Ur. 168. 37. Jahrg. Bezugspreis: V-rteliährI.ZI.— M!.inmult�7.-Ml. frei>iis Sous. oormls Zahlbar. Pos!» oezug: Monatlich»ÜX) Ml««rkU�u- slellungsgeoühr. Unier Kreuzband fiir Deutschland und Oesterreich- Unzarn 102' Mb. sitr das übrige Ausland ItSd RI» bei täglich emmal. Zustellung 1250-Uli, Poltüestellungen nehmen an Dänemart, Holland, auremdurg. Schweden und die Schweiz. Ein» getragen in dir Volt- Zeitung»- Preisliste. Der.Vorwärts� mit der Sonntags- beilege.Volt u. Zeit" erscheint wochen- taglich zweimal. Sonntags einmal. Teiegrautm-Adrefsr .Sozialdemokrat Berlin". Abend Ausgabe. Devlinev Volksblatt (Ts Pfennig) SszetgeuprriS t Di« ackstgefpaltene Nonpareillezeile kostet 2,50 M.Teu«r«ngszuschlax 50%. «ttleia» Anzeigen" das seit- gedruckt« Wort 75 Pfg.(zulässig zwei fettgedruckte Wortes, jede» weitere Wort 50 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 65 Pfg. jedes weiter« Wort tO Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen fiir zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%. Familien- Anzeigen, politische und' gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen 2,- Ml. die Zeile ohne Auffch'aa. Anzeigen für die nächste Rummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Haurtgeschiift, Berlin SW 02. Linden- ftraße Z, abgegeben werden. Deöffnet »on 9 Uhr srüh bis 5 Uhr abends. Zcntralorgan der rozialdemokratircbcn parte» Dcutfcblands Keüaktion und Expedition: EW. 68, Änöenstr. 3. j a-erndprccher: Amt tvlorinvla«, Str. läKgv— lSlii?. Mittwoch, den 31. März 1VSO. vorwärtseverlag G.m.b. tz., SW. 68, Linöenstr. 3. Aernivrecher: Amt Morisiplat», Nr. 117 53—34. Die öänis Die Krise, die der König von Dänemark durch seine chauvinistischen Tendenzen entsprungene diktatorenhafte Der- abschiedung des Kabinetts Zahle vom Zaun gebrochen hat, besteht in voller Schärfe weiter. Ob die friedliche Lösung, die in Vorschlag gebracht worden ist, Gnade vor den Augen des Dänenkönigs finden wird, erscheint mehr als zweifelhast. Danach würde das neue Kabinett mit dem däni- scheu Reichstag in Verhandlung treten, ehe die Auslösung des Parlaments ausgesprochen wird. Die Haltung des Paria» ments könnte allerdings nach seinen bisherigen Beschlüssen nicht zweifelhaft sein. Es wäre genötigt, der neuen Regie- vung sein Mißtrauen auszusprechen, ein sich auf die Mehrheitsparteien stützendes Ministerium würde an ihre Stelle treten und dieses hätte dann die N e u- Wahlen auszuschreiben. Eine wesentliche Aenderung wäre damit aber kaum geschaffen, höchstens die Krise vertagt. Im einzelnen liegen uns folgende Meldungen vor: Tie Republik als Wahlparole. Kopenhagen, 30. März.(W. T. B.) Zur Beratung der gegen- wärtigen politischen Lage Hielten heute die Reichstags fvaltionen Sitzungen erb. Die sozialdemokratische Partei veröffentlichte einen Aufruf, in dem«S heißt: In naher Zukunft lornien wir Wahlen erhalten. Wir fordern, daß die arbeitende und demokratisch fühlende Wählerbevölkerung auch bis zum letzten Mann stimmt und die reaktionären Pläne zu vernichten sucht. Losung bei den Wahlen Durchführung der Demokrat isierung der Verfassung. Einführung der Republik und des Einkammersystems und Herabsetzung deS WM. alters auf daS 21, Lebensjahr. SS muß in der Verfassung eine Einheitlichkeit geschaffen werden, damit■ keine königliche Laune die ruhige parlamentarische Entwicklung stören kann. Einheitsfront der Sozialisten nnd Gewerkschaften. Kopenhagen, 31. März.(W. T. B.) Der Hauptborstand der dänischen Sozialdemokratie hat gestern abend nach einem Bericht des bisherigen Arbeitsministers Stauning über die Lage die Ausschließung deS Abgeordneten M a r o t t, der in der nordschleSwigschen Frage sich oen Chauvinisten anyeschlos» fen hatte, beschlossen, und w einer Entschließung erklärt, er stimme der Haltung der Parteileitung anläßlich deS Staatsstreichs und dem Aufimf der Reichstagsfraktion zu und verspreche Unterstützung der. vom Parteivorstand zu fassend� Beschlüsse. Der Hauptvorstand forder« die Parteigenossen und organisierten Arbeiter auf, mit allen Kräften die Beschlüsse zu unterstützen, die die Generalversammlung der Gewerkschaften am 31. März vormittags fassen wird. Hilfeschrei aus Duisburg. Wolst meldet: Die ReichSregiernng hat anS Dnil»- bürg das nachstehende Telegramm bekommen: Die Lage in Duisburg hat sich so zugespitzt, daß die Ordnung nur durch»n- perzügliches Eingreifen der Reichswehr wieder her- gestellt werden kann. RUckflutende bewaffnete Masse« haben die Ausgänge der Stadt besetzt»nd zwingen mit Gewalt die Werke zum Stillstand. In der Stadt herrscht nach wie vor dir Willkür einiger linkskommunistischer Elemente. Dir Hoffnung, in der Stadt beim Znsammenbruch der roten Front mit Polizei und Ortswehr die Ordnung selbst wieber herzustellen, muß auf. gegeben werde«. Oberbürgermeister, ZentrrnrtSpartei, Sozialdemokratische Partei, Deutschdemokratische Partei. Unser Duisburger Parteiorgan schreibt: Dir Wahnsinn der Berliner Putschisten bahnte im unserer Stadt einem Zustand der Unhalrbarkeit, der Frivolität, der vom Egoismus einzelner herrschsüchtiger Fanatiker getragen ist, den Weg. Die Idee der Mktatur, die durch räuberische Requi. s i t i o n e n und sonstige fahrlässige, an das JndiänerHafte grenzend« Handlungen zum Ausdruck gebracht wurde, wird sich bald als ein Produkt politischer Unreife erweisen. Was jene Leute einst bekämpft«« und bekrittelten, machen sie heute zur Tat, besudeln das ideale Programm ihrer großen Führer und erniedrigen die Arbeit der großen Männer, die mit der Arbeiterbewegung, dem Sozialismus straff verwachsen waren. Nicht Führer sollten sich diese Menschen nennen, sondern alz Verführer werden die Saboteure der Bevölke- rung— Wild und Koch— gebrandmarkt werden, wenn in diesen Tagen ein durch sie verschuldeter und bis aufs äußerste verseuchter Apparat zusammenbricht. Nicht dem Kommunismus galt ihr Hau- dein, sondern ihren eigenen Interessen, die dem aus dem Fanatismus geboreneu elenden RSubertum entsprechen. Die Unabhängigen gegen die„Lndendorffe von links". In einem unabhängigen Parteiorgan äußert sich der gerade nicht mäßige Führer der Hagener Unabhängigen Joses Ernst, in dessen Händen die Aufmarschbewegung des Proletariats gegen die Reaktion Hauptsächsich mitgelcgen hat, wie folgt:> che Krise. Die Haltung der Konservative». Di« konservative VolkSpart«i beschloß«imstiiivung einen Aufruf an das dänische Volk zu richten, in dem eS heißt: Der König hat kraft seines verfassungsmäßigem Rechts und in Volker Uebereinstimmung mit d«m parlamentarischen StaatSge» 'brauch an sein Volk appelliert. Er hat die Minister entfernt, die sich zwischen ihn und daS Volk stellten und die eigenmächtig die Krone daran hinderten, den Willen des Vvlkes zu erfahron. DaS Schicksal des Landes ist wieder in die Hand des Volke» gelegt. Die konservative Volkspartet richtet die eindringliche Aufforderung an alle besonnenen und patriotischen Bürger, sich zusammenzuschließen zum Schutz gegen die staatsgefährliche» und zersetzen den Bewegungen in unserem Lande, damit die bevor. stehenden FolketmgSwahlen durchgeführt werden können. I» par- teipolitischem Interesse wird der Staat von demokratischer Seite mit einer Lähmung alter QebenS fun kti onen bedroht. Wir weisen dies« Gewalthandlung zurück. Aufruf der nene» Regierung. Kopenhagen, 80. März. In dem gestern von der neuen Re g i« r u n g erlassenen Aufruf an da» Volk heißt eS n. a., die Minister seien einig in der Ueberzeuguny. daß der König mit vollem Recht daran gezweifelt hat, daß daS Folkethiny in der gegen. wärtigen Lage ein zuverlässiger Ausdruck deS Willen» des Volkes sei; daher wiiiden sie als Geschäftsministerium durch Wahlen zum FoKothiwg die Sicherheit schassen, daß die Volksvertretung«in zu- verlässiger Ausdruck des VolkSwilleuS werde, nnd dann zur ück- trete»..... Beratungen des neuen Kabinetts. Kopenhagen, 31. März. Gestern abend hielt des neue Ministerium beim König dir erste Sitzung ab und unter» schrieb das Finanzgesetz und andere vom Reichstag a«genrmme»r GeßetzeSoorlagen. Heute vormittag wird daS Ministerimn wieder berate«. Streikbrecher. Kopenhagen, 81. März. Die Arbeiterschaft der Schiffs. werftBurmeisteru. Wainhat beschlossen, sich dem General. streik nicht anzuschließen. Schwedische Stimme«. Kristiania, 81, März. Die schwedische Presse verurteilt«in» heiilich das Vorgehen de? Königs von Dänemark, das, wie sich da» .Dagbladet' ausdrückt,«in chauvinistischer llebergrtff auf deutsche Landesteile sei. Selbst das Regierungs» b l a t t, In te lligeu zsedter� wendet sich mit aller Schärfe gegen den Usbergriff des Königs. .Im revolutionären Elan hat die Arbeiterschaft deS Industrie- gebiets die Reaktion niedergeworfen. Restlos ist das Kohlenbecken von NoSkiden befreit'. Auf Grund dieses gewaltigen Erfolges hat die Verhandlungskommission«ine BasiS gefunden, auf der ste in Bielefeld mit Erfolg arbeiten konnte. Die Bielefelder Ab- machungen stellen einen gewaltigen Erfolg dar nnd werde« von einsichtigen Arbeiter« auch als solcher gewürdigt. Di« Durchführung der Beschlüsse würde garantieren, daß