H Ar. 91. 3?.|n!|rg. Bezugspreis: 5jicr.cl:al)rL 10,60 Ml., monctl 5,50 3JJL trci tili Haus, voraus:nblbflr. Post- bejua äJlonatlid! 5,50 MI. erll. Zu- �oilungsgedühr. Uuler Kreuzband nir Äemjchiand und Oesterreich. Unqari', 8.76 ÄI!� für Das übrige Ansiand 13.— M!.. bei tiialich einmal. Zustellung 11,— Alk.+ Valuta»Auilchlay. Post» Destellunge» uebuieu an Dänemark. Holland, Uureinburg, Schmeden und d�e Schweiz. Eingetraa-n m die Post» Keieungs- Pcei, liste. Der.Vorwärts" mit Der Eonnlag»» beUaze»Jol! u. Keel� enchen« wochcn- lägiich zweimal. Sonntags einmal. Teiegramm-Adrestei �Sozlaldeivokral verlin-. Morgen-Ansgabe. berliner VolksblAtt �ZDpksnnZg AnzeigewuriS: Die nchigewaiteue Slnjirrrrerile.stste loitcl!!.— M.. ieiinuiifezuiaiie.tj«5, „Stloln, LnzeiWen", das>».i- xedruekte Wort 75 Pfg. tzulliDg zwei iettgedrultre Werte),»«des woirerr S?orl M Pfg. Elellengefwiie n»0 Echlaistellenaitjeigeu bai- eoste W?« 06 Lfg� irdrs writerr Wärt«> Pix.. Worte über 16 Auchste.de» ziiaie« für zw.'i Worte. Sfnmiaasjaidilflf Ht..-.. SuniUnt» AnMge«. vottliick« uro pewerstchaitlichr Pexein»»Ä«'e>ge!i Ml. dir steil?«hne Ä»sich lag. Sinjeinen für di»>1«j eil st e 31uu»ner uiiisten bis 5 Ahr»achuiitcng» nn vvnvtgeichSil, Berlin SW>io. Lliideu» straße 3, abgegeben werden. Eröffnet von 3 Udc früh bis 5 Uhr aoeadu» Zentralorgan der fozialdemokratircben Partei Deutfchlande Reüaktion und Expedition: SL). HZ, Linöenstr.?. "crnsvrcrber: Amt Morittvlan, Nr. l.»l 90— 15197. Donnerstag, den 19» Februar 19�0, Vonväcts-Verlag E.m.b. h., SW. vS» Linöenftr.?. Ferusvrecher: Amt?tr. M7 5*>— Iii« w Amerikas Ultimatum au öis Entente Washington, 17. Februar. lReuter.) Amtlich. Wilsons Mcmorandmn hat den Alliierten mitgeteilt, dan die Bereinigten Staaten möglicherweise die Z u r n ck z i c h n n g des Wersaillcr Vertrages ans dein Senat erwägen mühten, wenn die Alliierten bei der Bcrsolgnng ihrer Pläne weiterhin ohne Zustimmung der Vereinigten Staaten handelten. Nach zahlreichen privaten, teilweise einander wider- sprechenden Nachrichten kommt diese a m�t l i ch e Meldung aus Washington, die den Zwischen den Bereinigten Staaten und der Entente benehenden Konflikt aus'einem.Höhepunkt geigt. Wilson hat gegen den amerikanischen Senat den schweren Kamps um die Ratinzierung des Friedens von Per- sailleZ gekämpft und begegnete dabei immer dem Einwand, daß dieser Vertrag wegen der zu weit gebenden Vermischung amerikanischer und europäischer Ängetcgenheiten zu verwerfen wi. Jetzt ist es Wilson selbst, der mit der Zurückziehung des Vertrages und dem Rückzug Amerikas aus allen europäischen Händeln droht, falls die stotimme Amerikas nicht die ge- bührende Beachtung finde. Ter Energieausbruch Wilsons ist unmittelbar durch den H a n d e I u m F i u ni e oeraulaßt worden, er ist aber zwenel- los ein Symptom der Verstimmung, die schon längere Zeit besteht. Allerdings hatte Wilson mit der gleichen ultima- turn Entschiedenheit, mit der er jetzt einen nach'einer Ans- saffung gerechten Frieden für die Serben verlangt, schon in Versailles einen solchen gerechten Frieden für Deutsch- l a n d gefordert, so stünde es heute um Europa besser. Wrl- sans Zorn von beute gleicht dem Gefäß, das ein letzter Tropfen zum Ueberlaufen gebracht hat. Es ist bereits bekannt, daß die Entente auf die amerikanische Note mit großer Höflichkeit geantwortet hat, eine stärkere Beteiligung' der Vereinigten Staaten an der zeit- Ii wen Erledigung der Friedensfragen und eine besondere Vertretung Amerikas zu diesem Zwecke in Paris sei ihr durchaus ertvünjcht. Die Angst vor dem bisherigen Per- Windeten, dessen ökonomische Kraft als Freund wunder- tätig, als Feind lebensgefährlich ist, scheint wahrhastig niwr gering. Es wäre nur zu wünschen, daß Amerika van dieser un- geheuren Macht immer den rechten Gebrauch zu machen verstünde. Einstweilen sind die Richtlinien der amerikanischen Außenpolitik, wieder nie endende Se not s st reit um Versailles und der brüske Abschied Landings zeigt, noch immer einigeiwahen verworren, und es läßt sich in diesem Augenblick noch nicht erkennen, ob der gegenwärlige Konflikt tatsächlich mit einem Rückzug Amerikas aus Europa odsr vielmehr mit einer Befestigung des ameritanischen Ein- flusses in Europa enden wird." Tanrir wird sich schließlich auch entscheiden, ob der BartkeroU der Politik der 1l Punkte endgültig sein soll oder nicht. presiöLntenVechfel, Teschanek übernimmt sein Amt. Par'. s, Ist. fwlirimt-, Heule nackmittna fand«tu{*.'!)??(• die sogenannte„transinisMon dos pouvoirs"(Nebergal'e der Macht- befuznihe. T. N.) statt, Raimond Bo in rare begriisttc seinen Rachsolger und erklärte in seiner Ncdc, der Stnnn, der über Frankreich dastinbraust, habe nicht ciiirn Augenblick seinr repubtikanischrn Ei»richtui>geil in vse- salir gebracht. Sic hiittcn Frankre!«b gestalict, den A n g r i s f siegreich.zuriickzuschlazen. Tie Verfassung, so wie sie sei, lintte das Verdienst gehabt, die Auirechierhaltung der Ordnung in der istreiheit sicherznsielle«. Zwischen der Regierung, den Kammern und der Armee seien die Bczieliungen fest gewesen. Er Nabe leinen anderen(tzedanten gcliabt, als die noNvendige Zusammenarbeit zu begünstigen. Die Aufgabe, die Tesdianel heute erwarte, sei nicht weniger bedeutend, sie hätte tein.nn Besseren anvertraur werden köiinar. Während der sieben Jahre seiner Präsident- schast mühte Tcschancl ohne Unterlaß die Ausführung des? r i c d c n S b r r t r a g e ö sicherstellen, dessen Her- Vflichtun g auszuführen stch Teutschland schon jetzt nicht sehr geneigt zoige. Es werde auch seine Aufgabe sein, die Kontinuität der sranzü fischen Aiißcnpolitit sicherzustellen, die Bündnis!: ou frechtznerhalten, den Bölkerbund zn befestigen, um aus drin striesrn, der heute nur eine Hofsnung und ein Name sei, etwas zu machen. Im. Innern des Landes werde Prüsidciil Teochancl ohne llnirrbrechnug zu wachen haben über die ZZiedereufrichtunz des Landes, über die Bcrbessernng der Finanzen, über das wirtschaftliche Gedeihen und über den Wiederaus- bau der unglückliche» Probinzen. Das sei ein ungeheures Unter- nehmen, für welches der Prästdent auf die Mitarbeit aller Frau- zcscn zählen dürfe. .Präsident TcSchaiiel scinerseiiz erwiderte turz, indem er Raimond Poincar» sagte, er habe Frankreich mit bewuuderungs- würdigem Parrirtismus während der tragischen Stunden vertreten. Auch er glaube, unterstüvt bell den gesetzgebenden Bersammlungen, »'an ganzem Herzen für die Größe Frankreich?»nd der Republik arbeiten z« tonnen. * Poris, Februar. Millcrand hat dem Prüsivenien die Demission des Kabinett» angeboten. Präsident Dcschanel hat sie nicht a u g c n o m m e n und das Kabinett gc- beten, im Amte zu bleiben. Es handelt sich bei die'em RücktriUZgesuch nur um. eine traditionelle Formalität. Aai gestrigen Tage hm Paul Deschau«! die Geschäfts als Präsident der Republik übernommen und es ist bei einem solchen Wechsel stets Sine, daß der sewsihge iKinisierPräsident feine Demission'anfielet. Als nach feinem ersten Auftreten in der Kammer Millerand nur ein sehr schwaches Vcr- krauensvolum erhielt, hieß es allgemein, daß er beim bevorstehenden Prästdcnrenwechsel die dann zu erwartende formale Demission als Borwand benutzen würde, um einige A e n d e r u n g e n in seinem Kabinett vorzunokmen und namentlich den bei der Rechten unbeliebten radikalen Minister des Innern Sierg auSzu- schissen. Inzwischen haben sich allerdings die Verhältnisse bcdcu- tend gebessert und eine derartige Aenderung ist nicht mehr un- bedingt notwendig. Taß das Riicktrittsgesuch Millerands mit dessen �'ßerfolg in der Auslieseruiigsrrage in irgendeinem Zusammenhang stehe, glauben wir jedenfalls nicht. Kkllturtatsn öer feanZivsilchen Sesatzunastruppen. Tarmstadt, Ist, Februar. lEigeno Drahtmeldung des ,.Vor- war:-:".) Während der Besetzung durch die Franzosen wurde das här: an der Grenze gelegene Schloß Brauns ha rd bei T-armiiadl vollil änd i g. verwüste t. Das Schloß war Eige»l- ruul des bekannten Privatgelehrren ü:.?'S-s-ristsievers Brv'ZhK Dr. Bamberg. Die Möbel nüd die C inrichtungsgegenstandv sind zerschlagen. Die kostbare Bibliothek von mehr als 30 000 Bänden ist v e r s ch w u n d c n, obwohl die sranzosischen CWzierc sich fßr die Erhaltung der Gegenstände eingesetzt hatten, Herhart Hauptmann zur Abstimmung. Für die„G r e u z s p e n d e" des Schutzbundes für die Grenz- niid Ausländsdeutschen, die der Nücksührung der Abstinmrungsbere.tz- tigtcn in die Abstimmungsgebiete dient, hat Ger hart Haupt- «ran u folgenden Aufruf gefckrieoeni Deutsche, wenn Ihr nicht müßig zusehen ivolll, wie Euer blühendes Land noch weiter zerstückelt wird, so verhindert es, Ihr braucht darum nicht zu den Massen zu greifen, es ist auf fr i ed l i ch r m Wege möglich. Große und lebensiwtwendige Gebiete an siirsdrer nördlichen, östlichen»ud südöstlichen Grenze haben durch .Stimmenmehrheit ihrer Eingeborenen zu entscheiden, ob sie beim Reiche verbleiben oder sich davon losreißen wollen. Diese Sin- geborenen deutscher Ration sind zu Tausenden, ja zu Hnnderttausen- den in entfernten Teilen de! Reiches, ja außerhalb des Reiches seß- hast; manche sind reich, viele sind weniger begütert, und alle müssen sie persönlich an die Wahlurne treten, wenn ihre Stimmen gezählt werden sollen. Wir nehmen nicht an, daß Weib oder Mann, deren Vermögen ihnen zu reisen es erlaubt, die Fahrt nach ihrer Heimat unterlassen werden, ihre Heilige Pflicht für Deutschland zü tun. Denen, die unbemittelt find, muß die Reise ermöglicht werden. Darum, Deutsche, wenn Ihr nicht zusehen wollt, wie Euer blutendes Land noch weiter zerstückelt wird, s» sammelt Geld für die Reise sowie den Unterhalt derer, die vnrch ihre Stimmabgabe in der Heimat, das schwerste Unglück dfvitinbtvn können. Es gibt keinen Tentschen. Mann oder Weib, der diese einfache Sprache der Not nicht versteht. Es darf keinen solchen Deutschen geben. Es ist die Not. die beilige Nor, die uns wieder stark, und wenn auch in ganz anderem Sinne als früher, wieder groß machen muß. Es kann keinen Deutschen geben, der den Gewinn seiner Hilfeleistung in diesem Falle nickt sehen sollte: dieRettungund Erhaltung einer deutschen Einheit, die kraftvoll und lebensfähig ist. Gelingt eS uns, aus der Friedensmackt nationaler Wesensart eine solche Einheit durchzusetzen, so ist überdies ein moralischer Sieg ertämpft, der erste Sieg nach dem schrecklichsten Niederbruck. Uns dies würde nichts weniger als den ersten deutlichen Schritt nach vorwärts und auswärts bedeuren. Wir bitten n'chr, wir betteln nicht. Wir sind rmr das Sprach- rvhr der deutschen Rot, des deutschen Bewußtseins, des deutschen Herzens, der deutschen Hand. Durch uns spricht unser Volk zu sich selbst: Gib! Schenke her! Erfülle mit klarem Blick und schneller Haiti, das unbedingte Gebot der Pflicht gegen dich selbst! �ine �migrantenpartel. Der„Ostwrst« Telegraf' meldet aus Wien: Die ans Budapest geflückleten S o z i a l i st e n f ii b r e r baden in Wien die Partei der Emigranten gegründet. Der Parleileitniig geboren u a. Emanuel Buckinger, Bernhard Ät o n d o r, Oskar Jaszi und mehrere gewesene V»v lkSkommiHare der Räteregicrung an. Als amtliches Organ der Partei ist die Wochenschrift„Az Enrber" (Der Menich) anzusehen, welche in Wien in ungarischer Sprache er- scheint. Das Programm der Emigrantenpartei umfaßt das Pro- Qtamm der alten»ngarischen S ozialistenparlei. Hrdeitskämpfe in flrsentinien. Der folgende Bericht, der Mitte.Iauuor;u Buenos Aires geschrieben ist; gibt ein anschauliche.:. P::d Von der ungeheuren Wildheit, mir der.auf dem heißen Baden Südanrerikad soziale Kämpfe zum Ans: rag gebracht wer. den. Es ist ein Kapitel aus der Wnhufirmscztzschicht« nu- serer Zeit: Dorr verdrcnilcn sie das Brut, und unsere Kinder haben teins! Red. d...Pmaärts". Schon im NovAicker kießcu manche Vorzucchu erkenliiou, daß ein neuer schmersr K n m p f z tv i s ch e n A rbei t u n d � Kapital im Anzug ivar. Aber währeud die letzte Vemo j gtmg in der Hauptstadt entstandeu Mar und ich strahlenförniig - ins Laub hiucin verbreitete, kam es biesmal wngclchrt: das : Land kam in Bewequug m» die Wollen schlugen von bort in die Hauptstadt hinein. Die erste Kampfansage an das Kapital erfolgte mit einem richtigen„Ultimatum" uilfangs Dezencher in der Vro- vi-nz Smua Fe. Tort wurde ein Mugblätt unter drtt Land- arheiteNl vorbreitet, worin die„völlige Zerstöruitg der fo- zislen Ordnung" angekündigt wurde, laenü tlicht chus /.um A). Januar 1920 alle lvegen revolutionäcer Nmlriede in Haft Bestndlicherr ihren Fa.mi!.ieii miedrrp't geben sein ialUe«". Wenn zu dieser Zeit die in Hakt Besindtichen nicht in Fi.iheit gesetzt seien, so lvcrde mit dem„j y st e«: a t i i ch e n L e r- nichten der Ernte durch Anzünden ans d c u Feldern, in den V er lad e stak io ne n. auf dem iTransportwege oder in den Hu.se n" vorgegangen ' worden! Diese Ankündigung veranlaßte die.-Pächtech leim LandwixtschastsmimiterilMl um Schutzmaßnahmen vorstellig zu lrerden. Solche Maßnallmen wurden denn auch angeordnet. blieben aber wirkungslos. Sie Lewegniig nahm an Scharre außerordentlich zu mW verbreitete Eich von Sautä Fo auö nach den Provinzen Entre Rio«. Cordoba und Vueuos Aires. Auf Grund einer zweiten Vorstellung der aeätigsiigtep Getrerdebauern und--ljändler hatte die Regiernna am 2«!. Dezember den nätionälen Truppen im Jtlnern ddr Republik an- berohlen. im Zusammenarbeilen mit der lokalbn PdÜzei'lluid den OrtsÄehörden gegen diese BvtvqnwL dorzugohen rnrd d«" Schuldigen den(Berichten zu überliefern. Die nnmittelbarc. Folge war jedoch, daß schon am 00. De- zember in der Getreidezone von Bahia Klanen, auf einer Strecke von nahezu ö0 Kilometern, die(Sei reibe?et der. in Brand gesteckt«ud zum größten Teil durch einen <18 Stunden lang wütenden Brand vemichtU wurden. Wä! rend dieser Braird noch wütete und die ganze BevBlhuung der Gegend alarmierte, bracherl in der Nmgehuug vdn Tvrnguist, Dorila und Pico neue Brände aus, die Getreide im Werte von vielen bnudertiaustmden Pesos vernichtKen. st.u. gleich entstanden Riesenbrände an einer dritten Stelle der Provinz Buenos Aires, und Zwar im Gebiete zwifchm Mi Flüssen Rio Colorado und Rio Regio, wo aus einer Fläche von 50 Ouadrattiiometerii die Feld- und Weidengründe der- wüstet wurden. Bei Kilometer 40 der Bahnlinie von'Bab!., Blanea nach Patagones sind gewaltige H o i z b e- st äu de vom Feuer verzedn worden. Erst 8 Tage-nach dent Ausbruch dieser Riesenörände kmntte a-us Bahia Bianca gemeldet werden, daß diese Brände, die ungeheuren Schaden an den Weizenfeldern. Holzlagern. Viehweiden und Vieu-tze- ständen angerichtet hatten, zum Teil gelöscht oder eingejstiir.iut werden konnten. Von Verhaftung der Schuldigen wurde nichts btstll.lel, womu kvineswegS gesagt sein soll, daß etwa keine Berhar- tungen vorgenommen werden. Zugleich mit der Meldr-pg. von der Eindämmung oder Löschung dieser Brände lams»'. indes andere Nachrichten, die von neuen B rände u im Süden der Provinz Buenos Aires und im Natichialtetti- torimn Pampa Central berichtete». Dieses löial wurde ober schon offen von dem geheim, stsvolleii Revoluti aus. komitee, welrhes das erwähnte Ultimaliim.au die Kap'.- talisten erlassen hatte, als dem Urheber dieser Bräudr gc-- ' prochen, ihm sollte es gelungen sein, eine große Anzahl der sogenannten„Lingeras", das sind herrmtziehtude Achertklost.. für seine Zwecke zn gewinnen. Alles dies hatte sich selbem v o r dem Ablauf des ülci-mn- tums ereignet. Nach den letzten Alannnachncklen.trat die konst'ivAive „Liga Patriolica" in Aktion. Zn nächst erl-'-eß sie einen Aus. ruf an die Landbevölkerung, der in allen Eifenv.chnstatioe.-u angeschlagen wurde und folgenden derheißuugSvollen Wortlaut hatte: »Air alle haben die He.vauSforderwn« gelesen, welebe von Vs:.- brechern als„Ultimatum" gegen die arbeitende Landbevölkerung geschleudert wurde. Um diesen ungerechtfertigten Angriff zniick- woisen zu können, müssen wir wissen, was das Strasgcsetzbnch in seinem Artikel 81 sagt: Nicht strafbar ist, wer jemanden tötet oder reewunstt. der ein fremdes Haus überfällt oder in dieses gegen den Willen- Besitzers eindringt. Nicht strafbar ist, wer sentanden tätet oder verwunde:, der Elnzäunirngen zerstört, Farmen anzündet oder die Befitx-r eines Anwesens, Kolonisten oder?lrbeiter, innerbalb der EensÄe dnng mit oder ohne Waffe in diu Hand bedroht.. An ulfzc--. «tttiten istntchtstrafba?, wer tötet oder verwundet, sobald ihm sein Gewissen anbefiehlt, in Verteidigung seiner Würde, seiner Ehre, seiner Arbeit und des Vaterlandes zu töten und zu oer- winden. Deshalb soll sich jeder Arbeiter, Bauer oder Kalo- «ist bewaffnen, um sein Recht und die zum Schutze der Ge- setze eingesetzten Behörden zu verteidigen!" Wer die argentinischen Landverhältnisse kennt und tueitz, wie locker Messer und Revolver im Gürtel des Landbe- wohners stecken, der kann das namenlose Unheil ermessen. das diese Aufforderung zum Töten nach sich ziehen konnte!