Kr. IN. B7.3rilj.-B. Morgen Ansgake. (2©PfemiieJ Be,«qSpriiS: Stertelt ähri. 16J0®L. movaN. 5,50 SU. jrei ms sjoae. voraus ahlbar. Bok- kama JSsRotiidt SS) Jü. nfL?u- fteOuntisnebüftt. Untre Kremband füt DeuUchiand an!» Oefttrrtidi'Ungotn 8.73 i'a, für das übrig. Ausland W— BliL. fcf: tä.-ilid) emtnal. Zustellung IL— Ät+ BaiMa- Ausschlag. Posv beftellungen nebmen an Sanemar!, Solltuib. curemburq. Schweben und die Schwei?.-Zingetraaen>n die Polt» �eituna»» Preisliste. Der„SortBüRs'' mit»er Sonntag«» drilage»Boll«. Zeit� ericheinl wache»- täglich.wetmai Sonntags einmal. Zetearamm-Adress« »Soztoldsm-kral verttu� Nerlincr Volkc�blQtt Anzeiqettprcis: Me»chtgetvaltene isionvareMezeil« lostet 2.— M..Tei!irungszuschlag 00«/» �ttlo'.ne Anzsigsn". oss tett» gebructte Wort 73 Pig. Izuläslig zwei settgeoruckte Worte), tedes wericre Wort 30 Psg. Stellengeiuche und Saiiasltellenanzeigen das erste Wort 03 Pig. tedes wettere Wort 40 Pfg. Worte über 13 Buchstaden zählen iil« zwei Worte. Jeuenmgs?, Uschlag 30«/» Familten• Anzeigen, voliriichc und gewertichastliche Vereins- An'eigen Mt. die 8eiie ohne Aufschlag.. Anzeigen illi bit n a ch st e Rummer müssen bis S Ahr nachmtliag» im Hauvtgeschäst. Berlin SW M. Ltnben- ftrage 3. abgegeben werden lbeoffnet von S Uhr irllh bis 3 Uhr abends. �entralorgsn cter fozialckemokratiscken parte» Veutscklanäs Neüaktion unö Expeöttion: EW. öS» Linüenstr. Z. »benittirtefier; Ann Morii-Vlatt. Nr. I't 1!K)— 151 1)7. Montag, den 1. März i»20. V»rwar�»-V«lag G.m.b. h.» EW. SS» Linöenste.3. Uerninreeder: Amt Msritivla«. Nr. 117 53— BL. Der große Streit in Frankreich. SoliüaritätserkläruagenüerGewerkstbasten Paris, 29. Februar. Der Allgemeine Arbritervrr. band erklärt in einer Kundgebung, die jetzt in Frankreich geschaffene Lage sei zurückzuführe» au? die Haltung der»roßeo Eiseubahngesrllschaften und drr Regie. r« n g. Die gewerkschaftliche Organisation der Eisenbahner solle durch den Konflikt in Mitleidenschaft gezogen werde». Deshalb sei der V. G. T. ihre Haltung vorgeschrieben nnd sie versichere die Ber. rialgung der Eisenbahner ihrer vollen Uaterstützuag in ihre« Kampf. Auch die vereiuiguns der Gewerkschaftr« de« Eeinedepartement« erläßt eine» Aufruf, i» dem sie alleArbeitervon Paris auffordert, die Eisrubahnrrgewerk- schaftru zu unterstützen. Die Regierung ihrerseits veröffentlicht eine Erklär»««, i» der sie die Ursache deS KonflikS auseinandersetzt. DaS Komitee der Arbeiter der TranSPartgesell» s ch a f t e n, das die Gewerkschaften der Angestellten der Unter. grundbahn, der Straßenbahn«nd der Automobil» » m n i b u s s e vertritt und zu dem auch dir Kutscher und Chauffeure gehören, hat beschlolseu, die Streikbewegung der Eisenbahner zu unterstützen und sich jeder Reqnirirrung und Mobilisierung zu widersetze». Nach de«„Matiu" hat das Pariser Komitee der»ngestelltr« van Post, Telegraph und Telephon gestern abend die an, «eschlossenen Mitglieder ersucht, sich uicht mit den Streikende« i« Widerspruch zu setzen und sich bereit zu halten, die etwa not- wendig werdende Salidaeität zu übe«. Mklleeanü über den Streik. Paris, 29, Februar. Ministerpräsident Millerand hat heute vormittag Prestrvcrtreter« erklärt, daß auf drn Linien der Eisrnbahngefellschaft P. L. M. sich mit Ausnahme von Lhen eine Entspannung bemerkbar mache. Auf der Oftbahn seien alle größe- re» Züge abgefahren. Auf der Rordbah» sei die Lage eine «armalr» mit Ausnahme einer gewissen Streikwelle, die sich in Amte»? zeige. Von den Südlinien sei nichts Besonderes zu die„probcaburtcflung'» Paris, 28. Februar. DaS Reuterfche Burran meldrt: Die Alliierte« haben zugestimmt, daß einem deutschen Gericht«. h»s«e stattet wird, eine Anzahl ausgewählter Kriegsverbrecher als Probefälle abzuurteilen. ES wurde beschlossen, Deuisch- land eine Liste von Namen zu übermitteln. Wenn die Probe- verfahre« in gehöriger Weise durchgeführt werden, s» wird die List» der SOG Kriegsverbrecher möglicherweise drastisch vermindert werden. Pari«, LS. Februar. Di« Batschafterkonferenz be- schloh gestern, den deutschen Schiffen das Anlaufen der türkischen Häfen zu untersagen. Sie ernannte ferner de» Präsidenten der Kommission, die dag deutsche rollende Material zu verteilen hat. Schließlich wurde der 1. März al» Dag de» Amtsantritts der internationalen Donaukommission de» stimmt._ Das Zentrum zum§sll Erzberger. Berlin, LS. Februar. W. T. B.) Die B-rstSnd» der Ze». t ru m«pa rt:i des RrichcS und der LentrumSfraltion der Deut- scheu Nationalversammlung haben gelegentlich ihrer Tagung vom 28. Februar die Angelegenheit des ReichSfinanzmtui- ster« Erzberger erörtert. Die endgültige Stellungnahme w«rd«, wie von beteiligter Seite mitgeteilt wird, in Uebereinstim- mung mit dem Beschlüsse de« ReichSparteitag?» vom 22. Januar d. I. parbrhalten, bi» die tatsächlichen Feststellungen de« U r t-ei l S in der schwebende» Strafsache gegen Helfserich nnd die Ergebnisse de« Ber. fahren« vor der Steuerbehörde gegen Erzberger vorlagen wcrdr«. Berichte der Presse können alS genügende Grundlage für eine endgültige Stellungnahme nicht dienen. Dieser Standpunkt wurde in einer Besprechung de« Ausschusses der MehrheitSpartejen a» 29. Februar d. I. al» richtig auerkannt. IuÜenststb verhaftet. H e l s i a g f» r«, 29. Februar. Die russischen Generäle Jude. uitsch, Glasenap und Wladimirow wurden, angeblich auf der Rrisr nach Deutschland brgrisfe«, in Riga ans Beronlassung der «ngl'schrn Mission»erhaftrt. «openhazen, LS. Februar..BerlingSkx Tidende' erfähri auS Reval. daß Judenitsch und seine Generale Estland verlassen haben. Ihre Abreise hatte b-?n�e den Charakter einer Flucht und ging in«suromov»»»«me:;«igli scher Flagge vor sich. General Judenitsch soll sein Eigentum, angeblich etwa 100 Millionen ast» ische Mark, aus»me» fransöfifche» Dampf« m Sich«' melde«, mit Ausnahme von Bordeaux, wo(ich eine Ausstandsbewegung zeige. Auf deu Orleans» und StaatSbahn- l i n i e n hätte der Ferndienst stchergestrllf werden können. Im allgemeinen könne man sagen, daß Li Stunden«ach drr Anöstandg- erklärung nur eine teilweise Einstellung de« Betriebes z« verzeichue« fei. Der Ministerpräsident machte ferner noch darauf aufmerksam, daß der grgenwSrtigr Eisenbahnerstreik nicht? mit wirtschaftliche» Forderungen z« tun habe, die erst«ach de« auSgcbrochenea Konflikt gestellt«orde« seien. Der Streik habe auch nicht« mit der Frage zu tun, ob ein neues BenvaltungSfystem der Eisenbahnen in die Erscheinung trete« fall». Ver Srnst der Lage. Paris, SS. Februar. Di« Staatsanwaltschaft hat die Müglich.' feit der gerichtlichen Verfolgung der Streikführer wegen der Erteilung des Befehls zum Generalstreik geprüft. Die Angestellten der Ost bahn haben gestern nachmittag di« Fort. fetzung de» Streiks beschlossen. Pari», 2g. Februar..Temps' sogt zum Eisenbahnerstreik, man könne nur sehr schwer den Ernst dieser Krise über» treiben. Ohne sichergestellt« Transporte sei das wirtschaftliche Leben ein«? Lan-.eS mit Stillstand bedroht. Er gibt Minister- Präsident M i I! e r a n d recht. we7r» er von einer r e v o l u t i o- näre« Bewegung spreche. Wie.Petft Parisien' meldet, wird die Regierung alle Maß- nahmen ergreifen, die da» Gesetz ihr an die Hand gibt, um den Folgen der Krise zu begegnen. T«S Blatt glaubt, daß deshalb die MobilisierungSorder für drei Klassen der Eisewbahuer der P.L.M.» Gesellschaft gegeben wurde. Der Gewerkschaftssekretär M i d o l habe seine Kameraden aufgefordert, der Mobilisierung»- order nicht Folg« zu geben. AuS diesem Grunde sei gestern abend vom Ministerrat beschlossen worden» daß da» Gericht einzuschreiten hätte. Di« imternationalen Schnellzüge von Deutschland find heute voemittog ohne nennenswert« Verspätung in Pari« eingetroffen. heit gebracht haben. Mit anderen Dampfern verlassen die Familien seiner General« Esttand._ Verhaftungen in der Morösache Somogpi. Budapest. 