die Re- aktion nie wieder gegen die Arbeiterklasse losgehen könnte. Leider wird aber von einer bestimmten Seite gegen die Beschlüsse Sturm gelaufen und alle« versuche die Erfolge als nicht» hinzustellen. Diese Bewegung geht von Leuten a«S, die politisch durchaus«n» klare Köpfe haben»der ganz im Fahrwasser von Spartakisten nnd Anarchisten schwimme»,«ei Beginn de? Kampfe» waren ste teil» weise nicht zu finden; jetzt maße« ste sich an, enffchridend rinzn» greife«. Di« ganz« Bewegung ist ihnen nicht radikal genug. Leider nützen die schönsten Worte nichts, wenn keine Taten folgen können. Und die Ausrufung der Diktater deS Proletariats ist sinnlos, wenn ste nicht durchführbar erscheint. Es muß aus- gesprochen werden, selbst auf die Gefahr, al« Ketzer auf den Scheiterhaufen zu kommen. So unmöglich wie im hentigen Deutsch» land eine Kapp-Regiernng ist, so unmöglich ist zurzeit die Errtch» tung einer Rätrherrschast. Der Versuch, durch Gewaltmaßnahmen die' Arbeiterschaft in«in Fahrwasser zu treiben, welche» in der Diktatur deS Proletariats mündet, birgt unzweifelhaft die Gefahr in sich, der Reaktion und dem weißen Schrecken in den Sattel zu helfen. Es ist reine Ludendorfferei, wenn Genossen sagen, die Kampftruppen und ihre militärischen Führer entscheiden allein über die Ziele deS Kampfes. Genau so war es im Weltkriege. Wohin daS führte, spürt da» deutsche Volk heute täglich. Soll eS in diesem Kampfe genau so gehen? Sollen politische Kindsköpfe nur deshalb, weil sie mit der Knarre um- gehen können, entscheidenden Einfluß haben? Wen« e» nach den Wünschen der Mülheimer Extremisten ginge, würde e» so enden, wieLudendorffdenWeltkriegbeendete. Bei richtiger Durchführung der Bielefelder Beschlüsse ist das Proletariat einen gewaltigen Schritt weiter auf dem Wege zu seiner Befreiung. Allerdings muß eine Voraussetzung vorhanden sein: Die Regie- rung mutz die reaktionären Truppen unter keinen Umstilnben i«» Ruhrgebiet marschieren zu lassen!" Leibregimenter öer hohenzollern Heinrich v. Treiffchke, der sich nicht genug tun konnte in Gefühls Überschwang für die Hohenzollern, wollte einmal den Berliner Studenten auf einem Kommerse etnxis ganz Schmeichelhaftes sagen, er nannte sie das Leibregiment der Hohenzollern. Heute gibt es nicht nur e i n Leibregiment der Hohenzollern, daS den Schläger führt, heute gibt es eine studentische Loibarmee der Hohenzollern, die mit.Hand- granaten und Flammenwerfern, mit leichten und schweren Maschinengewehren begeistert, stets bereit ist, gegen die Ar- beiterschaft zu Felde yu ziehen. Universitäten und andere Hochschulen wetteifern rm Haß gegen die Republik, ihre Ver- fasfimg und ihre Träger. In jugendlicher Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse jagen sie der Utopie einer Wieder- kehr der deutschon Monarchien, einer Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Zustände von 1914 nach. In der heutigen Studentenschaft vereinigen sich gar ver- schisdene reaktionäre Triebkräfte zum intensivsten Hasse alles dessen, was heute in Deutschland rechtens ist und die Hoff- nung der breiten Mass« des deutschen Volkes ausmacht. Die Studentenschaft stammt zu reichlich neun. Zehnteln aus den Familien der Wohlhabenden, der Beamten und der Offiziere. Ihre Erziehung, von der off nur äußerlich smcheren Kinder- stube über die Schulen der Bevorrechteten, die Vorschulen und über die Gymnasien, führt zu einer ganz einseitigen Geistes- richtung der jungen Leute. Mit der Muttermilch, noch häufiger mit der Ammenmilch/ saugen sie den Klassen» g e g e n s a tz ein, von frühester Jugend geschieden von den Altersgenossen, die der arbeitenden Klasse angehören, fühlen sie sich trotz aller deuffchnationalen Worte tatsächlich nicht als Deutsche, sondern als Angehörige einer Nation im deutschen Volk«. Das Wort des jungen Disraeli von den zwei Nationen galt nicht stärker für den englischen Kohlenarbeiter vor 76 Fahren, als für den deutschen Studenten, ja schon den deutschen Gymnasiasten unserer Tage. Diese Gegensätzlichkeit der deutschen Studentenschaft zuni großen Volksganzen ist nach dem Kriege schärfer geworden als jemals zuvor. Ein ganz erhebsicher Teil der jeht die Unlversitäteu Be- suchenden stand im Felde, und von diesen waren die meisten Kriegs leutncmts oder es war ihr höchstes Sehnen, dies zu werden. Daß wir den Krieg nicht zuletzt auch deshalb ver- loren haben, weil die zwei Nationen verständnislos neben- einander oder, besser gesagt, untereina-nder im Felde standen, ist nur zu sehr bekannt. Mit allem Hochmut des jungen Ossi- ziers, mit allem Streben, sich zu einer recht eigenartigen Spezies des„Edelmenschen" zu züchten, kehrten diese Ossi- ziere und Offizierskandidaten in die Hochschulen zurück. Weit mehr als von wissenschaftlichen Trieben sind sie vom nrisi- tärischen Geiste erfüllt. Wirkt es auch über alle Maßen komisch, wenn sie singen:„Siegreich wollen wir Frankreich schlagen", so berauschen sie sich doch an dem Gedanken des Revauchekrieges nicht nur auf der Kneipe und auf dem Kommers, selbst in den Vorlesungen vieler Professoren,'deren politische Hochziele nur gar zu oft nicht über den Gesichts- kreis unreifer und politisch irngeschulter Studenten gehen. Der Geist der Studentenschaft hat weit tiefere Gründe als die politische Unbildung nicht volkstümlich erzogener BourgeoiSsöhnchen. Wirtschaftliche Gründe geben tatsächlich den Ausschlag für die tiefe UnMfrivdenheit der Studcntenschast, wenn sich auch die jungen Leute dessen nicht bewußt sein wollen. Wer sich, wie der Verfasser dieser Dar- legimgen, die Gelegenheit nicht entgehen sieß, die Lage der Studenten zu prüfen und mit ihnen über ihre Hofsnungen und Aussichten zu sprechen, kommt zu ganz nüchternen Be- trachwngcn. die von den hochgemuten, phrasenhaft nationa» listischen Bier reden stark abweichen. Dir Studenten empfinden die im geheure Kosten- höhe des Studiums, eine Wirkung der Geldeniwer- tung, der keinerlei Einschränkungen der studentischen Kor- porationen und ihrer grsellschaftlichon Forderungen an die Studenten entspricht. Die Studentenschaft ist heute Wohl noch mehr verschuldet, als sie früher war. Die Aussichten, die Schulden nach Beendigung des Studiums abzutragen, sind sehr gering. Für fast all« Berufe, die akademisch? Bilidung bisher vorausgesetzt haben, besteht ein unheimlich großes Ueber- angebot gegenüber einer der nicht unbegründeten Vermutung der Studenten rasch sinkender Nachfrage. Die Universitäten waren niemals so stark besetzt wie gegenwärtig., obgleich die zahlreichen Auslander, die früher unsere Universitäten be- suchten, zu einem kleinen Häuflein zusammengeschmolzen sind. Den stark steigenden Zudrcmg der Studenten zu den Universitäten mußten sie instinktiv als eine Gefahr stark steigenden Angebots auf ihrem künftigen Arbeitsmarkt emp- finden. Dazu kommt noch ein« für die Stimmung der Studenten am meisten Ausschlag gebende Erwägung. Die Studenten fürchten, daß die Demokratisierung unseres Staatswesens d i e V o r r e ch t e, die das alte System den aus den Univer- sitäten kommenden gesichert hat, verloren gehen könnten. GHcm da? gar allgemeine Wort Beöhmann GoMegS: Bahn oem Tücfittgm" erregte starke Mttzstimmuag in den Krei'en derer, die Vorrechte auf staattiche und anrt- liche Swftnngcm crlnorben zu haben glaubten oder bean- sprucbten. Datz heute Arbeiter fekretäre Minister werden können, daß die Wahl der Nichter durch das Volk, dank der volksfeindlichen J-irstiz immer mehr Anhänger gewinnt, dah der Rechtsanwaltszwang immer mehr eingeengt wird, dafz das Öffizierkorps stark vermindert werden muß, inrd daß auf die verringerte Anzahl von Offizierstellen nun auch Unter- sWziere Anspruch erheben können, endlich zahlreiche Schlüsse, die aus diesen Ansätzen zu einer Neuordnrmg imsercr Ver- waltung gebogen t verden. dann auch die Besürchtlmg, daß die Universitäten Volkssänrllehrer. ja sogar--- Arbeitern geöffnet werden sollen, bilden den tmrtsAafmchen Untergrund her harten Ktundimaft der stndentifchen Jugend gegen das repnbltkanische DeutWand. Dabei iuerden die.Sünden des wiHelu« nischen Zeit- alters, die skandalöse Bezahlung der geistigen A rb ei te r an den Universitäten, wenn man von den ordent» lichen Professors absieht, die Tatsache, daß viele Diener und so u st ige Handarbeiter an den Universitäten besser gestellt sind als die � Kopfarbeiter an denselben Universitäten in ganz ein- ieitiger Weise kritiklos dem heirtigen System, statt seinem Vorgänger zur Last gelegt. Aul der einen Seite verdammen die Angehörigen der Universitäten die heutige Ordnung in die Hölle und auf der anderen Seite envarten sie von ihr, daß sie alles wieder gut machen, was die alte Ordnung an den Universitäten verbrochen hat. Das eine muß den Studenten klar �werden, daß kein Staat der Welt, am wenigsten Staaten in schwerer wirtschaftlicher Not, und. sicherlich keine monarchischen Staatswesen nngeheim? Summen zur Erhaltung einer Stüde ntenschaft ver» arrsaaoen können, bei denen der stärkste und sanatische Trieb die Vernichtung des Staates und der Haß gegen seine Grundlagen ist. Gibt es keinen historisch gerichteten Kaps unter den Um- nersitAsprofessoren. der den Student m einmal auseinander- setzen könnte, was ibnen geschehen wäre wenn sie rm Wichel- minischen Zeitalter die staatlichen Einrichtungen nnd die ge- s?llschaftlichen Grimdlngen des GemeinNr.