Nr.lSI. 37. Jahr,. Bezugspreis: ? i L,— an L monotL T,— 3RL fr« in» Hau», voraus zahlbar. Post- oszug: Monatlich 1,— Ml.«jfl Zu- itellungsgediihr. UnierAreuzdand für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 10.2 i Ml. für da» übrige Ausland 14 50 Ml. bei täglich einmal. Zustellung 2 50 Ml. PoltZeitellungen nehmen an Dänemarl. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Ein« getragen in die Poll- Zeitung»- Preisliste. Der»Vorwärts� mit der Sonntag»» beüage.Voll u. Zeit" ericheint wochen- iäglich zweimal. Sonntag» einmal. Telegramm-Adrelf« �kozlaldemotral Berlin-. Morgen-Ausgabe c z berliner Volksblstt Anzeineuprcis: Die achtaeipaltene Z!oiwareille>eile lostet Z 50..!.,T»uerimgSiU>chIag5v�». Fleins Unzeigvn-, das ictt- gedruckte Wort 75 Psg. lzulüsstg zwei seluzedruckte Wortes, ude-. weitere Won 50 Pfg. Stellengesuche und Lchlafstellenanzeigen das ersir Aort 55 Psg. sedes weitere Wort 40 Psg. Morte über 15 Vilchstabeu zählen für zwe: Worte. Tcuerungszuschlag Z0>/» Familien» Anzr.zen. oolitiiche und gewcrtichaitliche Pereins- Sluzrigen 2,— Ml. die Zeile olsiii Aufschlag. Anzeigen für dir n ä ch>t e Rümmer mllilen bis S Ahr nachmittags im Hauotgefchafi, Rerii» SW Iii. Lürdeu- slraßc 3, abgegeben werden. Reostnet von S Uhr frills di» 5 Uhr abend». Zcntraiorgan der roz»aldemokrat»rcben Partei Deutfchlan s Neöaktion und Expedition: SU). 68, Lindenstr. 3. Üernivrerüer: Amt Mortttvialf. Nr. IZ» iW— 131 i>7. Freitag, den 9. Zlpril 19�0. QMiHjBMiiwwwiijMiijP iiinHn ii i �r- rz'�rrr�T'jrxmimssmm Voersärts-Verlae G.m.b. h., SV). 68, Lindenstt. Fernsprecher: Amt Moriyplai;, Nr. 1l.7»»Z— 51. WSBtOMKSKTätoS? i5S XTTT.. JffSartöflBKISÄKnr JJW-1 /Auflösung der Einwohnerwehren. Die Preußische Staatsregierung hat nach Meldung der„Dena" am Donnerstag beschlossen, die Einwohnerwehren auf- zulösen. Im Anschluß au den hieraus b?ztiglichrn Erlaß der Reichsregierung werden die Oberpräfidenten sofort entsprechend angewiesen werden. . Der Reichsmimster de? Innern hat den deutschen Lande?- ragierungon die Note de? General? Rollet mitgetei-lt und folgendes hinzugefügt: Wenn auch die Ausführungen der Note, die von dem mili- tüvrschen Charakter der Einwohnerwehren spvechen, zum größten Teil auf nnzutr-fferiden Voraussetzungen beruhen, so sieht sich die Reichsrog-ierung zu ihrem Bedauern doch nach Lage der Ver- hÄmisse gezwungen, von erneuten aussichtslosen Gegen- vor st eilungen abzusehen und die Regierungen der Länder zu ersuchen, die Ausführung des Verlangens als- bald in die Wege zu leiten. Anderseits aber muß anerkannt werden, daß die Verhältniffe sich infolge der letzten Ereignisse vielerorts so verschärft haben, daß es heute mehr denn je unmög- lich ist, der Bevölkerung den Selbstschutz zu verweigern. Auch wird m den Städten die Rücksicht auf die großen vorhan- denen öffentlichen Vorräte und wirtschaftlichen Werte, sowie auf dem Lande die Sorge für die Erhaltung der Nahrungsmittel zu der Prüfung nötigen, wie die erforderliche Sicherheit gewähr» leistet werden kann. Es wird deshalb anheimgegeben, dort, wo ein genügender Schutz durch Reichswehr, Sicherheitspolizei und andere Polizeiovgane nicht gegeben ist. gleichzeitig für einen Ersatz durch eine nach den örtlichen Verhältnissen zu gestaltende anderweitige Schutzorganifation zu sorgen. Hierbei ist genau darauf zu achten, daß jeder Anschein oermieden wird, der auf Verletzung der in dem Schreiben des Generals Rollet ange- führten Besrimnvungen des Friedensvertrags schließen lassen könnte. Insbesondere ist die Bewaffnung mit Militärgewehrcn, die nach dem Friedensvertrag abzuliefern sind, unzulässig, und es ist auf eine andere Art der Bewaffnung Bedacht zu nehmen. Jede militänilsche Uebung ist unter allen Umständen zu unter- lassen. Aus etne erweiterte Zuziehung aus Kreisen der arbeiten- den Bevölkerung wird, wo dieses bisher nicht geschehen ist, be- sonders Bedacht zu nehmen sein. Es sind einfach Ortswehren zu errichten. Hoffentsich gehen die organisierten Arbeiter und Angestellten in solcher Zahl hinein, daß wir vor ähnlichen Kappereien, wie sie viele Einwohner- wehren verbrochen haben, in Zukunft sicher sind. die Vorgeschichte öes Einmarsches. Berlin, 8. April.(WTB.) In der Note der französischen Re- gierung an die Botschafterkonferenz wird behauptet, daß die Mili- t a r i st e n Kopps den Einmarsch in das Ruhrgebiet erzwungen hätten. Auch eine Havasmeldung will beweisen, daß der Einmarsch- plan unter Kapp entstanden sei; der Unterstaatssekretär v. H a n i e l habe unter beiden Regierungen gewirkt und die jetzige Aufgabe sei einfach von den kappistifchen Rebellen auf die legale Regierung übergegangen. Dieser t e n d e n- z i ö s e n und unrichtigen Darstellung gegenüber sei festge- stellt, daß der Unterstaatssekretär v. Haniel am 17. März eine Instruktion an den deutschen Geschäftsträger in Paris gerichtet hat, in welcher eS heißt: „Heeres-Friedenskommission hat General Rollet um Ge- nehmigung Einrückens von 6 Bataillonen, 2 Eskadrons und 8 Batterien ersucht. General Rollet hat diese Forderung abgelehnt und die Annahme der weiteren Anträge einer nicht a n e r- kannten Regierung verweigert. Bitte unverzüglich an zuständiger Stelle beantragen, daß alliierte Regierungen der vor- übergehenden Entsendung der bezeichneten Truppenmengen z u- st i m m e n, Sie wollen mit Rücksicht auf Stellungnahme General Nollets darauf hinweisen, daß Antrag von verfassungsmäßiger alter deutscher Regierung ausgeht, g r ö B t e Eile geboten, damit nicht in dem so wertvollen Industriegebiete durch verspätetes Eingreifen der Truppen Aufruhr weiter um sich greift." Damit wird der Versuch, die Ruhraktion als eine Erbschaft der militaristischen Meuterei hinzustellen und jode Ver- dächtigung, als ob der Unterstaatssekretär v. Haniel mit der Kappregicrung zusammengewirkt habe, hinfällig. Wir können diese offiziöse Verlautbarung nicht ohne eine Bemerkung unsererseits hinausgehen lassen. Zwar ist die Haltung des Unterstaatssekretärs v. Haniel während des Kapp-Putsches absolut einwandfrei gelvesen und die ganze Argumentation Millerands ist nur der Ausdruck eines nach Vorwänden suchenden schlechten Gewissens. Aber es steht fest, und das wird in dieser Erklärung übrigens b e st ä t i g t, daß die verfassungsmäßige Regierung Bauer-Müller-Noske am 17. März, also von Stuttgarr aus, durch Herrn v. Haniel um Einmarsch- erlaubnis ins Ruhrgebiet gegen eine sogenannte Rote Armee ersucht Hot. die größtenteils aus Arbeitern und Angestellten bestand, die- für die Republik gegen die Reaktion kämpfte. Diejenigen, für deren Niederwerfung„größte Eile geboten" war, waren also in erster Linie m e h r h e i t s- s o z i a l i st i s ch e, demokratische, unabhängige und christlich- soziale Arboiter, und von einem„Aufruhr" war damals im Rrrhrgebiet nur auf seiien der Freikorps Lichtschlag, Schulz usw. etwas zu merken. Die Reichsregierung ist damals von den Militärs gröblich irregeführt wor- den. Daß später sich die Sachlage veränderte und, nachdem die organisiert« Arbeiterschaft aus Grund des Viele- selber Abkommens misgeschieden tvar, ein halbbolschewisti- sches, halb verd reche risches Bandenwesen entstand, ist für diejenigen, die schuld an dieser Jrrefübrung sind oder die sich baben irrefiihren lassen, keine Entschuldigung. Es ist zwar bedauerlich, daß Herr Millerand diese Zusammen- hänge für seine. faule Sache auszuniitzen versucht, aber wir nützen unserer Sache auch nicht, indem wir über diese Tinge schweigen, die das Ausland ken-nt und bespricht. das Expose Milleranös. Z» der in unserer Tonnerstag-Abendausgabe bereits veröfsentlichten NoteMillerands wird von zuständiger Seite mitgeteilt: Aus dieser Rpte geht hervor, daß die französische Regierung ohne Zustimmung ihrer Verbündeten vorgegangen ist, ja, daß die Botschafterkonferenz aus eine Anfrage Frankreichs am LS, März erklärt hat, die Besetzung Frankfurts und Darm- stadts erscheine zurzeit inopportun. Die Erklärung des Unterstaatssekretärs Paleologue wird mit keinem Wort erwähnt, dafür wird aber eine sofort als rein private 'Aeußerung charakterisierte Bemerkung des Ministerialdirektors G ö p p e r t, er glaube nicht, daß Deutschland ohne Frankreichs «Einwilligung in das Ruhrgebiet einmarschieren werde, fälsch- licherweise in ein Versprechen Deutschlands an Frank- reich umgewandelt. Schließlich wird vollkommen ver- schwiegen, daß wir bereits am 4. April in Paris mitteilen ließen, mit welch relativ geringe? Truppenanzahl die Ruhr- aktion durchgeführt werde und daß sie in sieben Tagen er- ledigt sein solle. Diese Tatsachen hätten in die Dispositionen der sranzösischen Not« nicht hineingepaßt, die als Hauptargument für das militärische Vorgehen Frankreichs anführt, daß die Besetzung der deutschen Städte für die Sicher- heit Frankreichs unbedingt nötig gewesen sei. Auf die übrigen Entstellungen-und Auslassungen der französischen Note wird von maßgebender Seite noch näher einzugehen sein. Italien vor ernsten Erschütterungen. Ei» Manifest der sozialistischen Partei. Mailand, 8. April.„ N v a n t i" veröffentlicht fnlgetidc Erklärung: Die Leitiing der sozialistischen Partei Italiens nimmt an, daß die fortdauernden Vergewaltigungen und Exzesse, die sich in verschiedenen Teilen Italiens immer wiederholen— alles Anzeichen, die auf die immer schwerer werdende Lage hinweisen—, zu einem revolutionären Ausgang führen müssen, Dcshalb hält die Parteileitung es für dringend»olwcndig, daß sich das Pro- lctariat auf eine geschlossene Aktion vorbereitet,»m sich die Achtung der öffentlichrn Freiheit zu erzwingen, die bürgerliche Reaktion zu zerschmettern und die kapitalistische Regierung niederzu» schlagen. Rom, 8, April. Nach Meldungen ist in Pisa, Florenz nnd Livorno der Generalstreik proklamiert worden. Auch die Eisenbahner nehmen daran teil. Mailand, 8. April. Die Blätter berichten, daß der in Bologna ausgebrochcnr Proteststreik fortdauert, doch haben die Eisenbahncr dcs ganzen DistrikS Bologna de« Dienst wieder aufgenommen. Rom, 8, April. Die Biätler berichten, daß in Bali ungefähr 10 000 Landarbeiter in die Staatsdomänen eingedrungen sind. Die Truvpcn baben die Arbeiter umzingelt; man befürchtet, daß eS zu Zwischenfällen lominen wird. Zusammcnstöste in Modena«nd Bologna. Mailand, 3. April.„Secolo" berichtet au? Modena, daß es Mittwoch zwischen der Menge und den Karabiilieri zu neuen Zwischenfällen gekommen sei, wobei eS 4 Tote und 50 Verwundete gegeben babe. Nach einer Proteslversanlmluiig in Decima in der Provinz Bologna veriuchlen Demonstranten mit einer roten Fahne an der Spitze in Gebäude der Stadt einzudringen. Der Weg wurde ihnen jedoch durch Karabinieri versperrt, die im Verlaufe des Tumults Feuer gaben. Ein Toter blieb auf der Stelle liegen, 50 Demonstranten wurden verletzt, von denen drei gestorben sind. Der Militärputsch., Von Carl Legic n, II. Von der U. S. P- und der Berliner Getverkschastrl'oitt- Mission uwrni in diesen Togen Forderungen' ausgestellt, die zu erfüllen waren, wenn der Generalstreik abgebrvwen werde!! sollte. Da beide Organisationen erliärton. von weit,. n Zielen, wie Diktatur des Proletariats und politisch« Rare organisation zunächst absehen zu wollen, so blieben schließlich nur Forderungen, die auch von den i i cwertj i i astszeut raien uno dem D. B. B. vertreten wurden. So konnten die Verhau i- l n n g e n mit allen a in General st reik ij e t e i 1 i u- ton Organisationen wieder aufgenommen werden. iFu deren Verlans wurde von der ll,?, P. verlangt, daß nicht die bisherige Regierung wieder in ihr Amt eintreten solle, sonb. ni daß ein« reine A r b e i t e r r e g i e r, n n g einzusetzen sei. Zu einer solchen würden'eventnell auch die C.H'r i stl i ch e n Gewerkschaften und die H i r s ch u n ck e r i ch e u G« Werkvereine herynzuzieb n sein. Beide Orgmiisatioini- gruppen hatten bereits ain 18. März erklärt, fic! rejitss dem Generalstreik anzuschließen. Di' Olewerkschastezestmlen tvaren bereit, diese Forderung niltznvertreten, unt'-- der Voraussetzung, daß die Ardeitcrregicriliig im Einversländn's mit den Regierungsparteien zu errichten sei. Nur dann Wiste sie er,- stenzfähig und eristeuzberechiigt. Tie über diele F.'ge gefuhr- ten Verhandlungen mit den Fraktionen des Reichstages verliefen ergebnislos. In den bekannten acht Punkten waren iie Forderungen der am Streik beteiligten Organisationen-m mm. gefaßt. Neben diesen wurde die Nichtwiederkebr einiger Minister der drsherigen Regienmg verlangt. Die Verband! imo.n über die acht Punkte mit den in Berlin anwesenden Reichs- nnd preußischen Staatsministern und Vertretern der Regie rungsparteien begannen am 18. März in den Abendstimd-'N. wurden am 13. März abends fortgesetzt und kamen am 20. Min, morgens 5 Uhr' zum A b s ch I u ß. Es fehlte ftivt an heftigen Zusammenstößen, jedoch waren die beteiligten.streife im allgemeinen zu einer Verständigung geneigt, die in on",r Form erfolgte, die den Abbruch des Generalstreiks möglich machte. Die Vertreter der am(Generalstreik beteiligten Or ganisationen hatten geduldig die ganze Narbt hindurch auf den Abschluß der Verhandlungen mit den Regierungsparteien ge- nxirtet. Am 20. März morgens 7 lliir wurde von allen Br teiligten der Abbruch des Generalstreiks beschlossen. Nur die U. S. P. weigerte sich, den Aufrilf'.n unter- zeichnen. Ihre Zentrale, so erklärten ihre Vertreter, müsse rvji in besonderer Sitzung'Stellung nehmen. DieseS Verhalten wurde von den der II. S. P. angehörenden Gewerkschaftsvertretern äußerst scharf gerügt. Der Generalstreik wäre gemäß diesem Beschluß am Mon-" tag, 22. März, abgebrochen worden, obgleich die Zentrolstreil- leitnng nnd ein„Komitee revolutionärer A rl»ei- ter" zu seiner Fortsetzung aussorderten. Da mußte wieder einmal die AN litärverwaltung hindernd in den W- 1 treten. Tie Straßen Berlin? waren am 22. März irr ein Heei lager verwandelt. In den Vororten kämvsten Regier uNg-- truppen gegen bewaffnete Arbeiter. Diese hatten zu den Waffen gegriffen, um den Kapp-Putsch ahzuwedren. Zum Dank dafür stellte man sie nun vor die Standgerichte, die von d-n Befehlshabern der Regierlingstruppen eingesetzt wurden. Di e> selb e n T r u p v e n, d i e bei dem Einmarsch d c>- Baltikumer völlig versagt hatten, wa ren m i: di? r'+ A Die folgen der Enthastung. Aus Wilhelmshaven meldet uns ein eigener Trahtbcricht: Tie aus der Schutzhaft entlassenen Offiziere suhlen sich wieder stark und beginnen unter den Truppen eine bedenkliche Agitation, die leicht zu großem Unglück führen kann. Das Stationskommando dürfte zu scharfen Gegenmaßnahmen gezwungen werden, wenn die OsfizierSwühlcreicii in der Truppe in dieser Welse fortgesetzl werben. gemacht worden. einem Male zur Stelle, um a e g e n b ss i t e r s ch a f t z u kämpfen. Mit vollem Recht«-klärte diese, daß sie nicht die entsetzliche Not eines achttägigen Generalstreiks ertragen hätte, um wieder vom M'litär dranawl-e:-!, zu werden. Sosort eingeleitete Berhandlitr..en mit d-.',u Reichskanzler Bauer führten zu einem guten Ergebnis. De Truppen wurden zurückgezogen, die Standgerichte, resyektivr der verschärfte BclageriinoZzusWnd aufgehoben, VerhanMiNgen wurden eingeleitet zur Einstellung der organisierten Arbeit- nchmerschaft in die Sicherbeits- und nemmschaffende Ortswehr. Nunmehr konnte der Generalstreik endgültig abgebrochen w-v. den. Ter Beschluß wurde am 22. Mörz nachts 12 Uhr Jetzt unterzeichnete auch die Zentrale der Ist S. B. den... � ruf, so daß eine weitere Gegenaktion der Zentrakstrokkleitung. bedeiltimaslos wurde. Mit dem Abschli-ß des st mivfes w---r die Ailfgche der Zen. trale fi«? die Streifsührung nicht erfüllt. Tbr twten mmmeh.! auch die Christlichen und Htrsch-Dunckerslhen Gewerkschaften �bei. Sie hat bei der Neubildung der Negieriivgeu im Reich jinid in Breußcn mitgewirkt: sie bat begosinen. d'? acht Punkt' durchzuführen k sie bat wescntftchev. Einfluß auf die Beilegung des Konfliktes im Ri'brrevier ausgeübt. S i e b i l d e t b e u t- die Stelle zur Einigung der gesamten Arbeit» nehmerschaft. Wird sie dies bleiben und ihre Aufgaben erfüllen können? Dj? Fwa« ist bei dp, widerstreitenden Mei nunaen und Interessen nicht glatt zu beantworten. Sie kann es bleiben. festgebalte wenn wir! an den Ihne bisheric arr Bereinb rnngen allseift.