Nr.170.37.za!,rg. Bezugspreis: B::)el;al):L21,— 3it., monafi.7,— Uli. frei ins öous. oorauj zahlbar. Post- cesnq Monatlich 7,— Mk. etdRu- steöungsqe-nhr. Unter Steuästani» füc DentichlanS und Oesterreich-Ungarn ia2> fl!L. für das iistrigk Lusland I4St) Vit., dei taglich-tamaU Zustellung 12 Ä> M!. Postöestellungen nedmeu a:> Nänemark. Hollanö, sturemburg, Schweden»nd di» Schweu. Ein- getragen in die Post- Aestung»- Preisliste. Der„Vorwärts� niit der Sonntags- beilage.Boll u. Zeit" ericheint wochen- täglich zweimal. Sonntag, einmal. Telegramm-Adreffe: JSojlaldcmotcal Berlin". Abend Ausgabe Sevlinev VolKsblettt 050 Pfennig� SlnzeiaenpreiS: Die achtgelpaltene Nonnare illezeile testet 2,50 üist, Tellerungszuschlag 59� »Sleine Anzeigen", das iotl- gedrutkte Wort 75 Big. szillästig zwei iettgedrulkte Worte), jedes weitere Wort 50 Psg. Stellengesuche und Cchlafstellenallzeige» da" erste Wort 05 Pfg., jedes weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben jülilcu für zwei Worte. Teueruilgszuschlug 50°,> Familien- Anzelgen. volstilche und gewertschastliche Vereins- Anzeigen 2,- Mt die Zelle ohne Ausschlag. Anzeigen stir die nächste Nummer miisteu bis s Ahr uachmittags im Hauvtgeschäst. Berlin SW öd. Linden- strahe S, abgegeben werden. Geöffnet von 0 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der foztaldcmokratircben Partei Deutfcblands Reöaktisn unö Expedition; SA). öS,£indenflc.?» Srernfprcrfter: Amt MorlNvia«. Nr. K!5IS0— llSIS?. Donnerstag, den 1. April 1VÄO. Vonvärts-Verlag G.m.b. ß., SW. vs, Linöenstr. 5. Fernsprecher: Amt Moritzplast. Nr. 117 5»— V I. Einigung im Ruhrrevier. Wie aus Münster gemeldet wird, ist heute in einer Kon- ierenz, an der die Delegierten der BollzugSräte und der drei sozialistischc« Parteien des Nuhrreviers wie die Vertreter der Re. gierung teilnahmen, ein Abkomme» getroffen worden, dessen Grundlage folgende ist: Die Rcichsregierung verlssngert die Straffreiheit entsprechend dem Bielefelder Abkommen biS auf morse«. Frei- tag mittag 12 Uhr. Wenn bis dahin die Regierung Gewiss- heit hat, dass überall dem Bielefelder Abkommen nachgrkom- me» wird, schreitet kein Militär ein. Damit bat die Münstersche Konferenz die restlose An- nähme des Bielefelder Abkommens durchgesetzt,«nd es soll sofort ein Aufruf an die Kampftruppen verösfent- licht werde«, de« Beschluss nachzukommen. Zur Durchführung des Abkommens sollen die jetzt bestehenden Ortswehrrn verwendet werden. Die Truppenverschiebunge« nach dem N uhrrevier sind ringe st ellt worden. Donnerstag nachmittag 3 Uhr findet in Esse« eine Bollovr- fammlung aller Bollzngsräte des Industriegebiets statt, um über die Beendigung deg Generalstreiks zn beschließen. Eine allgemeine Abschätzung der Lage lässt die baldige Wieder- kehr friedlicher Brrbältnisse in Rheinland-Westfalen als durchaus nusfichtsreich erscheinen. Sotschasterkonferenz unö Ruhrftaye. Paris, 31. März.(WTB.) Am Vormittag hat die Bot» ichaflerkonferenz unier dem Vorsitz voi� JuleS Cam- bon eine Sitzung abgehalten. Sie hörte einen Vortrag des Ge- nerals.Noll et, des Vorsitzenden der Interalliierten Kontroll- kommisiion in Berlin, über die allgemeine Lag« in Deutschland..Temps" erklärt, General Rollet habe der Botschafterkonferenz auseinandergesetzt, warum eine Expedition deutscher Regierungsrruppen in das Ruhrgebiet augenblicklich un° nötig und gefährlich erscheine. Generalstreik in Dänemark. Kopenhagen, 31. März.(W. T. L.) Dir Bäckerge. seilen haben beute di« Arbeit niedergelegt. Die Hafenarbei. ter, Seeleute und Heizer beschlossen, dir Arbeit«och heute abend niederzulegen. Infolgedessen werde« alle regelmässigen Tampfervrrbindungrn eingestellt. Die Straßenbahn,«nd die Telephonbediensteten nerdr« die Arbeit morgen mittag 12 Nbr niederlege«. Ter Generaldirektor der StaatSbahn macht die Eisrnbahnbediensteten in einem Rundschreiben darauf aufmerksam, dass sse als Staatsbeamte nicht daS Recht haben, sich dem Generalstreik anzuschliessen. Tie Ei s en b a h n b c d i e n st e- t e n haben trotzdem beschlossen, in den allgemeinen Ausstand z« trete«. Infolgedessen wird in bürgerlichen Kreisen Vorbereitung getroffen für Werbung von freiwilligen Mannschaften für den Eisenbahndienst, um den Abgang einiger Züge täglich zu ermöglichen. Kopenhagen, 1. April.(WTB) Nach den Bäcker, und Konbitorgcscllen, Buchbinder«, Metallarbeitern und Tapezierern, Werftarbeitern und anderen Arbeitcrgruppen, die gestern bereits die Arbeit niederlegten, habe,, auch die Drucker der rechts- stehenden Zeitungen heute morgen die Arbeit eingestellt. Bon morgen ab werden nur noch radikale und sozialistische Zeiwn- gen erscheinen. Die Postbedirnsteten, die Telegraph- und Telephon- angestellten, die Strassenbahner und Eisenbahner stelle» morgen nacht 12 vhr den Betrieb ei«. Nilitäristhe Maßnahmen öer„Negierung*. Kopa:»Hägen, 1. April.(WS®.) Wie die Zeitung„Poli- tiken" meldet, hat die Regierung die Einberufung ueurr Truppen angeordnet. Die in Kopenhagen stehenden Truppen si«d mit scharfer Muntion versehen worden. Ein Bermittlungsvorschlag. Kopenhagen, 31. März.(WTB) Die Partei der radikalen Linken des RelchstagS hat den übrigen Parteien ein Schreiben zugestellt, in welchem es hcifit: Da die Sozialdemo- kratrn erklärt haben, daß der Generalstreik beendet werden kann, wen« der Reichstag einberufe« und die Wahlgesetz- Novelle angenommen würde, fordert die radikale Linke die übrigen ReichstagSpartcicn auf, Sonnabend vormittag Bcrtreter zu einer Konferenz zu entsenden, um über das Wahlgesetz„nd die eventuelle Einberufung des Reichstags zu verhandeln. Die Sozialdemokraten habe» diesem Vorschlag zugestimmt. Kopenhagen, 31. März. Die Generalversammlung der vereinigten Fachverbände beschloß in ihrer heutigen Sitzung, die Fachorganisationen aufzufordern, spätestens am 6. April den allgemeinen Streik zu erklären, um die Einberufung des Reichstag?, das Zustandekommen eines neuen Wahlgesetzes und darauf die Wahl auf ehrlicher Grundlage zu erzwingen. Von dem allgemeinen Streik werden nur folgende Ausnahmen gemacht: 1. Dienst an Hospitälern, Altenheimen, Kinderheimen usw., 2. Wasser- und Gasversorgung, 3. Sicherheitsdienst der Bürger, 4. alle Betriebe, die im Besitz von Arbeiterorganisationen sind, sowie die demokratischen Blatter, welche den Staatsstreich der Re- gierung bekämpfen. Weiter wurde beschlossen, eine allgemeine politische Amnestie zu fordern. Die Genevalpersammlung wählte eine Abordnung, di« diesen Beschluß dem König überbrachte. Der König erwiderte, daß es sein dringender Wunsch sei, eine f r i e d- liche Lösung der Krise herbeizuführen. Erst Entwaffnung, öann Abtransport. H a m b» r g, 1. April.(Eigener Trahtbericht bc8„Vorwärts".) Ter geworkschaftliche Neberwachungsausschnss der Eisenbahn- direktion Hamburg-Bltona teilt mit, daß er den Trans- porl der Brigade Ehrhardt von Döberitz nach Lockstedt nicht eher gestatten und rrniöglichen wird, bis die Truppen ord- nungs gemäß entwaffnet sind. Die Daltikumer rüsten. Hamburg, 1. April.