28. Februar. Wie das Nng. Tel.-Korr.-Bureau zu der Ermordung der sozialistischen Redakteure Bela Somogyi und Bela Bacso meldet, hat die Militäranwaltschaft die beide» Chauf- senre de« Automobils verhaftet, dessen Insassen, wie man an- nimmt, am Morde beteiligt waren. Auch einer der Insassen de» Automobil» wurde verhaftet. Im weiteren versucht da» offiziöse ungarische B'irrau m febr durchsichtiger und plumper Weise die Mordtat den K i m in u, n' st e n in die Schuhe zu schieben I Die Sache ist so e i n' ä l t i z. d rß man den Geiste», ustandderBerfasserbedauern muß._ Hollands Sektrktt zum Volkerbunö. Amsterdam, 28. Februar,«i» die Blätter melden, befür- «ortet der Bericht der Niederländischen Ersten Kammer trotz zahl- reicher darin rrhobrner Bedenken den Beitritt der Nieder. lande zum BSlkrrbund. Viele Mitglieder ber Kammer legen Nachdruck darauf, z« erklären, daß die Niederlande, die sich außerhalb de» Kriege» z« halten gewußt hätten, nicht» mit drr Art zu tun hätten, wie die Sieger die Friedensbedingungra festgesetzt hätte» nnd ausführte»., Haag. 29. Februar. Die Konferenz von Vertretern der fkandi- nabischen Länder, der Schmolz und der Niederlande, die im Haag über die Errichtung eine» internationale n ständigen Gerichtshofes beraten hat. hat-in xenwiinsaineS Projekt ouS- gearbeitet. Die niederländische Regierung wird ersucht werden, diese» Projekt mit einem kurzen erläuternden Schreiben im Namen der fünf Regierungen den Vertretern de» Völkerbünde» zu übermittel«._ Der Kampf um öie Deute. Pari», 29. Februar. Wie-Mabin" mitteilt, soll der General- sekretär der Gowerkschaft der französischem Seeleute Ri- velli erNärt haben, daß die französischen Seeleute sich weigern mür- den. die ehemals deutschen Schiffe, auf denen sie beschäf- trgt sind, an irgendeine ander« Macht abzuliefern. Wenn man sie hoben»olle, müsse ma» f i e holen. Die Kcmrmifsion der HonbelSm-rrine hat nach Anhören des Unterstaatssekretärs für die Handelsmarine eine TaaeSordimng angenommen, in der sie den Standpunkt der französisch« Regierung unterstützt. hohenzollernprofit. DaS Regieren ist für die Hohenzollern eine sehr einträg- liche Beschäftigung gewesen. Heute schlägt die Reaktions- presse Purzelbäume moralischer Entrüstung, wenn der Ober- bürgermeister einer großen Stadt drei gebrauchte Zimmer- einrichtungen aus dem Domestikenflügel eines weiland könig» lichen Schlosses erwirbt, sie brüllt über Verschwendung, wenn der Reichspräsident in Räumen unid Möbeln einer Person lebt, die einstmals bei Hofe eine bescheidene Nebenrolle spielte, sie tobt, wenn ein Minister einen einzigen Hirsch schießt, sie zählt sorgfältig den Reichsministern bei offiziellen Enipfängen joden Bissen in den Mund, sie� schimpft über„Riesengehälter", mit denen sich auch der letzte ihrer Redakteure nicht zufrieden geben würde, kurz und gut, sie sucht mit allen Mitteln den Anschein zu erwecken, als sei Republik und Demokratie nichts als eine Quelle zu unendlichem Verdienen, auch wenn sie dabei jede Einnahme durch ein Riesenvergröße- rungsglaS des Neides ansehen muß.' Warum steckt diese Rcaktionspresse nicht einmal ihre Nase in den V e r g I e i ch s e n t w u r f. der zwischen dem Vertreter Wilhelms des Ehemaligen und dem'preußischen Staat zu- stände gekommen ist? Dieser 4ll Druckseiten starke Entwurf ist die inaxwa Charta der Riesen Profite, die sich die Familie Hohenzollern durch einige hundert Jahre Regierung zu ver- schaffen gewußt hat. Man braucht nur einen ganz flüchtigen Blick in diesen Vergleich zu werfen, um ein Bild davon zu bekommen, wie diese Familie neben den Geschäften des Staates ihr leibliches und m a te r i e l l e s Wohl ergehen keineswegs zu kurz kommen ließ. Es handelt sich nicht um Millionen-, sondern um Milliar- d e n w e r t e, die dieser Vergleich umfaßt. Der erste Punkt des Z 1 enthält unter nicht weniger als 5 0 Nummern die Schlösser und Grundstücke, enif welche die Hvhenzollernfamilie zugunsten des Staates Verzicht leistet. Dann kommen unter Punkt zwei in 3 9 Nummern die Schlösser und Grundstücke, die den Hohenzollern erhalten bleiben sollen, weiter in Z 2 unter 25Nummern Schlosser und Grundstücke, die gegen Entgelt auf den Staat übergehen. Aber dieAnzohl der Katalognummern(zusammen 114) besagt noch gor nichts, denn mitunter erscheinen unter einer Katalog- mmrmer eine ganze Reihe von Häusern und Grund st ücken, mitunter auch ganze Fideikommisse, Allodialbesitzungen usw.. die an sich wieder einen gewaltigen Komplex von Gebäuden und Grundstücken aus- machen. Unter den 39 Katalogstücken, die nach dem Ent- wurf den Hohenzollern verbleiben sollen, befindet sich unter einer Nummer ein einziges Objekt, das eben erst für 40 M i l- Honen Mark käuflich veräußert wurde. Sicher ist dieses- Objekt bei weitem nicht daswertvollste von allen, die im Katalog angeführt sind. Die meisten Schlösser usw. entziehen sich vollkommen unserer Schätzung. Aber rechnet man jode einzelne Nummer von den insgesamt 114 des Ver- zeichnisscs im Durchschnitt mit nur 10 Millionen Mark, so würde sich allein der Wert de? Gebäude und Grundstücke, welche die Hohenzollern bei ihrer Verjagung in Preußen zurückließen, auf weit über eine Milliarde stellen. DaSist aber bei weitem nicht alles. Im Besitze der Hohenzollern befinden sich z. B. kostbare Gemälde von Meistern des 18. Jahrhunderts wie Watteau usw., die jetzt an den Staat übergehen sollen und deren Wert der eigene Rechts- beistand des Hauses aus m i n d e st e n s 3 0 0 Millionen Mark angibt. Dazu rechne man die Schätze an I u w e l e n, goldenen und silbernen Geräten und tausend anderen Dingen. Ein Milliardenvermögen haben die Hohen- zollernimLauseihrerRegierung zusammen- gerafft, das in Europa schwerlich seines- gleichen finden dürfte. Woher stammt all ber Segen? Die Burggraf envon N ü r n b e r g, die 1415 in die Mark Kimen, haben ihn sicher nicht mitgebracht. Ihr Vermögen reichte nur zu einer sehr bescheidenen fürstlichen Hochaltung: sicher betrug es noch nicht den tausendsten Teil dessen, was die Hohen-- zollern jetzt haben. Diese Familie kann mit Jakob sprechen: „Ich hatte nur diesen Stob, als ich über den Jordan ging. jetzt aber bin ich zu zwei Lagern geworden." Ein produktives Handwerk hat auch kein Mitglied der Familie gclriebens aus der Eadiner Ziegelei des letzten Herrschers und aus dem Man- schettenknopfvatcnt seines SohneS dürften die Milliarden auch kaum geflossen fein. Also woher, ivoher? Da ist daran zu erinnern, daß jahrbnndertelana Staatseinkünfte und Privat- e i n k ü n f t e des Fürsten nicht im mindesten geschie- den waren. Alle Einnahmen, jille Steuern flössen in die P r i v a t s ch a t u l l e d e S Fürsten. Dieser entnahm daraus, was der Staat ihm nötig zu haben schien, und den Rest verwandte er nach Gutdünken für sich. Als dann später die Auseinandersetzung zwischen Staatsvern'ögen und fürst. lichem Privatver mögen begann, da konnte sich natürlich kein Mensch mehr zurechtfinden, und die Hohenzollern sorgten da- für, daß ihr Anteil an der Teilungsmasse nicht zu knapp ausfiel. Im Gegenteil! Em weiterer Vorteil für die Fürsten war ihre absolute Steuerfreiheit. Während ein Privatmann mit den EinLünsten der Hohenzollern selbst vor dem Kriege im Jahre ziemlich IV Pro?,, seines Einkommens hätte an Steuern ab- geben müssen, zahlten die Hohen?, ollern— Adel verpfliclstet!