|tr.t60.37.|al(t8. BeznqSprei«: I•.cteliäiirL 16�0 QKLmtmafl. frei ms&aus, voraus-ahlbar. Pvst- f c:>,q Monatlich 5�0 Mb. eril. An- brllunasqedühr. llnnr Kreuzband sür Acutsch'.and und Oesterreich-Ungarn S.Ii M!, für das üvrig� Ausland 13.— Mb. bei täglich e-na-ab Anstellung ll.-Mb-f-Valula-Auffchlag. Palt- bestellungen nedinen an Danemarl, Holland,-iuremburg, Schweden und Sie Schweiz. Singeiragen in die Post- Reitlings- Preisliste. Oer.Porwiins� mit der Tonnwgs- beilage ,Boli u. Zeit' erichetnl wachen- laglich zweimal. Sonntags einmal. Teleqramm-Adresie- .Sozialdemokrat Terlia». Morgen Ausgabe. Devlinev Volksblatt s20pksnnig) AnzeistrnprciS: Sie achlgewaltene Ronvareillezeile kostet Z.— M.,TeuerungszuschIag 00°/» »kleine itnzeigen-, das ieil- gedrulkt» Wort 75 Pfg.(zuUispg zwei tcttgedciirktc Worte), sedes weitere Wort 55 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort bö Pig., jedes weiter« Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Worte. Teuerungszufchlag Familien-Anzeigen, volitifche und gewerkschaftliche Bereino-Anzeigen 2.— Mb die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Rümmer müssen bis 5 Ahr nachmittägs im Hauptgeschiitt, Berlin SW 53, üinden- ftraste 3, abgegeben werden. Geöffnet von ll Uhr früh bis 5 Uhr abend», Zcntralorqzn der rozialdemokratifdien parte» Deutfchlands Neüaktion und Expedition: 63). 6$, Lindenstr.?. jhernsvrecher: Amt Moritivlan. Nr. Lk»l Uli—».',1 l>7. Sonnabend, den 27* März 1920. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., 63). bS, Lindenstr. 5. Feraiprecher: Amt Moritzplat«, Nr. 117 53—»1. Regierung Müller im Verden. Nach dem Stand der Verhandlungen am Freitag abend wkrde da? Ncich-kabinrtt unter dem Borsi« von Hermann Müller(Svz-) folgende Zusammensetzung aufweisen: Reichskanzler: Hermann Müller(Soz.) Acußcrcs.-Landsbcrg oder Demokrat sBcrnstorff oder Simons) Finanz: Cuno(Ztr.) Schah: W i r t h(Ztr.) Justiz: H a a S(Dem.) Inneres: Koch(Dem.) Reichswehr: G e ß l e r(Dem.) Wirtschaft: Bauer(Soz.) Ernährung: Zentrum(Hermes) Arbeit: Schmidt fSoz.) Eisenbahn: Bell(Ztr.) Post: G i e s b e r t s(Ztr.) Ohne Portefeuille: David(Soz.) » Im Laufe des gestrigen Nachmittags hat daS Reichs- kaBinett Hermann Müller begonnen, etwas festere Gestalt anzunehmen. Eine Ministcrlrste, die einstweilen weder voll» ständig noch endgültig ist, wird veröffentlicht. Inzwischen wird zwischen den. Parteien verhandelt, weil der einen dieser, der anderen ein anderer Kandidat nicht paßt. Eine Stellung- nähme zu dem Gesamtergebnis wird erst angebracht sein, wenn festere Umrisse sichtbar werden. Tasselbc gilt von Preußen, wo auch noch so ziemlich alles im Dunkeln liegt. Wir Haben gestern hier ein Kabinett der republikanischen Perteidigung, ein Kampf kabinett gegen rechts ge- fordert. Daß ein solches Kabinett zn schaffen, auch den Wünschen des Genossen Hermann Müller entspricht, glauben wir mit Bestimmtheit versichern zu können. Ob es ihm aber gelingen wird, ein solches zustande zu bringen, steht dahin. Da der regierungslose Zustand nicht ewig dauern kann, müssen Schwierigkeiten in größter Eile überwunden werden, und ohne Zugeständnisse geht es dabei nicht ab. Wir wollen also dem Genossen Hermann Müller zugute halten, daß es leichter ist, einen Gedanken auszusprechen als zu verwirklichen, und wollen, ohne ein voreiliges Urteil über den Personalbestand der neuen Regierung abzugeben, sie nach ihren Taten beurteilen. Tie Schwierigkeiten liegen darin, daß sich einerseits die Unabbängigen trotz allen Hin- und HergeredcS der positiven Mitarbeit versagen, und daß andererseits die bürgerlichen Par- teien, ohne deren Mitwirkung die Bildung einer verfastungs- mäßigen Regierung nicht möglich ist. aus ihrer Haut nicht heraus können. Immerhin gilt der Demokrat Geßler. der das Reickpwehrininisterium übernehmen soll, als ein energischer Mann, und die Ersetzung Schiffers durch den badischen Minister Dr. Haas, eines Demokraten ohne nationallrbcrale Be- lastung, wäre ein Fortschritt. Im übrigen sei für heute zur Ministerlistc nur bemerkt, daß ein Grund. Robert Schmidt im Reichswirtschaftsamt durch Bauer zu ersetzen, und Schmidt, wenn der Ausdruck erlaubt ist, ins �Reichsarbdtsomt abzuschieben, nicht ersichtlich ist, ebensowenig für eine Trennung des Ernährungsminisie- riums vom Wirtschastsministerium. Bauer hat sich seinerzeit als guter Arbcitsmiuister. Schmidt hat sich bisher als tüchtiger Wirtschaftsminister bewährt. Daß Schmidt den Großagrariern und der Schwerindustrie auf die Nerven fällt, ist für uns kein Grund, ibn von seinem Posten zu entfernen. Selbstverständlich ist von Bauer nickst zu erwarten, daß er sich bemühen würde. das Wohlgefallen jener Stellen zu erregen, bei denen Schmidt so herzlich unbeliebt ist, man ickimt aber dort zu hoffen, daß ein noch nicht eingearbeiteter Wirtschastsministcr in den nach- sten entscheidenden Monaten weniger„gefährlich" sein würde alä_ ein schon mit seinem Amte vertrauter. Solche geheimen Absichten anzunehmen, wird man um so mehr gedrängt, wenn man bört. daß zugleich mit Robert Schmidt auch der Unter- slaatssekrctär H i t s cfi seinen Platz verlassen soll. Das sind Bedenken von so sck'wcrwiegender Art, daß sie auch durch den Gedanken an die Notwendigkeit, ein aktions- sähiges Kabinett so mich wie möglich zustande zu bringen, nicht überwunden werden können. Diese Notwendigkeit wird nirgend? verkannt. Noch hört man wenig von einer durch- greifenden Verfolgung der Kapp-Gesellschaft, von einer Reorganisation der Reichswehr, von dem ganzen gründlichen Ausräumen, das ohne Verzug ins Werk gesetzt werden muß. Bei der Zentralbesckiwcrdestelle. die im Reichs- tag eingerichtet worden ist. hänfen sich Meldungen über mili- taristisckie Uebergriffe schlimmster Art zu Bergen, die Stelle ist aber machtlos, weil ibr alle erckutiven Vollmachten fehlen. Tie Einsetzimg von Zivilkommissaren bei allen höheren Kommando- stellen wird für unbedingt erforderlich und unauffchiebbar gehalten. Tvzu konmrt die ungeklärte und augenblicklich wieder drohenbcre Lage im Ruhrrevrer und in anderen Gegenden des Reichs, iii denen die Mwchrbewegung gegen die mili- taristische Reaktion zu verworrenen Zuständen geführt hat. Sie mit militärischen Mitteln einzurenken, ist unmöglich, weil die Arbeiterschast heute noch— mit Recht oder Unrecht— in jedem Uniformierten einen Gegcnrevolutionär erblickt und das Erscheinen von Militär alles ohne Unterschied der Richtung zu einem einheitlichen Block des Widerstandes zusammen- schweißt. Schon dieser Umstand— von den selbstverständlichen Gründen der Menschlichkeit ganz abgesehen— zwingt dazu, die Lösung örtlicher Krisen mit politischen Mitteln zu versuchen unter AussSaltung militärischer Machtmittel. Dazu ist aber die sofortige Bildung einer aktionsfähigen Regie- rung unbedingt notwendig. Einer mußte vor. und die Partei wird es dem Genossen Hermann Müller nickt verdenken, daß er das unendlich schwie- rige, fast unmöglich scheinende Werk in die.Hand genommen hat. Es kann nicht ihre Aufgabe sein, es ihm noch zu er- ickstvcren, aber auch ihm zuliebe wird sie von den Richtlinien der Politik, die ihr der Wille ihrer Anhänger vorschreibt, nicht um Schrittweite abweichen können. WaS die Partei im kom- mendcn Wahlkampf gewinnen will, ist nicht nur äußerer Um- fang, sondern auch innere Kraft und Kampf- ftendigkeit. Möge es den Sozialdemokraten in der wer- dendcn Regierung gelingen, die hochgespannten Energien, die heute in den Masten der Pa�.'i wrhandcn sind, nutzbar zu machen, trotz aller Widerstände! Tie Partei muß ihren Weg gehen und sie wünscht, ihre Genosten in der Regierung auf demselben Weg zu finden. Auf alle Fälle aber: sie w i r d ihren Weg gehen! Denn heute gilt mehr denn je das Wort, das Bebel ans das Verhältnis zwischen Führern und Masse an- zuwenden liebte:„Man glaubt zu schieben, und man wird ge- schoben!" Ueber Mängel des werdenden Kabinetts wird man sich trösten können mit der Erwägung, daß seine Amtsdauer eng begrenzt ist. In zwei Monaten wird das Volk Gelegenheit finden, sich den Reichstag und die Regierung zu schaffen, die es haben will. An uns ab-� liegt eS. dafür zu sorgen, daß ans den kommenden Wahlen ne nicht nur an Zahl, sondern auch an Willen starke i ldemokratische Partei hervorgeht. Ganz nah bei Bebels Licblingszitat stehen im„Faust" auch die Worte:„Wer heute sich nicht heben kann, bleibt ewig ein verlorener Mann." Regierungsbildung in Preußen. Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion. Durch W. T. B. tackt di« sozialdemokratische Fraktion der preußischen LandeSversammbing mit: Nach dem Rücktritt bei MinrstorS Heine haben die übrigen Minister bereits am Dienstag, den 23. März, ihrer Fraktion ihre Nomter zur Verfügung gestellt. Wenn die Fraktion für die Be- setzung des Ministeriums drei neue Männer in Vorschlag gebracht hat. so deshalb, weck die gegenwärtige Lay« im Lande eine e n t° schieden« Umbildung des Kabinette wünschenswert erfchei- neu läßt. Den scheidenden sozialdcmvkvatffchen Ministenn haben die Koalitionspartcien heute den Dank für ihre gewissenhaste und fach- kundige Führung dar Geschäfte ausgesprochen.— Zluif Wunsch des Präsidenten Leinert und der MehrheitSpairteien werden sie bis zur Neubildung des Kabinetts ihre Geschäfte weiterführen. Noskes verteiSigung. An anderer Stelle beginnen wir heute die Veröffentlichung einer Reihe von Artikeln, in denen der bisherige ReichSwehrminister, Ge- noste Gustav NoSke, seine Politik verteidigt. Nachdem Noske in der Presse— nicht zuletzt auch im„Vorwärts*— aufS schärfste angegriffen worden ist und sein Rücktritt vom Amte gefordert und vollzogen worden ist, halten wir es für eine selbstverständliche Pflicht, ihn zu seiner Rechtfertigung zu Worte kommen zu lasten. Auf seine Ausführungen zurückzukommen, behalten wir unö vor. JndeS mag schon jetzt gesagt werden, an unserer Ueberzeugung. daß nur rasches und durchgreifendes Handeln die militaristische Putschgeiahr ein sür allenial beseitigen und eine republikanisch zu- vcrläisigc Truppe schaffen kann, wird durch sie nichts geändert. Wahl ües baüischen Staatspräsidenten. Karlsruhe, 26. März. Der badische Landtag nahm heute vor Eintritt in die Tage>?ordnung die berfastungSmäßige Wahl des Staats- Präsidenten vor. ES wurde einstimmig Staatspräsident Geiß und als dessen Stellvertreter der Justizminister Trunc wieder- gewählt. Die Erklärung ües Hochverräters. u. Jagows„Ncchtfcrtignng". Der sogenannte Miniswr des Innern der Putschregierung Kavv-Liittwitz fühlt sich bemüßigt, in der„Kre»zzeitnna""rine Erklärung über sein Verhalten abzugeben. Das Dokument ist so charakteristisch für die noch ungebrochene Jnnkerfrechlwft, daß wir es hier im Wortlaut abdrucken. Außerdem: gelrährt es interessante Einblicke in die geringschätzige Art, mit der die meuternden Generäle mit ihrem eigenen„Zivil" umsprangen. Zivil ist nun einmal für die Herren Militaristen minder- wertige Kanaille, selbst lvenn es auf ihrer Seite steht. Ter Mann, der einst Neugierige tvarntc, selbst aber nicht nach seiner Weisung handelte, schreibt: Die Gsgenrevclution»st ein rein militärisches Unter- »whmen. Seine Leitung war überzeugt, so gebe es nicht weiter- durch Dilettantismus, zunehmende Korruption, Vergeudung von Siaals- mittgln, Sachbehandlung nickst nn Staats-, sondern ini Partei. intevosse usw. trieben wir in den Untergang, besonders au» da* ErnährnngSgebiete, der drohende Kampf gegen den• asiatischrussischen Bolschewismus erfordere starke Zusainmenfanuiig der ge- samten»»och gesunden Volkskraft: besonders in Hinsicht biero.uf müsse gebändelt werden, ehe es unwiederbringlich zu spät sei. Zu diesen» Ziele sollte militärisch so vorgeMiigen werden, wie eZ in der Frübe dcS 13. März geschehen ist. Das Zivil war völlig unbeteiligt. Wohl aber bm ich, sind andere gefragt worden, ob sie sich für den Fall de? Gelingens der auf jeden Fall stattfindenden Gegenrevolution zur aufbauenden Mitarbeit zur Verfügung stellten. Ich bejahte und würde der Selbstachtung bar kein: hätte ich anders geantwortet. Programm war: a) Wahlen, b) Fachminister. c) KoalitionSministerium von rechts nach linkt-. Bürgertum und auch Arbeiterschaft waren zunächst, in weite Kreise hinem begeistert, sl!) Sie versagien. als wegen des Drucker st reiks eS nicht gelang, der Oeffei»tlichkeit Nächrichten zu geben urid eine vielfach liigotde Gegenagitation nicht unterdrückt wurde. Es wurde verhandelt, aber nickt gebandelt. Die Sacks stand jet-och nickt schlecht, nur»»rußte endlich Energie aufgebracht werden. Da erklärte am Mittwoch früh plötzlich und überraschend dir militärische Leitung, der Reichskanzler und Ministerpräsident Kapp müsse zurücktreten, daS fordere„die Truppe". Ich widersprach sofort entschieden und in jeder Richtung. Aber Kapp trat zurück. Ich habe keine Gemeinschaft mit diesem Schritt, der nickst nur auf die schiefe Ebene, sondern sofort in d c n A b g r u n d führte und führen mußte. ■ Damit war wieder alle Gewalt in der Person de? Gene- ralS der Infanterie d. L ü t t w' tz vereinigt. Ich erklärte m'ck ihm gegenüber bereit, das Ministerium des Innern interimistisch tveitcr zu führe», worum er bat. Am Nachmittage war Besprechung der höheren militärische» Führer. Ich habe darüber mir»irck erfahren, daß diese, unter Ausscheidung von Exzellenz v. Lüttwitz, sick der alten Regierung wieder zur Persügung stellte»». Damit verliehe» sie die gemeinsame Sache, deren Fortnihrung dadurch unmöglich wurde; damit verließen sie die von ihnen gerufenen Zivilisten, ohne zu- vorige gemeinsame Verhandluna, ja ohne Nachrickl. Sie retteten sich, die Sache fiel, wir Zivilisten werden verfolgt. Ob politische Gegner»nich erschießen, ist mir gleichgültig. Aber in die Form eines Rechtsverfahrens mäzen sie es nickt kleiden. Entweder gelten die HochverratSporagraphen des Reichsstrafgesetz- kmckeS, dann waren sie gegen die Männer vom 9. November anzuwenden— denn Staatsanwalt und Richter haben nickt nack de n Erfolge einer Revolution zu ftaaen— oder sie sind eben durch die Novemberrevolution beseitigt. Gleiches Recht sür alle. Im übrigen ergibt sich aus obigem Tatbestand, daß die Tätig» keit der Zivilisten erst nach Vollendung der Gegenrevolution>!!) einsetzt, also unter keine strafgesenlicke Vestiinmung sl) fällt. Ich hatte an flch nicht die Abstckt, mich einer Verfolgung zu entziehen, lvenn jedoch ein Ausnahmegesetz geplant wird, geplant von der Seite, die früher am schärfsten gegen AuSnahinege setze Stellung nahm, so sehe ich einstweilen keine Peranlassuna,»nich;» stelle». Allgemein betrachte» aber bin ich der Ansicht: den Lunw und die Dummheit einer Patriotenverfolqung l!!i könne* wir un? setzt nicht leisten. Fetzt heißt es: eine gemeinsame Front bilden und jeden Mann, von rechts bis links, auk den Posten stellen, auf dem er gegen S pa r k a k i s m n S n n d Bolschewismus dem Vaterlande die besten Dienste leisten kann.