V Nr. 173. 37.Iahrg. Bezugspreis: V«rietjährl.. M!., uionat!. 7,— SJiL trsi ms Saus, voraus-aiilbar. Post- bezuz� Monatlich 7,— Mt, triL S"- stellungsgedühr. Ur.ler Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 102' Ml, für das übrige Ausland lt. 50 Nk., bei taglich einmal. Zustellung 1250 Ml. Bost?estellungen nebmrn an Dänemarl. Solland, buremburg, Schweden und die Schwell. Ein- getragen in die Volt- sseitungz- Preisliste. Der.Vorwärts', mit der Sonntags» detiage„Boll u. Zeit' erscheint Wochen» taglich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adreffe �Sozialdemokrat verlla». orgen-Ausgabe berliner DolKsblntt ( 20p?snnls) AuzeisienpreiS! D.? achlgespaltene Nonvareillezeile toilel 2.50 chl., TeuentngszuschlagdOo/., „Kleins Anzeige,.", das fettgedruckte Wort 75 Psg.(zulöifig zwei lettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 50 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erlte Wort S5 Vsg. jedes weitere Wort 40' Psg. Worte Uder 15 Buchstaben zählen für :wei Worte. 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Hierzu meldet uns ein weiterer eigener Drohtbericht folgendes: Wilhelmshaven, 4. April. Tie Reaktion ist unter F»sthrung der Admiralität in vollem Marsche. Die Auf- Hebung der Schutzhaft über die Kopp-Putschisten ist gegen die Stimmen der koalitionSparteie» trotz aller Bemühungen beim Kabinett und beim gteichSpräsi- d e n t c n durch den Rcichswchrminister durchs gesetzt worden. Dir vollziehende Gewalt in der Nordseestation wurde dem unzu- verlässigen General Hülsen(Hannover) übertragen. Die Admiralität erwägt den Plan, die Marine aufzulösen und die am Kapp-Putsch beteiligten Seeoffiziere dadurch zu rehabilitieren. Die Borschläge des Rcichskommissars Gr- nosscn Prsper bleiben nach wie vor unbeachtet. Tie Koalitionspartcien in Wilhelmshaven haben daher weitere Mit- arbeit abgelehnt» solange die Regierung der Reaktion die Wege ebnet. Es wird höchst« Zeit,- daß der Reichsprästdent nochmals genau die Borfälle überprüft. Den übcreinsttmmenden Mit» mlimgeu der' letzten Tag« zufolge gewinnt man mehr und mehr dtnj Eindruck, daß der Reichswehrminister über die wahre Lage in Wilhelmshaven vollkommen ununterrichter ist und durch sein passives Verhalten die Reaktton unterstützt. Wenn die Koalitionsregierung von den Koali» tionsparteien verlassen wird, so ist das Anlaß genug, genau die Vorfälle unter Hinzuziehung zuverlässiger Bericht.> erstatter zu überprüfen und endlich mit energischer Hand in das reaktionäre Wespen ne st hineinzugreifen. Ter Protest des NeichSkommissars. Wilhelmshaven, 5. April.(Eigener Drahtbericht des „Vorwärts.) Der Oldenburgische Ministerpräsident sandte an die Neichsregicrung folgendes Telegramm: „Nach Kenntnis aller Vorgänge und Anordnungen in Wik- hclmshavcn, soweit sie bis heute getroffen-worden, erhebe ich Pflicht- gemäß als Rcichskommissar für Oldenburg und als Minister- Präsident im Namen der Oldcnbnrgischen Staatsregierung Ein- spruch gegen Anerlennung des alten Systems, welches sich ausdrückt in der Herrschaft der reaktionären Offiziere der Admiralität, in der Unterstellung der Nordsee- station unter die Reichswehrbrigade Ist, Hannover, in der A b l e h- n itn g der Vorschläge des Reichskommissar Vesper, die von den hiesigen KoalitionSparteie« nnd der Staatsregierung als gangbarer Weg zum Neuaufbau einer der Republik treuen Marine anerkannt werden. Die Nordseestation ist tadellos i n O r d n u n g und bleibt in Ordnung, wenn die reaktionären Offiziere aus der Admiralität rücksichtslos beseitigt werden. Die Station Wilhelms- Häven und die höheren KommandosttUcn müssen besetzt werden mit demokratischen Offizieren. Geeignete Personen würden zur Verfügung stehen; i;s ist Verleumdung, den Deck- offizieren vorzuwerfen, daß sie alle OsfizierSstellcn besetzen wollen. Eine Rcichsrezicrung und ein RcichSwrhrminister, welche nicht im- stände sind, die Schuldigen am Kapp-Putsch streng aber gerecht zu bestrafe« und das Versprechen G&ertS und Rosk-s»»f Demokratisierung von Reichswehr und Marine sofort mit Taten durchzu- führen, verlieren das Vertrauen. Tie Folgen für die Nordscestation und die weiteren politischen Folgen sind unabsehbar.' Tanten. Es werden der RcichSregierung weiter durch den Ministerpräsi- deuten Verhandln»igen angeboten. Der Schuldanteil der Entente. Unmittelbar nach der Niederwerfung der Militärrevolte erschienen die hiesigen Geschäftsträger der alliierten Mächte im Auswärtigen Amt bei Herrn von Hansel, um ihm als ''dem Vertreter der verfassungsmäßigen Reichsregierung die Glückwünsche ihrer Regierungen auszusprechen. Diese Glückwünsche bedeuteten Kweifellos weit in ehr, als eine rein diplomatische Formalität, sie waren«ine hochpol i- tische Demonstration, über die gerade wir Sozialdemokraten, die hoffnungsvoll auf jedes Zeichen lauern, das als den Beginn einer wirklichsn Annäherung zwischen den gestern noch kriegführenden Negierungen und Völkern ge- deutet werden könnte, allen Anlaß haben, freudig. festzustellen. Deshalb sei nochmals hier ausdrücklich hervorgehoben, daß. das Verhalten der Entente während des Kapp-Putsches Teutschland gegenüber überaus loyal gewesen ist: Sie hat sorgfältig jede Berührung mit den Rebellen gemieden, England hat sogar einen Vertreter nach Stuttgart entsandt, der hiesige englische Geschäftsträger Lord K i I m a r n o ck hat zu einer Zeit, als der Ausgang de? Kampfes noch. keineswegs feststand, dem„Vorwärts" eine Erklärung zukommen lassen, in der er energisch, gegen den Schwindel der Kappisten, wo- nach England von dem Unternehmen vorher gewußt und ihm nicht nnsyinpathisch gegenüber gestanden hätte, Stellung nahm,") und der erste unter den Geschäftsträgern, die bei Herrn v. Haniel mit den Glückwünschen ihrer Regierung n erschienen, war der französische Vertreter Marciii y, Die durchaus korrekte»Haltung der Entcntestaaten wöh-» rend des Putsches und nach dessen Niederwerfung soll uns jedoch nicht davon abhalten, von dem Schul danteil der Al-li-ie�teu am der stZi.'ftSr-revolte zu. Jprecken. Die'e Schuld ist zwar eine indirekte, aber sie ist riefen- groß. In seiner Stuttgarter Rede'bat bereits Genosse Bauer darauf hingewiesen, daß die Gewaltpolitik der Entente Deutschland gegenüber, daß vor allem der Friedensvertrag von Versailles jene Stim- nlung in weiten Kreisen des deutschen Volkes hervorgerufen hat.'ohne die die Kapv und Lütttv�tz ihr verhrecherisches Unternehmen überbaupt nicht hätten wagen können. Und w ie oft war die Entente von demokratischer deutscher Seite vgr den Folgen ihrer Gewaltpolitik gewarnt worden! Wie oft war von hier aus den französischen und englischen Staatsmännern zugerufen worden, daß ihr Ver- halten Deutschland gegenüber nur die Geschäfte d e r .Reaktzi o n besorge und das Bestehen der Republik bedrohe! Aber alle Warnungen stießen auf taube Ohren und jeder neue Monat seit dem November 191« brachte uns eine neue. Demütigung oder eine neue Tierquälerei von feiten der Sieger. Um nur einiges noch einmal aufzu?ä'!