— keinen Pfennig. Mit anderen Worten: sie konnten jedes Jahr IV Pro?. ihreS Einkommens, die ein normaler Bürger dein Staat hätte abgeben müssen, auf die hohe Kante legen. Aber daneben rechneten die Hohenzollern auch mit dem Pfennig. Sie, eine der reichsten Familien in Deutschland, machten ängstlich über ihrem Privileg der Psrtofrsiheii, das sie der Pflicht enthob, Briefe und Telegramme z» frankieren. Als die Hohenzollern ber der Teilung von ihren Domänen wenigstens einen Teil dem preußischen Staat herausgaben kdcm sie so wie so gehörten), ließen sie sich diese NückerstattuNg von Siaatsvermögen mit einer jährlichen Rente von ß Millionen Mark bezahlen. Aber diese genügte ihnen nicht. Periodisch mußte diese Rente, die sogenannte„givilliste", vom willfährigen Dreiklassenparloment aufgebessert werden. bis sie schließlich über 20 Millionen i m Jahre betrug. Dafür rühmten sich dann die Hohenzollern, daß sie das Reich „umsonst" regierten,— gegen einen„Dispositionsfonds" von einer Million jährlich. Bon diesen 21 Millionen spricht heute kein Monarchist, aber wehe dein republikanischen Minister, der LVOOO M. bezieht! Kurz und gut: die Hohenzollern hqben während ihrer Regierungspcriode den Staat gemolken, daß es nur eine Art hatte. Ob es in dicken oder in dünnen Strahlen floß.— jeder Vorteil auf Kosten des Staates war willkommen. Aus einem verarmten adeligen Geschlecht sind sie in ihrer Regie- c imgSzeit steinreiche Milliardäre geworden, wie wir behaupten, allein auf Kosten des preußischen Staats und des preußischen Volkes. Und deshalb ist es nur recht und billig'— wenn dieser durch mon- a r ch i s ch e Korruption zusammengebrachte und zusammengepreßte Reichtum dem Staat anheimfällt, dem er hinterzogen worden ist. Wir haben nicht den geringsten Grund, den Hohenzollern den Ertrag ihrer Wuch erregte rnng noch nachzuwerfen. In seinem Roman„Die Sandgräsin" schildert Gustav Frenssen, wie ein ungetreuer Verwalter das Gut verläßt, das er in Bankerott gewirtschaftet hat. Er war ein leichtfinni- ger. aber nicht durch und durch schlechter 5kerl. Reumütig läßt er das Geld, das er für sich ans dem Gut herausgezogen hat, in seinem Schreibtisch liegen. Beim Weggehen sieht er an der Sand den Stock lehnen, mit dc-m als einziger Habe er einst den Gutshof betreten hat. Den nimmt er mit. sonst nichts. In der Rolle dieses leichtsinnigen Verwalters sind gegen- über dem preußischen Volk die Hohenzollern. Nur daß sie noch nichteinmalsovielAnstand besitzen, wie ihn der Dichter selbst einem leichtsinnigen Lumpen zu- billigt. Statt ihren Stock zu nehmen, feilschen sie um eine Abfindung von vielen hundert Millionen. Sie berufen sich auf ?as juristische Recht. Und wa3 ist dieses Recht? Verjähr- t e s N n r e ch t. Weil über ihre systematischen Staats- Plünderungen teils Jahrzehnte, teils Jahrhunderte hin- oegangen sind, wollen sie„rechtmäßige Eigentümer" sein.� Die Heiligsprechung deS verjährten Raubes über- lassen wir getrost der monarchistischen Presse. Für die Gesetz- gebung kann nur das hi st o r i s ch e und moralische Recht gelten. Von einer Riejenabfindung, wie sie auf Grund juristi- ;chen Bnchstabenrcchtes in dem Entwurf den Hohenzollern zu- gebilligt werden mußte, kann und darf keine Rede sein. Das Reich löse die Fesseln, die den Unterhändlern des preußischen Staates die Hände banden. Es hat nicht nur die Macht dazu, eS hat auch dasbestemoralischeNecht auf seiner Seite. flllf öem Straßburger Parteitag. A»? Karlsruhe rrfahrrn die„P. P. N." unter dem 28. Februar: Auf der gestrigen Tagung de» Strahburgrr Sozia- listeukongresse? kam eS zu sitiarfen AuLeinandersetzuu- gen über die Urheberschaft deS Krieges. Dir Meinungen, ob Frankreich, Deutschland oder England für den Krieg verant- «örtlich zu machen feien, gingen auseinander. Spinctta(?) ver- teidigte die Haltung Frankreich?, das nur den Frieden gewollt habe. Raffin-Dngens bedauerte, daß P oi n c a r c nicht unter Anklage gestellt tvvrden sei, weil er ebenso schuldig fei für den Krieg wie W i l h e l m II. Zum Schlufsr kam eZ z« einet scharfen Debatte über den M i f) e r s o l g bei den Wahlen. die Serlmer parteisrzanisation Der Bezirksverband Groß-Berlin der Sozialdemotratischen Partei Deutschlands hielt am Sonntag im Germaniasaal einen Bezirkstag ab. Die Tagesordnung lautete: Die Berliner Parteiorganisation und die kommenden Wahlen. Genosse Liidemann eröffnete den Bezirkstag mit einem Hin- weis auf die bevorstehenden Wahlen, für die wir uns rüsten müssen. Es gelte, die Errungenschaften der Revolution und die Einrichtungen der Republit zu verteidigen gegen den Ansturm von rechts. Ein Referat des Genossen Franz Kriiger leitete die Erörte- rringen über die Wohl ein. Er führte unter anderem ans: Je näher wir den Wahlen in Preußen und im Reiche kommen, desto mehr macht sich der konzentrische Angriff der Reaktionäre auf die SoKialdeuiokrptee bemerkbar. Ihr Feldgeschrei ist: Für Monarchie, gegen BolkShcrrschaft! Ihr Eintreten für die Monarchie war nie selbstlos, sondern immer von ihren persönlichen Interessen bestimmt. Wenn jetzt die Jun- ker und Cäwerindustricllen dem Lorgehen Helfferichs gegen Erz- berger zujubeln, so tun sie das nicht aus moralischen Gründen, sondern auS Hätz gegen Erzberger als den Träger des ihnen derfwßlen Steuersystems. An Erzberger ist uns man- ches unsympathisch, aber die, die jetzt gegen ihn Sturm lausen, sind am allerwenigsten dazu berufen, ihn zu verurteilen. Was Erzberger getan hak, ist nicht dem heuligen RegierungLsystem zur Last zu legen, sondern cS ist die typische Politik der bürgerlichen Kreise. Für seine SteuerpMtik kann das deutsche Volk Erzberger trotz seiner Fehler dankbar sein.— Mit der reaktionären Propa- ganda kann man dos Boll nicht gewinnen, deshalb versucht man es mit den schmählichsten Leal.c«llrdungen unserer Parteigenossen in der Regierung.— Der Redner besprach die in lekter Zeit wie- herholt vorgekommenen Ausschreibungen der aus dem Baltikum zurückgekehrten Truppen und forderte, daß ihre Entwaffnung mit größter Beschleunigung durchgeführt werde.(Lebhafte Zu- siimmung.) Auch dem reaktionären Treiben in Beamten- kreisen muß ein Ende gemacht werden. Wenn wir nicht mit aller Energie gegen die Reaktion vorgehen, dann werden wir bald dahin koinmen, laß c» für die Reaktionäre keines Putsche? von rechts mehr bedarf, fondern daß sie sich in aller Gemütlichkeit wieder in ihre alten Positionen setzen können. Wir haben mit unseren Genossen in der Regierung verhandelt und dabei die Ge- witzlheik bekommen, daß sie"den festen Willen haben, mit allen Mitteln gegen die Reaktion einzuschreiten. Aus den reaktionären Bestrebungen in Beamtenkreisen erklärt sich auch die Lorlage über die Abfindung der Hohenzollern. Die Lsrlage ist zwar unter einem sozialdemokratischen Minister, aber nicht von Sozialdemokraten, sondern von Beamten deS alten Systems ausgearbeitet. Die Abfir.duugsfrage ist nicht von juristi- scheu, sondern von politischen Gesichtspunkten aus zu beurteilen. (Sehr richtig!) Der ehemalige König hat sein angebliches Privateigentum doch nicht als Privatmann, sondern als König ertoorben. Es hört also auf, sein Privateigentum zu sein mit dem Augen- blick, wo er vom Thron steigen mußte. Diese Vorlage darf nicht Gesetz werden. Den Urhebern� der Vorlage muß gesagt werden, daß sie keinen Funken Verständnis für das Recht-Sgefühl deS Volkes hoben.