Nr. 82. 37. Jalsrg. Bezugspreis t Lier'el'iihrl. 'rei uis Seus. ocrmiH-.ahldar. Poll- oci»? MonatliS SL0 ZA.«ll. Au- Uellmigsgebühr. Uiu-r Arnizband Mr Seutlchland und Srstsrreicki-Uugani 6.75-JXU iiir de« ühtlgt üuälmib H.— OTt. hei laaüch einmal. Zustellung U.--- Mk. Laiuta-AulilVug. Voll- bellelluilgeu uedme» u» Suneuiari, Holland, uuremhurg. Tchweoen und die SSüseiu. �ingeteaa« m die Post- Leitung»- Prrislillr. �ee.Porwarrs� rni! der Sonntag«- hsiiuge.Polt u-Aeif" eriäfeml woitien- 'agliid ttoetmal Sonntag« emmaL 5»le'iram-m--3H>«sh .Sozialvemokra» ZJccfln" MorgenAnsgabe. Berliner Oolksblott -r-V (20 Pfennig) Anzeigenpreis: DK achtgelvoltene Slcncote'JIejetU leitet 2,— 3!_ Teuernng-izuichlag 60»<> „klein» lllujeig«»-, las seit- gedruckte Wo« 75 Psg.(zulllllig zwei fettgedruckte Aortef. jede« tr eitere Wort 50 Pfg. Stelleageiuche und SS)!ufllelleuuugeigeu dus erste Wort 65 P!g.. icdcs rreiterr Wsu 40 Pfg. Worte über 75 DuttKuden ziidlru für xwet Worte. Teneruugsjllschlag SCPlv Fumilieu- Anzeigen, politiiche und geworüchaftllche Derein«■ Auzetgr« 2,— 31t die Reite ohne Aufschlug. Anzeigen für die n ä ck> jt e Nummer mllffen bis S Ahr iut5,niittags im Sauvtgefchiift, Berti» Sie KZ, tiuöen- (trage S, abgegebt« werbe«. von 9 Uhr früh bis 5 Uhr odrul!«. Tentualorgsn äer soziAläemokpatifcken Partei DeutrchUnde Neöaktion und Expedition: SM. 68. Lindenstr. Z. Ttern'vrertieri Amt i0lorl»via«. Nr. l.',L iM—»lil it7. Sonnabend, den 14. Februar 1V20. vorwärts-verlae G.m.b. H., SL). 68, Lindenstr. 3. Zhernivrrcder: Anit Moritipiak. Nr.!17SZ— Unterhaus unö Irieöensrevision. Leudon, 18, Februar. Ter Rrutersche NuterhauS bericht befugt: Äei der Debatte über den liberaleet AbänderungSatiirag zur Aniwortadreste, in dem die Unmöilichirit der AuS- fübrung verschiede» erBrsttmmungrnd es Friedens- Vertrages hervorgriioben wird, erklärte M a c l e a n. die Nr- diugttngcn dcS BcrtrageS müßten dem gcgrnmärtigen Zustand der Weitangelegen beiten angepaßt werde«. Für die veu Dcntschland zu leistenden Wlrdergutmachnngen s,Zle eine endgültige Summe fcstgrsctz« werden. Dir Länge der Liste der „Kriegsverbrecher" machr das ganze Verfahren praktisch undurchführbar. Weutt das Verfahren hl«tn- stäiidiger Weise durchgeiührt werden sollte, so würden langjährige internationate Gerichtshöfe die Folge fein. Eine Etttsihließung verworfen. Amsterdam, 13. Februar. Laut Telegraaf eekläne bei der Debatte über den liberalen Atitrag betreffend eine Abänderung des Friedensvertrages Lord Robert Üecil seiner Ansicht nach sei eine Abänderung des Vertrages augenblicklich u n» durchführbar. Wahrscheinlich mühten aber srüher»der später riaige Bestimmungen des Vertrages abgeändert werde». Crcil fordert, dab eine Zniammenkuntt de« VölkgrbundeS zur Deiprechnng der r u i< i> ck e n Frage stattfinde, wobei zugleich un die Parteien, die noch jetzt Äneg führen, die enxigische Mahnung gerichtet werden iolle, datz jetzt mit dem Krieg- führe ii Schlust gemacht werden müsse, und dast der Völler« bund da sei. um nitentanonale Streitigkeiten aus dem Wege zu räumen. Balkon r schloß die Debatte, indem crerliärte, bei: Friedens- dcrteag st�e Demichland in die Lag«, selbst die gesamte Ent- schädig ungssummc, die eS zablen wolle, zu nennen, und daß die Alliierten einen solchen Vorschlag gegebenensolls erwägen lpürden. Sjietiflaiid könne jedoch sagen, was Teulschland bezahlen könne. Heber die Auslieierungsfrage iprcchcud. sagte Baliour. die englische Regierung habe eine sehr beschränkte Liste anfge- stellt und die Liste der anderen Länder nicht gesehen. Er habe die AuSlieierungSfrage nm Cl�mcrtc'eou besprochen, dieser habe cS für wünschenswert gehalien, die Liste so sehr ivie möglich einzuschränken, babe jedoch hinzuge'ügt. dieS sei wegen der zahlreichen von franzvfischen Zidilpersonen beschuldigten Deutschen unmöglich, Der AbSndcruiigSautrag wurde schllestlill, mit LZ4 gegru KO Stimmen verworfen. hilfeleistuvg für Mitteleuropa. London, 12 F«biuar.«Reuter.) C h a m b e r la i ir erklärte im UnlerbanS, mit Rückficktt auf die Dringlichkeit der Hilfen leistung für Nitlekeurova sei die britische Regierung beieil, nebenden bereits bewilligte» 12st» Millionen Piund Sterling einen werteren Betrag beizusteuern, der nicht mehr als die Hnl'te der von den Vereinigten Staaten beigesteuerten Summe ausmache und zehn Millionen Pfund nicht übersteige. Er vertraue daranr. daß die anderen alliierten und neutralen Regienliigen»u» sammenstehen wer den, um der verzweifelten Notlage Mitteleuropas abzuhslfen. Die bewilligten Mittel würde» da in verwendet werden, die Gütererzcugtlng und den Güteraustausch zwischen den verschiedenen europäischen Staaten zu beleben, um sie instand zu setzen, sich selbst am Leben zu erhalten. die Prozesse gegen öie ftuszuliefernüen. Beginn am 2. Mai. London, 18, Februar. Dir„DimcS" melde« aus Paris: Der Oberst« Rat der vllkierleu bat der Festsetzung dcserstcuDrutschen- Prozesses auf den 2. Mai zugestimmt. Die Prozesse in L o n- d» n komme« nach dem jd a i f r r p r o z r ß u«d nicht vor dem 1. Juni zur Austragung. In Paris wird sich vom 2. A!ai ab der Stab der srüheren zweiten und dritten deutsche» Armee zu verantworten haben. De Sroucköre gegeu öie flusU�feruri« Ter belgiscke Tozmlistcnführer deBrouckdre nimmt im Britsseter„Peuple" zu der Sluslieferungsfrage in einer Weise Stellung, die wegen ihrer autzerordent- lickien Objektivität hervorgehoben zu werden der- dient. De Brouckdre stellt einleitend fest, dost die Weigerung Teutschlands, ausZulicfern. unzweifelhaft die Nichterfiillung eines Punktes des Versailler Vertrages darstellt. Außerdem aber fügt er hinzu, daß die Alliierten sich zwar aus einen T e xt berufen können, nicht aber auf ein Recht. Tresen Standpunkt begründet er ausführlich und zwar mit allen denjenigen Argumenten, die wir stets ins Feld geführt haben, als wir gegen die Auslieferungsklauseln protestierten. Erstens würden nur die deutschen Äriegsver- bracher'cestroft werden, die Kriegsverbrecher im Lager der Sieger blieben st r a s f r e i.„Sollten wir dieler konventionellen Lüge hervfiichtÄn, daß es keine Kriegsverbrecher auf unserer Seite gegeben habe?" ruft de Brauddre au?. Des weiteren wendet sich de Brouckbre gegen die Un- gsheuerUchkeit, die darin läge, daß die Angeklagten durch Kriegsgerichte der Sieger abgeirrteilt würden.„Wer hätte die Stirn, in einem solchen Vorgehen ein richterliches Urteil zu erblicken? Es wäre offensichtlich nur die Be- st r a s u n g des Besiegten, der dem Sieger auf Gnade oder Ungnade preisgegeben wäre, genau wie im Zeit» alter der Barbaren, genau wie unter den assyri- schen Königen.... Der Artikel 22« versetzt uns in eine m o r a H k ch unhaltbar« Lage. Seien wir Manns genug, es einzugestehen." Schließlich empfiehlt de Brouddre als Ausweg aus dieser Situation ein Mittel, dem wir ohne tveiteres zustim- inen können: er verlangt die sofortige E i n b e r u- sung des Rates des Völkerbundes, wie es der Ar- tikel 19 des Friedensvertrages für den Fall vorsieht, daß Verträge sich als undurchführbar herausgestellt haben. Allerdings ist Präsident Wilson mit der erstmali- gen Einberufung des Rates beauftragt worden und wie die Dinge in Amerika liegen, ist es zweifelhaft, ob er diese Ler- antwortung wird übernebmen ivollen. die ibm wohl neue Scharereien im amerikanischen Kongreß verursachen dürfte. Deshalb wäre es wohl richtiger, wenn man sich endlich ein- mal mit dem deutschen Vorschlag beschäftigen würde, den de Brouckere gar nicht erwälmt: Aburteilung durch eigene Gerichte und eventuelle Schaffung einer zweitenJn- st a n z. die Aot im Erzgebirge. Bon Erwin Barth. Die Hilfsbereitschaft für Notleidende ist einer der mar- kanten schönen Züge unseres Volkscharakterl-. Wo auch immer Hilfe gefordert wurde, in früheren Zeiten mtd jetzt, ob eS bei Streiks oder bei durch katastrophale Erscheinungen hervorgerufenen Notständen iin Jnlande oder im Auslande erforderlich war, das deutsche Volk in allen seinen Schichten hat immer die Ha-nS am weitesten geöffnet. So war es auch, HniS Ernüchterung in Paris. Der„Temps" mahnt zur Vernunft. Pari», kg. F-bruar. Ter„TempS" bftchüiti�t sich in seinem heut se» Leüartilcl mit d:n Verhandiung«» i« London. Nachdem er den Gedanken ans»esproche!i stat, man solle di« brschnldilit«« Drntschen i« Abwesenheit zur Bernrteiluns brinsei», und den Wunsch geäußert bat- man mäge mit der hellinKschen Rr- gierung über die AnSüeferuiig Kaif.'r Wilhelni» nicht durch Noten, sondern durch die diplomatischen Vertreter verhandeln lassen, sprillkt rr de» Gedanken an», paß es eigentlich wichtigere Tiugr gebe. Tc vi sitzland gewinne wieder Geschmack an der Arbeit.«K» wäre fähig, mehr zu produji.rrn, wenn e» die Aohl feiner Berg- arbeiter vcrmebrrn künn«, und wenn es sickj die Rohmaterialien, die e? notwendig habe, zu beschaffen in der Lage sei. E» könne auch wieder exportieren, und wen« e» rnckhr exportlcre, alS es einfütrel. bann könne e» sein« Zatzlungen im Ausland: wieder auf- nehmen. Ta» liege im französischen Interesse, weil die Franzosen seine Hauptgläub g'r seien. Je weniger eine finanzielle interalliierte Solidarität Aiissicht habe hergestellt zu werden, je mehr seien die Franzosen troy der Erinnerungen an den Krieg gezwungen, es wünschen»- wert zu finden, daß Deutschland seine Prosperität wiederfinde. Teutschland werde zahlnngsfähis» wenn es viel arbeite. Es Rmnr aber nicht arbeiten, wenn e» sich nicht ernähre» lönnr. Ii, Berlin glaube man. daß die lehre Ernte weit davc» entfernt sei Fib zrrr nächsten Ernte z« genügen. Deutschland müsse in ungcsähr zwei Monaten etwa anderthalb Missionen Tonnen Nahrungsmittel einführen. Nach d-'m heutige» Kurs des deutschen GcldrS würde cS dafür ungefähr 13%®j i l l i a r d e n Mark zu � zahlen haben. TaS fei n n m o g l i ch. Was dächten darüber die 1 alliierten Resierungeu? Sie interrfssevte» sich nicht ftir dir Ber- forgung Teutschland», weder mit Rohmate- ri alien, noch mit Nahrungsmitteln. Warum folgten sie bcifpielsweife nichz dem Shsie«, da» Holland jetzt Trutschlond gegenüber angewandt habe, nm Kredit zn gewäheen? Frankreich müßte schon jetzt die Stimme der Vernunft hören lassen. Wie der» Unter hau» e» sehr wohl verstanden habe, handle! e» sich jetzt nicht darum, die Revision de» FriebenSoartr««»» zu dekretieren. Es genüg? auch nicht, daß man erkläre, daß man den veatrag aufrechterhalte, und daß man ihn ansführen lassen wolle; das sei nur eine Formol, wenn man nicht zu gleich«? Zeit die materiellen Beding uugo« hmstelle, di» o» d«« Schuldner gestatteten zn b»,«hlen und dam G l iu» b i g e r«rtauhten, ans die Zahlung zu wagten. Ter glorreiche Steg enipuppt sich immer mehr al» ein mi-'e- rcrbleL Geschäft: Frankreich« Ausverkauf scheint auch nicht iebr schonungsvoss Vvr sich zu geben, denn nach der„Chicago Tribüne" schlag: dcrciis di« amerikanische Press« die Zession der Ivestindi- icke ii Inseln Martinique und Euadclupe als strote- zische. Basis vor. Tiefe Frage würde auf der Londoner Kon- r.renz erörtert werden..Tie„Li bette" fragt: Was werden die Amerikaner nach dem Tabak, nach den Zündhölzern und nach unseren Kolonien noch verlangen? j und an ollläglicflen LÄ-en sbedürfnissen, haben tmr bereit- von den schmalen Reserven, die uns selbst zur Verfügung stehen. ErhÄilicheS lveggsnonunen, um dort, tvo uns die Not viel größer erschien als bei uns, lindern zu luel'tnt, Wir brauchen aber nicht lveit zu gehen, um'Jt o 1- 5 u st ii n d e fürchterlichster- Art kennen zu lernen. Innerhalb unserer eigenen Lanbesgrenzen gibt es Beärke. deren breite Schichten der unteren Bevölkerung sich im letzten Kämpft: mit dein nackten Elend befinden. Hier gilt es. dir Aufmerksamkeit besonders auf das w e st l i ih e E r z- g e b i r g e und das obere Vogtland zu lenken. Diese Gebiete liegen uns so nah und scheinbar doch so fern, Den Schrei aus Men haben wir gelüftt. ober von dem, was im Erzgebirge an bitterer Lebensgual getragen wird, hat die breite Drsftntlichkeit noch nichts vernommen.- Ich habe Anfang Februar Gelegekcheit genonunen, mich an Oft und Stelle über die Lebenölasse der Erzgcbnpgs- bevölkerung Zu imterrichten. Ich war in verschiedenen Dörfern und Städten, habe Füblung genommen mit den'Beb ist- den. Aerzten, Lehrern, Arbefterveftretern und mit zahlreichen Familien, dir ich besuchte. DaS Resultat ist er- s ch ü t t e r n d! Die Bevölkerung des sächsischen Erzgebirges gehört zu jenen ruhigen, bienenfleißigen, bescheidenen und Itawii Leuten, die am glücklichsten sind, lvenn niemaiw von ihnen spricht. Aber bei aller Rückficht ach ihre' Ebomsteaaft mich jetzt von ihr imd von ihrem vernichtenden'bliiftgeu Elend gesprochen, nein geschrien> norden, um ihr zn helfen und diesen selten arbeitsfreudigen, genügsamen MenWw'schläg. diesen wertvollen Bestandteil der deutschen Wirtschaftskraft zu erhalten. Da? Erzgebirge tvar immer arm. Aber seine sprich- wöftlich bescheidene Bevölkerung verstand die Kunst, auch mit kleinsten Mitteln ein bißchen Lsbensgliick zu zinwttetu. Diese Kunst versagt heutzutage, weit tu tausend und> aber tausend FirntiUcn wicht einmal das Wenige mehr da ist, tun? zum Fristen deS nacktsin'Lebens erforderlich ist. Die gesamte Ernte dos oberen Erzgebirges bat der ftiihe Winter vernichtet. Der Weizen ist nicht wis geworden. das Korn ist vielfach, als cs in Puppen stand, unter den Schnee gekommen. Der' Hafer, der Flachs, die Kartoffeln, das Kraut, die Rüben und dos Grummet selbst— die ganze. Arbeit und die ganze Hoffnung dos GebirgSbaurru und do- Gütlers— sind durch Schnee und Frost vernichtet worden. In den Hütten und Häusern der durchweg kleinen Leute feblt es am notwendigsten für den M a g e.». sohlt es an den aller- pftnnftvsten und absolut unentbehrlichei« Wäsche- und B e k l e i d u n � s st ü ck? n, fehlt es häufig an jeglichem Heizmaterial, fehlt es an M i l ch für die Kit? der und Kranken, doft wüten Hunger und Krankheit nute? Erwachsenen und Kindern. Rachitis, Skrofuloie nud in besonders eiftsetzlichein Umfange die Tuberkulose zerstören dort in größtem Maße wertvolle? Menschen- Material. Ganze Familien � an Unterernährung krankt Äinderreickie Familien, m denen kein Kind ist, das wicht an Rachitis verkümmert I Familien, in denen Frau und Kindtzr zusammen ein Paar Schuhe haben und nicht jedes ein Paar Strümpfe und nicht jedes ein Hemd oder einen zusammengeflickten Fetzen, den man al?'olclx's aniprech-m könnte! Kn mindestens 50 Proz. der Häuser, die ich betach. habe, kein Bettuch über dem lose in ber Bettlad? lieget!