Nr.lF9.37.zahrs. BezngSpreiS, B n�tllährt. I«,50MU,intellung»qedUhi. Unter Krenzdand für Seutichland and Oesterreich-Ungar» 8,75 Mi, für da» ädrige Aueland lS.-- Mi, bei»Salich einmal. Zustellung IL— Mi.+ Baiuta» Aufschlag. Post- destellungen nehmen an vaneinari, Holland, äuiemburg, Schweden und die Schwei». Eingetragen w die Posti- Leitung»- Vre,»liste. Der.Borwitr»»' mit der Sonntag«. bellage.Boll u. steit' ericheint wachen» täglich zweünal. Sonnlag««inmol. Zeiegramm-Adresta �Sozialdeniotra« Abend-Ausgabe. Devlinev VolkSblstt ( 15 Pfennig) Anzeigenpreis t #».« achtgefvaltene NonparetllezeN« kostet 2.— ÜI!., Teuerungszuschlag S0°/» »Nlei«« klnzeigen-, das tett- gedruckte z�srt 75 Pfg. fzuisssig zwei sengedruckte Wortes, jedes weitere Wort 50 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das erste Wort «5 Psg. jedes weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%. Familien■ Anzeigen, volitische und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen Z,— Mi. die Stile ohne Aufschlag. Anzeige» Mr die nächste Rummer müssen bi, 5 Ahr nachmittags im Hauvtgeschäft, Berlin SSE 88, Sünden- ftratze 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Ztntrn\organ der rozialckmohratS fchen parte» DeutfchlandQ Keöaktion und Expedition: SW. bS» Lindenstr. Z. Zhernivrecher: Amt Morrnpla«. Nr. RS1S0— tS>S7. Freitag, de« Ä6. März 1V20. Vonvärts-Verlag G.m.b. h., EW. öS, Lindenste. Z. Fernsprecher: Amt Moritfplaft. Nr.»I7äS— Hesamtrücktritt öer Reichsregierung. Hermann Müller mit öer Kabinettbildung beauftragt. Die Rekonstruktion deS jtvbinette Bauer ist an der Schiffer- Frage, die gestern adend auftauchte, gescheitert. Genosse Bauer hat heute um 11 Uhr vormittags seine De Mission gegeben und der ReichSprästdent hat auf ein stimmigen Beschlutz der sozialdemokratischen Fraktion den Minister des Auswärtigen, Genossen Hermann Müller, mit der Bildung einer neuen Regierung betraut. Für diejenigen, die die tollen Märztage von 192V in Berlin miterlebt haben, bestand von vornherein kein Zweifel daran, datz nach so schweren Erschütterungen ein Wiederaus� bau der alten Verhältnisse mit der atten Regierung unmöglich sei. In Stuttgart hatte man an eine solche Möglichkeit ge> glaubt, und man war in diesem frohen Glauben nach Berlin zurückgekommen. Der Ausgleich der einander entgegen- stehenden Anschauungen vollzog sich und vollzieht sich nicht ohne Schwierigkeiten, und damit ist viel kostbare Zeit ver» loren gegangen. Hätten die aus Stuttgart Heimgekehrten sofort die Notwendigkeiten deS Augenblicks erkannt, hätte die ganz« Regierung durch ihren gemeinsamen Rücktritt dem Reichspräsidenten— sei eS auch gegen dessen eigenen Ein spruib— freie Hand gegeben, so stünde jetzt schon eins brauch bare neue Regierung fertig da. Hermann Müller hat nun auf einstimmigen Wunfch der Fraktion das schwierige, durch nutzloses Zaudern erschwerte Werk begonnen: im Interesse unseres Volkes»md unserer Partei wünschen wir aufS herzlichste, datz eS ihm ge- lingt. Genosse Müller hat von vornherein auf dem Stand- Punkt gestanden, datz die Demifston deS Gcsamtkabinetts un< permeidlich sei und datz em Kabinett der republikanischen Verteidigung, ein Kampfkabinett gegen rechts an seine Stelle treten müsie. Wenn eS ihm gelingt, eine Regierung nach diesen Gesichtspunkten zu bilden. so wird damit die Möglichkeit geschaffen sein, eine der schwer- sten Krisen, zu überwinden, in die jemals ein Staatswesen geraten ist. Ter Weg. den Müller zurückzulegen hat vom erteilten Auftrag bis zu seiner Ausführung mutz durch die schwersten Hindernisse gebahnt werden. Die Demokraten sperren sich geaen di«V«reinba.rungen, durch die der General- streik beendet worden ist, und bereiten dadurch der Koalition die grötzten Schwierigkeiten. Die Unabhängigen können noch immer nicht begreifen, datz auch für sie daS entschlossene Einspringen in die Bresche zur Verteidigung der Republik das Gebot der Stund« ist. Di« Notwendigkeit, mtt den Gewerk- schaften direkt zu verhandeln, gestaltet die Verhandlungen nur noch schleppender, die Dinge würden sich wesentlich ein- facher erledigen lassen, wenn die Gewerkschaften den Weg der Verständigung über die Parteien suchen würden. Aber es ist schon zuviel kostbar« Zeit verloren, und man wird nun hoffentlich auf allen Seiten einsehen, datz nicht noch lange ve r handelt werden kann, datz g e handelt werden mutz. Wenn Genosse Hermann Müller einen Auftrag übernimmt. den d-ie Genossen L e g ien und Wissel! von ihrem Stand- Punkt aus mit wohlerwogenen Gründen ablehnten, so tot er daS sicher, auch mit Rücksicht auf das Reffort der auswärtigen Politik, das er bisher verwaltete. auS der Erkenntnis heraus, datz die äußere wie die innere Situation ein längere? Herumpettdeln in Erwägungen und aussichtslosen Experi- menten nicht gestattet. Ueber die Gestalt des Kabinefts Hermann Müller kann in diesem Augenblick noch nichts gesagt werden, steht doch noch nicht einmal fest, ob seine Mission gelingt. Unseren Standpunkt haben-wir schon wiederholt dargelegt: die schärfste Regierung ist uns heute die liebste, und an ihrem Zustandekommen mitzuwirken ist nach unserer Ueberzeugung die Pflicht beider sozialdemokratischen Parteien. Da die Beden klichkei tan der Unabhängigen die Diftnmg einer solchen Regierimg sehr erschweren, so wird man schon zufrieden sein müssen, wenn ein neues Kabinett aus z u v e r- lassigen Republikanern zustande kommt, daS sich den berechtigten Ansprüchen der Arbeiterschaft nicht verschlietzt und den Kampf gegen die Rechte mit voller Schärft aufnimmt. Eine solche Regierung wird die geschlosiene Unter- stützung de? sozialdemokratischen Partei finden, und mit ihr hoffen wir. im Juni einen Wahlkampf führen zu können, der zu einer zerschmetterniden Niederlage der milita- r i st i s ch e n R e a k t i o n. zu einer Festigung der demokrott- schon Republik, des inneren und äußeren Frieden? und durch Stärkung der sozialdemokratischen Partei auch zur Anbahnung bedeutender sozialistis ch»r Fortschritte fish- ren wird. Das preußische Ministerium. Nach erneuter Beratung hat die sozialdemokratische Fraktion der preußischen Landesversammlung am Freitag mittag beschlossen, definitiv folgende Ministerliste zu präsentieren: Präsidium: Gräs, Landwirtschaft: Braun, Unterricht: Haentsch, Inneres: Krüger, Finanzen: Lüdemann. Genosse Graf- Frankfurt, der als Ministerpräsident vorgeschlagen wird, war bisher der Vorsitzende der sozial- twmokatischen Fraktion in der Landesversammlung. Der Anstoß zu dieser Wendung zum Besseren ist von zwei Seiten aus gegeben worden. Einmal hat die S ch i f f e r- Krise dazu geführt, da die Demokraten aus verfassungs- rechtlichen Gründen dem Einspruch der Gewerkschaften gegen Schiffers Verbleiben im Amte nicht stattgeben wollten. Zum anderen aber war es die dorbiMich« Haltung der sozial- demokratischen Fraktion»n der Preußischen Landesversammlung, die die Entschlüsse unserer Ncttionalversammlungsfraktton günstig beeinslutzte. Die preußische Fraktion hat sofort erkannt, datz nur ein ent- schlossener Ruck nach links die Lage retten kann, sie hat— wie übrigens die Reichsfraktton auch— die Streik- Vereinbarungen sofort in vollem Umfang akzepttert und mit der Umbildung der Regierung ganze Arbeit gemacht. Da Severins das Ministerium de? Innern ablehnte, schlägt sie jetzt Franz Krüger für diesen Posten vor, als Minister- Präsidenten Graf- Frankfurt a. M., als Finanzmrnister Lüdemann. Diese drei Genossen standen mit an der Spitze der Bewegung gegen den Militärputsch, dessen rasche Niederwerfung zjim nicht geringen Teil ihrer muttgen Ent- schlossenheit zu verdanken»st. Gelmgt es im Reich, ähnliche Männer zu finden, so dürfen wir hoffen, datz der rechte Weg gewonnen wird, der uns aus der namenlosen Verwirrung des Augenblicks wieder herausführt. Dann aber heißt es: Alle Kraft gegen rechts, vorwärts und durchl Das Reichsaufbauministerlum. Verschiedene Blätter brachten die Meldung, datz zum Reichsaufbauminisftr Genosse Hermann Lüdemann berufen worden sei. Hierzu können wir auf Grund zuver- ----- an ihn ergangene Berufung abgelehnt hat, weil er in der lässiger Informationen feststellen, daß Genosse Lüdemann die geringfügigen Umbildung des Kabinetts Bauer, wie sie zur Zeit seiner Berufung noch geplant war, keine Erfüllung der Forderungen erblickte, die sich aus der polittschen Lage ergebe. Zu der irrigen Notiz deS„B. T.", wonach Genosse Lüdemann erst im November 1918 der Partei beigetreten sein soll, sei bemerkt, datz Genosse Lüdemann der Partei seit 1913 angehört und seit 1914 sozial- demokratischer Stadwerordneter in Wilmersdorf ist. Cin militärisches Säuberungsprogramm. In einer Sitzung, bei der zugegen toarsn Vertreter der sozial- demokratischen BezirkSorganisation G roh- Berlin, des Republika- nischon Führerbundes, der Republikanischen Freischar und deS RÄchStvirtschaftSverbandsS deutscher Berufssoldaten, wurde am Freitag vormittag folgendes Programm formuliert, daZ der Regierung und den Parteien unterbreitet werden soll: 1. Sofortige SuSpendierung aller kompromittierten Führer. 2. TS ist die'«, Führern strengstens verboten, di« Kasernen zu betrete« und Uniform anzulegen. Die in ihrem Besitz befindlichen Waffen sind abzuliefern.