(Die alte Lciep! Red. d.„V.".) Die Bekämpfung dm.ser beiden gemeinsamen Feinde wird i« gewaltig schwer sein, aber wäre sie überhaupt noch nröglietz ge- Wesel», wenn Spartakus noch Monate itill weiter rüstete?(!!» Ob- Wohl die Gegenrevolution ibr Ziel nicht erreichte, wird ihr die Geschichte vielleicht einst zum Verdienste rechnen, daß sie e i n g i s t i- g e S G e s ch w ü r a u f st a ch l 1 1). ehe der Körper daran zugrunde gehen mußte. DaS wäre volle Rechtfertigung.(!!) Ich bitte um Nachdruck»»»»abhängig von Parteistellung. v. I a g o»o, zuvor RegremngSvrüsident z. D., vom 13. bis 17. März Minister bc« Inner». Uns sachlich mit diesem verlogenen Zeug auseinander- zusetzen, stieße dem Hochverräter v. Iagow z n viel E st r e antun. Was seine Ansicht über die S t r a f l o si g k e i l seiner Amtsanmaßung und setner aktiven Unterstützung des Hochverrats anbelangt, so wünschen wir. daß ein Gericht recht bald Herrn v. Jagow im gegenteiligen Sinne belehrt. Es ist ein arger Skandal, wenn Hochverräter dieser Sorte, anstatt hinter Schloß und Riegel zu sitzen, noch hochtrabende Erklärungen in der Seffentlichkeit loslassen. Wir verlangen, daß dieser Mann umgehend dahin geschafft wird, wohin er gehört. Seeröigung am 13. März. Aus der Werkstatt der Meuterer. Das folgende Schriftstück geben wir ohne Äcmnncntat: Sturinbataillon Zurzeit Oels i. Schlesien, der 3. Martnebrigade(Kiel) Deutsch Feldpost 2V2, B.-Nr. G. 14. den 23. 2. 1920. Herrn Fähnrich z. S. G. Hochwohlgeborcn. Da der 3. Marinebrigade und speziell dem Stururbataillon v. Arnauld als dem Kern der Brigade in dm allernächsten Tagen die wichtigsten und folgenschwersten Aufgaben bevorstehen und dann das Sturmbataillon die berühmte Elitetruppe sein muß, ergeht an sämtliche Zeitfreiwilligen die Aufforderung, sich klar zu halten. Es steht so unendlich viel und Großes auf dem Spiele, daß es überhaupt leine persönlichen Bedenken geben kann. Daß Sie nur in den wichtigsten Fällen benachrichtigt werden, ist klar. Die tetegraphische Aufforderung wird Sie unter beut Stichwort erreichen:„Beerdigung am..., Datum..., Ort... Unterschrift... Georg", was also heißen soll, daß Sic sich au dem augegebeneu Ort an dem angegebenen Tage rinsindeu sollen. Zusage erbeten sofort an meine Adresse. gez. Georg Meugrehl. Oberleutnant z. S. und Ordonnangofsizi«. ES breuutl Wir rechnen auf Sie! ' 1 Mit kameradschaftlichem Grußl gez. Unterschrift. � Kommando Küstemvchr�stegiment Wchaven, dm 17. März 1920. B.-Nr. 1809, U. L IL iSw t L Vorsei tige Abschriften zur Kenntnis überscrndt. Es dürfte sich empfehlen, für jede Zdompagnie sofort Abschrifte« herzustelle« und diese durch die Komo-Führer in aufklärender Weise den Regiments- Augehörigen noch heute bekannt z« geben. Auf Befehl I gez. Bartsch, Feldw. u. Adfutaut. U.S. p. d. unü K. p. d. für einen neuen Generalstreik. In der Brauerei Bötzow traten am gestrigen Freitag nach- mittag etwa 1900 Betriebsräte detr II. S. P. D. und K. P. D. zu einer Generalversammlung zusammen, um zu der gegenwärtigen Lage und zu der Einberufung eines Reichs-Nätrkongresses Stellung zu nehmen Der Vorsitzende der U.S. P.D., Däumig, berichtete über die gegenwärtige politische Lage. Dabei führte er u. a. auS: Wir haben heute Nachmittag mit dem Deutschen Gewerkschafts- bund, mit der ArbeirSgemeinschaft Freier Avgestelltenverbände und den Gewerkschaften verhandelt. Wir waren der Ansicht, daß an das gesamte deutsche Volk erneut der Kampfruf zur Beseitigung der militärischen Macht ergehen müsse. Denn eine Regierung nach der alten Schablone kann den Arbeitern nicht die Kon» ressionen machen, die sie verlangen dürfen und müssen. Nur eine ozialistische Regierung wird imstande sein, die Zügel in die Hand zu nehmen und der militärischen Hydra die Köpfe abzuhauen. Leider haben sich bei unseren heutigen Besprechungen die Gewerkschaften nicht sofort für den Generalstreik entscheiden können, obwohl sie den Ernst der Lage nicht verkennen. Sie sehen heute, daß der Abbruch der Berliner Aktion eine Gefährdung der Aktion im Reich gewesen ist. Die Berliner Gewerkschasts- konrission hat sich allerdings«ruf unseren Standpunkt gestellt. Von den Gewerksihastszentralen konnten wir jedoch lediglich er- Lejstng-Theater: Mozzeck') �dkeSuhljchwester�. (Nach den Eindrücken am Putschsonnabend.) Der Kritiker ging inS Tbeater, weil eS seine Pflicht war. Sin Kritiker von der neuen und anderen Richtung hatte seinen„rolen Adler" aus kaiscrltcber Zeit in daS Knopfloch gesteckt. Der seidene Gehrockaufschlag und das Ordensband waren von der Zeit etwas überschmuddelt. Der Mann musterte, ehe er sich setzte, daS Parkett der Bekannten, und hierauf sagte er:»Na. nun ist ja einiges anders geworden!" Nein, eS war nichts anders geworden. Als wenn garnichts geschehen wäre, schlugen sich die Patrioten um eine altrömische (plautinisck>e) Schnurre, die ein balbes und verkrachtes Genie, Lenz,.Goethes tragiscker Affe", für den Spießergeschmack seiner- zeit verdeutscht und inS Königsbergische verlegt hatte. ES herrschte vor dieser schnurrigen Schweinerei oder schweinischen Schnurre eher ein pogrömischer als ein römischer Geist. Die Schauspieler wollten es nicht wahr haben, daß Deutschland wieder zu brennen anfing. Fräulein Dagny S e r v a e s spielte zwischen Bettlade und famvs farbiger JahrmarltSschrnierenwand eine Dame, die mit Genie in den südlichen Bezirken ihrer Gottesgaben herrscht. Und Herr Laos und Herr Klöpfer, mehr als Meister ihres Faches unterhielten stch an der eigenen Narretei, als ob Karneval wäre. Vorher spielte man Georg Büchners tragisches S�zzea- fragmein mit Frl. Slurvacs, und den Herren Klöpfer, Lind und Sternberg in den Hauptrollen. Vorzüglich ins Gespenstische gesteigert, traumartig, balladenhaft. Nur, wo Kinder tragischen Ringelreihen aufführen sollen, da kämpft vergeblich die Findigkeit des Regisseurs gegen die kindliche Unbeholfenheit. Regie hin, Regie her, Maschinen- gewehre und Flammenwerfer am Brandenburger Tor können nicht verhindern, daß ein Genie immer revoliiert, das echte, das vom geheimen, großen«ort eingegebene, fruchtbare, die Jahrhunderte und ihre Putsche überdauernde Genie Büchner lobt gegen alles Halbe. Dreckige. Maulheldische auch im Wozzeck. Mitleidig tob: er, spöttisch, vernichtend kühl, teuflisch zerreißend, wonnig zerfressen. Die Lauen und Lackierten sind alle tot. Es lebt allein das Genie des Re- volutionärs Georg Büchner, der sich in den Menschen auskennt, in ihrer Oual und in ihrer Armut und in ihrem Fluche. Die Halben und Win- zigen schleppen nur an der, Erbsünde ibrer Halbheit, ihrer Hohlheil, ihres überlieferten und ausgelaugten Gedankenunrats. Das Genie steht und erleuchtet die Menschheit, deren Erbschaft Schmerz und Leiden sind. Es gelten allein die Erleuchtsien der Kunst. Zu denen müssen wir halten, wie auch die Fahnen und die Schlagworte wechseln. Max Hochdorf. Die Leitung des LessingthcaietS hatte die Kritik noch einmal «ruf Freitag abend eingeladen, weil Schauspieler� uird Zuschauer unter der Hochspannung der Ereignisse am Putsch sonnabend litten und auch technische Mängel sich damals geltend machten. Wir haben aber, nachdem wir der zweiten Aufführung beigewohnt haben, der unter dem ersten ftischen Eindruck der Aufführung und der Stunde geschriebenen Kritik unseres Referenten nichts hinzuzufügen ge- funden.__ Die Red. Franz Schreker Leiter der Hochschule für Musik. Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat den an der Wienpr Mustkakodenvie als Kompositiouslehrer tätigen Professor reichen, daß dem Reichspräsidenten«ein kurzfristiges Ukti- m a t u m gestellt wird. Wir verlangen vom Reichspräsidenten, daß alle in Rheinland-Westfalen stehenden Truppen und auch die aus dem Marsch befindlichen Formationen in die Garnisonen zu- rückgebracht werden, daß die Arbeitersch«rst ihre Waffen behält. Es ist ferner eine Kommission für Berlin gebildet worden, welche in zwei bis drei Tagen den Eintritt der Arbeiter in die Sicher- heitSpolizei und die Bildung von bewaffneten Ar- beitcrwehren durchsetzen soll. Werde» diese Forderungen nicht bewilligt, so antworten wir mit dem Generalstreik. Der kommunistisch« Führer Dr. L e v i erklärte, daß de: schwierigste Punkt der Revolution erst jetzt zu erwarten sei. Im übrigen schloß sich Dr. Levi den Ausführungen Däumigs an. Nach einer längeren Aussprache, in welcher die schleunige Ein- berufung eines Reichs-Rätekongresses nach Berlin beschlossen wurde, nahm die Versammlung folgende Resolution an: „Der vorzeitige Abbruch des Generalstreiks vor Erreichung der notwendigen Garantien für die werktätige Bevölkerung hat die von der Zentralstreilleitung vorausgesagte Wirkung gehabt, daß die konterrevolutionären Kräfte sich wieder sammeln und stärken. Di« Atempause, die der Konterrevolution durch die Unterbrechung des Generalstreiks geworden ist, wird dazu benützt, um die sieg- reiche Arbeiterschaft, besonders in Rheinland-Westfalen, durch die Soldateska niederzumetzeln. Die Vollversammlung der Berliner Betriebsräte ruft angesichts dieser ungeheuerlichen Prellerei der gesamten Arberierklaise Deutschlands, angesichts der neuen drohen- den Gefahren das Proletariat auf, sich für eine neue Kraftan- strcngung bereit zu machen. Die Vollversammlung beauftragt den Aktionsausschuß, sofort alle Maßnahmen für einen neue« Ge- neralstreik zu treffen. Der Generalstreik muß geführt werden, bis die Durchführung folgender Forderungen gelungen ist: 1. So- fortige Entwaffnung und Auslösung der konterrevolutionären Truppen, d. h. der Truppen, die gegen die Arbeiter gekämpft haben und kämpfen. 2. Verhaftung der Offiziere und ihr« Aburteilung durch ein Arbcitergcricht. 3. Sofortige Beschlagnahme aller Waffen der Bourgeoisie und Uebergabe der Waffen an die Arbeiterräte. 4. Betriebsweife Ausgabe von Waffen an organisierte Arbeiter, Angestellt« und Beamte. 5. Bildung von Aibeiterwcbren unter zentraler Leitung der Arbciterräte. 6. Schleunige Einberufung eines ReichS-Nätekongresses. 7. Vervollständigung der Wahlen der revolutionären Betriebsräte."_ Seeckts Auffassungen. General v. Seeckt hat den Vertretern der am Generalstreik beteiligten Großorganisationen gegenüber die Ucbergriffe des Mili- tärs, besonders die Verschleppung Verhafteter nach Döberitz be- dauert und Abhilfe zugesagt. Versihiedene dieser Häftlinge. darunter Dr. Duncker, Gotha, sind wieder in Freiheit, nachdem sie Zeugen oder Opfer niederträchtiger Mitzhcmvlungen wehrloser Zivilisten durch Ehrhardts Putschknechte gewesen sind. Einem Vertreter deS.Verl. Tagebl." erklärt« der jetzige Ober- befehlshaber u. a.: Er habe vor dem Putsch gewarnt, aber ohne Er- folg. Als der Putsch Tatsache wurde, habe er seinen Abschied ge- nommen. Die Truppen, die er der Reichsregierung mitgebracht, habe er nicht gleich mit rauher Hand anfassen können. Ebenso wie auf die Empfindungen der Arbeiterschaft müsse er auch auf Die Truppen Rücksicht nehmen, wenn er sie in der Hand behalten solle. Absichtlich habe er die bolschewistische Gefahr nicht übertrieben, sich aber überzeugt, daß eine gründlich organisierte kommunistische Bewegung in Berlin nicht bestehe.(Und wenn sie bestände, Herr General, so bedeutete sie noch keineswegs Putschversuche und Ge- Walttätigkeit! Red.) Er baue deshalb seine Maßnahmen von Tag zu Tag ab. Die Offizierstimmung, die den.blödsinnigen" Putsch ermöglichte, führt der General neben der Unsicherheit der Wirtschaft- lichen Zukunft der Offiziere besonders auf ihre politische Ungeschält- heit, die unverantwortliche Verhetzung der rechtsstehenden Presse und die übertriebenen Angriffe der linken zurück. Er hofft, daß die Entente uns ein Volksheer gestatte und wünscht Verjüngung dos Offizierkovps(welcher Begriff verschwinden muß! Red.), da- mit die monarchistische Tradition verschwind«. Schließlich äußert er, daß nur die ruhige demokratische Fortentwicklung Deutschland nützen könne. Herr v. Seeckt wird«norm zu tun haben, wenn er die Reichswehr mit solchem Geist erfüllen will. Daß er den Willen dazu hat, scheint folgende Meldung anzukündigen: Franz Schreker zum Direktor der Akademischen Hochschule für Musik in Berlin ernannt. Schreker wird sein Amt am 1. August dieses Jahres antreten. Die Berufung SchrekerS ist bemerkenswert in doppeltem Sinne. Man konnte in ganz Deutschland keinen für den verant- wortlichen Posten geeigneten Mann ausfindig machen, keinen, der daS ganz und gar verfahrene Geleise der untcw Joachim so be- rühmten, unter Kretzschmar langsam verfahrenen Akademie wieder reparierte. Kretzschmar mußte wegen Krankheit aus eine strenge Neuorganisation des künstlerischen Betriebes verzichten. So wurde die Hochschule, die nie dem Fortschritt huldigte, eine Sammelstelle aller antimodernen, überlebten Lehrweishe.it, eine akademische, nicht mit den Errungenschaften der Neuzeit gehende Studienanstalt. Daran hinderte auch der Zuwachs durch be- rühmte junge Virtuosen nichts. Nun hofft man einen Mann, der im Schaffen umftürzlerifch ist, einen eigenen Kerl gewonnen zu haben, eine ganze musikantische Persönlichkeit, einen Schaffenden, der mit drei Opern und«inigen symphonischen Werken bewiesen hat, daß er modern im besten Wortsinn ist, Futurist, ohne den Zusammenhang mit den großen Meistern der Vormoderne zu ver- lieren. Ein Farbensymphoniker, ein Orchestermaler, ein Erfinder und geistvoller Deuter,-err-r»er nervösesten, empfindsamsten, aber ehrlichsten attb eigenartigsten Tondichter, die, im Ton Schönbergs, seinen phantastischen Sprüngen dennoch nicht nachgingen. Ans jeden Fall wird Schreker für die akademische Hochschule Hefe, Gährung, Blutzustrom bedeuten, die