- den Stroh und keinen Bettüberzug, auch keine Feusrewar- hänge und Schürzen mehr; sie sind alle zu Ldbm'is&e und Kleidungsstücken verarbeitet. Kinder, die, während die Mutter auf Arbeit ist. nicht zum Kinderhort uiih im Winter nie ans der Stube können, weil sie keinerlei Schuh- zeug haben. Schulkinder, die erst dann zur Schule können, tveirn ein Gr'chwisier von der Schule zurückkommt und dos einzige Paar Schuhe von den Füßen zieht, um es dem nächsten abzutreten I Bsi regnerischem Weiter sind, nach Aussagen der Lehrer und Schuldirektoren, bis zu 10 Proz. aller Kinde r ans Mangel an Schnh.zeug am Schwlgang verhindert. In jeder Schulklasse eine Reib? von Kindern, die kein Hemd auf dem Leibe und bis zur Mittagszeit noch keinerlei Essen im Magen haben. Kleinere Kinder, die w ä h r e n d d e s g a n- z e n Winters nicht an die Luft gekommen sind, tveil sie Weber Schuhe noch Strümpfe haben. Die Mrbrzahl der Familien, die nicht in der Lage sind, die weniaen Kraft- nahrungSnrutel der Ratton(Zucker, Fleisch, Grieß, Erbsen, Bohnen) voll pi fcntfen, die sich fast in der Hauptsache mit Kartoffeln, Krmit, Nübem Möhren, Brot und Wasseriuppen ernähren. 13— 25 Pfund Kohlen pro Haushalt und Woche; auch dann, wenn Kranke in der Wohnung sind." Schulklassen, in denen der Arzt besonders heruntergekommmene Kinder für die Herausfütterung im hilfreichen Auslande aussuchen soll und beim Anblick des Elends in den verzweifelten Ruf ausbricht:„Hier gibts nichts zu untersuchen— die ganze Klasse muß fort!" Bei der Ankunft der deutschen Kindertransporte in der Schweiz sind die Erz- geb-irgskinder sofort als in besonderem Maße elend aufgefallen und ohne weiteres ist für sie über die festgesetzte Erholungszeit hinaus ein längerer Aufenthalt festgesetzt worden. Ganze Ortschastsgruppen mit einem Durchschnitts- gewicht der Frauen mitsamt den Kleidern von 80 Pfund. Lehrer, die voll Verzweiflung sind angesichts des Elends der Kinder, von denen% bis% unterernährt sind. In der Amtshanptmannschaft Schwarzenberg 25 000 von den Gemeindebehörden als unterernährt gemeldete Kinder. Die noch lange nicht alle Fälle feststellende Totenschau stellt eine Erhöhung der an Tuberkulose Gestorbenen auf das 6- bis8fache fest. Di? Stadt Annaberg hat 45 Kinder untersuchen lassen, die infolge des Krieges und der Nachwirkungen unterernährt sind. 20 davon haben ein Mindergewicht- von 10 Pfund und mehr; das höchste Unter- gewicht ist 30 Pfrind oder 40,5 Proz. des Normalgewichts. IN der gleichen Stadt sind im ganzen Jahre 1915 16 Tuber- Mosesterbefälle gemeldet worden; in der ersten Hälfte des verflossenen Jahres ober 34. So geht in kurzen Stichworten zusammengefaßt die Not- läge der Bevölkerung namentlich des westlichen Erzgebirges nnd des oberen Vogtlandes aus. Nein, es sieht viel schlimmer aus. Die armselige Feder vermag nur ein sehr blasses Bild von dem zu geben, was das Auge an Jammer und Not und Lebens- und Kraftstörung irrfolge des Hungers erlassen kann. Dort oben sind viele Taufende von Menschen dem Untergang geimht, wenn nicht sofort alle Kräfte mobil gemacht werden, um zu lindern imd zu retten und den un- geherier harten Druck, der auf diesen Menschen wuchtet, ab- znschwächen._ Die Lonöoner Zusammenkunft. Aqence H n v a S meldet iniS London: Millrrand erklärte, die wichtigste Frage für den Augenblick sei die Antwort ans die deutsche Note. In maßgebenden Kreisen herrscht die Ansicht, daß die Anwesen- heit des Marschalls Foch vermuten lasse, daß Maßnahmen getroffen werden sollen, um Teutschland zurAuSfübrung des Friedens- Vertrages zu verpflichten. Tie Anwesenheit von Trum- d i t s ch macht eine Erörterung der Adriafrage wahrscheinlich. Endlich wird durch die Teilnahme von Berthelot die Bermutnng nahegelegt, daß der Rat wenigstens die Grundzüge des Friedens mit der Türkei festlegen wird. der Nachfolger MiUeranös im Elsaß. Zum Nachfolger des fetzigen Ministerprändenlen Mllerand in der Oberkommission in Elsatz-Loihringen ist der frühere Generalresident in Tunis, Herr Alapetite, ernannt worden. Die Ver- waltungsmelboden deS Herrn Alapetite in Tunis waren wiederholt der Gegenstand lchhaftcr Angriffe seitens der franzö- fischen Sozialisten, eine Rede deS Sozialisten Lagro- siliere im Jahre ISU. die dieses Thema anSiiihrlich bebandelte, machte in der Kammer starken Eindruck. Auch in de? jüngsten Zeit war wieder in der sozialistischen Presse ein Notschrei aus Tunis zu lesen, in dem über die Unterdrückung der elementarsten Freiheiten geklagt wurde. Herr Alapetite war zu dieser Zeit allerdings nicht mehr in Tunis. Man dürste im Eliatz darauf gespannt sein, ob Herr Alapetite die nötige Elastizität besitzt, um sich von den tuuesi- .schen Verhältnissen auf die ellässiichen. die doch jedenfalls eine ganz andere Behandlung verlangen, richtig einzustellen. Die Abstimmung ift Schleswig. Kein Grund zur Mutlosigkeit. Der preußische Ministerpräsident hatte sich beim Vorliegen der Meldungen über den Ausfall der Avstinimung in der ersten Schlcswigschen Zone dahin geäussert, dass das Resultat k e i n e s- wegs geeignet sei, die preussiiche Regierung zu entmutigen. Vielmehr ziehe man auS der beträchtlichen Anzahl deutscher Stimmen die Berechtigung zu einem starten Optimismus für d i e W a h l e n der zweiten Zone und werde mit verdoppelter Energie den Kampf uni die Erhaltung jenes Landstriches für Deutschland aufnehmen. Die von einem Berliner Spätabendblatt daran geknüpste Bemerkung, dass die preussiiche Regierung die von ihr' gemachten.Fehler' bei der zweiten Ab- stimmlmg vermeiden wolle, ist von der Schriftleiiung dieses BlaneS aus eigenem hmzugeiiigt. ES Handell sich dabei um eine Piivatauffassung, die sich in keiner Weife auf Mitteilungen deS Ministerpräsidenten stiitzeu kann. Ucbrigens verdient zur Beurteilung des Ausfalls der Abstimmung in der ersten Zone besonders beachtet zu werden, dass alle die, die nach dem 1. Januar 1900 ins Abstimmungsgebiet ihren Wohnsitz verlegt haben, ohne dort geboren zu sein, kein Abstimmungsrecht hatten. Dadurch sind sehr grosse Massen, namentlich der städtischen und der Arberrerbevölkerung ausgeschlossen worden. Daraus ist zu erklären, dass in den Städten ein so geringer Prozentsatz der Einwohner abstimmungsberechtigt war. Hätten alle Einwohner ab- stimmen dürfen, dann wäre es unter Umständen zweifelhaft gewesen, ob die Dänen eine Mehrheit erzielt hätten. Denn die seit 20 Jahren nach Schleswig zugewanderten Menschen, denen man das Abstimmungsrecht entzog, sind ausnahmslos Deutsche gewesen._ Internatisnalee Sergarbeiterksngreß. Gegen Mehrlieferung an Frankreich. Brüssel, 12. Fsbruar.(HavaS-Reuter.) Der Internationale Bergarbeiterkongretz hat eine Tagesordnung arigenomrnen, die besagt: Angesichts der wiederholten Weigerung der französischen Regierung, die gemässigten Forderungen der Berg- arbeiter nach Revision des PensionsgesetzeS anzunehmen, macht eS der Kongress allen Bergleuten der Kohle erzeugen- den Länder zur Pflicht, sich jeder Mehrlieferung an Frankreich gegenüber der jetzigen Lieferung zu widersetzen. Im Falle einer Avboitseinstellung der fran- zösischen Bergleute solle man sich weigern, Ueberstunden zur Kohlenförderung strr den Verbrauch in Frankreich zu verfachren. Dieser Appell an internationale Solidarität ist sehr schön und angesichts der letzten Mehrlieserungsforderung Millerands ver- stündlich— aber welche Hilfeleistung hat Teutschland von den jetrsoitigen Genoffen zu erwarten, wenn es sich auS Solidarität zur .beherrschten" Lieferung bewegen ließe? Grevesmüh!en oüer SerliiU „Gesetzlichen Schutz der M e i n u n g s fr ei- heit" verlangt die„Deutsche Tageszeitung". Anlaß zu dieser Forderung gibt ihr eine angebliche Versammlungssprengung in Grevesmühlen. Nach der Darstellung der„Deutschen Tages- zeitung", die wir nicht nackprüfen können, soll dort eine ge- schlossene deutscknationale Versammlung..von einer demo- kratisch- sozialdemokratischen Rotte mit Knütteln und Schlag- ringen gesprengt und der Redner des Abends, Herr v. Gräfe, schwer verletzt" worden sein. Wenn diese Darstellung zu- treffen sollte, so würden Nur nicht anstehen, unsere schärfste Mißbilligung auszusprechen, da wir stets den Standpunkt vertreten haben, daß politische Kämpfe nur mit geistigen Waffen auszufechten sind. Ilm aber das Vorkommen von Versammlungsexzessen zu beweisen, Kätte die„Deutsche Tageszeitung" nicht bis nach Grevesmühlen zu reisen braucken. Sie hätte es bequemer 1 gehabt, in Berlin zu bleiben und auf daS Treiben der alldeutsch-antisemitischen Sprcngkolonnen hinzuweisen, das sich hier mehr als einmal bemerkbar gemacht hat. Ist der„Deutschen Tageszeitung" nichts bekannt über die Sprengung jener Versammlung der Friedensgesell- sckaft in der Philharmonie, in der Erzberger reden sollte?! Ein alldeutsches Blatt, die„Post", hat damals die Vorgänge mir folgenden Sätzen geschildert: Scbon vor Beginn der Versammlung gab eS Krach und Klamauk. Zweimal brach ein Skandal an der Saaiiür aus und bei einer rätielhaiieii Gelegenheit brach, ebne dass noch ein Redner das Wort ergriffen kälte, ein ohreu- betliiidrndcr Lärm aus. der auf mitgebrachte» Instrumenten voll- führt wurde. Triller und Signalp eifcu schrillten durch den Saal, Kindcrratschcu und Klapper» ertönten, und einer machte einen Likerirhahn, daß e» nur so eine Art hatte. Ernster zu nehmen als dieser kindische Unfug war die Tatsache, daß ein großer Teil der alldeutschen Anhänger uni- formiert und schwer bewaffnet erschienen war. Dasselbe ereignete sich bei der Störung einer Versammlung des „Friedensbnndes der Kriegsteilnehmer", in die eine Horde alldeutscher Baltikumjünger uiw. mit Revolver und Handgranaten im Gürtel eindrang, und bei der nur durch Eingreifen der Sicherheitspolizei schwere Zusammen- stöße verhindert wurden. Das sind nur zwei Beispiele deS alldeutschen Terrorismns in Berlin, dsi? sich noch um einige vermehren ließen; es sei erinnert cm die Vorgänge im Kolleg des Professors Nicolai, das Attentat auf Major K a u p i s ch usw. � Wenn also die„Deutsche Tageszeitung" so sehr für g e- setzlichen Schutz der Meinungssreihsit ist, warum fordert sie dann nicht zuerst ihre eigenen Berliner Anhänger auf, die Meinungsfreiheit zu re- spektieren?! Aber alle die genannten Exzesse haben ihre wohlwollende Billigung gefunden, denn: Bauer, das ist ganz was anderes! Erzbergers Steuererklärungen. Beschlagnahme einer Erzberger- Broschüre. Eine Broscküre gegen Erzberger bereitele eine Belliner Druckerei vor. In der Broschüre waren 30 Pbotogramme vorgesehen, die die Steuererklärungen des Reichs- finanzministerSauS den Jahren 1004 b i s i91S enthalten. Im Zusammenbang mit diesen Exliärunaen wurde in der Broschüre behauplet. der Finan, minister besitze Depots im Ausland. Die Broschüre, die sich bereils in, Umbruch befand und binnen 14 Tagen in grossen Mengen auf den Markt flewonen werden sollte, ist, wie eine Korrespondenz zu melden weiss, be- > ch I a g n a h m t und der Faktor K. ist verhaftet worden, da laut Vorschrift des Ausnahmezustandes neue Flugichriften, Broschüren oder Zeitungen dem Neichswcbrminister zur Kenntnisnahme vor der Drucklegung eingereicht weiden müssen. Die Angelegenheit komplinert sich insokern, al» die Steuer- erklärungen zwecks pboiographischer Aufiiohme eine Zeitlang aus dem Charlottenburger Steueramt e n tfern t worden sein mussten und jedenfalls eine Verletzung des SieuergehelmniffeS vorliegt. » Nochmals: Dls Surschenschafter tanzen. Wir erhalten folgende Zuschrikt: In Ihrer Notiz„Die Burchenfchafter tanzen' darf ich als Mit- glied des A.H.-BundeS der hiesigen A. D.-B. Burschenschaft Neo« germania, wohl bemerken, dass die von Ihnen krilisierte Ball-Ver- anstaltung des Berliner A. D.B. sofort nackBekanntwerden deS Ausliefer ungSbegebrenS abgesagt worden ist. Der Berliner Allgemeine Tentiche Burschenbund geht alio in der Verurteilung voir� öffentlichen Tan, Vergnügungen mit Ihrer Kritik vollkommen einig. ä Ergebenst Dr. Stresemann. saensten Unmenschlichkeiten. Die Kriegsverbrechen sind nur swi dem Kriege selbst auszurotten. Ein Millionstel Milligramm! Wer jemals da' winzig kleine Plalinbiäitchen, das das Gewicht eines Milligramms darstellt, mit der Pinzeue i» Händen bielt. wird eS nicht für möglich balien, dass auch der laufendste Teil dieieS lieine» Knirp'eS für die chemi- ichen WSgungeii ein noch viel zu grosses Gewichtsmass darstellt. Und doch gibt es Vorgänge bei denen es aui ein Millionstel eine? Milligramms oniommt, z. B. bei der Gewichleveiänderung bork riechender Körper u'w. Für solche Zwecke bat man jetzt eine Mikro- wage gebaut, womit Gewichtsunter'chiede von einvienelmillioiiste-i Milligramm wahrgenommen werden können. Sie besseyr aus einem Gestänge»einster Onerfäden, das ganz lorg- sam 4n ein luftdichtes Melallgebäuse mit GlaSfeniler eingebaut ist. Der WagSbalken ist ein RombuS, dessen beide Diagonalen 90 und 40 Millimeter betragen. Die Stäb« chen sind 1/3— 1 Millimeter dich Die Wage bang, an zarten Quarz- Näbchen von einigen tausendstel Millimeler Oueiichnitr. die für gewöhnlich unsichtbar sind und nur durch den Lichis»ein bemerkbar werden. Das Gewichi besteht' aus einer winzig kleinen Hohlkuoel onS Quarz, die enliprechend mehr oder wenige�lustleer gepnmvt wird und nach dem Grad ibrer Luitleere eine Berechnnna ibreS GewichieS zulässt. Da« zarte Gebilde e>ne> Wage ermöglicht die Nachweiiling deS LichidrnckcS, also den Aufprall der Lichinrablen auf den 5iörver Mo» hofft, die Empsindsichteil der Wage'ffuf ein«. zehntelmillionstel Milligramm steigein zu lönnen. Eine»merikanisihe Abstimmung über den Frieden. Interessante Zahle» über die loirkirche Stimmung des amerilanischen Volke« gegenüber dem Friedensvertrag veiöffenilicht Jan C. Hannab'M New StateSma» nur Grund einer Abstimmung, die an den amerikanische» Universiiälen statigefnndeii bat. Tanach iprachcii sich für den Friedensverirag 3i>4ö Lehrer un» 83499 Sludenien aus; gegen den FitedenSverlrag überhaupt stimmten 48g Lehrer und 1 l 073 Studenten. Dem Frieden mit den Lodge'chen Vorbehalten st'mmien 1244 Lehrer nn» 19917 Studenten zu. Für einen Kompramiss zwi'chen dem Lodaeichen Vor'chlag inid der Stellung der Demo» traten traten 43o2 Lebrer und 40437 Studenten em. Au» dielen Zahle» gebt iedenfalls hervor, dass der grössere Teil der amerika«' »i ichen ÜniverstiätSmitglieder den Friedensvertrag in seiner jetzigen Gestalt missbilligt._ Tr. TS. KarSbaeh von der Berliner«iZatiortalgalerie wurde als Direktor de» Eisiuter Mu'cumS gewählt. In Berlin war Dr. Kaetbach al« Brual der Nalionalgalerie tälig. Ter EiP>anaSegefcllschaft»adend. an dem die Ausgabe der eriten Prolrelte zur ü-ropaolcrung der Gro'jcn Volkdooer Berlin er'olgt findet tiiii Son-ah-üd 7 l!hr unter Mitwirkung ran Frau Merren-Nitisch und den Zerren Clew'ng, v Schillings und Avtuc Aikiich Hott. Im Teurschen Erfinder-Zchuttverbaud Bezirksvcrem Berlin) hält am Mitilrocd. den 13. Febr., s Hb:, Penentanwalt Schmitzdors>m Verein«. lokal Wcihcnilevkan, Schöneberger Ujer 23» einen Bortrag über.Patent oder Gcbrauchsmuiler?' Einlritt frei. V» der.k>andels-H?chschule Berlin werden.Hörer(also nicht