Nr.l2y.37.Ialfrs. Abend Ausgabe. ( 15 Pfennig) / Bezugspreis: A erleliährt. 16�0-JRC monatL 5�03J!l frei ms s>aus, oorau« mhldar. Voü» dem« Monallich SL0 M!»«rkl. Zu- Uellilnq»«edül>r. Unier Kreuzband riu Dewilblaud und Oesterreich- Unqaru S.Iö Mb, für da» ubriqe Ausland IS.— flIU bei läaltch einmal. Zuiiellunq 11�- Ri.+ Balnra- Ausschlag. Postbestellungen nehmen an Danemarl. Lalland. iluremburg. Schweden und die Schweiz. Singeiragen in die Post- Zeitung»- Preisliste. Der„Dorwärts" mit der Sonntag». deilage.Boll n. Seif" ericheim wochen- iiiglich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adreffe: «Sozialdemokrat Beclla". � 4 Verlinev Vo!ltsl»lelkt AuzeigeupretS: Die achtgewaliene Nonpareillezeil« lostetZ,— M..Teuerung»znschIag«0°/» «Uleino Anzeigen", da» seit- .gedruitte Wort 7S Psg.(zulässig zwei fettgedruckte Wortes, sedea weitere Wort Sll Pfg. Stellengesuche und Echlafstellenanzeigen dos erste Wort «ä Pfg» iede» weitere Wort 40 Pfg. Worte über Iii Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszufchlag S0°/,. Familien- Anzeigen, politische und gewerkschastliche Verein»- Anzeigen 2,— Mt. die Felle ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags ü» tdaiiptgeschäft. Berlin 6955 63, Linden- ftraste 3, abgegeben werden,«deäffnet von s Uhr früh bis S UHr abends. �entralorgan der rozialdemokratfrcben parte» Deutfcblands Reüaktion und Expedition: EW. öS» Lindenstr.?. Zheruwrecher: Am« Wiorlnvias. Nr. 17>» 90—»Ii» 1)7. Freitag, den 5. März 1920. vorwärts-verlag G.m. b. h., EW. v8. Lindenstc. Z. Fernsprecher: Amt Morinplati. Nr. I»7 2Z— 54. Internationale Anleihe für Oeutsihlanü. Amsterdam, 5. März. Laut„Eving Standard" hat der Oberste Rat beschlossen, Deutschland zu gestatten, eine internationale Anleihe auszuschreiben, um{ich die notwendigstcu Rohstoffe uud Lebens- mittel zu beschassen. Es sei noch kein Betrag für diese Anleihe festgesetzt, die vor der Summe, die Deutschland zur Sicherung der Entschädigung bezahlen muh, den Vorrang haben wird. Teutschland wird sowohl in den alliierten als auch in de« neutralen Ländern und »n Nord- und Südamerika seine Wertpapiere ausgeben dürfen. In New Aorker Bankkreisen soll laut„Telegraph" sehr wenig Begeisterung für den Plan, eine internationale An- leihe für Teutschland auszugeben, herrschen. Optimistischen Schätzungen zufolge wird ein Betrag von aOV bis 1000 Millionen Dollar untergebracht werden können, um Erfolg zu habe», müsse die Anleihe jedoch einen Netto- zinsertrag von 7 Proz. einbringen. Der Oberste Rat der Lllliierten hat auf seiner Londoner Tagung ein wirtschaftliches Manifest ausgearbeitet, dessen Veröffentlichung im Wortlaut bevorsteht und das, wenn sein Inhalt den Ankündigungen entspricht, eines der wichtig- st e n Dokumente der europäischen Geschichte darstellen wird. Das Manifest bedeutet, um es kurz zu sagen— immer vorausgesetzt, daß sich die Ankündigungen bewahrheiten— eine gewisse Annäherung an jene Auffassung von den Frie- densausgaben Europas, die von Deutschland und ganz be° sonders von der deutsche n Sozialdemokratie ver- treten wird, und die im Laufe der Zeit in den neutralen Ländern und bei einsichtigen Minderheiten auch in den vor- mals feindlichen Staaten eine immer stärkere Unterstützung gefunden hatte. Diese Auffassung läßt sich in den Satz zusammenfassen, daß unbeschadet der finanziellen Ansprüäfe, die von den Siegern an die Besiegten gestellt werden und die diese nach Maßgabe ihrer Kräfte zu erfüllen bereit sind, ein System der internationalen Solidarität, der orga- nisierten gegenseitigen Hilfsbereitschaft geschaffen werden muß. wenn Europa wieder Aussicht gewinnen soll, sich von den folgen des Weltkrieges zu erholen. Nach Mitteilungen des Wiener Korrespondenzbureaus aus Paris soll das Londoner Manifest in zwei Teile zerfallen, dessen erster Teil folgende Maßnahmen empfiehlt: Daß eine größere Menge Rohstoffe an Deutschland geliefert werden soll; daß die Alliierten an dem Wieder aufbau Deutsch. I a n b s mitwirken sollen, da dieses für ganz Europa von Wich- tigkeit ist und Pflicht wie Interesse ihn gebiete; daß der Wiederausibau und die Wiederherstellung der der- trfü steten Gebiete Frankreichs und Belgiens als in- ternationale und nicht als nationale Frage auszufassen sei und daß alle Alliierten an diesem Wiederausbau teilgunehmen haben; daß das wirtschaftliche Gleichgewicht Europas nicht als her- gestellt zu betrachten sei, solange Deutschland und Ruß- la nd nicht im die Lage versetzt sind, ihr industrielles Leben wie vor dem Kriege aufzunehmen. Der zweite Teil des Manifestes soll folgendes Programm enthalten: Rückkehr zum di r e k t e n T a us ch s y st e m in jenen Ländern, deren Paluta vollständig erschüttert ist; Herstellung einer geaieinsamen finanziellen Grundlage für b'.e von der Pariser Konferenz neu geschaffenen curo- päischen Staaten; entschiedene interalliierte Maßnahmen zur Stabilisie- rung dcs WechselkurscS; wichtige Ratschläge über den Ausbau der Wasser- k r ä f t e. Die Verosfentlichung des Manifestes verzögert sich des- halb, weil mit{Frankreich noch kein vollständiges Ein- vernehmen erzielt worden ist. Der offiziöse Pariser „TempS" erklärt nun. die französische Negicrnnc, siabc zwei Stellen beanstandet, nämlich diejenigen wegen der Beziehungen Sowjetrußlands zu den Randstaaten und wegen der Anleihe, die Deutschland rn neutralen Ländern zum Ankauf von Lebensmitteln und Rohmaterialien solle ?bschließen dürfen. Die franzosische Regierung be» stebe auf der Beaufsichtigung dieser Anleihe durch die Wieder- gutmachuugskommission, denn wenn man neben ihr eine andere Autorität schaffe, dann vernachlässige man die berech- tlgten Interessen der Staaten, die ein Anrecht auf E n t- l ch ä d i g u n g hätten. Es ist danach zu befürchten, daß das wirtschaftlich: Friedensprogramm des Obersten Rates eine starke Ver- Wässerung erfahren wird, es sei denn, daß es noch gelänge, die französischen Bedenken zu zerstreuen. Tie Unterstellung der deutschen Rohstoffanleihe unter die Aufsicht dsr Wieder- gutniachungskommission, deren Vorsitzender Herr Poincar6 ist, läßt befürchten, daß die Großzügigkeit der geplanten Maßnahmen eine starke Einschränkung erfahren wird. � In Paris pendelt man leider noch immer zwischen den beiden Aengsten vor dem deutschen Bankrott, der den französischen nach sich ziehen müßte, und vor dem wirtschaftlichen Wieder- erstarken Deutschlands, von dem man eine neue Ueberflüge- lung durch den östlichen Nachbar befürchtet. ES ist eines der merkwürdigsten Paradoxe der Weltgeschichte, daß die bei- dm Völker durch den Krieg und seinen Ausgang erst recht zusammengewachsen sind wie die siamesischen Zwillinge. Der französische Teil beginnt einzusehen, daß er selber mitsterben muß, lvenn der deutsche Teil an Entkräftimg zugrunde geht, aber auf der andern Seite plagt ihn die Sorge, daß er selber zu kurz kommen könnte, wenn zur Erhaltung des deutschen Teils etwas Ernstes geschieht. Allmählich wird sich auch Frankreich zu der Einsicht