Nr.IVS.N'.Iahr». BezunSpretS t S-erfeliälirL 16jO-iJit,BonatLB3D9)tt. ttei ine noue. ooron«'Oijlbct. Poft- demq MonalUch SM Ml» nfU Ru» (tc'lunqsafbUtii. Unter st rruibonb für TeulichlanS unb Seilerreich» Ungarn S.7ö M!» für bae utzcige Ausland IS.— äRt. beltänlltfieinmo1. Aufteilung 11-— Uli.+ Soluto-'äuffiölag. Loft- beftellungen neometi an liunemort. kiolland. ituremburg, öänseben und die Schwell. Eingetragen m bte Post- Aeiwnge» Pretelifte. Bee.Borwane' mil der Sbunlng» deilage.Satt tt-Rf.r" endietni wochew- taglia) imctmaL Sonntage cuunaL Set eg tarn m-täbref|f .Sojlaldemolcal öftli«". Abrnd�Ansgabe. Verlincv Volksblalt �ISpksnnig) Llnzeigen�rciS: Die achtgetpaUene SloiwutciDefelle ldite! 2.— M., Teuerungezuschlag 80 V «Klein» Anzeigen", ooe teil" gedrudte Wort 75 Pfg.(zulässig jrou (ctlgebrurfte Worte); lebe« tueittrv Won 50 Psg. fcielkngciutSe und SätlaffteUenanzeigcn das erste Wort 05 Psg. ,edee wettere Wart 40 Psg. Worte übet 15 Buchstaben zählen iur zwei Worte. Teueruugszuschlag 50'» Familien- Anzeigen, pastttsche ut b gewerischastliche Vereine- Änreigeti 2,— Ml. die Reite ohne Aufschlag. Anzeigen für die i Siuntnu; tnitifcn bis S Ahr tittage im Sauptgeschäft, Berlin SW 08, Lindeti» ftrage 3, aogegeben wecdett. tbeoffnei enn 0 Uhr stich IWö Uhr abends. ZcvitraXorgan der roztaldetnokratifchen Partei Deutfchlands Kedaftion und Expedition: EW. öS, Linöenstr. Z. irerniurertiert Am» tviorlmila«, Nr. 15190— 151!)7. **■IIM8MII________________ Sonnabend, den 28. Februar 1V2O. vorwärts-verlag G.ni.d. h., EW. b8, Linöenftr. Z. Fernidrecher: Amt Maritiplast. Nr. lI7 5Z— 5�. Wilson an den Obersten Rat. Paris, 28. Februar.(WTB.) Die Note des Präsi- Kenten Wilson vom 23. Februar bcharrt aus der Stellung- nähme, die Wilson frülirr den Beschlüssen des englischen und deI fronzösischln Ministerprasidentne gegenüber eingenommen hat. Sie anerkennt, das, der Präsident keine Einwände erheben wird gegen ein Abkommen über die italicnisch-südslawische Grenze im Gebiet von Fiume, wenn es sowohl von Italien als auch von Südslawien angenommen wird, vorausgesetzt, daß dieses Abkommen ttichi auf einer Kompensation beruht, die auf Kosten ron Ang'.HSrigcn einer dritten Macht gewährt wird. Der Präsident ist bereit, eine freundschaftliche Verständigung dieser «rt zwischen Südslawien und Italien anzunehmen, da lediglich die Angehörigen dieser beiden Mächte an dieser Frage interessiert sind, unter der Voraussetzung, daß das Ergebnis einer direkten Vcrstän- digung zwischen de» beiden Ländern sich innerhalb der Schranken und Grundsätze des SelbstbestimmungsrcchtrS hält. Sollt?» die beiden Pastcien zu keiner Verständigung gelangen, so hätten sie sich der Entscheidung Großbritanniens, Frankreichs und der Verein! gtrN Staaten zu unter- werfen. Präsiden« Wilson erklärt entschieden, gegen«ine Tri. lung Albaniens in drei Teile zu sein, selbst wenn diese Teilung die SLdslawcn befriedigen würde. Schließlich bcharrt er auf seiner Ansicht, daß der G e h e i m vir r t r a g von London jetzt nicht in Anwendung gebracht werde. Die Lage, auf Grund deren dieser Vertrag beschlossen wurde, sei durch die Ergebnisse des Krieges völlig».'rändert worden. Ratifiketion unü �öriafrage. Paris, 27. Februar. Pertinax gibt im„Echo de Pari»' einige Punkte wieder, die in der Vcrsanimlung des Obersten Ratet zur Erörterung kamen. Milii willigte darein, mit Truurbitsch wieder in Verhandlungen zu treten. Das Kompromist in der Adria- frage vom 20. Januar ist also der Erzielung eines Einverne h- in e n S wieder einen Schritt näher gerückt. Lloyd George und Milierond bccillen sich nun, diese neue Tatsache Witson zur Kenntnis zu bringen. Außerdem wurden die Grenzen Klein-Asiens festgesetzt; der Italien zufallende Teil ist er- Heblich. � Washington. 27. Februar. Der Senat hat neuerdings fast «instunmig den Vorbehalt zu den Bestimmungen des Friedensvertrages über die Ausführung der Mandate angenom- m e n. Senator H i tchco ck hatte vorher angekündigt, baß die Regierung diesen Vorbehalt nicht bekämpfe. Albany, 27. Februar.(Reuter.) Der demokratische S ta a l s k o n v e n t hat ein Parteiprogramm angenommen, ,n dem er sich für die sofortige RatifikationdeS Friedens- vertrage» ohne destruktive' Vorbehalte, für Rege- !ung der Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit zwecks Bcendi- guug von Ausständen und Aussperrungen, sowie für baldige Auf- Hebung des LUlahowerboleS erklärt. Anhänger der Wiedererrichtung der Internationale(Schattierung Longuet) in sehtoacher Mehrheit. Sie stimmen dem sofortigen Anschluß an die Moskauer International« zu, un- ter der Bedingung, daß die französische Sektion der dritten Jnter- nationale Herr ihrer Partcidisziplin und ihrer inneren Polittk bleibe. Ander« Anhänger der extremsten Richtungen in der Kom- Mission bestehen aus der Einführung von Sowjets in Frankreich auf dem Wege über die Gewerkschaften und die Arbeiter-Koope- rativen. Eine Einigung wird schwierig s.«in. Der allgemeine Eindruck geht dahin, daß die Verfechter der Wieder- aufrichtung der Internationale mit Longuet im Kongreß die Mehrheit erhalten werden. Einigung in üer Reichseisenbahnfrage. Karlsruhe, 27. Februar.(WTB.) Die Verhandlungen der Länder mit StaatSbahnbcsitz wegen des Uebcrgangcö der StaatSeifenbahnen an das Reich zum 1. April 1V20 habe» in den letzten Tagen zu einer Einigung über die Fassung des Vertragsentwurfs geführt. ES ist in Aussicht genommen, daß alle Länder einen gleichlautenden zemrinfamen Vertrag mit dem Reich abschließen. In der Frage der Festsetzung der Abfindungssumme läßt der Vertragsentwurf de» Ländern eine geivisse Wahl. Sobald der Wortlaut drs Vertragsentwurfs vorliegt, was in diesen Tagen der Fall sein wird, geht er dem Landtag zu. Gleichzeitig soll nochmals der Eisenbahnrat gehört wer- den, der zu'diesem Zweck durch hervorragende Sachverstän. d i g r auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens sowie durch w.'itere Vertrrter von Industrie, Gewerbe, Handel, Landwirtschaft, Städtrn, Gemeinde» usw. verstärkt werdrn soll. Der Vertrag kann nur i» Kraft tretrn, wenn rr durch Gesetze des Reichs und der betei- ligt.'n Länder genehmigt wird. 250000 Kriegs sefengetie zurückgekehrt. Wie dir RcichSstelle für Krieg», nnd Zivilgefangrne mitteilt, sind bis zum heutige» Tage 230 GOV Kriegsgekangenc auS Frankreich und Brlgicn in die Heimat zurückgekehrt. Dir Transporte laufen fortgesetzt weiter und vollziehen sich ohne irgendwelche Stockungen. Wenn dasselbe Tempo bcibe- halten wird, so dürften mit Ablauf der nächsten sechs Wochen sämtliche Gefangene der Heimat wieder zurückgegeben sein. Abflauen ües franzofischen Eisenbahner- ftreiks?> Paris, 27. Februar. Laut HavaSmeldung ist im Eise». bahnrrauSstan» feit Mittag auf drn Nord- und Lstbahnea eine Entspannung bemerkbar. Bei der Dienstablösung um 2 Uhr nachmittags nahmen mehr Eisenbahner die Arbeit auf. Man glaubt, heute abend den normalen Dienst wiederherstellen zu könne». PariS, 27. Februar. Laut HavaSmeldung genehmigte dir Kammer drn Gesetzentwurf über Requirierung von Auto» mobilen im Falle eincS BcrkchrSstreikS. J» der Debatte er- klärte M i l l c r a n d. wenn die Eisenbahner die Arbeit wieder auf. genommen haben würden, werde die Negierung einen Parität«- schen SchiedsgerichtSauSschuß aus Direktion und Per- fonal einsetzen. Der Gesetzentwurf wurde mit K1> gegen 70 Stim- wen angenommen. Rußlanös Marsch zum Irieöen. A n n a p o l i s, 27. Februar.(Funkspruch.) Die Bolschrwisten melden drahtlos, daß da» weiße Heerdes Generals Toi. st» i nach der Niederlage bei Gurjcw in vollständiger Auflösung in der Richtung auf das Kospische Meer geflohen sei. P r- g, 28. Februar.(MTB.) Die Wiener Blätter veröffent- lichrn eine Note, welche der russisch.. Bolkskommissar für AeußercS Tschitscherin an da»»f•• f I o w tt k i f 4 e Ministerium des Acußern gerichtet hat, worin ereinformrileSFriedens- an gebot macht. Wie dos tschechische Prcsscbureau mitteilt, liegen im tsckiecho-slowokisch.'n Ministerium des Aciiftcrn über dicsi Rote «och keine direkten Meldungen vor. r- Irankreich und öle Internationale. Straßburg, 27 Februar.