Zlr.164.37.Ia!jrg. Bezugspreis: S 2tt«Iiät)cL lB�O IIIt,monatu5�03}l£. frei ms Sau», oorcu» mhlbac. Pok- de,u» Monatlich SLO Ml. etil. Au- pillungscieoithr. Unter Kreuzband nk Deutschland und Oesterreich- Ungarn 8,7ö DIL, für das übrige Ausland 13.— SJl, deltaalich emmal. Anstellung 11.—.'St+ Valuta- Ausschlag. Post- beltellungen nedmen an Äaneinari. Holland, Uuremdurg. Schwede» und die Schweiz. Eingetragen in die Post- Deinings• Preisliste. Der.Vorwärts� mit der Sonntag»- deiloge.Boll u. Aeit" erscheint wochcn- täglich zweimal Sonntag» einmal. Telegramm-Adresse »Zozialdemotrat varNa". Abend-Ansgabe. Berliner Dolksblstt ( 15 Pfennig) Anzeigenpreis: D.e achtgespaltene ZionpareiUezeil« iostst 2,— Dt,Te»lsrung«j»tschlag«0°/» .Sieln« Unz-rigea". das fettgedruckte Bort'S Pfg.(zulässig zwei «ettgedruckte Bortet sede» weit»» Bori S0 P-g. Stellengesuche und Schlafstellonanzeigen das erste Bort «ö Pfg. jede» weitere Wort 40 Psg. Warle über lö lllUchsrabea zählen sur zwei Worte. Teuernngszuschlag S0°/». Familien- Anzeigen, palttische und gewerkschaftliche Aerem«- Aujeigen i.— m die geile ohne Aufschlag. Anzeigen fSr die n i ch ft« äiummer mühen bis i»hr naä?mittag» im Hmwtgefchäft, Berlin SB Sch llinden- itcaße S, abgegeben werden. GeLffnet von> Uhr früh die ö Uhr abend». Zentralorgan der fozialdemokratircben partei Deutfcblanda Reöaktion und Expedition: SÄ). öS» Lindenstr.Z. Fernsprecher: Am« Morinvla«, Nr. 1.» 1!X>— 1.', 1 97. Montag, den 29. März 1929. Vonvärts-Verlag G.m. b. H., SÄ). öS, Linde« str. Z. Fernsprecher: Amt Moripplat», Rr. 117 53— AI* Hermann Müllers programmreöe. Genosse Hermann Müller hat heute der Nationalver» sammlung sein neues Koalitionskabinett vorgestellt. Er chat dabei eine kluge und geschickte Rede gehalten, wie man es von ihm gewöhnt ist. Es war sicher auch geschickt von ihm, daß er es vermied, allzu starke Töne zu reden, denn das Volk erwartet nicht starke Töne, sondern starke Taten. Ueber Einzelheiten ist manches zu sagen. Der sozial- demokratische Vorsitzende einer Koalitionsregierung ist sozusagen ein Doppelwesen. Einmal ist er Sozialdemo- ?rat und als solcher seiner Partei verantwortlich, zum anderen ist er Wortführer einer Parteigruppierung, die aus Sozial- demokraten, Demokraten und Zentrumsleuten besteht. Der Vorsitzende einer Koalitionsregierung kann natürlich kein Gegner der Koalitionspolitik sein. Genosse Müller hat sich denn auch gleich zu Beginn seiner Rede zum Regierungs- Prinzip der Koalition bekannt, und das war bei seiner äugen- dlicklichcn Stellung eben unerläßlich. Die Partei wird aber durch dieses Bekenntnis nicht auf unbegrenzte Zeit gebunden, und es lag gewiß nicht in der Wsicht deS Genossen Müller, eine eine solche Bindung zu vollziehen. Bevor wir in die Wahlen gehen, wird hoffentlich ein außerordentlicher Parteitag Gelegenheit finden, die weiteren Richtlinien unseres Vormarsches vorzuzeichnen. Dann wird über Koalition, reine Arbeiterregierung oder rein sozialistische Regierung Ausführlicheres zu sagen sein. Für heute nur soviel: Eine Koalition ist etwas, was man macht, weil es nicht anders geht, und gewiß spricht manches dafür, daß es heute nicht anders geht und auch morgen nicht anders gehen wird. Sie ist ein taktisches Auskunfts- mittel, aber kein Ziel, für das man die Massen begeistert in den Kampf führen kann.» Genosse Müller hat weiter ein umfangreiches Re- gierungsprogramm entwickelt, mit dem man einverstanden fein kann, wobei man allerdings fragen muß, woher die Regierung die Zeit nehmen will, es auch durchzuführen. Es soll ja auch nur, wie den weiteren Ausführungen zu entneh- men ist, nur das Wichtigste erledigt werden, da das Volk eine baldige Abrechnung mit der militari st ischen Reaktion wllnfcht. Dieser Wunsch ist in der Tat lebhaft vorhanden und er würde sich zu starker Ungeduld steigern, wenn der Termin für die Vornahme der Reu- wählen nicht alsbald bekannt würde. Was der neue Reichskanzler dann über die intellektuelle Mitschuld der Rechtsparteien an dem Verbrechen der Kapp-Bande sagte, war deshalb ausgezeichnet, weil er mit keinem Wort über den Rahmen des absolut Berechtigten und Beweisbaren hinausging. Dieses Berechtigte und Be- weisbare genügt aher vollständig, um die Rechtsparteien in den Augen jedes denkfähigen Menschen vollständig zu erledi- gen. Hoffentlich wird dafür gesorgt werden, daß diese Aus- führungen des Reichskanzlers jedem Wähler und jeder Wählerin.zu genauer Kenntnis gebracht werden. Der Reichskanzler ging dann auch auf die Vorgänge im Ruhrrevier ein. Er sagte sehr ricktig, daß das. was dort geschieht, nichts anderes als ein Rüch'chlog des rn Berlin verübten reaktionären Verbrechens ist, dessen Urheber auch die volle Verantwortung für die dortigen Vorgänge tragen. Die Regierung ist dadurch in eine außerordentlich schwierige Loge geraten: sie hat auf der einen Seite die Pflicht, die Bevölkc- rung vor den Uebergriffen bewaffneter Banden zu schützen, mit denen sowohl die unabhängige wie sogar auch die kom- munistische Parteizentrale jede Gemeinschaft ablehnt, auf der andern Seite ist durch den Streich der Lüttwitz und Genossen das einzige Mittel, das ihr zur Wiederherstellung der Ord- nung zur Bersllgung steht, das Militär, bei der Bevölkerung derart rn Mißkredit geraten, daß sein Erscheinen eine ganz neue Konstellation in der Bevölke- rung hervorrufen kann. Das Bestreben der militaristischsn Reaktion, sich durch einen Kamvf mit dem„Bolschewismus" wieder in die Macht' zu setzen— das Spiel vom Winter' l 918— 19 also zu wiederholen—, ist so offensichtlich, daß jetzt sogar die kom- ntuuistische Partei e? ablehnt, die ihr zugedachte Rolle eines Helfers der Militaristen zu übernehmen. Das sind Umstände, denen mich die Regienrng Rechnimg tragen muß. Wir können nur den Wunsch wiederholen, daß es der Ilrbeiterschaft im Ruhrrevier gelingen möge, innerhalb der gesetzten Frist, bis morgen mittag 12 Uhr. die Dinge wieder in die Reibe zu bringen und einer sog.„spndikalistischen Bewegung" ein Ende zu bereiten, die ausschließlich für die Zweck« der nnlitoristi- scheu Reaktion arbeitet. Bei Besprechung der Vorgänge im Ruhrrevier kam der Reichskanzler auch auf ein neues Faktum der int«:- nationalst Politik zu sprechen, dessen Bekanntwerden im Hause die stärkste Bewegung entfesselte. Die franzö- I s i s ch e n Militaristen, die ja do.rt drüben noch an der Macht sind, wollen der deutschen Regierung die weitere Her- anziehung von Militär in der neutralen Zone nur dann ge- ■ statten, wenn sie zur Kompensation einen 20KilometerbreitenStrelfenimSüdwesten, Frankfurt a. M. und Darmstadt enthaltend, besetzen dürfen. Unter stärkstem Beifall der National- Versammlung lehnte der Reichskanzler diese Zumutung ab. Frankreich ist an der Wiederherstellung der Ordnung im Ruhrrevier ebenso interessiert wie Deutschland, denn nur wenn im Ruhrrevier Ordnung herrscht, kann Teutschland die übernommenen Verpflichtungen erfüllen. Darum muß es in Deutschland, und wir hoffen in der ganzen Welt, Ent- ; rüstung erregen, wenn Frankreich die augenblickliche be- drängte Lage der deutschen Republik für seine Sonderab- sichten auszunützen wünscht. Deutlicher konnte nicht bewiesen werden, daß das heutige Frankreich vom Geiste republi- kanischer Solidarität weit entfernt-ist und daß e? von jenen Geistesrichtungen noch vollständig beherrscht ist, mit denen sich das neue Deutschland im offenen Kampfe be- findet. Mtt Recht hat der Reichskanzler mit stärkster Betonimg 'darauf hingewiesen, daß Erhalttmg und Schutz der. Demokratie in Deutschland heute das gemeinsame Interesse der ganzen zivilisierten Menschheit ist. Das Bewußtsein, daß wir in der kommenden Wählschlacht die Sachs ganz Europas führen werden, wird diesem Kampfs den stärksten Schwung verleihen. Die Sozialdemokmtie ist bereit, diesen Kampf zu führen, nicht für die Koalition, aber für sich selbst und für die Arbeiter der ganzen Welt. *• 167. Sitzung, Montag, den 2g. März. Am Regierungstisch: Müller, Koch, Bauer. Keßler Wirth, Bell, GiesbertS, Hermes, David, Btunck, Schmidt, Schlicke, Braun, v. Seeckt. Präsident ssehrenbach eröfrnet die Sitzung um 10.20 Uhr und erbitet die Ermächtigung, dsr Stodr Stuttgart für die freund- liche Ausnahme der Nationalversammlung deren herzlichen'Dan? aussprechen zu dürfen.