Nr.l07.37.Ia!srg. Bezugspreis: S-eclMSHrl. 16 jO fflu, monaN. 550 SÜL trei Uta öous. oormis Zahlbar. Pos:- bemq Monatlich 550 Vit. erkl. �u- stellunq-aedükr. Unter Kreuzdand für Demichland und Oesterreich-Ungarn 8.75 Mu. für Dos ubrigt Ausland 13.— Ml., bei täglich einmal. Zustellung 11— Ml.+ Valuta.» Aufschlag. Voli- üestellungsn nennten an Äancmarl, Sollaad, aurentdurg, Schweden und die Schweis. Eingetragen-n die Poir- sicitungs.Preisliste. Der.Vorwärts" fnii der Sonntags- beilage.Boll u. Zeit" erfcheini wochen- tüglich iwennal. Sonmags einmal. Tel ea ramm-A dresje »Sojicildemotral verlla-. Abend-Ansgabe. berliner VolKsblQtt �ISpksnnig) Anzeigenpreis: Tie achtgefpaltcne Ronpareillegeile loiteiZ— M.,Teuerungszusch!azl>0°/> .Kleine Anzeigen-, das feit- gedruckte Wort 75 Big.(zulässtg zwei lettgedruckte Worte), sedes weitere Wort SO Pfg. Stellengesuche und Echlafsiellenanzeigen das erste Wort 05 Pfg» irdes weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuemngszuschlag 50°/,. Familien-Anzeigen, oolitilche und gewerlschastliche. Vereins- Anzeigen 2— Mt. die Zeile ohne Ausschlag. Anzeigen für die nach sie Aummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im iöauvtgeschäit. Berlin SWW, Linden- straßc 8, abgegeben werden. Geöffnet von g Uhr jriih bis 5 Uhr abends. Zcntralorgan der rozialdemohrat»rcbcn parte» Deutfcblanda Neüaktion und Expedition: EW. 08, Lindenstr. Z. aernsvrccüer: Aini'.'liorlnvla«, Nr.».»> i»»»—>3» 97. Freitag, den 27. Februar 1920. vorwärts-verlag G.m.b. h., EW. öS» Lindenstr. Z. thcriisprecher: Amt Moritiplav, Nr.»»7 äZ—./»4. Der Straßburger Kongreß. T t r a st ü u r g, 26. Februar. Tem Kongreß der französischen Sozialisten ist telegraphisch ein Brief Lenins an Longuet zugegangen. Lenin ertlärt, die Aufnahme der französischen sozia» kistischc», Partei in die Moskauer Internationale könne nur unter der Bedingung vor stch gehen, daß Leute wie Albert Thomas, S r m b a t und Bracke aus der Partei ausgeschlossen würden. S t r a st b u r g, 26. Februar. Auf dem Kongreß der französi. scheu Sozialisten wurde heute über die innere Politik vcr- handelt. Hierbei wies Blum darauf hin, daß die sozialistische Kamutergruppc den Sturz vlemeueeauS verursacht habe. Es ist un- richtig, so bemerkte M a n e r a s, daß die Sozialisten bei den Wahlen keinen Einfluß auf die Masse hätten. Tie Wege des Nationalismus habe damals alles mit sich fortgerissen und habe sogar dazu geführt, daß die demobilisierten Soldaten Generale wie Castelnau gewählt hätten. Namens der holländischen Kommunisten sprach Frau Holz, welche die Fortschritte der kommunistische» Idee in Frankreich be- grüßte und den Zusammenb tu ck, des Noskeschen Ne° gimes r» Teutschland als Folge des allgemeinen Hasses gegen dieses Regime in Aussicht stellte. Die Revolution müsse in Deutschland triumphieren, damit sie in an- deren Ländern zur Entfaltung gelange» könne. Die Ausführungen der Redncrin wurden schweigend angehört, nur die äusterstc Linke gab ihrem Beifall Ausdruck. Der Eisenbabnerstreik in Frankreich. Paris, 26. Februar. Infolge des Eisenbahncrstreiks steigen bereits die L b e n S m i t t c I p r e i s c in Paris. Paris, 27. Februnt.\ZM.i Der srauzPfche Eeseupuhner streik ist stationär. Man erwartet von d n Streikenden Br- schlüsse, die entweder in wenigen Stunden zur Wideraufnahme der Arbeit oder zur Ausdehnung deS Streiks ans daS ganze Eisenbahn- netz führen werde». Ter politische Charakter der ganzen Bewegung wird immer deutlicher. In der Umgebung von Paris finden Bersammlungcn von Eisenbahnern statt, in denen Reden für die Proklamierung des Generalstreiks und für die Errichtung der Diktatur des Proletariats gehalten werden. Mille- r a n d ist gestern mittag plötzlich von London abgereist. Er wurde abends in Paris erwartet, um einer Ministerratssitzung zu präsi- dicren. Die Regierung scheint entschlossen zu sei«, sich bei der Unterdrückung der gefährlichen Erregung schonungslos zu zeigen. Bafel, 27. Februar.(TU.) Eine aus Paris zurückgekehrte Persönlichkeii, die cm den Pariser Verhandlungen der österreichischen Staatssekretäre tätigen Anieil genommen hat, macht dem Vertreter Oer«Baseler Nachrichten" folgende Mitteilung: Der Eindruck, den Paris jetzt bietet, ist der gleiche wie der.�den Oesterreich vor sechs Monateu gemacht hat. Man beobachtet im Finanzleben die fort- schreitende Flucht vor dem Franken, das Hinauf- schieben der Preise steigert sich von Tag zu Tag, die Teuerung ist unerträglich; größere Geschürte werden meist in Dollar und hollän- dischen� Gulden abgewickelt. Frankreich wird jetzt vom Auslande ebenso ausgekauft wie Wien, und die notwendigen Be- darfsartikel sind bereits im Zentrum der Stadt Paris gar nicht mehr zu finden. Auch die Kohlennot ist ernst. Die Volks- stimmung m Frankreich ist gedrückt. Llopü George über ü:e türkische§rage. Amsterdam, 27. Februar. Nack, einer Meldung des„Tele. graaf" ans London vom 26. erklärte Lloyd George auf Au- fragen Marleans und Earsons im»lnterhause die Fricdcnszicle der Alliierten gegenüber der Türkei. Diese feien: I. Die Freiheit der Dardanellen: 2. die Befreiung aller nicht türkischen Gemeinschaften von der türkischen Herrschaft und ß. Selbstverwaltung für die Gemeinschaften, die zum größten Test aus türkischen Untertanen bestehen. Die Dardanrllenforts müßten geschleift werden und die Türken dürften keine Truppen im Bereiche der Wasser- straßcn hallen. Swtt dessen hätten die Alliierten selbst dir Absicht, Garnisonen an den Wasserstraßen zu errichten, mit deren Hilfe nicht allein die Tardanellen, sondern auch der Bosporus bewaffnet werden könnte. Llohd George schloß: Wir beabsichtigen, den Türke« dir Herr- schäft über alle nicht türkische» Rassen z» nehmen, die sfe früher so schmerzlich unterdrückten. russische Sowjetdiktator geantwortet haben, diese Möglich- keilen seien leider nicht groß, denn die„S ch e i d e m ä n n e r" seien schlechte Verbündete: und er fügt hinzu, daß er ein Bündnis mit allen Ländern, ohne Ausnahme, anstrebe. Diese Erklärung Lenins ist etwas merkwürdig, denn er dürfte doch wohl auch wissen, daß Teutschland von einer Koalition der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Demokraten regiert wird, nicht aber von den„Scheidemän- ncrn". Venn er uns aber als schlechte Verbündete bezeichnen zu müssen glaubt, so haben wir einfach zu erwidern, daß die Sozialdemokratische Partei Deutschlands gegen alle Staa- tenbündnisse ist, da sie sich doch immer gegen irgendwelche' andere Staaten oder Staatengruppkn kehren müssen. Wir wollen nichts weiter, als mit allen Völkern in gleich sried- lichen und gleich herzlichen Beziehungen leben. Das besiegte und gekstechtete Teutschland kann heute nichts weiter tun, als immer wieder der übrigen Welt vorzustellen, daß die Untat von Versailles und ihre wciterwirkenden Folgen den Weltsrieden und den wahren Bund der Völker bedrohen und nicht zur Wirklichkeit werden lassen. Wie sehr gerade Teutschland und Rußland wirtschaftlich aufeinander ange- wiesen sind, hat die Sozialdemokratische Partei Deutschlands immer erkannt, ostnials ausgesprochen und sie hat sich stets bemüht, die deutsche Politik mit dieser Erkenntnis in Ueber- einstimmung zu bringen._ Die Schweiz und öer völkerbunö. Bern, 27. Februar.(WTB.) In seiner gestrigen Abendsitzung begann der Nationalrat die Debatte über den Beitritt der Schweiz zum Völkerbund Die Mehrheit der Kommission hatte sich für den Beitritt ausgesprochen, auch wenn die Vereinigten S�Kaiea von Amerika dem Vösterbunde zunächst nicht beitreten wür, den. Ter Vertreter der katholisch-konserbativen Par- tei erklärte dagegen für seine Parteifreunde, der Völkerbund ohne Amerika sei ein totgeborenes Kind. Die bisherigen Wlio- ncn des Völkerbundsratcs seien nicht Solidaritätsgedanken ent- sprungen, sondern der- eigenen Not der Sieger. Ter Vertreter der sozialistrschen Partei bekämpfte gleichfalls den Beitritt zum Persmller Völkerbünde, der nichts anderes bedeute, als den letzten Versuch, den im Todeskampf liegenden Kapitalismus zu retten. Polens Klage gegen öie üeutschen Gkkupationsbehörüen. Warschau. 27. Februar.