- len: Die W a f fe n st i l I st a n d? be d i ng u ng e n von Eompiögne, die Unterstützung der Polenrevolten, die lange Fortdauer der B l o ck a d e. der Mordfrieden von Ver sailles die Wieder verhängung der Ostsee blockade, die Sühne für Scapa-Flow, die endlose- Zurückhaltung der Kriegsgefangenen und zuletzt noch die A u s l i e f e r u n g s f r a g e. In dieser Gewaltpolitik liegt wohl der hauptsächlichste Schirldanteil der Entente am militaristischen Staatsstreich, aber damit.ist diese Frage noch nicht erschöpft. Wir stehen wahrhaftig nicht im Verdacht, irgendwelche Sympathien� für die Basti kumer zu hegen, diese Kerntrnppe der eibbrüchigen Generäle. Aber auch den Baltikumern wollen wir Gerechtig» keit widerfahren lassen. Ursprünglich waren sie sicher nicht die Abentauver ohne Treu und Glauben, deren sich ver- brechcrische Führer später l»di entern Sie sind dazu e r st gemacht worden und ein gut Teil von Schuld liegt dabei auf feiten der Entente, Die Entente ist es gewesen, die be- reits in den Wassenstillstandsbsdingmlgen vom November 1918 Deutschland die Verpflichtung auferlegte, Truppen i« den baltischen Ländern als Bollwerk gegen die rote Sowjetarmee zu behalten. Freilich hätten wir es vor- gezogen, Frieden mit Sowjetrußland zu schließen, tvodurch diese Truppenmacht im Baltikum überflüssig geworden wäre, aher die Enteute gab uns zu verstehen, daß sie eine solche Annäherung an die Regierung von Lenin und Trotzky als einen unfreundlichen Akt emsehen würde, und wir, die unter der Blockade litten nnd das Leben von Millionen Volksgenossen nur durch deren Aufhebung und durch Lebeusmittelsendimgeii aus Amerika retten konnten, mußten uns fügen und den Siegern diesen Bütteldienst im Baltikum leisten. Aber mit welchen Truppen? Die gesamte Ostarmee drängte nach Demobilisierung und dieses Verlangen aller Soldaten, ob im Westen oder im Osten, nach gleicher Behandlung war nur be- rechtigt. Es mußte daher sine Freiwilligenarmee gebildet werden, und dies konnte nur geschehen, indem man den sich Meldenden besonders günstige Bcdin- g u n g e n in Aussicht stellte. Mit Zustimmung der letttschev Regierung,, die bei dem Vormarsch der Roten auf Riga sich in autzerordeutlich bedrängter Lage befand, wurde den»Frei- Tiefe Erklärung ist in unserer»»weiten Extra-Auögabc vom 18. März vcröffenttichl worden. Der Vormarsch im Ruhrgebiet. Amtlicher Bericht. Berlin, 5. April. Amtlich. Dir Polizeiaktion im In- dustriegebiet nimmt planmäßige» Verlauf. Um Städte und Ort- schatten und im besonderen die friedliche Bevölkerung zu schonen, cuthalteu sich die Truppen aller nicht unbedingt erforderlichen Kampfhandlungen, waS an die Leistungsfähigkeit und an den Opfer- sin« der Truppen, unter denen sich mehrere süddeutsche For- mationen befinde», eine ganz besondere Aufgabe stellt. Zurzeit steht die Reichswehr nördlich von Bottrop, waS noch nicht b.'fetzt ist. Oeftlich von Dortmund, in daS die ersten Abteilungen soeben eingezogen sind, gehe» die Truppen in der Linie Lünen— kamen gegen erheblich stärkere Abteilungen der rote« Banden vor. Auch im Landkreis»Hörde schreitet dii Reinigungs- aktioo vorwärts. Dtt Bahnhof Wickede wurde von roten Banden gestürmt. Ebenso die Zechen Admiral und GlückSauf. �n Dort- wund selbst haben erhebliche Plünderungen stattg.'funden. In Essen nehme» die Plünderungen ihren Forlgang. Von dem Postdircktor wurde» 120 000 M. erpreßt. Die Konsnmanstalt von Krupp ist gestern abend beraubt worden. Auch die ländliche Bevölkerung zwischen Essen, Velbert und Mülheim leidet erheblich unter Plünderungen. Sehr ernst ist auch immer noch die Lage in der Stadt Mülheim, wen« sich auch das Gros der rote» Bande, das bisher dort gelegen hat» zu »erlaufen beginnt. Ter Abgeordnete H u 6 hat ausdrücklich erklärt, daß eine Befriedung von Essen und Mülheim ohne Einsetzen des Militärs undurchführbar sei. Es ist zu erwarten, daß am TicnStag oder Mittwoch Essen entsetzt werden kann. Ter Zentral- rat soll ans Essen geflohen sein, angeblich hat er sich na-P Barmen begeben. Hier wie überliaupt im Belgischen Lande, so auch in Düsseldorf, herrsche» jm großen ganz??» Ruhe und O r d n n n g. Elbersrld, 5. April.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Im Wuppertal und im Bergischen Lande herrscht Ruhe. Die W a f f e n a b g a be macht gute Fortschritte. Tie Behörde»»»p sozialistischen Parteien haben sich an die Reichsregicrung mit dem Ersuchen gewandt, nach Hagen, Elberfeld, Barmen usw. keine Truppen vorrücke» zu lassen. Die RcichSregierung hat dies telegraphisch zugesagt. Jm Kohlenrevier haben nur völlig undisziplinierte Ban- den die Waffen behalten und gehen eigenmächtig vor. In Essen forderte der Z e« t r a l r a t und die örtlichen Führer der U n a b- h ä h g i g e n und Kommunisten zur Waffcnabgabe auf, setzte» es aber nicht allgemein durch. Der Zentralrat mußte Esse« verlasse« und seinen Sitz nach Barmen verlegen, da er jeden Etasluß auf die anarchistischen Elemente verloren hat. Diese ver- folgen de« Zentralrat mtt Waffen in der Hand. Der Einmarsch der Reichswehr in Esse» scheint unvermeidlich. Die Einnahme von Duisburg, Oberhausen und Mülheim erfolgte ohne nennenswerte Kämpfe. Vertreter aller Parteien— einschließlich der Unabhängigen— hatten um Einmarsch gebeten, da den Plünderungen anarchistischer Elemente sonst nicht hätte Einhatt geboten werden können. Es handelt sich also nicht mehr um einen Kampf organisierter Arbeiter, sondern um Widerstand undisziplinierter Elemente. Die Zentralratsmitglicder erklären, daß ste keine Proklamation des Generalstreiks beabsichtigten. » Berlin, 5. April. Obwohl die deutsche Negierung in Paris wiederholt die dringlichen Gründe darlegen ließ, die sie gezwungen haben, die Polizeiaktion im Nuhrgehict zu unternehmen, ist eS ihr bisher nicht gelungen, das Einverständnis der französischen Regierung mit de,» Einmarsch zu erzielen. Herr Millerand hat vielmehr in seiner Eigenschaft als fran- zösischer Ministzirpräsidcnt die deutsche Regierung in einer Note auf die besonders feierliche Fassung deS Artikels 44 des Friedens- Vertrages, der jeden Verstoß Deutschlands gegen die niit der neu- trale» Zone sich befassenden Artikel 42 und 43 als eine feind- selige Handlung und einen Versuch ein-:r Störung des Weltfriedens kennzeichnet, hingewiesen und in Aussicht ge- stellt, daß uns die Entscheidung der französischen Regierung später übermittelt werden würde. Demgegenüber kann heute ftstgestellt werden, daß durch dir zum Zwecke der Polizeiattion in das Ruhrgehict einmarschierte» Truppen das unS für die neutrale Zone zugestandene Kontingent »och nicht erreicht worden ist. Nach dem Abkommen vom 6. August sind uns insgesamt für die neutrale Zone 17 500 Mann zugebilligt. Jm Industriegebiet befinden sich zurzeit 13 300 Mann, in der übrigen neutrale« Zone 8300 Mann. Es ist ferner»Herrn Millerand mitgeteilt worden, daß die Aktion im Nnhrrevier in etwa sieben Tagen ihr Ende erreicht haben dürste. Kein Einmarsch ins Sergische Lanö! Die Ortswehre» solle» für Ordnung sorgen. Berlin, 5. April.