(Beifall., Der Oberreichsanwalt ersucht um die Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung des Ada. T r a u b wegen Hochoer- ratS. Der Antrag wird dem Goswäs isordri u ngsauch'chuß üiber- wissen. Auf der Togesord-nung steht zunächst die Entflegenmihme einer Erklärung der Regierung. Reichskanzler Müller: Nachdem am 26. März der Rücktritt de» Kabmeus gefolgt war, hat der Reichspräsident mich mit der Neubildung beauftragt. Ich habe nun die Ehr«, dem hohen Hause die neu« Rcgiorung vorzustellen. Sie wird getraIcu von den gleichen Par- teien, die in der Rationalversamnrlung nch zu einer Koalition vereinigt haben. Wir halten diese Koalition für den einzig trag- fähigen Boden einer doutschen Politik. sLebhafter Beifall.) An ihrer Erhaltung ist das ganze deutsche Volk ncit ferner Existenz und mit seiner Zukunft inreresiiert. Der Reichskanzler verliest dann die Ministerliste und höbt besonders hervor, daß das Auswärtige Amt auch bald einen geeigneten Minister erhalten wird. Er gedenkt dann des bisherigen Reichskanzlers Bauer urd spricht ihm iKrzlichen Dank für seine Tätigkeit zum Aiohle des Volkes aus.(Lebhafter Beifall.) Tie vorneymste Pflicht der neugestalteten Reichs regte rung wird sein, bis zu den Wahlen die Demokratie, die eben im Kampfe mit dem reaktionären Putsch nub der Milrtärdiltatur sich als die stärkste Gewalt m Deutschland erwiesen hat, noch usser in die öffentlichen Einrichtungen der Republik hineiuzufiigen und zu befestigen.(Beifall.) Wer mit Kapp und Genossen, sei es bei den Behörden oder in der Reichswehr, gimeinsame Sache gemacht hat, muß verschwinden.(Beifall.) Eidbrüchige haben keine Scho- nnng zu erwarten. Mit eisernem Besen muß ausgekehrt'werden. (Lebhafter Beifall und Zurufe: Aber recht schnell.) An die Stelle der Ausgemerzten müssen Männer treten, denen es mit dem Dienst für die Republik ernst rsd. Es muß eine Demokratisierung der Verwaltung eintreten unter voller Wahrung der Rechte der ver- fassungstreuen Beamten. Notwendig ist die Auflösung u n. getreuer Heeresformationen und cm ihrer Steile die Schaffung nerrer Verbände, die als eine wahrhafte Volks- wehr unter Berücksichtigung aller Berufe gelten können, bsson» derS unter ausreichender Beteiligung der Organisationen der schaffenden Stände. DaS müssen die großen zu löfenden Aufgaben fein. Wir werden sie rückstchlÄoS und rasch durchführen.(Beifall.) Eine Demo- kratie ohne Demokraten ist eine innerpo'Iitisch« Gefahr. Daß wir ein« Demokratie sind, das hat das rasche Ende des Kapp- putfcheS erwiesen. Nun wollen und müssen wir die Demokraten überall an die entscheidenden Stellen bringen. Daneben muß das Werk der wirtschaftlichen Demo- kratie zu Ende geführt werden. Sobald der Unterbau fertig- gestellt ist, kann der ReichSwirtschaftSrat und der ReichSarbeiterrat in Tätigkeit treten. Der , Ausbau der sozialen Gesetzgebung ist dringend geboten. Ein Schlichtungsgesetz«st vorbereiten Eine großzügige Durchführuny der Fürsorge für dt« Kriegs- op f er ist heiligste Pflicht. Ein VersovgungSgesetz für Kriegs- beschädigte und Hinterbliebene ist zur Vorlage im Kabinett fertiggestellt. Volle soziale und wirtschaftliche Gleichberechtigung für Arbeite«, Angestellte und Beamte muß geschaffen werden. Ein Arbeiter- und Beamten recht muß schnellstens durchge- führt werden. Es muß freiheitlich sozial ausgestaltet werden. Verwaltungöreform und Reform der Beamte abesoldimg müssen ihren gesetzlichen Ausdruck finden. Bergwerke und Werke zur Erzeugung der Energie sind in öffentliche Bewirtschaftung zu nehmen oder unter staatliche Kon trolle zu nehmen. Tie Sozialisierung der ElrktrizitätSwirtschast ist bereit? gesetzlich festgelegt. Die Beteiligung des ReicheL am Kohlenbergbau ist vorgesehen. Der nächste Schritt ist die Uebernahme von Kohlen- und Kalishuditat. Mit der Landwirtschaft muß die Parole sein, ivenu sie für und mit den anderen Erwerbsständen arbeiten will. Für Schieber und Wucherer wtrd kein Platz sein.(Lachen rechts und lebhafte Zurufe.) Lachen Sie nicht, es ist u»s damit sehr ernst.(Rufe rechts: Dfc lacht-ja alles, es ist ja lächenlichl— Äsgenrufe Inrfc; Ewbrecherl) Die neue Regierung ubernimurt das Programm der alten. jhhre Arbeiten bedeuten keinen Bruch mit der Vergangenheit. Das Wichtigste aus ibrem umfangreichen Arbeilsvrvgramm wird bald erledigt werden können, so hoffen wir, trotzdem die Arbeite.' der Nationalver s amm l ung frühzeitig abgebrochen coerdeii müssen, weil nach dem Streich der Kappgenvssen das Volk schleunige Abrech, mug , verlangt. Uns« Ziel ist weiter loyale Erfüllung des -Friedensvertrages. Schaffung ein« Atmosphäre des Ver- trauens und der Genteinfamkeit zwischen den Völkern, Heranholung all« Hilfskräfte- für den Wiederausiban. Außenpolitisch bleibt unser Kurs derselbe. weil er sich bewährt hat. Von der Rechten ist uns bei ver» schirdenen Gelegenheit«!' angssonnen worden, gegen die rücksichisä', eingesetzt« Macht der Eniente auch unsererseits mit ein« angeblichen Macht«mszutümnpsen. mit einer Macht, die wir nach dem uiuglückseligen Ausgang diese? Kriege» gar nicht besitzen. (Sehr währ!) M-ru hat uns also augesonnen, uns lächerlich zu machen auf Kosten des Reiches zum Schaden des deutschen Volkes. (Sehr wahr!) Wir haben dvs abgelehnt. Wir haben gewissenhar: und unermüdlich uns der Lsrfsen bedient, die der führen muß, d« im Kräfiespiel der Schwächere ist, durch Vcrnunfiyründe lleber Windung der Gegenoorschläg:. Mit ihnen baben wir einig« der schlimmsten Forderungen ans ein mögliches Maß zurfiJgcfükn, und Wae m-ebr und für die Zukunft wertvoller ist: wir haben allen Widerständen zum Trotz ettvaS Vertrauen«worden,«in Vor- trauen, da» sich zweifellos durch die schleunige Abdrosselung de? Kap-Putsches nicht vermindert, sondern gesteigert hat.(Sehr wahr!) Unser« Gegn««l» der Kriegszeit müssen aber endlich einsehen, daß iinsor Volt nicht zur Ruhe komm«» fall«, wenn seine wirtschaftlichen und nationalen Lebens not wen digleiten unterbunden werden.(Beifall. Wäre der Friede von Versailles ein anderer gewesen. hätte« den GrundfÄzei: entsprochen, für die die Völker fc« Entente gegen Deutschland in den Krieg geführt wurxn, war« dem deutschen Volke nicht üver ein Jahr nach Abschwtz des Waffer. itillftandeS hinaus unter Kriegsrecht das Atmen schier umtnöglich genvachr worden, so wäre die Zahl derer, die sich von Herrn Kapp und seinem Pseudo-Iorck berfi'chren ließen, woit gering« ge- wesen.(Sehr richtig?) In diesem Zns an; menHang« mich ich«ruf die letzten Ausführungen dos franzosischen Mntsterpräsidenten Millera nd ein- gehen. Er sagte, Frankreich wolle gegen Deutschland keine Politik des Hasses und der Roche führen, sondern nur Gerechtigkeit verlangen. Die Boraus- fetzung sei die Erfüllung des Friedensvertrages durch Dernschfond. Dazu kann ich sagen: Die deutsch e Regierung ist sei« Unterzeichnung des Vertrages von Versailles ehrlich bemüht gewesen, alles zu erfülle«, waS z u erfüllen überhaupt in ihrer Macht stand. Im übrigen ist auch nach mainer Auffassung eine Zusammenarbeit Fvankreichs und Deutschlands auf wirtschaftlichem Gebiet nnve- dingt gelboten, wenn sich Deutschland nicht wirtschaftlich und stnan- ziell verbluten soll, was den wirtschaftlichen Ruin d« übrizeu«uro- päi schien Länder sicherlich zur rmmittvibmen Folge hätte. Ohne ein lebensfähiges Deutschland kann Europa uicht lebe».(Beifall.' Herr Mille oaud verlangt Gcrechtigfait. Die Gerechtigkeit gtbittei mir, zu sagen, daß die deutschen Lebensintereffen nicht immer Berücksichtigung fanden, auch dort nicht, Ivo sio mit denen Frankreichs identisch waren. lHört, hört!) Dafür ein Beispiel aus letzt« Zeit: Aus einigen Teilen des RuhrgebieieS kommen täglich Deputationen zur Regierung und schildern die fürchterliche Lage dort. Deshalb verhandelt dt? Regierung seit«irrigen Tvgsn mit den alliierten Regierungen, um für de/ Notfall ein« stärkere Truppe«macht gan� vorübergebend in dem dortigen Gebiet zu verwenden. Nur für den Notfall! Wenn eine friedliche Entspannung dort möglich ist, vre tote c' alle sehnlich wünsche», soll kein Mann mehr in di« neutrale Zone kommen als uns früher bereits zugestanden wurde. Die -rai-'Ssisch« Rogtenln« will aber unseren Wunsch nur dann er- füllen, wenn entsprechend alliierte Truppen an andren Stellen N die neutrale Zone einrücken dürfen.(Hört, hörtl) So verlangen die Frtanzosen als Garantie die Beseiinng von Frankfurt, .Hanan. Homburg, Darmstadt Und Dieburg, was«in Vorrücken um etwa Kilometer bedeuten würde. Die deutsche Regierung muh natürlich eine solche Zumutung zurückweisen.