Studierend«) w der Rr-rl nur zu einstündlgen Abendvorlesungen zu- gelaifen. Tu in dem Zirilcheniemeiier fait nur mehrilündige Vorlesungen gehaüen werdeir, iii das Rellornl bereit, auj Autrag den Hörern auch die j Teilnabme an mehtstündigen Vorlesungen ZU gestatten. Anniildusgen im Sekretariat. Kr�gsyerbrechen .!n Veutschlanö. lltttor den KriegSverbrechen, deren sich die jetzt zur Auslieferung verlangten Deutschen schuldig gemacht haben sollen, wird bc- sonders cwch auf die systematische �Zerstörung der im deutschen Rück- zugsgebiet von 1917/18 liegenden Ortschaften Nordfrankreichs hin- gewiesen. Niemand, der diese Zerstörungen gesehen hat, wird be- streiten, dass damit unsagbare« Elend über die Bevölkerung jener Lanidesteile gebrocht, unersetzliche« Gut vernichtet worden ist. Aber eS ist eine unerträgliche Heuchelei, wenn behauptet wird, dass zu dergleichen Schandtaten nur Deutsche fähig seien. Vor sieben Jahren— 1913— beging Hamburg die Hundertjahrseier seiner Befreiung von der Franzosenherrschcft. In einer Gedenkschrift, die damals im Auftrag unserer Partei von Dr. Lausenberg verfaßt worden ist, sind nach historischen Quellen die Zerstörungen Hamburgs und seiner Vororte geschildert, die im Winter 1313/14 der smnzöfische Marschall Davoust vornehmen ließ, al« die damaligen Alliierten lPreussen. Russen und Oesterreicher) die Franzosen zu vertreiben suchten. In dieser Schilderung heißt eZ: ... Davoust ging energisch an die Freilegung deS ÄzrseldeS. eine Maßnähme, die nach der Angabe von Militärs bezweckt,«den Angreifer zu zwingen, mit dem Artillerieangriff weit abzubleiben und den'Nahangriff schon in der Ferne zu beginnen", wozu eS deS freien SckussfeldeS und der Beobachtungsmöglichkeit bedürfe. Die bis jetzt lässig gehandhabte Niederlegung de? Häuser wurde mit größtem Nachdruck in Angriff genommen. Von der Morgenseite Hamburgs wurden zerstört alle Wohnungen rechts der Allee vor dem Etcintor bis nach der Alster.. Zur Rechten der Allee vor dem Deichtor, dem Stadltor und� dem Fuss der Wälle beginnend, alle Wohnungen. Bleickerhütten'und Gartenhäuser bis zu dem söge- nannten Hühnerposten; der Flecken Hamm; ferner olle nach WandS- bei zu gelegencn Wohnungen und Gartenhäuser. Heber eine halbe Meile rruSgebecitct, bis an das Weichbild dieses Flecken«, lag hier alles in Trümmern, Asche und Schutt. An der Südseite von dem Süd- und Brooktor verboten die H-rbstfluten grösseren Anbau. Doch stand hier eine Anzahl Wobnungen an romamischen Plätzchen. Auch sie wurden zerstört. Im Westen erstreckte sich die Verwüstung vom Elvuser über den Schlachter�of in mehr als einer Viertelmeile Ausdehnung. Ebenso wurden die hier liegenden volkreichen Vor- städte zerstört, die unlängst noch über 8000 E.nwohner zählten. Am größten war die Zerstörung jedoch an der Nordfeste. Rechter Hand der Kirchhöfe vor dem Dammtor waren niedergelegt ausser den prachtvollen Alleen alle Wohnungen. Weiter rechts war die bis Eimsbüttel sich erstreckende Reihe der Gartenhäuser zerstört. Eimsbüttel selbst mit dem' grüßton Teile des Gehölzes war ein- geäschert. Bei der Aussenalster begannen die Verwüstungin an den Stadtwällen: hier fielen die neue unid die alte Rabe. Harvestehude, Eppendorf. Wochenlang leuchtete Abend für Abend der Himmel von Feuersbrünsten.„Stundenwest lag die Umgegend wie ein großer, mit Schnee und Eis bedeckter Schutthaufen da, aus welchem nur einzelnes Mauerwerk und halbverbrannte Bäuure hervor- starrten; Weiber und Kinder irrten, nach ihrem alten Eigentum suchend, in der Zerstörung umher, und noch immer wurde Nacht für Nacht der Himmel von der Glut brennender Dörfer gerötest" Vor Harburg lagen die Dörfer Lauenbroock, Hoimfelid, Wilstorf in Trümmern.„Von den zur Stadt gehörigen Häusern ist mehr ÄS ein Drittel zerstört, alle Gärten um dieselben sind verwüstet und von Bäunren ist hier keine Spur mehr. Auf der Insel Wil- hclmsburg ist eine Menge Wohngebäude und anderer Häuser zerstört und verbrannt.. Auch die oberen Häuser in Moorburg wurden vlanmässig niedergelegt. Bei den Zerstörungen verfuhren die Truppen mit steigender Rücksichtslosigksit. Die Ansagcfrist ward immer kürzer. Manchmal wurde Niederlegung nach zwei Tagen angekündigt, jedoch nur ewige Stunden Frist gewährt. ES war ein Jammer, anzusehen, wie die Landstrasse sich mit unglücklichen Lastträgern bedeckte, von denen der größte Teil aufs Geratewohl forteilte, aber einen sicheren Zufluchtsort zu wissen. In den Häusern von Horn wurde daS Ge- rettete niedergelegt und willig aufgenommen,„allein bei der An- Näherung des Abends und da wegen gänzlichen Mangels an Fuhrwerk alle« getragen werden mußte. Rieb der größte Teil der Ma- bilten unter fteiem Himmel stehen. Man bewachte sie, weil man hoffte, sie am anderen Morgan in Sicherheit bringen zu können. allem dies wurde von den Franzosen nur zum Teil gestattet; daS meiste mußte daher unter dein Schnee liegen bleiben und wurde eine Beute des räuberischen Militärs, welches die Schränke und Kommoden erbrach und für sich ausleerte. Ebensowenig verstatteten die Soldaten das Fortschaffen der LebenSmiiielvorräte aus abzu- brennenden Gebäuden. Alle diese Grausamkeiten wurden unter den Augen der L ssizier« perübt, die offenbar bei dem Raube interessiert waren." » Schlimmeres als damals von französischen Militärs— Offizieren und Soldaten— an der unglücklichen Bevölkerung Ham- burgS perübt worden ist. kann auch im Weltkrieg nicht von Deutschen in Frankreich verübt worden sein. Denn auf die Zerstörung der Wohnstätten hrlgte 1813 au» in Hamburg noch die Austreibung der Bevölkerung in die tödliche Winterkälte, der Tausend« zum Lpftr fielen. Es soll mit dieser Erinnerung in keiner Weise be- sckönigt oder entschuldigt werden, was etwa an unnötig grausamer Härte von Deutschen in Frankreich gegangen wurde, aber wenn man heute liest, daß die ftanzösischen Militärs selbst das Ver- langen nach Auslieferung der deutschen„Kriegsverbrecher" miß- billigen, so ist da? wohl zu verstehen. Es ist ihnen offenbar nur zu gut bekannt, wie ihre Vorgänger vor 107 Jahren in Deutschland gehaust haben, ohne dass nachher von Wiedergutmachung oder gar von Bestrafung der Schuldigen die Rede gewesen wäre. Solange . Kriege geführt worden sind, kam eS dabei immer auch zu grau- ttr. 82 ❖ 37. Jahrgang Beilage des Vorwärts MMHU— tl........................ WUIMUWWWWTIIMM I»IM, l�lll�ü IIIIB I«MSMWW SonnabsttS, 14.§«br»ar 1H2H Prozeß Erzberger-Kelfferich. (Schluß aus der Abendausgabe.) Helfferich: Hat der Herr Nebenkläger mit Geheimrai Will, dem Cbef der Prüfungskommission der Sprengstoffe über die Hotratsche Erfindung gesprochen und ihm dabei mitgeteilt, daß der Herr Nebenkläger an dem Unternehmen finanziell beteiligt war?— Erz berger: Meines Wissens habe ich mit Herrn Gcheimrat Till überhaupt nicht gesprochen.— Helfferich: Da muß ich. heute wieder einmal die Feststellung machen, daß Ihr Eedäel inis sehr schlecht zu sein scheint.— Bor f.: Exzellenz, da§ geht über den Nahmen des Erlaubten hinaus.— E r z- beiger: Es ist ja möglich, daß ich durch die Aussage von Zeu- gen mich an die Sache erinnere. Man kann doch unmöglich von mir verlangen, daß ich mich an jede? Gespräch erinnere, da» ich einmal vor lll Jahren geführt habe. Vors.: Wann sind Sie ausgetreten?— T r zh e r- g c r: lölö oder I9i6.— Helfferich: Ich kann es Ihnen ganz genau sagen: Im August 1916.— Vors.: Wie viele Anteile hatten Sie?— Etzberge r: Für 30 000 M.— Oberstaatsanwalt Krause: Aur Zeit der Fusion der Marfit- und der Ko- watschiGesellschaft waren Sie noch im Unternehmen?— E r z- berger; Ja, tm A u f s r ch i S r a t.— Helfferich: Ich bitte um Enischuldigurp, Herr Vorsi�nder, aber die Aussagen des Herrn Nebenklägers kann man nicht mit ruhigem Blut hinneh- «nen. Herr Erqberger, ich teile Ihnen mit, daß Herr thvssen sen. mir selbst gesagt hat. er sei bereits im Herbst 1914 in h'vrm eines losen Arn�outiums an dem Unternehmen beteiligt g- e.— Erz« berge r: Ich far.ti mich auf d-n Termin nicht festlegen.— Vor f.: Ich will die Frage noch einmal formulieren und bitte Ew. Exzellenz, zu überlegen, was Sie antworten wollen. War Thhsien 1914 bereits mit A Proz. an dem. Unternehmen chcte>- ligt waren und Sie, Exzellenz, mit SS Proz. beteiligt?— Etz- berget: Darawf kann ich nicht präzis« antworten.— H e l f f e- r i ch: Dann müssen wir Herrn Thvssen sen. und' andere Zeugen isören.— RechtSonw. Friedländer: Ich verstehe gar nicht, wohin der Herr Angeklagte eigentlich will. Wir können doch nicht da» Leben de» Herrn Erzberger und sämtliche Dienstboten- g e s ch i ch t e n aufrollen.— Helfferich: Wenn ich jetzt fest- stelle, daß Erklärungen Erzbergers unrichtig gewesen stnd, so ist das für die Aussage des Herrn Erzberger in den ganzen Ver- Handlungen von ansschlaggebender Vedeutung.— Rechtsanw. Alsberg: Ich richte nun solacnde Frage an den Herrn Neben- kläger: Heben Sl« in Gladbeck in Westfalen mit dem Direktor de.r staatlia'en VergwerkSinspektion, dem..ehsimen Oberbergrat Mehr, uegen einer Lizenzgebühr verhandelt?— Erzberger: Da» ist möglich, ich glaube, ich habe damals einen Pfennig pro Tonne gefordert.— R.-A. Alsberg: Man hat Ihnen dabei vorgerechnet, daß der BergfiSkuS in diesem Falle Jbnen jährlich dre iviertel Millionen Mark, der Kohlenbeigbau Ihnen jäbr'ich dreieinhalb Millio- nen Mark Lizenzgebühren zahlen müßten, wenn man Ihr Ver- fobren einführen wollte.— Bors.: Hat diese Unterredung zwi'chcn Ew. Exzellenz und der Dergwerksinsp.ektion stattgefun- den?— Erzberger: Ich kann mich nicht genau daran eriun e r.n. Aber es mag wohl sein, ich habe mehrere der- ortige Unterredungen gelühr: und habe den Herren vorgerechnet, wie große E r s p a r n i s s« sie bei der Einführung des Kowatschen Verfahrens machen würden,— Rechtsanw. Alsberg: Wurde dem Herrn NebenZIüger vom Oberbergrät nicht gesagt, daß seine Forderung geradezu ungeheuer fei? Sie haben dann drei Forderrngen aufgestellt: 1, verlangten Sie eine Lizenzgebühr von 1 Pf. pro Tonn«. Das ergab nach der Berechnung eine Summe von ili Millionen Mark im Jahre, 2. forderten Sie eine feste Jahresge bühr und 3. wollten Sie das Patent verkaufen.— E r z b e rg er*: Ich kann mich gar nickst mebr daran erinnern.— Helfferich: Tie haben ober doch aus Jbrem Bureau in der Budapester Straße, auZ welchem sowohl Ihr« amiliche wie private Korrespondenz hervorging, an den Bergl auvcrein in Esten eine' Offerte gemacht, laut der Sie eine-Lizenzgebühr von 1 Pf. pro Tonne oder eine Abfin- d u n g in Höbe von S.Millionen Mark, zahlbar in vier Jahre?- raten, verlanaten. Und das verlangten Sie für eim Mittel, das noch nicht vrlltoinwcn ausprobiert und nicht einmal schlagwetter- sicher war. Wet"?rHn laben Sie verlangt, daß der andere Kon- trabent innerhalb seines Bcrgwerkgebiei-eS kein anderes Versah- ren mit flüssiger Lust einführen durfte.— Erzberger: Ich entsinne mich, eine derartige Offerte ist wohl abgesandt war- den. Aber vorher hatten Besprechungen mit dem Berghauverein in Essen stattgefunden, in denen man sich über die Offene ver» ft ä n d i g t hat!«.— Rechtsanw. Alsberg: In dm Schreiben an Gehcimrot Polenski, in welchem Sie vor den Gefahren des Verfahrens des Ingenieur» Heiland mit slüssioer Lust warnten, haben Sie auch das Gutachten des Ingenieurs Kowatsch ange- führt. War das nicht bestellte Arbeit, Herr Nebenkläger? Erzberger: TaS stimmt nicht. Gebeimral Polenski kannte Herrn Kowatsch ganz gruau.— Rechtsanw. Alsberg Dann ist es mir um so unverständlicher. Wenn Geheimtat PolenSki Herrn Kowatsch so genau kannte, dann wäre es dach einsacket gewesen, wenn Kowatich sich direkt an Echeimrat PolenSki gewandt und sich nicht erst eines Zwischen marines, und noch dazu eines Abgeordneten, bedient hätte. Erzberger: Tie Verhandlungen nach außen sollte Herr AoCdus führen. Ich habe ihn damals dabei vertreten.— Vorst: Sie wollten also nicht Ihren Sondereinfluß als Abgeordneter geltend machen, sondern handelten im Austrage.— Erzberger: Jawohl. Auch im Allgemeininteresse.— Rechtsanw. Alsberg: Exzellenz, wieviel hohen Sie denn im ganzen eingezahlt? — Erzberger: 2200 M.— Rechtsanw. Alsberg: Dann war doch daS Gcsckäst nicht so unlulrativ, wenn man 2200 M. einzahlt und 80 000 M. herausbekommt.— Erzberger: JÄ war aber in der Angelegenheit außerordentlich tätig, hatte viel zu testen und setzic mine ganze Arbeitskraft ein.— Rechtsanw. Alsberg: Hol:n Sie außer den 30 000 M. sonst nichts bekoin- mcn?— Erzberger: Nein.— Rechtsanw. Alsberg: Hat nicht das Kolishndikat Ihrer Gesellschaft 50 000 M. gezahlt, ohne das R iltel angewendet zu haben?— Erzberger: Dos weiß ich nicht.— Rechtsanw. Alsberg: ES besteht der Verdacht, daß die 50 000 M. nur deshalb gezahlt worden seien, damit Sie, Herr Erzberger, die Jntevessc» des ThndikateS vertreten.— Erzberger(sehr erregt): Verdächtigen kam- man jeden Menschen.— Helfferich: Ist daS Patent, nicht während des Krieges für 900 000 M. ins A u S l a n d verkauft worden? Halten Sie diese Veräußerung für so wichtig, daß sie mit den allgemeinen Interessen zu vereinbaren wäre?— E r z b e r ge r: Als der Verkauf erfolgte, war ich schon aus der Gesellschaft aus- geschieden.— Helfferich: Aber die Vollmacht dazu ist doch Budapester Straße 14 ausgestellt worden, nicht wahr?— Erzberger zuckt. die Achsel.— Helfferich: Sie ist dort ausgestellt und ich mutz jeden alL DaterlandSseind bezeichnen, der wäh- rcnd des Krieges eine solche Erfindung an das Ausland verkauft. Sie haben eins Blankovollmacht zum Berkauf ins Ausland ausgestellt.— Vorst: Exzellenzh haben Sie eine Blankovollmacht aufgestellt?— Erzberger: Ich kann mich nicht erinnern.— Hüd l f f e r i: Ich habe das von absolut sicherer Seit«, daß am 7. August 1916 von Herrn Erzberger eine Blankovollmacht zu diesem Verkauf ausgestellt worden ist. Sie wisse« das ganz genan, Herr Erzberger! ES wird hieraus Ingenieur Kowatsch vernommen. Er schildert zum Teil sehr ausführlich, wie er Erzberger kennen ge- lernt habe und gibt eine eingebende Darstellung von seiner Er- ftnvung. Die finanzielle Beteiligung Erzbergers habe 10 Proz. der C«schäft?anteile betragen. Das war aber alles nur auf die Zukunft berechnet. Der Zeuge sagt dann weiter. Erzberger habe ihm im Jahre 1915 davon Kenntnis gegeben, daß in Schlesien Versuche mit einem neuen Sprengverfahren gemacht wür- den. Er, Zeug-c, habe darauf gesogt, man müsse dre Regierung darauf auftnerksam machen, daß bei diesem Verfahren große Gefahren beständen. Er habe darauf Herrn Erzberger den Vorschlag gemacht, sich an Geheim.rat Polen ski zu wenden.— Rechtsanw. AP S b e r g: Kannten Sie Geheimtat Polenski schon, als Sie das Schreiben Erzberger übergaben.— Zeuge: Nein. —, Rechtsanw. Alsberg: Herr Erzberger hat die Sache ganz anders dargestellt.