be- kehren müssen, daß es eine überaus kurzsichtige Politik wäre, Deutschland bis aufs Lehüe auszuplündern, um dem rück- sichtsloseu Siegeranspruck Befriedigung zu verschaffen. Aber ein Unglück ist es, daß Frankreich seinen Verbündeten auf diesem Weg« der Einsicht nur zögernd nachfolgt, statt ihnen auf ihm voranzugehen� Frankreich hätte größeren Ruhm als im Kriege im Frieden gewinnen können, und es wäre seinen glänzendsten geschichtlichen Traditionen gefolgt, »venu es in einer Politik der Wiederversöhnung die Führung übernommen hätte, anstatt sich in die Rolle eines widerwillig Geführten hineindrängen zu lassen. Zu den Einzelheiten des Londoner Manifestes Stellung zu nehmen, wird erst Zeit sein, wenn seine Veröffentlichung mit den französischen Korrekturen erfolgt. Nur zu einer grundsätzlichen Bemerkung scheint es uns auch heute schon nicht zu früh. Ein Programm zum wirtschaftlichen Wieder- aufbau Europas kann nichts Starres, ein für allemal Fest- stehendes sein, sondern es muß elastisch sein und sich den Erfahrungen anpassen-können. Bei dieser Art seiner AuS- führung wird die Mitarbeit Deutschlands, nicht nur die körperliche, sondern auch diegeistige, unentbehrlich sein. Wir baden jetzt in Deutschland das Mitbcstimmungs- recht der Arbeiter im Betrieb eingeführt, wir haben grund- sätzlich mit� dem System gebrochen, das die Subjekte der Wirtschaft in lebende Köpfe und ausführende Hände teilt, und wir könnten uns darum auch nicht mit einem Weltsystem befminden, das unser Volk als Ganzes zum nur ausführen- den Organ eines Willens macht, an dessen Bildung es keiiu» Anteil nehmen darf. Auch ein wohlwollender und eintzicht? voller Patriarchialismus könnte nickst den Stachel abstumpfen, den das Gefühl der Rechtlosigkeit in der Seele des Volkes zurückläßt. Teutschlands Rat hei der Ausführung des Wiedenuifbauprogramms auszuschalten, tväre nickst nur stn- gerecht, sondern auch im höchsten Grade unzweckmäßig, weil nur im enatren und z»g#ich freiesten Gedankenaustausch aller BcrMigten das Rechte gefunden werden kann, das dem Wohle des Ganzen dient. Das wirtschaftlich? Wiederausbauprogramm muß auf die Grundlage einer politischenVerfassung Europas gestellt werden, die das gleiche Recht aller, der Großen wie der Kleinen, der Siehe? wie der Besiegten, der Glau- biger wie der zu Leistung nach Kräften willigen Schuldner verwirklicht. Dann ist der Punkt gefunden, von dem auS es für alle wieder aufwärts geht? vie Verhandlungen zwischen Rußland und Deutschland. P« r l i n, S. Mörz. Wir der Berliner Korrespondent der„Base- ler Nachrichten" erfiihri, ist der Lenin sehr nahe stehende bolsche- wistlsche VolkSbeaustragte und Minister des Auswärtigen St a l o w S k v in Berlin eingetroffen und hatte gestern eine zweistündige Unterredung mit dep: Minister des Aenhera H ermann M ii l l e r. Kurvpatkin und SruPlvw— Sowjetgenerale. X' o n fa o n. 5. März. Das britische Krirgsministcrium teilt mit, daß die Generale Kuropatkin und Brussilow aktiv aus Seite der Sowjrtregirruag an den militärischen Operationen in Kurdcstan teilnehmen. Die letzten GefangenenIapans. Hamburg, o. März.(T. U.) Tie Dienststelle der Admirali- tät teilt mit: Nach einer telegraphischen Mitteilung auS Tokio hat der vierte Dampfer, der Hntson Mar«, mit deutschen Kricgsgefange. nen ans Japan am 27. Jannar K o b e verlassen. An Bord befinden sich Mannschaften, zwölf Offiziere, vierzehn Portepeeunteroffizierr und 582 Unteroffiziere. Tiefer Transport ist der letzte der aus Japan zurilckkehrenden Krtegsgefangenr-.. Ter Damvfer ist am 1. Februar in Shanghai angekommen. Die schwedische Ministerkrise. Kopenhagen, 4. März.(MTB.) Da nunmehr der Beitritt Schwedens zum Völkerbund zur Tatsache geworden ist, erwartet man den Rücktritt der schwedischen N e g i e r u n g jeden Tag. Die Politiker treffen bereits alle Vorbereitungen. Aus demselben Grunde hatte der König die Parteiführer zu einer K o n f e r e n z eingeladen. Wie verlautet, wird das neue Kabinett sich folgender maßen zusammensetzen: Staatsminister Branting, Minister deo Innern Palmst-erna, Finanzminister Thoreson, Kriegs minister. Al bi«» H a n f so n. Die Verteilung der übrigen Porte feuillcS ist noch nicht entschieden. Der Reichswirtschastsrat wird vermitteln. Der Borsitzende deS N e i ch S« ir tfch a f t S r a t s hat eine Erttärung abgegeben, daß auf die Tagesordnung der Sitznng vom II. März der Streit Wirts chastvmini st crium gegen Zrchrnkapital wegen der Kapitalaufbringung für die Ersatz und Neubauten gesetzt werden soll. Es wird bestimmt erwartet, daß man eine Lösniig finden wird, dir beide Parteien befriedigt und damit die Gefahr einer Beunruhigung oder Störung in der Kohlenförderung abwendet. NekchsmmlsterKoch über das neue Wahlrecht Deitritt zum Volkerbund. Kopenhagen, 4. März.(Ritzau.) Landsting uud Folke- ting stimmten heute dem Regierungsvorschlag betreffend den Bei- trittDänemarkS zum Völkerbund zu. Kopenhagen, 4. März. tWTB.) Nach schwedischen Blättern beschloß die Zweite Kammer des schwedische» Reichstags mit 152 gegen v? Stimmen den Beitritt Schwedens zum Völkerbund. Die Erste Kamtnrr verhandelt heute über die- selbe Frage. Sowjetwahlen in Moskau. e l i i n g f o r S, 4. März. MTB.» Tic Sowjetwahlrn in Moskau für 1461 Sitze ergaben fürdie Kommunisten 80 Prozent der Sitze. Die Menschewiki erhielten 43 und die Un- abhängigen 121 Mandate. Vor einem KveiS von Pressevertretern hielt der ReichSmlnister Koch«inen instruktiven Vortrag über den neuen Entwurf eines ReichSta�wcrhlgesetzeS. Er schickte Dcmar.S, daß jede Wahlkreis- gcomctrie und WahIkreissch-ieHungen unter dem ProponHonnt Wahlrecht v o l I st ä n d i g a uSgo schlo s s rn ist. so daß 4xr Vorwurf parbeipolln scher Tendenzen gegen den Einwurf auf keinen Fail erhoben werden kann. Auch treffe nicht zu, daß der Entwurf zu spät käme, er sei in fünf Monaten anSgc arbeitet worden, schneller als irgend ein artderet Entwurf in der langjährigen Geschichte der deutschen Wahlkämpfe. Ein ideales PwporHvnalwahlrecht ohne alle Schattenseiten, so führte der Minister weiter aus, gibt es nicht. Sein Ehr geiz gehe nur dahin, ein besseres Prsportioinalwahl recht als da» bestehende zu schaffen. Freilich, die„traulichen" Zustände des alten Reichst ag sw ah I rechts, wo jeder Kreis seinen Abgeord neten hatte, lassen sich unter dem VerhältniAvahlrecht nicht völlig fyirstellcn.. Aber dieses alte Wahlrecht hatte auch starke Schaüen-- seiren, wenn man bedenkt, daß Mirtelpaneien oft keinen einzige« „sicheren" Wahlreis hatten und daß z. B. bei do« SeptennatS- wahlen die Nationalliberalan in Baden mit 44 Proz. aller Stim- men 10 von 15 Mandaten erhielten, bei dar nächstfolgenden Wahl mit 35 Proz. der Stimmen dagegen gar kein Mandat. Als den Hauptmangel des Wahlsysteme, nach dem die jetzige Aationalverfamnrlung gewählt ist, bezeichnete der Minister die großen Wahlkreise und die langen Listen. ES ist unmöglich für den einzelnen Kandidaten, solche Riesenwahlkrerse zu bearbeiten, außerdem ist eS auch raachteisig, daß ein an später Stelle gewühlter für die Sünden semer Vormänner durch Nicht. Wiederwahl büßen., muß, während der eigentlich Schuldige wieder- gewählt wird. Mit den laugen Listen tritt auch PaS Bestreben einzelner Jnteressentengruppcn hervor, auf der Liste vertreten zu fein. Dies Bestreben ist um so stärker, je länger die Liste ist. Mr Mss«l dab« 5s?Mls gurüKommen, datz bke Psrie�en in Wahlkvcisen arbeitsn, wo jede einzelne Partei nur einen, höch- stenS zwei bis drei Standibatcn durchdringt. Tets Kaljerische seiger blind niiterwürsigeu Leidenschaft ihr immer unerträglicher wird. E'n Höhepunkt Wegeners virtuoser Darst.'llung tvar die Szene, in der der breitschultrige Riese vom Vater der Schwiegertochter zur Rede gestellt, nach einigen zhnischen Scherzen im Interesse dos kompro- initteerteu Söbnchcns ein unverschämtes Flunkern beginnt und dgnn, vom Wein halb berauscht, sich doch verräi.