-, ..aii.uiianen'.' Der Reichs re gierung ist Mitteilung.weitergehende polifti« Plä.ie.ll u f-» I meinsam fiir die Durchfiihrung der acht Punkte gearbeitet wer» Die Reichswehr im Ruhrgebiet. Einrücken der Reichswehr in Düsseldorf l Düsseldorf, 8. April.(Eig. Drahtbericht d.„Vorwärts".) Nachdem am Mittwochabend von Kctwig im Landkreis Esse» kom- mend Reichswehrtruppen den im Landkreis Düsseldorf gelegenen Ort Hösel beseizten und Mitglieder der S. P. D. und U. S. P. D. verhafteten, wurde am Tonnerstagnachmittag die Nachricht von einem drohenden Einmarsch der Reichswehr- truppcn in Düsseldorf bekannt. In Düsseldorf herrscht seit dem Abrücken der Reichswehr am 19. März völlige Ruhe. Eine Arbeiterwehr versieht den Ordnungsdienst, über welchen sich der Oberbürgermeister von Düsseldorf in anerkennendster Weise aus- gesprochen hat. Begreiflicherweise hat sich der Bevölkerung Düffel- dorfs angesichts des drohenden Einmarsches der Reichswehr eine grosse Erregung bemächtigt. Ein neuer General st reik droht zu entstehen. Wie das am 19. März abgerückte Militär in Düsseldorf gehaust hat, zeigt der Umstand, daß alle Parteien ein- schließlich der Dcutschnationalen die Abberufung des mili- tärischc« Befehlshabers und der Düsseldorfer Reichswehr verlangt hatten. An die R e i ch s r e g i e r u n g und an den Rcichskommissar S e v e r t n g wurde daher ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt: In Rücksicht auf die bisherige Abwicklung der Dinge in Düsseldorf erscheint uns nach der augenblicklichen Lage zu urteilen das bevorstehende Einrücken der Reichswehrtruppen in Düsseldorf unzweckmäßig und unangebracht. Wir bitten keine Maßnahmen zu treffen, che Freitag eine in Münster eintreffende Abordnung aller Parteien des Stadtvcrordnctcnkollcgiums gehört worden ist. Rmneftie! Düsseldorf, 8. April. Abg. Gen. W o l d t, der zurzeit mit Abg. Hue das Industriegebiet bereist, hat einen: Vertreter der „Düsseldorfer Freien Presse" mitgeteilt, daß ein Erlaß des R e ich s- Präsidenten in Vorbereitung sei, der die Frage der Amnestie für die Roten Truppen regelt. Danach sei beabsichtigt, allen An- gehörigen der Roten Armee, die bis heute ihre Waffen abgegeben haben, Straffreiheit zu gewähren. Ihrer Rückkehr in die Heimat steht also nichts im Wege und sie haben nichts zu fürchten (wenn die Truppcn fort sind! Red.). In Essen hat der Reichswchrführer schlankweg alle Versamm- lungcn verboten! Unabhängige und Reichswehreinmarsch. Aus dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: Die„Fveihcit" hat wiederholt bestriiten, daß von ihren Partei- freunden der Einmarsch der Reichswehr im Ruhrrevier verlangt worden sei. Insbesondere hat Joseph E r n st, Althagen, der Führer der Unabhängigen im Ruhrrcvier, wiederholt bestritten, den Einmarsch verlangt zu haben. Diese Behauptungen sind durch- aus unwahr. Joseph Ernst hat bereits am 27. März in einer Depesche an den Reich siommissar Severing unter anderem folgen- des gedrahtet:„Gegen Mülheim und Wesel müssen im Notfall nach Berstündigung einwandfreie Truppcn unter Aufsicht eingesetzt worden." Am L8. März telegraphiert er, daß die Unabhängigen der Kreise Hagen, Schwelm, Altena, Iserlohn, Lüdenscheid, Schwerte, Witten, Remscheid einstimmig beschlossen hätten, sich mit allen Mitteln, auch mit der Waffe in der Hand, gegen jeden Terror, sowohl von rechts wie von links, zu wehren. De ihm unterstellten Kampstnippenfühwer lehnten es ab, der Müliheimer Leitung zu folgen. Arbeitertruppen, die am 28. März vormittags gegen den Willen ihrer Leitung sich nach Mülheim in Marsch setzten(zur Unterstützung der Roten Armee! Der Berichterstatter), sollten ent- wasfnet werden. Dr. Stern aus Essen, der politische Redakteur der unabhängigen„Rrchrwacht", wandte sich bereits fünf Tage vor Ostern telephonisch an das Reichskommissariat in Münster und bat um das Einrücken der Reichswehr. Am 1. April ging bei dem Reichskommissar Severing folgende Depesche ein:„Nach unserer ! einmütigen Auffassung der Lage ist sofortiges nachdrückliches Vor- gehen der Reichswehr das einzige Mittel, Duisburg und Umgebung ! vor äußerster Not und Elend zu schützen. Wird unserem dringen- i den Notschrei nunmehr nicht sofort entsprochen, so lehnen die unter- ! zeichneten Parteien die Verantwortung für die weitere Entwick- | lung der Dinge ab. Gleiches Telegramm ist an Reichskanzler ab- ! gegangen. Sozialdemokratische Partei, Unabhängige Sozialdcmo- ' lratische Partei, Stadtverwaltung Duisburg." In Gegenwart des ; Schreibers dieser Zeiten erschienen beim Reichskommissar Severing ! in Münster zahlreiche Deputationen von Stadtverwaltungen und i Ärbeitcrvertretungen, an denen Unabhängige beteiligt waren, die j bereits am 27. und 29. März den Einmarsch der Reichswehr ver- ! langten. Nun aber wäscht das unabhängige Zentralblatt wie j Pilatus die Hände in Unschuld und sucht der Regierung die alleinige Schuld für den Einmorsch der Reichswehr in die Schuhe zu schieben. Den Unabhängigen war ebenso wie den Kommunisten die Sache im Ruhrrevier über den Kops gewachsen. Während zahlreiche ihrer Leute aus den verschiedensten Orten um den Einmarsch der Reichs- ivehr baten, gelang es den Bemühungen der Mehrheitssozialisten, insbesondere des Abg. O st e r r o t h, den für Menstag, den 30., geplanten Einmarsch bis zum 2. April hinauszuschieben. wodurch das größte Blutvergießen oerhindert worden ist, denn in- zwischen ist die Rote Armee infolge Nahrungsmittelschwierigkeiten und Reorganisationen zum größten Teile auseinandergelaufen. Den Unabhängigen fiel in Remscheid Aktenmaterial in die Hände, aus tem hervorzugehen scheint, daß General Watter in bezug ans den Kapp-Putsch belastet ist. Abg. Osterroth, dem von dem unabhängigen Abg. Br a ß Einblick in einzelne belastende Briefe gegeben wurde, bemühte sich daraufhin persönlich beim Reichskabiuett und beim Reichspräsidenten um die Abberufung des Generals Watter, da er in dieser Mberufiing eines der wesentlichen Mittel sah, um eine friedliche Beilegung des Streites im Ruhrrevier herbeizuführen Der Reichspräsident er- klärte ebenso wie die Regierung, daß sie auch vor General Wattcr nicht Halt machen worden, wenn sich seine Beteiligung am Kapp-Putsch aktenmäßig nachweisen lasse. Sie baten um Bor- legung des Aktenmoterials. Abg. Ostcrroch hat daraufhin so- wohl den Zentralrat wie den Abg. Braß telephonisch und tele- graphisch um sofortige Uebersendung des Aktenmaterials an die unabhängige Parteileitung in Berlin ersucht, damit dies« es der Regierung zur Einsicht vorlegen könne. Trotzdem ist bis heute von den Unabhängigen kein Material vorgelegt worden. Sollte auch jetzt noch der agitatorische Erfolg gegen die Regierung den Un- abhängigen die alleinige Richtschnur ihres Handelns sein? Bc- zeichnend ist auch, daß die unabhängigen Führer im Ruhrrevier die ausländischen Korrespondenten geradezu umschwärmten. Man kann sich daher des Eindrucks nicht erwehren,, daß das Ausland nur aus unabhängigen Quellen informiert wird. Wir wollen die Besetzung der mittelrheinischcn Städte durch die Franzosen da- mit nicht in Znsammenhang bringen. Daß sich aber die unabhän- gige Parteileitung weigerte, den Protest des Gewerkschaftsbundes und der Sozialdomockratischen Partei gegen die Invasion mit zu unterzeichnen, sondern«ine eigene, immerhin mildere Erklärung faßten, gibt angesichts dieser Sachlage sehr zu denken. Neuere Zwischenfälle aus dem Ruhrgebiet sind nicht gemeldet. De Ruhe scheint einzukehren. De Reichswehr behauptet starke Verschicbungen von Kriegsmaterial ins unbesetzte Wuppertal. Die Kölner Abgg. Genossen Meerfeld und Sollmann haben an den Reichskommissar Severing gedrahtet: lieber 1909 Rotgardisten sind in Köln eingetroffen ohne Mittel und Verpflegung. Für die. notwendigste Verpflegung wird vorübergehend gesorgt. De Leute weigern sich, ins unbesetzte Deutschland zurückzukehren, da ihnen dort die standrechtliche Erschießung oder sonstige schwere Bestrafung droht. De Abgeordneten bitten dringend um aus- reichende Maßnahmen, die Schutz und Sicherheitsgeleit verbürgen. den. Geschieht dies ohne Hintergedanken, so wären wir sicher einen Schritt vorwärts gekommen zum Ausgleich der Gegensätze in der Arbeiterklasse, der erfolgen innß, wenn wir unser Wirtschaftsleben wieder aufrichten wollen. Aber, wenn auch diese Einigung nicht voll erreicht werden sollte, wissen wir nach den Vorgängen in diesen Märzwochen eines sicher: eine reaktionäre, eine militaristische Regierung kommt in Deutschland nicht wieder. Gegen diese wird die Ar- beitnehmerschaft sich immer so zusammenfinden, wie es ill diefim Abwehrkampf geschehen ist. Gberft Epp- Kappist? Halle, 8. April. 37. Jahrgang Heilage des vorwärts Ireitcig, y.�prtt1H2H die krankenverflcherung. Von Richard Meier, M. d. N. Der Ausschuft für Volkswirtschaft in der National- Versammlung beschäftigte sich in seiner Sitzung am Mittwoch vor Ostern mit dem Entwurf einer Verordnung über die Heraufsetzung des Grundlohnes und Ausdehnung der Ver- sicherungspflicht in der Krankenversicherung. Im Interesse der Versicherten ist von allen Seiten seit längerer Zeit eine Seraufsetzung des Grundlohnes sowie eine Ausdehnung der Versicherungsp flicht gefordert worden, und es ist zu begrüften. daft die Regierung die Ver- ordnung endlich vorlegte und der Ausschuß sie noch vor der Osterpause verabschiedete. Ter Höchstsatz des Grundlohnes, welcher nach der R.V.O. im Falle ihres K 18s), Absatz 1, 6 und in den Fällen deS Absatzes 2 und 4 daselbst 6 M. betrug, ist durch? 1 der Bekanntmachung, betreffend Krankenversicherung und Wochen- Hilfe während des Krieges, vom 22. November 1917 auf 8 und 19 M. heraufgesetzt worden. Seit dieser Zeit hat der Geldwert eine weitere, ganz ungewöhnliche Minderung er- fahren, und die Preise für alle Bedürfnisse sind dement- sprechend angewachsen. Die Arbeitslöhne sind gleichfalls sehr erbeblich gestiegen. DaS Krankengeld, welches nach der R.V.O. die Hälfte des Grundlohnes beträgt und durch die Satzung bis auf drei Viertel des Betrages erhöht werden kann, ist insolge der erwähnten Begrenzung des Höchst- maftes für den Grundlohn nicht weiter gestiegen. Sein Verhältnis zu dem wirklichen Arbeitsverdienst hat sich daher bei einer sehr großen Zahl von Versicherten zu deren Ungunsten ganz wesentlich ver- schoben. Von allen Seiten wird lebhafte Klage geführt, daß die erkrankten Versicherten mit dem ihnen zukommenden Krankengelde nicht mehr die notwendigsten Bedürfnisse für sich und ihre Familie beschaffen können. Daß ein solcher Zustand aus die Wiederherstellung der Gesundheit höchst nach- teilig wirken muß, liegt auf der Sand. Das Bedürfnis nach einer abermaligen und zwar erheblichen Erböhung des Höchst- maßes des Grundlohnes ist daher unabweisbar und dringlich. Wenn dem im Wege einer Notverordnung Rechnung getragen werden soll, so empfahl es sich gleichzeitig, gewisse Unklar- Helten in der Fassung des§ 189 der R V.O. zu beseitigen, wie solche namentlich bei der Durchführung der Bekannt- mackiing vom 22. November 1917 zutage getreten sind. Nach K 1 des aus 19 Paragraphen bestehenden Re- gierungsentwrirss sollte der 8 189 folgende Fassung erhalten: 1. Die baren Leistungen der Kaffen werden nach einem Grundlohn bemessen. Als solchen bestimmt die Satzung entweder den durchschnittlichen Tagesentgelt der Mitglieder oder den wirk- liehen Arbeitsverdienst der einzelnen Versicherten. Den durch- schnittlichen Tagesentgelt kann sie nach denjenigen Klassen von Versicherten, für welche die Klasse errichtet ist, oder stufenweise nach der verschiedenen Lohnhöhe der Versicherten festsetzen. 2. Bei der Festsetzung des Grundlohnes muß der Gntgclt be- rücksichtigt werden, soweit er fünfzehn Mark für den Ar- beitstag nicht übersteigt; die Satzung kann rhn darüber hinaus berücknchtigcn, soweit er zwanzig'Mark für den Arbeitstag nicht übersteigt. 3. Die Festsetzung nach dem durchschnittlichen Tagesentgelt innerhalb der in Absatz 2 bestimmten Grenzen bedarf der Zu- stimmung des Obcrverwaltungsamtes(Beschlußkammer). 