(TU.) TaS Ministerium des Aeußcrn überreichte den Militärbehörden die Anklageschrift betreffend die Tätigkeit der ehemaligen deutschen Beamten im Okkupationsgebiet Kongreß dolens. Im Zusammenhang damit wer» den Vorbereitungen zur Untersuchung seitens der beteiligten Behör- den und Ausarbeitung der Anklageschrift gegen diese Beamten ge- troffen. In erster Linie sollen General V. B e se l e r und General v. K r i e S zur Verantwortung gezogen werden. Oesterreichs neues Steuerprogramm. Wien, 26. Februar. lKorr.-Bur.) Rationalverfamm- lung. Der Staatsiiekretär der Finanzen unterbreitete die neuen Steuervorlagen, welche als Reform beibehalten: DieErhöhungderEinkommensteuer sowie eine Reform anderer Personalsteuern, die Einführung einer dauernden Vermögenssteuer, sowie einer Vermögenszuwachs- st e u e r, die provisorische Regelung der E r w c r b sst e u e r, eine Echöhung der Grundsteuer von 2S auf 40 Proz.. ein Gesetz über außerordentliche S t a a t s z u s ch l ä g e, die Einführung der Umsatzsteuer» sowie eine Erhöhung der indirekten Steuern auf Branntwein, Bier. Wein, Zucker, Mineralwasser. Zündhölzchen, Erhöhung der Salzverschleißpreise, schließlich ein Länderkotationsgesetz und ein G e in e i n d e ü b e r- Weisungsgesetz. Nach dem vorliegenden Sieuerprogramm ist das jährliche Mehrerträgnis der'Steuern folgender- maßen zu veranschlagen: Die laufende Vermögenssteuer auf 70 Millionen, Personalfteucrnovelle auf 400 Millionen, die Erhöhung der Erwerbs- und Grundsteuern auf 61 Millionen, der Umsatz- fieuer auf 360 Millionen, die Verbrauchssteuer und Erhöhung der Salzpreije aui 300 Millionen, dazu bei Zerlegung der Vermögens- abgäbe in SSjährige Annuitären eine Annuität der VermögenSab- gäbe 1SS0 Millionen, insgesamt 3221 Millionen jährlich. £emn und w?r. ■ Der Vertreter der amerikanischen Hearst-Presse, Herr Karl von Wiegelnd, hat Lenin telegraphisch über die künftig* Politik der Scwjctregierung interviewt. In'einer Ant- wort wiederhalt Lenin die oftmaligen Versicherungen der russischen Sowjet''egierunß, daß sie keinerlei Angriffsptäne gegen Polen und Rumänien habe, daß sie nicht an irgend- einen Kmpenalismus in Asien denke, und daß sie mit aller Welt in Frieden zu leben und zu handeln wünsche. Aus die Frage nach den Möglichkeiten eines wirtschaftlichenj Bündnisses zwischen Rußland und Teutschland soll der« Verstaatlichung Üer spanischen Sahnen. Madrid, 27. Februar, l�ll.) Bei der Debatte über die Er- böhung der Eisenbalmtgrise sprachen sich der katholische Führer C a m b o und der konservative Führer de l a C i e r n a in der Cortez für den Rückkauf des spanischen Eisenbahn- netzes durch den Staat auS. Dxr RückkaufSantrag wurde hierauf m namentlicher Abstimmung mit 144 gegen 11 Stimmen ange- n o m m e n._ Arbeitsaufnahme in Danzig. In Verhandlungen des M a- g i st r a i s mit den Vertretern der städtischen Arbeiterschaft hat sich die Arbeiterschaft bereit erklärt, unter den Bedingungen des Magistrats in allen städtischen Betrieben die Arbeit Freilag früh wieder auszunehmen. Erzberger und helfferich. Der Prozeß Erzberger-Helffcrich hat gestern seinen Höhe- Punkt erreicht, und von ihm herabblickend kann man sagen: je länger diese Verhandlimgen dauern, desto schärfer tritt die Aehnlichkeit der beiden Parteien zutage, die dort im Kampf auf Leben und Tod einander gegenüberstehen. Helfse rich und Erzberger, Erzberger und Hclfferich sind aus dem' gleichen Holz geschnitzt, Kiiüer derselben Generation,— von konfessionellen Unterschieden abgesehen, bei denen sich niemand aufhält— in denselben Anschauungen aufgewachsen, von dem gleichen Streben beseelt. Beide Produkte der zweitwilhelmini schen Aera, tüchtig, mit der Fähigkeit begabt, sich unentbehrlich zu niachen, wo sie einmal festen Fuß gefaßt haben, dann aber zäh, energisch, arbeitsam zu ihren Zielen weiterstrebmb. Männer, die für die staatsmännische Laufbalm fast alles Viis bringen, denen aber zu ihr doch einiges fehlt, nämlich die Fähigkeit, im Dienste einer großen Sache aufzugehen und kleinlichen Ehrgeiz und Eigennutz ganz� zurückzustellen hinter die Ziele des großen Ganzen. Die gestrige Verhandlung hat uns an den kritischen Punkt geführt, an dem sich der Weg dieser beiden so gleichgearteten Männer scksted. Im Sommer 1917 verließ Erzberger die „Krieg-bis-zum-Sieg"-Partei, deren völlige Aussichtslosigkeii er erkannt hatte und trat in engeren Konner zur Sozialdemo- kratie, die schon längst Versuche machte, auf dem Wege übe: einen Ver st ändigungsf rieben die sonst ganz per zweifelte Lage Teutschlands zu retten. Herr Erzberger vollzog in'jenen Iulitagen, die zur Annahme der Friedensresolütion des Reichstags und zum Sturze des Herrn v. Bethmann führten, eine sehr gefährliche Gratromdening über eisglatte Wege von Gipfel zu Gipfel— aber hat sich Herr Helsscriä nicht in ähnlichen Künsten der politischen Hochtouristik goübt'k Ans den Verhandlungen jenes parlamentarischen llnter suchungsausschusses, den es einmal gegeben hat, haben wir. er fahren, daß Herr Helsferich bis zur entscheidenden Konferenz bon Plcß ein überzeugter, fanatischer Gegner des. U-Boot Kriegs war und daß er sich über Nacht zu einem ebenso fanati schen � Gläubigen des U-Boot-Kriegs entwickelte. Herr Erz berger hat denselben Weg— nicht ganz so fluchtartig wie Herr Helfferich— ein paar Monate später in der umgekehr- ten Richtung zurückgelegt. Inzwischen hat sich manches ereignet, was wichtiger ist als die taktischen Schwankungen und die persönlichen Rivalitäten einzelner strebsamer Politiker. Für Herrn Helfferick' aber stellt sich der Inhalt der Weltgeschichte in den letzten zwei Jähren so dar. daß Erzberger Minister geworden ist und er selber aufgehört hat, es zu sein. Bei dem großen Dnrcheinanderschiittcln war er selber aus die schlimme Seite gefallen und Erzberger auf die gute, ein Zustand, der sich für einen Mann wie Helfferich nicht ertragen läßt. Hclfferich war viel früher oben angekommen als Erz- beraer. Mit Scharfblick hatte er erkannt, daß in der Aera Wilhelm II. die parlamentarische Karriere wenig Aussicht aus Erfolg biete, und so kletterte er aus einem genial konstruierten Leitersystem, vom Reichskolonialamt in die Deutsche Bank. von der Deutschen Bank ins Reichsamt des Innern, höhcc und höher. Auf diesem Weg hat er sich offenbar jene sittlich.' Abneigung gegen jede Verbindung von Politik und Geschäft erworben, die ihn heute gegenüber dem armen Dividendensünder Erzberger geradezu als einen rächen den Engel der höheren Staatsmoral erscheinen läßt. Auf die Dauer erwies sich jedoch Erzberger doch als der Klügere. Herr Helfferich hatte sich mit dpin alten System dem er seinen Aufstieg verdankte, so sehr versippt, daß ihn dessen Sturz mit in die Tiefe riß. Herrn Erzberger aber trug die Welle zu neuen Ufern. Herr Erzberger wurde p a r l a- mentarischer Minister, und Herr Helfferich mußte zur deuffchnationalen Opposition laufen, mit der ihn inner- lich gar nichts verbindet, um von hier ans seinen neuen Ausstieg zur steilen Höh', wo Minister stebn, ganz von klein auf wieder, ganz von unten auf vorzubereiten. Man begreift die wilde Wut, mit der sich Herr Helfferich auf Erzberger stürzt. auf den Rivalen, der politisch um so viel glücklicher spekuliert hat. Nur merkwürdig, je mehr Herr Helfferich Herrn Erz- bcrger enthüllt, desto deutlicher treten die Merkmale■ der Fa m i li e näh n Ii ch ksä t in Erscheinung, die diese beiden Männer miteinander verbindet. Ueberflllssig zu sagen, daß Herr Erzberger durch die Eni Hüllung dieser Aehnlichkeit nicht gewinnt. Wir reden hier nicht von den kleineren und größeren Geschäften, die er ge macht bat— das sind Dinge, deren Feststellung dem noch nicht abgeschlossenen gerichtlichen Verfahren unterliegt. Als Ge- samtpersönlichkeit erscheint Erzberger. ganz pie Helfferich. als ein Mann, der enorm fleißig, strebsam, tüchtig und geschickt ist— in dessen Brust aber keine Flamme starker Ueber- zeugung brennt. Unsere Zeit braucht jeddch mehr als irgendeine andere das reinigende Feuer einer großen sittlichen Idee. die junge deutsche Republik braucht starke Persönlichkeite« deren Makellosigkeit über jeden Zweifel erhaben ist, derer Lebenswandel und Ausstieg kommenden Geschlechtern als Vor- � bild dienen kann. I Es heißt nicht öem Ergebnis des Prozesses vorgreifen, weitu nmn heute schon sagt, daß Her-r Erzberger keine vor- vildliche Persönlichkeit