� Sehr gut gelang Tulch Olga Limburg die Figur des kaltschnäuzigen, ebenso schäm- los offenherzigen wie lügengetvandteu Halbwcltfräuleins. die, draus und dran, den Alten zu erobern, im letzten Augenblicks von ihm abgeschüttelt wird. Der Schluß wMbei der Ausführung dabu ab- geändert, daß der Sohn, der sich au�Eifersucht um jenes Dämchens willen mit dem Vater schießen will, ihm schließlich um den Hals fällt! Eine Teilnahme kür diesen jungen Menschen, d-m jede indi- visuellere Färbung fehlt, ist ebenso wie ein Mitgehen inft der „Handlung" ausgeschlossen. Dennoch gelang es der Bubnengeschick- lichkeit der- einzelnem Szenen und dar allein Wegeners. der markant ckarakteriesierenden Sck'aufpielkunst, tue Bühnenfpannuna bis zum Schlüsse zu erhalten. In kleineren Rollen wirkten.Paul B ildt, Ida Orlofs. Patry. Vallenriu und Rosa Valetii. Eonrad Schmidt. I« den Kammerspiel'« wird ein schönes Eniinerungsfest abgehalten. Man spielt wiederum„Gabriel Schillings Flucht". Dieser schwache Weiberheld iit ein Gebrochener wie Kollege CGainö- ton und Michael Kvamer sein elender Sohn. Aber es ist Ger- hart Hauptmanns pathologischster Sohn, er bat niemals reckt vor den Frauen. Die Weiber schnüren ihn sckon ein, weil sie über- Haupt auf der Welt sind. Ist das nun starke These oder etwas allzu sorglos hingeschriccheneS Theater oder Pshchologie, die etwas verkrachst ist? Es ist von allem etwas. Hauptmann, der diese Maler- iragödie dichtete, ginq nicht vollkomme u aus der Tiefe hervor, er horchte ein wenig auf die Kulisse. Und doch eine edle Natur, auch eine Menschenkenntnis, die sich eigentlich am gesunden Menschen besser auSkennt als am kränkelnden, obwohl das Deck'�erheil dem kranken zuteil werden soll. Von SchilliuaS Frauen ist die fremd- artige flavische Hanna Elias, die am hellsten erkannte. S's ist daS stärkste, dos bestgeformte Wesen in dem Stück. Sie ist in ihrer Liehe und Verlogenheit, in ihrer Kraft und' Hysterie, in ihrem Schreien und Säuseln wirklich eist tragischer Typ. Hauptmanns Bern« fand hier, was kein russischer Schriftsteller je so vorzüglich geschildert hatte: Die ruffisch-siidische, geistige, vom Gehirn und dentensusschuß Zier Univerntät Rostock an den Ausschuß der Handelshochschule Berlin gerichtet hat,, ist. ein neuer Beweis für die hetzerische und nationalistische Gesinnimg, die an den Universitäten gepflegt wird. Der Brief lautet: Wie der unterfertigte. Ausschuß aus der- studentischem Presse und seiner Korrespondenz mit anderen Hochschulen erfährt, häufen sich an deutschem Universitäten die Fälle, daß. russsüsche I u d e n die Hörsäle bevölkern. Mit der Vertretung. der ganzen deutschen Siudentenfchcift.halten wir es für unsere en:- sechste»»terläiidische Pflicht, der Ueberschwemmung mit Oft- j u d c n und anderen russischen und polnischen E le- menten in unserem Bereich Einhalt zu tun bzw. rechtzeitig vorzubeugen. Wir sind nicht gewillt, ruhig zuzusehen, wie- n ih i- liftifche Elemente, die gerade unter den Studenten dieser Menschengruppe häufig sind, Gelegenheit- be- kommen, mit ihren asiatischen-Ideen die deutsche Volk--- secle zu verpesten. Wir werden uns in unserer Haltung auch nicht durch irgendwelche Schutzbriefe von deutsche» Regierungs. kreisen beeinflussen lassen, die diese finsteren Ex.istenzeu oft aufzuweiseil haben. Wir betonen aber auch, daß bei eventuell eintretenden Mißständen, sessern Eingaben nicht in aUgtz» ntcffencc. Zeit zu Erfolgen führen würden, die Rostocker Stu- dentenschaft einig ist in dem Entfchliiß, rücksichtslos zur Selbsthilfe zu greifen, um sich nicht zu Mitschuldigen an einer n a t: o- nalen Versündigung zu machen. Bemerkenswert ist die Kaltblütigkeit, mit der die re- bellierenden Studenten erklären, sich über Schutzmaßnahmen der deutschen Regierung hinwegsetzen zu wollen. Tie S e l b st h i l f c. zu der diese künftigen..Führer der Nation'.' zu greifen drohen, dürfte durch Anwendüng der vielgeprieie- neu„.Hcdas" des berüchtigten Gummiknüppelkunze wirksam unterstützt werden. Die asiatischen Ideen, gegen die sich die Studenten angeblich wenden ist nichts andere- als ein Borwand zu einer maßlosen antisemitischen Hetze. Es wird Aufgabe- der Regierung sein, sich durch entsprechende Maßnahmen die notwendige Autor:- t ä t in den Universitäten zu sichern. Der militäristbe Monarchiftenbunü. Wir brachten unlängst Material über den„Nationalen Sol- datenbund", der ein antisemitisch-reaktionär-monarchistisches Gebilde ist und in seinem Organ offen den Sturz d e r R eg i e r u ng äl- Ziel hinstellt. Wie wir nun ersihren, ist in Mag d e b ü rg der Deut sch nationalen Bolkspartei zu einer Werbe- Versammlung für den„Narionalen Soldaten bund" die Regiincntsmusik des Artillerie? egimrnts Nr. 4 zur Verfügung gefüllt worden. Der„Republikanische Führerl'und" dagegen, der di>: jetzige Regierung unterstützen und die Republik verteidigen will, wird verboten und seine Mitglieder werden streng b e- o b a ch t e t. Weiter berichtet uns ein zuv-rlässiger Augenzeugen Im Neben- bau de- Reichsvehrminisievilims zu Berlin, Bendlersiraße. ist der Stab des Sturmbataillon- Schmidt untergebracht. Die Angehbrigen dieses Bataillons versehen W a ckr d i e n st. i yi Reich Sitz ehrministerium. Ich halte vor nicht langer Zeit verschiedene Male Gelegenheit, diese Räume zu betreten. Ter Auf- gang ist bereits durch angeklebte kleine antisemitische Z c l t e l ch e n sehr inteoessaiit. Im Schreibzimmer des Bataillons aber lag ein. ganzer Stoß Aufnahmesormeilarc für den„Nationalen Soldatenbund"!......