4. Für freiwillig Beitretende, für die sich hiernach kein Grundlohn ermitteln läßt, bestimmt ihn die Satzung. Ueber die Ausdehnung der Versichcrungspflicht bestimmt der§ 5 des Entwurfs: Im§ 1 der Verordnung über Ausdehnung der VersicherungS- Pflicht und Ve r siche r ung sbc r ech ti gu ng in der Krankenversicherung vom 22. November>317 wird das Wort«fünftausend" durch das Wort..zwölftausenid" ersetzt. Schon die Verordnung vom 22. November 1917 suchte dem Sinken des Geldwertes und dem entsprechenden Steigen der Löhne dadurch Rechnung zu tragen, daß sie für diejenigen Angestellten usw.. deren Versicherungspflicht im 8 163 der R.V.O. durch eine Höchstverdienstgrenze von 2590 M. beschränkt war, diese Grenze auf 5999 M. heraufsetzte. Seit- dem sind die Löhne und Gehälter infolge der Teuerung in so außerordentlichem Maße weitergesticgen. daß jene Maß- nähme dem Bedürfnis bei weitem, nicht mehr entspricht. Man darf Wohl sagen, daß die größere Zahl der Angestellten beim Festhalten jener Höchstgrenze aus dem Rahmen der Versicherungspflicht herausfallen würde. Eine nochmalige wesentliche Heraufsetzung der Grenze ist daher geboten. Die Aerzteschaft, welche der Ausdehnung der Versicherungs- Pflicht in der Regel ablehnend gegenübersteht, wird sich mit der Erhöhung abfinden müssen. Man wird darin auch kaum eine unbillige Einschränkung ihrer freien Praris erblicken können; denn bei dem weitaus größeren Teile der in Betracht kommenden Personen handelt es sich um solche, die bereits früher versicherungspflichtig waren und deren Einkommen nur inzwischen ohne gleichzeitige Besserung ihrer allgemeinen Wirt- schgftslage gestiegen ist.' Die zur Sache gehörten Kassenver- bände hatten sich allgemein für eine Heraufsetzung bis zu 12 999 M. ausgesprochen. Der Ausschuß vertrat die Auffassung, daß eine Herauf- setzung des Grundlohnes wie eine Ausdehnung der Versiche- rungöpflicht unumgänglich notwendig sei. Von den Demo- kraten und dem Zentrum wurde beantragt, die Sätze 15 und 29 M. zu erhöhen auf 29 und 39 M., während die sozial- demokratischen Ausschußmitglieder beantragten, den Absatz 2 im 8 169 der R.V.O. zu streichen; im Absatz 3 die Worte „innerhalb der in Abiatz 2 bestimmten Grenzen" zu streichen; im 8 5 der Verordnung über Ausdehnung der Versicherungs- Pflicht das Wort.zwölftausend" zu ersetzen durch „zwanzigtausend". Von sozialdemokratischer Seite wurden die Anträge damit begründet, daß statistisch nachgewiesen ist, daß feit Februar 1919 die Preise um das Siebeniache gestiegen sind und deshalb ihre Anträge den Ver- hältnissen einigermaßen gerecht würden. Nachdem die An- träge der Demokraten und des Zentrums zurückgezogen waren, wurden die sozialdemokratischen An- träge und damit der Entwurf mit diesen Aenderungen angenommen. Durch Annabme dieser Anträge werden die baren Leistungen der Kassen nach einem Grundlohn bemessen; als solchen bestimmt die Satzung entweder den durchschnittlichen Tagesentgelt der Mitglieder oder den wirklichen ArbeiiS- verdienst der einzelnen Versicherten. Die Festsetzung nach dem durchschnittlichen Tagesentgelt bedarf der Zustimmung des Oberverwaltunasamtes. Während die Herauf�etzung der Grundlöhne alsbald in Kraft tritt, soll für das Inkrafttreten der erhöhten Ver- stcherungsgrenzc zur Erleichterung für die Krankenkassen und Arbeitgeber eine angemessene kurze Frist zugelassen werden. Der Tag des Inkrafttretens soll auf e'nen Montag, als den Tag, mit dem die Veitragswoche beginnt, festgesetzt werden und ist dafür der 26. April 1929 bestimmt. Eupen unö Malmeöp. Am 22. März 1620 ist in Köln endlich zum ersten Mcrt� in der deutschen Oeffentlichkeit Protest gegen das unehrliche Spiel, das augenblicklich in Eupen und Malmedy mit der söge- nannten Volksbefragung getrieben wird, erhoben werden. Die erste Vertreterin der deutschen öffentlichen Meinung, die Press«, besonders die hauptstäotische, hat kaum Notiz davon genommen, daß in jenen beiden deutschen Kreisen schon seit 3 Monaten eine Art Abstimmung im Gange ist, von der selbst unser belgisches Parteiorgan„Peuple" erklärte, es sei eine Farce deS Selbstbestimmungsrechtes der Völker. In Eupen und Malmedy ist das deutsche Volk, das seine Mei- nung äußern soll, ob eS deutsch oder belgisch werden will, schon sofort unter die Souveränität des interessierten belgischen Staates gestellt. Wer erwartet, daß da ein« freie Meinung«- äußerung auch nur möglich ist, selbst wenn nicht, wie es tatsächlich geschieht, die Vertreter dieses Staates jede deutsche Mei- nung durch Drohungen, moralischen und materiellen Zwang offenkundig unterdrücken. Nach Clemenceaus Auslegungen des Friedensvertrages in seiner Note vom 12. November 1919 Handell eS sich um keine Ab- stimmung, sondern um eine Befragung der Bevölkerung, ob das ganze Gebiet oder Teile desselben unter deutscher Herrschast bleiben soll. Völlig« Freiheit-für die Wunschäußerung soll gegeben sein. Belgien soll die Verantwortung der Maßnahmen zu dieser Befragung übernehmen und das Ergebnis dem Völkerbund zur Kenntnis bringen, dessen Entscheidung anzunehmen eS sich verpflichtet. Die Volksbestagung soll ,, unter Leitung des Völker» bundes" stattfinden. Welche Verklausulierung l Warum keine offene Abstimmung wie in anderen Gebieten, deren Zugehörigkeit zweifelhaft? Eupen und Malmedy hat weder historisch noch kulturell etwas mit Belgien zu tun. Belgien aber wollt« einen Gebietszuwachs als äußeres Zeichen seines militärischen Sieges. Man konnte ihm die begehrten Kreise auf Grund der Wilson-Punkte nicht ohne werteres zusprechen, darum die Verklausulierung. Die Bestagung soll S Monate dauern, Bis heute hat sich noch kein Organ de? Völkerbunde» in Eupen und Malmedy sehen lassen. Und da in Deutschland kein Hahn danach kräht, befragt Belgien die Bewohner, wie eS ihm paßt, so daß selbst da? belgische Sozialiftenorgan„Peuple" von einer Farce der steien Meinungsäußerung spricht. Die chauvinistische Presse Belgien? und die Vertreter des belgischen Staates sprechen von „zurückgekehrten" Provinzen. Auf welche Unkenntnis spe- kulieren siel Wann gehörte Eupen oder Malmedy zu Belgien, das noch kein« hundert Jahre existiert? Eupen hat 25 000 Einwohner, darunter 98 Wallonen. Malmedy 37 000, darunter 9000 Wallonen. Sieben Sechstel der Bevölkerung ist rein deutschen Stam» m e s. WaS während der Besatzungszeit an Zustimmungserklärungen ergattert wurde, war erli st etund erzwungen. Um Lebens» mittel zu bekommen, hat mancher Hungernde, um der Ausweisung und Vernichtung seiner Existenz zu entgehen, hat mancher Be- spitzelt«, um einen Reisepatz zu bekommen, hat mancher Handel. treibende die gewünschte Versicherung gegeben, er sei für Belgien. Von dieser Erklärung machten die Belgier sogar die Aufenthalts- erlaubniS der heimkehrenden Kriegsgefangenen abhängig. Dies fft aber kein« Volkesstimme. Eine ehrliche freie Abstimmung ergebe ein Resultat, dem sich die Welt beugen müßte und auf die Deutschland stolz sein könnte. Diese aber suchen die Belgier mit allen Mitteln zu verhindern. Ganz zu schweigen von der heimtückischen Pro- paganda mit Tendenzschriften, die alle» Deutsche in den Kot ziehen. Abgesehen von den vielen Versprechungen von Vorteilen bei einem Anschluß an Belgien, abgesehen von der Ausweisung, der jeder verfällt und verfiel, der nur im geringsten seiner deutschen Gesinnung Ausdruck gibt. Abgesehen von gemeinster Bespitzelung und Spionage bis ins intimste Privatleben hinein. Abgesehen von offener Gewalt... Abgesehen von all dem: Wie kann ein Volk frei seine Meinung äußern, wenn der Vertreter der belgische» UeberwachungSmacht sofort erklärte, er werde jeden die Treppe hinunterwerfe«, der für Deutschland stimmen wolle! Wenn von Mitgliedern der belgischen Behörden geflissentlich verbreitet wird: Jeder werde ausgewiesen, der für Deutschland gestimmt habe! Von Haus, Hof und Herd vertrieben werden, stagt jemand was das heißt? Der BefragungSmodus übertrifft alle Erwartungen. Die Listen liegen mir in den beiden Kreisstädten Eupen und Malmedy auf; werktags fünf Stunden, Sonntags drei Stunden. Jeder, der zur Eintragung kommt, wird einem langen eingehenden Verhör unterworfen. Selbst bei dauerndem Andrang künpten stündlich vier bis fünf, also täglich zwanzig bis fünfundzwanzig Eintra» gungen stattfinden. In den 6 Monaten könnte sonach höchstens nur ein Drittel der Bewohner tatsächlich von ihrem Rechte Ge. brauch machen. Im Belieben bei belgischen UeberwachungS- 8] Segen öer Cröe. Roman von Knut Hamsun. Auch auf andere Weise war Inger ein Segen für ihn. Ob- gleich sie nicht gerade ein schönes Gesicht und Verstand im Kopfe hatte, so hatte sie doch bei einem ihrer Leute zwei Schafe mit ihren Lämmern stehen, und die holte sie. Das war das not- wendigste, was jetzt in die Gamme gebracht werden konnte, Schafe mit Wolle und Lämmern', vier lebende Tiere, der Vieh- stand vermehrte sich im großen Stil, wunderbar war es, wie er zunahm. Inger holte außerdem noch ihre Kleider und andere Sachen, die ihr gehörten, einen Spiegel, eine Schnur mit einigen hübschen Glasperlen daran, Kartätschen und ein Spinn- rad. Ei, wenn sie so weiter machte, war bald alles voll vom Boden bis zur Decke, und die Gamme hatte nicht Raum� für alles! Isaf war natürlich sehr bewegt beim Anblick dieser irdi- schen Reichtümer: aber da er von Natur wortkarg war, fiel es ibm schwer, sich darüber auszusprechen: er ging hinaus vors Haus, sah nach deni Wetter und kam wieder herein. Ja, gewiß hatte er großes Glück gehabt, und er fühlte immer mehr einen heißen Drang in sich aufsteigen, Zuneigung oder Liebe, oder was es nun genannt werden könnte. „Du brauchst nicht so viel mitzubringen." sagte er.—„Ich habe sogar anderswo noch mebr. Und dann Hab ich den Oheim Sivert, den Bruder meiner Mutter, hast du von ihm gehört? —„Nein."—„Das ist ein reicher Mann, er ist Bezirkskassierer des Torfes." Tie Liebe macht den Klugen dumm: Jsak wollte sich auf seine Weise angenehm zeigen, und da tat er zu viel. „Was ich sagen wollte," begann er:«du darfst die Kartoffeln nicht hacken. Ich werde sie hacken, wenn ich heut abend heim- komme." Damit nahm er die Art und ging in den Wald. Sie- hörte ibn im Walde Bäume fällen, eS war nicht weit weg, und sie hörte am Kracken, daß er große Stämme fällte. Nachdem sie eine Weil? zugehört hatte, ging sie hinaus und hackte die Kar- toffeln. Di? Liebe mackt den Dummen klug. Am Abend kam er mit einem großen Balken an, den er an einem Seil hinter sich bcrschlcppte. Ach, der grobe, treu- herzige Jsak, er mackte so viel Lärm mit dem Balken, als er nur konnte, räusperte sich und hustete, damit sie herauskommen und sich nicht wenig über ihn verwundern sollte. Ganz richtig, als er daherkam,- rief sie auch:„Ich glaube, du bist versückt! Du bist doch wohl ein Mensch!" sagte sie. Der Mann erwiderte nichts. Es fiel ihm nichts ein. Im Vergleich zu einem Zimmerbalken etwas mehr als ein Mensch zu sein, das war nickt der Rede wert.—„Und wozu willst du denn den Balken?" fragte sie.—„Ach, das weiß ich selbst noch nicht," antwortete er wichtigtuend. Aber jetzt sah er, daß sie die Kartoffeln schon gehackt hatte. und dadurch zeigte si? sich fast ebenso tüchtig wie er. Das war jedoch nicht nach seinem Sinn: da machte er das Seil von dem Baumstamm los und ging damit fort.„Gehst du wieder?" fragte sie.—„Ja." antwortete er beleidigt. Er kam mit einem zweiten Baumstamm daher, schnaufte ! nicht, lärmte nicht, sondern zog ihn nur bis zur Gamme heran und ließ ihn da liegen.- Im Laufe des Sommers schleppte er noch viele Baum- stamme vor die Gamme. 2. Eines Tages legte Inger wieder Mundvorrat in ihren � Kalbfellsack und sagte:„Jetzt mach ich wieder einen kurzen Be- : such bei meinen Leuten."—„So." sagte Jsak.—„Ja, ich muß sobald wie möglich allerlei mit ihnen bereden." Jsak ging nicht zugleich mit ihr hinaus, sondern zögerte noch lange in der Gamme. Als er endlich auf die Schwelle trat und gar nickt neugierig tat, aber voller banger Ahnungen war, verscstvand Inger gerade am Waldesrand.„Hm, Kommst du wieder?" konnte er nicht unterlassen, ihr nachzurufen.—„Nicht wiederkommen!" erwiderte sie.„Ich glaube, du spottest!"— „So,_( Dann war er wieder allein.„Ach ja. Herrgott im Himmel!" Mit seinen Arbeitskräften und seiner Arbeitslust konnte er nicht nur in der Gamme auS und ein gehen und sich nur selbst im Wege sein, da fing er an zu arbeiten: er zweigte seine Baum- stämme ab und hieb sie aus zwei Seiten flach. Bis zum Abend schaffte er daran, dann melkte er die Ziegen und legte sich schlafen. Ocde und still war's in der Gamme, dumpfes Schweigen schlug ihm entgegen vom Lehmboden und von den Torfwänden. Aber das Spjnnrad und die Kartätschen waren an ihrem Platz, und die Perlen an ihrem Faden lagen wohlverwahrt in einem Beutel unter dem Dach. Inger hatte nichts mitgenommen. Jsak war jedoch so unendlich dumm, daß er sich in der hellen j Sommernacht vor der Dunkelheit fürchtete und bald dies, bald l daS an den Fensterscheiben vorbeischleichen sah. Als es nach der Helle draußen ungefähr zwei Uhr sein mochte, stand er lieber wieder auf und stühstückte. Er kochte eine ungeheuere Schüssel Grütze, gleich für den ganzen Tag, damit er nicht noch mehr Zeit aufs Kochen verwenden müßte. Bis zum Abend brach er zur Erweiterung des Kartoffelackers Neuland um. Drei Tage lang behaute er abwechslungsweise Baumstämme und brach Land um: am nächsten Tag kam dann wohl Inger. Es wäre nicht zuviel, wenn er bei ihrer Ankunft Fische für sie bereit hätte, dachte er: aber er wollte sich nicht aus den Weg machen und ihr geradeswegS übers Gebirge entgegengehen, des- halb machte er einen Umweg nach dem Fischplatz. Dabei kam er in unbekannte Gegenden des Gebirges, da waren nun graue Felsen und braunes Geröll, ganz schwere Steine, die aus Blei oder Kupfer sein konnten. Vieles konnte in diesen Steinen ent- halten sein, vielleicht Silber und Gold: er verstand sich jedoch nicht darauf, und so konnte eS ihm einerlei sein. Er kam an das Fischwasser: die Fische hatten bei dem schnakenvollen Wetter in der Nacht gut angebissen: es gab wieder eine gute Anzahl Salme und Forellen, und Inger würde auffchauen. Als er bei Tages- anbruch auf demselben Umweg, auf dem er hergekommen war, wieder zurückging, �nahm er ein paar Stücke von dem Geröll mit: sie waren braun mit dunkelblauen Flecken darin und ge- waltig schwer. Inger war nicht gekommen und kam auch nicht. Nun war es schon der vierte Tag. Er melkte die Ziegen wie damals, wo er noch allein mit ihnen gewesen war und niemand anders zu dieser Arbeit hatte: dann ging er nach den Felsen und trug große Haufen zu einer Mauer passender Steine auf den Hof- platz. Er hatte wahrlich vieles vor. Am fünften Abend ging er mit lzisem Mißtrauen im Herzen zu Bett, im übrigen waren ja aber das Spinnrad und die Kar- tatschen noch da und auch die Perlen. Dieselbe Oed? in der Hütte und nirgends ein Laut! DaS wurden lange Stunden, und als er endlich eine Art Schritt draußen vernahm, dachte er. das sei nur etwas, was er sich einbilde.