Schüler werden ihren Meister finden. Als Lehrer hat er sich in Wien bewährt, als Komponist be- ginnt er internationalen Ruf zu bekommen. AIS Neutöner steht er im Brennpunkt deS musikalischen Interesses. Ob er die Fähig- keit hat, einen an Traditionen hängenden Gesamtkomplex, wie den Lehrkörper der Hochschule, umzumodeln und von Grund aus zu wandeln, ob er imstande ist, die Disziplin und den Geist der Akademie zu einer Welthöhe emporzuleitsn, das wollen wir ruhig und kritisch abwarten. Ist Schreker aber der Organifator, den wir brauchen, dann wollen wir ihm freudig huldigen und ihn grüßen. Wir und mit uns die Jugend, die da kommen wird. Mit der Stellvertretung des neuen Direktors und mit der administrativen Leitung der Hochschule ist der Privatdozent an der Berliner Universität Dr. Georg Schünemann betraut worden. Der Volkshochschulgedanke. Der preußische Unterrichtsminister H a e n i s ch weist in einem Erlaß darauf hin, daß sich die Volks- Hochschule ihrer Aufgabe, Weckerin einer neuen geistigen Bewegung im Volke zu sein, noch nicht bewußt geworden sei. Diese Auf- gaben könne die Volkshochschule nur läsen, wenn sie die geistig Suchenden aus allen Kreisen des Volkes in sich vereinigt. Dabei könne sie sich nicht auf den Boden einer beistimmte« Weltanschauung stellen. Ihre Teilnehmer sollen sich vielmehr jeder von dem Boden seiner Weltanschauung aus mir den geistigen Gütern der gesamten Kultur auseinandersetzen. Sie werden so in ge- meinsamer geistiger Arbeit zu gegenseitigem Verständnis, zur Sichtung von den Ueberzeugungen anderer kommen, sie werden ibre eigene Weltanschauung in der geistigen Auseinandersetzung mit den Weltanschauungen anderer festigen und vertieren und io in ihren Kreisen zu Führern emporwachsen, von denen die geistige Bewegung getragen werden kann, und die zu Trägern eines kulturellen Kinheitsbewußtseins berufen fein werden. Darmstadt, 25, März, Das Minksterkum deS Innern gibt bekannt: Auf Befehl des Reichswehrministers ist a n Stelle des Kommandeurs der Retchswehrbrigade 11 in Kassel. General- leutnant v. Stolzmann, der Jnfanterieführer Nr. 11 uns hessische Landeskommaudaut in Bad Nauheim, Generalmajor K u n d t zum Militärbefehlshaber im unbesetzten Teile des Frei- staates Hessen ernannt worden. Als Regierurigs- kommissar für die preußischen Kreise des Bezirkes soll der stellvertretende Regierungspräsident Dr. Eolsmanu in Frankfurt a. M. bestellt werden. Der verschärffte Ausnahmezustand für das Gebiet des Freistaates Hessen ist ausgehoben. Wir wollen aber dem General v. Seeckt auch folgenden Fall unterbreiten: Hamburg, 20. März.(Eigener Drabtbcricht de?„Bor- wärts".) Es stellt stch in Hamburg allmählich heraus, woher die verschiedenen Maßnahmen de- höheren Militärstrllcn stammen. ES wird hier bekannt, daß per Putschoberst v. Wangenheim und sein Generalstabschef, der Major v. S h d o w, die in Hamburg den Umsturzversuch machten, nach ihrer Flucht von Altona nach Berlin gefahren sind und dort im Neichswehrministerium „berichtet" haben— mit dem Erfolg, daß sie wieder in Gnaden aufgenommen sind: Der Major v. S y d o w ist bereits wieder im Generalstab der 9. Brigade in Schwerin tätig, v. Wangeuheim ist in Urlaub gegangen. Tie Folg« ist, daß vou de» höhere« Kommcnidoftellen betont wird. es müsse iu Hamburg mit eiferner Faust durchgegriffen werde», um dieses„Spartakistcnncft" zu säubern! Ein derartiges Bedürfnis liegt in Hamburg absolut nicht vor. In Hamburg ist die ganze Zeit über geradezu musterhafte Ordnung geweseu, eS hat keine Spartakisten, die Unruhen ver- anstalteu, es ist hier alles in schönster Ruhe. Zu wünschen ist lediglich, daß diejenigen Offiziere, die gern bei einem„Spar- takistcnaufstaud" ihre Existenzberechtigung nachweisen würden, insbesondere vom und aus dem Neichswehrministerium endgültig entfernt werden. Die Herren v. Wangenheim und v. Sydow aber gehören wegen Hochverrat vors Gericht! Herr v. Seeckt sollte, wenn er Vertrauen schaffen will, zunächst einmal alle die Herren in hohem Dngen hinausfeuern, die eben erst noch lüttwitzelten, um jetzt die Seecktierer zu spielen, wobei ihre Praxis aber durchaus die gleiche ist. 5kapp-St«denten gegen Thüringe«. Cassel, 20. März.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärts".)' Als der Kampf im Ruhrgebiet und Thüringen aufflammte, erklärte das Reichstvehrbrigadekommando XI in Cassel, daß die dorhanvc- nen Reichswehrtruppen nicht ausreichten. Es wurden daraufhin Werbungen von Zeitfreiwilligen ausgeschrieben. In an- erkennenswerter Weise wendete sich die Brigade in einer Sitzung der Gewerkschaft Ztorstäude durch ihren Genevalstabschef an die Arbeiterschaft uird bat, die Werbungen zu unterstützen. Das Mißtrauen der Arbeiter war groß, doch versuchten die Führer eS zu mildern. Leider hat das Brigadekommcrndo durch seine Lässigkeit gegenüber den Marburger und Göttinger reaktionären St u- dentenkompagnien die Bemühungen der sozialdemokratischen Führer zur Erfolglosigkeit verurteilt. Wo diese Studentenkompagnien bisher hinkamen, haben sie sich den Haß der Bevölkerung zugezogen. Trotz der'ausdrücklichen Warnung, diese Truppe arbeiterfeindlicher Jugendlicher nicht gegen Thüringen ein- zusetzen, wo nur durch geschicktes Verhandeln oder vorsichtiges taktvolles Vorgehen schweres Blutvergießen vermied«« werden kann, läßt das ReichSwehrbrigodekommando doch Transport« auf Transporte dieser deutschnationalen Studenten gegen Thüringen rollen. Diese Züge sind zum Teil mit schwarz-weiß-roten Fahnen geschmückt. Die Studenten tragen Kappen und Bänder, Das Reichswehrbrigadekommando versichert, diese Dinge zu miß- billigen und sie untersuchen zu wollen. An'alle platonischen Er« klärrnigen glaubt jedoch in Cassel kein Arbeiter mehr. Während diese Züge nun nach Thüringen rollen, find neue Vcrhand. I u n g e n eingeleitet worden. Zwei Vertreter der S. P. D., et* Regierungsbeamtcr und ein Offizier aus Cassel find bevollmächtigt nach Thüringen abgereist. Dieser Aufgabe kann durch Massenveranstaltung nicht gedient weiden. Der Gedanke der ArbeitSgemeiu« fchaft ist noch nicht zum Durchbruch gekommen. Nickst als ein fertiges ist das geistige Kulturgut den Teilnehmern zu bieten, das nur hingenommen zu werden brauchte, sondern als ein zu er- oberndes, der Souveränität des Geistes Unterworfenes. Die Volkshochschule wendet sich in der Form der Arbeitsgemeinschaft an Wenige. DaS liegt in ihrem Charakter als Volks hoch schule begründet. Ihrem Charakter als Volk shochschule wird damit kein Abbruch getan, denn sie öffnet ihre Pforten allen Schichten deS Volkes und schließt niemanden aus, der die Berufung zu einem selbständigen geistigen Leben in sich trägt. Die Volkshochschule soll nur einen Ausschnitt aus dem freien Volksbildungswesen darstellen. Es herrscht vielfach die Auffas- sung und sie scheint immer mehr zur Geltung zu kommen, daß das gesamte freie VolZsbild-ungswesen in den Rahmen der Volks- Hochschule eingespannt werden müsse. Dem freien Volksbildungs- Wesen verbleibt vielmehr neben der Volkshockffchule eine Fülle von Aufgaben, deren Lösung nicht minder dringlich ist, als die der Volkshochschularbeit.-> (Zu diesem Erlaß wird sowohl in prinzipieller wie organisa- torischer Hinficht auf Grund der gewonnenen Erfahrungen krilische Stellung zu nehmen sein.) Eine kritische GesamtauSzabe Georg Büchners wird demnächst im Jnsel-Verlaa erscheinen. Da eS dem Verlag gelungen ist. den so lange verschollenen Nachlaß des frühverstorbenen Dichters wieder aufzufinden, so können wir hier die erste vollständige und abschlie- ßende Veröffentlichung seiner Werke erwarten, die ja durch ihre enge Verwandtschaft mit dem Stil des Expressionismus eine besou- dere Bedeutung für die Gegenwart besitzen. Auch die Briefe des Dichters, von denen ein großer Teil bisher als verloren gilt, sollen dieser Ausgabe so vollständig wie möglich einverleibt werden. Eine Tehmel-Feier veranst-iltet der Verband der Freien Vollsbübnen am Karircitagvormitlag im Theater am Bülowvlatz. Mitwirkende sind: Julius Bab. Friedrich Kavßler. Kammersänger Joies Mann und Konrad Zlniorge. Karten isir NichtMitglieder zum Vreiie von 2, 3 und 4 M. sind erhältlich an der Theaterkasse, im Invalidendank und bei Werlheim. ?Skufik. Sonnlag, den 28. März, abends 7',', Ubr, 22. Sonntags, konzert des Blüthner-Orchesters. Karic» vom 14. behalten ihr« Gültigkeit. Zu dem hentige» Mozort. Beethoven< Schubert- Abend der Kammermusikvereinigung des Philharmonischen Orchesters, der von der Nicderiächsiichcn Miisikvereinigung im Oberlichisaal der Philharmonie ver- anstaltet wird, sind eine bejchrankt« Anzahl ron Sintriiislarlen zum er» mäßigten Preise von 2,19 M. an de: Abcndkasse erhältlich. Verlegte Konzerte. Der Konzert- ZntluS, Co Ue ginm musioum� beginnt erst am«onnrag, 4. April, HVj Uhr vormiltagS im Biüthneftaal._— Die drei Gesellschaftsabende des Verbandes der konzertierenden Künstler Deutschlands sind auf den S., 7.««d 8. Mai ver- legt worden.— Die B arzisal-Aussührung in der Garnisontirche findet nunmehr Dienstag. 6. April, statt. Das Bühneu- GevossrnschaftS-Ballfest findet nunmehr am Sonn, abend, den 19. April, slalt. il» der Technischen Hochschule zu Charlottenbnrg ist die Wieder« erössming des Wintersemesters aus Mittwoch, de» 7. April, jeitgesetzt. ttr.160 ❖ Z7. Jahrgang Seilage öes vorwärts Sonnabend, 27. Mörz 1920 Reichswehr und kapp-- putsch. Von G u st a v 31 o Sie. I. Wenn nicht noch weiteres Unbeil entstehen soll, ist eS an der Zeit, trotz der nachzitternden Erregung über den Berliner Putsch, zu ruhigerem, sachlichem und gerechterem Urteil über die Reichswehr zu gelangen. Die Truppe ist nicht zu entbehren und darf daher nicht noch mehr erschüttert werden als es schon jetzt der Fall ist. Daß ich in den folgenden Zeilen auch von meiner persönlichen Arbeit rede, wird auch denen begreiflich erscheinen, die über mich am auf- geregiesten sind. Theodor Wolff hat mir im„Berliner Tageblatt' vom 24. März ein Gemisch von Lob und Tadel gewidmet; ahn- licheS habe ich in anderen Blättern gelesen. Einst hätte ich Berlin gerettet, es aber gegen Kapp und Lüttwitz schleckt ge- schützt. In der Putichwoche hätte ich die Truppen im Lande draußen zusammengehalten; nur ich hätte das zu tun der- macht. Das letztere ist im großen ganzen richtig. Die Truppen in Sachsen, Bayern, Württemberg, B�aden, Hessen und dem ganzen Westen und der Ber- fassunq und der Regierung treu geblieben. Vielleicht haben manche Offiziere etwas geschwankt. Jedenfalls erwies sich die Truppe, sowie Anweisungen von mir an die höheren Kom- mandostcllen ergangen waren, in diesen Teilen des Reiches völlig intakt und verwendungsfähig. Das ist der beste Beweis, wie maßlos übertrieben die Vorwürfe sind, die mir wegen meiner angeblichen Ver- trauensseligkeit gemacht werden. Es wird behauptet, ich hätte, alle Warnungen überhörend, geduldet,„daß das zum Schatze der Republik aufgestellte Heer völlig unter den Ein» fluß und die Macht der Monarchisten und Nationalisten ge- riet". Wahr ist, daß Monarchisten und Nationalisten den größten Teil der Reichswehr nicht zu erschüttern ver- mochten. Die meisten Leute, die mich jetzt attackieren oder gar be- schimmen, haben von meiner Tätigkeit keine rechte Vorstellung und von den Schwierigkeiten, die ich zu überwinden hatte, keine Abnung. Man sagt mir, ich hätte allmählich, mit Umsicht und Geschicklichkeit, in der Armee einen republikanischen G e i st schaffen und zuverlässige Führer auf die entscheidenden Posten bringen sollen. Das ist leicht gesagt. Ich möchte den Mann sehen, der das Kunststück fertiggebracht hätte, während der Wirrniffe des letzten Jahres, bei dem fortgesetzten Herum- werfen der Truppen und dem Wechsel im Mannschafts- bestände eine gründliche Erziehungsarbeit zu leisten und alle Leute mit republikanischem Geist zu erfüllen. Aus den Trümmern des alten Heeres haben nur ganz wenige Truppenführcr winzige Reste im Dezember 1918 zu- sammenhalten können. In Berlin saß die Regierung in den ersten Januartagcn ohne jedes zuverlässige Machtinstrument. In den Truppenlagern der Mark wurden die Gerippe zu einigen Formationen zusammengezogen. Als ich aus Berlin herausging, war faktisch eine ganz neue Truppe aufzustellen. Was kam, um eine Waffe zu führen, mußte eingestellt werden, Offizier wie Mann. Ganz rasch sollte gehandelt werden. Von Berlin aus wurde ich fast stündlich gedrängt, schleunigst Hilse zu bringen. MontagS nachmittag schlug ich in Dahlem mein Quartier auf. Schon am nächsten Sonnabend marschierte ich mit einigen Tausend Mann wieder in Berlin ein und besetzte in den folgenden Tagen den größeren Teil der Stadt. Das Werben für die Reichswehr, die Freikorps und für das Baltikum begann dann im ganzen Reiche. An eine ein- heitliche Leitung dabei war nicht zu denken, es fehlte dazu an dem erforderlichen Apparat. Ein Werbebureau neben dem anderen tat sich auf. Die Werbeaufrufe der verschiedenen Korps füllten ganze Seiten der Zeitungen. Damals nahmen nur diejenigen daran Anstoß, denen die Aufstellung einer Truppe überhaupt verhaßt war. Bei dem Werben konnte man manchmal den Eindruck gewinnen, als sei die Zeit der W a l l e n st e i n e r e i wiedergekehrt. Tatkräftige Offiziere scharten meist gediente Leute, häufig ihre alten Unteroffiziere um sich, gingen in den Grenzschutz, ins Baltikum, oder wurden bei den inneren Wirren verwendet. Neble Elemente drängten sich zahlreich zur Truppe. Schwindler gingen von einer Werbcstelle zur anderen, um sich eine Uniform zu ergaunern. Der Krieg hatte die S o l- baten verroht, die Begriffe von Mein und Dein ver- wischt. Die Fortsetzung eines nickt allzu gefährlichen Kriegslebens an der Grenze oder das Umherziehen im Lande sagte den weniger Gesitteten am ebesten zu. Die meisten Leute waren aber unstreitig brave Männer, die das Soldatenhandwerk bei regelmäßiger Beköstigung und damals noch angemessen erscheinender Löhnung, dem Herum- lungern als Arbeitslose vorzogen. Peinliche, ja empörende Dinge sind vorgekommen. Die Säubenmg der Truppe von verderbten Elementen wurde scharf betrieben, harte Strafen wurden verhängt. Tausende wurden-ausgemerzt, junge Leute oder andere Arbeitslose ließen sich einstellen. Meist verpflichteten sich die Leute nur auf drei Monate. Zahlreiche