-sens so angegriffen ' hätten, wie das von Professoren und Stildenben aller deut- chen.Hochschulen jetzt in gewisienloser und die Ruhe unteres Voltes gefährdender Weife geschieht? Serichtigungssturm. PrtruS, der seinen Herr« in ei««? Nacht dreivral verZengnUc, wo- ein Waisenknabe gegen die Kapp-Jünger. Wo Vir einen von diesen festnageln, daß er im Dienste Kopps gestanden hat, da be- glückt er uns am nächsten Tage ra-it ellenlangen Berichtigungen, daß er incht daS mindeste mit Kapp z» tun gahabt habe, daß alles nur Mißverständnis sei usw. usw. Da ist z. B. der inzwischen gegangene Potsdamer General-- major don der Hardt. Er berichtigt an nnS Aktenbogen über Akunbogen. Wir haben dem Herrn indessen nur kurz mitgeteilt, daß Berichtigungen Potsdamer Militärs nach de« Ertah- rangen des 13. März r» imferen Augen nur den Wert von Be- st ä t i g n n g e n haben. Sodann kommt Korvettenkapitän Hngnaan von der Nach- mchteustelle des Neiebswehrministeriums. Er ist un-Z ein aller Be- richtigrmgik-Bekannter. Denn so oft de? JßcTxoär'.'ö" früher auf reaktionäre Machenschaften im Heer und Vorbereitungen des Putschcs hinweS, erhielt er prom pt eine Berichtigung aus dam Neichswehrmiwsteizium. gezeichnet Humann. wonach alle unsere Angaben nicht stimmten«nd die Reichswehr sich in better Ordnung betand. Wir haben diesem Herrn gleichfalls mitteilen müsien, daß seine Berichtigungen bei uns nur noch als B e st ä t t- gungen gewertet werden, vor allem aber, daß wir Nachrichten ein er Stelle nichr entgegennehmen, welche die sogenannte Regle- rang Kapp-Lürtwitz gegenüber der Presse mrtretca hat, wie die» .Herr Humann am 1ö. März tat. Ezcprefsionismus unö Tageskritik. Bon Dr. John Schikowski. Aus unserem Leserkreise sind uns während der letzten Monate wiederholi Beschwerden zugegangen über die Art, wie die neue revolutionäre Kunstbewegung, die man.ExpressioniSmns" nennt, in unserem Feuilleton behandelt wird. Die einen finden eS tadelnS- wert, daß diese Richtung überhaupt erwähnt, die andere, daß sie ernst genommen wird. Den Beschwerdeführern der eisten Art möchte ich den Rai geben, einmal einen Monat hindurch sämtliche Berliner Kunst- ausstellimgen zu besuchen. Sie werden dann, wenn mich vielleicht mit Schaudern feststellen müssen, daß der allergrößte Teil von dem, was heute inMalcrei undPlastikgeschasten wird, sich in expressionistischen Bahnen bewegt. Sie werden insbesondere feststellen müssen, daß fast die gesamte künstlerisch schaffende Jugend, u»d zwar nicht nur die deutsche, sondern die aller.Kulturländer, aus Anhängern dieser Richtung besieht. Nachdem sie diese Feststellung«« gemacht habe«. mögen sie sich selbst sagen, ob es möglich ist, eine Bewegung, die bereits derartige Dimensionen angenommen hat und die von Tag -u Tag sich weiter ausbreitet, einfach totzuschweigen. Sie worden sich dann auch zugleich die Frage beaniworteu können, weshalb wir diese Bewegung ernst nehmen und nicht, noch Art einiger bürger- licher Blätter, mit mehr oder weniger guten Witzen über sie hinweg- zugehen für gerecht und würdig halten' Nun mag man vielleicht einwende«,: Wenn auch der Ex- pressioniSmus sich gegenwärtig mit elementarer Gewalt über die ganze Welt ausbreitet, fo bleibt e« doch eine krankhafte Ver- irruiig, und eS ist die Pflicht der Presse, ihn mit allen Mittel« zu bekämpfen und weiteren Ansteckungsgefahren vorzubeugen. Diese Anficht läßt sich ebensowenig beweisen wie widerlegen; denn für die Diagnose»gesund oder kranl" gibt eS auf ästhetischem Gebiet keine entscheidenden Anhaltspunkte. Es bleibt jeden, uubenommen, den Expressionismus für krankhaft zu halten, er maß dann aber konfeguentereife zugleich überj ganze lang« Jahrhunderte der Kunsientwicklung dasselbe Urteil fällen. Dic altorieutalischeLunstund die Kunst des europäischen Mittelalters waren nämlicheibenfallS expresfio- nistiich, ihre Werke tragen alle stilistischen Merkmale, die die modernste Nichtuug der gegenwärtigen Kunst charakterisieren. Ar« die Wunder- werke der ägyptische» Plastik»nd dir Masmalereie» gotischer Dome für krankhafte Verirrungen hält, hat freilich daS Recht und die Pflicht, seine Zeitgenossen auch vor der expressionistischen A«- steckungsgesahr zu warnen. Beaiger ein sei, ig veranlagte Kunst- freunde werde« aber auf diese begueme Stelu»gn«hme verzichte» und den modernen Expressionismus unter allen kün ständen all daS gelten lassen, was er zweifellas ist: eine aus dem Geiste unserer Zeit organisch erwachsende Beweg rmg. Ferner berichtigt Kapiiänleutnant EanariS, eine Unter- suchung gegen ihn babe ergeben, daß fein B-nelstnen richtig und loyal gewesen sei. Da diese Untersuchung von militärischen Stellen stattgesunden hat, sind ihre Ergebnisse für uns vollkommen belanglos. Schließlich will auch der Rektor der tierärztlichen Hochschule, Herr E b c r l c i n, kein Kapptrabant gewesen sein und dementiert unsere diesbezüglichen Angaben als unzutreffend. Damit der Humor aber seinen Gipfelpunkt erreicht, berichtigt setzt auch noch der. Kapitänleutmint a. D. L c n s ch, einer der Pressechefs des Herrn Kapp, daß eigentlich auch Herr Bredereck mit der Sache nichts zu tm, gehabt habe, wobei Lensch noch die „Lauterkeit und den nationalen Sinn" dieses notorischen Horb st a p lc r S, Spielers und Betrügers preist. Wir kommen immer mehr za der Erkenntnis, daß an dem Kapp-Puisch niemand beteiligt war. und daß- wir wohl die ganze Sache geträumt hahen müssen. Vergebliches Abschütteln. Die Art. wie jetzt die Dentschnationalen jeden au? ibren Reihen, der bei dem Kapp-Putsch mitgewirkt hat, als„Außen- seiter" abschütteln wollen, wenn er auch früher die höchsten Wür- den bei ihnen bekleidet bat. wird selbst ehrlichen Deutschnatio- nalen zu dumm. So schreibt der persönlich stets offene Parka- mentAderichtcvstattcr der„Deutschen Zeitung" zu der gestrigen ! Rede feines Parte igen offen Düringer: Die Art, wie Düringer indessen bei dieser Gelegenheit ein so hervorragendes Mitglied der Fraktion wie Traub als per- sönlich zwar ganz netten Menschen, politisch aber recht unbegab- tcn Musikanten abtut, gebt denn doch einfach nicht an. Die Fraktion blamiert damit sich selbst. Trnnb war ihr Sprecher be- den verschicdensten groben Gelegenheit««. Er hat ihre Er- ilärung zum V c r s a i I l e c Frieden per �aßl und vorge- l ragen, die damals in Weimar die Tribüne zu stürmischer Be- geisterung min iß und als Lusgangspunti der Wiederrrhebinig Demjchlavds ohne' Zweifel in der Geschichte eine große Rolle spielen wird. Will man im Ernste behaupten, daß der, den dt« Partei bei so monumentaler Gelegenheit zu ihrem Vertreter erklärte, von den Dingen, über die er zu sprechen hatte, eigentlich nichts verfillnd? Mit diesen Worten ist die von den Alldeutschen jetzt getriebene Politik des feigen Abrückens gebührcnb gebrandmarckt. Viel- leicht äußert sich Herr Zimmermann auch einmal zu der Beteuc- rnng der„Alldeutschen Blätter", daß„mit den Urhebern dcS Kapp- Pufsches vaterlandsliebende Männer keine Ge- meinschaft haben könnten". In diesem Satze liegt nämlich da? interessante Zugeständnis, daß mindestens 99 Prag, aller All- deutschen kx t n e voteoiandSliebenden Männer sind. Denn bis auf berscstwilldende Ausnahmen haben am 13. März alle Alldeut- schen Kapp zugejubeltz Die Sranüenburger Maschinenzerftorung. 4m ÖOO M. Schaden. Wir teilten am Dienstag früh den vartdalischcn Befehl mct. durch den die Führung de? R e ich s weh r- Art.- Rc g t s. 3 die Zerstörung der Maschine»«nsenes Brandenburger Parteiblatts anovdnele. Heber die Ausführung dieses Befehls erfahren wir folgen- de?: Die Druckerei der.Brandenburger Volkszeitumg" ist tviedem holt besetzt genasen, aber sie wurde nicht zerstört. Dagegen ist z«r- stört worden die Tnickteei von B. Meyerheim, eine Brivatd ruckerei, in der die Pcn-tei einige Druckarbeiten herstellen ließ, während ihr das Drucken in'der eigenen Druckerei verboten war. Hier sind lSmstiche Moschine» durch Handgranaten zerstört, und eS ist ein Schadeu von äövAXt M. angerichtet worden. Der Druckereiinhabcr und sein Svhn wurden nachtS au? dem Bette verhaftet und unter militärischer Eskorte, hie Hände auf dem Rücken, in Arrest geführt, aus dem sie erst Sonnabend mittag gegen eine Kaution von 15 90V M. entlassen wurden. Wir fragen htenrÄ öftenttich an, ob gegen die verant- wortlichen militärnchen sslrhcber dieser �Zerstörung bereits ein Strafverfahren eingeleitet ist oder wotz Eine solche theoretische Anerkennung dedeutel allerdings noch nicht viel. Man kann dem Expressionismus die Existenzbsrcchtionna zusprechen, im übrige« aber erklären: ich verstehe ihn nicht und habe auch keine Lust, mich in ihn zu vertiefen, denn die Schövsiulgen der älteren Kunst gewähren mir soviel Freude, daß ich kein Bs- dürfnis nach Andersgeartetem Hab:. Dieses ist der Standpunkt des