—-•-•—-......' Neuer Geist in die Verwaltung! Der Deutsche Verband lechnisch-wissenschastlicher Vereins, der bolkswisscnschaftl che Verband, der miiteldeutsche Verband- akademischer Berufsständc, der Reichsbund deutscher Techniker und der Reichsverband der. Deuischen Presse veranstaltete gestern abend Am großen Sitzungssaal des Herrenhaufcs eine öffentliche Kundgebung zur Erneuerung der öffentlichen Verwaltung, an der- auch Ver- treter der M i n i st e r i eji. der B c Hürden und der Parteien- teiliivhrnen Die Kundgebung hatte zum Gegenstand die Auswahl und Anstellung der höheren Beamten in den allgem:inen und be- 'anderen Zweigen der VeAiwltuug des Reiches, der Länder und der Selbstverwaltuiigskörper Ter Bürgermeister Dr. H e i n z i g dem Unterleib künstlich und geheimnisvoll geleitete Halbweltlerin, die akademisch gebildete, sehr verfeinerte böse Lilitli. Und die ge- sunden deutschen Menichxti, die sich zwischen den gebrechlichen Maler und seine Ouälgeister stellen, wurden mit Takt, mit Sicherheit und riesiger Liebe gezeichnet. Fräulein Straub dient mit ibrer Geschmeidigkeit und zer- brochenen Stimme diesem russischen Frauentyp rein an'Mali sch S'a wirkt darum grausiger und zerstörender als irgendeine Hannäh, die sich auf Verslandesart eingelassen bätte. Nach einem Theater, das dem Menschlichen unterlag, hörte sich'manche- an; besonders wenn Herr Raoul-A s l o n den zertretenen Schilling mit e'ner Erb- last männlicher Hwteri« überfrachtete. Die Wewer reißen sich dpch nickt um einen Scklemibl, um einen Mann reißen sie" sich Frau Thimig und Herr Delius, die gesunden Antipode» diofer jämmerlichsten Liebesleute, halten wohl Blondheit, Derbheit.- Keusch- beit. Bauerntum und echte Griechensehnsuckt, aber sie protzten oft heraus, anstatt flüssig frische- Lebe» zu entsaften. M. H. Di« deutsche Luftdroschke. Eine Lustlimousine ist aus Grund umfassender Ermbtupgen nach läi-geren'Vorbereitungen, nunmehr in den Dienst de s deutschen Personenverkehrs gestellt worden. Einer eingehenden Beschreibung in.„Ueber Land und Meer" entnehmen wir. daß die Luftdroschse außer dem Führer- drei Personen trägt, so- wie die für die Reisenden notwendigen Gepäckstücke. Die Passagiere sitzen so warm und behaglich, daß sie der Fliegerausrüftüng aus starkem Pelz nickt bedürfen. Das Gefährt bat eine Durchschnitts-' gnchwindigkeit von 130 Kilometer in der Stunde und einen Flug- radius von 450 Kilometer. Die Luftdroschke kann also ohne eine Zwischenlandung mit dem mitgenommenen Belriebsstofs eine Strecke von Berlin bis Tanzig oder von Leipzig'nach K od enhaqen zurück- legen. Die Limousine, die vom Neichslüftamt auf ihre Zuverlässig- keit und Festigkeit geprüft worden ist. hat bereits auf zahlreichen Flügen den Beweis ihrer Brauchbarkeit erbracht. Besonderer Wert ist auf die Innenausstattung gelegt. Alles, was man sich für einen längeren Ueberlandflug nur wünschen kann, Schreibtisch mit Schreib- zeug, elektrischer Zigorrenan,-ünder. Uhr, Sektkühler. Gläser«f'W- sind vorhanden. Der Genuß der Fahrt wird durch weich gepolsterte Sessel noch erhöht. Mdsende. d:e in der Liiftlniiousine arbeiten wollen. können die ganze Flugzeit hindurch schreiben, denn Erschütterungen sind beim Fluge nickt zu spüren. Der Länn des Motors ist durch eine isolierende Abschlnßwand fast vollständig beseitigt. Diese kle'ne Luftdroschke eignet sich hauptsächlich zur Verwertung für regelmäßige kleinere Touren..... Für die Kapitalisten ist also auch diese Frage gelöst: Beguem-- lichkeit und Luxus in der Luft wie zur See und auf dem Lande.. »heater. Km Großen SibauIvielbauS wird-sonntao nach mittag 2'lt Uhr Shakespeares Hamlet zu volkstümlichen Preis-n gegeben.'.7.... Eharlotte Vokange bringt an larem Portraasavend.Efssde* im Melltettaal am 10. Mär, n. n. den Tan,„ieelioeaba!" von Cruvenus und Dichtungen von Wilde, Flambert.- Franz Eoers und Thomas twaim. Sinen Wagnerabend mit dem BIuibner-Orcheiler öermiltgltet die Große VolkSoper Berlin in der Singakademie am 19- Marz, abeirdz 8 Uhr.': führte n. a. auS: Von dem Ty'tem der Unterordnung seien die'Wirklich fähigen Leute abgestotzen worden � und eZ habe sich in dör' Verwaltung eine-.. Auswahl der korrekten Mittelmäßigkeit herausgebildet. Die neue Zeit mache eS aber erforderlich/ daß r ü ch'i sig e-M ä nn er in die L-rwoltung kämen. In der Aussprache betonte Sekretär Wenzel die Möglichkeit mit tle reBecwiten zu höheren Beanttea heranzubilden. Die nötigen theoretischen Äenntnisie könnten die zu befördern- den anttl/rcn Beamten durch B e r w a l t u ng sa ka de m i e n erreichen, die in Staat Lwisienschaft und Verwaltungsrecht, Volks- Wirtschaft usw. zu. unterrichten hätten. Scnosie Dr. Löwe führte aus. die Angehör gen der freien Berufe, die sich nicht in Beam- tenst'ellungen oder in diesen gleichgeordneten Stellungen befinden, seien nicht mehr bereit, in ihrer passiven Haltung gegen- über den Beamten zu verharren. Die Frage der Befähigung müsse auf Grund der freien Konkurrenz von A f.s es so- vem�und N i ch t a s s e s s o r e n aufgebaut sein, �ie Beamten sollten sich m't den Angestellten in Verbindung setzen, um offen über die- strittigen Fragen zu sprechen. .Genosse Lü d e mann forderte, daß man in dieser Kund- gebung zum Ausdruck bringe, das; mit d-m November lgl8 eine neue Zeit hereingebrochen sei, die auch in dem Amtellung-ber- hältnis der Beamten Neuerungen gebracht bat. Im weiteren Verlauf der Debatte meldete sich aus die Auf- sorderung Dr. Lowes led'glich der Vertreter d's preußischen K u I t u s m i n i st e r i u m S und erteilte einige Auskünfte über die(Entwicklung der Beamtenanstellung an seinem Ministerium. Nach weiteren Diskussion nabm die Versammlung Richtlinien an. aus denen wir folgendes wiedergeben: Für den Einiritt in die höhere allgemeiim Verwaltung sind alle Studienfächer, deren Gegenstand für die Verwa'tung von Bedeutung ist, mit gleichem Rechte zulässig.Die Anwärter werden auf Grund einer V e r w a l t u n g s p r ü s u n g angenommen, welche die abaeleglen BeDufsprüfungen ergänzt. In die Höberen Stellen aller V'rwal- tungszweige sind auch Personen jeder Vorbildung, die durch Leistungen ihre Eignung nachgewiesen, zu b.rufeil. . von Sekt unö Unterständen. Ein Beitrag zur„Erdolchten Front". In der„Deutschen Tageszeitung" entrüstet sich ein Major von H e p k e darüber, daß mir angefangen haben, in fortlaufenden Schilderungen auf die Mahren Schuldigen der Fronterdolchung hinzuweifen. Natürlich ist alles, was wir veröffentlichen, nur„ßrinzelsall". Wir können.Herrn Major v. Hepke zu seiner Beruhigung mitteilen, daß bei uns das Material noch bergehoch liegt mrd täglich durch neue Zu- fchritten aus unserem Leserkreis ergänzt wird. Nur der lei- dige Raummangel verhindert uns, das ganze in unserem Be- sitz befindliche Material zu veröffentlichen. Herr V. Hepke versuchte ober auch eine Entlastung Zossen- sive, indem er sich bemüht, Gegenbeispiele für. tüchtiges Ber- halten beizubringen. Wir wollen sie unseren Lesern nicht vorenthalten. Hier gleich das erste:- Der Chef des Generalstabes deS Feldheeres, von Moltke, ver- bot. beim Ausrücken, daß im Großen Hauptquartier Sekt g c- rrunken wurde. Es sei nicht richtig, hinter der Front zu schlemmen, während die Truppe vorne darbe. Nebenbei bemerkt: - unseren Truppen im Westen erging eö zu jener Zeit alkoholisch so gut, wie wohl nie wieder im Lebe:!. An P-mmerh und Mouton Rothschild war zu jener Zeit an der Front kein Mangel. Wirklich rührend! Im Großes Hauptquartierichat man ach den Sekt verkniffen I Auf wie lange, darüber schweigt Herr v, Hepke l Was er übrigens über die in Pommery und Mouton Rothschild schlemmende Front erzählt, das wird bei jedem Frontsoldaten nur fröhliches Gelächter hervorrufen. Herr v. Hepke verwechselte einmal wieder Offiziere und Mann- 'chasten. Doch wir wollen ihm gleich mit einem Gegenbeispiel dienen, zwar nicht vom Beginn, aber vom E n d e des Krieges. Herr G., Berlin MW. 68, schreibt uns: Am 14. Oktober 1918 lieferte die Schweizer Leder-Inrport- A.