpfe. Soll er sie erst kriegen auf dem Wege des Geldkreislaufs über das Ausland? Waren die Leute gut beraten, die dieses Gange mit einer Ueberfüllc von Schmok an Empfängen, Festen und Gesellschasts- abenden jetzt in Szene setzten? Es ist ein starkes Stück, den Bedürftigen vor der Fülle auf Pracht eingestellter Notwendigkeiten vorbeizuführen und ihn mit einer schönen, zu nichts verpflichtenden Geste aus das„Nicht für Dich, vielleicht später einmal" zu verweisen. K. Grost-Berliu am 1. Juli? Der 17. Ausschuß der Landesversammlung bat in seiner letzten Sitzung in der ersten Lesung beschlossen, den Zcitpimkt für das In- krafttreten des Gesetzes Groß-Berlin auf den 1. Juli d. I. feftzu» setzen, da der von der Regierung in Aussicht genommene Termin dtö 1. April nach Lage der Tinge unter keinen Umständen einzu- halten ist.— Der Ausschuß nähert sich jetzt dem Ende der ersten Lesung und wird heute über die'Beamtensragen Beschluß sasscu. Der Unterausschuß hat in den letzten Tagen eine Reihe von Vertretern der Groß-Berliner Gemeindebeamtenvertoinde und Beamtcnaus- schüffe sowie Vertreter einzelner Gruppen, wie Techniker usw., gut- ächklich gehört. Die von den Beamten bekämpfte Bestimmung des § 42, iuonach die neue Stadtgemeinde Groß-Berliu all ihren Der- pflichtungen gegenüber den Beamten entbunden ist, wenn diese nickt die ihnen überwiesenen neuen Stellen annehmen, ist jetzt sowohl von der Regierung als auch vom Ausschuß ausgegeben worden. Nock nicht erledigt ist dagegen die Neuregelung des Schulwesens und der Fortbildungsschulen für Groß-Berlin. Es ist anzunehmen, daß hierüber noch ein besonderes Gesetz vorgelegt wird. » Wenn tatsächlich Groß-Berlin nicht schon am 1. April, sondern erst a m 1. I n li in Kraft treten soll, dann wird die für die A u f- stellung des Etats vorgeschlagene gemeinsame Kam- inissionausVertreterndereinzelncnGemeind en unbedingt notwendig. Es ist unmöglich, daß jetzt noch den einzelnen Gemeinben die Aufstellung der Etats überlassen werden kam?, die für das mit dem 1. April 1920 beginnende neue Vcrwaltungsjahr gelten sollen. Der größte Teil dieses Jahres fiele ja bereits in die Zeit nach dem Zustandekommen der Eiichettsgemeiude Groß-Berlin. „Volk und Heft", unsere illustnerk Wochcllschrift, liegt der heutigen Pastauflage bei. Beim Wasche» erstickt und verbrannt ist die 24 Jahre alte Ar- beitersrau Pauline P r e u ß ans der Lintenstraße 67. Sie wurde gestern nachmittag in der Küche ihrer Wohnung, die von innen ver- Waffen war, nni schweren Boorchwunden am Gesicht und am rechten Arm tot aufgefunden. Auf dem Gaskocher brannte ein? Flamme unter einem heißen Eimer mit verkohlter Wäsche. Nack dem Befund muß angenommen werden, daß die Fraix, nachdem sie die Wäsche aus das Feuer genellf hatte, sick hinlegte und einschlief, Das Wasser kochte nun aus und vendamvffe, der Eimer wurde glühend, die LBösche fing Feuer und verqualmte.. Als Frau Preuß plötzlich erwachte, versuchte sie wohl das Feuer zu löschen und cr> stickte dabei selbst, Der 3. Lehrgang für Jugendpfteger und Jngcndpftcgerinnco der Arbeitsgenicinschast zur Förderung der Jugendpflege im Re- gieningSbezirk Potsdam beginnt Montag, den 16., nachmittags 