„Ach ja, Herrgott im Him- mel!" sagte er in seiner Verdrossenheit, und solche Worte sprach Jsak nicht, wenn er sie nicht wirklich meinte. Jetzt hörte er die Schritte aufs neue, und kurz nachher sah?r etwas am Fenster vorbsigleiten, was es nun auch sein mochte, aber etwas mit Hör- nern war eS, leibhaftig! Er sprang auf und zum Hause hinaus, und da sah e? etwas!„Gott oder Teufel!" murmelte er, und so etwas sagte Jsak nicht, ohne daß er sich dazu gezwungen fühlte. Er sah eine Kuh, Inger und eine Kuh, die im Stalle verschwanden.(Forts, folgt.) offiziers liegt es, einen Abst i mm ungs! u st i ge n zurückzuweisen, und dazu denke man sich noch die Schwierigkeiten, aus den Landgebieten nach der Stadt zu kommen und dann womöglich tagelang noch darauf zu warten, um überhaupt Zugang zur Abstimmung zu er- halten. Das alles chedeutei Verschlepprmgsmanöver. Verbrecherisch aber sind die Zwangsmaßnahmen der belgischen Behörden, um die Bevölkerung überhaupt von der Eintragung abzuschrecken. Ein kräftiges Mittel bietet die Außerkurssetzung der deutschen Mark und ihre Umwechslung in Franken. Ebenso die Lebensmittelvsr- sorgung. So ungeheuerlich es klingt: belgische Amtsstellen er- klären, daß jeder, der für Teutschland optiere, seine Mark nicht in Franken umgewechselt bekommt, keine Lebensmittel und keinen Reisepaß mehr erhalte. Für diese Ungeheuerlichkeit dient als Beloc is das Schreiben an die Verwaltungsbehörden: II. Kommissariat de....... 25. Februar 1920. Herrn Bürgermeister in....... Zirkular Nr. 5. Verfügung Nr. 26— 2557— 28. Februar 1920. Entziehung von Vergünstigungen. Es werden für folgende Vergünstigungen 1. Umwechslung der Mark, 2. Belgische Lebensmittelzuieilung, 3. Pässe nach Belgien und Dreisprachenstempel, 4. AusfuhrerlaUbnÄschoine, Erlaubnisscheine usw. ausgeschlossen diejenigen Personen, die die Protcstliste gegen die Wiederabtretung der neuen Gebiete an Belgien unterzeichnet haben, und diejenigen Personen, die als Beamte die Lohalitäts- crklärung noch nicht unterzeichnet haben oder sich geweigert haben, diese zu unterschreiben. gez. L. V. de Semet. Ist das klar genug. Abgesehen von der historischen Fälschung in dem Wort„Wiederaiblretung", ist diese Verordnung der Aus- fluß der brutal st en Gewaltpolitik und ein Verbrechen im Sinne des demokratischen Gewissens. . Heraus mit der Sprache, ihr demokratisch gesinnten Deutschen, damit die ganze Welt eure Meinung hört: Wird hier ein Volk, das mitten im Herzen Europas wohnt, moralisch und materiell ver- gewaltigt? Entmilitariflerung. Ein Vorschlag von Willy Meyer, Haupimann a. D. Nock immer regiert Mars die Stunde. Wo wir hinseben: Stahlhelme, Handgranaten, Maschinengewehre, Gewehre, Pistolen, Säbel Drahtverhaue, Schützenlöcher. Wo wir hinhören: Gewalttätig- leiten, Erschießungen, Verhaftungen. Erst die Ueberfülle be- w a f f n e t e r Männer hat den Wahnsinnsputsch der Herren siapp-Lüttwitz ermöglicht, ähnlich wie die maßlosen Ueberlreibungen in der Rüstungsfrage eine große Schuld am Ausbruch deS Krieges iragetr. Wir müssen uns auch innerpolitsch freimachen von dem verhängnisvollsten Leilsatz, der je aufgestellt worden ist. Nämlich von dem Wort:„Wenn Du den Frieden willst, so rüste den Krieg!' ?lein und tausendmal nein. Wenn Du den Frieden willst. io organisiere den Frieden. Das gilt in gleicher Weise für daS Leben der Völker untereinander, wie sür das Innen- leben des einzelnen Staates. Wenn wir den Bürgerkrieg nicht verewigen wollen, so müssen wir die unnötige, aufreizende Rüstung ablegen. Wir müssen die Waffen von uns werfen, bis auf die, die unbedingt nötig sind zum Schutz gegen Verbrecher und Wirrköpfe. Wir müssen uns entmilitarisieren. Erne Polizeitruppe muß uns genügen. Die Führer müssen zuver- lässige, der Republik durch lleberzeugung treu ergebene Persönlich- ketten sein. Und die Geführten sollen gereifte Männer sein, die das Leben kennen. Kinder oder HalbauSgereifte sind untatig« lrcks: Es kommt nicht auf die Zahl, sondern die Auswahl an. Je weniger, desto besser, wenn die Männer brauchbar und treu sind. Der mißlungene Kapp-Putsch muß zum Wendepunkt werden. Es gilt, die Bedeutung der Stunde zu erkennen. Wir müssen neue Wege einschlagen. Neuen, aber doch ewig alten Ideen zugänglich icin. Das Fortwursteln muß aufhören. Es führt uns ins Verderben, in den gänzlichen Zusammenbruch. Radikale Entmilitarisierung heißt das Problem. Wenn wir es jetzt nicht lösen, so gehen wir einer trauri- gen Zukunft entgegen. Organisiert die Sicherheitspolizei in der angedeuteten Weise. Nehmt Unbefugten die Waffen ab. Und dann schickt die Reichswehr nach Hause. Einen Außenkrieg wollen und können wir nicht mehr führen und im Inneren muß eine Sicherheits- polizci genügen für den Schutz in Stadt und Land. Geht, wenn's die Stoffnot zuläßt, auch äußerlich neue Wege. Eine Art Sportbluse ist besser als /er Uniformrock, der Gummi- k tt ü t k e l tauglicher als der Säbel. Sewerbshpgiene und Serufshpgiene. Von Dr. Hans Haustein. Seit den, November 1918 ist das Interesse an sozialen Fragen bedeutend gewachsen, und es sind Forderungen durchgesetzt worden, die bis dahin der Gegenstand heftigen politischen Streites waren. So ist zum Beispiel auch der Achtstundentag, der von der Sozial- Hygiene und von ihrem Sondergebiet, der Gewerbehygiene, lange schon erstrebt wurde, allgemein eingeführt. Die Herabsetzung über- langer täglicher Arbeitszeit, die einmal zur Verhinderung von Ge- sundheitsschädigungen durch Uebermüdung und Ueberanstrengung notwendig ist, andererseits aber der täglichen Produktion nur för- derlich sein kann, gewährleistet überdies dem Arbeiter und An- gestellten die Möglichkeit, in ganz anderer Weise als bisher für seine geistigen Bedürfnisse zu sorgen. Diese Maßnahme kann bei verständiger Ausnutzung der freiwerdendcn Zeit durch Hebung der allgemeinen Volksbildung ein wichtiger Faktor auf politischem wie auf sozialpolitischem und sozialhygienischem Gebiet werden. Da- durch, daß der Arbeiter jetzt auf viel höhere Weise zu Lebens- sreude und Lebensgenuß gelangen kann, wird er auch auf hygie- nische Mißstände einen vorteilhaften Einfluß ausüben. Ueber- mäßig lange Arbeitsdauer war bekan-ntlich tjfr dem Kriege eine der Ursachen des Alkoholismus. Die geringe freie Zeit, die dem Arbeiter nach des Tages Last und Mühe übrigblieb, genügte meist nicht zu einem ruhigen Lebensgenuß, sondern zwang ihn, seine Erholung in kurzem Sinnenrausch zu suchen. Daneben spielte auch der besondere Beruf, z. B. das Alkoholgewerbc oder die Bcschäfti- gung in der Staubindustrie, die durch Reiz der Rachenorgane zum Trinken verleitete, ein« gewichtige Rolle. Dieses Beispiel zeigt, wie eng derartige soziale Prohlcme mit beruflichen und gewerb- lichen Ilmständen verknüpft sind. Es erwächst also für jeden, der sich auf diesen Gebieten betätigt, die Pflicht, sich mit allen in Betracht kommenden Problemen eingehend auseinanderzusetzen. Eine tmssenschaftliche, sozialhygienische und sozialmedizinische Wür- digung solcher Fragen, die meist das Gebiet der Politik streifen, wird gerade berufen sein, vie Leidenschaften zu mildern und manche Frage, die heute Gegenstand heftiger politischer Fehden ist, einer ruhigen, objektiven Betrachtung zuzuführen. Der schöne Traum vom sozialen Frieden— hat Grotjahn einmal ausgc- sprachen— könnte zu einem erheblichen Teile verwirklicht werden, wenn die Diskussion derartiger Fragen dem politischen Hader ent- zogen und nach rein sachlichen Grundsätzen behandelt würde. Das Studium der Berufskunde und Berufshygiene ermöglicht erst die Erkenntnis der Einflüsse der einzelnen Berufe auf die! Erwerbstätigen und schafft so die Grundlage sür allgemeine uno besonder« Maßnahmen. Andererseits erweist es aber auch die Ein-. Wirkung, die die einzelnen Berufszweig« in wirtschaftlicher rr.ad hygienischer Beziehung auf die Gesamtbedölkerung ausüben. B«.' Glaubt ja nicht, daß die Reichswehr etwa den Bolschewismus aufhalten kann. Ideen kann nian nur mit Ideen, aber niemals mit dem Schwert siegreich bekämpfen. Bergeßt auch nicht, daß eine Armee meist mehr als Bedrohung wie als Sicherung wirkl und empfunden wird. Dieier Satz gilt innerpolilisch ebenio wie außenpolitisch. Wie unsre frühere Armee uns nicht vor den, Weltkrieg bewabrt hat, so wird uns unsre Reichswehr nilvt vor dem Bolschewismus Bewahren. Davor kann uns nur geistiger Kampf und wirtschaftlicher Wiederaufbau in zeitgemäßen Formen retien. Ich weiß, daß die Idee der Abschaffung der Reichswehr in bürgerlichen Kreisen bis auf den Tod verhaßi und bis tief in die Reihen der Arbeiterschaft hinein unbeliebt ist. Das Militärische liegt uns allen zu sehr im Blute. Nicht wenige von uns sind Ludendorffs verkleinenen Maßstabs. Die meisten von uns hält noch der Wahn gefangen: alle großen Probleme können letzten Endes nur mit Gewalt, mit der eisernen Faust, mit der Hand- granate gelöst werden. Nein, die großen Zeiisragen sind nur durch Ausgleich, durch Verständigung glücklich zu löien. Und wenn die Forderuiig der Auflösung der Reichswehr noch so unbeliebt ist, ich erhebe sie mit aller Entschiedenheit. Ich weiß. daß das Problem nicbi von beute aus morgen gelöst werden kann und daß eine zwcckvolle Umgestaltung der Sicherheits- wehr vorausgehen muß. Aber es muß die Einsicht, der feste Wille zur Durchführung der Idee bei den leitenden Stellen schon jetzt da iein. Man muß baldigst energisch an die Sache herantreten. Und dann muß Tempo hineinkommen. Die freiwerdenden Oisiftere, Unteroffiziere und Marnichaften darf man selbstverständlich nicht auf die Straße setzen. Ihnen gebührt eine ganz besondere Fürsorge des Slaates in wirklich ausreichender und sinnvoller Weise. In der Reichswehr hat sich der Rest der Berufssoldaten zusammengefunden. Sie würden materiell und auch geistig in die größten Schwierigkeiten geraten, wenn der Staat die Armee auflöste, ohne sich ihrer Angehörigen kraftvoll anzunehmen. Es wird nötig sein, große wirtschaftliche Organisationen in Stadt und Land zu schaffen, um die Männer für das Wirtschaftsleben vorzubilden und sie einem ge- eigneten Berufe zuzuführen. Der Staat sollte es sich nicht ern- geben lassen, die vielen vortrefflichen Kräfte, die in dem Beruisiotdalen liegen, zum Nutzen unserer Volkswirtschaft zur Ent« faltung zu bringen. Aber es muß hier wirklich etwas Groß- zügiges geschehen. Kein Flickwerk, kein Stümpern. Es dürfen, wie es leider verschiedentlich geschehen, nicht nur Brocken hingeworfen werden. Das ist nicht nur das ethische, sondern auch eine eminent praktische Forderung. Aus dem einfachen Grunde, weil sonst die Auflösung der Reichswehr nur mit den allerschwersten, staatlichen Erschütterungen durchzuführen wäre. Es ist richtig: dies alles wird sehr viel Geld kosten. Und unsere Finanznot ist entsetz- fetzlich. Aber es ist ebenso richtig, daß, wenn wir alles in allem betrachten, die Auflösung der Reichswehr bei einer sinnvollen, tat- kräftigen Fürsorge für ihre Angehörigen uns unzähtie Milliarden ersparen wird.__ GroßSerün Reichswehrevangelium. (2lu8 dem Jnstruktionsheft eines WebrkreiskommandoS.) Revolution, so ist die Zeit detitelt, Allwo der Boden heftig wanken tut. Ja, unterm Fuß weg gleitet unvermittelt Das Vieh, ist man nicht eklig auf der Hut. Drum leiste man den vorgeschriebenen Eid Und wahre Ordnung, Ruhe, Sicherheit. In solchen Zeiten kann es gar passieren, Daß bald die Rechte, bald die Linke putscht. Da heißt es: Ja den Boden nicht verlieren! Stets tsl der zu verlassen, welcher rutscht. Wozu verpflichtet der geschworene Eid? Wir wahren Ordnung, Ruhe, Sicherheit. Wenn sie sich noch so in den Haaren liegen, � Die Ruhe stellt sich dock allmählich ein. Einer von beiden wird schon schließlich siegen Und diesem woll'n wir treu ergeben sein. Ihm leisten wir von neuem unsern Eid, Bis dahin: Ordnung, Ruhe, Sicherheit. Mich. v. Jindenhecken. So jleht's jetzt in Metskaseenen aus! Wo bleibt das Wohnungsamt? Die Mietskasernen der Arbeiterviertel Berlins sind wahrlich niemals„Müsterwohnstätten" gewesen. Daß sie unter dem Einfluß des Krieges in diesen Jahren des Mangels nicht besser geworden sind, läßt sich verstehen. Aber eine Verwahrlosung, wie sie in den einer Witwe M. gehörenden Häusern Stralsunder Str. 38 u n d 39 sich entwickelt hat, ist denn doch ein starkes Stück. Betritt man diese Häuser, so merkt man bald, daß es hier eine regelrechte Hausreinigung seit langem nicht.mehr gibt. Ein Hauswart ist nicht vorhanden, und die selber in einem dieser Häuser wohnende Eigentümerin hat keine Angehörigen und auch keine Bedienung, die einmal zu Besen und Schauerlappen greife« könnte. Tie Müll- und Unrathaufen, die aus dem Hof und zum Teil bis in den Hausflur hinein liegen, mögen in der jetzigen Zeit der Abfuhrstockung nicht auffällig sein. Aber aucv die Treppen, deren Anstrich längst weggetreten wurde, sind unge- wöhnlich schmutzig. Nur in Stockwerken, wo die Mieter selber Hand anlegen, sieht es minder schlimm aus. An Haustüren und Flur- fenstern bemerkt man zerbrochene Scheiben, in den Treppenhäusern namentlich der Hintergebäude sind die Wände arg beschädigt. Die vermutlich in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts erbauten, fast nur von kleinsten Mietern bewohnten Häuser zeigen die damals übliche weitestgehende Raumausnutzung. Sie haben über Souterrain und Hochparterre noch vier Stockwerke, so daß sechs Wohnlagen sich übereinander türmen. Der Seitenflügel des Hauses Nr. 38 