Formationen waren bis auf die aktiven Unteroffiziere nicht viel mehr als uniformierte Arbeitslosenbataillone, mit allmählich wieder besser werdender ManneSzucht. Es hat Kompagnien gegeben, die bis zu 39 und 49 Proz. aus Bäckern und Fleischern bestanden. Wer in seinem Beruf Arbeit er- langen konnte, verließ die Truppe. Der Mannschafts- Wechsel war bei vielen Formationen kolossal, die Kompagnien glichen einem Taubenschlag. In Kurland, Litauen, an der oft- und wesipreußischen Grenze und in Oberschlesicn lagen die Leute monatelang auf den Dörfern weit zerstreut umher. Ausbildung und Wacht- dienst nahmen die Zeit in Anspruch. Im Lande wurden die Verbände hin- und hergeworfen. Unter solchen Umständen sollte ich aus den Leuten durch Erziehungsarbeit gute Re- publikaner machen. Auch wenn ich dafür mehr Mittel zur Verfügung gehabt hätte, wäre eine solche Arbeit bei dem ewigen Wechsel des Ortes und der Personen nicht gründlich zu leisten gewesen. Der Geist in der Truppe ist im allgemeinen nicht konterrevolutionär. Es wird jetzt bei der Beurteilung der Truppe in der Aufregung fürchterlich übertrieben und dadurch nach jeder Richtung hin geschadet. Ein Uebermaß von Miß- trauen wird gesät und die Truppe verprellt. In der Hinsicht ist leider während des letzten Jahres unendlich viel gesündigt worden. Mehr Sachlichkeit hätte mir viel Verdruß erspart und die schwere Aufgabe wesentlich leichter lösbar gemacht. Durchaus bestätigt hat sich meine Voraussage, wer Reichs- Wehrformationen für einen konterrevolutionären Putsch mißbrauchen wolle, zersprenge sie, weil Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere keineswegs einheitlich geschlossen daständen, ganz wenige übriggebliebene Freikorps ausge- nommen. Der„V o r w ä r t s" bestätigt am 25. März in der Wendausgabs, daß Unteroffiziere und Mannschaften zum großen Teil der Republik treu blieben oder doch indifferent sind. Nur wo die Mannschaften nicht wußten, daß sie miß- braucht wurden, führten sie willig Befehle eidbrüchiger Offiziere aus. Sobald sie die Sachlage erkannten, wandten sie sich häufig gegen solche Offiziere. Mißtrauen hat in einer ganzen Anzahl von Fällen dazu geführt, daß ungerechtfertigte Maßnahmen gegen Offiziere getroffen worden sind. Manche Formation hat ohne zwin- genden Grund eine so starke Erschütterung erfahren, daß ihr militärischer Werl sehr vermindert wurde. Die Mannschaften der Reichswehr wollten imd wollen keine Wiederkehr der alten Zustände in Deutschland. Zuzugeben ist ohne jeden Vorbehalt, daß ihre politische Ein- st e l l u n g, soweit davon überhaupt die Rede sein kann, zu einseitig war. Das war die notwendige Folge der politische« Lage._ OirtiehM Preisprüfungskommissionen für die Stadtbezirke. Mit dem Generalstreik hat gleichzeitig ein unerhörter Preis- w u ch e r eingesetzt. Wir haben im„Vorwärts" eingehend dargelegt, welche Bedeutung die wirtschaftlichen Verhältnisse und die überaus starke Erbitterung der Bevölkenmg über die nahe- zu unerträgliche Teuerung als Unterlage für den p o l i t i s ch e n Putsch gehabt haben. Wenngleich die Ursachen dieser Teuerung in einer fehlerhaften, unsozialistischcn Politik liegen, die sich nicht von beute aus morgen beseitigen lassen, so mutz doch gegen den Wucher seitens der Bevölkerung selbst mit allen Mittelu ein- geschritten werden. Von mehreren Seiten ist angeregt worden, stadtbezirksweise Kontrollkommissionen zu bilden, die die Aufgabe haben sollen, die Preise für Gegenstände de? täglichen Bedarfs zu überwachen und Beschwerden aus der Einwohnerschaft zur weiteren Veriolgung entgegenzunehmen. In der Tat sollten im Einvernehmen mit dem Magistrat und dem Polizeipräsidenten, unserem Genossen Richter, s ch n e l l st e n s Beschlüsie gefaht werden, um entsprechend den Schul-, Armen-, Steuereinschätzungskommissionen solche Kontrollkommissionen für den täglichen Bedarf sofort zu bilden aus Sack- verständigen der Bezirke. Ihnen würde eZ obliegen, ihre Feststellungen den amtlicken Stellen schnellstens zu übermitteln. Die Adressen der Kommissionsmitglieder mühten durch A u s- hängen in den Geschäften dem Publikum bekanntgegeben werden. Die gesamte Händlerscbaft wäre anzuweisen, den legitimierten KommiisionSmilgliedern die geforderten Auskünfte zu erteilen. Wir haben im„Vorwäris" wiederholt von der PrciSblindheit des Publikums gesprochen, dem fast völlig die Möglichkeit fehlt, sich schnell und zuverlässig zu unterrichten, welche T a g e S P r e n e als angemessen zu gellen haben. Im übrigen kann man nur imme wieder zum Eintritt in die Konsumvereine aufrusen. die sich von allen Koniuniturgewiunen fernhalten und den Grotzeinkaufspreisen entsprechende Preise stellen. B e r l i n e r I Greift zur Selbsthilfe und schafft schnellsrenS Kommissionen, die amtlichen Charakter erhalten sollen, damit dem einzelnen, der sich meistens scheut, Anzeigen zu erstalten, die F e st- nagelung der Wucherer erleichtert wird. Schuh und Leder. Wir erhalten aus unserem Leserkreise die Zeitschrift„Schub und Leder", die sich mir den. V o r w ä r l s" a rt i r e l» über die Schuhvcriorgung beschäftigt. Aus den Ausführungen dieser Fachzeitschrist, die die Fmercsien der Schuhhändler zu vertreten hat, imereisiert uns doch der folgende Satz:„Die paar Schutz- fabriken, von denen die Rede ist. sind zurzeit nur 1800". Nach der uns zugänglichen Statistik waren 1913 vorhanden: 1411 Betriebe mit 104182 Arbeitern, die 118 Millionen Pam Schuhe herstellten.„ Von dieiey 1411 Betrieben beschäftigten aber ko Betriebe allein 40 000 Arbeiter. Und von diesen KS Betrieben waren es 9. die allein 16 000 Arbeiter hatten. 40 Betriebe mit je 250— 500 Arbeitern, zusammen 13 500 Arbeiter 16... 501-1000., 10 500 9„,, über 1000,„ 16 000 Summa 40 000 Arbeiter 51] Jm Krebsereuter. Seine Taten. Fahrten und Meinungen.. Anfgezcichner von HanS Müller-Schlösser. Jan an seine Eltern. Marienbnrg, den 3. Februar 1852. Liebe Eltern! Seit Deiuem letzten Brief, lieber Vater, Gabe ich kein Glas mehr angerührt, wenn auch'das gebrannte Wasser hier sehr billig ist. Blaß wenn die Kälte zu groß war, daß mir sozusagen die Eingeweide steif wurden, habe ich ab und zu ein Gläschen als Medizin getrunken. Im letzten Winter war ich mit einem Drechflergesellen in Danzig. Wir gingen in eines der letzten Häuser fechten. Aber welch ein Schrecken überfiel uns, als wir uns in der Wohnung eines Gendarms befanden. An eine Retirade war nicht zu idenken, wir erwarteten also geduldig unser Schicksal. Der «Gen'darm lud uns zum Sitzen ein. Wir setzten unS mit beklommenem Herzen. Tarauf fragte er uns, was wir für Landsleui« wären, wo wir herkämen und wo wir hinreisten. jEr war sehr freundlich gegen uns und hörte unsere Erzäh- ilung mit vielem Vergnügen an. Das flößte uns etwas Ver- trauen ein, doch trauten wir der Sache noch nicht recht. Nach einer Weile sispelte er seiner Frau etwas ins Ohr. Jetzt, dachte ich, läßt er sicher durch seine Frau Helfershelfer der Gerechtigkeit holen. Wir saßen auf heißen Kohlen da. Die Frau ging, kam aber nach kurzer Zeit zurück und womit? Mit einem großen Brote, einem Teller Butter und einem helikaten Käse. Jetzt waren wir aus aller Verlegenheit. Der Gendarm und sein« Frau wünschten uns«inen guten lAppetit. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen, schnürt'.n unser Felleisen ab und machten uns hinter die guten Sachen. Der Mann holte aus einem Schranke eine Flasche Kümmel, und wir aßen und tranken und waren duten Mutes. Der Gen'darm erzählte unS, daß er auch einen Sohn in der Fremde hafte. Er sei schon über ein halbes Jahr von Haufe fort, sie hätten bis jetzt stach nichts von ihm gehört. Der iGendarm sagte, daß er gegen reisende Handwerksburscheu «nickt hartherzig sein könnte und schon ein Auge zudrückte, iweil er daran dächte, daß es seinem Sohne in der Fremde vielleickt schlecht gehen könnte. Darauf nahmen wir wieder unter Bündel, bedankten uns herzlich und beurlaubten uns auf unbestimmte Zeit. Liebe Eltern! Ick habe, nachdem ich setzt über zwei Jahre in der Fremde bin, meinen Mann wieder nach der Heimat gerichtet. Wann ich wieder zu Hause bin, weiß ich nicht, weil mich ja unterwegs noch allerhand aushalten kann. (Aber wie lange es auch noch dauert, ich hoffe, daß ich Euch beide gesund wiedersehe. Ihr werdet Euch wundern über Euren Jan, der einen Bart gekriegt hat. Seid herzlich ge- grüßt von Eurem treuen Sohne Jan. Nachschrift: Ich habe mir vor einiger Zeit eine neue Bengalklinge gekauft, die ich ober leider bald darauf in e ner Herberge für Bett und Zeche als Pfand lassen mußte. JananseineEltern. Leipzig, den 13. Mai 1852. Liebe Eltern? Juchhe, ich bin auf der Heimreise! In einigen Monaten bin ich zu Hause! An der Landstreicherei habe ich keine Lust mehr. Hunger, Läuse und Gendarme sind die ewigen Quälgeister, die einen: nirgends Ruhe lassen. Neulich hatte ich wieder ein böses Erlebnis. Wir waren unser vier, ein Bäcker, ein Schmied, ein Fleischer und ein Barbierer, das war ich. Mit dem Bäcker und Fleischer sind wir mehrere Male auf Geschenk gewesen; nun forderte uns auch der Schmied auf, mit ihm auf Geschenk zu gehen. Wir gingen also zu einem Schmiedemeister mit Ausnahme des Fleischers. Der blieb im Dorfe zurück. Die Schmiede lag am Ende des Dorfes. Wir gingen in einer Reihe hinter- einander der Schmiede zu. Der Schmiedegeselle unter- richtete uns unterwegs, wie wir uns bei den vorschriftsmäßigen Zunstzeremonien zu verhalten hätten. Wir sollten nur mitbrummen und ibm alles nachmachen. Der Schmiede- geselle ging voran, hinter ihm der Bäcker, und ich machte den Schluß, mit der Ahnung, daß es gewiß nicht gut würde ausfallen. Wir rückten bis vors Schmiedetor; hier wurde halt gemacht, indem der Schmiedegeselle zugleich sein .Hämmerchen vom Felleisen nahm. Tarauf zogen wir ins schwarze Lokal ein, und das Gemirrmel, der Handwerkssvruch genannt, fing an. Der Meister war gerade mit dem Lchr- ling im Begriff, einen Wagenreifen zusammenzuschweißen, wobei man merkte, daß er noch Hilfe nötig gehabt hätte. Der Meister hörte ganz ruhig unser Gebet an, und als es beendet war, bat er den Bäckergesellen, einige Augenblicke an den Blasebalg zu gehen. Aber o weh! er traf gerade den unrechten Mann! Der Bäckergeselle stand am Blasebalg wie Peter in der Fremde am Scheidewege� Er konnte ihn nicht in Gang bringen. Jetzt roch ich schon halb den Braten und ich drückt? mich rückwärts dem Ausgange zu. In diesem Augenblicke zopste der Meister mit dem wohlbekannten Löscher, von Lappen zusammengesetzt, in die mit Wasser ge- füllte Lösckbütte, und ohne etwas Böses zu ahnen, erhielt unser Bäcker am Blasebalg eine derb? Einweihung mit dem schwarzen Quaste, wobei der Meister höhnisch rief:„vuh werde Euch Handwerksgebrauch lehren!" Wer zuerst zum Tore hinaus war. das war ich, hinter mir der Schmiede- geselle und zuletzt der arme Bäcker, mehr einem Teufel wS einem Menschen ähnlich. Ich kam noch ganz gut davon, in- dem ich nur einige Spritzer von dem Höllen-Weihwass«r er halten hatte. Aber unseren armen Blajebalgzieher mußten wir an der Dorspumpe abspülen. Liebe Eltern! Ich glaube, daß ich das Barbieredhand- Werk wieder an den Nagel hänge und nnch nach etwas ande- rem umsehe. Es hat mir ja eigentlich nie so richtig gefallen. Zwar kann ich nicht sagen, warum— kurz, es gefällt mic nicht. Man riecht den ganqen Tag nach Söffe, dre Fingcr. werden von dem ewigen Schaumschlagen so glitschig, man muß vor jedem Bauer einen Kratzfuß machen, und das ist mir nicht gegeben. Ich werde auf dem Heimwege gehörig nachdenken und überlegen, welcher Kurs für mich der richtige ist. Für jetzt hört, was mir noch auf meiner Wanderschaft begegnet ist. Vor kurzem ist es mir nicht gut ergangen. Ich hatte im Wangdio, wie sie das verteufelte Spiel nennen, alles verspielt, ein seidenes Halstuch, eine Weste, ein paar Sacktücher, eine Mütze, bis ich zuletzt, ganz ausgeplündert, aufhören mußt«. Keinen Pfennig Reisegeld hatte ich in der Tasche. Zum Glück reiste ich nicht allein, sonst hätte ich wohl mit verschrumpftem Magen die Gegend durchziehen müssen. So aber hatte ich einen Geschäftskollegen bei mir, einen ge- borenen Berliner mit Nomen Triller,«inen durch und durch geriebenen Menschen. Mit ihm habe ich manchen Groschen durch Zahnziehen, Schröpfen, ja sogar Aderlassen auf den Dörfern verdient. Er spielte Herr und ich Gehilfe, was ich ihm auch bereitwillig zugestand, indem er mir in der chirur- gischen Praxis weit überlegen war. Eines Tages kehrten wir in einem Dorfs in einem Kruge ein— es war gerade Sonntag—, wo eS bald bekannt wurde, daß wir Ehirurgen seien. Wir machten schon sogleich in diesem WirtShause unser Probestück an einer alten BauerSfvau, die«inen hehlen Backzahn hatte, wovon wir sie mit vereinten Kräften glück- lich befreiten. Durch dieses Meisterstück rekommandiert, er- hielten wir Zulauf. Ein reicher Bauer ließ uns zu seiner zweiundzwanzigjährigen Tochter rufen, die an Kopfschmerz und bösen Träumen litt. Triller versuchte erst, sie durch Svmpathie zu vertreiben. Aber daS gelang ihm nicht, weil das Mädchen sein Gesichterschneiden und sein Gefackel mit den Händen nicht vertragen konnte. Da sagte er, das Mäd- chen wäre zu vollblütig und müßte zur Ader gelassen werden. Er machte ihr auch, während mir die Haare zu Berge standen, Wenn man nun beri�ckfichiigt. dah diese 65 Betriebe die voll» kommen st en Maschinen besitzen, dah die Arbeitsteilung bei ihnen aur höchsten Enttvicklung gebracht ist, dann darf man wohl mit Sicherheit annehmen, daß 75 Prozent der Gesamtproduktion der 1411 Betriebe tatsächlich in nur 65 Betrieben hergestellt wird. 65 Grogbetriebe �u einem SchuhherstellungZ.Trust zusammenzu- schliefen, der eine entiprechende Zahl von Grostgerbereienfich angliedert und dem alle in den Schlachthäusern anfallenden Häute zur Verarbeitung itbcrwiesen werden, bietet technisch keinerlei Schwierigkeiten. Ein solcher gemcinwirtschaftlich aufgezogener Trust wäre in der Lage, wirklich Qualitätsware herzustellen, die mit eingeprägtem Stempel versehen, deg letzten Verbraucher vor jeglichem QualitätS- und Prcisbetrug schützen würde! Unsere jetzige Wirtschast, die mit den Häuteauktionen beginnt, auf denen die Preise ms ungeheuerliche in die Höhe getrieben werden, die im Gang