Ar. 118. 37.zahr«. Be,«gSpret», IBJO ML.«wnatt.M8®t trti m» Sau», osttra« ahldar. betuq Monatlich WO Ml. ttfl. Su- ftellanqoqebühr. Unter Rrtiüibanb für Dmtichland nnb Ocftrrrtid)• Ungern 8,76 Ml. für oas übrige Suoianb 13.— Ml» bei tänlid) einmal.?nlirllnng lt.— KU.+ Balnta-Auilchlag.«oft. beftrOungrn neb mm an Dänemark. Hollanb. ilnremburg, Schweben und die Schweiz, iiingeeragen in die«oft- ileirnng»»«reislifte. Der.«orwart»' mit bn Sonntag» beilege.Boll n. fctt* enchetm wachen» täglich iweunal. Sonnlago einmal. Abend-Ansgabe. (iSPfennig) Zeiegeamm�lbrekfe .SozlolbemakTal BecOn*. Oerlinev VolKsblc»t1 Zcntralorqan der rozialdcmokrati rehen parte! Deutfchlands «l»zei«eupreiS: Wt ochtgeivaltene RonpaeelNezeile Wietl— M. reneetmgozulchlag«0°/» �JUeina ttajclgea", das fett» gedruckte Wort 76«fg.(zuMIsig zwei fettgedruckte Worte), jede« weitere Wort 60«fg. Stellengesuche und SdtlaffteOenanjetgen da» erste Wort 86«fg. iedeo weitere Wort 40«fg. Worte Uder 15 Buchstaben zählen für zw« Worte. Tenernngozufchlag 50%. Familien» Anzeigen, politisch? und geweeischaftliche Verein»-«nteigen 1— Ml. die Feile ohne Aufschlag. Anzeigen für die n ä a, st e Nummer müssen dl» S Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft. Berlin SW88. Linden- ftratze 3, abgegeben werden. Deäfsn« non 8 Uhr srüh dio 6 Uhr abend». Keüaktioo unü Expeüitioa: EW. 6$, Linüenstr. 3. aernfprfrttrr:«mt«lormpla», Nr. l.'tl UO— 151»7. Donnerstag, den 4. März 19�0. vorwärtsoveclag G.m.b.£>., EW. 68, Linüenstr. Z. Hernfvrecher: vmi Mtortiivla«. Nr. 117 55—51. Der Wieöeraufbau Europas. Pari», S. Mär». Der tteuertuttmte englische votschafter in Woshingtnn. Vir> u ck l» n d G e h h e 1 erklärte de« Londoner Korrespondenten der.Chicago Tribüne." England werde bei der Friedenskonferenz die nbsolnte Notwendigkeit betonen. Deutsch- lnnd z n helfen sich wieder etnporznnrbeiten. Es werde Deutschland eine vnleihe bewilligen» da«it es setne» Berpflichtnngen nachkommen van«. In UebereinstimmmifZ hiermit veröffentlicht das„Haro- öurger Fremden blatt" eine Depesche des Pariser Abend- blattes„üa pressS. die den Beschinh des Oberst«« RatS antündigt, Deutschland sofort die Aufnahme einer Anleihe zu gewähren, die den Vorzug vor allen Kriegsentschädigungen haben soll. DaS fei die Basis, auf der unsere Industrie wieder aufbauen könne. Dieser Beschluß werde eine völlige Revision des Friedensver- t r a ges herbeiführen. Der Beschluß werde Ende dieser Woche veröffentlicht werden. Wir vermögen die Richtigkeit dieser Meldung im Augenblick nicht nmlsuprüferl und empfehlen daher, die Details des Pariser Organs mit Zurückhaltung aufzunehmen. » London, 4. März(TU) Nach de».Evening Standard" enthalte» dir gefaßten Beschlösse de» Obersten Rat» das Zngeständ- nis, daß D e n t f chl a nd mehr Rohstofse erhalten«sisse. Ferner ist der Ausschuß der Auficht, daß am Wiederaufbau der verwüstete» Gebiete Frankreichs ond Belgien» sich alle Böller beteiligen müssen. Bei de» Beratungen fällt eine scharfe Teilung der Ansichte» auf. Lloyd George»nd NIM wiedersehe» sich heftig Millerand» Forderuagen, die darauf hinauslaufen, daß Deutschland alle Bestimmungen de» Bersailler S ertrage» eestlo« durchführen müsse.__ vom französischen Eifenbahnersireit. Pari», 3. Mär». Die wegen de» Strrtkbeschl» and wegen «ufsorderung de» Militär» zum Ungeharsnm»erhafteten Sekretäre der Eisenbahnergewerkfchaften sind am Mittwoch. Wittag vorläufig wieder frelgelafse» nmrde». England und Sie Kriegsverbrecher. London, 4. März.(Moldang de» Hollandfth NieuwSbur«».) LuS einer Mitteilung Lloyd Georges im Unterhaus ergSt sich, daß zwar die Vertreter der britischen Gerichtsbarkeit den Verhandlungen in Leipzig beiwohnen, aber doch keinerlei amtlich« Rolle übernehmen werden. Sie werden lediglich zusehen, daß durch da» deutsche Gericht der Gerechtigkeit vr« Ge- rüge geleistet wird. Die Kabinettskrise in Amerika. Washington, 4. März.(Meldung de» Hollandich RtemvSbuveau.) In einem Schreiben an den Präsidenten Wilson ersucht Minister L art e um seinen Abschied. Er bringt in diesem Schreiben seine A>jährige Tätigtest in Erinnerung und sagt darin, daß die Atnro- sphäre in Washington besonder» dazu geeignet ist. daß man seine eigenen Interessen fördert, daß aber der weite Blick überall fehlt. Große Ersparnisse wären möglich, wenn nur die Beamten etwas mehr Bewegungsfreiheit und da» Reche zur Initiative häff�n, Ein Sieg öes Sowfetheeres. Zlmverdam, 4. März.(«. T.«.) Englische Blatt«»er. öffentliche» eine Reutermeldung au» Moskau, wonach a» der ttörd- lultrn KaukasuSfroat ein«rmeekorp, Denikin«»oll. ständig vernichtet wurde. DeuM» fei auf der Snbnnhnlb. wsel in etne.Mausefalle"«erate«. Die Zrage üer Kobinettsumbilüung. Di« Erörterungen über die Umbildung des Reichs- kübi netts, über die in der bürgerlichen Presse ausführliche Berichte verbreitet werden, gehen zurück auf das Betreiben g r o ß i n d u st r i e l l e r Kreise, die an der Politik des Reichswirtschaftsministeriums und der Reichsregierung, beson- ders in der Kohlenpreisfrage, Anstoß genommen haben. Bis jetzt bat daS Kabinett in dieser Frage noch nicht entschieden. Dagegen beschäftigen sich die industriellen Verbände wie natür- lich auch parlamentarische Kreise mit den Forderungen der Großindustrie. So hat der Reichsoeroand der deutschen In- dustrie entgegen seiner bisherigen zustimmenden Haltung zu der Preispolitik für den Kohlenbergbau in feiner geslrigen Sitzung dagegen Stellung genommen. Auf dem rechten Flügel des Zentrums macht sich ene gewisse Koalitionsmüdigkeit