(WTB.) AuS dem Bergt sch-märkischen Lande werden seitens der Arbeiterschaft Befürchtungen ge- äußert, dahingehend, baß die Polizeiaktion im Industriegebiet auch bis in die Gegeno Hagen, Elberfeld-Barmen, Jfer» lohn vorstoßen könnte. Eine solche Absicht besteht nicht. ES muß allerdings darauf hingewiesen werden, daß unter Umständen gerade dadurch marodierende Banden veranlaßt werden könnten, sich au? dem Essen-Dortmunder Gebist in das Bergische Lans zu flüchten. In diesem Falle wird eS zunächst Aufgabe der O r t S- wehren sein, das Gebiet, in dem zurzeit Ruhe, Ordnung und ArbeitSfteud:gkeit herrschen, vor Gewalltaten und Plün- derungeu zu dewahren. willigen Siedl ungsland im Baltikum versprochen. Die meisten Deutschen, die sich damals meldeten, waren sicher keine schlechten Leute, es waren zumeist solcve Menschen, die bei' ihrer Rückkehr in die Heimat trostlose Zustände fanden und die, mn der A r b e i ts l o s i g k e i t und dem E l e n d zu entgehen, den harten Soldatenberuf in der Hoffnung wieder ergriffen, sich später in einem reichen, noch vielfach brach- liegenden Lande als Landwirte mit kleinem, eigenem Besitz eine neue Existenz zu gründen. Als Soldaten mußten die Baltikumer während des Winters und des Frühjahrs 1919 gegen rote Banden kämvfen, sie mußten Riga wieder erobern und, während dieser Zeit konnte sich unter ihrem Schutze, d. h. hinter ihrem Rücken, das lettische und litauische Staatswesen wieder festigen. Und nun. als die Letten und Litauer ihre eigenen Truppenkontingente ge- bildet, hatten, da wandten, sie sich an die Entente mit dem Verlangen, die deutschen Truppen zur Räumung. des Landes pt veranlassen. Denn sie Wichten, daß die Entente durch den Artikel 43Z des Friedensvertrages sich das Recht tzorbehalten hatte, den deutschen Truppen das Verbleiben im Baltikum bis zu einem bestimmten Zeitpunkte und ebenso die Rückkehr nach Teutschland anzubefehlen. Von dem einst in höchster Not, wenn auch nicht schriftlich in aller Form, ab g e g eb e- n e n Versprechen der Siedlungsgüter wollte nunmehr die iettitche Regierimg nichts mehr wissen. Die Balti- kumer mußten durch die deutsche Regierung wiederholt ge- mahnt werden, diesem Ztyange der Entente zu gehorchen, und nachdein sie sich lange Zeit allen Befehlen widersetzt hatten, mußten sie, von aller Lebensmittetzutuhr abgeschnitten und von allen Seiten durch gegnerische Truppen bedrängt, sich schließlich fügen. Diese Truppen hatten das Gefühl, b e- trogen worden zu sein, ja sie mußten dieses Gefühl haben. Waren sie nicht bis in den September hinein von der Entente als kämpfende B ti n d e s g? n o s s e n, als den äußerst rechten Flügel der I ti d e n i t s ch a r m e e bei der Offeitsioe auf Petersburg befrachtet und benutzt worden? War ihre Vermummung in weißrussische Truppen unter Awa lo f f-Be r m o n t nicht mit stillschweigender Zustim- mung znmindsst der englischen Mission in Berlin geschehen? Das Gerücht, wonach der englische General M a l c o l m den Putschisten frenndtich gesinnt gewesen sei. dürfte auf diese alten Beziehungen zurückzuführen fein. Diese Verwendung deutscher Truppen in Nordwkstrnßland durch die Entente ge- schal), gegen den Willen der deutschen Reichsregierung, aber was galt de'ren Wille neben dem allmächtigen Winston Churchill, in dessen Hand alle Fäden der antibolsche- wistischen Politik zusammenliefen? Aber die Wut der Balti- kumtruppen, die nunmehr, nach dem Mißlingen der Judenitsäp offensive, wie der berühmte Moor nack getaner Schuldigkeit gehen sollten, richtete sich mehr noch gegen die deutsche. Regierung, als gegen die Entente, weil sie die komplizierten politischen Zusammenhänge ihrer Verwendung nicht kannten. Die E n- t c n t e aber ist es, die diese Leute gebraucht und miß- braucht hat und die aus den meist anständigen Soldaten von Anfang 1919 die p r ä t or i an i sch e n Desperados des März 1929 gemacht hat. Ter andere große Fehler der Entente ist. daß sie Deutschland durch den Versailler Frieden eine Söldner- a r m e e aufgezwungen hat. Auch' hierin war sie von beut- scher Seite g. warnt worden. Aber die heillose Angst Frank- reichs vor einer allgemeinen Wehrpflicht beim be- völkerungsreicheren Nachbar war größer, als die Sorge um die Gefahren, die eitne solche Söldmerhrmee' für eine e m o- krat'ie stets enthalten hat. Wenn einmal die Frage der Revision der Versailler Bedingungen akut sein wird, wird man auch nach einem Ausweg suchen müssen, der zwar be- greislichen Bedenken der Franzole»,� aber zugleich auch die ebenso begreiflichen Bedenken der deutschen Republikaner berücksichtigt. Der Anschlag auf» die deutsche Republik ist an dem de- mokratischen Willen der großen Massen des deutschen Volkes haß. Von Paul Haupt. Durch die tagelang nicbt gereinigte übelrieihende Mietskasernen- siratze, in die sich daS abendliche Halbdunkel senkt, rasseln Last- kraflwagen mit bewaffneten AeickSwedrsoldaten. Keck, wie eine dumme, blasierte TtupSnase auf dem Verdeck über dem Führersitz daS Maschinengewehr. Aus den Bürgersteigen lösen sich die Brupw'il der strelkendeil Arbeiter auf, gehen widerwillig ein paar Schruie weiter, weifen finstere Blicke zn den waffengespickten Soldaten auf den rasselnde» Wagen. Ein silbernes Achselstück vlinkl auf einem Wagen, ein Gesicht bemüht sich krampfhast trotz des Schütte lnS das Monokel im Auge zu halten. Aus einem HauSflur hetzt ein Schrei: .Licht au«, Messer raus!* Aus einer Kruppe höhnt es: .Kuckt mal das Heldensöhuchsn!' Ich sehe ein andere« Bild: Die zerschossenen Häuser einer sranzösischen Stadt, voll- gepfropst mit Truppen, die dreckig, abgekämpft, halbverhungert aus den Gräben ziehen in«„Nubeauartier" zu Drill und Schikane. Ihnen euigegen plötzlich, aufreizend hupend zwei Lastkrait- wagen mit beguemeu Bänken auSsiassiert, auf denen sich junge OffizierLbürschchen in eleganten hochkragigen Uniformen räkeln. Ein. OfsizierlnriuS, der zn dein.UebungSgraben' fährt, um „fern ppm Schutz" dorr über den Grabenkampf belehrt zu werden. Aus dem Dunkel, da« sich auf die zertrümmciien Häuser niedersenkt, hetzt ein Schrei: „Licht auS, Messer raus!" AuS den abgearbeiteten, bedrecklen Kämpfern höhnt eS:, „Runter mit den Heldeujünglingen." Verlegenes Zusammenzucken der OsfisierZjünglingt, Kommandos, Fluchen der Truppenführer. Älter, eingefreffener Hätz aus den Leuten, ob sie Zivil oder Umsorm tragen. Ali« Haß. den sich die Osfiziersuniform aufge- bürdet hat.