gesättigten Kunstspießertums, den übrigen? nicht nur viele Laien, sonder««rch sogenannte Fachnrnnnete Gelehrte und.Kritiker, einnehmen. Ihn mit aller Energie zu bekänipsen, werbe*v stets für meine Pflicht halten. Ein echter und wahrer Kunstsinn kmm«eine Nahrung nur in der Kunst finden, die m der«Hegenwart lebendig ist oder zum Leben erwacht. Berschließr er sich dieser Quelle, so muß er vntrockxen nnd verliröcher«. Die Kunst der Lerg.ingenheit kann man.verstehen"— erleben nnd empfinden aber kann mar. nur die Kunst, die nnl uns ist, wird und wächst. Weder in der Natur noch im Geistesleben gibt es ein« Stillstand. Allel, ist Entwicklung, und wer sich und seine Sinne lebendig erhalten will, der muß sich in de» Fluß dieser Entvncklnng stellen. Bon diesem Gestchlspmckt aus habe ich»»ich bisher bemüht und werde mich auch fernerhin bemühen, unsere Leser objektiv und vorurteilslos mit den Zielen mid Wegen der expressionistischen Richtung vertraut zu machen. Die Schwieriglenen. die dabei zu überwinden find, kenne ich aus eigener Erfahrung. Denn selbftder- ständlich ist es mir mit dem Expression isnmö anfangs ebenso ergangen. wie den meiste» Zeitgenossen. Stach ich habe meine Zeit gebraucht. bis ich in der neuen Kunst heimisch wurde, bis sie mir ihr Wesen und ihre Schönheit osieiu-mte. Die Freude am Alten hat sie mir m�t verkümmert, aber sie hat mir darüber hinaus so viel Neues, bisher Ungeahntes etschlofien, daß ich es bedauern würde, im u« es mir nicht gelänge, wenigstens eine«: Teil unserer Leser zu dieser ivoreichernng ihrer ästhetischen Knll« den Weg zu weisen. Mehr als den Weg iveisen kann man freilich nicht, das meiste nnd beste muh der einzelne selber tun und eS bleibt ihm überlassen.' ob er sich schließlich auf dem Wege jnrecht findet oder nicht. Und damit komme ich zu dem dritten «cd lepte» Vorwurf, der an« unseren Leserfreiien erhoben worden ist. Solche, die sich mir dcm Geist des Expressionismus bereits vertraut gemacht haben, tadeln die«Um verstandcsmässige Art, in der diese Probleme, die letzt« Ende« nur dem Gesiihl faßbar sind. hier behandelt werden. Ich bin mir dieses Mangels durchaus be- wüßt, aber ich«rine, daß»an zu irdem in der Sprache reden muß, die er versteh:. Hätte ich nur.Eirigaweivte" zu Lelern, so würde ich anders spreche». Da ich aber weiß, daß die meiste» Fernstehende oder gar Wrderstrebunde sind, deren Ktmsiempsinden vollständig vom«Reist de« heule noch herrschenden Intellektualismus und NcKuraiiSmus befangen ist, so bin ich genötigt, manchen Satz so zu fassen, daß er den Eingeweihten vielleicht als Irr- lehre erfcheittt, während er in WirXichteit nur eine Art sonst hseRegsernngsu d'ieser SaNe zu fnn gebe n fi? paöagogische Gftertagung. Heute mittag um 2 Uhr beginnt.im Plenarsaal de? Herren- Hauses die Freie Reick sschulkonferenz des Bundes der entschiedenen Schulreformer. Aus der Eröffnung?- sitzung werden sprechen Professor Paul O e st r e i ch, Dr. El i- s a b e i h Rotten, Arno Wagner, Professor Dr. D ö r m e r, Gymnasialdirektor Ziegler. Maria Montessori u. o. Am heutigen Abend rindet in der Aula des Dorotbeenstädiischen Real- gvmnasiumS, Do rotheeil st r-!'-,:. eine Volksversammlung statt, in der kervorragcndc Pädagogen über das Thema„II n se r S ch u l e I e u b" sprechen; anschließend freie Aussprache. Am Donners. tag beginnen die Verhandlungen um 9 Uihr früh im Herrenhaus, abends um 7 ü Uhr findet wieder eine Bolksversammlnng in der Aula des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums, Kochstr. 13, statt mit dem Thema„Schulreform". An die Verhandlungen am Freitag, die wieder im Herrenhaus um 9 Uhr beginnen, schließt sich abends um Vi Uhr im Plenarsaal des Herrenhauses eine Jugendfcier an. Alle Veranstaltungen sind öffentlich, jeder- aiann ist geladen. An sich ist die aufgeregte politische Zeit vtelleichi pädagogischen Erörterungen nicht günstig. Aber die traurige Rolle, die unsere höheren Lebranstnlten in dem Treiben der Reaktion gespielt haben, bat auf der anderen Seite gezeigt, wie notwendig eine entschieden« Schulreform ist. Freilich handelt eS sich hier nicht im? die politische, sondern auch um die pädagogische und menschliche Seite der Frag«. Wir wünschen der Tagung der entschiedenen Schulreformer besten Erfolg. „ Nlitttarherrsthast in Kaulsöorf. Seltsame Anskunft des Wehrkreiskommando I s. Bon Parteigenossen in KaulSdors wird«nZ geschrieben: Am 29. vormittags zogen hier in Quartier: Eine Butterte Artillerie und eine Kompagnie Jllsonterie, nach deren eigener Angabe auf dem Rückmarsch nach BeeSkow bzw. Fraustadt. Am Nachmittag, kurz vor 4 Uhr. erschien der Führer der Truppe in der Wohnung des Genie: ndevorstchcr?,«nseres Genossen Herr- mann sGewerkschaftSbe amter beim Deutschen Gswerkschastsbundj, und forderte denselben«ms, binnen 2 Stunden, also bis 6 Uhr nach- mittags, dafür zu sorgen, daß alle«tzinwohner ihre Waffen bei der Gemsindeverwalwng abgeliefert haben müßten. Di« Bekannt- machung und Durchsührimg dieses Befehls konnte wegen de? Kürze der Zeit nur teilweise durchgeführt werden, und es ging nicht ohne Drohungen ab, baß ab 7 Uhr abends Haus- suchunzen vorgenommen würden, Alsspcrrungen nnd dergleichen. Ein Ausweis konnte nicht vorgelegt werden, da dem Truppenfflhrer der Betebl erst auf dem Marsch zugegangen sei. Aus telephonische Anfrage beim Rcichswehrminifter wurden wir an das „Wehrkreiskoinmcmdo la" verwiesen. Dort wurde uns gesagt, die Bekanntmachung sei vorige Woche erlassen und habe ihre Richtig- keit. Ueher die Truppen selbst in Kaulsdorf und einen Be- fehl an diese, konnte eine Auskunft nicht grgebe» werden. Auf die Frage des Gemeinde Vorstandes, daß wir wissen wollten, ob e? sich um Re g ie ru ngstr u pp en oder Baltikum er handelte. wurde nnS der Bescheid: ES gäbe Lberhaupt keine Baltikumtruppea, HSwe auch gar keine gegeben, das sei»nr Rederei, eS gäbe«ur Rc- gierungstroppen«nd Spartakiste». Militärische Amtsstellen, die derartige Auskünfte geben, kenn- zo-'chnen sich damit ohne weiteres als GesinnnngSgcn osjen der Kapp»«d Lüttwitz. Wann wird mit dteser Gesellschaft aufgebäumt? Aufhebung des AuSvabmczuftanbrs über Leipzig. Da? Mirvste- r:um faßte den Beschluß, wegen der fortschreitenden Beruhigung in Leipzig den Ausnabmezustand aufzubeben. Arbeiterkrise in Schwede«...Nationaltidcndc" meldet au? Steckholm: Nachdem ein BevmsitelungSverswch ohne Erfolg ge- blieben ist, werden gegen l 00000 Arbeiter des B a u g"c- werbe» a u s g« s p e r t werden.' Hiifsionstrullion ist, wie ihn der Mathematiker zur Erläuterung > eines geometrischen Lehrsatzes benutzt. Den freundlichen Ratgebern und Ratgeberinnen, die mich jn ihren Zuschriften über das tiefste Wesen des Kunstwerks und den mystischen Charakter alles ckünst- lerischen Schaffens belehren, danke ich für ihre Bemühungen, kann ober von ihnen keinen Gebrauch machen. Denn solange die Sprache nnd Gedankengänge der expresnoniftischen Kirchenväter den» großen Publikum noch schwerer verständlich find, als die Linien und Farben der expressionisttschen Kunstwerke, werde ich bei meiner Methode bleiben, selbst auf die Gefahr hin, von den ganz Rechtgläubigen für einen Ketzer gehalten zu werden. Dir FlsichtlnigSwelle in den Schwarzweerhäfen. Eegeuwäctig weilen in den verschiedenen Häsen des Schwarzen Meeres, wie die „Wremja" berichtet, mehr als lOOO Flüchtlinge, die einer Genehmi- gong der Hauptkommiision rn Konstantinopel barren. sich in der Türkei vorläufig aufzuhalten. Die türkische Regierung hat für diese Ztvacke vier der Prinzeninseln an Amerika, England, Frankreich und Italien überlassen. Viele der Flüchilinge sind schon 40 bis SO Tage unterwegs, da selbst eine Reise von Odessa nach Konstantinoprl nur ans Nmioegen erfolgen kann. Wer Italien oder die Schweiz er- reichen will, muß bei dem Tiesstand der russischen Valuta über große Mittel verfügen. So hatte ein einzelner Herr, dem e? ge- jungen war. sich aus dem Aufruhr in Odessa nach Mailand zu reiten und von dort über Paris nach Zürich zu kommen, eine halbe Million Skubel aufwenden müssen, ohne irgendwie Geld zu ver- üMneilden. Eine Gelehrtcu-Tragödir. Am L. April werden fünfzig' Jahre vergangen sein, seit die Gelehrtenwelt durch den Selbstmord eines bervm-ragenden Geschichtsforschers in Aufregung versetzt wurde. Der Professor der Geschichte an der Berliner llmversität Philipp Joffe erschoß sich in einem Gasthof zu Wittenberge, nachdem er heimlich Berlin verlassen hatte Eine Zierde der deutschen Ge- schichtsforschnng ging mit dem 51 jährigen dahin, der Außerordent- liches für die Sammlung und Erforschung der deutschen Geschichts- quellen geleistet hatte. Jasfä. der zunächst in einem Barck- und Getreidegeschäft in Berlin als Kommis tatig war, setzte unter den größten Entsagungen da? Studium an de? lliridersität durch und wurde eiu Lieblings- schüler Rankes, von dem der Meister erklärte, er habe an keinem andern Schüler je einen so brennenden Eifer wahrgenommen. Nachdem er ssch mit einigen Arbeiten zur Kaiserge schickste glänzend «ingeftihrt hatte, trat er als Wjähriger mit einem einzigartigen Rictenwerk hervor, mit der Samnsiung der Papst-Regeften, in denen 11000 päpstliche Urkunden veröffentlicht wurden, die bis dahin in 1700 verschiedenen Bänden verstreut waren. Mit einem Schlage war Jasss durch diese Tat tei die Reihe der ersten Historiker ge- treten. Da iisiii aber wegc« seines mosaischen Bekenntnisses die Universitätslaufbahn vevschlosseu war, studierte et nun Medizin und beste»d ein ärztliches Doktorexamen. Da Holte man den jungen Arzt wieder zurück zu dem ForsckvrngqSebict, für das er schon s» viel geleistet, und neun Jahre hindurch war er imn die Soeie bei Reichskonferenz öer Sozialöemokratie. Beschluß des Parteiausschuffes zmn Wahlkainvf- Eurem Beschluß des Porteiausschussss, der gestern und beute in Berlin tagte, entsprechend, wird nach Zlbschluß der Verhandlungen der Nationalversammlung eine Reichs- konfcrenz der S o z i a l de ni o k r a t i e einberufen werden. Bon der Einberufung eines außerordentlichen Par- teitags wurde Abstand genonunen, um nicht allzuviele Kräfte vom Wahlkanrpf abzuziehen. Tie Genossen Ad. Braun, Rsch. Mischer, Karl .