— Zeuge: Es ist möglich, daß ich Herrn Polenski schon vorher gesehen habe, es waren aber so- viel Herren dort, ich kann mich nicht genau besinnen. Kowatsch j gibt dann noch an, daß vor dem Verkauf der G. m. b. H. im Sommer 1916 Erzberger ihm, dem Zeugen, seine 30 000 M. Anteile überlassen habe. Der Zeuge fand daS von Erzberger sehr anständig, da die Erfindung bald darauf, nachdem sich die Verhandlungen mit Engländern zerschlagen hatien, nach Schweden verkauft worden sei. Es wird dann noch der Zeuge Patent- ingenieur Bessert vernommen, an den sich Kowatsch wegen Erlangung eines Patentes für fein Sprcngverfahren und wegen der Finanzierung gewendet habe. Bessert stellte durch e'nen Herrn BaiduS die Verbindung mit Erzberger her. Ter Zeugs wird dann zum Schluß noch über den Verkauf der Erfindung an da» Ausland befragt, machte aber so verworrene Angaben, daß erst nach laugen Ermittelungen festgestellt werden kann, daß nicht Kowatsch seine Anteile an ein schwedisches Komortium, sondern daß die Vere inigte Marsit- und Kowatsch- Gesellschaft die Erfindung verkauft haben. Hierauf tritt eine Mittagspause ein. Noch der Paus« wird Generaldirekior Berkel» eher als Zeuge vernommen. Er sagt aus. daß sich bei des Verhaut)- lungtn der Marfit-Ge feilsch ort mit den verichiedcncn Bergbauunternehmungen erbsbliche Widerstände gezeigt hätten. Die Ursache dazu seien die Verhandlungen Erzbergers mit dem Handelsministerium gewesen, die von den Be- bördln den Berg-bauinteress'nten mitgeteilt worden waren. Auf Befragen des Rechtsanw. Dr. Alsberg, c-b er Erzbergers' Warnung an das Handelsministerium für berechtigt gehalten habe, antwortet der Zeuge mit nein. Der Verein der Äaliinteressenten hat mit der Kowastit. Gesellschaft wegen Verwendung de» Verfahrens verhandelt, hat auch eine Anzahl rrng geleistet, hat das Verfahren aber nicht verwendet.— Rechtsanw. Alsberg: Wurden keine Betrachtungen an diese Zahlung geknüpft?— Zeuge: Ja, wir hakten daS Gefühl, man wolle sich mit dieser Zahlung den vbgeorbnrtcn Erzberger kapern, weik er großen Einfluß hatte.— Vors.: Fürchteten Sie den Ein- fluß des?dbg. Er-deoger?— Zeuge: Jawohl, ich'sagte ja schon. daß wir mit dem Widerstände der Regierung zu kämpfen hatten.— Rechtsanw. Alsberg: War man in Ihren Kreisen nickt der Auf- fafsung, daß Erzbcvger vor dem Marsitverfahren nur deshalb ge- warnt habe, weil es ein Konkurrenzunternehmen war?— Zeuge: Jawohl, natürlich.— E» entsteht ein längeres Hin und Her über die entgegengesetzten Aussagen des Herrn Nesserk und des Herrn Assessor Lisse über Weitcrvvrwendung de» Kowastit-Berfahrens.— Als letzter Zeuae loird dann noch Assessor Schulenburg vernommen, der Erfinder deS Marfit. Er sagt nur aus, daß der Grund zum Zusammenschluß der beid-n Gesellschaften darin zu suchen war, daß man Erzberger aus- schalten wollte. Ledergeschäfte und Auslandsverkäufe. Wid»? Erwarten kam es am gestrigen VerhandlunoStag noch zur Aufrollung eines neuen Falles. Helfferich weift feinem Gegner nach, daß Erzberger an der Änhpdotlederfabri? des Kommerzienrats Rechberg beteiligt gewesen ist, einem Werk, das unter Ansschaliurrg der bisherigen GerfrnuÄwde Leder zur Verarbeitung fertigstellt, und daß Erzlrrger während des Kriege» versucht hat. dieses für das Kriegsministerium sehr wichtige Ver- fahren nach Norwegen.zu verkaufen. Helfferich nimmt daS Wort zu folgenden Ausführungen: Herr Rech&erg hielt es für angezeigt, den damaligen Abg. Erzberger an der Fabrikation zu interessieren, und Mar nicht nur durch die Darlegung der Kriegs- Wichtigkeit des Verfahrens, sondern auch durch Argumente von gut metallischem Klang. Er gab dem Abg. Erzberger an dem Anhhdat- geschäft eine Beteiligung, und Mar nicht in dem kümmerlichen Ausmaß e:wa des Pmoodingefchäftcs, sondern in Höbe einer fechS- stclligrn Zahl. Der Abg. Erzberger hielt es für richtig und unbe- denklich, diese Beteiligung an einem Unternehmen, da» lediglich für den Heeresbedarf zu arbeiten bestimmt war, anzunehmen, ob- >vchl er nicht nur Abgeordneter mit einem Parlaments- und ge- schäftsnotorischcm Einfluß im Ä'riegSmmisterium war, � sondern überdwZ parlamentarisches Mitglied und Auffichtsrat der Krieps- lederaktiengesellschaft. Herr Erzberger hat diese lukrative Bewili- grtng auch»ach seiner Er.neimung zum Staatssekretär und Reichs» ministor beibehalten, und ich gtowfte mich in der Annahme nicht zu täuschen, daß er fich dieser Beteiligung noch heute erfreut. Ich erwähne in diesem Zufammenhana einen Fall, der kürzlich zum gerichtlichen Austrag gekommen ist. Auf einer Ou-artalsversaorm- lung der Schuhmachermeister des Zittauer Bezirks hatte der In- nungSobcrmeisler Augsten die schwersten Vorwürfe gegen den Rcichsfinanzministcr Erzberger erhoben, den er für die Erteilung von Ausftihrgenehmi- gungcn gewaltiger Mengen Sohlenleder nach Belgien und England— im August vorigen Jahre» ollein rund 200 000 Zentner, das bedeutet etwa 1 Zentner Leder für jeden deutschen Schuhmachermeister— ve-rcmtworilich machte. Augsten 35] Jan Krebsereuter. Seine Taten. Fahrten und Meinungen. Aufgezeichner von HuwS Müller-Schlösser. „Rrrr kiß kih!" machte Jan, und Tünnes, der in der Dunkelheit die Beine des Baas für Jans Arme hielt, biß mit tvütendem Geknurr hinein. „Zackerblitz und Tonnerkeill" fluchte der Baas und sprang in die Höh?, stellte das Bein auf dos Kanapee, krem- pelte die Hose auf, lieh den Strumpf herunter und beleuch- tete mit der Kerze die blaurot angelaufene Bißstelle.„Ja, so wat lebt doch nft! Junges, Junges, Junges! Nee, nee, nee! Frau no guck' doch bloß mall Wer hat mich denn da so in dat Bein gebissen?" Tünnes verriet sich durch stin Gebrüll: er wollte unter dem Kanapee heraus, aber er konnte nicht, weil er ja am Halse angebunden war. Jan hatte sich rasch erbeben und schaute mit dumm- unschuldigem Gesicht auf das Bein des Baas, der sich ächzend über die Wade rieb. „Sollen wir nit kalte Umschlag machen, Alowis?" fragte seine Frau. „£ch wat," winkte er ab, spuckte auf die Finger und rieb damit über die Bißstelle. „Juiig. dat hast du getan!" rief der BaaS. „Ena BoaS" entaegnets Jan bescheiden,„ich nit! Ich steh' dach hier am T'ch'" „Dann iit� es der Tünnes gewesen?" „Du. Eaufnnfl!" rief Fron Schlüter, zog den bnillsndsn Tünnes. dessen Gesticht von der schnürenden Kordel blau an- gelai-fen war.»rnter dem Kanapee bervor, wobei die Kordel glücklicherweise riß. Zog ihm die Kose stramm und versohlte ibm da? dick? Zifserblatt daß es so klatschte, und TünneS strampelt? und, brüllte, daß man den Donner draußen nicht mehr hörte. Da pina die Tür wieder ans. und der alte Kanebl trat herein mit seinem Sabne �üvv dessen rötliches, mit soviel £M?h? iind Bomad? gewichstes Schnnrrbärtchen vom Regen trokf"r>d sebkrinv über H? Pint-fn hing. Sie war?« beide im farbfleckigen Arbeitskittel, der auf den schultern klotfchngß war. Jüvv. als er Jungfer Lifett lab. zwirbelte rasch lein Schnurrbärtchen in die Höh« und machte so strahlende Augen, daß sie ihm wie Glaskugeln vor dem Kopfe standen. Er ging sofort auf Jungfer Lifett zu, die ihn mit ihrem gespitzten Mäulchen anlächelte, und setzte sich neben sie. „Tag zusammen," sagte der alte Kanehl und machte ein erstauntes Gesicht,„wat ist denn hier los? Tat hört sich ja an, als ob ein Ferkel geschiacht wird!" „D'r Tünnes hat Wichs gekriegt, weil er dem BaaS in't Bein gebissen hat." berichtete Frau Schlüter und wischte sich mit der Schürte den Schmeiß aus dem Gesicht. „Zackcrblöl" rief der alte Kanehl und pustete,„hier ist aber eine Luft im Zimmer, dat die Fliegen von der Deck' fallen, buhl Macht doch dat Fenster auf!" „Tat sag' ich auch," stimmte der BaaS bei. „Um Gotteswillen nit, AlowiS!" schrie Frau HösgenS. „Nee. nee?" unterstützte Frau Schlüter sie.„Ich kann den Blitz nit seben? Zulassen!" „Toll Frauleuti" lackte der Kanehl,„so bißchen Blitz! Ist doch bloß ein elektrisch Fünkchenl" „Die Gnade des Herrn aber währet eiviglich über denen, so ihn fürchten." Kanehl lockte grimmig und erwiderte: „So! Damit wollt Jbr wabl sagen, dat ich kein' Gnad' ,zu baffen Hab', wat? Ihr babt gut bubbeln. Baas! Ihr backt Eure Röggelches'")— klein genug find sie ja!— und die Kundschaft, die ieden Tag denselben Hunaer hat. muß sie Ench abkaufen, ob sie will oder nit. Jbr könnt gut mit biblischen Sprüchen um Ench berumi'chmeißenl Aber wat soll unsereins sagen?! Ick bob' beut' morgen dem Hellen- broick leinen Giebel gestrichelt Jetzt regnet einem die ganze Brüb' Widder berab. Da muß ich morgen den ganzen Giebel noch einmal streichen. Soll no der arme Mann zu wat kommen? Jo. auf dmi Hnnd kömmt er! Soll ich wohl auch noch singen: Großer �ott wir leben dich! wenn«r einem den Giebel abregnen'aßt?'" .Kanebl. dat sind nirnntzig? Reden!" rief der Baa? und schüttelte unwill'a den Bteisenstiek.> Wer weiß, wofür es gut iss dat Euch' d'r E'-'bel ab'-eanetl" .Wat? Gut ist? Ja. höchstens gut für die Madam Blankartz. der ich letzt widder die Tarb' kür teuer Geld ab- kaufen muß. Was bat denn der arme Mann auf die Art?! Mir bat er? Alles bat dat reicke Volk, die Spitzbuben? Wo- für baut die Kräfte nötig? Wenn die bloß soviel in den *)=•= Roggenbrotchen. Mauen") haut, dat sie an den Häusern vorbeikriechen können. dann sind die stark genug. Wat brauchen die Fleisch zu fressen, die Faulenzer? Tat Fleisch kömmt dem Arbeits- mann zu, der sich für dat rcick>e Voll quälen muß!" „Tat ist der Geist deS Umstürze?, der aus Euch spricht. Kanehl! Dat ist die Macht der Finsternis, die--" „Huh!" schrie da Frau Schlüter auf, denn die Kerze war plötzlich erloschen: der glimmende Docht schwalchte nach. Jon hatte die Kerze mit seinem Erbfenbläser ausge- schössen. „Die Macht der Finsternis—" wiederholte der BaaS. „Tann wollen wir doch dat Fenster aufmachen!" lachte der alte Kanehl,„donn kriegen wir Licht." Und er tappt« sich im Dustern vorwärts, wobei er mit seinen tastenden Fingern der aufkreischenden Frau Schlütsr in die Nase fuhr, stieß die Läden auf und öffnete daS Fenster. Heller Sonnenschein brach blendend herein: die von den Dachrinnen fallenden letzten Tropfen blinkten und blitzten darin: Schwalben sdhosten zwitschernd vorüber. Der Schnei- der Hubert!, seine Pelzmütze auf den Ähren und das wollene Tuch um den Hals, fegte mit einem Ginsterbesen die über- schwemmte Gosse rein. .Dat Gewitter ist ja vorbei!" stellte Frau Schlüter fest und schneuzte sich in die Schürze. Ein vielstimmiger lauter Seufzer antwortete ihr. Der BaaS stand vom Kanapee auf und schob die ganze fZefellschaft, sie mir der Hand und dem Pseistnstiel zusam- mentreibend. zur Tür hinaus. Trüdeke stellte sich in die Haustüre ans den Dürpvl und schaute mit besorgtem Gesickss die Zitadellstraße hinunter. Da kam GrodeS gerade i'm die Ecke, naß wie sine Katze. Von der Kovtze troff et ibm in den Racken und ins Gesicht, und seine Jack? glänzte vor Räsie.' Er winkte v"n weitem und nickte mit lockendem Gesicht. Jan rannte ihm entgegen, und beide kamen Hand in Hand beran. „Fräi'ke." rief Grades...dat war ein Unwetter, wat!" „Ist dir nix passierf. Grades?" „Nee, bloß mein Nwewärmer ist über Bord gegangen. kkck ban nock meinen Nachen le'wschevven müssen. Der war bis oben voll Wasser. Komm'. Frauke, ickepp' auf! Ich sab Hunger bis unter den Armen?" *) Sermil. K«ris. folgt.) machte öt jBetfl«: auch für die PreiSirsiSerei auf!>em Markt für Häute und Leder verantwortlich. Die Verhandlung hat kürzlich stattgefunden und mit einem Freispruch des Ober» m e i st e r S geendet, da Äugfien lediglich Bericht erstattet und in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe. Unter dem neue« Regime ist in Teutschland stets möglich, w»8 in keinem an- deren Kulturlande denkbar wäre, daß nämlich ein Mann, gegea dm alles du? vorliegt, was Herr Erzbcrger in diesem Prozeß gegen sich selbst hat zugeben müssen, noch als amtierender Minister im Gerichtesaal erscheinen kann. sGrotze Bewegung.) Erzberger: Kommerzicnrat Rechberg ist mir als ein auSgezeichn?tsr Geschäftsmann bekannt, der viele glänzende Anregungen für die Kriegswirtschaft gegeben hat. Er bot mir 18 Aktien an, von denen ich IS zum nominellen Kurs nahm. Von einer Bevorzugung der Rechbcrgschen Fabrik durch militärische Stellen ist mir nichts be- karnit. Daß aus Deutschland Sohlenleder auSge- führt wurde, ist mir ebenfalls nicht bekannt. ES handelt sich da um eine der Lügen, die zu Dutzenden über mich oerbreitet werden.— He l f fc r i ch: Ich bitte auf den Tag festzustellen, wann Sie sich an dem Rcchbergschen Unternehmen beteiligt haben. Haben Sie der Budgeikommission mitgeteilt, dass Sie an der Rechbergschen Fabrik beteiligt waren?— Erzberger: Nein, warum anch, man hätte mich höchstens ausgelacht. — Helff'erich: Wußten Sie, daß Kommerzienrat Rechberg Vorsitzender der KriegSwollgesellschaft war?— Erz o erger: Ich habe ihn selbst dazu voageschlagen.-»■ Helsferich: Wußten Sie, daß Kommerzienrat Rechberg Vorsitzender der KriegZwollges ellschaft war? Erzberger: Ich habe ihn selbst dazu vorgeschlagen.— Helffe- rich: DaS ist mir sehr interessant Sie fanden nichts dabei, daß man Sie in die Kriegswollgesellschaft sandte, obwohl Rechberg und Sie gemeinsame Interessen hatten?— Rechtsanw. Alsberg: War es eine Iuteressenkollision, daß Sie einerseits in der Ledcrvcrteilnng'gesellschaft saßen und andererseits an einer Fabrik beteiligt waren, die Lcder haben wollte?— Erzberger: Nein, eine Jnteressenkollision bestand deshalb nicht, weil das Kriegs- Ministerium für eine Versorgung der Fabrik selbst Schritte tat.— RechtSanw. Alsberg: Hat man in der ReilbSledergesellschast keine Klagen wegen de« Verteilungsschlüssels gehört?— Erzberger: Nein, denn für die Verteilung waren doch amtliche Stellen da. Im übrigen habe ich mich um den Verteilungsschlüssel nicht gekümmert.— Reh. Rat v. Gordon: Wissen Exzellenz, wann der Verteilungsschlüssel abgeändert wurde?— Erzberger: 1ö16 oder �1917. RechtSanw. Alsberg: ES ist bemerkenswert, daß dies dem Zeugen plötzlich wieder einfällt. Hieraus wird der Generalleutnant v. Oven, Chef de« Armee- Verwaltungsdepartements im ßriegsministerum, vernommen. Er gibt an, daß er mit Erzberger einmal über das Werk gesprochen habe. Vors.: Sagte Herr Erzberger, daß er an der Fabrik beteiligt sei?— Zeuge: Nein.— OberstaatSamoalt Krause: Hat Herr Erzherger bei der Unterredung sich für die Fabrik geäußert? — Zeuge: Ich hatte die Ansicht, er wollte sich über die ganze Sache orientieren.— RechtSanw. Alsberg: Wenn Exzellenz ge- wüßt hätten, daß Herr Erzberger finanziell an der Fabrstk beteiligt war. so wäre Ihnen daS wohl aufgefallen?— Gene- ralleutnant v. Ovey: Aber sehr.— Helsferich: WaS würden Sie wohl sagen, wenn Sie erführen, daß ein Ahgcordnetcr, ein Ver- . traucnSmann des KriegSm imsteri um>, dieses Verfahren, da; S'.e für so w'chtig hielten, daß es uns den anderen Ländern gegenüber einen Vorsprung sicherte, nach Norwegen verkauft hat?— Zeuge: DaS ist wohl nicht möglich.