gel- tend, die es doch nicht daran hindert, einen Kandidaten für das wieder zu errichtende Reichsernährungsministerium in Aussicht zu nehmen. Im übrigen aber betont man. daß die Ministerien mit Fachmini st ern besetzt werden sollen. Was man sich darunter vorstellt, ist nicht recht ersichtlich, da man bisher von einer Kandidatur des Unterstaatssekretärs Moesle, eines Verwaltungsbeamten, für das Reichsfinanzministerium spricht imd"oon demokratischer Seite der Eintritt des preußischen Sijendcchmninisters Oeser m das ReichsverkehrSministerium propagiert wird, der weder Eisenbahnfachmann ist. noch seinen Aufgaben in Preußen gerecht wurde, wie daS erst jetzt im Ruhrkohlenrevicr besonders klar in Erscheinung trat. Es handelt sich also um Vorbesprechungen, die noch keine greifbare Form angenommen haben und über deren wichtigste Grundlagen erst noch inncrlialb der Partei gesprochen werden müßte. Von einer akuten Krise kann danach im Augen- blick noch keine Rede sein. »DaS den Vorschlag betrifft, daS ReichSSirtschaftS- Ministerium vom ReichSernähru-ngsmi niste- r i u m zu trennen und ersteres mit einem Groß- industriellen zu besetzen, so ist beideS für die Sozialdemo- kratie indiskutabel. Nachdem die Sozialdemokratie beim Rück- tritt Wissels aus sachlichen Gründen für eine Vereini- gung dieser beiden Ministerien eingetreten ist, wird man heute schwerlich dahin umlernen können, daß eine Zersplitte- rung der Wirtschaftspolitik von neuem notwendig erscheint. DaS widerspräche auch dem Bestreben, den Verwaltungsapparat der Regierung zu oereinfachen. Andererseits hat die Politik des Reichswirtschaftsministeriums in der letzten Zeit, besonders bei der Frage der Kohlenvreise, der Außenhandelsorganisation nen der gemeinwirtschastlichen Kapitalbildung sich derart nach der Gemeinwirtschaft orientiert, daß bei«ner Neu- bcsctzung dieses Amtes die Frage entscheidend ist, ob daS Reichs- wirtschaftSministerium zu einem Sachwalter der Gemeinwirt- schast oder zu einer pridatwirtschaftlichen Inter essenvertretung werden soll. DaS letztere wäre der Fall, wenn ein Großindustrieller dieses Ministerium übernähme, der seine Unternehmerinteressen nicht verleugnen kann. Hier wie irgendwo sonst muß der Aktionärgesichtspuntt aus der Politik voll und ganz ausscheiden. Darum ist zu fordern, daß das Reichswirtsckjastsministerium unter allen Umständen der Sozialdemokratie verbleibt, gleichviel, welche Person dabei in Frage kommt. Der sachliche Charakter dieses Ministeriums ist durch die Einsetzung des vorläufigen WirtschaftSrateS und durch dessen umfassende, unvoreingenommene Arbeit besser getvahrt. als durch einen einseitig nach der Unternehmersefte hin orientierten„Fachminister'. Wir hallen die Frage für wichtig genug,«m schon jetzt darauf hinzuweisen, daß eine Verschärfung deS Kampfes um dieses Ministerium die Koali tion einer schweren Belastungsprobe aussetzen würde. die Notlage üer presse. Wie unser Hamburger Korrespondent mitteilt, findet auf Ernladung des Reichskanzlers am Freitag, den 5. d. Mts., eine Konferenz der Vertreter der Länder statt, in der übe? die Notlage der Press« beraten und Be» schluß gefaßt werden soll._ j_ Zur Hebung üer Zleischversorgung. Der Aeutralverpaud der Fleischer hat eine Eingabe an da» ReichSwirtschaftSministeriu» gerichtet. In derselben wirb der Nachweis grführt, daß unsere Fleischversargung auf eine bessere Grundloge gestellt werden kann, wenn dieErfassuugdervvr» handene« Biehbestäude durchgeführt wird Unsere Landwirtschast erzeugt gegenwärtig pro Jahr über 600 000 Tonnen Fleisch ohne dasjenige Onantum. das die Erzeuger al» Seldstvee. sorger für sich brauchen. Funktionierte die Erfassung unser« Vieh. bestände auch nur eiaigermaßen, dann könnte ohne jede Ein» fuhr au» be« Auslände allgemein% Pfund Fleisch pro Sopfuud Woche verteilt werden. Gegenwärtig kommt eine Wochcnratio« von 100—250 Gram« zur«erteilung. Dazu muß aber die Reichsfletschstelle pro Monot 30 000 Tonnen eiuführe», weil die Erfassung f, jämmer- lich versagt. D« Betrag von% Millionen Mark, der sllr die eingeführte» 30 000 T-uneu Fleisch verausgabt wird, würde bei ordentlicher Erfassung srei. Dafür könatea alsdann Futter- mittel au» dem Ausland eingeführt werden. Auf diese Weise könnte sich der deutsche Viehbestand in kurzer Zeit so weit heben, daß pro Kopf und Woche ein Pfund Fleisch zur«er. teiluug gebracht werden könnte. Nm die Ersaffung der Viehbestände rcstloS vornehme« zu können, wird gefordert die genossenschaftliche Oegani- fieeung der Erzeuger zu begünstigen. Durch Abschluß von LieferungSverträgen sollen die Etädte mit den Erzengerge- nossrnschaften in direkte Beziehungen treten, um der Großstadt- bevölkerung unter Ausschaltung aller Zwischeninftanze» das Fleisch so billig wie möglich liefer« zu können. Eine der Zeit entsprechende Preisbildung müsse Hand in Hand gehen, um die Landwirte zur Ablieferung deS im voraus festgesetzten Quantums von Schlachtvieh zu veranlassen. Nach de, Aufstellung deS Zentral» verbände» der Fleischer könnten pro Jahr erfaßt werden: 3 351 082 Schweine 144529, Schaf« 2 800 000 Kälber 2 463 575 Rinder. I» de« Monaten Januar— September 1910 kamen ab««ue 577 137 Stück Schweine auf den öffeutlicheu Schlachthöfe« zur Ab- schlachtung. Die vermehrte Erfass«»« soll«ebe» der bessere« Fleischvee- sorgung der Bevölkerung de» Fleischergcfellea auch vermehrt« > e b e i t bringe». Der Rattenkönig. Ergebnisse des sozialdemokratische« Uutersnchnngs« ausschusses. Von W. Sollman«. Der sozialdemokratische