(Havas.) Die am Donnerstag vom Soziali st evkongreß ernannte Kommission bemüht sich, eine Erklärung aufzusetzen, die eine möglichst groß« Zahl der' Delegierten befriedigen würde. In dieser Äommlssion sind die s Telegrammzenfur ln Gberfthleflen. O p p e l«, 28. Februar.(TU.) Die interalliierte Kommisfion hat, wie gemeldet, die Telegrammzensur für O'd er s ch l e si e n angeordnet. Sie hat aber inzwischen eine b r d e u- trade Milderung erfahren. Telegramme in offener Sprache brauchen dem Kontrolleur nicht mehr vorgelegt zu werden, sondern nur noch solche in verabredeter Sprache, verboten bleiben dnqeget, chiffrierte Telegramme. die fibfinöungsfrage. Durch verschieden« Blätter geht die Nachricht, daß die sozialdemolratischen Fraktionen der National- wie der Lan- dcsverjommlung dem vorgeschlagenen Vergleich zwischen Preußen und der Hohenzollernfamilie ablehnend gegen- überstehen. Dies« Nachricht hätten die Redaktionen schon früher bringen können, wenn sie den„Vorwärts' aufmerk- samer gelesen hätten. Sie tun aber noch ein übriges, indem sie eine Krise im preußischen Finanzmini st e- rium ankündigen. Wir wissen von einrr solchen Krise nichts und glauben nicht an si«; Der preußische Finanzmi- nister, Genosse Dr. S ü d e k u m, hat den angefochtenen Ver- gleich abgeschlossen, weil ihm durch die gesamte Neckstslage die Hände gebunden waren. Würde ihm von der National- Versammlung durch Verbesserung der Rechtslage Gelegenheit gegeben, einen für die preußischen Staatsfinanzen günstige- ren Vergleich abzuschließen, so wäre das nach unserer Auf- fassung ein Anlaß für ihn, sich zu freuen, mdjt aber seinen Abschied einzureichen._ Sergarbeitersieölung. Um die großen und volkswirtschaftlich hochbedentenden Auf- gaben der Beschaffung von B e rg m a n n Sw o h n st ä t t e n im rheinisch-westsälischen Ruhrkohlenbezirk, soweik die Landesregierung an ihnen beteiligt ist, einer beschleunigten Lösung entgegen- zuführen, hat der Mini st er für VolkSwohkfahrt einst- weilen einen Kommissar nach Essen entsandt. Seine Entsendung erfolgte,, um die Schwierigkeiten, die bisher noch durch die Zu- ständigkei. der drei Regierungspräsidenten in Mün- st? r, Arnsberg und Düsseldorf bestanden, schon jetzt zu beseitigen. Eine Zusammenfassung der Zuständigkeiten auf allen Gebieten des Wohnungswesens wird künftig durch dos zurzeit der Landesversammlung vorliegende Gesetz über„die Schaf- fung des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk' gewährleistet. HIm jedoch jeden Zeitverluft bi« zum Inkrafttreten diese? Gesetzes zu � manner waren, von denen wir den Verständigungsfrieden er- vermeiden, ist die vorübergehende Entsendung«ine? Kommissar» � hofften. beichlossen worden. Als Kommissar des Ministers für Volkswohl.> Und da ra n S�soll Caivanr von seinen Landskenten ein fahrt für Errichtung von Bergmannswohnungen im rheinisch- Verbrechen gemacht werden? Weil umn in Paris erfahret' westfälischen Ruhrkohlenbezirk ist der Regiernngs- und Baurat hat. daß deutsche Negierungsstellen den Nedaktionen naheaeleat Or. in«. R a p p a p o r t m-t AuUssttz m Essen bestimmt. i hatten, von Caillaux mit Z u r ü ck h a I t u n g zu sprechen, ihn Der Sinn des Caillauxprozesses. Man könnte sich auf den Standpunkt stellen, daß der Prozeß gegen Caillaux uns eigentlich nichts angeht und daß' wir uns, zumal in unserer gegenwärtigen Lage, mir wichtigeren Dingen zu befassen haben, als mit der Auflage gegen den früheren französischen Ministerpräsidenten, über die jetzt nach 25 Monaten Freiheitsberaubung vor dnii Senat als Staatsgcrichtshof endlich verhandelt wird. Aber at Sozialisten, die in allen Fragen für Gerechtigkeit nnd Menschlichkeit eintreten, können wir an diesem Prozeß nicht achtlos vorübergehen. In diesem besonderen Falle paart sich aber auch die all- gemeine Frage der reinen Menschlichkeit und Gerechtigkeit mir einem der wichtigsten Prob leme der Zukunft, nämlich mi: der Erreichung einer Verständigung zwischen D e u t s ck- l a n d und Frankreich. Die Lösung dieser Aufgabe ist sowohl durch den Frankfurter wie durch den Ver- saitler Frieden verhindert worden, und deshalb hat gerade der Vertrag, der am 7. Mai 1919 der deutschen Dele- gation t»i. Trianon-Palace überreicht wurde, die wahrhaft pazifistisaien Männer beider Länder zur Verzweiflung gebracht. Solange die Verständigung zwischen Deutsci land und Frankreich nicht erzielt ist. werden krie- gerische Verwicklungen wie ein Damoklesschwert über den Völkern Europas schweben— und sobald sie erreicht ist, ist der W e l t f r i c d e auf Jahrhunderte hinaus g e s t ch c r t. Denn der Fall Caillaux ist vor allem die Tragödie der durch dt:n Ausbruch des Weltkrieges gescheiterten Versöhnung zwischen den beiden Nachbarvölkern. Wir wollen auf die einzelnen Punkte der Anklage nicht eingehen. wir müßten sonst seststcllcn, daß auf der einen Seite Caillai'? in seinem Verkehr sehr leichtsinnig gewchen ist, daß Limit Männern befreundet war, die inzwischen wegen verrate- rischer Handlungen erschossen wurden; aber auf der an- deren Seite müßten wir dann auch die ganz niederträchtiger polizeilichen Manöver erzählen, mit deren Hilfe die Regierung Clemenceau versucht hat, sein« Schuld nachzu- weisen: Bestechungen, Unterschlagungen, Fälschungen— nichts hat ryan unterlassen, um„Zeugen" zn gewinnen und um sich.Material" zu beschaffen. Man konnte im vorigen Sommer in linksstehenden französischen Blättern die aus- fiihrliche Geschichte dieser Untersuchimg lesen und gewann manchmal den Eindruck, daß es sich nicht um einen hochpolr tischen Prozeß, sondern um einen raffinierten Sherlcck Holmes-Roman handelte. In Wirklichkeit aber handelt es sich um die p a z i- fistische�Politik, welche Caillaux in der Aga dir- zeit, im Sommer 1911, verfolgt hat und die in den Aiigeu aller seiner politischen Gegner, vom Präsidenten P o i n c a r ä bis zum Royakistenführer Lson Daudet als ein Staatsverbrechen galt und gelten mußt e. Denn entweder hielt man den Revanchekrieg flir eine heilige Pflicht, und dann war jede.LZe r z i ch t s'p o l i t ik" Hochverrai, oder man betrachtete den Wiedergcwinn Eksaß-Lothringens als einer gegenseitigen Niedermetzelung der Völker nicht wert, und dann wkir der Chauvinismus eine gemeingefährliche Sünde. Ob es sich um die E rm o r d u n g von I a u r d S oder um die Verfolgung von Caillaux handelt, um diese Fragestellung kommt man nicht herum. Unter Führung von Caillaux war im Winter 1914 die radikale Partei zu einer geschlossenen Kampfformation gegen die chauvinistische Politik Poincaräs, Barthous und Millerands geworden; als solche nnd durch ein verständiges Wahlabkon,- men mit den Sozialisten hatte sie bei den Wablcn im Mai einen glänzenden Sieg davongetragen. Wenn auch Caillaux selbst in den letzten Monaten vor dem Krieg unglücklicherweise sich infolge des Mordprozcsscs gegen seine Frau von der aktiven Politik fernhalten mußte, so blieb er doch die Seele dieser größten aller Parteien und die H o f fn u n g aller Anhänger einer deutsch-französischen Verständigung. Ist es nun ein Wunder, daß er unter diesen Umstanden auch nach dem Ausbruch des Krieges in den Augen der dent- schen politischen Kreise der Mann blieb, auf den sich alle Blicke konzentrierten, als mgn die französische Nation sich immer un- rettbarer in die Sackgasse des wüstesten Deutschenhasses und des Krieges bis-ans-Ende verrennen sah. Es war ja doch ganz selbstverständlich, daß Caillaux die Hoffnung aller derer war. die nach einem Ausweg aus dem endlosen Plutbod � suchten, genau so wie G i o l i t t i in Italien, wie Gmf W i t t e in Rußland, und wie sogar A s q u i! h(im Vergleich zu Lloyd George) in England für uns d i e Staats- nicht dirrch auffallend? Lobsprüch? zu kompromittieren� wirst man ihm„Einverständnis mit dem Heinde" vor! Aber das war ja eine Miiz selbstverständliche Maßreael, und es ist un- zweifell)aft daß auch die Londoner und Pariser Pressestellen während des Krieqes den Zeitunoen ähnl'iche Weisungen in bezua ans einzelne jdetitÄe Persokilichkeiten gegeben Hillen, deren Opposition nicht im an nc' t erso ien. Wer aber W irde in Teutschland so kindi'ch und töricht'ein, dVe von oder Gegenseite absichtlich �geschonten" und„vorsichtig behcmM«' ten" Manner des Hochverrates m- chuldia' r? los st' n n n r in einem Lande möglich u de--- der ftuß g: g. n o n sseind pathologische ao-nwu