— Helsferich fein Schrkst stück zc'gcnd): Bitte sehr, hier ist die Offerte des Herrn Erzbcrger nach Norwegen. CGroße Bewegung im(yrnzen Eaal.)— Vors.: Es war doch woh! recht unvorsichtig, während deZ Krieges ein solches Verfahren an da? neutrale Aus- !and zu verkaufen?— Generalleutnant v. Oven: Wenn man mich a-sragt hätte, hätte ick, niemals meine Erlaubnis hier- ?u geben. Erzberger: DaS zustand gc Generalkommando 'at dem Verkauf zugestimmt.— Helsferich: Steht die Sache in rgendsmem Zusammsnhang mit Ihren Reisen ins Ausland?— Erzberger: Nun und nimmer— H e l f f e r i ch: Das haben Sic schon oft gesagt und nachher wieder zurücknehmen müssen. Erzberger: Ich erkläre unter meinem Cid. daß ich aus meinen Auslandsreisen nie geschäftlich tätig war.— Helsferich: Ein N o r w ezpc r n�nienS R a v o bat von der Waffenstillstands- kommission einen Paß erhalten, daß er Mitglied der Waffenstill- standskommission sei. Haben Sie den Ausweis ausgestellt?— Erzberger: Nein.— Helsferich: War es einer Ihrer Beamten? — Erzberger: DaS ist möglich. Meine Beamten handelten öfter selbständig.— Helfkerich: Mit oder ohne Trink- geld? Hier bandelt eZ sich um die Behauptung, daß Herr Ravo den Paß von der Wokfenstillstands''l>mmiss'on selbst bekommen hat. — Bars.: Wenn ich recht versiebe, haben Erzellenz B'ankovoll- machten, gegeben. Wer von den Beamten käme da in Frage?— Erzberger: Dr. Bein und Freiherr v. K i r ch b a ch vom Paß. bureau der Wasfensttllstand-Skommission.— Helsferich: Dann bitte ich. di« Herren als Zeugen zu laden. Damit wird die Sitzung auf Montag morgen vertagt. Groß-Rerllu Elternbeiräte wählen. Vlelkack, w'rd auf Grund von Verfügungen deS Pro- dinzialichuikollegiumS uiw. die Ankibt v.rlreten, daß die Stimmen zu den Eiieinbelrati Wahlen auw durcb Eevolimärb, tigte oder sogar brieflich abgegeben werden lönnien. Wir möcblen demgegenüber aus Grund von Elkundigungen an zustön- diger Stelle ausdrücklich seststeven, daß diese Annchi und olle daran geknüpften Vermutungen irrig sind. Die Stimmen zu denTiiern- beiraiswahlen müssen unier allen Umstanden p» r i ö n l> ch abgegeben«erden. Es wäre ja ionst auch allen.Un» regelmäßigkeiien' Tür und Tor geöffnet worden. Es ist nur bedauerlich, daß sich bis Prad'nzialschulkollegien uiw. nickt mit der Zurücknahme und Richtigstellung ihrer Verfügungen ebenso beeilt haben, wie mit den Verfügungen selber. Au» diese Weise ist in die ohnehin schwierigen vororbeiien für diese Wahlen eine große und unnötige Verwirrung hineingetragen worden. Auch über den Wabltermin herrscht noch immer große Un- klorbeit. In Berlin und Umgegend bleibt«S bei dem LS. Februar al« Wabltermin für die G e m e i n d e s ch u l e n, dem 7. März als Wahltermin für die höheren Schulen. Es ist. zwar ein ministerieller Erlaß ergangen, der die Verschikbuug der Wahl bis nach Ostern gestattet, wenn die örtlichen Verhältnisse es erfordern. Die Regierungen und. Provinzialschullollegien können diesbezüg- ticken Anträgen einzelner Gemeinden staltgeben, wenn wichtige Gründe für solch eine Verschiebung geltend gemach» werden. In Groß-Zjerlin ist dies aber nirgends geschehen, eS bleibt also bei den fe st gesetzten Terminen. Mord oder Telbftmord? Im Tiergarten erschossen aufgefunden wurde in der Nacht zum Mittwoch. der RltjerguiSbesitzcr Werner Otto aus Schlagenthin im Kreise ArnSwaldc Die Nachforschungen zur Aufklärung des Leickenfundes haben ergeben, daß es sich mit höchster Wahrschein- lichkeit um einen Raubmord handelt. Ueber die bisherigen Feststellungen erfahren wir: In der fraglichen Nacht gegen Lfi Uhr hörte der Tiergarten- Wächter kurz hintereinander zwei Schüsse fallen. Nach halbstündigem Suchen fand er auf dem Schneckenberg einen Mann tot da- liegen. Auf dem Schneckenberg befinden sich ein Wärterbäuschen und einige Geräteschuppen. Zu diesen führt ein Steg, der durch eine Kette gesperrt ist. Diese Kette lag am Boden, während sie vor- der, wie der Wächter genau weiß, über den Steg gespannt war. Einige Schritte weiter lag der Tote aus dem Rücken. Die Beine an einem Baume, den Kops in der Mitte d«S Steges. Die Hände hatte er ausgebreitet, sein Mantel war ausgeschlagen. Im Hotel fand man in dem zurückgelassenen Gepäck des Toten dessen Pistole. Nack Aussagen der Angehörigen des Toten, der in guten finanziellen Verhältnissen lebte, erscheint ein Selbstmord ausge- schlössen. Wahrscheinlich ist Otto, der sich in der Nacht um 1 Uhr von Bekannten, mit denen er das?al»iz de danse besucht hatte, in sehr gehobener Stimmung verabschiedete, um sein Hotel aufzusuchen, in der Friedrichsiraße noch von irgendeinem Schlepper angesprochen worden, der ibm ein Nachtlokal oder einen Spiclklub in der Tiergartengegcnd empfohlen hat. Wie der Tiergarten- wäcbter erklärt, haste er wenige Minuten vor den Schüssen als einzige Personen zwei Männer gesehen, die gegen L�s Uhr den Steg hinaufgingen, der auf den Schneckenberg hinausführt. Er nahm an. al« er die Leiche fand, daß eS einer der beiden Männer sei, denen er kurz vorher begegnet war. Einen sedr wichtigen Fund, der die Annahme eines Ver- brechen» weiter bestätigt, machte ein anderer Tiergartenwächter. Dieser fand in dem Wasser am Denkmal der Königin Luise einen Umschlag, der eine ganze Anzahl Papiere enthielt, die dem Ritter- gutSbesitzer gehörten. Darunter auch einen Sebeck und 11 Lose, die sich dieser gekauft hatte. Es kehlt fedoch noch eine bellederne Brief- raicke. die ungefähr L— 4000 M bareS Geld enthielt Wahrscheinlich hat sich der Täter mit dieser Summe begnügt und daS andere an dieser Stelle, ungefähr 10 Minuten vom Tatort entfernt, ins Wasser geworfen. Unter der Voraussetzung, daß eS sich um«in Verbrechen han- delt. fet die Krim-nalpolizei eine Belohnung von öOOO M. ausgesetzt, die Angehörigen eine solche von£0000 M. Erhöhung des AerztehonorarS. Der Vorstand der AerNekammer faßte in seiner letzten Sitzung solgeiiden Beschluß:.Mit Rücksicht aus die allaeinetn ineiiergebende Teuerung sind auch die Aerste zu einer eniiprech-nden Eiböhung sämtlicher Honorare genötigt. S'e sind deshalb nicht mehr in ver Lage, ihren Hono- arsordeiungen die Säye der veralteten Ge- bührenordnung zugrunde zu legen." Die Müllbeseitizunq be'ckän gte in mebr-ren Sitzungen einen Ztavtverordnctenaue�chuß out Airtrag der Sladtv. Dr. Wehl und Aenessen. sowre der Sladtv Var'awrti(3. P D) und Genossen. die eine U c b e r n a b rn e d e r M n l l a b s u h r» n städttsche Regie beon'ragt borten. Drei Frage» lam»» beionver» zur Er« öitkrnrig: die de« Transporte««ach den städuschen Gütern zur B erbe i sei u ng von Oedland, die V-rivertung kür l a n d- wirtschaftliche Zwecke im große» und dann dre Berweriung zu anderen Zwecken. ES wurde schließlich beschlossen,»der Stadt- veroi dneteiiverlammlung die Einsetzung einer gemiichten Depuiai'o» vorzuschlagen, die sich mit der Frage der MüNo.-rweriung und der lieber nähme der Müllabsubr in städtische Regie befassen soll, den Magis'iat zu««iichrn. mii der Verbrennung des MüllS unverzügiich weriere Versuche zu morden und daneben die Frage der landwirtschaftlichen Verwertung iveiter zu»ei'elgen". Bon Jnieresicnlen waren dem AuS'chnß Steine. Flaschen»nd andere nur au» HniSmüll hergestellte Produkt« vorgelegt worden. dre Beachtung fanden. Ein merkwürdiger Leichenfund. Am Uker des Junqseinsee» wurde eine völlig entkleidete männliche Leiche ge- f u n d e n. von der der größte Teil de« KopfeS fehlt». Die GefichtSteile waren enrfernt Im Nacken war ein Loch bemerkt worden, von den Händen und Füßen war die Haut ab- gelöst, im übiigen war der KÜ! per n i ch t v e r g n o l l e n, wie die«'onst bei Wasserleichen der Fall'st. Der Tote war etwa 80 l»S 3ö Jahre alt. von schwächlichem, normalem Köiperbau und haue blonde« Haar. Zur«u'klärung, ob e« sich um ein v-rbrechen oder»m«ine» Badeuufoll bandelt, wir» die Leiche gerichrlich ob« drrvert. Alle zur Anitlärnng dienenden Miiieilungen werde« von der Potsdamer Krimina. Polizei angenommen. Vermischte Lokalnachrichten. Der Magistrat wählte den Teheimrai Prof. Dr. Körte auf weitere stchS Jabre zum Direttor der äußeren«bteilmig de» Krankenhauses am Urban, den MagistralSrat Plath zum Direktor des SBaistnamiS und den Direttor K n a u t zum Diroftor de« IugendsthiorgeamtS.— Der Andrang zu den Wohnungs- nachweisen bat sich derartig vermehrt, daß diese für den Zeit- räum vom 16. bis 21. d. M. geschlossen bleiben müssen und nur zur Abstempelung von polizeilichen Anmeldungen täglich von 8 bis 9 Uhr vormittags geöffnet sind. Es wird nochmals daraus ausmerksam gemacht, daß bei der außerordentlichen Knappheit der zur Verfügung stehenden Wohnungen nur solche Wohnungssuchende in die Liste aufgenommen werden können, die tatsälblich keine Wohnung haben. Wohnungssuchende, die bereits eine Wohnung haben, wenn eS auch eine schlechte Wohnung ist, können in leiner Weise, solange de? Notstand dauert, berücksichtigt und in die Liste aufgenommen werden. Kommunaler Volksbildung«. AuSschuh. Für den westlichen Ort«- teil sindet eonnter, den 15. Februar, nachmittag«'/,!> Uhr, w den Eich- bornsäle» eine.literarische Veianslaltung" statt. Tilla Durieux liest moderne Dichtungen vor. Einleitender Boitrag von Rens Hchtckete. Freireligiös« fteiueinde. Sonntag 11 Uhr im Stadthau«, Kl-Ü«. straße 50, Bortrag dcS Herrn Dr. H. Hasse: Der Wucher in der religiöse« Moral.— Harmonium: AuS»Margaretha"(Gounod).— Käste willkommen. Neukölln. Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte die Verstärkung deS Kredits der Erwcrbslosenfür sorge von bisher LI Mill onen Mark um 10 Millionen. Sie bewilligte eine Nochfordennig von ziemlich 2 Millionen für den Kranken» p f l e g e e t o t und stimmte der vom Magistrat beantragten Er» höbung de« Kurkostensatzes zu. Ebenso genebmigte sie eine Erhöhung der Bäderpreise.— Der Magistrat hält eine Zuwahl von zwei besoldeten Stadträten für nöt g. und die Mehrheit des DachlariSsckmsseS stimmt ihm bei. Die Bürgerliche Vereinigung verwarf diese Erweiterung deS Magistrats» kollegiumS. Die Demokraten wollten nur den einen, mit emem Medizinalvat zu besetzenden TraotratSposten schassen. Bürge» meister Scholz wie« darauf hin, daß die Ueberlastung dcS Magistrats st nickt weiter gehen kann. Darüber, daß auch im künftigen Groß-Bersin jeder Verwaltungsbezirk einen Medizinalrat Haben muh, bestehe schon Uebereinstimmung unter den Gemeinde» Groß-VerluiS. Auch Arbeiten wie die des Wohnungsamtes und des Arbeitsamtes würden nickt von einer einzigen Stelle in Berlin erledigt werde., können. Ueberdics seien seit Kriegsausbruch die Eirir'chttltigen Neuköllns so vermehrt worden, daß der Magistrat ohne Mehrung seiner Mitglieder nickt länger auskommen könne. Die Versammlung beschloß die Schaffung der beiden neue» Posten.— Eö wurde dann mehreren Magistratsanträgen bezüglich der Arbeiterentlobnung zugestimmt. Ten Notstands- arbeitern werden dieselben Teurungszu lagen wie den Ge- mcindearbeitern gezahlt, auch werden ihnen 80 Proz. des Verdienst- auöftrllZ der Regen- und Frosttage aus Oktober bis Dezember er- setzt. Den Temeindearbeitern wird die Teurungs�ulag« einstweilen in der durch Schiedsspruch vom 22. Januar festgesetzten Höhe als Vorschuß gezahlt. Nack der inztvischen getroffene» Vereinbarung vom 7. Februar wird ihnen als monatlich« Lohn- b e i h i l f e vom 1. Januar ab gewäbrt: für Ledige unter 18 Jabre« 80 M.. über 18 Jabre 76 M.. für Verheiratete 00 Dst pro noch zu versorgendes Kind bis zum 16. Jahr 20 M. Die Lohnbeihilfe wird voll nur bei sieben, oder achtstündiger Arbeitszeit gezahlt oder bei Sckicktarbcit mit Achtt'tundenbezahlnng: bei kürzerer Arbeitszeit wird sie nach der ArbeitSsttindenzahl bemessen. Die Feuerwehr- ' e u t e erhalten jährlich 300 M. Zulage als Vorschuß, solange Neukölln ihnen geringere TenrungSzu'aaen al? andere Groß-Ber- liner Orte zahlt.— D-e Machstratsdenkschrift über ein Arbeits. a m t ist von der gemischten Kommisston beraten worden. Diese empk-ebbt Err-cktlmo deS Arbeitsamts nack den Richtlinien der Denkschrift unter Einglstderung des BerufSamteS und der vom Wohlfahrtsamt>n trennenden Rechtsauskunftsstelle. Die Per» sa-'mluna beschloß so.— Die gesamten Einrichtungen deS Fvei- willigen ErzseininaSbeiratS kFsrienkolonien. Küchen, Iugendk'ub, K nderborte. K-nderaarten. Lesehollei werden für 62 814 M, über» noinmen. Erforderlich ist die Einstellung von drei neuen Beamten. — Um 8 Nbr wurden die Verhandlungen unterbrochen zu? sostrti- gen Vo-naHme der Wahl der neuen Stadträte. Die Bür» gcrliche Vereiniaung schloß sich von der Beteiligung auS. Gewählt wurde zum besoldeten Stadtrat der Unabbäng-ge R a d t k e mit 46 Stimmen von 56 tdie Demokraten aaben weiße Zettel ob), zum besoldeten Stadt medizinalrat der bisherige unbesoldete Stadtrat Genosse Dr. Silberstcin mit 66 Stimmen von 68.— Eine a» den Magistrat gerWeie Anfrage der Büraerlichen Vereinigung Wandte sich gegen den Beschluß des Wablausschusses. daß Beamte der Statu nicht mebr au» Lebenszeit angestellt werden sollen. Zun'eich wurde über einen Antrag der Unahhängsaeu berbandelt. daß künstio all? Beamten auf vnbescheägste Zeit, aber aus Kündirnrna mit PensionSherechtiauna angestellt werden sollen. Stadtrat Dr. F ö s s ch e antwortete, der Magistrat werde an der s-benS'ängsiche» Anstrllunq festhalten, solange nicht da? G«- ketz ander? bestimmt. Für die sozialdemokratische Frnktian erklärt« Heitmann, daß sie dem Antrag an" praktischen Gründen nicht zisstinnnt. Eine einze'ne Gemeinde allem könn» das riebt machen, sonst würde sie keine Beamten mebr erhalten. Mindesten? sc! eine Vereinbarung für Groß-Berlin nötig, obqeseben davon, daß die �-•atf für haz gan»e Reich goreacll Nvrden müßt«. Nach längerer Debatte wurde der Antrag abgelehnt. «Srot-Verliner Sebe»smittel. Schöneßerg. Vi« t7. Boranmeldimg für 100 Gramm Tei«n>»re»(3), 155 Gramm Döirweißkohl(4) und 250 Gramm Zerealmehl T 35). Groft-Serliner parteinmbrichten. A« die in der Jngendbewegunq teitiizen Parteigenossen! Heute 7 Ubr im Jugendheim. Linde'. ftr. 3, L. Hol link« lll: Zu- lammeniunft.»Die Piyih« der Fugend von 14—»3 Labien." Hierzu sind auch unsere 18 stUitge« Funtnonäre der Jugend elngel«den. »4.«bt. Hente 9 Nhr bei Lbli««, Strallunder Str. 11: Sitzung der Vorleisiinktionär« und vetttrbSvcrlraucnSIeulc. tziartrifunktionSre und«eiriedSveriraaeuSIente! Sonntag 10 Utit tu den.VollS-Lichtielelen", Am Friedrichshain«/ iO(.Schweizer. oarten"): llnentgcltllch« Vettudrung de» Fttm».Marodeure der Iteoo- lutlon" von Martw iverger MttgliedSbuch und Karte legtttmiert. Sichtenderg. Tono abend. Zt., S Ubr, bei Schwarz Möllendorsftraße: Konzeit, vioett« bei den FunNioiiären und tm Sekretanot. Riederbarnim- straße 4. Tel.: Sglt 9007. Kommentar zum Betriebsrätegesetz Von Dr. Georg Flatow, Hilfsreferent im Reichftirbeitsministerium Erste flaflage von 20000 wach zwei Tagen vergrWn! Neue Auflage von Montag, den 16. Februar, wieder lieferbar. Vorzüge des Kommentars: 1. Historische Einleitung, allgemeinverstlndliche Einführung u. Uebersicht über die Entstehung und den Grundgedanken des Gesetzes. 