£. Di« Ofegie» mng wird ersucht, ernon sosovtigen Ausruf zu erlassen zur Sammlung aller Militärpersonen, welche vor dem Putsch und wäh- vend de» Putsche» zu Unrecht entlassen worden sind. 4. Heran- ziehung der Arbeitsgemeinschaft, welche zwisch«, d»m Repirbttkamschen Führerbund und dem ReichSwirt s chaftSverband derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten gebildet worden ist, zur Unterstützung in allen militärischen Fragen, si. Sofortige Besetzung d«S RoichSwcbrminlsteriumS, insbesondere der Geheim- registratur, ferner aller Funken-, Flieger- und Kraftfahrerstationeu mit zuverlässigen retzublikawtsch gesamten Fachleuton. S. So- fortig« Einsetzung politischer Aioilkommissare in sämtlichen militärischen Dienststellen bis hmab an den Bataillonsstäben De» Zifcilkommissaren steht das Einspruchsrecht W allen Dingen mit sofortiger Wirkung zu. 7. Sofortige Auflösung aller bestehenden Einwohnerwehren und Zritfreiwilligen-Formaiionen. 8. So- fortige Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit. Dttnöer �larm. So unbedingt notwendig es ist, ans die Truppen, die in den entscheidenden Tagen versagt haben und insbesondere auf die V a l. t i k» m e r ein wachfameS Angr zu haben, so ist doch mit der Per- breitung übertriebener oder falscher Gerüchte der Sache nicht ge dient. So wurde uns heute morgen von angeblich bestuntcrrichteter Seite zuverlässig mitgeteilt, daß die in D ö b e r i tz befindlichen Baltikumtruppen unter allerhand Drohungen erneut gege» Berlin im Anmarsch seien. Sofortige Nachforschungen haben absolut zuverlässig rrwicsen» daß dieses Gerücht völlig u n z u< treffend war. Wie nnS von genau informierter Stelle mit- geteilt wird, ist der erst« Aug Baltikumrr bereits aus Döberiy a b- gerollt und der weitere Abmarsch erfolgt planmüßig und un- uoterbrochen. Am Donnerstag abend nnd nachts waren in Charlotten- bürg noch immer schwere Panzer, und Lastautomvbilr mit schwor,-weiß- roten Fahne« verschen, zu bemerken ES muß dafür gesorgt werden, datz derartige Uebergriffc schleunigst beseitigt werden? auf diese Weis« wird am besten falschen und irre- führenden Gerüchte« der Boden entzogen. Die Zeftßellung üer Verbrecher. Halle, 26. März.(Eig. Drahtber. deS zVorw.".) Heute findet in Holle im großen Swdwerordnetensaol eine ein- gehende Beratung über die Schuld der Halleschen Gar- nison, insbesondere über die des Owrstkommandierendcn von Halle, dcs Obersten C z e t t r i tz, an den Vorgängen während der Revolutionstage statt. An der Sitzung werden Ver- treter des Kriegsministeriums, der Stadt, der Parteien, des Aktionsansschusses, der neue Oberpräsident von Sachsen, Hör- sing, und der Zivilkommissar von Halle, Dr. Schreiber. teilnehmen. Es soll untersucht werden, wie weit die Hallesche Garnison am Hochverrat beteiligt war und ob die Verbrechen, die Offizieren und Mannschaften nachgesagt werden, auf Tatsachen beruhen. Die Elektrische Bahn fährt in Halle bis jetzt noch nicht. Die Theater werden Morgan, Sonnabend, mit dem Spiclesi wieder beginnen. Di« Zeitungen erscheinen noch nicht infolge des wirtschaftlichen Streiks der Buchdrucker. Im übrigen wird in Halle überall gearbeitet._ Die unliebsamen Gäste. Hamburger Grregung über die Baltikmner. Hamburg, 26. März.(Eigen«? DrahÄerickst dc-S.Vorwärts'. Die Emgniss« in und um Hamburg geben teilweise zu Befürchtun- gen Anlast, von denen man noch nicht weist, ob sie mich wirklich he gründet sind. Jedoch folgert selbst di« hiesige demokratische Presse, das Lockstedter Lager als Sammelplatz der gegen- revolutionären Truppen könne zu einer Gefahr für Hamburg werden. Dort ist beroris gestern die Brigade Lo« wen selb mit 1200 Mann eingezogen. Aus der Provinz kommen auch beunrmhi- gende Nachrichten über den Durchzug von Truppen aus Berlin. Vom Regierungspräsidenten und den Landkatsämtevn sind all- Borsichismastregeln getroffen worden, um Awischenfäll-' oder Zusammenstöße zu vermeiden. In einigen Orten ist es jedoÄ nicht ohne diese abgegang:». Der ileberwachil nosauss chust der ge werkschaftlichen Eisenbahnerverbände hat heut« nacht daS Eintreffen eines Eisen bahnzugoZ mit M-nen Werfern und anderem Kriegsgerät verhindert. Der U elber- wachunaS auSschu st wird auch in Zukunft Truppentransporte, von denen ihm nicht zuverlässig bekannt ist, datz sie im Sinne der R c- g i« r u n g angeordnet sind, unmöglich machen. Der Befokl des Oberst Ledebonr, wonach das 2. Batl. des Reichswehrregiments 18 aus dem Lockstedter Lager verlegt Word n sollte, ist bereit» ausgeführt, da der Bftehl im Auftrage des Gene- ral» v. Weber erteilt war. Freiherr.v. Ledebour ist hofsentlicb unterdessen entlasse« und wegen Hochverrats in Haft gswmmen Wochen. Sollt« das noch nicht geschehen sein, so ist c-s höchste Zeit. Die Bevölkerung Hamburgs würde kein Verständnis dafür haben. wenn man in diesem PunÄ zöge-.n würde. Vertreter der Parteivorstände Grost-Ham-buvgS sind heiuc nacht nach Berlin gereist, um die Stagierun gsst ellen von der Sach- lag« ö» unterrichten. In Hamburg selbst befindet sich austor der EicherheitSweHr jetzt nue noch doS 1. BaA. de« Regiments !8, d«s 600 Mann start ist ixnd sehr znverlässig sein soll. Ts wurde die ganze Sachlage in Hamburg wesentlich klären, wenn dieses Bataillon in die Sicherheitswehr übernommen worden tomrte. Der Schutz öer Republik, Der Nehllblikonisihe Führerbund erlätzt folgenden Aufruf: Der rep ublikanische Führerbund hat sich im Augenblicke böchsler Gefahr restlos für den Schutz der Republik eingesetzt. Ihm ist es zum großen Teil zu verdanken, datz die Sicherheitswehren sich nicht von gewissenlosen Elementen und sofort plaiunätzig einsetzender Hetze zum Sturz der Verfassung und Errichtung einer Militärdiktatur mitzbrauchen lietzen. Der Bund hat in diesen ernsten Tagen f i e b e r- hast beiTag undNacht gearbeitet, um keinen ungarischen Terror anfkommen zu lassen. Seine unausgesetzten Warnungen bor den allzu deutlichen Vor« berritungen zu dem Versuch, die Monarchie auf gewaltsamem Wege wieder zu errichten, wurden leider von den matzgebenden Stellen nicht beachtet. Vielmehr gelang eS— dank der Unachtsamkeit ge« wtiser Regierungsmitglieder—, auf dem Boden der Republik stehende Offiziere und Mannschäften systematisch auS den Truppenteilen zu entfernen, Jetzt beginnt man einzusehen, daß nur eine verläßliche republi« kanische Trupve, die es versteh!, im Interesse der öffentlichen Sicher- heit sich die Sympaihie der Bevölkerung zu erwerben, tätsächlich in der Lage ist, Ruhe und Ordnung zu verbürgen. Der Republikanische Führerbund hat bereits wirksam begonnen, eine aufklärende Tätigkeit in diesem Sinne zu entfalten. Die Mittel für die Zwecke der Aufklärung sind vor und während des Putsches durch unsere Mitglieder aus eigener Kraft aufgebracht worden.� Diese Beträge sind jetzt anfgebraucht und wir bilten daher um weitgehendste Unterstützung aller Kreise, die an der Aufrechterhaltung eines geordneten wirtschaftlichen und politischen Lebens interessiert sind. Auch der kleinste Beitrag ist willkommen. Beitrittsgesuche bitten wir schriftlich oder persönlich an die Geschäftsstelle des Republikanischen Führerbundes, Berlin NW. 6, Luisenstratze 81 b, Zimmer 12, zu richten, Geldspenden dem Post« icheckkonto: Kasfenabteilung des Republikanischen Führerbundes Fritz Doering, Berlin NW. 7, Nr. 7613b, zu überweisen. «_ Zur sofortigen Durchführung der notwendigen militärischen Umgestaltungen und Reformen ist eine Arbeitsgemein- schuft zwischen dem Republikanischen Führerbund und dem Reichswirtschaftsverband deutscher Be° rufssoldaten einerseits, dem Republikanischen Führerbund und der während der Unruhen in Berlin entstandenen Republi- kanischen Freischar Grotz-Berlin andererseits zustande gekommen. Der Zweck ist die Errichtung einer republikanisch zuverlässigen und gleichzeitig militärisch tüchtigen Wehrmacht und Sicherheitspolizei für dos Deutsche Reich im Ein- vernehmen mit den zuständigen Stellen. Absage an öie ftuZentischen Gegen- revolutionäre. Die unterzeichneten Vertreter der studentischen Gruppen der Berliner Hochschulen erklären: 1. datz sie das Eintreten weiter studentischer Kreise für die Koppsche Reaktion auf das schärfste verurteilen. 2. daß sie jederzeit die verfaflungSmößige Regierung unterstützt haben und mit den Waffen für sie eintreten werden. Für die Zentrumsgruppe: Für den demokratischen Studentenbund: gez. Schnitze. gez. Mommsen. Für den sozialistischen Studentenbund: Für die jüdisch« Gruppe: gez. Adam. gez. Littwitz. Für die Kriegsteilnehmer-Fraktion: Für die sozialistische Fraktion: gez. Strasser. gez. Kruse. Für die sreideutsche Gruppe: Für den republikanischen Hochschulbund: gez. Raemisch. gez. Prasse.\ Als Mitglieder de? Ausschusses der Studentenschaft: gez. Clasen. gez. Merzbach. gez. Raemisch. * Im Anschluß hieran geht unS folgender Aufruf zu: 'Republikanische Kommilitonen! Di« Republik, die Freiheit hat gesiegt! Fetzt cher gilt es für alle Zukunft derartige Verbrechen an unserem Volk unmSgßch zu machen, um die miritgeneu Freiheiten zu sichern und zu erweitern. Vor allem heißt es jetzt dafür Sorge tragen, daß der Geist der Republik und der Freiheit tatsächlich der herrschende werde und bleibe,— In ganz besonderem Maße gilt dies für den Geist in der bewaffneten Macht. Nie mehr darf dies« ein willenloses Werkzeug sein noch werden in der Hand unzuverlässiger Monarchisten und offener Einbrecher! Darum fordern die Unterzeichneten alle Kommilitonen, die auf republikanischem und freiheitlichem Baden stehen, auf, gemeinsam mit der organisierten Arbeiterschaft ausnahmslos in die Reihen der bewaffneten Macht zu treten, sei e? für längere oder kürzere Zeitdauer, fei es für Volldienst oder als Zeitfreiwilliger, damit die Wehrmacht der Repniblik eins endlich wird mit dem längst eindeutigen Willen des Voltes! Republikanische Kommilitonen, zeigt, daß auch unter uns Studenten das Zusammengehörigkeitsgefübl mit der überwältigenden Mehrheit des Volkes lebt, daß auch unter uns zahlreiche sind, die kämpfen wollen: Für die Demokratie, für die Republik, für die Freiheit! gez. Schnitze(Vorsitzender der studentischen ZentrumSgruppe>, gez. Ernst(Vorstandsmitglied deS Demokratischen Studentenbundes), gez. Kruse(Führer der sozialistischen Studentensraktion), gez. Straffer(Führer der KriegSteilnehmer-Fraktion), gez. Prasse(Vor- sitzender des republikanischen Hochschnübnndes), gez. Raemisch (Zraktionsfiihrer der freideutschen Grlrvpe), gez. Lehr(Mitglied des sozialistischen StstdeutenbundeS). Die Reichstagswahlen. Nur keine Bedenke«! Der Mitteilung eines Berliner MittagÄblatteS zufolge soll in den Besprechungen der Mehrheitsparteien der Wunsch zum Aus- druck gekommen sein, die Neuwahlen noch nicht, wie angekündigt, im Fun«, sondern erst zu einem späteren Termin, nämlich im Frühherbst, stattftnden zu lassen. Wir sind im Augenblick nicht in der Lage, diese Meldung auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen, Möchten aber nicht verfehlen, schon jetzt vor derartigen Experimenten nachdrücklichst zu war- neu. Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die Parteien sich durch die Erklärung, die Neuwählen spätestens im Juni stall- finden zu lassen, festgelegt haben, würde eine Verschiebung deS Wahltermins in weitesten Kreisen der Bevölkerung schwere Be- unruhigung hervorrufen. Darüber vergesse man nicht die taktischen Aussichten, die eine baldigst stattfindende Wahl gewährt. Noch steht das gesamte Volk unter dem frischen Eindruck des von den Kappleuten an ihm begangenen Verbrechens, noch ist keine alldeutsche und nationalistische Ge- schichtsfälschung imstande, über die wahren Urheber dieses Verbrechens hinwegzutäuschen; vergessen wir aber nicht, daß die zurzeit geschlagene Reaktion bis zum Herbst mit der ihr eigenen Frechheit erneut das Haupt erheben wird. Kappisten überall! Wie unS aüS sicherer Quelle mitgeteilt wird, fand üch ein« der Leiter des genügend bekannten„Volksbundes zum Scbutze der deutsche« Kriegs- und Arvilgefangenen" und dar„Reichsvereini- gung ehemaliger Kriegsgefangener", der Rittmeister Frei- herrv. Lersner, bald nach dem Putsch bei Kapp«in, um ihm zu versichern, datz die ehemaligen Kriegsgefangenen auf dem Boden d« neuen Verhältnisse stehen. Welche Gegenlei- st u n g e n Kapp in Aussicht gestellt hat, ist uns nicht bekannt. Da« Ergebnis der Unierhaltung war aber, datz Kapp dem Volks bund und der Reichsvereinigung gestattete, durch MTB. einen Aufruf an die ehemaligen Kriegsgefangenen herauszugeben, der ganz im Sinne des Kapp gehalten war.— Es ist nicht daS erstemal, daß der Versuch gemacht nnrd, die ehemaligen Kriegsgefangenen gegen die rechtmäßige Regierung mobil zu machen. Diese werden hofsent- lich die richtige Antwort ans die durchsichtigen Anbiederungsversuche finden! Deutschlanö und Frankreich. Eine Programmrede Barthous. Paris, 25. März.(WTB.) Die franzSsische Kammer ist nachmittags 4 Uhr in die Verhandlung der vorliegenden 14 Interpellationen über die auswärtige Politik ringe. treten. Das HauS ist gut besetzt. Zuerst erhält das Wort Ab- geordneter Louis Barths u. Er führte u. a. aus: DaS französische Volk sei nicht militaristisch. Während 48 Jahren habe es die geheiligsten und legitimsten feiner Forde- rnngcn im Interesse des Frieden? geopfert und nach 1314 habe es keine Eroberungspolitik getrieben. Barthou erinnert.daran, daß die Kommission, die den Friedensvertrag dnrchbcrateft habe, sich von jedem Militarismus ferngehalten hätte.(?) Es gebe in Frank- reich weder eine Militär- nsch eine Zivildiktatur. Der Glaube des Publikums in die Güte des Friedensvertrags von Versailles habe abgenommen. Das käme von dem Widerstand, den Deutschland der Ausführung des Friedensvertrags entgegensetze und von den unvorhergesehenen Schwierigkeiten, dir Frankreich bei seine« Alliierte» imd seinen Freunden erfahre. Es sei Aufgabe der Kammer, das Minimum von Garantien zu V«- langen, das der Friedensvertrag enthalte. Er habe Deutsch- land verpreußt und unter Bedingungen, die es nach 1871 nicht gekannt habe.(Beifall.) Staaten wie Bayern hätten keine diplomatische Vertretung mehr, und der Vertrag habe die diplo- matische und militärische Einheit Deutschlands gestärkt. ES wäre eine Dummheit und eine Unmöglichkeit, Deutsch- land vernichten zu wollen. Man müsse Deutschland gegenüber die Politik der Billigbrit betreiben, die in den Friedens- vertrag eingeschrieben sei. Das müsse man tun aus Gcrechtig- keit und aus Interesse. Die Alliierte» wünschten, daß Deutsch- land gedeih« wie die anderen Völker, vorausgesetzt, daß ein Teil dieses Wohlstandes dazu diene, die Schäden, die es verursacht habe, wieder gutzumachen. Er bedauere, daß von seittn gewisser Alli- irrten gewisse Milderungen des Vertrages gekommen feien, nament- lich in betreff drr Verfolgung der Beschuldigten. Alle Delegierten und in Frankreich alle Parteien könnten die Aburteilung des Kaisers verlangen. Die moralische Not- wendigkeit dieser Grrechtigkeitspflicht sei nicht von Frankreich aus- gegangen, sondern von jenseits des Kanals. Barthou erinnert an die Wahlreden Lloyd Georges und sagt, die englischen Zeitungen hätten sich über Frankreich und Belgien luftig gemacht, weil sie die Aburteilung und die Auslieferung von etwa 160 Generalen und Staatsmännern verlangt hätten. Habe nicht England die Ab- urteilung von Admiralen wie Tirpitz und von Capelle verlangt? Sei England allein es gewesen, das die Folgen des Unterseeboot. kricgs, dieser Barbarei, zu erdulden gehabt habe? Seien neu« der französischen Departements nicht zerstört und gemartert worden? Habe Frankreich nicht die gleichen Rechte, zu sprechen wie England? (Beifall.) Seien nicht von den Sozialisten der französischen Kammer aus die beredtesten Proteste gegen die Deportierung in den Norddepartements erhoben worden? Habe Frankreich nicht die gleichen Rechte wie England, die Auslieferung der verabschenungs- würdigen Generale zu verlangen, die diese Dcportierungen befohlen hätten? Habe Belgien nicht das Recht, die Aburteilung des Mannes vom Chiffon de Papier zu verlangen, genau wie England, das die englischen Staatsmänner reklamiere?(Beifall und Lachen.) Wäh- rend mehr denn einem Jahre hätten die energischen Drohnoten der Älliierfc«, die in betreff der Entwaffnung und der Aus- l i e f e r« n g gestellt worden seien, die Unterschrift von CIcmenceau und nachher die von Millcrand getragen? In beiden Fällen habe es sich um die Unterschrift der französischen Regierung gehandelt. D i r Konzessionen jedoch trügen die Unterschrift der englischen Regierung.(Bewegung.) heeresverminöerung in Italien. Mailand, 26. März. Laut„Corriene della"Sera" hat der italie- nifche Kriegsm in ister d-ie Entlassung der Jahresklasse 1897 und zählreicher Offiziere verfügt. Es werden ungefähr 100 006 Mann und 6600 Offiziere entlassen, Annexion Elsaß- Loihringens durch Bismarck im Jahre 1871 einer Kriiik zu unterwerfen? ES galt als ein« seiner größten Ruhmes- taten, diese beiden Provinzen, da sie unS vor mehr als 200 Jahren geraubt worden seien, wieder mit Deutschland vereinigt zu haben. Datz er vorher eine Volksabstimmung bätte vornehmen sollen. Härte nur ein weltfremder Schwärmer annehmen können. Datz diese ge- waltiame Einverleibung aber ein geschichtliches Unrecht gewesen ist, hat Graf von Brockdorff-Rantzau im Februar 1919 in der National- Versammlung ausgesprochen, Daher lautet die wichtigste Forderung für den Geschichtsunter- richt:.Keine Verherrlichung der Machtpolitik. Kürzere Behandlung der Kriege. Aufklärung über das Kulturwidrigr derselben." Bei der Durch- nähme dieser soll der Jugend das gewaltige Elend /icht vor- enthallen werden, das sie im Gefolge baben. Die zwei Millionen Toten, die wir im Weltkriege verloren haben, sollen im Geschichls- Unterricht ihre Stimmen aus dem Grabe ertönen lasten. Die wirtschaftlichen und finanziellen Folgen sollen unseren Schülern wahrheitsgetreu geschildert werden. DaS ist die beste Bekämpfung eines RevanckegedankenS. Man wird alles dies der Jugend im Geschichtsunterricht nicht darbieten können, ohne ihr Verständnis für die i n t e r- nationalen Schiedsgerichte, das Selbst- bestimmunqSrecht der Völker und den Völker- bund beizubringen. Selbstverständlich meine ich einen wirklichen Völkerbund, in dem alle Nationen gleichberechtigt sind, nickt das von Clemenceau und Lloyd George entworfene Zerrbild eines solchen. Von solchen großen völkerrechtlichen Fragen ist aber in keinem SchulgeschichtSbuche die Rede. Die alte preußische Unterrichts- Verwaltung war eifrig darauf bedacht, den Schülern solche Dinge vorzuenthalten, da sonst die Gefahr vorlog, datz sie dem Mili- ta r i s m u s entfremdet werden könnten, also dem Prinzip, nach dem die sich auf daS Mililär stützende politische Macht vor Recht geht. Geschichtsunterricht in dem in diesem Aufsatze angegebenen Sinne zu geben, mutz aber das Ziel der Geschichtslehrer im neuen Deutschland sein. Vielen wird es aber unmöglich sein, da sie nicht plötzlich ihre Anschauungen wechseln können, da sie nicht heute der- herrlichen können, was sie gestern verdammt haben, und heute ver« urteilen können, was sie gestern verehrt haben. Ich habe vor meinen Kollegen, die so denken, die größte Hochachiung. Sie sollten aber daraus die Konsequenzen ziehen und den GeickichlSunterricht, zum mindesten in der neueren Geschichte, anderen überlasten. Da nun aber die alten Geschichtsbücher noch nicht umgearbeitet find, müßte der Minister für Wisfenichaft, Kunst und Volksbildung Richt- linien für den Geschichtsunterricht veröffentlichen und diese zur Nachahmung empfehlen. Denn durch das jetzige Verbot ist ein Vakuum entstanden.