-G. in Basel an das A. O. Ä. 19 in Wslna 99 921 Flaschen fran- zoslichen Sekt(nicht deutschen) zum Preise Km 28 Franken die Flasche.(»ach dem damaligen Kurs 56 Mark). Gesamtbetrag 277 256 Franken. Der Champagner war natürlich nicht für die Mannschaften bestimmt. Wann härten Mannschaften je franzö- fischen Ehämpagner zu trinken bekommen, selbst die Schwer- kranken bekamen höchstens a-nz wenig deutschen Sekt. Aber diese Lieferung geschah in Deutschlands schwerster 3chii?Sil stunde, damit die Führer in der Etappe„feuersicher" blieben. Mehr als eine halb: Million(nach heutigen Kursstand schon 5 Millionen) drei Wochen vor der Rcvolulion ausgegeben für OffizrerSchampagnev! Ein werteres Beispiel des Majors v. Hepke: Ter Kommandeur der S. Res.-Div., Generalleutnant von Di e r i n g S h o fe'n, verbot, daß der Divrsionsstäb auch nur ein einziges Brett zum Ausbau seiner Unterkunft anforderte, bevor die Truppen ihre Quartiere völlig ausgebaut hatten. Was nachher geschah, sagt Herr v. Hepke nicht. Wer wir wollen ihm auch hierüber einige Berichte zukommen lassen: Herr 2. R. in Friedrichsfelde berichtet von seinen Erlebnissen beim Pionier-Balaillon Nr. 53: Wir werden verlegt. Da die Quartiers in unserem neuen Aufenthaltsort von der Infanterie besetzt find, müssen wir iknS mit e i n g e fa-I l e n e n Unterita n d e n begnügen, aus denen wir meist das Wasser pumpen müssen, ehe wir hineinziehen können. Die Offiziere haben gute Quartiere, aber.ibneu nicht gut genug. Gleich am nächsten Tage nach unserer Ankunft wurden sämtliche Tischler, Maurer usw. verlangt, die anfangen mußten, für die Offiziere quartiere zu bauen. Natürlich ein Kasino noch extra. Dafür war Material vorhanden, aber keine Bretter zur Ausbesserung der Mauufchastslöcher. Das Kasino kam auf etwa 89 999 Mark zu itehen, aber nur für Materialien, hie Arbeitskraft war ja g r a t i s! Genosse K. H. schildert äfi iliche Gegensätze. Personen der Handlung: 14. ArmierungSbataillon, 1. Kompagnie. Schauplatz: Nvvdfrankrchch vor La Basseei Für die Offiziere des Pionierdepots(BaperischeS) wurden fest« Häuser im V i l l e n st i l. Zemcntfiindamenle, bomben- sichere Keller mit Betten gxl>aut. Tie Inneneinrichtung des Hauses stellten Berufstischler nach vornehmen Entwürfen aus bestem Material«Eiche, Maftagvni usw.) her. Fehlendes Rupfen »ur Wandbespannung wurde vom Armredcpot angefordert und ge- liefert.— Wir lagen in Z i llen, die auf dem La Bafsee-Kanal fsstnemacht waren und in deren Kajüten oft noch der Eigentümer haust«. So. könnten wir jedes Beispiel dieses Herrn durch D u tz e n d e v o n Ge g e n b ei sp i e le n widerlegen. Herr Hepke stellt an uns. die Frage, wie denn bei solchen Führern, wie wir sie schildern,� das Heer so lange hätte aushalten können. Wir haben nie behauptet, und unsere eigen'M Dar- stellnugen ergeben das, daß alle Führer in dieser Wei�e ge- handelt hätten. Aber es war dasSystem des alten Misi- tansmus. das. die lleberhebung und Schlemmerei in Ossi- zierskreifen hoch-.üchtete, und-eben dieses System hat ja im Enderfolg zum Z u s a m m e n b r u ch geführt. Prozeß Erzberger- Helsserich. Die heutige Verhandlung wurde«m Öi-j Uhr vom Land» gerichrsdirekior Baumbach eröffnet, der sofort dem Rechts- beistand ErKbcrgers, Geh. Justizrat v. G o r d o n, das Wort er- teilte. Das Plädoyer Gcheimrats Gorvov. Afccine Herren Richter! Der Herr Verteidiger des Auge klag- ien hat gestern im Ton dos Siklenrichters und der alten Prophe- ten über die böse neue Zeit„Wehe! wehe!" gerufen. Leider hat er vergessen hinzuzufügen, daß die Sünden unserer Zert ein Erb- teil derer sind, zu denen wäbrend des Krieges der Angeklagte als ein an der Spitze unseres gesamten Wirtschaftslebens Stehender gehört hat. Der Herr Voriitzcnde hat darauf hingewiesen, daß durch Leidenschafrlichkeii in diesem Prozeß nichts erreicht wird. Ich will daher ganz ohne Leidenschaft die Dinge hin- stellen, wie ich sie sehe. Dar wichtigste Fall, auf den auch wir immer den größten Nachdruck» gelegt haben, ist der Fall Thyssen. Der alte Herr Thyssen bot unS- bei einem Besuch geschildert, wie der Ausgang deS Krieges von der E rz v e r s o r g u n g abhängig 'war, die also wichtiger war als alle anderen Momente. Da der alte Thyssen ein K a i h o l i! ist, kam hierfür das Zentrum in Beuachr, und er faßte daher den Gedanken, die Zentrumspartei zu„industrialisieren" und ihr Verständnis für diese Fragen zu erwecken. Ter Oberstaatsanwalt und Dr. Alsberg sind zu dem Ergebnis gekommen, daß es übcrbanpt bedenklich sei. wenn ein Parlamentarier, der vorher m keiner Weise dem Erwerbsleben angehört habe, in einen Konzern eintrete. Ich bin der Ansicht, daß. wenn die Grundsätze, die Sie entwickeln, auf die Praxis angewendet werden, kein Parlament in der ganzen Welt bestehen würde, das gegen diese Grund- iätze nicht verstößt. Wir haben nickt? davon gehört, daß die Wähler von Bieberach damit unzufrieden waren, daß Erzber- gcr in einen Aufsichtsrat eingetreten ist. In längeren Altssühruugen sucht Gehst m rat V. Gordon dann nachzuweisen, daß es heilbringend sei. wenn große Jnteressenkrsise und Gruppen im Parlament vertreten sind- In dieser Welt von Menschen und nicht von Engeln ist eS durchaus notwendig daß die Jntsressen der einzelnen Be- rursgruppen energisch im Parlament vertreten werden. Es ist doch für einen Menschen von Einfluß nicht- möglich, diesen Ein- fluß in dr Garderobe abzulegen und ohne ihn in daS Amts- zimmer der Behörden einzutreten Der Redner schildert dann eingehend die Tätigkeit Erzbevgers für den Thyssen-Kon- z e r n und kommt zu dem Schluß, daß das Eintrmen Erzbergers für Thyssen„t i p t o p" gewesen sei. Das Eintreten Erzbcrgers für die Belvillignng der Ausfuhr von Schutzschilden für Thyssen ist ebenfalls e nwandfroi. Als der Dezernent ihm die Un- Möglichkeit der E-füllung di:ses Wunsches dargelegt hatte, bat Erz. bcrger diese Gründe anerkannt und sofort erklärt, daß die Sache für ihn erledigt sei. (Schluß in der Morgenausgabe.) Wirtschaft. Bäuerliche Beispielswirtschafteu. Tie ostpreußi'che Landwirtscbaftskammer richtete in Friedcilszeitenmehrere bäuerliche Beispielswirtswaften ein. derart, daß sie mir kleinen Landwirten, die als tüchtige Wirtschafter beiannt find, Verträge abschließt, durch welche die Be- sitzer sich verpflichten, ihre Betriede sür die Dauer einer Rotation (einige Jahre) der O b e r l e i l ung der Landwirtschaftskammcr zu unterstellen, insbesondere nach einem bestimmten, von der Kammer vereinbarten Plane zu wirtichaiien. Buch zu führen und.dergleichen mehr, während die Landwftlschaftskammcr