— Zur selben Zeit, als das geheinrnisvolle„Revolutionskomitee" sein furchtbares„Ultimatum" in die Massen schien- derte, setzte auch eine wesentliche Verschärfung der Streikbe- tvegling im Jnnem der Republik ein. Vielfach wird als direkte Folge dieses„Ultlmatnms an die Gesellschaft" die Ver- schärfung des Streiks der Arbeiter auf der großen Unter- nehmung„Compania Forestal" im Norden der Provinz Semta F6 angesehen. Solange das„Revolutionskomitee" noch nicht in Aktion getreten war, verlief der Streik ruhig, rnrd es war Aussicht, daß er in wenigen Tagen zur beider- seitigen Zufriedenheit beigelegt iverde. Da flatterte das „Ultimatum" in das Land und der Kampf verschärfte sich. Als die bewaffnete Macht eingriff zündeten die Streikenden die riesigen Mengen lagernder Ouebrachohölzer an, st ür m- ten sie die Fabrikanlagen, legten Feuer an sie, plünderten die Lebensmittel- und Materialmagazine der Gesellschaft und zogen sich schließlich in die Wälder zurück, wo sie von den erbentgten Lebensmitteln und dem Vieh der Gc- söllschaft, das sie nach.Herzenslust schlachteten, lebten. Tie Regierung bot Kavallerie aus, um die Aufständischen niederzuwerfen. Es half nichts. Schließlich, am 13. Januar, wurde nach Buenos Aires telegraphisch gemeldet, daß der Streik soeben mit einem vollen Sieg der Streikenden be- endet worden sei./ Weitere bedeutende Streiks im Innern sind: der Streik der Arbeiter im Petroleumgebiet von Comodoro Rivadavia, der schon im dritten Monat steht und dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Ferner die verschiedenen Streiks auf den Linien der Staatsbahnen im Süden und im Norden der Republik; die Streiks der V c r k e h r s- u n d B e l e u ch- tungsarbeiter und schließlich die immer neu auS- breck>enden Hafenarbeiterstreiks. Daneben laufen eine große Zahl partieller Streiks in den Provinzstädten und in der Bundeshauptstadt, die zum Teil schon mehr als sechs Monate andauern. Für die allernächste Zeit wird ein Generalstreik der Eisenbahner und ein Streik der Angestellten und Arbeiter der Gas- und Elektrizitätswerke erwartet. Wie es scheint, vollzieht sich hier augenblicklich der Aufmarsch der Arbeiter zu_ dem schon seit Jahresfrist erwarteten großen Kampf zwischen Kapital und Arbeit. Die Herren Unternehmer auf unserem kapitalistischen Ei- land sehen diesem Kampfe mit ziemlicher Siegeszuver- s ich t entgegen; sie wissen, daß auf ihrer Seite die staatlichen Behörden, die Association del Trabajo, die Liga Patriotica, die Einwanderung und nicht zuletzt die Furcht vor dem Bol- schewismus steht! Im Lager der Arbeiter hat die Entschlossen- heit zum äußersten weite Kreise in ihren Bann gezwungen. Die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich, dank dem u n a u f» hörlichen Steigen der Lcbensmittolpreise imd der Wohnungsmieten mit jedem Tag mehr, und mit der Einwanderung, die neue willige Arbeitskräfte liefert, wächst die Unnachgiebigkeit der Unternehmer... Irrtümer unö Illusionen. Zweimal im selben Leitartikel('„Humamtä" vom 15. Februar), in dem er die Politik der Entente Rußland und Deutschland gegenüber kritisiert, erklärt Marcel Cachin, daß diese Haltung der alliierten Regierungen die Revolution in Deutschland fördert: Die Kokainsucht. Eine Volks seuche in Grotz-Berlin. Auch diese Sucht ist eine der Errunzenlchasten. die unier BollSkörper dem Slahlbad Krieg zu uerdanken bat. und die Gesahr des ÄotainismuS wächst: sie sritzt seuchenartig um sich. In der.Deutschen Medizinischen Wochenschust" lenkt Dr. Bruno G l a I e r s e l d> Schön-berg die allgemeine Aus- inerksamkelt aus diese �rage. ttokainisten gibt es, wie er an- deutet, in alle» Volksschichten Beräns. bis in die.besten und anständigsten AamUien" hinein. Er sührt au?: Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß in Groß-Berlin eine schreckliche VolkSseuchc, der Kokainismus, im Verborgenen blüht und leider immer weiter um sich greift. Nach unseren VorkriegS- erfahrungcn schließt die Entstehung des Kokainismus fast immer an einen anfängliche» Morphinismus an; wenigstens war dies in den deuischsprechendcn Ländern meist der Fall, während in anderen europäische» und außereuropäischen Ländern der reine Kokainismus ftets wohlbekannt war. Der Krieg, der unsere Heere mit den Ge- pflogenheiten so vieler fremder Länder in Berührung brachte, hat uns leider den reinen Kokainismus beschert. Ein Fall meiner Praxis, ein Flieger, wurde tglö in Nordsrankreich das erstemal mit dem Gift bekannt und erhielt von einem französischen Apotheker, welcher sich zuerst weigerte, Kokain ohne ärztliches Rezept abzu- geben, es aber nachher doch tat, als der Herr sagte, er müsse den Befehlut eines Deutschen nachkommen, öfters glatt 5 Gramm Kokain. Infolge der Strapazen des Krieges auf der Suche nach nerve nbetäubenden Mitteln, wurden viele Soldaten mit dem Ko- kain bekannt und verfielen so dem Gift, von dem sie natürlich nicht toieder ließen; ja, es gelang ihnen sogar, andere charakterlabile Per- sonen für den Genuß des Kokains zu gewinnen. So kommt es, daß leider in Groß-Berlin die Kokainseuche in den verschiedensten Kreisen um sich gegriffen hat und noch viele Opfer fordert. Die augenblicklich bei uns herrschenden Verhältnisse machen es den Kokainisten sehr leicht, sich daS Gift in viel größeren Mengen zu verschaffen, als es vor dem Kriege der Fall war. Es ist mir aus Berichten von Kokainsüchtigen bekannt, daß Inhaber der ver- schiedensten Groß-Berliner Drogerien, besonders der westlichen Vor- orte, so gewissenlos sind, den Kranken hintenherum Mengen bis zu 1 Kilogramm Kokain zu besorgen. Zurzeit, wo 1 Gramm Kokain etwa l M. in der Apotheke kostet, bewegte sich der Preis des Gramms Kokain bei diesen Drogisten zioischen 7 und 8 M. Um noch größere Verdienste zu erzielen, vermischen diese Drogenhändler das Kokain mit Borsäure oder Novokain, verkaufen eS aber als reines Kokain. Tie Annahme, daß hierdurch gesundheitlich den� Kokainkranken ein Gefallen getan wird, ii't irrig, da diese bald die Streckung deS Giftes merken v.'.rd dann höhere Dosen nehmen. Natürlich wird von den Kokainisten wie früher so auch heule inii nachgemachten Rezepten gearbeitet, wodurch sie sich das Gift auS Apotheken vcrschafsem ..Sie beschleunigen damit nur in dem verworrenen Deutsch- land die Fortschritte der Revolution. Ihre Haltung gegen- über Sowjet-Rußland hat als wesentltches Ergebnis gebabt, daß die Macht der Volksbeauftragten seit zwei Jahren g e- festigt wurde. Ihre gegenwärtige Haltung ebnet nur der deutschen Revolution die Wege." Marcel Cachin beweist damit nur, wie oberflächlich er die Situation in Teutschland beurteilt. Wir, die die Wirkungen der Ententepotitik auf Deutschland auch, und zwar ans etwas geringerer Entfernung verfolgen, wir find im Gegenteil fest davon überzeugt, daß die Politik der Entente feit einem tzr-lbsn Jahre die Gegen- r e o o l u t i o n in weit stärkerem Maße fördert, als irgend- eine anders Strömung. Durch die Aufrechterhaltung der Blockade bis acht Monate nach dem Waffenstillstand haben die Staatsmänner in Paris und in London zwar ursprünglich dem Bolschewismus in die Hände gespielt, und alle ihre wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen, die eine Steigerung des Elends zur Folge haben, dienen auch den Extremen von links, aber die ungerechten Friedensbedingungen. die Zu- rückhaltung der Kriegsgefangenen, die„Sühne" für Scapa-Flow und zuletzt die A u s l i e f e r u n g s l i st e haben ausschließlich den reaktionären, national! st i- scheu und monarchistischen Parteien genützt. Das haben wir auch unablässig in den letzten Monaten versucht. dem Ausland klarzumachen, und es ist bedauerlich, daß selbst ein Mann wie Cachin. der sonst als Cbesredakteur der „Huinanitö" und als Svrecher der sozialistischen Kammer- fraktion für die auswärtige Politik einen guten Ucberblick zeigt, es noch immer nicht begriffen hat. Es mag zwar richtig sein, daß in Rußland die äußere Gefahr den vorläufigen Zusammenschluß aller Parteien uni die Regierung Lenins be- wirkt hat. Aber die französischen Sozialisten tragen sich mir einer gefährlichen Illusion, wenn sie glauben, sich über die sinnlose Gewaltpolitik der Entente Deutschland gegenüber damit hinweatrösten zu können, daß diese letzten Endes nur die„zweite" Revolution in Deutschland herbcisübren werde. Selbst C r i s p i e n bat übrigens Froisard gegenüber zugegeben, daß eine Herrschaft von links unhaltbar wäre und nur eine Wiederbolnng der ungarischen Ereignisse— alio letzten Endes auch Reaktion— bedeuten würde. Aber die Politik der Demütigungen und der Schi- kauen, die die Entente bisher gegen Teutschland getrieben hat, führt, unseres Eracktens, noch viel u n in i t t slba r e r zur Untergrabung der deutschen Republik, und es ist höchste Zeit, daß alle jene im Ausland, denen die demokratische Staatsform in Deutschland lieber ist als das alte Regime, endlich diese Wahrheit erkennen und tatkräftig an der Festi- gung der Errnngemchaften vom November 1918 mitwirken; dies gilt auch für die französischen Sozialisten. Ein Aufruf öes Lsnöwirtschaftsminifters. Landwirtschaftsminister Braun hat an sämtliche preußi- scheu Landwirtschaftskammern einen Erlaß gerichtet, in dem er darauf hinweist, daß eine nachhaltige Besserung unserer Ernährungslaqe nur möglich ist durch die Hebung der landwirtschaftlichen Erzeugung. Gleichzeitig aber wird den Landleuten dringend ans' Herz gelegt, aus freien Stücken heraus das Letzte abzuliefern, um die Ernährung unseres Volkes über die kritische Zeit bis zur Ernte hinaus sicherzustellen und damit das Schlimmste abzu- wenden. In dem bemerkenswerten Erlaß heißt es: „Wenn auch die legte Körnerernte verhältnismäßig gut aus- gefallen ist, so hat doch die Ernte an Hackfrüchten infolge der un° günstigen Wetter- und Wirtschaftsvcrhältnisse stark gelitten, so daß die Ernährung der großstädtischen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sich immer schwieriger gestaltet. Können wir die Ernährung un- scres schwer geprüften, unter den ihm von einem erbarmungslosen Sieger auferlegten Lasten schwer seufzenden Volkes bis zur uächstcn Ernte nicht sicherstellen, dann ist ein Wiederaufbau unseres Wirt- schaftslebens unmöglich und der Noch leichter wird der Kokainankauf der Bevölkerung dadurch gemacht, daß nachts auf den Straßen Groß-Bcrlins Verkäufer kleine Päckchen zu 1, 2, 3— B Gramm den Passanten anbieten; aus diese Weise deckt namentlich die Prostitution ihren Bedarst End- lich hörte ich, daß die Portiers und Kellnerinnen zahlreicher Dielen und Bars eifrige Vertreiber des Kokains sind und einen ansehn- liehen Verdienst dadurch haben. Da die Portiers stets däs Kokain mit Borsäure oder anderen indifferenten Mitteln vermischten, unter- scheiden die Kokainsüchtigen zwischen dem richtigen Gramm Kokain und dem„Dielengramm". UebngenS vermeiden die Kranken bei den Siratzenverkäufern und Nachlporiiers stets das Wort Kokain; das Stichwort lautet: Grammophonplatte, Zentner Koks u. a. m. Ist es bei solchen Zuständen verwunderlich, wenn die Seuche in alle möglichen Volkskreise dringt? An diesem Kokainmiß- brauch ist fast nur das Alter von 2» bis 30 Jahren beteiligt. Auch die Frau ist leider unier den Kokain isien vertreten. Die Prostitu- ierten stellen einen großen Teil der Kokainisten dar. DaS Kokain wivd von den Kranken als Schnupspulver genom- mem Die Wirkung ist sehr schnell. Die Größe der Prise verschic- den. Der Kranke nimmt so viel, bis die gewünschte Wirkung er- zielt ist. Die Entziehung des Kokains stößt heutzutage auf große Schwierigkeiten. Durch Hypnose' find nur vorübergehende Heilungen zu erreichen. Der Unterbringung in eine Heilanstalt— die einzige Möglichkeit, den Kranken zu retten— setzen die jugendlichen Kokai- nisten meist aktiven Widerstand entgegen» zumal die diese BeHand- lnng wünschenden Familien mir äußerst geringen Einfluß auf den Kranken haben, je mehr er dem Kokain verfallen ist. Ferner er- reicht man durch die Heilanstaltsbe Handlung, selbst in den ärzllich und wirtschaftlich bestgeleiteten Kliniken, nicht das gewünschte Ziel, da der Kokainist es fast stets zu ermöglichen versteht, in der Anstalt hintenherum Kokain zu erhalten. Die Kranken sagen, daß eS heute eine Leichtigkeit sei, durch höh- Bestechung selbst gewissenhaste War- ter zu veranlassen, ihnen Kokain in der Ansmli zu verschaffen. Auf das kliniscke Bild, das keine Besonderheiten bieict, gehe ich hier nicht ein. Ter körperliche und geistige Perfall ist so rapid, daß jeder, der solche Fälle sieht, sich energisch danür einsetzen muß. daß dieser VolkSscuche so bald und so gut wie möglich der GarauS gemacht wird, damit unser armes, schon durch io viele andere Scbäd- tichkeiten gequältes Volk nickt unnötig Mitglieder verliert, minderen Erhaltung bei ihrer Jugendkraft ihm sehr gelegen sein muß. Um einigermaßen Abhilfe zu schaffen, hat die GesundhetlS- Polizei die Pflicht, für strenge Durchführung der bestehenden Geletze zu sorgen. Neue Verordnungen sind meines Erachtens unnölig. Die Vorschriften über die Abgabe stark wirkender Arzneimittel, so- wie die Perordnung über den Perkehr mit Arzneimitteln außerha-ö der Apotheke, 1° und andere miinsterielle Erlasse bieten eine ge- nügende Handhabe zur genauen Kontrolle der Drogerien und Apo- Zusammenbruch undermeiblich. Diese Katastrophe muß abgewendet werde,, und sie kann ab- gewendet werden, wenn daS Volk in allen seinen Schichten sich des Ernstes der Situation bewußt wird und einmütig zu- s a m m c n w i r k t, um die kritische Epoche zu überwinden, die Deutschland jetzt durchmacht. Eine nachhaltige Befferunz unserer Ernährungslagc ist einzig und allein durch die Hebung der landwirtschaftlichen Erzeugung zu erziclen. Ich kenne und würdige die Schwierigkeiten, die in land- wirtschaftlichen Betrieben jetzt abwaltc,, und bin daher unablässig bemiilit, auf ihre Milderung und Beseitigung binzuwirken und alle zuständigen Stellen des Reiches und des Staates für die weit- gehcndste Farderung der landwirtschaftlichen'Erzeugung zu iiuer- cssiercn. Diese Bemühungen sind auch nicht ganz ohne Erfolg geblieben. Die Erkenntnis, daß nur der Ertrag, den wir auf eigenem Boden durch eigene Arbeit erzielen, uns die Werte und Kräfte ver- fchnfft. die zum wirtschaftlichen Wiederaufbau unseres unglücklichen Baterlandes unerläßlich sind, bricht sich in immer weiteren Volks- kreifm Bahn. Indes für den Augenblick, das heißt für die Neberwindung der kritischen Zeit bis zur nächsten Ernte, ist damit noch wenig be- gönne». Wir müssen daher im Lande das Letzte noch zusammen- raffen, um unser Volk über die schwerste Zeit hinweg- zubringen. Ick folge daher gern der auS den großen Bcrbrauchcrbezirken an mich gelangten Aufforderung, den Landwirten ans Herz zu legen, zur Ucberwindung der zu erwartenden Ernahrungsschwierig- leiten dadurch beizutragen, daß sie ihrerseits aus freien Stücken alles, was in ihren Kräften steht, hergeben, nm daö Schlimmste abzuwenden. Wenn die Grenzen gegen Lebensmittel- ausfuhr hinreichend gesichert und den gewissenlosen Sub- jetten und ihren Helfershelfern, die aus schnöder Gewinnsucht ihrem Volk das Brot rauben und dem Auslände zuschieben, g r ü nd- lich das Handwerk gelegt wird und wenn weiter auf allen Seiten der gute Wille vorhanden ist und betätigt wird, so wird es sicher gelingen, unser Land und Volk vor schwerem Unheil zu br- wahren. Schafft Kohlen, öenn öas Hetreiüe verükrbt! Von einem Rittergutsbesitzer erhalten wir folgenden Brief. dessen Beachtung wir den zuständigen Stellen warm empfehlen: „Als Abonnent des„Vorwärts" lese ich soeben den Artikel von Erwin Barth„Die Not im Erzgebirge". Die geschilderten Zustände sind herzzerreißend. Im Namen der deutichen Landwirtschaft ruie ich Ihnen zu. und zwar in letzter Stunde, wenden Sie Ihren Ein- fluß an maßgebender Stelle auf, daß der Landwirtschaft Kohlen und nochmals Kohlen geliefert werden. Wir können nicht dreschen, das Getreide verfault in den Schober» und wird von den Mäuse» gefressen. Getreide ist genug vorhanden, der Not köuntc gesteuert werden." Im lveiteren fordert uns der Brieffchreibcr auf, unseren Ein- flüß geltend zu machen, damit die Landwirtschaft vyn Streiks und sonstigen Betriebsstörungen bewahrt bleibt. Denn dadurch wird die Nahrungsmittelproduktion immer mehr geschwächt und gehemmt. Der zerschlagene Phrasentopf. Tie dcutschnationalen Federhelden möchten sich eher die Zunge abbeißen, als zugestehen, daß die deutsche Regierung in der Auslieferungsfrage einen Erfolg errungen hat. In der alldeutschen Presse kehren dabei ständig folgende zwci Be- Häuptlingen wieder: Erstens: es liegt gar kein Erfolg vor, denn auch das jetzige Verlangen der Entente ist ebenso unerfüllbar und unausführbar, wie ihr ursprüngliches. Zweitens: Die Regierung verdankt den errungenen Erfolg allein der festen Haltung der alldeutschen iheken; eventuell müßten nur die Strafbestimmungen, den heutigen Verhältnissen entsprechend, erhöht werden. Scharfe Kontrolle der Bars, Dielen und des Nachtlebens durch gewaiidte und gewissenhafte Beamte wird es ermöglichen, den Haupiverkäufern da» Handwerk zu legen. Die Apotheken müssen wiederhost angewiesen werden. bei jedem Kokainrezept festzustellen, ob ein approbierter Arzt eS verschrieben hat. Gewiß, auch bei Verstopfung dieser hauptsächlichsten Aukaufsaucllen des Kokains wird der Kokainsüchüge Mittel und Wege finden, sich daS Gift zu verschaffen; sicherlich werden aber die behördlichen Maßnahmen dazu beitragen, den Kreis derer, welche sich der modernen Seuche anschließen, zu verkleinern. Tteuter. Im Theater i. d. Köniqgrätzer Straße ist die örslavsiühruug von„König Nicola" wegen Eriranlung eine» Hauptdarstellers auf die nächste Woche verschoben worden. Statt dessen jjm Sonnaverio Wedekinds„�ochloe Wetlerslein", am Sonntag Jbjens„Stützen der<»escll- schast". In dieser Vorstellung tritt Elle Lehmann zum eisten Male am. Das Mainzer Sladttbcatcr wurde von der Siadtoerwallung m Eigcnregie übernommen.