Ur.l 7.87.Ia�s. 1/ Morgen-Ansgabe. f 20 Pfennig� Bezugspreis: 55!deIiä!)tL21.— 2)!l.monalLT,— 151 frei tut Haus, voraus zahlbar. Post- oezug! MlUlawch 630 Ml. ettL Zu» stelwngsgebiihr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Unzaen 102 URL. für da» übrig- Ausland 1 4 SO M. bei tag lich einmal. Zustellnng 12 so Ml. Past-eitellungeu nehllien an Danemard Holland, ünxemburg, Schweben und Sie Schweiz. Ein» getragen in die Post- Zeitung»» Preislifte. 'er.Borroörts" mit der Sonntags» beüage.Boll u-geit� erscheint Wochen» ägltch zweimal. Sonntags einmal. I elegramm-Adresset .Soziolvemokral Vena»-. Rerlinev Volksblstt AuzeigenpreiS: Dte ochtgejpaltene RonvareiNezeil« koste! 2.50 M.. Teuerungszuschlag 50°/» »Alsiu« Anzeigen-, da»»it- gedruckt« Wort 75 Psg. szulasstg zwet settgedruckre Worte), jede» wettere Wort 50 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen da» erst« Wort 65 Psg» jedes weitere Wort 4V Psg. Worte Uber 15 Bttchstadett zählen für twii Worte. Teuerungszuschlag 50°/» Zamtlien- Anzeigen, politische und gewertschastliche Vereins»Anteigen Z,— Ml. die Zeile ohne Ausschlag. Anzeigen für die nächste Nummer muffen bis 5 Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft. Berlin EW S8. Linden- stratz, 3, abgegeben werden. Deösfne: van 3 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfcblands Redaktion und Expedition: SN). 68, Lindenstr. 2. ihernsprecher: Amt Moritzplck«. Str. ISISv— Mittwoch, de» i März»»20 vorwärts-vcrlag G.m.b. k.. Sw. es. ltinüenstr.?.. Fernsprecher: Amt Morivplat», Ar. I l? 5Z— 51. Kein Einmarsch in das Ruhrgebiet! kein Generalstreik in Serlin! Das„ �-Uhr-Aöcntdblott' der..Natiofiralzeitimg'' hatte gestern die Gewissenlosigkeit, die Welt durch die Nachricht zu alarmieren, die• Gewerkschaften hätten der Regierung mit eurem Generalstreik für Berlin gedroht, falls die Dinge im Ruhrrevier nicht nach ihren Wmrschen geordnet würden. Tic sensationelle durchaus unwahre Nachricht ist durch eine nicht scharf genug zu verurteilende Indiskretion in die Oes»- fentlichkeit geschleudert worden. Die Genossen Legten und Osterroth übermitteln uns zu diesem unerhörten Vorfall die folgende Erklärung: Das.L-Nhr-Abe«dl>latt" veröffentlicht in sensationeller Ans. machnng die Mitteilung von einem Ultimatum der Gemerk- s ch asten an die Reichsregierung. Darin soll dir Reichsregieriing ersucht werde«: 1. eine bindende Zustimmung zn dem Lieleselder Abkommen z» geben., 2. die über diese? Abkommen hinauSgehenben Befehle und Maßnahmen aufzuheben, 3. de« General Watter abzuberufen und eine tSstündige Frist für die Ausführung de? Bielefelder Abkommen« zuzugestehen. Das Ultimatum soll von einer Delegation, angeblich bestehend auS L e g i e«, Crifptcu, Lrvi, O st e r r o t h und Eckar�er Reich«- regiernng überreicht worden fein. Falls die Regierung, auf dieses Ultimatum nicht eingehen oder eine dieser Forderungen ablehnen sollte, soll der sofortige General st reik für Berlin Pro- klamiert werde». Hierzu erklären wir, daß die Forderungen, wie angegeben, de« Beschlüssen der Konferenz der Gewerkschaftsvertreter entsprcchen, von einem Ultimatum aber nicht im entferntesten die Rede war. Bon dem G e n e r a l st r c i k, der als Antwort auf die Ablehnung auch nur einer dieser Forderungen sofort für Berlin erklärt»verde« sollte, ist in der Sitzung von keiner Seite, auch nicht einmal ondcvtungSweise, gesprochen worden. Es bandelt sich hier also um eine gewissenlose Irre- führung der vhnrhin erregten Arbeiterschaft Deutschlands, die nur den Zweck versolgt, eine schwere Schädigung unsere« öffentlichen und Wirtschaftslebens herbeizuführen. Legieu. Östcrroth. Tie Genossen Legien und Osterroth überschätzen die Ten- benzen des..S-UHr-Wendblattes". Dem kommt es nur dar- auf an, mit einer fetten Sensation die Groschenfalle zu schmieren, was daraus entsteht, ist ihm ganz gleichgültig. Diese Art von Presse ist schlimmer als irgendeine andere, die für bestimmte Grundsätze, seien es auch noch so verkehrte, kämpft, sich aber nicht ihre Ueberzeugnng ausschließlich von Geschäftsinteressen diktieren läßt. Anders als mit jfem„L-Uhr-Abendblatt" stelsi es mit der Wenn man also auch, wie wir es tun, gegen den will- tärischen Einmarsch im allgemeinen und im besonderen unter der gegenwärtigen Führung ist, so soll man die Sache doch auch nicht so darstellen, als ob nur Menschen, die„nach Ar- beiterbliit lechzen", auf den Gedanken einer bewaffneten In- tcrvention hätten kommen können. Dieser Gedanke ist der Regierung von der A r b c i t e r b e v ö l k c r u n g der bedrängten Gebiete selbst nahegelegt worden, diese Arbeiterbe- völkerung empfindet bekanntlich den Banditsnterror so schwer. daß sie, ohne Unterschied der Richtung, selber Neigung zeigt, ihm mit betvafsneter Kand ein Ende zu bereiten. In Tort- mund ist gestern ein Eisenbahn- und Poststrcik ansgebrockfen, der sich nicht gegen die militärische Intervention, sondern gegen ihr entgegengesetztes Extrem, gegen den„roten" Ter- ror richtet. In Tortmund ist unser Parteiblatt von einem „Vollzugsrat" verboten worden, man hat das Papier lveg- geschleppt und die Setzer gewaltsam aus dem Betrieb geholt. damit sa nichts gedruckt werden kann. Und unser Essener Parteiblott vom 25. März siebt so aus: An die ,.Aich?.ils> Zeit habe» wird, von sich ans geordnete Zustände he rz u st el l e n,. so daß die etwa notwendig werdende Anwendung von Gewalt nnr auf Aufrührcr und Verbrecher beschräntt sein würde. { Die RrichSregieruiig. gez. Müller. Die dem Stoatsminister des Innern, Genossen Severins, erteilte außerordnentliche Bollmacht geht dahin: t. zu prüfen und gu entscheiden, ob Personen, die in Schutzhaft oder sonst in eine nicht gerichtlich bestätigte Haft genommen sind, fe st zuhalten ober vorbehaltlich de ö g e- richtlichen Verfahrens zu entlassen sind; 2. die Namen bersemgen Personen zu bezeichnen, deren E-nl■ l a s s u n g ober sonstige d i fz i p i i n a r i sch c Verfolgung er empfiehlt, weil sie an der von Kapp und Freihcrrn v. L n t t>o i l- eltrigeleiteten hochverräterischen Beiuegung als Führer, Verführe> oder ütushetzer aktiv sich beteiligt haben. Er ist ermächtigt, Unterbevollmächtigte für einzelne Städte ober Bezirke zu ernennen, die den militärischen Stellen als politische Berater zur Seite stehen. Sämtliche Besslkden werden 1 ersucht und alle Organisationen, Verbände und andere Stellen wcr- ' den aufgefordert, dem Reickiskommissar und seinen lluterbcvell- mächtigten jede nötige Unterstützung zu gewähren. Genosse Severins ist mit dieser Vollmacht gestern abend nach Münster abgereist._ Leider sind auch noch schlimmere Tinge passiert. Daß eine wild entstandene Armee auseinander lausen muß, wenn sie sich nicht verpflegen kann, daß sie daher genötigt ist, Lc- benSmittel zu nehmen, wo sie sie findet, liegt im Wesen der Sache. Tazu kommt die geivaltsame Abschneidnng des Ge- bieis vom Ausland und übrigen Inland, die in kürzester Frist die furchtbarste.Hungersnot zur Folge haben kann. deutschnationalen Presse, die allerdings bestimmte politische ......"*' Ii'■' MH Absichten verfolgt, und wer sie in der letzten Zeit mit einiger Aufmerksamkeit gelesen hat, der weiß, mit welcher Geschicklich- keit sie den Bolschewistenschreck in Szene zu setzen versteht. Ihr kann gar nichts lieber passieren, als wenn alles drüber und drunter geht und wenn sich die Arbeiterschaft in befinnilug?- losen Erregungsstreiks bis aufs äußerste abkämpft. Wer beute mit bewaffneter Hand gegen Truppen vorgeht, tut es für Kapp, wer mit„rotem" Schrecken ganze Bevölkernn- gen ängstigt, und nach Kappschem Muster von der Reichsbank Millionen erpreßt, tut es f ü r K a p p, und wer alle fünf Mi- nuten generalstreikt, der tut es wiederum f ü r K a p p. Links- und Rechtsputscherei arbeiten einander in die Hände. Im Ruhrrevier ist der militärische Vormarsch eingestellt. Genosse Severins ist mit außerordentlichen Voll- machten noch Münster gefahren, um zu verhandeln, die So- zialdemokratische Partei leistet ihr äußerstes, um die verfah- renen Dinge im Ruhrrevier wieder in Ordnung zu bringen. Wer da mit neuen Generolstreikparolen hineinfährt, treibt den allerfchlimmsten Unfug, und die Gewerkschaften sind, wie aus der abgedruckten Erklärung hsrvorgel?t, weit davon ent- kernt, sich an diesem Spiel zu beteiligen. Der„Vorwärts" bat. wie jedermann weiß, jede» mrli- tärische Vorgehen im Ruhrrevier bekämpft, und er tut es heute noch. Er ist auch der Meinung, daß dem Wunsch nach der Abberufung Watters Rechnung getragen werden sollte. denn man kann nicht Truppen unter einem Führer vorgehen lassen, gegen den die Bevölkerung der betroffenen Gebiete mit Recht oder Unrecht das stärkste Mißtrauen hegt. Das ist so klar, daß General Watter esselber einsehen müßte, wenn er der Mann ist, als den man ihn der Oeffentlichkeit vorstellt. Zu Erregung und Mißtrauen liegt leider Grund genug vor. und es ist nötig, der Stimmung der Bevölkerung Rechnung zu tragen, wenn man das schlimmste Unheil ver- hüten will. Es ist also notwendig, daß im Ruhrrevier wieder Ord nung geschaffen wird, und ztvar rasch. Gelingt eS der sozial' demokratischen Arbeiterschaft nicht, aus eigener Kraft diese Ordnung herbeizuführen, so stärkt sie damit zwar nicht den „Räwgedanken", wohl aber den Militarismus, den sie doch bekämpfen will. Ter Militarismus wird am sichersten aufs Trockene gesetzt, wenn man ihn jede Gelegenheit nimmt, sich noch einmal als Retter des Vaterlandes aufzuspielen. Die Arbeiterschaft Berlins und des größten Teiles des Reichs Hot das mit sicherem Instinkt begriffen und ihr Verhalten danach eingerichtet. Es ist notwendig, daß der in seiner politischen Erkenntnis noch rückständige Teil der Arbeiterschaft diesem Vorbild so rasch wie möglich folgt. Der Stanöpunkt öer Regierung. In» Anschluß an die Besprechung, die am Dienstag nach- mittag mit den Vertretern der gewerkschaftlichen Organisationen und denen der sozialdemokratischen Parteien mit der Reicftsrecrierung stattgefunden Hat, Hat die Reichs regierung auf die dort vorgetragenen Wünsche mit folgendem SchreilmK er- widert: Die Rcichsrrgierung sirtzt mich wie vor in d.'in Biclcfelder Abkommen eine geeignete Grundlag« für die Rege- lung der Zustände im Ruhrgebict und kür die Wiederherstellung verfassungsmäßiger Zustünde. Sie bat auch ihrerseits sich an daS Bielefelder Abkommen gebunden und hat die Truppe» bisher nicht in das Rnhrgebiet einmarschieren lasse». Dagegen ist von der andere» Seite, obwohl inzwischen 7 Tage verflossen sind, nicht da« g e- ringstr geschehen, um die ans dem Brrlesclder Abkommen sich er- gebenden Brrpslichtungen zu erfüllen. Im Gegenteil: Wesel ist unausgesetzt angegriffen morden, Plünderungen haben an zahlreichen Orte» stottgefunde», verbrecherische Ein- griffe in Bankdepots und in die Bestände d-r ReichSbank habe« sich ereignet, Levensmittel, Bieh»sw. sind gewaltsam weggenommen worden. Hilferufe auS Stadt und Land treffen ununterbrochen bei der Rrjchsregicrung ein. Pflicht der Regierung ist es, die von jedem Einsichtig:« an- erkikant werden muß, dieser Rot ein Ende zu mache« und wieder für alle Bewohner deS RnhrgebietS geordnete Zustände herzustellen. Dies soll auf der Grundlage des Bielefelder Abkom- m:nS geschehen, bei dessen Abschluß die Absetzung deS General? Witter»'cht nur nicht verlangt, sondern sogar abgelehnt wurde. Im übrige« wird die Durchführung der notwendigen Maß» «uchmen, wie bereit» vpm Reichskanzler in der heutig«» Einstellung öes Vormarsches im Ruhrgebiet. Ans Tortmund erfahren die P. P. N.: General Wattcr hat den Befehl bekommen, den Vormarsch einzustellen. Heute wird der Zivilkommissar Scvcring in.Hagen er- wartet. Paris, 29. März. In ihrer M i l le r a>l d überinittelten Note soll die Washingtoner Regierung gegen die Besetzu»,. des R u h r b e ck e n s durch deutsche Truppen keine Einwendung erheben, dagegen von einer Besetzung durch alliierte Truppen Un- zuträglichkeiten befürchten._ Erzwungener Generalstreik in Dortmunö. Dortmund, 30. März. lEigcnrr Drahtbericht des„Vor wärtS".) Gemäß der von Elberfeld ausgegebenen Parole ist der Generalstreik in Dortmund proklamiert worden. Unter dem Druck der bewaffnete» Kommunisten der äußersten Linken müssen sich die Arbeiter, ob sie wollen oder nicht, der Parote fügen, doch wird vielfach heftiger Widerstand rutgegengrsetzl. AIS Gegenmaßnahme«ud als Protest gegen den Terror der Koni» wamsten sind die Eisenbahner und Postbeamte» um K Uhr abruds in den Generalstreik eingetreten. Unser Dortmnudrr Partei- b l a t t ist verboten;»m einen Druck auf jeden Fall zu vcr- hindern, ist ihm sämtliches Papier weggrnommr» worden. DaS Druckereipersonal wurde unter B c d r o h u« g mil Waffengewalt a»S der Druckerei entfernt. Dortmund, 30. März. Auf den großen Werke» arbeitet trotz deS Generalstreik ein erheblicher Teil der