in dem hier angedeuteten Sinne ist, und daß teine Mographie nicht die Lesebücher der republt- kanischen Schulen zu schmiicken geeignet ist. Dazu ist er jenen viel zu ähnlich, in deren Gesellschaft er die größte Strecke 'eines Lebens zurückgelegt hat, und die ihm jetzt, nachdem er sich von ihnen getrennt hat, vorwerfen, getan zu haben, was zu tun die meisten von ihnen für ganz selbstverständlich halten. Der Prozeß Erzberger-Helfferich ist ein Kulturbild aus der Aera Wilhelms II. wie etwa„Der Untertan" von Heinrich Mann. Wir sehnen uns nach einer neuen Zeit. Erzberger und Helfferich die streitenden Zwillingsbrüder, gehören beide dem nmüsn regime. das Zentrum und Erzberger. Die„Germania", daö Berliner Zentrumsorgan, schreibt: ÄuS maßgebenden Parteikreisen wird nnS mitgeteilt, daß der Vor st andder deutschen Zentrumspartciam Sonn- abend in Berlin zu einer Sitzung zusainnrentreten wird. Wenn in verschiedenen alldeutschen Blättern behauptet worden ist, daß der Partei vor stand wegen der Angelegenheit des Reichs finanz- Ministers Erzberger oinbcrufen sei. so entspricht da! in keiner Weise den Tatsachen. Die Tagung dos Parteivor- tomdes war seit längerer Zeit vorgesehen und ist ausschließ- iich der Ausführung der Beschlüsse deS Partei- lag es getoidmet. ES handelt sich lediglich um O rgan i- iatiansfragen. Tie gegenteiiigen Meldungen der alldeutschen Presse sind reine T e n d e n z m e I d u n g« n. In Fraktionskreisen !xrt man sich naturgemäß mit der Angelegenheit de? Reichsfinanz- minister« Erzberger befaßt. Die Fraktion als solche hat aber offiziell zu der Frage tcinr Stellung genommen. Die Auf- msiung in der Fraktion geht mit Recht dahin, daß die Stellung- nähme nicht früher erfolgen kann, als bis das Urteil und seine Begründung im Srifferick-Prozeß vsrlirgt sowie da» Ergebnis de« oegen der Steuerangelrgenheit schwebenden Verfahrens a b g e f chic s sen i st. Die Ueberschichten. Zwischen dem sächsischen Arbeitsminister Held und der Orga- »»sation ist für den ganzen sächsischen Kohlenbergbau vom 1. März ab die Achtstnndenschicht vereinbart worden. Sie wird auf vier Zechrn bereits geleistet. .Mehrere Schächte der Gesellschaft Deutsch-Luzemburg im Ruhr- revi�r liegen infolgr Ueberschichten Verweigerung der Beleg- ichaiten still. Energische Maßnahmen. Bayerisches Vorgehe» gegen die Landwirte. München, L7. Fehruar.«TU.) Da« bayerische Land- wirtschaftsmini st rrinm hat angeordnet, daß zwischen dem 2st. März und Ist. April in Bauern«ine Erhebung über dir bti den Landwirten noch lagernden Brotgetreidevorrüte stattzufinden hat, dafi daS ablieferungSfähige Getreide sofort abzunehmen ist und daß gegen Landwirte, welch« dem LiefcrungS- anstrag.der KontrollauSschiisse nicht innerhalb 14 Tagen nachkam- men, mit allen zulässigen Mitteln vorgegangen werden soll. Falschmeldung zur Präsidentenwahl. Der Hamburger Korrespondent des..Berliner Togedlatts" »tll wissen, daß das Zentrum, die Demokraten und Sozialdemokraten dahin übereingekommen wären, den Hamburger Demokraten Dr. Petersen als gemein- schoftlichen Kandidaten zur Präsidentenwahl auf- zustellen. Die„Germania" bezeichnet diese Meldung, soweit das Zentrum in Frage kommt, als reine Erfindung. Auch wir können erklären, daß an der Meldung kein wahres Wort ist. Um die preußische Verfassung. Die„Demokratische Parteikorrespondenz" dementiert die Moldung, wonach über den preußischen Verfassungsentwurf eine V e r st ä n d i g u n g unter den Mehrheitsparteien er- zielt sei. Völlige Uebereinstimmung bestehe nur darüber. daß der Verfassungsentwurf der Landesversammlung u n- V e r z ü g I i ch vorgelegt werden muß, jedoch gingen die An- sichten in einigen grundlegenden Fragen ausein- ander. Tie Korrespondenz sagt: Die Deutsche demokratische Fraktion behält sich ihre volle Entscheidungsfreiheit nach jeder Richtung hin vor und wird sich bei ihrer Stellungnahme nur von dem einen Gedanken leiten lassen, eine Vcrsassung-zu schaffen, welche eine ruhige Entwicklung unserer staatsrechtlichen Verhältnisse gewähr- lefftet. Die Worte Gewährleistung einer„ruhigen Entwicklung" steht ein Teil der Demokraten, soweit wir unterrichtet sind, in der Wiedereinführung des Zweikammersystems. Das Entgegenkommen, das der Entwurf mit der Schaffung eines Finanzrates diesen Wünschen gegenüber bewiesen hat. der im Notfalle einer schrankenlosen Bewilligungswut nnd der Vermehrung der Ausgaben ohne Deckung vorbeugen soll, genügt also den Demokraten nicht. Unseres Erachtens be- deutet dieses Entgegenkommen aber die äußerste Grenze, bis zu der die Sozialdemokratie gehen kann. Die mißhandelte Zesisiellungskommission. Ein seltsamer Freisprach. Am 23. Februar kam vor dem Schwurgericht zu Lands- berg a. W. ein mit großer Spannung erwarteter Prozeß, nämlich ein Ueberfall auf die Feststellungskommission im Dorfe Ratzdorf, zur Verhandlung. Die Anklage lautete auf Landfriedensbruch. Der Tatbestand ist kurz folgender: Am 1. November ISIS wurde die FeststellungSkommisfion brie-flich von Geheimsch lach tun gen in Ratzdorf benach- richtigt. Der Brief war an o n y m geschrieben, eine BcsitzerLsrau DühringShof aber behauptete, der Gemeindevorsteher von Ratzdorf habe ihn abgefaßt. Die Kommission begab sich hierauf dorthin und forderte den Gemeindevorsteher auf, sie zu begleiten. Dieser kam jedoch nicht u�it, sondern schickte auf eine zweite Auf- forderung seine Tochter mit. Im Beisein dieser wurde das Fleisch eines geschlachteten Schweines nebst 1 Stucken Butter dem Gs- meindevorsteher übergeben. AIS die FeststellungSkommisfion zwei Tage später Fes�tellungen vornehmen lvollte, wurde sie im Dorfe mit Schimpfworten empfangen. Als sie wieder unverrichteter Dinge abfahren wollte, wurde sie auf dem Hofe plötzlich mit Knütteln geschlagen und bestialisch mißhandelt. Auf einen Kriegsbeschädigten, der dir Flucht ergriff, wurde mehrere Male geschossen, einem an- deren Mitglied? der Kommission kamen 720 M. aus der Brieftasche abhanden. Bor Gericht wurden alle diese Vorgänge von Zeugen unter Eid bestätigt. Trotzdem kamen die Geschworenen zu einem freisprechenden Urteil. Ebenso unbegreiflich vne bos freisprechende Urteil ist die Haltung der Behörden, in deren Austrag die Feststellungs- kommiffionen arbeiten. Es kann nicht gerade zur Hebung der Autorität dieser Amtsstelleu beitragen, wenn sich allmäh- lich im Reich die Ueberzeugung durchsetzt, daß man ihre An- ordnnngen nicht nur nicht befolgt, sondern ihre Vertreter sogar tür v o g e l f r e i erklären und aufs schimpflichste miß- handeln darf. Es ist dringend erforderlich, daß dieser Dil- tatu r der Bauern schnellstens ein Ende gemacht wird. Der Dolchstoß von hinten. Die von unS veröffentlichten Fronterinnerungen deS Genossen Lohmann haben eine Anzahl unserer Leser veranlaßt, ähnliche Ereignisse aus ihrem Soldatenleben einzusenden, die zum Teil sehr treffende Illustrationen zu dem Thema bilden, wie die Fron: zwar nickt durch sozialistische Propaganda, aber durch die Mißhandlungen. Roheiten und Schlemmere: en der Offiziere erdolcki wurde. Wir lassen einige Schilderungen folgen: Herr K. O., früher Arnrierungsbotaillon 7t, schreibt uns: Am 18. 8. 17 kam unsere Kompagnie bei Saini-Quentin nach Be- endigung des Rückzuges in die Rühe der Siegfrieditellung. Den Franzose war ziemlich rasch gefolgt, noch«che die Stellung fertig war. Wir Schipper hatten nun einen schweren Stand und mußten jede Nacht der schwer bedrängten Infanterie beim Schanzen helfen. So auch um Ostern 1917. Ein Volltreffer streck: 8 Kameraden nieder. Zehn Meier von uns ist ein Sanitätsunterstand. Aber keiner rührt sich, denn der Herr Arzt liegt mit seinen Leuten de- trunken im Bunker, der Fusel stank ihnen schon von weitem aus dem Halse. Als der Arzt sich endlich aufgerafft hat, ist seine erste Frage an den schwerverwundeten Gefreiren Müller:„Sie sind ivohl Schnapstrinker, wieviel Schnaps trinken Sie denn alle Tage?" Der so Angeredete rang mit dem Tode und starb a-nch bald darauf. Der Arzt hat ihn wohl mit sich selber verwechselt. Al? der Feind anfing, die Stadt zu beschießen, brachte sich unsex Herr Feldwebelleutnant mit seiner Schreibstube 1 3 K i- lometer nachhinren in«Sicherheit. Diesen Mut hat er öfter bewiesen, z. B. bei der Frühjahrsoffensive 1918 in Ribemont bei St.