bi« zum letzten Verbraucher allen Spcku- lanteu weit die Tore öffnet, ist grundsätzlich falsch. Wenn man auf 1000 Minderbemittelte 5 Paar Reichsschuhe zur Verteilung bringt, so ist diese Aktion«in Beweis für die Hilflosigkeit der mahgebenden Stellen. Wird das Leder rationell hergestellt? Nein! Der Zeitschrift .Schuh und Leder' entnehmen wir folgende Ausführungen: .Und doch fordert die heutige Zeit mit gebieterischer Notwendigkeit, mit dem uns zu Gebote stehenden Rohmaterial in sparsamster Weise zu wirtschaften, dasselbe aber auch in rationellster Weise zu verarbeiten. Als unter der Aera der freien Wirtschaft vor dem Krieg die Abkehr von der altbewährten, langsamen und kalten E i ch e n t o h g er b un g stattfand und durch neue Schnell- gerbmethoden ersetzt wurde, fand damit eine kolosiale Verschwendung von Rohmaterial statt. Gewist, man war sich bei der Fülle der zur Verfügung stehenden Rohwaren die'er Verschwendung nickt bewustt, die Jagd nach Ware hatte auch alle etwa aufsteigenden Bedenken rm Keime erstukt, aber jeder, ob Laie oder Fachmann, der sich noch jener Zeit er« innert, weist, dost daS damals hergestellte Leder die drei« biS vierfache Lebensdauer aufwies dem Leder gegenüber, daS in den letzten Jahrzehnten erzeugt wurde. DaS bedeutet nicht mehr und nicht weniger, al« dast die Rohhaut durch die moderne Gerbung, die viel- gepriesene Chromgerbung mit einbegriffen, allerhöchstenS zur Hälfte ausgenützt wird. Nach moderner Gerbung hergestellte Sohlen halten oft kaum so viel Wochen, wie früher Monate. Ein grelles Schlaglicht auf diese Methode wirst ein JahreS- berichl der Deutschen Versuchsanstalt für Leder» i n d u st r i e; rund tausend Lederproben kamen zur Untersuchung. deren überwiegender Teil wie es im Berichte wörtlich heistt—»stark narbenbrüchig und mürbe war, was auf übersättigte Gerbung mit hochgradigen Brühen zurückzuführen ist'. DaS beistt also mit anderen Worten: das Leder ist gargekocht worden. Auch wer bei der»Klag' als Fachmann die im Lohn gegerbten Leder sortiert hat, kann ein Lied davon singen, waS für Schund von vielen Fabrikanten, zum Schaden der Allgemeinheit, gegen hohen Gerblohn jahrein, jahraus geliefert worden ist. _ l.Schuh und Leder'.) Erhöhung der Tavakpreffc. Das ReichSwIrtschaftSministerium erhöhie die Preise für Rohlabak aus der 1919et Jnlaudsernte einschließlich der früher bewilligten 20 Proz. Prämienzuschlag um 60 Proz._ GroMerüu Achtung, Gasverbraucher! Kcio GaS vorzeitig entnehmen. Die Direktion der Berliner städtischen Gaswerke warnt dieBe» völkerung nochmals dringend. Gas ouS den Leitungen eher zu ent« nehmen, als bis amtlich die Wiederabzabe von GaS bekannt- gegeben ist. Durch das Austerachilaffen der wiederholt veröffentlichten Warnung ist eS bereits an mehreren Siellen der Stadt zu Ex» plosionen größeren Umfanges gekommen, durch die er- heblicher Sachschaden entstanden ist. Zur Sicherung von Leben und Eigentum der Bevölkerung ist es also dringend erforderlich, den Weisungen der Gaswerke streng Folge zu leisten. Da eS infolge völliger Stillegung der Berliner Werke nicht möglich war, die Gasrohrleitungen auch nur unter einem geringen Druck zu halten, ist an vielen Stellen Lust in die Rohrleitungen einen Stich in den Arm und ließ das Blut in einen zinner- nen Teller laufen. Aber als das Kind beinahe einen halben Tell« Blut verloren hatte, bums! fiel sie vom Stuhl. Die guten Leute schrien vor Schrecken, und uns wurde es sehr schwül. Zum Glück schlug das Mädchen bald wieder die Augen auf. Triller ließ ihm ein Gläschen Schnaps geben und aufs Bett legen. Darauf entschuldigten wir uns, und Triller sagte, man solle die Patientin nur ruhig liegen lassen, in einer Izolben Stunde würden wir wiederkommen. Wir wollten unterdessen eine heilende Mixtur bereiten. Wir kratzten, ohne unsere Mühe bezahlt zu nehmen, gleich einem Hunde, der ein gestohlenes Stück fleisch im Maule trägt, zur Tür hinaus und flabasterten eilig zum Dorfe Hinaus und auf der Landstraße setzten wir uns in Trab, um mög» lichst rasch vom Orte unserer Tat zu kommen. So waren wir etwa eine halbe Stunde getrabt, als wir hinter uns ein Wagengerappel, Peitschenknallen und Rufen hörten. Wir schauten uns um und erkannten zu unserem heißen Schrecken den Bauer. Er rief und winkte uns mit der Peitsche. Aber wir gingen in unserer Angst in Galopp über und rannten. bis uns die Zunge aus dem Halse hing, denn wir dachten doch nicht anders, als daß unsere Operation böse Fblgen gehabt hätte, und der Bauer uns verfolgte. So jagte er uns vielleicht fünfhundert Schritt« weit, als wir kraftlos wie ein gehetztes Wild zusammenbrachen. Als er uns eingeholt hatte, sprang er lachend vom Bock, schüttelte uns die Hände und forderte uns auf, sogleich mit zurückzufahren. Wir hätten feine Tochter gesund gemacht und wir müßten seine Gäste fein. Ein dicker Stein fiel uns vom Herzen und wir fuhren mit dem guten Bauer wieder ins Dorf, wo man uns mit Staunen und Respekt empfing und uns den ganzen Tag mit Weißbrot und Schinken fütterte. Zum Abschied schrieb der Halunke von Triller dem Mädchen noch folgendes Re- zept zur Verhütung böser Träume: Kot vom Rind, Taube, Ziege, Spitzmaus, Henne, gebrannter Kalk mit dem Safte einer sauren Gurke als Bindemittel, wofür ihm der Bauer noch einen Taler extra gab. Liebe Eltern, dies ist der letzte Brief, den ich Euch schreibe. Ick) hoffe, im Herbst wieder zu Hause zu sein. Tie Mutter soll Kartoffelsalat machen, den ich nicht mehr gegessen habe, seit ich von Hause fort bin. Wenn ich an den Kar- toffelsalat denke, laufen meine Beine noch einmal so rasch. Lebt wohl und bleibt gesund, bis Euch wieder umarmt Euer treuer Sohn Jan. Nachschrift: Ich habe von Triller das Gitarrefpicleu gelernt und rette Liederchen dazu. � (Forts, folgt.). gedrungen, wodurch«in höchst explosives GaSkuft- g e m i s ch emstanden ist. Wenn auch jetzt die Rohrleitungen wieder unter einem gewissen Druck gehalten werden, so geschieht dieö lediglich, um dieses Luftgemisch auS den Rohrleitungen zu treiben. ES kann infolgedessen möglich sein, dast an einzelnen Siellen der Siadt beim Oeffnen der Hähne GaS entnommen werden kann. Es wird aber dringend davor gewarnt, davon Gebrauch zu machen, da bei Entzündung dieses Gase» leicht Explosionen entstehen können und die Gaswerke gezwungen sein würden, die Zuwiderhandelnden für den ihnen entstehenden Schaden haftbar zu machen. Wcun nicht neue Zwischenfälle eintreten sExplosionen usw. wird es hoffentlich möglich fein, in allernächster Zeit GaS allgemein abzugeben. BiS zu diesem Zeitpunkte, der amtlich bekanntgegeben wird, muß sich die Bevölkerung noch gedulden._ Eine Million für Berbilligung der Milch hat nach der Meldung einer Lokalkorrespondenz der Berliner Magistrat bewilligt. Diese Vergünstigung kommt selbstverständlich nur Unbemittelten zu._ Die Kappitäne vom Postamt 141. Sie fühlen sich noch, die Kappitäne und schäumen vor Wut, daß ihre Hoffnungen zu Woffer gegangen stnd. Nun aber heißt eS Rache nehmen und da bat sich denn ein Teil der mittlere» Beamten deS Postamts 14 zusammengetan, um ein Stand- gericht über einen Kollegen abzuhalten, der«S gewagt hat, während der Kappregierung sich für die Durchführung des vom Deut« scheu Beamtenbund gefaßten StreiibeschluffeS besonders einzusetzen. Das Urteil lautet: 1. Der O.-P.-Asi. R. ist nicht mehr geeignet, als V e r- treter der mittleren Beamten im örtlichen Ausschuß deS P.-A. 14 zu gelten. 2. Er ist nicht mehr geeignet, als Vertrauensmann des Verbandes der Reichs-Post- und Telegraphenbeamten zu gelten. 8. Die mittleren Beamten de» P.-S. 14 lehnen eS ab, mit dem O.-P.- Ass. R. als Mitarbeiter weiterhin zusammen zu arbeiten. Zu Punkt 2 sei bemerkt, dast hierüber der demnächstige Be' zlrkSlag zu entscheiden hat, zu Punkt 1, dast O.-P.-Ass. R. vom gesamten Personal gewählt ist und hierüber die paar mittleren Beamien nicht zu bestimmen haben. Da» Verhältnis ist 80:150. Zu Punkt 3 hat der Bezirksausschuß der Beamten der S. P. D. Stellung genommen, der schon dafür sorgen wird, dast die Herren mit ihrem Mitarbeiter in enger Fühlung bleiben, damit fie von desien gewerkschaftlicher Disziplin etwas lernen können. Das hat gerade noch gefehlt, dast Meineidige, die nicht wert find, mit anständigen Leuten, die auf ihre Ehre etwas halten, zu- sammen genannt zu werden, sich als Richter aufspielen. Der Vorgang gibt aber ein Bild über die vollkommen gewerk- schaftliche Undrszipliniertbeit der mittleren Postbeamten, die durch daS wankelmütige Verhalten deS Berliner Bezirks- Vorsitzenden hervorgerufen wurde, der die Ausführung des Streik» befchiusieS der Grostorganifation ablehnte. Unsere Parleigenossen aber mögen versichert sein, daß wir fest aus dem Boden der neun Vunkte stehen und deren Durch- führung erzwingen werden, damit endlich einmal reiner Tisch gemacht wird._ Zur Nachahmung empföhle«. Die sozialdemokratische Fraktion der Scköneberger Stadtverordnetenverlammlung hat einen Antrag eingebracht, wonach ein aus neun Stadtverordneten und vier Magi- stratSmitgliedern bestehender Ausschuß eingesetzt werden soll, der eine beschleunigte Untersuchung über alle mit dem Putsch Kapp-Lüttwitz zusammenhängenden Borgänge, soweit sie sich in Berlin-Schöneberg abgespielt haben, zu führen hat. .Insbesondere soll der NntersuchungSausschust feststellen: von welcher Seite die beiden Ofiizierskomvagnien in die Schöne- berger Rathäuser indieölaisonclssautö gerufen oder zur Besetzung der genannten städtischen Gebäude aufgefordert worden sind; welche städtischen Beamten sich für die meuterische sogenannte Regierung Kapp-Lüttwitz eingesetzt baben, welche Hochverräte- ri scheu Handlungen seitens städtischer Beamter vor und während des Putsche» begangen worden stnd und inwie- weit sich in den städtischen Schulen Lehrer und Schüler an den Umtrieben beteiligt haben. Der Untersuchungsausschuß soll da- �ür Sorge tragen, dast die schuldigen Beamten ihrer Bestrafung zugeführt werden.' Keine Eisenberoifungen für Lastkraftwirgen mehr. Von gut unterrichteter Seit« wird gemeldet, daß danach Lastkraftwagen nur dann noch zum Verkehr im LandeSpolizeibezirk Berlin zugelassen werden, wenn sie mit Gummibereifung, Voll- gummi oder Gummiluftveifen ausgerüstet find. Die bi» jetzt zu- gelassenen mit Ersatzbereifungen ausgerüsteten Kraftwagen dürfen, soweit sie für die Beförderung lebenswichtiger Güter verwendet werden, auch weiterhin verwendet werden, doch ist hier» zu die ausdrückliche Genehmigung des Berliner Polizeipräsidiums erforderlich, die längstens bis zum 31. Oktober erteilt wird. Die Lankwitz» Explosionskatastrophe. Im Laufe de» Freitags wurde die Unfallstelle in Lankwitz von zahlreichen Kommissionen besucht. Da» Handelsministerium und das ReichSver- w eriungSamt hatten Vertreter geschickt, ferner waren eine Reihe von Kommisstonen der Groß- Berliner Feuerwebren erschienen, darunter auck Branddirektor Reichel- Berlin. Ueber die Ursachen der Explofionskatastrophe sind die Meldungen der Sachverständigen noch ziemlich geteilt. Eine Klärung des Vorfalles konnte noch nicht erfolgen. Die Unfallstelle wird im Laufe der nächsten Tage noch weiter uniersucht werden und man wird ver- suchen, mir Hilfe eingebender Vernehmungen der in der Nähe de» Explofionsherdes beschäftigt gewesenen Personen sich ein klares Bild über die Ursachen der EMlofion zu machen. ' 16 600 Mark Belohnung hat die Eisenbahndirekrion Berlin auf die Ermittelung des Mörders ausgesetzt, der am 23. d. M.. mittags gegen 1 Uhr den vstickttreuen Lokomotivführer Reinhard Reich- murh auf dem Bahnhof Gesundbrunnen erschossen hat. Di« RettungSgeräte an den Wasserläufen werden trotz fort- währender Bewachung immer wieder beschädigt oder zerstört In den meisten Fällen werden die in den Rettungskähnen befind- lichen Ruder. Rudergabeln, Bootsbaken und Ret tungöstangen entwendet; auch sind mehrfach RetlungS ringe und Rettungsleinen gestohlen worden und die RettungSgeräte für ihre Benutzung unbrauchbar gemacht wor- den. An die Bürgerschaft wird deshalb abermals die Bitte gerichtet, ihrerseits auch fernerhin den RettungSgeräten an den Wasser- läufen ihre Aufmerksamkeit zu schenken und in jedem Falle einer unbefugten Benutzung, Beschädigung oder Entwendung den Täter ' o f o r t f e st st e l I c n zu lassen. Tie Extraausgaben des„BorwirtS". Bon den Extraausgaben de».Vorwärts' während des Kapp-Lüttwitz-PutscheS, 1. Ausgabe vom Montag, den 16. März und 2. Susgabe vom DonnerSlag, den 18. März, werden ungeiähr je 26 Stück für Archivzwecke gebraucht. Da wir selbst kein Exemplar mehr davon besitzen. bitten wir unsere Parteigenossen uns hierin zu unterstützen und die dringend gebrauchten Exemplare an unsere Adresse zu senden. Auch Ür Zusendung sonstiger Flugblatt-Literawr von den tollen Tagen wären wir sehr dankbar. Redaktion de«»Vorwärts', Lmdeoßraße 8. Eine unbekannte weibliche Leiche wurde ans d» Spree zwischen »Spreegarten' und dem Konzcrtlokal.Plänlerwald' geborgen. Die Tote ist zirka 45 Jahre alt und gehört anscheinend dem Arbeiter- stände an. Sie ist bekleidet mit dunkelblauem Lodenmantel, grüner Samtbluse und grauem Rock mit braunen Streifen und zirka 1.65 bi« 1,70rugrost. Zweckdienliche Angaben zur Ermittlung der Toten erbittet der SmtSvorsteher Berlin-Treptow, Rathaus. Zimmer 1—2. Tie Städtische Wanderausstellung ist jetzt aus ihrer vierten Station angelangt. Vom Dienstag, 30. März, an wird sie in der Aula der Acmeindeschule Bergmannstr. W/29(gegenüber der Markthalle) zu sehen sein(bis zum 16. Mai). Vorträge und Führungen Sonntag» 11 Uhr, Dienstags und Freitags 6 Uhr nachm. Antritt frei. Lichtenberg Verlängerung der BewcrbungSfrist für SiedlnngS» land in MahlSdorf. Infolge des Nichterscheinens der Zeitungen wird nicht allgemein bekannt geworden sein, daß die Stadt in nächster Zeit mit der Verteilung ihres Siedlungslandes in MahlSdorf bei Berlin beginnt. Die Frist für die Ein- reichung der Bewerbungen ist daher bis zum 31. März d. I. ver- länger! worden. Prospekte mir zwei Parzellierungsplänen und Fragebogen werden im Rathaus. Möllendorsstraste 6, Zimmer 35, wochentäglich zwischen S und 3 Uhr gegen Erstattung der Druck- kosten fl M.) abgegeben. Charlottenburg. D» Ste»»z»schlag in Höhe von 50 Prozent macht llt der in der Sieuerzahlkarte für 1619 auigeiührten G e- meind-steuer aus und muß in der Zeit vom 1. bis 15. April in voller Höhe gezahlt werden. Gro�-Berliner Lebensmittel« Berlin. An'Stell« der nicht ausgegebenen« Pfund Kartoffeln ZOO Gramm Hülsenfrüchie von Mittwoch bis Freitag in den durch Säulen- anschlag noch zu veröffentlichenden Berkaufsstellen. In der kommenden Woche aus NeichSfleiichkarte inländisches Frischfleisch oder ausländisches Geirier- fleilch. Aus die Fleischmarken für die Wochen vom IS. bis 28. März Büchsenfleisch und Geirierfleisch. BiS Sonntag Neuanmeldung zur Speile- settlundenliste. Auch wer bereits w«ine Kuodealiste eingetragen ist. hat sich von neuem anzumelden. Schönederg. Voranmeldimg für SOO Gramm inländ. Erbsen(ZO). Für ausfallende Kartoffeln ohne Voranmeldung 300 Gramm geschälte Sülsenfrüchte(1« e— g),'/, Psnnd zuckergesühte Marmelade(13), zwei Schachletn Streichhölzer(48). Aus besondere Bezugscheine 3 Pakete Zwie- back an Kinder im 1. und vom 13. bis 17. Lebensjahr und werdende Mütter, 125 Gramm Kakao an Kind» vom 2. bis 4. Lebensjahr, 1 Dose Malzextrakt an Kinder vom 5. bi» 12. Lebensjahr, 1 Pfund Bienenhonig an werdende und stillende Mütter und 1 Psund Speisesirup an alte Leute von 60 Jahren und darüber. Steglitz. Für die in der Woche vom 15. bis 21. März d. I. fehlenden Kartoffeln 500 Gramm Kartoffelwalzmehl(12 c— g der Stegl. Kartoffel- karte). Gegen Abstempelung des MittelftückS der grünen HauShaltskarr« je HauShalt 1 Paket Streichhölzer. 