____ In der Staatöover wird Montag, den 29.,„Der Waffenschmisd" als Voitöoorstellung zum Ersah jür die ausgejallcne Vorstellung gegeben. Ludwig Hardt gibt seinen letzten Abend Sonntag m der Berliner Sezession. Hauptmanns ncneS Drama:.Der weiße H eil an d' kommt am Sonntag im.Großen Schausptekhause" zur Uraufführung. Der GeMichtsunterricht im neuen Deutfthlanö. Von Oberlehrer Dr. Erich Witte. Der Kampf gegen die Feinde der sozialen Nepublik muß— daS hat die Putsmwoche genügend bewiesen— vor allem auch in der Schule gesühtt werden. Eine gründliche Reform deS lÄeschichtSmsterrichls, besonders auch in den höheren Schulen, ist eine der dringendsten Aufgaben des Tages. Durch einen Erlaft des Ministers für Wistenschaft, Kunst und Volksbildung ist bestimmt worden, datz die bisher gebrauchten Lehr- iiücher für Geschichte, da sie den jetzt zu stellenden Anforderungen nicht mehr entsprechen, im Klastenunierricht nicht mehr benutzt werden dürfen, und datz thre Anschaffung von den Schülern und Schule« rinnen nicht mehr verlangt werden kann. Der Grund ist ein zweifacher. Ersten? soll die Jugend jetzt in republikanischem Geiste erzogen werden,� und zweitens soll der Geschichtsunterricht im Sinne der Völkervcrsöhnung gegeben werden. Art. 148 d. Reicksverf.) Das heißt, er soll nicht dazu gebraucht werden. um die Machtpolitik zu verherrlichen. DatzdieSbiShergeschehen ist, dafür will ich zwei Beispiele anführen, nämlich die Art, wie Friedrich der Große und Bismarck in den Schulgeschichtsbüchern dar- gestellt werden. Wenn ich gerade diese beiden Männer wähle, so geschieht dies deshalb, weil nach der allgemeinen Austastung der eine als der größte preußische König und der andere als der größte deutsche Staatsmann� gilt. Durch die siegreichen Kriege Friedrichs des Großen, besonders durch den Siebenjährigen, ist Preußen eine Großmacht geworden, das ist der Gedanke, der in den GeschichtS- düchern direkt oder indirekt zum Ausdruck gebracht wird. Dabei ist eS ober nicht wegzleugnen. daß er an den Kriegen schuld ist. Ob er den Siebenjährigen Krieg gewollt hat oder ob er seinen ,?einden, von deren kriegerischen Plänen er gebort hatte, nur zuvor- kam. ist ein Streitpunkt. Tatsache ist eS aber, daß der Sieben- i.'ihrige Krieg nur durch die beiden ersten Schlesischen Kriege möglich war. da Maria Theresia Schlesien zurückerobern wollte. Dadurch, datz Friedrich den ersten dieser Kriege begann, ist er schuld an dem Elend, das über Preußen und einen Teil Deutschlands berein» brach..Di« Freude, meinen Namen in den Zeitungen und, nachher in der G«sckichi« zu lesen, hat mich verführt", hat er selbst an einen freund geschrieben. Ist das nicht eine Verherrlichung der M a ch t p» l i t i k? AehnNch steht t» msi Bismarck, der im Jahre 1848 seinen Ein- stutz geltbnd machte, um das Zustandekommen eine- einheitlichen Deuffchlands auf friedlichem Wege zu verhindern, es dann aber urch die Machtmittel eines Verfassungsbruchs und mehrerer Kriege schuf. Es siegte bei dem VerfastungSkonflitt der Jahr« !W2 bis 1866 die Macht über daS Recht. Daraus ist dann von den zünftigen Historikern der Schluß gezogen worden, datz der geschichtliche Verlauf der Fortschrittspartei mit ilrer Opposition gegen Bismarck Unrecht gegeben hätte. Diese Anficht hat aber verhängnisvoll auf emea großen Teil unserer Generation gewirkt. Denn Vertragsbruch und Ver« fastungSbruch wurden dadurch geheiligt..Not kennt kein Gebot", sagte Bethmann Hollweg am 4. August 1914. und man jubelte ihm zü. DaS heitzt aber mit anderen Worten: Der Zweck heiligt daS Mittel. Da ferner die Verwirklichung eineS langersehnten Zieles, nämlich die Schaffung eines einheitlichen Deutschlands, nur durch Kriege erreicht wurde, bürgerte sich bei einem Teile deS deutschen Volkes der Glaube ein, datz der Krieg der Hauplsörderer der ge- schichtlichen Entwickelung sei. Denn wie man auch über die Eni« stehung deS deutsch-franzönschen Krieges der Jahre 1870/71 denken mag, so ist eS dock Talsache, datz die Kriege von 1864 und 1866 von Bismarck gewollt sind. Eine ganze Schule von GeschichtS- schreibern bildete sich nun, um seine Taten zu feiern. Dadurch, datz sie auch in diesem Licht im GcschichlSunterricht dargestellt wurden, wurde dieser zu einer Verherrlichung der Machlpolitik. Friedrich Pausten sagt in einem Sussatze:.Politische Fragen sind Rechtsfragen, so dachte daS Naturreckt des 13. Jahr- Hunderts, so dachte der vormärzliche Liberalismus, so glaubten dir Achtundvierziger und setzten ihre Hoffnung auf die fiegreiche Kraft der Ideen. Politische Fragen sind Macktsragen, so sprach es. Bismarck mit schneidender und verletzender Schärfe aus, und da ihm die Geschichte Recht gegeben hat. so denkt das deutsche Volk, wie jedes Volk, den jüngsten Ersahrungen am meisten trauend, nunmehr, wie er eS gelehrt hat, vielfach bis zur äußersten Ein- seitigkeit." Gewiß haben sich viele später von den ihnen im Ge- schichtSunterricht beigebrachten Anschauungen wieder abgewandt. Aber gerade die BildungSschickten glaubten an Blut und Eisen. verhöhnten unablässig den Weltfrieden und die Weltverständigen. Unter den Geschichtsschreibern ist eS besonders Treilschke, der verhängnisvoll gewirkt hat. Er feiert den Sieg der Macht über daS Recht, nennt den Gedanken deS ewigen Friedens ein.unmögliches und zugleich unsittliches Ideal", bezeichnet den Krieg als.eine von Gott emgesetzte göttliche Ordnung". Seine deutsche Geschichte ist aber von vielen Geschichtslehrern studiert worden, in feinem Geiste sind die Schulgeschichtsbücher verfaßt worden... Räch dieser Darstellung ist es nickt zu verwundeckr, datz Kriege und Schlachten in den Geschichtsbüchern aussührlich behandelt werden, Kulturgeschichte aber nur ganz kurz. AIS Beispiel führe ich daS an vielen höheren Schulen eingeführte Geickicktsbuch von Neu- bauer an. Vor mir liegt eine Bearbeitung für Mädchenschulen von Batzer. In dem ersten Teile(Ausgabe L, 9. Auflage, 1913) werden z. B. den Kriegen CäsarS, Karls deS Grotzen und Friedrich« des Großen je zwei Seiten, dem Krieg 1870/71 sogar sechs Seilen ge- widmet, ober der politischen und wirtschastlichen Entwicklung Deutschlands von 1871 bis 1888� nur Seiten, und der von 1888 bis 1913 sogar nur eine halbe Seite. Eng verbunden ist hiermit auch eine Verteidigung, wenn nicht gar Lobpreisung der AnneLionspolitik. So werden die Teilungen Polens, die im?Iu§Iande der schärfsten Kritik unter- zogen werden, in deutschen Schulgeschichtsbüchern damit gerecht- «erligt, datz Polen sich nicht selbst regieren konnte. Wenn aber ein Gutsbesitzer sein Gut nicht selbst verwalten kann, folgt daraus schon für leine Nachbarn das Recht, sich das Gut zu teilen? lind welcher Verfasser von Schulgeschichtsbüchern hätte«s wohl gewagt, die ftppell an die Nekchsregkerung unö die Regierungen der Kreiftaaten. Ei» einer mitteldeutschen Regierung angehörender Genosse richtet folgenden Appell an die Reichsregierung und die Regie- rungen der Freistaaten:« Es ist die höchste Zeit, darauf hinzuweisen, daß die militari, scheu Reaktionäre neuerdings ihre politische Niederlage durch eine umfassende verlogene Frresührung der maßgebenden staatliche» Faktoren und der öffentlichen Meinung abzuschwächen wie nicht gar faktisch unwirksam zn machen suchen. U. a. gibt sich dieses Bestreben kund in einer starken Lersorgnng der Presse mit falschen Nachrichten über den Charakter der durch das Berliner Pntschverbrechen ausgelohten Aktionen, die man samt und sonders als„spartakistisch" bzw.„bolschewistisch" «zu verdächtigen sucht, um so einen Teil des EntrüftungS- fturmes gegen die Militaristen von diesen abzulenken. Der Versuch, alle diejenigen, die auf Entwaffnung der reaktiv- nären Truppenteile und Festnahme der hochverräterischen Offiziere dringen, als Spartakisten zu brandmarke«, ist eine politische Falschmünzerei schlimmster Art. Viele von denen, die auch nach dem Rckzünge der Regierung Kapp-Lüttwitz noch an Kämpfen gegen reaktionäre Truppe« teilnahmen, sind von jedweden kommu- ttistischcn Zielen weit entfernt. An einer Reihe von Orten kämpften Mehrheitssozialdemokratrn und U.S.P.-Lcute nur deshalb weiter, weil man der Reichsregierung nicht die Kraft und Energie zn- traut, die unumgänglichen Reinignngs- und Ber» geltungSmaßnahmrn gegenüber der Reaktion durchzuführen. Unter Verkennung der durch den Rücktritt der Kapp-Lüttwitz der. änderten politischen und rechtliche« Situation will man, um sicher zu gehen, die Ausführung jeuer Maßnahmen selbst- tätig betreiben. Tie Staatsregierung, der ber Berfasser diese? Appells angehött, hat ihre Einwohnerwehren restlos davon überzeugt, daß eigenmäch- tige Aktionen, die über die LandeSarenzen hinausgreifen, so lange rechtlich unstatthaft sind, bis die Reichsregierung ihr Unvermögen erklärt oder erwiesen hat, dir von de« Masse« des deut- fchen Volkes stürmisch verlangte Remednr zu ver- wirklichen. Es muß erwartet werden, daß die Reichsregierung sich endlich dazu aufrafft, gegendie militaristischen Brand- st ister erbarmungslos einzuschreiten, die Rechts- Putschisten mindestens ebenso scharf anzufassen, wie man solche der äußersten Linken zn behandeln pflegt. Die Reichsregierung soll erklären, ob sie so verfahren will bzw. ob sie die Macht hat, ihren Willen der Militärbureaukratie und den reaktionären Truppen. formationen aufzuzwingen. Im Falle einer verneinende« Antwort wäre dann ein Appell an die Arbeiterschaft zu wirksamer Hilfe- leistung nötig und erfolgversprechend. Es muß verhütet werden, daß die verschlagenen Drahtzieher des Militarismas unter der Maske von Kämpfer» gegen den Bolschewismus Volk und Regierungen täuschen, sich so aus der Putschaffäre ziehend. Reaktionäre Truppenteile und Truppenführer, auch selche, die nichts für die alte Regierung getan haben, sollten von jeder weiteren Ber- Wendung auch vom Kampfe