__ TwHseufzrr erncs armen Siomponisleu.. Uns wird geschrieben: Aus den DireliionSiessel der Hochschule für Münk llenert jetzt ein nagelneuer Herr � ein Komponist allcrmodernster Art. Mithin wäre also die deut'che musikalische Kunst gereltet? Gemach! Bei dem für uns verflucht faulen Valuiastand wird die Hochschule sür Musik für deutsche angehende Musilanten noch viel, viel weniger in Frage kommen als ebemals; denn schon feiner» reit spielten die Ausländer dort als Studierende die allererste Geige Dieweil sie Kapitalisten waren und auch Privalstunden liebten-- Man wird bk Lehrer dorren jetzimd damit überlaufen: für ein gescheitert. Tie Entente hatte allen Anlaß, sich darüber zu freuen und itzre Befriedigung durch ihre hiesigen Gesandten zum Ausdruck zu bringen. Aber mit den Glückwünschen allein ist nur wenig getan. Möge auch sie aus den Ereig- nissen lernen, mögen auck sie ihre vergangenen Fehler er- kennen— und ihre künftige Politik Deutschland gegenüber danach richten! Sieg öes öänischen Volkes. Wie das Bureau Ritza» aus Kopenhagen meldet, hatte der Dänenkönig am Sonnabend eine Besprcckmng mit den, Führern sämtlicher Parteien, die bis in die frühen Morgenstunden währte. Das Resultat dieser Konferenz war der Rücktritt des Kabinetts Liebe. Ldervormundschaftsdirektor Friees wurde mit der Bildung des neuen Kabinetts betraut. Aufgabe dieses Kabinetts ist es, den Reichstag so bald wie möglich einzuberufen und die Verhandlungen über das neue Wahlgesetz zu E n d e. z u führen. Damit hat das dänisclse Volk einen Sieg von weittragender Bedeutung errungen, einen Sieg, an dem auch die deutsche Arbeiterschaft einen bescheidenen Anteil trägt, insofern sie ihren Brüdern in Dänemark ein Beispiel gab, wie der geschlossene Wille des Voltes mächtiger ist als Königskronen und Herrscherallüren absoluter Gcwaltträger oder solcher, die es gerne werden inöch- ten. Wie der Versuch der Kappisten anregend auf den Träger der dänischen Krone gewirkt haben mag. hat Wohl auch der Abwehrstreik des deutschen Arbeiters dem dänischen Arbeiter den Nacken gesteift und ihm den Weg zur Freiheit gezeigt. Ob der Tänenkönig für diesmal seine Krone gerettet hat oder ob die leidenschaftliche Erregung des Volkes über ibm zusammen- schlagen und die Republik cmportragen wirdl ist zur Stunde noch unentschieden: es ist aber auch nur eine Frage von unter- geordnete�>..Bedeutung. Denn allzusehr hat der vom König selbst vom Zaun gebrochene Streit den Talmiwert der Krone in einer zur Selbstregierung herangereiften Volksgemeinschaft gezeigt. Was immer auch kommen mag, das dänische Volk ist Herr im eigenen Hause, solange es einmütiglich seinen politischen Willen ver- ficht.' Und das nun wiederum tollte uns deutschen Arbeitern eine Lehre sein, die wir von unseren dänischen Briidern ent- gegennehmen. Vor allem bei den kommenden Wahlen! * K o p e n h a q e n, 5. April.(Ribau.s'ta die Einigkeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitern hergestellt ist, wurde der General- st r e i k a b g e f a g t., Kapps verspäteter Moröbefehl. Wie Zimmermann es gemacht hätte. Fu der„Deutschen Zeitung" schreibt A. Z.(Zimmer- mann) Erinnerungen an die Kapptage unter der vielsagenden Ueberschrist:„Deutscher Vorfrühling 1929". Da heißt es in den Aufzeichnungen vom 15. März: Drin höre ich dann, datz der„Kanzler cruS«iqenem Recht" mm doch aus sich hervuKyuigchen anfängt. Ein Erlaß ist erschienen, der Dienstverweigerung seitens der Beamten mit Entlassung und Verlust ihrer sonstigen Ansprüche-bedroht. Ein zweiter kündigt Streikhetzern und Streikposten— soweit eS um lebenswichtig« Be- triebe geht— standrechtliche B-Handlung an. Genau nm achtundvierztg Stunden zu spät, geehrter Herr! Zudem soll der„Schießer laß'', w-i« ausdrücklich darin steht, erst morgen nachmittag in Kraft treten. Genosse Legten und die Herren revolutionären OHtewte werden Herrn Kapp schwerlich den Ge- fallen tun, nicht zu erkennen, welches Matz von Unent- s ch l o s s e n h e i t sich hinter dieser Bestimmung verbirgt,— werden sich hüten, sie statt dessen als Ausdruck nur weiser Mäßigung auf- zufassen! Sie werden sich etwa folgendes sagen: Das Enischeidende an dem Erlaß ist nicht, daß nun von morgen nachmittag an die Durchführung des Streiks gefährlich und damit gefährdet werden paar Dollars kann man bei uns aus augenblicklich 24 Siunden an einem Tage nehmen. Armer armer Musikbeflisiener aus Deutschland, du hast da nicht mehr viel zu erhoffen.(Aenn der ganze Betrieb dort nicht umgekrempelt wird!) « Ueberhaupt: Du bist künftig einfach auf den Aussterbeetat ge- setzt. Zu deinem Berus« brauchst du nun einmal ein Klavier. Aber solche Dinger lönuen sich jetzt nur nocb Schieber und Kon- sotten leisten— ehrliche Leute(geschweige Musikanten) kommen in dieser Hinsicht überhaupt nichi mehr in Frage. Das wohlhabende Publikum ist auch sonderbar— wie soll man's deuten: sind die Leutchen gedankenlos oder sozial verkümmeii'i Wenn man nämlich heutzutage für eine Musikstunde ein paar Mark mehr fordert, dann fäll: die„gnädige Frau" ans allen Wollen: ob >o einer Dreistigkeit! Und sie weiß doch selbst, was heutzutage da? Leben kostei. Das nebenbei.(In beiden Angelegenheiten ist von Staats wegen nichts zu machen: weih der Teufel--). Wir Komponisten und Notenquetscher ohne Ar und Halm haben von der derzeiiigeii Regierung euoaS mehr für uns erhofft. Fünf- zehn Monde sind verflosieu, seitdem sie crnS SlaatSrnder kam— soll man die Hoffnung aufgeben? Herr Minister sür Volksbildung, wir glaubten, Satz auch wir nunmehr von SlaatS wegen zu Worte kommen würden' Die Sache liegt so: Der heutige Konzertbetrieb ist eigentlich im grätzen Ganzen nur eine private Angelegenheit der wohlhadenden Komponisten und dito Musiker. Keinesfalls ein Spiegelbild der verzeitigen Musikkultur! Man mutz üch eigentlich wundern, datz die gestrenge Musikkritik davon soviel Aufhebens macht.-- Genie und Talenr sind gemeinhin nicht gerade mit Schätzen gesegnet, die Rost und Motten zerfressen. » Mithin der langen Rede kurzer Sinn: Ich erbitte vom Minister für Volksbildung eine Instanz, die W e r t e a r m e r K o m p o n r st e n 1 i ch l e l u n d in Sonder- konzerten lvieUeichl etwa alle vier Wochen) von armen ausübenden Bk u f i k e r n dem Publikum und der Kritik, unterbreiten lätzi.(Ab und zu könnte auch die Staatskapelle hinzugezogen weiden.) „Bildungsunternelimer". Hierzu wird uns geschrieben: Der ..BoUsverband der Bücherfreunde", das von uns gekennzeichnet Profitunternebmen des„Weytvc!ser"-Ver!<:ges, versiebt es, auch kommunale Einrichtungen in den Dienst feiner gefchäfrlichen Re. klame zu stellen. In der Charlottenburger städtischen Volksbücherei wird seit einiger Zeit jedem ausgeliehenen Buche ein Zettel beigefügt, der eine Anpreisung des famosen Volks- verband-s enthält. C-s toäre interessant festzustellen, �auf wessen Veranlassung ein Institut, das von dem Geld? der- Steuerzahler unierhalten wird, sich zu Dienstleistungen für Pritattin!e r nehui e n hergibt. Ter Berliner Bolkschor, den Dr. Ernst Zander leitet, beab- sichiigt, die neue Konzertzeit im Herbst mit einem in den größten Maßen gehaltenen Richard-Strauß-Abend soll. Visrund zwanzig Stunden, du lieber Gott, sind' unter diesen Verhältnissen viel Zeit.... Zimmermann hätte citfo schon drei Tage früher„aus eigenem Recht" Streikposten erschießen lassen. Da sieht man,-vie sich ein echter Alldeutscher den richtigen„deutschen Frühling" denkt, der nach den:„Vorfrühling" kommen soll. Aber auch im„deutschen Frühling wird ein Mann, der„aus eigenem Recht" Erschießungen vornimmt, ein gemeiner Mörder bleiben imd als solcher behandelt werben. Verhaftet, weil Repubiikaner. Seit dem 17. März sitzt der Reichüwehrsoldat Genosse Franz I. in Militärgewahrsam, weil er Mitglied des Republikanischen Führer Sundes ist. Mehrfache Sckrit!? deS Führerbundes beim R e i ch s w e h r m i n i st e r: um und andern Stellen, um die Hasientlassung des I. zu erlangen, waren bisher ergebnislos. Tie Verhaftung.Hut folgendes Vorspiel: I. ifi Bataisionsvcr- trauonsmanii beim 3. Batl. Rw.