ihrerieftS die B«j sp re ks w> r t e in allen Fragen der BeuiebSführung Hut Rat und Tat unterstützt. Hier ist der b e t r r e b S w i r t s ch a f t- liche Erfolg da« ausschlaggebende Moment. Die gewonnenen Ergebnisse bollcn für die Praxis unmittelbaren Werl. Im Jahre 1913 bat sich die Landwirt>cha'tsiammer für die Provinz Posen ent'chlosien, 12 bäuerliche Beispielswirrs chasten aui die Dauer von S Jahren einzurichten: auch in Brandenburg bestehen bereits 14 BeispielSwirtichaiten. ihre Erweiterung aus jeden Kreis wird angestrebt. Jetzt ist seitens der Landwirtichakts- kammer für den Regieiungsbezirk Kassel ebenialls geplant, der« artige Einrichtungen zu treffen. Hoffentlich folgen andere Provinzen und Länder diesem vorbildlichen Bei- spiel bald nach! Landwirte, beizt das Saatgetreide. Gerade in diesem Jahre ist der Schutz des Saatgutes gegen Brandgcsahr zur Sicherung der Ernte ei» dringendes und zwingendes Gebot der Stunde. Kein Landwirt sollte un gebeizte Saatf scheine sie auch äußerlich gesund, verwenden! Die verhält- niSmäßig geriimen Kosten stehen zu dem möglicherweiie eintretenden Schaden iitz leinem Verhältnisse. Äostenireie Auskunft erteilen die Landwirlschaitskanrmern und die Hauptstellen für Pflanzenschutz. Dir Streichholzschachtel als Agitationsmittel. Nach dem Gesetz vom 29. Septbr. soll spätestens bis 31. März 1921 das Zündholzmonopol em« geführt werden. Der Kampf gegen dieses Monopol soll nun mit der Zündholz- schachtel geführt werden. die nebenstehenden Auf- druck erhalten soll. Die unter der freien Wirtschaft eingetretenen Berhältnisse find derartig unerhört und unerträglich. daß wir nur wünschen können, r ech t b a l d zum Staatsmonopol zu kommen, das uns allein eine gerechte'Verteilung billiger Zündhölzer wird bringen können. GroßSerlln Tie wern ooch uff'n Kopp jespuckt! In der gestrigen Berliner Stabtverordnetensitzung stand be- kanntlich die Erhöh una der Gemein d ee inko m m e n- st e u e r auf 359 Prozent zur Beratung. In der Debatte erklärten sich Unabhängige und Demokraten gegen diese neue Steuererhöhung-, jene aus demagogischen, die anderen auS kapitalistischen Gründen. Trotzdem wurde die Steuer- orhöhung mit 54 gegen 39 Summen bewilligt. Bei der Abstimmung rief ein Tribünenbesucher in den Saal:„Det sind Arbeitcrvertreler, die Mehrheits- sozialisten. den werden wir'd heimzahle» bei die nächste Wahlen— mit doppelte Löhnurig." Ein Fremder, der neben ihm stand, gab ihm- zur Antwort:„Wenn die Unabhängigenin der Stadtverordnetenversammlung 48 Vertreter haben und die Demokraten 29, dann sind das 68 Stimmen, 39 wurden aber nur gegen die Vorlag« abgegsbe», wo sind da die „Arbeiiervertreter", die Unabhängigen geblieben? Sie hätten mit'den Temokraten die Borlage zu Fall bringen können — wenn sie alle dagewesen wären."—„Na, die wer'n wir ooch uff'n Kopp spucken", war die. Antwort des eifrigen Zwischenrufe rö. Vielleicht bringen sich die. Freunde deS Herrn We y l in Zu- kunft R eg en s ch i r m e mit— man- kann-nicht wissen, nach alle»- dem, was man schon erlebt Hat-»~—" Tie„Uiipolitischen" deutasUerc» Mb' Zu den ElternbeiralSwamcn. WaS bei den Eltern bsiratswahlen d:c Unpolitischen" wollen, muß jeder Einsichtige auf den ersten Blick erkennen.„Un- polnisch" nennen sie sich, sie sind aber den tschn-at i ö«i»kVn-i» st r e n gk i r ch l i ch— und diesen Charakter m ö cht 5n<: e auch.der Schule erhalten wissen. Gerade die angeblich „llupolitischen« wollen ihre P a r l e i p o l i t i k in die Schule bin- eintragen, und mit aller Rücksichtslosigkeit würden sie in den Elterirbeiräten für ihre Ziele wirken, wenn Lässigkeit unserer Wählerschaf: ihnen die Möglichkeit überließe. � Einen Blick in die Seele der„Unpolitischen" gestaltet uns eine Zuschrift, Mi von der„Deutschen T a g e s.z e i t» n g". dem mit Gott 1 1" den desertierten König und für immer noch höhere Lebensmitte'.preise kämpfenden Agrarierorgan, wiedergegeben wird. Wlr lesen da: „An verschiedenen Schulen, namsntüch an den höheren, hat man versucht, eine einheitliche, sogenannte u n p o l-i tri s che Kandidatenliste zusammenzustellen. Bei dieser Arbeit sind die Herren Sozialdemokraten beider Schattier.un- ge n besonders rührig und darauf bedach: gewesen, ihre Parteigenossen möglichst an bevorzugter Stelle in die unter unpolitischer Flagge segelnde Kandidatenliste hineinzubringen, um somit die Elteritbeiräte sich zu erobern und sür ihre Zwecke auszunutzen. Nach erfolgter Wahl werden sich aber die Herren voraussichtlich doch darauf besinnen, daß sie im Häuptamt zielbewußte Partcimänner sind. Unter diesen Um- ständen ist es für die ch r i stl ich n a t: o n al gesinnten Eltern ein Unding, die Kandidaten der sogenannten unpoliti- schen Liste zu wählen., weil dadurch unsere christlichnationale Schule erheblich gefährdet wird. Beim Erkennen dieser Säch-. läge sind an mehreren Schulen besorgte Eltern dazu über- gegangen, neue Kandidatenlisten, und zwar solche christlichmstionak denkender Männer und Frauen aufzustellen und dem Wablvor- stand der betreffenden Schule zuzustellen. Ellern, die verhüten wollen, daß das Gemüt ihrer Kinder durch Parleigejst und Klaffenhatz in der Schule vergiftet wird, und daß unseren Kindern die christlich-deursche Schule erhallen bleibt, dürste es am Tag.' der Wahl nicht sebwer fallen, zu-enischeidcn, für welche Liste sie ihre Stimme abgeben wollen. Es ist aber notwendig, daßj e d e s Elternpaar sein Wahlrecht auch tatsächlich ausübt." Wir wissen nichi, welche Schulen der Verfasser dieses Herzens- ergusseS meint, und ob seine übrigens etwas konfuse Tarstellung zutrifft.-Aber was er da schreibt, verdient Beachtung wegen deS Bekenntnisses der Furcht vor einer wirklich unpoliti- schen Kandidatenliste, in der Personen aus allen Parteien vereinigt wären. Er lüftet die Maske der angeblich„Unpolitischen" und gesteht ein, daß Leu!« seiner Richtung nur.chriKichnauynal denkende Männer und Frauen" wählen können. Das sollte unsere Wählerschaft sich gesagt sein lassen! Sie sollte daraus die Lehre ziehen, daß auch s i e am Tage der Elternbeirai swablen restlos ihre Pflicht zu tun hat, um möglichst große Stimmen- zahlen auf die m c hrheits sozial! st i schen Kaudidaienlisren zu vereinigen. Man muß bedauern, daß die Kandibmenlistcn für die Eltern- beiratswah-len nach parteipolitischen, statt nach lediglich schul- voliki scheu Gcsichtspunkien aufgestellt worden sind. Aber unsere Gegner, die von rechts und die von links, haben«s so gewollt, daß bei den Elternbeiratswahlcn die Parteipolitik entscheiden ioll. Möge nun die Wählerschcfft dafür sorgen, daß die Schule nicht reaktionären Schleichern, aber auch nicht radikal tuenden Schreiern ausgeliefert wird. Eltern, stimmt nicht sür die„Unpolitischen", nnd auch nickt für die Unabhängigei' sondern für die Mehrheits so? ialdemok raten! Besondere Heiuikehrer-Kurse. Shanghai �??l 120, S h a.n ah a i Dollar-M ein mc xi k an i scker Silberdollar 43.59.