Belegschaften. Ans den mittleren Werken ist fast die gesamte Arbeiterschaft in Tätig keit. Auch die mrhrhcitSsozialistische« Arbeiter sind der ewigen Vc- unruhigung müde. Ans den Straßen sieht inan zwar eine erheblitfie Menge bewaffneter Mannschaften, doch bei weitem nicht so viel wir nach dem Kapp-Putsch. Bochum, 30. März. Der Arbeiterrat hat den Generalstreik proklamiert. ES wird die sofortige Zurückziehung der Truppen und die Absetzung de« General» v. Watter gefordert. Die Straßen bahne» Hoden auf allen Linie» ihren Betrieb eingestellt. DSfselborf, 30. März. An 200 Kommunist rq haben heutt vormittag da« StändehauS, da« bisherige Quartier de« Vollzug« rate«, besetzt und den BollzugSrat für abgefetzt erklärt. Remscheid, 30. März. Durch einen spartakistischcn Hand- streich wurde gestern nachmittag ine hiesige Kriminalabteilung der städtischen Polizei außer Tätigkeit gesetzt. Ter BollzngSauSschuß hatte vorher die Beamten ausdrücklich wieder in ihre Rechte rj«- gesetzt. Die Toten von tzalle. Magdeburg, 30. März. Laut.Magdeburgischer Zeitung" forderten die Kämpie in Halle ü. S. unter der Zivilvtliollciung 270 Tote, hauptsächlich auswärtige Arbeiter, zum Teil Russen. Tie Vrswjlc der Trupp« betrag« VI Tote und 86 verwundete. üer�revolutionären�Hetrkebsräte Aufforderung zur Sabotage. In der Bötzowbrauerei tagten gestern wieder die revolutio- nären Betriebsräte. Nach einem Bericht von Weg mann, der in die Aufforderung zum Generalstreik zugunsten der bewaffiietcn Arbeiter im Ruhrrevier ausklang, wurde eine Re- solution der Funktionäre der Holzindustrie verlesen, in wel- azer diese erklären, datz sie bereit sind, in den(sleneralstreik zu iretew Auch die VerkehrSange st ellten gaben die Er- klärung ab, daß sie sich dcni Beschluß des Transportarbeiterver- bandes fügen und wenn nötig sofort in den Generalstreik eintreten. In der Diskussion gaben die Vertreter der einzelnen Berufs- zweige Erklärungen ab. Ein Vertreter des Verkehrsgcwerdcs er- klärte, daß in einer Sitzung am Freitag der Reichsausschuß d e r B e a m l e n beschlossen habe, einer Streikparole, die nicht von der versasiungsmäßigen Regierung ausgegeben sei, nicht zu folgen» Ein Vertreter des Anbaltrr Bahnhofes erklärte, datz die Eisenbahn- arbeiter dem Generalstreik unbedingt folgen würden. Der Streik müsse eventuell bis zur Sabotage durchgeführt werden. Ein Ver- ireter der E l e k t r o i n d u st r i e gab die Erklärung ab, daß man sich dem Generalstreik anschließen werde. Dieselbe Erklärung gaben ein Vertreter der Metallindustrie und ein Vertreter der H o ch b a h n e r ab. Die Straßenbahner ließen erklä- ren, datz sie sich dem Generalstreik unbedingt anschließen würden, und wenn nvtig, zur Sabotage schreiten würden. Für diese Verrücktheiten wird kein vernünftiger Arbeiter zu haben sein. Sabotage bedeutet Zerstörung von Produt- lions Möglichkeiten. Dadurch wurden sich die Arbeiter selbst in empfindlichster Weise auf die Hände schlage». die Räuberbanöe im vogtlanü. Falkcnstein> Vogtland), 30. März. Ter Rote Vollzugs- ausschnß erlätzt in dem unter Vorzensur stehenden„Falken- nciner Anzeiger" einen Aufruf an die besitzende Klasse, in dent beim eventuellen Einmarsch von Truppen mit der Pro- flamicrt�m des Generalstreiks und der Stillegung � aller Betriebe, auch der lebensunchdigsten, gedroht wird. Sollte diese Maßnahme nicht genügen, um ddn Einmarsch der Truppen zu vevhindern, so iviirde nicht davor zurückgeschreckt werden, die Maschinen in den Betriebe n zu zerstören und die'Häuser der besitzenden Klasse sowie �ic Gebäude der Behörden in Brand zu setzen oder in die«Luft zu sprengen.$11 diesem Zweck seien ein Brandkomitee und ein Rachekonntee gebildet, um beim Herannahen der Truppen sofort in Tätigkeit zu treten und imter der besitzenden Klasse auf- zuräumen. Iii Falkenstetn residiert der berüchtigte Kommureist H ö l z, der seit November 1013 das ganze mittlere Vogtland durch Raubzüge unsicher gemacht und letzthin in Plauen mit sein«; Bande eine Druckerei restlos demoliert und große Summen Geldes erpreßt hat. Chrharöt in Döberitz. h?r verlangt Nachschub aus Wilhelmshaven. Wie durch WTB gemeldet wird, hat der beabsichtigte A b- t r anspart der Marinebrigade Ehrhardt nach dem Lock- stedter Lager dadurch eine BerzSgernn'g erfahren, dasi die Beamten und Arbeiter der Eisenbahndircktion Altona die Weiterführung der�Eiscnbahiitrausporte in ihrem Direktionsbezirk verweigert haben. Rur der erste Transport ist im Lockstedtrr Lager angekom- wen. Tie übrigen muhten in das Töbcriher Lager zurückge-� leitet werden. Wir nehmen diese Nachricht nur mit äußerstem Miß- trauen entgegen. Handelt es sich hier nicht am Ende wieder um einen jener Vorwände, mit denen die Militärs die Anordnungen der Regierung durchkreuzen? Ilnd vor allem: Was geschieht, um Ehrhardt zu entwaffnen, was ja auch in Döberitz geschehen kann? Vorläufig denkt Ehr- Hardt nämlich durchaus nicht ans Abrüsten, sondern ans Auf- r ü st e n. Die?Narinebr.i: Gcgenrcvo- lution) schaffen. In bürgerlichen Blättern wird die von uns gemeldete tat- sächlich erfolgte Stellung von Panzerwagen an Ehrhardt— sie ist inzwischen wieder rückgängig gemacht wor- den— damit begründet, dtß Kapitän Ehrhardt seinen neuen Vor- gesetzten in die Hand versprochen habe, nur noch„gegen den Bolschewismus" zu kämpfen. Was von diesem Versprechen zu halten ist, sieht man an seinen Drohungen gegen Wil- helmshaven, wo von Bolschewismus keine Rede ist. Wir finden es mehr als naiv, wenn man sich auf Handversprcchen emes Meineidigen einläßt. Dieser Hochverräter hat weder Ehrenwort noch Handschlag., Kappiftisches Werbebureau. DaS Freikorps Hülsen hat in Potsdam in der Nauener Straße 43 ein Weibebureau eingerichtet, daS wochentags von 9 bis 4 und Sonnabends von 9 bis 3 Uhr geöffnet ist. Dort ist folgendes Plakat ausgehängt: „Noch ist es Zeit, vielleicht in Kürze ist eS zu spät. Verblendeter Wahnsinn nimmt uns auch noch da» Letzte, die Hoffnung. Wollt Ihr den Bolschewismus, dann bleibt binterrn Ofen sitzen, wollt Jbr Ordnung. Ruhe und inneren Frieden, dann kommt zu nnö. Helft dem Vaterlands?), die Regierung braucht jeden Mann." Abzeichen: Goldenes Eichenlaub am Kragen. Freiwillige vor! Das Freikorps Hülsen gehört zu den r e a k t i o n ä r st e n und unzuverlässigsten Truppenteilen. Ihm muß jede Werbe- tätigkeit unbedingt untersagt werden, auch wenn sie unter der Marke der Dolschewistenbekämpfnng getrieben wird. Denn dieses Freikorps darf nicht nur keine Vermehrung erfahren, sondern eS muß als Ganzes aufgelöst werden. Erwerbslosenfürsorge an �uslänöer. An zuständiger Stelle erfahren die P. P. N.: Nach dem am l. April d. I. in Kraft tretenden Z 7 der Reichsverordnung über die Erwerbslosenfürsorge wird die Erwerbslosenfürsorge A u S« l ä n d e r n nur gewährt, wenn ihr Heimaistaat deutschen Erwerbs- losen nachweislich eine gleichwertige Fürsorge gewährt. Wie der preußische Minister für Volkswohlfahrt bekannt gibt, trifft diese Voraussetzung bisher für D e u t s ch- O e st e r r e i ch, die Schweiz und die T s ch e ch o- S l o w a k e i zu. Den Ange- hörigen dieser Staaten kann also über den 1. April 1920 hinaus in Deutschland dieselbe Erwerbslosenjürsorge gewährt werden wie den Inländern. �_ /lusöehnung üer Krankenversicherung. Im Neichsrat angenommen wurde der Entwurf einer Ver- ordniing über Heranssetzung des Grundlohns und Ausdehnung der Aersicheningspflilbt in der Krankenversicherung. Der Grundlohn soll sich künstig in den Grenzen von 15,— bis 20,— M. bewegen und die Versicherungspflicht soll auf Einkommen bis zu 12 000,— M. erweitert werden. Als Termin des Inkrafttretens ist der 20. April d. Js. festgesetzt.— Aiigciiominen wurde serner eine Verordnung über Erhöbnng des ZuckeipreiieS für den Zentner von 101,00 M. auf 135,— M.— Die Steuer für jede Flasche Sckaumweiu, der aus Weintrauben hergestellt wird, soll 12,— M. betragen. Schaumwein aus Fruchtweinen soll nur mit 3,— M. besteuert werden. Der Hlinöe. Der Blinde sagte: Wenn ine guten Leute, die uns. daß wir es hören, laut und wie herausfordernd bemitleiden, wüßten, daß sie cyorade das Gegenteil darni t bei uns erreichen von dem,»xis sie wollen, sie würden das unierlnssen. Was uns aufrichtet, ist nicht das Mitleid der anderen,. sondern allein das Bewußtsein: daß wir uns iurscre Welt, die doch für uns ganz zusammengebrochen war, als wir uirser Augenlicht Verlanen, neu aufbauen können und daß wir wieder Volllvertige Glieder der rwnschlichen Gemeinschaft wer- deu können, lind— hier sprach ein schöner Stolz ans seinen Worten— ich bin es geworden? Er erzäMe von seinem körperlichen und seelischen Zusainmen- bruch damals, als er in französische Gestuigenschafr geriet(da hatte er noch ein sshendeö Aug«, äber auch das hat nian ihm genommen; davon mußte er in bitteren Worten uns berichten). Ganz trostlos chion ihm die Welt, und in Frankreich hat man nichts getan, um ihm und seinesgleichen che Zukunft erträglicher airseh an zu lassen. AIS er aber dann als Ausiarrschgefangener schweizerischen Boden betrat und zum ersten Mate eine Uhr in die Hand gedrückt bekam, von der er die Zeit, wenn auch zunächst mit.Mühe ablesen konnte, da sprangen neue Lebensgeister in ihm hoch.— Die weiteren Tage dann brachten fleißige Schulübungen; er«bhielt seine Ausbildung in der Blindenanstalt, von der er mit überaus großer Anerkennung sprach, und machte rasch Fortschritte. In kürzerer Zeit als einem Fahr war er wieder ein sclbstäiidiiger Mensch. Jetzt steht er im Verwaltungsdienst bei einer staatlichen Behörde und arbeitet da wie ein völlig gesunder Mensch: Kriegerfraucn tragen ihm ihre Wünsche vor: er macht sich Notizen auf einer Blindenschreib- Maschine i diese druckt erhabene Schriftzeichen aus ein Blatt Papier, die er alsdann, mit den Fingern fühlend, spielend wieder ablesen kann) und überträgt dann den Schriftsatz mit Hilfe einer gewöhn- liehen Schreibmaschine in farbige Alltags schrist für den gewöhnlichen Sterblichen, der den jeweiligen Vertvaltungsfall zu bear- besten hat. Das geschieht mit grösser Sicherheit. Er nimmt es in der Geschioindigkeit und Exaktheit mit jedem Masthinenschroiber auf. Mit Hilfe einer Mi ndeukurzschrirtm as chi nc vermag er einer gesprochenen Versammlrrngsrede zu folgen, so daß er sie nach Be- endigung vorlesen kann. Ihm kommt freilich zustatten, daß er i schon vor seinem Unglück im Felde im Verlvaltungsdtenst tätig gewesen ist; das hat ihm das Einleben in den neuen Aufgahenkreiö wesentlich erleichtert. Er setzt seinen Ehrgeiz daran, alles, was ein Mensch selbst tun kann, ohne fremde Hilfe zu vollbringen. Auch über dieses Kapitel wußte er manchen charakteristischen Einzelzug cruS der Welt der Blinden mitzuteilen. Ich kenne den Mann mit Namen und iveiß jetzt, wer er ist und weiß auch, datz das, wa? er sagte, blanke Walsiheit ist. Ich habe von dieser Reisebekanntschaft hier erzählt, weil mancher Schwerverletzte sich unter seinsm Krüppelznftcmd tief un- glücklich fühlen muß; und"der soll sich an diesem blinden Käme- raden ein Beispiel nahmen und seine Seele spornen, daß sein Menichenium wieder in die Höhe wächst, sich und den Seinen zur Freude.?lus den inneren Menschen l�m int es an. nicht darauf, wie er äußerlich beschaffen ist. Tie Seele, das innerlich Lebendige ist der Mensch, alles Aeußer« ist nur Gehäuse. Unid wenn ein starker Wille hinter deün Wollen steht, kann der Mensch, auch der im Kriege am schwersten Verunglückte, Wunderdinge vollbringen. Karl A. Meyer. Sprachverwildernng. Der Krieg hat augenscheinlich auch das Sprachgefühl nicht verschont und eine gewisse Verwilderung berbei- (teführt. Gleich im Anfang brachte er die schrecklichen Ham- ster cr. Wozu dem vierbeinigen Urhamster ein„er" angehängt wird, um einen zweibeinigen zu bezeichnen,, ist unverständlich; ernstliche Verwechslungen der beiden Arten sind doch im Hinblick aus ihre gewaltigen natürlichen Unterschiede in Größe und Lei- stungsfälsigkeit gänzlich ausgeschlossen. Oder betrachtet man etwa den tierischen Hamster als die Grundform und den menschlichen als den höheren Grad: Hamster— Hamsterer? Da Hauptwörter jedoch keine c&te'gening zulassen, so ist die Ausdrucksform Hainstc- rer einfach falsch, und dadurch, daß sie allgemein in Wort und Schrift gebräuchlich ist, wird sie keineswegs richtig. Außerdem klingt das Wort sehr häßlich. Ueberdies nennt man ja auch einen Menschen mit fuchsartigen Eigenschaften einfach Fuchs und nicht Fuckser— bloß der Federfuchser macht hier eine Ausnahme—, einen, der auf der Lauer liegt, Luchs und nicht Luchser, und bei- spielslveise Herrn Clömenceau den Tiger und nicht Tigerer. Eine andere, den„Hamsterern" ähnlich zweifelhaste Kriegs- errungenschaft sind die„Krregsgewinn l e r". Trotz meiner starken Abneigung auch gegen diese Zeitgenossen und ihre Fortsetzung, die „Revolutionsgewi nnler", empfand ich eine gewisse Freude, als ich neulich im„Vorwärts" mal von KriegSgewinnern las. Wer gewinnt, ist ein Gewinner; wer verliert, ein Verlierer. Aber nie- man spricht von Kriegsverl! erlern. Auf welch« Weise oder wieviel einer gewinnt öder verliert, ist'prachlich ganz gleichgültig, und von anderen Gewinnern unterschieden werden die Kriegsgewinner schon durch das Vorwort„Kriegs", wodurch das besonders Zlnrüchigc dieser Gewinner, falls dies das„l" ausdrücken sollte, schon gekennzeichnet ist. Abgesehen davon, daß alle großen Gewinner moralisch kaum einwandfrei sind, kann das überslirsstge„1" in der Endsilbe nicht als Nnlerscheidungsmerkmal aufgefaßt werden, als Zeichen der Geringschätzung, weil e? sich leider auch vielfach in Wörtern findet, wo dies absolut n:cht in Betracht kommt. Da haben wir die Gelverkschastler und Ge nossen schastler, allerlei Wirtschaftler und Wissenschaftler, haben Burschen- und Landsmannschastler; da liest man von Warm- und Kaltblütlern, von Kreuz-, Lippen-, Schmetter- lings- und vielen an-deren Müllern, von Stirn-, Bauch-, Kopf-, Wurzel- und Taüsenedfüßlern. In allen diesen und unzähligen anderen Zusaminensctzuugen ist das„l" reiner Sprachunfug. Ein Anhänger der Gewerkschaften ist ein Gewerkschafter, und Tiere mit sehr vielen Füßen sind Tausendfüßer. Fort mit dem falschen und unschönen„l"! Sonst schleicht es sich demnächst noch weiter ein und verwandelt die Zwei- und die Vierhänder in Zwei- und Generalstreik in Dänemark. Tie Abdankung des Königs gefordert. Kopenhagen, 30. März.