-Jnf.-Reg. 6 in Treptow. Sein« Zugehörigkeit zum R. F.-B. war seinen Vorgesetzten bekanni. In der Nacht vom 16.- zum 17. März kam vom Regiment der tele» pboniscke Befehl, daß I. wegen seiner Mitgliedschaft im R. F.-B. sofort zu verhaften und dem Sammellager in der Franzerkascrue lOberlt. Schenk) zuzuführen sei. Der Befehl wurde in folgender Form ausgeführt: Am Abend des 17. März wurden I. und vier llnterofffziere, deren Mitgliedschaft nn R. F.-B. bekanntgeworden war, von dem Ba t a i l lo n Z k o'm m a n d e u r bor die Wahl ge- stellt, entweder offiziell schriftlich ihren Austritt ans dem Republikanischen Führerbund.zu rrtlären oder sofort verhaftet zu werden. Die Betreffenden gaben zum Schein ihre Austrittserklärung, um weiter bei der Truppe bleiben und für deren Regierungstreue wirken zu können. Das wettere Ansinnen, die Austrittserklärung auf eigene Kosten an den R. F.-B. senden zn lassen, lehnten sie dagegen ab. Nun hatte sich zu-ällig am gleichen Tage der Vorfall ereignet, daß em'Gespänn mit ztvej Begleitern an der Kottbuser Brücke von einer großen Menschenmenge»ngehalten worden war. Der eine Soldat ließ sich entwaffnen und lief zur Sicherheitswehr, um Hilfe zu holen, der andere, ein Hakenkreuz-Baltikumer, gab einen Schuß ab und wurde daraufhin gleichfalls entsoaffnc: und arg verprügelt. Auf der Mannschafi-Zstube des Bataillons wurde über den Vorfall diskutiert u-nd hierbei äußert« I. die Ansicht, daß es in solcher Situation dernünfttg sei, nicht zu schießen. A-er schieße, köime sich nicht wundern, wenn er verprügelt werde. Unter völliger Eni- stellimg dieser Aeutzerung wurde I. darauf denunziert, daß er der Berprügelung von Soldaten daS Wort.. geredet habe und unter diesem fadenscheinigen Vorwand nunmehr„wegen Gefährdung der Disziplin in der Truppe" doch verhaftet. Nun sitzt er seit zwei Wochen, ohne daß sich jemand um ihn kümmert. Schützt so die Negierung ihre Anhänger? Wer soll und wird sich das nächste Mal für sie einsetzen, wenn sie zum Dank für Treue die Männer, die sich für sie eingesetzt haben, teilnahmslos der Rache der Reaktion auZliefertl Der Klingelbeutel für tzelfferich. Durch die Matter der Rechten geht ein SammlungSauf- r u f für Herrn H« l f f e r i ch. Der arme Mann mit der Villa im Tiergarienviertel, der darbend? GcoßbcrnZier soll unterstützt werben, damit er die ihm auferlegten Kosten des Prozesses Erz bergen- Helfferich nicht zu tragen braucht. WirLich ein rührendes Schauspiel. Die„Tägliche Rundschau" bringt beveits eine erste- Qu it- tu ngö liste. Ein Pastor hat eine Mark gestiftet und ein Gym- nasiast 3 Mk. Ein Student hat es sogar auf 10 Mk. gebracht und ein H o f r a t auf 20 Mk. So geht es langsam bis 100 Mk. herauf. Einsam steht nur ein Posten von 1000 Mk., als dessen Stifter zeichnen die Qbersch lesischen liokswerke und Chemischen Fabriken. Wird Herr Helfferich, der Paladin finanzieller Keuschheit, dieses Geschenk der Schwerindustrie annehmen? ziß beginnen, an dem außer allerersten Solisten das Philharmonische Orchester in Stärke von 120 Künstlern mitwirkt. Außer Liedern mit Orchester gelangen die symphonische Dichtung..Tod und Verklärung" und die Chorwerke„Wanderers Sturmliö»" und „Taillefer" zur Aufführung Der Chor, der jetzt etwa 4S0 singende Mitglieder zählt, soll nach Möglichkeit auf wenig- iUnS 600 M�i t w i r k e n d e oer stärkt werden. An alle Männer und Frauen der Arbeiterklasse, die gute Stimmen und Gehör besitzen und genügend großes musikalisches Interesse haben, um bei den Aufführungen der großen Meisterwerke der Chormsik mitzuwirken, ergeht deshalb die Aufforderung, dem Volkscber jetzt als singendes Mitglied beizutreten. Notenkenntnis ist nicht er- forderlich, da Notenkurse stattfinden. Der Mitgliederbettrag beträgt nur SO Ps. monatlich, dafür Teilnahme an Noten- und Stimm- bildungskursen. erläuternde Vorträge über die zur Aufführung gelangenden Musikwerke, freie Benutzung der Chorbibliothek, Zrete karten zu erstklassigen Orchester- und Solistenkonzerten usw. Die Borträge über Rclativitätstbeorie, die Dr. Werner Bloch im Rahmen der Veranstaltungen des Monistenbundes hält, werden am Freitag im Werner-SiemenS-Gymnasium, Hohenstaufenstr. 47, abends 7 Uhr, fortgesetzt. In dem wegen Ueberfüllung tviederholten' ersten Vortrag des Lehrkursus ging der Referent zunächst auf den Unterschied der theoretischen und exverimentelten Physik ein.. Er erläuterte die Rolle, die die Hypothese in der theoretischen Wissen- schafr spielt, wie sie sich zur'Theorte erweitert und an der Er- fahrung geprüft werden muß. Sodann erläuterte er in allgemein verständlicher Weise diejenigen Dinge auf dem Gebiet der Mathe- matii und Pbysit, die als'Rüstzeug für die folgenden Vorträge unentbehrlich sind.' So erklärt? er Bedeutung und Gebrauch der Koordinatensysteme in der Physik, ging kurz auf die grundlegenden. Gesetze der klassischen Mechanik ein und zeigte, daß die NMionsche Mechanik auch zu einem Relativitätsprinzip geführt hat, über das nun erst die neuere Entwicklung hinaus gedrängt hat. Die Gedenkfeier der Revolutio». die Oskar lludwlg Brandt und Margarete Brandt-Jacoby am 13. März im Meisteilaal vcranjialten wollten, wurde von der'."lli-tätdiktatur verbole». Der Abend findet nun- mehr am 14. rlprü. Uhr. im Meistersaal statt. Zum Vortrag gelangen Revolutlonsdichlmigei! von Goethe, Ada riegri, Arno Holz. Heine. 4asialle und anderen. Gelöno Korten behalten ihre Wült'gkeit, weitere Karten bei Bote u. Bock, A. Wertbeim, im Mewerktchailssekretariat Engetuser tö, 1 Zr, Zimmer 15, sowie in der.Borwärts">Buchh»ndIung und an der Abend- kassc. Theater. Ä» Stelle des ausgeschiedenen Professor Hans Kauteln ist E rn t l Pirch a n als Leiter des'ZluSsiattunzöwesens der Staats- ! h c a t e r verpflichtet worden. Tic Beethoven-Abende(iTp Syiuphonie u. a.), die der Berliner V o I k s- C b o r am 15. und 13. März in der Reuen A:U veranstalten wollte, konnten infolge des Generalstreiks nicht startsinden und müssen bis zum 17. mid 13. Mai verschoben werden,(tiulofilonen behalten ihre Gültigkeit, können jedoch auch in den Chorprodeü, Freitags von 3—10 Uhr, in der Aula des Kömgslädiischen Gymnassums, Elisabeibfir. 57, zurück- gegeben werden. Da beide Konzerte ausverkauft find, können bei der großen Nachfrag« nach Eii-.teßkinieit etwaig« zurückgegeben« Karten nur an Mitglieder aus.zegebcit werden. Die schwedifckie Kamifchatka- Exvedirion. die mniafiente For» ichungen in diesem bisher noch wenig bekannten Gebiet auSiübren will, hat jetzt ihre Reise angetreiez!. Ihre Dauer wird aus drei Fahre be» rechnet. Tie neue, Außer.l>andklS?vntrollc. vsr der äsfenilichen Sitzung de? Re ichSr-a tS wurden wichlist� AuSführungSbe stimm ungün z» der Verordnung über die Austenhandelstontrolle vom 20. Dezember INJ miK- .lwmnlen. Die Kontrolle des Außenhcrnoels soll erfolgxn. um dem sogenannten..Ausverkauf Deutschlands" besser entgegentreten zu können. Erst die sei,-: angenommen n Aussühnlugsbestimmui!