— Die französischen Kantinen-BondS werden nicht mehr eingelöst. „Volk und Feii", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heuticien Postauflage bei. X Johannisthal. Die Elternbeiratswayl findet Donntag 9— 4 Uhr im Schuklokal, Kaiser-Wilhelm�St-r. 4/5(vorm. v. Trützickflers Grundstück), statt. Alle Parteigenossen und„Vorwärts"-Leser werden aufgefordert, unserer Liste, anfangend Tischler Wilhelm Krüge r, ihre Stimme zu geben. Die Partiehenossen treffen sich zur Wahlarbeit vormittags 9 Uhr im Wehlolkal Otto SenftleVen, Friedvichstraße. Roge Betcstiguiig wird erwartet. Petcrshagcn a. d. Ostbahn. Julius Uffeirnrnsser ist von feinem lang- jährigem schweren Lungenleiden am Montag, den l. März, dlirch den Tod erloit worden. Mit ihm scheidet ein Mann aus unseren Reihen. der stets für die Idee de» Sozialismus gestritten hat. Seine letzte Kraft setzte er ei» bei dem Versuch, eine Einigung der beiden hiesigen lozialdemokratuchen Parteien herbeizuiübren, leider erfolg- los. Wir werden seiner in Ebren gedenken.— Auch die Redaktion des„Vorwärts", der Uffenwasser stets ein pflichttreuer Mitarbeiter war, wird dem tapferen Genossen ein dauerndes Gedenken bewahren. Die Beerdigung findet Sonntag, den 7. März, nachmittags ans dem Petershagener Gemeindefriedhof statl. Die Parteigenossen treffen sich nm 2 Uhr im Restrnirank Ballack, früher Kunsch, Henr.ickendorfcr Straße. VollrähligeS Erscheinen wird erwarret. feiund technischer Nngrstellten nnd Beamten, Lrtsverwattiinq 2«doft. Freitag 7 Uhr: Mitgtiederversommlung, ReicheNberger Hos. Zteichenberger Str. 117._ Groft-Berliner Lebensmittel. Berlin. Die Bollmitchtarten sür April werden in Berlin ausgegeben für Kinder im 1. und 2. Lebensjahre am 8. und 9. März, sür Kinder ini 3. und 4. Lebensjahr« am 10. und tt. März, sür Kinder im 5. und S. Lebensjahre am 12. und 13. Mörz. Den Haushaltungen, denen Karten sür ocilchiedencAllerSstusen zustehen, sind sämtliche Milchkarten an e inem Tage auSzuhqudlgen. Tie Aprit-Karlen sind bis zum 23. März den Kleinhändlern vorzulegen. Nährmittelbezugsschein« über l'l, und 1 Pfund werden mit den Milchkarten verausgabt. Steglitz. 500 Gramm Haferflocken, 300 Gramm Weizengrich, 500 Gramm Reis und 500 Gramm Teigwaren als Ziilahnakiunnsinrttel. Stralau. Am II. März 125 Gramm Hasei flockeu(8t. Dlc Abschnitte' sind bis Sonntag in den Geschäften abzugeben.' �ugenöveranftaltungen. Neukölln. Heute'Jß Uhr Jugendheim, Nogatftr. öS, Mitglieder- Versammlung. Silüungsveranstaltungen. Bildungsausschust Grost- Berlin. «. tknnstabend»Soziale Dichtungen-, Sonntag, 7 Uhr: Aula des Gymnasiums zum Grauen Kloster. Klostcrsir. 74 Mitwirkende: Herr Dr. Max Hochdori, Frl. Margarete Merlbach. Eintrittskarten a> M. bei oben Abtei- unastaisiernn. Horich. Engewser 15, Buchbandiung BorwärtS. Lindenstr. 2 und im Bureau des Biidungsausschusscs, Lwdenstr. 3, II. Hof IV, Zimmer 10. Steglitz. Wir verweisen die Genossen nochmals aus aus die Märchen- rorlewng am Montag 5Y.. tlbr in der Oberrealschule. Billetts, 30 Pf., a» der ilasfe und bei den Bezirlsfüyrern. Grost-Serliner parteinachricbtea. tt. Abt, Sonnabend, Tft, Lhr. bei Schneider, Körnersit. 5: Sitzyng der Betriebsvertt.auentieut«/ BezirtSsührer mit dem Abieilungsoorsiand. Schöneberg. 8. Abt. Sonnabend, tz, 8 Uhr, bei Groß, Sedanslr. 17:' Junltionärsitzüng. Rejerent: Genosse Franz Ezimmstt. das Zünöholzmonopol öroht! das beißt: Verteuerung der Fabrikatton und damit der Ware. Vernichtung der tteinen Betriebe, Brollosmachung der Arbeiter, denen andere Arbeit ver» schlössen oder die untüchtig dazu sind. Hausfrauen, wehrt Luch! Vie Setriebsratswahlen. Die Demagogentaktik. Die„Freiheit" leistet sich in ihrer heutigen Morgenkummer erneut einen nAgriff gegen die Taktik unserer Partei zu den Be- trieöSratSwahlcn. Wenn man das Geschreibsel wirklich für bare Münze nehmen würde, wären die Unabhängigen die Hüter der An- schauungen des Allgemeinen Deutschen GeiperkschaftSbundeS, unsere Genossen dagegen die Störenfriede, dw durch ihre Disziplinlosig- keit den Wc lrayipf zu einem parteipolitischen gewandelt haben und die berdisnen, vom Vorstand des GewerkschastZh�iWS dafür zur Rechenschaft gezogen zu w-crden. Für jeden Äeiw r der Ver- Hältnisse ist eS nun freilich ganz klar, daß das plötzliche Schwärmen der„Freiheit" für die freigewerkschaftlichen Listen nur eine Verschleierung ihrer wahren Taktik ist. nämlich unter dem Deckmantel„freigewcrkschastlicher" Kandidaten ausschließlich G e g- ner der Arbeitsgemeinschaften und Vertreter der Rätediktatur als Betriebsratskaudidatcn aufzustellen. Daß dem so ist, gibt die„Freiheit" an anderer Stelle derselben Nummer ganz offen zu. In einem Bericht über eine Süddeutsche Rätekonferenz in Stuttgart, auf der der sehr klassenbewußte Pro- letarier Dr. Kurt Geber zum versammelten Volke sprach, und die schließlich wieder- einmal mit dem Austritt der kommuni- stischen Räte aus der Konferenz endete, macht die„Freiheil" folgcu- d�s Eingeständnis: „Die auf der Konferenz anwesenden Kommunisten verfolgten jedoch eine andere Taktik und ihr Austreten endete schließlich mit der Entfernung von der Konferenz. Ihr Wortführer H e ck e r t, der regelmäßig als erster Diskussionsredner sprach, benutzte diese Gelegenheit ausschließlich zu Angriffen gegen unsere Partei. Vor allem machte er der Berliner B e- zirtSorganifatio« unserer Partei den Vorwurf, daß sie in ihrer Taktik bei den Betriebsräte» Wahlen auf dem Boden der Grundsätze des All- gemeinen Deutschen Gewerkschaft Sdundes st ä n d e. Das, das eine Verleumdung ist, weist jeder, der dir AuS- einanbersctzung über die Wahltaktik, die in Verlin immex noch nicht abgeschlossen ist, verfolgt hat. Aber selbst die von Geher vorgelegten Richtlinien für die Wahlen fanden keine Gnade vor den Augen des gestrengen Kritikers. Alle» das fei„konter- revolutionär". Konterrevolutionär fei auch der Metall- arbcitcrverbaud, von dem Heckert ebenfalls behauptete, daß er auf dem Boden der Richtlinien des Geiverk- schaftsbundeS stehe. Richard Müller hat ihm so- fort erwidert, daß das gar nicht möglich sei, weil der Metallarbeitervcrband durch die Beschlüsse seines letzten Verbandstages gebunden fei, die sich von den Richt- lntionärcw Sinne unterscheiden." Ilutionären Sinne unterscheide n." Und da wage noch einer zu behaupten, die Unabhängigen st an- den mit ihrer Haltung zu den Betriebsratswahlen im Gegensatz zu den vom Allgemeinen Deutschen GewerkschaftSbund festgelegten RichtliniM für diese Wahlen! HMerffchaflsbewMng die Teuerungszulage der Suchürucker. Zu den vvrläufig gescheiterten Verhandlungen im Tarifaus- fchuß der Buchdrucker über eine weitere Teueru.zszulage der Arbeiter des Gewerbe? schreibt de«„Korrespondent", da» Organ des Verbandes der deutschen Buchdrucker: Die drei Tage liang geführten Verhandlungen sind leider resultatlos verlaufen, da über die Erhöhung der Tcuerungszu- läge keine Einigung zu erzielen war. Die Gehilfenbertretung ist daraus an das Rcichsarbeitsministerium herangetreten mit dem Ersuchen, ein Schiedsgericht einzusetzen. Dieses trat am anderen