gegen putschistische Kommunisten klipp und klar ausgeschlossen werden. Nur so kann eine unsagbare Ver- wirrung der für dir Republik eintretenden politischen Front und ein Bürgerkrieg in Permanenz, dem ein kurzer, weil einiger, geschlossener Vernichtungskampf gegen die Reaktion vorzuziehen ist, vermieden werden. Tie steistaatlichen Regierungen werden gebeten, sich diesem Appell an die Reichsregierung möglichst rasch anzuschließen. fttis dem Reich. Im Eulengebirge. Fm jichlefischen Eukenyebirge ist di« Mwehrbewsgrmg gegen den rebolutionären Anschlag mustergültig durchgeführt worden. Als die Tat der.verkappten" Regierung bekannt wurde, gab Ge- nasse Feldmann in Langenbielau Zettel hermiS, die zu einer Massenversammlung einluden, und in zwei Stunden waren Tau- sende von Msirschcn zusammen, denen Genosse Feldmann die Lage klarlegte und die einstimmig den Genevalstoeik beschlossen, der eine volle Woche durchgeführt wurde. Ter Aöichluss wurde in einer Massenversammlung von 12 OOS Personen vorgenommen. So ein- mutig, wie der Generalstreik begonnen, so einmütig wurde auch die Arbeit wiederaufge-nommen. Wirtschaft Tie ueueu Wirtschaftsführer. In der Person des Unternehmers vereinigt sich der Wirtschaftsführer und der K a p i t a l i st. Neben ihm spielt in unsrer Wirtschaft der Geschäftsführer oder Direktor eine bedeutende Rolle, der als Be- auftragter von Einzelkapitalisten oder Kapitalisten- gruppcn für diese wirtschaftlich leitende Arbeit leistet, um aus dem ihm anvertrauten Kapital eine möglichst hohe Rente zu erzeugen. Auch eine g e m e i n w ir t s ch a f t- I i ch geleitete, also eine sozialistisch organisierte Wirtschaft, benötigt W i r t s ch a f t s f ü h r e r, die für diesen Beruf' eine besondere wirtschaftliche und technische Ausbildung erhalten und sich ein so großes Maß praktischer Erfahrungen angeeignet haben müssen, daß sie den Produktionsprozeß in allen Einzelheiten übersehen und der Bedarfsdeckung ent- ivrechend zü fuhren vermögen. Ob eine Unternehmung mit Erfolg arbeitet oder nicht, hängt sehr stark von der Oualität des WirtschastSführers ab, hcnn auch unter ungünstigsten Produktions- und Absatzverhaltnissen vermag ein hervor- ragend tüchtiger Wirtschaftsführer oft noch Erfolge zu erzielen. In Arbeiterkrcisen wird bedauerlicherweise die große Bedeutung des Wirtschaftsführers noch vielfach verkannt und fälschlicherweise anaenommen, daß es eigentlich gleichgültig sei, ob Müller oder Schulze der Unter- nehmungs l e i t e r ist. Die WsrtschastSfiihrcr des Kapitalismus sind, wenn wir von den Protektionskindcru abschen, Leute, die»von den feinsten Spürnasen des Kapitals herausgefunden werden und die man mit der Zusicherung glänzenden Einkommens anlockt. Sie verlassen die Kollegen, ertöten ihr Solidaritäts- gefühl und sckilagen sich auf die Seite derer, die ihren Vor- teil durch ein möglichst rücksichtsloses Z u r ü ck d ä m m e n der Ansprüche der Arbeitnehmer finden. So erfolgt denn auch die Bewertung des kapitalistischen Wirtschaftsführers vonseiten des Kapitals einzig und allein nach den Dividenden, die er herauszuwirtschasten versteht, keineswegs nach seinen sonstigen moralischen Qualitäten. Hier sind wir an dem Abgrund, der so außerordentlich oft in der kapitalistischen Unternehmung zwischen Arbeitnehmerschaft und Wirtschaftsleiter klafft. In der heutigen Wirtschaft ist der Wirtschaftsleiter nicht der Vertrauensmann seiner Arbeiter, sondern allein des Kapitals und infolgedessen der Gegner, sogar der Feind der Arbeitnehmerschaft. In der Gemeinwirtschaft aber der Wirtschaftsführer der Vertrauensmann seiner Arbeiter, der Ver- trauensmann der Volksgesamtheit sein. Hieraus ergibt sich für uns die große Aufgabe, für die Gemeinwirt- schaft die bestgeeigneten Führer bereitzustellen! Wir wissen, daß sich zwar viele für sehr tüchtig halten, daß auch viele für sehr tüchtig gehalten werden, oft von solchen, die leider gar nicht befähigt sind, über die wirkliche Tüchtigkeit o�der Untüchtigkeit richtig zu urtellen. Nur Tüchtige können über Tüchtige richtig urteilen! Wir brauchen daher dringend schon jetzt einen Bund von Führern für die Gemeinwirt schaft. Wie- viele der jetzigen Wirtschaftsführer sich heute bereit finden, sich in den Dienst einer Bewegung zu stellen, die die kommende Gemeinwirtschaft vorbereitet, ist schwer abzuschätzen. Die jetzigen Führer sind, von Ausnahmen abgesehen, Organe des Kapitals, die bezahlt werden, um den Sozialismus niederzuringen. Das beweist ihr Vorgehen gegen sozialistische Arbeiter und Angestellte. Das darf uns aber nicht hindern,' diejenigen um unsere Fahnen zu sammeln, die wirklich gemein- wirtschaftlich fühlen und auch zu handeln befähigt sind. Leitende Angestellte, Wirtschaftsführer, wir rufen Euch auf, mitzuarbeiten an dem Neubau der deutschen Gemeinwirtschaft. Und wenn wir Euch auch keine Nieseneinkommen und Tantiemen bieten köttnen, so werdet Ihr die Verehrung, die Millionen Proletaricrherzen verehrungswürdigen. selbstlosen und treuen Männern immer be- zeugt haben, sicher finden. Die Sozialdemokratie ist heute keine Oppositionspartei mehr, sie trägt mit an der großen Verantwortung vor der Geschichte der Menschheit. Zwar liegt die Entscheidung noch nicht allein bei ihr, weil sie in der politischen Ver- tretung in der Minderheit ist. trotzdem 75 Proz. des Volkes Lohnarbeiter und Angestellte find. Gerade deswegen muß alles daran gesetzt werden, das zusammenkrachende Gebäude der kapitalistischen Wirtschast auf einem neuen, festeren Fundament aufzubauen. Dieses Fundament muß aber bestehen aus wirtschaftlich geschulten, sich vollkommen verantwortlich fühlenden Arbeitern und Wirt» schaftsführern, die auch innerlich Träger der ge- meinwirtschaftlichen Wtrtschafts- und Weltanschauung ge- worden sind._— astr. GroßSerün Gasexplosionen ln Moabit.! Die Warmmgsn der Direktion der Städtischen Gaswerke, die äußerste Vorsicht beim Anzünden von Gaslampen empfahlen, find nicht unberechtigt gewesen. Durch die Einstellung der Notarbeiten in einzelnen Werken hat sich in den Hauptrohren, welche unter dem Straßenpflaster liegen, Luft angesammelt, die sich nun mit dem nachströmendvn Srein kohlengas vermengt imd das so gefährliche, selbftemtZündliche Knallgas bildet. Infolge dieser Erscheinung, die sicherlich auch in anderen Stadtteilen noch aufrrsien wird, halben sich heute morgen in Moabit vier Ex plosion en ereignet, die glücklicherweise kein Menschenleben zum Opfer forderten. Die erste und schwerste Explosion ereignete sich gegen 8% Uhr an der Kremzung der Strom st raße und A l t- Mo a- bat. Dort liegt nahe der rechten Häuserseite das HauptgaSrvhr, das unter dem Pflaster in einer Tiefe von etwa drei Metern unter den Stoaßsnba�rschichren verlegt ist. Ein Straßenbahnwagen'hatte eben die.Kreuzung in schneller Fahrt passiert, als die Explosion er- folgte. Mit gewaltiger Detonation barst das Rohr in der Erde, und der Druck war so gewaltig, daß das Pflaster mit den Straßenbahnschienen über die ganze Straßen breite hinweg auf- g e r i s s e u wunde. Asphaltstücke und Kopfsteine flogen zum Teil 150 Meter weit durch die Luft» und fast wie durch ein Wunder wurde keiner der zahlreichen Passanden verletzt. Die starken Straßenbahnschienen sind glatt auseinanderyerissen.'An der Stelle, wo unter der Erde die Explosion erfolgte, hat sich ein großer Trichter gebildet. � Die Polizei sperrt« sofort die Straße für jeden Ve-rkehr, da ti nicht ausgeschlossen ist, daß noch weitere Ex- plosioize« erfolgen.— Dti« zwei te Explosion, die nur geringen Schaden anrichtete, ereignete sich wenige Augenblicke später an der Ecke Stromstraße. Auch bier wurde das Pflaster aufgerissen.— Aehnliche Explosionen erfolgten an der Emdener Straße und an der H e i I a n d s k i r ch e. Die Direktion der Gasanstalt erklärt, daß infolge der Ein- ftellung der Notstandsarbeiten in den einzelnen Werken sich fast im gesamten Rohrnetz in Berlin Knallgas gebildet hat. das sich nicht ohne weiteres entfernen läßt. Die Gasanstalten ersuchen, daß vorderhand in keiner Wohnung GaS gebrannt werde, dg so der Minimaldruck in den Hauptrohren rmmer tiefer sinkt und die Knallgasbildung begünstigt wirb. Erst nach Bekannt- gäbe des Magistrats können Gaslampen und Gaskocher wieder ohne Gefahr für den einzelnen benutzt werden. » »» Die Explosion in der Laukwitzer Munitionsfabrik hat noch mehr Opfer gefordert, als sich zuerst nach der Katastrophe über- sehen ließ. Bis heute haben sich bereits über IVO Personen gemeldet, welche mehr, oder weniger schwer verlast worden sind. Von der Polizei in Lankwitz wird der Schaden, den die Explosion in den umliegenden Stroßenzügen angerichtet hat, auf etwa zehn Millionen Mark geschätzt. Die fast unmittelbar an der Unglücksstätte gelegenen Straßen, namentlich die Kluck- und die Charlottenstraße, biete« noch heute ein Bild grauenhaftester Verwüstung» Man hat den Eindruck, als befinde man sich in einer Stadt, die längere Zeit feindlichem Ar- tilleriefeuer ausgesetzt gewesen ist. lieber 15 Häuser sind voll- kommen abgedeckt und die Dachsparren wie dünne Zaunlatten ge- knickt. Di« Mauern haben so bedenkliche Risse erhalten, daß die Baupolizei noch heute eine gründliche Prüfung der betroffenen Ge- bände vornehmen wird, um festzustellen, ob Einsturzgefahr vor- banden ist. Die Wohuungen bieten ein Bild der Verwüstung. In den beiden genannten Straßen ist auch nicht eine Wohnung unbe- schädigt geblieben. Wie ungeheuer groß der Luftdruck war, den die Explosion erzeugte, sieht man daraus, daß selbst in den entfernteren Wohnhäusern und Villen nicht nur die Fenster völlig au? der Mauer herausgerissen sind, sondern auch die Türen. In mehreren Fällen sind