(Eig. Trahtbericht des„Vorwärts".) Die Brigade Loewenfcld im Lockstedtcr Lager rüstet sich miedcr, anstatt entwaffnet z» werde«. Es ist ein Befehl nach Itzehoe abgegangen, wonach Waffen« n d Munition an- gefordert werdcm Nnverantwortlichcrweise ist bereits ei» Teil ver Waffen und Munition aus Itzehoe nach Lockstedt geliefert worden, obwohl die Truppen im Lager ausreichend bewaffnet sind. Tie Jtzehoer Bevölkerung ist in grosser Aufregung, weil sie nicht weiß, wozu die Truppen immer noch Waffen benötigen. Die 5scksteöter Gäste. Unverschämte Uebergriffe. Wie«> Hamburger Korrespondent erfährt, herrscht im Lock- stedtrr L'�ger ria reges Leben. Man spielt dort Krieg, den ganzen Tag hört man in der Umgegend knalle«. Außerdem be- schaftigen sich die dort zusammengezogenen Truppen damit, ihre Ausrüstungsstücke, Stiefel, Bettstücke und ähnliches Reichseigentum nn die Bewohner zu verkauicu. Bei der Brigade Locwcnseld ist auch noch das Tctachemcnt El aasen eingetroffen, das an dem Putsch in Kiel beteiligt war. Tie Truppe» haben im Lockstedtcr Lugor neue Einkleidung verlangt, und als ihnen diese ver- weigert wurde, sie mit Waffengewalt erzwungen. Es wird mit diese« Sache? ein schwunghafter Handel getrieben. Die kaiserfrage. Haag, 31. Marz. Das Corr.-Bureau erfährt, baß der nieder- länbischen Nessiming das Antwortschreiben auf ihre letzte Note in der Frage der AnSlieferunF des vormaligen deutschen Kaisers überreicht worden ist. Es fei nicht ausge- schlössen, daß dieses Schreiben als Beendigung des in dieser Frage geführten Notenaustauschs angesehen werden könne. Wilson zur tückischen§raae. Washington, 31. März.(Reuter.) Die Antwort Arne» r i k a s auf die Note der Alliierten bezüglich des Standpunktes der Vereinigten Staaten zu den türkische« Kriedensver- Handlungen wird durch den nachdrücklichen Ausdruck der An- ficht Wilsons gekennzeichnet, daß die oft geäußerte Absicht' der Alliierten, der Belastung der Türken in Europa ein Ende zu be- reiten, durchgeführt werden müsse. In der Frage der Durchfuhr durch die Meerengen und ihrer Verwaltung in Kricgszeiten sollten ohne die Zustimmung Rußlands keine endgültigen Be- schlüsse gesaßt werden. ES erscheint billig, daß der Teil West- Thraziens, der außerhalb der für Konstaniinopel reservierten Zone liegt, mit Ausnahme deS nördlichen Teiles der Provinz, an Griechenland kommt. Da die Bevölkerung des nördlichen Teiles bulgarisch ist, so fordert Recht und Gerechtigkeit, daß die Städte Adrianopel und Kirkilisse mit den umliegenden Gebieten an Bulgarien kommen. Die Grenze Armeniens müsse so gezogen werden, daß alle gerechten Ansprüche des armenischen Volles erfüllt werden. Da ein Zugang zur See für den Bestand Armeniens unerläßlich fei, so sieht der Präsident die Zuweisung des Hafens von Tropezunt an Armenien vor. Mit Bezug auf die Abtretung der Rechte der Türkei in Mesopotamien, A r a b i e n, P a l ä st i n a, S h r i e n und dem Jnselgebiet schlagen die Vereinigten Staaten die Befolgung der Methode, die auch bei Oesterreich angewendet worden ist, vor: Die Türkei muß diese Provinzen den Großmächten aushändigen und diese sollen deren Schicksal beschließen. die öerliner Straße. Unsere Lesler haben heute morgen von dem Telegramm des christlichen Gewerkvereins der Bergarbeiter Kenntnis gc- nommen, das die Reichsregierung auffordert, den Einmarsch der Truppen in das Ruhrrevier unter Führung des Generals v. Watter anzuordnen. Im Ruhr- revier sind, wie bekannt, die Meinungen über die Zweckmäßig» keit eines militärischen Einmarsches in der Arbeiterbevölke- rung selbst stark geteilt. Im allgemeinen kann man sagen. daß die Bevölkerung jener Gebiete, in denen es der Ärbciter- schaft gelungen ist, aus eigener Kraft die Ordnung aufrecht- zuerhalten, sich dem Einmarsch auss enkschiodenste widersetzt, während mau in den Gebieten, die von unkontrollierbaren Diktatoren mißhandelt werden, bereits auf dem Standpunkt angelangt ist:„Lieber alles, als die Fortdauer des gegenwärtigen Aufiandes!" Wir machen daruni den christlichen Bergarbeitern aus ihrer Stellungnahme keinen Vorwurf, obwohl wir bekannt- lich die entgegengesetzte vertreten. Wir geben die Hoffnung nicht auf, daß es den Arbeitern der diktatorisch mißhandelten Gebiete gelingen wird, aus eigener Kraft die Ordnimg wiederherzustellen, und wir befürchten auf der anderen Seite von �dem Einmarsch schwere Verwicklungen und den Verlust von Menschenleben. Unverständlich bleibt uns nur, daß die Christlichen durchaus ans der Führung der Truppen durch den General v. Watter bestehen. Uns in Berlin ist dieser General höchst gleichgültig, wir wissen aber, daß ihm wesentliche Teile der westlichen Bevölkerimg mit stärkstem Mißtrauen gegenüberstehen, und da erlauben wir uns der Meinung zu sein, daß wine Ersetzung durch einen anderen Führer, wenn es trotz aller Bedenken doch zum Ein- marsch käme, die Aufgabe der Truppen erleichtern und die mit ihrer Lösung verbundenen' Gefahren verringern würde.. Indes ist es diese Meinungsverschiedenheit nicht, die uns veranlaßt, auf den Notruf der christlichen Gewerkvereine noch einmal zurückzukommen. Was uns dazu veranlaßt, ist ein häßlicher, durch nichts gerechtfertigter Angriff auf uns Berliner, der sich in dem letzten. Satz des Telegramms findet. Da heißt es nämlich: Mit aller Entschiedenheit fordern wir, daß sich die Rogierung und ihre Politik nicht von der Berliner Strasse, sondern von den Bedürfnissen des deutschen Volkes leiten lassen. Das nötigt uns zu der Feststellung, die von den christ- lichen Gewerbe reinlern kaum bestritten werden wird, daß sich„d i e Berliner Straß e" in der kritischen zweiten Märzhälfte geradezu musterhaft verhalten hat, und daß� es viel besser stünde, wenn alle Gegenden des Reiches in diesem Fall dem Vorbild der Reichshauptstadt gefolgt Ivanen. Berlin hat in tadelloser Ordnung seinen Generalstreik durchgeführt und ist in tadelloser Ordnung zur Arbeit zurückgekehrt. Links- komnmnistrsche Schreier haben hier keinen Resonanzboden ge- funden, keine„Diktatur" zweifelhafter Führer wurde ein- gesetzt, die Behörden konnten nach Beseitigung der militari- scheu Störung ihre Arbeit ungestört wieder aufnehmen, die Berliner„Rote Armee" erlv-ies sich als eine plumpe Erfindung der Militärputschisten, die hier in einem provozierten Kampf„gegen den Bolschewismus" vergebens Rettung und Vergessen ihrer Schandtaten zu finden Hoisten. Die„Berliner Straße" hat alfo in die Entwicklung der Dinge seit dem 13. März überhaupt nicht eingegriffen. Die Berliner Arbeiter und Angestellten haben sich dagegen durch ihren erfolgreichen Kampf gegen die Meuterer im Brenn- vimkt der Meuterei das größte Verdienst erworben, und es ist im höchsten Grade ungerecht, es zu verkleinern. Die sog.