— Die Mitglieder des L e i p z i q e r Stadt- tbealers traten wegen einer Zulagesorderung in Streik: das Theater wurde geschlossen. Aebnliche Porgänge hatten auch in Danzrg die Eiuilellung der Tbmtertäiigleit zur Folge.— Das« r a u d e n, e r Sladttbeater ist geschlossen worden, da die Stadt nicht in der Lage war, weitere gnanzielle Zuschüsse zu leisten. Gegen Stefan Grosnnann, den Tbeaterlritiker der„Voss. Zeitung" und Herausgeber des„Tagebuch", werden im neuen Hest ver„Wellbübne" beträchtliche Vorwürfe erhoben. Hatte schon JacobsohnZn der vorigen Rümmer seiner Zeilschrist bcbaupici. daß Krojjmann— z. r. Pseudonym— je nachdem sür N o S l e, sür Toller und dann wieder sur den Krön- v r i n z e n schreiben könne, so ist c-? nunmehr Viktor Varnowsty, der Leiter des L e! s i n g t h e a l c rs, der Grohmami einer nicht an« gänglichen Verquilkung leincr Krilikeriätigkeit mit geschäftlichen u n r e r II i h m u n g e II bc-chuldigt. Großmann wird zu diesen Anschul- digunzen Stellung zu ulhmen haben. Ludwig Hardt spricht Sonntag im„Meistersaal" abends 8 Uhr ernste und heilere Balladen von Goethe, Heine, Wedelind, Liliencron, Dehmel, Rilke, Heyn: dazu Schauipieierportrals. Eine Schubert-Morgenfeier siudet in den„ K a m m- r sp i e I- n" am LT Februar, II1/* Uhr, statt. Die Kapellmeiiter KlauS Bringiheim und Stclan Strasser spielen Schubcrische Originalrompo- s i t i o n c ii zu Klavier zu v>er HäuSen. Im Beethoven. Wagner-Äbend am 2l. Februar in der Musithoefc, schule mit verslörltcm Biüthncr-Lrchester werden unter anderem drei vsatze der 9. Sinsonie zur Aufiührung gelange!!. Tie SchrifritcUeriii Stcfania Goldenring, d>« üch als Ueber, ietzecin von Werken ruifiicher und polnischer Dichtung erhebliche oerdtknste erwarb. Nt in Berlin nach'chwcrer Uran weil geiiorb-u. Nicht»afteuk Bruno Wille dankt den sehr Vielen, Vre chu zum 60. Geburlstage grüßten:„Mir isl zumute wie einem Gärtner, der lange spröden Boden beackert dat und auf einmal überraschend mn Brüten, An- zeichen von Fruchtbarkeit, überschüttet wird. Aber, Freunde, nlm gilt es. nicht zu rasten, sondern erst recht zu arbeiten. Nichts aiideres lann;a ainfcr deutsches Volt und die Kultur retten, als gemeurnutztge Urbcit." Die erfte tri tisch 2 Auzcngruber-Audgnbe wird in Kürze im Rabmen der Deutschen Klasfiler-BtbUolhek("eiPSig. Hefte« Becke? Verlag) crscheinctn Herausgeber ist der Wiener Lenausorscher Pros. Dr. Eduard Castle. Nr. 91* 37. Jahrgang 1. Heilage öes vorwärts Vsnnerstaz, 19. Jebruar 1920 preußische Lanöesversammlung. 115. Siyung. Mittwoch, den 13. Februar 1S2l>. Am Regierungßtisch: Hirsch, Ha-nisch. Stegerwald. DaS Hau? berät zunächst den Gesetzentwurf über st e u e r« liche Vorrechte in e,nqemein beten OrtSteilen. Daö Gesetz bestimmt, dan die Spannung zwi'chen der steuerlichen Belastung der Sleuerpflichtigen der Hanptgemeinde und der der Steuerpflichtigen der nngemeindeten Ortsieile nicht überschritten werden darf.— Die Diskussion ergibt nichts Wesentliches. Der Eesetzentwur' wird dem Gemeindeausschuh überwiesen. Es folgt d'e Beratung des Antrages Dr. Friedberg sDem.), Dr. Port'ch Hergt(Dnat), Dr. v. Krauie-Oitpreuhen uni Aussetzung der Wahlen zu den Eltern- beiräien und nnverzügliche Prüiung der Erlasse über Eltern- beträte durch den verstärtieli UnterrichtSauSschuh. Ministenaldirekior Jahukc: Die Elternabende baben nicht die von uns ersoarlele Ausspräche zwischen Ellern und Schule herbei« geführt; darum haben wir bis Elternbeiräte früher eingeführt. als ursprünglich beabsichtigt war. Wir betiachten diese durchaus nur als eine Vertretung der Eltern- s ch a f t i die Lehrer baben keinen Anspruch auf Vorsig oder Stimme in ihnen. Durch die Aussprache im engeren Eltern- lreise des Beirats wird jetzt dem Geklntsch und Gerede, da» jetzt den Schulbeirieb häufig stört, der Giüzabn ausgebrochen. Bei dieien AuSiprachen muh der Elieinbeirar unter fich fein. Wir halten das L i st e n w a b l s h st e m für das relativ beste, weil eS auch die Minderheit zu Worte komme» läht. Durch die Eltern» beitalSwahlen wird der p o l i t i i ch e Kampf nicht erst in die Schule Hineingelragen, denn er ist bereits da. Dah Irrtümer in den Erlassen über die Elicrnbcirnt« vorgekommen sind, geben wir zu. bmer Wille war aber nicht vorhanden. Die Elternbeiräte waren e r n Versuch und als solchen bitten wir ihn zu be rgchien. Lasten Sic uns darum chie Freiheit, den Erlah durch, ukühren. Für ctiic» Versuch ist der Weg des Gefetz-S zu stark. Wenn die Er« fahiiliigen mit dem Erlah vorliegen, werden wir gern an eine Ab- änderiing bcraiilceteii. Abg. Linz-Barmcn tDnat.): Wir find keine Freunde des Räte- syftem». in den, Elternbeiräten leben aber gesunde Grundiäye. die wir als Abschlagzahlung auf unier Ideal, der S ch u l g e m e r nde, betrachten. Die Schulpolitik war in der Verganaenbeit in der Hauptsache Machtpolitrk sSlüriruscher Beifall und andauernde Heiter- kert links), deshalb fordern wir die freie Schulgemeindr. Durch das Listenwahl'ystem wird die Politik in die Schule geradezu hineingetragen. Die Elternbeiräte find nur das Mittel zur rest- losen Sozialisierung der Schule und zur Berdrän« gung der Religion. sGeläckter links.) Sie(zu den Soz.) sind groß darin, Ihren Gegnern unlautere Motive zu unter- schieben, dos ist Jh:e Moral mit doppeltem Boden. (Präsident Lein er:: Ich nehme an. daß dieser Vorwurf sich nicht gegen Mitglieder deS Hau' es richtet!) Ich habe nicht einzelne Per- sonen, sondern das volnische System im Auge. Die Wahlen zum Berliner VezirkSlcbrcrrat haben den Sozialdemokraten eine ver- nicfctende Niederlage bereiter. In Neukölln sogar hat der christliche ßleda ke einen großen Sieg erfochten. ' Ministerialdirektor Jahnke weist die unbegründeten Angriffe de! Vorredner« zurück. Abg. Dr. Boelitz(D Vp.): Die Elternbeiräte sind uns lehr sympathisch. Die Eltern lernen dadurch erst die Tätigkeit der Lehrer schätzen. Die Erllärrmg der Regierung kann uns nicht zur Zurückziehiing in, leres Antrage« veranlassen. Vorläufig müsien die Wahlen ausgesetzt werden. Abg. Otto(Dem.): Wir haben der Einführung der Elternbei« räte durchaus zugenimml, aber ihre Wahl zum Beginn de« neuen Schiltjahres gewünscht. Da die Regierung setzt erklärt, dah die Gemeinden die Wahlen hinausschieben können, wenn eS ihnen wünschenswert erscheint, sehen wir unseren Antrag als er- ledigt an und ziehen ihn hiermit zurück. Gegen das Wahl- verfahren baben wir allerlei Bedenken. Der Schutz der Mniderbeileii liehe sich wohl auch aus anderem Wege erreichen. Wenn die Elternbeiräte nur ein Jahr in Tätigkeit bleiben sollen, so alauben wir. diesen Versuch wagen zu sollen und stellen unsere Bedenlen gegen Einzelheiten zurück. Deip.ich wird die Besprechung abgebrochen. DaS Hans vertagt sich rtni DomierStag 12 Nhr: Zuschläge im Güter- und T'ervcrlehr der Eiienbalrn-n. Weilerberatung. Schluß 5'/4 llbr. Groß�erün Cine Tote verbrannt. Im Hause Stralauer Allee 29a hat eine Pföriners- wirwe Ottilie F l ä h m e r m Gemeinschaft mit ihrer IZjShrigen Tochter Gertrud die Leiche einer einsam ver» storbenen 70 Jahre alten Witwe Emilie Tiller� die mit ihr auf gleichem Flur wohnte, in der Wasch! n ch e verbrannt, um sich in den Besitz ihrer Sinierlassen- schast zu setzen. Ob Frau Tiller wirklich eines natür- lichen Todes gestorben oder vielleicht erstickt worden ist, bedarf noch der Ausklärung. Kühl und sachlich, wie es sich gehört, meldet ein Polizei- bericht, daß im Aahre 192(1 in der von drei Millionen dicht nebeneinander lebenden Menschen bewohnten Weltstadt Ber- lin, eine Frau die Leiche einer anderen verbrannt hat. Wesent- lich ist die Feststellung, daß dieses nicht in den Uranfängen der Menschheit geschah, sondern vor einigen Tagen. Man forscht nach irgendwelchen Beweggründen, die es vielleicht, ganz sachlich begründet erscheinen ließen, daß ie- mand sich den unglaublichen Schwierigkeiten einer solchen Tat unterzieht, in der Aussicht auf einen hohen Gewinn, aus- reichend für das ganze spätere Leben. Man erhält zur Ant- wort: Ter Gewinn besteht in einigen armseligen Möbel- stücken, einem Bett, einem Sofa, einem Tisch, einem Schrank, einer Kommode und einigen Stühlen; ferner gehören dazu einige Bilder, eine Uhr und ein paar Küchenmöbel, einige Tövfe, Tassen, Teller. Eßbestecke— kurz, der Besitz einer armen alten Frau, die eine winzige Stube und ein Lock» von einer Küche bewohnt. Nicht zu vergessen ist ein Sparkassen- buch mit einigen hundert Mark Ersparnissen. Was sie bestenfalls kriegen würde, wußte also die Frau, denn sie pflegte die 79jährige und war viel in ihrer Woh- nung. Sie wußte, daß sie mit den Möbeln ihre eigene kleine Wolrnung(die übriaens ausreichend möbliert war) besser ausstatten konnte. Sie wußte, daß die paar hundert Mark in längstens zwei Monaten verbraucht sein mußten. Mit diesem Augenblicksgewinn erschien ihr die Tat ausreichend bezahlt. Und ein Begräbnis, ein Begräbnis konnte Erben her- beilocken. Sie beratschlagte nach dem Tode ber Frau mit ihrer Tochter, umstrickte dieses ISicihrige Mädchen(das sicher auch tanzte, froh war und geliebt, wurde) mit der Aussicht auf den„Gewinn". Beide schritten zur Tat, vollführten die mechanisch schreckliche Teilung der Leiche. War eS Nacht? Gitterten die Känds dieser Frauen? Ein Sack nahm die Teile o"f. TaS glühende Herdloeb dckr Waschküche den Sack. Ein Kessel Wasser kochte darauf. Tie Frauen standen dabei und warteten auf die Arbeit der Flammen, sicher, daß ihnen de?..Gewinn" jett nicht mehr entging. Am anderen Taos Gewinnteilung. Man stelle sich vor, daß Mutter und Tochter sich dabei in'die Augen blickten. Sie besuchten vielleicht ein Kaffee, ein Konzert, ein Theater. borten tlott? Gafienbauer. Wenn einer ein Scherzwort saate, kroch eS ihnen vielleicht kalt über den Rucken. Biel- leicht...? Man hat ihnen die Frage vorgelegt:„Warum?"— Schweigen. Dies ist kein Kriminalfall, sondern ein Fall der Feit. K. Um die Einheitlichkeit in der Schulverwaktnng. Eine ver' wichtigsten Frngen kür die kommende EinbeitS- gemeinde Groß• Berlin ist jetzt ansoerollt worden. Der Stodtver- ordnete Cassel bat mit llnterstlitzung sämtlicher Frak« tionen der Berliner Stadtverordnetenversammlung folgenden dringlichen Antrag nnterbreitet. der schon beute in der Stadt- verordnetenveriammlung ,nr Beratung kommen soll:„Die Stadt- verordnetenveriammlnnz bält eS für erforderlich, daß in der einen großen Stadtgemeinde Berlin die Schulverwaltung e i n b e i t l i ch verwaltet wird, unbeschadet des Rechtes der BezirkSbebörden. an dieser Versammlung reUzunehmen. Sollte eS zu einer solchen Einheitlichkeit nicht kommen, io ist unbedingt für die bisherige Sladtgemeinde Berlin die Zerschlagung ihres Schulweiens zu vermeiden. und eine Schuldeviitaiion mit den bisherigen Be- fugiitsien aizfrechtzucrbal'en. Die Stadtverordnsleitvsisammlrlng er« sucht den Magistrat, sofort die hierzu erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen." Nach dem RzqreningSentwurf über die Schaffung einer einlieit« lichen Gemeinde Groß-Berlin tollen>n den iämillchen neu gc'chofieneii Verwaltuiigsdezirlen eigene SÄuldrpulaiionen, dcsondere Medizinal- abteilungen usw. errichtet werden. Gegen diese Absicht richtet sich ver vorstehende Antrag. » Ein Stadtverordneien-AuZschuß hat sich eingebend mit dem Antrage der beiden ioziaidemokrallichen Fraktionen über Errichrung eines städli'chen Kleingarte»«und Siedlungs- amtes beichäingt. Es wurde einstinnnrg iolgendcr Antrag zum Beschluß erhoben:„Der Ausschuß empiiedlt der Stadivcrord« nelenveriammlung grundsätzlich die Annahme des Anrrogcs wegen Errichrung eines siädiiichen Äieingarlen- und SiedlungSamlcs Dre Stadtverordnelenvenommlung ersucht den Magistrat, mir bei Gemeinden des künitigen Groß-Berlin wegen Schaffung eines g e m einsamen Kleingarten» und Siedln ngSomte sofort in Verbindung zu treten." « Die Unabhängigen haben der Berliner Str. diberord- netenveriammlung einen Antrag unter breitet, wonach der Magistrat eriutM wird, geeignete Maßnahmen zu ergreisen, um den legilinien Straßen hau bei gegen Uebergrifse der Polizei zu schützen._ Nur ein Prozent Todesfälle bei der Grippe. Die neue Grchpervelle. die zurzeit durch die Welt gebt tritt sebr befug auch in Berlin zutage. Die Folge der zablr. chen Er' Irankungerr ist eine Ueberiüllring der Krankenhäuser, der die Stad Beilin durch Bereitstellung immer neuer Beilen»och Möglichleit entgegenarbeitet Leider macht fich ein erheblicher Mangel au weiblichem P> l e g e p e r' o n a l bemerkbar, sowohl im An- stalisbetrirb wie iiir die häusliche Krankenpflege. Es ist dies um io auffallender, als doch zahlreiche im Kriege bewährte Krankenschwestern vorbanden sein muffen, die nach Knegsichluß in die Familie oder in andere Beruse zui ückgclebrt sind. Im übrigen ist die schwere der fetzigen Grippe-Epidemien bisher mit der des Jahres l9G nicht zu vergleichen. Selbst die biSder höchste Zahl täglicher Kran' Meldungen bei der Allgemeinen OrlSkrankenlaiien der Stadt Bit!» bleibt mit 894 noch unter der halben Höbe der Höci' Meldungen im Oktober 1913, die damals 1737 beirng. Da nach den Erfahrungen srükerer Zeit die einzelnen Grippe wellen selten länger al« 0—8 Wochen anhalien, und wir uns bereits in der 8. Woche des Wiederanstiegs befinden, ist z» hoffen, daß die Epidemie nickt zur vollen Höbe des Vorjahre« emporschnellen, viel- mehr in kurzer Zeit wieder adslauen irird� Die Sierblichlcir der Erkrankten rst übrigens nicht allzu boK i von 4000 in den ersten l0 Februartagen'«meldeten Ertränkte� sind 4 4 gestorben, das sind etwas über 1 Prozent der Ei> krankten._ pa?te!funktionZre, öetrwbsvectrsuensleute, flagc stellten- u.Heamtenvertreter�rbeiterräteüerS.p.D.! Freitag, de« 20. Februar, abend« 6 Uhr: Allgemeine Fmiktronär. Versammlung im„Deut che» Hoj", Luckauer Str. 15. TageSordn!- 1. Die Sozialdcmolratir und die Aiiölieierungsiragc. Ret.: G nossc Ulrich Railicher. 2. Die BetriebSratöwahlen. Bollzahligc Erscheinen aller Funttivnäre ist erforderlich. Ter Bezirksvorstand. i Bon der Post. .. Infolge deS gesieigerlen Bedarfs an bochweriigen Marken, di früher allgemein im Kupfer-Handdriickverfahren Kerge--j stellt wurden, bat die Reichsdruckerei dazu übergeben müsien, dir». iieugeichaffenen Werie zu 1.25, 1,60 und 2,60 M. in Otii et druck herzustellen, der die Mastenanferiigung ermöglicht Außer dieie» neuen Offsetdruckmarken, deren Ausgabe in etwa 2 Wochen begiuni, werden noch Ueberdruckmarken m Kupserdruck, diese in etwa l'/, Monate», in den Verkehr gegeben iverden. Mit der Ausgabe der neuen Offsetdinckmarkcn wird den Klagen über z» geringe Be» 29) ?an Krebsereuter. Seine Taten. Fahrten und Meinungen. Aufgezeichner von HanS Müller-Schlöffer. Aber der alte Kanehl würde sein spöttisches, meckerndes Lachen hören lassen, was ihm Frau Höffgens sehr llbelneh- men würde. „Herr Kanehl, bat muß ich Ihnen sagen, dat ist eine tSchand von ihnen, bei so'ne traurige Fall zu lachen, bat), ist dat schändlich von Ihnen! Aber das kömmt bloß, weil Sie kein' Religon inHaben, weil Sie an keinen Gott glauben und an nix. Sie sollten dran denken, dat Sie eines Tages auch im Sarg liegen, aber dann ist es zu spät!" „Wenn ich den Deckel auf der Nas' Hab'. Frau Höffgens," würde der alle Kanehl erwidern,„dann ist alles am End'. dann spür' ich nit mal wat von den Würmern, die mir in der Nas' kitzeln. So schön, Frau Hölsgens, ist dat Leben nit, dat ich vor dem Tot Anast bau sollt. Wat war' dat ein Leben. schlimmer als in der Holl', wenn man nit wüßt', dat der Tot dat End' ist." Die Madam Krüll würde ibken Kerzenstand im Stiche lassen und nach der Zitadellsiraße laufen. „Oh la, lo. der arme kleine Jean! Oh, die arme bdte! Er wird aar nischt trink' aus die schöne Becher auf meine Gesundheit. Oh,«zuella mullieurl Oh, les pauvroa par�nts!" Und sie wurde mit dem Kopfe schütteln, daß die grauen Stirnlöckchen zittern und die großen Ohrringe klirren würden. Ferdinand Onaddelmechel würde mit dem rechten Zeige- finger in die linke Hand tippen und sagen: „So traurig es ist. und wenn er auch mein Patenkind gewesen ist, aber jetzt, wo der Jung bot ist, kann ich es ja sogen, dat er auf seinen Vatte? kam; er hatt' kein' Ma- nieren!" „Tat sag' ich auch, Herr Onaddelmechel." würde ihm der Schneider Huberti eifrig beistimmen,„mit dem. Jungen hätt'S mal ein böS End' gegeben. Er hatt' keinen Respekt vor der Obrigkeit!" Und damit meinte er sich, denn als Billctteur hiest er sich auch für ein Stückchen Obrigkeit. - Sein Pater GradeS würde sich in sein roteS Sacktuch schnauzen und. wenn das noch nicht helfen sollte, mit seiner Kielwasserschaufel über die Augen fahren. „Der Jimg— der Jung— hm, hm— der Jung ist mir ein bißchen zu rasch Hafen Jbinnen gekommen." Seine Mutter aber würde am Sarge sitzen, den Kopf auf die harte Kante gelegt, seine kalte Hand fest in der ihrigen halten, um sie zu erwärmen; sie wllvde gar nichts sagen, seine kleine, zarte, stille Mutter, sie würde bloß laut» tos weinen-- Und Jan, wie er sich das vorstellte, fühlte, wie ihm has Herz anfing zu klopfen, wie seine Augen heiß wurden und wie die Tränen über seine Backen rcllten, rechts und links herab, bis in die Obren hinein, wo sie ihn kitzelten. Aber wegputzen konnte er sie nicht, weil er sich nicht rühren durfte. Und langsam fielen ihm die Augendecke! zu, und als die letzte Trane den vorangegangenen durch die feuchte Rinne nachfloß, schlief er schon.