rmgeiwirmeu bat und in deni man in jeden, der im Perdacht swnd, das ssiir und Wider des Kampfes bis-ans-Ende zu erwägen einen Verräter witterte, Taß Eaillaur zu Anfang des dritten Kriegs- ahrcs sich mit der f�rage der Zweckmäßigkeit einer Fortsetzung des Krieges be- schäftigte und sich dariiber nicht nur mit französischen Politi- kern, sondern mich mit gewissen Staatsmännern der Alliierten. wie z. 53. mit dem italienischen Kolonialminisier Martini, aus'prach, stchi fest. Auch wollte er in der Tatsache des Kriegs- ausbrilches keinen Beweis dafür erblicken, hiß seine friedliche Politik wällrend und nach Agadir verfehlt gewesen sei. Endlich scheint er frühzeitig erkannt zu hoben, daß der e'gent- liche europäisch' Nutznießer des endlosen Krieges letzten Endes nur England sein würde. Und wer möchte selbst in Frank- reich heute bestreiten, daß er in dey meisten Punkten vollständig recht hatte? Nur in dem einen Punkte bat er scheinbar unrecht be- halten: Frankreich hat schließlich doch gesiegt.?lber auch hierin wird ihm eine nahe Zukunft reckt geben und beweisen, daß dieser sogenannte Sieg für sein Land eine viel schlimmere Katastrophe war, als es ein V e r st ä n d i g» n g s s r i c d e n Ende IllttZ gewesen tträre. Im übrigen ist es eine Binscnwahr- heit, daß die Entente ihren Tieg weder Foch, noch Cleinenceali. noch irgendeinem ihrer Staotsmänner oder Generäle verdankt, sondern nur unseren Alldeutschen. Hätten diese nickt den rücksichtslosen U-Boot-Krieg erzwungen und dadurch das Eingreifen Amerikas verursacht, dann wäre vermutlich die Politik Eaillaur' die einzige Rettung für Frankreich gewesen, und das französische Volk hätte dann froh sein können, daß es überhaupt einen Caillaur besessen hätte, den es an den Verhandlungstisch hätte schicken können! Voincarö, Elemenccau und alle diese großen Netter des Vaterlandes sollten sich ja nicht viel darüber einbilden, daß ihnen die Ereignisse schließlich recht gegeben haben. Was sie damals trieben, war nur ein frtzvellxiftes Hasardspiel mit dem Vlnte ihrer Volksgenossen, und ihr einziges Glück ist es gewesen, daß auf der anderen Seite es noch leichtsinnigere Hmardspicler gab, die alles auf die Karte des U-Boot-Krieges einsetzten— und verloren. Wir sind wicht in die Geheimnisse der wilhelminischen Diplomatie eingeweiht, aber wir sind überzeugt, daß. wenn Jagow, Bernstorsf, Lancken und alle Deutschen, deren Namen in der Anklageschrift vorkommen, unter Eid vernommen wür- den, sie nichts anderes aussagen könnten, nls daß sie eben, wie es ihre Aufgabe und ihre Pflicht ivar, versucht haben, sich über Eaillaux' Ansichten zu informieren, den Kontakt mit ihm zu gewinnen— und daß dieS ihnen leider nicht gelungen ist. Aber an einer solchen Vernehmung ist natürlich be! der in Frankreich herrschenden Psp'bos.e gar nicht zu denken, und jedes Wort aus deutschem Munde, das zu seinen Gunsten spräche, würde ihn nur belasten. Es ist mich möglich, daß diese Zeilen gegen ihn auchzebeutet werden. Von den meisten seiner früheren Parteifreunde verlassen und ver- leugnet, nur noch von den Sozialisten in Sckmtz ge- nommen, dürste er wohl durch die als Richter verkleideten Senatoren kaum freigesprochen werden. Aber ebensowenig wie wir es uns nehmen lassen, unsere Liebe und liniere Bar- ehrung gegenüber dem Märtyrer des Sozialismus, I a u r d s, zum Ausdruck zu bringen, ebensowenig wollen wir mit im- serem Urteil über den Sinn des Eaillaiir-Prozesses zurückhalten: Es ist der Prozeß gegen dieIdeederVerständi- g n n g zwischen Deutschland und Frankreich! Dsutslbnationale Heuchelei. Fn einem imrcfniia sachkundigen Leitartikel über Caillaux Hai 'die„T ä g I. Nundsckau" die„Verbrechen" aufgezählt, deren sich der französische Staatsmann in den Augen der französischen Bouigeoisie schuldig g macht hat. Er sei im Gegensatz zu Millerand, „dem diens-usrig.n Handlanger der imperialistischen Dil» i--ur dem' blmg des Bundes von Säbel und Weihwadel und dem Vorkämpfer der äußersten S ch a r f m a ch e r e i", seinen ea e» treu pcbllcben. Er sei der demokratische Sohn eines i r a k t i e n ä r e n-Vaters, bei unter Max Mahon Minister war. ."> iei Vr reich. Hobe aber nicht sich„in den Dienst der Finanz- ollgarch ic" stellen wollen Er sei der Schöpfer der Einkommen- it e u e r und endlich der Mann der Verständigung zwischen Deuckchlawd und Frankreich gcwpsen. Das ist alles anchich ganz richtig, aber es ist doch ein starkes Stück, wenn ausgerechnet die.Tägliche Rundschau" ihre � Sympathie für den Mann betont, der sich aller dieser„Verbrechen" ' schuldig machte, und wann sie sich über seine Verfolger erzürnt. Unsere Deutschnationalen sind wahrhastig die letzten, die e-n Recht herben, über die Verfolgung von Caillaux auch nur ein Wort zu.verlieren. Wenn man selbst im Dienste einer Finanzoligarchie steht, wenn man selbst als Wortführer des Großkapitaljsmus die Männer alsVerräter beschimpft, deren steucogesctzliche Tädig-keit gefürchtet wird— denn es besteht in der Tat ein« gewisse Analogie zwischen dom Fall Caillaux und dem Fall Erzberger!— dann ist es nichts anderes, als - ein« Heuchelei, wenn man eine besondere Teilnahme für das Schicksal des Angeklagten bekundet. Und vor allem möchten wir wissen, wie die„Tägliche Rundschau", ein Blatt, dassn den Jahren w>r dem Kriege alles getan hat, um das BerhAtnis zwischen Deutschland und Frankreich zu vergiften, dazu kommt, aus . Caillaux' pazifistischer Tätigkeit Kapital zu schlagen. Gewiß ist Caillaux der Gegner der Revanchepolitik gewesen, aber die Ver- stinediguwg. die er erstrebte, war die des demokratischen Frankreichs und des demokratischen Deutschlands, und er haßte das Deutschland der„Täglichen Rundschau" ebenso, wie wir das Frankreich des„Figaro" und der„Action Francais«" hallen. Gberftbleften unter öer öesayung. Von einem Genossen, der die Verhältnisse im besetzten Ober- schlesien aus eigener Anschauung genau kennt, gehen uns folgende Ausführungen zu: Seit einigen Tagen haben wir die französische Besatzung. Langsam fühlten sich die ersten kleinen Trupps in die I n- dustrieorte hinein, bestaunt von den' Einwohnern. Erst am zweiten Tage der Besetzlmg traten geschlossenere Formationen auf. Es ist stark übertrieben, wenn die Zeitungen im Reiche von großen patriotischen Kundgeb wn- gen berichten. Ter deutschdenkende Oberschlcsier hat durch- aus keine Veranlassung, auf die Straße zu gehest. Er prüft die Verhältnisse kühl und kommt der Besatzung sehr reser- viert entgegen. Das genügt aber auch. Die Herren der Kommission wissen sicher heute schon, woran sie mit der Bevölkerimg sind. Ebenso wie auch wenigstens die Ä r- beiter ganz bestimmt wissen, was sie von der Kommission zu erwarten haben. Denn bisher haben sich die H�ren lediglich mit den I n- dustriellen besaßt. Eine Kommission des Fünferrats der Gewerkschaften, die in Oppeln mit dem Herrn General L e Rund.verhandelte, ist ziemlich kühl abgefertigt worden. Dafür aber hat die Kommission Vcrord- nungen erlassen, die sehr tief in die Koalitionsfrei- heit der A r b e i t e r emgreisen. Um den Arbeitern im Reiche ein rmgefähres Bild von den„Freiheiten" des ober- ichlesischen Arbeiters n-nter der Besatzung zu geben, lassen wir hier eine dieser Verfügungen im Wortlaut folgen: »Für die Genehmigung von Versammlungen hat der französische Z-ivilkommissar, Herr Major..... folgende Bedingungen aufgestellt: 1. Di« Versammlung ist mindestens drei Tag« vorher bei der Polizeiverwaltung schriftlich zu beantragen unter Angabe von Zeit, Ork und de? verantwortlichen Leiter? der Der- sammlung sowie des Themas, das in der Versammlung zur Erörterung gelangen soll. Zwei Tage vorher hat die s deutsche! Polizeivorwaltung das Gesuch dem Herrn Zivilkommissar mit' ihrem Gutachten vorzulegen, j 2. Politische Fragen dürfen in keiner Versammlung zur Erörterung gelangen. Der Versammlungsleiter ist dafür haftbar und hat eine diesbezügliche Versicherung mit dem Antrage bzw. vor der Versammlung einzureichen. 3. Die Versammlung darf' nur in geschlossenen Räu. m e n stattfinden. Werden Räume eines öffentlichen Lokals hier» zu benutzt, so ist der betreffende Raum lediglich für Versamm» lungszwecke und die Versammlungsteilnehmer zu reservieren, für alle übrigen Lokalbesuchcr zu sperren. An der Tür ist ein Plakat: „Geschlossene Gesellschaft" oder„Reserviert" anzubringen. 