hat über Souterrain und Hochparterre sogar noch fünf Stockwerke, also sieben Wohnlagen übereinander, doch ist hier das Souterrain zurzeit unbewohnt. Das Aeutzere dieses Seitenflügels, von dessen Fensterwand im Lause der Jahre fast der ganze Putz heruntergefallen ist, bietet ein Bild hätzlichster Verwahrlosung. In einer Ecke des Hofes zeigen sich die Trümmer einer zusammengebrochenen Laube, um deren verfaulende Bretter und Latten sich trotz Holzknappheit kein Mensch zu kümmern scheint. Bei einem Besuch einzelner Wohnungen empfangen wir keinen besseren Eindruck. Da sehen wir Zimmer mit zersetzten Tapeten, gelegentlich auch mal eins, in dem eine ganze Wand den nackten Kalk präsentiert. Viele Fenster sind undicht, in nicht wenig Fensterscheiben bemerken wir Sprünge und Spalten, durch die der Wind zieht. Die Küchen sind seit langem nicht mehr geweißt, in einigen hat neben der Wasserleitung die Wand große Löcher, aus denen das Bleirohr herausschaut. Manche Kochherde iehen aus, wie wenn sie nächstens zusammenbrechen sollen. Teile des Fuß- bodens, auf dem keine Farbe mehr zu sehen ist, sind völlig der- fault. In einer Kellerwohnung fehlt einem Raum der Fußboden gänzlich, so daß man auf dem bloßgelegten Sand steht. Die Waschküche wird von der Wirtin, die allen Kram aufbewahrt, als Lagerraum für ihr Gerümpel benutzt. Da bleibt den Mietern nur übrig, in den Küchen zu waschen, selbst wenn sie es nicht wollen. Naß ist es auch in manchen Wohnräumen, und in einer Wohnung wurde uns an der Wand eine richtige P i I z k u l t u r als Sehens- Würdigkeit gezeigt. Auch auf den Böden sieht es böse aus. Ein paar Bodcntüren lassen sich, weil die Schlösser beschädigt find, überhaupt nicht mehr schließen. Infolgedessen werden hier auch die Bodenräume fast gar nicht mehr benutzt, aber Gerümpel und Unrat liegt genug umher. Da die Dachfenster zerschlagen sind, so regnet es flott hinein und an verschiedenen Stellen ist der Fußboden dauernd naß. In diesen so verwahrlosten Häusern tut Abhilfe drin- g e n d not. Die Eigentümerin hat die Reparaturen anscheinend nicht aus Mangel an Geld unterlassen, sondern deshalb, weil ihr das Verständnis für die Notwendigkeit fehlt. Hier sollte das Woh- nungsamt eingreifen, dem ja ursprünglich, als Berlin es vor dem Kriege einrichtete, die Auigabe gestellt wurde, auf Beseitigung von Wohnungsmängeln hinzuwirken. Auch in der jetzigen Zeit der Wohnungsknappheit, die dem Wohnungsamt die andere und einstweilen wichtigste Aufgabe der Wohnungsbeschaffung stellt, dürfen so menschenunwürdige Zu stände nicht ge- duldet werden. Tatsächlich ist das Wohnungsamt schon im vorigen Herbst davon in Kenntnis gesetzt worden und es hat dann durch einen Beamten die Häuser befichttgen lassen, aber bisher ist nichts gebessert worden. Eigentümern, die ihre Häuser so herunterkommen lassen, sollte man die Häuser abnehmen, um sie unter Zwangs ver- waltung zu stellen— solange wir noch nicht die Sozialisierung deS Grund- und Hausbesitzes haben. sonders beachtenswert sind hier die allgemeinen gesundheitlichen Schädigungen beruflicher Betätigung, die besonderen Gefahren des Einzelberufs, und die sich hieraus ergebenden Schutzmaßnahmen für die bereits tätigen Arbeiter und die daraus zu folgernden Lehren für die Berufsberatung. Die wissenschaftliche Forschung, die insbesondere in den letzten Jahrzehnten bestrebt gewesen ist, die einzelnen Berufsein- s l ü s s e zu studieren, hat aus Grund umfassender statistischer Massenuntersuchungen verstanden, die B e r u f s s ch ä d l i ch k e i- t e n auf ein geringst mögliches Maß herabzusetzen. Ihre völlige Beseitigung wird sich natürlich kaum je ermöglichen lassen, be- sonders dann nicht, wenn körperlich ungeeignete Menschen in ge- wisse Betriebe hineinkommen. Ein Beispiel dafür bietet die aus- gedehnte Frauenarbeit in der Kriegsindustrie, die durch den Man- gel an männlichen Arbeitskräften im Lande bedingt, nicht nur zu einer Schädigung der Frauen selbst geführt hat, sondern auch der jüngsten Generation zum Schaden gereichte. Die Beschäfti- gung der Frauen bedarf deshalb, ebenso wie die der Jugendlichen und Kinder, dauernder Ueberwachung. Kinder, Frauen und Männer, d. h. die ganze Familie, sind ferner in der Hausindustrie beschäftigt, wo bekanntermaßen allgemein große hygienische Miß- stände herrschen und meistens bei schlechter Bezahlung übermäßig lange Arbeitszeit geleistet wird. Die Folge des niedrigen Ein. kommens sind unzureichende Ernährung und elende Wohnungs. Verhältnisse. Tie starke sozialhvgienische Bedeutung der Wohnung aus das Zustandekommen von Krankheiten(erinnert sei an die Tuberkulose, die ja auch als„Wohnungskrankheit" bezeichnet worden ist) ist hinlänglich bekannt. Die Wohnungsnot, die jetzt un- geheuerliche Formen annimmt, hat auch der Gesamtheit unseres Volkes die Notwendigkeit hygienischer Wohnweise zum'Bewußtsein gebracht. Die Ernährungsverhältmsse spielen gleichfalls im ge- werblichen Leben eine bedeutende Nolle. Gute und reichliche Er. nährung de? Arbeiter ist die Vorbedingung sür ibre LeistungS- fäbigkeit. Letzten Endes sind natürlich für alle Faktoren der Lebenshaltung der Erwerbstätigen die Lohnverbältniffe entschei- dend. so daß auch die wirtschaftlichen und hygienischen Gefahren der Arbeitslosigkeit unverkennbar sind. Neben den allgemeinen BerufSgefähren spielen spezielle B e- triebsgefahren oft eine Rolle. Die Staubeinwirkung in ihrer Beziehung zur Körper sckädigung und Krankheitsentstehung (Lungenkrankheiten), die mannigfachen gewerblichen Vergiftungen, sei es durch Gase oder durch metallische Gifte, sowie die Unfall- gefahren, seien als Beispiele herangezogen. Um derartige Ge. sundheitsschädigungen auf ein möglichst geringes Maß einzuschrän- ken. sind zum Schutze der Berufstätigen zahlreiche gesetzliche Maß- nahmen getroffen worden. Während die Reichsgewerbcordnung den Betrieb so zu regeln strebt, daß die Arbeiter weitmög'ichst gegen die Gefahren der Berufstätigkeit geschützt sind, ibre Vorschriften demnach vorbeugend wirken, sollen die Reichsversicherungsgesetze die Arbeitnehmer gegen die wirtschaftlichen Folgen von Krankheit. Betriebsunfällen, Invalidität und Alter sicherstellen und eingetrc- tene Gesundheitsschädigungen soweit als möglich.oieder gut machen. Welche gewaltig« Bedeutung die deutsche Sozia'versichc- rung gewonnen bat, geht daraus hervor, daß seit ihrem Bcstebcn von 1885 bis 1913 rund 11 Milliarden Mark für diese Zwecke auf- gewendet worden sind. Die Erkenntniße und Lehren der sozialen Hygiene, die schon vor dem Krieg« manchen Erfolg zu verzeichnen hatten, verdienen angesichts des drohenden Niedergangs unseres Volkes stärkster Be- achtung. Der Ausbau der sozialen Hygiene, die vor dem Kriege aufs ärgste vernachlässigt worden ist und auch heute noch nicht den notwendigen Rückhalt gesunden hat, muß unbedingt in jeder Weise gefördert und die Notwendigkeit hiervon jedem zum Bewußtsein gebracht werden. Jeder Schritt vorwärts auf diesem Wege ist daher zu begrüßen. Das Bedürfnis nacb klarverständlieften., in kurzer Form alles Wesentliche zusammenfassenden Büchern sozial- hygienischen Inhalts ist deshalb sehr begreiflich. Auch für das engere Gebiet der Gewerbehygiene fehlte bis jetzt ein solche Dar- stellung. Die umfangreichen Hand- und Lehrbücher, die zudem hauptsächlich das Gebiet der Gewerbekrankheiten behandelten, waren zwar für Fachkreise wertvoll, boten aber sür den außen- stebenden Interessierten keine brauchbare Einführung in diese Ge- biet«. Der kürzlich bei der Meyerschen Buchhandlung in Detmo'd ersch'enene„Grundriß der Berufskunde und Berufs- Hygiene" von Prof. C h a j e s füllt daher eine fühlbore Lücke aus. Das gesamt« Gebiet in knapper, klarer Form zusammen- fassende Buch wird allen an sozialhygienischem gewerbehvaienischen und sozialpolitischen Fragen interessierten Kreisen ein guter, warm zu empfehlender Wegweiser sein. Die deutschen Schulen in Südwestafrika. DaS holländische. All« gemeen HandetSblad' schieibt:„Für die deutschen Schulen in Süd- westattika gelten die Bestimmungen, die auch in der Kapprovinz An- Wendung finden. Sie verlangen auf Grund der Friedens- Verträge, daß die deutsche Sprache für alle Fächer die führende Sprache sei und daß mit dem Erlernen der nichtdeuiichen Sprachen bis zum vierlen Lehrjahr gewartet wird? außerdem, daß die in die Heimat zurückgekehrten Lebrer durch solche aus Deutschland erietzt werden, solange es in Südafrika now kein deutsches Lchreiseminar gibt. Die bolländisch-ahikaniiche Preiie aller Richtungen unterstützt diesen Protest und beiont. daß die deutsche Bevölkerung sich nur dann bald assimilieren wird, wenn sie behandelt wird so wie auch die holländischen Afrikaner behandelt sein wollen." Musik. Die nächste Veranstaltung der Niederiächsilchen Mufikvcrelnigimg. ein Mozart-Beetbooen-Schubert- Abend, findet am 12. April, abends 7>/, Ubr im Schubert-Saal. Bülowstr. 104, statt. Eine beschränkte Anzahl von Eintrittskarten wird sür 2 Mark im EewertschastiHause ab- gegeben. Richter kommissarischer Polizeipräsident. Die preußische Slaalsrepierung bat in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, den bisherigen Poli�eipiäfidenten von Berlin, Genossen Eugen Ernst, zur Disposilion zu stellen und an seiner Sielle den Polizeipräsidemen von Cbarlottenburg, den Genossen Richter, zugleich zum kommissarischen Polizeipräsidenten von Berlin zu er- nennen. Regelung der Höchstmieten. Der Sachverständigenausichuß zur Feslsetzung von Höchsimieien für Groß-Berlin trat am Mittwoch unter dem Vorsitz des Ober- verwallungsgerichlsrats Geh. Ob.-Reg-Rat v. Usedom zusammen. um zu der Beschwerde des Wohnungsverbandes gegen den bekannten Beschluß des Obcrpräsidenten Dr. M a i e r Stellung zu nehmen, der die Fest'etzttng von 20 P r o z. Zuschlag zur Friedensmiete und einem Reparaturen zu schlag von 15 P r o z. als Höchsimtete beanstandet hatte. Ter Vorsitzende ei klärte, daß der Sachverständigenausschuß sich nur mit der Be- schwcrde des Wohnungsverbandes, d. h. mit der Annahme oder Ablehnung zu belassen habe. Dieser Ausfassung trat der Stadtrat Wege entgegen. Der Z i der Verordnung des Reichswohliabrts- Ministers regele die Betugntsie des Ausschusses, ebenso der Z 10. Danach habe der Ausschuß wettere Rechte und könne endgültig die Grenzen der Höchst mieten bestimmen. Der Vorsitzende widersprach, während zwei Juristen. Vertreter der Mieter und Ver- Mieter, die Rechtsausfast'ung des Stadtrats Wege teilten. Bei der Abstimmung ergab sich St'mmengleichbeit. Stadtrat Wege erklärte nun. daß er nach der Abstimmung und der Erklärung des Vor- siyenden aus Beschränkung der Betugniste des Sachverständigen- Ausswusses sich an den weiteren Beratungen nicht beteiligen könne, weil sie ungesetzlich seien. Diese Erklärung wurde zu Protokoll ge- nommcn, worauf Stadtrat Wege den Ausschuß verließ, der dadurch beswlußttnfähig wurde. Der Sachverständigenausschuß nahm trotzdem die Regelung der Höchsimieien vor. Es wurde für Wohnungen ein 20pro- zentiger Zuschlag zur Friede nsmiete, für Fabrik- räume in Wohnhäusern 30 Ptoz., für Läden mit einer Jahresmiete über 2400 M. 30 Proz. und sür Geschäfts« und Jndustrtehäuser 40 Proz. festgesetzt._ Sozialdemokratischer Verein für den Kreis Niederbarnim. Sonntag, den 25. April, vormittags g Uhr. in der Schulaula Markistr. 10 11 in Lichtenberg sBahnhof Stralau-Rummelsburgs: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Krcisvorstandes. 2. Neuwahl des Kreisvorstattdes. 3. Stellungnahme zur bevorstehenden Reichstagswahl. 4. Aitträg» der Ortsvereine. Die Ortsvereine sind berechtigt, auf je 100 Mitglieder einen Delegierten zu entsenden. Restzahlen von mindestens 50 gelten als volle 100. Für jeden Delegierten tst ein Mandat auszustellen. Anträge und Vorschläge zu den Wahlen sind bis spätestens zum 18. April an das Sekretariat einzureichen. Ter Kreisvorstand. Emil Lehmann, Vorsitzender. Heldentat eines dcutfchnationalen Postbeamten. Welch Geistes die Führer der deutschnaiionalcn Beamten sind, möge nachfolgender Vorfall beweisen, der sich gelegentlich des Kapp-Pui'che» zugetragen hat: Das Mitglied des Vorstandes deS Vereins Deutschnationaler Beamten E. V. Oberpostassistent Langula beobachtete, wie ein Verbands- und Berufskollege von ihm, der Postiekretär W., auf Postamt 17 den Kapp-Erlaß entfernte, der jeden Streikenden mit Zuchthaus und jeden Stretkführer oder Streikposten mit Erschießen bedrohte. Er verfolgte den Kollegen und ließ ihn von 2 Oifizieren des Kapp-Lüttwitz-Gesindels festnehmen. Ter Verha'tele Wurde als Schwerverbrecher im Keller seines Postamts festgesetzt'' und am Abend mit der.Grünen Minna" nach dem Polizeipräsidium befördert, von wo er am nächsten Tage durch das energische Ein- greisen der unteren Beamten entlassen wurde. Die Beamtenscha't möge sich bewußt sein, was sie unter der Herrschaft dieser Sorte von Führern zu gewärtigen hat, denen der S e r v i l i§ m it S zu einer lieben Gewohnheit geworden ist und die lieber al« Gesinnungslumpen durchs Leben lauten, als eine eigene Meinung zu haben. Der Bezirksverein Berlin des Verbandes deuticher Post- und Telegraphenbeamten wird sich auf seiner Tagung am Sonntag entscheiden müssen, ob. er derartige Subjekte noch länger tn seinen Reihen dulden will. Vorsicht bei Geschäftskäufen. Vor unüberlegtem Kauf von Milchgeschäften warnt die bei der Fettstelle Groß-Berlin bestehende Technische Kommission für den Milchhandel- Besonder» die Kriegerwitwen und die Kriegsbeschä- digten. die durch Milchgeschäfte sich ihren Lebensunterhalt erwerben möchten, sollen bei solchen Geschäftskäufen schon sehr trübe Ersah- rungeu gemacht haben. Durch gewissenlose Geschäftsinhaber, die oft mit Vermittlern arbeiten und ihrwn Prozent des Kaufpreises und darüber als Provision zahlen, werden Milchgeschäfte ge- schästsunkundigcn Leuten unter allen möglichen Versprechungen zu unerhört hohen Preisen ver- kauft. Es empfiehlt sich, vor Ucbernahme irgendwelcher Vcrpflich- tungen die bei der Fettstell« Groß-Berlin fPoststr. 