- gen geben eine r ertliche Grundlage für d'e AutzenhandelSstellen. . niachliche Selöstverwaltuiigsorgane der verschiedenen lBirtschastZ� grnvpen werden mit räumlicher Zuständigkeit für das ganze Reich gebildet, auch können bier für fachliche Untergruben Außenlsaudels-Nebenstellen errichtet werden. Die Aufsicht nuv Leu tung führt der R c i chs kommissar für die Ein- und Ausfub» bewilligÄngen. Die Selbstverwaltung wird ausgeübt beim Aus- schütz. Dieser Außenhandels au» sch u tz ist paritätisch ge. b ldet von Arbeitgebern und Arbeiinehmern. von Dertrerern der Er- zeugung, des Handels und des Verbrauchers. Ter geschästSlcitende Vorsitzende des Ausschusses ist ein Reiibsbeauftragter. Es werden eine ganze Reibe von Abgaben und Gebühren erhoben. Bei Industrien, die auf den Bezug von Rohstoffen an» dem Auslande � angewieseii sind, wiro. wenn ihre Produkte ausgeführt werden, eine Ausgleichskasse gegründet. Die Beiträge dazu dürfen n ur fü r wirtschaftliche Zwecke mit GenebiNigung des ReichSwirtschaftsministcrS verwendet werden. Weiter soll das i'teich zur Deckung der aus der Kontrolle ihm erwachsenden Kosten Gebühren in Höbe von% pro Mille vom fsakiurenwert erheben. «odann können die Außenhan delSstellen selbst zirr Deckung ihrer Kosten Gebühren erheben, die nicht höher fein dürfen, als zur Deckung her Kosten notwendig ist, und endlich wird eine Ausfuhr- abgäbe für sozial« Zwecke erb oben. Die Höhe dieser Abgabe soll vom Reichswirlschastsminister und vom Finanz- minister aufgestellt werden. Beide Minister sind gehalten, auf Ver- langem des Reichsrais Acnderungcn bei der Bemessung dieser Ab- gäbe vorzulegen, ähnlich wie es im Kaligesetz bestimmt ist. Bei der Annahme dieser AusführiingSbestimmungen wurde für Lübeck.vmm- bürg und Bremen das Protokoll noch offen gelassen, da die Ver- treter dieser drei Hansestädte noch nicht in der Lage waren, sich ge- nügend mit de? Sache zu beschäftigen. W'r sind also jetzt glücklich so weit, vatz die H ö h e der Abgaben von den gewaltigen Valuta gewinnen zwischen den Mi- nisten en festgestellt werden s o!l. Wann die Erhebung beginnen wird, weiß man heute noch nicht. Schätzen wir die Ausfubr im letzten Jahre auf 20 Milliarden, sie wird wohl noch erheblich höher sein, so betragen die reinen Valulagewinne mindestens 1/ Milliarden, die dem Reich verloren gegangen sind, weil man eS unterlassen hat, zuzufassen. Hälie Oer ReichSrat diktatorisch eine Va- lutaabgabe festgesetzt, dann würde diese Einnahmequelle längst fließen. Dagegen sind Goldzölle eingeführt worden, damit alle Einfuhrwaren gewaltig vr.rt werden. Seit einem Jalw verhandelt die Regierung mir den Interessenten, Industrie und Handel, über Aussuhrabgaben. Datz die Interessenten kein? Eile haben, wemi es sich um Abgaben handelt, die aus ihren Taschen gezahlt werden sollen, liegt auf der Hand. Das Volk zerlumpt und verelendet und die Kapitalisten und Schieber feiern Orgien, iveil sie gar nicht mehr wissen, was sie mit der Geldflut anfangen rollen. Wir leben in den reichste» Erntcjahren deN KapUaliSmu?, die es je in der Geschichte gegeben hat. Ablehnung deut'cher Waren in England. Ein Vertrauensmann des Handelsvertrag: Vereins in London schreibt:„Ich bin der festen Ueberzeugnng, datz kaum ein Fmbritant wagen würde, heute schon deutsche Maschinen zu kaufen. Dic Ar- bester(Trade.llnionS) würden einfach sich weigern, damit zu arbeiten.(?) Zwingt man sie, so würden sie ein Geschrei in den Zeitungen macbsn und den Fabrikanten urbi et orbi als deutsch. freundlich denunzieren. Das mögen auch einsichtige vernünftige Leute nicht gern wegen eines wahrscheinlich kleinem Preisunter� schritte machten. Als es galt, Munition unter allen Um ständen, ohne Rücksicht aus Preis, in enormen Quantitäten bcrzu- wellen, lieserron die Amerikaner, die Altmeister in Werkzeug- Maschinen, Tansende der modernsten Einrichtungen. Diese wurden dann hier vielfach MchDbaut. Zunei! ist ein Ueberflutz an Vorzug- lieben Werkzeugmaschinen in den Werkstätten, und man kann sehr günstig wenig gebrauchte Maschinen aus zweiter Hand kaufen, ame- rikanisches wie englische? Fabrikat, deren Abmessungen und Ein- richtunqen usw. alle aus Futz und Zoll lauten. Die deutschen Fa- bn kanten müssen Geduld haben. Da« beste ist, aus Ausstellungen e:ne gute Auswahl zu zeigen." Hrbei�eriöhne und UnternehMJrgswin«:. DaS„Zenraälblati für das deutsche Baugewerbe" vom 5. März verösfentlichl eine„Eingab-, des Kartells der Ärbeitgeberverbävoe in den Bangewerben Gvostz-Bevlius an den Minister für Wohl- fahrt". Ttejle Eingabe richtet sich gegen die Perocknung über Höchstmieteir vom 0. Dezember und dringt zahlreiche Belege für -die Steigerung her HasiSunterlalbungskostcn. Sie wirft aber auch, sicher ohne datz die Verfasser die» beabsichtigen, ein grelles Schlag- licht auf die Höhe der U n te r ne h m mr g e w i ün e i>m Bau. gewerbc. Sbon ix?? erste Beispiel einer Unkosten berechnung ist überaus charakteristisch. Es lautet: Einen Kochberd ausbessern, einen neuen Rost anlegen, die Feuerung mit Ehamsttesteinen aussetzen: Im Jahre ISl 1: ArbeiiZzeit für einen Geiellen 1 Stunde.... 1,— M. . Helfer 1 Stunde—,60„ Gelieierte Materidlien: 1 Rost.........— ,fi5, Gelieferten Lehm..............-—,25, 3 Ehamollesteine.............—.10 Zuzüglich 20 Proz. Unkosten. Zuzüglich 10 Proz. Verdienst. 2.50 M. -ÜO y 8,— M, —.80., 3,80 M. Summa.. Im Jahre 1920; Arbcilszeit für einen Gesellen 2 Siunden a s.25 M. 8,50 M. Heller 2 Slunden a 2,80 M.. 5,60, Gelieferte Maierialien: 1 Rost...... v... 12,50-, Gelieferten Lekmi............. 2,50, 3 Ehamotlesteme............... 1 65, von 25 Pf. auf 2,50 M, da? heißt auf da? Zehnsachc. Chamakte- steine von 10- ß aus 1.65 M... das Hecht auf das Siebzehnfache, Unkosven von 50. aui:.25 M., das beißt auf das Neunzehn fache, V schienst von 30 Pf. auf 4 M., datz heißt auf das Dreizehn- fache. Dabei ist an.wnomnieu. daß dw�irneiwr heute mur hall» soviel leisten wie vor 0 Jahren f denn der ktundenlobn iif ja tarssichlich nur ans das P i e re i nha lbfache gestiegen. Der Unterneh- »w.r aber bezriüzt sich nicht mit dem Viereiuhalbfachen, auch nicht mit dein Neunfachen feines Verdienstes vor dem Kriege. Nein, er hält das D-reizebufacke tü? angemessen! Nack dieser Aufstellung der A"5-eitgcbervsrbände verdiente ein Meister, der durchschnittlich 30 sorch? Reparaturen am Tage vornehmen ließ, vor dem Kriege V M., heute 120 M. Ganz ungeheuerlich ist auch der Ansav für „llnkgücn". Diese sollen aus das Neun zehnfache g-eitisgen fein! In diesen-Unkosten aber sind enflalien die Miete für Buvcan- räume»und Lagerplätze, Telephon, Porto, Angestellltnlöhue, alles Posten, die sogar noch weniger gestiegen sin» als die Ar x-ideriöhnc. Es unterließt daher keinem Zweifel, datz in den'„Unkosten" ein weiterer Reinverdicnst des Meisters steckt. Damr kann man sich in der Tat nicht wundern, wenn die Hausbesitzer auch tztzMchM nn bedingt erforderliche Reparaturen mit Rücksicht auf die.«kosten und sebr zum Schaden ihrer Mieter immer wieder rinausschiebsn. Zentrawcrbimd der ßleischcr. Mitglicdcrversammluugcn am Mitt- woä!. ren 7. April, Bezirk Charloiienvurg, abends 611- Uhr. im Volts- haus. Rosmcnstr. S.