(Beifall.) Wir denken nicht daran, dieses Gebier den Schrecken einer Okku» p a t i o n auszusetzen, i Bei fall, i Dabei war der Antvag der deut- schen Regierung dock) niM zuletzt von der Sorg« diktiert, daß durch die Entwicklung im Rnhrgebiet die Erfüllung der lvirtschaftlichen Forderungen des Vertrages ernstlich gefährdet würde, au denen gerade Frankreich wegen der Kohlenlieferung ein besonderes Zuteresse bat. Man sollte doch auch in Frankreich einsehen, daß die Slrbeit, die wir leisten, im Iuteresse der europäischen Demo- ? r a t i e geleistet wird, denn die Auflösung der staatlichen Ordnung in irgendeinem. Teil Mitteleuropas birgt schwere Gefabren für alle übrigen Teile in sich. Jeder von uns ist von dem Gedanken beseelt, alle? daran zu setzeu.- um unser Volk cruS dem großen Nielderbruch herauszuretten, jeder von uns im Norden und Süden und-Osten und Westen unseres so schwer geprüften. Vaterlande«, -m Westen, wo das Volk unter den Augen des BefatzungS- Heeres in imposanten Masten für die gefährdeten Grrungenschafteu der Revolntiin demonstriert nnd damit seine unwandelbare Anbänglichteil an daS neue Deutschland kundgetan hat, tm Süden, wo das ganze Volk einmütig eine ostelbische Diktatur, wie sie Kapp aufrichten wollte, ablehnt.) Wir danken unsere« Brüdern»nd TckMestern im Westen und Süden und wir' versichern sie, daß kein Gedanke an eine Dilta» t u r sein kann, möge sie kommen woher sie will. Nvc wenn wir ille zusammenstehen, finden wir den Weg zu besteren Zeiten. Unser« Glaube an diese besseren Zeiten wurde gesteigert durch das Be- tennerwm unserer deutschen Brüder und Schwestern in FlenS- dura und in Schleswig. Ein deutschnationaleS Mut! macht den lacherlichen Versuch, un» einzureden, das Verlangen nach strengster Sühne sei weder sachlich rwch menschlich begründet, noch klug. Wenn dort behauptet wird, die Rechte bätte im November 1918 au« Nlangel an Mut keinen Widerstand geleistet und babe daher jetzt das Verlangen, sich Genug- tuiumg zu vcnchaffen, so ist da«- eine unerhörte Herausforderung. 'Sebr richtig bei der Mehrheit.— Unruhe rechts.) Die Machthaber des alten Regimes und mir ihnen die Kreise«ick? Preßorgane der Kriegshetzer und des AnnexronSwahnsinn? haben im November 1918 jede Position kampflos übergeben, aber jetzt scheint mzm auf der Rechten nichts mehr wissen zu wollen von dem Anteil. den man«m diesem Verbreck«« bat, jetzt behauptet man sogar, die Regierung trage die Schuld an dem Putsch der EideSbrecher. (Unruhe rechts.) Die Zeit ist gekommen, um nachzuweisen, wieweit die Schuld auf der Rechten gewesen ist.(Zurns recht?: Denn mal loS!) Wenige Stunden nach dem Staatsstreich er» folgte die v a r tei a m t li che Stellungnabme der o eu t sche n Volkspartei undderDeutschnationa len. Fn kewer stand anch nur ein Wort der Verurteilung des Putsche«. iHört. hörtl) In keiner auck? nur«me Andeutung, daß hier die Verfassung und der Parlamentarismus von einer Säbeldiktatur in Stücke gehauen war.(Unruhe rechts.) Da» bei spielen diese Kreise sich als Verteidiger der Versassun« und der BolkSrechte auf. In beiden Kundgebungen wird der Mehrheit V e r» fassungsbrnch vorgeworfen, weil sie die Wahl de« ReichSpräsi- deuten ändern wolle. Kcww amtliche oder parteiamtliche Kund» gebinlg liegt vor, nach der die Wahl beS Präsidenten in der Ver- ftistnng geändert werden sollte.(Abg. Schiele(Dnai. Dp.): Ver- stecken W« sich doch nickt hinter amtlichen Phrasen!— Lebhafte Vfuivufe bei der Mehrheit.) TaS Volk wird richte« zwischen ihnen and un«. �Unruhe rechts.) Es wird gegen diese Handvoll Hochver- räter entscheiden, die, gestützt auf meuternde Truppen, jedes Ge- missMiSbedeiikn beiftne gesetzt haben; dagegen hat daS ganze große Volk schon vb allen seinen Schichten durch den Generalstreik keine Stimm« erhoben. Sie wollen di« Wahlen? Sie haben heute schon das Wahlergebnis, da» mit Flammen» zeichen an die Wand geschrieben steht:„Gewogen nnd zu leicht befunden!"(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Der „Der weiße yeilanö�. G c r h ä r t Hauptmanns neueste Tragödie im Großen Schauspielhaus. Die Azteken find doch bessere Leute als Ferdinand Tortez und r«i« spanische» Gefolge, da» dem Christoph ColumbuS nachwanderte. am m Westmbiea die Sitten deS Mordens, Rauben» und die Herls» lehre der Jungfrau und ihres göttlichen Sohne? zu verbreiten. Sie sind eZ, obwohl sie von Gerhart Hauptmann verurteilt werden. iene trochäische Sprache zu reden, die Grillporzer und der weichlich geschickte Friedrich Halm dem Trauerspiel deS Caldervn und Lope de Bega nachgebildet hatten. Gerhart Hauptmann hat nicht nur den Rhythmus diese? spanischen Theaters irgendwie entliehen. ES strömte in ihn auch etwa? von diesem kastilianischen Geiste hin» über, der sehr unerbittlich ist und auf dem Theater Menschen gern in«in« ganz unnatürliche und südlich sommerliche Glut der Leiden- schaften hineinpeitscht. Dieser fanatische Christen- und Eroberer» geist. der sich in der kurzen, hackenden Trochäensprache entlädt, unterscheidet sich vom griechische« oder indischen Altertumsgeiste durch eine siedende und siegende Trockenheit, durch starreu Fana- riSmuS, durch Unduldsamkeit und jene Blutrüastigkeit. die sich heilig und geadelt glaubt, weil sie im Zeichen und Dienste eines mächtigen ReligionSsymboleS ausgeübt wird. WS Gerhart Hauptmann die.dramatische Phantasie" d«S.weißen Heilands" ersann, deutete er die Geschichte im Sinne solchen hispanischen Geistes. Also schraubte er seine Ausiklärung und seinen Verstand um einige Jahrhunderte zurück? Nein, er gefiel sich in einem fremdartigen Stile. Allerdings so lange nur. bi» die eigen« Dichterkunst ihn wieder überkam, und hierauf geriet jede Beseelung sein«? Trauerspiels ander».-- Coriez landet auf der westindischen Erde. M« er in» Land Mexiko einmarschiert, empfangen ihn die rotbäutigen Urbewohner. em sehr altes, kluges, schwelgende», in Bauwerken schönster Gestalt reich lebendes Volk, crlS einen Gott. Sage wandert nämlich unter ihnen, daß die höchste Gottheit und deren Heerschar weiß von Haut, blond von Haar und blauäugig sei. Nun marschieren diese Euro- vier mit ihren grollenden, werthin den Raum überwindenden Geschützen an. Sicher, das sind keine toten Waffen, da» sind mäch- tig, übermächtig gewaltige Tiere. Nicht minder übermächtig müssen die Herren dieser Tier« sein. So denken, fühlen, fürchten, beugen sich und beteuern die Azteken. Stur einer unter ihnen fürchtet nicht und liebt nur.& ist Montezuma, der Kaiser. Ihr König, dessen Name nehmen wir die Chrom? zu Hilfe—.großer Zorn" be- deutet. Montezuma, der so fürstlich ist. daß er jede Jungftau und jedes Gewand nur«»mal gibraucht, um sie nachher irgend« Generalstreik hat nachgewiesen, daß die Regierung daS Volk nicht durch irgend welche Maßnahmen gegen sich aufgebracht hat. Wo laar denn das Volk deS Kappregiments, wo waren denn die Massen, die ihm begeistert zujubelten? Und ein zweiter Beweis der Mitschuld der Rechten, vor allem deuischnaiionaler Kreise: Im offenen Partciaufruf kein Wort der Verurteilung des Hochverrats und jetzt nachträglich begeisterte An- «rkennung der Hochverräter in der„Kreuzzeitung":„Entschlossene Männer durchglüht von heiliger Vaterlandsliebe 1"(Hört, hört!) Einzelne ihrer Anbänger haben sich sogar offen den Putschisten zur Verfügung gestellr: Freiherr von Wangenheim, Herr Schiel«. Herr Traub.(Rufe rcchtS: Alles erlogen!) Kapp hat den Freiherr« von Wangenheim zum preußischen Landwirtschaftsmini st er gemacht, sn einem seiner Ervasse vom 16. März schreibt er:„(fch habe di« Leitung de» Ministeriums für Landwirtschaft und Domänen dem Freiherrn von Wanyenheim übertragen."(Widerspruch rechts.) Wollen Sie den Mut haben, Freibcrrn von Wangenheim von Ihren Rockschößen abzuschütteln? Ms der Zusammenbruch deutlich zu erkennen war, begab sich die Parteileitung der Deutschnationalcn wieder aus den Boden der Verfassung zurück, ebenso die Deutsche Volkspartei, dies« aber im Gegensatz zu den Deutschnationalen unter entschiedener Verurtei- hing jedes gegen die Verfassung gerichteten Staatsstreichs. In beiden Parteien haben sich allerdings führende Männer mit Ent- rüstung gegen«inen Putsch geäußert, trotzdem haben st« aber vor und nach dem 13. März nicht» getan, um das namenkose Un- heil aufzuhalten.(Unruhe rechts. Rufe: Winwgl) Bis heute haben die Deutschntrtionalen noch kein iverurteilende» Wort geftinden. alle Hochverräter stammen aus ihren Reihen, ihre Presse verherrlicht die Putschisten und will sie der Strafe entziehen. Zahl- reiche ihrer Provinzorgcmisationen haben sich Kapp zur Verfügung gestellt. Dar Bund der Landwirte SchleSwig-HolsteinZ hat der neuen Regierung sein vollstes Vertrauen ausgesprochen, der deutsch- nationale Landesverband Mittelschleswigs begrüßte«Z, daß der Putsch Erfolg hatte. Tie ungeheure Mehrheit deS deutscheu Volke» klagt die Kapp- Verbrecher an. daß sie für Teutschland de« Krieg zum zweitenmal verloren haben.