— Plötzlich wurde er wach. Aufgeregte Stimmen und daS Gepolter vieler Schritte karren näher. Jan hatte die Augen aufgerissen; aber schwarze Finsternis umgab ihn, und tzine muffige, stickige Luft lag ibm beengend auf der Brust. Er wollte sich aufricktcn, konnte es aber erst nach einigen Ver- suchen, denn er nwr steisgef'-oren. Als er den Kops hob, � stieß er mit der Nase irgendwo gegen. Es mar der Sarg- l decke!, an den er nicht mehr dachte. Er wußte nicht mehr, wo er war. Tie Schuttern, die hart gegen die Seitenwände des Sarges lagen, schmerzten ihn. In einer plötzlichen Angst schlug er wilZ» um sich. Der Sargdeckel flog krachend zu Voden. Im gleichen Augenblicke wurde die Tür geöffnet; daS Geflacker zweier Laternen drang herein. Ein heißer Schreck überlief ihn; er hatte die Stimme feine? Vaters gehört. Mit einem Ruck letzte er sich in dem Sarge und schaute in vollständiger Verwirrung um sich. Starr vor lleberraschung blieben die Leute stehen. „Jan!" rief Grades mit einer Stimme, vor der Jon ins Zittern kam. „Da ist der Jänl" schrie Tünnes, der mit unter den Leuten war. Jetzt erkannte Jan, der allmählich zu sich kam, seinen Vater, seinen Paten Onaddelmechel, den Theatermeister, den Schneider Huberti und Tünnes. Tünnes hatte den Weg gewiesen, wenn er sich auch vor Angst kaum hatte auf den Beinen halten können. Als Jan den Abend nicht nach Hause gekommen war, hatten seine Eitern sich beim Tünnes nach ihm erkundigt. Tünnes hatte zuerst von nichts wissen wollen, als aber Grades seine Hand ihm auf die Schulter gelegt hatte, seine Hand, die ihm wie ein Klotz Blei vorkam.' und als die hellblauen Augen ihn angefunkelt hatten, da war er mitteilsam geworden urnd hatte erzählt, wie sie ins Theater gekrochen und wider hinausgc- schlüpft waren. Jan aber wäre zurückgeblieben und säße jetzt wahrscheinlich fein im Zuschauerraum und hörte sich die Räuber an. Aber im Zuschauerraum war er nicht gwosen, und so ! hatte Tünnes schließlich den Vieren den Weg in den Keller gewiesen. „Jan!" rief Grades wieder,„Jung, wat hast du denn hier getan?"'/l .-Ich— ick»— ich Hab' hier geschlafen. Votier."' „Geschlafen? In dem Sarg?" „Eja. Und ich bin froh, dat ihr mich geweckt habt, dcnnl ich merk', dat Liegen im Sarg ist unbequem, wenn man nochj lebendig ist." In Grades' Gesicht zuckte es und um die blinkenden Augen herum bildeten sich zahllose, zuckende Fältchen. Tie Sorge und der Zorn waren verschwunden, und über sein ganzes Gesicht hatte sich ein fröhliches Lachen ausgebrütet. ..Ich sag'. Jung, für dich wären ja eigentlich zwei Ellen Trossen gut, du Teuwclskröt'I" „Oder ein Lattenstück!" vollendete der erzürnte Theater- meister. „Aber," fuhr Grades fort,„lebendig im Sarg gelegen, ist Straf' genug. Komm!" Er half ihn. ans dem Sarge klettern. „Tot muß ich aber mit Erlaubnis sagen, Grades," sagte Ouoddelmechol und schüttelte heftig den Kopf,„wenn dat Erziebungsmanieren sein sollen, dann will ich mieft über nisL, mähr wundern! Läuft man da mitten in der Nacht mit, urrnu- den Donnerkeils-Jung zu suchen, bringt sich um den bcsteden Schlaf und muß sich obendrein schwor) und blau ärgern übeu«- dein' Manier'! Ich tat' ihm noch hintereinander Zuckcr'Nfl plätzkes traktieren I"—«de Als Jan nach Hause kam und die rotgeweinten Anger seiner Mutter sah, wurde es ihm doch schwer nms Herz, und'" er faßte den Vorsatz, seinen Eltern von nun ab keinen Kinn- mcr mehr zu machen. und das zu werden, was die Ueberschrift de» nächsten Kapitel» sogt.(Forts, folgt.) lieferung der Posianstalien mit doäwertigen Marken abgeholfen sein. — Von jetzl an werden im Ober-PostdirektionSbezirl Berlin an Sonn« und allgemeinen Feiertagen die Postsckialler für den Post- dienst nur noch von 8 bis 9 Ubr�vormittags offengehalten werden. Die Annahme von Paketen ist auf dringende beschränkr. P o st- anweisungen und Zählkarten, abgesehen von telegraphi- scheu, sowie Wertbriefe sind von der Annahme aus- geschlossen. Die Annahmegelegenheiten für Telegramme und Rohrpostsendungen bleiben unverändert.— Im Verkehr zwischen der Rheinpsal� und dem unbesetzten Deutschland sind alle noch bestehenden Einschränkungen des PoftverkebrS aui- gehoben. Nur be,üglich der Zeitungen und sonstigen Druck- werke verbleibt es vorläufig bei den bisherigen Bestimmungen. Ferner sind die noch bestehenden Beschränkungen im Postäus« traqS-, Nachnahme-, PofianweisungS-, Zahlungsanweisungs-, Zählkarten-, Wertbrief- und Wertpakeiverkehr zwischen den übrigen Teilen der französischen BesatzungSzone sausschlicfilich des zum Saargebiet gehörigen Teils) und dem unbesetzten Deutschland sortgeiallen; dieser Verkehr regelt sich fortan noch den allgemeinen deutschen Vorschriften.— Von der italienischen und schweizerischen Postverwaltung wird darüber geklagt, dah ein großer Teil der aus Deutschland stammenden Pakete mit Wertangabe in wenig haltbares Papier verpackt und mit Papier bindsaden umschnürt sei; außerdem würden durch Pakete. die mit schneidenden Eisenbändern umschnürt sind, Itn- zuträglichkeiten in ihrem Dienfibeirieb hervorgerufen. Da die beiden Verwaltungen angekündigt haben, daß sie künftig Vaketiendungen mit ungenügender oder unzweck- mäßiaer Verpackung und Verichnürung zurückweisen werden, sind die Postanstalten angewiesen worden, auf eine ausreichende Verpackung der Pakete, vor allem der Wertpakete, besonders sorg« sältig zu achten und Pakete, deren Umschnürung aus Metallbändern mir scharten Rändern besteht oder nicht genügend fest und wider- standSfähig ist, nicht anzunehmen. Postsendungen nach dem von den Italienern besetzten Gebiet Tirols unterliegen nicht mehr den im Verkehr mit Oesterreich geltenden ermäßigten Sätzen, sondern den Gebühren für Sendungen nach Italien. Nach dem Freistaat D o n z i g werden gewöhnliche und Wert- pokete wieder angenommen, jedoch nur auf Gefahr des Absenders. Das Millionenhalsband in Paris aufgefunden. Der aufsehenerregende Perlenhalsband- Diebstahl, der am SS. Januar in der Villa des Kommerzienrats Friedman» in der Rauchstraße verübt wurde, ist jetzt restlos auigeklärt. Seit gestern abend befindet sich der Bestohlene wieder im Besitz des Schmuckstücke?.— Wie wir berichteten, war eS der Kriminalpolizei zunächst gelungen, den Dieb, der sich als Beauftragter der Kohlenstelle und Elektrizilätsrevisor Einlaß in die Villa verschafft hatte, in der Person eines Elektromonteurs Paul W i ch m a n n in Hamburg festzunehmen, als er gerade im Begriff stand, mit dem Erlös aus dem Verkauf des Schmuckstückes nach Dänemark zu flüchten. Wichmann, ein wiederholt vorbestrafter Mensch, der gewerbsmäßig als.LeitunaSrevisor" Diebstähle verübte, gestand nicht nur den Diebstahl bei seinem Verhör aus dem Berliner Polizeipräsidium ein, sondern gab auch an, daß er die Perlenkette in dem Goldankaufsgeschäst von Weinstock in der Mohrenstraße für 50 090 M. verkaust habe. In dem Geschäft fanden die Kommissare Notizen, auS denen her- vorging, daß das Perlenhalsband von Weinstock gekauft worden war. Später stellte sich dann heraus, daß es an einem gewissen Süßmann in Paris weiterverkauft worden war. Ilm die Kette wieder herbeizuschaffen, bedienten sich die Kriminalkommissare einer Bertrauensperion, die nach Paris fuhr und dort Süßmann zu be- wegen wußte, den Verkauf rückgängig zu machen. Gestern abend traf der Beauftragte mit dem kostbaren Schmuckstück wieder in Berlin ein._ Verkaufspreise für Kerzen. Die von dem ReichswirtichastS- Ministerium festgesetzten Berkaufspreise sür Kerzen betragen für den Monat Februar: sür da? SOO-Gramm-Paket 7,15 M., einzelne 6ct Kerze 1,20 M., einzelne 8er Kerze SO Pf., für das g30-Gr.-Paket 4.72 M., die einzelne Oer Kerze 79 Ps,, die einzelne 8er Kerze 69 Pf. N a ch t l i ck, t e: Schachtel mit 250 Gramm 6 M.. Schachtel mit 220 Gramm. 5, 30 M. Schachtel mit 200 Gramm 4,80 M. Tie Studentrnwahken haben an den ersten beiden Tagen der vereinigten Liste sozialistischer Studenten schöne Erfolge gebracht, so daß die Stimmzabl des Vorjahres bereits erheblich überboten werden konnte. Der heutige letzte Wahltag gibt noch einmal allen sozialistischen Akademikern Gelegenheit, ihre Simme für die Liste sozialistischer Studenten abzugeben. Mordübersall in NeudabelSberg. Die Stenotypistin und Bureau- Hilfsarbeiterin im Reichsministerium des Innern, Fräulein Grote, wurde dieser Tage vor ihrer Wohnung in Neubabelsberg von einigen Männern überfallen und, als sie sich hilserufcnd zur Flucht wandte, von einem der Verbrecher durch einem Revolversckuß niederge st reckt. Die Bedauernswerte ist einige Tage darauf im Oberliu-Krankenhaus in Nowawes ihren schweren Verletzungen erlegen. Die Verbrecher konnten leider unentdeckt fliehen. Sie sind bis heute noch nicht ergriffen. Die Rartenkontrolleurln spielt eine Schwindlerin, die es auf Lebensmittelkarten abgesehen hat. Ein Mädchen von etwa 26 Jahren besucht harmlose Leute und spiegelt ihnen vor, daß sie vom Magistrat komme, um die Lebensmittelkarten zu kon- tollieren. Sie läßt sich alle Karten der Familie geben und erklärt dann, daß sie gegen andere umgetauscht werden müßten. Sie nimmt die Karten auch gleich mit. Ilm die Leute ganz sicher zu machen, schlägt sie vor, ihr ein Kind mitzugeben, daß die eingetauschten Karten gleich nach Hause bringen könne. Mit dem Kinde gebt dann die Schwindlerin kreuz und quer durch einige Straßen, bis sie Gelegenheit findet, es zu versetzen. Die Schwind« lerin, die aus diese Weise schon viele Karten erbeutet bat. ist 1,82 Meter groß, hat schwarzes Haar, ein längliches, blasses Ge- ficht, aufgeworfene Lippen und eine auffallend tiefe Stimme und trug zuletzt einen braunen Ulster mit Pelzkragen und einen grauen Filzhut. Deutsche Liga für Völkerbund, lieber den.Imperialismus und seine Neberwindung" spricht Sonnabend 4 Uhr Dr. Adolf KrabowSky Unter den Linden 78. Ei« Berliner Arthur-?!ikisch> Jubiläum. DaS letzte p b i I> harmonische Konzert dieses Winters, am 1. März, schließt die 25. Saison ab, die Arthur Nikisch dirigiert hat. Nie hat er in all den Iabren ew anderweitiges Angebot angenommen, das die philbarmoniichen Konzerte bätte beeinträchtigen können. Erst der Eiscnbahnerstreii im vorigen Jahre bewirkte. daß Nikisch zum ersten und einzigen Male ein phiibarmoniicheS Konzert absagen mußte. DaS Orcheiter will setzt leinen Meister gebührend leiern. Eine geiischrijt von Pros. Dr. Weißmänn wird Nilitch würdigen und sämtliche Programme der letzten 25 Jahre enthalten. Nilisch dirigiert am 1. März dasselbe Programm, mit dem er sieb bei seinem rften Austrelen in den philharmonischen Konzerten eingesührt hat. Zentralverbnnd der Invaliden und Eewerbsbeschränkten. Ver- sammiung deute 6 Uhr im Realgymnasium Elisabethstraße 57/58» Gesangs- zimmer, 2 Tr. r. Empfänger von Militär- Versorguugsgebühr»Issen fPenfionen, Renten und.Hinterblicbenenbezügen) werden an die pünt-Iiche Abholung ihrer Gebührnisse am kommenden Hauptzabliage— 25. Februar— erinnert. Für die glatte Abwicklung dcS RentenzahlgeschästS bei den Post- anslalten ist die pünktliche Abhebung der Beträge unbedingt notwendig. Empsänaer, die zur Abholung am Hauptzahltage nicht in der Lage sind. werden dringend ersucht, unter allen Umständen die Beträge spätesten? noch im Fälltgkcitsmonat— Monat März— abzuheben. Wilmersdorf-Schmargendorf. Tie Schüler-Wteilungen der Nord- gruppe vom 4. Bezirk im 1. Kreis de? Llrbciter-Tuni- und Sport-Bundcs veranstalten am Sonntag, den 22. d, MtS., vorm, 9 Uhr, in der Turnhalle der Lberrealschuie am Hindeuburgpalk, unweN WUbelwsaue, ein Hallen- W e t l- T u r n c n. Nachmittags um 6 Uhr sindet in der Aula zum Bc/Ien des Spielplatzes der»Freien Turnerschaft' ein Kunstabcnd statt. Groh-Berliner Lebensmittel. Moriendorf- Südende. 8 a bis 3 c der Karwffelkarie 3 Psd. Kartoffeln; 8d und 8 e: 2 Psd, Kohlrübe»; 8f und 8g: 250 Gramm Hülsen. srüchlc. Ferner 250 Gramm Jerealicnmchl; sür Jugendliche: 400 Gramm Shrup, Fn den Gcmeindeladen: Krastwurze.Biandal". Für Kriegsbeschädigte: 500 Gramm Sago. Aus Krantcnmilchkarte: 1 Dose Preißel- beeren. � Steglitz. 125 Gramm Weizengrieß, 250 Gramm Haferflocken, 100 Gramm Morgcnlrank, 250 Gramm Teigwaren. Friedrichsfelde. 3 Psd. Karloffcln, Als Ersatz sür die fehlenden Kartoffeln 125 Gramm Teigwaren sAbjchnitt cl).— Roßfleisch-Karten werde» bis zu»r 20. Februar im Ernährungsamt, Wilbelmstr. 9, verausgabt. Lecbteubcrg. Voranmeldung biZ Donnerstag: 250 Gramm Zereal- mchl(451 iE, J. G. K S.) Aus die Abschnitte 8a und b der Kartoffelkarte 2 Pfund Kartoffeln auf 80. 250 Gramm geschälte Hülsenfrüchke.— 250 Gramm Lbstmus(452 E. J, 6. K. S.) Reinickendorf..Kinderkarte A: 1 Pfund Gerstcnmebl, 4 Pakete Zwieback, 3 Pakete Milchsüßipeise. Kinderkartc B und C: 1 Psund Gersten« mehf, 3 Pakete Keks, 3 Pakete Milchsüßipeise. Hroß-Serliner yorteinachrichtea. ZI.«. Ikl. Gemeindelchule. Eltern, deren Kinder die 31. und 16t Gemeindeschule besuchen, werden zu einer Versammlung am Freitag 7 Ubr in der Schulaula, Eeorgcntirchstr, 2, eingeladen. Referent: Lehrer H. Bablte, 36. Abt. Parteigenossen und.Vorwärts'-Leser, deren Kinder die 241. Gemeindejchule und die 250. Gemeindeschule, beide Wattsw. 16. be- suchen, werden gebeten, ihre Adressen dem Genossen Tedt, Wattstr. 10, Hos links l, mitzuteilen. Ebenso d:e Eltern, deren Kinder die 73. Ge- meindeschulc für Mädchen, Grenzstr. 8 und die 147. Gemeindeschule, Diesen- straße 66. besuchen, dem Genossen Lange, Grenzstr. 20. Arbeitsgruppe Gesundbrunnen. 33.-36, 44. und 45, Abteilung: beut« 7 Uhr Sitzung bei Haack. Swinemünder Str. 53. Erscheinen der Kassierer zwecks Abrechnung erwünscht. Lithographen. Stcindrucker. Ehemigraphen«ud verwaudte Berufe der S. P. T. Heute 5 Uhr: Versammlung bei Henning, Alexandrincnstraße, nabe Komnrandgiitenstraße. Mitgliedsbuch legitimiert. Achtung. Eltern!— Andreaö-Gymnasium. Eltern, die Partei- Mitglieder oder„Vorwärts'lescr find und deren Kinder daS AndreaS-Real- gynrnasium besuchen, wollen ihre Adreffe Seim Genossen Georg Buchmaim, Stralauer Allee 25, sofort angeben. Jungsozialiftische Bereinigung(S. P. D.I. Ortsgruppe Süden: Heute 71/, Uhr im eanle der juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, 1.'Hos, Part.—'Ortsgruvpe Osten: Heute 7'/, Uhr bei Vorratb, Romintener Straße 21.— Ortsgruppe Norden: Heute VI, Uhr bei Bärwalde, Schlegelstraße 8. Eharlottenburg. Durch Anordnung der Regierung in Potsdam find die Wahlen zu den Elternbeiräten nur sür Cbarlollsnburg bis zum 7. Marz verschoben worden. Zu einer dringenden Besprechung werden die Gruppensübrer und Wablvorstande zum Donnerstag 3'/, in daS SitzungS- zimmer 4 des Eharlottenburger Rathauses eingeladen. Wilmersdorf. Heule 70, Uhr Mitgliederversammlung in der Aula deS BismarckgvmnasiumS, Psalzburger Straße. Friedrichsfelde. Heute abend 71/, Ubr bei Haberland, Wilhelm- straße 38: Besprechung wegen der ElternbeiratSwahlen. Silüungsveranftaltungen. Bildungsimsschuft Groft-Berli». Sonntag, den 22. Februar. 7 Uhr in der Festhalle des SladthauscS, Klosterslr. 74. B e b e l f« i e r. Mitwirkende: Genosse Wilhelm Psannkuch, Lamblnon-Ouartett und Fräulein Elsricde Jod». Ter Kartenvertaus ist bereits geschlossen. Programme(Er- innerungSblätter). a 1 M,, noch im Bureau des BildungsauSschuffeS, Lindenstr. 3, 2. Hos IV, Zimmer 10. Geöffnet oon 9— 4 Ubr. Donnerstags von 9—1 Uhr und 5—8 Uhr nachmittags.— Märchenvorlesung am Sonntag, den 22. Februar, nachmittags 4 Uhr, in der schul aula, Greisen- Hagener Sir. 53. Bildungsschule Groft-Berli«. Der BortragszytluS des Genoffen Adols Cohen über Betriebsräte und Gewerkschasten iür die Gruppe Nord- osten-Zentrum beginnt nicht Donnerstag, den 19. Februar, sondern am Donnerstag, den 26, Februar, abeudS 7 Uhr, im Königstädtischen Lyzeum, Gesangssaal, Greisswalder Str. 25. Potsdam. Bebel-Gedentseier Sonnabend 7>/» Ubr in der Aula de« Viltoria-GymnasiumS bestehend aus Vortrögen, Gelang und Rezitatton. Gen. Eduard Bernstein ivird die Festrede halten. Karlen tm Parteibureau, Waiseustr. 