(Eigener Trafttbmcht des„Vor. 1 wärts".) Infolge der Ablehnung dcs sozialdemokratischen lllti- matumS durch dcn König, der ein reaktionäres Bcamtenkabrnctt zu- snmmengcstcllt hat, beschlossen die Gewerkschaften heute mittag dcn Generalstreik von Mittwoch an. Mit Ausnahme der Krankenhäuser und der Kindeifürsorge wird alles stillgelegt, auch Licht, Eiscnbahnru, Zeitungen und Polizei. Heute abend fand eine Bersaiiimlung unter freiem Himmel statt, der gegen 10 000 0 Menschen teilnahmen. Es wurde eine sehr scharfe Kundgebung gegen dcn Putsch des Königs angenommen. Auf dc» Kopenhagencr Straßen war es heute sehr bewegt. Zu irgendwelchen Zu- sammeiistößen ist es aber nicht gekommen. Kopenhagen. 30. März. Der König hat daS Nltimatim abgelehnt. Die Sozialdemokratische Parte! hat daraufhin den General- streik für morgen ftüh proklamiert. Sie beabsichtigt, ein eigenes Kabinett zu bilden und den König und daS Kabinett, daS in seinem Auftrag gebildet wird, zum Rücktritt aiisznforder». K- p c n h a g e n, 30. März. Auf das tt l t i m a t u m der ver- einigten Gewerkschaften und anderer Organisationen hat der König geantwortet, daß er auf seiner gestern abend der Dcle- gation gegebenen Zlntwort beharre, nach der er nicht der An- ficht ist, einen Staats st reich begangen zu haben. Er wünsche die Abhaltung neuer Wahlen und die Bildung eines Ministeriums in Neltcreinstimmung mit der Mehrheit dcs neuen Folkc- things. Der König ließ heute mittag den bisherigen sozialistischen Ar- bcitsministrr S ta u n i n g zu sich kommen und hatte mit ihm eine Unterredung über die Lage. Ter König sprach sein Bc- dauern über die Entwicklung der Tinge aus. Zesieln für Sie französischen Arbeiter. Koalitionsverbot für die französischen Staatsbeamten. Paris, 30. März. In der gestrigen Senatssitzung beantwortete Ministerpräsident Millerand eine Anfrage über die bolsckie- wistische Propaganda in Frankreich und erklärte kategorisch. daß er nicht gestatten werde, daß die Gewerkschaften aus ihrer rein beruflichen Rolle heraustreten. Er werde auch nicht dulden, daß sich die Staatsbeamten den Gewerk- s ch a f t e n anschließen. Man müsse den Arbeiterclementen Unter« stützung zuteil werden lassen, aber auch Vorsichtsmaßregeln treffen gegen die Epidemien, die an der französischen Grenze ausgebrochen seien. Er rechnet auf den gesunden Sinn des französischen Volles. denn das Ideal der Republik könne nur in der Ordnung erreicht werden. In einem Verlrauensvotum wurde schließlich zum Aus» druck gebracht, daß das gewerkschaftliche Recht auf dem beruflichen Gebiet gegen jedes politische Unternehmen gerettet werden müsse- Die Disziplin im öffentlichen Dienst müsse erhalten bleiben. Ein Neiner Schritt weiter zur Einheitsschule! Durch ein« mutiges und entschlossenes Vorgehen der Koalitionsparrercn uns der RegierungKvcrtreter ist es Montag abend gelungen, die Be- rstung des Gesetzentwurfs betr. die Gr rkstid schulen und die Aufhebung der Vorschulen im 25. Ausschuß Nationalversammlung zu Ende zu führen. Unter Abweisung, der Berschlechterungs- und Verschleppung Sver f uche der Rechten ist das Gesetz mit einigen Aenderungen in den tz-s 1 und 4, durch die die Bedenken des Zentrums beseitigt werden konnten, ohne die Grund- sähe der s o z i a l« n Einheitsschule aüzusckrwächcii, in allen wosent- lichen Punkten nach der Vorlage der Regierung angenommen. Da- mit ist höchst erfreulicherweise ermöglicht, daß der erste organi- satorische Schritt zur Einheitsschule für ganz Deutschland trotz aller povitischcn Schwierigkeiten und trotz des baldigen Endes dieser tzkationalversanrmlung doch noch ohne Aufschub getan wird. Sitzung dcs Sozialdemokratischen Partciausschusscs. Dienstag nachmittag trat, wie die P.P.N. erfahren, der Parteiausschuß der S. P. T. zu einer Sitzung zusammen. An den politischen Ätna- iionsbe richt, dcn der Partcivorsitzende Otto Wels erstattete, schloß sich eine längere Debatte, die Mittwoch vormittag fortgesetzt weiden soll. ________ f Bierhändler, die Oberländer in Oberländler, die Niederländer in Niederländler und die Auslcmder in.Ausländlcr, die uns schließ- lich sogar statt der Botschafter und Kundschafter Botschaftler und Knud schaftler senden— Spreewäldlerinncen haben wir leider schon längst. Dr. L. Theaterprogrammheftc. Im„Knnstwart" lesen wir: Einst- mals kauft« man für zehn Pfennige seinen schlichten Weißen Pragvamanzettel. Mit der Ausbreitung der Operetten- und Lustspielbühnen wurde es üblich, Programnrheste mit einer Menge(Äcschä st san zeigen und einer Anzahl BildniSphotographien der beliebtesten Schauspieler herauszugeben. Die Sekt- und Haut- creme- und Parfümanzeigen fügten sich nur zu gut in die Welt auf, dcn Brettern. Anders wurde die Sache, als auch ernsthafte Bühnen Programmhefte herausgaben. Die Anzeigen waren zunächst auf kleinem Raum zusammengedrängt. Seit den Novembertagen 1918 hat sich nun auch hier vieles geändert: die ehemaligen Hof- bühnen und Stadttheatcr sind in ganz anderer Weise als früher Geldunternehmungcn geworden, so sehr, daß auch die Programme „mitverdienen" müssen. In den Programmheften der Berliner Staatsoper kann man sich n'cht nur über Photc-, Piarw-, Pho- nola-, Grammophon-, Pelz-. Juwelier-, Antiquitäten-, Seiden-, Wäsche-. Möbel-, Tapeten- und smchvcre) Dcteltivgeschäfte unter- richten, sondern auch Über Weinstuben, Cafes, Konditoreien, Tanz- und Schönbeitsinstitntc und die Fülle der kosmetischen und prophylaktischen Mittel, die das neue Schieber-Highlife erfordert. Eine Freifrau arrangiert erstklassige Ehen sofort und diskret—„Eiti- beiratungen stets vorgemerkt". Das alles steht auf der recbten Seite der Blätter: auf der Linken prangen die Bildnisse der Dar- steller: Herr X. ließ sich in der Parinachklanrm, Fräulein D. vor der Scheune in Dirndltracht, das Ehepaar Z. auf der Kurpromenade aufnehmen. Frühstückstisch, Landhaus, Garten. Badehose, Strand. Ostseedampfer sind unentbehrliche Requisiten, vor allem natürlich die Badehose. Der„Knnstwart" knüpft die Frage daran: Hat sich die Leitung dieser großen Bübnen überlegt, welche Wcihelosigkeit dieses Zugeständnis an das„neue Publikum" und den Geldbeutel in den Zuschauerraum bringt, welche Kino-Einstellung durch diese unterhaltsamen Hefte bei den Zuschauern erzeugt werden muß? Muftk. Am Karsreitag 7'/, Uhr findet ein Extralonzert der Kavelle der S t a a t Z o v e r statt. Hierzu Vorkonzert mittags 12 Uhr. Programm: Parsiial-Borlpiel, v-ckar-sulte von Bach und Eroica von Beethoven. Verleg»- Beranstaltunge». Das Konzert Maxim Swertlt« ! triij; vom 31 März wegen Ertrankuncz des Künstlers au! den 10. April (Singakademie) verschoben werden.— Den Vorlrag von Neoolutions. Dichtungen, den die MIlitärdillalur sür den 18. März verbot, holen Oskar Ludwig Brandt und Margarete I a c o b y am 14. April im Meiste» saal nach. lieber Ostcrgedanken aus Goethes Faust spricht im Lesfing- Museum am l. April Dr. Gertrud Haupt. Rezitation: Loses Dllbelms. Anschlichend: Haupwerlammlung der Gcscllschast zur Erhaltung des Lesfing-Muscums. Beginn 7 Uhr. Ball der Büliiengenss'cnschast. Am 31. März findet in den Fest- sälen des.Zoologischen Gartens" daS vom Dlrettorium der Pensions- anstatt der Genofienschast Deutscher. Bühnen-Angehörigen verauftallete Gc- noffenschastS-Ballsest statt. Nr. 57. Jahrgang!♦ �$0 �0�l®öl?t0 SMtwoch, 51. MSrz?�20 Das Vertrauensvotum angenommen* Traub ausgeliefert. In der Nationalversammlung gab es am Dienstag nach der Neds des Abg. Düringer sDem.) zunächst eine Erklärung ües Reichskanzlers über öas Ruhrrevier. Reichskanzler Müller: Die von mir gestern gewünschte Eni- spannung der Lage im Ruhrgebiet ist auch heute noch möglich. Die Furcht der Arbeiterschaft, dah dort mit strengen militärischen Matznahmen vorgegangen wird, ist unbegründet. Ich habe strikte An- Weisung gegeben, datz alle unnötigen Schroffheiten vermieden werden sollen. ES ist genug Blut in Deutschland in den letzten Jahren geflonen. Wo überhaupt Truppen in Bewegung gesetzt werden, sollen s>'vil- kommtssare, die mit den Ortsverhältnissen vertraut sind, voran- gehen und Aufklärung verbreiten. Hinter den Truppen rollen sofort LebenSmittelzüge heran. Man hat behauptet, die Regierung verbreite (tzreuelmärchen. Demgegenüber verweise ich auf einen Aufruf der beiden sozialistischen Parteien in Elberfeld, worin eS heitzr, datz unverantwortliche Elemente, welche Kommunisten sein wollen, ge« stützt auf bewaffnete Horden, die Herrschaft an sich gerissen haben und einen Terrorismus ausüben, der schlimmer ist als der weitze Schrecken.(Lebhafte« Hört! hört!) Das sagen also auch die Uu- abhäugigen.(Hört! hört!) Beschlagnahme von Lebens- Mitteln, Erpreffung von Reichsbankgeldern und ähnliche Ver- brechen werden begongen. Tie französische Regierung hat sich bereit erklärt, uns einen Spielraum von zwei bis drei Wochen zur Verwendung einer stärkeren Truppenmacht in der neu- ralen Zone zu geben, ohne dafür deutsches Gebiet zu besetzen. Diese Frist wird genügen, um die verfaffungsmätzigen Zustände wieder- berzuitellen. Unter den Arbeitern aller politischen Kreise ist grotze Erbitterung gegen das gewalttätige Treiben im Ruhrgebiet ent- standen. Tie Wattenschcn Aiisführungsbestimmmigcu zum Ultimatum sind bereits gemildert worden. Ich hoffe, datz die Arbeiterschaft weiter in gleicher Verständigkeit mit der Regierung einig geht, um zu einer Entspannung in dem so wichtigen Ruhrgebiet zu kommen- (Beifall.) Reichsminister des Innern Koch: Die aggressive Rede des Abg. Düringer lenkt die Schuld nicht ab. die auf der Rechten, namentlich auf ihrer Preffe und ihren hetzerischen Flugblättern ruht. Der Kaste, die hinter dem Putsch stand, mutz klar gemacht werden, datz sie sich ihre Stellung in Teutschland nur dann sichern kann, wenn sie zur Bescheidenheit, zur Ärbeilssreudigkeit und zum Dienst am Volke zurückkehrt.(Beiiall.) Nach den ungeheuerlichen Borgängen, die wir jetzt erlebt haben, ist eS erforderlich. ein Bolksgericht abzuhalten über die Radikalen von rechts und links. Die Deutsch. nationale Bolkspartei spielt sich jetzt als der getreue Eckhart auf. Die Herren haben sich immer aus den Krieg glänzend verstanden, ober von der Volksseele haben sie keine Ahnung.(Sehr gut I) Der Generalstreik war zur Niederkämpfung des PutjcheZ notwendig, wäre er nicht von der Regierung proklamiert worden, dann bälte ihn das Boll gegen die Regierung geführt. Die Rechte und alle zweifelhaften Elemente sollen sich merken, datz das Volk sich in jedem Falle zu dieser Abwehr vereinigen wird, wenn ein solcher Putsch gegen die Mehrheit des Volkes »ersucht wird.(Beifall.) Unsere Mitbürger im Süden und Westen haben e» satt, sich �>urch den Osten in immer neue Schwierigkeiten und Unruhen hineinreitzen zu lasten. Der Osten mutz aus dem demokratischen Bürgerstnn des Westens und Südens lernen.(Sehr gut!) Im Ruhrgebiet waren viele Rechtsanwälte vom Zentrum und den Demokraten Kompagnieiührer der bewaffneten Arbeiter. Wenn jetzt von der Rechten zur Sainmlung gegen den BolstfiewiS- mus gerufen wird, so mutz ich erklären, datz wir stärker find ohne diese Kompromittierung als mit ihnen.