Untersuchungsansschuß zu dem sogenannten„Fall Skia rz" hat seine Arbeiten beende: Ein sehr ausführlicher Bericht über die Anklagen und Zeugenaussagen befindet sich im Druck. Die vielen Zeitungen, die monatelang Spalten ihres kostbaren Raumes zur Begeiferung der.Lorruptionssozialisten" geopfert haben. werden die Erlaubnis erhalten, unsere unparteiisch gelxiltenc Broschüre über das Untersuchungsergebnis honorarfrei ab- zudrücken. Ich bezweifle aber sehr, daß der politische Tugend bund, der sich unter dem Protektorate Maximilian Hardert* und unter begeisterter Mitwirkung der Deutschnotionalen der Unabhängigen«nd etlicher Pendol-Demvkraten zur Ausrottung korrumpierter Sozialisten zusammengetan hatte. an dem„Falle" Sklarz-Sche idemann noch sonderlich Freude empfinden wird. Viele Parteigenossen haben mich, als den Vorsitzenden de» sozialdemokratischen Untersuchungsausschusses, um eine öffentliche Meinungsäußerung gebeten. Ich glaube, jetz: nach dem Abschluß der Untersuchung, diesen Wunsch er füllen zu dürfen. Niemand wird mich als„befangen" ableb nen können. Von keinem der Beschuldigten habe ich je den geringsten Vorteil erbeten oder erhatten. Unseren Berliner Parteiführern stand ich und stehe ich persönlich sehr fern, politisch nicht immer zustimmend gegenüber. Nur zu einem der Ankläger, dem Genossen Davidsohn, unterhalte ich seit langen Jahren freundschaftliche Beziehungen. Ich werde sie ihm auch nicht kündigen, obwohl er die Hauptschuld daran trägt, daß ich monatelang mich mit dem elendesten, klein- lichsten, gehässigsten, d ll m w st e n.M a t t e n k ö n i g" von Klatsch und Tratsch beschäftigen mußt«, den nur jemals Neid und Pharisäertum. Leichtfertigkeit und Böswilligkeit zu- sammengetragen haben. Ich gesteh«, bedenklich gewesen zu sein, als ich fern von Berlin wochenlang die großen„Enthüllungen" las. Als ick dann die vielen Blätter des Sonnenseld-Baumeisterschen Materials zum ersten Male durcharbeitete, wurde mein Miß trauen, daß hier für die Partei böse Dinge vorliegen könnten. nicht geringer. Ich wurde noch sorgenvoller, als Bau- meiste? dieses Material nur als einen winzigen Teil des Beweisstoffcs bezeichnete und Davidsohn mir gewichtig sagte, daß noch„Aktenschränke" davon vorhanden seien. Nichte von diesen.Aktenschränken" ist dem Aus- schuß vorgelegt worden. ES ergab sich bald, das; überhaupt kein anderes„Material" vorlag, als die Bruck»- stücke, die zetteSveise seit Wochen an die bürgerliche Presse — durch wessen Schuld, sei nicht untersucht— geliefert toor den waren. Sonnenfeld, Baumeister»nd Da vidsohn hatten sich schon vollkommen ausgegeben, als sie vor dem sozialdemokratischen Untersuchungsausschuß erschienen. Ihre Ver- nehmung und die der von ihnen benannten Zeugen war de-? halb nicht nur rein negativ, sondern eine beinahe ununterbrochene Preisgabe oder Abschwächung von Behauptungen. die bis dabin mit unfehlbarer Gewißheit durch tausend Zeitungen ins Land geschleudert waren. Vor dem �Untersuchungsausschuß gab Herr Sonnenfelt ohne dazu genötigt zu sein, die Erklärung ab, daß er i e- mals Beschuldigungen g e g« n führende Par teigenossen erhoben habe. Leichthin rückte er von der ungeheuerlichen— doch aus seinem Kreise in die Pressi gegebenen— Behauptung ab, daß Sklarz und Scheidemann gemeinsam eine hohe Summe für die Ermord n na Liebknecht? und Luxemburgs ausgesetzt bätten Seelenruhig sagte Herr Sonnenfeld, er habe niemals g glaxibt, daß Genosse Schei bemann eine solche Belohnung ausgesetzt habe, traue das Scheidemann auch nicht zu. Er habe nur die Absicht gehabt, einen Bramarbas in der Umgcbut.- Scheidemanas bloßzustellen. Zu diesem löblickfen Zwecke wird also eine verbrecherische Sensationsnachricht durch die Presse von Lissabon bis Wladowostock und von Aokohama bis New Aork gejagt und von Millionen Menschen gläubig hlpgeuvmrnen, obwohl sie der Urheber selbst nicht glaubt. Der sozialdemokratische Ausschuß hatte leider nicht den Vorzug, den jungen Herrn Sonnenfeld vernehmen zu kvn- nen, weil dieser sich wegen angeblicher Defraudationen in Holland in Haft befand. Vielleicht ist er der„Wissende". nach dein der Untersuchungsausschuß vergeblich gefahndet hat. Einiges Mißtrauen wird aber gegen diesen Herrn schon deshalb berechtigt sein, weil seine Sehnsucht auf„einen Umsturz nach rechts" gerichtet ist und der sein Material vor allem für die Deutschnationalen, namentlich Westarp unb Schulenburg, bestimmt hatte. Daß Davidsohn und Baumeister aus eigenem von den ganzen Geschichten so gut wie nicht? wissen, sondern sie nur mit einem starken Glauben weite? getragen hoben, ist von ihnen selbst bekundet worden. Tovidsohn» Hauptzeuge, ei« Genosse Friedländer, hat vollkommen versagt und feierlich erklärt,„d aß er weder Scheidemann noch Eberl oderandere führende Parteigenossen etwas vorwerfen kann". Baumeister hat vor dem Ausschuß unaiffgefordert dieselbe Erklärung wiederholt und unzweideutig abgegeben. Für die Stichhaltigkeit des„Materials" ist eine ge- radezu toll erfundene Räubergeschichte lehrreich, die Bau- meister— allerdings„ahne Gewähr"— dem Ausschuß vortrug. Aus angeblich in einer Kopenhagener Gesandtschaft gestohlenen Briefen sollte hervorgehen, daß Scheidemann an großen Schiebungen mit Niesengewinnen beteiligt sei. Für jeden normalen Menschen war die Sache als kompletter Schwindel klar erkennbar. Trotzdem bekam der Gauner Geld von Baumeister zu einer geheimnis- vollen Reise an die dänische Grenze, um dort die Original- briefe zu holen. Als der Schwindler natürlich ohne die Briefe zurückkam, weil diese gar nicht existierten, mußte er im Beisein Baumeisters— ich glaube, auch Davidsohns— die Briefe„a u S dem Ge'dächtniS rekonftruie- r e n". Jetzt sitzt der Kerl in Numero Sicher. Er hat in- zwischen gestanden, daß er das ganze Material erfunden hat. um Geld zu verdienen. Es ist mir unbegreiflich, wie alte Parteigenossen mit einem solchen Subjekt auch nur eine Minute über die Ehre sozialdemokratischer Parteiführer ver- handeln konnten.