(Zustimmung.) Nach einer bürgerlichen Zeitung?- Meldung soll Genosse Eüdekum die Absicht haben, die Vorlage gegen unsere Stimmen durchzubringen. Das ist eine offenbar« Unwahrheit. So dumm ist Genosse Südeknm nicht, daß er nicht wüßte, durch ein solches Verhalten würde ey nicht nur als Minister, sondern auch als Parteigenosse erledigt fein und das ?»rbleibon det sozialdemokratischen Minister in der Rägl�rung würde ein Ding der Unmöglichkeit sein.(Sehr richtig.) In seinen weiteren Nussührungen befürwortete der Reimet eine Politik, die gerichtet ist auf eine Verständigung mit Nußland, die doc allem aus wirtschaftlichen Gründen notwendig ist. Redner besprach die Lebensmittelversorgung und führte auS, der Reich twirtfchaftSmin ister ist bereit, mit den schärfsten Maß- nahmen gegen Schleichhandel und Wucher vorzu« gehen. Aber alle Maßregeln und die besten Verordnungen können nicht helfen, solange sich die Bevölkerung die größte Mühe gibt, die Lerort nungen zu übertreten. Es kommt darauf an, die Preise der landwirtschaftlichen Produkte so zu bemessen, daß die Landwirte ein Interesse haben, aus dem Baden herauszuholen, was irgend möglich ist. DaS ist unbermerdlich. wenn unsere Volksernährung gesichert werden soll. Ausgabe der Gewerkschaf- ten wird es sein, die Löhne den Lebensmittelpreisen anzupassen. Eine Einigung der beiden sozialdemokratischen Parteien ist nach den Beschlüssen des Leipziger Parteitages der Unabhängige a undenkbar. Aber die Einigung wird und muß kommen, wenn eine Situation eintritt, die d-e Arbeiterschaft zwingt, zusammenzuhalten. Es ist unverantwortlich, wenn Mitglieder den beiden sozialdemokratischen Parteien eine neue Partei, die Parrei der vereinigten Sozialisten, gegründet haben. Wir kennen nicht alle Gründer dieser Partei. Aver diejenigen, die uns bekannt sind, sind Leute, die entweder als berufsmäßige Krakebler in ihrer Partei nicht auf ihre Rechnung kommen, oder die glauben, in der neuen Partei mebr verdienen zu können als in ihrer alten Partei oder in der Einigungszentrale. Wer Mitglied dieser Partei wird, kann nicht mehr unserer Partei angeboren. Die Spaltung der Arbeiterschaft macht sich anch bei den Be- triebsratswahlen bemerkbar. Wir begrüßen die Stellung- nähme de» Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, die der Stellung entspricht, die wir von Anfang an'.n dieser Frage ein- genommen haben. Wir verlangen, daß auch unsere Parteigenossen eine angemessene Vertretung in den Vetriebsräien bekommen. Hinsichtlich der Festlegung eines Nationalfeiertages wird in bürgerlichen Kreisen der 18. August, der Tag des Jnkrafttrc-.en» der Reichsverfassung, befürtvortet. Wir fordern die Feier des 1. Mai, denn die Forderungen, für die wir am 1. Mai demonstriert haben, sind zum großen Teil noch nicht erfüllt. Wir stehen in der nächsten Zeit vor den avrrschwersten Aus- gaben. Tg müssen wir wenigstens in unserer Partei einig sein und Vertrauen zu unterer Kraft haben. Wer das nicht kann der mag die Säblafmütze über hie Ohren ziehen und aus dem politischen Kampf ausscheiden. In diesem Zusammenbang wandte sich der Redner scharf gegen einen»Die Korruption m der S.P.D." über- schriebcnen Artikel des„Marxist", des Organs der Einigung»-- zentrale Die in dem Artikel gemachten Angaben seien unwahr. Der Redakteur deS.Marxist", Genosse Richeling, solle auch an der Gründung der neuen Partei mitgearbeitet haben. Wie lange soll«u wir es un-Z noch gefallen lassen, von solchem Gesindel angepöbelt zu werden?(Sehr richtig!) Auch mit diesen Leuten müssen wir ein ehrliche? Wort reden. Kritik unserer Handlungen ist uns reche, aber sie muß sachlich sein und mit gegenseitiger Achrung ausgetragen werden.(Beifall.) Für die Politik brauchen wir ei»? Barole, die daS deutsche Bol? befriedigt. Eine Regierung ohne Sozialdemokraten i st unmöglich. Wenn wir den bürgerlichen Parteien das Fell» Werlassen, dann bekommen wir den Bürgerkrieg von rechts oder von links. Unsere Politik darf nicht darauf gerichtet sein, wieder Oppositionspartei zu werden, sondern wir müssen die bürgerlichen Parteien in unserer Richtung dorwäris zu trei-ben suchen.— Tis Annahme mancher Parteigenossen, daß aus unseren Reihen ein Abmarsch nach links siatifinde, trifft nicht zu. Wenn wir un? tvcder von rechts, noch von links beeinflussen lassen, dann werden nickst wir eine Wahlniederlage erleiden, sondern diejenigen, denen wir sie von ganzem Herzen wünschen. kLeb basier Beirall.) Pagels gab«inen Ueberblick über die Kassenverhältnisse der Organisation und die Mitgliederzahlem Er betonte, unsere Oraa- nisation ist gefestigt, sie entwickelt sich langsam, aber stetig. Wir hatten im ersten Quartal tes Geschäftsjahres 44 400 Mitglieder, im zweiten Orrartal betrug die Mitgliederzabi 47 100 und im dritten Quartal ist sie auf b0 0v0 gestiegen. ES kann also kein« Rede sein von einem Abmarsch nach links. Wir können mit der Entwicklung der Organisarion zufrieden sein. Mit Rücksicht darauf, daß für die Wahl Geldmittel erforderlich sind, empfiehlt der Bezirksvorstand, vom 1. April ab eine« Wochenbcitraz zu erheben von Lü Pf. für männliche. IS Pf. für weibliche Mit- glieder und außerdem einen vorübergehenden monatlichen Extra- beitrag von 1 M. �ür Männer und 50 Pf. für Frauen. In der» Landorten soll derselbe Wochenbeitrag, aber kein Extrabeitrag er- hoben werden. Hierauf wurde die Tiskusston eröffnet. Dr. Löwentbal-Derlin begründete einen Antrag der 13. Abteilung, de? die Einführung der Planwirtschast Mid die Beseitigung der planlosen Wirtschaft fordert. Köbn-Berlin befürwortet namens der 35. Abteilung die Aufhebung deS Vertrages der„Vorwärts"-Expcdition mit der Zeitungs- zentrale und Wiedereinführung eigener Zeitungsspedmone« des „Vorwärts". Leimbach-Sieglitz verlangt, daß in der Parteiagitation der Kampf nicht nur nach links, sondern auch nach rechts geführt werde. Besonders müsse ein scharfer Kampf gegen die Hohenzollernabfin-- dungSvorlage geführt werden. PStzsch-Sicglitz sagte, die Maßnahmen unserer Parteigenossen in der Regierung seien nicht immer in Einklang zu bringen mit den sozialdcmokratisckien Grundsätzen. Minister Harnisch führte auS, eine Koalitionsregierung, die nur zu einem Drittel aus Sozialdemokraten besteht, könne natürlich keine rein sozialdemokratische Politik treiben.