(Beifall.) Ich rufe alle Elemente(Beifall) zu ruhiger besonnener Arbeit auf, die die Freiheit und Ordnung der Willkür und Unordnung vorziehen. Abg. Leicht(B. Vp.): Wir bedauern den Putsch von rechts, der unser ganzes wirtschaftliches Leben wieder erschüttert hat. daS eben Anläufe zur Gesundung nahm. Abg. Wels(Soz.): Am 4. März schon haben die Fraktionsführer der Rechten mit Lüttwitz verhandelt, um ihn von der Absicht des PutscheS abzu» bringen. Es ist kennzeichnend, datz diese Aktion keine Ver- anlastung gab, hier im Reichstag auf die drohende Gefahr hinzuweisen, und jetzt stellen sich die Parteien hin und klagen, datz die Regierung vier keine Mitteilung machte. Herr Maretzki von der Deutschen Bolkspartei war es, der am 27. Januar in einer Versammlung in Frankfurt gedroht hat, datz die Natioitalvcrsamm lung, wenn nicht bald Neuwahlen ausgeschrieben werden, mit Gewalt auseinandergesprengt würde, und datz dann der Bürgerkrieg un- vermeidlich sei. Er hat ausdrücklich beton», datz er zu diesem Wort stehe. Aehnlich schreibt er in der.Tägl. Rundschau' vom 2. März, datz alle zu Gebole stehenden Mittel angewandt würden, um Neuwahlen zu erzwingen. Die Rechte beruft sich immer auf den g. November. Damals aber wurden unsere Parteimitglieder vom Prinzen Max aufgefordert, zu retten, was noch zu retten war. Die Sozialdemokratische Partei war eS, die sich in jenen schweren Tagen in die Bresche geworfen hat, das deutsche Volk aus dem Elend der Niederlage herauszu- führen. Wo waren da die Herren von der Rechten? Sie waren ausgeriffen oder hatten sich in ihren Schlössern verkrochen.(Sehr richtig! bei der Mehrheit. Lärm rechts.) Datz die Rechte keine Fraktionsbeschlüste und-Prolokolle über die Putichvorbmitungen hat, glaube ich gerne. Aber Herr von Graefe ipricht. hetzt noch in den Spalten seiner Zeitung vom.reinen Idealismus'. Meine Herren, wenn Sie dieier Meinung sind. warum schütteln Sie dann diese.reinen Idealisten' von sich ab?(Sehr gutl links.) Am 13. batte Herr Hergt eine Aussprache mit einem meiner Parteifreunde gehabt und hat dort erklärt, datz er, wenn er auch den Putich nickt billigen könne, sich aus de» Boden der Tatsachen stelle müsse. Ja. wenn der Putsch gelungen wäre, hätten Sie(zur Reckten) es alle so gemacht.(Sehr richtig! b. d. Mehrheit.) Di« Borbereitung de« Putsche« war von langer Hand geschehen. Ich stelle fest, datz Herr Kapp schon im Juli 1919 mit Generalstäblern in Danzig Fühlung nahm, um ein Vorgehen gegen die Regierung, damals wegen der Unterzeichnung des Friedens, herbeizuführen. Oberst Hepue hat»hm damals eine un-wei- deutige Ablehnung gegeben. Und seit sener Zeit suchte Kapp, der stet« in schriftlichem Berkehr mit Ludendorff und Tirpitz gestanden hat. einen General, der die Sache übernimmt. Er beklagte fich bitter über die Schlappheit der Generäle, die nicht mitmachen wollten und sagte. eS müsse rücksichtslos vorgegangen werden, auch wenn es Blut kostet.(Hört! Hört!) Den Prinzen Heinrich lehnte er ab. Der war Herrn tiapv ,n dämlich.(Heilerteil.) Di« Herren von der Rechten dielten fich schön im Hinterhalt, um sich dann in das gemachte Bett zu lege». Die Leute vom pommerscheu Landbund» dt« den Baltikumlumpen Unterkunft gewährten und gewähren, wollen Sie die(zu der Reckten) auch ablehnen? Gehören die nicht zu Ihrer Partei?(Zuruf Rechts: Nein!— Heiterkeit bei der Mehrheit.) Mir ist jeder Kommunist, der zu seiner Sache steht, tausendmal lieber als diese feigen Deutsch-Nationalen. Wir fordern die sofortige Aosiösuug der Zeitfreiwilligen-KorpS, die ganz besonders im Dienste dieser Rebellen gewütet haben. Die Kriegshetzer und Annexionisten, die löl-t über den Krieg gejubelt dabe», die standen hinter diesem Putsch, und wie sie seit dem November 1918 im Volk den Glauben verbreiteten, als ob all das Unglück nicht eine Folge des verlorenen Krieges, sondern eine Folge der Revolution wäre, wie sie heule den Generalstreik das Verbrecken nennen, statt den Putsch, so verhetzen sie auch weiterhin die öffentliche Meinung. Sie haben den Boden vorbereitet und den Putsch direkt und indirekt unterstützt, wie Sie die Attentate auf den antikapitalistischen Erzberger auf Ihrem Konto haben. (Sehr richtig I bei der Mehrheit.) Die deutsche Arbeiter« klaffe bat nur da« getan, was sie immer erklärt hat gegenüber der drohenden Gegenrevolution, und was in Weimar der Reichskanzler ausdrücklich betont hat— und trotzdem haben die Herren von der Reckten das suichtbare Spiel gewagt. Zur selben Zeit, als die hochvetrSterisckeii Offiziere an der Sieges- fäule die Ergreifung der Mackt verkündeten, hat unsere Partei- leitung die Ausforderung zum Generalstreik in das ganze Land er- gehen lasten.(Bravo I> Herrn Henke sei gesagt, datz dieser Aufruf gerade von der S. P. D. erfolgte, weil die Unabhängige» ihn nicht sofort unterschrieben. Wir wa/en mit unserem Partei« genossen Noske in manchen Fragen verschiedener Meinung, aber wir wissen und erkennen es an, datz er ehrlich be- müht war, den Wiederaufbau deS Reiches zu gewährleisten. Das Amt deS Reichswehrministers war gerade nach jenen Januar- und Märztagen 1919 ein opfervolles, dornenvolles Amt, und wir müsten NoSke. wenn er sich auch in Personen getäuscht hat, den Dank unserer Fraktion auSsprecke».(Beifall.) Wenn Herr Henke fragt, warum ich njcht Reichswehrminister geworden bin, so bedauert er wohl am meisten, datz er setzt nicht mehr jeden Uebergriff eines Offiziers zu einem Angriff gegen meine Partei ausnutzen kann. Vom Bolschewismus wollen auch die llnab- hängigen nichts wissen. Mir liegt eiir Telegramm deS Genosten Sevenng vor, der Unabhängige Ernst auS Hagen berichte, datz eine Konferenz der Waffenführer im Ruhrgebiet beichlosten hat, sich mit Waffen auch gegen die Gewalt von ganz links zu wenden. Ein anderes Telegramm berichtet ähnliches. Ohne die Koalition gibt es in der deutschen Republik keine tragfähige Mehrheit. Die breite Mäste deS Volkes, darüber sind wir uns klar, steht weiter links als daS Kabinett es ersichtlich macht- die Wahlen werden hoffentlich die Narionalveriammlung entsprechend ändern. Ich bedauere es un- endlich, datz die Unabhängigen nicht in die Regierung eingetreten sind; denn mit den Leitsätzen des Zentralkomitees der Unabhängigen Partei sind wir vollkommen einvcrstanden.(Hört! hört! rechts. Sehr richtig I bei den Soz.) Es besteht also tatsächlich vom rechten Flügel bis zum Zentralkomitee der Unabhängigen Partei eine pro- grammatische Einheitsfront(Frau Zietz widersprickt), auch wenn einzelne Führer das nickt zugeben wollen. Auch die Weigerung tfer Unabhängigen, mit bürgerlichen Ministern zusammenzusttzen, ist kein so unbegingtes Nein, als es scheint. Denn die Idee der Brbeitemgierung wie sie doch schon bei den Gewerkschaften gegeben ist, ist auch für die bürgerlichen Parteien durchaus diskutabel..Arbeiterregierung" war dies Wort, ausgebend von dem Gedanken, datz eS in der jetzigen Zeit ganz besonders darauf ankommt, die Arbeiter, Hand- und Kopf- arbeiter, mit Vertrauen zu erfüllen. Dieser Weg darf nicht ver« schüttet werden. Sich dagegen sträuben, heitzl' sich gegen die Lehren der Geschichte wie ein unvernünftiges Kind wehren.(Sehr wahr!) Sckon heute ist die Möglichkeit einer solchen Regierung gegeben, und wir wollen daran arbeiten, datz dem bald so wird. Möge aus den Wablen eine solche Regierung von Hand- und Kopf- arbeitern auf republikanischem, demokratischem Boden hervorgehen. Dann haben wir sichtbar jene Einheitsfront, llie heute schon be- steht, mit der einzig richtigen Parole: Der Feind steht rechts.(Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit.) � Die Herren von der Rechten können mit Engelszungen reden und überzeugen dock niemand, datz sie nicht schuld find an den Vorgängen de« MärzputscheS. Wenn Sie(zur Rechten) den Krieg wollen, dann sollen Sie ihn haben bis auf« Mester(Zuruf rechts: Aufreizer! Lebbaite Unruhe), bis der von Ihnen gezüchtete Militarismus niedergerungen ist. ES hat lange genug harmlose Gemüter gegeben, die unentschieden nach beiden Seiten lieb- äugelten! beute find ihnen die Augen ausgegangen, nachdem Ihr Abgott Ludendorff einen zweiten Krieg, den gegen das Volk, ver- loren hat. Herr Ludendorff war es, der als emer der Ersten im Schmucke all seiner Orden in der Reichslanzlci erschien, er hat bei einer Sitzung ein Blutbad in Berlin vorgeschlagen, um sich zu halten— und jetzt istLudendorff zum zweiten Male ausgerissen. Hoffen wir, datz er recht bald aus der Anklagebank des Reichsgerichtes erscheinen wird. (Bravo!) Den Versühreru strengste Straw— den Verführten neue Führer, neuen Geist und neue Erziehung. Wir können die Bewaff- nung der Arbeiterschaft nickt auf unser Programm schreiben, weil wir Sozialdemokraten gegen jeden Militarismus sind, also auch gegen den proletarischen Militarismus. Wir wollen die Waffen vernichten. nicht sie in andere Hände geben. Die Rechte aber zwinge uns nicht. von diesem Geist für eine Zeitlang abzugehen, der Ausgang des Kampfes wäre nicht zweifelhaft. Die Regierung mutz mit fester Hand durchgreisen, nm dem finnlosen Wüten einzelner Tnippenkommitndcnrr ein Ende zu machen, die heute noch sich gebärden, als ob sie die Herren über Leben und Tod aller Zivilisten wären.(Sehr richtig!) Die StandgerichtSurteile müffen annulliert werden, Straffreiheit mutz ollen Vergehen gewährt werden, die im Kampf gegen die Kapp« Regierung begangen wurden. ES ist unmöglich, die Fäden dort anzuknüpfen, wo sie am 13. riffen. Ein NeucS mutz werden, und unter unserer Parole werden wir in den Wahlkampf und in den Sieg gehen! Gegen Waffengewalt, für die friedliche Arbeit, gegen jeden Putsch, für die Demokratie, für den Sozialismus!(Lebhafter, sich wiederholender Beifall b d. Soz.) Präsident Fchrenbach bittet die Redner, sich der Kürze zu be- flertzigcn. Abg. Behrens(Tnat. Vp.): Der Absi. Wels hat eine Reihe von unbewiesenen Behauptungen aufgestellt. Privatge spräche, die unter vier Augen geführt wurden, dürfen nicht als Beweise angeführt werden. Kapp hat durchaus keinen Einfluß auf die Deutsch- national« Volks Partei gehabt. Als der Generalstreik wirksam wurde, war der Kapp-Putsch bereits erledigt; aber nun trat der Diktator Lcgieu mit den Forderungen der Gewerkschaften aus. Die Verstaatlichung deS Kohlen- und Kalibergbaues ist nicht so dringend, daß sie noch vor Ostern erledigt werden müßte. Abg. Dr. Hugo(D. Vp.): General v. Seeckt hat zugegeben, daß er die Regierung gewarnt habe, aber zu den notwendigsten Maß- nahmen habe man sich nicht entschließen können.(Hört, hört!) Ten Generalstreik a!s politisches Mittel iveisen wir ab. Das gewaltige kommunistische Feuer im Westen beleuchtet mit erschrecken- der Kriltfichkeit di« Entwicklung, die im deutschen Volle droht. (Hu! Hu!) Wir wollen kämpfen für Ordnung und Aufrechterha!- tung der Berfassung. � ReichsnrmistLr Koch: Die Herren sind am Sonntag zu Verhandlungen bereit ge- Wesen, nicht aber am Sonnabend, als die Gefahr zu groß war. Daß die Frage der Wahlverschiebung mit dem Putsch nicht da§ geringste zu tun hat, gibt Lüttwitz in einem Artikel der«Deutschen Tageszeitung" selbst zu. Tie Regierung hat Berlin erst verlassen, als di« militärische Lage unhaltbar war. Faktisch haben wir durch unsere Haltung den Sieg errungen.(Beifall bei der Mehrheit.) Abg. Sceger(U. Soz.): Die Redner beginnen jetzt schon mit dem Wettlauf um die Wähler. Wir können darauf verzichten. Ge- rade die Kapitaliften in der Partei des Abg. Hugo haben die Re- gierung immer als ihren Ausschuß betrachte.(Sehr wahr! linkS.) Die Landwirtschaft eindeckt ihr Interesse für das Allgemeimvohl immer nur, Ire im die Preise erhöht werden. An den Unruhen im Ruhrgebiet sind die Hauptschuldigen die Regierung und der Gc- neral v. Wattex. Die Regierung hat ihre Versprechungen nicht ge- halten, sonst hätte sie das reaktionäre Militärnest in Münster längst ausrotten müssen.(Sehr richtig I bei den U. Soz.) Zur Verstär- kung gegen das Ruhrgebiet werden in süddeuffchen Blättern, an- gcblich im Auftrag der Reichswehr, dieselben Zeitfreiwilligen ge-- worben. deren Formationen man angeblich auflösen will.(Hört, hört! bei den U. Soz.) Die ganze Art, wie der neue Reichskanzler gegen die Arbeiterschaft des Ruhrgebketes Stimmung gemacht hat. beweist, daß man mit brittaler Gewalt die Arbeiter nieders chlagerr will. Das Militär hat in keinem Fall die Vereinbarungen mit den Arbeitern gehalten. Man hat die Arbeiter viehisch gepeinigt und standrechtlich erschossen. Wenn die Regierung gegen die Rechte ebenso brutal und gewaltsam vorgegangen Ware wie gegen die kämpfenden Arbeiter, dann hätten wir keinen Kapp-Putsch ge- habt.