0 Uhr, im Festsaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Str.'6. Am ersten Tage werden sprechen SiaatSschullrat Dr. Buchengu-Neu. kölln über„Die Jugcndpflegcarbcit als Grundlage zur- Wiederher- stellung der inneren Einheit unseres Volkes" und Gewerbeschul- lehrer Richter-Eharlottenburg über„Selbstvettvaltung im Jugendverein". Weitere Anmeldungen such an Kreisjugendpfleger Blume, Neukölln, Münchcner Str. 52, zu richten. Ginbruch bei den Eltern. Bei seinen eigene« Eltern hat.). Eröffnung der Ort!« gruvpe Cöpenick heute 71/, Ubr, Bayerrchos, Rudower Straße.— Orts- gruppe WUmerSdors: heute 7'/, Uhr, GesangSsaa! Hindenburgschule, Am Sccpark, DiSkusfionSadend. LI. Abt. Morgen abend'/,8 Uhr Bei Keffer, HanZburgstraße 2, SchulauSschuß- und Funktiouärsltzung, Jugenöveranstaltungen. verein»Sirbciter-Jugottb« Gros! Berlin. Jugcndfekretariat Vi v, Pelleouestr, 7, Iii.— Zcntral-Jugcubhcim, Lwdenftr. 3, 2, Hof links III. Heute lVJäbchciittbcnb.— Abt. Südost. Heute°/<7 Uhr im Jugendheim Wrangelstr. 128, allgemeine Heffersttzung(ZeitungSausgabe).— Osten. Htlgendheim Gemeindeschnle Etraßmaunstr.(Z, Heute Dislussionsabend.— Moabit. Jugendheim Gemeindeschnle Turmslr. 75, Ausgang A, Tür 8, Heute DiskussionsaScnd,— Neukölln Tüd. Jugendheiin Aogatftr. LI. Heute Mitglicderverfamurluirg.— Lichtenberg. Jugendheim Barkauc 10. Ecke Mölleudorsstraße. Heute uichtbildcrvorteag.— Schöneberg. Jugend- heim RubeuS-, Ecke Hauptste. Heute Bortrag:„Die interuationale Jugend- bewegmig".-- Spandan. Jugendheim Obcrlyzeum Askanierring. Heute Bortrag!»Die engtrsche Revolution-'.— Dempelhof. Jugendheim Ldzeum Germaniaftr. 6/7. Heute DiSkusfionsabend.— Pankow. Jugendheim Knaben-Mittetschute(Zeichensaal). Heute DiSIusswnsabend.— Königs- Wusterhausen. Jugendheim Aula deS Realgymnasiums. Heute Mitglieder- oersammlung. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichs bund der Kriegsbeschädigten, Bezirk 3 Südost. Montan. bat 16. Februar. 71/, Uhr, in Schumachers Fcstsalev, Skalitzrr Eft. sestrlsversammlung. HQverkschiWeVMNg Das Settiebsrötege�tz. Das bicl umkämpf!« B?trebsfä:cg�setz hat nunmehr durch die Veröffentlichung im„Ncichsanzeiger" Ges' �eZkrafl erlangt. Wenn wir Tozialdemokratcn von der Gcstallung des Gesetzes auch durch- aus nicht voll befriedigt sind, so geben seine Bestimmungen der Arbeiterschaft doch die Mögt chkcit. mitbestimmenden Einfiust in den kapitalistischen Betrieben zu gewinnen, mitbestimmenden Ein» flusj auch auf die Produktion. Erst in der praktisichm Handhabung des Gesetzes werben sich die mancherlei Mängel des Gesetzes erweisen. Wie alle Gesetze wirtschaftlicher oder politischer Natur ist auch das BetriebSrätegesetz nichts Starres und Unnatürliches. Die in der Praxis hervortretenden' Mängel werden durch gesetzliche Abänderungen korrigiert werden und erst so wird da? Gesetz zu einer schneidigen Waffe, die wirtschaftlichen Jntercfien der Arbeiter im Pro. duktionSprozeß voll und ganz zu vertreten. Mit dem Gesetz selbst ist gleichzeitig die Wahlordnung zum Betriebsrätegesetz veröffentlicht worden. Da zu er- warten ist, daß die Wahlen bereits sehr bald stattfinden, müssen die Vorbereitungen zu den Wahlen von den