-Ouentin. Da hielt er, ehe es losging, eine schwungvolle R e d e, nicht schlapp zu sein und nicht bei jeder Kleinigkeit sich zu ducken— und dann wandte er unS den Rücken und ging gemütlich in sein Quartier zurück. Ein paar Tage darauf ließ er dann wie- der eine große Rede vom Stapel, denn daS konnte er vortrefflich. Beschwerten sich Mannschaften Weyen des miserablen Essens, dann titulierte er sie als„v a l e r l a n d s I o s e Gesellen". Auch der Herr BatoillonSfichrer drohte bei Beschwerden, uns alle als Aufruhrer und Aufwiegler auf die Festung zu schicken. Den uns zustehenden Schnaps mutzten wir aus der Kantine käui- Iich erwerben. * Herr H. M. aus Tempelhof übergibt uns seine Erlebnisse mir den Worten, daß es nichts Besonderes fei, denn Taufende hätten genau dasselbe durchgemacht: Nach gsh Wocken Ausbildung inö Feld nach Rußland. Hier nach Ankunft in einem zerschossenen Haus einguarliert, wo den Unrat meterhoch lag. Am nächsten Morgen Gewallmarsch von SJ Kilometern bei brennender Sonne. Unterwegs zweiKame» roden wegen Hitzschlag begraben. Wie die Kompagnie erschöpft an einem Gehöft vorbeikommt und dort einquartierte Pioniere uns mit Eimern voll Wasser erquicken wollten, kommt der Kompagnieführcr aus seinem Pferde angejagt und schlägt drei Kameraden ein vaar Ohrfeigen, daß einem der Helm abflog, Ter Leutnant 19— 20 Jah»e, die Soldaten 34— 36 Jahre. Nach tagelangen Gewaltmärschen bekomme ich vereiterte Fuß- sohlen, kann nicht marschieren nnd muh gefahren werden, bis wir in Ruhe kommen. Der Feldwebel schickt mich zum Arzt(eineinhalb Stunden im anderen Gehöft).„Etwas Jod raufpinseln, dienst- sähig." Eineinhalb Stunden Weg mit wahnsinnigen Schmerzen zurück, die Füße werden schlimmer und sie- bern. Nächsten Tag wieder den langen Weg zum Arzt geschickt. Beim Eintreten dort:„Da ist der Trückchrrger ja wieder, wiodor Jod aufpinseln, dasselbe." Bei der Armierung in einem Ort vor Vcrdun(Offenstve 1V16'. Quartier eine Art Bodcnschcune, Aufgang vom Pferdestall durch eine Stiege, unter unserem Quartier des Feldwebels. Dieser Herr verlangt, daß wir bei unserer Rückkehr abends, nach- dem wir bei strömendem Regen den ganzen Tag draußen gearbeitet haben, die Stiefel schon unten ausziehen, da ihn das Getrampel stärk. Sieben Mann, die eines Abend« nach Rück. kehr die Stiefel änbebalten haben, erhasten dafür an sieben Tagen Skrafantretea. Beim sechstenmal eine Straf« predigt:„Ihr seid nur wert, daß Euch die Franzosen duräi den Bauch schießen."— Weil wir den H-wrn Feldwebel durch Sriefel- klappern in seinem Ruhesessel gestört haben! » Ein Herr H. K., der 254 Jahre zur RegimentSmusik de? Land- wehr-Jnfanterie-Regim ntS Nr. 18(Löben, gehört bat, schildert uns, wie man sich im OsfizierSkasinv eine ungestörte Sauf- nacht macht: Die Mmtszünöhöizer. In den.München«« Neuesten Nachr.- erzählt Max Hub« folgendes iSstliche Stückchen vom Amtsschimmel: .Macheu Sie mal Licht bei mir," ruft der Rat in da» Neben- zimmer, in dem der wirklich geprüfte llnterasststent Ehrenreich sitzt. Der Angesprochene kramt in allen Taschen, sindet ober nicht da» Gewünfchte. Er läuft zum Kollegen Müller, dessen Feuerzeug aber bloß pftl pftl macht. Endlich treibt er bei einem Amtsdiener eine Schachtel Zündihölzcr auf. Ehrenreich beeilt sich, dem Rat ein Licht aufzurunden und will mit der Schachtel wieder abziehen.„Lassen Sie's nur da," meint dieser.„Ja die Schachtel ist Privateigentum d«S N.," bemerkt der Assistent.„Na, dann besorgen Sie mal auf dienstlichem Wege eine Schachtel," erwidert der Vorgesetzte. Der Ehrenreich tclephoniert entsprechend an die Materialver- waltung.„Was? Streichholz? Haben wir nicht!" tönt's zurück. Der Assistent schmettert rn» Telephon, er laßt sich nicht asttvimmeln. „Ja. stellen Sie schriftlichen Antrag, den leiten wir dann weiter," entscheidet schließlich der Materialvcrwalter. Ehrenreich tut eS. Nach drei Tage» kommt das Schriftstück wieder zurück mit dem Vermerk:„Unterschrist des AbteilungSvorstandcS erforderlich, siehe (Seschäftsondnung§ T7V6." Ehrenreich nimmt«men neuen Dogen «rd läßt den Rat unterschreiben. Nach 8 Tagen reklamiert e.r. Nach 14 Tagen reklamiert der Rat.„Bitte sehr," heißt eS,„die Sache wurde unter„Eilt sehr" an dt« zuständige Stelle geleitet." Ehrenreich pumpt täglich Feuer, bald da. ball» da. Nach vier Wochen erzählt ihm der Materialverwalter, der Antrag sei zurück- gekommen, er müsse einen Bericht machen, wie viele Streichholz- schachteln in den letzten Jahren verbraucht wurden und zu welchem Zweck; eS werde ober bereit? ein umfangreicher Auszug aus dem Lagerbuch gemacht. Der Ehrenreich bot für 60 Pfennig Streichhölzer erworben, die der Rat bereit? verbraucht hat. Noch immer ist die Angelegenheit unerledigt. Genau zwei Monate nach dem ersten Ereignis kommt eine Noie in den Einkauf. Und Ehrcnre'ch liest da:«Die Anschaffung von Streichhölzern wird nicht bewilligt, nachdem im Etat weder bei Titel 73 noch bei Titel 84 noch bei Titel SO Mittel eingesetzt sind. Füglich wird auch bezweifelt, ob Streichhölzer gegenwärtig im ordentlichen Wege beschafft werden könnten, selbst wenn Mittel vor- Händen wären." Pflichtschuldigst brachte der Unterassistent den Bericht mit dem schönen Amtssiegel und der unleserlichen Unterschrist seinem Rat, der Kenntnis nahm und ihn entließ mit den Worten:„Man muß sich eben so weiterbelfen. eS ging ja bisher auch." Künstlertheater. Menagerie, vier„Uebungen" von Kurt Götz. Herr Kurt Götz versteht etwa? vom Theater, ob- wohl er ein Schauspieler ist. Da» ist nicht häufig und darum zu loben. Sein Liebhaberherz--eicht vom Kino zum Sketch und vom witzigen Lustspielgeplaudcr bi» zum Bierulk. DaS Talent des Schriftstellers ist allerdings etwas kurzatmiger. Trotzdem versucht er cß allenthalben und zeigt seine Gaben in vier„Uebungen". Uebungen verlangen eine Not«. Der Schulmeister sagt also: Aus dem Manne kann noch manches werden. Wa» er jetzt ist, im Ernsten und im Scherze. daS hat er sich fröhlich geborgt. Er verzinst eS aber anständig und pünktlich. Im ersten Spielchen hat die Hauptperson zwei Jahre Zuchthaus abzu- sitzen, weil ein Mädchen, das im Keller genommen werden sollte, von den Augen eine? Staatsanwalts... Wckrn nicht schleunigst- schnoddrig herauskäme, daß besagtes Mädchen so etwas gewerbs- mäßig zu tun pflegt. Und so weiter, und so weiter. Was in der Gefängniszelle der ZuchthauSpastor und der Delinquent zu sagen haben, natürlich zur Kürzung des Pastors, ist Krtminalfeuilleton aus guter Bürgerzeitung. Im zweiten Spielchen entrüsten sich zjoei Freundinnen darüber, daß sie«instmals von den Gatten, die ihres Gefühls nicht recht sicher waren, ausgeknobelt worden sind. Nun sollen die Hasardeure natürlich gestraft werden. Und es siegt da» sogenannte ewig Männliche und daS im Schwank nicht minder berühmte ewig Weibliche. DaS heißt, die erzürnten Weibchn ent- puppen sich als gerade so abenteuerlich, wie eS ein Bonrivanischerz gestattet, und die dazu gehörenden Männer nutzen die Gelegenheit nach gleicher Tonjuanbescheidenheit aus. ES wird treffend geredet. DaS witzigste Stücklein. daS die Hoffnung sogar befeuert. Wasser tut not. Denn nun kommt der Ulk im dritten Stück mit Hunds- wut. Zoppdei und Unmöglichkeit, und im vierten Stück kommen bloß noch Witze und kein Witz mehr. Da aber ein Film auf der Bühne abgedreht wird, Hamlet mit Geist und einem weiblichen Hamlet in Trikot, wälzt sich das sehr dankbare, Herrn Götz tief verehrende Theater auch hier in Wohlbehagen, Die Künstler spielen Herrn Götz sehr gevn. Herr Kurt Götz, der Dichter und Spielleiter, ist. Gottseidank, nicht neidisch. Er gibt dem bekannten Liebhaberkomiker Kurt Götz die allerbesten Rollen. Herr W v h l a u e r und Herr Adalbert halten ihrem Kollegen folgsam und ergeben Kameradschaft. Sie tun es unendlich lustig. Max Hochdorf. Tic seidenen Tapeten der Kronprinzessin. Das Gerücht von der geplanten Temolierung einiger Räume des ehemaligen Krön- prinzenpalais beunruhigte dieser Tage die Berliner Künstler- und Museumsfreunde. Es hieß, die Säle im.Hauptgeschoß, in denen die Gemälde der Impressionisten untergebracht seien, sollten ihrer seidenen Wandbekleidung beraubt und diese zur Ausstattung des Schlosses in Oels verwendet werden. Wie wir hören, bestand diese