4. An den Versammlungen dürfen nur solche Personen teil» nehmen, die ein« Einladung erhalten haben. Die Einladung darf unter keinen Umständen durch Zeitungsbekannt- machungen oder durch öffentlichen Anschlag oder in ähnlicher öffentlicher Weis« erfolgen. Aushang innerhalb des Fabrik- oder Ilrbeitsraumes ist zulässig. 5. Beim Hingehen in die Versammlungen und beim Font- gehen aus denselben dürfen sich keine Ansammlungen auf der Straße bilden. Die Versammlungsteilnehmer dürfen auch nicht den Weg zur oder von der Versammlung in geschlossenem Zuge zurücklegen." Mcm hat so viel über die Bedrückungen unter dem Be- lagerungszustand gesprochen und geschrieben. Aber was hier die französische Behörde den o-berschlesischen Arbeitern bietet, ist entschieden weit schlimmer, als die aller- schärfste Verordnung des Befehlshabers der oberschlesischen Reichswehr. Als am 13. Februar die Regierungs- und Plebiszitkommission die Verwaltung des Landes übernahm, erließ sie eine P r o k l a m a t i o n, in der es heißt: „Mit der Besttznahme der Regierung im Namen der alli- ierten Mächte bis zur Ausführung des Plebiszit», durch welches die Einwohner selbst über die polnische oder deutsche Landeszugehörigkeit entscheiden werden, setzt die interalliiert« Regierungskommisswn eine neue Aera der Freiheit und der Ge- rechtigkcit ein." Die oberschlesischen Arbeiter haben von dieser neuen Frei- heit Und Gerechtigkeit schon allerlei bedenkliche Proben er- halten. Am l6. Februar begonnen die Verhandlungen des französischen Kriegsgerichts in G l e i w i tz. Es brschäftigte sich mit verschiedenen Vergehen, die bei der Besetzung durch die französischen Truppen begangen wurden. Meist handelte es sich um Kleinigkeiten: einige zerschlagene Fenster- scheiden, einige in der Erregung gesprochene Worte, die von diensteifrigen Anbetern der französischen' Behörde übermittelt wurden. Tie Strafen waren ungeheuerlich. Wegen unbedeutender Tinge, die von wenig einwandfreien Zeugen bekundet wurden, sind angesehene Bürger und Arbeiter zu schweren Gefängnisstrafen verurteilt worden. Wer Oberschlcsien verlassen will, hat vorher ein Ge- such mit Angabe der Gründe an die französisckze Zivilver- waltlmg in Oppeln zu richten. Dos bedeutet die vollständige Aufhebung der Freizügigkeit für alle Staats- b e a m t e in Oberschlesien. DieKommijsion erklärte, daß sie sich nur durch Erwägungen der Gesetze und der Gerechtigkeit leiten lassen wird und daß alle Bewohner Obertchlesiens ohne Unterschied der Nationalität, des Standes und der R e l i g i o n sich aus ihren Rechtssinn und ihr aufrichtiges Wohlwollen ver- lassen können. Da scheint es aber doch, als wenn der Rechtssinn der Kommission ziemlich einseitig orientiert ist. Denn während man den D e u t s ch e n alle Versammlungen stark er- sch/wert oder gänzlich verhindert, heilten die Polen in den Dörfern ihre Versammtungen ab, wie sie wollen, ohne die hohe Kommission zu fragen. Stork mit Truppen belegt sind auch nur die überwiegend deutsmenJndustriestädte. Während G l e i w i tz von französischen Soldaten wimmelt, sitzt in H i n d e n b u r g nur ein einziger französisckwr Ofsizier. Zieht öen neuen Menfthen an! Von Franz Lehnhosf Aufgemerkt, Proleten! Hat die neue Zeit eucki auch nicht die Erfüllung aller Wünsche gebracht, so hat sie eucki docki mindestens die Gelegenheit— die Gelegenheit!— eiöffner, jelbstver- trauende, freie Menicken zu sein, befreit von der Last gefügiger Unterwürfigkeit vor dem Reichen, dem Arbeitgeber, dem Vorgesctzrcn! Davon seid ihr frei, wenn ihr frei sein wollt! In eurer beruf- lichen Weiterentwicklung setzen euch e»re Gescbicklickckeit, eure geistigen Fähigkeiten Grenzen I Euer Menschentum aber könnt ihr un- beschränkt geltend machen. Unterdrückung deS Menschen, des Manne», der Fron oder deS Kinde», gibt es nickt mehr! Sehr richtig? Sehr falich I Ich will euch von Menschenschändern und Menschenschindern erzählen! Hört! .Bolle" und das Mütterchen. Es webte, regnet« und schneite. Aber dock sah mancher der eilig ihren Weg nehmenden Menschen unter seinem Schirm weg au» dem� hochgeschlagenen Mantelkragen hinaus nach dem alten, alten Mütterchen, da? im fadenscheinigen Umschlagtuch ziiternd vor Kälte über die Straße� eilte. Mit einer ihrer verickrumpsien, knöchernen, sterbenden Hände preßte die alte Frau den Knoten des Umichlagtuches an sich und hielr gleichzeitig einen kleinen MNch- topf aus Emaille, mit dem freien Arm ruderte sie aus Leibeskräften in der Luft umher, um ihren Körper zu raschem Vorwärts« kommen in Schwung zu bringen. Plötzlich fing sie gar an zu laufen. Das iah tomisch aus, und das Mütterchen konnte in den Gesichtern der Entgegenkommenden ein Lächeln sehen, das ihr selbst galt. Aber der Alten war es gar nickt zum Lacken zumute. Sie rannte— nach ihren SchnelligkeitSbegiisfen rannte fie— nicht zum Vergnügen der Leute, sondern sie rannte nm ihr bincken Leben. Sie brauchte so nötig Oel auf ihre LebenSflamme, Milck I Ihr Ziel war der Milchwagen, der kaum bundm Meter von ihr enlsernt war. Sie sah, wie der Kutscher bereits die ausgeichlogene Seitenwand deS Wogens niederklappte. Sie rief keuchend und piepsend:„Bolle I Bolle I" Der Kutscher wandte wobl den Kopf zu der Alten um, schwang sich aber doch au» den Bock, das Pkerd zog an, er legte fick die Decke zurecht und rief der Alten, die kaum zehn Schritt von dem Wogen entfernt war, noch unwMch zu:.Ich habe keine Zeit!" Die Alle sah den davonfahrenden Wogen noch. Die für sie bestimmte» paar Tropken Milch waren ihr trotz aller ihrer Mühe verloren; denn ein rüstiger Prolet hotie nickt die halbe, Minute Zeit für seine altersschwache arm« Klassengeiioiün. Von der Enttäuschung geknickt, holperte sie heim. Niemand lächelie über fie; denn nun sah sie wie das zur Person gewordene Elend miS, Zuweilen lesen wir von einsamen alten Frauen, die erst Wochen j noch ihrem ewigen Heimgang in ibren ärmlichen vier Wänden auf- j gefunden werden. Das fiel wohl manchem ein, der diese olle' Frau in dem finsteren Eingang eines schäbigen, verwahrlosten Hauses verschwinden sah. Eine kleine HiUergriindbaHngeichichte.• Auk einem großen llmsteigebabiihos der Untergrundbahn brauste der Zug in die Halle, knirschend packien die Bremsen die Räder. Ter Z»i ruckie noch ein wenig: dann stand er. Die Türen wurden aiisgciissen. Sckwarmweise dränglen die Reikehden zum Einsteigen Lärmend kämpfleii die Aussteigenden um den Weg ins Freie. Schließlich ivaren sie draußen, und läckerlick rasch sogen die schwarzen Tünöchcr die Einsteigenden auf. Schon wurden die Türen zugeworfen, und der Zugbegleiter war schon gespannt aus da» Abkahrtzeichen.. Da pruste le noch ein dicker Herr im Pelz die Treppe hiniinler und hmterdiein, dem Dicken schier auf den Fersen. ächzte ein junger Bursche mit einem fast mannshohen ZeitungSpack. Eilkertig riß ein Babnsteigbeaniter vor dem Dicken eine Türe auf, Der Zeitiiiijzsiräger irtzte schon einen Fuß zum Einsieiaen an. ein Lächeln de» Triumphes lag ig seinem ausgehungerten Gesicht. Da rollte die Tür lrackend vor ihm zu. Der Buricke streckte die Hand aus. um sie wieder auszureißen. Da schob sichderKörperdeSBabn» steigbeamten zwischen ibn und der Tür. Mächtig rief dieser Mann: .Zurüückirääiööü»!" Und gab das Abiabrtzeichenl Doch nun wariete der Zugbegleiter. Sah er doch oen Zeilungsburschen unmittelbar ander Tür. Als der Babniteigbeamte dann nochmals zur Abfahrt winkle, da ries der Zugbegleiter dem Führer sein.Abfahren" zu. Der ZeitungSiräger iah dem Babnsteigbeamten wütend in die Augen. Der junge Bursche verkniff sich aber da« Schimpiwort. mii dem er seinen Aerger Lust machen wollte. Er schaute in die blitzenden Augen eineS ongriffslustigen, an Kürverkrästen über- legenen Mannes und mußte da» Unrecht herunterschlucken. Gioß- artig griniend ging der Babiisteigbeamte davon, al» gebe es aus der Welt nichts SckönereS, als einen schwächeren jungen Burschen in seinem ftoben Pflichteifer zu stören, nichts Schöneres, als daß ein Prolet den anderen tüchtig ärgert. • Habtihrgebört. Proleten? Wie viele solcher Geschichten könnte ich euch noch erzählen? Wieviel solcher Geschichlcnlönntctibrmirerzäblenl Von Proletariern, die