( Daß Sklarz gewagte Geschäfte gemacht hat, ist möglich. Ich weiß es nicht. Da er nicht Sozialdemokrat ist und ich nicht Staatsanwalt bin, brauche ich mir nicht daS Gewissen mit der Frage zu beschweren, ob er nur ebenso viel oder noch mehr die Konjunkturen ausgenutzt hat, die während des Krie- ges ja viele Christen, Juden und Heiden zur Anhäufung des -sündigen Mammons verleitet haben. Dafür aber, daß füh- vende Sozialdemokraten Deutschlands an den Geschäften von Sklarz oder Parvus irgendwie beteiligt seien, wurde vor dem Ausschuß ein Beweis auch nicht einmal ver- sucht. Begünstigung dieser beiden Geschäftsleute durch fozialdemakratische Regierungsmänner wurde von Davidsohn behauptet, jedoch ohne den Schatten eines eigenen Be- weises. Der in Druck befindliche Ausschußbericht bringt für jeden einzelnen Fall die Behauptungen und die Zeugenaus- sagen. Ich glaube, die beschuldigten Parteigenossen werden das Urteil der Oeffentlichkeit ertragen können, zumal wenn verständige Menschen den Wirrwarr der Rcvolutionstage vom November 1918 und die tollen Spartakustag« vom Januar 1319 in Berlin noch nicht ganz vergessen haben. Nur zweierlei sei im Vorbeigehen noch gestreift: die Lebensmitte-lsendungen an sozialdemokratische Parteiführer und deren„Schmausereien" bei Sklarz. Diese berühmten Lebensmittelpaketchen— wer hat während des Krieges von seinen Rationen gelebt?— stammten gar nicht von Sklarz. / sondern waren Liebesgaben dänischer Parteige- Nossen, wie der dänische Gewerkschaftsführer Kieser in Gegenwart DavidsohnS bekundete. Und die Schmausereien. die Gelage? Scheidemann, Ebert, Noske und die übrigen würden sich dem Verdachte des Schlemmens nicht ausgesetzt -haben, wen-n sie, wie Davidsohn und ich, vor anderthalb Jahr- zehnten dem Abstinenten-Arbeiterbunde beigetreten wären und seitdem unentwegt Wasser getrunken hätten. Einige Schnäpse, etliche Glas Bier, vielleicht sogar eine Flasche Wein scheinen mir allerdings erwiesen zu sein. Für die Er- Zählungen aber, daß sich sozialdemokratische Parteiführer bei Sklarz„durchgefressen und durchgeso-ffen" hätten, suche ich vergeblich auch nur die Spur eines Beweises. Daß sich Fa- milienangehörige ScheidemannS auf Kosten Sklarz' im Aus- lande aufgehalten, hat sich als vollkommen unwahr heraus- gestellt. Man hat angeftindigt, daß, wenn Erzberger erledigt sei, auf Grund des Falles Sklarz die sozialdemokratischen Würdenträger an die Reihe kommen würden. Keine Sorge: ich glaube nicht, daß irgendein kluger Mann mit Sonnenfeld Vater und Sohn im Bunde sozialdemokratische Negierungs- Die Einigung und Erweiterung öer Serlmer Zreien Volksbühnen. Während an so vielen Stellen leider zu beobachten ist, wie der Parteisttcit Arbeiterorganisationen, auch wenn sie nicht po- litische Zwecke verfolgen, auseinanderreißt und zersplitteri, kündet sich in der Berliner Volksbühnenbewegung erfreulicherweise eine Bereinigung der beiden bis heute noch nebeneinander bestehenden Organssationen, der„Freien Volksbühne" u-nd der„Neuen freien Volksbühne", an. In beiden Vereinen wirken Anhänger der ver» fchiedenen Parteirichtungen zusammen; auS beiden war et mög- Itch. den Parteigeist fernzuhalten. Die beide» Volksbühnen, die jetzt vor der Verschmelzung stehen, sind nicht Arbeiterorganisationen m dem Sinne, daß sie ihre Mitgliedschaft auf Arbeiter beschränken; sie wollen ollen, die nach Kunst hungern und nicht imstande sind, ihre lheaterbedürf» nisse in den Geschäftslheatern zu befriedigen, die Möglichkeit schaffen, in regelmäßigem Turnus gut« künstlerische Darbietungen gegen einen villigen Einheitspreis*u besuchen. Die gewattige Verteuerung gerade auch des Theaterbetriebes—«s gibt in Berlin kaum noch ein gutes Theater, in dem ein mittelguter Platz in einer Abendvorstellung unter lv bis 15 Mark zu haben ist— Hot es mit sich gebracht, daß auch breit« Schichten von selbständigen ßiewerbetreibenden, Beamten usw. auf die Volksbühnen angs- wiesen sind, wenn sie sich«ine-n Theaterabend gönnen wollen. Die Volksbühnen faben sich natürlich ebenfall» gezwungen, die Ver- keuerung aller Betriebskosten durch«ine Erhöhung ihrer Beiträge auszugleichen; aber w«-nn sie künftighin auch 8,50 M. für jede Abendvorstellung und 2,60 M. für jede NachmittogSborstellnng «fordern müssen, so bedeutet da? doch noch eine ganz wesentliche Erleichterung d«S Theaterbesuchs für die weniger bemittelten Kreise. Es wäre hart und sinnlos zugleich, diese Erleichterung denjenigen vorzuenthalten, die nicht Lohnarbeiter im«ngeren Sinne sind. Elleichwoh-I bestehen zwsschen den Berliner freien Volksbühnen und der Arbeiterschaft besonder» enge Beziehungen. Wie die VoLkSbühnenbeweguna herauswuchs aus den für die Be- freiung des Proletariats wirkenden Kressen, so blieb diese Ver- bindung auch in der Tradition ledendtg und wirkt u. a. noch beute darin nach, daß sich das Rückgrat der Organssationen, die Ordner- schost, durchweg aus Arbeitern zusammensetzt, die durch ihre gs» werkschoftliche und politische Botätigung sich das Vertrauen der Kollegen erwarben. Noch in einem anderen, einem höher«» Sinne besteht eine