Arbeitern in den Be. trieben schon jetzt begonnen werden. Zu diesen Vorbereitungen gehört nicht zuletzt genaue Kenntnis des Gesetzes und der Wahl» ordnung. In der' nächsten Nummer werden wir die wichtigsten BefHm- mungen der Wahlordnung veröffentlichen. Zur Lohnbewegung lm verficherungsgewerbe. Der Arbeitgeberverband deutscher Versicherungsunternehmungen ersinnt immer neue Maßnahm«!, um dem zwischen ihm und dem GewerkschaftSbund kaufmännischer Angestelltenvevbände abgeschlossenen Scheintarif bei den VersicherunHIangestellten weiteren Eingang zu verschaffen. Mit gileißncrischen Worten heucheln die ArbeWgvber wiederum da» von ihnen so oft eigen- gelobte soziale Verständnis für die Notlage ihrer Angestellten. indem sie ihnen zumuten, für ein Linsengericht in Gestalt der durch den G. k. Ä. erwirkten Nachzahlung ihre gewerkschaftliche lieber- zeugung preiszugeben. Gewiß, die Not ist hart und jeder hat cS nötig— aber diese Uebung sozialer Rücksicht von seilen der Arbeit- geber sollte den Angestellten doch zu denken geben: sie vollzieht sich nicht in der ideellen Weise, wie sie als Aushängeschild zur Schau getragen wird. Durch einen Revers sollen sich die Angestellten nämlich verpflichten, nur den vom G. k. A. abgeschlossenen Tarif als Richtlinie für das Arbeitsverhältnis und keinen anderen gelten zu lassen. Mit anderen Worten, sie sollen die Mitgliedschaft beim Zentralvcvband de» Angestellten aufgeben. Dank der Wachsamkeit der AngestelltenauSschiisse und Obleute hat dieses Scheinmanöver der Arbeitgeber nicht den gewünschten Erfolg. Ueberall aus dem Reiche laufen Kundgebungen ein. die mit Entrüstung den G.k.A.-Tarif und jenen Revers entschieden zurückweisen. In urkundlichen Aeußerongen wird der Avbeitgeber- entwurf als völlig undiskutabel und als eine Verhöhnung der An- gestellten bezeichnet. In vollem Bewußtsein absolut ungebrochener Energie sind sie entschlossen, diesem provozierenden Gebaren der Arbeitgeber ein energisches Paroli zu bieten. Sie stehen alle auf dem Standpunkt: für gleiche Arbeit gleiche Bezahlung! Hierüber sind sich einig in treuer Solidarität Verheiratete und Ledige, Frauen und Männer, DirekdionS-, BerwaltungS- und ProvisionSgcneral- agentur-Angestellte! Die am 31. Januar abgebrochenen Tarifverhandlungen werden nunmehr vor einem vom Reichsarbeitsminister eingesetzten Schieds- gericht fortgesetzt. Dasselbe tritt erstmalig am.Montag, den 13. d. M., zusammen und wird, wie ausdrücklich zugesichert worden ist, auch in Abwesenheit des Arbeitgoberveobandes verhandeln. wenn dieser eine Teilnahme ablehnen sollte. Tarifabkommen der Maler. In der am Donnerstag abgebaltenen Mitgliederversammlung der Filiale Berlin oeS Malerverbandes beanlragle B l ü t g e n. •den Berichter st alter des.B o r 10 ä r l s" auszu- s ch l i e ßcn. Unser Berick: über die vorige Perfammlung hat dem Antragsteller nich: gefallen, deshalb bezeicknete er ihn als nicht objektiv und glaubte damit seinen Antrag begründet zu haben. Nach- dem nnscr Aerichierstatia erklärt halte, er könne, da er Mitglies des Verbandes sei, nicht von der Versammlung ausgeschlossen wer- den. er werde sich auch durch keinen Beschluß hindern lassen, für den..Vorwärts" zu