„Berliner Vereinbarunge n". die bekannten acht Punkte, heißen nur deshalb„Berliner" Verein- borungen, weil sie d-as Unglück haben, in Berlin abgeschlossen zu sein. Sonst hat Berlin, geschweige denn„die Berliner Straße", nichts mit ihnen zu tu», abgeiehen davon, daß die Berliner au dir'en Verein barungeu. die zwischen Reichs- Zentralstellen geschlossen wurden, insofern beteiligt sind, als sie sich immer noch für einen Teil der Reichsbevölkerung Hai- ten, was ihnen hoffentlich nieniand übel nehmen wird. Wer gegen die acht Punkte ist.'weil sie Berliner Vereinbarungen heißen, muß auch gegen die Regierung und gegen die Nationalversammlung.sein, weil sie in Berlin ihren Silz haben. Eine nette Logik, vor deren Konsequenzen nicht nachdrücklich genug gewarnt werden kann! Es ist ein Unfug, wenn man im Reiche für alles, was einem nicht paßt, Berlin veranttvortlich macht. Eine solche demagogische Stimmungsmache mag für den Augenblick Er- folge erzielen, aber auf die Dauer wirkt, sie auf das Reichs- gefüge zerrüttend. Kritisiert Berlin und die Berliner wviel wie ihr wollt, sie vertragen Kritik! Aber die rein gesübls- mäßige Schimpferei auf Berlin und die Verdächtigung alles dessen, was irgendwie mit Berlin zusammenhängt, ist eine Reichsgefabr. Den christlichen Gewerkvereinen möchten wir nur noch eines sagen: Die Berliner Srraße, die sich in die Vorgänge im Ruhrrevier nickst einmischt, hat ihre Fehler, sie hat schlimme Dinge erlebt. Aber auch große. Die Berliner Straße hat in tvikhelrninischer Zeit für daS gleiche politische Recht aller Arbeiter gekämpft. Wo waren da die christlichen Gewerkvereinler? Die Berliner Strafte hat im November 1918 dieRepublik ausgerufen. Wo waren da die christlichen Gewerkberanler? Wenn sich das Reich nicht von der Berliner Straße regieren lassen will, so hat es ganz recht, und die Berliner Straße drängt sich nicht zu einer so undankbaren Aufgabe. Ab-'r die„Berliner Straße" hat in entscheidenden Augenblicken der Geschichte zu handeln gewußt, wie es dem Willen des deutschen Volkes entsprach, sie hat sich für R e ch t und Freiheit mit Blut gerötet. Darum sollte man von ihr ctwaS weniger verächtlich reden. Das �veefaffungslreue� �ömiralitätsamt. Man schreibt uns: Admiral von T r o t h a ist geflohen, die Trothaianer im Marineamt sind geblieben. In ihrer ver- frühten Siegeszuversicht haben Offiziere und Beamte der Admiralität erfreulicherweise offen Farbe bekannt. Bald nach dem Putsch macht sich die sog. Schutzkompagnie der Admiralität upier Führung des Lt. Söhring in Waffenschmuck bemerkbar. Der Kompagnie— angeblich in? Leben gerufen zum Schutz« des Hauses gegen Spartakus— gehört die größte Mehrzahl der Beamten und eine Anzahl Angestellte des Hauses an. Einige Angestellte haben jedoch ihren Austritt erklärt, als sie sahen, daß sie entgegen ihrer Bestimmung Verwendung finden sollten. Die Züge wurden nunmehr in voller Bewaffnung zusammengerufen. DaS Haus glich bald einem gewaltigen Kriegslager. Es kann sich niemand des Eindruckes verwehren und«S wird auch mit aller Offenheit zugegeben, daß sich die ganze Bewegung zumSchutze der neuen Regierung voll- zieht. Irgend welche Gefahr von links ist auch nicht vor- handen. Seitens de? Vertreter des Marine-Beamten-VerbandeS wird die Streikparole des Deutschen Beamten-Bundes weitergegeben. Gegen diese Parole wendet sich mit großer Energie der Beamtenausschuß und die Vereinigung der höheren Beamten(G e h. B ä u r a.t B u s ch b e r sj). Trotz der Parole wird in gewohnter Weise weiter gearbeitet. Eine ganz besondere Anhänglichkeit und Liebe für die — neue Regierung haben Geh. Baurat Buschberg und Baurat A r n h u t h durch großen Redeschwall für die Kapp- Genossen gezeigt. Der Kapitän zur See Schulz stellte sich nach Adm. v. Trotha als erster mit seinem Beamtenstabe Abteil. B in den Dienst der neuen Regierung. Der Admiral L ö h l e i n bezeichnete Kapt. Sckulz gegenüber diesen Augen- blick als„historisch". Auch der Verw. Sekret. Chilla nahm sichtbaren Anteil. Ganz besonders hervorgetan bat sich der Geh. Ober- Baurqt Rick). Müller. Er erklärt seinen versammelten Beamten, daß er sich mit seinen höheren Beamten auf den Boden der„neuen Regierung" stelle. Diejenigen Beamten, welche nicht mitmachten, hätten die Konse- guenzen zu tragen. Auch der Abt.-Leiter von H. VI. S., Kapitän zur See I r m e r erklärt sich offen für die Regierung Kapp. Kapitän zur See M n m m s e n stellt sich hinter die neue Regierung und erklärt seinen Beamten: Wer nicht mit- macht, wird entlassen. Derselbe Herr erklärt noch heute den Bwmten am 24. März, daß er sich Männern der jetzigen Regierung nickt fügen könne. Kapitän zur See Bindseil und der Registr. Beamte Wilkendorf fühlten sich ebenfalls für die Kapp-Gesell- schaft verpflichtet. Von den Angestellten beteiligt sich in der Agitation für Kapp aktiv ganz besonders der Assessor Dr. Eckhardt. Von den Offizieren sind noch folgende durch offensicht- liches Verhalten für Kapp besonders hervorgetreten: Kapitän zur See Pfeiffer, Kapitän zur See K e r h a h n, Kapi- tän zur See Reeder, Kapitän zur See Hansen und Kapitänleutnant S a h l. Juturiftistbes unö anderes. verliner Konzert- Umschau. ES geht etwas dor in der Musikwelt. Die Luft ist geladen mit Systemen, Neuerungen, Verftiegenheiten, Sensationen. Nene Empfindungsreihen suchen nach unverbraucht-modernem Ausdruck. Die alt« Harmonik, die einen Bach noch heute au den Jüngsten und in tankend Jahren noch nicht i,u den Abgelebten stempeln wird, muß verbogen, verdichtet, entziffert werden, um Platz zu geben für das farbiückitige, formverachtende Begehren von heule. DaS ist die Futuristik in der Malerei, grob und keck auf die Musik über- ».ragen, die überhaupt nur noch vom Wortschatz der SSwesterkünste lehrhaft gespeist wird. Farbe und Gegenfarbe, Linie, Licht und Schatten, Perspektiven, Symbole, Plastik und Gegenständlichkeit— wo bleibt in all der Aestheterei der Sinn für den reinen Satz, für die Fundamente, den Kontrapunkt, Akkordketten, Themen, Ordnung der Partitur? Da? alles ist abgetan; scheint abgetan. Noch suchen vie jungen Fanatiker und irren ab; noch fehlt Gehalt, Gestalt, Genie. Aber Talente regen sich, die nicht auf Schritt ,md Tritt den Ber- such machen, über ihr�n eigenen Schatten-L ich. Museum stellt seine fünf Madonnendilder des Meisters in deck st,., st RaffaelS- Teppichen vorbehaltenen Saale au». Berlin besitzt übrigens in der Samm- lung Oskar Huldschinsky auch eine» der Bildnisse aus RassaelS reifster Zeit, das de» päpstltchen Ken erat« Alessandro de Mediei. Ter grosse Briefmarkeuniettvewerb ist im Berliner Kunstgewerbemuseum ausgestellt. Die«leissftcstung hat in ihrer letzten Hauptoerfammlunz Oskar Loerke zum BerirauenSmann für da« Fahr tg20 bestellt. Loerle wird die Entscheidung über die zu verteilenden Preise treffen. Das lvallteft der«euoffenschaf» dentscher Bühnenangehärtger find« erst am 16. April tm Marmorjaal des»Zoo- statt. Zreie Reichsschulkonferenz. Ter Bund entschiedener Schulreformer. Fn de: pädagogischen Citcrittgung betonte am Mittwoch mütag Professor Paul Oestretch daß in den Schulen