Gefahr allerdings. Sie ist aber durch einen„Verzicht" der Krön- Prinzessin beseitigt worden. Das mag an sich sehr erfreulich sein. Dringend zu wünschen aber wäre, daß die Wahrnehmung allgemeiner künstlerischer Jnter- essen in Zukunft nicht mehr von einem Verzicht oder NichtVerzicht der verflossenen bohen Frau abhängig gemacht wird— zumal nicht von einem Verzicht auf Rechte, die ihr gar nicht zustehen. Moderne Funtentelcgraphie. In der Urania hält jetzt Prof. Dr. Donath Experimentalvorträge über moderne Funkentele- graphie. Eine zahlreiche Zuhörerschaft stellte sich ein. Von einfachen Experiaventen au» erläuterte Dr. Donath, daß die Funtentelegraphie in einem unsichtbaren Medium, dem Weltäther, Erschüiterunqen her- vorruft, Gie sich in Wellenform fortpflanzen. Dem Menschen tefilr ein natürliches Organ, um die elektrischen Schwingungen wabr- zunebmen. Deshalb müssen sie auf Apparate übertragen werden. die sie den menschlichen Sinnen zugänglich machen. Die Entwicklung der Funkcntelegraphie von ihren bescheidenen, unzuläng- lichen Anfängen an wurde vorgeführt. Der'Antennenturm der alten Station Sei Nauen batte eine Höh« von 100 Metern, die später durch einen Aufbau auf 200 Meter gebrach: wurde In einer stürmischen FrühlingSnacht 1912 ist der Nauener Turm mitten durchgebrochen. Es war gleichsam der Abschluß einer Entwicklungsperiode in der Funken teleqraphie. Eine neue Zeit war angebrochen. Die neu ausgeführten Gebäude, die die stolze Inschrift„Drahtloser Ueberseeverkehr" tragen, baben ihre Vor- ganger bei weitem überflügelt. Auch die maschinellen Anlaaen zeigen.jetzt ein wesentlich anderes Bild als früber. Die Pkpsi? hat das Feld an die Teckrnik abgetreten. Die Türme, von denen aus der Weltätber erschütetrt wird, die die elektrischen Wellen um den Erdball schicken, baben eine Höhe bis zu 260 Meter. Sie erreichen damit ziemlich die Höhe des Eiffelturms bei Pari?. Unter der Antennenanlage hat die Friedrichstraße vom Belle- Alliance-Platz bis zum Bahnhof Raum. Eine andere Art der Antennen find die Rahmenantennen. Eine derartige Anlage befindet sich bei Geltow unweit Werder. Man bezeichnet Geltow als das elektrische Ohr Berlins, während Nauen sein elektrischer Mund ist. Die Entwicklung der Funken- telegraphie wird uns auch recht deutlich vor Augen geführt, wenn wir die Reichweite der elektrischen Wellen betrachten. 1901 war man stolz, eine drahtlose Verständigung auf 180 Kilometer ermöq- licht zu haben, während jetz' vo» Nauen aus Wellen bis 20 000 Kilometer gesandt werden. Wir können un? mit der ganzen Welt verständigen, wenn man unS verstehen will. Da von einzelnen Stationen fast immer Wellen ausgeschickt werden, die im Raum schwingen, wurde auch mit der aus der Bühne aufgestellten Antenne ein Telegramm aufgefangen. Ein Telephon bracbte die Morse- zeichen zu Gehör, so daß die Zuschauer, die das Morsealphabets beherrschten, sie verstehen konnten.. Die neueste Errungenschaft aus dem Gebiet der drahtlosen Verständigung ist die Uebertragung der menschlichen Stimme, vre drahtlose Telephon: e. Auch sie wurde an einem Exper:- ment vorgeführt. Das alles gutet fast wie ein Märchen am Dr. Donath wird seinen Vortrag am Mittwoch und sonn- abend in der kommenden Woche wiederholen. cv. Große ZtoNSoper Berlin. Da« MtnWcriiim für Srnrnlckjaft, Kunit und Volksbildung bat die Abgab- vm VlSh«« d««wm-over zu halben Rassenprcisen an die Anteil, eichner der Gronen Z-ollsvper Berlin ab 1.«pnl IS?« i- nach den Kalsenbeitänden acnebmmt. Prospelle her Klotzen Bolwopcr liegen im BaukhauS llarsch, Simon& Co..-.c-.lm W. 3, Mohrenstr. 54/r>5, aus. Die KeichäitSstelle der Giotzcn Volttover b-slndet sich ab 1 Mir» un Krovschcn?bkater. Sönigspsatz 7. Fernruf über Reichsverwcrtung»«nl Kr«».«eicküitS,eit S— ä. Stellungskrieg Berefwasront 1918.«Hüffe eingetreten. Ein Regicrungsverireier legte auS- suhrlich dar. woS bier bereits getan worden fei. Auch der >-iaatshaukkc>Itkaukschuß beantragte mit der Regierung, den An. trag für erledigt zu erilären. Wirtschaft. Zur Preisbildung. In einer GewerkschoitSveriammlung sprach kürzlich einer unserer Referenten über LebenSmirtelpreise und Löhne. Er er- läuterte u. a.. warum die Eier 2 M. da» Stück kosteien, warum der P-eiS sich geradeaus diese Höbe eingestellt habe, indem er ausführte: Wenn soviel Ware da ist, daß jedermann, der 'kauten will, sie erhallen kann, dann bildet sich ein Markt- preis, der elwaS höher, a!» die P r o du k t i o n« k o si e n aus machen, liegt. Wenn aber weniger Ware da ist, dann entsiebt a» Sielle des Markipreises der Monopolpreis. Wer von oll den Rachstogenden die vorhandene Ware erhält, ent- scheidet allein d,e_ Größe der Kaufkraft. Der PrerS beginnt zu steigen, EinionimenSsebichl um Einkommeniichicht muß Mangel« Kaufkraft ausscheiden, d.h ohne gekauft zu haben, von bannen ziehen. Diejenigen, die die b ö ch st e n Prei'e zahlen können oder wollen, erhalten dann die Ware. Einen höheren Preis als die Kaufkraft zuläßt, können die verkäu'er nicht fordern, weil ihnen dann die Ware un ver tauft lieg« bliebe. So bildet sich nun ein Preis in d e r Höhe, daß der Berkäufer den höchsten Preis erhält, bei dem gerade noch die letzte Ware einen Ab» »ehmer finde:. Kein Händler oder Produzent perkaust auch nur einen Pfennig billiger, al» er gerade verkaufen muß. Wenn sich also der ErerpreiS z. B. auf zwei Mark da« Stück ernslellt, so zeig» dieser Preis, daß Lei ihm noch so b i e l e Käufer vorhanden sind, die diesen Preis zu dem betreffeilden Zeilpunkt zu zahlen in der Lage sind. Diese Ausführungen dürften für jedermann verständlich sein. Doch weit gefehlt! Die in der Versammlung in großer Zahl an- wesenden Radikalen behaupteten nun später:„Der Referent der S. P. D. habe ausgeführt, die Arbeiter hätten Geld genug, 2 M. für ein Ei zu bezahlen. DaS zeigt deutlich, daß die gemachten klaren AuSiührungen von den radikalen Hörern nicht verstaildeit wurden, weil ihnen entweder diese einfachen Tarlegungeit noch zu hoch waren, oder weil es ihnen nicht gefiel, sachliche Ausführungen zu hören und sie nur darauf gewartet halten, daß ihnen eine Schimpfkanonade gegen die Regierung vorgeführt würde. —str. LederverschrebunZ. Wie verlautet, soll sich ein Jnieressent um die Ausfuhrerlaubnis von Leder im Werte von acht Millionen Mar!»ach Holland bei den maßgebenden Stellen bemühen. Wir glaube», daß dieses Leder besser im Lande bliebe und der Äapitalfluchr hier nicht Vorschub geleistet werden sollte! Berliner Dividenden. Berliner Wäschesabrik Akl.-Ges. vormals Gebr. Ritter zu Berlin. Räch genügenden Abichreibuiigeit werden 10 Proz. Dividende gegen 9 Proz. vorgeschlagen.— Lichienberger Wolliabrit Akt-Ges. zu Berlin- Lichtenberg. Bei reichlichen Ab- schreibungen wird eine Dividende von 10 Proz. gegen 7 Proz. im Borjahre vorgeschlagen. Die Aktien befindei, sich bekanntlich in festen Händen.— Aklienge«. Schloßbrauerei S»öneberg. Die Dividende wurde aui 4 Proz. festgesttzt.— Berliner Jute- Spinnerei und Weberei Alt.-Ges. in Berlin. Für da« abgelaufene Geschäftsjahr lölS wird eine Dividende von V Proz. in Vorschlag gebracht.— Norddeutsche Gummi- und Gutioverchawareiisabrik vorm. Fonroberl u. Reimann A.-Ä. in Berlin. Dividende 8 Proz.— Merallwaren- fabrik SL-G. Barr u. Stern in Berlin Eine Dividende von 80 Proz. und ein BonuS von S Proz. li. G. 30 plus 10) wird in Vorichtag gebracht werden Die Beschäfsiglin-, de» Nniemebmen« ist an- dauernd gm.— Fritz Andrse u. Eo. A.--E. in Zerli n-Te mpelhvf. Be» toiebSübcrschuß MV 007 M.. Reingewinn 92 564 M.. Dividende von 7 Proz. Die Gesellschaft bat einen Teil der Gescbästsanteilie der Karl Hawchild 6s. m b. H.«rioorben und stellt in diesem Betriebe einen neuen Artikel her, für den umfangreiche Austräge vorliegen. — Rorddeuftche EiSwerie A-G. in Berlin� Die Gesellschaft hat die Stadt Berlin für die Schäden bei dem Svirrtakisrenaufstand in Höhe von 30 000 M. verklagt, daS Gericht habe die Beweisführung angeordnet. Da« Küblhaus, daS während de» Winters gut per- mietet fei, wurde sicher im Somiwec sehr gut« Erträgnisse bringen. Dividende 14 Proz.— Hüttenwerk Niederschöneiveide A.-G. vorm. I. F. Ginsberg. Dividende iiverjchlag 20 Proz. Außer «..______ c rr... aaax �;.. co____ o.___ 04 o? � �. v,«— fi, Dividende in Vorschläg gebracht,— Eis nbabnverkebrSmittel-A.