(Sehr wahr! bei den U. Soz.) Die Regierung war längst von dem bevorstehenden Putsch unterrichtet, sogar durch eine War- imilg der englischen Regierung, wie Bauer das später selbst zugc- geben hat. v. Lüttwitz, der noch zwei Tage vorher der Regierung seine Putschabsicht mitteilte. wurde nicht verhaftet, sondern lyit als Unterhändler sogar solche Offiziere benutzt, die zu ihm überliefen. Dann ist die Regierung ausgerissen, ohne Widerstand zu leisten. Nur die Furcht vor der Arbeiterschaft hat weite Kreise des Bür- gertumS vom Anschluß an Kapp abgehalten. Jetzt h-rt man ein Koalittonsministerium, das ebenso ohnmächtig ist wie da« frühere. Legren irrt sich, wenn er sagt, die organisierte Arbeiterschaft bringe der Regierung Vertrauen entgegen. Nein! die Nrbetterschait wartet wachsam die Taten der Regierung ab. Nur solange sie die Waffen in der Hand hat, ist sie geschützt gegen den Terror der M-tlitaristen. Die setzt noch im Amt befindlichen Generale sind von dem gleichen Kaliber wie die davongejagten. Der Oberbefehls, Haber von Leipzig. General Senfft von Pilsach, hat aus eigener Machtvollkommenheit den von der Regierung aufgehobenen Be- lagerungSzustand wieder verhängt.(Hört, höri! bei den U. Soz.) Wir glauben nicht an den guten Willen der Regierung, denn sie hat den berüchtigten Herrn v. Berger als©estmdien nach Dresden geschickt.(Hört, hört!) DaS ganze Gerede Legten» fällt zusammen, da ja die Regierung die Vereinbarungen für den Abbruch i*S Generalstreiks gar nicht anerkennt. Auch beim Reichswehr- ministmum haben nur die Personen gewechselt, nicht das System. In vielen Bezirken sind die Teilnehmer am Generalstreik von der sogenannten treuen Soldateska ins Gefängnis geschleppt worden. (.Hört, hört!) D» ohne die Bewaffnung der Arbeiter keine Ruhe in Deutschland eiiftehrt, rufen wir den Arbeitern zu:. Behaltet Sure Waffen, bis Euch endlich Euer Recht wird!"(Beifall bei den U. Soz.) Abg. Fegtcr(Dem.): Die U-nterftellungen des Abg. Hugo, die zum Teil Verleumdungen sind, weisen wir zurück,(llnrnrhe rechts.) Damit schließt die Aussprache. Es folgen zahlreich« persönliche Bemerkungen. Abg. Wcls(Soz.): Der Vortnuvf, daß die Regierung au ige. rissen ist, ist unhaltbar, dumm und lächerlich.(Sehr richtig! links.) Abg. Dr. Strcfemauu(D. Vp.): Wir haben unsere» ersten Aufruf zum Kapp-Putsch nicht verleugnet. Wir haben in einem zweiten Aufruf nur eiwaS dautlicher zu den Dinge» Stellung genommen.(Lachen ljnkS.) In der Abstimaniung wird der Vertrau euSantrag der Mckhr- heits Parteien gegen Deutschnationale, Deutsche VoÄSpautei und Unlabbüngige angenommen. Gegen die anderen Teile des Vertrauensvotums stimmen nur die Doittschnationale.n. Der deutschnationale Mißtrauens antrag wird abge- lehnt. Tie Gesetze zur Aenderung der KonsukatSgabühren, zur Erhöhung der Zuständigkeit der Amtsgerichte, über die Tilgung von Str-afvevm-srken, über die ReichAvehr, über die Durchführung dcS EinkoinmenSsteuergese.es werden angenommen, ebenso der Nor- etat. Die Vorlage über bie Aenderung deS Gesetze« über die Wochenhilfe wird einem Ausschuß überwiescu. Das Gesetz über die Wahl des Reichspräsideinten und daS RoichAmihlgefetz gehen au den Berfa ss imgsauSschu ß. Ohne Aussprache angenommen wird«in von allen Parteien unterzeichneter Antrag auf Erhöhung der Tagegelder der Wge- ordneten. Gegen die sofortige Verhandlung eines Antrags der Sozial, demokraten, wonach die Regierung auf die Unternehmer einwirken soll, daß die Strciktage bezahlt werden, erhobt die Rechte Einspruch, so daß er nicht aus die Tagesordnung gesetzt werden kann.(Große Unvule links.) Es folgt die zweite Leftmy des Gefetze» über öie Aburteilung öer Hochverräter deS llldärz-Putsches durch die. bürgerlichen Gerichte. Abg. Schulz-Bronebeug(Dnatl.) erklärt fich aus Verfassung»- bedenken dagegen, obgleich er mateteil gegen den Gesetzentwurf nichts einwendet. UnA staatsseketär Joel und Abg. B e i e r l«(Zsntr.) erklären die RechtSauffassung des Vorredners für irrig. »_ Abg. Dr. Sohn(U. Soz.): Wir stimmen dem Gesetz zu, obgleich wir eigentlich eine Aburtechrng durch Volksgerichie verlangen. Bon einem Verstoß gegen die Bsofaffung kann keine Rede sein. Den RcichSwahr minister mache ich darauf aufmerksam, daß heute noch auf Befehl von höhereu TruppenbesehlShaber» Standgerichte tätig sind. In AdlerShof sind kürzlich drei Laute von einem Stand- gertcht zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Die Stand- gerichte müssen schleunigst beseitigt werden. r Nachdem Graf Dohna(D. Vp.) sich der Ausfassung Schulz- Bvomberg angeschlossen hat, wird der Gesetzentwurf a n g e- n o m m e n. i Es folgt der Bericht über da«. Ersuchen das Oberre ichSamr-alte z auf Genehmigung zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen de« Mg. Tranv wegen Teilnahme an einem Versuch zur gewallisamsn Aenderung der Reichsverfassung. Abg. Haas(Dem.) berichtet über di« AuSschußverhandlungen. Räch Pressemeldungen soll Traub sich der sogenannten Regierung Kapp insbesondere al« Presse- und Propagandachef zur Berfüguna gestellt haben. Der Ausschuß war w fem« Mehrheit der Mgumng. das Material genüge, um zu 6em Antrag Stellung zu nehmen. Der Reichstag Hot wiederholt den Staudpunkt vertreten, daß bei wichtigen Gründen von der Immunität abgewichen werdsn kann. Auf zwei Fälle wurde besonders hingewiesen. Auf den Fall Hassel- mann und den Fall Liebknecht. Im Falle Liebknecht wurde die Immunität aufgehoben, weil er auf dem Potsdamer Platz ge- rufen hatte:„Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung!" Die Mehrheit des Ausswusses war der Meinung, daß hier ein schweres Vergehen gegen den Staat und die Interessen des Volkes vorliegt. Sie ließ sich von dem Gedanken leiten, daß Traub eine Regierung unterstützt hat, die die Nationalversammlung ausein- andersvrengen wollte. Es wäre merkwürdig, wenn ein Abgeord- neter Immunität genießen sollte, nachdem er selbst gegen den Ve- stv'� der Nationalversammlung Stellung genommen bat.«Sehr richsTign Da es außerdem unerträglich empfunden wurde, wenn richtig H Da es außerdem unerträglich empfunden würde, wenn die Mehrheit des Ausschusses den Antrag/ dem Ersuchen des Ober- »eichsanwalts stattzugeben. Abg. Warmuth iTnat. Vp.): Der Antrag bedeutet einen voll- ständigen Bruch mit der alten Auffassung, daß bei politischen De- likten die Genehnrigung der Strafverfolgung von Abgeordneten versagt werden soll, wie dies im Fall Geher und Gandorfer sowie Eichhorn gehandhabt wurde.(Rufe links: Liebknecht!) Der Ber- dacht ist nickt von der Hand zu weisen, daß es sich im Falle Traub um eine Rebanchepolitik handelt. Dt« Gerechtigkeit gebietet, gleich. liegende Fälle in gleicher Weise zu behandeln.(Beifall rechts.) Abg. Graf Dohna(D. Vp.) betont, daß die Rechte sich keines- Wegs schützend vor die Kapp-Verbrecher stellon wolle, daß sie aber nicht anzuerkennen vermöge, daß der Fall Traub anders liege wie der Fall Gandorfer. Abg. Gcycr-Lcipzig(U. Soz.): Wir verurteilen den Kapp- Putsch ebenso wie die anderen Parteien. Andererseits muß aber die Immunität der Parlamente geschützt werden. Die Fälle Lieb- knecht und Hasselmann sind keine Ehrenfälle des Reichstags.(Die S. P. T. bat natürlich gegen Liebknechts Auslieferung gestimmt. Red., Die Nationalvevsammluikg möge sich nicht in gleicher Weise beschmutzen. Abg. Thiele(Soz.): Dew Fall Traub liegt ganz anders als alle früheren Fälle. Er ist bei Kapp geblieben, nachdem die National- Versammlung von Kapp aufgelöst war. Traub bat alio die Ans- lösiung gebilligt, sein Mandat niedergelegt und sich damit selbst der Immunität begeben. Damit schließt die Aussprache. In namentlicher Abstimmung wird die Genehmigung gegen die Rechtsparteien, die Unabhängigen und einige Demokraten mit 145 gegen 71 Stimmen bei 7 Eni- Haltungen erteilt. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch, den 14. April, 3 Uhr: Ausschußberichte, Filingeietz.)— Schluß 7 Uhr. SilAungsveranftaltungen. Bezirksbildungsausschuh Grotz-Berlin. Die Konzerte sür.Heitere Musik", welche am 14. und 21. März aus- fallen mutzten, finden am t. Osterseicrtaz im Bliithncrsaal statt: Für In- Haber roter Karten nachmittags 21/, Uhr, für Inhaber grüner Karten nach- mittags 4'/, Nbr. Die ivtarkcn sind unverzüglich einzulösen. Einzelkartcn ä 3,00 M. am Eingang des Saales. Jugenüveranftaltunyen. Wedding. Die Früblingsfcicr findet Sonntag, ö Uhr, in den Pharussälen, Müllerftr. 142, statt. Saalöffnung 5 Uhr. Einlatzkarten a 1,25 M. am Eingang und bei den Bczirkssübrern. Mitgliederverfamm- lung am 9. April. Näheres durch die Bczirkssührer.— Funktionärsitzung Freilag vorm. 0,10 Uhr bei Groll, Hennigsdorscr Str. 10. Die geplanten Osterwanderungen fallen aus.— Pankow. Die Frühlingsseier findet nach Ostern statt.— Tempethof. Jugendheim Lyzeum, Germaniastr. 617. Heute Leseabend.— Prenzlauer. Rasenthaler, Schönhauser Borftadt I.«. II. Donnerstag Frühlingsseier in den Sophiensestsälen, Sophien- su atze. anschlictzend Tanz. Einlätzkarten a 1,25 M. bei den Helfern und an der Kaste.— Sozialistische Tchulersekiion Charlottendurg. Heule 7st, Uhr im Jugendheim, Rosinenslr. 4, v. I, Zulammcukunst, zugleich sür Moabit, Wilmersdorf, Berlin W, Schöncberg. Gäste willkommen! Allgemeine 0ktz- lirsltlkenItZise Neukölln. Am 29. März 192!) ver- starb nach einem langen, qualvollen Leiden einer unserer trenesten Mit- arbciter, der Krankenlassen» beamtc 282 11 öüo Eoch im 59. Lebenosqhre. Achtzehn Jahre lang hat i der Verstorbene in Neuester 3 Pflichterfüllung seine Kräfte I innerhalb unlerer Verwaltung m den Dienst der All- gemcinhelt gestellt. Er war> ein auler, ehrlicher, hilf- reicher Mensch und Mit- arbeiter. Sein Ableben de- deutet für unsere Verwal- tnng einen schweren Ver- lust. Wir werden sein An- denken stets in Ehren hallen, z Der Vorstand der Allgemeinen Orts- krantenkasse Neutälln. | 6 e i n r i ch, Vorsitzender, j Idankisasniis;. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sagen wir alienverwandten. Freunden und Bekannten, dem deutsch. Bauarbeiterverband, dem Wahlverein Bez. Pankow sowie Herrn Sillier für seine lieben Worte am Sarge des Entschlafenen unsern herzlichsten Dank. 115/b Frau Anna Seefcldt u. Kinder. Pankow, S p i cK.-rmannstr. 5. Fritz Harttvlch prakt. Arzt, Wundarzt und OeBurtshelfcr Berlin-Neukölln, Richard- slr. 7d/74, Fernruf Neuk.9957 Nachtglocke. Tägl. vorm. 9-10. Nachm. 3-4, auller Donnerstags u. Sonntags. 56/1 Spezi alarzt Dr. med. Haschö[• Ffiedrietefr.SO.ÄÄ Spr. 10— 1. 5— 8 Sonnt. 11— 1. Harn- n-Bluttintersiictiiing Speslalarzt Dr. med. WockenkaB frietipiciistr. 125 ��7°- Spr. U— 1, 6—5, Sonnt. U— 1 Harn- u.BIiifuntersucliang S�ezialarzt ßr. med. Gröterinfj Haut-, Harn-, Unterleibsleid. b.Männ.u. Frauen, Blutunters. Invalidenstraße.15, Ecke Chausseestr� Stett. Bhf. Spr. 11-1 II. 4V.-6";, Sonnt. 12-1 �osSenlose, fugest- Usstctsttcküsg / /yjega l O/j'cti'a) markt b'tO ß imHai/SöZuat* FOr passend Wm ciü puten Sil?«M yerillNol. Metalif&sssr.gen\co L'-k. 5.50 tr. i Große Auswahl in i Gocrg««u«? für ITlaeater, Kelsc und Sport Ankaui von Allgold und , Platin zum Tagespreis. Aufbau und Verden" Gesellschaft sür praktische volksaufklärung Bortrag im gr. Sitzungssaal dos ehemaligen Herrenhauses (Leipziger Ttratzc 3). Am Donnerstag, den 1. April, abends T'/s Uhr, spricht Professor gl'. Paill LeDSCtl über MMMMSMMeilWMdMMIll? Die Arbeiterschaft und deren VerlrauenSleut« werden um zahlreichen Bestich gebeten. Eintritt HO Pf.[letfl-] Eintritt 50 Pf. 1. Geschäft: Berlin VV, Mohrenstrasso 37 a Sonntags gescMossen! S.'jSS Des großen Ardranges wegen erbitte den Einkauf möglichst vormittags II ijfy Kriegsanleihe wird zn 83 s/o in Zahlung genommen! 1 Covertcoatmäntel �lUPPlS I 78. 105, 136, 215, 298, 365, 475, 650 Z Imprägnierte Mäntel 165, 225 Seidenmäntai.... 375, 525 3 Kostüme 88, 115, 245, 365, 480, 650, 895 EÖC'ie 36,45,68 Strickjacken mit bantealRlseUlges 68, TIS Noch vorhandene Ulster 89, 135, 245 Pillschmäntel 650, 930, 1240 Pelzmäntel 5000, 6500, 8200• sehr billig U/estmann 2. Qaschäft: Berlin NO, Gr. Frankfurter Str. 115 Nur kein Neid! Ich zahle immer noch die höchsten Tagespreise für alle Sorten Altmetalle. Melallschmelze Prinzessiniieuslr. 17, nXÄim Mitglied des Vereins der AltmetallhSiidlcr Oroß�Berllns, Bekanntmachung. Ausgabe von Süststoff an Haushaltungen. Auf etzrund von 8 2 Abs. 2 ber Bekanntmachung de« Magistrats vom 28. Juli 191« Über den Verkehr mit Süßstoff und über Beschränkung des gewerblichen Verbrauchs von Zucker wird bekanntgegeben, daß der Abschnitt öi der Süßstoffkarle H im April 1930 ringe löst werde» kann. Auf dielen Abschnitt ! können vier Päckchen Süßstoff H-Packuna zum Preise von je l M Pf. verausgabt und entnotnmmen werden. Die Abschnitte 1—53 dürfen im April 1920 nicht mehr 1 eingelöst werden. Berlin, den 39. März 1929. 825/311. 20. Magistrat. Zuckerversorgungsstellc. Dr. Beimann. Deutsche Drundkredit-Bank Gotha. Die laut Beschluß der Generalversammlung vom 19. März 1920 für das Bilanzjahr 1919 Silk 9% festgesetzte Dividende gelangt gegen Einlieferung des Gewinnanteil- Scheines Nr. 48 der Aktien zu M. 600.— mit M. 54.— und des Gewinnanteilscheines Nr. 10 der Aktien zu M. 1200.— mit M. 108.— nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen vsm 22. Mfirz 1920 ab in Gotha und Berlin W 9, Voßstr. 