— Bezirk AeukSlln- Britz abends 7 Uhr, bei Balelvsli, Neukölln, Boddinftr. 57.— Bezirk Aeihensee-veiner-dorl abends 7 Uhr bei Weber, Weißensce, Friedrichstr. 37, Ecke Ttrcustiahe.— Am Donnerstag, oen 8. April:■ Bezirk Beb Sveberg-Fr iedenan-Dtegliy abends 7 Uhr bei Berg Feniigstrahe 1, Umwelt Ningbabnhof MchSneberg.— Bezirk PaiNÄo-NiederswMhansen abends 7 Uhr bei Engel, Pankow, Mühlen, strafe 45. SlrealiuhrKcrvcrband des Friseur- und HaargcwerbeL. Freitag, de» v. April, abenos 7h Uhr, auizerordeniliche MilglteL erVersammlung. Äe- werksrhastshaus Sngilujer 15, vor» im Restaurant. Tagesordnung-. Er- gebnis vom SÄlichtungsausschuß. Vollzähliges Erscheine» noiweudig. Zenualverbaiio der Angestellten. Versammllstrqen am Mittwoch, den 7. AsrU, Fachgruppe 4»< Sektion der Perjicherungeuirgestelllcii), abends 7 Uhr,.kammersäle", Trstower Ztr. 1—1.— Fachgruppe lv(Sektion Puhbranche), Abends 7 llbr im Tckullheiß-Ansschank Neue Jakollnr. 24/25. — Fachgruppe Ud(AngefleUle der Geld schränk,'abrißm und Bauschlasscreicn) abends'..7 Ubr. PerbandLbureau. Bclle-Alliancc-Ilr. 7—10.— Fachgruppe is lSektion Beramann-tlonzern Berlin und Rosenthal) avenos 7 Uhr, i'Swenbraucrcl, Hochstr. 2. Nach Sem Was wird das Wetter zu Ostern machen? Diese Frage bewegte all dre vielen Msiischen, die die. Feiertage zu. einer glucht aus dem Häusermcer benutzen wollten. Zwar berechtigten die schöne.: Tage der letzten Woche zu den größten Hoffnungen, aber auch die treineu Regenschauer waren nicht uniHachtet«KWbSN. So lebte man denn im Ungewissen und traf nrit sehr gemischten Gefühlen die Boröercilung'n zur ersten Fahrt in die grünende Natur. Als es daüu am Sonnabendabend gar noch anfing zu „riefeln", da hat so mancher seine» Rucksack wieder ausgepackt unb beschlossen abzuwarten, was ja kommt. Und.eS kam ein Osierkonntag. wie er schöner nicht gedacht werden kann. Zwar fegte um frühen Morgen ein kalter Wind durch die Straßen, aber der Sonne sieghafte Kraft � bezwang ihn und überschüttet« die wirdererwachende Welt mit ihrem Glanz. Ein gewaltiger Siurm auf die Verkehrsmittel aller Art letzte Danach waren also für dwje Töpferarbeit gestiegen 1 Arderlslohn von I,K0 auf 14,10 38, das heißt auf dasReunfache. Roste von S5 Pf. auf 12H0 M., das heiß: auf daS Treiundzwanzinfache, Lehm X ebliebenen', die dem launischen Weltergott nicht trwu:en, ärgerten sich, die anderen aber sangen uub jubilierten-da draußen in„Gottes freier Statur" und gönnten ihren Zupfgeigen feine Minute Ruhe. Wer dann am Abend heimlehrte, wrr lesser beraten eckt jene, die' ihrer Unternehmungslust freien Lauf ließen, in einer Scheune übernachtelen.und am anderen Morgen mir den ersten Sonnen- strahlen weiter wanderten,' oder gar als ckwe, loelche nach dem herrlichen Sonntag ihre am Sonnabend aufgegebene Hoffnung auf t.-u Montag setzten. Ter Wertergort strafte sie beide, jene. die ihm aar zuviel zutrauren und die, die ihm zuvor mir so grotzenr Mitzkrarren begegnet waren. Tropfnaß schickte er sie zurück in die große, graue Stadt, und sie werden kroh sein, wenn sie ohne Schnupfen davonkamen. Wie dem auch sei, die armen, gequälten Menschen habe» an diestnn Auserstehungstage det Natur neue Hofs nun gen gt- schöpft. Das uralte und dock, immer wieder neue Spiel der Naiur- krälis hat ste mit der festen Zuversicht erfüllt, datz nach der duistlcn Nacht, die blut- und hatzerfüllt über den Völkern liegt, doch endlich der V 5 l k e r f r n h l! n g kommen mutz.— t r 0 tz' a l l e d e m n n d alledem!"__ Grosza Unterschlagungen bei einer hkriegSgesellschaft. Ueber eine Viertel Million Mar! unterschlagen und in kurzer Zeit mir zwei Helfershelfern durchgebracht Hai der erst 13 Jahre arte Faktursst Kurl M e s.s e r. der gestern von der Krim,- nalpolize: alt Fälscher entlarvt und.scitgenommen wurde. Wie der junge Dkann, der in vollem U m f a n a e g e- ständig ist. angibt, sei er mit seinem Gehal: nich: ausgetommen. Da ihm die Gesellschajt die von ihm erbetenen Vorschüsse nich: bewilligt habe, sei er auf den tÄedankcn gekommen, sich durch Scheckfälschungen das nötige Kleingeld zu verschaffen. Das sei ibm auch ziemlich leicht gefallen, da bei der Gesellichast ein großes Durcheinander geherrscht'habe und eS keinem auf- gefallen' sti» wie er aus den frei umherliegenden Schdckbiicheru mehrere Formulare herausgenommen habe. Um sich in den Besitz größerer Geldsummen. zu setzen, trat«r mit eine:» früheren Bank- lehrling Paul Schön und einem Kaufmann Erich Friedrich zu- sammen. Die entwendeten Schecks, aus denen Messer die Unter- schrislen der Vorsteher aefälsHt hatte, übergab er Schön. Friedrich und Schön erheben, als ib.ten der erste Scheck glatt ausgezahlt wurde, nachchoander eine Liurtelmillion Mark ab und lebten von dem Ge'de aus gxotzein Fuße. Als die Fälschungen bei der Kriegsgelellschast bekannt wurden, geriet der Pro iurr st in den Verdacht, der Scheckfälschzeit zu fern. Dieser, ein Familienvater, beteuerte seine Unschuld, und er wurde, da ihm naturlich auch nickt? nackgewiesen werden konnte,. nur entlassen. � Der junge Messer, auf den nlemanü kam, sab rubig zu, wie der Prokurist Stellung und Brot verlor und unschuldig in den schweren Verdacht geriet. Er ging jetzt sogar noch weiter und beschaffte sich ein ganzes Scheckbuch. Zugleich kündigte er seine Stellung zum>. d. M. Als er sie aufgegeben kalte, versuchte er einen großen Schlag, um mit dem Gel»? dann auf und davon zu gehen. Er stellte einen S-.be ck über 250000 Mar! aus und wollte diesen durch seine. Helfershelfer erheben lassen. Diesmal aber gtzng die Sache schief. Tie Bank schöpfte Verdacht und Krimi- nalbeamte dcZ Dezernats E.- nalincit zunächst den Ertzeber des Geldes und dann auch einen der beiden Freund« Messers fest. Dieser selckst aber war verschwunden, als er merkte, datz sie Sache nicht geglückt war- Den Rest der unterschlagenen Gelder benutzte er dazu, noch eine Nacht durchzutolken und sich selbst am nächsten Morgen der Kriminalpolizei zu stellen. Von dem ganzen verun- freuten Gelde besaß er nur noch 320 M. Mit dem Gelde hatte er sich auch an geichäftlichen Unternehmungen heteiligt. So hatte er einem Manne, der wegen einer Platin schiebung bereits der Krtminalvolizei bekannt war. die Summe von 50 000 M. gegen 7 Proz. Zinsen geliehen von denen natürlich jetzt auch kein Pfennig mehr vorhanden ist. Auch dteser wurde sestgenoimnen und alle vier dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Ei» Millionen-Erbschaftsschwindel. Eine Frau Ullrich anS Halle hatte vor längerer Zsii von einem Verwandten 100 000 M. geerbt. Diese Erbschaft hatte sie verkauft, und da sie mit ihrem Sohne aus großem Fuße lebte. war das Geld bald aufgebraucht. Ilm sich wieder in den Besitz von Geldmitteln zu setzen, kamen beide aus den Gedanken, mit Hilfe. der noch in ihrem Besitz befindlichen ErbschastSpapiere die Erb- sckaft noch einmal zu verkaufen. Als ihnen dies ge- glückt war, legten sie sich ganz auf den Erbschaftsschwindel und setzten sich so im Laufe der Zeit in den Besitz von über eine Million Mark. D'e vorhandenen Papiere fälschten sie