berichten, wurde der Antrag abgelehnt. Ueber die vom ö. biS 7. Februar stattgefundenen Vcrhandlun- gen über den Abschluß eines neuen ReichStarifS be- richtete Jakobeit. In der Lohnfrvge ist vereinbart worden, baß vom 15. Februar ab eine Erböbung des Stundenlohn? um 1 Mk. in Slädten mit weniger als IMOOV Einwohnern und 1,2 0 M, in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern zu zahlen ist. Dadurch erhöht sick der Berliner Stundenlohn von 3 M. auf 4.90 M. Es soll ein Ausgleich dahin geschaifen werden, daß in ge- wissen Orten in der Nähe Berlins der Lobn dem Berliner Lohn möglichst»«he kvmmk. Gehilfen unter 20 Jahren und Anstreicher können einen um 13 Pk. geringeren Lohn erhalten.— In den all. gemeinen Bestimmungen de? Tarn'S ist die wöchentlich« Arbeitszeit aus 48 Stunden festgesetzt Hinsichtlich der Ueberstunden und Nacht- arbeit bleiben die alten Bestimmungen in Kraft. Die Lahnzulage bei wesentlich erschwerter Arbe't ist von 5 auf 20 Pf. für d'« Stunde erhöbt. In der Ferienfrage konnte nichts erreicht werden. Die Regelung derselben ist zurückgestellt bis zu den Verhandlungen über ein neue» Lohnabkommen, das ist bis zum Mai 1022 In der Lehr- lingSfrage sollen die 1913 aufgestellten Richtlinien in Geltung bleiben. Ueber Annahme oder Ablehnung des neuen Tarifab- kommenS haben sich die Parteien bis zum 1. März zu entscheiden. Zum Schluß bemerkte der Redner, au? dem alten Tarif fei zwar manche ungünstig« Bestimmung beseitigt, aber es' sei doch noch vieles in den neuen Tarif übernommen, was den Forderungen der Arbeiter nicht entspricht und bei nächster Gelegenheit geändert wer« den müsse. Diese Meinung vertraten auch alle Diskussionsredner mit größter Entschiedenheit. Die Ausführungen gingen dabin, man babe erwarten können, daß der Tarif den modernen Anschauungen Rechnung trage, wie es der kürzlich abgeschlossene Bauarbeitcrtarif »tue. Klotz wieS besonders darauf hin, daß die Lehrlings- frage der tariflichen Regelung dringend bedarf. In vielen Lehr- vertrügen werde dem Lehrling eine neunstündige Arbeitszeit auf- erlegt und das dem Lehrling gezahlte Kostgeld sei tatsächlich nur ein Trinkgeld. Auch die ArbeitSnachweiSfragc müsse dabin geregelt werden, daß der varitatisöbe Arbeitsnachweis obligatorisch gemocht werde. Nur im Meleraewerbe gebe es noch einen paritälischen ArbciiknachweiS, dessen Benutzung in daS Belieben der Arbeitgeber gestellt sei. Tie Abstimmung über den neuen Tarifvertrag wurde bis zum 23. d. M. vertagt. Bohne, der schon früher zum Sekretär der OrtSverwaltun� gewählt, vom Hauptvorstand aber nicht bestätigt war. wurde mir 282 Stimmen wiedergewählt, während 208 Stimmen auf den bis- herigen Sekretär Ringel fielen. Schließlich beantragte Stein, den Boykott gegen den „Vorwärts" aufzuheben. Der Antrag rief eine längere, zum Teil he'tige politisckx: Debatte hervor. Er wurde dann mit großer Mehrheit abgelehnt. » Es sind recht kuriose Hüter der Pressefreiheit, die schon dann in Ausregung geraten und den Berichierstatter hinauswerfen möchten, wenn ihnen einmal in einem Bericht unangenehme Wahr- heiten gesagt werden müssen. Ueber den Einzelfall hinaus aber sind folck/e beschämenden Vorkommnisse