-G. in Berlin. Verdoppelung des Kapitals auf 12,5 Millionen Mark für die Wagenbauabteilung Wismar und Neparaturwerkstätten in Berndorf. Die Gesellschaft hat au« ihrem Feidbahmrefchäft eine selbständige Gesellschaft errichtet. Mit Beiftmmtheii werde die Divi. tzend« hinter der vorjährigen nicht zurückinchen. aus dem Verkauf vr» Posen er Betriebes käme eventuell die Verteilung eines be- sonderen Bonus in Frage.___ Die Arbeiter all KlemaZtiouarc. Um den Kapitalismus zu retten, bemüht sich der Verein Deutscher Eisen- und Stahl-Jndustrieller, die Einfübrung der Kleinaktie durchzusehen. Auf der Düsseldorfer Versammlung führte Dr.-Jng. ehrenhalber B cum, er auS: Am 23. Juni 1919 habe Redner namen« des„Vereins zur Wahrung der geszernsamen wirtschaftlichen Interessen in Rhein- lcmd und Westfalen" ein« Denkschrift über die Einführung der Kleiuaktie behufs Gewinnbeteiligung der Arbeiter beim ReichSjustizimnisterium und beim ReichZwirtschaftsministe» rium eingereicht und darauf bis heute eine Antwort überhaupt nicht erhallen. Ein derartiger Schlendrian fei denn doch unter dem BursaukratismuS des alten Regiments nicht oorge- kommen. Luch die Antwort, die Dr. Schiffer bezüglich der Klein- akste dem Abgeordneten KemvkeZ in der Nationalversammlung ge- geben, türme in geradezu tindlicher Weis« Schwierigkeiten auf, über die der Berufsjurist und Volkswirt nur lächeln könne. Nicht der BerufSjurist, sondern der politisch reife Arbeiter wird „lächeln". Vergebliche Mühe auf diesem Wege der Gemeinwirt- schuft den Weg verbauen zu wollen. Tie Rentabilität der einzelnen Betriebe ist auS technischen und örtlichen Ursachen durch- auS verschieden, der Arbeiter im reiltäblen Betrieb würde also viel- leicht bei geringerer Arbeitsleistung«ine höhere- Rente be- ziehen als der Arbeiter im veralteten Betrieb. In der G e m e i n- Wirtschaft haben die Arbeiter Anteil am Gesumterträgnisl denn die Betriebe werden dann der Volksgesamtheit gehören. Di« Rettung aus dem drohenden WirtschaftSbankerott. In der Deutschen Liga für Völkerbund machte Direktor Kraemcr darauf aufmerksam, daß in allernächster Zeit Valutakredite in Höhe von mehreren Milliarden Mark fällig werden, die die deutsch« In- dustrie und der Großhandel während des Krieges auf Veranlassung in den neutralen Ländern für Rohstoff, und Warenlieierungen aufgenommen haben. Die Rückzahlung dieser Kredite sei iniolee der enormen Valutaveri'chlechterung völlig ausgeschlossen und cS stehe ein Wirtschaftsbankerott bevor, wenn nicht in lcßier Stunde nach ein Ausweg gesunden werde Einen saltben AnSweq erblickt Direktor Kraemcr einmal in der Zusammenfassung oller sachlichen und persönlichen Kreditkräfte Teutschlands durch Gründung einer Kreditbank unter Beteiligung der gesamte« industriellen, londwir'- schostlickien und kauimänni'ck-en Verbände und Organisationen und zweiten« in der sofortigen Schakfung einer internatipnalen wirt- schaftliSen Arbeitsgemeinschaft, die zunächst ein« Prolongation der Kredite zu bewirken hätte. Dies wäre der erste Schritt zum..Wirtschaftlichen Völkerbunde", an dem da? deutsche und damit auch daS kontinentale euroväische Wirtschaftsleben allein gesunden könne. Die AiiSftibr im Januar babe sick bereits auf schäßungs. weil« 4 Milliarde« Papiermerk peboben. während es akeichzeitig oe- hingen ist. die Einftibr von nickt drinaend benötigten Waren in stär. kerem Umfange einzudämmen.(1913 betrug die JehresauSfuhr 10 Milliarden Goldmark.)_ Pom Häute-»nd Ledermarkb Aus den jüngsten Versteig erungen von Häuten und Fellen zeigte sich eine geradezu stürmische Noch» frage. Bemerkenswert ist vor allem das gewaltige Anziehen der Werte bei der kürzlichen yersteigerung in München, wo für Groß- viebbäute bis zu 50 Praz. und für Kalbfelle gar bi« zu 80 Proz. höhere Sätze angelegt wurden, als bei der V-rsteigenitig am 8. Januar d. I. Dieier Stimmuna bei den Versteigern»«?« paßte sich auch der offene Markt an. ES trat nach kost allen Sorten lebbafteste Nachfrage bervor, so daß auch noch durchweg erböbte Preis« erzielt werden konnten. Am Marlte iür Rinderbäute besonders war überaus starke Unlernebmiingslust wabrzunehmen. die ober bei verhältnismäßia geringer Anlieferung nicht zu be- friedigen war. Für die fievonnoten leichten Sorten von Rmderbäuien wurden zuletzt bis zu 17 Dt. f ü r d a s P f u n d gefordert. Die wen'oer veachiet gewesenen schweren Häute lagen um etwa 2 M. bis 3 M. unter diesem Preis«. Amerikanische Kohle für die deutsche chemische Jndullrie. Für die chemische Judiislrie find 100 WaaaonS Kohlen beschafft worden. E« stellt sich der Zentner auf über 160 M.. doch wird nicht in bar bezahlt, sondem im Austausch gegen chemische Produkt«. GroßSerün Kerne Fahrpreisermaftigung für Siedler! Vom Staat und Reich wird fortgesetzt auf die Wichtigkeit deS Siedlungswesen« in Anbetracht der Wohnungsnot und der Nahrungömitteltnappheit hingewiesen. �Soweit eS die finanzielle Lage des Reiches oder der einzelnen Staaten erlaubt, wird die Siedlerbewegung nach besten Kräften unterstützt. Um so mehr überrascht e«, daß eine andere ReichSbebörde drauf und dran ist, den Siedlern einen Siein nach dem andern in den Weg zu legen. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, daß die Fahr» Preisermäßigung, die im Jahre 1916 für die Kolonisten ge- nebmigt wurde, aufgehoben ist und haben in verschiedene» Zuschriften der Stimmung unter den Siedlern Ausdruck verliehen. Dazu kommt nun noch in nicht mehr zu ferner Zeit eine Berteue, rung des Vorortverkehrs um 25 Proz., von dem auch die «iedler nicht verschont bleiben sollen. Die Eisenbahndirektion Berlin hat auf eine neue Eingabe de« Vereins der Berliner Vororte mitgeteilt, daß die Wiederein- führung der �Kolonisten karten abgelehnt werden müßte. Iii dem Schreiben wird betont, daß die FahrpreiSermäßi, gung nur eine Kriegsmaßnahme war, um das Durch- ballen zu erleichtern. Trotzdem das Fortbestehen der Ernährung!- schwierigkeiten anerkannt wird, wird das Ersuchen der Siedler ab- gelehnt, derm: „Gegen die Gewährung einer Fahrpreisermäßigung zum Zwecke der Landbewirtsckoftung bestehen im Frieden aber die größten Bedenken. Die Vergünstigung würde einseitige Bevorzugung eines bestimmten Perfa-nenkreiseS bedeuten und von dem übrigen Teil der Bevölkerung nicht durchweg gebilligt werden. Hinzu kommt noch, daß der Eroß-Berliner Bevölkerung allgemein schon ein außerordentlich niedriger, die SiedlungSinieressen berücksichtigender Varorttarif zur Verfügung steht, wie ihn leine andere deutsche Großstadt hat, so daß eS auch aus diesem Grunde nickt angängig ist. daneben noch eine Sonbervergünstigirng für einen bestimmten Personenkreis zu gewähren, um so weniger, als auch die bisherige Sondervergünstigung für Arbeiter mit der Besciti- gung der Arbeiterwochenkarten vom 31. Oktober 1919 in Fortfall gekommen ist." Wir können uns der Beweisführung der E ifenbahnd irektio n nicht anschließen, obwohl wir uns über die schwierige Lage des Eisenbahnbetriebs völlig klar sind. ES erscheint un« sehr zweifelhaft, ob die Mebreinnabme durch den Fortfall der Fahrpreisermäßigung für unser Wirtschaftsleben dieselbe Bedeutung bat wie die Milderung der Wohnungsnot und des HungerS, der doch letzten Endes daZ SrÄssungSwesen dient. Jedenfalls ericheinit«S un.S aber als ein Widerspruch, daß auf der e.'iien Seite in großzügigster Weise dem SiedlunzSwesen geholfen wird, während man auf der anderen Seite bestrebt ist, eS in serner Entwicklung zu hemmen. Wir verlangen, daß die maßgebenden Stellen sich nochmals eingebend mit der Frage beschäftigen und dem Siedlungk-wesen die Berücksichtigung zuteil werden lassen, die seiner Wichtigkeit beim Wiederaufbau emspricht. Fünf diebische Postansftelfer verhaftet. Auf dem Postami 14 wurden drei ungetreue AuShelfer entlarvt und festgeirommen. Zwei von ihnen waren im Packraum beschäf- tigt. Von dort aus steckten sie dem dritten allerhand Pakete zu. die er dann im Keller versteckte, um sie bei guter Gelegenheit her- auSzuschmuggehn. Ihr Abnehmer war ein Hehler aus der Stall- schreiberstraße. Alle vier wurden festgenommen. Ein junger AuS- belfer auf dem Postamt 17, der früher in Neuenhagen tätig war, ließ sich von einer Frau MagnalliS aus Hovpegarten zu Un- redlichkeiten verleiren. Die Frau machte Adressen und Begleit- karten zurecht auf die Namen von Leuten in Rüdersdorf, Friedrichs. felde. Hoppegarten und Berlin, namentlich Schankwirte und Ge- schäfiSleute, die sich bereit erklärten, unter ihrer Adresse Postsendun- gen für sie in Empfang zu nehmen. Sie übergab sie dann dem AuShelfer A rm a n. Dieser klebte die Adresse auf Pakete, die er für wertvoll hielt, vernichtete die richtige Begleitkarte und gab dafür die von Frau MagnalliS erhaltene in den Verkehr. Bei den Emp» fängern holte die Frau die Pakete für sich ab. Der Ungetreu« und die Hehlerin wurden gestern verbafter. Ebenso arbeitete der AuS- Helfer P r o chn o w auf den, Postamt 40. Auf demselben Postamt verstand eS der 29 Jahre alte AuShelfer Paul Tie ring aus der Stargarder Straße 59, nicht nur gewöhnlich«, sondern auch Wert- pokete durch neu« Adressen und Begleitkarten umzuleiten. Seine letzte Beute waren 16 goldene Uhren, die er nach einer Schankwirt'chaft hatte gehen lassen. Einige Ubren hat er bereite verkauft. Er muß aber wobl gemerkt haben, daß«t zuletzt streng überwacht wurde, und ließ sich weder in seiner Wohnung, noch auf dem Postamt mehr sehen. Ter Flüchtige wird von der Kriminal- Polizei gesucht.