250 Gramm Zercalienmchl(88 K), 500 Gramm Marmelade(12 und 13). Für Personen über 65—70 Jahre und über 70 Jahr« je 500 Gramm amerik. Weizenmehl und 250 Gramm Keks(4 15). Für werdende Mütter 1000 Gramm Gerstengrütze, 500 Gramm Zwieback, 250 Gramm Kakao(31). Für Kinder im 1. und 2. Lebensjabr 500 Gramm Kind»gerstenmehl. 250 Gramm Keks(24 K), vom 3. bis 6. Jahr 500 Gramm Gerftenflocke»� Für Jugendliche 200 Gramm amerik. Gerstenmeh!(49). Lichtenberg. 100 Gramm Hülsenfrüchte(13 e und d Kartoffekkarte), 150 Gramm Kartoffelftärlemehl(I3e, f und g). Voranmeldung: Je 150 Gramm Haferflocken(464 E, J, G, K und S), je 125 Gramm Teigwaren (468 E. J, 6. K, S). Britz. Vom 30. März bis 2 April findet die neue Ausgabe der Nährmittelkarlen für Kriegsbeschädigte von 30 Proz. Erwerbsunfähigkeit ab im Srankenernährmtgtzinuncr, Rochowstr. 4, m den Dienststunden von 9 biS 1 Uhr statt. Pankow. 125 Gramm anSl. RaiSgriest(8). Groß-Serliner parteinachrichten. Morgen, 28. März: s. Abt. FrüblingSiest, 4ss, Uhr, im Reichenberg» Hof. Twtrlttskarteu 1,65 M. bei den BezirkSführern und an der Kaije. Jnugiozialisttichc Vereinigung(S. P. D.) Wanderung nach Pols- dam. Treffounkt 9 Uhr srüh, Haupteingang Babnhos Potsdam Tempelhof. 10 Uhr, öffentliche Versammlung im Realgymnasium, Kaiserin-Augusla-Lttaste. Thema: ,WaS lehrt uns der 13. März 1920?' Vorträge, vereine unü Versammlungen. Freie Turnerichaft Berlin. Heute abend 7 Uhr im Schultheis. Sehdelstr. 8, wichtige Besprechung.— Touristen-Verein»Tic Naturfreunde'. Sonntag ab Wriezener Bahnhos 7.82 Fred«Sdorf, Bötzse«, Strausberg. Gesthästliche Mitteilungen. Tie Grippe wird durch einen Bazillus übertragen, der ausschließlich durch Einatmen in den Körper gelangt. Darum ist eine Desinsettion von Mund und Nase notwendig. Dies geichieht am besten durch Gurgeln mit Walser st osssuperoxyd.(Ein Teelöffel aus ein halbes Glas Wasser.) An Stelle deS flüssigen Wasserstoffsuperoxhds kann man auch das bequeme feste Waffe rftossfuperoxhd Pergenol nehmen. Dieses wird teils in Form von Tabletten hergestellt zum Auflösen in Wasser, teil» in Form von Pastillen, welche man im Munde zergehen iästt. Es ist dies eine bequeme und praktische AnwendunaSweise des oben »wähnten Wasserstoffsuperoxyds besonders jür Leute, welche viel von zu HauS abwesend find._ Mus aller Welt. Trohende Schließung der Frankfurter Universität. Frankfurt a. M., 26. März.(Eig. Drahtbericht des.Vorwärts�./ Der Fortbestand der Frankfurter Universität ist ernstlich gefährdet, wenn ihr nicht neue Mittel zugeführt werden. Für da5 Jahr 1926 evgilbt such ein Mi-nus von 600 000 M., das nach Inkrafttreten der neuen Besoldungsoudnung auf Millionen Mark anwachsen wird. ~"ir dies« SumnP ist vorerst keine Deckung vorhanden, da die iaatSregierung einen Zuschuß nicht gewährt. ES besieht nunmehr nach mündlichen Verhandlungen die Hoffnung, dast der Staat«inen Zuschuß leisten wird, wenn auch die Stadt ihren bisherigen Bei- trag wesentlich erhöht. Die Stadt ist jetzt bereit, der Universität den jährlichen Beitrag um 600 000 M. zu erhöhen unter der Bc- dingung, dast der preußische Staat den gleichen Betrag beisteuert. Wenn die beantragte staatliche und städtische Hilfe versagt bleibt, ergibt sich die Notwendigkeit, die Universität in kürzester Frist zu schließen._ Zur Nachahmung empfohlen. Wie auS Wien gemeldet wird. beschäftigte sich das dortiae V o l kö g e su n d h e i t s a mt mit den Borbereitungen zur Erlassung eines Gesetze», nach dem künftig zur Eheschließung ein ärztliche» Zeugnis nötig sein wird. Ein solche««liest wird derzeit nur in einzelnen Staaten Amerika» verlangt; jetzt beschäftigt man fich in Tschecho-Slowakieu mit der Einführung einer solchen Vorschrift Eine Kultursckaude. Halle, 26. März.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärts'.) In W e i m a r wurde DaS bekannte vor 140 Jahre» von Goethe aufgestellte Sreindenlmal im Schloßpark m,t der Inschrift„genio loci', welches einen Altar mit Opferbroten, die von dem Geniu» in Schlangengestalt genommen werden, darstellt, von Bubenhänden verstümmelt. Bon den Tätern fehlt bisher jede Spur. ZLerterauSsichtru(ür das mittlere iKorddeutschkaod bi» Touutag mittag. Im Südosten noch größtenteils rrvckcu und vielfach heiter, in den Tagesstunden überall mich, im Westen und längs der Küste überwiegend bewölkt und vulchiedeutlich etwas Ziege». Massenkundgebung im Zirkus Husch am pünktlich um 10(Deffnung 9 Uhr) Zur Ginigung gegen die Reaktion! Es werden sprechen: 11846 Aufhäuser ♦ Bernstein ♦ Oeorg Davidsohn ♦ Katzenstein ♦ Kautsky ♦ Osk, Kohn ♦ Leuß ♦ Limbertz Löff!er � Nestriepke � Hauptmann Riefstahl vom Republ. Führerbund � Rusch ♦ Adele Schreiber ♦ Ströbel u. a. & Theater, ÜshfspieSe etc.� Direktion Max Reinhardt Deutsche» Theater. tv. mir: Und Pippa tanzt. Stg. 7".: Was Ihr wollt. Kammersplele. Cf? GalirlelScliilllnns FIqeM Sonntag 2'/.: Der Welbsteulel 7 Uhr: Gabriel Scbilllnss Flacht. ftr. Sehaaspielhaa« Karlstraße. 7: Hamlet(31. Abt., 2. Ab.) Ste. 2'/»: Hamlet(auß. Abonn.) 7 Uhr, mm l Male: Der weiße Heiland(auß. Ab.) Theater I. d. KSniggrätzerStraße 7 uhr: Pnla Nicolo. Sonntag: KSoIg Nicolo. Nachm.; Erdgeist( M.Orska) Mont.t Schloß Wettersteiii Romßdlenhaus Dei'-Herr Minister (Hax Pallenbcrg) Berimer Theater 7 Uhr: Der letzte Walzer. Fritzi Massary, Otto Storni, Hans Wassmann. Centrai-Theater 7v.u.: FräBlein Pnck. Dentaehea OnernUaus 6V, uhr: Der Prophet. Die Tribüne w.u.: Franziska. Eden-Theater. w.u.: Bis Doüapprinzessla Sonnt 3 Uhr:„U. A. w. g.** ¥"Elo/< Uhr: Aiedea. W. Uhr: DcP'&tergcfTc&S3 Theater des Westens w.u.:DieFraDlffl)lenneliD Stg. W«: Die lustige Witwe. Wallner-Theater uhr Eine Ballnacht. StgJ'r.; Geisha m.MlaWerber Walhalla-Theater. W,""" Uhr: CsMsfllrstin. TriaBoa-Theater. bahnhot Frlcdrichstraße Nachm.« Uhr, kleine Preise. "Äfrür- Femina. Sonntag 4 U.: Johannisfeuer. Residenz- Theater. Stadtbahn lannowittbrücke. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: Xfnx und Zlorltti. Täglich Vf. Uhr: Die Rassiaffs Sonntag 4: Der gute Bul. «Residenz-Kasino * 10 Eiumenstrniäo 10, H Tanz und Kabarett« MAAAAAdAAAtilAl&AAA i Volksbühne Theater am BUlowplatz. 7 u.t Nach Damaskus Lssslno-Tlieater. Direktion: Victor Barnowsky r: Pygmalion. Ä 7 Uhr; W« Uhr; Sonntag.. Wozieck, Die Bubischwester. Montag 7: Peer Gynt. ßsutsclies künstler-Tfiestep Aw6 unrf Menagerie (Adalbert, Götz, Haack, Kon- schewska, Fischer, Morgan, Wallauer.) Rose-Theater. w, Uhr: Der Fall Werkmann. APOLLO Theater I t riedrlchstraße 218. I j Direkt James Klein.« ZW. Ausland- V'\ 18. jilinodesCIedjg ersterl lapaner�n� 4 Williams lowboy-Lassoj äoiele mit<) Vierden" Sylvester-Creniö | Fam. Meister Ikarier| Amerikanische �ppensnielei tom koyal-Orpheun. Hizi Kiudl u. Partner ZahnSug I mit hängenden Men- 1 | sehen durch den Zu- 1 schauerraum Mary Blank Meister Jongleuse I u, and. Sensationen I I Sonntag ZV, Uhr ied. I lErwacns. t Kind frei I Theater am KotthuserTor Tel.: Moritzplatz 14814. Jeden Abend 7V. Uhr: SUte-Sänger. W b ehem. Mitgl. der Steitlner Sänger. Sonnt, nehm. 3 U. ermäßPreis.(voll. Abend-Programm. Blülhgen■ Kentert. Beginn T.iO Uhr. Zum Schluß; Die Boxe der Pandora. Vorverk. Ii— l'/, u. 4— 6 Uhr. 4b Allabendlich 7 Uhr: 4» John Hamilton V Frltt u. Bobby Link Blcnlta Schlüter. QrGnltz Marga u. tgon Laron Hans; Eiter Paul Goldler Walter Steiner\ Gesa Varady Truppe t Grete Rnss ♦ Dougson f Kapelle Mundl Neumann, t Am FICgcl: E. Heins eitel. J Gasino-Theater cOthrlngerstr.3J. Tägl.V.SU.: Neu I Ken! Die erste Posse dies. Spielzeit Tin alier Sfinder Verlier erslkl. Spezialitäten. Preise von 2 M. bis 5J0 M. Sri. 3V;,: Olflckllche Heimkehr Winter- Garten Täglich 7.15 Uhr: VaM-Splelplaii Rauchen gestattet! ReielisiialL-Töealep 3tbcn Itbenb 71/, unb Sannt 2Jtn.SU.: Stettiner Sänger. 'W, 9ialllllillllinillllll!l|jlHlii ßroßs. fehenaiDatet i Ziehung am 13. und 14. April f Rot« 4N Lettarle 1" des SohOneberger Zweigrereins rem Boten Kreuz. 109000 Lose. 4155 Gewinn. 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Der neue Generalstreik in Dort- mund ist ausgebrochen, weil sich die RegierungStruppen von Meie- seld aus näher an Hamm herangeschoben haben sollen. Während die bürgerliche Presse die Fortdauer der Kämpfe bei Wesel darauf zurückgeführt, daß die sogenannten„roten Truppen" den Skrsfenstillsteid nicht innehielten, sollen nach dem erwähnten Be- richt die ReichSwehrtruppen erklärt hoben, daß ihnen von einem Waffenstillstand nichts bekannt sei. Vertreter, der Arbeiterschaft seien ununterbrochen bemüht, die Kämpfer vonein- ander zu trennen. Die Reichswehr behauptet, daß die Arbeiter den Waffen» stillstand gebrochen haben. Die Beschießung Wesels hat bereits zahl- i-'ichc ZivilpeMmen, Frauen und Kinder, getötet und verstümmelt. LZelch ein Wahnsinn! Am Dienstag beschloß ein« Dergarbeiterkcmferenz in Essen einstimmig, Ueberschichten zu verfahren, solange die Ar- bciterschast nicht angegriffen wird. Der französische Hauptmann Garriet, der daS ganze Industriegebiet bereist hat, habe einem Pressevertreter erklärt, daß er in den letzten Fahren selten einmal Städte angetroffen habe, wo so mustergültige Ordnung herrsche. AuS Elberfeld wird uns gedrahtet: Im Ruhvgebiet stehen so ziemlich alle Arbeiter, zum Teil bis in die christlichen Gewerkschaften hinein, gegen die Reichswehr. Bei Wesel sind noch blutige Kämpfe im Gange. Süddeutsche Truppen werden zusammengezogen, um in das Industriegebiet einzu- dringen. Das darf auf keinen Fall geschehen, sonst gibt eS eine furchtbare Katastrophe. Die Konferenz am Freitag in Hagen hat, trotz der Ouertreibeveien der Mülheimer Kommunisten, eine Deputation nach Wesel geschickt, um die E i n st e l l u n g der Kämpfe und die endliche Durchführung des Waffenstillstandes her- bei zu führen. Die Konferenz stellte die Forderung, die Waffen müßten in den Händen der Arbeiter bleiben, bis die Sicherheit vorhanden ist, daß ähnliche Dinge wie dar Kapp- Lüttwitz-Putfch nicht mehr geschehen können. Zur Beruhigung der Bergarbeiter und zur Lahmlegung der Quertreibereien ist es dringend erforderlich, daß von der Berliner Regierung aus sofort amtlich die Bestätigung und Genehmigung der Diele- felder Vereinbarungen im Ruhrgebiet bekanntgegeben wird. Wie uns ans Elberfeld ergänzend gedrahtet wird, hat Reichs- prSfidcut Genosse E b e r t zugesagt, daß Truppen nicht marschieren Hillen und die amtliche Bestätigung der Bielefelder Abmachungen erfolgt. Bon Diktatur und Rätespstem ist seit dem ersten Aufruf in keinen» mehr die Rede. Duisburg, 26. März.(Eigener Dmhtbericht deS» Vor. w ä r t S".) Eine gemeinsame Korrfovsnz der Leitungen der S. P. D. und der ll. S. P. hat folgendes Einigungsprogramm aufgestellt: l. Sofortige Auflösung der Reichswehr. 2. Ablieferung der Waffen an die organisierte Arbeiterschaft. 3. Herausgab« aller HeeveSbestände qn die VollSwehr. 4. Beeidigung aller Opfer der Froi'hcitSkämpfe auf Staatskosten. 5. Volle Versorgung aller Ver- letzten, der Witwen und Waisen. 6. Sofortige Bestrafung aller gegenr evolutionären Personen, Offiziere und Beamten. 7. Ucber- nähme aller Kosten, die durch die Niederwerfung der Reaktion ent- standen siird, auf das Reich 9. Freilassung aller politischen Gefan- genen. 9. Aufhebung des Ausnahmezustandes. 19. Schleunigste Sozialisierung der Bergwerke und der Industrie ohne Ent- 1 ch ä d i g u n g. 11. Zurückziehung der Vorlage betreffend die Ent- Schädigung der Hohenzollern. 12. Entfernung aller reaktionären Beamten. 13. Verschmelzung aller sozialistischen Parteien, Neu- Ruhrgebiet. wähl aller Parteifunktionäre in gemeinschaftlichen Versamnckun- gen. 14. Eine Parteipresse. 16. Abführung der Parteigelder an eine einheitliche Zentrale, eventuell Zurückhaltung bis zur Bil- duwg dieser Zentrale, Veveinheitlichnng der Partcivermögen. 