6) eingerichtete Beratungsstelle für Geschäftsverkäufe aufzusuchen und sich dort Rat zu holen. Da zum Betrieb des Milchhandels jetzt behördliäbe Genehmigung nötig ist, so muß ohnedies jeder Be- sitzwechsel an die Fettstelle gemeldet werden und der neue Ge- sejäftsinhaber muß für seine Person d:e Genehmigung nachsuchen. Der bisherige Geschäftsinhaber ist auch durch Revers verpflichtet, seinen Nachfolger über diese Bestimmungen aufzuklären und ihn auf die Notwendigkeit der Gcnehmigungsnachsuchung hinzuweisen. An der Verhütung unüberlegter Geschäftskäufe hat nicht nur, wer Milchhändler werden will, sondern auch dte milchverbrauchende Be- völkerung ein sehr lebhaftes Interesse. Wenn einer mit seinen ge- samten Ersparnisien zu übertrieben hohem Preis ein Milchgeschäft kauft, das bei reellem Geschäftsbetrieb keinen großen Ertrag liefern kann, dann ist er nur zu sehr der Gefahr einer Neigung zu un- reellem Geschäftsbetrieb ausgesetzt. Erhöhung der VerhflegnngSkosien in den städtischen Krankeuhänsern. Der Magistrat hat beichlosfen. die Kur- und Vcrpflegnngskosten- sähe in den städtischen Krankenanstalten füt Kopf und Tag folgender- maßen seft Zusetzen: 1. Für einheimische Kranke der Groß-Betliner Gemeinden: z> Erwachsene............ 12,— M. b) Kinder............. 6,—» 2. Für Perionen sErwachicne und Kinder), die keiner Groß-Berltner Gemeinde angeböten..... 24,—. Die Erhöhung hat sich als unabweisbar«iwieien durch die enorme Pteissteigerung aller Lebens- und Arzneimittel. Bei letzteren sind inncrbalb eines halben JadreS Steigerungen ein- geneten. die in vielen Fällen mehrere hundert Prozent. tn einzelnen Fällen über 2000 Ptoz. ausmachen. Hwrdureb stellen sich die S e l b st k o st e n der S t a d t a e m e t n d e aus 24.— M. für den Krankenvetpflegungstag. so daß auch bei den neuen Kur- koiten'äyen tür einheimische Etwach'eiie noch 100 Proz. des Tattf- satzes ungedeckt bleiben und von der Geiomiheit der Steuerzahler getragen werden, während im Durchfidniit der drei Jahre 1915—1917 die ungedeckten Setbstkostcn nur 70 Proz. betrugen. �Der Magistrat bat trotzdem geglaubt, über die in Aussicht gcnom- menen Sätze wcht hinausgehen zu sollen. Unter diesen Sätzen zu bleiben, verbietet aber die finanzielle Lage. Die Stadtbahn im Sommer. Wie bereits kurz gemeldet, werden im Werktagsfahrplan auf der Stadt- und Ringbahn sowie auf den an diese anschließenden Vorortstrecken zum 1. Juni um- fungreicke Aenderungen in Kraft treten, von denen die wichtigsten schon jetzt feststehen. Die Fahrzeiten der Ringbahnzüge, wie auch der über die Stadtbahn verkehrenden Vorortzüge, werden sich fast ohne Ausnahme ändern. Hierdurch wird erreicht, daß jeder Zug auf den Knotenstationen Anschluß an die Züge der anderen Rich- tungen mit einer Uebergcmgszeit von nur 3—7 Minuten erhält. Dabei richtet sich die Uebergangszeit auch nach den örtlichen Ver- Hältnissen. Zur Erleichterung des Personenwechsels erhallen die Vorortzüge auf-den größeren Stationen je eine Minute Aufent- halt. Im Sonntagsverkehr wird die Betriebsweise sich vor- läusig noch nicht ändern, dock ist in Aussicht genommen, den Sonn- tagsverkehr späterhin dem Werktagsfahrplan anzupassen. Die Vor- ortstrecke Potsdam— Erkner, auf der der Betrieb wegen technisöber Schwierigkeiten geteilt worden ist, wird wie früher ohne Brechung gefahren werden. Zur Vermeidung der Uebertragung von Störungen von der einen auf die andere Vollringhälste wird im Verkehr der Ringbahnzüge vom Potsdamer Bahnhos eine Aende- rung vorgesehen, wegen der sich die Abtahrzeiten der Ringbahnzüge vom Potsdamer Bahnhof von Grund auf ändern. Sozialöemokratistbe Irauenkunügebung. Heute, Freitag, nachmittags 5 Uhr, Versammlung der Gcnoksirnen Groß-Verlins im Kriegervereinshans, Chansseestr. 94. Genossin Bohm-Schuch, M. d. N., spricht über: Die polt- tische Lage»nd dir kommenden Wahlen. Genossinnen, findet Euch vollzählich ein zur einmütigen Kundgebung gegen die Skcaktion für Freiheit, Recht und Wohlfahrt! ß Zu den Neuköllner Bankuntcrschlagungen wird noch mitgeteilt, daß der Kassierer K r a f f t und der Buchhalter Kriedemann ein volles Geständnis abgelegt haben. Wie ein Spät- abendblatt meldet, hat sich die Stadtbank bis auf einen Betrug von 60 000 M., den sie selbst tragen muß, an einer Grundstückshypothek des Krafft und an dem Reservefonds des ehemaligen Bankvereins schadlos gehalten. Kriedemann soll nach derselben Quelle noch 20 000 M. im Besitz gehabt haben. Ein eigenartiges Nachtlokal wurde in der P a s s a u e r Straße ausgehoben. In dem Hause Nr. 27 betriebt eine Frau Berg ein Plättgeschäft. Den Hinterraum richtete sie zu einer Nacht-Bar ein. Einige Korbsessel, Tische, kleine Lampen usw. gaben dem sonst kahlen Räume ein etwas anheimelndes Gepräge. Zwei Musiker sorgten für Unterhaltung. Eine Badewanne in einem Nebenräumchen diente als Sektkühler. Die Wirtin wtvd sich wegen unerlaubten Schankbetriebes zu verantworten haben. Um 1000 M. Silbergcld beraubt wurde eine Frau aus der Müncheberger Straße. Sie hatte das Geld gesammelt und wollte es zur Reichsbank bringen. Aus dem Wege dorthin kam sie durch die Grenadierstraße. Hier wurde sie angesprochen und gefragt, was sie zu verkaufen habe Sie erwiderte einem jungen Manne, sie habe etwas zu verkaufen, verkaufe es aber nicht in der Grenadierstraße, sondern bringe es zur Rcichsbank. Der junge Mann entriß ihr plötzlich das Paket und entlief mit der Beute und entkam.— Einem Straßenschwindler fiel ein Botenjunge in die Hände, der für 20 000 M. zugeschnittene Militärdrillichhosen sür Reichswehrtruppen abliefern sollte. Ter Gauner lockte ihm unter falschen Vorspiegelungen die Ware ab und war längst verschwunden, als der Bote sich überzeugt hatte, daß er betrogen worden war. Berufsberatiini, der Schwerhörigen. Das Pflegeamt tür die wtsienichattliche Weiterbildung der Schwerhörigen(Bort. Stadtschnl- rat Geb. Reo.-Rat Dr. Fischer) will tie Berufsberatung der schwerhörigen Jugend tn die Hand nehmen. Es ver- anstaltet zurzeit mit Hilfe sämtlicher Schwerhörigenverbände DeniichlandS, der deutichen Schweiz und Deutfch-Oesterreich eine Statistik, um die Erfahrungen älterer, im Leben tind Berus be- wäbrier Schwerhöriger für die Berufswahl seinen Pflegebefohlenen nutzbar zu machen. Auch Schwerhörige, die keinem Verein angehören, werden gebeten, ihre Erfahrungen und Ratichläge zum Besten der fchwethörtgen Jünglinge und Mädchen, die lünftig vor die Berufs- wähl gestellt werden, mitzuteilen. Sie erhalten auf Wunsch durch Direktor Schorch, Berltin 0 27, Markusstr. 49, kostenlos Fragebogen zugesandt. Die Aufgaben der Elternbeiräte. Die Mitglieder der Eltern- heirate befinden sich häusig in völliger Unklarheit über die Aut- gaben der neuen Körperschaften. Da von vielen Seiten an ihn die Ansvage gerichtet wurde. h2) ab beute. Für Kinder im lünslen und selbsien Lebensjahr 250 Grauim Zuckerrübensast(21 be« ziehungSireile 22 K). Stralau. Anmeldung Mit 375 Gramm Zucker(8), 125(Stamm Haferflocken(15) und 125 Gramm Grauven(16j bis Dienstag. Hermsdorf. Anmeldung auf 250 Gramm lose Hasel flocken(110) bis 12. April. Unter Ausichlug nachlrägiicher Anmeldung sind die Besiell- obschintte am Freitag, den 9 April bis emlcht. Montag, den 12. April bei den Klemhändteru und von diesen am Dienstag, de» 13. April im Lcbens- mittelbureau, Zimmer Nr. d bi« mittags 12 Uhr einzultefern. Die Ausgabe an die Händler crsolgt am Mittwoch, den 14. April, vormittags von 9 bis 12 Uhr in der Turnhalle. Groß-Serliner partelnachrichten. Heute, 9. April: 5. Abtlg. 7 Uhr bei Keusner, Hagelberger Str. 20 at Funktionär- Konserenz. 18. Abt. 318.— 320., 324. und 325. Bezirk, 8 Uhr Zusammenkunst bei Heese. Memeler Str. 63. Juiigsozinliftliche Vereinigung(Zl. P. D.). 6 Uhr im Saal der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Arbeitsgemeinschast.Volkswirt- schast". I'i, Uhr; Konferenz der Gruvpenleitung. Lankivili. Oeffentliche Versammlung, 8 Uhr, Restaurant Pichl. Kaiser-Withelm-Str. 34. Tagesordnung: Der Kapp-Ptttsch und seine Folgen. Morgen, 19. April: 3. Abt. 7'/, Uhr bei Dittschlag, Schöneberger Str. 13. Sitzung des Vorsiandes, der Bezirkssübrer und Betriebsvertrauensleute. * 5. Abt. 7 Uhr Sitzung der Funktionäre und Betriebsvertrauensleute bei Keusner. Hagelbergerstr. 20a. ;{!». Abt. Parteisunktionäre« und BettiebSvertrauenslcutc-Konserenz Vj, Ubr bei Berger. Levetzowkirasie, Ecke Jagowstraße. Werbrausschuff der Eisenbahner. SUhri'Sttzung aller Vertrauensleute im LehrervereinsbauS, Alexanderplatz. Wer verhindert ist, muß Ver- tretet senden. Eintritt nur gegen Mitgliedsbuch. Silüungsveranstaltun�en. FortschrittskursuS der Sozialistischen BildungSschulc über Volkswirtschaft. Der heutige Abend mtzß wegen Erlranlung des Gen. Grunwaid ausfallen. - T Jugenüveranftaltungen. Heute'/2� Uhr: Ebarlottruburg. Rosincnstraße 3 Mitgliederversammlung.— KönigS- Wusterhausen. Mitgliederversammlung, Schule Kirchplatz, Klasse 3b.— 91! oabit. Schule, Waldenserslraße, Knabenktubzimmer, Heimeröffnungs- abend.— Acnkölln-Tud. Nogathstr. 53, Die Ziele unserer Jugend- bewegunq.— Nlcdcrschönhausen. 1. Gemrinbeichule. Blantendurger Stragc 69/70(Zeichensaals Schulentlaffungsseier.— Nordost. Cbristburger •StroßE 14, Zimmer 14, Mitgliederversammlung.— Prenzlauer Borstadt. Tanziger Straße 25 bei Fensel Mitgliederversammlung.— Schöneberg. Rubens« Ecke Hauptstraße, Generalversammlung.— Süden. WilmSslr. 10, JugenMIz., Milgiicderversammlung.— Tegel. Babnbossiraße 15, Mitglieder. Versammlung.— Weistensee. Woelckpromenade 1 Generalversammlung. Neukölln, Süden, Südwesten, Biciten. Früblingsscier Sonnabend fl,711br Kliems Fcstsäle, Hasenheide. Eintritt 1.125 M. Anschließend Tanz. — Nirdcrschöucweide. Sonnabend 6 UhrkFrüblingsseier, anschließend Tanz, Restaurant Loreley, Berliner Str. 101. �Eintritt 1 M. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Verciu hcimattreuer Ostpreußen.-Sonntag 10 Uhr Aula, Mitten- walder Straße 37, Versammlung.— Freier BSanderdund. Sonntag Bernau-Bogensee. Abfahrt 5,10 StettwerzVororlbahnhos. Dienstag Bor- standssitzung bei Hebe, Boyenstr. 19.— /Zentralverband der Arbeits- invaltden Teuischlands. Bezirk Norde» Kl. Sonntag 10 Uhr Mit- glicdcrverjammlung bei Schurzmann, Stettiner Str. 11. Gäste willkommen. — Gemeinnütziger Fretbadverei« Groß-Berlin. Mitgliederncrsamm- lung, Montag 7 Uhr, Comenius-Festsäle, Memeler Str. 67. Ausgabe der Zclttarten. Mus aller Welt. Eine zwanzigköpfige Falschmünzerbande, die ihr Handwerk in größtem Maßstabe inNeuhaldensleben betrieb, ist ausgehoben worden. Die Werkstätte war elektrisch beleuchtet und die Drucker- pressen wurden durch einen Mo t o r bedient. Man fand für ftz� Millionen Mark falsche 50-Mark-Scheine vor. Die übrige Ein- richiung der Werkstätte läßt darauf schließen, daß sich die Fälschet' aus Verteidigung eingerichtet hatten. Man fand 2 Maschinen- gewehte, 8 neue Gewehre, 60 Handgranaten, 5000 Schuß Munition und einige Pfund Sprengpulver vor. Lang hat sie warten müssen, die Jungfrau von Orleans, auf ihre Heiligsprechung, aber am 16. Mai wird'S besorgt. Doppelraubmord in Lübbenau. Der Roßschlächter Hennig aus Schönberg(Oberlausitz) ist mit seinem Gehilfen Schapler am 3. Osterfeiertag bei Lübbenau(Spreewvld) von einem Unbe- kannten, der sich Steinbrecher nannte, auf der Landstraß« erschossen und seiner Barschaft von 30 000 M beraubt worden. Der Täter hat die beiden Ermordeten telegraphisch mit der Jnaussicht- stellung eines großen PserdeverkaufS in die dortige Gegend gelockt. Von dem Verbrecher fehlt jede Spur. öriefkasten öer �eäaktion. steder Mr den Brieffasten bestimmten Antrage füge man einen Buchstaben unö eine Nummer bei. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Eilige An- krage» trage man in der Iuristifchen Svrechstunde. Lindenstr. 3, 1. Hof parterre links, vor.(Schriftstücke und Verträge Und mitzubringen. H. L. S8. Auskunst erteilt Frau F. Schneider, Villenkolonie Wust be> Brandenburg a. H.— C. H. l8S8. Leiter des Volkschors i Dr. E. Zander. Pankow. Breitesw. 26 a; Ilebungslokal Könizstädtisches Realgymnasium. Elilab-Ibstr. 57/58.— F. S. 78. Wenden Sie sich an den Holzarbeiter. verband, Rungestr. 30.— O. Kkn. 350. Im Jahre 1914 requiriert — A.«. 30. Ja.— I. 0. 1. Veranlassen Sie Ihren Bruder, sich an die dortige Fürsorgeftelle sür Kriegsbeschädigte zu wenden. 2. Zweiselhast 3. Wenn die Frau sür schuldig erklärt wird, kann der Mann das Kind be« kalten.— Stargard in Pommern. Wenn die Sachen ge- schentt sind, so brauchen Sie sie nicht herauszugeben.— D. G. 43. Nein.— F. B. 17. Ihr Bruder muß erscheinen.— W. Ja. — O. M. 20. 1. Das ist nur ein Titel. 2. Nein.— Nr. 500 Za- wadzki. Der Autobefitzer ist nur bastbar, wenn ihn ein Verschulden ttisft - S. B.»22. Ja.— W. F. 7. 1. Ja. 2. Bis 30. 9. 19.— C. S. 20. Ja, Sie müssen aber Vollmacht von Ihrem Bruder haben. Einen Anwalt können wir Ihnen nicht empiehlen.— M. 500. 1. Setzen Sic sich mit der Gemeinde in Verbindung. 2. Können wir Ihnen nicht sagen.— B. 481. Unseres ErachlenS ja. Wenden Sie sich an die über- geordnete Stelle.— B. S- 100. Unter Umständen ja.— St. L. 100. 1. Zweiselbast. 2. Nein. 3. Ja. wenn Sie tür allein schuldig erklärt werden. — M. 50. Nein.— A. 1. Der Pächter, wenn der Pachtvertrag noch käust.— P. 8. 5. Sobald die Zulagen sestgeletzl sind, gelangen Sie ohne weiteres zur Auszahlung.— 2L. H. N. 13. 1. Die Steueipslickt be. ginnt mit dem aus die EnIIassunq folgenden Monat. 2. Versuchen Sie Wiedereinstellung.— TP. W. 100. Suchen Sie die Angeiegenheit mir Hilse Ihrer Organi'ation zn ordnen; Sie hätten dem Ruse derselben folgen sollen.— M. P. 77. 1. VersichernngSamI. 2. und 3. Unter Umständen ja. 4,§ 1255 Absatz 3 besagt, daß nach Ablauf von 26 Wochen oder nach Wegsall des Krankengeldes für die weitere Dauer der Invalidität eine Krantenrrnte zu gewäbren ist.— X. Ja. — Zwei Streitende 1020. 1., 5. und 7. Ja. 2. Wettere Abzüge sind nicht zulässia. 3. Bei einem Einkoinme» bis 3000 M.: Berufung an die Berusungstommission: bei mehr als 3000 M. Einkommen: Beschwerde an daS Oberverwaliungsgericht. 4. Beschwerde erscheint aussichtslos. S Er- innern Sie an Erledigung der Beschwerde�— Zp. 34. 1. Ja. 2. und 3. Ersadien Sie beim Filianzamt, an das-sie sich sosort wenden wollen.— P. H. 43. 1. und 2. Zunächst an Ihren frühere» Truppenteil, co. an die Abw'ckiungsiielle deS früheren preuß. Kriegsmimstermms. 