(Stürin. Beifall.) Es ist ein« Lüge, daß die alte Regierung durch hetzerisch wirkende Handlungen da? Voll gegen sich aufgebracht babe. Wo ivat denn das Volk in der Umgebung des Herrn Kapp?(Sehr gut!) DaS Ivar nicht das Volk, sondern eS waren nur HochvrrrStcr und irregeleitetes Militär. Immer noch wird t?on der Recbien mit den angeblich harmlosen Forderungen gearbeitet, di« die Putschisten aufgestellt haben: Neuwahlen, Präsidentenwahl durch daS Volk, Fachminisder(Zuruf recht»: Und Bekämpfung der Korruption!) Reden Sie doch nicht immer von Bekämpfung' der Korruption. Sie, d«r Sie«inen ?V redereck vorcnrgestellt Haben.(Stürm. Beifall bei der Mehrh.) Den Putschisten ist es freilich nicht aus Fachmänner angekommen. Die letzten Forderungen des Generccks L ü t t w i tz, die im nationa- listischen Taumel aufgestellt tvorden sind, waren nicht A b r ü st u n g, sondenn Aufrichtung deS Militärs. Nichterfüllung des Friedensverträge» und Revanchekrieg. Auch diese Parole ist auS Ihrer(zu den Deutfchnationalen) Gedankenwelt oder besser Ihrer Gedankenlosigkeit hervor- gegangen.(Unruhe rechts; lelch. Zustimmung 6. 6. Mehrheit.) Deshalb konnte drei Tage hindurch die K r i e g S f l a g g e, Ihr Symbol. über Bcrim loeben. Wir haben Ihnen das Schwert au? der Hand geschlagen. Der Generalstreik hat Sie bereits als die Schuldigen verurteilt.(LeSH. Zustimmung.) Bei den Wahlen wird Ihnen die endgültige Antwort erteilt werden, von der Ihnen kein Titelchen geschenkt werden wird.(Lebh. Beifall.) TaS deutsche Vo? wird unier dem Verbrechen noch lange zu leiden haben. Noch ist nicht das ganze Land beruhigt. Der Anarchie von recht» ist in den rheinisch-wsstfälischen Gebieten die Anarchie von link» gefolgt. Die Sehnsucht nach Rückkehr der verfassungsmäßigen Zu- stände wächst aber in den genannten Gebieten, wie uns Männer aller Parteien zur Kenntnis gebracht haben, von Tag zu Tag. In jenen Gebieten find Waffen in die Hände von Leute» yslommen, für die keine Partei dieses Hauses verantwortlich gemacht Wehden kann. In friedlich« Bürgerhäuser sind Bewaffnete einge- drnngen, Räuberbaiiden erpressen mit vorgehaltenem Revolver von städtifchen Kassen Gelder für ihre Zwecks, die Proviantlager werden geplündert, die ländliche Bevölkerung wird ihrer NahrungS- mittel beraubt, angeblich zur„gerechten Verteilung"; gegen Wesel, wo verfassungstreue Truppen aufgestellt worden sind. wird«in Angriff gerichtet, und daS sechs Tage nach dem Zu- sammenbvuch der Kapphochverräter.(Bewegung.) Die Anarchie von links wird mit demselben Maß gemessen werden müssen, wie einem Günstling zu verschenken. Eduard Stucken erzählt da» jetzt in einem ungeheuren Chromkroman, diesem Kunstwerk GincH Mannet der Fleiß» Irrtum, Genie und Beschränktheit seltsam zusammenspcmnte, um in drei Kapitelbänden diesem Greuel der weißen Götter einige Jahre seines Forschen» und Formen» zu schenken. Mit Kanonen, Kreuzen. Aerzten, Tanzmeistern, galanten Frauen und d«: Lustseuche kanten die Getreuen de? Fer- nanado Cortez nach Wefiindien. Montezuma, der sie prüft, huldigt ihnen wie der irdischen Erfüllung seine» kostbarsten Heilands- traumeS. Er verschwendet cm die Fremden, die er die weißen Götter wähnt, und besonders an Coriez, den er als seinen weißen, obersten Herland glaubt, allen Erbbesitz seiner GoldZammern, Edelsteinberge und Jungfrauen. Er wirst sich cm ihre Brust, er will bei ihnen ruhen, Welterlösergedanken in ihrem Schutze hegen und durchwandern. Er will«in kindlich aussteigender Glaubens- schwärm« in der Obhut der fremden Märchengötter sein. Und er wird doch nur von den Europäern betrogen, deraubt, erniedrigt, geschündet, verspottet, verwundet. Die Wunde führt zum Tode. Im Tode erst sieht«r die Wahrheit ganz. Er reißt die Binden von seiner Wunde herab, er flucht, er verdammt, er bespuckt all die» falsche Göttertum. Bespuckt und verdammt wird alle», wor- auf die europäische Neuzeit swlz ist. Der Wilde, der Herr deS Zornes, erkennt, daß Habsucht, Lüge, Mordlust, Verräterei, falsches Christentum die Eigenschaften dieser entlarvten Götter sind. Dem Dickter Gerhart Hauptmann fiel diese tragische Enthüllung zu, nachdem er«twaS mühselig den Apparat der Begeb- niss« enthüllt hatte. Dann folgt aber da» tragische Spiel zwischen dem gläubigen Montezuma und den falschen Europäern. Monte. zuma wird ein„kranker Vogel", ein trübseliger Parsifal, ein maS» kiertcr Michael Kramer,«ine Schwester des armen, süßen Prole- tariermägdeleinS Hannele, das einstmals in den Himmel fahren durfte. Montezuma wird endlich auch ein Stiefbruders de« Glocken- gießcr» Heinrich, der auch am Ueberflüß des Glaubens starb. Da wirkt des Dichters lauterste Liebekphantaste, auch in der Sprache und im Bilde, tue sonst alterSmatt und höchst platt find. Da wirkt er rührend. Da zieht er an sein Herz. Nur eine Offen» barung verstimmt plötzlich. ES stehen sich ja nicht gegenüber Mensch und Mcnsck, sondern nur Bestte und Mensch. Man merkr eS erst leise, immer klarer bald: Diese großen Dinge der Geschichte, diese entsetzlichen Rätsel des MenschengeifteSflugeS und deS Menschen» geisteSflucheS wurden von Hauptmann doch nicht mehr durch und durch gespürt und bezwungen. Sie wurden nur gestreift, opern» Haft besungen, oratorienhaft behandelt. Eine Szene auS dem Evangelium geborgt, und doch die tragischste Szene: die Söldner schlagen, verhöhnen und bespucken den reinen Kaiser, der ein gött- sich Lauterer sein soll, obwohl er Schweine. Schufte, Räuber und Mötzder noch für Götter hält und so unendlich töricht ist.— die von rechts.(Lebh. Zustimmung.) Für ihre Niederwerfung find die erforderliche i! Matzregeln getroffen. Hoffen wir in letzter Stunde, daß unser schwergeprüftes Volk nicht vor neuen Opfern steht. Wir haben Grund, in dieser Zeit nicht die Hände in den Schoß zu legen. Mannigfache Gefahren bedrohen uns. Es gilt, alle Besserwisserei und alle Rechthaberei zurückzustellen; wir kommen nur durch, wenn alle demokratisch De,n- senden zusammenstehen. Anders ist es uns nicht möglich, die katastrophalen Folgen des verbreche- rischen Zwischenspiels zu beiei-tigsn. Dann würde sogar die einzige gute Wirkung deS PytschcS auSysbliebsn sein, dem Volke die Augen zu öffnen. Das Aus- land ist heute überzeugt, daß das Deutschland Ludendorffs und LüttwitzenS endgültig abge. wirtschaftet hat.(Stürmische Zustimmung.) Der Sieg der Demokratie wird jenseits der Grenzpfähle hoch und günstig bewertet.(Beifall.) Mit dem Bolschewismus lassen wir uns nicht erschrecken Wir lehnen ihn ad und werden ihn be- kämpfen. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß das Volk auf unsere AnklctHe gegen die Hochvertäter um Kapp ein gerechtes Urteil fällen wird.(Anhaltender Beifall bei der Mehrheit, der sich demon- stvattv wiederholt, als aus der Rechten gezischt wird.) Darauf tmrd die Ausfprache über die Regierungserklärung bis nach Erledigung der übrigen Teile der Tagesordnung aus- gesetzt. DaS Gesetz über die vorläufige Regelung des ReichshauS- yalt», der dritte Nachtragsetat sowie der Entwurf eines Besoldungsgesetze» werden ohne Aussprache dem H a u S- haltSauZschuß überwiesen. Der StaatSvertrag über den Uebergang der S t a a t Se i f e n- bahnen auf da? Reich geht an einen besonderen Ausschuß von 28 Mitgliedern. Die Vorlage über die Besteuerung der R e i ch S b a n k für das Jahr 1819 wird ohne Erörterung in allen drei Lesungen ange- nommen. Dos ReichSauSgleichsgesetz wird einem Ausschuß überwiesen. Das deutsch-franzü fische Abkommen über den Äehler-Hafen wird ohne Erörterung angenommen. DaS Gesetz über die Aburteilung der bochverräte- rischen Unternehmen aus dem März 1828 geht an den Verfassungsausschuß. Die Vorlage über das Suicignungs- recht von Gemeinden bei Aushebung oder Ermäßigung von Rc�vonbe schränk t> ngen geht an den Wohnuugsausschutz. Darauf wird die Sitzung bis 1 Uhr vertagt. In der zweiten Sitzung soll die Besprechung der Regierungserklärung stattfinden. Schluß-412 Uhr._ 3wct Richtigstellungen. Hamburg, 29. März.