(Zuruf: Aber auch TrwmphraSau. Janhagel brüllt die Kehle wund: »Gottlob, daß uns ein Held erstund!" Der böse Reichsfinanzminister wird warmer Fraß für die Philister. AIS er an ibren Beutel griff, schwoll hoch die Brandung, barst das Riff, und heulend brach'S hervor:.Der Tod muß ihn erreichen durch Helfferich, durch Slresemänner und dergleichen." Denn hätte er sich nur begnügt, Profit gemacht und dann vergnügt das niedre Voll bezahlen losten. still teilten sie mit ihm die Kassen, wie es im Kriege Sme war. Ein frommer Herr blieb er fürwahr. und stände auf der schivarz-weiss-rmen RuhmeZkeiter gleich Helfferich, gleich Stresemännern und so weiter. Er war zwar Blut von ihrem Blut, nicht minder schlecht, nicht minder gut. er liebte Fett und schmauste Butter, ließ andern gern da« Rüdenfntter. Was sockt ihn aber schließlich an. daß er betrieb den schlimmsten Plan— zum Schuldenblechen zu verdonnern allerorten die Helfferich, die Stresemänner und Konsorten? ' S chlarasß Oos Nlkisth»?ubiläum. Ein seltenes Fest, da? zu feiern unS allen, die wir mit Ber- finer Musik verwachsen sind, Ehre ist. Und mehr als daS: wo immer die Musik als aufbauende Kraft, als Versittlichung. Erlösung, als einzig unirügerischeS Glück empfunden wird, wo praitisch Hörer uns Ausübender, Genießender und Schaffender im Reich der Töne den Quell seiner Lebenskraft sieht, da greift Rikisch mit einer Faser seines Könnens und Gebens in unser Sein. Ein seltenes Fest, für den Meister-Dtrigenten, für uns. seine große Gemeinde, für die Philharmoniker, fein tteues, wundervoll hon ihm abgestimmtes Instrument. Bülow hatte den Staub Berlins von den Schuhen geschüttelt. 5.1 philharmonische Konzerte hatten dem Orchester zur imposante- sie« Stellung, zu Weltruf vecholfen. Berlin hatte e,n Zentrum »yrsikalisch reinster und«rhelbenster Betätigung. Klassisch« und moderne Kunst fand ihre vornehmste Sammelstätte. Bülow, der produktivste unter den nichtschaffenden Dirigenten, der erziehe- rischste, energischste, espritvollste, internationalste, ging. Wo für ihn, den Weltberühmten, einen Ersatz finden? Derkn horchte auf, Hermann Wolff suchte unter den Besten, die Musiker staunten, begrüßten, kritisierten. Hans Richter, der Wagnerfamulus, wollte sich nicht halten lassen. ES folgte ein zweiter Wagneradjutant. der wundervolle Rubatodirigent Mo-ttl als Gast. Dann der knlti- vierteste, von Bülow selbst warm empfohlene Hermann Levi. Wet- ter Schuch und Richard Strauß. Und aus der Buntheit all dieser sternenhell schimmernden Episoden steigt endlich einer grundlegend, faszinierend hervor: Artur Nikilch. Dieser Ungar, der 1855 geboren wurde, begann als Geiger und Komponist, spielt« im Orchester, wurde Chordirigent in Leip- zig. dann Theaterkapellmeistcr an zweiter und erster Stelle, zuletzt in Boston Leiter der Sinsoniekonzerte. 1805 kehrt er aus Budapest nach Leipzig als Kapellmeister der GewandhauSkonzerte zurück und übernimmt gloichgeitig die Führung der Berliner Philhar- moniker, mit denen er seit 1897 Luustreisen nach Frankreich und der Schweiz unternahm. Rikisch eroberte sich das Herz der Berliner und das Mitgehen der Musiker gleich in seinem ersten Konzert«(1805), dessen Pro- gramm er uns an seinem Jubiläumstag wiederholte. Daß er Kenner und ein genießerisches Publikum willig fand und im Sturm für sich gewann, sogt zwar viel für die suggestive Kraft seiner Dirigier-Persönlichkeit. Daß ihm dt« Liebe derselben Menschen und die Liebe der Jüngsten wie der Erfahrensten noch heule, nach L5 Jahren, mit gleicher Wärme entgegenschlägt, sagt mehr.� Hier ist der zwingende Lehrmeister, der technische Könner, der geistvolle Deuter, hier ist der Künstler, der zwischen Werk und Hörer die -ideale Brück« baut. Ruhig in der Haltung- geschmeidig und diszi- pliniert in der Armbcwegung. ernst, unabsichtlich in der Mimik. voller Demut, voller Inbrunst der Schöpfung gegenüber. Aug' und Ohr und Herz hängen gefesselt an seinem Stab. Er hetzt nicht einem Essest zuliebe, er dämpft eher da? Tempo, er gibt Zeit zum Atmen und führt doch, klassisch aufbauend, zu Temperament». höhen, die den Puls beflügeln. Er übt. er studiert mit seinen Leuten, keine Silbe einer Partitur ist ihm fremd, an der Spitze seines Stockes, der ruhig lagern und heftig aufzucken kann, hebt und senkt sich der Fluß einer Melodie, einer Nuance, eine? Snm- mung. Sein Herz gehört BrahmS. Beethoven, dem Slawen Tscha-ikowsky, den Romantikern. Nichts Neues entgeht seinem Blick, der dennoch die stassische Form mit besonderer Lieb« um- fängt, und in dem sinfonischen Gebilde LisztS, Berlioz', Strauß' «ine letztmrderne Ausdruckskunst erkenntz Ein herrlicher Künst- ler. Ein Führer in"ie Schönheit der Welt. Ein Feiertagsmensch. Wir grüßen ihn. Wir streben gu ihm. Wir danken ihm! Dr. Kurt Singer. Das deutsche Buch und daS Ausland. Die ReichSregierung hat nnederholt den Vorstand des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig au pge fordert, dar Valuta frage größte Aufmerksam kert zu schenken, um der Entwertuisg des deutschen Buches im Auslande Einhali zu tum Di« Verschleuderung alter und neuer Bücher nahm solchen Umfang an, daß der BerlagSbuchchandel z. B. für Papier draußen mehr bezabl-m mußte, als er für das daraus dann hergestellte Buch dieses Umfanges wiederbekam. Er erhielt! höchstens den 5. oder L. Teil des Wertes m Waren auf dem Wege dvr Ausfuhr, die er im Jnlcmde für dasselbe Geld erhalt. Trotz d-ieser Lage schioaukde der Börsenvorem lange und ließ einzelne Verlage selbständig vorgehen. Nun hat er sich zu einer Radi 5a: hm entschlossen, indem er eine Verkaufsordnung für Auslandsliefe- rungen dem ganzen Buchhandel zur Pflicht gemacht hat. Ilm Schutz durch die NeichSregiorung und die schärfsten jkontrollmcch- nahmen zu chrer Durchführung sind eiitgelettet. Die nächste Wir- kung wird ein Rückschlag auf die Auslandskäufe ini Buchhandel' sein, aber dieser kann nur heilsam wirken. Der Börsekverein Her zur Lösung der Frage erstmals einen Umrechnungskurs festgelegt der zuzügstch Teueruugszuschlag in der Schweiz etwa 60 Rappen. in Holland etwa 30 Cts. für eine Mark beträgt, zweitens einen Valutaausgleich, der, in Prozenten errechnet, zusammen mit dem Inlandspreis den Betrag ergibt, zu dem der deutsche Buchbandel nach dem Ausland liefert. Di« Außen�ndelSnebenstell«. die ver. hüten soll, daß in Zukunft irgendein« Büchersendung ohne sichtbares Kennzeichen der Ausfuhrbewilligung über die Grenze geht, wird dem Börsenverem selbst übertragen. Musik. Am Mittwoch, den 3. März, veranstaltet der Organist Prcmß in der Marienkirch« fein 50. Kirchenkonzert.— Di« nächsten VolkS-S in foniekonzerte des Blüthner-OrchesterS finden statt: Montag, den 8. März, Dienstag, den 23. März und Dienstag, den SO. Marz in der Brauerei Königstadt, klarten in der Buchhandlung Vorwärts. Das ftAligeborene Kind, besonders oo« sozial»» Stand- Punkt au«, behandelt Prolcisar Dr. Langtteln am«. Miez, abends 6'l, Ubr, in der Anlernatlonalen«esellschast sür Serualforlchung. Auto deS Fall-Nealgymnasium», Lützowin. 84. Im«npferftickitabinett der staatliche« Malern wird am 3. Marz eine Autliellmig.Der Holzschnitt von seinen Biil»n<,en bis zur«egenwarf eröffnet. Sin illuiirürter Führer von Eurt»lalor kostet 2, SO M. Tie«alerte Eduard Ochnkte drwgt In«m 9Srtea»namtg_tbtt (ieofe Jammluna der Berliner Kunüleraruppe Kärtifch««inmerbunZ lowie Ziollettionen Rünchener: Berliner Küni:!«.„, Urauta-Bor-räge. Im Höifaal d-izinnt am 2. Mär, Robert Potoni i»me» Zyklus von ö B-iträgen über.SntNebung und«e. winnung der Kohle'. Am Mittwoch spricht Dr V®• r" �' üb«.Luftt und Sleltrizität im O ganiSmenreich' am Freitag Prof. Dr. K« hu er 1 der ,$»(«•»mV Metallgießerei-. kein« KürnerlicheN Wenn wir die Koalition mit bürgerlichen Parteien eingehen mußten, so find doch die Wähler, also auch di- Ar- beiler, schuld daran. Ich glaube sagen zu können, daß kein sozial- demokratischer Ministar eine Freude an der Koalitionsregierung hat. Aber wenn wir austreten, dann bekommen wir die Diktatur der äußersten Rechten oder der äußersten Linken, und unser Volk würde dadurch in eine schwere Erschütterung geraten, die es bei seinem gegenwärtigen Kräftezustand nicht ertragen kann. ES ist Lache der Barteigenesten, der den nächsten Wahlen dem Parlament eine solche Zusammen- setzung zu geben, daß wir keine Koalitionsregierung brauchen.