Verbindung zwischen der Volksbühnenbewegung und den auf die wirtschostliche und soeiale Befreiung der Arbeit« gerich»«>en Bestrebungen. Die Volksbühnen wollen nicht nur Organisationen zur Vermittlung billiger Tbeaterborstallungen sein; sie wollen darüber hinaus noch mehr: Einmal sind sie bestrebt, die Soziali- sserung des Theaters vorz-ubereiren, indem sie, soweit möglich, das private Unternehmertum aus dem Theaterbetrisb ausschalten, in- tan sie an die Stelle des GeschastScheaterS eine genossenschaftliche ; männer vor die Schranken fordern wird. Das geheimnis- � volle beweiskräftige„Material" ist eben nicht da. Auch de: große Wichtigtuer Maximilian Horden hatte für seine auf- geputzten Artikel nicksts anderes als Geschichten, die keiner Untemichnng standhalten können. Wer dieses„Material" kennt und die daraus zusammengepickten Tüngerkörner der „Zukunft" sich anfielst, wird nicht ahne Bewunderung die Me- thode erkennen, die ans Mist Geld zu machen versteht. Mag vor einem Gerichte, das eidlich vernehmen kann. der eine oder andere Varfall schärfer erscheinen, als der sozialdemokratische Untersuchungsausschuß ihn sehen konnte. Das ist möglich. Aus dem Fall Sklarz aber mit Berechti- giing eine Korruptionsaffäre für sozialdemokratische Partei- führer zu machen, wird schwerlich jemandem gelingen. Heuchelei. Die Rcchlsparteicn der Nationalversammlung, Deutsch. nationale und DeutscheVolkspartei. haben einen gemeinsamen Antrag eingebracht, wonach die Nationalversamm- lung folgendes beschließen soll: I. die ReichSrecmrung zu ersuiben: 1. alsbald miizuieilew w e lals bisher diesen Soziasisserungsbestrebungen Verständnis und Unterstützung zuteil werden zu lassen. weinvordtS olmerikaplän« sind noch nicht soweit gidl-öen. wie e« die.Lichtlpielbübne* berichtete. Es liefen>»r verschieden««nlrag» süx einze'ne?>nizki!ieilmgen in Amerika roi. Auw will sich der Lecker deS Deul'cken jtenlci» nur für eine Zeit binden, wahrend deren er leiner Tätipteit an dieser Bübne nicht enlzoften wird(also in den Ferienmonaten?). Nene Wrgrurr-KikmS. Paul Wegenor wird in dieser Sasson bei der .Union- zuiammen mit NochnS Dliele»wci(irolie fttirns herauSbrmgen: .Wie der Golem in die Welt Inm" und»Der wUöe Lüger., Prozeß Erzberger- Helfferich. Staatsanwalt und Verteidiger. Kur, nach QU Uhr eröffnete Landgerichtsdirettor B a u m b a ch die Sitzung. ReichSfinanMinister Erzberger ist vorläufig nicht er- schienen Sofort ,u Beginn der Verhandlung erteilt der Vorsitzende dem Ersten Staatsanwalt v. Clauscw-tz das Wort zu feinem Plä- doyer über das Thema der Nnwahrhaftigkeiten. StaatScmtvsll v. Clause Witz: Wenn ich in meinem Plä- twtzer noch mehr als bisher dt« Person des Herrn Neben- ilägers in den Vordergrund stellen mutz, so ergibt sich das aus der Verschiebung, die in den.Beleidigungsprozessen stets eintritt In seinem Schlustwort in der Broschüre erhebt der Angeklagte gegen den Nebenkläger den Vorwurf, dast er nicht nur in� einem oder dem anderen Fall von der Wahrheit abgewichen sei, sondern das; er einen Hang zur Unwahr haftigkeit habe, dcrst er gewohnheitsmäßig lüge, daß er also einen unwahren und un- lauteren Charakter besitzt. Das ist ein schwerer Vorwurf gegen einen Staatsleiter. ES ist unschädlich für die Führung deS Wahr- heitSbeweiseS. wenn in dem einen oder anderen Falle die Beweis- sührung nicht gcglückt ist. Wenn der Komplex des Erwiesenen so umfangreich ist, daß damit ein Hang zur Unwahrhaftigkeit erwiesen ist, dann genügt auch die teilweise Beweisführung. Staatsanwalt v. Clausewitz erklärte dann, daß mit Rücksicht auf die Schädigung der N e i ch S i n t e r e s s« n die Erörterung des Vorwurfes der gemeinen Lüge hinsichtlich der belgischen Pol!» t i k des Angeklagten auf Verzicht von beiden Seiten unterblieben fei. Der Staatsanwalt geht dann astf die einzelnen Fälle in denen der Vorwurf d«r Unwahrhaftigkeit erhoben wird, ein. Der Fall Pöplau sei zwar eine alte Geschichte, aber eS s« trotzdem gelungen, den Sachverhalt einwandfrei festzustellen. Die Staatsanwaltschaft entscheide sich für die Aussage der Erzelleuz v. L o e b e l l. DaS Verhalten Erzbergers in diesem Fall er- scheine widersvruchSvoll. Di« Staatsanwaltschaft hält in diesem Fall den Beweis der Wahrheit für erbracht. Ter 17. Januar 1916. Der Abg. Erzberger hat in einer feiner Reden den Staats- sekretär Helfferich den.leichtfertigsten aller Finanzminister" bezeichnet. Staatsanwalt v. Clausewitz geht des näheren auf d i e politisch« Lage jener?«it ein und beschäftigt sich dann mit dem Standpunkt, den der Abg. Erzberger damals eingenommen habe. Die Richtigkeit der Angaben Erzberger? müsie man b e- zweifeln, wenn man besonders auf das Zeugnis feine? Frak- tionskollegen Exzellenz Spahn Bezug nehme, das in verschiedenen Punkten für den Nebenkläger sehr u n g ü n st i g war. Der Zeuge Spahn sagte, daß Erzberger überhaupt keine Steuer- vorlagen wollte. Wenn dies richtig war, so gewinnt das ganze Verhalten Erzberger? im Sinne der Behauptungen HelffenchS ein eigentümliches Licht. Wenn Erzberger in seiner Fraktion damals mitgeteilt habe, die Regierung stehe nicht hinter der Steuerbar- läge, so bat sich aus dem Zeugnis d«s Reichskanzlers van Bethmann Sollweg die WahrbeitSwidrigkeit dieser Mitteilung ergeben. Der N«hen?