__ Für 323 800 M. Gold undSilbermönzen beschlagnahmt. Kurz vor Absahrt des Zuge» wmden gestern obend auf dem Scklesischen Bahnhof sechs Galrzier festgenommen, die im Begriffe standen, einen großen Posten Gold- und Silbergeld über Polen nach H o l l a n d zu verickieben. Aber weder indem Reisegepäck noch in ihien Kleidertakchen fand mau da« Gold- und Silbergeld. Erst als sie sick auch des Unterzeuges entledigt datten, wurde dieses bei ihnen gefunden. Sie ba!t-n e« zum Teil in die Wäicke eingenäht, zum Teil in beionderen Gürteln, die sie um den Leib trugen, versteckr. Selbst zwischen den Schuhsohlen fanden die Beamien Goldstücke Im Ganzen wurden für 136500 M. Goldgelb und für 53000 M. Silbergeld gefunden und beschlagnahmt. Zur gleichen Zeit machten andere Beamie de» Dezernats einen g»len Fang. Der Händler Hirt aus Polen hotte für I 8 6 0 0 0 M a r k Silberstücke. die in Polen niedriger im Kurie stehen, aufgekauft, um sie hier z» einem höheren Preiw abzusetzen Er war in einem Hoiel in der Atbiechlsiraße abgestiegen und hatte drei Männer be- stellt, die sich bereitgefunden balle», das Silber zu kaufen. Die strimirialbeainten, die von diesem Geschäft erfahren batien, mietelen da» Nebenzimmer im Hotel und beobachteten von diesem au» die Voraänae in dem Zimmer de» Hirt. Sw iahen io, w'e dieser, als die Käufer erschienen waren und das Gftd auf den Trick gezählt halten, seinen Scka fpelz auS dem Schränk nahm, den Pelz vom Stoff trennte und au* diesem Bersteck da» Silbergcld entnahm. Jetzt öffneien sie die Nebenlür, beschlagnahmten das Silber und die Kaufsumme und nahmen sowohl Hirt wie auch die drei Käufer fest._ „Bolk und Zeit*, unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der benticken Pafcmfloge bei.• Verloren. Der ardestZwie Tranipo-tarbester Jov. MichalSki KSnw«b«raer Sir 11. verwe am 26. d. M. im. cSewerkschzstSbau«" lein« Brieftasche, die t-00 M. und leine sämtliche» Legltimationdpapiere enthielt. Dem ehrlichen Finder wird eine Belohnung zugesichert. Del Berluitträger ist«rs a tz p s l i ch i i g für einen Teil des Neides, und befindet sich in großer Not. Eharlottcnbnrg. Juristische Sprechstunde jeden Sonnabend von 5— 6 Uhr im Sekretariat, Rosinenstr. 4, v. I. Grost-Bcrliuer Lebeusmittel. .Hermsdorf. Fllr ausgelallene Kartoffeln: 250 Granu» Haferflocken iSck u.«). 250 Gramm grlchälle Hüljenjrüchte(Sk u. g).— Montag: 3 Stück groß« Salzheringe(9). Vortrage, vereine und Ver�ommknn-en. Reicksbund der LiriegSbeichädlgten, Sektio» Per KrtegS- gesangeueo. Ortsgriippe Nr källn. Sonntag, 10 Udr: c-ffentliche Vcr- s-mmiung„ftindl-Srauereift Hermann slr. 214. Kam. Bader spricht über: „Die Fürsorge sür die Kriegsgelanaenen in der Heimat".— Berliner Arbeiter. Schachklub. AdleUung Süden. Svielabend j-ben Donnerstag. Aiitaellirchstr. Sva. bei Praffer. Beginn deS Frübsahrstomnier«: 4. Marz. Neudinzutr elende Mitglieder können daran teilnehme». Bei genügender Beteiligung findet auch ein Tomnier für Gäste statt.— Jeden Emmtag .vormittag von 10—1 Uhr: Frei« Schach oerlehr. v-'e öctriebsratswahle-. M Sie Aufstellung frsigewerkschastllcher SetnebsratsUsten. Give am TonncrZtag sta�igefuadel'e, guibesuchie DerirauenZ- männerversammlanT der Hausdiener, Packer, Hilfsarbeiier und Kutscher des deutschen TranSportarbe-ier-Bervandes aus den Be- trieben des Zeitungsgewerbes, Binckdruckereien, Buchbindereien, Buchhandel, Papier- und Pappen-CngroZ-Handels und Papier- industriebetrieben, toelche im BereinShauS„Südost" stattfand, nahm Stellung zu- den Betriebsräte mahlen.. Nach einem eingehenden Referat sprachen sich in der lebhaften Diskussion sämtliche Redner für die Aufstellung freigewerkschaftlicher Asten aus. Die Versammelten erwarten von den Funktionären der gelernten Ar- Seiter des graphischen Kartells eine gleiche Entscheidung. Eine ani Mittwoch stattgefundene Versammlung der Ver-- tranenSpersonen der Zeiiungsausträgerinnen aus den sämtlichen Zeitungs-Verlagsanstalteu Berlins und der Vororte entschied im gleichen Sinne. * Auskunftsabt nbe über BetriebSratSwablen sinken am Montag. den I. Mär», in Habels Brauerei, Bergwannstr. S.'7. Dienstag, den 2. März, in den Musiker- Feiisälen'Hockzeils'aat), Kaiser-Wilhelm-Itrasje St, Mit- woch, den 3. Marz, in den Sopdien-FeWälen(Weißer Saal). Sodkien- strasie t7/l3, statt. Als Rejerenten werden sprechen die.Herren Liebeskind, Rothe und Gesell. Anfang S'/, Uhr. Arbeitsgemeinslbast freier?I»meitellisroerbändk, Ortssekretnria!. Betriebsrätozcntrale für Angestellte, Berlin SW. 81, Lelle-Alliance-SIr. 7/10. l'Kollegen K loh, weil der Vorstand auf d e s fen st ew ah r t e Arbeiiskraf: und feine Sachkenntnis auf dem Gebiet der Arbeitsvermittlung und des Lehr- l im g s'w e f e n S nicht verzichten möchte. Im Interesse der Organisation möge man Klotz wiederwählen. Aber diese Empfehlung, die noch von einem anderen Vorstandsmitglied unab- hängiger Richtung unterstützt wurde, fand kein Gehör. Bei der Wahl siegte der Parteifanatismus über die vernünftigen Vor- stellungen des Vorsitzenden. Schütz und Rind ermann er- hielten die absolute Mehrheit. Klotz, auf den die wenigster. Stimmen entfallen waren, kam mit Beil in die Stichwahl und wurde als mit 188 gegen 149 Stimmen gewählt proklamiert. Tie Unentwegten lärmten, protestierten gegen das Wahlergebnis, das sie als Schwindel und Schiebung bezeichneten(obgleich die Versammlung und die Wahl von ihren eigenen Parteigenossen geleite: wurden) und erreichten dadurch, daß in der nächsten, am 11. März stattfindenden Versammlung eine erneute Beisstzerwahl borgenommen werden soll. GWeiffchlGbeDGimg- Generalversammlung Ker Maler. Der von den beiderseitigen Vertretern kürzlich vereinbarte Reichstarif ist auf Beschluß der vorigen Generalversammlung der Filiale Berlin des Malerverbandes lim einer Vertrauensmänner- Versammlung erneut geprüft worden. Dieselbe hat— wie der Vorsitzende Bötzer in der Generalversammlung am Donnerstag . berichtete— die Vorteile und Nachteile deS Reichstarifs und des Lohnabkommens eingehend untersucht und mit 18 gegen 89 St im- men beschlossen, der Generalversammlung die Annahme zu empseh- len. Die Generalversammlung entschied sich jedoch nach einer län- geren Diskussion mit 8 2 5 gegen 233 Stimmen für Ahl eh- UN n g des R e i ch s t a r i s s. Bötzer erstattete den Geschäftsbericht für das ver- flossene Jahr. Er sagte unter anderem, das Jahr sei reich an Lohnbewegungen in den kleineren Branchen gewesen. Die meisten Bewegungen hotten einen günstigen Erfolg. Die Mttgliederzahh die sich Ende 1918 auf 2955 belief, ist auf 13 99 gestiegen-.Ter Redner bezeichnete den Zuwachs als durchaus nicht glänzend. Wäh- rend die Mitgliederzahl im Reichi um 143 Prozent gestiegen sei, betrage die Zunahme in der Filiale Berlin nur 19 Proz. Durch .rege Agitation müsse ein grösserer Erfolg erzielt werden. Zur Vorstan!