16. Drucklegung des Einheitsprogramms und sofortige Agitation für die Durchführung im Reiche. Der erste Blick zeigt, daß dieses Programm ein Ergebnis der Radikalisierung der Arbeiterschaft durch den Putsch und durch die ihm folgende B o l s ch e w i st e n h e tz c ist, welche die Blutbäder auf dem Getvissen hat. Bei einigermaßen ruhiger Ueberlegung werben sich auch die Unabhängigen sagen müssen, daß eine sofortige Durchführung verschiedener Punkte dieses Pro- gramms gar nicht möglich ist, zum Teil, weil die Arbeiter- klaffe nicht die Macht dazu hat und zum andern Teil, weil die sofortige Durchführung z. B. der ontfchädigungsl os cn Sozialisierung die Volkswirtschaft auf das allerschwersde erschüttern würde. Es waren in der Sozialisierungskommisfion gerade Mitglieder der un- abhängigen Partei, die als sachverständige Volkswirte die entschädi» gungslose Sozialisierung verworfen haben. Die Verstaat- lichung der Bergwerks würde sie nur zum Bestandteil der deut- sehen Haftung für die Kriegsentfchädigung machen: ohne auSlän- bische S Kapital ist unser Bergbau nicht wieder hochzubringen; auS- ländisches Kapital flieht aber sozialifierre Industrien, zumal des verhaßten Deutschland. Immerhin»st. hervorzuheben, daß auch dieses Programm durchaus nichts Bolschewistisches hat, die grurvdlögenden RechtSzustände von heute nicht antastet und sich in seinen militärischen Forderungen nur als eine Konsequenz der letzten Ereignisse darstellt. Ein Aufruf der Reichsregierung, gez. Bauer, gefolgt von der Erklärung General WatterS, daß er und die ihm unterstellten Offi- ziere fest zur verfassungsmäßigen Regierung stehen, gibt die Nieder- kämpfung d«S PutscheS und die Bielefelder Vereinbarungen kurz und, wie uns scheint, lückenhaft und mißverständlick(die Orrs- wehren fehlen!) bekannt, verurteilt den Angriff aus die Reich?» wehr bei Wesel als schweren Vertragsbruch und schließt mit fol- gcndem Appell: Wir fordern alle besonnenen Arbeiter und sonstigen dort im Kampfe stehenden Personen auf, sich nicht weiter mißbrauchen zu lassen, sondern unserem Rufe zu folgen, jede Kampfhand- lung einzustellen, sofort zur Arbeit zurückzukehven und die Waffen ordnungsgemäß wieder abzuliefern. Noch jetzt weiterkämpfende Arbeitertruppen schädigen Volk und Vaterland aufS schwerste ui»d müssen deshalb, wenn nichts anderes Hilst, mit niilitänschen Mitteln zur Ordnung zurückgebracht werden. Die Folgen haben sie sich selbst zuzuschreiben. Arbeiter und Bürger des Ruhrbezirks! Wir rufen Euch zur Besonnenheit. Kehrt zurück zur Arbeit, denn nur so schützt Ihr Freiheit und Ordnung. So sehr wir wünschen, daß dieser Appell vollen Erfolg hätte/ so sehr fürchten wir, daß er ihm versagt bleiben wird. Die Drohung am Schluß scheint unS um so mehr grundfalsch, als die erwähnte Art der Wiedergab« des Bielefelder Abkommens nur zu leicht neues Mißtrauen wecken kann.... Um üen öeutschen Einmarsch im Westen. Paris, 26. März.(H. N.) Die Besprechungen zwischen den Alliierten über die Frage, in welcher Weise eine Basis für das Auftreten der deutschen Regierungstrnppen im be- setzten Gebiet geschaffen werden kann, dauern fort. Von französischer Seite wurde auseinandergesetzt, daß eine i n t e r- alliierte Kontrollkounnifsion nicht genügt. Man hat vor- geschlagen, die Besetzung von einigen in der Nähe der Ruhr geloge- nen Städten vorzunehmen, und zwar bis zu dem Augenblick, in dem die RegierungStruppen die besetzte Zone wieder verlassen. Irgendein Beschluß ist noch nicht gefaßt worden, man ist nur über den Grundsatz einig, Gaß der Vertrag eingehalten werden muß und daß demgemäß die Besetzung tmix einen provisorischen Charakter haben darf. Durch Verhandlungen friede! Halle a. S., 26. März.(Eigener Drahtberickit des.Vorwärts".) Der militärische Oberbefehlshaber in Naumburg, ein O b e r st- leutnant, hatte für die Bezirke Naumburg»md Merse» bürg neuerdings den verschärfte« Belagerungszustand verhängt. Daraufhin haben die Arbeiter in diesen Bezirken, besonders auf den Leuna-Werken, Freilag morgen beschlossen, erneut in den G e neralstreik zu treten. Indessen hat sich Oberpräfident Hörsing ins Mittel gelegt und den militärischen Befehlshaber zur Zurücknahme seiner Verordnung veranlaßt, so daß neue Unruhen in diesem empfindlichen Gebiet nicht zu be- fürchten find. Wie ein Hallenser Mittagsblatt erfährt, sind auf Anordnung des Halleschen Garnisonkommandos heute morgen 699 Mann Reichswehr nach Teritschental aufgebrochen, weil dort der„rote Terror herrsche". Tie Vertreter der Arbeiter haben die sofortige Zurücknahme der Tr»tppen verlangt. Daraufhin sind zwei Arbeiterführer»md zwei Offiziere nach Teutschental gesandt worden, um die Verhältnisse zu Prüfern Die T r a u e r f e i e r für die Opfer der Kampftage in Halle findet Montag, den 29. März, auf dem Gertraudenfriedhof statt. Eine große Anzahl von Toten wird dort in einem Massengrab beerdig» werden. Der AlnonSauSschutz und die Streikleitung fordern die Arbeiter auf. daß fie am Montag von 12 Uhr an zur Ehrung der Toten die Arbeit ruhen lassen. Der oböachlose Staatsvertreter. Eine Erklärung Wigdor Kopps. Herr Wigdor Kopp, der Vertreter Sowjetrußlands in Berlm, bittet uns um Aufnahme folgender Erklärung; An die Redaktion des„Vorwärts". Der ergebenst Unterzeichnete.ersucht hiermit nur gefl. Auf- nckhme folgender Zeilen: In meiner Dohnunz, Fasanen strwß- 27, melden sich persönlich und tslephlmrsch zahlreiche Besucher an, die von mir nicht emp- sangen werden können, de. ich immer noch nicht in der Lage bin, meine Wohnung zu betreten. In dm Tagen des HurscheS war meine Wohnung von einigen Personen aus der Marinebri- gade Ehrhardt vorübergehend militärisch besetzt. Di« zu- fälligen Besucher wurden in die Wohnung gelockt und verhaftet. Von der„Krimmala-bteilung" derselben Brigade wurde auf meinen Kopf ein Preis von 19 999 M. ausgesetzt. Gegenwärtig ist die Wohnung, wie es auch vor dem Putsch dauernd der Fall war, der Gegenstand einer sehr aufmerksamen Beobachtung von Krimi- nalbeamten der politischen Polizei. Wie man- cher Vorfall aus der letzten Zeit mir gezeigt hat, gerate» die Er- gebnisse der Beobachtungen dieser Herre» in die Hände der Bau- dite» russischer une deutscher Herkunft. Unter diesen Umständen kann ich meine Tätigkeit öffentlich nicht fortsetzen, schon mit Rücksicht darauf, daß ich meine Mitarbeiter und Besucher nicht ans Messer der besagten Banditen liefern will. Ueber die Modalitäten der Wiederaufnahme meiner Tätigkeit sind Verhandlungen mit den» Auswärtigen Zlmte im Gange; bei einer eventuellen Wioderaufnahme wird eine ent- sprechende öffentliche Mitteilung erfolgen. Bis dahin bitte ich meine Besucher, mich als dauernd abwesend gütigst ent- schuldigen zu wollen. Die Angaben dieses Briefes regen nochmals zu der Frage an, was endlich geschieht, um solche eines Kirlturstaates unwürdige Verhältnisse ein für allemal zu beseitigen? Wer sich entsthulüigt... Aug den Reffen der Sicherhcitswehr erhalten wir Mitteilung von einer Rechtfertigungsschrift des Kommandostaös (Oberst von Schönstedt u. a.), in welcher zugegeben wird, daß der gesamte Kvmmandostab der Sicherheitswehr bereits seit 2. März Kenntnis von dem Ilmsturzplan hatte, die Tatsache, daß sie hier- von(entgegen den Bestimmung«, peg Strafgesetzbuchs) weder dienstlich noch gegenüber den Gerichte» Anzeige erstattet haben, suchen die Herren damit zu entschuldigen, daß sie versucht hätten, Lüttwitz zu bewegen, von seinem Vorhaben abzustehen. Nachdem Hein» den Major von Schönstedt und Oberst Ahrens un- schädlich gemacht hat, darf man hoffen, daß die anderen Offi- ziere des Kommandostabes ebenfalls sofort vom Dienste enthoben werden. Aus Briefen, die wir erhalten, geht hervor, daß die kom- promittrerten Offiziere der Sicherheitspolizei dadurch eine Solidarität zwischen sich und den Unterbeamte»» zu schaffen suchen, daß sie diesen vorreden, sie würden sämtlich wegen der unzuverlässigen Haltung der Sicherheitspolizei.i.» den Putschtagsu entlassen wer- den! Natürlich ist das blanker Schwindel. Entlassen werden nur die schuldigen Führer, von den Unterbeamten höchstens solche, die aus eigenem Antriebe zum Verrat aufgefordert haben. Ehrenmünnec. Die Polizeigliedersiaffel in Berlin-Karlshorst stand schon seit ihrer Begründung unter stark reaktionären Führern. Unter ibnen taten sich besonders hervor der Hauptmann Kastner, Hauptmann Zimmer-VorbauS und der Oberleutnant Sch war fj kopff, ein Sobn des bekannten Großindustriellen, sowie der Hauptwachtmeister Wer res. Das Verhalten dieser vier während des Kopp- Putsche« und nachher liefert ein schönes Beleg- stück für alldeutsch-reaklionäres Ehrgefühl. AlS die Kapp und Konsorten ihren Regierungsantritt verkündet und ihr famoses Programm veröffentlicht halten, wurde sofort mit großem Trara auf dem Stabsgebäude des Flugplatzes Karlshorst die.schwarz-weiß-rote" Kopp-Fabne gehißt. Diesen Fahnen- aufzug begleiteten liebliche Redensarten. Mit, dicke»n Schwein" erlaubt man sich Herrn Präsidenten Ebert zu benennen(Ausdruck des Hauptmanns Kastner). Schweinehunde beliebte her Oberleutnant Schartzkopff— ein ziemlich junger, naiver Mensch— als Beinamen der Regierung Eberl- Baner-Noske zu gebrauchen. Hauptwachtmeistcr W e r r e s hißte die Flagge des Herrn Kapp. Ter rührige AtlaiuS Zimmer-Lor- h a u s bielr eine stramme Rede über Farbebckennen und sprach sich recht unzweifelhaft zugunsten der Äapp-Regieruug nuS. Man sollte nun meinen, daß nach dem karnevalistischen Abgang der Regierung Kapp auch diese Herren sich geräuschlos verdrücken würden, aber weit gefehlt: Diese Ehrrnlcute stehe» jetzt wieder tapser und stramm zur alten Regierung! Ja alle, die'S getan, sind ehrenwert I Äopö George über DeutschlonÄ. Amsterdam, 26. März. Asquith eröffnete im Uuierhause die Debaite üver die allgemeine Lage ia Europa. Er bat die Sie- gierung um Aus tun st über die Lage in Deutschland. Zum Schluß verwies Asquith äuf die Notwendigkeit, den vormaligen Feinden- Deutschland einbegriffen, wirlschaftlich auf die Beine zu helfen, damit sie in der Lage sind, den angerichteten Schaden zu vergüten. Clynes(Arbeiterpartei) erklärte, die reakiionäre Bewegung in Deutschland habe bewiesen, wie gefährlich es sei, ein ganzes Volk ohne die notwendigen Lebensbedürfnisse zu lasten.. Lloyd George sagte, es sei ein Glück, und zwar nicht allein für Deutschland, daß der monarchistische Putsch mißglückt sei. Man habe Deutschland mehrmals mit Krediten geholfen. Solange aber keine Ruhe und Ordnung ü» diesem Lande herrsche, habe das allcS keinen Zweck. Dem Versailler Vertrag zufolge könne Deu'.sch» land selbst eine Festsetzung des angerichteten Schadens und der Entschädigungssumme, die zu vergüwn es imstande sei, vornehmen. Bisher habe dies Deulichland jedoch nicht geian. Es liege im Interesse aller, daß der Industrie Deutschlands wieder geholfen werde. Wenn Deutschland Kredite nöng habe, dann solle es angeben, wie viel. Wenn die Sache Deutschlands gereckt sei, so weide sie erwogen werden. Weder Frankreick noch Belgien würden irgend einem vernünftigen Vorschlage im Wege stehen, durch den Deutsch- land in die Lage versetzt würde, seinen rechtmäßigen Verantwortlich- leiten nachzukommen, aber eS müsse der klare Beweis bestehen, daß man die Absicht habe, seinen Vervflichlungen nachzukommen. London, 26. März. In einer Rede, die Asquith bei einem Fest-■ essen gehalten hat, erklärte er grrnz offenherzig Lloyd George den Krieg. Er sagte, daß die Herausforderung des Premier. Ministers sofort aufgenommen werden müßte. Asquith warnte die liberale Partei davor, zu glauben, daß die Fusion der Unabhängi- gen Liberalen und der KralitionSlüberalen eine Verbesserung dar- f. stelle. Er habe immer diese Beratung abgelehnt, daß irgendein Gegen- satz zwischen den Liberalen und der Arbeiterpartei bestehe. Die A r- b e i t e r verdankten alles, was sie erreicht, dem Liberalis- mus und eis gäbe verschiedene Wege, auf denen sie sich einander nähern könnten. Asquith sprach weiter in sehr sarkastischem Tone über die Einschüchterungsversuche de? Pre- mierministers in bezug auf den B o l s ch e w i sen u S und daß nach seiner Ansicht ein Klassenkampf beginnen würde, wenn man an das Land appelliere. Die Unabhängigen Liberalen hätten aber nicht dieAbsi cht, sich an die Räder eines Torywagens binden zu lassen. Revision öes ßrieöensvertrages. London, 26. März.„Daily News" schreiben: Lloyd George gab über die augenblickliche»»nd zukünftige Lage in Deutschland eine Erklärung ab» die, zwischen den Zeilen gelesen, den Eindruck bestätigt, daß die leitenden Staatsmänner sich nach besten Kräfte» bemühen, die Lage einigermaßen wieder herzustellen, die durch de» Wahnsinn von Versailles geschaffen worden ist. Ter Premierminister wiederholte seine Aufforderung an Deutschland, sein eigenes Angebot betreffs einer Pauschal- summe zur Begleichung aller seiner Verpflichtungen zu mach:«. Lloyd George deutete an, daß kein vernünftiges Angebot von den Alliierten abgeschlagen werden würde. London, 26. März. Bezüglich der Wiedergutmachung sagte Lloyd George im llnterhausc: Ich verlange nicht, daß man von Deutschland etwas fordere, was über seine Kräfte geht, aber Deutsch- land muß die Schuld wieder gut machen, die es verursacht hat. Um dies zu ermöglichen, müffen wir Deutschland Kredite ge- »vähren. Arbeiter seiü einig! Heudersons Nutzanwendung. Amsterdam, 25. März. In einem Schreiben HendersonS au H u y S in a n S heißt es: Die jüngsten Ereignisse haben be- wiesen, daß die europäische Reaktion aus der Uneinigkeit der Ar« beiterklasse Nutzen zieht. Ein energischer Widerstand gegenüber der reaktionären Bewegung, die in verschiedenen Formen in allen Län« dein den proletarischen Aufmarsch hindert, ist nur möglich, wenn die Arbeiterklasse einig und zu einer gemeinsamen Aktion organi- siert ist. Unter den augeiiblicklicklichcn Umständen ist man geneigt, sich zu fragen, ob die Jiiternationale wirklich ein Symbol des Ideals der internationalen proletarischen Klaffeneinheit ist, oder ob sie nicht vielmehr ein Mittelpunkt geworden ist, von dem ein Ein« fluß ausgeht, der Zwiespalt sät, die Solidarität der nationalen Be- wegung stört, sowie Gruppe gegen Gruppe und Länder gegen Länder aufhetzt. Wenn letztere Auffassung wirklich den Charakter der Jnternatio- nale bestimmt, dann wird mehr als eine nationale Partei sich vor die Frage gestellt sehen, ob sie sich nichr absondern soll. Keine Partei würde dies mehr bedauern, als die britische Arbeiter« Partei, die den Verpflichtungen treu bleibt, die sie mit anderen Parteien tu Bern, Amsterdam und Luzern abgeschlossen hat,»md die gerne zu Versuchen bereit ist. um die internationale Organisa« tion der Arbeiterklasse auf fester Grundlage wieder aufzubauen in dem neuen Geiste, der aus dem Todeskampf des Krieges gebore» wurde. � Tic Natiimalversammluug bat am Frestag infolge des Rück« rritts der Regierung nicht getagt. Ergebnislos zurückgekehrt ist die detitsche Delsaatron, dff in Warschau über den Verkehr mit Ostpreußen durch den polnischen Korridor verhandeln sollte. Die polnische Rsgierung hat den ur« eingeschränkten Durchgangsvertehr, wie er im Friedensverträge zugesichert ist, ausdrücklich abgelehnt und außerdem die deut» schen innerpolitischen Verhältnisse der letz:en Tage zum Anlaß ge- nommen, der deutschen Delegation die Kurierverbtudung zu ver- weigern. EewerGhaftsbewegung Achtung, LNetallarbeiter! Auf Beschluß da? Vorstandes und de? erweiterten Beirats soll eine Urabstimmung über eine Beitragserhöhung stattfinden. Die Mstimmung findet an drei Tagen in den nachstehend aufgeführten Lokalsn wie folgt statt: Am Sonnabend, den 27. Mär?, nachm. von 1— 5 Uhr, in folgenden Lokalen: Osten: 1. Heinrich, Groß« Frankfurter Str. SO, 2. Blume, Ali-Boxhagcn 56.