äger konnte gar nicht im Zweifel darüber sein, daß Bcthmann Hollweg hinter der Vorlage stehe. Was er seiner Fraktion mitgeteilt habe, beweise nur, daß er dem Staats- spkretär S e I f f e r i ch in seiner Steuervorlage ein Bein stellen wollte. Die Staatsanwaltschaft hält auch in diesem Falle den Be- weis der Wahrheit für erbracht. Was die Vorgänge im Frühjabr 15)17 anbetrifft, so hat Helfferich behauptet, Erzberger babe seine Friedensaktion auf Anstiften des österreichischen Kaiserhauses be- gönnen. Erzberger hat dagegen behauptet, er fei im Auftrag« der deutschen Regierung gefahren und es fei ihm durch feine Geschicklichkeit gelungen, einen voizeitigen Friedensschluß zu der- hindern. Diese Angaben bat Helfferich wiederum al« unwahr bezekchnet. Fn der Kauptverhandlunq hat Erzberger seine Angaben in der.Deutschen Allgemeinen Zeitung* etwas eingeschränkt, indem er nicht mehr behauptet hat, von Bethmann Hollweg den Auftrag zur Reise nach Wien erhalten zu haben und in dem er er- klärt hat, von Herrn v. Bergen gehört zu haben, der Regierung sei eS erwünscht, wenn er nach Wien fahre. Auch in diesem Punkt hält die StoatZanwaltschokt den Beweis für die Behauptung des Angeklagten für erbracht. Die FriedenSrefolution. Der Angeklagte hat behauptet, das; die Erzbergersch« Friedensaktion und Friedensresolution der An- fang vom End« sei. Erzberger dagegen hat erklärt, hast seine FredenSaktion und Resolution mtt Hilfe der Regierung erfolgt sei. Ter Angeklagte wiederum hat diese Behauptung als Lüge be- zeichnet. Der Erste Staatsanwalt schildert ausführlich die p o l i- tische Lage im Fuli 1917 und gibt insbesondere eine Dar- stellung der Unterredung zwischen dem Angeklagten, dem Abgeordnejen Spahn und dem Ministerialdirektor L e w a l d. Da- für. daß di« Regierung tatsächlich von Erzberger? Vor- geben am 6. Juli auf» höchste überrascht worden ist, sprechen verschiedene Momente. Auch in diesem Fall hält die Staatsanwalt. schost den Nachweis dessen, waö Helfferich behauptet hat. für erbracht.� Nun möchte ich die Frage anfwerfen, ob TrzbergerS Verhalten in dieser Sacke ein offene, war? Da« muß ich in A b r e d e stellen. Aui den Vorhalt BctbmannS:„Sie überfallen mick sa wie Ziethen aus dem Busch*, hat Erzberger erklärt:„Meine Rede ist ja gar kem Vorktoß aegen die Rea-eruna. si« bezw-ckt vielmehr, eine iraa- fähige Mehrheit für di, Regierung zu schaffen.* Run ist aber einwand? frei festgestellt, daß Erzberger in einer Unterredung am Morgen des nächsten Tage«, am 7. Juli, in Gegenwart des Oberstleutnant Baue? zu dem Abg. Stresemann genau da? Gegenteil von dem gesagt bat, was er Bethmann gegenüber äußerte. -�enn Erzberger bat in dieser Unterredung erklärt, die Regierung de» Kanzlers müsse gestürzt werden, Bethmann sei bis zum nächllen Dienstag besorgt. Dieie Unterredung ist dem Nebenklägr ofsenbar sehr peinlich, denn er konnte sich auf sie nicht genau betirmen. Fm Fall Richter hat Erzberger zunächst auf ein« Frage des Angeklagten, ob er al, Minister an geschäftlichen Unternebmunaen beteiliat sei. dies z-unäch-st in Abrede gestellt, dann hat sich aber herauSn«stellt, daß die Richter'che Fabrik erst beoründet wurde, als Herr Erzberger si» schon in amtlicher Tätigkeit befand. Diese Aussage de, Nebenkläger, erscheint danach bedenklich. Fall Thttsscn. Reckt b�edenklich sind die Angaben des Nebenklägers im Falle Tb v I se n. In d-nn Vorderkithren hat Erzberger erklärt, bc* 6:9 Aunr(�inttTh in den Aussicht 9 rat der Firma Berflep keine geschäftlichen Beziehungen zwischen ibm und Thvssen bestanden. Tonn hat Erzberger eneroisch be st r i t t e n. daß schon vor der Gründun" der G. m. b. H. für das Kowastitverfabren, ThvUen für doS Unternebmen Mittel zur Verfügung gcftellt bat. Die Beweisaufnahme hat aber eraebsn. daß zwischen Thyssen und Kowanch schon im Jahre 1912 peschäftlicke Beziehungen de- standen haben, daß Tbossen 1913 für die Vornahme von Spreng. v-rsucken Mittel zur Verfügung gestellt hat. und daß im Jahre 1914 ein lose» Konsortium aaaründet worden ist. Jall Berner. Ebento hedenklick ist die DnSsooe des Nebenkläger, im Fall Derger, in den er auf d!e Frage de, Angeklagten, ob schon vor seinem Eintritt in den AufsicktSrat der Firma Berger er sich in gewisser Hinsicht der Firma Beraer gegenüber zum Eintritt in den AuksichtSrat gebunden habe, erklärt hat. daß er während seiner schiedsrichterlichen Tätigkeit sich in keiner Weise ge- bunden hatte. Die Staatsanwalischaft sieht den Beweis für die Behauptungen eines Hanges zur Unwahrheit als nicht erbracht an. Erster Staatsanwalt v. Clausewitz wendet sich dann zu der Vehaup'ung des Angeklagten der gemeinen Denunziation zu. Es wurde in der Nanonalversammlung mit der Nennung von Namen gedroht. Der Nebenkläger sagte, er Hobe dabei eine Liste von Namen vor sich gehabt, diese Namen habe er gemeint, Helfferich habe sich aber nicht dabei befunden. Tie /Staatsanwaltschaft hält mch in diesem Fall den Vorwurf der Denunziation für erbracht. In den Fällen Jahnke und im Falle Düsterberg habe sich gezeigt, daß der Nebenkläger sich auf eine nicht anständige Art und Weise in den Besitz von Briefen gesetzt hat. Besonders zum letzten Fall erklärt Staatsanwalt v. Clausewitz. er hätte den Brief aus Spaa in den Papierkorb geworfen und hätte sich den vor- genommen, der es gewagt habe, ihm eine solche Mitteilung zu machen. Auch in diesen Fällen hält die Staatsanwaltschaft den Wahrheitsbeweis für erbracht. Oberstaatsanwalt Krause zum Fall Tombrowsti. Im Anschluß an das Plädoyer des Ersten Staatsanwalt v. Clausewitz ergriff Oberstaatsanwalt Krause noch einmal das Wort, um aus den Fall DombrowSki zurückzukommen. Dieser Fall sei so interessant und bemerkenswert, daß man daran nicht vorübergeben könne. Der Oberstaatsanwalt schilderte aus- führlich, wie der Brief in die Hände des RedafteurS DombrowSki vom„Berliner Tageblatt* gekommen sei und darauf die Notiz mit den'chwersn Anklagen gegen Helsscrich erschienen sei. Zur Frage der juristischen Folgerungen führte Oberstaatsanwalt Krause aus: Es muß eine Verurteilung auf Grftnd des§ 186 erfolgen. Die Angriffe in der Broschüre sind in schwerste Formen gekleidet und teilweise in rohen Schimpsworten erfolgt, sie sind also ein« formale Beleidigung auf Grund de?