(Sehr richtig!) In der AbsindungSfrage werde sich eine Lösung finden lassen, mit der die Parteigenossen einverstanden sein können. Zu dieser ffrage wird am Montagabend eine Sitzung unserer Notio- nalversammlung- und LandesveriammlungSfrakiion Stellung neh- men. Der Redner wies die Angriffe auf den Erlaß betreffend die Elternbeiräte zurück. Die Elternbeiräte seien an sich eine gute Waffe. Wenn sie von unseren Parteigenossen nicht so benutzt werde wie von den Bürgerlichen, so sei das doch nicht die Schuld der Re- gierung fZuruf: Maßregelung sozialdemokratischer Lehrer!) In meinem Ministerium ist dafür gesorgt, daß keine Maßregelungen so-imld-mokratischer oder freiheitlich gesinnter Lehre: stattfinden. Alle ställe. die uns bekannt werden, werden im Ministerium von Sozialdemokraten bearbeitet. Feller-NcuPlln: In den Reihen unserer Parteigenossen herrscht lebhafte Unzufriedenheit mit der Politik, die zetzr'n unserer Partei getrieben wird. Ein Teil der Parteigenossen ist deshalb nach links abgeschwenkt, von einem anderen Teil ist der Abmarsch zu erwarten, wenn keine Aendming eintritt. Unsere Parteigenossen in der Re- gieruna sind nicht fest genug gegenüber den Bürgerlichen. Unsere Parteipolitik muß ein« Richtung einschlagen, daß Me Genossen das Gestühl haben, hier werden Arbeiterinteressen vertreten. D'e Ren- köllner Genossen beantragen die Einberufung eines Par- t e i t a g e s, der zu den schwebenden Fragen Stellung nimmt. Schillack-Steglitz befürwortet die Annäherung an Rußland und kritisiert die Schließung der Eisenbabnwerksläiten. Schvlz-Ebarlcttenburg tritt ein für die Planwirtschaft in der Ernährung, wendet sich gegen die Abfindung der Hochenzollern und gegen die neue Parieigründung. Klein-Wildau verlangt, daß die Balttkumtruppen entwaffnet werden und daß unsere Minister mit aller Schärfe gegen daS re- aktionäre Beamtenwm vorgehen. Eduard Bernstein bemerkt zu der neuen P-arteigründmrg, daß die beiden Vorsitzenden der Einigungszentrale(ei, Rsdner, und ein Unabhängiger) die Gründung mit Entrüstung bekämvfen. Ein- gehend sprach der Redner über allgemeine politische Fragen. Er sagte, ich habe nichts gegen eine Verständigung mit Rußland, aber ich warne davor, daß jetzt in unseren Reihen ein Weitkriechen vor Rußland veranstaltet wird. sSehr richtig!) Wir wollen nicht der- gessen. daß wir bei den verworrenen Zuständen in Rußland in wirtschaftlicher Hinsicht nicht viel zu erwarten haben und daß viele der besten unsere? Parteigenossen in Rußland auf daS schändstchste unterdrückt werden. Wir wollen incbt alle? von der bolschewistischen Regierung hinnehmen nnd unsere Parteigenossen darüber vernach- lässigen.(Zustimmung.) Weiter verlangt der Redner energische Be. kämvsung der Reaktion, di« besonders in den Kreisen der InieNek- tuellen ihr« Smtze finde. Als er hervorhebt, daß Deutschkind die Schuld am Kriege trage, fand er starken Widerspruch. ReichSwirtschaftSminister Robert Schmidt gebt auf die der Re- gterunq gemachten Vorwürfe ein. Bei der Unzufriedenheit handelt es sich nicht inn politische. Fragen und nicht um Jwi Verlangen nach politischen Freiheiten, sondern um daS Brot.(Sehr richtig!) Die ErnährungSfrage zu lösen ist eine sehr schw-icrigc Ausgäbe. Wir haben die kopi- talrstische Gesellsch-rft nicht abgelöst aus der Hr»e ihrer Entwich- lung. sondern in ihrem tiefsten Verfall, und da sollen wir di« Wirt. schaft in kürzester Zeit herausheben. Dazu werden uns alle mög- bichen Vorschläge gemocht, die wir schon längst versucht haben und di« sich alle als untaugssch erwiesen hc-öen. Es ist nicht möglich, in kurzer Zeit aus d<-m wirtschaftlichen Zerfall herauszukommen. Da treten uns viele Hindernisse entgegen, die nismond im Hand- umdrehen beseitigen kann. Hier ist die Planwirtschaft deftürworlet worden. Was verstehen die Redner darunter?(Zuruf: Wissell!) Wir haben die Planwirtschaft imK ohlenbergbau. aber sie nutzt uns nichts. Im Frieden, als die Kobienföicherung unter dem fopitalistischen Sv stein airf den höchsten Stand gebracht war. sind lllv Millionen Tonnen Steinkohle hn Jahr gefördert weeden. Vorige? Jahr haben wir nur lss? Millionen Tonnen ge- kördart. DsttS Manko von 83 Millionen Tonnen Koble ist di« Ur- fach- unseres wirtschaftlichen SHcnfcs.(Zustimmung.) Ganze In- dustriezweige müssen still liegen, weil ihnen die.Krhle seblt. Wir können die Produktion nicht heben, solange uns die 83 Millionen Tonnen Koble feblen. An ein Sinken der Lebensmittelpreise ist nicht zu denken, solang« unsere Valuta auf dem Tiefstand bleibt, es sei denn, daß wir unzere Warenproduktion für die Ausfuhr be- deutend steigern. Dies« Problem« können nicht so einfach gelöst werben. Für die ungünstigen VerhAinisse kann nicht die Regie. rung verantwortlich gemacht werden, auch die Acheiterschaft ist zum Teil schuld daran. Nach dem Schlußwort be? Genossen Krüger werden die soll. «enden Ln-traye fast alte einscinunig angenaMmati: BeitragSregelung. 1. Vom 1. April 1020 an betragt der ordentliche Beitrag w verlin und den großen Vororten für Männer 2S Pf.. für Frauen 15 Pf. v r o Woche. Dazu wird ein obligatorischer Ettrabeitrag erhaben, der für Männer 1 Mk. und für Frauen 50 Pf. pro Monat beträgt- In den L a» d o r t e n beträgt der Beitrag für Männer 25 Pf., iür Fronen 15 Pf. pro Woche. Ein obligatorischer Extrabeitrag wird hier nicht erhoben. S. Für diejenigen, die freiwillig über diese Beiträge hinaus zahlen wollen, wird eine freiwillige Sxtiamarke zum Preise von l M. herausgegeben. 8. Um auch die Kreise, die der Organisation fernstehen, finanziell zu den Kosten der Wahlen heranzuziehen, werden Lamm eil ist ejx für die bevorstehenden Wahlen herausgegeben. Hohenzolleruab findung. Ter Bezirkstag Groß-Berlin der S. P. D. protestiert auf das schärfste oegen die der Preußischen Landesbersammlun� zöge- gangene Vorlage über die Abfindung bei ehemaligen Königs von Preußen. Das äußerst weitgehende Eiilgegenkommon. das die Urheber der Porlage für den ehemaligen König an den Tag gelegt haben, ist um so unverständlicher in einer Zeit, in der die berech. tigten Wünsch« wirklich notleidender VolkSkreise wegen Mangel» an Mitteln nickst erfüllt werden können. Die Anerkennung großer Vermönensmassen als Prtvateieentiim Wilbelms von Habenzollern verletzt in gröblicher Weise das RecteS'mvfinten des Volke», da der größte Teil diefer Permögensobjerte nicht von dem Privat- mann W lbelm von Hohenzollern, sondern von der Krone aus den Kroncinnabmen erworben, zum Teil sogar auS StaatSgeldern bezahlt ist nnd daher auch dem Staate gehört. Der Bezirkstag verlangt, daß durch Rri-hsgesetz da» gesamte Kronvermöaen für den Staat enteignet wird. Von den sozialdemo- krattfcben Fraktionen der Preußischen LanheSversammlung und der Acnonolvcri'amwl'eng wird erwartet, daß sie alles daran- fteen. h-. Annuhms der jetzigen Vorlag« zii vcrh'ndern. Die liebernabme auch nur einer indirekten Verantwortung der Sozial» denrokrati« kür die jetzige Vorlage, fall« fi« gegen