an die Srelle der äußeren Disziplin die Selbstdisziplin treten müsse. Tie Lehrer dürsten nicht mehr Beamte sein, sondern Schulbürger. Sie sollten die Jugend nicht kommandieren, sondern sie leiten. Ein Hindernis auf dresoui Wege bilde noben der Lauheit und Gleich» gültigkeit der Eltern vor allxm der Haß der Jugend, di-e in der Romantik deö Scluvertgesanges der Rache erzogen ist, gegen die Verkünder dieser Reform. Ein weiteres Hindernis iei der Unverstand einer ftultuSregierung, die> m in e r z u s p ä t komm«, die sich immer schwächlich erweise, und dit nur bestrebt sei, Toleranz- Politik zu treiben. Obgleich diese KultuZregiecung eine rsvolutio- näre Entstehung kat, halte sie trohdem an uralten Gesetzen, die zum Teil vor hundert Jahren erlassen sind, fest. Die Erklärung zun, Religionsunterricht fei aus dem Positiven ins Negative um- gekehrt worden. Ten Monarchisten sei in den Schulen vielfach freies Agitationsseld gegeben, der Schuß auf Erzbeiger sei diesem Milieu entsprungen. Tor Regierung müsie man ferner den Vor- wurf machen, daß sie die Einrichtung der Nothilfe, der Bürger. wehren u'm. in die Schule(tcttcgen habe. Daß es zu dem Äapp- Lüttwitz-Putsch kommen konnte, sei d'.e Schuld sozialdemokratischer Minister wie NoSke und Harnisch Tie Schulreformer sieben in ihrem Kampfe ganz verlassen da. Tie Schule betrachten jie als ein politisebes Instrument, a".s oein jede Parteipolitik fernzuhalten sei, während andererseits eine Erziehung ohne politisch Einstellung unmöglich sei. Professor Oestreich wies zuut Schluß feiner Aus- sührunyen aus die von ihm beabsichtigte Neugründung eines Bun- des de: Hochschulreformer sowie emes Bundes der Schulreformer unter den seminarischen Lehrern hin. Als zweiter Redner sprach Dr. Walter Koch von der Liga kür Völkerbund über ausländische Schulen. Ueberall mache sich das Bestreben bemerkbar, bei der Erziehung vmn Kinde selbst auszugehen. Die Erziehung sei nicht das Mitlü zum Leben, sondern das Loben selbst. In allen Ländern Europas und Amerikas betrachte man als den tiefst«, Sinn der Erziehung die Zurück- führung des Menschen zur Statur. Diese Bestrebungen, die auch in den deutschen Wandervcgelvereinigungm hervortreten, kamen auch in den neuen freien Sckulen zum Ausdruck. Auf diesen neuen Schulen pflege man in England den Willen, in Frankreich den Intellekt, in Deutschland das Gefühl am meisten. Gleichzeitig mit diesen Schulreformen wachs« eine neue Loyrerschaft heran. So habe man in Teutschosterreach alle Neubesetzungen an Schulen mit ent'chiodenen Schulreformern vorgenommen. Dr. Koch brachte eine längere Entschließung in Vorschlag, die betont, daß die Menschen aller Länder an dem Aufbau einer neuen Welt zusammenarbeiten müßten, daß an die Stolle der Gewalt und des Hasses die schöpfe- Tische Entfaltung der Jugend gefördert werden müsse. Tie der- sammelten Schulresormer begrüßen es mit Freuden, daß ihre Ge- finnunpsgenossen in anderen Ländern sie in ihren Bestrebungen unterstützen wollen. Tann sprach an Stelle der Frau Maria Mo-ntessori-Jtallen, die durch die Ereignisse der letzten Wochen am Erscheinen verbin- dert ist, Frau Griinwald über die Montessori-Method«, die die Er- ziehung der Kinder von ihrer frühesten Jugend mit Hilfe des Täligkeits- und Ans chauun gsu nie r achtes sowie des Muskeltast- iinns bewerkstelligt. In Berlin befindet sich die erste Schule dieser Art in Lankwitz. Arno Wagner klagte die preußische Un>t.erricht»verwaltung an, daß sie eS unterlassen habe, notwendig« Schulreformen einzu- führen. Gegenüber den reaktionären Umtrieben versage die Re- gierung vollkommen. AuS den Leuten, die versuchen, dem reaktio- närcn Treiben entgegenzutreten, mache inan Mär- tyrer. Aufgabe deS Kultusministers sei. die Provinzialkollegien, die Schulvenoalrungen von reaktionären Beamten zu säubern. Energische Untersuchung müsse für alle Fälle gefordert werden, in denen die Direktoren und Lehrer, die sich auf Seiten der Kavp-Rcgierung gestellt oder die Schüler zum Eintritt in die Technische Nothilfe ober Zeitfreiwilligen-Regimenter aufgefordert haben. Gemeindevorsteher Dr. Ostrowski sLairkwitz) sprach über die Schule alS Werkzeug der Gegenrevolution. An allem, was über uns hereingebrochen fei, fei zumeist die Obrrlehrerfchaft schuldig-, vor allem der vcrassessorierte maßgebende Typ, der dieselbe Ge- stnnung habe wie die verbrecherischen Offiziere des Kapp-Lüttwitz- Butsches. Ihr Prinzip fei der Kampf zur Wabrung unberechtigter Interessen. Ter Redner beleuchtete ausführlich die Tätigkeit des nationalen Jugendbunbes sowie das Verhalten der Oberlehrer- ichast bei den ElternbeiratStoahlen fotvie bot der Lehrervereidi. gung und dam Putsch. So arbeitet Sie Reaktion! In S k e g l i tz meldeten sich etwa IVO Parteigenossen und Mt- glkdej des Republikanischen Führevbunde» auf Grund der letzten Ereignisse für die bisher stockreaktionäre Einwohnerwehr an. Mit überraschender Freundlichkeit wurden sie willkommen geheißen und erhielten auch sofort ihr« Ausweise. Nur Waffen, so erklärt« man ihnen mit Bedauern, könnten sie nicht erhalten, denn solch« seien nur für die bisherigen Mitglieder vorhanden. In Wirklichkeit befaß die Einwohnerwehr Waffen genug, sie wollte nur jetzt�keine mehr für die neuen Mitglieder besitzen, sondern hatte alle überzähligen Waffen sofort nach der Anmeldung von Sozialdemokraten durch die grüne Sicherheitspolizei in mehreren Wagen abholen lassen. Hoffentlich geschieht nun etwas von höherer Stelle, um diese sauberen Machenschaften zu durchkreuzen. „WaS wird nun aus der deutschen Arbeiterbewegung?" Ueber die, es Thema spricht heute. Donners lag, abends 1% Uhr, Professor Dr. Paul Lensch-un Auftrag der Gesellschaft„Auf- bau und Werden" im großen Saale de? Herrenhauses(Leip. ziger Str. 3). Wirtfthcift Wirtschaftliches zur Umbildung de« Käbinettk. TuS Kabinett hat sich der Nationalversammlung vorgestellt. Aus sozialdemokratischer Seite sind keine neuen Personen in die Erscheinung getreten. Ein neues wirtschaftliches Programm hat die neue Regierung nicht verkündet, es sei denn in der Zu- stimmung zu den acht gewerkschaftlichen Punkten, in denen ja der sechste dt« sofortige Inangriffnahme der Sozialisierung fordert. Die Teilung des WirtschaftSministcriumS in zwei: Wirtschaft und Ernährung, erweckt manche Bedenken. Damit ist der f r ü- her« Zustand wieder hergestellt, ein Zustand dessen Beseitigung seinerzeit als eine wahre Erlösung in Parteikreisen begrüßt wurde. Gründe für die Trennung sind in der Erklärung des Reichskanzler« nicht mitgeteilt. Notwendig erscheint eS, von vornherein auf die sich hior für eine einheitliche Wirtschaftspolitik ergebenden Gefahren hinzuwefen. Es ist einfach undenkbar, zwischen Landwirtschast und sonstiger Wirtswaft einen glatten Strich zu ziehen, der unvermeidliche Kom- peienzstrcäigkeiten a-usschließt. Dieser Schwierigkeiten wegen ist denn auch vor etwa Jahresfrist die AuZdehnungStendenz des ErnährungSministeriums