«aildenbrand und Franz Krüger find dem Parteivorstand für die Zeit bis zur Neuwahl durch den Parteitag als Beisitzer zugezogen tvordcn. Die allgemeine Aussprache des ParteiauZschusses ergab. daß die Partei einig ist im Entschluß, den Wahlkampf gegen die militärische, politische und lnirt- sch astliche Reaktion mit der größten Entschiedenheit zu rühren und, soweit es rm ihr liegt, jede Zersplitterung der geschlossenen Arbeiterfrmrt gegen rechts zn vermeiden. Die Berichte aus den einzelnen Bezirken zeigten, daß die Stim- mung im ganzen Lande ausgezeichnet ist, nnd daß die vollste Zuversicht herrscht, auch diesen Kampf mit dem Erfolg durchführen zu können, der den großen geschichtlichen Tro- ditionen der Partei entspricht. preußische tanöesversammlung. 13d. Sitzung, Mittwoch, den 3t. März tS2ä. ?lni Ministertisch: Braun, Oeser. tzräftdeut Leinrrt eröffnet die Sitzung Ubr. Das Haus nimmt m zweiter uitd dritter Beratung einen Nack- trag zum StaatShauShailtsplan für 1919 in Höhe von 10b Oty).M. nach kurzer Aussprache, in der die. Entfchädigungssrage bei der V rreichlichung der prsußifchen Eisenbahnen und Beamtvnfragen de- sprachen iverden, an. Ferner wurden in zlueitcr und dritter Be- raluvg ohne Aussprache angcnomnien die Anträge Graes- Frand- surr iSoz.) betreffend die einstweilige Regelung der Staats- baushatlSaus gaben für das Rechnungsjahr 1920 und über d:c deuderung des Gesetzes über die Gewährung einer Entschädigung an die.Mitglieder der Bersanrmlimg vom 21. März t9tg. Mit dieser Ucudermrg wird mit Wirkung vom t. Februar 1920 eine Teuerungszulage für die Mitglieder der Landesversamm-luing fest- gelegt. Daraus wird die am Dienstag achgebrochene Besprechung über die Erklärung der Staoisregieoung fortgesetzt. Avg. Dr. Rosenfeld(U. Soz.): Es kam, wie es kommen mußte. Wie oft haben wir vor der Gegenrevolution gewarnt. Der Ober- bürge rmeuter T o m i n i c u s hat am 13. Mägz die Vereindiyung v'n Bcamrerl nicln vorgenommen mit einem Hinweis ans die„neue Regierung".(LelbhafteS Hört! hört! hü. den Ü Soz. Erregter Au- ruf des Äbg, ToniiiricuS.) Wenki Sie geglaubt haben, daß einige Bcam.le die Vereidigung aus die verfassungsmäßige Regierung der- Meiden ioollteu, so hätten Sie erst rech t vereidigen sollen, um die monarchistisch gesinnlen Beamten zu entlarven. fLebtiafte Austim- mung bai dsn u. Soz.) Die Teutschnarionalen haben sich gelveigert, sich am?ieltestenrat am 13. März zu beteiligen, ioeil sie dadurch anerkannt hätten, daß die Kappsche Auflösung der Parlamente unge- ienlich iriar.'Große Unruhe recht», Gegenknudwbungen links.) Die Technische Nothilfe hat Millionen Schäden chngerichter. (Widerspruch.) Auch die Sicherheit-wehr hat sich als ein untauglichem �nftvumcht gewesen. Oberst Reinhardts von Kessel und Marl oh mrrfren der Avbctterschaft wieder mit Waffen gegenüber- tret-n. Das iit unerhört. Nach der Niederwerfung der Kappleute durch den Generglstreit wuchte sofort die Reaktion überall in den Vororten aut und handhabte den„weißen Schrecken". Noch gestern wurde von der Reichswehr der Abgeordnete Kloth und ein Rechts sozialist von einem Offizier ges ucht, der sie süss- I i e r e n lassen wollte.(Bewegung.) Die Erschießungen nahmen die Trupp» in unmenschlich grausamer und gemeiner Weise vor. Der Redner vorliest den Brief der Frau eines Erschossenen, der erst mit dem.Kalben auf den Kopf gehauen, in den Hals geschossen und dann aus Aom-mairdo über die Mauer geworfen' wurde. Nachher bieß es, er sei im.Kampfe gefallen, während er von den schwer bewaffneten Truppen rest.e umgebracht worden war. Auch im Falle Futran und unzähligen anderen Fällen sind die Truppen gegen wehrlose r�etangene mit unmenschlichen Mißhandlungen vorae- gangen, ebe sie ihre Ovfer hinschlachteten.(?hnhaltende Bewegung.) der Herausgabe der„Monumenta Germaniae". Da er sich aber mit dem Lcirer des Unternehmens, Pertz, nicht vertragen konnte. verließ er diesen Posten wieder, und'nun setzte Ranke durch, daß er als erster Jude in Preußen zum außerordentlichen Professor >.'r Geschichte an der Berliner Universität ernannt wurde. Jetzt begann er eine neue meisterhafte OucllensHcrausgabc, die„Biblio- ideca rerum Germanicarum", von der er'.mit wahrhaft wunder- barer Produktivität" bis zu seinem jähen Hingänge sechs Bände veröffentlicht hatte. Der tragische Abschluß dieses so überaus glänzenden und t euch> baren G�hrtenlebeus ist in Dunkel ghüllt. Ter einsame Junggeselle kannte nichts als seine Arbeit und wurde dabei von allerlei Wahnvorstellungen und Aengstcn geplagt. Kein Wunder bei seinem Erleben! Er glaubte sich verfolgt, durch Pertz in seiner Ebre gekränkt, und so erlag er schließlich den düsteren'Dämonen seines Innern;„ohne zu ermessen", schließt Alfred Dove sein« Ehärcckteristrk Jnffäs in der Allgemeinen Deutschen Biographie, denn wie stark hätte ihn das aufrichten müssen!— welcher Zierde, welcher Hoffnungen sein Untergang die deutsche Geschichts- forschung beraubte." Tie Rich-rd�Dehmel-Aeicr der Bolksbnhne findet am 1 Nvril. mittags II1/, Uhr statt. Komad Antorge. JulknS Beb, Friedrich Kahtzler, Joses Mann wirken mit. Tos Borleiuugsvcrzetchnis der Berwaltunqsakademie iit er. sckiienen,?aS Zommersemciter dauert nam 15, Avril bis ,"l, Juli E!wa 50 Vorlesungen werden" mit milriitliver Anoeuwng dcS Inhalts on� gekündigt, GeschästZstelle: Charlottenstr, 50/51(von h'zg bis llii Uhr). Tie Ilnterrichtöanftalt des Berliner Kunitgewerbe-Museums beginnt ihr Sommerhawsahr mn 22, Avril, Die Ausnohmeprüfungen, von denen die zunächsi probeweise Ausnahme abhängt, finden vom 8. bis 14. April statt. Tbeaeer. Niddy Jmpekovcn tritt am Ofiermontag, vonn, um 1t1/, Uhr, imDeutschenTheaterin einem neuen Programm aus. Gdvard Münch, der norwegische Meister, wollte eine große Aus- fiellung seiner Werke im Frühjahr in Berlin zeigen. Jniolge der Unruhen in Deutschland hat aber jetzt der Künstler die schon abacsandten Bilder- listen zurückgerufen. Graphische Arbeite» von Gruft Ttern werden vom t. April ab in der Kunsthimdlung Marguies, Tauentzienstr, 6, ausgestellt, Uedcr die Kleinlcbewelt des DüftwaiserS wird am l. April. abends 8 Uhr, Hallesche Str. 24 ein Lichibildervorlrag von E, T tv a ch I- mann staltfinde», bei dem auch Fllmausnahnien gezeigt werden, Gi» Fachverband der Kunstmaler Bayerns ist nimmehr auf gc- werischasllichem Boden gegründet worden. Fast alle Korporationen Bayerns sind beigetreten. Aufgenommen werden nur m Bayern lebende Küiiftier, Alle nach der Eintragung auszunehmenden Einzebultglieder müssen sich mit ihre» Arbeiten einer Jury unterziehen. Ta» Schicksal der Okdcnbnrger Galerie, Di- Hauptwerke der Galcrie des eyemaligcn Groxherzogs von Oldenburg sind noch immer in Holland, Mit dem wenig bedeutenden Reit, den der Karlsruher Malers Pros Ruools Hellwag zu diesem.fiwccke ausgewählt bat, soll nun nicht, j wie eS zuerst hietz, in Eutin ein Familienmnleum. sondern eine öffentliche! Galerie gegründet werden, in dem dasür umzubauenden Marstall oder dem! .Alten PalaiS" am Markt. i WietsthM Tozialificrung von Kohle und Eisest. Heute abend 7Va llhr spricht in, Plenarsitzungssaal des Herrenhauses, Leipziger Str. 3, der frühere langjährige Direktor des Thyssen- Konzerns Berg- assesjor Horten. Referent im ReichZwirrschaftsministerium, über die S o z i a l i s i e r u n g s m ö g l i ch k e i: von K ohle und Eise n. Zu den Tribünen ist der Zulritl für jedermann frei. Berliner Abschlüsse. Berliner Jute- Spinnerei und Weberei. Dividende für 1319 3 Proz. Titel der Gesellschaft rn„Jute-Spinnerei und Weberei Berlin-Bautzen, A.- G," geändert. Vereinigte Märkische Tuchfabriken A.-G, in Berlin. Dividende 20 Praz. Imperator Motoren A.