2, bei unseren Kassen, sowie ferner in Berlin bei der Dresdner Bank, der Bank für Handel und Industrie, der Berliner Handels- Gesellschaft, der Deutschen Bank, der Direktion der Disconto- Qesellschaft und Herren Georg Fromberg& Co. zur Auszahlung. Ferner werden die am 1. April bezw. I.Mal d. J. fälligen Zinsscheine unserer unkündbaren 3Vr und 40/0igen Hypo- tnekenpfandbriele bereits jetzt bezw. vom 15. April d. J. bei denselben Stellen eingelöst. 152� Gotha, den 19. März 1929. Dentsrhe Iwrnndkredit-Bank. cvTüxi�7JZ'lJ�iJX&durr[e. /fa£fßu$ep2)amm. pp Infolge dringenden Bedarfs und zerbroebene zahle für alte So/S' Gebisse auch für Zähne in Kautschuk noch nie dagewesene Preise. Gleichzeitiit findet bei mir der Ankauf von alten Gold-, Sllbar- und Platin- Gegenständen zu den höchsten Preisen statt. Edelmetalleinkaufsstelie Ilcrm, MiUlcr, Berlin C 25, Alexanderstr. 9, 2. Hof pari, rechts. Zweigstelle: Neue Friedrichstr. 96/98. Kunden von auswärts erhalten Pahrversütang. WMine NtslMlesWe MiU'MeMrg. Einladung zur � aaßerordentlichrn Sitzang i des Ausschusses zu Mitt- i«toch, den 7. April 1920, abends 7 Uhr, im Kassen- lokal zu Verlin-Lichten- berg, Magdalenenstr. 16, l. Tagesordnung: 1. Aendernng der§§20, Abs. 1, Ziffer 1, 33 und 84. 2, Kaffenangeleg enheiten. Der Vorstand. 282/15 v. S e t k c l, Porsttz ender. Sterbekafse 3K« Der Bachtrag 4 der Satzungen vom 25. 1. 20 ist am 24. 3. 20 vom Polizei-Präsidium genehmigt und tritt am 1. 4. 20 in Kra t. 1158b ver Dorstanb. J. A.: 99. Pergemann. Dr.iüariiiiflLÄHS, Sprechst. 12— 2,'/s 5— V-jlO Uhrabds, Sonnt. Vjll— I Uhr Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, I Harn- u. Blutuntersuchungen. Aufklärende BrosciiDrc mit Beschreibung sämtl.Hellrcr- I �fahren im verschl. Kuvert gegen Einsendung v. M. I�oj Spezial s Behandlung»G» von Haut-, Harn-, Unterleibsl, Frauenleid., spez. veraltete hartnäckige Fälle, Schwäche; Salvarsan-Kuren.— Urin- u. Blutuntersuchungen, Licht- u. 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Chronischer mittel. ohrlaiarrh geheilt— 5. Frau Srllnbera, wei. j fzensee. Lindenalle« 3. Von schwerem«sthma i befreit— 6. Frau M. Safte, Berlin, Rollendors» siraße 40, I. Aheumatismu» gehellt— 7. Herr ...----- selde, Ringstraße 52». den wiederholt er- ilgecid) behandelt— 8. Frau S. Hodorff, Berlin, Ztoibergcr Str. 28/29. Zleroen. u. Auochen. iauteulzündnng geheilt— 2. Frau prenh, Kantow, Damerowstr. 54. Lungenbluleu in vier Lagen vollständig gehellt— 1». Frau«. Herz. uaua, SchSuebera, Feurigstraße öl.«Iterude flstel»ach Blluddurnwperatlou gehellt— JL Herr«. Bitter. Frledeaan, Sponhoitstraß, 96. | Von Anlegeleulleldeu geheilt— 12. Frau 2t Bohrmoser, Berlin, Breolauer Str. L tftlc» 15 jährige» Herzleiden geheilt— 13. Herr| 9. Ehrhardt. Sr..Lichterfe Ehronische» hiislgalentleid� solgreich behandelt— 8. Antonirnftt 8. i Aieservereiterung geheilt— 14. Frau H. Hagel, Sachsenhuusen bei Oranienburg i. Marl Butert- Blutungen u. Beroeulelde» gehellt.— 15. Frau " Zrilschler. Berlin, Mariendurger Straß» 48. s i, ,____________ 4»eu, Wassersucht allgem. grosßer Schwache gehellt— 18 Frau Reftaut Herlug, Berlin, Schönhauser Alle, 87. Loa Vasedoivscher Acanfheit geheilt— 19. Frau Basedowscher Acantheit gehellt 1 9. Popp, Beriin-Lichleiiderg, Siirtnirstr. 10. Bon j chron. Leide», Herzschwäche uud Berstopfuug geheilt— 2». Herr 24. Schladitz, Berlin, iLaprwl- hraße 24. Bon iSeslchtsIopu» gebellt: vorher s mit Radium erfoigloe behandelt— 21. Herr IL Hell. «lg, B..Borstgwalde, Ernftftt 25. Bon Mag gsschwulst, Verstopfung uud Berveuschmd 1 gehellt,— 22 Herr BNIchhändier Eckert Berti Grenenhimener Straß« 28. Bon glchtisch-rh Aschen Schmerze» In Bein und Fusgeli heilt— 28. Herr Sastwiri E. Michaeli», ! loiiendnrg, W�uslr. 87. Bon chronischem »lenl ge.] »urg, Äullstr. 87. Bau chronischem Ä und«eibsucht gebellt- 24. Frau Auorr, B-rliu-Lichteuberg, Scharnweberstr. 82 Herzschwäche. Vedermsschmelluug g' 25.«ahn Baal de» Weichensteller» Herrn Haffner, Berlio-Westend Beamturb-u». Bon schwerem Beinleiden gehellt B»m sollt» ad- genommen werben. S>99~ Briefliche Vriginal-Anerdennmigen tun trn» arheUter Patienten stehen im Wartetimmer I der Anstait ans Wunsch zur Einsicht I— Setreaute chanblimgitäumt für Dame» und Herreu I— Äunb Behaadiuagszell: 8—1, 1—;>/» Ahr. und Feiertag-»—1 Uhr.* Hellanftaitodesttzer Professor P. Mistel«ky ooacoblcct Im VttsUrab Berlin SO XO, Brückenstrave 10b j am Bahnhof JaaoawUxbrflcfce. gehellt— »II „ZUR AUFKLÄRUNG FÜR ZIGARETTEN RAUCH ER! fcifen Kei; tis üeute um» onenlaüicüs öisaretten- taöaks a£* erwicjen.�, Ms Äerjwtter KeKmmLcz- jZuaLläts-biga- ntten vcnvsnöeu unr aud? unkr öeu gsKemmr. iigm sciflmerMU HsrhaÜmßeu nm�sanmÜert rem orienia/ilcüe- �isai'cttsntaöaüs.- Ilnsere sämtlichen 9llarüen sind dasier- volliq si-ei von dunülem Zia�ar�entaHcU� und JelHnensiK durch vorzügllehes Aw- ma mld augeuchmm mitdeu Hchsimacü aus nJttQart. 9Uar$ 1020. 3i<5arcficnfa6nfe Ankauf Juwelen i htaUgtn hoste» Kurt Margraf tCitx. Kanonlerstr. 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Die lstzte Sitzung des Charlottenburger StadiparlamentS beschäftigte sich rnil der folgenden Anfrage unserer Genossen: .In tvelcher Weise ist der Magistrat gegen diejenigen Beamten eingeschritten, welche sich durch Meldung als Zeitfreiwillige gur Verfügung der unier dem Befehl von Kapp und Lüttwiy stehenden Meuterer gestellt haben, und in welcher Weile gedenkt er gegen die Dezernenten vorzugehen, die zu diesem Zwecks Urlaub erteilt haben?* Gsnosie skalier geißelte in wirüamer Weise das Verhalten der Putschisten und schilderte die U e b e r- griffe der ZeitfreiwiUigen-iformationen. welche in ihrer Mehr- zahl aus reaktionären Elementen und früheren Offizieren zu- Kimmengesetzt war. Er verurteilte scharf, daß der O b e r b ü r g e r- meister im Rahmen seiner Befugnisse nicht dagegen ein- geschritten ist. daß einige Direktoren döhererTchulen die Teilnahme der Primaner am Putsch nicht verhindert haben. Unter einer Fülle von erdrückendem authentischen Dcweismaierial kennzeichnete er treffend die sogenannte Neutralität der Einwohner» wehr. Er verurteilte outs schärfste, daß der Oberbürgermeister einem Abgesandten deS Beamtenbundcs gegenüber die Erklärung abgab, daß er allen Beamten, welch« am Streik teilnehmen werden, das Gehalt sperren und daSDifziplinarverfahren gegen sie eröffnen werde. Alle Parteien, mit Ausnahme der bürgerlichen Fraktionen, waren sich einig in der Verurteilung dieser Stellung des Oberbürgermeisters. Dieser erklärte, daß er auch heure noch auf den Standpunkt stehe, die Teilnahme der Kommunal- beamten am Sleeik sei nicht zu rechtfertigen. Plarrer Dr Luther von der bürgerlichen Fraktion brachte zum Ausdruck, daß er zwar den Putsch der Kapp-Lütlwig sehr scharf verurteile, ebenso uiüsie er aber auch du, Generalstreik ablehnen. Zum Schluß der Debatte über diesen Punkt wurde gegen die Stimmen der Bürgerlichen beschlossen, einen fünfzehngliedriqen Untersuchungsausschuß einzusetzen. Von der sozialdemokratischen Fraktion wurden die Genopen Leupold, Skaller, Dr. Rosenfeld und Horlitz in diesen Ausschuß gewählt. Alsdann wurde einstimmig beschlossen, daß die Kosten für' die Bei- lexung der Opfer des Militärputsches, soweit Ziv ilp erf on en >» Frage kommen, durch die Stadt bezahlt werden. Weiter wurde beschlosien, gegen die Stimmen der Bürgerlichen alle Zah- lungeu au die Einwohnerwehr vom 1. April 1920 ab einzustellen. • Zn der Wilmersdorfer Stadtverordnetenver- i a m m l u n g verleidigte im weiteren Verlauf der Debatte Ober- bürgermeister Habermann seine Maßnahmen zum Schutze der Bevölkeruna, Lebensmittelläger und öffentlichen Gebäude und er- klärte, dem Truppenführer die dringende Bitte vorgelegt zu haben, keine Straßenpatrouillen herumzuschicken, gab aber auch zu. mit dem berüch- tigten Kapitän W örner verhandelt zu haben, dessen Beieble aber nicht verhindern konnte und so leid-r ein Menschenleben kostete. Genosie Lüdemann bekräftigt« daS erdrückende Beweismaterial, vom Genossen Dr. Holz vorgetragen, mit einem eigenen Erlebnis, und führte dann aus: Der Putsch Kapp-Lüttwitz hat die zusammengebrochene Moral der Truppen und ihrer Führer bewiesen, und es ist erfreulich, daß dem arbeitenden Volke Aufklärung zuteil, wurde, wie notwendig es ist. Einwohnerwehr und Trnppenverbände zu reformieren. Es ist zu begrüßen, daß der Bürgermeister den Haupt- manu Beyer als Führer der Einwohnerwehr als u n- erträglich bezeichnete und weit von diesem Herrn abrückte. Stehen so alle Volkskräfte, alle guten Republikaner zusammen, die bereit find, ehrlich auf dem Boden der Republik und der Demokratie zusammenzustehen, dann wird es möalich sein, zu einem soliden Ausbau zu kommen und daS Volk einer besseren Zukunft entgegenzuiühren. Ein Antrag Lüdemann und Genossen, der die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses verlangte, wurde angenommen. » Neoen den Stadtgemsrnden bat auch eine Reihe von Vorort«» btsordsre UnterfuchurngsMisichüsse über die Putsch- und General- fiweikporgänge und insbesondere über die Beiviligung von Ge- meirrdeboarneen eingesetzt. So beschloh die Steglitzer Ge- meindevertoetumg nach längerer politischer Aussprackie die Ein-. vtzrmg eines aus 8 Gemeindeverordrrreu und einem Mitglied des Gemeindevorstands hqtrhenden Untersuchungsausschusses. In Lichterfeldc wurde ein Antrag eingebracht, der aber noch nicht verhandelt werden konnte, sondern voraussichtlich in einer außer. ordentlichen Sitzung der Gemeindevertretung beraten werden soll. Die Putsch- und Sireikvorgänge wurden im Anschluß cm di« Forderung der Gemeindearbeiter auf Bezahlung der Streiktage in einer ausgedehnten lebhaften Besprechung erörtert; es wurde beschlossen, die Strerktage bis einschließlich Montag, den 22. März, zu be- zahlen, sobald feststeht, daß auch Berlin die Strciktage be- zahlt.— In Reinickendorf wurde gleichfalls ein aus 4 Ge- mcindeverordneten bestehender Ausschuß zur Untersuchung deS Tatbestandes der Beteiligung von Beamten, Angestellten und Arbeitern an dem Kapp-Lüttwitz-Putsck, eingesetzt und beschlossen, den Ar- bettern und Angestellten der Gemei-nde für die Tauer des General- streiks den Lohn zu zahlen; an die�Staatsregierung soll je- doch das Ersuchen gerichtet werden, diese Summen zu erstatten» da der Generalstreik von ZtegierungSseiie angeregt worden war. §unktionärkonferenz üer S. p. O. Heute 6 Uhr findet für alle zur S. P. D. gehörenden Parteifunktionäre, Betriebsvertraneuslente, Angestellten- und Beamtenvertrcter eine allgemeine Konferenz in den Germania- säle», Chausseestr. 110, statt. In Anbetracht der außergewöhnliche» Situation ist voll- zähligeö Erscheinen selbstverständlich.— Mitgliedsbuch und ÄuSweiskartc mitbringe«.________ Der Bezirksvorstand. Vereitelter Raubmordversuch. Ein schwerer Raubüberiall wurde am Monlag aus die 62 Jahre alte Ehefrau Wilhelmine Stock in der Zossener Straße 0 verübt. Als diese allein in ibrer Wohnung war, klingelte an ihrer Tür ein junger Mann, der sich nach emem ihrer Söhne erkundigle. Die ahnungslose Frau ließ den Mann auch hinein und kam mit ihm in ein längeres Gespräch. In dessen Verlauf sprang der Mann plötzlich' der Frau an den Hals und schlug mit einem harten Gegenstand heftig auf fie ein. Di« Ueberfallene lief nach der Küche, wurde jedoch von dem Räuber verfolgt, der fort- während auf sie einschlug, bis sie an der Kochmaichine zusammen- brach. Der entstandene Lärm und die Hilferufe der Frau hatten jedoch Nachbarn auf den Vorgang aulmerkram gemacht, die darauf- hin hinzugeeilt kamen. Letzt ließ der Räuber von feinem Opfer ab und versuchte zu entflrehen. Er kam jedoch nur bis zum ersten Stock, wo er angehalten und von einem gerade hinzukommenden Oberwachtmeister festgenommen wurde. Frau Stock hat fünf schwere Verletzungen am Kopf und mehrere an der rechten Hand. Der Verhaftete wurde festgestellt als ein 20 Jahre alter, aus Tcmpelhof gebürtiger Heinrich Kolanek. der es zweifellos auf eine Beraubung der Frau abgesehen hatte. Die Tariferhöhungen im Stadt-, Ring- und Vorort- verkehr. Wie erinnerlich, wurde gleichzeitig mit der am 1. März in Kraft getretenen lOOprozcntrgen Erhöhung der Tarif« im Güter- und Personenfernverkebr auch die Erhöhung der Bor- ortrarrfe für Berlin und Hamburg angekündigt, die jedoch noch nicht eingeführt worden find. Entgegen Meldungen von anderer Seite erfahren wir, daß diese Tarife noch nicht so bald zur Durch- sührung gelangen werden, da die Festsetzung der Preiserhöhung durch den preußischen Minister der öffentlichen Arbeit bis jetzt noch nicht erfolgt ist. Da di« Vorbereitungen für die in Aussicht genommene Erhöhung, z. B. die Errechnung der neuen Fahrpreise, der Druck der Fahrkarten usw. mindestens den Zeitraum von etwa sechs Wochen m Anspruch nehmen, so wird die Er- böhung auch am I.Mai noch nicht eingeführt werden können. Boraussichtlich werden die Verteuerungen der Tari'e auf der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahn zum 1. Juni zur Durchführung gelangen. Auch die Mitteilungen über die voraus» sichtliche Höbe der neuen Fahrpreise. Verleueruna um 25 oder 50 Proz. aller Preise sind unrichtig, da die Entscheidung deS Ministers Oeser in dieser Frage noch nicht gefallen ist. Die Erwerbslosenfürsorge verzichtet nrii Rücksicht aus die Oster- feierwge und den Karfreitag auf die an diesen Tagen fälligen Kontrollstempel. Vermischte Lokaluachrichteu. Einbrecher brachen in das Kaufhaus von Rudolf He rtz o g ein, packten für 100 000 M. Ware zusammen und schafften sie unbemerkt fort.