24.— VolkSvorstelluug im Schauspiclhause Sonntag 2>/. Uhr. Zur Aufführung gelangt:.Nora', Schauspiel in 3 Auszügen von Ibsen, Eintrittskarten im Parteibureau in der Expedition der»Freiheit', Schwert- segerstraße._ Srlefkasten der Redaktion. G. W. 1. Wenden Sie sich unter Darlegung Ihrer Oerhältuife schristüch an das Wohnungsamt der Stadl Berlin, N 24, Oranienburger Srraße 16.— W. H. Richten Sie ein Gesuch an die Anstalt, Ihren Sohn -in HauSpflege zu bekommen: falls dies abgelehnt wird, verlangen Sie, daß Ihr Sohn der Epileptzteranstall Wuhlgarten überwiesen wird, da dort die Behandlung eine sachgemäßere.— R. 13. Die Verkaufsstellen sowie die Bedingungen sind noch nicht bekamtt gegeben; sowie dies erfolgt, werden wir dieselben veröffentlichen.— Sl. R. Lv. t. Die Erhebung einer Kaution beruht aus einer Verordnung des Magistrat? und richtet sich nach der Höhe des Verbrauchs, 2. Die Kaution wird verzinst. 3. Für Automaten- benutzung wird eine Kaution ebenfalls beabsichtigt. Bei Lösung deS Ver- trag? erhält der Abnehmer die Kaution zurück.— SÄlcficr. Nur so weiter. S. 38. 1. Luisenstr. 3lb. 2. Bellevuestr. 7, Soztald. Bezirlssettetariat. iä/ ULLSTEIN* MODEN ALBUM mit den neattton Frähfahn» und S o m mt r mo den eewle die d a* a g e h 5 r i g e n ULLSTEIN. SCHNITTMUSTER erhälilich hei JANDORF Belle Alllancesir., Gr.Frenkfurterstr., Brunnen- «traue. Kollbuser Damm» Wllmendorferitr. 'r\ r£. Möbel Sehlafslmmer Wohnzimmer Speisezimmer Herrenzimmer in jeder gewünschten Holz- und Stilart. Einzelne Möbe! Farbige KUchen in großer Auswahl in bester Ausführung zu soliden Preisen. 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Februar im Alter fi 34 Jahren an Lungen- gdung oerstorden ist. /.in ehrendes Andenken ihm gesichert. findet Die Beerdb m F m Freitag, WWW iruar, nachmitlagriL >en 20. Fe- >ar s �3 Uhr, von der Leichenhalle des gmmaus-KirchhofesinNcu 'Hu, Hermannstraße, aus Ott. 134/11 Um rege Beteiligung er- ■.cht Die Verwaltung. Februar chied nach kurzem, schwerem Leiden mein inniggeliedter, u'"erqeßlidier Mann, dtzc .traniencassenangestellte lax Weidemann 80. Lebensjahre. tl49 Die» zeigt tiefbetrübt an ■trau Minna Wetdynann geb. Neumann. Die Ewüscherung findet an Montag, den 23. Febr, .ach m. S Uhr, tm Krema- orinm Gerichtstraße statt. Statt Karten. Danksagung. ••".C die rnhiretche Teil- ome und schönen Blumen- ende» beim Hinscheiden rinr» geliebten Manne» sage > hiermU allen Verwandten, ceiindcn und Bekannten - en innigsten Dank. itw« Fried»»techner, geb. Schatz. 14, Dresdener Str. 78. I Ksim Sie schlsclit? 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Echriitliche Meldungen wollen die Bewerber unter gleich- zeitigem Zsachwets der Eignung bis zum 28. TRdrz 1920 an die untenstehende Adresse richten. 88/2 Scantfntf a, JH., den 14. Februar 1920. Ter Vorsitzende der Ttadtverordneienversammlung _______ H. Hopf.____ Sozialdemokratischer Verein Herford-Halle. farteisekretSr gesucht Gehalt nach Uebercinkunft Bewerbungen sind mit det Aufschrift„Bewerbung" an Wllüeln. Schlüter, Herford, Walteenstr. 49. bis zum I.Marz zu richten. 226 14 Mkfm VnstevgMMMMe n sroRjen MriSkek fßt Ke�ioer- und B�taaDealJünfe SPQfeßMrianen m Monfpukn zu sofortigem Antritt gesucht. 2Z8D Borstellung zwischen 9 Uhr vorm. und 4 Uhr nachm. erbeten. Dr. Georg Seibt, ÄÄÄ«.6« Berlin-: chSneberg, ynoptstr. 9, 2. Hof 3 Treppe». tTTrTryygTYTrTyYTieTgT�gTBTfTT-; Tüchtige 186/19 1 Hartgummi-Dreclisler j gegen hohen Lohn zu sofortigem Eintritt gesucht 1 F. Soennecken, Bonn, L r Kastenmacher für Soroslsriebn» zum lokortlgen Derselbe muß spcziell im Umbau vollständig firm sein. 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Bei der Vorbereitung des neuen R e i cb s w i r t' f ch a f t s r a t e s ist es zwischen den �ach verbänden und den Handelskammern zum Konflikts gekommen. Nach der gegenwärtigen Gesetzgebung sind die Handels- kammern. die Handwerkskammern und die Landwirts chastskammern die öffentlich-rechtlichen Vertretungen der betreffenden Wirtschaftsgruppen. Alle in das Handelsregister eingetragenen Firmen, d. h. also alle Voll kau'leute wählen zur Handelskammer. Die preußischen Handelskammern wurden in einem Landes- a u s s ch u ß zusammengefaßt. Zur Regelung Wirtschaft- sicher Angelegenheiten regionaler Bedeutung sind Jne Handelskammern uiw. infolge ihrer genauen Kenntnis der ort- sichen Verhältnisse wohl geeignet, sie versagen aber bei der Lösung der großen wirtschaftlichen Aufgaben, mit denen wir uns heute zu beschäftigen haben. Neben diesen Kammern sind nun in den letzten Jahr- zehnten Jndustrieverbände entstanden, die teil- weise bereits sämtliche Angehörige eines Produktions- zweiges im ganzen Reich umfassen. Sie sind allerdings freiwillige Organisationen, und darin liegt ihre Schwäche, sie besitzen kein Rechtsmittel, um alle Berufs- angebörige in ihre Organisationen einbeziehen zu können. In welch' uaurigem Zustand der Organisationslosigkeit die deutsche Wirtschaft sich noch befindet, erhellt aus der Tat- sacke, daß in den meisten größeren Produktionsgcbieten keiner Stelle bekannt ist oder bis vor kurzem bekannt war, welche Unternehmer sich mit der Erzeugung dieser oder jener Produkte eigentlich befassen. Die Herstellerlisten waren u n- v o l l st ä n d i g. denn der Zusammenschluß war ja freiwillig. Aber noch viel trauriger sieht es mit der Produktions- st a t i st i k aus. Kein Mensch kann heule sagen, wieviele Erzeugnisse dieser oder jener Gattung dem Gewicht oder Wert nach 1913 bezw. 1919 eigentlich in Deutschland hergestellt worden sind. Wir haben ja in der f r e i e n Wirtschast das schöne Geschäftsgeheimnis, den Kern der Konkurrenz, das dazu führt, daß der eine Fabrikant einen lumpigen Katalog von seinem Konkurrenten nur auf dem Wege des Schleichhandels sich verschafft. Es fehlt ihm die.Kura geben Herrn Konkurrenten direkt darum zu ersuchen I Die industriellen Fachverbände sind heute außer- ordentlich wichtige Machtfattoren. die souverän ihre Preise bestimmen, Liefcr- und Verkaufsbedingungen feststellen, reine Monopole. In den sogenannten Fachausschüssen der Zentralarbeitsgemeinschaften sitzen wohl auch Gewerkschaftsvertreter, die man jedoch nur mit den harmloseren Angelegenheiten beschäftigt. Zur Regelung der Ausfuhr sollen ja in den Außen h a n d e l s sl e l l e n Selbstverwaltungskörper geschaffen werden, in denen auch die Verbraucher sich Gehör verschaffen können. Es muß.jedenfalls hervorgehoben werden, daß dieser neue Weg, ganze Fachgebiete zusammenzuschließen, an sich der richtige ist, und daß diese Organisationen einen viel größeren Einfluß gewinnen werden, als die lokalen Handels kamniern. Uns Sozialisten können diese Fachverbände, so wie sie jetzt bestehen, selbstverständlich nicht befriedigen, auch nicht als Uebcrgangsstusen zu einer organisierten Wirt- schaft. Sie bedeuten eine ganz ungeheure Macht- Verstärkung des Kapitalismus, sie gehen gegen so- zialistische Angestellte rücksichtslos vor, um sich von ihnen nicht in die Karten sehen zu lassen, sie betrachten die Pro duktion als ihre private Prosttangelegenheit, aber nicht als die wichtigste Angelegenheit der Volksgesamtheit. die das Recht hat, zu fordern, daß alle Interessen gerechte Berücksichtigung finden. Heute sind diese Fachverbände, wie ein Kenner sie kürzlich treffend bezeichnete,„Gesangvereine", d. h. weil sie keine Zwangsorganisationen, keine Einheiten sind, wie zum Beispiel Trusts, können sie der wirtschaftlich- wissenscha'tlichen Durchdringung der Arbeit und Produltion nur unvollkommen dienen. Es ehlen ihnen die gesetzlichen Grundlagen, um die Norma- lisierung, Spezialisierung und Typisierung in der kürzesten Zeit und rationellsten Weise durchzuiühren. Vielmehr hängt alles vom guten Willen, von srei williger Beteiligung, von dem V e r st ä n d n i s der einzelnen ob. Wenn aber ein Schiff in„Seenot" ist, dann mutz der Kapitän bis in den letzten Winkel des Schiffes seine Macht dringen lassen. Der jetzige Zustand, der allerdings ein Ucbergang hfl. kann nicht längere Zeit ertragen werden. Wir müssen fordern. daß nicht nur die Außenhandelsstellcn gemeinwirtschaftlich aufgezogen werden, sondern auch die Fachverbäude, daß sie unter öffentliche Kontrolle gestellt werden. Die Privatwirtschaft ist die G e h e i m w i r t s ch a f t und als solche Quelle starker Unmoral, die vom Unter- nehmcr auf die bezahlten Mitarbeiter sich überträgt. Die wirkliche neue Wirtschaft, die nicht in Form von Kommanditgesellschaften, wie„ O s r a m". sondern in öffent- lich Rechnung legenden Korporationen schaffen soll, wiid sich auf die zu Einheitsorganisationen zusammengeschlossenen Fachgruppen aufbauen, die in der Lage sein müssen, nnt den hervorragendsten Sachkundigen an den Spitzen die Produktion als öffentliche Angelegenheit nach gemeinwirt- schaftlichen Grundsähen zu führen. Handelskammern werden ihre Bedeutung verlieren. verbanöstag öer Lanöarbekter. Nach Schluß der Erörterungen über Tarifverträge und Ar- bettSzeit wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die scharf protefr.-rt g.-.iti. ja* Vorg.-dm ie» Reiä-sauvsch.iise* der deutschen Lonbwrrttch l-t. ter in«mer Eingabe an da» Reichs- anbeitSministerium veriangl, daß in der LandarbeilSerdnung da» Wort.Höchstarbeitszeit" durch„Normal-rrjjüSzint' ersetzt and die Jahrcsarbe'tSzeit von 2000 auf 8075 Stunden verlängert wird, und daß für da» Gesinde überhaupt keine-- bestimmte Arbeitszeit herrschen soll. Weiter sagt die Resolution, die geforderte Ver- länge rung der Arbeitszeit durch Gesetz lieg« nich: im Interesse der Landwirtschaft, sie sei auch im �merefie der VolkSernöhrung nicht notwendig. Die im Deut'chen Landocbeiterverdand erga- nisierten Landarbeiter verkennen die schwiengke ten de» Wirtschaftslebens nicht, sie seien bereit, die notwendigen Ueberstunden in der Saat- und Erntezeit gegen entsprechende Bezahlung zu leisten, damit die VolkSernährung-ich-rgeitellt werde. Beschlossen wurde:.Minder unter I-t Jahren sind von der Arbeit fernzuhalten. To» Hofgängerwe-en ist zu beseitigen, die Hofgänger sind al» freie Arbeiter zu beschäftigen." Die Ortsgruppe Tambach-Dietbarz beantragte:„Anerkennung de» Massenstreik» durch den Verband bei allen Angelegenheiten, die da» Proletariat in feinem BefrelungSkampf braucht". Der Antrag wurde mit 59 gegen 85 Stimmen abge» lehnt. Bei de-r Minderheit ertönten lebhafte„Pfui"-Rufe, die der Vorsitzende Georg Schmidt rügte mit dem Bemerken: Wen« da» deutsche Volk verhungert, werden Sie nicht mehr „Pfui" rufen. Gin Antrag, der die Beseitigung der Frauenarberr in per Landwirtschaft fordert, wurde abgelehnt, weil er zurzett nicht durchführbar sei. Zu einer kurzen Erörterung kam eS bei der Abstimmung über einen Antrag, der verlangt, daß auch in der Landwirtschast der Achtstundentag eingeführt wird. Die Abstimmung blieb zunächst zweifelhaft, wa» dadurch erklärt wurde, daß der Antrag ni-ht richtig verstanden sei. Er be- ziehe sich nicht auf die Forslarbelter und Schweizer, sondern nur auf die eigentlichen Landarbeiter. Der Antrag wurde al» er- ledigt betrachtet, nachdem der Verbandsvorsitzende Schmidt er- klärt hatte, der Vorstand werde nach wie vor für die Verkürzung der Arbeitszeit eintreten, so weit eS möglich sei. Der Abschluß eines- Karlellvertrages mit dem Leipziger. Schweizcrbund wurde einstimniig abgelehnt. Verbandsredakieur F a a tz referierte über Die Nvugeslaltnng der Arbeitsverhältnisie in der Land- und Forstwirtschaft. Der Referent beleuchtete die Entwicklung der Landarbeiter- bctoegung unter dem Einfluß des durch die Revolution geschasfe- U-en neuen Rechts. Daun besprach er das Betriebsrätegesetz und sagte, man mag sich zu demselben stellen, wie man will, es ist der gesetzliche Ueberbau der von den Arbeitern in den Betrieben er- kämpften Rechte in der bei der gegenwärtigen Zusammensetzung der Nationalversammlung und der Regierung möglichen Fovm. Wer mehr von dem Ersetz verlangt, der hätte für eine andere Zusammensetzung der Nationalversaminlung sorgen muffen, was leider durch den Zwiespalt der Arbeiterschafi vereitelt worden ist.' Nur ein einiges Proletariat kann die Rechte schassen, die eS braucht. Jetzt gilt eS, die Reck'te, die das Betriebsrätegesetz den Arbeitern gewährt, in den land- und forstwirtschaftlichen Betrie- ben auszunutzen und dahin zu wirken, daß bei der in Aussicht siebenden Reform der Land- und Forstwirtschaftskammern den Arbeitern eine gleickberechtigte Mitwirkung zugestanden wird Unter Ausnutzung unserer Rechte und der Macht unserer Organisation werden wir in absehbarer Zeit mit dem Herrenstandpt-.nk: der Agrarier ausräumen können. Die Arbeiter müssen Einfluß auf die Produktion bekommen und ihn in der Richtung ausüben. daß die lanhwirlschastlichze Produktion nach Möglichkeit gesteigert wird. Tie deutsche Landwirtschaft darf nicht der Willkür der Grundbesitzer überlassen bleiben. Die Lebensmittelproduktion muß in der für sie geeigneten Form in Gemoinwirtschast über- geführt werden. Dabei mitzuhelfen sind die Landarbeiter in erster Linie berufen. Unsere Aufgabe ist es, die Arbeiter für diesen Zweck zu schulen. Jetzt, unter den schwierigen Eruäihrungs- verhältniffen, können wir nicht daran denken, SozialisierungS- experimente in der Lan-dwirtschaft zu machen. Wir müssen unsere Rechte und unsere Macht benutzen, um das kapitalistische En- siera umzugestalten, so daß die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe in nicht zu ferner Zeit vom Kapitalismus befreit sind. (Beifall.) Der VerbandSsyndikuS Dr. S. Rosenfeld beleuchtete d" rechtliche Lage der Landarbeiter. Ein Diskussionsredner kritisierte die Bestimmung des Be- triebsrätegesetzes, welche den landwirtschaftlichen Beirieben mit weniger als zehn Arbeitern keinen Obmann zugesteht. Dadurch würden alle Wirtschaften bis zu einem Umfang von 500 Morgen auSgesckaliet. Tie Bestimmung sei«in Ausnahmegesetz gegen-di. Landarbeiter, denn die Industriearbeiter bekämen schon in Betrieben mit füns Arbeitern einen Obmann. Ein anderer Redner wandte sich sehr scharf gegen den soelbet: bekanntgemachten Erlaß NoskeS, der die Stillegung der Lebens Mittelbetrieb« verbietet. Dieser Erlaß richte sich gegen da? Koalitionsrecht der Landarbeiter und diene den Interessen der Agrarier. Albrecht, Vorsitzender de» Verbandes der Gärtner, teilte mit, daß ihm ein Geheim.rat aus dem 2 iuisterium gelegentlich einer Besprechung gesagt habe, durch die Reform der Landwirt' schaflskammern könne den Arbeitern nur in Arbeiterfragen, aber nicht in wirtschaftlichen Fragen Parität zugestanden werden, da» entspreche der Eigenart der Landwirtschaft. Anscheinend solle also dos— sagte der Redner— was ein sozialdemokratischer Minister vielleicht gewollt habe, durchkreuzt werden. Er ersuch« dir Londarbeiter, mit aller Schärfe die volle Parität in den Land- wirtsckastSkammern zu verlangen. Dieser Forderung schloß sich Faaß im Schlußwort an und der VerbandStag erklärte sich ebenfalls für dieselbe. Einstimmig angenommen wurde eine Protestresolution gegen di« Beschlagnahme von GcweirkschastZHSitfevn dupch die Gntcntekommission im oberschlesischen Abslimmungsgebiet. Es wird gefordert, dat. die Regierung die Freigabe des bereits beschlagnahmten Gewerl- sclx>ftshauses in Ratibor erwirkt und daß sich die Landarbeiter ao der Absiintmung für Teutschland beteiligen. Dem Vorstand wurde ein Antrag überwiesen, der die Errich- tung von ForlbildungSschulen für Landarbeiter fordert. Die Verhandlungen werden heute, Tonnerstag, fortgesetzt. Wie ich Richarö Dehme! kennen lernte. Von JuliuS Zerfaß. ES war im Sommer tOOS. Von Schwetzingen her war ich noch Heidelberg am Neckar als kecker, fröhlicher Wanderbursche ge- kommen und batte mich im.Brückeneck" zu Heidelberg gegen fünfzig Pfennig pro Nacht einlogiert. Die Hole hatte Winpfenster und ich war froh gewesen, wenigstens auf vierzehn Tage einen AuSbilfS- Posten zu bekommen. Meine Mahlzeiten nahm ich in der Heidel« berger Volksküche ein, der Billigkeit halber, um Geld für eine neue Hose recht bald flüssig zu haben. So mußte ich denn jeden Tag zweimal über die berühmte rote Sandsteinbrücke, ohne die Heidel- berg im Bilde nicht denkbar ist. Wenn ich nun abends meinen sündigen Magen mit Bratkartoffeln oder Brotsuppe gesättigt halte, erlaubte ick mir das Vergnügen, die schöne Allee von der Stadlhalle am Neckar enllang bis zur Brücke in gemütlicher Bedächtigkeit heim- wärt» zu wandern. Auf einem dieser Heimwege lernte ich Richard Debmel kennen, jedoch nicht persönlich, sondern durch eine Anzeigensäule. Tin gelbe« Plakar mit schwarzen Leitern verkündete:.Richard Dehmel liest eigene Dichtungen, unter anderem.Die Lebensmeffe' Ich hatte «och nie eiwaS von Dehmel gehört. K» gab