§ 18S. Der Angeklagte ist also sowohl aus§ 186 wie aus§ 185 in idealer Konkurrenz zu verurteilen. Die Frage des Schutzes aus§ 193 muß verneint werden, denn der Angeklagte war der Angreifer. Die Strafe, die den Angeklagten trifft, wird eine Geldstrafe sein. Der Angeklagte glaubte, überall Erzberger zu wittern. Er hat sich trotz seines scharfen Blickes darin auch manchmal ge- täuscht. Der Strafantran. In Berücksichtigung aller dieser Umstände, sowie der günstigen Vermögenslage des Zlngeklagten beantrage ich gegen ihn 300 M ark G e l d st r a f e sowie Publikationsbefugnis und U»- brauchbarmachung der Platten der Vrolchüre. Vors.: DaS Wort haben die Vertreter des Nebenkläger». Gcheimrat v. G o r d o n: W:r verzichten dvrauf zugunsten des Verteidigers de? Angeklagten und werden am Freitag daS Wort ergreifen. Rechtsanwalt Alsberg: Wir werden diesen Verzicht, obgleich er zu unseren Ungunsten ist, akzeptieren müssen, weil wir kein Mittel haben, ihn zu bekämpfen. Hierauf tritt die Mittagspause ein. Nach der Mittagspause erhält Rechtsanwalt Alsberg daS Wort zu seinem Plädoyer. Pla, doyer Dt. SllsbergS. Oberster und heiligster Grundsatz des Beamtenrechtes ist, die Uneigennützigkeit des Beamten in bezuq auf alles, waS mit der Amtsführung in Zusammenhang steht. Mit besonderer Schärfe ist eS zu verurteilen, wenn ein Abgeordneter nicht nur seine Macht- stellung ausnutzt, sondern sie direkt mißbraucht. Rechtsanwalt Alsberg geht dann auf die einzelnen Fälle der Vermifchuriq politischer Tätigkeit und eigener Geldinteressen ein und erörtert zunächst die Tätigkeit Erzbergers für den Thyssen. Konzern. Wenn Herr Erzhergsr selbst cm die Politik glaubte, di« er uns hier in den ersten Verhandlung-tagcn vorgetragen hat, so müßte er selbst sagen, daß seine Tätigkeit für Thyssen ihm den Blick für das politisch Richtige getrübt hat. (Schluß in der Morgenausgabe. Wirtschaft. Der Wucher mit Zündhölzer«. In der.Deutschen Zündwaren-Zeitung' verwahren sich die Fabrikanten gegen den Vorwurf des Wucher, und weisen auf den sogenannten»r e e l 1 e u* Handel hin. Sie schreibt: Tie einiachste Ueberlegung sollte genügen, um sich zu sagen, daß an der Erzeugung? st eile ganz genau festgeitelli werden kann, wen die Fabrik beliefert. Und nichts anderes wird sich aus >bren GefchäiiSbüchern ergeben, als daß e» ihre alte R» n d s ck a i r ist, die sie veriorgt. Die Stelle, wo das Schieber- tum und der Wucher einzusetzen vermag, ist bedauerticherweise der—„reelle" Handel. Bediente dieser.reelle* Handel seine Kimd- schaft so, wie der k-abrilant ihn, so könnte es keinen solchen Straßen- bände! mit Zündböizern geben. Aber weil so vielen in dielen Zeit- läusien die laufmännische Vcrujehre abbanden gekommen ist. so balten sie die Ware der Kundschaft, der sie nur den Höchsipreis ab- sordern könnten, vor und warten aus den Schieber, der ibnen daS Doppelte und Dreifache dafür zahlt, um sie für das Fünf» und Sechssache dem Siraßenhandel zuzufübren. Der Fabrikanr ist leider nicht in der Lage, die dunklen Ehrenmänner seiner Kundschast festzlistellen, die dielen Z ü n d- bolzwucher treiben. Wäre er das, so wären diese Leute zum längsten seine Kunden gewesen. Wo die Belieferien die Ware lassen. dem gebe die Reqieiung einmal ernstlich nach und des Rätsels Lösung wird nichi mebr ein Gebeimn', sein. Da sich niemand scheut, Zündhölichen zu Wucherpreisen Sffent« lich auszubieten, so müßte e,«>n leichieS sein, von diesem Ende an den Knäuel aufiiiwickeln. Man fasse nur zu und frage nach dem Lieieranlen. Zwischen den peheimen Anbietern von Zündhölzern und Fabrikanten wird sich schon ein Ehrenmann finden, der vor das Wucheramt gehört.*____ GroßBerün Um üas Tempelhofer 5elö. Vor kurzem wurde hier neuerdings dem Gedanken Raum ge- geben, die östliche Hälfte de» Tempelhofer Felde» mit möglichster De- schleunigung für BesiedlungSzwecke freizugeben. Nun glauben aber die Berliner Ballspielvereine sich ein gewisses Benutzungsrecht für dieses Feldstück durch langjährige Gewohnheit erworben zu haben und agitieren dafür daß ibnen das Feld überlassen werde. Unter anderem übersendet uns der Geschäftsführer deS Verbandes Berliner Ballspielvereine eine längere Ausführung, auS der wir folgendes wiedergeben: „Als man erstmals den Gedanken der Bebauung de» östlichen Tempelhofer Feldes im„Vorwärts" erwog, ging man wohl von der Annakme auS, daß die Gra�narb«.-rh-,lten bleibt und für Bebauung mit Lauben die weite? östlich gelegene Fläche, dw biSfer Kavallerie. Übungsplatz war, genommen werden sollte. Erst jetzt sieht man, daß«S sich bei dem Bebauungsplan um de» festen lllaturboden handelt, der heute Tausenden von Großstädtern als Erholung dient und weiteren Tausenden LeiboSübung treibenden Jünglingen När- kung durch Tummeln auf grünem Rasen bringe Ist erst dieser einmal gefallen, ist keine Macht imstande, ihn' wiederherzustellen. Der Spielplatzverband Groß-Berlin und der ReichsauSschuß als Vertreter der LeckeSübungtorganisationen fordern mit aller Macht Spielplatz«. Nur geringe AuSmasje pro Kopf der Bevvllerung wer-. den verlangt und dennoch sind 500 Hektar allein für BerNn erforder. lich. Das Tempelhofer Feld, die einzig« noch vorhandene Freifläche Berlins in größerem Maße, ist berufen, einen großen Teil hiervon zu stellen und alles das nachzuholen, WaS versäumt wurde. Die �.''s muß gestellt werden, der Jugend muß geholfen werden, soll sie nicht gänzlich Verkümmern. Und nun die letzte, aber trostlose Erscheinung DaS Tempelhofer Feld stand b'sher unter Militärverwaltung, jetzt gehört e>s der Schatzverwcvltung. Und diese hat den Vereinen jetzt Nachricht gegeben, daß das Tempelhofer Feld für Leibesübungen gleichfälls nur nocb gegen Pacht zu haben sein soll. Pro Quadratmeter soll 2 M. der übliche Pacht- preis sein.