Tage zusammen»ich fällte abends einen Schiedssoruch, der sinngemäß folgendes veiagi: Folgende Teuerungszulage ist zu zahlen: In großen und teuren Orten 6l) M., in mittleren Orten bo M., in kleinen Orten öl) M. wöchentlich. In sämtlichen Orten für ledig: Gebüfen 5 M. weniger. Tie seit 1. Januar gültige Brot- und Kartoffelzulage im Betrag: von kl) M. für Verheiratete und ö M. für Ledige wird bei obigen Summen eingerechnet und kommt bei der ersten Raten» zahlung in Verrechnung Die Teuerungszulage ist zu zahlen in drei Raten, und zwar in gleicher Größe. Die erste Rate ist zahlbar ab 1.März d. I., die zweite Rate ab IS. März h. I. und die dritte Rate ab 15. April d. I. Der Schiedssvruch kann niit 14tägiger Frist gekündigt werden. Die Parteien haben spätestens in einer Woche mitzuteilen, ob sie den Schiedsspruch anerkennen wollen. Nichtbenachrichligung g'lt als Ablehnung. Am fünften Tage(2 Niä'-z) trat der Tarifausschuß wieder zusammen. Die Prinzipalsvertretung erklärte, daß sie den Schiedsspruch nicht anzuerkennen vermöge. Die Kollegenichast wird nun dringen!) ersucht, Ruhe zu bctmhren und sich durch n'.chiS bce.nflusseu zu lassen. Die Verdandsleitung wird sofort Klärung mit der Gehilsenvertretung herbeiführen und die ange- sichtS der ernsten Situation erforderlichen Anordnungen treffen. Tarifforderungen der Friseure. Der Verband der Friseurgchilfen hat für die bevorstehende Taeifberatung(der gegenwärtig geltende Tarif läuft am 31. März ab) einen Entwurf ausgearbeitet, dem am Donnerstag eine Per- sammlung der Berliner Mitgliedschaft zustimmte. Der Entwurf einhält unter anderem folgende Forderungen: Achtstündige Arbeitszeit(von 8 Uhr morgens bis 7'Uhr abends mit dxei- stündiger Mittagspause), A r b e i t s r u h e an Sonn- und Festtagen mit Ausnahpie der drei hohen ersten Festtage, wo eine dreistündige Arbeitszeit von 9 bis 12 Uhr gestattet ist. Ge- Währung von Kost und Logi? wird grundsätzlich a u sg e s ch ä l t e t, kann aber in besonderen Fällen durch die Schlichtungskeinmission zugestanden werden. Als Wochen löhne, die als Grundlöhne gelten, werden gefordert für Herrenfriseure IM M., Damenfriseur« 179 M., Friseuriniien nach regelrechter Lehrzeit 179 M., solche ohne regelrechte Lehszeit nach einer Tätigkeit von einem, ztvei und drei Jahren 120, 149, 179 M., Haararbeitcr und-arbeilerinnen 149 M., qualifizierte 179 M., Haarpräparateure und Einrichter 209 M., Handpflegerinnen 130 M. flu Schi Ifen, die mindestens drei Stunden zu beschäftigen sind, sollen einen Stundenlohn von 4,59 M. erhalten. An Sonnabenden und Festtagen ist stundenweise Aus- Hilfe nicht zulässig. Der Aushilfelöhn am Sonnabend soll für den ganzen Tag 40 TL, von 1 Uhr ab 82 M. und am Feiertag(drei Stunden) 15 M. betragen. Für Damenfriseure wird bei Aushilfen ein Stundenlohn von 5 M. verlangt. Bis zum Kündigungstermin des neuen Vertrages sollen die Par:eien Richtlinien aufstellen, wo- nach ein Existenzminimum für jede Arbeitsgruppe und eine Ge- winnbeteiligung von 50 Proz. einzuführen ist. Allen Gehilfen Und Gehilfinnen soll nach einjähriger Beschäftigung ein Sommer- urlaub von mindestens einer Woche gewährt Wehden. Bis späte- stens 1. Mai soll ein paritätischer Arbeitsnachweis errichtet tverden. Alltfemeinverbindkiche Tarifverträge. Vom Rcichsarbeitsministerium wurden für allgemein verbindlich erklärt der Tarifvertrag für die Angestellten im Tapisseriegewerbe, Beginn der Verbindlichkeit 15. Januar 1929, und der Nachtrag zum Tarifvertrag für die Arbeiter des Eisen-, Eisenwaren-, Gußwarea-, Draht- und Drahtstiste-, Stahl-, Röhren-, Werkzeug- und Werkzeug- maschinenbandels, Beginn der Verbindlichkeit 1. Oktober 1919. Die Verbindlichkeit beider Verträge erstreckt sich über das Gebiet des Zwsckverbandes Groß-Berlin._ Teutkcher Werkmeister-Verband Berlin XII, Fachgruppe Meister der städti che» Betriebe. Montag den«. März abends G Uhr Versammlung H abcrlands Feslsäle, Neue Friedrichstr. 35. Soziales. Erhöhung der Unfallrenten. Die Empfänger von llnfallrenlen leiden stark unter der heutigen Teuerung und Geldentwertung. Durch Verordnung wurde 1918 den Unfallrentnern mit einer Erwerbsbeschräniung von zwer Dritteln und mehr eine Zulage von 8 M. monatlich gewäbrt, die von Oktober 1919 ab auf 29 M. monatlich erhöht wurde. Die Ke- rusSgenossenschasten haben jedoch jetzt anerkannt, daß diese Zulage den heutigen Verhältnissen nicht mehr gerecht wird. Ihre Verbände hoben daher der Regierung vorgeschlagen, Künftig schon Rentnern mit einer Erwerbsbeschränkung von 59 Proz. auf w ä r t s die Zulage zu gewähren, ebenso den Waisen und älteren Witwen der durch Unfall Getöteten. Die Zulagen sollen auch künf- tig nicht mehr für alle gleich sein, sondern nach der Höhe der ur- sprünglichen Renten in Prozenten bemessen werden. Dahe! sollen Rentner mit höherer Erwerbsbeschränkung und solche aus älteren Jahren(als die Löhne und die Renten noch ziffernmäßig niedrig waren), verhältnismäßig höhere Zuschläge dekomme». Bei Unfall- reuten, die aus der Zeit vor 1999 stammen, wollen die Berufs- genosienschaften bei voller Erwerbsunfähigkeit mit den Zu- schlagen bis 199 Proz. gehen. flus aller Welt. Die Grippetrlrankungen in Hamburg. Die Grippe macht in Hamburg erschreckende Fortschritte. Aus einem Bericht der Allae- meinen OrtSkrankcnkasse geht hervor, daß in der Woche vom 23. bis 28. Februar die Zahl der Grippeerkrankungen, die Arbeits- Unfähigkeit zur Folge hatten, auf 1784 gestiegen ist, das macht 45 Proz. aller Erkrankungen in der Woche aus. Bis dorthin litten in der Woche 319 Personen an Erkrankung der Atmungs- organe, davon 229 oder 73 Proz. an der Grippe. Unter den- an Grippe Erkrankten macht die S t e r b l i chk e i l S z i ffe r 12 bis 13 Proz. aus. Tie Zahlen sind um so bedenklicher als der Ge- samtzahl der Gestorbenen in der Woche von 554 nur eine Geburtenzahl van 439 gegenübersteht. Einer Falschmünzcrgesellschaft ist die Görlitzer Kriminalpolizei auf die Spur gekommen. Nachforschungen nach dem Ursprung der in der-letzten Zeit besonder? zahlreich in den Verkehr gebrachte v- geschlckt nachgemachten falschen 59- M a r k- S ch e i n e ergaben, daß sie in der Seestraße in Berlin in größerem Maßstäbe' bergestellt wurden, und daß bei ihrer Fabrikation der Ingenieur v. Ziege» s a r und mehrere Unbekannte beteiligt waren. Von Ziegesar konnte in einem Vorort vdn Görlitz in einem Restaurant verhaftet werden, wähtvend seine Komplicen verschwunden sind. Außer dem Genannten wurde auf Veranlassung der Görlitzer Kriminalpolizei in Berlin seine Wirtin als Mitschuldige von der dortigen Kri- minalpolizei festgenommen. Beschlagnahmt wurde in Görlitz ein als Handgepäck aufgegebenes Paket mit 75 759 M. in falschen 59- Ma rk-Scheinen. Ausgebrichrne Verbrecher. Aus der Strafanstalt Müllers d o r f bei Wien sind zwanzig Verbrecher nach Beitechuna der Wachen geflüchtet. ES wurden den Wochen Bestechungsgelder bis zu 199 999 Kronen angeboten. Berantio. für den redattlon. 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