die Türen mit Füllung herausgerissen. Die in Lankwitz wohnenden Aerzic vermochken die notwendige Hilfe nicht allein zn leisten. Deshalb eittfandte das Garnlso-n- läzarett Tempolkof zwei Äerzte, die auch heute iwH untersuchen und Verbände anlegen. Da in den Geschäften, Restaurants und'' Cafes säst ohne Ausnahme die Scheiben zertrümmert sind und da sich in den Jlbenidsiunden Gesindel bemerkbar machte, das zu plündern versuchte, wurde dir Gendarmerie der Nachbarorte herangezogen. Ilebgr die Ursachen der Explosion liegen bis zur Stunde noch keine abschließenden IltnxrsuchungZergebnijse vor. Heute mtttag traf an der Unfallstelle eine Sachverständigenlom- Mission des FeuerwerklaboratormmS in Spandau ein, die per- suchen soll, festzustellen, ob die Entzündung des PikrinS auf mangelnde Sorgfalt des Personals oder auf eine äußere Ein- Wirkung zurückzuführen ist. Wie die Lankwitzer Polizei ermittelt hat, hat sich em Schornsteinfeger, der Lehm holen wollte, in irn- mittelbarer Nähe der Sprengstoffgrube zu schaffen gemacht. Etwa 2 Minuten später entstand am Rande der Grube eine gelbe Stichflamme und wenige Sekunden später erfolgte die Explosion. Diese Vorfäll« wurden von dem Kantinenwirt der Fabrik, der sich in unmittelbarer Nähe des Brandplatzes befand, beobachtet. Es ist jedoch vollkommen unwahrscheinlich, daß die Arbeit des Schorn- steinfegerS an der Grube mit der Explosion irgendwie in Ver- bindung steht. Man muß berechtigterweise annehmen, daß sich sowohl die In- Haber der Fabrik als auch.der Ueberwochungsbeamte des Reichsver- wertungsam ts einer Fahrlässigkeit dadurch schuldig gemacht haben, daß sie die Aufhäufung so großer Pikrinmaflen in einer mit Wasser gefüllten Grube duldeten. Pikrin ist bekanntlich ein außerordentlich gefährlicher Sprengstoff, dessen Behandlung von sachverständigen Feuerwerkern stets überwacht werden muß. Es erscheint unverständ- lich, daß die Fabrikbesitzer in Lankwitz sich überfalle Vorschriften hinweggesetzt und die äußerst gefährliche Anhäufung größerer Pikrinmassen am Rande einer bewohnten Ortschaft geduldet haben. „Wenn Gott auS der Schule gejagt wird." Die agrarisch-deutschnational-tappistische„Deutsche TageS- z e i t u n g" jammert über die Berweltlichung der Schule: „Di« heutigen Machthaber rütteln an den Kirch entüren und nun wollen sie noch die Kinderseele nehmen, wollenden Sonntag daraus verlöschen und wollen das armselige kalte Lämpchen ihrer Partei in die Kinderseele stellen. Ast das das Anbrechen einer neuen Zeit, wenn Gott aus der Schule gejagt wird?" Die Kinder im heutigen Deutschland beklagt sie: ,„Nun soll ihnen auch noch das Schönste genommen werden: die streichelnden Hände Gottes, die bittenden Augen des Heilands und die Weisheit, die vom Himmel träufelt auf die alten Schul- bänke wie das erste Jauchzen des Frühling?. Man will ihnen die unsichtbaren Brücken zerschlagen, ans denen ihre Herzen in den Himmel gehen. Die Brücken, worauf ihre Innigkeit läibelt, wo der leichte blau« Mantel ihrer Phantasie flattert, die Brücken, die von ihren Träumen gebaut sind." Sie ruft ihren Lesern ins Gedächtnis, wie sie zum erstenmal die Geschichten auS der Bibel hörten und Kirchenlieder kennen lernten: „Erinnert Ihr Euch noch? Gott nahm Eure Seele in feine Hand und spiegelte sich darin.-- Und das soll nun alles ge- Wesen sein? Ihr wollt Euren Kindern dieses Glück zerschlagen?" Ausgerechnet auk Bibel geschichten und Kirchen- lieder, die ihr wohl das Wichtigste am Religionsunterricht sind, weist die„Deutsche Tageszeitung" hin! Wen packt nicht der Grimm. wenn erderTränen gedenkt, die von Millionen deutscher Kinder um Bibelgefchichten und Kirchenlieder geweint worden sind? Es gehört ein« tuchiig« Portion Keckheit dazu, hier noch zu fragen: .Ihr wollt Euren Kindern dieses Glück zer-' schlagen?" Wer baut die A. E. G.-SchneUbahn weiter? Vor einiger Zeit wurde berichtet, daß die A.E.G.-Schnellbahn der Stadt Berlin und dem Zweckverband erklärt hat, daß der Weiter- bau der Schnellbahn G e s u n db r u n n e n- N e u k hlln ihr unmöglich geworden sei. Daraufhin war eine einstweilige Ver- fügung gegen die Gesellschaft erwirft worden, die den Weiterbau anordnete. Das Karmnergericht hat nun durch Urteil vom 15. März diese einsiweiligcVerfügungaufgehobenzein Rechts- mittel gegen diese Entscheidung ist nicht gegeben. Womit also festzustehen scheint, daß die Bahn Gesundbrunnen- Neukölln einstweilen nicht weitergebaut wird. CS ist jetzt dringend erforderlich, daß sich der Verband Groß-Berim der Sache anrnmmt, bevor dprch einen Verfall des Bands noch größere Kosten erwachsen. '"4 ß j* i d l 1 i l* i j. Ein« neue L.ustbarkeitSstenerardnnng- für Schöneberg. Von den städtischen Körperschaften ist für Berlin-Schöneberg eine neue Lustbarkeitsstcuerordnnng angenommen worden. Die neue Stcuerordnung entspricht in allen wichtigen Punkten der im vorigen Monat in Berlin züt Einführung gelangten LustbarkeitSsteuerord- nuug. Da anzunehmen ist, daß die nachgesuchte Genehmigung der 2hl fsicht Horben binnen knrzem erteilt werden wird, ist bestimmt mtt dem Inkrafttreten der neuen Lustbarkettssteuerordnu.i>a noch in diesem Monat zu rechnen. Die steuerpflichtigen Bee triebe— Lichtspieltheater usw.— werden darauf hingewiesen, sich auf die neuen Steuersätzs einzurichten. Straßenbahn nach Zehlcichorf. Zehlendorf soll in absehharer Fett Anschluß cm die Groß« Berliner Strcrßeniwhn erhalten. Allerdmgs wird diese Verbindung zunächst nicht der allgemeinen Be- völkerung, sondern in erster Reihe der Goerzschen Fabrik- arbeiterschaft zugute kommen, deren Arbeitsstätte sich in dem vom bebauten Ortsteil entfernt liegenden südlichen Industrie- gelände am Teftowkcmal befindet und bisher ohne allen Verkehr?- anschlüß ist Die Verhandlungen zwischen dem Verband Groß- Berlin der Großen Berliner Straßenbahn und der Fabrikdirektivn sind abgeschlossen; die Goorzsche Fabrik zalhlt für den Bau des Aw schlusseö einen nennenswerten Zuschuß. Die Verbandsver- sa mmlu ng Groß-Berlin wird sich bereits am nächsten Montag mit der Verlängerung der Großen Berlin« Straßenbahn- und dem Angebot eines Baukostenzuschusses beschäftigen. Ter Botanische Garten w Dahlem ist am Sonntag, den 2S. Mörz, von 11— 4 Uhr für den allgemeinen Besuch geöffnet. Kinder unter 10 Jahren haben keinen Zutritt. BolkSbochschnle Neukölln. Der nächste Vortrag deS Dozenten Dr. Grau(Reihe 1)— Enindtalsachen des Seelenleben?-r findet am Montag, 2». März, statt. Britz. Die Gemeindevertretersitzung beschloß, den Gemeinde» steuerzuschlag von ZOO auf 350 Prozent zu erhöhen, unter W- lehnung eines Antrages des Gemeindevorstandes, welch« eine Er- höhung auf 400 Prozent verlangt hatte. Gleichzeitig wurden die Gewerbesteuer, sowie die Grund- und Gebäude» st euer erhöht, letztere auf 4 pro Mille mr bebaute und 7 pro Mille für unbebaute Grundstücke. Die Unabhängigen stimmten gegen die Erhöhung des Gemeindesteuetzuschlages, verlangten aber in derselben Sitzung die Erhöhung mehrerer Ausgabeposten. Wirt- schastsbeihilfen füx die Gemeindearbeit«, Teuerungszulagen für die Angestellten, sowie andere Lohn- und Gehaltsfragen wurden nach den Vorschlägen des Finanzausschusses geregelt. Eine bean- -tragte Erhöhung der Entschädigung für die Erteilung deS katho- lischen Religionsunterrichts wurde mit den Stimmen der beiden sozialdemokratischen Fraktionen abgelehnt. Beschlossen wurde, dem Architekten Bücklers zwei Probeläuser in sparsamer Bauweise in Auftrag zu geben. Da eine rechtzeitige Fertigstellung des H a u S- haltungsplanes für 1020 nicht möglich ist wurde be« schlössen, den in d« Gemeinde beschäftigten Beamten, Angestellten und Arbeitern kann bis zur Beschlußsassunq über den neuen Etat die Besoldung bzw. Löhnung, wie sie durch Besoldungsordnung, Da- rise usw. festgelegt ist über den 1 April 1920 hinaus gezahlt werden. Ebenso sind alle durch bestehende Beschlüsse sestgelegto und alle zur Äufrecht«haltung eines geordneten GeichäitSgcingcs notwendigen Zahlungen au- der Gemeindekasse zu leisten. Dst Beamten wurde das Mitbestimmungsrecht bei Regelung ihrer A« gelegenhesien nach Berlin« Muster bewilligt, OewerMastsbewsgung Nachrichten für flmerita-/luswanüerer. Die in Srbeiterkreisen weit verbreitete Annahme, datz Amerila noch das Land einer besseren Zukunft sür sie sei, wird neueidingS wieder durch recht bemerkenswerte Mitleilungen als irrig widerlegt. So sind die Kosten der Lebenshaltung in Nordamerika der- motzen gestiegen, datz die Söbne in den meisten Fällen nickt mehr genügen, um dem Arbeiter mit Familie ein gerade nock auskömmliches Dasein zu gewährleisten. Das wird so- gar amtlich bestätigt, denn nach den Untersuchungen des Bureau of Labor StatisticS gehören zur Bestreitung der einfachsten Lebenshaltung 1800 Dollar, während das JahreS- otnkommen in 13 000 Fällen, die amilich untersucht worden sind, sich unter ISOO Dollar hält. Es sollen sich vielfach bereirS die typischen Erscheinungen der Unterernährung zeigen. Daö ist besonder« bei den militärischen Aushebungen festgestellt worden. Ueber die Zustände in Nordamerika berichtet der Brief eines Deuisch-AmerikanerS. der sich bereits feit 45 Jahren im Staate New Fork befindet. Darin steht folgendes: »Die Zeiten, da die Aussichten für den Neu-Einwandernden noch günstig waren, liegen weit zurück. Was vor 50 Jahren durch äuherste Kraftanstrengung— mühelo» und in kurzer Zeit find Aelchwm und Wohlstand auch in den Staaten niemals erworben worden— möglich war. ist heut« nicht mehr möglich. Wie viele mutzten aber auch schon damals ihr Werk unvollendet zugrunde gehen lasten. In der Heimat waren sie Glieder eines Volke» gewesen, dort stqnden ste als Fremde den Fremden gegenüber. Von allen Viesen viele» rst niemals ein« Kunde in die Heimat gedrungen.