symptomatisch. Zeigen sie doch, daß die sogenannten Radikalen, die stets bcicuern, für volle Freiheit der Meinungeäußerung einzutreten, in Wahrheit sehr reaktionäre Spießer sind. Sie wollen die Preßfreiheit nur so weit, wie die Presse ihren radikalen Phrasen, hinter denen meist nichts steckt, da? Wort redet. Damit freilich werden sie beim„Vorwärts" wenig Gegenliebe finden. TenerungSzuschläge im Hntarbettergewerbe. Mil Wirkung vom 1. Januar 1920 ab sind zwischen dem beut- siben Huiarbcitcrverband und dem Ärdeitgebccwcrband der oeuifchen Woll- und Haeuhur i dustrie unabhängig von dem b:S 30. April d. I. über LI Jahre 1,20 Mi Wüblicke Arbeiter erhalten rn denselben Altersstufen 15, 30, 40 und 90 Pf. Die Zuschläze verstehen sich auch für die Hilfsarbeiter. Jede angefangene Aide tZstunde wird, wenn die Arbeit unter SO M uimen blecht, für ein« ha be Stunde. sonst als volle Stunde berechnet. Tie von einzelnen Arbeitgebern bisher gezahlten TcuerungSzuschläge werden auf dc« Vereinbarung angerechnet._ Allgemeinverbindlicher Tarifvertrag. Das ReichsarbeitSministerium hat den zwischen dem Zentral- verband der Handlungsgehilfen und dem Verein Berliner Sve-' difenre im Auguit 1919 abaeirblossenen Tor kvcrtrag für die kaufmännischen Ange st«Ilten im Speditionsgewerbe für allgemein verbindlich erklärt. Di« Verbindlichkeit umfaßt den Bezirk Grvß-Berlin und beginnt mit dem 1. September 1919. Tenticher TronSportorbei'erderband. Sektion B, Packer. Laper- und Transporlorbe 1er der Crcst.Verlmcr Metallmduflrie. Conmag. den 15. ftrdiuar. vmm. SO. Mr. im Nolenlbnler£>cf, Nolenthaler Str. 10/1 1: Allgemeine Vt>4iaurn?lculi>5>omcrenz mit einem Vortiaqe mm Rellegen Bend er fiter das Vclriebs.äteeeictz VollzädligeS Erlckeinen ist not- wendig. LcriraucnSmönnertegitimationSkaite dient als Ausweis. Partemachrichten. AuS dem OrganisatioaSlebeu. Einen wirkungsvollen Auflalt zu den temmenden Reickstag?« wählen bildeien die am leylen Sonnabend und Sonn:ag>m NarlSruber B«,irk abgebalienen 50 Vollsveriammlungen unserer Partei. Durchgängig ließen sie erleniien, daß alle Hetze von rechiS und links niwt vermag, unserer Panei die Sympaihie der Bevöüerung in Sladt und Lond ru rauben. Die Redner fanden alleiamt silirmiiche Zustimmung, in jedem Orie wurden neue Mi:- glieder und Bezieber der Parteipresse gewonnen.— Ter iozial- demokrariilbe Verein in Gera beschloß bei der bevorstebenden Büreernieisierwohl den Cdeiredakieur der lmabbängigen.Tribüne", Sladrverordneten Leven, zu wäblcn, um so die Wahl eine« Raak- lionärs zu Verbindern.— Am 13. und 14. März findet in Neu« iirclitz der Lau de ß parteilag für Mecklenburg-Stre» liy stall, der sick> voizugdwe'se mit dem Stande der Organrialion. Bericht über die Arbeiten deS Landtrae«. die Neuwahlen zum Land« tag und Aurstelliina der Kandidaten. Jugendorganifailon und Bit- dungösragen bcjchäfiigen wird. i flus elicr Welt. iNettung Schiffbrüchiger. Bremen, 13. Februar. Die Rcttuugrftaiion Langeoog-Sest der Deutschen Gesellschaft zur Rottuwg Schiffbrüchiger telegra- phiert Am llJFeibmar von dem Segelschiff Paul. Kapitän Rum- brunn, gestrandet auf Langeoog-Lstende, mit Steinkohlen von Hull nach Kopenhagen bestimmt. 