im Kabinett abgelehnt worden. Al» eine Erleichterung wurde es daher begrüßt, als in der zweiten Halste des vorigen Jahres eine Vereinigung des Wirtschaft�- ministernums mit dem Ernährungsministerium erfolgte. Nun tritt wieder eine Trennung ein, und wie verlautet. soll das ErnährungSminisberium auch die Fördexung der land- wirtschaftlichen Produktion übertragen bekommen. Wiederum ist jetzt eine neue Stelle geschaffen worden, die Einfluß aus die allgemeine Wirtschaftspolitik beanspruchen wird. Dabei zwingen die ganzen Verhältnisse immer mehr zu eine: einheitlichen planvollen Zusammenfassung und Veeioerlung aller wirtschaftlichen Kräfte. Man brawht nur dacau zu denken, daß die Landwirtschaft, im weitesten Sinne genommen(zusammen mit der Forstwirtschaft), nicht für unsere Ernährung, sondern auch für unsere Bekleidung und eine Reihe anderer Bedürfnisse zu sorgen hat. Und dies in Zukunft noch mehr als bisher. Die ä u ß e r st e Ausnutzung der einheimische» Rohstoffquellen und die Ausnutzung aller Möglichkeiten einheimischer Rohstosferzeugung wird zur dringenden Notwendigkeit. Die Förderung des Anbaues von Gespinstpflanzen. deS Flachses, des HanfeS, der Nessel, die Förderung der Schafzucht wird in Zukunft noch mehr als bisher unter den Gesichtspunkten der so notwendigen Wollerzeugung ge- rückt werden müssen. Viele Produkte der Tierhaltung wie Knochen, Häute, Felle, sowie die Kadaver eingegangener Tiere geben wich- tige Rohstoffe siir industrielle Betriebe. Desgleichen auch der An- bau von Tabak und Hopsen. Auch beim Anbau von Oelfrüchten kommen wichtige industrielle Interessen in Frage. Bei der Ilusnutzung unserer großen Moor- und Torsflächen wird die Frag« zu prüfen sein, ob ihre landivirtschaftlich« Nutzung oder die industrielle Ausbeutung auf Torffaser, Brennstoff. Stick- stoff, Energieversorgung usw. den Vorzug verdient. Es gibt also große Gebiete der Bodennutzung, die nicht für die DolkSernährung, wohl aber für die Versorgung un- serer Jndüstrie mit Roh st offen von der allergrößten Bedeutung sind. Würde jedoch die Förderung dieser verschie- denen Gebiete zwei verschiedenen Aemtern übertragen, so muß da? zu den grüßten U n z u t r ä g l i ch k e i t e n führen. Meinungsverschiedenheiten über die Wichtigkeit und Bedeutung der einzelnen Kulturen sind dann nicht zu vermeiden. Rud. Wissell. DanzigS Schiffsverkehr. Während der letzten Woche sind in Dan, ig 31 Schiffe eingelaufen, darunter 17 deutsche, 0 eng- l i i ch e und 4 schwedische. Die Güter, die sie brachten, um- faßten Heringe, Kohlen. Eisenplaiten und Lokomotiven iür Polen. Ausgelaufen sind von hier 14 Schisse, und zwar leer mit Slusnabine des'Dampfers Neptun, der polnisches Holz und Zucker nach London bringt und als Heimfracht Salpeter ladet. Gründung einer amerikanischen FinanzicrungSgesrllschast für Kupferzaschäste. In New Bork wurde eine Geiellschast zur Finan- isierung von Kupfergeschäften mit o» Millionen Dollar begrünSet. Sie will Kredite an europäische'Fabrikanten für den Bezug von Kup fer erteilen. Propellerantrieb für Schnelltriebwage«. Der Antrieb einzelner Eisenbahnwagen durch Luftschrauben, wie sie die Flugzeuge besitzen, bedeutet einen wichtigen Foitschritt für unser Verkehrs- welen. Leider sollen von, Eisenbahn cntralamt die Mittel abgelehnt worden sein, um die betrieblichen Mängel dieicr Erfindung zu beseitigen, zugunsten einer anderen Konstruktion eine» höheren Eilenbairnbeamten. ES wäre reckt bedauerlich, wenn diese Ansicht zutreffend sein sollte, denn sie würde ein energische« Einschreite» notwendig machen, um die freie Konkurrenz der Techniker bei unseren Behörde» zu sichern. GroßSerlw Esle Herzen im Torotheen-Lyzeum. In unserer Abendausgabe vom 9. März halten wir auf die stacrorthodoyen Ansichten deS Gebeinirats Hamann, Direktor oeS Dorotheen-LyzeumS, hingewiesen, die zur tviaßregelung eineS andersdenkenden Religionslehrers geführt hatten. Uni uns nun von der Unrichtigkeit unserer Auffassung zu überzeugen, sendet uns der Vorfitzende deS Elternrats, Herr Geheimrat Hiekmann, ein längeres Schreiben, das zwar für das gute Herz de? Herrn Geheimrats rlldrendeS Zeugnis ableat, sachlich aber»ichlS NeneS bringt. Allerding» dal e« unsere Ansicht darüber bestärlt, daß der Hintermann der Treibereien gegen den Lehrer weniger das Kollegium als eben jener Herr war. In die Slreitirage um die Gestaltung deS protestantlschen Ncligioiisunlerrichis»lischt sich nun auch ein Herr jüdischer Konseifion ein, um gleichfalls — vermutlich von Herrn Hiekmaiin geschoben— den angegriffenen Direktor zu decken. Mäunerstolz vor Geheimratsidronen... Wie wenig Meie edeldenkenden Herren vom Redatiionsweien verstehe», beweist übrigens der mit Pathos vorgetragene Vorwurf des Denunziantentum«, der gänzlich unberechtigt gegen jenen Lehrer erhoben wurde. Da im übrigen die Zuschriften nichts Dach- licheS»ntbalten. ersparen wir uns ein Eingehen auf sie und werden die Angelegenheit gegebenensall« dem Kultusministerium zur weiteren Erledigung überweisen. Tie Beisetzung der Opfer des PutscheS. Am Sonnabendvormittag 11 Uhr werden auf dem Friedhof in Friedrichsfelde 12 Opfer des Kapp-Pursches gemeinsam bestattet. Die übrigen ums Loben gekommenen Personen sind be- reits von ihren Angehörigen beerdigt worden. Die Trauer- f e i e r findet auf dem Friedhof statt, der Zutritt zu diesem wird nur gegen Karte gestattet._ Berliner Raubüberfälle. Außer dem bereits in der heutigen Morgenausgabe gemeldeten Raub Überfall tm Hotel Kaiserhof haben sich im Laufe des gestrigen Tage? noch drei andere ereinnct. Der Kaufmann Israel aus der Rofenthaler Straße suchte einen Abnebmer für seine roigestcmpelten Tausendmarkscheine und lernte den Maler Fischer kennen. Fischer wollte die Scheine kaufen und bestellte Israel zu diesem Zweck nach seinem Zimmer in einem Pensionat in der Potsdamer Straße. Israel erschien auch, während in einem Nebenzimmer zwei Spießgesellen des an- geblichen Käufers Platz genommen hatten, die plötzlich auf der Bild- fläche erschienen, sich als Kriminalbeamte ausgaben und zur Beschlagnahme schreiten wollten. Der Verkäufer leistete aber unerwarteterweise heftigeil Widerstand, worauf alle drei versuchten, zu entfliehen. Es gelang aber Fischer, sowie einen seiner Kom- plizen, den Händler G r u n d ,- zu verhaften, während der dritte noch aesucht wird. In der Ptssauer Straße betreibt der Importeur für persische Teppiche Heinrich Lewy'e>n Geschäft Tort erschien ein sehr fein- gekleideter Mann, der bei seinem ersten Besuch den Inhaber'nicht antraf, mit zwei anderen Männern und beauftragte den Diener, Herrn Lewy, der wiederum nicht anwesend war. telephonisch anzu- rufen, um ibin»die Slnwefenheit der Käufer, die ihn dringend zu sprechen wünschten, mitzutellen Als sich der Diener zum Telephon begab, fielen alle drei plötzlich über ihn her und hielten ihn so lange ein mir einer betäubenden Flüssigkeit getränktes Taschentuch vor da? Gesicht, bis«r