— wohl aber von den wenigen AuSerwählten, die ihr Glück machen durften. Die Regierung der Bereinigten Staaten wird auch künftig« hin deutsche Einwanderer gebrauchen können und wollen. In diesem Sinn hat auch heute noch daS Wort Mc. Kinleys, datz die Arbeit in den Staaten den Mann suche, seine Berechtigung. Doch wer heute «ch? Fremder zum Erwerb nach dorthin kommt, der darf»weder fordern, noch wählen. Er mutz sich in manchen Gegenden, besonder? im dichter bevölkerten Osten, begnügen mit dem Los, das man ihm gl» dem Fremden zugedacht hat, als Arbeitskraft auf einem Arbeitsgebiet verwendet zu werden, auf dem der amerikanische Bürger sich nicht betätigen will, wenn er eine Befriedigungsmöglichkeit für feine notwendig- sten Lebensbedürfnisse sucht. Ist seine Arbeitskraft verbraucht, oder hat sie ihr« Aufgabe erfüllt, dann kann er sehen, wo er bleibt. ES ist also kein Wunder, datz solche Leute, wenn sie ihre Hoffnungen getäuscht sehen, sich gegen ihr LoS aufbäumen. Tatsächlich find an allen Ausständen, an denen gerade die letzten Monate überreich waren, die fremdgeborcnen Elemente bei weitem am stärksten beteiligt gewesen. So erklären sich auch die Zeitung«- berichte von den Tausenden von Amerikamüden, die setzt, oder sobald eine Möglichkeit sich ihnen bietet, heimkehren wollen. Noch heute trifft man in den Vereinigten Staaten in Wort, Schrift und Bild eine Hetze gegen alles, was deutsch, und äutzerst schwer ist eS für den Deutschen zurzeit, Arbeit und Verdienst zu finden. Keiner will deutsche Arbeitskräfte. Diese Stimmungen aber werden sich als letzte Ausläufer des Krieges in den einzelnen Menschen verlieren. Die Schränken, die beute noch der deutschen Einwanderung gesetzt sind, werden fallen, deutsche Arbeits- kräite werden wieder unentbehrlich fein, aber besteben wird auch künftighin und stetig erstarken der nativislische Charakter de' amerikanischen Bürgertums, der in dem Neu-Einwandernden viel'ack nur den Fremden, eine notwendige Arbeitskraft sieht, nicht aber den Menschen, und nur der Starke wird durch öutzerfte Kraftanstrengung bei der wirtschaftlichen Freiheit seine Bahn, behaupten können/ Buchdrucker und Gegenrevolution« Der«Korrespondent" für Deutschlands Buchdrucker und vchriftgietzer behandelt in ferner Nummer vom ÄZ. März die Er- etgniffe au» Anlah des gegenrevolutionären Putsche«. Unter voller Anerkennung der Meinungsfreiheit betont da» Blatt: Die Meinungsfreiheit wird und mutz auch ferner von den Buchdruckern, als deren Vermittlern für olle Parteien und Geistesrichtungen, gewahrt werden— gegenrevolutio- näre Ausbrüche jedoch werden stets da» in ihre Hand gegebene Mittel todbringender Unter- bindung anwendungsbereit finden! So haben die Buchdruckergehilfen diesmal der Sache des Volkes gedient, so werden sie wieder Handel«, wenn den reaktionären VolkSverderbern je noch einmal ein konterrevo-! luttonärer Putsch eknfaklen sollte,«ein mlNiSrt- sche» Druckmittel vermochte da etwa» zu helfen, die so viel der- kannten Buchdrucker würden auch damit fertig werden. In Leipzig mit seiner gerade eröffneten Technischen Meff«. wo wohl die meisten, schwersten und andauerndsten Barrikaden- kämpfe in der Generalstreikwoche stattgefunden haben— leider auch unter Verlust deS so vielen auswärtigen Kollegen ebenfalls besten» bekannten VolkShaufeS, dessen mächtiger Vorderbau eins grauenvolle Trümmerstätte geworden ist—, war die Frag« de» Erscheinens der Tageszeitungen in der vernünftigsten Weife ge- löst worden. Sie galten als lebenswichtige Betrieb» und waren nur an die Voraussetzung gebunden: nicht für die Kapp-Sipp- schaff einzutreten und nicht gegen die kämpfende Arbeiterschaft zu schreiben. Bei der größten Leipziger Zeitung lam eS einmal zur Intervention des Setzerperfonfils, bei dem ausgesprochen deutschnationalen Blatte zog aber erst das letzte Mittel. Die gleichen Personale hielten jedoch vor einigen Wochen streng an der korrekten Auffassung fest, datz man die NoSkeschen ZeitungS- Verbote nicht durch Beelzebub austreiben dürfe. DaS Erscheinen der Leipziger Zettungen konnte jetzt indes nicht immer möglich gemacht werden, denn die in dem sehr großen Stadtumkreis errichteten zahllosen Barrikaden verengerten sich nach dem Stadt- Innern zu und lagen meistens andauernd unter Feuergefecht, so datz sich die Zeitungspersonale bei Aufsuchen ihrer Arbeitsstätten der größten Lebensgefahr aussetzten... Jedenfalls ist da? Ka- pitel„Buchdrucker und Gegenrevolutton", wenn die persönlichen Opfer und Entbehrungen in Hinficht auf da», was auf dem Spiele stand, nicht das Ausschlaggebend« sein dürfen, ebenso be- deutungsvoll wie ungetrübt. Eine interessante Streitsache» die Mischen dem Zentralverbande der Angestellten und dem Ar- beitgebervechande der deutschen Berufsgenossenschaften schwebt, wird demnächst die zuständige Schlichtungsinstanz beschäftigen. Nach einem vom 1. April ISIS ab gültigen Tarifvertrage haben die in dem genannten Arbeitgeberverbande vereinigten BerufSge- nossenschaften ihren Angestellten neben festen Bezügen einen be- weglichen Zuschlag zu zahlen, der den schwankenden Verhältnissen der Volkswirtschaft und der dadurch bedingten wechselnden Kauf- kraft de» Geldes angepatzt werden kann Der Zentral der- den, Berhandtungen Wer dt« Forderungen der Streikenden werde« voraussichtlich heute oder morgen beginnen. Vor Abschluß der Ver- Handlungen ist an eine Wiederaufnahme der Arbeit natürlich nicht zu denken. Die Ausführungen der Diskussionsredner sowie die Stimmung der Versammlung ließen keine» Zweifel darüber, datz die Strei- kenden entschlossen find, bii zur Erreichung eines befriedigenden Ergebnisses im Kampf auSzuhalten. Neunstundentag bei der Ppst. Unter dieser Ueberschrift brach:.: die„Berliner Morgenpost" in ihrer Nr. 74/34 eine Notiz, worin betont wird, datz die unteren Post- und Telegraphenbeamten die Wiedereinführung deS NeunstundentageS beschlossen hätten. Wie auf den eigenartigen Standpunkt, datz der„bewegliche" Gehalt« Zuschlag bor Wlauf de» bis zum 31. Dezember 1020 gültigen Ver- träges nicht abgeändert werden kann. Antzerhalb de» Rahmen» des Tarifs bewilligte jedoch der Arbeitgeberverband eine jederzeit widerrufliche Zulage, welche von den Angestelltenvertretern al» gänzlich unzulänglich bezeichnet werden mutzte. Die Angestellten- Vertreter erklärten, daß sie die bewilligten Beträge nur als«inen Vorschuß ansehen und im übrigen darauf bestehen, datz über eine geitgemätze Erhöhung deS beweglichen GehaltSzufchlagS innerhalb deS Rahmens deS Tarifs verhandelt wird. Der Standpunkt des ArheitgeberverbandeS, datz der bewegliche GehaltSznfchlag erst nach Ablauf deS Tarifvertrages abgeändert Verden kann, erscheint ohne weiteres haltlos, wenn man berück- sichtigt, datz nach Ablauf des Vertrages sämtliche Bezüge der Ange- stellten abänderungsfähig sind, und«S hietze den Worten„beweg- sicher EehaltSguschlag" Gewalt antun, wollte man seine Abönde- rungSfähigkeit vor Äblauf des Tarifs verneinen. Wäre.di« be- stehende Teuerung zurückgegangen, so hätte der Arbeitgeberver- band die Bewcglkkvkcit des GehaltSzuschlagS wahrscheinlich nicht bestritten, sondern sofort ein« arge Tätigkeit entfaltet, um den Zu- schlag nach nnten zu bewegen. Auf all« Fälle lehnen et die Angestellten ab, von dem„Wohlwollen" der Arbeitgeber, wie eS in der auf Widerruf gewährten Zulage zum Ausdruck gebracht ist, ab- hängig zu fein. Sie betrachten ei dielmehr als ihr Recht, ein« ausreichende Bezahlung zu fordern. Der Streik in der Herren« und Tamenmahsckjneiderei. Am Freitagvormittag tagte im LehrervereinShaufe eine sehr stark besuchte Versammlung der streikenden Damenschneider und -schneiderinnen. Der Referent Schumacher bezeichnete die Lage de? jetzt in der vierten Woche währenden Streik» al» durch- aus günstig, lieber 200 Firmen mit mehr als 1400 Beschäftigten haben die Forderungen anerkannt. Eine unverbindliche AuS- spräche mit der Leitung deS ArheitgeberverbandeS hat ftattgefun- uns vom Verband der unteren Post- und Telegraphenbeamten mit» geteilt wird, hält derselbe am Achtstundentag fest. Es handele sich im vorliegenden Fall lediglich um Beschlüsse der mittleren Beam- ten. Letztere hätten in der Kapp-Lüttwitz-Woche völlig versagt, trotz- dem die Organisation sich am Sonntag, den 14. März, für den, Eintritt in den Streik entschieden habe. ES sei sogar vorgekom- men, datz untere Beamte infolge von Denunziationen mittlerer Beamten verhaftet worden wären. Die Geltung deS Neunstunden- tageS für mittlere Beamte habe lediglich den Zweck, die Verlan- gerte Arbeitszeit auf die unteren Post- und Telegraphenbeamten abzuwälzen. Insofern wäre«S Aufgabe der Regierung, für die strikte Durchführung de» Achtstundentage» auch bei den mittleren Beamten Sorge zu tragen. Zu dem allgemein verbindliche« Tarifverträge für da? Rohr» leger-Gewerbe in Berlin und Umgegend ist mit Wirkung vom 1. Oktober 1913 ab zwischen den Vertragsparteien ei« Nachtrag vereinbart wotben. Der entsprechend dem Nachtrag abgeänderte Ta- rifvertrag wird für da» Rohrleger-Gewerbe in dem Gebiet für all- gemein verbindlich erklärt, daS durch ein« folgende Orte verbindend« Linie begrenzt wirb: Fürstenwalde, Strausberg, Werneuchen, Bernau, Oranienburgs Nauen, Werder, Zossen und KönigSwuster- Hausen. Die genannten Orte fallen in daS Gebiet. Tie„gewerkschaftliche Arbeit der Tentschnationale«. Zu dem im August 1919 abgeschlossenen Tarifvertrag für die Angestellten der Grotz-Berliner Baumaterialienbranche forderten die Organisationen der kaufmännischen Angestellten Antang Ja- nuar diese» JahreS monatliche Teuerungszulagen, da mit den seinerzeit