zur damaligen Zeit für mich keinen größeren Lyriker als Heinrich Heine. Aber die Begegnung mit diesem Plakat ward in mir zu einem Ereignis, als ob ich einem schönen Maschen auf der Straße begegnet fei, da« mir durch einen eigentümlichen Blick jene Art Verfolgungsfucht in die Seele gestreut, die bei reiflicher Ucbei legung Vetliebtbeit heißt. Ich fühlte mich betreten und er« niedrigt in meiner Handweiksbutschigkeil und quälte mich, daß ich, ein SuSiStziger. mich nicht unter die Tempelherren wagen dürfe. Gleichwohl tröstete ich mich und wartete der Vetlündigungen der Presse. JÄ verschlang die Berichte, die von einem weiter» gebräunten, nicht eben häßlichen Manne sprachen, in ärgerer Gier. als am gleichen Tische die Bollsküchenkumpanen ihr Sauerkraut mit Knödeln. Dann bin ich diesem Namen Dehmel gefolgt, wo ich ihn erwischen konnte, meine leidenschaftliche Begeisterung für den Pariser Sänger de« deutschen Liedes war im Schwinden begriffen. Als ich in Heidelberg so viel verdient hatte, daß ich eS in Ehren mit einer neuen Hose Verlasien konnte, ließ ick meinen Brotherrn. der mich mit tyrannischer Herrschsucht gezwiebelt hatte, im Stich und ging nach Frankfurt am Matn. Auch dort verfolgte mich der Name Debmel im Stillen bi» in die kleinsten Winkel de« Feuilleton«. Endlich— bei einem Rezi- tationsabend de« Frankfurter Bildungs-AusschusieS— ward meinem Heißhunger etwas Sättigung. Man rezitierte unter anderem fem „Zu eng". Mein jugendlicher Geist war damals zu wenig geläutert, um das Gedicht in seiner ganzen Wucht und seiner sozialen balla- dijchen Seherhaftigkeit zu erfassen, doch war ich tief erschüttert. Ich ahnte Dehmel. Ich ahnte ihn jahrelang, al» ich sei« Werk tagtäglich auf meinem Tische liegen haben durfte. Und wo« bleib: einem fungen, unbeeinflußten Menschen ander« übrig, al» Debmel in seinen größten und gewalligsten Dichtungen zu ahnen—? Wie ein Sphinx-Tbristu« steht er uu» gegenüber mit der Stirn, in die Friedrich Nietzsche seine Furchen htnetngepflügt hat. Er selbst nur ein Ahner. Im Garten Gethsemane kniete er und betetet „Muß denn diese Welt sich erst vernichten, um da« Reich de» Frieden» auszurichten?" und er fühlte alle Zellen der Blätter und Halme bi» in seine Fingerspitzen erzittern. Alle», wa» sich regte draußen in der Welt, während er kauerte, regte sich fort bi« in die kleinste Zeile seiner Verse und über die tiefste Pfütze menschlichen Jammer« ließ er noch einen Sonnenstrahl schimmern. Nicht wie Arno Holz oder Henckcll ist er mit Trompetenion in die Arena der Zeit hineingeritten, sondern er kam fürbaß wie ein adeliger Heiland der Dichtung und irug um seine Mundwinkel den Zug geistigen Kompromisie«, der seit der Zeit Goethe« Heimatrecht verloren zu haben schien. Er nannte seine Bot- schaft: Liebe I und seinen Kampf: Erhöhung I Und er erhöhte alle«. wa« de« Adeln« wert war. Er adelte nicht zuletzt die Armen, die Unierdrückten, und sein MeisiaSblick für die im Schatten de« Daseins Wohnenden gab der deutschen Kunst einen Rembrandl de« Dlchtertum« nach einer alleS umfassenden MenschheitSreligion. Jener Religion der All-Liebe, die selbst dem Verkommensten de« Tiermenschenuim« die Hand zu reichen vermag, um ihn nach den Wurzeln de« Uebel« zu richten. Sein Gott ist der GoiieSiohn. von einer Magd geboren, um Mensch zu sein. Ganz Mensch, um sich durch die Leiden und Freuden der Welt hindurchzuläutern. Eo steht Dehmel vor un», so steht er heute überhaupt da wie ein Einsamer deuikchcr Sprache, so wenig verstanden, wie Liliencron Würdigung erfahren bat. Beide stehen in der deutschen Dichtung nebeneinander, obwohl beide grundverschieden sind in Art und Sprache. Der eine reitet lachend auf sein Ziel lo», der andere ergrübelte es. aber wenn sie fick beide prüften, ist e« da« gleiche: die Liebe l In Dehmel glühte sie empor und hinaus durch» Blut, er schien an die Erde zu lehnen und jeden Pulsschlag der kosmischen Welt wie der menschlichen Seele in Worte bändigen zu müssen, die Krast geben, Mensch zu seinl Da« näherte ihn der Menschheit al» Mitstreiter, al« Mitiühler. und wenn man ihm auf seine Gipfel folgt, ist man nicht einiam wie Zarathustra, sonder» man steht Welt und Menschen um sich und weiß: Da— o Glück!— ahnst du sie. die Pflicht der Welt? Ja; von Sphären hin zu Sphären muß fie Saat au« Saaten gebären, bringt sie un» da« Lickt der Welt: rieselnd wie au« dunklem Siebe sät e» Liebe. Liebe. Liebe von Nacht zu Nacht, von Pol zu Pol----— Helen Keller, die blinde, taube, siiimme Amerikanerin, die mi: eiserner Willenskraft sich gegen ihr Schicksal zu behaupten ver mockle, hat. wie der Verlag Rob Lutz. Stuttgart, bekannt gibt,„für alle Zeilen" auf alle ihre Eiiikünsle ans der dentschen Ausgabe ihrer Schriften zugunsten der deutschen Kriegsblinden, -tauben und-stummen verzichtet. Ein neue« Werk Georg Kaisers, der Einakter„Jn ana", wur'r anläßlich des Leipziger Pressefestes am Sonntag im Neuen Theater uraufgeführt. Die Problemstellung ist alt: Das Weih zwischen zwei Männern. Auch die Kvnflikthercrusbeschwörung lehnt sich an Vorbilder an: Juana-? Gemahl ist jahrelang verschollen und wird von ihr tot geglaubt Da heiratet sie dessen besten Freund und lobt mit ihm glücklich— bi» der erste Gatte wieder auftaucht. Neu, aber erklügelt und kühl bis ans Herz hinan lassend ist allenfalls das Ge- dankengebnude, daß sich über diesem Konflikt in Juana» Gehirn errichtet. Juan: kann sich für keinen der beiden Männer gegen den anderen entscheiden. Beide liebt sie gleich stark und beiden sucht sie in einer langen Ansprache diese Eigentümlichkeit ihres Gemütes bei- zubringen. Als die unvernünftigen früheren Freunde und jetzigen Feinde auf ihren Gedankengang nicht eingehen, trinkt sie den Gift- hecber selbst, den sie nach der Uebereinkumi der beiden dem reichen sollte, der auf diesem Jammertal überflüssig ist. lieber die Leiche der geliebten Fvm reichen sich die Männer die Hände. DaS Blut- opfer Juanas hat die Freundschaft der beiden neu geboren. Also war e?. nach Georg Kaiser, nicht vergebens. Denn die Freimdschait ist größer als die Liebe. Wieder nach Georg Kaiser. Nicht nach uns. Denn uns lassen die beiden rechthaberischen, aufgeregten Männer so kalt wie die reizlose Frau. Es werden keine Ebaraktere in dem Stück gezeigt. Ileberhaupt keine lebendigen Menschen. Drei Gestalten werden vielmehr als Mittel benutzt zu dem Zivecke. unS eine Gedankenbastelei zu de- monstrieren. die wehl Kultur hat und un« zeitweise in Spannung versetzt, die un« aber niemals erwärmt. Di« gute Aufführung fand schwachen Beifall. tzb. Eine oklidcmische ElgnuniiSPrüsstelle ist vor einiger Zeit in bei llniverniät Münster eingerichtet worden. In der neuen Anklage der Schriil von Prof. R. H. Goldschmidt..Pkyckologische Ratschläge zur Eilcichteruiig de? Stiidiiiins" wird mitgeteilt, doß sie sich be- währt hat. Zur Verchaffung eines Ueberblicks über Metbodeir und Hanptideen einer Wisien'chaft werden den Studenten Monographien und Biographien angegeben: nickt etwa Kompend en, die mit ihrem Konglomerat von Einrelwissen häufig den Wald vor Bäumen nicki erkennen lassen. Besonders viele Kommilitonen fanden bereits bei Beginn ihre« Siiidinm« Aufschluß über ibre Eignung für gewisse Anforderungen de» Berufs, den sie in erster oder in zweiter Linie in« Auge gefaßt halten, zumesst auf Grund einer entsprechenden Eignungsprüfung, z. B. betreff« otustücher Eignung zum Au«- kultieren, oder etwa beiresi« der Woribereiischast in ihrer Beziehung zur Redegewandrheit. Die Schrift ist durch da« Philosophische Seminar der Universität Münster i. W. zu beziehen. Mimet«„Olympia", das Hauptwerk de» großen srairzösifchen Im. prelfionitten, dos erst nach schweren Kämpfen überhaupt in eine Staats- galerie Aufnahme t.rnd. hat endlich im Louore ihren vertuen len Ehrenplatz getimden Die« geschah aber mir aut ausdrücklichen Befehl Slemenceau», wie im»vulletm de la vi« tirtillique" zu Iclen ist. Preiswerte ■.....:''M -> Ufeike Bohnen pW.4 irbsenmsh!/ es prinia......... Pfd. � Ha Eb schälte 4Ö lioisenfrüchtepfd.� Backobst««.S95 Getrocknete � � Karotten pM,240 Stachelbeeren A?s 2-Pfd.-Dose........ GrOne HerinsemS Liose!ipfd.675 M ai s m e h I �75 weiß......... Pfd. chS .A'' ir'Ä;425 Plannten �6" Maronen ED-Kastanien.... Pfd. 2 20 Blkkllns2pfd.695 S Prima Sah- � chrseldeljolinan pfd. i 10 �eaSef.y thtepieia eit-l �s?�77�chauspi°lh°u- Opershaus. Die Jüdin. Anfang 6'/. Uhr Volksbühne Theater am Bülowrlatz. TV,: Göiz M BeriiciiingeD. Lessiup-Ilieafer, Direktion; Victor Barnowsky vu uhr; Pygmalion. Freitag?: Feer(iynt. Sonnabend 7V/-: D. Sendung Seinaels. i kü�üsf'liiestsl Knmmernplclc. Allabendlich?>/,; 5 ui-r: per Unmensch Frtg. 8 U.: DerUnmensch C.'r. Sehaasmlclhans Karlstraße. 7 Uhr; Hamlet(10, Abt., 2. A.) l;rtg. 7: Hamlet(II. A.,2.A.) Greftie Theater I. d. KSmßgrätzerStraSe 3 U.; Schlott Wetterslein Freitag: Schloß Wetlersteln Sbd.; Schloß Wetteratein Stg.: Stützen der Oesellschaft. 3 Uhr; Erdgeist(M. Orskaj KcmMienhans Uhr:„Sie". Berliner Theater : uhr: Der letzte Walzer. Fritz! Massa.-y, Ot;o Storni, Hans Wassmann usw.___ Residenz-Theater. Stadtbahn Jannowitzbrücke. Täglich'28 Uhr; EvGlien Hiimbreclit. >or!nabend 4 Uhr. kleine Pr.: .tüax nad Slorltz. Sonntag 4: Der gute Ruf. "frianooHTheater. Bahnhof Frk-drichstraße. Täglich 1/28 Uhr: Femina. ■r, im abend 4 Uhr, kleine Pr.: Hüniisc] nnd Gretcl. Sonntag 4 u.; Johannisfeuer. Die KaF(ji!ise von Ärels. (Konsiantin, Servaes, Straß- mann-Witt, Veidti._ Ccntrnl-Thenter v/t u.: Fräulein Puck. Deutsches Opernhaus 7 uhr: Die Flefierntans. I>ie Tribüne jv. u.: Franziska. £den-Theater Sonntag, 22. 5ebruar,nachm.2'/sUhr auBcrHbonnements- // Regie: Max Reinhardt. Hauptrollen: Mrganbsr Moisfi, Augufie Püulßsby, Paul Hart- mim. Suilao Cztmeg, Eise Heims, Sofei Klein, Fritz Richard, Margarete Christians, Harald Pauifen. preise d. PI M. I0dis2. Billetts: Theater- kaffe, A. Werlheim und im Invaiidendank. Theater 1 Friedrichsiraiie 218. Dir.: james Klein iE Februar El JDle weltberöbnite| Fregoiia I in ihren 1W Verwand- 1 Jlungen u. Illusionen. 1 IQertrade Barrison s aus London zurück (J Grnnatos Salonakrobaten Cescöw.ßiuineDfelii Luftakt <5 ChniisHan; Chinesische Gauklcr Elvira. Drahtseil Simon u. Arfsrd Pierrots am Reck. J Stg. i'j, Uhr jod. Ir | wachsene 1 Kind frei #>FcliesCaprice4 Eck. Friedrich- u. Lioienstraße —— Täglic*.- OIü dieser Siowack I Zwsngsetgqaartlcrung. Die abgetretene Frau mit Ferdinand Grüneckcr In den Hauptrollen, 7V.U.: Prlett r.-AVlIliclnist.'i'h. T'/.u.iüiezartl.Verwäfläten Kleineu Theater. ft?r: Die PfarrtekoinöiilB. Kl. ikchauspicllianH. u: Die imliiMNe frau KomX»«liC Oper f�ouDichteriiebe. Stg.S'HU.: Schwarzwaldmädel l.nstsplelhaas Arnold Ricck in: J�DerGroßstadt-IMer Metropol-Theater. 7 Uhr: Syhill Sonnt. 3 Uhr: Cltarleys Tante mit Thielscher Äene« Operettenhnus Mia Werber als Gast in 7'/, u.: Die kieioe fiebeit. Stg. Z'/?. Die Dame T. Zirkus. SchiXlcr-Thcat. Chart. vi, uhr; lacht i Finsternis Th.nlla-Thenter wt u.: Die närrisciie Liebe Th. am VoUendorfplatr. Z>-, Uhr: König Laer. VI, Uhr: SycrPtcrgcfteföfe Theater des Westens p/.u.JieFraüiniHernitün Sonnab. 4: h'.ax und Moritz. StgJ'/i U.: Die lustige Witwe W'nltner-TJieater uilr5 Eine Ballnacbt. Stg.3,/4: Qelsha m.MiaWerDer Walhalla- Theater. Jhf: Csärdäsfürstin. Rose-Theater. VU Uhr: Seine zweite Frau. Casiuo- Theater oorhringerstr.37. Tägl.»/<8U: ___ Letzter Alonnt--- Seit ifJovembcr auf eführtl Schnlepeis Lene Der Schlager aller Possen Neue Februar- Spezialitäten. Sonntag VI,-. Die Wunderkur Residenz-Ka ino und i- Blumen- Diele:: 10 Blumen Straße 10. Tanz und Kabarett. �Adialrals-Kiso� 1 Aiimirals�atast1 Da« ßrillanten-; j schiff. 7-'/2ll lichte SeSsSer TcgS TaiaefiilaieEsPöIswUf � Das ungewöhnllrh erfolgreich« ungarische Filmv/erkl Bocccdos UOozMMvei Ein galantes Traamsplel e: Sg3 V. BoQ�fegffy Ab fFreitaji Der Amonenhct mit Mia May WcicUü'iig«; f und 83l, ihr/ Souihg«: Begln« 4»dt Vorwerkauf 11 bis I Uhr |�o»oXoHoMoXoXoRoKoMoMcMoXDMo)b£> A Die '"e-'A 7AA» ian| | yotd i�ra| ? Medizinischer Beiehrungsf I m f, der Kultur- Abteilung der„Ufr.' mit Ö erläuterndem ärztlichem Begleitvortrag § veranstaltet von der ■K DeutschenQeselischsftiurBekfimpfßngder '2 Qeschlerhi.'.krcnicheitan und dem Lendes- <" aussei. uss für hyrlsniscfts Voik�belehruns o* � 3eden Frelta3U.Sonnabencl4l|9Uhr nachm. 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Beginn 7.10 Uhr. Zum Schluß: Die Heben Verwandten. Vorwerk. II— l1/« u. 4— 6 Uhr. Olympia-Theater (früher Voigt, Badstr. 88) Täglich Vi, Uhr abends: Der Operettenschiager Operette in 3 Akten. Musik: Jean Gilbert. ReicDsDall.-TiiealEF Jeden Abend 7»/, und Sonnt Nm.AU. Ttettlncr Sänger. Nachmittags ermähiqtePrei.e 8ciullu.lslleii !m Lroilen �edauspieidsus Kapislr., ZcWkbÄuefasmm. Rsiies Februar- Pfdgraimn; Guany Holl tiatij t'hfir.f lansj Patii Gractz v. TAvardotVBkl Klabund Orca Uoelk Maria Lux Musik. Ltgu Friedr.RoIlaender Fiunconference Karikaiurcniilm».WalterTrler fcröifnung Z>/„ Beginn S1/, U. 43;S;A Hess Drama In 6 Akten mit Manja Tzatschewa. Sfcpileiril Slidameiik. Aberteuer Oer Detektiv JflgDeeös (Karl Auen.) Einlaß 6,0— 8J0. Ziehung&cbon 4. D.S. März :e-S- loMe J Verein P uitnenhant E.V. I 1 3ä67Gewlonei.GeS£mtwe.-i j 190900 Hauptgewinne: Markwer: ü 093 10000 Incp ä(Porto u.Llste LUäC ä D IH. 50 Pf. extra, Nachnahme 30 Pf. teurer.) 10 Lose Ä H, 30 einschl. : Port.. 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Von der Wissenschaft ist das Buch rückhaltlos anerkannt, leider war das Buch inletzter Zeit verboten i Wer das Glück seiner Ehe festigen will, wer die Qualen, die die Gatten während der ganzen Geschlechtspenotle empfinden, vermeiden möchte, dem empfehlen wir die wissenschaftlichen Aufklärungen wie solche in dem Buche „Die Offenbarungen im Gcsclilechtlictaenu enthalten sind aufs angelegemste, es wird wie eine Befreiung von Not und Pein empfunden werden. Dieser Vorzüge wegen ist dieses Buch beliebt, wie kein anderes in der Ehe. Preis M. 7.50, Nachn. 6 1 Pf. teurer. 165/3 I Linser-Veriag, Berlin-Pankow 140 L Schweizer Garten, Am FriedFiehsHaia 23-32. Vom 19. bis 20. Februar: Todesurteil Tendenzfilm von Martin Berger. "sÄfn Fr. Grete LyiÄA Martin Berger' heute abend 7 Uhr persönlich anwesend.' BriMit Beilen i BflfilpDSfB. Beine grollen Jdöbel- Säger M' tvfas, Tvu'neans Schränken, DsrUzos, om oieffen Niichensinrichtungen nfro. ftchen zur ge- Möbel.-Lechner,' | Geöffnet von S— 6 Streife, welche die Entente so in Schrecken versetzt haben, daß sie notgedrungen zurückwich. Dicie Beweisführung erinnert einigermaßen an die be- kannte Verteidigung des Mannes, der angeschuldigt war, einen ihm geliehenen Kochtopf zerschlagen zu baben und vor Gericht erklärte: Erstens babe ich mir den Topf nie aus- geliehen, zweitens war er schon cufzwci. als zch ihn bekam. Der alldeutsche Phrascntops hat einen großen Sprung gekriegt, soviel ist auf jeden Fall sicher. In der„Deutschen Tageszeitung" deutet GrafDieventlow bereits an, daß die deutschen Richter gegen die Aburteilung der Angeschuldigten streiken müßten, weil sie die Entente „unter fröhlicher Zustimmung der Regierung als unzuverlässig, als moralisch minderwertig unter aus- ländisches Kuratel stellen will". Diese Hetzerei ist ebenso frivol wie verlogen. TaS ReichSgerickU wird die volle Möglichkeit haben, u n b e c i n- f l u ß t und ohne jeden Druck von außen nach b e st e m Wissen und Gewissen Recht zu sprechen. Daß die Entente sich die Anerkennung seiner Urteile vorbehält, ist ein Umstand, durch den sich die Richter weder beeinflussen lassen dürfen noch sollen. Wenn die alldeutsche Presse behauptet, daß dieser Umstand die deutschen Richter an einer objektiven Rechtsfindung verhindert, so ist das eine ungeheure B e- l e i d i g u n g für die große Mehrheit des deutschen Richter- standes. Denn mindestens neun Zehntel aller Richter ur- teilen in unteren Instanzen mit dem ständigen Bewußt- sein, daß ihr Urteil von der höheren Instanz jederzeit auf- gehoben werden kann. Nach der Logik des Grafen Reventlow müßte sich jeder Amtsrichter weigern, künftig noch Urteile zu fällen, weil das Landgericht seine Urteile annullieren könnte. Jedenfalls: Wie die Entente sich zu ihrem Urteil stellt, ist eine Frage, welche die Reichsrichter gar nichts angeht, sondern allein die Reichsregierung._ yecr Lawerenz— politischer Sanöit! Die„Deutsche Tageszeitung" berichtet über eine Ver- sammlungssprengung in Swinemünde und schreibt im An- schluß daran mit höchstem Pathos sittlicher Entrüstung: Was gedenkt die Neickisregierung tun. um solche Gewalt- akle politischer Banditen künftig in Deutschland un- möglich zu machen? Tie Versammlung, deren Sprengung die„Deutsche Tages- zeitung" zu so starken Worten vcranlaß'te, war. wie man sich denken kann, eine von den Deutschnationalen einberufene. Aber bei der bekannten Objektivität des Blattes muß ohne weiteres angenommen werden, daß die„Deutsche Tageszeitung" den Ärastausdruck„politischer Bandit" ohne Ansehen der Person