(Eigener Drahtbericht deS„Vorwärts".) Die„Germania" schreibt am Sonntag, daß der Geheimrot C u n o das Amt de» ReichSfincmzmiuisterS nicht augenoptmen habe infolge starker Angriffe, die das„Hamburger Echo" gegen ihn gerichtet habe. Dazu ist festzustellen, daß das„Hamburger Echo" niemals eine Zeile heftiger Angriffe gegen Enno gebracht hat. E- hat im Gegenteil k e i n e r l e i K r i t i k an die Tatsache seiner Nomimerung geknüpft. In den Blätieru der Rechten wird eine Notiz der„National- liberalen Korrespondenz" verbreitet, in der bestritten wird, daß der Abgeordnete S t r e s e m a n n von dem Putschversuche der Kapp und Lüttwitz bereits vorher gewußt und davon gesprochen habe. J« der Sitzung der Hamburger Bürgerschaft am 19. März, in der eine Abrechnung mit der Reaktion erfolgte, hat der Vai�teisekretärder Deutschen BolkSpartei in Ham» bürg erklärt, der Abgeordnet« Slresemann habe seinen Partei- genossen am Sonntag, den 8. März, in Hamburg bereits Mit» teilung gemacht unter Namensnennung von Kapp undLüttwitzl Streikabbruch in Nieöerschlesten. Ter Generalstreik un niederschlcfischen Industriegebiet ist in der am 23. Mäcz 1928 abgehaltenen Massenversammlung, an der 35 880 bis 40 000 Arbeiter, Arbeiterinnen, Beamte und Angestellte teilnahmen, als beendet erklärt worden. Die Wiedevaufnahme. der Arbeit ist von der Erfüllung der acht gewerkschaftlichen Punkte folvie einer Anzahl besonderer Bedingungen für das niederschlesische Industriegebiet abhängig gemacht worden. Bei Nicht- erfüllung soll der Generalstreik sofort wiederaufgenommen werden. Karlheinz Martin, der neue Regisseur, der jetzt neben Max Reinhardt das Zirkustheater betreten darf, baut den Urzeit» rahmen aus Zyklopenquadern. Das gelte. Aber schon die ewig un- beiveglichen, gemalten Agaven aus den Mauern deS Hintergrundes sind nur Bühnenpappe. Man weiß nicht, wollte er vereinfachen. wollte er mit Uebcrflutz schmücken. Gold, Gold, Gold, da» ist der Charakter dieses Neulandes. Alan hätte.«S gern im überquellenden Geleucht auf WanKm und Gewändern gesehen, auch im Lichte der Natur noch mehr. Jetzt hat der Regisseur ja die Arena. Warum läßt er die Svanrer nicht aus einem Dutzend lebendiger Rosse her- einipengen und dann klirrend absitzen? Diese weißen Götter mar- schieren ettvaS zu gemessen und parademäßig inS Riesenbaus. Sie kommen nicht auS der Fabelferne. Sie kommen nur auS der Kulisse. Ueberhsupt der Regisseur sparte, er hätte putzen müssen. Sagen wir eS doch, täuschen wir unS doch nicht! Die? HauS der Scbe inWerfer, der Kuppelmusik, der Zyklopengewölbe und der lichwerschlingendeu Unmäßigkeit muh schrecklich schreiend. unbändig bunt, kreischend kostbar und grimmig golden ausstaffiert werden, damit das Exotische nicht in der Winzigkeit und Trocken» heit eines JahrmarktSmuseumS bleibe. Cortez ist Emil I o n n i n g S. Der Dichter gibt ihm nicht viel Hoheit. Der Schauspieler will noch mehr der Hoheit abwerfen, dem Pathos entweichen, Diplomat scheinen, die Ironie nicht ver- fehlen, der Weltgeschichte Recht verschaffen und ein Schuft von An» sehen und Anmut sein. Der Stil de? Trochäus fehlt ihm. Wenig fehlte, und er würde den Spanier in deutsche FrundSbergetet übertragen. Das geht nicht. DeS Dichters Kraft, seine äußerste Liebe, seine ficht: sie Charakteristik, sein« lebhafteste und am wenig- sten entgleisende Sprache gehören dem Montezuma, den M o i s s i sp'elt: er spwl: ihr mit einer zierlichen Unbeholfenheit, mit einer ethnographisch nicht überlasteten Bildlichkeit. Der indianische Parstfal erlebt als Schauspieler einige unvergeßliche Augenblicke. Er errät ganz und gar, daß er verraten ist. und er tantt, wahn- finnig halb vor Wut, um sich selber herum. Er läßt sich, p'hr verwandt dem gegeißelten Christus, von Söldnern mißhand« i und zeigt eine tragische Hinfälligkeit, die nur dem vollkommenen Künstler gelingt. Max Hochdorf. Gin Ftiedmnnn-Jnstitut zur Bevonilunq aller Formen von Tu» er- tulole wird in Utchtersclde entlleten. Dr. Fttedmonn hat für dielen Zweck da» Grundstück der Helfinglchen»tthopädischeit Anstalt erworben. Osterkonzerte des Verbandes der Freien VolkSbüdnen. Am Osterionntoq und Ostermontag. inttlagS IL Uhr, in der Pbildarmonie: Konzerte mit dem Philbarmonlchen Orchester tmter Leitung von Dr. Fritz S t i e d r v. Mitwirlende: Elfried« Marherr(ItaalSoper), Professor Karl Flefch. Zur Auffiihnmo gelangen: Weber» Ouvertüre zur Oper„Abu Hassan*, Mozart» Violinkonzert A-dnr«nd die 4. Sinfonie von Gustav Mahler jür Orchester und Sopransolo. Die Gewerkschaften-and öie preußische Regierung. Verzicht auf Widerstand. Folgende Kundgebung geht uuS zu: Die Gewerkschaften erblicken in der Ablehnung der Bor- schlagSlistc» mit Franz Krüger und G r Lf als MmistcrprSfi- denten ein Entgegenkommen an die parlamentarischen Kreise, die der mit den Gewerkschaften getroffenen Bereinbarunge« ab- lehnend gegenüberstehen. Lediglich im Hinblick ans die schwierige politische Lage wird darauf verzichtet, der von der fozialbemo- kratischrn Fraktion vorgelegten Kandidatenliste weiteren Wider- stand entgegenzusetzen. Der Kandidat O e s e r wird wegen seiner bisherigen Amtssührung und seines Verhaltens während deS Gene- ralftreiks abgelehnt. Die Gewerkschaften setzen voran», daß sich alle Minister auf den Boden der getroffenen B e r e i n- barungen stelle». §müe in Thüringen. Bestialische Arbeitermorde. Kassel, 29. März.«Eigener Drahtbericht des„BorwärtS".) Nachdem schon vor 8 Tagen eine Bcrhandlungskommisstou de» Bode» zu einer Beratung vorbereitet Hot, fanden am Sonnabend durch Ber- mittlung der Staatkregierung in Meiningen abermals verhnnd- lungen statt, die zu einem guten Ergebnis führte«. Tie Arbeiter erklärten, bis Sonntag, den 28., mittag» 12 vhr, die Waffen und sonstige» Kriegsgerät abliefern zu wollen. Dir ReichSwehrbrigade 11 verpflichtete sich dafür, daß ein E i»» marsch von Truppen In Thüringen nicht erfolge» würde«nd Truppen, die bereit» im Marsch seien, noch am Sonnabend«nge, halten werden würden. Eine Demarkationslinie wurde vereinbart. Bereits am Sonntag konute dir Berhandlungökommission feststellen, daß die Wafsenobliesrrungen überall m i t E r f» l g betrieben wurde». Die Arbeit wurde am Montag, den 29. März, wieder aufgenommen. Leider ist die Befürchtung berechtigt, daß dir militärischen Som» mifsionr«, die nach Thüringen gehen, um die Waffenablieserunge« zu überwachen, nicht den nötige» Anstand habe« werden. Ucber einen bestialischen Zwischenfall herrscht jetzt große Erregung. In der Rächt vom Freitag zum Sonnabend kam ein Trupp Uniformierter in N u h l a an und nahm IS Arbeiter fest, mit der Erklörnng, daß die Leute nach Gotha zu bringen seien. Diese IS Arbeiter wurden auf eine» Leiterwagen verladen, der Wagen kam nie in Gotha an, den» die 16 Leute wurden während der Fahrt bei Mechterstedt erschossen. Die 16 Leichen liegen in der Leichenhalle zu Mechterstedt. Unter den Toten befinden sich drei Mitglieder der«. P. D., 12 Mitglieder der U. T. P. D. und ein Demokrat. Drei Brüder, deren Batcr bereit» zwei Söhne im Felde verloren hatte, befinden sich unter den Erschosienen. Die Ber. handlungskomniission fordert von der ReichSwehrbrigade 11 schleunige und einwandfreie Untersuchung, die auch vom ReichSmilitär- kommissar GreözinSki zugesagt wurde. E» wird angegeben, daß die Leute bewaffnet angetroffen wurden und eine» Flucht- versuch machten. Daß diese Angaben recht stark nach ausgetrete. nem Schema aussehen, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Die Einwohnerschaft behauptet, daß die Tat von Zeitfreiwillige» ausgeführt wurde. Ungeheuer ist das Elend, da» durch den Aufstand, der al» Folge deS Putsche» Kapp-Lüttwitz entstanden, über Thüringen ge- kommen ist. Nach dem Verbrechen an den 16 Leuten herrscht p a u i» scher Schrecken nnter der Bevölkerung. Die Männer au» der Umgebung von Ruhla sind in die Rhön geflüchtet. Die Frauen und Kinder leben in Angst um ihre Ernährer. Die kommunistischen Drahtzieher, dir die ganze Bewegung in ei» radikales Fahrwasser zu bringen versucht hatten, sind jetzt zum größten Teil v er- s ch w u» d e a, und die Arbeiter sitzen im Elend. Militärische Unruhestifter. Militärkouimissar Greszinski verlangt Abberufung zweier Generale. Em großer Teil der noch immer in Deutschland Herr- ichenden Unruhe ist auf nicht» anderes zurückzuführen, als auf die noch immer bestehende U.n Zuverlässigkeit großer Teile der Reichswehr und das unverständige Verhalten gewisser Führer. Dieselben Herren, die nicht zu sehen waren, als es ihre Pflicht gewesen wäre. den wirklichen Aufruhr der Kapp-Lüttwitz mili- tärisch niederzuwerfen, bersten jetzt vor Schneidig- keit, wo es gegen angebliche Bolichewisten geht, in Wirk- lichkeit meist Bürger und Arbeiter, die zum Schutze