7 Personen gerettet durch Rettungsboot._ Ein Wolkenkratzer in Warschau. Die Revriffentanten der Polnisch-Amerikanischen Handelsgesellschaft Unione LÄxrty ersuchten die städtischen Behörden um die Erlaubnis zum Bau eines ersten Wolkenkratzers in. Warschau. Der Wolkenkratzer soll aus Eisenbeton erbaut werden, 15 bi» 17 Stockwerke hoch sein und eine große Manusakturfirma aufnehmen. ExPlosionSungiilck. Im Hauptlaboratorium in Ingolstadt erfolg!« bei der Fabrikation von Zündkapseln eine Explosion. Sieben oder acht Personen wurden mehr oder minder schwer verletzt. Betart».(üt den ttdaftton. teil; Bttne Nickt».(Ttiorlolienburfl: für Anzrioen! Xk.«iacke,«erlill. Cerlaq:«arroarW-Bctlaa S. m. d. J. Berlin. Druck: Bor- Ipärt"-Ba(tkriirf zatilt nur[• I Metallschmelze. Prlnzesslnncnstr. 17,| ■ eh.WerUieiin(Morltip.i) Kitmetalle Shtpi». Meiling. Zinn, Slnt und Biel, auch Edelmetalle lauft höchstiahieird Metall-EinkauI-ZeDtrale. SlatÜJUlet Damm 66. üUpL 13580. b�PLATINiw stets za höchsten Tasesprä. Oold, Silber£ fc0.« Brennspitcen, Platlnkontakte, Zahngeblhse, Quccbhllbcr kauft tu den höchsten Tagespreisen Adolf Friedländer, Berlin, Komniaiidantcnntr. S'.t. 1 rächt«. Elektro-Motore| Leiiunpe-Dnliaini» Drähte In- j Üallnt-Mnltrial lauft lau end Etektremecki..gentrnm. iAIex. 4782). tturze Elr. 13(Ater-P!.'. UesÄng 12,-°, Kupfer 20,» Gotiheim, ■arlanaonstp. 12. I-inilirnntnhtcpnt u Ur- ,ur»• Kirchbach LaltUycrivlllulul pers.z. sprechen Potsdamer Str. 115. (Lüuo»Mr.) Lanchihr Erfahr. Zuvcrläss Rüchtsheistand in Ehe-, Alimenten- u. Venrauenssach.. Gesuche Verträge, Er Mittelungen.— Btobacntunpcn Ter Lützow etil Metallbctten catm «Ol 1 fr. Stah! dratitmattagen, Stmbrr. betten,«elfter an iedermann. Natal oq fr Clscnmbbellakrlk, Suhl In Thör. 88 15 Bi!c|!{iar,il!sr.g Vorwärts Itrlli Sl» 61, Llidcnslrane 3 Die Siiims aus dem Grabe Reden von JEAH iJIURCS Gesammelt u bcsrrochen von VICTOIk SCHIFF Preis Mk. 1,50 f-finbet,«alrntbureau Packltfter. ffiertcauhtcnfttokf 16. aer.ltum 7«uo. i5R. tolnn 12.50, Kuntir 21.00. Blei 7.5Ü, Zink 6 6b8o.Ffltflnß 1 8.-, Rclnzlnn».s 05.-, Ifclßmcl. 30.-, AIunlnliMn 14-17 Cb" Metallschmelze Mariannenstr. 24, Äml Mpt. 1Ü65S, Slrceuanldil. .tröh. Paiten mebr. au Orr Roftbuier«rllrtt Neu! FBrjed üebl'deten un entbehrlich: rrcradwörtcrbach Veideutschung von ztrke IS n 0 Fr»etfr liimi» licher Meiallabliille sowie «laliü. Evlb. Silber. Queck- filder.___ 1/13' VinnM. fklbchel aber Harmonium. auch Taselflapler tauft Schachischneibee. Bucka- werftraffe 14UI._ IMRf «Iintetal«. VneckUIffer iu HBthRtn Ta,»enteilen lauft jeden Basten.»«! illichmel,» hnoallbenstraffe>42. Narben fUt.___ 70« «»«eneakarln». Herren- rabaelnch. Moiarroen-lurff. «reiannaag» aber oorlkffren. »«Mmereft. Srgffe Tranüttr. t er straffe 14._ tHst* |«latia, Bellenlen, Salb und Silber, alte.Zabnaebille. Adlalle. Reiten. Jlinae Be- siede. Übten, unmodern ae- warbcnrr Schmuck. Zalrlaul- säge latvi» Selrdge lauft»» büchften Taaeavretlen Salb- tdimcl« Rofosti. Berlin Brunn.enstraffe 108. Trlrvban: Sumbalbt 3480. Siarn» Lchmelte. Srlbftverbraucher.» --—,— laufen» legen Basten big I» Hraienl Auffchl«, lauft Äorgenfter», nur Lichienkerg,«eicksel- itral« w.