-G. in Berlin-Wittenau. Abschluß ergibt eine Verminderung der Unterbilanz von 1,37 auf 9,24 Mill, Mark. Gesantlvermögen des Unternehmens unter Ausschluß der Liquidation der Gesellschaft wird ans den Zweckverband Groß-Berlin über- tragen, der dafür 3,7 Mtll. Mark bezahlt und alle Kosten, Steuer, Siempel usw. übernimmt. Die Große Berliner Straßenbahn beab- sichtigt auf den Grundstücken der G-sellichast eine umfangreiche R e p a r a t u r w e r k st ä t! c zu errichten. A,-G. Johannes Jesorich i» Ehnrlottenburg. Dividende von 12 Proz. auf die Lorzugsaklien und 21 Proz. auf die Stamm- aklien. Dem Unternehmen sind im laufenden Jahre erhebliche Auf- träge sowohl vom Jnlande wie vom Auslande erleilt worden, deren Erledigung von der ungestörten Fortführung der Werke ab- hängt. JiilinS Pintsch Akt.-Ges. in Berlin. Dividende 15 Proz. Aendernng der Satzungen dahingehend, daß die �Gesellschaft be- rechtigt sein soll, Schuldverschreibungen bis zur Höhe des Kavitals auszugeben. Begründuna, daß vielleicht in absehbarer Zeit die Nouvcndigkeit der Beschaffung von MiÜeln vorliegen könnte. Damit die Gesellschaft dann in der Lage ist, den Geldbedarf im Wege der ObligationsauSgabc zu decken, erscheine die Acnderung der Satzung notwendig. Die Ausstchlcii für das lausende �Jahr seien schwer zu beurteilen. Bis zum Ausbruch der letzten Unruhen sei der Geschäftsgang Kefriedigend gewesen. Wiederaufba» des Hapagdicnfies unter amerikanischer Beteiligung? „Algcmeen Handelsblad" weist darauf hin, daß Ainclika 2 Milliarden 400 Millionen Dollars ausgegeben hat, das heißt, den Betrag der ganzen englischen Staatsschuld vor dem Kriege, Da es ihm nun nicht möglich ist, die Schisie zum Herstellungspreis zu verkaufen,' so komiten nur 15 Proz, der Erzeugung abgestoßen werden. Dies sei wohl der Grund, daß das Shipping Board mit der Hamburg- Amerika-Linie zusammen die sechzig Schiffahrtslinien der Hamburg-Amerika-Linie übernehmen wolle, wozu anscheinend eine neue Gesellschaft gegründet werden soll, wahrscheinlich unter Teilnahme deutschen Kapitals, unter der Bedingung, daß die Hapag ihren ganzen Apparat zur Verfügung stellt, Geheimrat Enno und Direktor H u l d e r m a n n von der Hamburg— Amerika-Linie sind zu den Verhandlungen nach Amerika abgereist. Ein dentsch-holläudisches Fmanzinstitut. Unter Mitwirkung rheinischer Bonkkreise des Thbssenlouzerns und erster holländischer Finanzkreise ist eine holländisch-deuiiche Waren- Finanz-Ge- iellichaft begründet worden, welche vermutlich in Anlehnung an die vor kurzein gegründete d euti che W a r e n- Tr e u h a n d- gesellschast in Hamburg arbenen wird. Das Aktienkapital der neuen Gesellschaft beträgt zunächst 5 Millionen Gulden. Von den Beteiligten ist einstweilen die Gewährimg von 40— 50 Millionen Gulden Kredite in Aussicht genommen, Die Deutsche Jildvstric.Trcuhand A.-G. in Berlin ist mit 12,5 Millionen Mark als Aktiengesellschaft gegründet worden._ Von den 64 Gründern sind u, a, zu erwähnen: Der Großindustrielle Dr.- I n g. B o s ch, der 2 096 000 M.. die Aktiengesellschaft für Trikot- weberei vorm. Gebr. Mann, die 925900 M,, ric würtlembergische- hohenzollernsche Trikotwarenfabrik G, m, b.. H., die eine Million Mark übernommen hat, die Schuck und Vfotenbauer haben 1 203 900 Mark übernommen, Gegenstand des Unternehmens ist die Kreditbeschaffung für den Import von industriellen Roh st offen, Halb- nnd Fertigfabrikaten, die Organisation des Exportes für die vorher erwähnlen Gegenstände. HroßSerüu Der 50 Pfennig-Tarif genehmigt. Tic Vollversammlung des Zweckvcrbandes Groß-Berlin hatte in ihrer heutigen Sitzung den Haushaltsplan für 13 2 0 festzusetzen und vorher üher die Erhöhung der Straßenbahn- und Hochbahntarife zu beschließen. Der Haushaltplan schließt in Em- nähme und Ausgabe diesmal mit 182 Millionen Mark ab, wovon der größte Teil auf die Soud'erhaushalte der Sträße'nb ahnen eut- fällt(Groß-Berliner Straßenbahn 348'>4 Millionen, Berliner Ost- bahnen über 5Ä Millionen.) Für die Schätzung der Einnahme aus den Straßenbahnen ist im Haushaltplan schon der 50-Pfennig-Tarif vom 1. April ab zugrunde gelegt, Der Berichterstatter des HausvaltausschnsseZ, Bürgermeister M d ch o w t e z- Scdöneberg, bemängelte, daß in der Verkehrs ver- waltung des Verbandes ein früherer Fehlbetrag von 22 Millio- neu n'och gar nicht gedeckt ist, Ter Ausschuß stellte�eine Reihe Anträge; unter anderm fordert er baldige Deckung des Fehl- beumgs, ferner eine Vorlage tvegen Herabminderung der Strom- kosten, nötigenfalls durch Lösung des Vertrages mit den Berliner Elektrizitätswerken. Den öO-Pkennig-Tarif hält er stfian jetzt für nicht mehT ausreichend, nnd er beanirngte daher Festsetzung für längstens zwei Monate. Staffelung mit Teilstrecken will her Ausschuß wegen der Bororte nicht empfeblen. Inder Debatte stellte Kommerzienrat Haberland in Aus- ficht, daß selbst bei 20 Pfennig das Defizit sich noch in diesem Jahre von 22 Millionen aus 100 Millionen erhöben dürfte, wenn Stromkosten nnd Lohnsätze weiier so steigen. Daß er dies« Entwicklung wieder mal zum Anlaß eines törichten Angriff? aus die Kommunalisierung i'.ahm. versteht sich von selber. Mehrere Redner forderte» Staffelung, deren Einfübrung vom 1. Juni ab eine von Berliner Vertretern beantragte Resolution vorschlug. Die Mitteilung des Generaldirektors Äixssow, daß für den Generalstreik der Putschwoche der Lohn bewilligt werden soll. regte Herrn Haberland nicht wenig aus. Im Schlußwort bekämpfte der At'.sichußberichterstaiter die Staffelung mit dem Hinweis aus die davon zu befürchtende Erschtverung einer Besiedlung des Vorortgebietes und einer die VoWgestmdheit fördernden Wosmniigspolitik. Genehmigt wurde der öO-Pf.-Einheitsiarsi vom 1,?lvril ab auf längstens zwei Monate. Die Frage der Einführung von Staffeltarifen soll bis 15. Mai nochmals geprüft-werden und der Auffiiftsrat soll dann der Verbandsver- sammlung darüber bericht.'u. Angenommen wurden noch mehrere Anträge, die sich lür eine S t r o m k o st e n v e r m i n d e r n n g als Entschädigung der Abonnenten für den Fahrtaussall in ddr Streik- zeit, sowie für höhere Tarife bei Nachtfahrten ans- sprechen. Der Haushaltsplan wurde festgesetzt. „Tie Bande ums; niedergeknallt werden". Die Friedrichshagener Gemeindevertretung setzte in ihrer Sitzung vom 26, März eine Abschätzungskommisn on nach den Bestimmungen de? Tumultschadenge'etzes ein. G,-V. W i e d e- m a n n(II S. P.) süftete zur Frage der Ersatzansprüche aus, daß diejenigen ersatzpflichtig seien, die die Truppe heran- geholt halten. Das wären Dr, Peters und Dr. Wange- mann. Der Orr sei. latsächlich überfallen worden. Man hätte die schriftlichen Beweise in Händen. Beweise lägen aber auch von anderer Seite vor. Einer der besten Zeugen säße in der Fraktion der S. P. D— Der Bürgermeister rügte den Ausdruck. daß die Truppe den Ort überfallen habe. Die Truppe, die am Sonnabend eingerückr sei, wäre auf dem Wege nach Berlin ge- Wesen. Sie habe Cöpenick besetzen und dann nach Berlin weiier marschieren sollen,— G.-B. Wiedemann(U. S. P. D,): Die Truppe sei angehalten worden von einem Herrn, der dem Komman- dierenden die Lage geschildert habe, um einen Zusammenstoß vor- z n b e n g e n. Darauf hätte aber der Major erwidert: DaS ist ganz egal, die Bande muß niedergeknallt werden. Genosse Mittenzwei erklärte, daß daS Militär nicht e i n w a n d s f r e i vorgegangen fei. Die Genossen der S. P. D. hätten im letzten Moment noch alles der- sucht, um ein Blutvergießen zu vermeiden. Er sei von seiner Partei beau'lragr gewesen, zu diesem Zwecke den Truppen entgegenzugehen. Er glaube auch, daß er leine Mission, Blutvergießen zu Verbindern, durchgesetzt hätte, wenn man ihn die Mission hätte durchführen lassen. Statt dessen habe man ihn 2 4 S t u n d e n f e st g e s e y t, ohne ihn zu verpflegen und seine Familie zu benachrichtigen. Die Sache wäre am 20."März anders gekommen, wenn man mich nicht verhindert hätte. Der Gaspreis wird ab 1. April auf 1 Mark pro Kubikmeter und der Kokspreis pro Hektoliter aus 17,50 M. beziehungsweise 17,80 M. festgesetzt.