3. 9—75 M.— U. B.«. 220. 15—45 M.— F. B. 75. Wenden Ei- sich an den Republikanischen Fübrcrbund. Luiienstr. 31 d.— F. 00. Wenden Sie sich an eine dortige Buchllandiung.—».8.38. Sie müssen sich an das Amtsgericht Ihres WobnorleS wenden. Besondere Papiere sind nicht erforderlich.— — Martin 77. Wir raten Ihnen, sich direit an einen Rechtsanwalt zu wenden.—.(£.<2. 55. Wenden Sie sich an die Hauptsürsorgeilelle sür Ziriegsbeichädigte, Poftstr. 5.— R. 2. 09. Wenden Sie sich an die doriigc Fsirsorgestelle sür Kriegsbeschädigte.— Kalk 1000. Dem Bürger- Meister siebt Pension zu.— 20. 2.1875. Es ist zweyelhait. ob Sic auch versicherungspflichtig find. Lassen Sie die Kranlenkassc enlscheiden. Wenn sie nichl oenicherungspflichtig find, sich aber selbst weiter nersichern wollen. müssen Sie auch die Beiträge zahlen.— G. 2. 34. Richten Sie ein Ge- such um Einleitung des Heiwersahrens an die LandesverstcherungSanstall. rTheatGLr.lichtspieie etc.l EfeoQemoooacptnQpQocuannriniinanrinryitvMMiMBiwinrinm.-irryr�-gv�f�yw Opernhaus. Fidelio. Anfang 7 Ufir. Schauspielhaus. Der Marquis v. Keith, _ Anfang 7 Uhr,_ Direktion Max Reinhardt Oentsches Theater. 7 uhr: Der lebende Leicta Sonn. 7: Die Dame Kobold. Kammeraplele. � Die deutsch. Rleinstäilter Sonnabend 7 Uhr: Gabriel Schillings Flucht.* Gr. Schaasplelhaaa KarlstraBe. 7: Derweiße Heiland|39A,�,A.) Sonnabend 7 Uhr: D. weiße Heiland(40.Abt. 2.A.) Theater 1. d. KSnlggratzerStraße >/z8 Uhr:SchloBWetter»felii Sonnabend: König Nicola. Sonntag:«Sie". Nachm.: Erdgeist(M.Orska) Romödienhans Heute zum 25. Male: ÄSS, Minister (Max Pallenberg) Berliner Theater 7 Uhr: Der ietzte Walzer. Ffitzl Massary, Otto Storni, Wassmann, Centrnl-Thenter v.u.: Fräulein Puch. Itentsehes Opernhaas 7 uhr: Die toten Äugen Die Tribilue v.u.: Franziska. Edcn-Tiieater. v.u.: Die Dollarprinzessln ■mnt 3 Uhr;„v. A. w. g" rledr.-Wilheimst.T I'/zBlir: Evchen Humbrecht Kleines Theater. Die PiaFFliaaskomödie. til. Hchansplelhnns. Volksbühne Theater am Bülowpiatz. ru.: Nach Damaskus Lessing-Tlieater. uhr: Peer KM. Sonnabend 7 Uhr; Wozzeck, Die Buhischwesfer. Sonntag 7V<: Pygmalion. Deutsches KfinstieF-TbeateF Allabendlich (Adalbert, Götz, Haack, Kon- schewska, Fischer, Morgan, _ Herrmann)_ Rose-Theater. 7V. Uhr: Das Lied der Liehe. 'APOLLO Theater Mrekt James Klein Täglich 7'/, Uhr. , Uhr, zum 101 3" ten Maie: s.lOItl» Komisehe Oper !hr: Wenn Frauen irten :g. i'i,: SchwarzHaldmädel. I.astspiolhnas Arnold Pieck in V« . W> fletrepel Theater Uhr: Si'bill. nntagnachm. 3 Uhr; izrieys lante m. Thielscher cne« Operettenhan» Mia Werber als Gast In . v.u.: Die kleine üoiicit ilg. 3'/.. Die Dame vom ilrkus >. cueu Tolkstheater ersten Male! DOS WUliiCS. «iclilllor-Thent. Diai. Keine starii wirkenden Ar/nMmittel, keine- Schild driifiö enthaltend Nicht abführend.— Leicht bekömmlich. Gratis-Brosdbüre yersendet auf Wun-ch Elefanten• Apotheke, Berlin SW. /!/ Amt Zentrum 7192. Leipziger Str. 74( Dönhoff piaizj V'.■ Ii Oberlandesgerichtsrat Potsdamer Str. 115(LÜtzowstralJe). Lanrtjährlße Erfahrunrcn. Straf-, Zivilprozesse— Ehe-, Alimenten, Vertr uens» sachen. Gesuche, Verträge. 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Wortbruch üer Regierung? Tas Bielefelder Abkommen. Von Herrn Minister G i e s b e r t s erhalten wir die fol- gende Zuschrift: In einem Artikel der„Freiheit" mit der Uebcrschrift „Wortbrüchig" versucht der Abgeordnete Braß der Regierung bezüglich des Bielefelder Abkommens die Verantwortung für die blutigen Ereignisse im Ruhrgebiet zuzuschreiben. Er schreibt u. a.: „Die Regierung entsandte nunmehr Minister ohne Vollmacht und den Reichskommissar nach Bielefeld, um Abmachungen zur Wiederherstellung normaler Zustände zu treffen. Nach zweitägiger Verhandlung kam das bckanMe Abkommen zustande. Auf Vorschlag des Ministers Giesberts einigten sich beide Parteien, daß der unaufgeklärte Bruch des Waffenstillstandes vor Wesel lokalisiert bleiben sollte. Keine Truppen sollten mehr anrollen. Was geschah? Ein Truppentransport nach dem anderen rollte aus Mittel- und Süd�eutschland heran. Die Operationen gegen das Ruhrgebiet werden fortge- setzt. Aus Mitteldeutschland drangen die schauerlichsten Nachrichten über den von den siegreichen Truppen ausgeübten weißen Schrecken ins Nuhrgebiet. Eine Panikstimmung ergriff die Arbeiterschaft. Das Bielefelder Abkommen war erledigt." Soweit das Bielefelder Abkommen in Betracht kommt, an dem ich persönlich mitbeteiligt bin. möchte ich, um keine Legendenbildungen aufkommen zu lassen, folgendes feststellen: 1. Ter erste Tag der Bielefelder Verhandlungen wurde durch eine Generalaussprache der gesamten Konferenzteil- nehmer und eine kurze Sitzung der Kommission ausgesüllt. An den Beratungen der Kommission an diesem Tage habe ich nicht teilgenommen. Tie Kommission unterbreitete abends der Konferenz den V o r f ch l a g eines W a f f e n st i l l st a n- des. Ter erste, die Reichswehr betreffende Teil dieses Ab- kommens lautet: Tie Gruppe Wesel der Reichswehr steht nörd- lich der Lippe, die Gruppe Münster liegt mit rechtem Flügel bei Buldern dicht bei Münster und östlich von Münster. Kein Soldat steht so weit südlich, daß, falls Gegner seine Bewe- gungcn hält, es heute und auch morgen zu Zusammenstößen kommen kann.— Am gleichen Tage erließen die Vertreter des Reichswehrkommandos Münster an ihre Truppenteile die cnt- sprechenden Anweisungen. Ebenso wurde die rote Armee in gleicher Weise durch Herrn Braß und seine Freunde verstündigt. Nach meiner Kenntnis sind irgend welch?- Kampfhandlungen seitens der Reichswehr nicht vorgenommen worden. Die Verschiebung ein- zelncr Truppenteile kann nicht als Vormarsch angesprochen werden. Ich hatte bereits in der Konserenz bei der Besprechung des Waffenstillstandsabkommens darauf hingewiesen� daß noch weitere Truppenteile der Reichswehr im Anrollen� begriffen seien und die Möglichkeit bestände, daß die Führer dieser Truppenteile nicht rechtzeitig informiert werden könnten und infolgedessen möglicherweise mißverständliche Trnppenaus- stellungen nicht ausgeschlossen seien. Solche Vorkommnisse dürfe nian aber dann später nicht als einen Bruch des Waffen- stillstandsabkomniens ansehen. Es ist deshalb unrichtig, wenn Herr Braß sagt, daß vereinbart worden sei, es sollten keine Truppen mehr anrollen. Die im Anrollen begriffenen Truppenteile mußten nach ihrem Bestimmungsort befördert werden. Maßgebend und ausschlaggebend war, daß keine Kampfhandlungen vorgenommen wurden. Dies ist seitens der Reichswehr in jenen Tagen gehalten worden. 2. Wenn der Abgeordnete Braß schreibt, daß auf meinen Vorschlag hin der„unaufgeklärte Bruch des Waffenstill- standes vor Wesel" lokalisiert bleiben sollte, so ist dazu fol- gendes zu bemerken. Der Angriff der roten Armee auf Wesel wurde am zweiten Verhandlungstag, nachmittags 4 Uhr, als die Kommission nahezu fertig mit ihren Beratun- gen war, �bekannt. Ter erste Eindruck sowohl bei mir wie auch bei Staatskommissar S e v e r i n g war der, daß nun- mehr alle weiteren Verhandlungen gegenstandslos wären, da ein offener Bruch des Waffenstillstands- abkommens seitens der roten Armee vorläge und man der Reichswehr nicht zumuten könne, dem untätig zuzusehen. Ich machte dann persönlich den Vorschlag bei den anwesenden Vertretern des Reichswehrkommandos, den Fall in Wesel zu lokalisieren und daraus keinen Anlaß zu einem weiteren Vormarsch zu nehmen. Meines Wissens ha: die Reichswehr in diesem Sinne gehandelt. Die Frage an Herrn Braß und seine Freude, wie es käme, daß bei Wesel das Abkommen nicht geholten würde, beant- warteten' die Herren nur damit, daß vermutlich ihre tele- phonischen und telegraphischen Anweisungen noch nicht bis dahin durchgedrungen wären. Sie erklärten, daß sie sofort ein Auto mit zwei zuverlässigen Kurieren nach Wesel schicken würden, um die Führer der roten Armee zu veranlassen, die Kampfhandlungen einzustellen. Bekanntlich hat dieser Schritt auch keinen Erfolg gehobt, da die Kämpfe auch noch am folgenden Tage bei Wesel fortgesetzt wurden. Nicht die Regierung war in diesem Falle also wort- brüchig, sondern alles nachfolgende Unglück und Blutvergießen und der notwendig werdende Einmarsch der Reichswehrtruppen ist dadurch veran- laßtworden, daß die rote Armee ihre Kampf- Handlungen trotz der Weisungen von Herrn Braß und seinen Freunden fortsetzte. Wieso eine Panikstimmung über den weißen Schrecken die Arbefterschaft ergreifen konnte, ist mir unerfindlich, noch unverständlicher ist mir die Behauptung von Herrn Braß, das Bielefelder Abkommen sei damit erledigt gewesen. Die Regierung hat sich von vornherein absolut aufdenBoden dieses Abkommens gestellt und war bereit, die ganze Frage in diesem Sinne zu ordnen. Die gleiche Bereitwillig. keit haben auf der Konferenz die Vertreter aller Parteien bekundet einschließlich Herrn Braß und seiner Freunde. Alle nachfolgenden Verwickelungen sind dadurch entstanden, daß die im niederrheinischen Gebiet stehenden roten Trup- Pen das Bielefelder Abkommen nicht akzep- tierten und durchführten, sondern vielmehr weitere Kampfhandlungen vornahmen, dagegen im bergischen Lande und in Hagen ehrlich versucht wurde, das Bielefelder Abkommen durchzuführen. Nicht also die Regierung trifft die Verantwortung für die letzten traurigen Ereignisse, sondern die Führer der roten Armee, die es nicht über sich brachten, das Viele- selber Abkommen anzuerkennen und loyal durchzuführen. Es muß dabei noch ausdrücklich betont werden, daß irgendein Anlaß ftir das Verbleiben der roten Armee nicht gegeben war. Der Kavp-Pvtsch war längst erledigt. Zur Abwehr dieser reaktionären Machenschaften bedurfte es der bewaff-. neten Arbeiter nicht mehr. Staatskommisiar Severing war mit ausreichenden Vollmachten ausgestattet, die er später in weitherzigster Weise benutzt hat, um immer wieder die Grundlage für eine Einigung ohne Blutver- gießen zu finden. Wenn es trotzdem anders gekommen ist, so liegt die Schuld, um es yochmals zu betonen, aus- schließlich an den widerspenstigen Führern der roten Armee, über deren Kampfziele und Absichten bis heute noch volle Unklarheit besteht. Der Versuch, der Regierung jetzt Wort- brüchigkeit vorzuwerfen und ihr damit die Verantwortung für die blutigen Ereignisse zuzuschreiben, muß mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. * Die am Donnerstag geführte Besprechung der Reichsregierung mit Vertretern der Bevölkerung des Ruhrgcbiets, insbesondere der Arbeiterschaft und der im Jnd«stricgcbiet stehenden Truppenteile der Reichswehr befaßte sich mit der jetzigen Lage und den weiter- hin zu treffenden Maßnahmen. Es ist vorgesehen, daß am Freitag die Vertreter des Ruhr- gcbiets auch mit den Vertretern der Gewerkschaften und der beiden sozialdemokratischen Parteien eine Aussprache haben werden. Kommunistische Volksbeglückung. Was sie im Ruhrrevier erreichten. Die„Rote Fahne" veröffentlicht an der Spitze ihrer Tonnerstagniimmer einen Aufruf des Essener Zentralrats zur Sammlung für die Opfer der Kämpfe im Ruhrrevier. Die dort herrschenden Zustände werden folgendermaßen geschildert: Tie Not hier ist furchtbar. Es gilt, entsetzlichstes Elend wenigstens zu lindern, die H i n t e r b l i e b e n e n der Gefallenen nicht auch noch dem Hunger und der Verzweiflung anheimfallen zu lasten, die Verwundeten und die brotlos gewordenen Flüchtlinge vor dem Alleräußersten zu bewahren. Der größte Teil der Arbeiterichast hat wochenlang im Streik gestanden, etwa 100 CKX) Mann waren an den Kampshandlungen be- teiligt. Viele Unternehmer blieben mit den Lohnzahlungen im Rück- stand, an die Kampftruppen sind nur in bescheidenem Umfange Löhne gezahlt worden. Die Kämpfer kommen abgerissen von der Front zurück. Die Menschen in der Kampfzone sind fast voll- ständig verarmt, ihre Wohnungen leer, Klcidrr, HanSrat, alles fehlt. In die Schuld an diesen grauenhaften Zuständen teilen sich die Diktaturapostel beider Richtungen: der Rechts- und der Linksputschistcn. Ucber Gräbern und Trümmern können sich rot- und weißlackierte Kappisten die Hände reichen. S i e haben's geschafft! Wo es zu Helsen gilt, werden unsere Parteigenossen nicht beiseite stehen. Hilfe den Unglücklichen gewiß: Aber auch Fluch über die Volksverderber! Mbeiterjchast unö Volkswehr. Generalversammlung der Revolutionären Betriebsräte. Donnerstag abend traten die Revolutionären Betriebsräte Groß-Berlins zu einer Generalversammlung in der Bötzow- Brauerei zusammen, um zu der politischen Lage Stellung zu nehmen. D ä u m i g schilderte die Lage als sehr ernst. Die Regierung pendele zwischen den Truppen, die um ihre Existenz kämpfen, und zwischen der Bourgeoisie, die ein schärferes Auftreten der Regierung verlange. Im Bürgertum habe man die Gewerkschaften wegen ihrer'J Punkte bereits als proletarisches Instrument abgestempelt. Die Massen wüßten freilich, was sie von der Gcwerkschaftsbureau- krntie zu halten hätten. Die Besetzung Frankfurts sei auf das Schuldton to der Regierung(!) zu setzen und es sei bedauerlich, daß durch das Vorgehen der Franzosen die nationalistischen Instinkte auch in Arüeiterkreisen wieder aufgepeitscht würden. Nicht um der armen Bergleute im Ruhrrevier willen, sondern aus reinen An- ncxionsgründcn seien die Franzosen eingerückt. Im Ruhrrevier ständen jetzt 31 Bataillone und 17 Schwadronen und der weiße Schrecken habe furchtbar gehaust. Es sollen jetzt Listen ausgelegt werden, in welche sich die Arbeiter einzutragen haben, die in den Militärdienst eintreten wollen. Wir haben, so fuhr Däumig fort, schon einmal die Dummheit gemacht, den Eintritt in die Einwohner- wehren abzulehnen, weil jeder den Revers unterschreiben mutzte, daß er für die verfassungsmäßige Regierung eintreten wolle. Lassen wir sie in den Revers reinichreibcn, was sie Wolken! In Reserve bleibt uns die Waffe des Generalstreiks als Abwehr- aktion gegen den verbissenen Militarismus, die Bourgeoisie und das Unternehmertum. Im Augenblick ist ein solcher Streik nicht möglich, weil weite Kreise der Beamtenschaft, der christlichen und der Hirsch-Dunckerschen Verbände nicht mitmachen würden. Was die Bewaffnung der Arbeiterschaft anbetrifft, so stehen die S. P. D. und die