— Südosten: 3.©reibe, Rungestr. 30.— Süden: 4.©ewerkfchaftshaus, Engelufer 15.— 5. Nowak, Git» fchincr Siraste 63.— Nordwesten: 6. Oclfchläger, Berlichingen- ftraste 5.— Norden: 7. Kast. Maxftr. 12, 8. Hummel, Sophien- ftritste 5, 0. Sachse, Lindower Str. 26, 10. Treu, Bernauer Str. 76, 11. Paul Fritsch, Drontheimer Str. 4, 12. CaruZ, Voltastr. 37, 13. König, Hussitenstr. 85.— Marienfeldc: 14. Scholz, Kieper- plah 7.— Neukölln: 15. Hcntschel, Boddinstr. 58.— S p a n- bau: 16. Schmidt, Bahnhofitr. 2.— R o se n t h a I: 17. August Feind, Am Bahnhof.— Siemens st ad t: 18. Müller, Märkischer Steig.— Tegel: 19. LchnTrirdt, Berliner Str. 84.— Treptow: 20. Koch, Heidelberger Str. 80/81.— Schöneberg: 21. Brumm, Reichert- Ecke©eneststraste. Am Sonntag, den 28. März, von 10—1 Uhr, in folgenden Lokale»! Osten: 22. Natt, Strastmannstraste 29.— Nordosten: 23. ß. Späth, Georgenkirchstr. 65.— Südosten; 24. Eichhorn, Neichcnberger Sir. 86.— Süden: 25. Blcnkle, Schönlein- Ecke Voppstraste.— Nordwesten: 26. Tiedemann, Waldenscr Str. 19. — W c st e n: 27. Wiemer, Bülowstr. 58.— Norden: 28. Wieding, .Hennigsdorfer Str. 13, 29. Mecklenburg, Navenestr. 6, 30. Gliesche, Kopenhagener Str. 74.— Spandau: 31. Marie Nikolay, Ehar- lottenftraffc 28.— Adlershof: 32, Lindow, BiSmarckstr. 73.— B a u m sch u l c n w e g: 33. Boges, Baumschulenstr. 75.— Ehar- l Ottenburg: 34. BolkshanS, Rofinenftr. 3.— Köpenick: 85. Fuchs, Bahnhosstr. 44.— Lichtenberg: 36. Schulz, Schar n- webcr- Ecke Kronprinzenstraße.— Neukölln: 37. Jdeal-Klanse, Mareschstr. 14— 16.— Oberschönewcide: 38. Strohbach, Wil- belmincnhofitraste �13.— Pankow: 39. Schmidt, Flora- Ecke ©örschstraste.— Steglitz: 40. Henke, Flensburger Str. 7.— Weißensee: 41. Masche, Berliner Allee 251.— Wildau: 42. Schumann, Schwartzkopffstratzc. Am Montag, den 29. März, von 2— 6 Uhr nachm., in folgenden Lokalen: Ost en: 43.©runwald, Memeler Str. 67, 44. Bahr, Stralauer Allee 47.,— Südosten: 45. Hellmuth,©örlitzer Str. 58.— Süden: 46. Winter. Ritterstr. 117.— Südwesten: 47. Topp, Ute Jakob str. 1, 48. Spörer,©ncisenaustr. 30.— Nordwesten: 49. Kaiser,©otzkowskystr. 34, o0. Sturz. Huttenstr. 9.— Norden: 64. Krause, Secstr. 62, 52. DamS, Sckstcgelstr. 9, 53. Baumann, ©crichtsrr 74, 54. Büttner, Schwedtsr Str. 28, 55. Knapp, Grün» thalsr Straße 6.— Eharlottenburg: 56. Porschel, Kai st r- Frtedrich-Straße 82.— Friedenau: 57. Tanz, Holsteinische Straße 22.— Friedrichshagcn: 53. Tinius, Friedrichstr. 121. — Hohenschönhausen: 59. Marquardt, Berliner Str. 85.— Neukölln: 60. Rückhcim, Berg- Ecke Lahnstraße, 61. Kirschner, Hermannstr. 168.— Reinickendorf-West: 62.©lamann, Schillingstr. 34.— Schöneberg: 63. Obst, Martin-Luther- Straße 69.— Tempelhof: 64. Bürger� arten, Berliner Straße am Bahnhof.— Spandau: 65. Kohlschmidt, Neuendorfer Str. 83. Wahlleiter ist der Kollege Otto ZiZka, Lmicnstr. 8?-- 85. Pslicht eines jeden Kollegen und jeder Kollegin ist es, sich an der Abstimmung zu beteiligen. Zu den Differenzen in der Gasbetriebsgesellschaft. Wie uns vom Verband der Gemeinde- und StaalSarbeilcr mit- geteilt wird, haben die Arbeiter der©aSbetriebsgestllschaften die Aufnahme der Arbeit beicklossen, trotzdem weseniliche Forderungen der Arbeiter, die sich aus der Srrcikbewcgung ergaben, nicht erfüllt worden sind. In den Presie ist es vielfach so dargestellt worden, als ob die Arbeiter die Vornahme von NolstandSarbeiten vor- weigert hotten: dies entspricht nicht den Tatsachen. In allen Werken der Gesellschaft ist bei Streikausbruch die Vornahme der NolstandSarbeiten seitens der Arbeiter anoeboten worden. Wenn die Arbeiter in einzelnen Betrieben die Noistandsarbenen eingestellt bzw. deren Aus- führung abgelehnt baben, so ist dreS einzig und allein auf das Ver- kalten der Betriebsleitungen zurückpifübren. Im Gas- werk Moriendorf wurden die NotsiandSarbeiten bis abends 10 Uhr ausgesübrt. Als um diese Zeit unter Mithilfe der Betriebsleitung daS Werk mit Militär und der Technischen Nothilfe besetzt wurde. sehnten die Arbeiter, nachdem vorher noch eine andere Reoelung versucht worden war, die Ausübung weiterer NotsiandSarbeiten ab. Im Werk Gitichiner Straße ivurden die Vertrauensleute, al? sie über die Frage der NotsiandSarbeiten mit dem dortigen Betriebsleiter verhandeln wollten, stehen gelassen und ibnen guasi die Tür gewiesen. In den Arbeiterkreisen ist die Aus- fasiung vertreten, daß es der Verwaltung der Gasbetriebsgesell- schatten durchaus angenehm war, durch die Besetzung der Werke mit Militär und der Technischen Nothilfe die Arbeiter auf die Knie zu zwinge». Zur Frage der Streikbrecher sei bemerkt, daß eZ sich hier fast ausschließlich um Leute bandelt, die in den verschiedenen Lohnbe- wegunaen, die in der Vorzeit in den Betrieben der GaSbetrieb?- gesellschafien, der früheren Englischen Gasgesellschaften, als Streikbrecher tätig gewesen sind. Die Uneigennützigkeit dieser Leute wird von den Arbeitern stark bezweifelt. Die Frage de§ StreikbrucheS brauchte in diesen Betrieben überhaupt nicht aufzutauchen, wenn die Verwaltung den Willen gehabt hätte, sich mit den Arbeitern über die Durchführung der NolstandSarbeiten zu verständigen: ebenio liegt es mit der Frage der Arbeitsaufnahme. Seit Sonntag baben die Vertrauensleute und auch die Organi- fationsleitung versucht, eine Basis zu sinden, auf der sich" die Arbeitsaufnahme ermögliche. Die Widerstände gegen die Wünsche der Arbeiter in der Direktion waren aber so stark, daß die VerHand- lungen negativ verlausen mußten. Wenn die Ausnahme-der Arbeit sich verzögerte, so liegt die Schuld ausschließlich auf leiten der Ver- wauung, die auch in der gegenwärtigen Zeit nicht geneigt ist, modernen Auffasiungen Rechnung zu tragen. Aufgehobene Sperre. „Die verhängte Sperre ist noch Verständigung der Arbeiterschist mit dem GeichäftSführer Herrn Wolfgang Müller über die Firmen Weber u. Co., des Taschentuchverbandes, LeinewcberverbandeS. deren Geschäftsräume sich in der Koppenstr. 68, Friedrichstr. 5. Kramen- stratzc 25'28 und Unter den Linden 40/41 bcsinden, amgebobe».* Deutscher Transportalbeiterverband. Bezirk Groß-Bcrlin, Sektion I. Wegen Teilnahme am Proteststreik entlasten. Daß Firmen Angestellte, die aus Anlaß des Kapp-Lüitwitz- Pwtsches pflichtgemäß in den Streck traten, entlassen haben, be- weist ein Schreiben, welches uns von einem Angestellten der Firma Richard Decker Saitlerwaren ezrg.ro?, Prinzenstr. 49, zugebt. Hier scheinen allerdings die Deiüschnatiororlen eine traurig« Rolle ge- spielt zu haben. Doch lassen wir de» Einsender selbst zu Worte kommen: ..Am Montag, den 15. er., trat in diesem Sause die Mtfezahl der Angestellten an den Angei tellrena-uSsch uß mit dem Verlangen heran in den Ausstand zu treten ixip. eine Betriebsversammlung zweck? Abstimmung des Antrags zu veranlassen. Der Obmann, ein Mitglied des Teutscknationalen HandlungSgebilfenverein''0- wie ein weiteres Mitglied des Ausschusses fcbcnsalls Anhänger dieses Boreins) weigerten sich entschieden, eine Versammlung einzuberufen resp. eine Abstimmung rorzunebmen. Da uzrtcr dielen Umständen die Angestellten den rechtlichen Weg nicht einhalten tonn- ten, der Chef selbst in Hamburg tveilte, so trat der größte Teil der Angestellten mit dorn dritten Ausschußmitglied tu den Streik. Zwei Tage später, als der Chef wieder eingetroffen war, erhielt die Mehr- zabl der im Streik befindlichen Angestellten die Aufforderung, so- fort die Arbeit wieder auszunehmen, andernfalls siebte Folgen zu tragen hätten. Drei Angestellte aber wurden sofort fristlos-«ni. lassen.(Diese drei Angestellten sind sämtlich Mitglieder des Jen- tralverbandeH.! Ich bemerke dazu: Mit allen Mitteln ist von dem deutschnationalen Obmann aus dem Ebes eingewirkt worden, um diese Entlassungen durchzudrücken. Der Chef hat sich dem Weisungen der Deutsch nationalen gefügt und damit dem Kapv-Lütttvitz-Leuten Vorschub geleistet. Nachdem am Sonntag vom Gewerkschäftsbund der Streik als beendet erklärt wurde, traten am Montag morgen? 8 Ufr alle Angestellten, einschließlich der drei gemaßregelten, zur Arbeit an, letztere jedoch mußten die Räume wieder verlassen, da der Chef auf ihrer Entlassung bestehen blieb. Die drei Auge- stellten stehen somit iür diese der Regterumg bewahrte Treue vor der Tür und warten die Entsrheidung des zuständigen Kaufmanns- oerichls ab, während die Anhänger der Rebellen sckeinbar den Triumph davontragen." In Anbetracht des schleppenden Ganges solcher Emtschetdungen wäre es notwendig, daß die Regierung eine Verordnung erließe, wonach Arbeiter und Angestellte wegen ihrer Teilnahme au: Streik nicht entlassen werden dürfen. Sollen etwa Menschen wegen ihres mannhaften Eintretens für verfassungsmäßige Zustände gar noch mit BrotloSmachung bestrast werden? Hier muß schnell durchge- griffen werden._ B etriebsratswahlen und bürgerliche Ehrenrechte. Das Betriebsrätegesetz sieht vor. daß nur die Angestellten Wahl- berechtigt sind, die siw im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte be- finden, also eine Bestimmung, wie sie in ollen Wahlgesetzen vor- Händen ist. Ten früheren militäriswen Behörden, deren Leiter aus- schließlich au? Offizieren bestehen, blieb cS vorbehalten, aus dieser Bestimmung eine eigenartige Nutzanlvendung zu ziehen. Von einem Teil der in Betracht kommenden Behörden werden auf Grund dieser Beslimmmlg des BetriebSräiegesetzes über alle an und für sich wähl- berechtigte Angestellte Strafregisterauszüge eingefordert. Andere wieder holen diese Strafregisterauszüge nur über solche Personen ein. die sich mißliebig gemacht haben und als Milglieder von Angestellten- ausschüssen wahrsckieinlicki von vornherein schon verdächtig sein sollen. Es muß deshalb darauf hingewiesen werden, daß die Einholung dieser Strasrcgisterauszüge oder polizeilichen Führungsatteste nicht Sache der Behörde ist. Wie uns der Zentralverband der Angestellten ganz richtig mitteilt, kann erb bei einem Wahlprotest auf die bürger- lichen Ehrenrechte zurückgegriffen werden und ist der Protesteinleger für seine Behauptungen beweispflichtig. Der Zentralverband der Angestellten ist mit den in Frage kommenden Behörden in Verbin- dung getreten, um sie zu veranlassen, ein Verbot der vorherigen Einholung von StrafregisterauSzügcn oder Führungszeugnissen ergehen zu lassen._ Gewerbliches Personal der KriegSorganisatioite». Am Mon- !ag, den SS. März, nachmittags S Uhr, Bcrtrauensmännerversammlung hei Fehfara, Melchiorsir. 15. Deutscher Transportarbeiteroerband. Bezirk Grotz-Berlin. Beraritw. für den rcdaktion. Teil: Arwr gickler. Tliarlottertbur«: für Anzeigen: Td. SlvSc. Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlaa ffi. m. b. Ö., Berlin. Drurt: Vor» wäris-Buchdruckerci u. Vcrlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin. Lindcnftr. 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In beiden Genossen per- lieren wir tüchtige, arbeite- freudige Mittitmpser, welche jederzeit für ihre' Ueber- imlg mannhast ew- den. 245/20 Ätn ehrendes Andenke» wird ihnen über das Grab hin«»« bewahrt bleiben! Sortalckem. ülatilvirein niederDarnirn IS. P. D.) Abteilung I(Ponton)). Am Dienstag, 23. März, entichlies»ach langem Leiden unser Mitglied Herrn. Seefeldt Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. März, nachm. 1»/< Uhr, non der Halle des Auguste-Bikisria- 5kranfcnha»ses in Weißen- se«, Cing.Rölfestr., aus statt. Uni rege Beteiligung bittet Die Abtiiluugsleitnng. Spezialarzt Dr. med. Hascht[* FrieilPiEhstp. 911, sfädwähTh. Spr. 10—1, 5— t Sonnt 11—1. Barn- n.BIatuntersuchung Spezialarzt Dr. med. WockenfuC FrledPiclistr. 125„SÄ ll-l. 6-8, Sonnt. 71-1 u.Blmuntcrsuchung Am 19. März verschied nach längerem Kranken- lager mcme liebe ffrau, Misere gute Mutter Nsrle GiHdart im 42. Lebensjahre. Wir sagen allen denen, welchen es mtigiich war, ihr das letzte Seleit zu geben, unseren besten Danf, IlZSb In licscm Schmerz: Conrad Gillbart nebst Kinder. Wir suchen gebrauchte Schreibmascliiiie Remington mit braiiem Schlitten»nd gr. Tabulator. Angebote mit Fabrik-Nr. unt. 0. SO a, d. Hauptexp. d.Vor« ig, den 19. April ct., 7 Uhr, bei Nöring. )ftr. l: fifsiii.ionKn- a. Mant«! abends Reue Friede» SeneM Tagesordnung: 1. Eeschästsbertchtu.Entlasbing. 2. Reuwahlen. 3. Festsetzung d. Entschädigung. 4. Anträge laut Zfi 20 u. 3» des Statut». 5. verschiedenes. 282/11 August Pen», Vorsitzender, W. Poelcker, Kassierer. ZettnLssiiN Bekreiung sofort Alter u. Qe- schlecht ans. Ausk. umsonst. Sanis Versand, München. Schlafzimmer Wohnzimmer Speisezimmer Kerrenzimmcr in jeder gewünschten Holz- und Stilart. Einzelne Möbel farbige Küchen in großer Auswahl in bester Ausführung zu soliden Preisen. Auf Wunsch ZahiungtsrlcichteruDg. Kluge CharloUenburg Wilmersdorf.Str.19 Sonntag, den 28. März, vorm. 1 1 Uhr im„Askaniabräu", Anhaltstraßc Ii: Versammlung Sämtliche Entlassenen der Sicherheitspolizei find hierzu herzlichst eingeladen. ll4ld Knapp. Schwarz. Flucht. _ VorUwstgor vorstand. ynfw Moutgg, den 39. März, präzise 6 Uhr in Kliemö Festsälen, Hasenheide 14-15: VerlrMiismSmer-VerzsinmIanz. gutritt nur gegen L'gitimationskarte haben wertranena. männer, veuAereikosstcrer und«»nnroloersommlnng,. Oelegisrte. 20: 16* Ter Gauvorstand. Verband der Tapezierer Filiale Berlin. «SowerrschoftshonL,«ngelufer.— Tel. Moritzplatz 12347. Sonntag, den 28. März, vormittags Punkt 19 Uhr, in den ,.Zentral-FrstsSlen", Alte Jnkobstr. 32: Mltglleäer-verlawmlllng Tagesordnung: Stellungnahme zum letzten Angebot»er Unternehmer.— Diotussto». 178/10 Di« Wichtig!, il der Bersammlung erfordert, best sämtliche Mitglieder erscheinen._ Die Ortevet-wnltung. £091- IC 1J| zu verdienen. Rah. bis fad Prolp. Zgch.H. Schultz, Wriss-tw-Achj, Töln7ü. 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