— Für ebenso viel Stoffe erbeuteten andere Einbrecher bei der Firma M i ck a l o>v i c z u. B o ß in der Heiligegeiststr. 8.— Ein Schwindlerkleeblatt, bestehend aus zwei Männern und einer Frau, durch das seit längeier Zeit eine ganze Reihe von Tuch- geschäften empfindlich geschädigt worden sind, wurde von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Nachdem die Schwindler- und Diebesbande viele Berliner Geschäfte heimgesucht hatte, ging sie auf Reisen und gab nach einander in vier verschiedenen Städten Gastrollen, zuletzt" in Dresden und Hannover. Die dorr erbeutete Ware wollten sie in Berlin zu Geld machen. Dabei kam ihnen die Kriminalpolizei auf die Spur und nahm alle drei fest. Die Vortrüge im Mürktschen Museum werden morgen 7 vhr wieder ausgenommen, und zwar spricht an diesem Abend Pros. Dr. P ni ow er über die Baugcschtchte Berlins im 10. und 17. Jahrhundert. Während der Unruhen find dem Genossen Engen Walter, Berlin Z?o7, Goebenstr. 29, sämlliche Ausweispapiere(Parteibuch. Verbandsbuch usw.) in einer schwarzen Lriejtasche abbanden gekommen. Der ehrliche Finder wird um Rückgabe gebeten. Unkosten werden gern vergütet. Neukölln. Errichtung riueS städtischen KlciugartrnamtS. Der Magistrat hat die bereits feit Jahren bei der städtlichen Grundstücks- verwallung bestehende Einrichtung der Kleingartenverpachtung an Laubenkolonisten unter AnSichallmrg von Gencralpächtern entsprechend den AusfübrungSbestimmuiigen zur Kleingarten- und Kleinlandpacht- ordnung zu einem Kl ein garte namt ausgebaut. Zu seinen Aufgaben gehört auch die Bereitstellung von Gelände für den noch vorhandenen Bedarf an Kleingärten. Um das gegenwärtige Bc- dürfniS festzustellen, werden alle diejenigen Neuköllner Einwohner, die eine Rleingartenlandparzells zum Frühjahr anzupachten wünicher. ersucht, nch umgebend in die im Äleingartenamt, altes Rathaus, Zimmer 543. aüsliegende Bewcrberliste eimragen zu wsien. Die bereits beim Magistrat erfolgten Notierungen finden Berücksichtigung, so daß sich eine nochmalige Bewerbung erübrigt. Weißeusee. AuS der Gemeindevertretung. Der Strompreis beträgt für April unter Fortfall dos Rabatts für Kraststrrun 1 M... für Licht 1,80 M. pro Ailowattsiunde.— Die Kanalisationsgebühren sind auf 8� Proz. festgesetzt.—- Die H u n d e si e u e r ist nach den Vocschlägon von Berlin(der erste Hund 100, der zweite 150 M.) angenommen.— Der Wasserpreis betrügt ab 1. April 1920 unter 80 Kubikmeter 63 Pf., über 80 Kubikmeter 68 Pf. Wenn weniger als 20 Kubikmeter Wasser verbraucht werden, ist ein Betrag von 10 M. zu entrichten.— Einer Anleih« von 600 000 M. wurde zugestimmt. Die Erhebung eine« weiteren Z u- schlages von 50 Proz. StlaatS-steuer wurÄe gegen die Stiinrmsn der U. S. P.«rncenornmen. Groft-Berliner Lebensmittel. Berlin./,: Onkel Moritz. Volksbühne a-Äm. ?/,: Götz ton Beiilchlngen. (Vorstell. d Klass.Theaters.) 7V, Uhr: Der Llebeatranlc. Lessho-Tiieater. Direktion: Victor Barnowsky. 7 Uhr: WozzeckJeßDiilschwester Donnerstag?>/,: Pygmalion. hreiiag; Geschlossen. Deutsches Rönsller-Theater AIÄ,:eh Menagerie (Adalbert, Götz, Haack, Kon- schewska, Fischer, Morgan, Wallauer.) APOLLO i '/. Theater 7'/,! l-riedrichstraße 218. Direkt James Klein. fielzter Tag der �nslands- ! Sensationen| Ab 1. April t Afra is Welt.Rfits Vorsieht hei Oespräsben Telephonfreudao im Jahre 19201 Gastspiel: Valy Arnhelnt .Ttargn Lind • sowie I IlDMeMcskW Schall nRauch im Großen Schauspielhaus, Karlstr.- Schiftbauerdamm Das« Kürz-Propmin Oskar Sabo Valaska Carl Maciy Christians H. H. v. Twardowskl H. v. Woizesen u. a. Musik.Leltu Frledr. Holländer. Eröffnung TV* Beginns1;, Uhr, Circttsßnsci Mittwoch, ZI. März, 7>/, Uhr. Große a Allabenolich 7 Uhr:< John Hamilton Fritz u. Hobby Link Elenlta Schlüter. Grünitz Mnrga a. Egon Laron Ha.nsl Etzer Paul Goldler Walter Steiner Gcza Varady Truppe Grete Ruza Dougson Kapelle Mündt Neumann. Am Flügel; E, Hentscbel. Morel | Der Meister der Kette. I. 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Uhr: Variete-Spielplan Rauchen gestattatt Trotz Preissturz zahle: Lagermetall kg b.«12,00 Kupfer... 11,00 Rotgaß... 0,30 Messing.., 7,00 Blei.,. 4,00 Zink... 3,50 Tasche, BeIIe-All)aiice-Str.96 Langenbeckst.4. Ecke Elbinger uWIlmersdf., Bernhardstr.ISa. isEJ.F.Rauch Friedrichstr. lt.— Brunnenstraße 174, neb. Ooldgeschäft Busse.— Große Frankfurter Straße 112, neben Jandorf.— Invalldenstr.164. Hauptkontor N 4, Bergslr.34, a. Stett.Bahnh. Edler dentsch.W einbrandi Derby Cognae. ZnchergesBBter Kurfürstlicher Magenlikftr. Kräftiger Dänen- Hobro. Echter Jamaika* Rum. KierliKör Hdvokat. zahle ich die lohnendsten Tagespreise. Von allen Richtungen in Kupfer("»Tl Messing Biel| Min.| zink Metallhandlnng SW, Simeonstralic 23, Ecke Alexandrinenstraßc. Keine Täaschunx des Publikums. Berliner Sitzmöbel- Industrie Q. m. b. H. BerllnC2,NeucPromenad.l Eckhaus am Babnb.Börse. Eigenes erstkl. Fabrikat. Lnxerheauch erbeten 1 �ittn bis SO matt per ftitogc. 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PreuWhe| Nach der Rede des Ministerpräsidenten Genossen Otto Br a u n wurde zunächst der Nachtragsetat dem Ausschuh überwiesen, der Gesetzentwurf über die Uinerbringung der niittelbareu Staats- beamten und Lehvpersonen aus den abzutretenden oder besetzten preußischen Gebieten einstimmig angenommen, ebenso die Erwei- terung des Stadrtrciscs Geestemünde und der Gesetzentwurf über die Erweiterung und Einschleusnng des Fischereihafens in Geeste- münde. Anträge des Abg. G r ä f- Frankfurt(Soz.) betr. Notetat und Erhöhung der Bezüge der Abgeordneten gehen an den Ausschuß. Es folgt die Besprechung über Sie Regierungserklärung. Abg. Wildermann(Z.): Wir halten grundsätzlich jede Revo- lution für ein Verbrechen, weil sie gegen Recht und Ordnung der- stößt. Zwischen Kapp-Lüttwitz und Genogen und den Führern der Roten im Rubrrevier besteht kein grundsätzlicher Unterschied.(Leb- Haftes Sehr richtig!) Lüttwi« bat noch kurz vor dem Putsch auf seinen Eid hingewiesen, um sich bei seinen Vorgesetzten Vertrauen zu erschleichen. So gehen diese Leute mit ihrem Eide um. In erfreulichem Gegensatz dazu steht die ihrem Eide und der Ver- fassung treue Haltung der Beamtenschaft. Gerade diese hat auf die Kapp-Leute einen ernüchternden Eindruck gemacht.(Lebhafte Zustimmung.) Wir dürfen nicht nach der Gesinnung der Beamten schnüffeln. Der Generalstreik hat gewiß viel zur Nieder- werfung des Aufstandes getan, aber nicht alles. Die Forderungen der Gewerkschaften gehen in vieler Beziehung doch zu weit, sie nehmen der Regierung teilweise die notwendige Gewalt, teilweise öffnen sie der Willkür Tür und Tor. Daß solche Forderungen an- genommen werden mutzten, ist die Wirkung des Vorgehens von Kapp. Das zusammen mit der Verkündung des Generalstreiks hat den günstigen Augenblick für den Ausstand im Ruhrrevier ge- schaffen. Gegen die jetzt dort plündernden Horden mutz die Re- gierung scharf vorgehen und das Ultimatum unnachsichtlich durch- führen. Nur eine Koalitionspolitik kann unser Vaterland wieder hochbringen. In der gemeinsamen Liebe zum Vaterland und in jener Liebe, die in dem anderen den Menschen und den Bruder sieht.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Hrrgt(Dnat.)(von stürmischem minutenlangen Lärm der äußersten Linken, in dem der Ruf„Hochverräter!" durchdringt, empfangen): Der Schwerpunkt der politischen Lage liegt im Reiche; viel Bedeutung haben die Vorgänge in Preußen nicht.(Erneuter großer Lärm links.) Der Kapp-Putsch war schon am 14. end- zültig erledigt, weil er von vornherein zur Aussichtslosigkeit ver- jjricilt war.(Gelächter und Lärm links. Sehr richtig! rechts, »-•■irauf der Lärm links mit erneuter Gewalt losbrickit.) Seit dem 17. hat sich die Lage vollkommen verändert, wir stehen vor einer bolschewistischen Bewegung.(Sehr richtig! rechts.— Ungeheurer Lärm links.) U.ns wäre nichts lieber, als diese Bewegung mit einem Wort, sie wäre ein Gespenst, abtun zu können. Aber dies Ge-spenst hat Fleisch und Knochen.(Gelächler und Lärm links.) Gewiß, eS waren gewisse Persönlichkeiten unserer Partei an der Sache beteiligt, für uns ist das schmerzlich genug.(Sehr richtig! rechts. Lachen links.) In seiner Erregung identifiziert uns das Volk wohl mit dem Militärputsch, namentlich wenn es solche Reden hört, wie jetzt vom Ministertifche das Wort von dem deutschnatio- nalen Putsch.(Lärmende Zustimmung links. Unruhe rechts. Die Kundgebungen auf beiden Seiten erneuern sich lange mit wachsen- der Stärke.) Selbst die alte Regierung erkannte in einer amt- lichen Kundgebung noch am 12. an, daß bei dem entdeckten Auf- rühr die Rechtsparteien nicht im geringsten beteiligt waren.(Lär- mender Widerspruch links.) Schließlich hat sich nur ein kleiner Kreis an dem Unternehmen beteiligt. Das festzustellen, wäre an- ständig, ehrenhaft und unparteiisch.(Sehr wahr! rechts. Großer Lärm links.) Wir haben programmatisch jede Gegenrevolution, alle gewaltsamen Veränderungen der Verfassung abgelehnt.(Ge- lächter und lärmender Mderspruch links.) Am 13. wandte sich Lüttwitz in tiefer Sorge an uns. Wir konnten die Hoffnung haben und hatten bereits am S. März bewirkt, daß von jedem irgendwie bedenklichen Unternehmen Abstand genommen werden würde. An dem unglückseligen Mittwoch brachten der Reichsvrössdrnt Ebert und Roske die Sache in Gang.(!) Wir haben der Regierung keine Mitteilung gemacht, weil wir wußten, daß sie von anderer Seite, z. B. dem Staatskommissar, über alle Einzelheiten informiert war, und zwar von uns im Interesse des Vaterlandes. Der Staats- kommissar hat der Regierung die Sache auch so vorgestellt, wie sie sich tatsächlich entwickelt hat. Sie schenkte ihm aber keinen Glau- be«, sie erwieS sich entweder als leichtfertig oder als unfähig. Die eiitzelnen waren zum Teil Einspänner und Eigenbrödler und als solche bekannt. Ebensogut könnte man den Sozialdemokraten den Namen W i n n ig entgegenhalten. Wenn einzelne Beamte mit- machten, hunderttausende haben nicht mitgemacht, und wesentlich an ihrem Widerstand ist Kapp gefallen.(Großer Lärm links.— Andauernde Unruhe im ganzen Hause.) Wäre ick zu Kapo mit der Bitte gekommen, die Sitzung des Aeltcstenausschusses hier zu- zulassen, er hätte mich wahrscheinlich hinausgeworfen. Wir bitten um Gerechtigkeit. Nun komme ich zur Schuld auf der anderen Seite.(Großer andauernder Lärm links. Der Präsident erteilt den Abgg. Schmidt-Eöpenick»nd Adolf Hosftnann Ordnungsrufe.) Die jetzige Regierung war schließlich nur noch eine shstematisch ouSgebwnte Diktatur.(Großer Lärm.) Im Volk setzte eine Neak- tum dagegen ein und nachher auch im Heere. Das Heer fühlte und wußte, daß der großen Menge des Volkes Unrecht geschab.(Großer Lärm links.) Das war der Grund der Epplofion, und die Sckuld, daß sie plötzlich ausbrach, trifft die Rczierung und die RegierungS- Mehrheit, die trotz aller Informationen keine Kenntnis von der Unruhe in der Armee nahmen oder sich nackher als unfähig er- wiesen. Auch Groener und Seeckt haben ja von der Unruh» ge- wüßt. Hätte man auf daS Ultimatum Lüttwitz' eine richtige Ant- wort gegeben, er wäre ruhig nach Haufe gegangen, und nichts wäre gesckehen. Zu uns hat er Revancheidcen nicht geäußert. Verhandelt ist doch worden, ob Sie es so oder so nennen. Und wenn' die Regierung Kavp niederwarf um den Preis der Zuge- ftändnisse an die Gewerkschaften, so war das nur ein Pyrrhussieg. Daraus entsprang wieder die neue gewaltige Bewegung, vor der wir stehen, und ihre gewaltigen Erschütterungen. Kein Mann war da, der rechtzeitig vorbeugte und die Ordmingselemente zusammenfaßte. Ein gemeinsames Ziel für diese da? hatten wir vor Augen. lGroßcr Lärm und Griäckter links.) Nicht durch Koalitionen, son- dcru durch den großen Gedanken des Kampfes gegen die Links- rabikalifierung kommen wir wieder auf, und was würde das auf das Ausland für einen Eindruck gemacht haben!(Ungeheurer, an- haltender Lärm links.) In den neuen Punkten der Gewerkschaf- ten liegt keine Lösung, sondern die Ursache weiteren Streite». t>er unser Volk auseinanoerreißt. Man weiß jetzt, wie stark die Link?