bewilligten Gehältern ein Auskommen unmöglich war- ES wurden Zuschläge von 200 bis 800 M. auf die Tarifgehälter gefordert. Auf diese Forderungen erwiderte der Arbeitgeberverband dieser Branche, datz ex sich in diesbezügliche Verhandlungen nicht einlassen könne. Er fei aber bereit,«ine monatliche Vergütung von 20 Prozent auf die tariflich festgelegten Sätze freiwillig zu gewähren. Während sich der Zenttalverband der Angestellten mit dieser Stellungnahme der Arbeitgeber nicht einverstanden erklären konnte. sondern e» nochmals mit Verhandlungen versucht«, war der Deutsch- national« HandlungSgehilfenverband so hoch erfreut über daS„Erit- gegcnkommen" der Arbeitgeber, datz er sich sofort mit den gnädigst bewilligten 20 Prozent einverstanden erklärte. In der Nummer 2 seine» VerbandSorgonS, der„Brandenburgifchsn Wacht", bringt er auf Seit« 14 einen diesbezüglichen Artikel und überläßt e» darin seinen Mitgliedern und den AngcstelltenauSschüssen, sich bei den einzelnen Firmen selbst mehr zu erbetteln. Dom tatkräftigen Eingreifen deS Zenttalverband«» der An- gestellten ist eS aber nun doch gelungen, die Arbeitgeber an den Verhandlungstisch zu bringen, und wurde auch ein ganz schönes Verhandlung-ergebni» erzielt. Dank diesem Eingreifen bekommen die Angestellten in der Baumaterialienbranche ab 1. Januar d. F. monatliche Teuerungszulagen von 185 bi» 230 Mk. Diese Taisache zeigt wieder einmal, wie«S mit der sogenannten „praktischen Gewerkschaftsarbeit" d«S Deutschen Handlungsgehilfen- verband«» steht.»_ Hroß-Serliner parteinachrichtea. Heute, SS. März: Charlottenbur g. Geneialuttlammlung de» WahwerekS 7 Mr im .BollStauS'. Tagesordnung!.Die politisch« Lage und die kommenden ReichswgSwahlen': Bericht und Neuwahl de» Vorstände». verantw. fllr den redaktion. Teil: Arwr gicklee, Ct-rlottenlmrat kür Anzeigen: Th. Stocke, Berlin. Lerlag: Borwürlo-Verlag®. m. b. Berlin. Druck: Vor- wSrts-Buchdruckerei u. Berlaaoonüalt Daul Sinaer u. Co. Berlin. Lindenltr. 8. Salt 1672 «MS nsnos VerViul direkt ab Fabrik-MageitB! li31Jatt.tr.lM0 Intlrascctt 33— Vls-a-vls der Marktballe— ftlllll Cawil. 00, zahlt die höchsten Tattesprelse für Kupfer, Messing, Blei, Zink usw. Technikum Eutin. noacbineobau und Banlach, Sonderkurse zur Ver IcQrzung der Schulzeit,' 30/10 Elektro-Motore Lritungs-Dyninno-Driiltto In» ftollar-Material iPift lanlend Elottromech�Zentruin. lAlei. «7SZ). Kurze Str. l» iAIex-PÜs Schellack, Lrelm sps- foufl pdeo Quantum Scogctie ßutj, Srcliu. Anbreasttrcge 75. Telephon: König stodt 3106. MSbel alt' gegen bat 9M» und out Xeiljablnng Ichoa seit 60 Zähren. Barth el ftüinberfer Strebe 64. Verlangen Sie Vioparfa 'Zahnpasta t Parfüme sowie erstklassige kosmetische Präparate liolaPartBBerie-Faliilkatioli.s'SÄf&'Äo�Ä Alt- Ktefalle wie' Kupfer, Messing 3lei, Zink usw. bScbetzablcnd Waßmannstraße 22. Verkäufe sbottdiMa, SIsjütae__________ EsuMU, nahe Bahnhof. uahzatcmt SO Marl. 10« --- Sülsen, Brake 11, t 2834. nahe Bahnhof, 20 Marl. 100 Äfeh" _..._�JX®tM[itt 1___ Anzüge utib Paletoto©et» uft zu sehr bimsten Brei- i Senttol-Ctlllbaue, Saget- ak» TL_ ttolDs tl Zlaliener, schwerrasiige, naen, eingetroffen. -Ifpeicher. Boikageo-� „»».ujlnen Ml verlausen Brenzlouor Brahe 30,' iflfimc, einfache Jiobtne, MSntel, Stufen, Selben- kr alle Seleaenhejten. D-rnieider billigst. saellH, MauerftraSe 80, Treppe, neben Konzett- 11,20 ZockettanzSge. Ulster. 0r!ma kiosfe. Mtlauft' AM» nur Map arbeit, ______ pretewert Leihbaue «isniewfarte 108.1 Sarbfarnaetloaf, ffenftet SS Mari, Tlillb-ttdecken, Store«. Viva ud ecken, B-itwösche. MhaNMaztrhlstr-fie�l. Komplett« Schneiber- und! Ladenettr�wn«, VA ftlllffhriili? 8) A SPlslet lt.(futtetftafl«, S�ot« ZünkNngsanzSge, Briedens. qualiUt, ReftpoBen. auch tzeirenaasOae, tanfarrnrulee billig trrett beim gabrif nleu Zlttnr Zw», gegenüber Bahn- bof M»->ndervla«.®i;_ teaje füafundzwanzi Razschnoideret gegründet Belenchtünge- gabrlk vsr- lauft birelt an Private, für Sa, und clel! tische Kronen, zum isabritpreife. Brücken- strahe 8 iSannowihbrllcke)._* SazMaen, 2 Fenster 48«—/ Belrd ecken, Stores. Kulling, Äopenhagenerslrahe 1, oorn (Bahnhos SchSnhauseralleet. .»Köt»«:! «haeselongaea, lZ»-««. 25[i— OOtit, weihe Schlafzimmer,«leiderschriinke. i, Augustftr. 32« be.___ II hochaornehme n». Schlaf., A und Küchen sh Speise-. M. WM__________ Meicke, Augustftr. 32a, Quer, «ediiude 160111 Serren» ei»r und W?°iW«°nn� dingt lohnend- Vften für SelegenoettokSufe, mir 80 Aohrea-straje»h._* SwKisabrll Seorg Tennia- keil, örauien strafte 172/173. Sroft» Auswahl in Zluftbaum- Wobnunoseinrichtungrn. ftü. cheneinrtchtungrn. Sichen. Schlaloimmer sowie Senen» imd ÄMtsezim m er, 167K. " 31«»stna»m-ahl!!s in hoch! apertin Schlafzimmern in leder Solzart und Au-fsch. rung, eiche, birie. birnbaum, Mahagoni, kirschhaum. rei- zendes eichen Zimmer mit breitem Ankleibeschranl,>om. tum 80 And roaz strafte 80. MSbel. gnfolge günMgen Sinkauls Riesenlaqer in 4 klagen. Speisezimmer. Schlaf- zimmrr, Serren, immer. Wohn- zimmer. Küchen, einzelne MSbel. Ans Wunsch Teil- zahluna. Möbelbau» A. Da- mitt, lftosenthalerstrafte 46/17. 165 11• Mastkinstrumentf Biaoos, Sflügel, Larmonien, neu und gebraucht, griedens- wäre, groftte AuswaM. aün- stige Kahlwrise. granz ss-rd. Srndel, Spandauerftrafte 18, am Ratbau». 114»- Siniespielle MandoNuen, Biotinen Gitarren. Lauten, Sufterlt billig.(llnicrtidit 20,— Monatsbonorar.©tri- monatshiife zur. perselten Ausbildung.) Mund- und Sandhannonilas usw.,«e- brauchte Klaviere, Sarma- niums vertauft Berger U. So.. OranienBr. 155. 160» Piano», Sfuftslügrl. Sar- monien Irder Solz- und Stil- art. Kunstsvirlapparate. Ro- tenrollen. Gebrauchte stuftru- meiite In eigener Reparatur- werlstait wie nen bergestellt. unter»oller Sarautie. Ler- kauf nur gegen Kasse, daher billigste Breisberechnung. Annabme von Aularbeitun- gen. Reparaturen und Stirn» munqen. Sllluz Adam. Mllnz- strafte 16.' BstNfna.«l�,'r.e'�,a..te gesvielte.. woblseile Geleaen- heilen. Sottbulerstr. 6. 7öK- i-att rstcker «ghoeadgaaunil Riesenaus. S««...»Tffix Magnete, Kerzen, ...... Vergaser. �_____ Treibriemen, samt!. Auto- zubehllr kaust Serber, Guvry. straft, 46._ 161»- Piano», SlSgel oder Kar- monium, auch Taselflavier kauft Echachtfchneider. Bucko- werstrafte�l4 III._ WIR- Statin, Brillanten, Sold und Silder. alle 3abngebille. Abfälle, Retten, Ringe. Bestecke, Uhren, unmodern ge- wordrner Schmuck, Tofelauf. sähe sowie SrfrSfte kaust zu höchsten Tagespreisen Sold- schmelze»okoest, Berlin. Brunnenstrafte 163. Telephon: Kumboldt 3480. Eigene Schmelze. Eelblwerbraucher.« Metallschmelze Mariannen. strafte 7i(am Selnrichplaft). Allerhöchste Tagesoreise sämi- sicher Meiallai-fälle sowie Bletin. Sold. Silber. Queck. lnder. 1/13» VkattnäVfälk? z-ht'äebiste' »ahn bi» M. 76.-! Golh. fachen! Sildersachenl salveter- saure« Silber! Quecklilberl topfet! Rolguftl Mristug! Aluminium! Zkrlell Kinn! Weiftmetall! Stanniolpapier! Kinkl Bleil Dlühstrumpsasche M. 100�-. höchst, ahlend! Gdelmriall. Sinfaufsbureau, Tstber strafte 31(Alerander 4243). 146» Ährlfock, tefm, Terpentins Bleiweift, stirnr» kaufen S«. drüber Boroweti, Sneifenau- strafte 8. Aollrnborf 2379,» Spfralbohrer neu, leden Posten bis 200 Prozent, auch Raturftahl, Feilen und Solz. schrauben kaust Morgenstern, L�ten�m.«ärwerstrafte�. Lilderichmelze EbrINieuat. Küpenickerftrafte 20e(gegenüber 3RanteuftcIiiTo|e) kaust höchstzahlend! Rahnncbtsle, Blatinaabfälle. Soldlachen. ! Silberfecheu, Quecksilber, Kupfer, Messing, 8iNN sowie «mliiche Mstull/' »upser! Messing! 3knl Stanniol! sämtliche AN. metollel Quecksilberl Platin-, Sold-, Silber-Abfälle! 3ebn- gibisie kaust zu Schmelmei. sen In unseren 3 Sinlaus». stellen„Metall■ stentrale- 1.) Babnhosstrafte 2(Ecke xchSnebergerstraft». om An- Halter Bahnhof): 2.) Wethen- weg 72(am BaNenplofttt 6.) Neukölln, Kaiser-Friedrich- plaftr_ Ick?» Metalle, wie Kupfer, Messing, Bronze. fUnn und Aluminium laufen zu höch- sten Tagespreisen und iebeu Rosten Autegeu- Schwelfterel Berlin R. 30, Serichtftr. 72. Fernfpr.: Humboldt lÄ».» '"«1 llche topf«! Messing! ffttin! rdrnl!"" Metalle I Quecksilber! Platin», S'annioll AN- Gold-, Silber. Abfälle! Kahn qeblsie kau« zu«chmelMres. (en in unseren 8 Einkaufe. stellen.«etall- Zentrale- 1.) Brunnenstrafte U(am Rosenihalerplah): 2.) Fenn. strafte 43(am weddingrlaft): 3.) Beustelftraft« 20. 182» Stalldnng kaufen n. Ca., Cbaast,«strafte Tel.: Jlorbyz 4800,_ J5} «KÄlampen jeder Art krüst Raster. Brilckenftr. 1« e. 43/6' Spiralbobzer nur neue, lauft Sein« und grvfte Posten sowie alle greifbaren Werk- zeug». Oberberg». Gsier, »alles»«» llsee 8. 100»' ©etektwe Damm, Anna- Ndenstrafte 33. Norden 7213. Auekünfte, Ermitttelunaen, Beobachtungen, veweismate- rial. Perbrechen Aufklärung. Arbeitsrnarkt lEsmsnEsim Optcker. Schilfe, jüngerer, kür Reparaturorderten im Sause sofort gesucht. Mel. düngen von 11 bis 12 llftr vormittag».. Kaufhaus des Westen» S. m. b. Berlin B. 50, lauenftiepüv. 21/24. OerlMugmachetlebtlina zum t April verlangt»rüger. Muskauerstrofte 43._ t28 Metalldzeberlehrllng zum L April verlangt Arma- wrenfabril Krüger. Mu-> kauersteafte 43. 723 MalezlcbrNu» lolart ein» treten. Saafe. Mchevtstr. b7. Lchrlivg für«ittomvbil- Leckiereret verlangt Karl Färmer. Schöneberg. Bahn. strafte 7. Anlangstastgeld 86 Mark.__ Vlakttrinoe» auf Klapv- krageu und Manschetten bei Hadem Lohn und dauernder Beschältiguna per sofort ge- sucht. Berrenwäschesabrik Feite Zabloulo. Keiiigeaeist- strafte 12. 150»- PhanteffikWerns"geübte räft«, im. auck cuä cufteröt e sofort. Rosensteiu, tbieuslrafte 7/9. 1563©- »cäl Laust Mali_ Schuh wareR-Verkäuferinnen erhalten sofort Anstellung. Meldungen von" mm.