der Frei- heit gegen den Aufruhr die Waffen ergriffen hoben. Wie >uns ein eigener Bericht aus K a s s e l meldet, hat ber Reichs- militärkommissar der 11. Reichswehrbrigade, Genosie G r e s- z i n s k i, an den Reichspräsidenten E b« r t folgendes Telegramm gerichtet: � Kassel, den 27. März. An den Reichspräsidenten Eberl! Erbitte ganz dringend Gruppenkommando Kassel zu befehlen, sich nicht in die militärischen Maßnahmen de« Bri» gade 11 einznmischen, weil Entwirrung der Thüringer Lage mit Einverständnis Oberpräsidenten und mir bisher glücklich und ohne Blutvergießen im Verhandlungswege mit Thüringer Ge- noffen durchgeführt wurde. Gruppenkommando stellt militä- r i s ch e n Standpunkt, der zu blutigen Kämpfen führen mutz, voran. Infolge zweifelhafter Haltung der Generale Sckioeler und Letzberg, ist sofortige Ab- berusung, wie auch in sozialdemokratischer BezirlSkonferenz per- langt, ernstlich zu erwägen. ReichSmilitärkommissa: GreSzinSki. � Aus Westfalen wird uns berichtet, daß die Marine- brigade von Loewenfeld zur Bekömvfung des Auf- standes ins Industriegebiet eingerückt ist. Als Vortrupp er- schienen 6 Autos— mit schwarz-weiß-roten Fah- n e n und mit der Marineflagge geschmückt, die Offiziere tru- gen die alten wilhelminischen Abzeichen, die Mannschaften vielfach schwarz. weiß-rote Abzeichen im Knopfloch. Von den Arbeitervertretern gefragt, ob sie der- fassungstreu seien, erwiderten sie:„Wir s i n d u n a b h ä«- gig und hoben mit keinem etwas zu tun." ES ist nur allzu begreiflich, wenn daS Mißtrauen der Arbeiterschaft gegen diese Art Rogierungstruppen überaus groß ist»nd infolge dieser Vorkommnisse die Gefahr besteht, daß. bei etwaigen Kämpfen auch die durchaus nicht s Varia- kj fx n ch e n Teile der Arbeiterschaft gegen die Truppen Stellung nehmen. Truppen wie die Marinebrigade Loewen- seid, die der Marinebrigade Ehrhard ähnelt wie«in Ei dem anderen, dürften in dieser Zeit überhaupt nicht der- w a.n d t werden. Das große Aufräumen. Haftbefehl gegen Lüttwitz. Berti», 29. März. Wte wir au? dem Reichswehr. miuisterium höre», haben infolge der letzten Ereigniffe«ach. stehende Offiziere ihre Bcrabfchtedung erbeten bzw. sind in ihre« Stellunge» erfetzt worde«: Generalleutnant v. Estorff. Generalleutnant v. Beruuth, die Generalmajore v. G roddeck, Freiherr v. Diepenboick- Grueter, v. d. Hadt, Maerker, p. Lettow-Borbeck und H a g e n b e r g, die Obersten v. Wangenheim, v. Oven, und Freiherr v. Ledebour(Hamburg), Oberstleutuaat v. K l r- w i tz, die Majore v. MiaSkowSki und Hagemen v. Tie Frage, wie weit diese Offiziere durch ihr Verhalten wäh- rend der letzten Borgänge belastet sind, wird eingehend geprüft. Gegen den frühere» General v. L ü t t w i tz ist seitens der zustän- dige» Militärgerichtsbarkeit ein Haftvefehl erlassen. Steckbrief. Gege« 1. den Gcuerallaudschaftsdirektor Kapp attS Königsberg i. Pr., 2. den RegiernngSpräsideute« a. D. v o n I a g o w aus Berlin, 3. den Major a. D. P a b st ans Berlin, 4. de« Oberst a. D. B a n e r aus Berlin» 5. den Arzt und Volkswirt Georg Wilhelm Schiele ans Naumburg a. S., 6. den früheren Rechtsanwalt Bredereck aus Berlin. 7. de« Geheimen Regierungsrat Dohä auS Berlin» die flüchtig find oder sich verborgen halten, ist die Unter- snchuugKhaft wegen Hochverrat«, begangen in Berlin im März 1920 verhängt. Es wird ersucht, sie z» derhiften und in das nächste Ge- fängnis abzuliefern, auch unverzüglich zu den hiesigen Akten L. 11. 20 Mitteilung zu machen. Di« Reichsregiernng hat eine Belohnung bis zu 1O 000 Mark für denjenigen ausgesetzt, der dnrch sachdienliche Angaben oder andere geeignete Mitwirkung znr Förderung der Untersuchung, insbesondere zur Aufklärung des Sachverhalt» oder znr Er- greifung eines flüchtigen Angeschnldigte» beiträgt. Leipzig, de« 26. März 1320. Der NntersuchnugSrichter deö Reichsgerichts. v. Jalkenhaufen verhaftet. Das Vermögen der Hochverräter beschlagnahmt. Berlin, SS. März. Nach Mittsitunyen de» OberreichSanwalts ist der UnterstaatSsekretär a. D. van Falkenhausen in Brandenburg verhaftet und dort bereits gerichtlich vernommen worden. v. Falkenhaufen wurde am 2S. März nach Leipzig gebracht und ist dort vom Untersuchungsrichter vernonpnen worden. Die Vermögensbeschlagnahme gegen die Angeschul- digten deS Kopp-Lütiwitz-PutfcheS ist am SS. März vom Ersten Strafsenat de» Reichsgerichts beschloffen worden.— Wegen der Kieler Borgänge ist die Voruntersuchung gegen den Admiral a. D. von L e b e tz o w, Major a. D. von Winterfeld, Ober- bürgermeister von Lindemann, Regierungspräsident Pauli, Schleswig, und Landrat Freiherrn von Loew ausgedehnt worden. v. Levetzow ist verhaftet, Pauli befindet sich i» Schutzhaft, die übrigen Angeschuldigten find flüchtig Der wlüerftanü Üee rheinisch-weftfälifthen Arbeiterschaft. Elberfeld, 20. März.(Eigener Drahtbericht de».Vorwärt«'.) Auf der Konferenz de» Zentralrat» für da» rheinisch» westfälisch« Industriegebiet in Essen am 28. März t02<1 sin BerernShou» m Essen wurde nach stehende Resolution angenom. men. Vertreten waren V9 Städte und Kreis«, anwesend 47 Dete- gierte der U. S. P. D-, 30 der K. P." D.. 22 der S. P. D. und«in Demokrat, vier amerikanische Berichterstatter und ein Bericht. erstatter der.Daily Mail". Der Zentralrat erklärt für die Arbeiterschaft de» tfjeintsch- westfälischen JndustviegebieiS: das Ziel des revolutionären K-nnpses in seinem gegenwärtigen Stadium ist: N ied e r ring u n g des Militarismus als eines der revolutionären Arbeiterbewegung feindlichen Systems, weil nur dadurch eine Sicherung der revolutionären Bewegung vor konterrevolutionären Ueberfällen und ein« Sickerung der von t«r Arbeiterschaft erkämpften Machtposition gegeben ist. Diese Sicherungen sind: 1. Entwaffnung und Auflösung alTer Truppenformationen.. 2. Bildung von Arbeiterwehren. 8. Verwahrung säintlicher Waffen unter ständiger Kontroll« der revolutionären Avfcciterräte. Der Umfang, in dem dieses Ziel erreicht wird, hängt ab von dem Willen und der Entschlossenheit der gesamten proletari» schen Klassen im Reich. In Anbetracht der Tatsache, daß schon jetzt der Militarismus wieder in alter Stärke und Anmaßung zurückkehrt, daß die Ber- liner Regierung noch nicht eine rnzige ihrer Versprechungen durchgeführt hat, ist der Zentralrat der Meinung, daß e» eines erneuten Kampfes des deutschen Proletariats bedarf, um auch diese beschränkten Ziele zu erreichen. Der Zentralrat ist weiter der Meinung, datz die Stchciicrfchoft de« rheinisch-westfälischen Industriegebiets ihre bisherigen Errungenschaften unter allen Umständen aufrechterhalten mutz. Die Aufrechterhaltung der Recht«, die durch Mtion der gesamten Arüoiterschaft des rheinisch-westfälischen Industrie- gebiets errungen sind, hängt aber ab nicht von dem Mut und dem Alter eines Teiles der Klassen, fondern von der Ge- ichlossenheit der Gesamtarbeite rklass« deS rheintfch-westfälischen Industriegebiets Der Zentralrat wird Angriffe auf diese Rechte, insbesondere jeden Reichswehrtruppenangriff auf Rheiniland und Westfalen mit dem Appell an das gesamte Proletariat des rheini'ch.westfälischen Industriegebiets, d. h. mit der Auffor- derung zum Generalstreik beantworten. Die Vollver- sammlung der BollzugSräte deS JnduftriegbietS von Rheinland und Westfalen schließt sich dieser Erklärung des Zentralrats an und wird den Generalstreik, sobald er notwendig werden sollte, mit aller Kraft durchführen. Brenner von der K. P. D. gab«inen Bericht über die Situ- ation im rheinisch.wes!fä'ischen Industriegebiet, in dem er mit- teilte, datz am Sonnabendabend 8,45 Uhr der Berliner Regierung der Waffenstillstand an der Weseler Front ange- boten sei und Sonntag, den 28., vormittags 10 Uhr, Reichswehrminister Getzler zugesagt habe, im Einvernehmen mit dem Reichs- kanzker noch im Laufe de» Sonntag? zu veranlassen, datz feiten? der Reichswehr an der Weseler Front der Waffenstillstand ein- trettzn würde. Bis zum Schluß der Konferenz um 1 Uhr war ein« diesbezüglich« Nachricht noch nicht eingegangen. Lew in von der Zentralleitung der K. P. D. erklärte, datz daS Proletariat sich in der Abwehr und nicht im Angriff befinde. Ein Vertreter der Obersten Heeresleitung der Arbeiter- bataillone von der Weseler Front erklärte, sich unter die politische. Leitung des Zentralrates stellen zu wollen. Die Referate der beiden kommunistischen Referenten wurden debattelos gutgeheißen. Die Konferenz beschloß für da» gesamte rheinisch-westfälische Jndustkiegebiet daS Alkoholverbot zu verordnen. Der Aktionsausschuß von Elberfeld, dem sämtliche drei Par- teien angehören, beschloß, den Blättern den Abdruck de» Ultt- m a t u m S der Regierung an die Rote Armee zu untersagen. Dortmund, 29. Mär,.