besinnungslos zu- s ammenbrach. Später wurde er von dem Geichänsinlsaber im Klosett besinnungslos aufgefitiiden. Einem Arzt gelang es, ihn nach längeren Bemühungen ins Leben zurückzurufen. Die Räuber hatten für zirka 200 009 M. Teppiche geraubt und waren mit ihrer Beute in einem'.nrkgrbrachien Auto dabongmahren� Auf die Wiedecbeschafiung oer Teppiche hat der Bcstohlcne 10 0 0 0 Mark Belohnung ausgesetzt Auf offener Straße überfallen und ausgeplündert wurde der Journalist Arnold L. Auf dem Wege nach seinem Hotel in der Eichendorffftraße fielen plötzlich an der Ecke der Novalis- und Tieckstraße mehrere Männer über ihn, raubten ihm die Brief- rasche mit 780 M. sowie seine goldene Uhr und Kette. In der Dunkelheit gelang es den Wegelagerern unerkannt zu entkommen. Kotsverschiebunz«-G. m. b. H. Nack wochenlangcn Beobachtungen bat am Mittwoch nachmittag die Sichciheiitpotizei et» Konsortium diebischer K u t! ch e r und Ablader dingfest. gemacht, die auf Kosten des Magistrates Berlin Schulen und andere gemeinnützige Behörden auf das empfindlichste geichädigr haben. So weit sich bi» jetzt übersehen läßt, ist da« Tegeler Gaswerk um einige hunderttausend Mark geschädigt worden. Das Gaswerk in Tegel veltesert u. a. auch die im Norden und Nord« Westen der Stadt gelegenen Schulen, MagistlalsbureauS, Broliorten- stellen uiw. Ter Abtransport von KvkS war einem Fuhrgeschäit H. in Reinickendorf übertragen worden, das täglich zweimal mit sieben Gespannen den Koks vom Gaswerk abholte und den einzelnen Verbrauchern zuführte. Schon feil Monaten liefen beim Magistrat Berlin unaufhörliw Klagen ein, daß man die Zentralheizung nicht mehr bediciiiil könne, da kaum der dritte Teil der zug?- wiefenen HeizungSmengen geliefert fei. Der Magistrat nahm zuerst an, daß die mit dem Versand betraute Firma sich Unregelmäßig- keilen zuschulden kommen ließe. Sehr bald stellte sich jedoch heraus, daß vom Gaswerk die erforderlichen Mengen Koks durch die Gespanne abgeholt wurden und daß die Wagen mit der vorschriftsmäßigen Belastung die Kontrolle am Tor der Gasanstalt vassierten. Man überwachte nun die Kohlenwagen auf ihren Fahrten. Es wurde festgestellt, daß die Kutscher samt und sonderS auf ihren Fahrten in die Müllerstraße einbogen und dort von einem Fuhrwerk erwartet wurden. Schnell wurde ein Teil der Ladung, mitunter bis zu zwei Drittel der Mengen abgeladen. Dann fuhren die ungetreuen Kutscher weiter und luden den Rest an dem Be- stimmungsort ab. Die Polizei stillte weiter fest, daß die diebischen Kutscher ein« ÄolsverichiebungSgesellschaft begründet hatten und auf eigene Kosten Fuhrwerke und Pferde unterhielten. Mit diesem Gespann wurden die unterschlagenen Kotsmengen an Private und Kohlenhändler verschoben. Nach den bisherigen Feststellungen verdienten die Diebe an manchen Tagen 1800 bis 2000 M„ die an alle Beteiligte» verteilt wurden. Ter Kappspuk in Friedenau. Tie Friedenauer Gemeindevertretung beschäf- tigte sich kürzlich mit den Vorkommnissen, die sich während der wenigen Tage der Kappschen Herrlichkeit am hiesigen Orte ereig- neten. Unsere tapfere Einwohnerwehr, deren reaktio- n ä r e r G e ist schon lang» weit über die Friedenauer Grenzen hin- aus bekanntgeworden war, ließ sich natürlich den„Umsturz" nicht nehmen und„sicherte" den Ort auf eigene Art. Eine merk- würdige Rolle hat hierbei auch der Bürgermeister gespielt, der in seiner Eigenschaft als Dezernent der Einwohnerwehr wieder- holt dem Amtsvorsteher, der er nämlich selber ist, tüchtig inS Hand- werk gepfuscht. Die Maßnahmen, die zum Schutze und zur Auf- rechierhaltung der Ordnung getroffen wurden, waren geleitet von der fürchterlichen Angst, daß Spartakisten das Rathaus stürmen könnten und daß vielleicht hierbei auch der Bürgermeister ins Gedräng« hätte kommen können. Ein offenbar von früheren Reklamationskriegern um das Rathaus gezogener Drahtverhau wirkte auf die Besonnenen der Bevölkerung einfach lächerlich,«uf ängstliche Gemüter aber— und deren gibt cS in Friedenau sehr viel— höchst beunruhigend. Die Einwohnerwehr-Komödie dauerteder.» auch nahezu acht Tage, bis auf Drängen der S.-P.-D.- und der demokratischen Fraftionen die„Krieger" smi_ den Straßen zurückgezogen wurden und schließlich auch der schöne Drahtverhau der- schwand. In der Eemeindervtretersitzung stellten die beiden ge- nannten Fraktionen den Antrag, einen Unter suchungsans- s ch u ß einzusetzen, der sich mit den Vorkommnissen, die bebauet- licherweise auch Opfer gefordert haben, beschäftigen soll. Die Besprechung dieses Antrages führte zu einer langen und für Friedenau ganz'ungewohnten stürmischen Auseinandersetzung, wobei von der S. P. D. der Antrag durch den Genossen K a m r o w S k i vertreten wurde. Der Antrag gelangte denn auch einstimmig zur Annahme, da ja die Rechtsparteien„selbstverständlich" da? aller. größte Juteresse a» einer restlosen Aufklärunng zu haben be- haupten. In der Aussprache allerdings sab«ö fast so auS, als ob die tapferen Demokraten Angst vor ihrer eigenen Kourage hatten; denn die Art, wie sie den mitunterzeichneten Antrag der- traten, war mehralSlau. Schließlich versuchte die rechte Seite die Situation noch dadurch etwas zu retten, indem sie den Man- gel an sozialem Empfinden bei jenen Angestellten der Gemeindevolksküche festzunageln glaubte, die mit Recht ibrer Streik- Pflicht nachgekommen waren. Selbstverständlich mußte hierbei auch wieder der LebenSmirtelschöffe, Genosse Fried«!, herhalten, der, wie die Herrschaften von rechts behaupten, die Angestellten an der Arbeit durch Schließung der Küche behindert hätte. Eine zweite wichtige Entscheidung ist inzwischen in Friedenau auch gefallen, indem man die vom Gcmeindevorstand beantragte Erhöhung der Gemeindesteuer auf 350 Proz. glatt ablehnte. Auch hierbei gab es scharfe Auseinandersetzungen zwischen rechts und links. Die S. P. D. und die Demokraten traten für die Steuer ein, indem sie darauf hinwiesen, dasz weit ärmere Ge- meinden als Friedenau schon längst die gleiche Steuer, einige sogar noch mehr aufbringen müßten. Auffallend war die Ucbere:»- stimmung zwischen der äußersten Linken und der äußersten Rechten, da nämlich die Unabhängigen bei der Begründung der Ablehnung in genau dieselbe Kerbe hieben, wie die Deutschnakionalen usw. Grosz-Berliner Lebensmittel« Vankow. 230 Gramm N-ihrm!ileI(10 u. IN. Als Ersatz sllr Wlende Kartoffeln 300 Gramm auSlindilch« Hülsensrüchte(13»— g). �ugenöveranftaltungen. Tchöneberg. Heute Lichtbädervortrag: Die Lüneburg«? Heide, Rückertschule am Stadlpart(Klubeaum». Beginn 7 Uhr. Vortrage, vereine unü vetsam«l«nßen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr. im„Berliner Stadldaus'. Klolterstr. 50: Festvorlrag von Herrn Dr. A. Rotenberg: „Cbriltentum und Heidentum'. Harmonium und Violine: Largo(Händel). Gälte willkommen.