untere Stimmen von dm bürgerlichen Parteien beschlossen werden sollt«, ist völlig unmöglich und in diesem Falle daZ Ausscheideu der Sozialdemo- kraten aus der preußischen Regierung die selbstverständliche Kon« sequenz. Ferner ein Antrag der 13. Abteilung aus Einführung der Planwirtschaft. Tann ein solcher, dar sich über die prvle. tarische Etniguag und die„E i n i g u n g L p a r t e i" im Sinne de» Referats ausspricht, ein solcher, der die Demokratisierung der Verwaltung fordert, und ein weiterer, der die E i n b e> rufungeines Parteitages vor den Wahlen verlangt. Ein Antrag, der die sofortige Entwaffnung der Balti. kumtruppen und die Zurückziehung von Angehörigen dieser Truppe von den pommerschen Gütern fordert, wurde der zustän- digen Stelle überwiesen. KZlitz.Zehlendorf beantragt« ein Mißtrauensvotum gegen N o s! e. Der Bezirkstag beschloß mit allen gegen 3 bis 4 Stimmen U ebergang zur Tagesordnung. Der Vorsitzende L ü d e m a n n schloß die Tagung Mit einem Hoch auf die Deutsche Sozialdemokratie. Die öetriebsratswahlen. Die Gemeinösarbeiter zu öea SetrieberLtewahleu In einer vom Verband der Gemeinde- und StaatSarbeiter einberufenen Versammlung der Funktionäre der Ortsgruppe Groß- Berlin, die am Sonntag vormittag in der Neuen Welt tagte, führte PolenSke u. a. aus: Die schwach besuchte Versammlung zeige. daß eine große Zahl der Funktionäre nicht das Pflichtgefühl habe. das gerade zu den bevorstehenden Wahlen der Betriebsräte er- forderlich ist. Die Arbeiterschaft muß sich darüber klar sein, daß die Betriebsräte eine bedeuteude Errungenschast sind und dem- entsprechend aus die Funktionäre einwirken, daß diese den Vorbe- reitungen und Besprechungen zu den Wahlen unbedingt beiwohnen. Leider spielen bei diesen Vorbereitungen die parteipolitischen Um- trieb« eine große Rolle. ES muß jedem Arbeiter klar sein, daß eine Zersplitterung der Arbeiter'chaft durch Aufstellung verfchie- deuer Listen zu den Wahlen eine schwere Schädigung zur Folge haben würde. Deshalb ist es unbedingt notwendig, daß die Ausstellung einseitiger Listen vermieden wird. Es liegt im Interesse des Verbandes, daß eine einheitliche freigewerkschaftliche Liste auf- gestellt wird, die natürlich auch die gegenseitigen Interessen be- rücksichtigt. aber ein ersprießliches achtungsvolles Zuiammenar- beiten verbürgt. Die Gewerkschaft Hai nicht die Absicht, von den ihr zu Gebote stehenden Machtmitteln Gebrauch zu machen, mahnt aber zur Vernunft. Die Versammlung stellte folgende Richtlinien für die Wahlen auf: Einheitsfront aller Verbandskollegen ohne Rücksicht auf den Richtungsstreit. Gemeinsame paritätische Aufstellung freigewerk- schaftlicher Listen. Verständigung mit den übrigen freien Gewer-k- schaften. Kampf gegen alle blauen und gelben Verbände, HewerkschaflsbxwkMKg Der Laadarbeitertarif in Vorpommern. Nachdem di« Verhandlungen in Stettin gescheitert sind, hat der Regierungspräsident in Stralsund nunmehr zu Montag, den 1. März, mittag» 12 Uhr, aus jebem der Kreise des RegienuigS- fcjzrrks je zwei Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer des Landbundes und je zwei der drei anderen Landarbeitcrverbände der freien, christlichen und der Hirsch-Dunckerschen eingeladen. Bc- kanntlich hat der Bonemersche Landbund erklärt, daß er unter keinen Umständen an Verhandlungen teilnehmen Würde, wenn nicht die Arbeitnehmergruppe d«S Landbundes (gelbe Gewerkschaft) als gleichberechtigt anerkannt würde. Die ge- nannten drei Verbände hafesn ercklärt, daß fk jederzeit zu verhandeln bereit find, den Pommerschen Landbund aber nur als Arbeit- gebervereinigung anerkennen.— Da» war der Stand d« Dinge bis heute. Wie wir erfahren, beharren die drei Arbeit- nehmerverbände auf ihrer Erklärung. Sie sind bereit, zu ver- handeln, lehnen ober die Gleichberechtigung der gelben Lanvbmid- gewerkschaft ab. Ferner hören wir, daß Herr von Wangen hei ui am Mittwoch und Donnerstag m Stralsund war und daß es ihw gelungen ist, die Agrarier, die bereits zu schwanken begannen, wieder scharf zu machen. Auch sie sollen, wie verlautet, auf ihrem Standpunkt beharren, von dem rniS sie jede Verhandlung ablehnen, wenn nicht zuvor ihre gelbe Arbeitcrgewerkschaft als völlig gleichberechtigt von den drei anderen Verbänden anerkannt worden ist. Lohnregulierunq für die Arbeiter tm chemischen Gruft« Handel. Mineralöle und Fette. Für die Arbeiter obiger Branchen fanden am Freitag vor dem Demobilmachungskommissar Tarisverhairdlungen statt, bei denen sich die Parteien aus folgende Wochenlöhn« einigten: Jugendliche 50— 105 M.. erwachsen« Arbeiter vom 20. Jahre ab 130— 140 M., Packer 140—160 M.. Schwerarbeiter und Kutscher 150— 160 M., Chauffeure 170— 180 M. Weibliche Arbeitskräfte vom 19. Jahr« ab erhalten 75 Proz. obiger Sätze, jugendliche Arbeiterinnen 40— 75 M. In einer Branchenverfammlung stimmten die Arbeiter dem Ler- Aeiche zu.•_____ T«r alte GcheimratSsseist. In unserer Nummer 165 schilderten wir unter obigem Titel. wie weltfremd manche Beamten dem Organ! sationsgedanken der Angestellten gegen überstehen Im speziellen Falle hatte ein Per- sonalreferent des Ministeriums für Volkswohlfahrt dem Zentralverband der Angestellten aus eine Anfrage wegen Kündigung eines weiblichen Mitgliedes dieser Organisation geantwortet. auS welchen gesetzlichen Bestimmungen der Ver- band fein Fragerecht herleite und welche Absicht er mit der An- frage bezwecke. Wir hairen der Notiz den Wunsch angehängt. daß der WohlfahrtSminister. der früher ja selbst christlicher Gsiverl- schaftssekretär war. dem Beamten die entsprechende Antwort geben möge. Heute möchten wir Herrn Minister S r e g e r w a l d auf Grund uns zugegangener Beschwerden bitten, bei gleicher Gelegenheit auch den Kanzleivorsteher Schulz anzuweisen, daß er das ihm unterstellte Personal nicht wie Rekruien behandele. Fast täglich läßt dieser Herr den Angestellten seine Macht ftihlen, indem er ihnen mit Entlassen und Rausschmeißen droht. Durch die Willkür dieses Herrn Kanzleivorstehers hat sich des Per- sonals eine große Erbiiterung bemächtigt. Wie die Beschwerde- führe? uns erkläreii, erfahre der Herr Minister von solchen Eigen- Mächtigkeiten seiner Beamten nichts, denn dafür sorgen die Ver- fasse? solcher Antwortschreiben, wie das an den Zentraloerband der Angestellten gerichtete._ Wir hoffen, daß Herr Stegerwakd. der sicherlich mit diesem üblen altpreutzischen Geist seiner höheren Beamten nicht einver- staiilcn ist, für Abhilfe sorgt. DaS liegt nickt zum wenigsten im Interesse der Demokratie selbst, die doch jevem Arbeitenden zu seinem Rechte verhelfen will, und die durch reaktionäres Mt- preutzentum nur diskreditiert wird. Devtfcher Werkmeister-Berband Berlin 7. Die nächste Monats- Versammlung findet am Diensjag. 