(Eig. Drahtber. de»„Vorwärts".) Die sozialistischen Parteien de» RuhrrevierS habe« sich zur ge- mrinfame« Abwehr der sog.„Roten Armee" vereinigt. Sie sind entschlossen, wenn nötig, mit den Waffen in der Hand gegen die den Namen der„Roten Armee" mißbrauchenden Ber- brrcherbanden vorzugehen. Sie foedern aber, daß diese SLnbc- rungsarbcit ihnen selbst überlassen bleibe und daß ein Eingreifen der Reichswehr vermieden wird. EiAbrecher 5ettoW-VorbLck. Aus Neustrelitz wird un» geschriebene Der General v. L et to!S- A o r b e ck läßt in der Berliner Presse Ausführungen erschemcn, die sein Verhalten entschuldigen sollen. Demgegenüber wird auf folgende Tatbestände hingewiesen: General v. Lettow-Borbeck hat am 14.� März abends die StaatSgendarmerie von Mecklenburg-Strelitz, die das Re- gierungSviertel bewachte, durch Reichswehr angreifen lassen. Gneral v. Lettow-Borbeck hat in der Nacht vom 14. zum 15. der Mecklenburg-Strelitzfchen Staatsregierung ein Ultimatum mit drei Stunden Frist gestellt, die Kavp-Regicrung anzuerkennen. General v. Lettow-Borbeck hat den Befehl der Kapp-Regierung, die Polizeichefs beider Mecklenburg, Oberst Lange und Major M ü I l e r- Brandenburg, sofort„unschädlich" zu machen, burchzu- führen versucht. Oberst Lang« konnte er nicht erreichen. Major Mullec-Brandenbuvg wunde von fünf Reichswehrosfizieven in der Nacht vom 14. zum 1ö. am Verhandlungstisch verhastet und aus LettowS Befehl nach Berlin geschleppt und ins Gefängnis gesteckt. Diese wenigen Tatsachen genügen schon,»nn die ganze Ber- logen heit der Lettowschen Erklärungen zu beleuchten. Lettow- Borbeck ist ebenso Eidbrecher und Verbrecher am deutschen Volke wie Kapp, Lüttwitz u. a., die Belege dafür jind zahllos. Cm verbrechen am deutschen Volt... In dem Bestreben, die politische Verantwortiing für düS Kapp-Lüttwitz-Abenteuer— die natürlich doch auf den R e- aktionären aller Richtungen hasten bleibt—, von sich abzuwälzen, schreiben die„A l l d e u t s ch e n B l ä t t e r", das' offizielle Organ des alldeutschen Verbandes: Wir stehen nicht an, den Staatsstreich dieses Tages als ein Verbrechen am deutschen Volke zu bezeichnen, mit dessen Hr. - hebern vaterlandsliebende Männer kein« Gemeinschaft haben können. Ebenso schreibt heute die..Tägl. Rundschau' in ihrer Morgenausgabe: Der Militärputsch von Kapp und Lüttwitz war et» Ber- breche«.... Es ist nur unsagbar töricht von dem gleichen Blatt, wenn es im selben Atemzug die Abwehr dieses Verbrechens durch den Generalstreik als„Teneralverbrechen" bezeichnet. Ein unzweifelhaftes Verbrechen mit allen Mitteln abzuwehren. ist nicht nur gutes Recht, sondern sogar sittliche Pflicht jedeS anständigen Menschen. Wie kann aber die Erfüllung einer sittlichen Pflicht etwas Tadelnswertes, sogar ein„Teneralverbrechen" sein?! Groß'Serlw AuS der Zweckverbandversammlung. Noch kein Beschluß über die Tariferhöhungen. Die Bollverfammluno deS ZweckoevbandcS Groß-Berltn trat heute zufammcni Sie rollte den Haushaltplan für 1920 feststellen und zugletch über die Erhöhung der Straßenbahn- und Hochbahntarife beschließeit. Von verschiedenen Seiten wurde aber da» Bedenken geäußert, daß man über so wichtige Dingo nickt schon entscheiden könne, nachdem die Borlagen mit groß«: Verspätung in die Hände der BerbandLabgeordneten gelangt seien. Die Versammlung beschloß, die Beratung des Haushalts- planes und der Tariferhöhungen sowie einiger anderer zu ihtm Haushaltplan in Beziehung stehenden Angelegenheiten auf Mitt- woch zu vertagen. Beschlossen wurde'odaun, die Fabrik der Fmperator-Moioren- werke in Wittenau für 0 700 000 Mk. anzukaufen. Sie soll z/n einer neuen Stratzenbahnhauptweek statt eingerichtet werden.— Zeblendorf will Anschluß an das Berliner Straßen. bahn netz. Die Firma Goerz, die dort ausgedehnte Fabtikanlagen tat. erbietet sich, die Baukosten der Liuicuverlängernng zu zahlen. Die BerbandSversamutlung beschloß, auf dieses Angebot«mzu- gehen. Die geplante Linie würde von Berlin(Linlstraße) über Schöneberg. Friedenau. Steglitz, Lichterfelds(Händelplatz) im Zugs de» HindenburgdammeS bis Zehlettdorf(Straße 1) führen._ Genehmigt wurden Bestimmungen über das M i t b e st i m- mungSrecht der Angestellten und Beamten des Zcn- tralverbande« in ihren Angelegenheiten. Sie entsprechen den für Berlin angenommenen Bestimmungen. Aufhebung eineS Nachtklubs. Der Kampf der Abteilung S de? Polizeipräsidiums gegen die Nachtlokale hat dazu geführt, daß sich vornehmlich im Westen Privatwohnungen auftun, um einen Ersatz für die ge- schlossenen Nachtlokale zu bieten. Neben Genußmitteln, die zu un- glaublichen Preisen gereicht werden, fehlt«S nicht an Tanz- gelegenheiten und unzüchtigen Darstellungen nach dem berühmten Muster der Motzsträtze- Der Kriminalpolizei ge- lang eS wiederum, solch ein« Spelunke der.vornehmen" Lebewclt auszuheben. Der Kaufmann Kall hatte feine sechs Zimmer zu Nackttänzen hergegeben. Geraide �tlS die Darbietungen ihren Höhepunkt erreicht halten, griffen die unerkannt ins Lokal gelangten Beamten ein und stellten den Wohnungsinhaber sowie die Veranstalter fest. Die Wohnung wurde geräumt und dem Woh- ungSamt zur Verfügung gestellt. Gefangenenausbruch. Am Sonntag nachmittag überwältigten die Insassen der Strafanstalt Brandenburg b:e Wächter, er- brachen die MontierungSlammer und verließen in Zivilkleidern die Anstalt. Herbeigeeiltes Militär nahm genwinfam mit der Ein- wohnerwehr die Verfolgung auf. Bis zum Abend konnten zirka 70 Sträflinge wieder in Gewahrsam gebracht wenden. Fast ebenso viele sind noch flüchtig. Zsunttio närkonferenz der S. P. D. Mittwoch. 6 Uhr. findet für alle zur S. P. D. gehörenden PaAei. funktionäre. BetriebsvertrauenSleute, Angestellten- und Beamten- Vertreter eine allgemeine Konferenz in den Germaniasälen, Chauffee- strahe 110, statt. In Anbetracht der außergewöhnlichen Situation ist vollzähliges Erscheinen selbstverständlich.— Mitgliedsbuch und Ausweiskarte mitbringe»._ Die Firma Gebrüder Groh schickt uns durch ihren RechtZbei- stand folgende Berichtigung: Unsere Mitteilung in der Morgen- ausgäbe ScS„Vorwärts" vom 17. September 1916;„In der'Filiale der Gebrüder Groh, Lharlottcnburg. K a i scr-Fri ed cich-Stratz e Ecke. Scharrsnstratze, werden nichtrationkrte Lebensmittel nur an solche Käuferinnen abgegeben, die vorher eine Ausrimmungsliste zu der Kundgebung der Ladenbesitzer für Einführung des Freihandels unterschreiben. Mehreren Frauen, die die Unterschrist nicht lei- steten, wurde die Abgabe von Trockenmilch und Eipulver verweigert. WaS tut der Magistrats gegen solch aufreizeichen Uebermut?" war tatsächlich unrichtig." Die Berliner Frevschafton veranstalten am Ostermontag, den 8. April, vmmiltags U1/, Uhr im Blütbner« Saal eme Osterseier, bei der Heinrich Nienkamp, der bekannte verdiente Begründer des Frchvnndes, sprechen wird. Die musikalischen Darbietungen deS BlüihnervrchesterS werden von Htxpt Dr. Felix Maria Gatz geleitet. Grok-Berliner Lebensmittel. Dcmpelbok. 125 Gramm Suvhen f62), 250 Gramm Marmelade 713). Für ÄrregSbcschädigte, die mebr als SO Proz. erwerbsunfähig find 1000 Gramm Gerstenstolken, 500 Gramm NeiS, 500 Giamm Sago. Für Personen von 60—70 Jahren und darüber: 250 Gramm Hafer, oder- Gersten flocken. 250 Gramm Sago, 1 Paket Keks bezw. 1 Paket Zwieback. Anmeldung für 250 Gramm Zerealmebl(58), 300 Gramm PtaiSgrtetz(55). Reinickendorf. Auf die Märwbschnitte der Kinderkarten A;'/, Pfd. Gerstenmehl und 8 Pakete Keks: B und 0; Pfd. Gerstenmebl und zwei Pakete Zwieback, 1 Pfd. Backpflaumen(2t), 1 Pfd. Ackilbohne»(22), Pfd. Haferflocken(282), 1 Pfd. Hüls-nsrüchte(283). 5 Pfd. Suppen. Würfel(234). � Johannisthal. 125 Gramm Teigware»(5S5), 250 Gramm Rheinische Suppen(506), 500 Gramm Suppenmehl(9). Für alte Leute: 1 Beutel Feldzwicback(4). lAir KorgSbeschädigte: 2 Beutel Feldzwieback und 2 Pfd. Gerstengrütze(4)� 7 Sllöungsveranstaltungen. BildungsauSschvst Groß« Berlin. Der Rcdnrrknrsns für Fortgeschrittene, Vortragender: Genoste Dr. Lohr.iann im Königftädlischen Syumafiu". Slisgbechftr. 57/58, wird morgen. Abend j ortgesetzt.-r V •—-m-- Oietschast• Berliner Abschlüsse. Gnpav Genschow n. Co., A.