auf ihren eigenen Klaffengenossen herum- irampeln! Laßt unS doch endlich, endlich den alten Adam, den alten ObrigkeitS staatler. ausziehen und zieht den neuen Menschen an, der alleS achtet, was Menschenantlitz trägt, wie er selbst geachtet sein will. Der gezenwärtige Berkiruf der Grippe. Heber da? neue Auftreten der Grippe und die Beobachtungen die man über den Verlauf der Krankheit gemacht hat, äußert sich Prof. Krau? m der„Deut- schen Medizinischen Wochenschrift". Er betont, daß man schärfer al? bisher zwischen den immer vereinzelt oder häusiger auftretenden influenza ähnlichen Erkrankungen und der wohl noch eine Zeit- lang wiederkehrenden eigentlichen Jnfluenzaepidemie unterscheiden müsse. Den Ausschlag kür die Erkennung der eigentlichen Jnfluei.za kann und muß die eingehende' Berücksichtigung aller Erscheinungen schon im Beginn der Krankheit gebe». Tie„Psendo- Influenza" in ihren verschiedenen Formen fällt auf durch ihre Nei- guilg zu Rückfällen. Die eigentliche Influenza dagegen scheint wenigstens für ein« gewisse Zeit einen Schutz gegen eine neue Er- krankung zu hinterlassen. Als Anfangscrscheinungen der richtigen Grippe sind allgemeine Abgeschlagenheit, Gliederweh, Kopf- und Augenhöhlensckmerzen, sodann eine eigenartige Erkrankung der Rachenschleimhaut, der oft erst später sich einstellende Schnupfen u. a. zu beirachten. Oesters weist die Influenza von Anfang an vorwiegend nervöse Symptome auf; doch ist die Schwere der Er- krankung in d-r Regel bedingt durch die frühzeitig, bereits am dritten oder vierten Krankheitstag. manchmanl aber auch später unter Seitens.ckmerzen sich hinzugesellende Erkrankung der Bronchien und der Lunge.. Al? Heilmittel gegen die Erkrankung werden Eukopin und Grippcserum verwendet. Auch nach leichterem oder mittelschwerem Verlauf der Grivpe ist noch häufig ein hart- näckige? KrankheitSstadium ohne Fieber festzustellen, bei dem Schnupfen und Bronchitis fortdauern und das die volle Sorgfalt des Arztes erfordert, Der Radiokinematograph. Der alte Traum, das Leben der menschlichen Jnnenorgane wie durch ein Glasfenster zu beobachten, scheint jetzt dank der Verbindung der Radiographie mit dem Firm scheint jetzt dank der Verbindung der Radiogravhie mit dem Film Acrzte Lormon und Comandon haben der Wissenschaft ein kom- binieries System zur Verfügung gest-llt, da? nicht nur der Teravie und der Thirurgie unschätzbare Dienst« zu leisten bestimmt ist, son- dern das darüber hinaus den Aerzten und Biologen«in Schausviek eröffnet, wie es sensationeller nicht gedacht werden kann: da? Sebau- spiel d«S intimsten Innenleben? des menschlichen Körvers, Ein Mit- arbeiter ies Pariser.Jntransigeant", der silelcgenheit hatte, den Vorführungen deS neuen Apparates beizuivohnen. berichtet darüber: nach zahlreichen, cm Enitäiischunaen reichen Versuchen ist es endlich den Bemühungen der beiden Aerzte gelungen, die segensreichen Röntgenstrahlen in den Dienst der K:nematoaraphie zu stellen, die die Bewegungen in ihren unendlichen Verwicklungen wiederzugeben vermag. Dank dicker Kombination kann man jetzt Filmbilder er- hakten, die da? Innere der Körver lebender Wesen klar und deutlich auf der Seinwand erscheinen lassen, so daß man da? tiefe und be- wegt« Leben der Organe in aller Ruh« studieren kann.. Die ms jetzt erhaltenen Filme ziehen allerdings nur. den OrgaviStmiS de« Tierkörpers in den Kreis der Betrachtung. Aber auch da» gleicht schon einem Wunder, da e« un? gesttttek, alle Einzelheiten der Blut- zirkulation, der Serz- und Eingeweidebeweguna und der Atmung zu beobachten. Die Schwierigkeiten, die sich bisher noch der radio- kinematogravhischen Aufnahme vom Menschen entgegenstellen, sind nur materieller Natur und dürften bald überwunden werden. Dbeater. Im Lesssna- Tbenter wird die Nrouüdb'unavon lt. td. tz Lenzen» Komödie„Die Bnhlschwelter', zugleich chU�der Neuein. studierung von Büchners. W o z, e, in Ägne geben- Grltaufkuki'ungen der Woche. Do.: Ncüdcnz-Tb.: Die Raschdorffs. Kammerspiele: Gab' iel Schillings Much». Freie.: Sch'ller-�h.! Die ver- forene Tochter. So.! Komödienhaus! Der Herr Mnim-r. Eine Tebmrt. Gedöchinisfeier findet Sonntag 4 llbr im Sch'ller» saal, lltarloltcnburg, slotl. Ten einleitenden Vo>trag balt Paul Melbach. Gine Kirtitfeier der Deutschen Notionalt'übne findet am Sonn- tag, den 7. März, vormittags 1t>/, Uhr.>m Theater de» Weiten« statt. Die in Oberschlesicn eTschcinendcn Zeitungen werden streng überwacht, besonders unser Parteiorgan, der.Polkswille". Sollten weiterhin Verstöße gegen die Ver- sügtMgen der Kommission vorkommen, dann würde, so drohte der srunzösische Zivilkommisscrr in G l e i w i tz, die betreffende Zeitung rücksichtslos unterdrückt tverden, und es gäbe k e i n e I n sl a n z, die diese Maßnahme aufheben könnte. Tie'e wenigen Beispiele zeigen wohl, wie der neue Kurs in Obcrschlesien beschaffen ist. Es ist freilich fraglich, ob die Besatzungsbehörde nach demselben Schema auf die Dauer weiterrsgieren kann. Schon ist die Unzufriedenheit unter den o b e r s ch l e s i s ch e n Arbeitern im Wachsen. Es dürfte der Besatzung schwerfallen, ohne tatkräftige.Hilfe der deutschen Behörden die Ordnung i m I n d u st r i e- bezirk aufrechtzuerhalten. Wenn sie aber auch die deutschen Beamten wie Menschen zweiter Klasse behandelt. dann darf sie stch nicht wundern, wenn diese einmal versagen. Was dann geschehen kann, werden sich die Herren in Oppeln wohl selbst denken können. Für den oberschlesischen Arbeiter werden alle Gewaltmaßnahmen natürlich ein Ansporn zur Einigung sein. Und wenn die Verfügungen der hohen Kommission in Oppeln den Erfolg hätten, daß sich die Proletarier des Jndustriebezirks! endlich einmal alle zu- sanimenfinden, dann könnte man ihr nur dankbar sein. De?„Streifen* üer„Deutschen Tagesztg/ Vor einiger Zeit entrüstete sich die„Deutsche Tageszeitung" fürchterlich über den„Vorwärts", weil er die Zuschrift deS„Pfarrer americ." G o r z e l in der Sache Oltwig v. Hirschfeld abgedruckt habe, obwohl sich später herausstellte, daß dieser Gorzel ein geistlicher Schwindler sei. Von dieser Feststellung haben wir unseren Lesern früher Kenntnis gegeben als die„Deutsche Tag.'Szei,tung". Im übrigen kam es uns gar nicht darauf an, ob Herr Gorzel ein richtiger oder«in nachgemachter Pfarrer ist, sondern auf die Kenn- Zeichnung eines Menschen, der betont, daß der Mord nicht geglückt ist, und dann mit„christlichem Gruß" unterzeichnet. Für die »Deutsche Tageszeitung" war das aber ein Anlaß, sich aufs hohe Pferd zu setzen und uns vorzuwerfen, wir brächten solche Sachen nur. weil sie»in unseren Streifen paßten"; ihr, der»Deutschen Tageszeitung", würde so etwas nie passieren, auch wenn die Sache »in ihren Streifen patzte". Die Probe aufs Exempel kann man gleich machen. Am Freitag morgen berichtete die»Deutsche TageS- zeitung": Immer wieder Herr Sklarz? Vor wenigen Tagen wurde in dem Berliner Hotel„Fürstenhof" der r u ss i s ch e Jude Kupferstich verhastet. In seinen Koffern hatre er Zaren- bzw. Duma-Notcn im Werte von fünf Millionen Rubel und ganze Ballen bolschewistischer Propagaudaschriften. Nach einigen Stunoen wurde er auf Anordnung de? Regierungsrats H e n n! g mit seinem Geld und Hetzapparat wieder freigelassen. weil gegen ihn„nichts vorlag". Vielleickt versteht man den Grund, wenn man erfäbrt, daß der Herr Regierungsrat ein Cchwiegerwhn de? berühmten Herrn— SNarz ist. Mehr brauchte es nicht, um die ganze hohe Politik unserer Zeit in ihren geheimsten Fäden zu durchschauen. Schon 24 Stunden darauf folg!