2. Ausführliche Erläuterung des Gesetzes und der Wahlordnung tu jedem g, mit zahlreichen Beispielen besonders für die Durchführung der Wahlen. 3. Als Anhang» Verordnung über Tarifverträge, Schlichtungsausschüsse, Einstellungszwang für Kriegsteilnehmer und Schwerbeschädigte usw. Zu haben bei allen Buchhandlungen, Geschäftsstellen der Zeitungs-Zentrale(Z. Z.) oder durch die Buchhandlung Vorwärts« Berlin SW. 68, Lindenstraße 2 Bestellschein An die VerlefsbucJtkandltntch Verwarte Berlin SW. Oft. Undenatr. 2 Ich ersuche um Zusendung durch___________—_ ft 2 von 5 Flatow, Kommentar zu» Betriebsrite» | gssete. Gekd. 8,— Mk, broech. Mk. and*)•/, Name:_____________—-__ Ort:_—_ Zur Srhlhisni körpertkber Mi pistiger Arbeit Kriftigung der Kernen. !sr Srhöhuttg der Cebensenergte. Von Autoritäten empfohlen. ?rels Z N. •;?;r' 'MHW Operafesas. Kein Kartenverkauf R. S. 36. Der losenkavalier. ___ Anfang 6 Uhr. Sohtispieihaus. Kronprinz. Anfani 6'/» L'iir. Ulfektio.i Aai keinnardt. Ueatsokeai Theater. M»' nppa Somtaj l.>/, Uur: Jeaij Haistl�ulst TSnze. Me Sendaaf Scmacls. Kaeimeraf tele. uhr K? Klcli5« iep f andora Stg J"/,; Frfihllngs Erwachen. 71/; Uhr; Der Unmensch Gr. Schanapiclhaus Karlstrale. Zum ersten Male: 6V, U. Danton fault Abon) Stg.iV,: Hamiet. N.-A. E.,2 V. T1/, Uhr; Danton(aus. Ab.) Thealer 1. ü. K&iiMrgtzerStraße V28Uhr ächUBWettersteln Sonnt,: SvliloK WetlersteJa Nachm.: Brdt®Ist(M Orskai Moni.: SckloB Weitersteia Ipaidienimas «/■jSUhr: fcobmaa:„si*". 3 Uhr! Llsclott v.d. Pfalz. Muntag;„Sie". Berliner Tkeater > uhr: Der letzte Walzer. Frltzl Massar). Ott« Slonn, _ Haas Wassmana usw. Ceatral-Thcarcr w. Frtnleln Pnck. Dentürhew i�pcrntiauff � Uhr: l» II. Msemimi 1>I« Tribttno p/.u.; Franziska. E«fr n-Theater 7'/su. iflenensEneinäRBEP. Frledr.- WIIhrluiat.Th. T/.u. HezirtUerwandtea Kleine* Theater. uhV Bit Plarrhaistaniloie. 141. blrKnanpirlliaiiN. tvi u Me mMrte Fran JBLowilMrko Oper 7�u. Bichterliebe. Stg.J'/.U.: Schaanwaldmädel t.nataplclliaua Arnold Rleck in: Jn'f: ler CrGöittA-lavalier M ei r« pol-Theater. 7 Ohr: Sykili Sonnt. 3 Uhr: Ckarltys Tante mit Thielscher Xeneo Operett on Itnno Mia Werber all Galt in th u.; Me Heim kteit Stf..Vi.' Die keusehc basanne. ■ehlllor-Thcat.« hart. 3: VerKhwtroof des rieseo. af DIeTfir ins Freie. TknllA-ThCAter f. u.i Ke ilrrische Liebe Th.nra hollondnrfplnta 3*1, Uhr: Bit Hoclualisrclsa. 7'/. Uhr: Theater de. Westen 4 Uhr. Mai und Marita. 7vi, unk , Sonnt Nnt.HU. Gtettiner Sänger. »mmpMwmm GoKhlechts- 1 krsmkhelten und Ihr« Folgen Medlzinisohor■# I oh run gaf i I m der Kultur- Abtoiltsng der„Ufa' mit orlftutorndem ftrzttiohon eogloitvortra« Am U. FttorMtr. 4 Ms< Utir nachmitlasB Voiksvorstai tarn zu«rmAseiften Preisen (Mk. f.- und NHi. 1,00 zuaOgl. Steuer) 15. Februar, 11 Mb 1 Uhr vormlttas« B!a- LteHsytBte Tweteifiipalast f»uwntsPmeakr»»»» 10 Varvarimir 1t b« I Uhr 0 AM ML Fokmso». 4 fets« Wir MBhmiVtagt 17. Fotonsar, 4 Ma 4 Uhr MCkmtttor* (MrelM Wb. 0.— B«Mt abk.>,00) rPlak Wiener Restaurant iah. JM8F ZOLL BS Berlia-ClMrI«ttcg)b{„ JoacbiasthalarSir. 41 1 Fernaprschsr: Stsiasmn KU' aahe Zee) rvfeatwn i4asu«rUt und KartirsVendamra mm mmn, WRM iMWS ritWafrfctar-Wbi Out elngelübrt« Firma in Havanaa-Cub», FiBala einer Ku: w arischen Firma, sucht Venrstusg erstklassiger deutsenar Fakrfkan, weicht abengenaaate Maashlnan fabrliisrea.— Antwart suk„Ksba- Masehlaaa 4M" ta A« awn«« Aaaasaeakareaa, Kitsbaaia, Marwsgaa.<0(14 (3ro0e, fehensrLpeptSt QHöbeC- -ßmßäluag Spei/ezimmer, Herrenzimmer, ScOtaf zimmer Wohnzimmer, Wcßn- falons, Dielen, Küchen ujw. ufw. Vtjicßtigung fofjnenb it. erwGnfdjt Verkauf zu /efr feflien'Ereifert. 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Der Ueberschuß wird auf den nächsten Beitrag angerechnet, In den Im§ II Abs. 2 der Banksatzung bezeichneten Fällen bar ausb zahlt Auskunft erteilt bereitwillUst die unterzeichnete Agentur. Berlin, Im Februar 1929. 53/13 Qeneral-Agenf ur Berlln.Stadt. Schade. r Sozlaldem. vshlverelii nicderbarnim. Bezir» Watdmannstust. Am 10. d. M. verstarb 8 nach langem, schwerem Leiden unser langjähriges Mitglied, der Genosse Former 243/15 Edcard Rohte. Die Beerdigung findet heule, Eonnabend.>4 Febr. nad/mittag» 3 Uhr, von der Leichenhalle de» Friedhoie« Lübars aus statt. vee vezlrtsfährer. Danksagung. Für rege Teilnahme und Kranzspenden leim; egiäb- nisse meiner jeden Fiau spreche ich allenVerwandttn, Freunden und Besanmen m inen wärmsten Dank au». Bermapn Lange. Spez,-Beendig flaut», Harn-, Untcrlubsieiutn und nervöse Echwäche. Echitelle, iichere Behandig., möglichst ohne Bcrussstdrung. Ittjähr. Prari». Kflhll Wnbrcaßftt. 75, llUllllf Ecke Brestaner Etr., dicht am Schlei. Bhnh. Ssrechst. 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Beginn des- ächsten Lehrgangs Ostern 1920. Hörerinnen werden zugelassen.— Anmeldungen sind zu rieh en 40 de Scnulieitung im Kaiserin- Auguste- Victoria-Haus. Charlottenburg, Moilwitz- Prank-SiraBe. Dort sind Piosnekle erhä Hich. 2331) Bekanntmachung. Ja der Feit vom 15. bis 22. Februar 1020 einschlleff- lich findet»er den hiefigen nachdcnannten Kleuthändlern und der Semeinde-Bertaufsstelle die Neuausteaiing der Kundenliste zum Bezüge von S»«to»fkhrtch-»nd Xdhcmlffelu statt. Die Anmeldung der Bezugsberechttgten hat unter Vorlage des Berün-Beitzer Hausbaltungs-Auswetse» zu erfolgen. Der Kleinhändler Hai ai« Anmeideadschnilt den Bestelladfchnitt— oberen Teil— de, Adschnitt«, i»er Srotz-Berliner Lebens- miilellarte abzutrennen und an ffch zu nehmen. Die Händler baden de» Ausweis und die Lebensmittelkarte mit dem che- lch仫stempei und der Knndentisten-Nnmmer zu«ersehen. Die zugefaffenen Kleinhändler haben durch«!n von der Etrastc ficht- dar», Pinta! anzuzeigen, daß nur in der cbengenannte» Keil Kundenanmeidnngen«ntgegotgeiiommen werden. Sie haben die Aitmeideadschniit, zu je d» kill« gediindelt mit einer von tbn.-n unterscheiedenen A»ia»etn der Kundenliste der Leben»- und Fuucrmdt.lflelle A.chomttatz» 4— Berkousszinimer— di» jpdtflUT.» Lstttw-och. den Sk. Fenriiar 1920, einzureicheit «nc vriieterung durch Sie S-meinii« ersolgt ledoch nur an solch» von de» ztigelafsenen Kleinhändlern, di»»ine ntinbeft- ruudep.jahl v«» ZÖO JSovfonen nachweisen. Wer»hne Betschuiden an der Anmelduna zur Ktntdcniiste verhindert war, fann in der Lebensmiitelstell«— Buchbaltniig — einen Aue weis zur nachttäglichen Auinahm» in die Kunden- liste erhatten. Die Hinderungsgritnde find glaubhaft nachzu- weisen. Die nach Schluß der Meldefrist Zugezogenen usw. und Reu- geborenen erhallen>m Bertaufszimmer der Lebens- und Futter» 1 uiitletstelle ebenfalls eine Bescheinigung zur nachträglichen Ein- ' tragung In die Kundeniig«. Die Kleinhändlcr haben all- � wöchentlich Rontag für die»erfioffene Woche die Nachlrogungen zur Kundenlifte schrijttich der Lebens- und Fnilervitttelstelle— vertoufszimmer— einzureichen. ! Zur nntgesennahnie von Kundenanmelburrgeu auf Brot- auffirtch- und Slährmittel find fsigende«efchätt, ermächtigt: l. Bsdarz, Zahustr. 44. 8 Baude, Bunairisstr. Sst. 3. Becker, ckhauffeeftr. 14. 5o2isIltcmoIirotiLctie5 Verein tterkorli-llsii«. ssriEisskreMr gssuclit. Genail nach L'edereinkuntt Bewerhuneen sind mit der Aulschrift„Bewert ung" an Wilhelm Schlüter, H.rferck, Waltgenstr. 49, bis zum I.März zu richten. 229,14 sucht zum sofortigen himritt bei guter Bezahl um und dauernder neacbüfiigung SM» kmti C. 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Beder, Pridower Sit. Bd. 8»lämf»,«Hauffeeftr. 38. 8. BSttchee, fiohannisihaier Sttatze». vrsfms. ehtrffeestr. 11«. Obel, Werderstrasje 43. »en. ckhoriffeestr. 108. sranfe,«»rnranIa.Prom.21. rmet, Braunlager Skr. 12. kharifirestr. 17. ellwrg. «ffwann, Bierderftt. 2ll. affers Kaffee-GeschSst, Shausseeftr. 477 15. Jehviann. tkhauffeeftr. 75. Die Kundenfiste muß geheftet, fortlaufend mit Seitenzahlen versehen sein und nachfolgendem Pluster entsprechen: 1«. Lirk». Bllrg erste 82. 17. Roste. Bllrgerstr. 10. 18«ädife, khautzeestr. 128 IS. Schäneieid, Cnaust'eestr. 5L «.«chön-seid, Rudower Ett.Äll. Zf. Slorr,«ermarria-Prom. 8. 22. rte», RA rg erst».«8 28. Bogt. Zahnstr.«5. 24. Asoznw Budower Stt. S4a. 25.«utichle. ffhflu fiteste 24. 26.(ßetickf, Werderstr. 84. 27. Neugebauer,«erm-Promch. 28 Köiieeinch, Hannemann. straße 31. 29. Proichowata. Pintschalle» 18 l. Semein de-Aeotaussstelle, Rungiusstr. 84. 80. Bestimmungen zuwider- der Beiieserung ausge- 4chn»lar, die den vorstehenden »Mnvein, werden unnachsichllich»»u � Wegen der Steuaustegung von Zucker- und Kartoffelfunden- , listen ergehen demmtdsst besondere Viianntmachungen l Pie tteliefenrng von Kranlentarion. für werdende Witter, � Znaendliche, Kinder und Kriegsbeschädigte ersolgt nach wie vor ] m her iSrmeiirde-Berlarifstzefie. Berlin-Brttz. den 18 Aedrnar 1980. Ter Gemeidevorstand. Schmtedtgen, Bärge rmetster. Suche tfichtige 188/14 SfilMMier «HnkeBtshu 4 R. OMibrlk B. Wing, »Inde-w l. W. Rie Lederarbeiter auf feine Uanfentaschen verlangt sofort 898b' Heinrich Kattnann|un., A txane inenstr U*. Eock- snd PaiitEtscisselder Paris la, sllr Werfstall und außrr dem Hause verlange» sosott 905 d TfchKAer k«vikirnrnu. Potsdamer Str. 20. Ttadtvertreter Wr Sroß-Berlin>a PanfWbc»*- und«ch�atabenarHUto mcht Heinrich Otstrcrch. Berlin- Miede reckfinb.. Lindeustr. 51. ffitn tfldst., znveri.. irldfi'änd. 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Auf Grund einer Beratung des Gerichts brandmarke er dieses niederträchtige Bubenstück, das er in Zuianimeuhang mit dem Drohbrief bringe, vor aller Oeffcntiichkcit._ Das gestörte Einstein-Kolleg. Professor Einstein gibt zu den Vorfällen in seincni Kolleg einem hiesigen Spätabendblatt folgende Erklärung: «Meine populär gehaltenen Vorträge über die NeiativilälS- theorie besuchten nicht nur Siudenten. iondc»n auch viele andere Leuie, die dazu eigentlich nicht berechligl sind. Der Studenten» ausidjuV erklärte deshalb, dies nicht länger zulassen zu wollen. Ich machle daraus aufmerkiam, dast der große Saal für alle Platz habe, die zuhören wollen und daß eS dadurch zu keinen Unzulänglichkeiten kommen müsse. Der Siudenterausichuß hat sich daiiiit jedoch»ichl zutrieben gegeben, sondern sich in dieier Frage an den Rektor gewandr. Der Rektor schrieb mir einen Brief, in dem er daraus hinwies, daß nach der bestedendeii Vorichifl jene Leute nichi die Berechtigung baben, den Saal zu belrelen. Dies ist formell richlig. Ich habe mich jedoch auf den Siundpinikt gestellt, daß ti mir widerstrebe, ohne inneren Grund es Leuten un» möglich zu machen, weite? zu hören und ich habe des- wegen gestern stall zu leien, eine Besprechung .mit meiner stubörerschasl veranstaltet, die jedoch zu einem bestiinmun Ergebnis nicht führte. Ich habe mich daher veranlaßt geieben, auf ineine weiieren Vorlernngen zu v e r» ziehten lind der Studenlenschatt erklärt, sie könne ihre ein- gezahlien Kollegiengelder sich zurückzahlen lasien. Ich habe aber nicht die Absicht, meine Vorlesungen übcrbaup! zu unierlassen. ich werde sie vielmebr in anderer Form wieder aufliebmen. sin weicheni Saal ist aber noch unbeitimmi. Sollte es noch ein- mal zu solchen Szenen wie gestern kommen, dann höre ich über- Haupt aus. Bon einem Skandal, der sich gesicrn abgeipieli 'aben ioll. kann nicht die Rede sein, immerhi» bewiesen manche k e u ß e r u n g e n, die sieien, eine gewisie animoie Te- 'Innung mir gegenüber. AntiiemitischeAeußerungen als solche fielen nicht, doch konnte ihr Unlerton so gedeulct werden." Professor Einstein hat mit Würde überhört, was seine Würde nicht verletzen konnte. « Das Aentralbmeau des Ministeriums für Wissen. schart, Kunst und Volksbildung teUt im Anschluß an eine Darstellung des Falle« mit: Da allienig der Wunsch besteht, den ausgezeichneten Forscher bor dem von ihm selbst gewünschten Forum zu Wort kommen zu zafien, findet die Vorlesung in Zukunft ganz üifentlich in einem Raum der Universität, aber nickt als akademische Privatvorlesung statt. flue öer französischen ftuslieferungsliste. Die Fortsetzimg der französischen AuSlieferungsliste, die heute veröffentlicht wird, umfaßt die Fälle und Personen, die in der Liste unter den lausenden Nummern 71 bis 147 angeführt sind. Wir geben daraus folgende Stichproben: Generalmajor von Vehr, Kommandeur der 32. Brigade. Mordtaten. Brandstiftungen. August lk>14 in Einvill«. Rolh, Platzkomm, von Tlhiaucourt. Verbrechen in Thiaucourt: Plünderungen, Zerstörungen von Gebäuden, Diebstähle u. ä. Sep- tember 1914. Zurmann, Platzkommdt. von Thiaucourk 1918. Weil auf seinen Befehl hin Glocken, Orgel und Kultgegenstände aus der Kirche ent- fernt und nach Deutschland gesandt wurden. Ferner weil fran- zösische und russische Gesangcne ohne Deckung und Nahrung dem Feuer ausgesetzt wurden. Der Oberst und Kommandeur des 144. Jnf.-Negis.(67. Brig., 16. A.-K.s. Verbrennung von Ambulanzen, Niedermetzelung von Einwohnern. Aneignung von persönlichem Eigenrum französischer Aerzte, Befehl, verwundete Turkos zu töten. 22. August 1914 in Tivrh-Eircourt(Meurche- et- Mofelle). Ferner Grausamkeiten in Elon. August 4.914. Kommandeur des 11. Pionierbatls.(August 1914). Zerstörung des Dorfes Langeviller und Tötung von Zivilpersonen. August 1914. (Auf Grund deutscher Papiere.) Der General, der die Einheit befehligte, zu der das Z. Bataillon Jäger zu Fuß oehörie. Verbrennung eines Torfes(Pillon, Mcuse, 10. August 19141. Prinz von Württemberg. Brandstiftung und Gemetzel in Triau- court und EvreS. September 1914. Auf die Klage des Geistlichen soll der Prinz erwidert haben:„Was wollen Sie! Wir haben schleckte Soldaten unter uns wie Sie." General v. Strand 5. A-K. Am 22. August 1914 habe ein pom- rnerscheS Regiment das. mit Verwundeten gefüllte französische La- zarett im Dorfe Ethe-Gomcrh besetzt, der Feldwebel Matz habe etwa 60 Leichtverwundete beraussühren und beim Ausgang des Dorfes erschießen lassen: in-wischen sei das Lazarett angesteckt worden; 100 bis 120 Verwundete, die sich herausschleppten, seien erschossen worden, all« anderen, etwa 800. lebendig verbrannt. Gen. der Inf. von Below. Komm. General der 17. Ar;,:««(?) und der 1. Armee. Plünderungen, Deportation von Einiühnern, Zwangsarbeit. Kollektivstra-en. Reauisitionen ohne Cutscheine, V>:r- schlechterung des Geldes usw. in Lille und den besetzten Gegenden. Plünderung von Douäi und Beschießung von St. Amand im Ost- tober 1918. Verbrechen und planmäßige Plünderungen in Rethel, Beweis: Notizbuch eines deutschen Leutnants mit Bemerkungen über die Plünderung einer Mädchenschule. Deutscher Kronprinz. Befehl, alle Dörfer anzuzünden, wo sich frauwsische Soldaten sinden 4. August 1914.