zu diesem Zweck. Ebenso die Korrespondenz mit dem Testamenisvoll- itreckor. Dsisn' wohnt in Htldesheim. Wenn sich nun wieder ein Käufer der Erbschaft gefunden hittte, und dieser sich mit dem Testa- mentSvollstrecker in Verbindung setzen wollte, so wurde ihm gesagt. daß dieser sich' zurzeit nickt an seinem Wohnort aushalte, sondern sich aus einer GejchaftSrcijc befinde und Briefe ihm in einem Hotel in Hamburg. Dresden oder einer anderen größeren Stadt erreichen würden. Wenn der Kauflustige dorthin schrieb, erhielt er prompt bichAntworch daß da-s Testament seine Richtigkeit kave und er für vünktliche Auszahlung der Erbschaft Sorge tragen werde. Diese Briefe rührten von einem Hclsershelscr der Schwindler her, der unter dem Namen des Testamentsvollstreckers aus Hildesheim in dem betreffenden Hotel abgestiegen war, den Brief angenommen und beantwortet hatte. Aus diese Weise erbeuteten die Erbsck as:-- schwindler Einzelbeträge von 30 000 und 50 000 M. Nach den b:e- herigen Feststellungen beben sie in Berlin. Hamburg. Frankfürt am Main und in anderen Städten Betrügereien dieser Art ausgeführt. Zuletzt hielten sie sich wieder tn Berlin aus. Hier kamen ihnen Tieamte des Poliz-iamtes Berlin-N'i'.te auf die Spur und nahmen das Schwindlerpärchen fest. D'.e Polizeistelle bittet Geschäd-gte, sich bei ihr zu melden..____ Für 50 000 M. Silbergeld beschlagnahmte die Kriminalpolizei bei einem Landwirt' aus der Provinz, der seinen Silbcrschatz mir hohem Gewinn in Papiergeld umwandeln wollte. Der Land- wirt fiel jedoch aus der Suche nach Gelbauslau-ertr Krim-nalbeoutten in die Hände, die'-um Schein aus das Geschäft eingingen und ihn, als er den Sflberschotz auspackte, mit dem Gelde nach dem Polizei- Präsidium brachten, da er in den Verdacht des g e we rbsmätzi- gen Geldhandels, geraten war. Der lliaubmordversuch im Hotel Kaiferhof. Bei der Versteh- mung des Impresarios Hans Kluge und des Kaufmannes Frie- drrch�K u p p, die bei dem Versuch, einen Banklehrling, den sie in das Hotel Kaiserhos gelockt hatten, zu überfallen und zu berauben., festgenommen worden sind, war der Verdacht ausgestiegen, daß die beiden Verhafteten auch für die Raubmorde an d'.e Ge l d V r ie st r äger Weber in der Spandauer«strafte und Lange in einem Hotel Unter den Linden, die noch der Aufklärung harren, in Frage kommen. Kriminalkommissar Tretiin bat die'' EnklastungSangaSen der Verväststigten nachgeprüft und sie gestern noch einmal eingehend verhört. Die Untersuchung ist noch nicht völlig abgeschlossen. Tie Oster-Radrcnnen in Treptow Das für den Zweiten Feier- ve ringt 5 Uhr. zur Entscheidung. Am ersten Feiertag erfreute sich die Direktion eines Bomben- erfolfleS. Im In neu räum iowie vom Stehplatz bis hinauf zu den Tribünen umsäumten die Züschauer die Bahn in beängstigender Fülle. Mehrere klcttergeuxtndte Sportjünger vertauschten sogar ihren Stehplatz mit einem znichliigireien Sitzplatz aus den. Bäumen oder auf dem Dach de» Divektionsgebäudes. Di«, sportlichen Dar- bietuitgen waren'.-eckst gute. In einem Dauerrennen üver ,0 Meilen maßen Appelh'ans, Bauer. L e!v a n 0 w und Techmer ihre Kräfte. Das Rennen wurde in zwei Läufen über 25 und 50 Kilomeier nach Punkiwertung ausgefahren._Nick an- daiierwd scharfem Kamps gelang e? Lewanow im Gesaniellassc.. ment knapv vor Appelhans als �-eger hervorzugehen. Baueb lrm infolge RadschadenS etwas in? Hintevt reffe« und Techmer vor- moSte noch nicht zu sftner vorjährigen Form wieS-er aufzulouiest. Auch in d-m stark besetzten Fliegerrennen kam e» zu ipaunenden Kämpfen. In?llfwesen!jeft der Etziraklasse waren hrer insbesondere H ahn, T: e tz und Abraham die Helden des Tage?. ' Nachstehen» die Ergebnisse: 1. Feiertag. lO-Metlen- Rennen, I. Lop über 25 Kilometer: 1. Lewanow 22 Mm. 21 Sek, 2. Tauer 230, 3. AptzelhanS 900, 4» T-ckmer 2070 Meter zurück-- 2. Lauf über 50 Kilometer: 1. Appelhans 40 Mm. 27 Sek, 2. Lewanow Ö10, 3. Bauer 2020, 4. Techmer 3930 Meter zurück. Gesa mtklan« raen.; I. Lewanow: 3 Punkte, 2. Appelbans: 4 Punkte. 3. Bauer: 5 Punkte, 4. Techmer: 3 Punkte. — Oster-H and ikap. 1500 Meter: 1. H a b n M 2 Mm. 2 Sek.. 2. C.chM Tietz(0O\ 3. Radomsli(100), 4. Cito Tietz �lo'O Meter Vorgabe).— P r ä m t e n f a h r e n, 20 Runden: 1. Otto 7-ev l!) Min. 9 Sek.. 2. Abraham. 3. Schulz, 4. Radomoti.— P ra m'.- n- i fabren. 12 Runden(Einlage): 1. Abraham 5. Mm.»SÄ.. !?. ReinaS. 8. Dahn?.-. C K. Müller. Troit fahre t, 1000 Meter: 1. Strahn er I Min. 33 Sek., 2. Münzner. 3, Pctri, 4. Rabich. Fmc Tnrncr'chott Berlin Tie 4. Abteilung(R e 11 1 ö 1 1 n) bot fob ! nenbt TnrtMende iilr Männer, Frauen, junge Mädchen und Lehrunge: � Mittwochs 2„«halle Rütiistf ahe. Freitags lurnballe«vl'sstrave, abends I«on 8—)0 Uhr. lieber das Sitzdtr IMtlSN tn t'ieulölln crjolp! noch uocherc Bekannlmachuiig.__ tsiioft-Berüner Lebensmittel. ?>It<«liemr?«. lZti oranim TeiOvare»; 210©ramm KartofMärke-f melsi uns ISO«»«mm Älalsilockit(1(0; 1 Hering, 1 Büchs- Fletsch unv I Pitzbse Leberwurst l11>: 250 Gnmim»lartoisetioalzmebl is. a. g. Kai- toiselkaiie) Für tlriegsdeschädigie 250 Gramm Narlossclirfalzmehl. Aus Rähruiilteltarre SO»<5tro"ini SiuDcln. In den Per'ansöstellen I und II im Äpftl aus-Altmetalle 250 Gramm Haferflocken. 500 Gramm Erbsen, 230 Gramm Audi in, 2 Pakete MlchsUhssscise imi 1 Paket Acts, S?oß-Aer!mer partsinachrichten. Heut« TienStaz, 6. April: Kiveniit. 7 Uhr, im- Baycrnhos. Kvnfmenz aller Funttionäre und Elternbeiräte. Morgen Mittwoch, 7. April: 24. AR. Mitssvoch. den 7. April, 7 Uhr, bei RiSSner, JmmalmeMrch- stras-.e 25. Tiyunq der VartrisuMtionare. 2d. Abi. 7h IIb», Sitzung oer FunktchnLr« und BetrielsverirauefiS- leme bei Astmann, Rytrsir. 2. Ehacliilteuburg. Fr'rtsetzung der Gcuerawersammlung 7 Uhr bei Eck- manu,-Scharrenstt. ZI � Lichteulferg. 7 llye Kvnserenz der Poiteisunttionäre und Betriebs- DtrrrauenSlcute. «övcnitt. 7 Ubr im Siaditbeaiee große nfMtlich« Bmsanmwttzg mii dep, Thema:„Die letzten Potgouge im Reich". Vorträge, vereine rniS Versammlungen. Reichobnuv für Kricgsbcschavrgle iRitwvch, 7 Uhr, in de: Aula, 2ierch«nbcrger S». 07. Thcm.-:.R-chte Wimen vcs Bodenerwerbs fü» KapitalSschwackze".—«rbeitSzemcinsilzast tozialittrschcr Ralionalplom-meu. Donnersrag. 7h Uhr, sprichr Gen. Dr. Riistow über ProdulnonspoUltt und Sozialtsierimg in ver Landwirtschast im Weihenstesan, Schdnebcrgcr User At. Gaste wiltkommc». :vd Wetterbericht bis Mittwvchmittng. Ziemlich kühl, meist be- ilkiz zunächst noch Rezen fälle, jpvtsr langsam aufklarend. Berantw. nir oc» rehoitio». Teil: Aetni- zickl«, Cbarlottei-bura: iür 5 n,ciac':: Sh. Glocke, Berlin. Berloa: Barworte-Verlaa V. m. b. b.. Kerlin. S)ciid: Vr r» n'Ätts-Luchdruckere: u. Leriousanstali-Paul Singer u. So, Berlin, Lmdentzr, X SeRs/lßianc&Jk- GrJwnAfiirterJtr IBruixiorkrtp-}(ottBüJ*rlDarnm•IMnßsJdorferJfr <&(eirjfii®JfJl® a1«m Baumwolle� neue Ausmusterung, riUSSeim auch Dirndl-Muster...... Voll-Volle bedruckt, Blumenmuster C—l- 1_ J JL_£,/ doppeltbreit, hei! oder dunkel Scnlelerstott gemustert..... Meter . Meter 1 Meter weiss, doppeltbreit... 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