« da? wehmütige Dementi: Immer wieder Herr Sklarz. Di« Nachricht einer Wochenschrift, die wir ihre? scheinbaren Interesses wegen gestern morgen unter dem obigen Stichwort« weitergaben, ist, wie wir erfahren, in ihrer ganzen Art unzutreffend. Weder gibt eS im Polizeipräsidium einen Regierungsrat Hennig, noch ist Herr Sklarz wegen seines Familienstandes in der Lage, einen Schwiegersohn zu haben. Der russische Jude Kupferstich aber mußt« noch ordnungsmäßiger Prüfung der Angelegenheit cnt- lassen werden,«eil weder ein tatsächlicher noch ein rechtlicher Gr-rnd zu einem weiteren Borgchen gegen ihn vorlag. Wir können ergänzend zu diesem Dementi bemerlen, daß Herr Sklarz nur eine Tochter ün Alwr von— 2 Jahren hat. ES ge- hört unter diesen Umständen eine besondere Phantasie dazu, ihm «'nen Schwiegersohn anzudichten, und es war schon gut, daß di« »Teutsche Tageszeitung" wenigstens eine nicht existierende Person mit der zwo jährigen Gattin belastete. Aber nach diesem He reinfall sollte die„Deutsche TageSzeitting" jedenfalls etwa? vorsichtiger sein, ehe sie sich das nächste Mal' aufs hohe Roß fetzt._ Ueber SpaltungStendenzen bei den Demtschnationalen weih das„B. T." zu berichten. ES bandelt sich im wesentlichen um die nicht erst seit gestern datierende Erscheinung, daß der großagra- risch-feirbale Flügel, also die ehemalige konservative Par- t e i. die Vormundschaft ihrer cbemaligen Hilfsdölker, der Frei- konservativen, Deutschsozialen, Ebristlichsozialen usw., unter tue sie sich am 0. November ISIS hilfsbedürftig zurückgezogen hat, mit der Zeit als lästig empfindet. Die Konservativen sehnen den Augenblick herbei, in vom sie wi eider selbständig als Partei austreten können. Wirtschast. Soll Deutschland verhungern? Die„Deutsche Tageszeitung" bringt unter dieser Ueberschrift einen Aufsatz von Freiherrn von Wangenheim an leitender Stelle, der den Anbau von Lupinen als Haupt- frucht fordert und nachweist, daß an Futterkorn bei der Er- nährung der Gespanntiere gespart werden muß. Wangenheün sagt: Unsere Wintersaaten sind im Herbst Ivlg zum Teil überhaupt nicht zur Auesaat gekommen. Wo sie aber bestellt sind, da ist das infolge fehlender Arbeitskräfte(?) und Arbeitsunlust (?) so spät geschehen und sie sind so schwach in den Winter ge- kommen, baß mit einer guten Ernte in Brotgetreide nicht zu rechnen ist. Unsere Ernährung im nächsten Wirtschaftsjahre ist deshalb im höchsten Grade gefährdet und hängt ganz von der Ernte an Sommerkorn und Hackfrüchten, namentlich von Kartoffeln, ab. Bei dem durch unsere verringerten Vieh- bestände hervorgerufenen Mangel an S t a l I d ü n g e r. bei den unsinnigen Preisen und dem Mangel an Kunstdünger, der voll- ständig lm Nüctstande befindlichen Ackerarbeit, den Schwierig- keiten, welch« die nachgerade blödsinnige Zwangswirtschaft der Beschaffung neuen ertragreichen Saalguts bereitet, sind auch hier die Aussichten wenig erfreulich. So emstelst die dringende Gefahr, daß im Jahre IVA) sehr große Ackerslüchen aus Mangel an Düngung und rechtzeitiger Bearbeitung unbestellt liegen bleiben. Dem mutz mit allen Kräflen vorgebeugt werden; alles, was die Gefahr mildern kann, muß geschehen. Ich weise deshalb auf zwei hierfür geeig. nete Hilfsmittel hin: Baut Lupinen als H a u p t f r u ch r! Wangenheim kann die Erfahrung nur voll bestätigen, oaß man Pferde ohne jedes Körnerfutter, nur mit Kar- to f f« l n und Heu. tadellos ernähren und bei voller Leistungs- fähigkeit erhalten kann.(Anm.: Der Landwirt verkauft daher so häufig den Hafer, d!« Tonn« zu 4700 Mark, und verfüttert Kartoffeln oder Brotgetreide.) Seit fünf Jahren erholten seine Pferde nicht ein Pfund Getreide, sondern nur noch Rüben- schnitzet und Heu. Du Pterde sin in bestem Futterzustand: und vollkommen leistungsfähig. Wenn nun diese Art der Fütterung möglichst allgemein durchgeführt wird, so bekommen wir dadurch ein riesiges Quan- tum Sommerkorn frei, welch«? wir etwa zur Hälfte zur mensch- lach«» Ernotzung auSmahlen können, die ander« Hälfte steht immer noch als Kleie für die Fütterung zur Verfügung. Ein- freilich ist hierfür, wie für«jeden Aufschwung, notwendig: Ar- beh in dem Umfange, wie sie unserem Klima und unseren Be- dürfnissen entspricht. Die Stellung, die Wangenheim einnimmt, ist so gewichtig, daß seine Ausführungen beachtet werden.müssen. Verurteilung wegen Zwangsverwaltung. Der H a n s a b u n d hat den sächsischen ArbeitSmini.ster Heidt wegen MißbraochS der Amtsgewalt und Nötigung verklagt, weil er die Bubendorfer Kohlenwerke in Frohburg in Sachsen (B. K.), die sich jahrelang geweigert haben, die Preispolitik des PreiSverbandeZ mitteldeutscher Braunkohlenwerke mitzumachen, unter Zwangsverwaltung gestellt hat. Die B. K. wollten auS der Not des Volkes höheren Profit herausschlagen.� Schließlich forderte der Betriebsrat von der Regierung wegen allerlei Manipulationen der Firma, daß sie die Geschäftsführung der B. K. b e a u f f i ch- tige. Die B. K. verminderten die Kohlenförderung? Trotz Kohlen. not? Nein, wegen det Kohlcnnot! Der Betriebsrat forderte von der Regierung Ucbernohme des Werkes in eigene Regie. Als Ant- wort forderte das Werk von der Regierung 30(XX) M. Vorschuß wegen Nichtbewilligung der Preise! Als dann auch der Bergarbeiterverband energische Matznahmen der Regierung forderte und ein Streik im gmizen Revier in Aussicht stand, als die Firma schon mit Massenkündi- gungcn vorangegangen war, schritt nunmehr die Rcg'erung ein und verfügte im Juli 1919 di« Zwang? Verwaltung über das Werk. Der Erfolg war überraschend: die Förderung stieg, die Leistungen erhöhten sich und statt der 6000 Hektoliter wurden bis zu ÜOOO Hektol'ter Köhlen pro Tag gefordert. Nunmehr begann der K l e i n k r�i e g der Kapitalisten gegen die Regierung., Sie fanden ein Gericht, das verfügte. Bargeld und Einrichtungsgegenstände, ja sogar die Vorhände- neu Kohlen aus dem Werke zu pfänden! Ein anderes Gericht er- klärte die Pfändung für ungesetzlich. Ein Gericht verbot dem von der Regierung eingesetzten ZwangSvcrwalter, das Werk zu betreten I Der von der Regierung erhobene Konflikt wurde zugunsten der Ka. pitalisten entschieden und der Minister nur deshalb nicht verurteilt, weil man ihm den guten Glauben zubilligte. Da? Obcrlandesgericht entschied, daß die Zwangsverwaltung ungesetzlich sei. Der Minister hätte zwar die B. K. von dem Kohlenverkauf ausschließen dürfen, nicht aber von der Kohlengewinnung. Daran, daß die B. K. einfach keine Kohlen mehr gefördert hätten, wenn man ihnen den Verkauf verboten hätte, dachte die Weltfremdheit der Richter nicht. Inzwischen hat jedoch einer der bedeutendsten Verwaltumgs- juristen unserer Zeit, der Gehe'mrat Dr. Schelcher, in einem gründlichen Gutachten in der StaatSzeitung Nr. 19 nach- gewiesen, daß der Minister völlig im Recht« war. Denn die Justiz habe kein Recht, der Verwaltung in den Arm zu fallen. Damit ist also auch von dieser Seite das Vorgehen der Kapitalisten als ungesetzlich erwiesen.___ GroßGerün Erneute Bctriebseiustellung bei Ludwig Loew«. Wie wir kurz vor Redaktionsschluß erfahren, sieht sich die Firma Ludwig Loewe veranlaßt, ihren Betried wegen Kohlenmangel heute nachmittag bis auf weiteres zu schließen. Es ist in diesem Jahne bereits das zweite Mal, daß Z Arbeiter der Firma Locwe wegen Kohlcrnnangels gezwungen sind, zu feiern. Wir verkennen keineswegs die an sich schwierige Lage auf dem Kohlenmarkt, sind aber doch der Meinung, daß hier in Berlin nicht allessjetaiz wird, um di« Industrie so mit Kohl« zu versorgen, wie es möglich �ift. Dar Konflikt zwischen Reichs- kohleniommissar und der Kohlcnstelle Groß-Bewlin, der vor einiger Zeit die Oeffentlichkeit beschäftigte, hat deutlich gezeigt, welche Zu- stände hier herrschen. Seitdem ist eS aber nicht besser geworden. Nach wie vor«rgtänzen abends in allen Stadtteilen di« Lokale im vollen Lichterglanz, und immer noch existieren Hunderte von Luxuslokalen, in denen bis zum frühen Morgen ohne Rücksicht aus den Kohlenmangel und die darunter leidende arbeitende Bevölke- rung Licht und Feuerung verbraucht wird. Auf der anderen Seite sieht man sich dann genötigt. Tausende von Familienvätern zu ent- lassen, weil die nötigsten Kohlen zur Aufrechterhältung industrieller Betriebe fehlen. Da alles auf ein möglichst schnelles Wiederingangkwimgen der Industrie und die Hebung der ArbeitSfreudigkeit innerhalb der Arbeiterschaft ankommt, fordern wir hier nochmals ganz energisches und rücksichtsloses Vorgehen gegen die Verschwendung der Kohl« zu VergnügungSzweckcn und Anspannung aller Kräfte zur Verfolgung der Industrie mtt den größtmöglichsten Kohlen mengen. Vermischte Lokalnachrichte«. Der Posipaketverkchr mit Jtalken ist wieder aufgenommen worden.— In der letzten Nacht brannte aus einem fiskalischen Lagerplatz an der Kieler Brücke ein großer Bretter- schuppen, der Baumaterialien und Landesprodukt« enthielt, vollständig nieder. Man vermutet Brandstiftung.