— Ein Antrag des Gemcindevorstandes, den G e in e r n d e st c u e r z u s ch l a g für daS ablaufende Etarsjahr 1919 von 260 Prozent auf 350 Prozent z u erhöhen, wurde mit überwiegender Mehrheit abgelehnt,— Um den neuen Ka- n a l i s a t i ö n§ e t a t, der mit einer Steigernng der Ausgaben um 60 Proz. rechnen muß, ins Gleichgewicht zu bringen, wird be- schlössen, den Gebllhrenzuschuß der Gemeinde aus 1000 M. fest- zusetzen und von den Grundbesitzern pro laufenden Meter Straßen- fronr 3 Proz. vom Nutzertrag zu erheben. Die Aufnahme einer Anleihe von einer Million wird beschlossen. Die beiden untersten Klassen der Berliner Realschulen sollen nack einem Beschluß, den die städtische Deputation für die äußeren Angelegenheiten der höheren Schulen auf Antrag des Stadtverordneten Dr. Witte faßte, beginnend am 1. Oktober abgebaut werden. Die Chirurgische UniversitätS-PoliNinik, Ztegelstr. lOfll, ist wegen des Kongresses der Deutschen Gesellschost für Thirnrgie i» der Woche nach Ostern geschlossen, Aufnahme von neuen Kranken findet in dieser Wach« nicht statt, In Behanolung befindliche Kranke werden morgens zwischen 7 und 8 Uhr abgeserligt. Nnk der Rennbahn Treptow stehen an den kommenden Feiertagen neben den sehr gutbesetzten Dauerrennen auch interessante Fileger- tümvse w Ausstchl. Während am ersten Feiertag Bauer gegen Lewanow, Avpelbans und Techmer antritt, werden siib am zweiten Feierlag Jewanow, sowie Wittig, AppelhanS und der deutsche Meister Saldow gegenüberstehen, Es. wird ApveldnnS hinter Krüger, Saldow hinter Wittig. Lewanow hinter ce.eppert und Wittig hinter Nnchtmmin am Start erscheUirn. Beginn der Rennen pünktlich Z1/. Uhr. Charlottenburg. Die Stadtverordneten erledigten nach Beendi- gung der Pntfchdebatte, über die wir bereits berichteren, noch eine Reihe rein geschäftlicher Angelegenheiten. Für den Anschluß der Hauptfeuerwache an die F er n b e t z ung des Elektrizitätswerkes werden 31 000 M. ngchbewilligt. Für das Gewerbegericht werden als Vorsitzender und Slellverlreter Dr. Landsberg und Dr. Stolz wiedergewählt. Die Sätze des HausbalttplaneS für VolksgeiundheitSpflege wer den mn 38 500 M. lind die Mittel für das Arm-nwesen um 31 100 M« verstärkt. Der Etat für die Krankenanstalten erfordert eine Verstärkung von 917 440 M. aus laufenden Mitteln. Ebenso wird der Errichtung eines städtischen Ambulatoriums für Hals», Obren- und Nasen- kranke zugestimmt. Die einmaligen Ausgaben belaufen sich ai!s74b0M. und für die laufenden AuSgaben'werden 5825 M. in den Etat eingesetzt. Bei der Vorlage über die Erhöhung der Kurkostensätze in den städtischen Krankenanstalten wurde von der soziaidemo- lratischen Fraktion beantragt, die.Kurkostcn für die 3, Klasse.,.gstf 9 M, festzusetzen. Leider wurde dieser Anttag abgelehnt und die ganze Vorlage einem Ausschuß überwiesen. Die Summe, welche zur Ausgahe von Mittagessen an Schulkinder er« forderlich ist, muß aus laufenden Mitteln eine Eihöhung von 58 000 M. erfahren. ES wird alsdann beschlossen, die Reinigung der Schulhäuser vom 1. April ab in eigene Verwaltung durch die Stadt zu übernehmen. Zur Beratung der Vorlage, in welcher ein Zuschuß an den Verein Jugendheim verlangt wird, wird ein Ausschuß gebildet, in welchem von der sozialdemokratischen Fraktion die Genossin Zucker, die Genossen Tost und Dr. Rosenfeld gewählt werden. Als Beitrag zur Gpeuzspende fordert der Magistrat die Summe von 10 000 M. A»f Antrag der Sozial- demokroten wird diese Forderung auf 20 000 M erhöht. Di? Be« ratnng der Vorlage zur Errichtung eines Jugendamts vom 1. April 1920 wird ebenfalls einem Ausschuß überwiesen. Neukölln. Olegen die Seuchengefahr. Die nach der Rückkehr unserer Frontsoldaten besonders stark in die Erscheinung gelretene Verlausung eines Teils der großstädtischen Bevölkerung hat es mit sich gebracht, daß auch leider ein großer Teil unserer Schul- fügend von dem Ungeziefer nicht verschont geblieben ist. Mit Rücksicht darauf, daß in den Schulen infolge des.engen Zusammensitzen S der Kinder die Weiterverbreitnng des Ungeziefers, das be- kanntsich a?S eine der hauptsächlichsten Ursachen für die Ueber- tragung des Fleckfiebers anzusprechen ist, erhebsich begünstigt wird, muß im Interesse der VolkSgesimdheit immer wieder auf die dringende Notwendigkeit der Entlausung der mit dieser Plage be- hasteten Kinder hingewiesen werden. Die städtische EntlausungS- anstatt, Mittelbuschweg 8/9, ist täglich von 8— 5 llhr auch für er». wachsen? Personen zur unentgeltlichen Benutzung geöffnet. — Die während der letzten Unruhen in Neukölln durch Truppen verletzten Personen bzw.. deren Angehörige werden aufgefordert, sich unverzüglich zur Feststellung des Tat- bestandeS im Syndikatsbureau de? Magistrats, Altes Rathaus, Zimmer 528, zu melden oder dem Bureau«ine schriftliche Dar» stellnng des Sachverhalts unter Angabe von Zeugen mitzuteÄcn. Grosz-Berliner Lebensmittel« Roseuthal.-125»ramm Maisflocken(7), 250 Krnmm HMsensrüSte (ffl, 500(Stamm Frnchtmarmelade(13).— Für Kriegsbeschädigte 2 Pfd. .vmsttfiocken(17 u. 18), 250 Gramm Zwieback(0 der Zwiebackkarie Steglitz. 1000 Gramm Teigwaren(SO), 250 Gramm Maismehl(86). Groß-Serlmer yarSeinachrkchtea. Heute, 81, März: 10. Abt. 6 Uhr, bei Woiss, Forsicr Sir. 44i Sitzung sämtlicher?e< zirkSführcr, BetriebsveitrauenSIeute, Gewertfchastssunltionäte und Elternbeiräte,. Lichterfelde. V.S Uhr, Anka Ringstraße, öfientliche Versammlung: „Der Kapp-Putsch'. Redner: Dtllinger, Hewig. �ugenöveranftaltungen. Neukölln. Heute 7 Uhr Funkttonärsitzung bei Beck, Reuterstr. 46. vortrage, Verewe unü Versammlungen. Arbeiter-Samariter-Bnnd, Bezirk Norden Donnerstag, 7 Uhr, Lebrabend, Schulauta Bernaucr Sir, 8S,S0,— Arbeiter- Raofabrer- Berei» Gross-Berlin. Karsreitng, l1/, Ubr, Tour nach Udlershoi. Wöllstein, 1. Feiertag. 6 Uhr, Kloster Chorii,(2 Tage); I1/, Udr PichelSwerder. 2, Feiertag, 1 Uhr, Bernau, Elysium: Start: Marümnenplatz,— Bund eutsaftedener Schulreformer Volksversammlung Donnerstag, 71/,Uhr, 'Aula des Fricdrich-Werderschen-RealgtzmnafiumS,»ochstr, 13. ES reden: Professor Paul Oestreich, Margarete Panten und Eymnajialdirektor Ziegler. Karten a 1 Mark. GewerMastsbewegung ' Die Angestellten unö öer Generalstreik. Die am Dienstag abgehaltene Telegiertenversammlung deS Zentralverbandes der Angestellten stimmte nach längerer Dls- kussion dem Antrage der OitSverwaltung zu, wonach die MonatS- beitrage aaf b, 8 und l» M.«rböht werden. In die Revisions- lommission wurden einstimmig gewählt: Bormann. Tilli!;, Beh- rend, Astmann, Penn, Herm. Krüger, Max Schüler.— Hierauf erstattete Fritz Schmidt Bericht über den General- st r e i k. Er gab eingehende Darstellungen über die Maßnahmen, welche die Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände zur Durchführung des Streiks getroffen hatte. Dann schilderte er die Verhandlungen zwischen den Partei- und Gewerkschaftsver- tretern und sagte, wenn die Angestellten und Arbeiter politische Klugheit genug besitzen, dann werden sie durch die Vereinbarun- gen, welche zum Abbruch des Streiks führten, mehr erreichen als man sich vor drei Wochen hätte träumen lassen. In der Ange- stellten» und Arbeiterschaft bricht sich der Gedanke Bahn, daß sie in der gegenwärtigen Situation ihre Zukunftsziele zu- rückstellen müssen bis die dringendsten Gegen- w a r t s f o r d e r u n g e n e r f ü l I t s i n d. Bei den Wahlen muß die Parole hauten: Links gegen Rechts, aber nicht Links gszen Links. Wenn auch, nachdem eine Verständigung über die Regierung!- bildung mit den Unabhängigen nicht möglich war, die Koalitions- regierung zurückgekehrt ist, so ist doch nicht alles beim Alten geblieben. Die sozialdemokratischen Regierungsmit- glieder haben ihren> Rücktritt zugesagt für den Fall, daß die mit den Gewerkschaften getroffenen Vereinbarungen nicht innegehalten werden. Die Gewerkschaften haben zwei Kommissionen einge- setzt. Tie eine hat die Verhältnisse im Ruhrgebiet zu prüfen und auf die Beilegung des dortigen Konflikts hinzuwirken. Die andere soll bei der Umgestaltung der Sicher heitswehr mitwirken. Minister Severing ist dafür, daß zunächst die Ein- wohnerwehren aufgelöst werden und die Sicherheitswehr den Ver- einbarungen gemäß reformiert wird. Wenn es gelingt, die Ver- Hältnisse im Ruhrrevier gütlich zu regeln und Ortswehrcn aufzu- stellen, dann haben wir die Macht, die reaktionären Offiziere der Reichswehr zu beseitigen. Es ist nun Aufgabe der Gewerkschaften, dafür zu sorgen, daß sich zuverlässige Leute zum Ein- tritt in d i e O r t s- u n d S i ch e rh e i t s w eh r melden. Es müssen sofort Listen zur Eingeichnung für diesen Zweck aufgelegt werden. Die Diskussion über den Bericht konnte wegen der vorge- rückten Zeit nicht beendet werden. Sie wird in der nächsten Ver- sammlung fortgesetzt. Folgende Resolution wurde einstimmig an- genommen. Die Versammlung erklärt, daß die politische und militärische Lage erhöhte Aufmerksamkeit erfordert und die Angestellten sich bereit halten müssen, um für den Fall eines Vorstoßes gegen die Abmachungen, die die gewerkschaftlichen Organisationen mit der Regierung getroffen haben, sofort die energischsten Maßnahmen zu ergreisen. Jeder Versuch, die Arbeiter durch das gegenrevo- lutionäre Militär nied»rzuschlagen, wird den Kampf auf der ganzen Linie aufleben lassen. ihren Beruf als lebenswichtigen zu erklären und die Arbeitnehmer aukzuiordern, bis Freitag in den Betrieben die Arbeit wieder aufzunehmen. Darauf erschien am Mittwoch in einer Reihe von Betrieben ein derncntiprechender UkaS. In der Schokoladenfabrik von Hilde- � brandt eniiernte der Arbeileräus chuß denselben. Selbstverständlich sind die Arbeiter diesem Beschluß n i ch t nachgekommen. Nur die kaufmännischen Angestellten iowie die Meister'chatl und leider auch einige Kut'cher haben seit Freitag, den 19. März, ihre Tättakeii ausgeübt. Am Montag, den 22. März, erschien die Arbeiterschaft entsprechend den Beschlüssen der Gewerkschaften geschlossen zur Arbeit. Jetzt wurde tbnen eröffnet, daß sie alle entlassen seien und nur die Firmen nach und nach eine Wiedereinstellung der Arbeite' schuft wieder vornehmen wolle. E» Ivurde dabei seitens der Fabrikanten betont, daß ein Teil der Arbeiterschaft über- baupt nicht wieder eingestellt würde. Hierauf ließen sich die Ar- bcitcr und Arbeiterinnen nicht ein. sondern erklärten, daß sie nui dann die Arbeit wieder aufnehmen würden, wenn au« Anlaß des Getterglstreiks