8� Uhr. im Patzenhofer, Turm- Ecke Stromstrahe Patt. Bortrag: Rationelle Dauipftesselheizung. GroßlSerün Protest der TadakhönSler. Der Deutsche Zigarrenhändler-Bund Vera»- stalter« in den Kammersälen«ine össentliche Protestversammlung gegen da» neue am 1. April in Kraft tretende Tabaksteuergesatz. Der Vorsitzende des Bundes, S t r a s s e r. führte zunächst vor Augen, daß die jetzige Form de? Steucrgesetzes den Nuin_ de? TabalhandelS zur Folge habe. Es wäre schon nach den Vorschlägen, die de Tabakindustri« der Regierung gemacht hat, nicht mehr möglich gewesen, eine Zigarette unter 60 Pf. an den Konfumeaten abzugeben. Nach der neuen St-uerbelastung würde ober der Mindestpreis 7 0 Pf. betrogen. Die Kaufkraft dw Ver- braucher würde dadurch sehr geschwächt, und die Folge wäre daß der Kleinhandel sowohl als auch der Großhandel den Fabriken keine War« mebr abnehmen kann, was wieder die Siillegung der Fa- br k.'N nach sich ziehen würde. Dadurch wäre nicht nur der Handel schwer geschädigt, sondern Tausend« von Arbeitern wären dem Hunger preisgegeben. Die Regierung würde auf diesem Weg« nicht zu den erhofften Beträgen kommen; daher müsse das Gesetz unbedingt einer Revision unterzogen werden. Schließlich wurde ein« Resolution einftunmig angenommen, aus der wir so!» gendeS wiedergeben: .Die Versammlung protestiert auf das schärfste gegen den vom Reichsminister der Finanzen festgesetzten Termin für das Inkrafttreten der Steuer. Diese? Zeitpunkt ist� erst dann gegeben, wenn die Währung efwa auf den Stand zurückgeaangen ist, auf den sie zur Zeit der Verabschiedung deS Gesetzes sich befand und entweder das Gesetz über Zahlung der Zölle in Gold ausgehoben ist oder zu mindest da? Goldaufgeld nicht mehr als 300 Proz. be- trägt. Di« Versammlung fordert, daß bis zu diesem Zeitpunkte ein Goldaufgeld auf den Wertzoll nicht erbeben oder, falls dieses steuert echn'fch nicht möglich ist— der Betrag in Form von Steueranerkenntn'ssen»„rack-iezahtt wird. Das Goldaufgeld aus den GewichtSzoll ist auf 725 Proz. herabzusetzen. Sollte aber keine Möglichkeit Vorhand>n sein, die gesetzgebenden Körperschaften von der Notwendigtett ieser Fvrerung zu überzeugen, dann fordert die Versamnilung, daß mindestens die im ij 5 des Gesetzes nachträglich von der Nationalversammlung aufaenommenen Steuerklassen 22—27 für Zigarren und 11—14 für Zigaretten wieder g'strichen werden. Auf die Sätze de? verbleibenden Steuerklassen iss bann auf die Banderolen für Z'garren eine Ermäßigung von 70 Proz. und von Zigaretten von 20 Proz. zu gewähren." « Eine Versammlung der Kolonisten nnd Kleinsiedler, einsie- rufen vom..B"nd dar V-'-Z'b-svere'r- für B"lüi und die Pro» pinz Brandenburg", protestierte gestern im Kr-egervereinsbau» gegen die Aufbebung der ermäßigten Fahrkarten. Stadtverordmter P r i n!»- Lichtenberg wies auf die große Er- r-auna Vn. d'e dtek? Maßnabme des Eisenbabuminssters bei den über 70000 Kolonisten in der Umgegend Berlin» hervorgerufea babe. D>« Kolonisten und Siedler arbeiteten nicht nur in ihrem Privatinteresse, sondern sie erfüllten wichtige Aufgabein in bezug auf Erleichteruno der LebenSmiitelverforgung. auf da» SiedlunaS- Wesen und die PolkSgesundbeit. D'.irfi die Aushebung der Ko- sonistenkarten und die am 1. März ewtretende Verdovpelung dar Fahrpreise Iv'rde di« Fahrt sür einzelne Strecken bis um das Neunfache verteuert. Dazu käme, daß die meisten Kolonisten ihre Parzelle nicht allein bearbeiten könnten, sondern ihr« Fanissien- mitolieder zu Hilf« nehmen müßten, während die ganze Familie selbst in Berlin wohnt. In der Aussprache erklärten die Abgeordneten Auerbach (Sog.) und Dudsuhn(dmifchnatl.), daß ihre Frakt'anen für die Ermäßigung eintreten Iviirden. Es wurde mitgeteilt, daß Mi- nisterpräsident Kirsch sich der Beschwerde der Kolonisten nicht ver- schließe und um eine neuerliche Darlegung ihrer Wünsche gebeten babe. TS wurde schließlich«ine Resolution aimenomm««, in der die Wiedereinfuhr nno der Kolonistenkarte« zum Preise von V» der im Verkehr befindlichen Monatskarten, Taiitfregelung«ruf der Reinictendorf-Llebenwakde-Groh.Schönebecker V fenbahn gefordert wird. Des weiteren erwartet dte Vrrsamm- lunq die baldige Einführung de« Vororttarifs auf den Strecken nach Werneuchen, nach Trebbin, Wustermark, auf der Oftbahn bis Rehfelde und auf der Wetzlarer Strecke. Der Rauh im Eharlottenkmeger Maufaleum scheint'einer Aufklärung nahe zu sein. Unter dem dringenden Verdacht, an diesem Einbruch beteiligt zu sein, steht der Schanssvirt Heinrich H ö r o! d aus der Rosinenstraße 7 zu Eharlottenliurg, der vor wenigen Tagen als Anführer einer füiiMpfigen Bande festaenom- men wurde, di? in die Zigarettarfabnk von Fosotti in der Wüster« hausener Straße einzubrechen versuchte. Ein Lorhasteter gestand ein, daß de: Schankwirt aus der Rosinenstraße 7 ihr Anführer ge- Wesen sei, und es gelang, ibn zu verhaften. Der Schankwirt Harold hatte ungefähr 3 bis 4 Wochen vor jem Mausoleum se! ndnüch zu zwei Gästen iu seinem Lokal geäußert, daß in dem Mausoleum im Charlottenburger Schloßpark viel Gold und Silber zu finden soi und versucht, sie zu bewegen, mtt ihm gemeinsam dsx Graft zu sc- brechen und auszurauben. Tie beiden Leute gingen jedoch auf feinen Plan nicht«in. Es besteht somit der dringende Verdacht, daß Harold den Einbruch mit anderen Verbrechen,, ausgeführt hat. Körod. dem vorgestern bei seiner Vernehmung da? gegen ihn vor- liegende Belastungsmaterial vovgehalten wurde, bestreitet den Einbruch in das Mausoleum und wollte zunächst auch darüber gar nicht gesprochen haben. verhaftete RegimentSkassenrüuber. Der Raub der Regiments-- und zweier BataillonSkasssn des Eisenbahn-RegimentS Nr. 1 ist jetzt, fünf Monat? nach Ausführung des dreisten Gaunerstreiches. aufgeklärt worden. Vorgestern gelang es der Kriminalpolizei, zwei der Täter, die inzwischen bei einem anderen ReichSwehr-Regi. ment eingetreten waren, zu entlarven und sestzunebmen. Beide waren unter den Namen Reiniger und von Burgeleve als Unteroffizier« in ein Reichstvehrregimeni in Döberitz einge. treten und inzwischen zu BizeseldweMn befördert, als sie jetzt als die bei dem Kassenraub Beteiligten erkannt und festgenommen wurden. Die Kriminalpolizei stellte wen er fest, daß beide falsche Namen trugen Reiniger ist in Wirklichkeit ein 22 Iabre alter Bankbeamter Wilhelm Schreck, von Durgeleve ein 24 Jahre alter Kaufmann Karl Nick.— Die übrigen Beteiligten waren seinerzeit bald nach dem Gaunerstreiche ermittelt an1) abgeurteilt worden. Einer dieser Räuber, ein Artist K ü h n h o f f. wurde vorgestern wegen eines neuen bandenmätzigen Raubüberfalles festgeuommen, der«m vorvergangenen Sonnabend nachmittag in der Kurfürstenstraße 166 ausgeführt worden ist. Grsß*6e?ikner parteknachrick�en« 56. Abt. Am Montag, den 3. März beginnt für alle zur AliteiliMM gehörenden Parteifunktionäre nnd Betriebsverttau-nsleute ein Bortrags- turses über: Theorie nnd Praxis des Sozialismus. Bor- wagender: Genosse Gustav Fuß. Meldunaen sind zu richten an de« Genossen Max Kühn. Hussitenfir. 84. Der Kursus ist imcnlgeltlich. Wetterbericht bis DirnStag mittag. Ziemlich mild, zeitweise ailsiklarend, jedoch überwiegend bewölkt, mit öfter wiederholten, im Küftengebtet diel fach starke« Regen fällen und mäßigen westlichen Winden. Berantzo. tllr den redottion. Seil: Uthtt Hiittn, nerton iniutit'. Kr Siueiiteiu SS. fflletfc. Berlin. Bcrlaa: Borwärts-Berlag cd. m. b. 8., Berlin. Druck- Ber» wärlo-BuchSruckeret n. PerZagoanstall Paul Singer a, So. Berit», Linden ür. t, geti&n und Ratsch !m QroSea Sdiauspielbaus, Karlstr.- Schiflbauerdamm iaa neue MSrrprojramm Üscar! d. Kiria Lud tifcXeil.: Frlcdr. HollSnder. Fllmcanferencs tarrlkaturenfllm».Wait.Trier grdüaunit y/j, BtfinnS'/aUbi-, KreMZÄ Mbnta?. I. Märr, T1/, Uhr Das neuo Mürz-Pro�amia Ttivln d. Mannm. 1 UAIH d Flasche S" ulkige Dackelspiele osw. usw. 111' I Racbetanr derJT'" * i Panatbenlien 5' in„AphroJitc». 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