— Gine Karfreitag- Jugendkeirr halten die ent- Ichiedeven Schulresormer am Freilag, 7 Ubr, im �HcrrenbauS' ab. Das Selamlldcma lautet: Die Jugend und der Sinn des Lebens. ES sprechen: Frau Adele Schreiber, Dr. Hildegard Wegschetder und Dr. Sieglried ftawerau. Ernste GesangSoorträge durch einen von®i. Warschauer geleitete» Jugendchor beschliegen die Beranstaltung. Karten zu 1,— M. au der Saaltasse. Neukölln. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß gestern nach einer reichlich vierstündigen Debatte(über deren Hauptteil wir in der Morgenausgabe berichteten) die beantragte Einsetzung eines Untersuchungsausschusses gegen Beamte, Lehrer, Angestellte ustp.. die einer Begünstigung deö Kapp-Lütt- w i tz s ch e n Putsche« beschuldigt werden.— Im weiteren Ber- tauf der bis tief in die Nacht sich hinziehenden Sitzuntz würbe be- schloffen, nach dem Vorgang der anderem Gemeinden Groß-Berlins die Einkommensteuer für Iblö durch Nachforderung von 50 Proz. auf 350 Proz. zu erhöhen. Die Unabhängigen stimm- ten dagegen mir der Begründung, daß sie ihren ablehnenden Standpunkt aufgeben würden, sobald die Wirtschaftsordnung so umgestaltet sei, daß s i e einen maßgebenden Einfluß haben. Wilmersdorfer Stadtverordnelenverfammluug. Die G«- meindeei n kommen st rtrerzu schlag« mußten auf L2S Prozent erböht werden, um daS 3-Mlllionendefizit zu decken. Der Onsstitzung für die Unfallfstrsorge der Ehrenbeamten und Stadt- verordneten wird in zweiter Lesung zugestimmt, ebenso einer Er- höbung für die städ tische Müllabfuhr. Bei der An- nähme des Antrages, den Magistrat zu ersuchen, auf die Regierung in dem Sinne einzuwirken, daß aus gesetzlichem Wege dem Ankauf von Grundstücken durch Ausländer entgegengetreten wird, kommt zur Spracde: Stadtrat Spliestgart bat sein Haus an einen Dänen verkauft, somit das deutsche Volk geschädigt, Stadt- rot Heenemann schädigt die Stadt durch Abwehr von Abgaben von Preisen über städtische Buchdruckerarbeiten durch Berliner Bnchdruckercibesitzer. Es ist bezeichnend, daß beide Herren den Deutschnationalen recht nahe stehen. Zugestimmt wird dem Antrag, der Magistrat soll bei der Negierung dahin vor- stellig werden, daß die vorhandenen Koblenmengen erst den Schulen überlassen werden, bevor man Kino-, Ball- und Nächst lokale versorgt. Nutzlos daliegende Dreiecke an Straßen- ecken sollen zu Kinderspielplätzen eingerichtet werden. Der Antrag geht an die Staatsdevutation weil die bürgerliche Fraltion dagegen ist. Der Magistrat wird ermächtigt, die zu leistenden, unanf- schiebbaren Ausgaben nach dem Voranschlag für ISIS zu leisten, da der Etat für 1920 nicht fertiggestellt werden kann. Zur Berbilligung der Milch für Minderbemittelte wird ein Kredit von IM 000 M. zur Verfügung gestellt. Die Milch soll fü- Bedürftige. auch die der Lungenfürsorge, auf die Hälfte deS Preises ermäßigt werden. Ein HauS der Jugend wird im Joachim-Friedrich- Gyninessum erstehen. Der Magistrat wird verpflichtet, eine Vorlage zumachen. Eine Neubildung einer Deputation für die Gesundheitspflege wird angenommen. Die Schulgeld- fätze für die städtischen höheren Lehranstalten und für die Mädchen- Mittelschulen werden nach der Magistratsvorlage erhöht. OZWsxKschQstsbolvsgung Die Sezahwtiz öer Heneralstreiktage. Die Bezahlung der Streiktag« während des Generalstreiks haben zahlreiche Unternehmer als eine selbstverständliche moralische Pflicht auf sich genommen. Andere dagegen, be- sonders Mitglieder des Verbandes Berliner Metallindluftrieller, sträuben sich hartnäckig gegen die Bezahlung deS Lohnausfalls während des aus höchstem vaterländischen Interesse notwendig gewordenen Streik«. Di« Weigerung vieler der Herren ist ja sehr durchsichtig. Im Innern ihres HerzenS standen st« auf feiten der Hochbcrrärer. Sie hätten schon znr rechten Zeit den Anschluß an die neuen Herren gefunden, die sie befreit hätten von der unangenehmen Kontrolle der Betriebsräte; sie hätten bald Freundschaft geschlosse-n mit den Verbrechern, deren Hochverräter.. icher Coup wirtschaftlich letzten Endes ausgelaufen wäre in eine neue brutale Knebelung der Ware Arbeitskraft. Aber als vorsickstige Leute bewahrten ste— teilweise wenigstens— ihre seelische Uebereinstimnrung mit den Kappleutcn im Busen, um erst abzuwarten, wie das Unternehmen auslaufe. Da es dank der Treue der Arbeiter, Angestellten und Beamten zur demokratischen Republik anders endete als viele es erhofften, spielen die Herren sich auf den Moralischen hinaus und verweigern den Arbeitern und Angestellten den Lohnausfall unter allerhand trftelnden Emwändeir. Statt der Bezahlung des Lohnes höhnen sie obendrein die Ar-. beiterschast mit einem Traktätchen:„Sollen Streiklage bezahlt wer- dsn?"! TaS offenbar im Auftrage der Metallindustrie llen verfaßte Machwerk„begründet- die Nichtbezahlung der StreiKags aus aller- Hand Gesichtspunkten. Die Unternehmer dürfen danach ihren Geld- beutet nicht öffnen: 1. Au? allgemein staatsbürgerlichen Erwägungen: 2. aus Erwägungen vom Ar- be i in ehmerstand Punkt; 3. aus Erwägungen vom Arbeitgeb er st andpunkt und S. mit Rücksicht auf die Arbeitnehmer, die während des Streiks ge- arbeitet haben! Nur eine Begründung fehlt noch, nämlich die, daß die Arbeit- nehmer verpflichtet wären, von ihrem zukünftigen Lohn fich den entgangenen erhöhten Unternehmergewmn abziehen zu lassen, .der den Herren durch das Mißlingen d-s Kapp-PutfcheS enk» gangen ist. Wie dreist und goftesfürchtig manche Uurernshmer auftreten, zeigt daS Verhalten der Firma Mix u. Genest A.-G. Dort wurde den Angestellieri nicht nur das Traktätchen überreicht, sondern von den Angestellten, die vor und während des Streiks erkrankt waren, wurde eine Erklärung verlangt, ob sie, wen» sie nicht krank gewesen wären, gestreikt hätten. Denen, die die Frage bejahten, wurde das Gehalt für die Streiktage abgezogen. Gegenüber solchen offenen und verdeckten Kappisten kann und darf es nur eins geben: Verpflichtung zur Bezahlung der Streiktage? Man wende nicht ein, daß die Unternehmer wirtschaftlich nicht in der Lage fsien, die Kesten aus eigenem zu tragen. Die Jahresabschlüsse der Unternehmungen beweisen, daß die große Mehrzahl kaum jemals fo große Mehrge- Winne aus den Unternehmen Herausgewirt. schaftet haben wie in der Jetztzeit, mit Ausnahme vielleicht der Kriegsjahre, wo ste vom Staat jeden Preis»erlangen konnten und— auch erhielten. Und noch eins: Die Bezahlung der©rreikiage wird manchen, dessen Sehnen die Wiederaufvichtung der gestürzten Herrlichkeit ist, hindern, allzu naseweis die Herbeiführung der Militär- und Junkerherrschaft zu fördern. War doch stetS daS Portemonnaie die empfindlichste Stelle der Hurra- Patrioten, auch wann sie Unternehmer find. Ter Streik der Herrenmahschnekder noch nicht beendet. Von verschiedenen Arbeitgebern wird das Gerücht verbreitet. der Herrenmaßschneiderstreik sei beendet, die Arbeilgeber hätten sich mit den Arbeitnehmern geeinigt. Demgegenüber stellen wir fest, daß am 30. v. M. eine in der„Neuen Welt' abgehaltene überfüllte Versammlung der Herrenmaßschneider Stellung zu dem Ergebnis der Verhandlungen mir den Arbeitgebern nahm. Die Arbeil- geber boten ab ö. April 1920 Klasse I und II ö.Oö M. Zeitlohn, 6.30 M. Stundenloh». Ab 1. Mai dieses Jahres Klasse I und II S.90 M. Zeitlohn, 6,— M. Stundenlohn. Bemerken wollen wir noch, daß bis znm 6. April die Albetlnehmer zu den alten Bedingungen von 4.20 M. reip. 4, IL Siundenlobn die Arbeit wieder aufnehmen sollten. Dieses Angebot der Arbeitgeber wurde mit allem Nachdruck als reaktionär bezeichnet und als zu niedrig zurückgewiesen. Es wurde beschlosser!, den Streik weiterzuführen und den Arbeilgebern ein neues Angebot zu übermitteln. Es wurde ferner kein Zweifel darüber ge- lassen, daß die Arbeitgeber trotz des Kapp-Lütiwitz-Putiches es noch immer nicht verstehen, die Arbeiter nach anderen Gesichtspunkten zu bewerten, als das früher der Fall war. Aus alledem haben wir den Schluß zu ziehen, unsere Waffen zu schleifen und zu erklären: „Der Streik geht weiter.