-G. in Berlin, Waffen, und Mu« mtionsfabrik. Das abgelaufene Geschäftsjahr erbrachte einen Rein« gewinn von 603 929 M., Dividende lö Proz. auf die Stammaktien. Die großen vorliegenden Aufträge konnten infolge von Kohlen- und ' Rohstoffmangel sowie Einschränkung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 4-ü Stunden nicht vollständig ausgeführt werden. Trotz der Ungewißheit, welchen Umfang die ans dem Friedensvertrag sich für den Betrieb ergebenden Einschränkungen haben werden, sieht die Verwaltung mit Vertrauen in die Zukunft. C.«. G. Müller Speisefettfadril, A.-G. in Neukölln. Sofort zahlbare Dividende 15 Proz. Erhöhung des Grundkapitals durch Ausgabe von 700 000 M. neuen Stammaktien. Kaiser-Keller A.°G. in Berlin. Dividcndenvorschlag 10 Proz. Gewinn 700 033 M. Erhöhung des jetzt 3 300000 M. betragenden Aktienkapitals auf 5 000 000 M. Hirsch, Kupfer- und Mcsjingwerke A.-G. in Berlin. Dividenden. Vorschlag 1019 12 Proz. Der Reingewinn beträgt 4 785 430 M. (im Lorj. S 700 027 M.). Hermann Mcyer u. Co., Berlin. Das Geschäftsjahr 1010 stand im Zeichen des Rohstoffmangels. Das Reichsbranntwein-Monopol- amt ist seit dem 1. Oktober 1010 geschaffen, aber öS liefert nicht. Der deutsche W e in geht vom besetzten Gebiet inL Ausland, in Deutschland ist er, selbst zn unerschwinglichem Preise, kaum zu erstehen. Einführung von Kolonialwaren in großem Maß- stabe verbietet sich durch den Tiefst ai, d der Valuta. Für die Herauswirtichaftung der Unkostenerhöhung bleibt auch uns nur daS Mstel: Abwälzung aufs Publikum. Einstweilen gewährleistet der Konsum auch bei h o h e n Preisen j e d e n Ab- s ajtz. Aber die Möglichkeit, daß die Kaufkraft des breiten Publikums für Genutzmitiel bei weiteren Preiserhöhungen nachläßt, wird nicht aus dem Auge gelassen werden dürfen. Die Belieferung der zirka 500 Äleinverkaussstätten unserer Tochtergesellschaften erfordert große Mittel. Der Umsatz in dem Hauptbetriebe betrug 10 824 300.94 Mark(im Vorjahre 11200 303,53 M.) Der Nettogewinn 785 059 M. Dividende 20 Proz. 400 000 M..' Berliner Hochbahngcsellschaft wird 5'/, Proz. Dividende auf die Stammaktien und 5 Proz. auf die Vorzugsaktien auszahlen. Die vertragsmäßige Abgabe an die Stadtgemeinde beträgt 943 400 M. A. E. G.-Schnellbahn Aktiengesellschaft. Die Gesellschaft wurde 1014 mit 44'/., Millionen Kapital errichtet, um eine elektrische Hoch- und Untergrundbahn vom Gesundbrunnen über Rosenthaler Tor. Zentralmartthalle, Oranienplatz nach dem Hermannplatz zu bauen. Die wirtschaftlichen'Verhältnisse haben sich von Grund aus so geändert, daß die Gesellschaft angesichts der schon eingetretenen und unabsehbaren weiteren Steigerungen der Baukosten und Betriebskosten, der sich ergebenden Uninöolichkeit der Renta- bilität und der dadurch enistehenden Undurchführbarkeit der Finan- zierung es als unmöglich erklären mußte, den mit der Stadt Berlin im Jahre 1012 abgeschlossenen Vertrag zu erfüllen. Ver- Handlungen darüber, die der Stadl und dem Verband Groß-Berlin vorgeschlagen wurden, sind jedoch von dieier Seite abgelehnt worden, vielmehr wurde gegen die Gesellschaft Klage angestrengt, den Vertrag zu erfüllen. Die gerichtliche Entscheidung ist znnächst abzuwarten; die normalen Bauarbeiten müsien zufolge einer vom Verband Eroß-Berlin und der Stadt erwirkten einstweiligen Ber- sügung, über die daS Berufungsverfahren vor dem Kammergericht schwebr, noch weitergeführt Werder», wie die Belieferung mit Bau- Materialien es gestattet._ OewerMostsbswegung Zur Bezahlung der Geueralstreiktage. Die Nordostdeutsche Arbeitsgemeinschaft für die Textilindustrie hat ernstftnmia beschlossen, alle ihr« Mitglieder anzuweisen, sechs Tage deS G e n e ra l str e i t s mit dem tarifmäßigen LohneplusTeuerungszulagezubezahlen. Die Ar- beitgeber i-n der Textilindustrie stechen hier einmal angenehm ab gegen die Scharfmacher in der Metallindustrie und andere. Die Nord- ostdeutsche Arbeitsgemeinschaft für die Textilindustrie umfaßt die größeren Betriebe von Berlin, die Probinz Brandenburg mit Aus- nähme der Orte, die zur Niederlausitzer Tuchindustrie gehören, so- wie Mecklenburg und Pommern. Genossenschaftliche Nrbeiterprobleme in England. Wir lesen in der„Konsumgenossenschaftlichen Rundschau": Eine Erscheinung, die sich gegenwärtig im englischen Kor- sumgenossenschaftsleben zeigt, verdient deshalb be'ondere Beach- tu-ng, weil imr in der deutschen Konst.imgenossenschaftsbeweoung vor gleichen Fragen stehen, aus gleichen Ursachen bervorgcwachsen. ES ist nämlich festzustellen, daß die Angestellten der Konsum. vereine in ihren Lohnforderung sn mit zweierlei Maß messen, wenn es sich einmal um die Konsumvereine, das andere Mal um Sie beweisen, daß die Geioerkschaften in den meisten Fällen von den kapitalistischeu Geschäften weniger sordsru als sie von»ich selbst verlangen. Diese Festitellung mag paradox scheinen, aber die Tat fachen sind zu gewich:ig für irgend- eine andere Erklärung. Es scheint so, als nähmen sie nach alledem setzr zarte Rücksicht auf die Aktionäre und Inhaber der Betriebe, die errichtet und untevhalten wenden für den privaten Profit, Unterschiedliche Forderungen wie diese stellen eine höchst ungerechte Waffe zur Borfügung eines Systems, das die Gewerkschasteu doch grötztontcils abzuffhaffen wünschen, der auf billiger Arbeit beruhen- den Konlurrenz..Man muß sich wundern, daß dergleichen ge. schelhen kann. Warum verlangen Gewcrksckaften, daß ein Manu. dar ein»n Laden, gleichviel wie groß, für eine Genossenschaft leitet, mit 5 Pfund wöchentlich entlohn« werden soll, während vier Pfund der Betrag ist, der(ebenfalls von Gewerkschaftlern) von der Combine Grocery ans ProvisionS Ltd.(eine kapitalistische Klein- Handelsriesenfirma.(D. Red.) gefordert wird? Das ist etwas, was der gewöhnliche Mensch nicht verstehen kann. Aber es ist der gegenwärtige Zustand. Die Genossenschaften müssen ihrer Bc «mtenschaft die höchstmöglichen Löhne zahlen— hier decken sich durchaus die Interessen von Armestellten uns Mitgliedern—, aber Voraussetzung ist, daß sie das Recht haben, zu verlangen, daß die Löhne, die sie slbst für die Leitung ihres eigenen Geschäfts zählen, ebenso von den Unternehmungen gosordert werden, wo der private Profit der Hauptbsweggrund ist und wo das Wohl der Verbraucher nicht weiter berücksichtigt wird als in jenem Mindcftmaß, daS innegehalten werden mutz, um der Gefahr, die Kundschaft zu variieren, zu begegnen. Und die Genossenschaften sind dauernd der Konkurrenz minderibezabller Arbeit ausgesetzt. Diese Tarlegungsn macht der Sekretär des Arsenalkonsumver» eins in Woosirnch. Er kommt zu dam Schlüsse, der auch für deursche VerhAtnisse Gültigkeit hat: Es hat keinen Zweck, bei solchen Dingen zu vertuscheu. Wollen die Ärbeiler ihre Oryani- stttwnen rasch wachsen sehen, dann müssen sie sie auch mit der Fov- derung schützen, dach sie nicht der Konkurrenz von„Lolmdrüiler". Läden ausgesetzt s«m dürsim. DaS scheint mir eine sehr beschei- den« Forderung.__ Austerordentliche lvZItglicderversammlnng des Gewerkichafts- bundeo der Kommunaldeaniten und Niigefiellten Prcustens. DienS- tag, nachmittag 3's, Uhr in der Halle des Aerimer Stadthauses, Eingang Klosterstraße. Vertrauensmänner- Bcrsommlung deS Bundes der technische» Angefiellten»nd Beamten. Mittwoch, den 31. März, abend? 7 Uhr im »Nordischen Hos', Jnoalidenstr. 126. Parteinachrichten. Gute Fortschritte in Kassel. Aus dem Bezirlsparteitag in Kassel wurde mitgeteilt, daß die Zahl eingeschriebener Mitglieder von Oktober bis heute von 17 000 auf 24 000 gestiegen ist. Berantw. für den redaltton. Teil:«rtnr gickler,(th.rlnttcndurq: für Amcmen: Zh. Stocke, Berlin. Verlag: Borwärto-Bcrla«0 (Herntannplag). dipl.>33 SO. lniipodrotp 99 7- vis-a-vis der Marlithalle— fiilUl Cfljüü. üü, zahlt die huchs.cn'fa. esprelsc iür Knpfer, Messing, Blei, Zink usw. Hil'lM Baadtisi, nah» Bahnhof, Quadratrute 23 Mark, 133 Mark Anzahlung. Sülsen, Steglitz, Bwnvillestrasle 11, ssernsprecher Steglitz 2894, Anzüge und Paletots ver» kaust zu lehr billigen Prei» seu Zentral-Leibhaus. Jäger. strofi« 71._ 1857®! Btslete«uzüge spottbillig. in eigener Werkstatt gear- b-it-t. Nutz. Wilh-lmstr-sj- -iewstal.«ochsttafienecke._* «artinea,«itnstlergarni- fcut, Stores, Bettdecken, Me« terware preiswert. Lands- beraerstratze 13. 152N charbinea aller Art.«iinst- iergardinen iu reichhaltiger Auswahl, sowie Stores, Bett- decken, Steppdecken, Gar. d'.nenstosfe sehr preiswert. Magazinftrahe 1, nahe San- nnmidbrücke. Aleranderplatz. RStzmaschiaea zn verkaufen �ahn.PrenzlauerstraheM.__ Beleuchtung,- Fabrik ver- lauft direkt an Private, für vas und elektrische«ronen, tum üabrikvreise. 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