(Beiveis: Aussage eines Soldaten, der erklär: habe, zur Armee des Kronprinzen zu gehören.) Ferner Verantwortung für das Gemetzel von Ethe- Gomerv am 22. August 1914. sowie für die verbrecherischen Urteile eines Kriegsgerichts, in dem er am 9. September 1914 in Erl-?- Fontaine den Borsitz führte. Todesurreile, die am selben Tage voll- streck: wurden. Zusammen mit dem Komm. Gen. der 3. deutschen Armee im Iabre 1914 wird der Kronprinz ferner verantwortlich gemacht für Plünderungen in Mezieres-Eharleville und im allgemeinen in den besetzten Gebieten, für die Deportation von Ein» wobn-i-n. für planmäsiigc Perwüstungen, für nach Deutschland ge- schickte Beute, sowie für Beschlagnahme von Geld in den Banken. In der Begründung wird zunächst ot? Bedeutmin von Mrzieres- Ebirtewlle, erst als Sitz de? Oieneralftabs der 3. Armee, dann als Kaiserlitfez Sanpiouartier geschildert. Der Kaiser habe sich seit der Marneschlocht dort ausgeba'ten. serner habe Admiral von Tir- chitz bort gewohnt Kriegsmiwster von K'a't-nhavn, Reichskanzler von Bethn-anr�ollweg, der Kön-g von Sachsen, der Präsident de» deii-'chen Roten Kreuzes. Der Kronprinz habe sich bis zum Mai- feustillswnd dort aufgehalten. Im Oktober 1914 habe eine plan- mäßige Plünderung der Gegend von�MeziereS-Tharleville auf bä- Heren Befehl begonnen, von der zuerst die Keller, dann die Möbel getroffen worden seien, im Januar 191ä seien die Archive deS Departements geplündert und angezündet worden, später habe man einen großen Teil der Bevölkerung vertrieben. Als Beweis wird ein Brief des Hauptmanns Meyer in Berlin an den� kriegSgef. Lt. Kurt Meyer angeführt, wonach man bei Werlheim die Kriegsbeute von Lille verkaufe. Ferner wird angeführt das Bruchstück eines Briefes deS Landwehrmanns Alfred Sauer im Kriegslazarett von Fourmies an den Soldaten Heinrich Fintelaus vom 39. Jnf.-Regt. vom 8. Mai 1917, in dem es heißt, oaß man der Bevölkerung alles nehme, selbst den jungen Frauen ihre HochzeitSgeschenZe. Er selber habe in einem zugemauerten Zimmer 12 kupferne Musiki nftrumeute, ein ganz neues Fahrrad, ISO Bettücher und Handtücher. 6 kupfern« Beleuchiungskörper usw. gefunden. Der Kommandant sei sehr be» friedigt gewesen und die Finder sollten sogar eine Prämie erhal- ten. Ferner soll der Kronprinz vom 27. Mai bis 8. Juni 1918 in Eoincy(Aisne) alles mitgenommen haben, was es in dem Hause, wo er wohnte. Wertvolles gab. warnutlg vor Amerika. Ein früher in der deutschen Partei tätig gewesener Genoss? sendet uns aus New Bork einen interessanten Stitn- mungsbericht über die politischen Zustände in Amerika. Nach dem Hinweis darauf, daß nach Wiederherstellung normaler Zustände mancher deutsche Arbeiter die Lust verspüren könnte, nach Amerika zu kommen, heißt es in dem Briefe: Borweg will ich bemerken, daß man jedsm Genossen abraten sollte, nach Amerika zu reisen, denn dieS ist nicht mehr baS Land der Freiheit. Die amsrikanischen Freiheitskämpfer haben so viel Freiheit und Demokratie nach Europa gebracht, daß h'er nichts mehr übrig geblieben ist. Genosse Eugen B. Debs verbüßt eine zehnjährige Zuchthausstrafe für eine Rede, die ihm im kaiserlichen Deutschland vielleicht ein halbes Jahr eingebracht hätte. Genossin. Kabie Richards O'Hare erhielt fünf Jahre für eine ähnliche Rede. Die fünf Mitglieder der alten Partei- Exekutive erhielten je 20 Jahre Zuchthaus. Sie find unter je 10 000 Dollar Bürgschaft auf freien Fuß gesetzt worden, bis zur Entscheidung über ihre Berufung an das Bundes-Obergericht. Die Zehn» und Zwanzigjalire-Zuchthauäurteile für Reden oder Flugblaitverteilen hageln nur so herunter. Streiks werden durch Einhaltsbefehle unterdrückt. Viior Berg er wurde zum zweitenmal gegen die vereinten Republikaner und Demokraten gewählt, aber der Kongreß läßt ihn einfach nicht zu. Fünf sozialistische Abgeordnete in den Einzelstaaten wurden einfach ohne jede Rechtsgrundlage suspen- diert, d. h. hinausgeworfen. Trotz dieser Reaktion ist den Ultra- radikalen unser« Partei nicht radikal genug. Sic haben die Partei im August 1919 gespalten. Jetzt gibt es hier außer der De Leonschen„S o c i a l i st Party' noch eine„C o m m u n i st Party" und' eine„E o m m u n i st Labor Party". Die .beiden letzteren behaupten auf dem Standpunkt von Spartakus zu stehen. Leider hat die„Eommunist Labor Party' auch unsere deutsche Sprachgruppe gespalten. Die„New Aorker Volkszeitung" haben sie gekapert, da seit dein Tode unseres alten Genossen Hermann Schlüter, einer ihrer Hauptmacher, Ludwig Lore, Chefredakteur ist. Die Berichte von unserer sozialistischen Partei bringt sie nur noch unter der Rubrik, in der VerguügungSvereine usw. berichten. Durch ihre phrasenhaften Programmerklärungen, hinter denen leine wirkliche Macht stand, haben sie die Reaktion nur noch mehr herausgefordert. Razzien wurden abgehalten und Hunderts von braven Kameraden, die früher zu uns gehörten, aber sich durch den radikalen Phrasen- brei verleiten ließen, der„Communist Labor Party" beizutreten, sitzen jetzt im Gefängnis auf Elles Island. Darunter leiden sehr viel« Deutsche. Alle, die keine Bürger von Amerika sind, sollen deportiert werden. Man hat sogar vorgeschlagen, den naturali- sierten Bürgern ihr Bürgerrecht wieder abzuerkennen und sie dann zu deportieren. Das gleiche hat man Mctor Borger angedroht. ES steht zu befürchten, daß man gegen die Sozia- listen in der gleichen Weise vorgeht. Der Briefschreiber klagt dann über die Berichterstatfung aus Deutschland, die die tollsten Schandgeschichten au? Deutschland und über unsere Partei berichten. Da die deutschen Genossen nur auf die„New Aorker Polkszeitung" abonniert sind und nur sie lesen und diese wiederum ihre Scheren- artikel fast ausschließlich aus der Spartakusgnelle bringt, kann man sich denken, welche Verwirrung herrscht. Der internationale Bergarbeiterkongreß bcsck.loß in semer gestern in Brüssel abgehaltenen Sitzung, den nächsten Kongreß am 2. August d. I. in Genf abzuhalten. Auf die Tagesordnung soll die Verstaatlichung der Bergwerke gesetzt iverden. Sofort nach der Bildung e'neZ internationalen Bundes sollen die Arbeitsbedingungen in den Bergwerken und die Frage des Mindestlohnes aus die Tagesordnung gesetzt werden. Eine interskandinavische Balutakon'erenz wird nach emer Meldung des W. T. B. in nächster Zeit stattfinden, um die sinkende Ldronen- Valuta zu erörtern. Auflösung der HeereSpvlizci. Das Allgemeine Truppenamt der Heeresleitung des Reichswehrminisieriums macht bekannt, daß die Organisation des llebcrtvachungSdienstes des Oberkommandos (Heerespolszci) aufgelöst ist. Sämtliche Ausweise und Le- gi t i in a t i on s m a r ke n der bisherigen Heeres- Polizei sind daher ungültig, worauf besonders hinzu- weisen wäre. Neurath haftentlassen. Nach einer Meldung der.Voss. Ztg." ist Dr. Otto Neurath, der in der Zeil der Münchener Räterepublik die Sozialisierung praktisch durchsübren wollte und deswegen zu einer FcstungSstrafe verurteilt worden war. aus der Haft ent- lassen worden. Er mußte sich jedoch schriftlich verpflichten, nicht mehr nach Bayern zurückzukehren und Hai scmen Aufenthalt in Wien genommen, wo er beheimatet ist. Wirtschaft. Beibehaltung der Zwangswirtschaft. Der Wirtschaftsrat beim Reichswirtschasisministe- rium nahm zu dem Wirtschaftsplan des Reichswirtschaftsministeriums für das kommende Erntejahr endgültig Stellung. Nach eingehender Avsiprache, bei der auch die Vertreter der Landwirtschaft wiederholt zu Wort kamen, entschloß er sich, der Reichsregierung vorzuschlagen, daß die Zwangs- Wirtschaft sowohl für Getreide wie für Kartoffeln aufrecht- erhalten und der�Hafer wieder in die Bewirtschaftung ein- bezogen wird. Trotz erheblicher Bedenken der industriellen Arbeitervertreter wurden die Mindestpreise, die das Zieichsivirtschastsministerium vorgeschlagou hat, als angemessen anerkannt, Ueber geeignetere Formen der Bewirtschaftung auf der Grundlag? engsten Zusammenarbeitens zwischen Er- zeuger- und Verbraucherorganisationen sollen sofort Vorhand- lungcn gepflogen werden. Preiserhöhungen. Die deutschen Salinenverbände erhöhten mit Wirkung vom 10. d. MlS. ab die Preise für Stctnsalz gewöhnlicher Mahlung auf 4.2b M. und besonderer Mahlung auf 4,80 M. für den Doppel» zentner ab Werk. Der Re'chswirischastsininister hat die seit dem 9. August v. F. geltenden Preise für ein Kilogrammprozent Gesamtphvsphorsäure von 67 Pi. auf 358 Pf. und für zitronrnsöurclösliche PhoSphorjäure von 78 Pi. auf 4lS Pf. erhöhl. Die Vereinigung Deuiicher Kaliwalzwerle erhöhte ihre Preise um 175 au' 475 M. pio 100 Kilogramm. Die Verkaufsstelle für kalt gewalztes Verpackimgsbaudeisen letzt ihre Preise um 200 aus 500 M. pro 100 Kilogramm hinauf. Der Deut'che Kupferblechverband erhöht mit sofortiger Gültigkeit die Verkoussprelse weiter um 323 aus 5205 M. pro Doppelzentner. Die Verkaufsstelle für gepreßte und gewalzte Bleifabrikato in Köln hat die Berkaufepreise mit sosorliger Wirkung um 300 auf 1800 M. für den Doppclzentner erböhr. Steigerung der heimischen Erzförderung. Es wird beabsichiigt, die G'ube» der Jlieder Hütie soweit ouezubauen, daß sie w der Lage sind, bis zu 6 Millionen Tonnen Rohcrz jährlich zu jörderu. Preise einst und jetzt. 19 i 3 1920 1 Zentner Roggen..... 8 M. 35 M. 1, Wcizcu..... 9, 40, 1, Gerste..... 7, 35, 1. Ha irr..... 7, 217, 1, Erbsen..... 10, 540, Und nun vergleiche man die prozentuale Steigerung der Ein- kommen der Ärbetter. Angestellten und Beamten mit den piozen» tllalen Preissteigerungen zugunsten der P roduze ntenl Elektrizitätöbilanzeu l. Eine Gegenüberstellung der Bilanzen der AEG.. Siemen«- Sckuickert-Weike, Siemens u. HalSke-Geiellichaft mowi Dr. Tifchert in der„D. B e rg w.» Z t g", der wir folgendes ciunehnien: A. E. G. Zunächst stellt man durch Vergleichung fest, baß die AEG vor der Oessenilichkeit weit anssührlicher bilanziert MS die Sienienspruppe. Bei der AEG füllt die Aufzählung der Aknva vier volle Seilen. Es werden die einzelnen Fabriken mit Grund- stücken.�Ecbänden. Maschinen. Weikzengen, Mareriallen und Halb- iablikaten vorgeiührr, die wichligsten Effekienbeslände gesondert an- gegeben, und zwar nach Nominal- und Buchwert. Man laiin manche inieressante Berechnung anstellen. Die Ä E. G. bat nach der Bilanz im ganzen 12 Fabrilen. Sie standen ciiischUeßlich Voriöie mit 208 Millionen Mark zu Bru�(167 im GeschäflSjahle 1917/18.1 Die Maschinenfabrik steht mit 76.44 Millionen Mark an erster Stelle, die Kabelfabril mit 46,32 Millionen Mai k au zweiter Stelle, die Apparateiabrik mir 31.95 MillioneuMark an dritter und die Turbinenfabrik mt 16.64 Millionen Marl a» vierier Stelle. Bon den 208(157) Millionen Mark Buchwerten der Fabriken kommen 68,46 Millionen Mark(33,93 Millionen Mark) auf Rob- malerialien und 63 29 Millionen Mark<51 Millionen Mark) cmi Haldsabr'kate. Die R-Fliigzeligfabr>k Halle in die'em Jahre keine Hatbsabrilaie mehr; dafür erscheinen diesmal Halbrai'rikale bei dem überhanpl in der Enrwicktuiig begriffenen Elektro- S t a h l iv e r k e. Die Grundstücke, al'o der Fabriken und der Verwaltung, sind mit 24 42 Millionen Mark(24 Ol Millionen Mark) bcweriet. bei 3.67 Millionen Mark Hypoibekenschiilden. Rur bei»echS Fabriken wird ein GrundstückSbentz angegeben. Daraus würde folgen, daß die andern feckS Fabriken in der Lusi schweben. Die gesamten Anlagewerie stellen sich auf 79.31 Millionen Mark ,76,81 Millionen Mark), bei einer Totaliuinme der Bilanz von 672,66 Millionen Mark(663.09 Millionen Marl). Daneben slellien die Belriebsmi'.tel einen Beirag von 287,95 Millionen Mark dar <58l,03 Millionen Mark). Das Verhältnis zwischen An- lagewerreii und Berriebsmitteln ist also glän- zend. Effrlien und Konsortialbestände(Beteiligungen an anderen Uniernehmen) haben sich auf 111.96 Millionen Mark(147.54 Mill. Mark) vermindert; Debitoren(Schuldner) auf 277,61 Millionen Mark (293.01 Millionen Mark). Auf der Paisioseit«(Schulden) der Bilanz haben wir zunächst die eigenen Mittel an Akiienkopital und offene» Reserven mit 294.56 Millionen Mark(293.20 Millionen Mark) und dann die Ver- pflichmngen aus Obligationen, Hypotheken, Kreditoren(Gläubiger), rückständigen Dividenden von zusammen 324 62 Millionen Mark <309.81 Millionen Mark).(Lbligalioneil sind festverzinsliche An- teile ohne Stimmrecht.) Die Verpflichlimge» aus ObliganoiiSzinsen sind gest-egen, während der Umiaur an Obligationen geiolleii ist; die rückiländigeii Dividenden sind mit 2,31 Millionen Mark tlzLö Mill Marl) recht hoch. Neuregeluug der Wcisiblechbclvirtschaftnng. Für die einzelnen Industrie- bezw. Gewerbczweige sind Kontingente festgesetzt, welche die beauftragten Fachverbä»de mittel« Bezugsscheine aui die Verbraucher verteilen. Bisher sind für die konliiigentniäßize Verkettung folgende Gruppen(Fachverbändc) gebildet worden: Deutscher Spielwarenberband(E. B.). Nürnberg, Deinste. 16. für Mufikliiftiumenie, Spielwaren, Galanteiiewaren und ähnliche Gegenstände. Gruppeuverteilungsstelle für Weißblech. Berlin W 57, PallaSstr. 10/11, für Haut-. Küchengeräte und ähnliche Artikel, sowie Eisen« babnbeleuchrung(Laternen). Gruppenvertelliingssielle für Weißblech für landwirtschaftliche Ma« ichinen und Geräte. VerUn-Chailoitenburg 2, Sckillerstr. 10 für Geräte und Apparate der Landwirtschaft, Molkereien, Zentti'ugen usw. Metallvermiiiluiigsstelle deutscher GaSmesserfabrikanten, Berlin W 35, Am Karlsbad 12/13, für GaSrnesserbau und Reparaturen. Verband deut'wer Schwawstromilidiistrieller, Berlin W 83, Lüyow- straße 89 90,'in Geräte und Apparate der Schwachstromtechnik«Postlieferfirmen). Berttllimqsftelle für die deutsche Fahrradindustrie. Abtlg. Weißblech, Berlm W 9. Lintstr. 11, für Fahrrad». Automobitbeleuchlung und Karbidlamven; auch Grubenlampen mit Ausnahme von Eisenbaonbeleuibtiing. Verband der Plakaiindustriellen Gruppe der Blechplakotfobrikanten. Berlinl!L9. Königin-Augusta-Tlr. 15. für Scbilder, Plakate usw. Weißblech für Konserven ivird den in Betracht kommcndeu Reichssteklen zur weiteren Verkeilung überwiesen und zwar: dem Reichskommissar für Fischversorguug. Berlin W 8, Behren- straße 64 65, der Reichsstelle für Gemüie und Obst, Berlin IV 57. Potsdamer SlraßeX75, ddr Re>chsstelle für Speisesetle, Berlin W 3, Mohrenstr. 58/59. der Reichefleischstelle, GejchäftSabteilrmg, Berlin SW 68, Char- loltenstr. 18. Fllr ionst'ge Dosen, Emballagen. Gefäße und andere Ver« Wendungszwecke stedr dem Reichskommissar für Eiseuwirtichast nur ein kleines Koniingent zur Berillgung. Den Anforderuiigen der beteiligten Jüdustne kann demzufolge nur in sehr beschränktem Umfange emsprochen werden.'