> s wähl ging ein Antrag ein, der verlangt. dich nur Anhänger dch revolutionäre« Rätssyfiems gewählt worden. Der Antrag wurde abgqleh n t. Tie Wahl hatte folgendes. Er- Vstbnis: Erster Vorsitzender Pötzer, 2. Voriitzender Kaiser» Schriftführer S i e rn e r. Kassierer Plum. Für die Wahl der drei Beisitzer waren vier Äandidaren vorgeschlagen, darunter Klotz, der seit einer Reihe von Jähren dem Vorstände angehört. Weil er aber auf dem Boden der S. P. D. steht, liefen dio'siiäist- Talen gegen ihn Sturm. Der Vorsitzende Bötzer, ein Anhänger der radikalen Richtung, empfahl eindringlich die Wiederwahl deS Tie Lohnbewegung in der chemischen Branche. Am Donnerstag tagte tu den Musikersälen eine stark besuchte Versammlung der getr-erblichen AngestMen-des chemischen Gross- Handels, der Apothekenarbeiier und der Verbandsstoisbranche. M i l l- h a n berichtete über den Verlauf der Bewegung. Für die Verband- stossbranche. wurde nach langen Verhandlungen ein Vergleich abge- schlössen. Danach betragen die Wlstnenlöhne für erwachsene mann- liche Arbeiter 139— 160 M., nie Arbeiterinnen 105— 130 M.— Für den chemischen Grossbandel.soll«; am Donnerstag eine Verhandlung vor dem Demobilmachungstonnnissar stattfinden zwecks AerbinSlich- keitserklärung des Schiedsspruchs vom 14. Februar. Auf Drän am der Unternehmer wurde diese Verhandlung bis Freitag vertagt. Für die Apothekenarbeiter ist am 3. März Verhandlung vor dem De- mobilmacbuwgsko!: missar festgesetzt., Die Versammlung verurteilte auf.- schärfste daö Verhalten der Arbeitgeber. Ein Antrag, den Arbeitgebern daS Ultimatum zu stellen: Anevkennuna des Schiedsspruchs bis Sonnabend, den 28. d. M., andernfalls am Montag, dm 1. März, in den Streik zu treten, konnte, nur mit großer Mühe seitens des Verbandsveriretecs zurückgehalten werden.— Folgende Resolution wurde einstimmig angmommm: Die Versammlung hat mit grosser Entrüstung von dem Ver- halten der Arbeitgeber Kenntnis genommen. Sie veaustragt die Verbandsleitung und die Lohnkommisston. bei den Verhandlungen vor dem De mobi l inacki ungskomm i ssar dahin zu wirken, daß der Schiedsspruch vom 11. Februar für verbindlich erklärt wird. Andern- falls soll von dem äußersten Mitiel des Streiks Gebrauch gemacht werden. Der Vergleich für die Verbandstoffstranche wurde nach Ein- Wendungen der erwachsenen Arbeiter angenommen. Ter freie Angestelltenverband als tÄciverkschafts- zersplitterer. Unter obiger Ueberschrisi veröfsentlichien wir in der Wend- aüsggbs vom 25. d. M. eine Zuschrift des FSniralverbandes der An- gestellten. Der in dieser Zuschrift angegriffen- Freie Angestellten- verband ersucht uns um die Mitteilung, däss nichr er, sondern die Obleute verschiedener GrossbetrieSe die Einberufer der Versamm- lung gewesen seien, in der den� Vorsitz der ZentralauSschuss der Hilfskräfte beim Berliner Magistrat geführt habe. Ter F.A.B. habe ebenso wie die übrigen Gewerkschaften nur eine Einladung zu dieser Versammlung erhalten. Soziale Mrsorr,e der Berliner Stadtstznode. Zu der unter diesem Titel in Rr. 91 de?„Vorwärts" gebr. 1 Notiz über die Entlohnung der Hilfsarbeiter� der Stadtsyuode schreibt uns der Geschäf liner Stadtsynode: „Nicht männliche Hilsarbeiier mußten gegen Tagegelder von 1,50 M. arbeiten, sondern dieser Satz bestand nur für weibliche Hilfs- kräfte von 15 bis 16 Jahren ohne jegliche bureaumäßige Vorbildung. die im kaufmännischen Beruf als Lehrmädchen keine Entschädigung erhielten. Für männliche Hilfsarbeiter war der Mindestsatz 1 M. Auch ist es unrichtig, daß bis zum Dezember 1918 die Hilfsarbeiter ohne Teuerungszulage arbeiten mußten; vielmehr werden Kriegs- und Teuerungszulagen schon vom 1. Oktober 1915 ab gezablt. Vom 1. Januar 1919 ab erhielten d,e Hilfskräfte durchweg 60 Proz. und vom 1 April 1919 ab bekommen tarifmäßig Ledige 129 Proz. uns Verheiratete 159 Proz. zu den ursprünglichen Lohnsätzen als Teue- rungszulage. ausserdem 50 ZW. Kinderzulage monatlich. Von einem entstandenen Lohnausfall kann keine Rede sein, denn der Schieds- spruch war innegehalten und im Übrigen nicht gekündigt worden. Der Artikel spricht zwar von einer Wirtschafisbeihilfe, verschweigt aber, daß die Hilfsarbeiter eine Be ichaf sungsbeihilse erhalten haben, wie sie den Beamten gezahlt worden ist, und zwar in folgender Höhe: Verheiratete 1090 M., für jedes Kind 209 M., Ledige 699 M. Selbst die Kommune Berlin hat eine solche Bcschaffungsbelbilfe nicht gewährt. Im Austrage: Bartels, Konsistorialrat. Vom Ze n i r a I v e r b a n d der Angestellten erhalten wir dazu noch folgende Bemerkungen: Die Berliner Stadtsyuode zahlte ab 1. Februar 1917 mann- lichen und weiblichen Bursauhilfsarbeitern 9,59 M. Kriegs- und Teuerungszulagen pro Tag. Für die männlichen Angestellten wurde dieser Satz am 1. Juli 1917 aus 1 M. erböht. Für die weiblichen Angesiellteu wurde erst ab 1. April 1918 die Teuerungszulage pro Tag aus 1 M. erhöht. Dieses kam aber nur in Frage, wenn die Angestellten nftndeflens 3 Jahre bei der Berliner Stadtshnode beschäftigt waren. Für verheiratete Angestellte, die unterhaltspslich- tige Kinder hatten, kam ein Kriegs- und Teuerungszuschlag von 19 Pf. pro Tag hinzu. An einem praktischen Beispiel errechnet, ergab sich folgender Verdienst: Tageslokimätz........ 4,— M. Kriegs- und Teuerunesuilage.. 1,—„ desgl. angenommen für 2 Kinder 9 20 Summa 5,20 M. X 26 Tage--- 135,29 M Dieser Verdienst ist wahrlich nicht fürstlich zu nennen in Anbetracht der schweren Zeiten, welche schon damals für alle Arbeit- nehmer bestanden. Die ab 1. April 1919 in der Berichtigung der Stadtsynode an- geführten Sätze sind erst unter Anrufung der Or-rä>rt'n, durch einen Tarifvertrag geschaffen worden. Diese», Tarifvertrag stemm- � ten sich sämtliche prominenten Herren des Geschäftssührendcn Aus- schuffes unter Führung des entlassenen Bureaudirektors O e h m ke mit Händen und Füssen entgegen.— Durch die Solidarität aller Arbeitnehmer der Berliner Stadtshnode einschliesslich der Beamten war es möglich, die so protzig hervorgehobenen Beschaffungsbeihilfe« auch für die Bureauhilfsarbetier zu erlangen. Die eingetretene Geldentwertung wird aber Wissenden ohne weiteres vor Augen führen, was solche Summen im November 1919 bedeuteten. Warum zählt die Berliner Sladishnodc nicht die Einkünfte der Pfarrer ein- schließlich Nebenverdienste als Vergleichszaihlen aus? Noch zumal für diese Herren Steuerfreiheit besteht?! füh: isTMj uss de r B e r- Deutscher Wertmeifter- Verband. Bezirksverew Berlin DV. Buchbinderei-Werlmeister! Sonnabend, nachmiiiaas ft»3 llbr: Große össentliche Versammlung in der.Bierglocke". Belle- Alliance- Straße. Tagesordnung: Die neuen Tarijverhandlungcn. Deutscher Portieroerband. Branche der Pribatu-ächter. Sonnabend. den 22. Februar. morgens 9 Udr, im Lotale oon Schirm, Mar- loltcnstrasic 7—8: Branchenveriammstmy aller aui Bauten.:öolv und Lagerplätzen, Fabriken, Geschäfts- irni) Industrichäusern beschäftigten Wächter.' Verariia. für den redö'tion. Teil: Brtrr Sitfler, Cdarloltenbura: für Anzeigen: Th.©locke, Berlin. Bcrlaa: Vorwärts-Berlaq©. m. b. S.. Berlin. Druck: Bor- wärto-Buckdruckerei u. BerlaosanNalt Vau! Cinaer u. Co. Berlin. Lindenstr. S. ytPFEil 22,- E& S 3 N G S2«— Mark. ft o I a•, Sil'» er- Sedaillen n n d andere e t a 1 1 e sewic alte Gebisse kaust flßy Ü A n k a n f s 6 t e 1 1 e n j! Cxoitiäeim, Mariannenstr. 12 ! I und Schmidtsr. 1 7a, 1 Mitglied des Vereins der AltmetaüfiändlerGroß-Berilns| ICrayfi' Piar�©! Großes Lager in* allen Holzarten fierliiiWgß. insliacliepStf.!. ch klage ani „Die deniize Ernährungsweise, die falsche Zubereitung der Speisen, das sträfliche Nichtbecchten der Mineralstoffe— sie und schuld an der fortschreitender. Entkräftung", ruit Dr. med. PaulOrabiey In seinen Aufsehen errc enden Veröffentlichungen überVoiksernährung. Den Bewctserbrlngen viele hundert Aerzte- berl chte: Glänzende Erfolge mit Dr.Grableys phys. Mincraisalz- Tabi. bei Nenrasthenie.Unferernäiirnng.Hurigermalacie, Rachitis, Blutarmut, Skrofulöse, Tuberkulose usw. Dr. med PaulGrableys phys. MineraisaSz-Tabletten sind in jeder Apotheke erhältlich. liboratorium für Mineralsalz-Präparate G. m. b. U., Berlin SW. 47. frtichautbUtuiu: entfernt mit cMcluter c'nfcftzrU Reicheis „Sosoo". Einziges Rabika!« luittel für eingewurzelte und IchiherzHelle Vciben, Seil über 25 Jahren bewährt. M. 2,50 Otto Noichsi, lZcnli!» Eljenbahnstr. 4. 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