- bcwegung vorbereitet gewesen ist. Mit der Hinausschiebung der Wahlen und der Abänderung der Präsidentenwahl hat man Un- rechr getan; das hat sich jetzt herausgestellt. Die Berechtigung der von uns eingenommenen Haltung hat ihre Betätigung gefunden. c Lebhafter Beifall bei den Deutschnationalen, der mit Minuten- langem Lärm und Zischen aus den Reihen der Mehrheit bcant- wartet wird.) � Vizepräsident Frenvel macht die Mitteilung, daß ein Antrag Sicring. Dr. Porsch und Fried borg eingegangen ist. der der Regie- runa da? Vertrauen ausspricht. ZRinisterpräftösnt Sraun: Die Angelegenheit des Reichs können wir hier nicht erörtern; ich kenn deshalb nur auf die Vorwürfe gegen die preußische Staats- regierung eingehen. Daß der Staatskommissar für die öffentliche ericherheit aus den Putsch hingewiesen und Gegenmaßnahmen verlangt hat, ist falsch.(Hört, hört?) Der Staatskommissar hat am 8. März lediglich auf Bewegungen hingewiesen, die in rechtsstehen- den Kreisen beständen, und auf eine Gärung in der Reichswehr wegen der llnsicherheit ihrer Existenz.,(Zuruf rechts: Na also!) Aber nichts ist darüber mitgeteilt worden, daß ein derartiger ver- brecherischer Plan bestand, wie er am 13. März auSgefübrt ivurdc. Wenn die Regierung ein Vorwurf trifft, dann nur der, daß sie zu vertrauensselig gewesen ist und den Vcrsicherunge» der Herren aus rechtsstehenden Kreisen und vom Militär zuviel Glaube» geschenkt hat. iLebhafte Zustimmung bei der Mehrheit.) Nach einem Bericht der„Deutschen Tageszeitung" haben Lüttwitz und Oldershausen das Militär vor den Folgen eines unvorsichtigen PorgehenS g e- warnt.(Lachen bei der Mehrheit.) Sie hatten lieber der Re° gierung Mitteilung über die Pläne machen sollen, dann hätten wir sofort Gegenmaßnahmen ergriffen.(Gr. llnrube rechts. Lebh. Zu- sttmmung bei der Mehrheit.) Die Versuche, die Mitglieder der Deutscknationalen Volkspartei nachträglich abzuschütteln, die an dem Putsch beteiligt waren, sind doch allzu durchsichtig. Herr Traub, einer der prominentesten Redner der Deutschnationalen Partei, soll aus einmal Eigenbrödler sein. Sind denn auch Herr von Kessel und Herr von Wangenhetm Eigenbrödler? (Große Unruhe rechts.) Die offizielle Kundgebung der Deutsch- nationalen Parte! enthält zudem kein Wort der Verurteilung gegen Kapp und Genossen, man stellt sogar den Hochverrätern und Meuterern seine Mitarbeit in Aussicht. Hergts Phrase„Praktische Politik" bedeutet doch nur: Wenn die Sache gut geht, machen wir mit, geht sie schief, ziehen wir uns zurück.(Anhaltender Lärm rechts, lebhafte Zustimiming links.) Die These Hergts, der Putsch sei zurückzuführen auf den Unwillen drs Volkes gegen die Reichs- regierung. ist doch gänzlich unhaltbar. Das Volk ist ja wie ein Rtann gegen die Putschisten aufgestanden.(Lebhafter Beifall.) Das Gered Hergts von einem Verfassungsbruch wegen der Wahl des Reichspräsidenten ist völlig gegenstandslos.(Lebhaste Zu- sttmmung.) Es ist überhaupt kein offizieller Schritt von der Re- g'erung oder von den Parteien zur Aenderung der fraglichen Ver- fassungsbestimmungen geschehen. Wäre das aber gemacht worden, so wäre die Verfassung auf legalem Wege geändert worden. Das ist aber kein Versumnigsbruch(Große Unruhe rechts. Gegenkund- gebungen links.) Wo waren Sie, als ich vor Jabren hier beantragt habe, das Volksoberhaupt durch Volksabstimmung zu wählen und es nicht von der Geburt abhängig zu machen?(Große Unruhe rechts. Stürmische Heiterkeit links.) Hergt hat behauptet, der Putsch wäre nicht erfolgt, wenn wir aus die Bedingungen deS Generals v. Lütt- Witz eingegangen wären. Da Herr von Lüitwitz Nichterfüllung des Friedensvertrags, Rüstungsvcrstärkung mit dem Ziel eines Re- vanchekriegeS und ähnliches verlangte, waren seine Bedingungen von vornherein unannehmbar. Abgesehen davon ist die Logik des Hergt twch höchst seltsam. Wenn«ine Räuberbande jemand mit vorgehaltenem Revolver zwingt, sein Portemonnaie herauszugehen, hat sie natürlich,-nenn das erfolgt, keinen Mord mehr nötig. lGroße Unruhe reckts. Lebhafte Zustimmung links.) Wir erklären aber ganz offen, daß wir mit solchen Elementen wie Lüttwitz über- Haupt nicht verhandeln.(Stürmischer Beifall.) Abg. Limberv(Soz.): Hergt gehört zu einer Partei, Nio der eiiw für den andern nicht veranÄrortlich ist. iHerterkeit.) Für die Schuld der Deutichnationalen an dem Putsch gibt es aber Jeokil- meniarifche Beweise. Millionen Flüche hageln beute auf die Schul- digen nieder.(Lebhafte Zustimmung.) An der Vernichtung so vrcTcr Menschenleben und Sachgütor ist nur die unverschämte Hetze der Reckten schuld. Es ist eigentümlich, daß die Rechte so nervös wurde, als Braun daraus hinwies, daß gerade die Schieber und Wucherer in Bcrlfn den Kapp-Verbrechern zugejubelt haben. Kapp und feine Genossen hatten die Frechheit, dieses Haus aufzulösen und die Abgeordneten mit Gewalt an seinem Betreten zu hindern. Herr Negenborn d-urstc allerdings hereinkommen..(Lebhaftes Hört, hört!) Hier ini .Hause bat er dann gesagt:„Na, meine Herron, es hat sich ja allerhand hier«rändert. Aber ich Aaube. es wird gut gehen, wir werden es schaffen!"(Große Unruhe rechts.— Anhaltende Bewegung.) Der Redner verliest zahlreiches Propagandamaterial, Briese und Berichte von Offizieren der Eisernen Division aus der Zeit vor dem Putsch, aus denen hervorgeht, daß dieser von langer Hand vorbereitet wurde. Die ganze löetzc der rechtsnationalen Presse ging seit Mona-ten daraus hinaus, den Boden für einen solchen Putsch vorzubereiten. Da ist zwischen den Dentschnativnalen und der Deutschen Volkspartei kein Unterschied. Gegen den Putsch gab es keine andere Hilfe als den Generalstreik. Wer den Generalstreik verurtrilt, ist ein Lüttwiviancr.(Widerspruch rechts.) Lediglich der Tatsacke, daß die Bevölkerung bis in die weiten Kreise des Bürger- tum» hinein sich zum Schutz der demokratischen Verfassung und der Republik erbeb, ist es zu verdanken, daß die Kapp-Herrschast sich nicht halten konnte. Wir bringen der neuen Regierung nur Vertrauen entgegen, solange sie sich nach den mit den Gewerkschaften ver- einbarten Punkten richtet. Die.Mchrheitsparteien haben sich durchaus auf diesen Boden gestellt. Wir brauchen ein verfassungstreues Herr uutcr Ausschaltung aller gcgenrevolutionären Führer, in Preußen eine treu« Sicherheitswehr. Wir werden dafür sorgen, daß diese Politik des Wiederaufbaues wefterbetrieben wird zum Wohle des ganzen Volkes.(Lobhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. von Krause(D. Bp.): Wir verwerfen jeden gewalt- samcn Uinsturz. Wenn man den Generalstreit verurteilt, billigt man noch nicht die Revolution.(Widerspruch links.) Unser Aufruf vom 13. März mag im der Form nicht ganz glücklich sein, er beweist aber, daß wir Verfassungsänderungen nur auf gesetzlichem Wege wollten. Die Nationalversammlung und die frühere Regierung sind mitschuldig am Putsch. Ter Gcnerafftreik war ein Verbrechen und ein Fehler. Mit Kapp haben alle Parteien verhandelt. Wir haben Klassenherrschaft stet? verurteilt(!) und wollen keine neue Klassenherrschaft einführen. Ehe die politischen Leidenschaften nicht zum Schweigen gebracht werden, wird es nicht besser lvevden. An der Bersölmung der Gegensätze im Volke müssen wir mit festem Willen arbeiten.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Fricdbcrg iTem.): Durch die Verfassung, die die auf Grund des sreiesten Wahlrechts gewählte Volksvertretung beschlossen ■bat, ist ein Recht geschaffen worden, an dem nicht gerüttelt werden durfte. Der Versuch der Clique Kapp, diese Verfassung umzustoßen, bat doch einen wesentlich anderen Charakter als die Revolution vom November 1S18.(Lebhafter Beifall.) Wesentlich verschlimmert wird dieses Verbrechen dadurch, daß es in einem Augenblick erfolgte, wo es das Vaterland aufs allerschwerste schädigen mußte.(An- haltender Lärm rechts.) Der Putsch bat in den Massen die größte Erbitterung erzeugt; was mühsam ausgebaut worden war, wurde durch das unsinnige und törstfee Unternehmen hinweggespült. Wie tief ist ein Teil des ehemals so hoch achtbaren Offizierkorps herabgesunken! (Groß. Unruhe rechts.) Wenn sich der Deutscknationalen Partei auch keine«»mittelbare Mitwirkung an Vom Stacnsstreich nachweisen läßt, so hat sie ielbfiverständiich doch mittelbar an ihm mit- geholfen. Gerade die Deutschnationake Parte! hat durch ihre Hebe erreicht, daß die Regierung in ihren Kreisen als ein llebel betrachtet wurde, zu dessen Bescingung alle aeietzlichen und ungesetz- lichen Mittel erlaubt sind. Durch„praktische Polttil". die Herr Hergt und seine Freunde oüriebcn haben wolstn, darf man doch nicht Ungesetzlichkeiten legalisieren. Weshalb haben Sie(zur Rech- tcn) denn nicht unter Ebert-Bauer praktische Politik getrieben? Jetzt wird mit dialektischen Kunststücken versucht, ebenso wie früher die Schuld an dem Zusammenbruch auch die Schuld am Putsch auf U«schuldige abznwikkzeu. Der Aufruf der Deutsches üdOsporid anläßlich des Kapp-PutfcheS war ein Meisterstück politischer Doppelsinnigkeit. Man muß doch unterscheiden zwischen einem grundlosen Generalstreik und einem Generalstreik zum Schutz der Verfassung.(Leb- hafte Austimmuug.) Trotz des Unglücks, das dieser Putsch über uns gebracht hat, wollen wir an der Zukunft unseres Volkes nicht ver- zweifeln.(Lebhafter Beifall bei den Dem.) Abg. Negenborn(Dnatl.)(persönlich): Ich soll die mir von dein'Abg. Limbertz in den Mund gelegte Aeußerung vor Dienern des Hauses geniackt halben. Das stimmt nicht. Abg. Vubert(Soz.): Tie fragliche Aeußerung Negenborns ist zu vier Dienern so laut gemacht worden, daß sie Parteifreunde gehört haben. Danach vertagt das Haus die Weiter beratung auf Mittwoch 11 Uhr.— Schluß Uhr. Wirtschaft Die Fischvcrsorgung. Infolge des Fleischmangels hat die Fischversorgung eine außer- ordentliche Bedeutung. Die hohen Fi s ch p r e i se haben jedoch in den großen Vollsmassen tiefe Erbitterung erzeugt, weshalb wir den wirtschaftlich-tcchnischcn Aufbau der Fijchversorgung klar legen wollen. Am 4. August 1 still wurde die Fischversorgung dem Handel leider freigegeben. Die ersten Auktionen trieben die Preise in so phantastische Höhen, daß sie aufgegeben und die Festsetzung von Preisen wieder erfolgen mußte. Die Seefische werden in den Häfen Geestemünde-Brcmerhaven, Cuxhaven, Ha.nburg-Altona, Wilhelms-- Häven angeliefert. Die Reeder dieser Häfen haben sich zum Wirt- schaftsverband der Reeder in Geestemünde zu- sammengeschlossen, der die Preise selbständig seststellt und die Fische an die ansässigen F i s ch h ä n dl e r, dieGroßversandfirmen, verteilt. Seit der Aufhebung der Zwangswirtschaft hat sich die Zahl dieser Firmen stark vermehrt, Fleischer und andere Berufe haben sich dem Fiichhandel zugewandt. Diese Fischgroßhändler be- liefern die Berliner Großhändler, früher 12 Firmen, heute etwa 3(1—40 Firmen, und diese beliefern die Berliner Kleinhändler, früher etwa 4/,S Uhr Berliner Konzert-Säle(AnninlmUcn). Kommandanteiiltr 58/39, Stellungnahme zum Zarisverlrag.— Fachgruppe t 4 ä(AngelteAe der Ge- lundlieilSmdultrie). Abends 7 Udr Haoerlands Feftsäle. Neue Friedrich- ltraße 35.— B e t r i e b S I n n! t i o n ä r e. Am Donnerstag, abend» 7 Uhr, Bötzow Brauerei, Prenzlauer Allee 212. Tagesordnung: Die Durchs ährwig der Beitragserhöhung nach den Beschlüssen der Dele- giertenveffammlung. Ortegrupve Wilmersdorf beS Bundes der techn.«lngestellte« »nd Beamten. Donnerstag, den 1. April, abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung im„Augustahos", Wilmersdorf, Augustastr. 2. Vorträge, Vereine unü Versammlungen. Arbeiter-Radfahrer-Bnnd.Solidarität-', Ortsgruppe Berlin, II. Abteilung. Ostern. I-Tagejabrt nach Buckow und Ncu-Tucheband. Start: Freitag, den 2. April, morgens 7 Uhr, Fontanepromenade 18.— Touristenverein„Tie Ratursreuiide-'. Donnerstag 7 Uhr Ohm- suaße 2: Mitgliederversanimluna. Ostern: 2-Tagetour nach Sternebeck, Baa-Tee mid Umgegend. Abfahrt: Sonnabend abend 6.11 Wriezener Bahnhos.— öteichsbuod der»ricgsdeschädigteu. Bezirk Eharlotten- bürg. Sonntag vormittag 9-/, Ubr im VoltsdmiS. Rosinen str. t. Rit- gliederversammlung sür Kriegsbeschädigte und KriegShiM-rbiiebene. Berantw. Mr den redakrion. Teil:«Anr HiSla, Charlottenbura! für Anzeigen: Th. Stocke, Beilin. L erlag: Borwärte-Verlaa Qj. m. b. S., Beelin. Druck: Bot- wSrts-Buchdruckeeei u. Berlaasauftalt Paul Sinaer u. To. Berlin. Lindenstr. 8. Pier,- 2 Belloge». gegen geringe M o n a t s ge b ü h r; auf Wunsch auch gasgefüllte Metalldrahtlarnpen mit und ohne Armaturen. Ausgebrannte Lampen werden von uns ohne Mehrkosten ausgewechselt Wöchentliche Lampenkontrolle. Instandhaltung von Oasglühlicht-Anlagen 1 m Abonnement. Man verlange unverbindlichen Vertreterbesuch und Sbeneuge sich von den vorteilhaften Bedingungen. Fabrik für Glühlichtbedarf, Abonnements-Abteilung, Berlin O 17. Fernsprecher: Königstadt 8233.