— Die Gebrüder K u h z, zwei lange gesuckte Schwerverbrecher, die vor vier Wochen in Stettin einen Kaufmann, der sie beim Einbruch überraschte, erschossen, wurden gestern in der Skalitzer Straße vevhaftet. Sie werden nach Stettin gebracht. Neukölln. Der Stadtveeordnetensitzungsbericht in Nr. 198 ent» hält Druckfehler. Nicht zu einer.�Sonderleistung", sondern zu einer Normalleistung wollte ein Antrag der Demokraten die Notstandsarbeiter beim llntergrundbahnbvu verpflichten. Ein Beschlutz der Versammlung betraf nicht„Vermietung", sondern Vermehrung der Wohnungen. Trrptow-Zternwarte. Sonntag S nBrr»Vom Mont« Rosa zur asrikanilchen Küste«. 5 Uhr:„Im Lande der Schwarzen«. 1 Uhr:„Durch den Sckwarzwald WS Donaulat'. DienSIag, 7 Ubr:»Saturn und lein Ringihstcm". Sonnabend, S Uhr:»Sitten und Gebräuche fremder Völker". Neukölln. Sonntaa: Besuch de? Mwllschen Museum». Tresspunlt: V,10 Uhr Hermannplatz(ZellungSlioSle). Groft-Berliner Lebensmittel. Pankow. Die A> und L-Karten werden bis aus weiteres voll be- llesert.___ Vorträge, Vereine und Versammlungen« ilrbeiter-Radfahrcr-Nereiu»Groß. Berlin-, Sonntag ll£ Ubr: Buchbolz. Gaslhoi Kähne. Start: Mariannenpwtz.— verband der Un- faUvrrleßten und Invalid«». KeschällSräume Berlin O 17, Grüner Weg 70, vorn II. Sprechstunden wochentags IS— 8 Uhr. Sonntags 8 bis 12 Ubr.— Der Bund Neues Baterlaud und die Deutsche Friedens- gesellschokt laden ein für Mittwoch'Iß Uhr, Neue Welt, Hasenbetde 108— 114, »u einem Vortrage Hellmut v. Merlachs über„Die Kriegsgreuel und ihre Sühne",»arten zu 1 M. bei Wertheim, Bote u. Lock und Abendkasse. Theater öer Woche. vom LS. Februar bis 7. März. «olk»bghn«: 39.. 2. u.(5. chiige« und(ein Ving, t n. 4.(Bäk von»erNchlngen. 8. n. 8. Der Liebe. kraul. 7. Paul Lange und Taea Parsberg.— Opera hau»> s S. Artadu» aus Nazo«. 1 Caan». 1 Sinsouleionzert. I> Hohmann» Crzählungea. 1 4. Salome. 5. Siegfried. 6. Madame BklNerffy. 7. Sie Jüdin.— Schauspteh hau«: 29.. 2., 5., 7. Der Nronprlnz. 1. u. 3. Die Gabe©oileä. 4. Oihello. 6. fflichelm Tcll.— Deutsches Theater: 2Z„ I., S, S. Die Eondung Eemaels. 2. u. 5. Der lebende Leichnam. 4. u. S. Zaafods Traum. 7. Und Vippa ianzt.— jtammersptele! 29. Echetierdausen. 1. Der SiieibolenfeL 2. Die Büchse der Pandara 3. Friihitngs Erwachen. 4. u. S. Gabriel Schillings Flucht, ä. Dte dentichen KleinstLdler.— Lessingtheater: 29., 1.— 4„ 6. u. 7. Pkigmolion. 5. Peer(Sunt.— Theater Ü d. «änlgfltafeet Straße: 29., 1. 3, 7. Schieb Aeiterstein. 2. Die Stützen der De ell- schalt.— Deutichcs Operndauz: 29. Der Troubadour. I. Die verlauite Braut. 2. Der Propbel. 3. Tanntzäuser 4. Doreaccio. 5. Die toten Augen. 6. Die Walllire 7. Der Prophet.— SchUIcr-Theater: 29.. x., 3. u. 6. Die Mach! der tinfterrn» 2. Der Bund der Jugend. 4. Ait-Heideidera. b. u. 7. Die verlorene ochter.— Grobe» Tchauwiel aus: 22 Danion. L— 7. Hamlet. X 8 a 1 1 rfi. Die Tribüne; Franziska.— Deutsche« glln'tlertt.eatrr: Menagerie- — itomöblenhau»: 29. di» 5.: Sie: S. di» 7.: Der Herr Miuiiier.— Berliner Td-ater! Der letzte Walzer.— kleine» Schauspielhans: Die»nderiidrie grau.— Trianontheater: gernina.- Ne'chenztheater: Cochm Humdrechi.— P-ntraltdeater: Fräulein Puck.— Gdenlheater: Die Doiiarnrinzeiiin.— ssriedrlch-WIIhelmstädtische« Theater: Raub der Eurova.— Komische Oper: Dichterliebe.— Luitspielhaus: Der Grobiiadtlanalier— Metropolttzeater: Sbbill.— Neue» Operettenbaus: Die Heine Hoheit— Thalia theater: Die närrische Liebe.— Theater am Naltendorsplatz: Der Vielgeliebte.— Theater de» Welten»: Die Dame im Hermelin.— Kleines Theater: Die Piarrhansfoniödie— WaLnertbeater: Eine Ballnacht.— Walhallatheater: Die Ezarda»siiriiin.— Rosetheater: 29, 1, 1. bis 5. und.: Wilhelm Teil: 6.: Seine zweite Frau.— Eassuvtheater: Schttiepel» Lene.- Luiienthsatrr: 29: Der Per. schwender: t. bis 7: De Grotzstadilust.— Folie» Caprlce: Die abgetretene Frau: zwangseinquariierung; O, dieser Nowak. Zrachrnlttagsoorsiallunaru. Volksbühne: 29, 7. Luther.— Opernhail*! 2., Simoniekonzeit,— Schaniolelhaus: 29. Othello. 7. Die Journalisten. — Deutsches Theater: 29. Jenny Sarleguikt Tänze— Kammerspiele! 19 ffrüh» »na» Erwachen 7 Der Welbsteufrl.— Lessmytheater: 29. n. 7. Der rote Hohn.— Theater lu der ftömgoräf.ee Stenge: 29. und 7. Erdgeist.— Deutsche» Opernhaus: 29. fll Uhr); Sinfonielpnzeet.(2", Uhr;)«necaccio. 7. Der Freischütz.— Schillertheater: 29. u. 7. Wie e» euch gefällt. 3. Fiese». B. Der Meineiddauer.— Grobe» Schausnielhaus: 29. Oreftie— Tribüne: 29 und 7. Die Wandlung.— Deutsches krünftier-Ti rater: 29. und 7. Dies irae— Koinödienhau»! 29. und 7.. Liselotl von der Pfalz— Berliner Theater: 29. Sterne, dt« wieder lrxchten. 7. Bummel'iudenien.— Trianontheater: 29. und 7. Iodannislener.— Residenz» Theater: 29. und 7. Der gute Ruf.— Zertrcttbentrr: 29 u. 7. Die Faschiugsiee.— Eden-Thrcter: 7. U A. w g.— Friedrich. Wilaeimstädtisches Theater: 22. und 7. Die züriiiche» Verwandten.— Komische Oper: 29 u. 7. Särwarzwaldmädei.— Lustspielhau»: 29. und 7 Popaaeno.— Metropol-Tdeater: 29. und 7. Charleys Tante.— Reue» Operettenhaus: 29. Die Dame vom Zirkus. 7 Die keusche Susanne.— Theater am Nvllendvrspiatz: 29. Die Pnppe, 1. Der Pfarrer von KIrchkeid: 3.. 4. B. Die luftigen Weidet von Windsor: 7. Drei alte Säiachtein.— Theater de, Westen»: 29. und 7. Die lustige Witwe; 7.(ll Uhr) Kieiltfeier.— Kleine, Thea! er: 29 und 7. Ietichen Gebert.— Wallnertheater: 29. und 7. Die Geilha— Kaflua-Ttrater: 29. und 7. Dir Wundertur.-- LutsentHrater 29. Othello; 6. Die sieben Naben; 7. Die Berichwender. die öetriebsratswahlen. wann wirü kein Betriebsrat gewählt! Gegen diese Noiiz in unierer Morgenausgabe vonx 25. polemi- steri die.Freiheil" in der bei ior übl'ckien Unabhängigkeit von Klarheit. Sie wirit B e f u g n i s> e und Wahl der Velriebtver- lreiungen in einen Topf und beweist dadurch, daß sie das Gesetz heute so wenig kennt wie am 13. Januar, als sie die Berliner Ar- deiter vor die Maichinengewehre iockie, indes die Trahizieher hinter den Mordinstrumenien hockten. Äu» wir baben darauf Hingewiejen, daß die Arbeiier sich durch Tariiveriräglt Rechie rn Heu Betrieben erringen löniten, die über die gesetzlich gewädrlclstclen hinausgehen. Drei Vierieile der Polemik bälle die.Freiheil" sich alio sparen können. Ter Z 62, der hier in-Frage kommt, handeli aber nicht von den R e ch l e n. sondern vom Ausbau der BeiriebSvertreiungen, und dieser Ausbau muß sich streng im Rahmen der gesetzlichen Vor'chrtsten vollziehe». Ter§ 62 kann nicht anders ausgelegt werden, wie eS durch uns geschehen ist. Wenn die.Freiheit' eS anders versucht und scheinbar auch Erfolg damit hat, so doch nur auf Kosten der deutschen Sprache, Es ist aber weder die Schuld des Gesetzgebers noch des»Vorwärts", daß die »östliche Orientierung" der„Freiheil"redakieure sie hindert, den Unlertchied zwischen»und" und„oder" zu begreife». ES ist Sophisterei, wenn die.Freiheit" ichreibt. eS sei»bezeichnend für das .Arbeiterblatt"»Vorwärts", daß es seine Aulgabe darin erblickt, durch svitzfindige, junsttiche Auslegungen die Arbeiter um den Rest ihrer Reckte zu bringen." Die Reckie der Arbeiier werden durch unsere.AnSlegung" de? § 62 duichaiis nicht beschniUen. Es bandelt sich für uns einzig darum, die Arbeiter vor Illusionen zu bewahren. Das mag für die großen Illusionäre vom Schistbauerdamm tchmerzltch sein, aber es ist nichisdestowentger nottvenoig. daraus hinzuweisen, daß die ersten Wahlen in allen Betrieben vorzunehmen sind. Der Aufbau der Bertrcluttgen muß den GeietzeSvorschriften genügen, die Rechte köiinen durch Tarlioerträge erweitert weiden. die.Freiheit" hält eS für.abwegig" und bezeichnet es als»reinste Willkür", den Z 106 anzuziehen,»nd setzt dann hinzu:»Der 8 beziebt sich nämlich aus die bisherige» gesetzlichen Arbeiter- und Aiigestellienausscküsse, sowie auf die duick die revolutionäre Arbeiier« ichast selbst eingesetzten Betriebsräte. ES hat aber niemand daran gedacht, auch tariflich verrindarte Belriebsverlretiingen mit den ihnen zugestandenen Besugnisjen nach dem Jnkrafitreten de? Gesetz«? zu beseitigen." Der 8 loa. Abs. 2. kantet: »Mit Vollziehnng der ersten Dahl nach Inkrafttreten dkekeS Gesetzes hören die vorhandene» Betriebsräte, die tür Be« trief* errichteten Arbeilerräle und die Arbeiter- und Angestellten« auöschüsse