«latanbet 1380.* «W4go#Ma4l• OlbflR»,«IIa XJ JRarl. lauft Liekeirut. f eeiinBaAitsttaki 38. 7141 Rn-ttraHnBe, Mefllna,«la> tfn. Salb, Silber Ouecklftbrr, ldmiliche«limetallr.«ahn. > aebili« lauft xu Schmrlx- ; pteifrn IN ur leren ulct Sin- ; laulellellen..Cohn*. 1. Brun- 1 nenftrrffe II tam Nalenlhn, - 1er«lagt. 2. Sfennllraffe 48 (am- WedbinavI'gi. B. Bahn» hoffrrnffe I, Scke Schöne. heraerliraff« fam Anhilier Bahnhafl, 4. ZieufSlln Rai» ler-�rirbrichliraste 22S rnnhe Setmonnplok). 134R» Rnpfe». Mrlstnp Alimelall. Queckleiber faul! Beter». Brrrtitlauerstraffe 24.' ! Rnglee. Birlllna Altmerall ! Queckfflber lauft Möbus. Dalbltraffe 8. Rnvlee. Melffn.a Sitmelav Qurditldrr lauli S. Srmel, Subenerstraffe S8' i Rnele». Mrfllng Allmrlall. Qurcklllbrr larrfl Benener. Bnbnstr. 48. Schöitrbera.__• t»»fe».«elstna Ultmelall Queckfflber laust chaate Sin- Itgerstreffe 05 4 Ecke Lau» ffger Plag CIrltrametrriaf. Leitung«. blühte. Listen. Slilhlampen, Schnittt, Soffuiiaen, SBecff- inflramenle, Cleflroneoioun lauft ftär.btfl Röster, Brück n» fitaffe 15*.__ 1485®* Rnpr Ilager. SofdinÜnMrrgen lauft Reinickrnbvri-Echllnhalg. StanalenfttafU 1 III. 8—7. <Ühter richt> Englischen Uniernch! Ist, Anfiuger unb Fartgrtchril leite. Iproi» bentlthf uub Iran löntdif Stunhrn erteilt® Swienr». Chnrloltenburg Slutlaartentln» 8. Sarte->. ff an« IT «nerarlHgge lgelragene. be- schägigle. Regeratur usw.) lauft Slllif k« Ps. Barn. IltichaitketaetRtakt T. UOSC keinrleb Maurer, Brival Sufd iiriirlch.ile fllrtnnffer- ein*(Slnonna Röniagirahen) Tage»- RbenMurfe ft-tren- Damenlchneidrree. Vülche Bugliirle Schnllrtrtchiten.«u schneiden Auleellgnng Tdnii-muster. Lrbevian lastenla».--rnlvrecher- Rö nirtstoM nc UT feranjlff'*. Sn-lifch. Sva» nilch. grättle'in Rrenlff«. Warlburastraffe 47. 43/12 enckteclene, Drlrfti»» Bamm. stnvall» benstraffe 88. Barden 7.73 Ueberwochun-en. Zrnnlun- aen. Sb Auftlöruna von Verbrechen Rtelenerlalg». R' Neben, erbienst bi» 1000 Marl monatlich. leicht»u Koui» ahn« Borlennlntlli. Rädere» durch S.?ehrel u. To..®. m. b K..«etUn-LUHlerltlff» Bastlu» 220, 100/14, □mssss oEsusmisa« Madchrn für alle» oder Elubeumabche» fudit Stellung. Cflerleu fenb unter S. 47 an die Sauvierveui- tisn de» Borwstrla tu richten. BUiUt UkraoAee auf Tarameter sieden ein Dilnhullrr u. Scholgel. Rene Ialoblrr. 3. � vtenffengönglee für bei, Vertrieb der Broschüre.Die Bestie im Wrlllrteae. Set- btedten an bunfdien Bolls- genotien" gesucht. Buchhand- lutrg. gsaftwellstraffe 3. Ted- geschah recht»._+140 La.usburlchen und Btbeil«. butsaitn sucht Rlüff tu Berate, Müllerstraffe 1561,. 7148 Knlsteppeeinnen, Strohhut- Näherinnen such! Denein. Rö- aenickers-raffe 138.__ OClt Mamieg»! fltt Kostüm- lacken unb Mäntel. Wochen lohn l. Tarif. B. Mao- beinter Rtetirr Simon, Brr Im T., Jäger ftraste 88._J «äsche-«ükerinieen sll- del/eee Dumenwäsche un Qdr. Hemden kür Rick.eack und KehIIaum. Rnovstochftrvvertn. nur geübte Rräfte. eleltd- scher Antrieb, such, Fr. S-. baller. Thorleilenburg.-Zraul finstr-ffe 11/15._ I4fSt� Ernimäbche» Verlan».- Bted- diu. Brtngenslraffe 34. 45! 8� «ansmäbchrn für Roirlor suchen per safari Sehnten u. flühn, Berlin Zi. 85, Senier- Orale S.+148