und Richtung auf alle anwendet, die sich der gewaltsamen Versammlungssprengung schuldig machen. Und in diesem Zusammenhang darf wohl daran erinnert werden, daß am 14. November 1919 der deutsch- nationale Abgeordnete von Berlin, Herr Lawerenz. eS war. der eine von der„Deutschen Liga für Völkerbund" in der Philharmonie einberufene Versammlung. in welcher der Minister Erzberger reden sollte, an der Spitze bewaffneter alldeutscher Stoßtrupps mit Gewalt auseinandersprengte. Die führende Rolle des Herrn Lawerenz geht unzweideutig daraus hervor, daß er, nachdem die vorgesehenen Referenten am Sprechen verhindert und ihre Anhänger aus dem Saal gedrängt worden waren, die Versammlung als„seine" übernahm und als Referent das Wort ergriff. Herr Lawerenz ist also in den Augen der „Deutschen Tageszeitung" ein politischer Bandit. Ein strenges Urteil, aber wir find diesmal nicht in der Lage, dem alldeutschen Blatt zu ividersprechen. Die Abkehr von üer U. S. p. Die Presse der Unabhängigen hatte seit jeher einen Leserkreis, der im umgekehrten Verhältnis zu ihrem Mundwerk steht. Allmählich scheinen nun auch in den Reihen der Getreuesten Zweifel an der Qualität der politischen Fähigkeiten dieser Presse zu entstehen. Besonders stark scheint die Welle der Ernüchterung in Oberschlcsten, dieser früheren Hochburg des Radikalis- muS, zu sein. Wie uns gemeldet wird, hat die„A r b e i t e r p o st", das offizielle Organ der Unabhängigen für Oberfchlcsien, aus Mangel an Lesern ihr Erscheinen einstellen müssen. Das ist um so bemerkenswerter, als gerade dieses Blatt es war, das am lautesten die Fanfare der blinden Opposition ertönen ließ und der Re- g i e r u n g ihr schweres Amt noch schwerer machte, wo immer sie eS nur konnte. Offenbar haben die früheren Leser der„Arbeiter- post" jetzt selbst eingesehen, wie sinnlos und unfruchtbar auch für das Proletariat diese kritiklose Hetze ist. SoKialüemokratische Wohlfahrtspflege. Das Frauensckretariat des Bezirksverbandes hatte die Funk- tionärinnen Groß-BerlinS am Montag zu einer Versammlung ge- laden, um ihnen die Ausgaben und Ziele der Wohl- sahrtspflege vom Standpunkt der sozialistischen Weltanschau- ung auseinanderzu'etzen. Genossin �stchacz referierte über das Thema:„Zentrale für A r b e i t e r w o h l f a h r t" und zeigte in ihren Ausführungen, welchen Maßstab die sozialistische Frau an die Wohlfahr l-pslege anlegen muß. Die sozialdemokran scheu Frauen haben sich leider'-islaug wenig um dieses Gebiet bekümmert. Ge- wissermaßen auf einen Wink von oben stellten sie sich in den Dienst der Woblsuerlspslege. Die Entwicklung brachte uns Krauen das Wahlrecht und damit die Betätigung aut sozialem Gebiet. Als Stadtverordnete und Bürgerdeputicrte arbeitet die Frau mit. und unter derem Einfluß und Sachkenntnis wurden von den Kommunen Wohlfahrtsämter und andere soziale Einrichtungen inS Lebet» geil. ftn. Eine geistige Pionierarbeit für diesen Zweig der Gesetzgeung ist notwendig! Es ist Pflicht der sozialdemokratischen Frauen, das soz.ale Leben zu beobachten und auf Abstellung der Mißstände hinzuarbeiten. Tie Redncrin erläuterte den Ausgabenkreis, der fiir sozial- demokratische Frauen bei dieser Mitarbeit gezogen werden muß, tnrdert zu emsiger Betätigung auf und zeigte die Wege, die unsere Parteiorganisationen �gehen müssen, ggir können nickt die Taktik gewisser vürgcrlicker Frauenbercine nachahmen. Unsere Arbeit mnß fick darauf beschränken, wissenschaftlich den Anforderungen der neuen Zeit zu entsprechen, gemeinsam mit den nwßgebcndc-l Körperschaften diese Probleme zu lösen. An der Hand von Bei- spielen zeigte die Genossin Juchacz, wie Wohlfahrtspflege getrieben werden muß und kebrte den Gegensatz scharf heraus, der zwficken der Liebeslätigkett v r i v a t e r�Wohltätigkeitsvereine und dem Auf- gaixnkreis sozialdemokratischer Frauen leider noch immer vorhanden '.st. Zum Schluß befürwortete die Referentin die Wahl eines A u S- fchuffes für A r b e i t e r wo h l f a h r t, der zunächst vor- bereitende Arbeit zu leisten hätte. In der kurzen Diskussion gibt die Genossin Adele Sckreiber ihrer Freude Ausdruck über das neu erkorene Arbeits- gebiet sozialdemokratischer Frauen in der Woblsahrtspslege. Sie befürwortet warm die Wahl des Ausschusses und teilt unter starkem Beifall der Versammlung wit, �datz ihr von einem amerika- nischen Spender die Summe von lOOOOll M. zur Verfügung ge stellt wurde und sie diese Summe dem Aus- schuß zur'Verfügung stellt. In den nun zu bilde», den Bezirks- arbeitsausfchutz wählten die Funktionärinnen für Berlin: Schmitz. Totenhagen und die Genossin Müller von der iö. Abteilung; Niederbarnim: die Genossinnen Kühn-Charlottenburg und Spliet-Karls« borst; Teltow-Becskow: Genossin Wachenheim-Eharlottenburg und Müller-Neukölln. Auf welcher Basis der Ausschuß für Arbeiterwohlsohrt zu ar- beiten gedenkt, kommt in der e i n st i m m i g angenommenen Re- solution zuin Ausdruck, die an die Adresse der Berliner Stadtver- ordneicn gerichtet wurde und für die Verteilung der Liebes- gaben folgende Grundsätze aufstellt; 1. Soweit es sich um Lebensmittel handelt, haben alle öffentlichen F ü r so r g e a n st al te n(Lungenfürsorge, Poli- kliniken, Jugendfürsorge und-pflegestellen'! sowie Armen- und Kassenärzte Hilfsbedürftige an die zu schaffende amtliche Vertei- lungsstelle zu verweisen, ebenso Krankenhäuser Kranke, die ent- lassen werden und noch einige Zeit einer besonderen Verpflegung bedürsen. 2. Bei der Verteilung von Kleidungs st ücken und sonstigen Bedarfsartikeln haben ebenfalls die Organe der gesamten öffentlichen Fürsorge(amtliche Kviegsfürsorge-, Jugendpflege- und-fürsorgestellen. Armenpflege usw.) mitzuwirken. 3. Den mitwirkenden Wohlfahrtsorganisationen ist bei der Ver- teilung von Liebesgaben aller Art Einfluß zu gewähren durch Uebertragung folgender Befugnisse an den Groß-Bcrliner Ausschutz: s) Sie haben das Recht der M i t w i r k u n g Sei der Aufstellung von Richtlinien, nach denen die Verteilung der Liebesgaben zu erledigen ist, b) hilfsbedürftige Mitbürger zur Erfassung durch die Verteilung von Liebesgaben vorzuschlagen, c) die Verteilung zu überwachen. Eine von der Leiterin, Genossin Totenhagen, vorgc- schlagen« Sammlung zum Besten der Notleidenden im Erz- gebirge� ergab die in dieser kleinen Versammlung immerhin stattliche Summe von 18 4 Mark. Die Wahlen zum Stuüentenausschuß. Aus Studentenkreisen wird uns geschrieben: Vorgestern und gestern fanden an der hiesigen Universität die Neuwahlen zum Studentenausschuß statt. Die Wahl- beteiligung war verhältnismäßig gering. Von insgesamt 8000 Wahlberechtigten haben nur 2600 von ihrem Wablrecbt Ge- brauch gemacht. Davon entfielen auf die„national-völkischen" Parteien in ihren verschiedenen Schattierungen 18S7 Stimmen. Der Demokratische Hochschulbund erhielt 210, der jüdische K. C. 143, die Freideutschen 89 Stimmen. Die i o z i a l i st i s ch e S t u d e n t e n p a rtei brachte es nur auf 184 stimmen, steht also in der Siudentenvertretung in hoffnungsloser Minderheit gegenüber einer teils übernationalen und antisemitischen, teils einer rein fachwissenschastlichen Gruppe, die alle entschiedenen Neuerungen ängstlich ablehnt. Bei der großen Gleichgültigkeit der überwiegenden Mehrbeit der Studenten ist auf eine Unterstützung unserer Forde- rungen, die aus eine völlige Umwandlung der jetzigen Hochschule hinauslaufen, kaum zu rechnen. Die hauptsächlichsten Forderungen der sozialistischen Studentengruppe find die recht- liche Gleichstellung der Dozenten und Lektoren mit den Professoren, Einräumung einer entscheidenden Stimme für die Studentenschaft in allen wichtigen Fragen der Ver- w a l t u n g. Ferner Abschaffung des veralteten Disziplinar- st r a f w e f e n s. Möglichst weitgebende Heranziehung von Lehrern aus Kreisen der praktischen Erfahrung, Ausbau des Unterstützungswesens. Gleichberechtigung aller Studierenden ohne Unterschied der Nationalität und der Konfession. Statt dessen erleben wir tagtäglich eine wüste Terra- risierung aller Andersdenkenden durch eine kleine, aber laute nationalistische Gruppe, einem pöbelhaften Antisemitismus, der unter Mißachtung der Lehrfreiheit lfiehe Prof. Nikolai und E i n st e i n) die dum mater zu einem Schauplatz widerlicher Zänkereien macht. So wurde erst vorgestern abend in einer Veranstaltung der sozialistischen Studentengruppe, in der Gen. Eduard Bernstein zur Hochschulsrage sprach, von deutschnaiionaler Seite aus eine wilde a n t i ie m i t i s ch e Demonstration veranstaltet. Die Aufforderung deS Referenten zur Versöhnung und zur Mitarbeit am wirtlichen Völkerbund wurde beantwortet mit sinnlosen Drohungen gegen die„inneren und äußeren" Feinde. Ein„schneidiger Korpsstudent" erklärte stolz, er zähle jeden Tag bis zum nächsten Rachekriege.„Sie wollen nicht lassen vom Wahne." Der uniformierte Staate- b ü r g e r in seiner höchsten Glorie als Leutnant ist und bleibt das Ideal dieser Leute. Der%Jkampf gegen den„Erbfeind" und die „Juden" ihre ewig gleiche Litanei. Wir können uns diesen schon etwas schimmelig gewordenen Idealismus nicht zu eigen machen, haben auch keine Zeit dazu. Unser Ziel ist der Aufbau der freien deutschen Hochschule. Ihr gehört unsere ganze Arbeit. Zur Mitarbeit daran ist uns jeder willkommen, der gleichen SinneS ist. H. W. * Heber die Rede Bernsteins wird uns auS Studenten- kreisen mitgeteilt: Genosse Bernstein behandelte die Stellungnahme der Studenten zur Politik. Er ging von einer einge- benden Würdigung Fichtes aus und bewies an der Hand zahl- reicher Zitate, daß' die nationalistischen Kreise Fichte bitteres Unrecht täten, tvenn sie ibn als den ihrigen proklamieren. In unzweideutiger Weise, hat Fichte an den verschiedensten Stellen gegen eine engstirnige Auffassung des nationalen Gedankens Stellung genominen und stet» beront. daß der nationale Gedanke nur in Verbindung mit dem internationalen Gedanken des Weltbürgertums seine höhere Berechtigung erweisen könne. Genosse Bernstein ging dann auf die nationalistische Geijnunna ein, die in den bedeutendsten Kreisen der Studentenschaft Platz gegriffen hat und die beweist, wie weit die angeblichen Jünger Fichtes von seinem wahren Geist entfernt sind. Nach den mit herz- lidhent Beifall aufgenov.menen Ausführungen des Genossen Bernstein setzr-. eine lebhaste Tiskussion ein, in deren Verlauf die Opposition allerdings in recht ungcsckickler Weise ver- treten war. Besonders die Ausführungen eines deutschfreundlichen Herrn, der sich nicht schämte, den Reichspräsidenten einen Hampelmann zu nennen, verließen durchaus das Niveau einer sachlichen Diskussion._ Ter Srruerausschtiß der Nationalversammlung begann mit der zweiten Lesung deS R e i ck S e l n k o m in e n st e u e r g e s e tz e S.§ 1 wurde in zweiler Leiung ohne Abänderung angenommen. Ein Antrag V l u n ck(Dem.) wurde angenommen, wonach 8 2, Ziffer 2, wie folgt gefaßt wird:„Elnkommensieuerpflichtig sind Richrdeutsche. wenn sie im Deutschen Reiche einen Wohnsitz oder des Erwerbes wegen oder länger als sechs Monate ihren gewöhnlichen Ausenihalt haben. Wird die Steuerpslicht� durch einen Aufenthalt von mehr als sechs Monaten begründet, so erstreckt sich die Steuerpflichl auch aus die ersten sechs Monate." Die ersten 10 Paragraphen wurden durchberaten. Wirtschaft. Wirtschaftliche Archive. Der Erfolg alles Handelns hängt wesentlich ab von der Schnelligleit und Gründlichkeit, mit der irgendein Gedanke aufgegriffen und in prakllsche Tätigkeit umgesetzt, irgendeine Tatsache, ein Vorkommnis auf etwa mögliche Folgen geprüft wird und dem- einsprechende Maßnahme» getroffen werden. In den wenigsten Fällen bleibt daö Gelesene, zumal wenn eS eine kleinere Notiz ist. länger als einige Tage oder Wochen im Gedächtnis haften. Die Fülle der Erscheinungen verwischt die Quellen, vermengt die Nach- richten mitemander. läßt manches wohl ganz der Vergessenheit an- helinfallen. Selbst da, wo für den regelmäßigen Eingang der in Frage koinmeiidelt Nachrichten Sorge gelragen ist— und das ist erklärlicherweise schon nicht überall durchführbar— besteht oft genug aus mancherlei Gründen, meist wohl finanzieller Natur, leine Möglichkeit, alles zu sammeln und für etwaigen späteren Bedarf aufzubewahren. Mit der bloßen Aufbewahrung allein ist aber auch nicht viel mehr gewonnen als zentnerweise sich anhäufende Mengen von Papier. DaS, worauf es ankommt, ist die sachgemäße Sichtung und Ordnung des einlaufenden Stoffes zur tunlichst raschen und erschöpfenden Befriedigung jeder möglichen Nachfrage. Ein interessierter„VorwärtS"-Leser macht sich Ausschnitte, klebt sie aus gleich große Blätter und ordnet sie mit Hilfe cineS Lochers und Ordners nach„Stichwort«»". Daun wird er sich stets selbst ausreichend unterrichten können. Preise für Produkte. ES notierten am 18. Februar Hafer.... die Tonne 4620— �OO M. Vikoriarrbsen... 50 Kg. 430— 570„ Vohncn..... 50„ 400— 500„ Wicsenhcu.... 50„ 47— 54, Stroh, drahtgcpreßt 50, 26— 35„ Ter Preis für Melasse ist vom 1. Februar 1020 dem neuen Zuckerpreis angepaßt worden. Er darf für Melasse mit ei>em Zuckergehalt von 50 Proz. den Preis ton 13,82 M. für 50 Kilogramm nicht übersteigen. Die Melasse ist wie seither an die Bc- zugsvereimgung der deutschen Landwirte abzuliefern. Ei» neues Syndikat! Die Not der Zeit, die Unsicherheit seiner Zukunft, haben den Verein der Stärke-Jnteres senken in Deutschland ver- anlaßt, der Generalversammlung des deutschen SlärkegewerbeS den Plan eines Syndikats vorzulegen, zu dem sich das deutsche Stärkegewerbe gemeinsam mit der nahe verwandten deutschen Kar- toffeltrocknungSiudustrie zusammenschließen soll. Dieses freie Syndikat beider Kartoffeln verarbeitenden Gewerbe, das aufgebaut sein soll auf der freiwilligen Vereinigung aller deutschen Stärleinteressenten und Kartoffellrockner in einer Iraslvollei! Orga« niiation, bedeutet keine Verewigung der ZwangSwirlichait, kein künstliches Erhalten oder eine Veredelung der Trockenkartoffel- VerwertungSgesellsckaft m. b. H., der Kriegsgcsellschaft beider Kar- toffeln verarbeitenden Gewerbe, sondern deren schnellstmögliche Auflösung und Ueberuahnie aller LiquidationSarbeilen aus der Zeit der öffentlichen Bewirtschaftung auf das freie Syndikat. ES ist recht erfreulich, daß die Slärkeindustriellen den Zu- sammenschluß vollziehen wollen. Wir begrüßen jeden Fortschritt in der wirtschaftlichen Organisation, nur sollten die Herren statt des „Gesangvereins", wie diese freiwilligen Syndikate richtig gc- nannt werden, einen gemeinwirtschasrlich aufgebauten Trust schaffen, der allein ein« durchgreifende Rationalisierung zu erreichen vermag. Wir glauben ihnen, daß sie das Syndikat vorziehen, in dem sie keine Arbeitervertreter und Verbraucher als Zuhörer und Opponenten haben und als Monopolisten so ganz unter sich sein können. Wie lange noch? Das letzte Wort wird doch die Arbeiterschaft zu sprechen haben! Kapitalverknüpfungen. Die Hamburger Verkehrs- A.-G., die vor Jahresfrist durch die Hamburg-Amerikaliirie, die Wörmannlinie, die Ostafrikalinie, d'e Reederei Sloinan jun. und die Hugo-Stinnes-A.-G. für Schiffahrt gegründet wurde, hat aus dem Fürstlich H ohen l ohe scken Besitz die Aktienmajorität des Berliner Esplanade-Hotels erworben. Der Hotelkonzern der Hamburger Verkehrs-Ä.-G. besteht nunmehr aus den Hotels Esplanade-Berlin. Atlantic-Hamburg. Carlton-Frankfurt a. M. und Seebadeanstalt(Kurhaus) Travemünde. Eine Kcimczcntrale unter Aufsicht des RcichSwirtschaftS- Ministeriums ist in Charlottenburg gegründet worden. Gegenstand des Unternehmens, das gemeinnützig arbeitet und nicht mehr als 5 Proz. Tibidende vertellt, ist die Verwaltung und Kontrolle der Verarbeitung von Keimen auS Körnerfrüchten. Das Kapital von 300 000 M. wird von Mühlen und Müllerverbänden übernommen. Die Entölung der Getreidekcim? in rationeller Weise ist eins Kriogserrungenschaft von außerordentlicher Wirtschaft- licher Bedeutung. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß es der Mühlenmeister der Garnisonmühle des Berliner Proviantamts Köpenicker Straße war, der mit Unterstützung der dortigen Proviantamtsbeamtcn die Verwertung des Keimöls angeregt und energisch verfolgt hat. Aus der Beobachtung der Praktiker ist der Bollswirtschaft hier eine höchst wertvolle Bereiche- rung geworden. Warnung vor dem Ehemiestndium. Der Bund angestellter Chemiker und Ingenieure erläßt folgenden Aufruf, dem auch die Reicksarbeitsgemeinschaft Chemie inhaltlich beitritt: Die unterzeichneten Verbände halten es für ihre Pflicht, jedem. der vor der Frage der Berufswahl steht, vom Studium der Eheini« dringend abzuraten. Tre Uebersüllung in einem Beruf, der sich auf so schwankendem Boden gründet, wie heute der des deutschen 'Chemikers, muß für alle zu schweren Enttäuschungen, für viele zu Elend und einem verlorenen Leben führen. Eine wirtschaftliche Organisation der Kleinbauern. Unier dem Namen Rheinischer Bauern-, Winzer- und Handwerkerbund haben sich dieser Tage die Klein» bauern des Rheinlands zu einer Organisation zusammeugcschlossen, die entschieden Stellung gegen die Großagrarier nimmt und die Hand in Hand mit der o r g a ni s i e r t e n Arbeiterschaft an der Versöhnung zwischen Stadt und Land arbeilcn will. Nach einem Bortrage deS Stadlverordneten Trimborn. dem Redakteur unsreS Kölner Parteiorgan», über die Ziele und Au'gaben des Bundes wurde einem Programmentwurf zugestimmt, in dem u. a. gefordert wird: Ein neues Grund- und Bodcnrecht, daS die Bewirtschaftung des landwirtschaftlichen BodcnS durch die Bauern sichert: und das jede Boden fpekulatton ausschließt: inten- sive Hebung der bäuerlichen Wirtschaft durch Enteignung des von Kriegsgwinnlern erworbenen Bodens, Ablösung von Großgrundbesitzerland. Kultivierung von Oedland, Beseitigung aller Jagd« und Fischereivor- rechte des großen Grund- und Waldbesitzes, weitgehende Ge- nossenschastsbitdung auf gemeinnütziger Grundlage, direkte Bcr- Bindung de» Produzenten mit den Konsumenten. Die Gründung bedeutet, wie unser ftölner Parteiblatt schreibt. eine scharfe Kampfansage an die rheinischen Großagrarier, sie zeigt, daß endlich auch die Kleinbauern beginnen, ihre Klassenlago zu erkennen und zur Selbsthilfe schreiten. In der Leitung deS Bundes sitzen fast durchweg Sozialdemokraten, dagegen will der Bund, �wie er ausdrücklich betont, wirtschaftlich, politisch und religiös unabhängig sein. Bei dem starken Anwachsen, dessen sich die poli- tische Organisation der sozialdemokratischen Parter im Rheinland« in den letzten Monaten gerade in kleinbäuerlichen Schichten zu erfreuen hotte, darf zweifellos auch mit einer schnellen Erstarkung des neuen Bundes gerechnet werden. HeweMhoflsbewMW . daß sich einige engsttringe Uniernehmer gegen die bescheidenen.Forderungen auilehnen, tauchte aus verborgenem Winkel eine sogenannte.Arbeiterorganisation" aus. und zwar der Berliner Pvrtierverein, Kursürstenstratze. Dieser Mißgeburt einer BeruiSgruppe ler es vorbehalten gewesen, der durchaus berechtigte» Lohnbewegung Hindernisse zu bc- ? bereiten und dem Bund der Geschäfts- und Jndustrieh. Bes. gleich falls einen BertragSenlwurs»i präsentieren. Die Haupirichtlmien dieicS Vertrages bilde» zwar im großen und ganzen einen aeireuen Abklatsch des un'eten, man schämte sich ober nicht, eine 10 stündige Arbeitszeit zu offerieren und sich für dos S 0 m in e l n von Abfällen u'w. eine Kürzung des Lohnes aefollen zu lasten. Es iei ein Novum, daß ein Arbeiter seine freie Zeit dazu veiweiiden will, um Müllkästen und Kebrichibansen um- ziikehreii, mir um seinem Arbeilgeber durch den Verkälts der ge sundenen Abfälle eine angemesiene Entlohiiiing zu erivaren. Diei? Handluniisweise sei 10 niedrig und verweiflich, daß man sie mit Wonen nicht kennzeichnen könne. Es bestände berechligte Hoffilimg. mit dem„Blind der Geich.- und Jndustrieh.-Bef." doch noch in em leidliches, tarifliches Beihälinis zu kommen und eS wnd zweifellos gel'ngen, diese neueste Organisation dabei nuSzn- ichalten. Kämpf, nnerbilllicher Kamps sei die Parole gegen diese ..»otioiiale Aibciicrgrnpve". Ausgabe der Portiers, Heizer und Fabisluhlsührer sei es daher, un'ere Reiben zu stärken durch Ciniritl in die Sektion? deöDeurschen Transport arbeiier- Verbandes. Tie Tarifverhandlunge» im Bankgewerbe. In der Sitzung am DienSlag des GchlichliingSauSschusseS für die Tatiiverhandliinflen im Bankgeweide wurde das Eigebnis der Enlicheidling deS Ausschusses über die Frage E 1 n b e i t s l 0 r i s oder M a n l e l l 11 r i s»nd über die Schwankungen des Ein- kommeiiS durch den Vorsitzenden bekanntgegeben. Der SchlichiungS- ausschliß bar einstimmig beichlosien, daß ein Einheitstarif mit Ortsklassen geschaffen und daß in dem Tarisverlrag auch die Verschiedenheit der TeuernngSziilagen festgelegt werden toll. Es ioll zunächst das Februareinkommen festgesetzt und dieses Ein- lammen dann am 1. Juni lind am I. Oktober einer Nochprüfnng »n'.erzogen werden, und zwar in der Weile, daß aus dem Geiami- Einkommen ein sogenamues Bankbeamte lie�ist enzmini- m u m herausgenommen wird. Die Prailcheiikeitung der.Holzindusirie im Deutschen TraiiSportarbeiterverbano nahm in einer Vertrauens- männerversanrmlung Stellung zur Lohnbewegung. Mar Schultz? erläuterte den vom ArbenSministerium gefällien SchiedSipiuch, wel- >cher auch den Hiiisarbeitern tariflich festgelegte Teueiunoszu'agen gebiächr bat. Redner ermahnte, nunmehr auey für die Durchführung des Schiedsspnichs überall Sorge zu tragen. Zum Schluß gedachte Schnttze der im Streik besindlichen Kollegen, die infolge der Hattnöckigkcit einzelner Unternehmer auf der Straße liegen. In der Diskuision wurde von einzelnen Rednern eine Erhöhung der Streikunterstützung um 20 M. pro Woche gefordert, dafür wäre jeder zu erhöhten Beiträgen bereit. Der Braiichcileiter betonte. daß eS unmöglich sei. die'en Wunsch iotorl in die Tat umzusetzen: zunächst werde die OrtSverwallung z» der Frage Stellung nehmen muffen. Der kominciiden Generalversammlung könnren außerdem durch die nächste Brancheiiversammlung enisprechende Anträge unter- breitet werden. Momentan sollten die Branchenkollegen ihre Solidarität mit den Streikenden durch besondere Sammluncien bekunden. Nachstehende Resolution der Branchenleitung fand einstimmige An- nähme: �* „Die versammelten Funktionäre der Holzbranche im D. T. V verpflichten sich nach besten Kräften die streikenden Kollegen materiell ,11 unteistützen. Zu diesem Zwecke werden Sammellisten eingeführt. deren E/irag den streikenden Kollegen zuteil werden koll. Sie ovpelliereii an die Opferwilligkeit aller in dieier Branche tätigen Kollegen und hoffen damit den streikenden Arbeiisbrüdcrn rech! schnelle Hille zu biingeit." Die Liften werden diese Woche noch zur Zeichnung vorgelegt. Ein sürftlichcr Arbeitslohn. Vom Verband der Gemeinde- und Siaatsarbeiler wird uns folgendes geschrieben: In der Gemeinde Berlin- Stralau gebort der Friedyof zur dortigen Kirchengemeinde. Der einzige Arbeiter, der dort be'chätttgt ist. erhält den türsilichen Lohn von 1,60 M. pro Stunde. Der Kirrbeuvorstaiid holte auf die berechtigte Forderung des Arbeiters tun Einreibung unter den Tarif der Gemeindearbeiter Groß-BerliiiS nur die Anlwort:„Weuu er mir dem Lobn nicht auskomme, so könne er aufhören, der Kirchenvorsrand würde dann Arbeiter der Glasfabrik im Nebendienst beichästioen." Der Fall zeigt wieder einmal, daß die Kirche auch heute noch einen guten Magen hat, sie kann sogar den Hunger ihres Arbeiters vertragen. Nachklänge zum Streik im chemischen Großhandel. Die„Freiheit" läßt in ihrer Nr. 35 vom 16. d. M. im Vcr- sammlungsliericht der Delegiertenversammluna des Angestellten- Verbandes dem Redner Fritz Schmidt u. a. folgendes sagen: „Der Streik im chemischen Großhandel ist abgebrochen wer- den, weil die Leitung deS TranSpmtarbeiterverbandeS nicht die Treue gehalten bat." Wenn diese Darlegungen nicht irrtümlich hineingekommen sind, so sind sie als gröbliche Unwahrheit zu bezeichnen. Nicht diet S�sttr'ng des Transportarbeitervcrvandes hat die Treue ge- broffen, sondern die Mnglieder des Angeitellteriverbandes. Der Streit mußte abgebrochen werden, weil die Angestellten schon in großer Zahl in die Betriebe gelaufen und die übrigen auch nicht mehr zu halten waren. Der Streik ist dann auch, obgleich die Arbeiier bis zum letzten Tage treu zur Fahne standen, in gemein- famer Abstimmung der gewerblichen und kaufmännischen Änge- stellien in Rücksicht aus das Verhalten der Angestellten aufgc- hoben irordeu. Wie man da von einer Untreue der Leitung des Transvort- arbeiterveNbandeS reden kann, ist uns unverständlich. Schön ist es jedenfalls nicht, wenn die Leitung einer Organisation, der die Führung einer Bewegung nicht so gelingt, wie sie es gern haben wollte, versucht, ihre gemachten Fehler auf andere abzuwälzen. Nechksanwaltsangestellre. Zur Beilegung der Streitigkeiten zwischen den Rechtsanwälten und deren Angestellten bat das ReichSarbeitSministerhim einen Verhandlungstermin auf Donnerstag, den 19. d. M.,- anberaumt. Ueber den Verlaus der Verbondliing wird in einer am ieiven Tage, abends 70°. Uhr. im Königstadi-Kasino. Holzinarlisir. 72, stattfindenden Bcr- sammlung der Angesielllen Bericht erftaiter werdet!. Die Entlassungen bei der Eisenbahn. Zu der Entgegnung des Allgemeiueu EiienbahnerverbonieS in der Mittwochmorgennummer des„Vorwärts" erhalten wir von dem darin erwähnten Karl Förster folgende Zuschrift t In der Notiz wiid mein Name mit vorangegangenen Fragen und Behauptungen so innig verknüpft, daß eS den Anschein erwecken muß, als wenn ich Sarau Anteil hätte. Allerdings bin ick auf Beschluß der Arbeiierräte für den Januar, und Märzstreit 1919 etngeireten. Ich frage nun: Sind die Arbeiterräte dcö Allgemeinen Eilenbahner- Verbandes nicht ebenfalls dafür eingetreten, soweit sie Mitglieder der S.P.D. sind?„Alle übrigen Behauptungen" tönnen mit meiner Perlon nickit in Verbindung gebracht werden und ich weile sie umer Pioiest zurück. Festitellen will ich nur. daß ick dem Zeiitrolrat als Mitglied der S. P. D. augebörte und heute noch nicht weiß, wer die unge'äbr 3000, nicht„Hunderttausende" kam- mun, striche Flugbläner in das Zimmer des Zenirairats gebrockt har.— Dies dürste wohl dem Artikelickreiber nicht unbekannt lein: ebenso, daß ick mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln gegen die beiden letzten großen ErfenbahnerstreikS im Jnni 1019 und Januar 1920 gearbeitet habe. s lieber die Vorgänge in der Dekeziertenber'ämmlung de" Zentral- Verbandes der Angestellten erhallen wir vom Vorsitzenden der OrtS» gruppe Gtoß-Berlm Hugo Cohn noch folgende Darlegungen mir denk Eriucken um Wiedergabe im„Voiwärls": .In der letzten DelegieNeiiversammlung gab Bormann eine Erklärung im Namen der Opvosilion ab. die in einzelnen Teilen eine unrichlige Darstellung der unerquicklichen Vorkommnisse enl- hielt. Darauf nahm ich Veranlassung, den Hergang in folgenderrFotm in die Eriiinerung zurückrurufen: Nachdem Franz Krüger in der Delegiertenveriommlimg am 2h. Januar.seine Anstührungen beendet tiatte. uahin Henfel das Wort zur Geichäftsordnung und sprach dabei nach reckt? gewandt von Svitzelanstellunaen. Krüoer. der in der rechten Hans Augen- glas und Taschentuch hielt, griff mit der linken. Heniel an den Arm und iragte erregt:„Wer bat Spitzel angestellt?" Hemel, der vielleicht einen Angriff befürchtete, schlug darauf Krüger ins Gesicht. Tie Richtigkeit der Darstellung wurde wohl von den meisten Augenzeugen durch Zustimmiingörufe bestätigt. Im Namen seiner Freunde erklärte Nörvel fLisie 3), daß er nach den objektiven Aus- führungen des Vorsitzenden darauf verzichte, weiter auf die Sache einzugehen. Ich gab meiner Befriedigung Ausdruck, daß dieser Zwischenfall nun erledigt sei und sprach sie Hoffnung aus. daß die Verband- lungen in Zukunft in sachlicher Wei'e geführt werden." Wir holten mit dieser Darstellung die Angelegenheit nunmehr für erledigt. Schiedsspruch in einer Entlassungsstreitsache. Vor dem SchlichtimgSausschnß Gioß-Bcrlin wurde am Miit- woch unter Vorsitz eines unparteiischen Vorsitzenden in der Streil- sacke Beniebs- Aiis'ckuß gegen„Jini" Akt. Gei. Restaurant Zum Prälaten wegen Eiillassung von 16 Kellnern, deren Kündigung der Betriebs-Ausichuß zurück lewieien halte, iolgender Spruch gefällt: Der SchlichiungöauSi'ckiiß ist der Auffassung, daß 10 von den !6 Kündigungen als imbereckifgl zurückgewiesen werden, 6 Kündigungen als bercchiigt anerkannt seien, darunter eine als durch den Tod eines Kellners erledig!, die übrigen 5 wegen Schließung des Konz-rtbogens infolge schlechten Geschäftsganges desselben. Wenn dieser seit nahezu 3'4 Jahr schwebende Streitsall von beiden Parteien angenommen wird, so ist die von Monat zu Monat sich wiederholende Beunruhigung der dort arbeitenden 47 Kellner, die zugunsten der Firma aui Bezahlung von monatlich vier Urlaubstagen verzichteten, ein Ziel gesetzt. Infolge der un- geheueren Lebensmiitelieuerungen waren die Kellner nicht mehr in der Lage, die Lohnkürzungen aui sich zu nehmen. Auf der anderen Seite lag jedoch auch kein Grund vor, zu derartigen Enilasiungen zu schreiten. t Verband der Buchbinder. Freitag, den 20. Februar, nachm. 5 Uhr' In den Zentralfensäleii, Alte Jakobstr. 32, B r a n ch e n v e r s a in m l u n g aller in Biichbindereien. Buchdruckercien und cheichästsbutsabiiken br ichäsligten Buch dindereiarbeiter und-tlrbetteriiiiren! Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl der Bianchenleitung. Niemand dari ieblen. Die Bianclieuleitunq. I. A.: Czernn. Zentralverband der Angritrllteu. Veriammlungen am Frei tag, den'20. Februar: Fachgruppe� Sektion der Betriebs- a n g e st e l l r e 11) abends 6 U!ir, Brachtsäle„Alt-Beriin", Blnmenstrage 10. kTageSordnung: Z. d. A. oder Kommunatbeomteiwerbano? Referent Kollege Giebel.).— Fachgruppe Sa(Setticn der V e r i i ch e- rungseinnebmer) abends Uhr. Dresdener Kasino, Dresdener Straße'.<6(Bericht von den Tarisoerbandlungen).— Fachgruppe 10 < Textil- und Bekleidungsbranche) abends 7 Uhr, Munker- säie, Kaisrr-WUbelm-Str. 31(Vollversammlung der gesamten Fachgruppen.- Mitglieder)— Fachgruppe 17(Angeiiclltc der Fischgrotzband- lungen u. F i I ch k 0 n i e r v c n i n d u il r t e) abendS Uhr, Häver landS Festjöle, Neue Friedrichftr. 35(Tarifvertrag). Sericktszeitung. Frcifpruch im Giftmordprozcß. In dem Gütmordprozcß gegen die Ehefrau des verstorbeneu Großschlächters F 0 e g e und den Kaufmann K l a u S k e, der das Schwurgericht am Landgericht I die letzten beiden Tage beschäftigte, wurde die BeweiSausnabme zu Ende geführt.— lieber die blitzartige Wirkung des Zyankali und die Möglichkeit, daß daö Eifc nicht in einem Augenviick den Tod verursachen könne, äußercen sich gutachtlich Geh. Medizinalral Dr. Straßmann und Medizinal- rat Dr. 2 r ö r m e r.— Der Siaaisanwair stellte den Geschivoreneu anheim, den Angeklagien ÄlauSke für nicklschuldig zu erawicn, be- zeichnete aber mit Bestimmtheit die Angellagte Foege als schuldig de« MordeS. Sie habe den KlauSke heiraten wollen und deshalb ihren Mann vergütet, indem sie ihm das Gift, das sie anscheinend von einem Drogisten, der leichtsinnig mit her Abgabe von Giften umgegangen sei, erhalten habe, in der Silvesternacht in den Sekr getan.— Rechtsanwalt Bahn beantragte, beide Angeklagte für nichtschuldig zu erachten und führte den Geschworenen die Gesöbr- lichkeit de« sogenannten Indizienbeweises vor Augen.— In später Abendstunde kamen die Geschworenen nach kurzer Beratung zur Verneinung der Schuldfragen, so daß das Gericht auf Freisprechung erkannte.___ Der Streit»m die Wuchcrgerichtc. Zu der Frage der RechtSgiiltigkeit der Wucker- g e r r ch t e bar nun auch das Wuchergericht am Landgericht Iii Stellung genommen. Der StaatsanwaltSajsesior Ueberhorsr bekämpfte die von dem Wuchergcricht am Landgenckr II geltend gemachten Bedenken gegen die RechtSgülligkeit und hielt es für notwendig, daß daö Gericht den entgegengesetzten Standpunkt de? Landgerichts I teilen werde. ES sei zunächst zu prüfen, ob überhaupt eine Behörde, die�alS lolcke in Tätig- keit geireren ist, befugt ist, ihre eigene Zulässiqken anzuzweifein. ES handle sich hier speziell um eine Frage des VerwaliungSreckrs. Wenn man die Ansicht»es Landgerichts II für richtig erachte» wurde. würde überhanpl jede staatliche und LerwalrungStätigkeu lahm qe- legt werden: jedes Zusammenarbeiten mit anderen Behörden würde unmöglich gemacht werden. Von allen Gesichtspunkten uns betrachtet. sei die Verordnung zulässig und das Wucher gericht habe in Tätigkeit zu treten.. �_ Daö Gericht war im Gegeniatz zum Staatsanwalt der An- ficht, daß es befugt iei. die Recktsgültigkeir zu prüfen, stellte sich aber im übrigen im allgemeinen aus d�n Standpunkt de? LandgerickiS l und der Ausführungen des Staatsanwalts. Daß die Ver- ordnung vom November 1019 dre Regelung der UebergangZ- Wirtschaft betrifft, könne nicht zweffelhast fein. Das Ermächtigungs- geietz beschränke nicht die Zuläsfigkeit solcher Verordnungen 01» Regelung des materiellen Rechts und die Vorichriften über dte Äenderunq deS Veriahren muffen als rechtSqüliig angesehen werden. AiiSnahinegerichte seien solche, die eingesetzt seien zur Aburteilung eities bestimmten Tatbestandes, das treffe hier aber nickt zu. Umstand daß der Staatsanwalt beiugr sei, eine Sacke nach Wohl vor daö Wuchergerickt zu bringen, sei eine Versabrensvor'cknft uno v e r st 0 ß e nickt gegen die Verfassung; auch die Befug- niS zur Verhaftung sei kein solcher Verstoß, event. müßte der hier- auf bezügliche§ 7 für rechlsungüliig erklärt werden, nickt aber die gesamte Verordnung.— Das Wuchergericht nahm hierauf feine Arbeil auf.__ ZSetteraussschten für das mittlere Vorddentichlnnd bis Frettaa mit>ag. Zeitweise etwas tiebeleg, sonst Nocken �und giogtenleiiS beiter. In den MitiagSstunden überall mild, nachts bl- o'rcitag an vielen Orten leichter Frost.___ Beraniw. für»er. redaktien. Seil:»en-e SWUt. GÖaTlutten&urfl: für Unjelncii; TP. Hiocke. Sc: Un. Bcrliig: Sor«iirts.-gerluq.