zu bestehen aus. Man muß schon unterlegen können wie die Freiheit, um zu solcher Auslegung zu kommen. Zum Schluß möchten wir noch auf den demokratischen Schwur- zeugen hinweisen, den die»Freiheit" gegen unsere»arbeiterfeind» liche Auslegung" aufmarschieren läßt. Die.Freiheil" zitiert auS dem Kommcniar von Schneider folgendes: .ES ist aber auch allgemein zulässig, durch Tarifvertrag eine anderweitige Vertretung zu vereinbaren." Wie schlau I Der.Vorwärts' halte geschrieben, daß sich in allen Betrieben der Ausbau der Vertretungen nach dem Gesetz zu vollziehen habe. Das Gesetz selbst sagt im 8 1? t »Die Verteiluna der Mitglieder aus die Gruppen kann ab- weichend von den Bestimmungen des 8 10 geordnet werden." Da hätten wir schon eine anderweitige Vertretung ohne Tarifvertrag. Der 8 62 gibt aber den Arbeitern in Betrieben besonderer Natur da» Reckt, völlig vom gesetzlichen Ausbau abzuweichen und durch verbindlich erklärte Tarlioerträge besondere Vertretungen zu schassen. Vielleicht können wir der.Freiheil" an einem Beispiel beweisen» was das in der Praxis bedeutet. Ein Betrieb mit 20000 Arbeitern muß eine Betriebsvertretung von 30 Personen wählen. Sind nur 20 Wählbare vorhanden, so kann er nur einen dreiköpfigen Betriebsrat wählen. Im Hamburger Hafen sind 20 000 unständige Arbeiier in Hunderten von Betrieben beschäftigt. So ein Hafenbetrieb be» ichäfligt eine Woche lang vielleicht 800 Personen, die nächsten 14 Tage nur 10 und dann vielleicht 50 Perionen. Wie sollen unter solchen Umständen die Hafenarbeiter zu einer Vertretung nack ge- ietzlichem Muster kommen? Sie können sich durch verbindlich erklärten Tariivertrag eine feste Vertretung iür den ganzen Hafen schaffen und bestimmen dann, wenn ein Schiff in Angriff ge- nommen wird, einen Mann, der während der Arbeit aus diesem Schiff die Rechte und Pflichien eines BelriebSobmannS wahrzu- nehmen bat. Für solcke Betriebe ist der 8 02 geschaffen worden, wa« die .Freiheit" übrigens von den FraklionSoerireiern der U. S. P. in der Kommission erfahren kann— wenn diese zufällig anwesend waren. • Tas Scheinmanöver der U. S. P. Wir haben bereits starke Zw« fel sseäußert, daß es den Unab» hängigen ernst sei, ihr« veränderte Wahllaktik zu befolgen. In diesem Zweifel � werden wir bestärkt durch die Sonnabcndmorgen- nummer der.Freiheit", worin das Blatt betont, daß an die Kan- didaten die bckanntenFordernngen zustellen seien. auch wenn die Listen fveigettrerkschaftliche seien.„Die Berliner Gewerkschaften wünschten nicht, daß die Berliner Arbeiterschaft unter einem verwaschenen sreigewerk schaftlichen Programm in�den Wahlkampf ziehe." Also: Die gewerkschaftlichen U.S.P.-Leule fügen sich zwar cm» Furcht, nicht ausgeschlossen zu werden, formell de» vom allgemein«» Gcwkrkschaftsbund aufflestelkten Richtlinien, befolgen ober Me in denselben aufgestellien Grundsätze nicht. Tonn in Ziffer S dieser Richtlinien wird aukdrucklich betont, dost bei der AuSivahl der Kail» didatcn nicht die politisch- Richtung der Gewerkschaft?- Mitglieder mastgebend sein dürfte, sondern gcwerkscbaft! che und berufliche Tüchtigkeit, Strebsamkeit und moralische Festigkeit. Die„Freiheit" betont jedoch, daß eS bei der Wahl»revolutionär. sozialistischer Betriebsräte" bleibe, die fachl.chen Gesichtspunkt« hätten erst in zweiter Linie Geltung. Mit anderen Worte»: erst kommt das graste Maul und dann wirklicke Tücktigte t. Wer glaub: nun noch, das; die Unabhängigem sich auf den Boden der vom allgemeinen Gcwerkschaftsbund auf- gestellten Richtlinien stellen? HewerffchlifisbllvMMg Tarifabschluß im Sraunkohlenbergbau. Di« Da r ifverha ndl u nge n der Angestellten mit den Unter- nehmern der Bramikohlenreviere Halle, Magdeburg, Biiterfeld und Anhalt sind durch einen Schiedsspruch, dem sich aller Wahrscheinlich- keit nach die Angestellten fügen werden, beendigt worden. Der Schiedsspruch bcrücksich-digt in viel stärkerem Matze, als das bisher der Fall gewesen ist, soziale Momente. So sind die Gehälter der Verheirateten durchschnittlich um 10 Proz. höher als die d-er Ledigen. Ferner wird, ein Kindergeld in Höhe von 30 Mk. pro Kind bis zum Alter von lb Fahren gezahlt. Di« Gehälter richten sich außerdem nach der Grötze der Werke und werden von den AngestelltenauS- schössen nach bestimmten Richtlinien festgelegt. Man hat die gesamte Angestelltenschaft in vier Klassen einge- teilit, von denen bei den technischen Angestellten die Betriebsführer die bestbezahlteste, die Aufscher die niedrigst bezahlteste Klasse sind. Bei den kaufmännischen Angestellten unterscheidet man Angestellte in leitenden Stellungen, selbständig arbeitende, qualifizierte und nachgeordnete Angestellte. Nutzer freier Wohnung und Feuerung sind für ledige Betriebsführer AnfangSgehälter von 825—950 M., für verheiratete 925— 1 050 M. festgelegt, für ledige Aufseher 075 Mark, für verheiratete 750 M. Bei den kaufmännifchen Angestellten betragen die Gehälter der ersten Klasse für Ledige. 750— 950 M., für Verheiratete 833— 1050 Diark, in der unterste.! Klasse für Ledige 525—575 M., für Vcr< heiratete 575— 625 M. Hierzu kommen Steigerungssätze von 10 mal 10 M. pra Dienstfahr und Monat, ferner wird den Betriebs- beamten eine Pauschalem jchädigung für jene Uederarbeit gewährt, die im laufenden Betrieb geleistet werden mutz. Diese beträgt für Betriebsführer 100 M. und sinkt für jene Angestellte, die wenig Ueherarücit leisten, auf 50 M. pro Monat. Die Festsetzung erfolgt durch den Angestelltenausschutz. lleberstunden werden mit t!m de? Monatsgehalts plus 25 Proz., Sonntagsarbeit mit V-o» plus 50 Prozent Aufschlag bezahlt. � Zum Streik in der Berliner Stroh- und Tamenhnt- Industrie und Umpresfanftalteu. Nachdem dl« Arbeitgeber vergebens gehofft, die Streikenden in die Betriebe zurückbringen zu können, glauben sie ein Mittel ge- funden zu haben, di«"Streikenden zur Arbeit zu nötigen. Am gestrigen Tage wurde folgender ltkas den Streikenden mit der ersten Post ausgehändigt: Sie sind seit Montag, den ilO. Februar d. F., nicht zur Arbeit erschienen und nehme ich an, datz Sie damit das Arbeitsver- hältniS zwischen uns gelöst haben. Es ist Ihnen bekannt, datz wir Ihnen auf die Wochenlöhne statt des bisherigen lOprozentigen Zuschlags einen solchen von 80 Proz. zugebilligt haben und bei Akkordlöhnen den ISOprozeMgen Zuschlag mif 175 Proz. er- höhen wollten. Falls Sie die Arbeit unter dielen Bedingungen bis Montag, de» 1. März d. I., nicht wieder aufnehmen, melde ich Sie an diesem Tage von der Krankenkasse ab.— Dieses Schreiben wurde, da es schon vor einigen Tagen:n �■ Hände der Streikleitung gelangte, in der Versammlung am 20.■ bruar entsprechend gewürdigt. Wenn die Herren Arbeitgeber glauben, durch ein solches Mittel Emschüchte/ung in die Streiken- den legen zu können, so dürften sie enttäulcht werden. Man gc! e den Streikenden einen Lohn, womit sie leben können; dann werden sie sofort bereit sein, die Arbeit wieder aufzünchmrn. Ter H.u- arbeitcrschaft ist es bitter ernst, deit Kampf weiterzuführen, de: halb werden sie auch weiter einmütig zusammenstehen, mag kommen was da wolle. Ms zur Stunde arbeiten 25 Umvretzaniwlten, welche die Forderung restlos bewilligt haben. Mikgliederzunahme im Malerverband. Auch im letzten Viertel des Jahres 1919 ist die Mitglieder«»!- Wicklung im Verband der Maler erfreulich vorwärtsgegangen. Die Mitgliedcrzahl betrug am 1. Januar 1919: 20117/ am 1. Januar 1920: 19611 Mitglieder. Das ist innerhalb des letzten FabrcS eine Zunahme um 143 Proz. Das Verbandsorgan, der„Vereins- Anzeiger", erscheint bereits in einer Auflage von 51 000. Vimd der technischen Angestellten und Beanite», LrtSgruvve 5rW. 1. Versammlung am 2. März um 71/, Uhr avendS im„ArtuS-Hoj", PerleSerger Str. 2g. Ortsvcrwallunz Neukölln. Die nächste Mitgliederveisammlung findet nm Millwoch, den 3. März, abends Uhr. im Resiauran! Bürgeisäte, Belgstr. l17 statt. Äortraq d«S Herrn Alexander Futran über:».Hie AapitaliS- muS— Hie SotialismuS". Berantw. für den redaktion. Zeil: Artnr gickler, Ctiarlollenburai Ol? Anteiae--« Zd. HI»ike, Berlin. Berla«: Bz:a>ärtK-VcrIaa Ä. m. b. L.. Berlin. Drna: Brr. warle.Pulddruckcrei u. Berlaasanstlill Paul Sinaer u.. Berlin Lindenstr. 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