-' Die Sichersiclliiiig des Weißblechbedarfs der Handwerker erfolgt durch die MeiallberatungS- und BerteilungSstelle für Handwerks- betriebe(Hannover), welcve rhrerseitS durch die Handwerkskammern Bezugscheine ausstellen lähi. Setziere berechtigen zur Entnahme der freigegebenen Msngen von de» Händlerlägern. Zur Deckung des WeißblcchbedariS der Kleinindustrie(Klein- Verbraucher)— soweit unter den oben angerührten Verbänden nicht berücksichiigt— werden ferner eine Anzahl von Händlern bestimmie Weißblechmengen zur Abgabe ohne Lezugschern zur Bersüguna gestellt. die Wahlen zu öenöetriebsräten. Am 9. Februar ist. wie bereits tiemeldet, das BetriebSrätegeiey durch Berkiindung im.NeichSgesetzblatt" Nr. 26 in Kraft getreten. Damit zugleich ist die Wahlordnung verötsentlicht worden. Binnen sechs Wochen nach Jnkra'ltreren des Gesetzes sind die Wahlen zu den Bemebsvertrctungen einmleiten durch Bestellung des Wahl- Vorstandes, die in der Regel durch die bisherigen Arbeiter« und Angestelllenausschiiise und nur, soweit die? nicht möglich, durch den Arbeitgeber zu erfolgen hat. Einer besonderen gesetzlichen An- ordnung über die Bornabme der Wahlen bedarf es nickt, die Arbeitnehmer in den Betreben können von jetzt ab jederze t anS Werk gehen und die Wahl in Angriff nebnren. Tie Wahl liegt in der Hand des W a b l v o r st a n d e S. der alle Borbereirungen z» treffen bat. Cr steht die Wäblerliften ans, erläht daS Wahlansichrciben, entrchcidel bber Ein'prüche gegen die Wählerlisten, nimmt die B o r i w l a g s l i st e n entgegen nnd hrütt sie ans ihre Gültrgleit lz. B. auf rechtzeitige Einreickling, eriorderliche Aahl von Unter'christen), leitet den Wahlakt selbst und stellt schließlich daS Ergebnis fest. Die Vorschlagslisten find späiestens eine Wocke nach Aushang des WahlauSichreibens bei dem Wablvorstand einzureichen. Sie müssen von mindestens drei Wahlberechtigten d. h. über 18 Jahre alten Peisonen nnlerzcichnet sein und sollen m'ndestrnS doppelt so viel wählbare Bewerber enthalten wie zu wählen sind, damit im Falle des BiiSicheidenS der Gewählten die Ersatzmänner nachrücken können. Eme Verbindung von Vor» schlanLlisten ist unzulässig. Gruppen, die zusammengehen wollen, müssen von vornherein gemeinsaine Listen ausstellen. Die W ä h l b a r k e i t in den Betriebsrat rst, woran erinnert sei, an ein Aller von 24 Jahren, an die Neich-Zangehör'gkcit, an sechs- monatliche Beiriebs- und dreijährige Berufs- oder Gewerbe» angehörigkeit aeknfivs»; der letztere Begriff darf jedoch nicht allzu eng ausgelegt werden. Wenig bekannt»nd vertraut ist noch der Aufbau des Betriebsrats selbst. Die Fahl der Betriebsratsmitglieder, die im Gesetz genau an- gegeben ist. wird nach der gesamten Arbeit!, ehmerlchasl(Arbeitern und Angestellten zusammen) berechnet. Jede der beiden Gruppen ist jedoch im Betriebsrat nach dem Verhälrnis ihres Anteils an der Gesamtzahl vertreten.und wählt ihre Vertreter für sich allein. Ter Minderheit ist durch das Gesetz eine Mindestzaht von Ver- tretcrn zugesichert, damit sie nicht unter Umständen allzu wenig Vertreter hat. Gleichzeitig mit der Wahl des Betriebsrats, im gleichen Wablverfäbren und durch die gleichen Stimmzettel vollsiebt sich die Wahl der Arbeiter- und Angestellienräte; die'e bestehen aus den Arbeiter- und Angestelltenmitgliedern de? Betrieb« ratS. zu denen unter gewissen Voraussetzringen ErgänzungSmit- g lieber hinzulreien. Tie Einzelheiten können nur aus dem Ge- setz selbst entnommen werden, da» gerade in dieser Hinsicht ein sehr sorgiältrgeS Studium verlangt. Die Wahl selbst erfolgt, wie die politischen Wahlen im vorigen Fahr, durch Abgabe eines Stimmzettels, der die vom Wahlvorstand sestgestcllte OtdniingSnummcr der Vorschlagsliste entbollen muß. daneben oder an Stelle der Ordi»ngsnunrmcr aber einen oder mehrere Namen der Bewerber der betreffenden Liste entfallen kann. Die Stimmzettel werden in einem Wahlirm'chlag mit der Auf- schriit»Wahl zum Betriebsrat für...(Bezeichnung des Be- triebe?)' verichlosien oder offen an dein für die Stimmabgabe iest- gesetzten Tage bei der vom Wahlvorstand bezeichneten Stelle ab- gegeben und von der mit der Entgegennahme der Wahlumschläge betrauten Person in einen Siimmzettellasten gesteckt. Die Berechnung des Wahlergebnisses eriolzt nach dem sogenannten Höchstzahlensystcm; näheres darüber in einer der nächsten Nummern. D>e Anfechtung der Wahl ist nur binnen zwei Wochen nach dem Aushang deS Wahlergebnisses smilbast. Ist sie bis dahin nicht eriolgt, so gelten»Iwaige Mängel der Wahl als geheilt. Die Kosten der Wahl(Beschaffung der Wahlordnung, der Wahlmnickläge, der Stimmzettel, Kästen uiw.) tiägr der Unter- nehmer, der auch dem Wahlvoistano die zur Ausübung seiner Funktion erforderliche Zeit zur Bersüeung zu stellen bat und kerne Lohnabzüge wegen BersäumniS von Arbeitszeit machen darf. einer iristrukiiven Einleitung eine reckt populär geschriebene und leicht verständliche Kommentierung der gesetzlichen Bestürmungen. Besonders werlvoll für die Benutzung wird die Flatowicke Schrift durch die im Anhang abgedruckte Wahlordnung und deren genaue Eiläulerunz und durch die weiterhin wiedergegebenen zahl- reichen Bestimmungen und Verordnungen arbeils- rechtlicher Natur, ioweir sie für die Tärigkeit der Betriebs. rä:e in de» verschiedenen Industrien in Frage kommen. Der Flarowiche Kommentar erleichrert eS. die den Arbeitern durch daS Ge'etz gegebene neue Wolfe kennen zu lernen und kann daher allen Leterirgien nur empfohlen worden. Be? der Agitatichr für die für die Praxis der BetriebSiäie an Haut» eines guten Kommentars GeictzeS genau veriraui zu machen. Wahl zum Betriebsrat wie ist eS von größter Bedeutung. sich mit den Bestimmungen deS Eine vorzügliche, vom Sland»� pimlt des Sozialdemokraten aus gesehene Eriifüdrung in daS neue Geietz gibt der von unserem Gcnoffeu Dr. Georg Flato w, HrlfS- refcrenr im Reich-arbenSministkrium. verfaßte K o m ni e n t a r zum Betriebörätegesetz. DaS im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erschienene Werk(Preis 6 60 reip. 9.60 M.) bietet nack GkMkffchaßskWMM LoffnabkoLtur-n für die gctvcrblichcn Putzarbelterinnen. Der zwischen vem Verband zur Wahrung der Interessen der Putzbranche mid dem Deutschen Hutarbeiterverband abgeschlossene Tarirvertiag iür die gewerblichen Putzarbeilerinnen in den Hut- Engrosbeirreben ist mrt Ausnahme der Bestimmungen über Eni« lobnuirg und Arbeitszeit bi« zum LI. Mai». F. verlängert worden. T»e neu festgei'etzle Entlohnung, die wöchentltch oder monatlich eifolgen kann, beträgt mindestens. Für Lehrlinge im ersten Halbjahr monatlich 30 M., im zweiten Halbjahr 75 M.. im zweiten Jahr ISO M. Ausgekernte ffnarderterinnen und zweite Eiu» rickrerinnen erholten nach Ablaut der zweijährigen Lehrzeit, ali'o im dritten und vierten Berufsjahr, monatlich 238,35 M, im fünften Berufsjalir 281,70 M.. im ieebfien Bei ussjaqr 346,70 M., nach Bollendung de» sechsten BeruiSjabres 8M M. Fantasie hutarberterin ii en u. Garniererinnen sowie erste ielbständiae Einrichterinnen erholten mindestens in Klaffe II monatlich 424.70 Mark, in Klaffe I 468 Mark. Die Klasselieinteilling erfolg: durch die Arbeitgeber unter Hinzuziehung der Direlirice bezw. des Abteilungsleiters und des ArbeilerauS- schuffeS bezw. der BerlrauenSperion. Musterarbeiterinnen, denen hauptsächlich die selb- ständige Ant'erlrgung der Muster zu'ällt. erhalten monatlich 500 Mark. Direktricen erhalten monatlich 600 Mari. Die reine Arbeitszeit beträgt wöchentlich 46 Sinn- den. D e Abmachungen können, wenn eine wesentliche Berichlech- lerung der Wirischa'telage emiritt, nach dem 15. April, mit Wirkung ob l. Mai d. I. abgi-äii?ert werden. Die jeyi iestgelegien Lohn- sitz« sind mit Wii tung ab 1. Januar d. I. gell offen. Sluchauliänger der SechSsturrdenschicht. In Geljenkrrchen wurde Ende Januar criolgreich ein Streik der Kutscher beendet. In der neuesten Nummer des »Courier', dem Fachblatl des Transportarbeitervelbandes, lesen wir im Bericht über den Ausgang de« Stieiks auch folgendes: Bei dieser Gelegenheit wollen wir nicht iimerlosieu, die gesamte Arbeitet schafl aus eine traurige Bealeiterscheinung auf- mertfam zu machen. Das ist die tiaurige Rolle, die ein großer Teil Bergarbeiter bei unserem gerechten Kampf geipiclt haben, indem sie neben ibrer Arbeit auf der Grube Slrerkbrecherarbeit verrichtet haben, nnd hier kann man gerade feststellen, daß die lauteste» Schreier nach der �ecks- struldcnschrcht diejenige« find, die uns de« Achistuudeirtag streitig machen und>n normale» Feilen manchem Arbcrisloien da» Brot wegnehmen. Hiergegen sollten'ckon aus gewerkimaftlichen Gründen die Bergarberletvetbände scharf Stellung nehmen. Offenbar handelr es sich bei dieren Elementen lim Leute die wie io viele, erst nach der Revolution ihr radikales Herz entdeck» haben und nun durch radikale Phrasen darüber hinwegtäuichen wollen, daß sie heute ebensowenig wie früher wllktiche Solidarität zu üben verstehen.__ Tie Handelearbeitcr ipi Einzelhandel. In einer überfüllten Versammlung im großen Saal der UnionS- brauerei nahmen die Handelshiliaarbeiter Stellung zu einer außer- tariflichen Teuetungstulaae. Pollmeier vom Transport- arbeilcrverband gab den Bericht über die bereit- statlgcsimden-i, Verhandlungen mit dem Arbeirg-bkiveiband. Die Verrammelten brachren zum Ausdruck, daß sie die'ecken Teueruirgszulaaen iordern, wie d e Han�elsolbkitcr im Zex rl-Engro, Handel, die für Jugendliche 9 tnä 27 M. pro Wdche und für erwachsene Männliche 42 bis 52 M. pro Woche beiragen./ T»e OrLanisotioneleirung und Verhandlungskommiision wurden beariitragl. ver der nächsten Verhandlung nochmal» daraus hinzu- weisen, daß bei�e Arbtitgebergruppeu im Eiirzethandel wie im EngroShanoel sich vorher verständlgt h-iten. eine ollgemeine, in gleicher Höhe slehcrrde Lohnau'besierirug für alle Handelsbil'S- arbener emlieten zu lauen. Dreien im kexul-Engreshandel bereits zugestandenen Sätzen soll auch im Einzelhandel Geltung verschafft werden. Am Mor�tagvormiitag finden neue Verhondlungen mit dem Arbcrtgebervcrband stall und soll daS Angebot der Arbeitgeber ab- gewartet werden. Die Versammlung beschäitrgte sich dann noch mit dem am 28. und 29. Februar in Berlin statrfindenden Handelshilfs- arbcilerkongretz, auf dem rn erster Linie die Schaffung eines Reichsvertrages behandelt werben soll, gleichzeitig soll über die ArbeilSgemeiiischaft im HandelSgewerbe verhandelt werden. Als Delegierte zu diesem Konoreß wurden Pollmeier und Tra uten h ahn gewählt. Einstimmig beschloß dann die Ver- tammlung, den Lohnveurag für die Handelshitssarbeiter im Emzel« Handel, der am 31. März d. I. abläuft, zu tündigeu. Tarif«bkom«cn der Maler. Die bei dem jetzigen Tarifabschluß der Maler unerledigte Ferienfragc soll nicht, wie e»>n unserem gestrigen Bericht irrtüm- lick beißt, bis zum Mai 1922 zurückgestellt werden, sondern sie wird der den Verdandlunoen über das neue Lohnabkommen im Mai dieses Jahres geregelt werden. Drnckfehlerdrrichtigung. In der Notiz»DaS BetrisbSrärsgeietz in der letzten Nummer ves»Voiwäris' hat der Druckiehlerkobolv iein Weisn getrieben. Es muß im zweiten Abiatz der Roliz heißen: „Wie alle Gesetze wirtschaftlicher oder politischer Narur ist auch das BciricbSrätegesetz nichts StarroS nnd Unabändcr- liches." Deutscher Dra«sport«rbestcrverchand. Achtung! Vertrauensleute anS den Schwer- uni Lelcht>ubrwerk?b-lriehen von cAroß-Berlin! Morgen Sonntag, vorm. 10 Uhr, ke! Feysara, Mclchivlstr. IS: ssimltionärstdmig. Z.age?ordnulig: Bericht über die Veidandlung vor dem SchtichtungSauSschuß mit der Innung. Jeder Betrieb muß vertreten sein. ömk?<*sten der Nedaktisn. Zeder fftr den Briesksstev bektlmmt»« Aufrgge kllge man«inen Suchstaden und eine Rummer bei. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Eilige Än- kragen trage man tu der Ziir.fHftfcui Turechstunde Anden str. 8, l. Kol oai- terre lints vor. Schriitstticke und Sertrage find mikubringen Tprechzeiten der stiristrschen Sprechstunde: Montag, Freitag und Sannabrnd 3—5 Uhr; DrenStag, Mittwoch, Doinurstaa 4-7 Uhr. C. T. 483. Einschließlich der ab 1. Januar gewährten Lebensmittel zulage von w im ganzen l M M. vro Wo he— W. S. 1. Etwas Bestimmtes kann erst nach Veroffentlichang des tSesetzeS gelagt werden. Ein« EtaotSvrche Hestedt nicht mchr— A. H. 48. I. u i. Nein, der Antragsteller muß aber veriönlich ersch-inen. 8. Unbekannt—(£ä»euiair. Eine Höchstgrenze ist nicht festgefetzt. Unerlrägtich hob« Zu- schlage dürfen aber dem seweargen Mieler nicht zuaemutet werden. Eventl. ist ein SachveiuSndigtn.l�utachleti einzuholen.— 55. M. 20. I u. 2. Ja. 3. In voller Höbe— Koopoli 10. Weisen Sie auf die Dringlichkeit der Sache hin und bitten Sie um Beschleunigung.— A. H. E. 65, Die reu Ihnen herangezogenen Vorichristeu lammen Janen gegenüber nicht in Frage. Die Versicherung kann auch im Auslände forlgcretzt werden— L. 68. Ter Umtauich muß bis zum Sch-uffe des auf das Kriegsende ioigende» KalendenahrcS«rsolgen. 2. Mi! dem Schlüsse dietes Eahres. 3. Ja.—<£. 3. 41. Fordern Sie zunächst den Schneider aus, innerhalb einer bestimmten Frist zu Ihnen zu kommen, mit der Erklärung, daß Sie nach Ablauf der Frist die Lieferrmg nicht mebr annehmen und vom B-r- trage zurücktreten werden. Erscheint der Schneider innerhalb der Frist nicht. so erklären Sie Ihren Zl cktrrtt.— W. 67. Die Witwenrente besteht aus dem ReichSzuschuß und'll0 des GrnndbetrageS und der TleigerungSiätze der Invalidenrente, dl« der Versicherte bezogen hat.— f>. 3*8. Die Papiere müssen aus cwer Bank oder Sparkasse niedergelegt werden. Ver- iuchcn Sie HeereSaut zu erwerben.— Hdf. Somuag,«mte mribring-u. P. U. 106. 1. Ja. wenn nichts andcros vereinbart ist. 2. Weun Zah- luna bereits abgelehnt tlt, crSbrizt sich ein« nochmalige Aulforderuug. L. Woinort. des Eisatzpssichtlgcn.— R. l. Nach Ihrem tatföchlicheu (Ankommen. 2. und 3. Ja.— G. L. SOS. Den Klage, veg. Vielleicht wenden Sie sich vorher a» das Mictscinigtmg-am� Iußenöverasftaltungen. Verein»Arbeiterjugend« Mroh-Verktli, Jugcndsekretariat. V 9, Bcllrvuestr. 7 III.— Zentraljugenddei«. Lindenstr. 3. Herne oe- lchlos'cn.— Sstdolt. Morgen Sonntag: Wanderung Furstenwalde— Raueufche Berge. Trcispunkl: Früh st,? Uhr, Aötlitzer Bahnhof(Unfall- stalion) und'/«? Uhi- Schlefifcher Bahnhos(Haupteingaug). SSetteraussichtcn kür»«» mittlere Norddeutkchlaud vis Sonntag mitina. Zunächst trübe,«ärmer. Regeusälle, Ipäler ausaerlernd. Lerantw. kür den redaküon. Teil: itrtur Sicklee, Tdarlottenburg: kllr Anzeigen: Tb. Stocke. Berlin. Vertag: Vorwärle.Berla« S. m. b. H.. Berlin. Druck: Vor» wärti-Buchdruckern u. Lerlagoanstalt Paul Singer u. To. Berlin. Lindenstr. 8. Äicrzn l Beilage. SklMttM Cet Büßet,«Am und verwandten BerusSgc-nrüv«. Sonntag, den 15. Februar, vormiitags v Uhr: Vcrsauimlmig Im Böhmlschen Trauhaua, Landederger litte 12. Tagesordnung: Ist da»«ujt.at der»««tfebriianteu «hm bar 7 miS gfgf Ericheinen aller Kollegen imbebingte Pflicht. dlll. Di« Versammlmig w Weihensee sält»u». . vis»srwallung. Zahn>> M. und höh«, tn Platin u. Oord dt, rooo M.• DImSCm Gramm 100 M. N. höher. Mal-Brenn- r IS>103 fitifte, Kontaxte, Kramkons, OrSht». Tiegal.