- Achte jeder streng darauf, daß keinerlei Streikarbeit geleistet wird. Die Arbeitgeber, welche unterschreiben wollen, bitten wir, in der Zeit von 8—1 Uhr vormittags fich in unser Verbandsbureau zu bemühen. Die Ortsverwaltung des Verbandes der Schneider. Die Lohnbewegnng bei dettWach-nnd Ichlieftgefellschaftcn. Das Personal der Wach- und Schkießgesellschasten hatte be- schlössen, am 1. April in den Streik zu treten, falls seine Forde- rungen nicht bewilligt werden. Inzwischen haben neue VerHand- lungen der Unternehmer mit c>em Transportarbeiterverband stark. gefunden. Das Ergebnis derselben trug Laube vom Deutschen Transportarbeiterverband am Donnerstagvormitlag einer sehr stark besuchten Versammlung des Wach- und SchließpersonalS vor. Mit 14 Unternehmern(es sind fast alle rn Groß-Berlin bestehenden) ist eine Tarifvereinbarung zustande gekommen, deren wesentlichste Punkte folgende sind: Die Arbeitszeit im Revier beträgt vom 1. April bis SO. Gep- rember 7 Stunden, in den übrigen Monaten 8 Stunden räglich. Die Unternehmer haben für Unterkunftsräume auf oen Wachstellen zu sorgen. Di« Löhne stitt> bei allen Unternehmern die gleichen, und zwar für Wächter und Wächterinnen vom 1. April ab 400 M. monatlich, vom 1. Mai ab 410 M., vom 1. Juni ab 420 vom 1. Juli ab 485 M., vom 1. August ab 4M M., vom 1. September ab 475 M. Obertoächier mir besonderen Funktionen erhalten 25 M., Kontrolleure 75 M. Zulage. Ueberstunden werden bis 80. Juni mit 2 M., vom 1. Juli ab mit 2,25 M. vergütet. Alle 14 Tage ist eine fteie 5!acht unter Fortzahlung des Lohnes zu ge- währe::. Dienstkleidung ist von den Unternehmern zu ltefern. wo cs nicht geschieht, ist eine festgelegte Entschädigung dafür zu zahlen. Jeder Beschäftigte ist gegen Unfall zu versichern. Elektrische Taschen- lanrpen mid Batterien find von den Unternehmern zu liefern. Nach halbjähriger Beschäftigung wird ein Sommerurlaub von 3 Tagen gewährt, der mit der Dauer der Beschäftigungszeit bis auf 14 Tage sieigt. Hinsichtlich der Betriebsräte sind Rechte vereinbart, die über das Bettiebsrätegesetz hinausgehen. Die Verbandsfunktionäre sind gegen Maßregelung gesichert. Der Referent bemerkte, wenn auch die Vereinbarung nicht alle Forderungen der Angestellten erfüllt, so bedeuten doch die Lohnsätze eine wesentlich« Verbesserung der jetzt bestehenden Löbne, die stÄ bei den verschiedenen Gesellschaften zwischen dem Mindestsatz von IM M. und dem Höchstsatz von 825 M. bewegen. Eine nicht zu rrnterschätzende Errungenschaft ist die Gewährung der freien Nacht, die erst nach harten.Kämpfen durchgesetzt werden konnte. Auch die gleiche Entlohnung des männlichen und weib- lichen Personals ist ein erfreulicher Fortschritt Tie meisten TiSkussionsvelMer sprachen gegen die Annahme der Vereinbarung, weil die bewilligten Lohnsätze auch nicht entferni ausreichen, um den Unterhalt einer Familie zu bestreiten. Ein iNonatslohn von 400 M. fei unter den heutigen Verhältnissen ein Hungerlohn. Dre Versammlung lehnte die vereinbarten Lohn- sähe mit 454 gegen 341 Stimmen ab, erklärte sich aber mit den übrigen Punkten der Vereinbarung einverstanden. Da die für einen Streik erforderliche Dreiviertelmehrheit'durch die Abstimmung nicht erreicht ist, soll versucht werden, wegen der Lohnforderungen nochmals mir den Unternehmern zu verhandeln. AFA- Funktionäre. Dem OrtSsekretariat, Belle-Alllnnce-Ztr. 7/10. sind sofort nach Abschluß der Betriebsratswahlen die gewählten Betriebs- rate unter Angab« der ÖrganiiationSzugehörigteit zu melden. _ Ortsstkretariat der AFL. Mus aller Welt. Eine neue Flugzeughalle in vrrmr«. Vom Bremer verein für Luftfahrt ist eine große Flugzeughalle auf dem dortigen Exerzier- platz eingerickitet worden: sie wird am Osterfonnlag eingetveibt und dem Verkehr übergeben werden. Bei dieser Gelegenheit soll auck auf Grund eines zwischen dem Norddeutschen Lloyd und den Sablamig-Flugzeugwerken getroffenen Abkommens em Luft- verkehr auf der Strecke B e rl i n—B r e m e n in Angriff genommen werden. Zur Einweihung der Halle werden zwei Fing- zeuge der Sablatnigwerke von Berlin nach Bremen fliegen und auch Passagiere mitnehmen. Zuchthaus statt Todesstrafe. Das K« m p n e r VolkSgeoicht hat den 33 Jahre alten lcdigen begüterten LantavirtSsohn GuggomoS aus Rieden, der, um die Folgen intimen Verkehrs zu verbergen. seine Geliebte, die 16jährige Landwiristochter Ostheim, durch Halsabschneiden ermordet chatte, wegen Totschlags zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Verurteilte war nach Oesterreich geflüchtet; die dortigen Be- Hörden haben ihn nur unror der Bedingung ausgeliefert, daß er nicht zum Tode verurteilt werde. Hvtrlbrand. Am WolfgangSfee bei Salzburg wurde gestern das bekannte Touristenbotel Lu eg völlig eingeäschert. Der ganze Ort St. Gilgsr war gefährdet. Der Schaden ist ungemein groß. Eiu Wirbelfturm i« Chicago hat 160 Tote und über 100 Ver- letzte gefordert; der Sachschaden wird auf 9 Milliarden Dollar geschätzt. Schweres Zugunglück in Oberitalien. Der Schnellzug Trieft— Wien wurde in der Nähe von Pontebba von einem schweren Un« glück ereilt. Acht Güterwagen, welche sich von einem Zuge im Bahnhof Pontebba losgerissen halten, sind auf den heranbrauienben Schnellzug aufgesabren. 13 Personen wurden getöiet und 28 ver- letzt. Die meisten Opfer find ägyptische Studenten, die nach Berlin fahren wollten. Die erste Frau i» ungarischen Parlament. Im ersten Budapester Wahlbezirk wurde nach hartem Kampfe die christlichnationale Mar- garete Schlacht« in die Nationalversammlung gewählt. Sie ist da« erste weibliche Mitglied de? ungarischen Parlaments.— Bei dem Charakter dieses Parlaments, zu dem die Arbeiter wegen des weißen Terrors nicht wählen, ist diese Wahl eine zweifelhaste Ehrung des Frauengeschlechts. Dcrantw. für den redaktion. Teil: S«t»r glckler, Tharlottenburg: für Anzeioen: Th. Siecke, Berlin. Verlag: Borwärts-Berlag. Für UndemWelte fc 4 besonders ermäßigle Abend- d t bestrahiungen.•£ M VM VMM W lltinsll. 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