* Von anderer Seite wird dazu gemeldet: DaS Reichsschatzministerium gedenkt, von den Fußballs portvereinen, die das Tempelhofer Feld zu Uebungen.benutzen. und ihrem Training bisher ohne irgendwelche Unkosten obliegsn konnten, in Zukunft eineP achtgebühr zu erheben. Hiergegen haben sich die davon betroffenen Sportvereine in der Oekfentlichieit gewehrt, mit der Begründung, dckß die Ausübung de» Sports zur Hebung der Volksgesundheit dienen und deshalb nicht besteuert werden kann. Gegen eine solche geschäftsmäßige Ausnutzung wäre natürlich sehr viel einzuwenden. Wenn das Relchsschatzministerium glaubt, nicht ohne die Pachtgebühr auskommen zu können, sollte eS einen entsprechend günstig gelegenen Teil für Gärten, und Laubenzwecke verpachten und einen AnsiedlungSplan aufstellen, der im grünenden Nahmen auch den Ballspielvereine.i Platz zu UebungSztvecken läßt. So wäre beiden Teilen geholfen: den Garten» und den Sport- freunden. An Methylalkoholvcrgiftunz starb der 40 Jahre alte Zimmer» mann Otto V o l k m a n n aus der Kösliner Str. 3. Der Mann klagte zu Hausgenossen über heftiges Reißen in allen Gliedern. Als man sich gestern nachmittag nach ihm umsah, fand man ihn wt in seinem Bette liegen. Nach den Feststellungen scheint er an den Folgen einer Methylolloholvergiftung gestorben zu sein. Die Leiche wurde beschlagnahmt und zur Untersuchung dem Leichenschauhause überwiesen. Volksabstimmung für Qftpreusten. Die BezirkSgrupp«.Nordendes Bundes beimcitlrcucr Oslprcuben in Eiofj-Bcrlin vcranstciliet am Freitag, den ö. März d. I., 7 Nbr, in der Aula der 183. und 198. Ee- meindcsibule. Beill» R 65, PJiiDciftr. 158, Ecke TistMratze, eine Zusammen- tunji. Alle ostoreußiichen Landsleute sind dazu eingeladen. Skngebörlgevrretnignng gesallrner Krieger, Regiment EIIlabelb/S03 und andeier ResumenUr nält am Lonniag. den 7. März, eine Hauptver- lammlnng im LcbiciveicinsbauS lEpiellaal) nachm. 5 Uhr, zum Beitritt in den„Vollsbund DeuIIcher Kriegsgräbers ih sorge* ab. Neukölln. Qfine Stussubrnng des Bader'etiru DramaS»tvaS Geir«« sindet am 9. März in der„Neuen Welt* statt. Die Belebung ist ersitlassig. Billelis find be! den Funluonären. m den Pariciipediiionen und in nachstehenden Lokalen zu haben: Kutzki, Hermann-, Eike Lewe- strafe: CchniNler, Weichsel-, Ecke Donausirajze; Berthold, Lranoldftr. 1; Asdring, Pannier-, Ecke Weserstrave. Wittenau. F r a» e n a b.e n d. heute,?>/, Uhr, bei Böhm. Oranienburger Ttr. 60. Gen. Scheller:..Sozialistische Prodiiltion*. Groß-Herliner parte!nachrichten« 0. Abt. Heule abend 6'/, Uhr ab versammeln sich alle Mitglieder Lei Schuster. Willibaid-AlexiS-Str. 17 und bei Echuli. Mariendorser Str. 5. 9. Abt. Ellernversammlung für die 60., 68., 106. und 152. Nemcindeichule heute abend 7'/, Uhr, Reichenberger Hos, Retchenberger Straße 147. 30. Ab». Heut- Donnerstag, VI, Ubr. in der Aula Pappelallee 41 Elieraversammlung sür die Ich uien in der Pavpclallee, Scherenberg» Duncker-, uznisenbagener. Stargar der und Ketviemanestraße und sür die Realichul« garmen-Sywa-Sli a-ße. Rcserent: Genosse HanS Weber. Di« Bcdeniung der EilerndeiraiSwahlen. Rcnlölln. Frcilag abend 7'/, Uhr: Funktwnärsttzung der 4. Abteilung im Lokal Saale-, Ecke Unstcutsttatze. Jugenöveranstaltungen. Heute abend: Zentraksugendheim. Lindcnstr. 3, 7'/, Uhr.— Gesnnbbrunuen: Jugendheim. Pofe, Kolonieslr. 15. 7'/, Ubr.- Maricuselde: Jugend« heim. Auia der Eemeludeschule. Toilstr. 54, 7'/, Uhr.— Neuenbagen: Jugendheim, Schule Niedclkaidenslrage, 7'/, Uhr.— Nruköllu-Rord: Jugendheim, München er Sir. 52,?>/, Uhr.— Rieberschöni meide: Jugendheim, Schule Berliner Str. LI, Ubr.— Schönhauser Vor- stadt 1: Jugendheim, Schule Conncnburger Str. 20, 71/, Uhr.— Schönhauser Vorstadt 11: Jugendbeim, Schule Pappclallce 41/42, 7'/, Uhr.— Stcglitz-Friedeiia»» Jugendheim. Lokal dement, Düppelslr. 7, 7'/, llhr. — Tegel: Jugendheim, Bahnstr. 15, Vi, Uhr. Die öetricbsratswahlen. Der öetriebszweck. DaS Betriebsrätegcsetz weist dem Betriebsrat u. a. auch die Aufgabe zu, den Unternehmer in der Erfüllung deS BelriebSzwecke« zu unterstützen. Kostenlsse Rechtsberatuna! Speziallft: Ehesachen. Siras. fache:.! Gerichtsncrtretllngl Nenldlln. Berlinerstraste 103 (HermannPlattt.___» Heiratsblatt für ganz Deutschland und Grenz- ft-aten. zwei Solgenmnmern. Einmarkscheln Brieseinlaqe. Eig-nheimoerlag. Berlin Ein- nndfechzlg. imzr, Arbeltsiriar Hauswart mit lang! ah riqen Grsahrungen zum i. April Sir S'* Vornehmes, n:r- schlössen es Haus mit Sentrct» herzung. Warmwasserversor- flitnfl und Sahrstuhl. Ehepaar mit größerem Kinde oder sonstigem Samilienmitalied. Angebote nur schriftlich an Sacher. Wilmersdorf, Bran- dendurgischestraste 8._ tl# Plätterinnen aus flloov- kragen und Manschetten des hohem Lohn und dauernder Belchästiguna per sofort ge- sucht. 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