Maßregelungen nicht stattfänden. Die Arbeiter waren dazu um so mehr berechtigt, als unter den Gemaßregelten auch ein Teil Kriegsteilnehmer, die auf Grund der DemobilmachnngSverordnungen wieder beschäftigt werden mußten, gemaßregelt werden sollten. Es babcn nun in der vergangenen Woche zweimal Verband- lungen stattgefunden, die von der Organisation geführt lviiiden. In der letzten Verhandlung mit dem Arbkitgeberverband und den Firmen wurde die Wiedereinstellung mit Ausnahme eines Kollegen, der gemaßrcgelt bleiben sollte, weil er der Firma Hildebrandt den obengekcnuzeichnclen Anschlag entfernt hatte, zugebilligt, aber die Firmen wollten durch eine pantütische Kommt ist on innerhalb 4 Wochen weitere Entlassungen vornehmen lassen, ebenso wollten sie sowohl für die Generalstreikwoche sowie auch für die durch ihre Schuld� ent- standeue weitere Slretkivoche keinerlei Entschädigung bezahlen. Eine am Montag tagende Streilveriammlung für betde Betriebe hat diese? Angebot mit erdrückender Mehrheit abgelehnt. Die Bersamm- l lung hat das Angebot für ungenügend erachtet, war auch noch bc- | sonders dadurch erregt worden, daß Karten am beutigen Tage von der Firma den Arbeitern zugegangen waren, in der sie zur Auf- nähme der Arbeit aufgefordert waren und wo ton einem neuen Arbeitsverhältnis die Rede war, in welchem eine Kündigung nicht mehr stattfinden solle. Der Arbeitgebervcrband, dessen Mitglieder— das sei besonders betont— bis auf obige zwei Firmen den Beschluß vom 19. März nicht durchgeführt bat. hatte durch den Mund ieineS Vorsitzenden erklärt, daß der Unterncbmcrverband die beiden Firmen unterstützen werde. Hierauf hat der Genosse Heyschold als.Vertreter der Organisation erklärt, daß daö Vorgehen der Arbeiterschaft gegen den unberechtigten Beschluß der Arbeitgeber Ehrensache und Not tu ehr zugleich fei, und daß die Organisation die Ar- beiterichait unterstützen werde. ES ist daraufhin heute an die Arbeiterschaft das erste Mal Unterstützung ausgezahlt worden. ES werden, weint keine Einigung vorher zustande kommt, diese Dinge den zuständigen Schlichtungsinstanzen unterbreitet werden. Mastregelung wegen Generalstreik. In den beiden großen Schokoladenfabriken H i l d e b r a n d t u. Sohn. Pankstraße 84'37, und S t o I l w e r k A.- G., Chaussee- straße 87, stehen die Arbeiter und Arbeiterinnen seit Beendigung deS Generalstreiks in einem Abivehrstreik. Der Sachverhalt ist folgender: Am Dienstag, den IS. März, alio am gleichen Tage, an dem die sogenannte Kapp-Lüttwitz-Rcgicrnng jene bekannte Verordnung herausgegeben hatte, nach der die Rädelsführer in Volkswirtschaft- lich wichtigen Betrieben ebenso die Streikposten mit dem Tode bedroht wurden, faßte der A r b e i t g e b e r v e r b a n d für die Schokoladen« und Zuckerwarenindiistrie zu Berlin den Beschluß, Hnngcrlöhne bei der Neukölln— Mittenwalder Bahn. Bis zu welchem Grade die VerständniSlosigkeit gewisier Ar- ■ beitgeber gegenüber ihren Arbeitnehmern in wirtschaftlichen Tingen l" reicht, zeigt die Firma Bering u. Wächter, Berlin SW., Bern- , burgcr Str. 15/16, die Pächterin der Neukölln-Mittenwaldcr Eisen- bahn. In dem genannten Betriebe sind zirka 190 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. 59 hiervon beziehen einen Stundenlokuiatz bis zu 2 M., 39 Mann bis zu 2,29 M. und 29 Mann 2,59 bis 2,95 Mark. Bezeichnend ist, daß ein Beamter von 21 Dienst- fahren ein Monatsgehalt von 559 M. empfängt. Eine Steno- typ ist in erhält bei derselben Firma 139 M. pro Monat abzüglich der Beiträge zur Invaliden- und Krankenkasse. Von den 199 Ar- heitern und Beamten sind etwa 65 verheiratet und haben ihren Wohnsitz zum größten Teil in Berlin oder den Vororten Groß- Berlins. Der Arbeitgeberverband der Deutschen Straßenbahn, Klein- bahn und Privateisenbahn E. V., der die Interessen der Firma Bering u. Wächter als Tarifkonirahent vertritt, weigert sich, in Verhandlungen zu einer Neuregelung der Bezüge der Arbeiter und Angestellten einzutreten. Die Firma ist on die Tariflöhne oe- Hunden, da sie andernfalls eine Konventionalstrafe von 19 999 M. zu zahlen hat. In einer Betriebsversammlung sämtlicher Arbeiter und Ange- stellten der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn wurden nachstehende Forderungen aufgestellt: 1. die sämtlichen Bezüge hzw. Lökns für alle Klassen der Angestellten und Arbeiter einschließlich ter Lehrlinge entsprechend den jeweiligen Bezügen bzw. Löhnen der Staatscisenlmhn mit Rückwirkung ab 1. Januar 1929 zu regeln. 2. Die Unterlassung jeder Maßregelung aus Anlaß des Streiks. 3. Tie Bezahlung der Streiktage. Das Personal der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn befindet sich seit dem großen politischen Abwchistreik in einem Lohn- st r e i k. Auf Grund der Forderungen bat die Firma, vertrete. t durch den Herrn Direktor Assessor N o l t e, jede Verhandlung mit der Arbeiter- und Nngcstclltetisckiaft abgelehnt. Das Personal ist zu zwei Drittel im Deutschen Eiienbabnerverband organisiert. Die Firma will den Deutschen Eiscnbahnerverband, weil er nicht Tarif- kontrahent ist, an den Verhandlungen nicht teilnehmen lassen. Das geradezu' arbeiterfeindliche Benehmen des Herrn Direktor? hat außerordentliche Erbitteruüg unter den Arbeitern und Angestellten verusacht. Die Folge davon ist, daß das gesamt« Personal, vom Dabnmeister bis zum Streckenarbeiter, vom Vorsteher bis zum Hilfsschaffner sich solidarisch zur ArbeitSniederle- gung erklärt baben. Tie wirtschaftlichen Folgen diese« berechtiaten Kampfes sind unübersebbar. An dem Schienenstrang der NeuköllnerMittenwaldcr Eisenbahn befinden sich 56 Gleisanschlüsse zu großen industriellen Unternehmungen, u. a. die Firmen Steffens u. Nolle, Truckemüller, Sarotti. Beamtenwirtschaflsverrin, Konsum, LebenSmittcUagerhaus de« Kreises Teltow usw. Di« durch starke wirtschaftliche Not zu dem Streik gezwungene Arbeiter- und Angestelltenschaft appelliert on die Oeffentlichkeit, ihre Forderungen durch Verständnis für ihre schwierige Lage zu uttterstützcn. Eliarlvttenburg. GewerksichaftSkiimmiisisn. In der am 29. März abgehaltenen Sitzung erstattete der Obmann Flemming den Tätigkeitsbericht über das verflossene Geschäftsjahr. lieber die all. gemeine Situation bemerkte Redner, daß die Gewerkschaften sebr stark in die Breite gegangen sind, aber nicht in die Tiefe. Da-. müsse durch intensive Arbeit nachgeholt werden. Tie große ZabI der neuen Mitglieder muß über die Aufgaben der Gewerkschafis- bewegung, über da? Wirtschaftsleben im allgemeinen und über ten Sozialismus im besonderen aufgeklärt werden. Im neuen Ge- schästsjahre werden verschiedene Wablen, wie die zum Gewerbe- und KaufmannSgericht, die AuSschußwablen zur Allgemeinen Orts- krankenkasse und zu den sozialen Versicherungetörpern vollzogen werden müssen.— Anschließend bieran gab der Kassierer St o r ch den Kassenbericht. In der Debatte über die Berichte wurde in der Hauptsache über die Organs sationsform gesprochen. Alle Redner bis auf Gutschmidt sprachen sich für die Pildung großer GeWerk- schaffsverbände aus. Ein Antrag Bollenttn, die Ursachen der bcrrschenden Teuerung in einer öffentlichen Versammlung sämt sicher Gewerkschaften klarzulegen, fand einstimmige Annabme. Tie Wablen zum Ausschuß ergaben die Wiederwahl von Flemming. Giesc, Sommer, Storch und Zippel. Die Obmanns- gcschäfte versieht wieder der bisherige Obmann Flemming vom Zentralverband der Angestellten. Zu Revisoten wurden gewüblt Koch und Itundy und in die Zentralbibliothekskommission Bollentin, Termietzel und Koch. Ueber die diesjährige Maifeier wurde gesagt, daß sie von seifen der Arbeiterschaft, ganz gleich wie sich die Parlaments und die Ar» beitgeberschaft in diesein Jahre bierzu stellen, festlich begangen wird. Um die Einheitsfront stärker zum Ausdruck zu bringen, wurde gewünscht, die Versaanmlungen einheitlich zu gestalten. Tie Vertreter der Friseure und Gärtner ersuchten, diese Arbeiter- gruppen in ihrem Kampfe um die Sonntagsruhe zu unterstützest. Te«ts«k>cr TSerkmeister-Verband. Die Weikmeister der Chiruraie- brauche veisamfiieln sich am Dornierstag. den 1. April, nachm. 4'/. llnr, im.Rolinlbalcr Huf", Rosen! Haler Straße. Tagesordnung: Tarij. augelegenhciten. Bund der teckmUchen Angestellten und Beamten. Fachgruppe 1 k sEleklrutcchnil-Schwachitrom): TunncrStag. den l. April, abends 7 Uhr. im T-örsen!aal der Miisiler-FestsZIc, Kaiscr-Wilbelm-Straßc 31— Fach grnvpe 1 e iTIektrotechiiil-S'arlstrumf: Donnerstag, den 1. April, abend? 7 Uhr. im Gaitcnjoat von ch-averlands Festlöten. Neue Fricdrichstr. 35.— Versammlung der in den E.ntenbatlbetiteben belchästigten technischen An- gestelllen am Donnerstag, den 1. April, abends 7 Uhr, im.Rosenthalcr Hof", Roscntbaler Str. 11/12. Verontw. für den redaklion. Teil: Artnr Zickl», Cbarloltenburg: für An, ein«,- Ti>.(Siioite, Berlin. Verlag:«orwiirts-Bertag S. m.b. S., Verlin. Druck: Bor- i wiiris-Aüchdrnckerci u. Berlaaaanstalt Paul Singer u. Co. Verlin. Lindem::. 8. In�naicctp 99—vis-a-vis der Morkthallc— fltIL.Xtuoir. 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