Gewerkschaften mit uns auf dem gleichen Standpunkt. Denn der drohende neue Militärputsch, der jetzt in Pommern. Schlesien. Ostpreußen vorbereitet wird,>oird vor den Mehrheitssoziakisten nicht haltmachen. Dänmig schloß mit der Mahnung, den großen Schlag für den richtigen Augenblick zurückzustellen. das italienische öeispiel. Renners Empfang in Rom. In dem gleichen Augenblick, in dem die Welt von neuem das Schauspiel erleben muß, wie ein von Haß und Miß- trauen erfüllter Sieger siebzehn Monate nach Einstellung der Feindseligkeiten unter heuchlerischen Vorwänden mili- tärische Aktionen gegen wehrlose Städte unternimmt, kommt aus der italienischen Hauptstadt eine Kunde, die geeignet ist, die Hoffnung auf einen wirklichen Fried'en zwischen den Völkern dennoch aufrechtzuerhalten. Der deutsch-österrei- chische Staatskanzlsr, Genosse Renner, ist zum offiziellen Besuch der italienischen Regierung in R o m eingetroffen, er ist respektvoll und sogar freundlich nicht allein von den Behörden, sondern auch von der Bevölkerung begrüßt worden, auf dem Dach des Hotels, in dem er abgestiegen ist, webt neben der italienischen Trikolore die deutfchöster- reichische Flagge rot-weiß-rot— mitten in Rom! Man wußte allerdings schon feit langem, daß im italie- nifchen Volke der Haß gegen den früheren unmittelbaren Feind, Oesterreich, längst verflogen sei, und daß auch die Ge- fühle der Italiener Teutschland gegenüber keine Spur von Erbitterung mehr zeigen. Tas ist zum großen Teil das Verdienst der sehr rührigen und mächtigen italie- niichen s o z i al i st i s ch e n Partei. Diese ist es gewesen, die als erste sich zum Anwalt des hungernden deutschösterreichi- scheu Volkes gemacht hat und bereits seit dem vorigen Herbst wohnt man dem erhebenden Schauspiel bei, daß italienische Städte Tausende von unterernäh �ten Wiener Kindern eingeladen haben, um die Folgen der mörde- rischen Blockade wieder gutzumachen. Die italienische Re- gierung hat sich bald darauf ftn dieser Rettungsaktion offiziell beteiligt. Der gegenwärtige Empfang des Genoffen Renner in Rom ist nun ejne prächtige Bestätigung dieses ritterlichen Geistes. Und da fragen wir: Waruin ist eiwe solche Versöhnung zwischen Italien und Oesterreich möglich— und zwischen Frankreich und Deutschland nicht? Ist denn während des Krieges die italienische interventionistische Presse auch nur um einen Grad gemäßigter gewesen, als die französische? Ist nicht der Haß' Italiens gegen Oester- reich während des Krieges ebenso furchtbar gewesen, wie der Deutschenhaß in Frankreich? Sind nicht verhältnismäßig ebenso viel Italiener gefallen und zu Krüppeln ge- schössen worden wie Franzosen, gibt es nicht auch in Italien Hunderttausende von Kriegswitwen und-waisen? Warum ist keiner dieser Hinterbliebenen auf den Gedanken gekommen, den österreichischen Staatsmann mit Gejohle oder mit Steinwürfen zu empfangen, wie dies unfehlbar geschähe, wenn das deutsche Staatsoberhaupt nach Paris reisen würde? Tas liegt offenbar daran, daß die italienische Nation über den Krieg hinaus jene Ritterlichkeit beibehalten hat, die man bei den italienischen Völkern zu rühmen pflegte, während das französische Volk noch vollständig durch seine nationalistische Presse vergiftet ist und weitervergiftet wird. Dieser Unterschied spiegelt sich in den Minister- Präsidenten dieser beiden Länder wieder: Italien wird von dem klugen, tapferen, vorausschallenden N i t t i geleidet, Frankreich dagegen von dem würdigen Nachfolger Clemen- ceaus, dem demagogischen, engherzigen, nur auf Augenblicks- erfolge bedachetn M i l I e r a n d, dem Sieger von Frankfurt am Main. Wann wird auch das französische Volk sich, von seinen Hetzern befreien und, dem italienischen Bei- spiel folgend, denWegderVersöhnung beschveiten? ♦ In Rom ist Dr. Renner sehr freundlich empfuncien worden. Ministervräsident N i t t i erwartete ihn auf dem Bahnhof und schloß seine Begrüßungsrede mit den Worten:„Sie arbeiten für den Frieden. So tun wir beide dasselbe. Hch drücke Ihnen erzlich die Hand."__ Gefterreichisck-schweizerischer Zwischenfall. Terrorakte gefährden die Hilfsaktion. Vor einigen Wochen war in Nennkirchen, Niederösterreich, der Fabrikdireklor Zweüel, ein Schweizer Bürger, von Arbeitern>n ad- scheulicher Weise mißhandelt worden. Der Staatskanzler sprach dem Gesandten sein Bedauern aus. Jetzt bat d«x schweizerische Gesandte an die Regierung im Auftrag des Bundesrates eine Ver- balnote gerichlet, wonach dieser sich zum größten Bedauern in Ne Lage versetzt sehen würde, sich von der finanziellen Hilis- aktion für Oesterreich, welche einige alliierte Mächte im Verein mit neutralen Mächten planen, zurückzuziehen, wenn mchr in kürzester Frist die Himpibeteiligten an dem Anschlage gegen den Schweizer Fabrikdireklor Zweifel in Ncunkirchen in Haft ge- nommen würden. Es sind daraufhin sieben Ai heiter verhauet worden, wogegen aber eine lebhafie Proiestbewegung inszenier wurde. Wien, 7. April.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Die Verhaftungen in Neunkirchen waren seit einer Reihe von Tagen be- reits von den Unternehmern, dem reaktionären Wiener„Bürger- und Ständcrat" und der ihm nahestehenden Presse gefordert worden und darum hat ihre Durchführung so große Erregung unter der Neunkirchener Arbeiterschaft hervorgeruse». Die Deputationen haben der Regierung und dem, Schweizer Gesandten erklärt, daß die Arbeiterschaft gar nichts gegen die Untersuchung habe, sie vielmehr wünsche, daß sie sich aber entschieden gegen die Einmischung der Reaktion wehre. Eine Vollversammlung in Neun- kirchen hat den gleichen Beschluß gefaßt.— In Neunkirchen ist trotz der erregten Stimmung Ruhe..... Der llanüraub im tveften. Der Reichskanzler hat Donnerstag zwei Abordnungen aus dem Kreise Monschau und aus der Stadt Aachen empfangen. Beide haben in eindringlichster Weise auf die schweren Nachteile und Ge- fahren hingewiesen, die dem Kreise Monschau und der Stadt Aachen daraus erwachsen würden, wenn, die von der Grenzkommission be- schlossene Zuweisung der Eisenbahn Raeren— Kaltenhcrberge samt Gebiet an Belgien Tatsache werden sollte. Die Stadt Aachen verliere damit die Verbindung mit ihrem letzten Gebiet landwirtschast- sicher Erzeugnisse, der Kreis Monschau werde zur wirtsckwft'Iichen Verkümmerung verurteilt, weil er nicht mehr in der Lage sei, seine Erzeugnisse aus dem einzigen möglichen Absatzmarkte der Stadt Aachen zu verwerten. Der Reichskanzler hat den Abordnungen i erwidert, daß alles getan werde, um den Beschluß der Grenzkom- Mission, mit dem diese ihre Befugnisse überschritten habe, rückgängig zu machen. Die deutsche Regierung werde die Zuwei- sung der Eisenbahnstrecke und des von ihr umschlossenen Gebiet�- teiles an Belgien niemals als zu Recht bestehend anerkennen. Kopenhagener putschöamen. Kopenhagen, 8. April.. Sozialdemokrale u" bencht.:: Die Kamarilla, die den König bearbeitete, bestand zum größu- Teil aus einer Reihe hy st eri scher Frauen, nämlich der Kon- reipondentin der„Berlingske Tidende" in Flensburg, Frau Cbar- lolle H a S l u n d, der als Chauvinistin bekannien Malerin F>au Slott- Möller, sowie der Frau des englischen Sekretärs der Internationalen Kommission, Bruce, die eineTochler des früheren dänischen Hafenkapitäiis Drechsel ist. Tic englische Arbeiterpartei hat beschlossen, am Genfer Kongreß der 2. Internationale nicht teilzunehmen. Der Kongreß hat aber den Beitritt zur Moskauer Jnternatwnale abgelehnt und die Schweizer Sozialdemokratie ersucht, eine neue alligemctne Jnler- nationale zustande zu bringen. Ter Parteivorsitzende Philipp Snowden griff die Linksradikalen heftig an und verurteilte die Politik der gewaltsamen Revolution. Er sagt«, ein dauernder Er- folg könne nur durch den entwickelten Willen der intelligenten De- mokratie erzielt werden. Die russisch-schwedischen BerhandsilAtzen. Nach Meldung der Stockholmer Morgenblätter dauern die Unterhandlungen zwischen dem schwedischen Ministerium des Aeußern und Krassrn fort. Die Verhandlungen sollen einen günstigen Verlauf nehmen, aber nur einen provisorischen Charakter tragen. Die Abfahrt Krafsins wird für heute oder morgen erivartet. Estland im Völkerbund. Nach eine: HavaSmdidung aus London hat die Ragiermig von Estland beschlossen, dem Völkerbund bei- zutreten. Ostcrbrot für die Juden. Der neuen Hetzerei, daß die Reichs- gstroidestellc sü� die Versorgung der Itiden mit Ostevbrot eine größere Menge feinstes Weizenmehl zur Verfügung gestellt habe, stecht folgende Tatsache gagenüber: Tie Rcichsgctreidestellc hat zur Herstellung von sogenannter Mazze für die rituell lebenden Juden Weizenmehl in 7Sprozentigcr Ausmahlung zur Verfügung gestellt. SoAsswerstänidllch wird aber dieses Osterbrot nur gegen Abgabe der entsprechenden Brotkarlenab schnitte verkauft. Niemand kann also gleichzeitig Osterbrot und gewöhnliches Brot beziehen irie Kopfmenge an Brot beträgt 2,o Ktlcgramen für die streng rituell lebenden Juden, die neben gesänerism Brot auch vorfchie- bene andere Speiien nick-t genießen. Für weniger orrhodox lebend« Juden ist die Meng« entsprechend geringer. die Setriebsratswahlen. Die Keiften öes Setriebsrätegesetzes. Aus Arbeilnehmerkreisen ist an das RcichsarbeitSministerium die Anfrage gelangt, wie es mit Rücksicht auf die Ereiginsse der letzten Wocben bezüglich der Jnneballung der für die Betriebsräte« wählen gesetzlich vorgesehenen Fristen steht. Vielfach ist die Jnne- Haltung der Fristen für die Einleitung der Wahlen, für die Ein« reichung von Vorschlagslisten, für die Stimmabgabe usw. nicht m ö g l i ch' g e w e s e n. Soweit die Eiuleltung der Wahlen noch nicht erfolgt ist, kann und soll sie, wie das NeichSarbeilSminislerium bekanntgibt, nunmehr unverzüglich erfolgen. Die in der Wahlordnung vorgesehenen Fristen für die Einreichung der Vorschlagslisten usw. find nur M i n d e st f r i st e n. Soweit sie nicht innegehalten werden konnten, wird es Sache der Wahlvorsrände sein, für eine angemessene Verlängerung, gegebenenfalls Erneuerung der Fristen Sorge zu tragen. GewerMostsbewsgung Die Aentralarbeitsgemeinschast üer TextilinSuftrie für öezahlung öer Streiktage. Der Zentralvorstand der Zentralarbeitsgemeinschaft obiger Industrie hat folgenden Beschluß gesaßt: Der Zentralvorstand bedauert, daß durch eine Verkettung von Umständen es nicht möglich gewesen ist, durch gemeinsames Vorgehen, wie es den Paritätischen Grundsätzen der Zentralarbeitsgemeinschast ent- spricht, dem Kapp-Lüttwitz-Putsch ein sofortiges Ende zu be- reiten. Es herrscht Einmütigkeit darüber, daß der B e st a n d der Zentralarbeitsgenieinschaft für die Weiter- entwickln ng unseres Wirtschaftslebens un- bedingt erforderlich ist. Was die Frage der Zahlung anbetrifft, so hält der Vorstand dafür, daß, trotzdem eine ge- setzliche Verpflichtung zur Zahlung der Streiktage nicht be- steht, wirtschaftliche Weitsicht es gebietet, in diesem außer- gewöhnlichen Falle für die Zeit des General st reiks eine weitgehende»virtschaftliche Beihilfe zu gewähren. Auch dürfen die Streiktage nicht als Nrlaubstage angerechnet werden. Bei bereits abgeschlossenen freien Vereinbarungen soll es sein Bewenden haben. Zur Lohnbewegung öer Groß-Serliner Semeinöe- arbeiter. Die Tarifverhandlungen der Gemeindearbeiter Groß-Berlins begannen am gestrigen Donnerstag im SladtveroidnetensitzungSsaal des Berliner Rathauses. Eine Einigung über die Anträge der Ar- beitnehmerorganisationen wurde nicht erzielt. Die Entscheidung über die definitive Regelung der Lohnverhältniffe loll durch den Zentral-AuSschutz erfolgen. Die Einberufung deS Zentral- AuSschuffcS steht für die kommende Woche in Aussicht. Als Vor- schuh aus die Neuregelungsollen sofort zur Auszahlung gelangen: Für Jugendliche 140,— M., für Lvdige 200,— M.. für Verheiratete 215,— M., für jedes Kind unter 16 Jahren 30,— M. Neuorganisation der Arbeitsnachweise. Zur Prüfung der Organisation deS Arbeitsnachweises, inS- besondere zur Durchführung der Dezentralisation, find die Gewcrk- schaften unter Teilnahme von Verrretern der Groh-Berliner Ge- meinden zusammengetreten und haben in einer Ausschußsitzung unter dem Vorfitz des Genossen Körsten beschlossen: 1. Die Rechte des Fachkuratoriums bleiben unangetastet. 2. Die gewerkschaftlichen Arbeitsnachweise haben sich unter An- schluh an die öffentlichen Arbeilsnachweise in paritätische Arbeits- nachweise gemäß den Gewerlschastsbeschliissen umzuwandeln. 3. Der Metallarheiternachweis ist in einen öffentlichen umzu- wandeln. 4. Für die bestehenden Facharbeitsnachweise soll der BenutzungS- zwang eingeiührl werden. ö. Die Einrichtung von Kontrollstellen empfiehlt sich für die Durchführung der Erwerbsloscnunterstützung. 6. Eine Kommission von fünf Personen unter dem Vorfitz von Herrn Magistratsrat Wölbling hat unter Benutzung deS vorliegen« den Materials Vorschläge für die Neuorganisation deS ArbeitSnach- weises zu machen._ An die Mitglieder des Vereins Arbeiterpresse und der Unterstüyungsvereinigung. Die auf den 23. bis 30. März einberufene Haupiversammlung des Vereins Arbeiterpresse und der UnlerstlltzungSvereinigung der in der modernen Arbeiterbewegung täligen Angestellten konnte wegen der Berliner Vorgänge nicht abgehalten werden. Der Vorstand beruft nunmehr die Hauptversammlung des Vereins Arbeiterpresse auf Sonntag, den 25. April, die Hauptversammlung der Unlerstützungsverenrigung auf Montag, den 23. und Diens» tag, den 27. April, vormittagK 10 Uhr, nach dem Gewerkschafts- haus, Berlin, Engelufer 15, ein. Achtung, Detriebsrätekursus. Heute, den 9. April, von 4—6 und von 6—8 Uhr, spricht im ehemaligen Herrenhause. Leipziger Str. 3, Diplomhandels- lehrer K o s k e. Thema: Kritische Besprechung einer Bilanz an Hand eines Musterbeispiels. Brolat, Fischer. Zum Teilstreik beim Bau der Nord— Südbahn teilt uns der Vorstand des Verbandes der Zimmerer mit, daß die in unserer Nr. 178 wiedergegebene Meldung einer Korrespondenz über die Ursache des Streiks nicht richtig sei. Die Arbeitseinstellung durch die Zimmerer erfolgte, weil der Generalstreik benutzt wurde, um unter den beim Bau beschäftigten Arbeitern Maßregelungen vor- zunehmen. Wie von anlderer Seite über den Streik berichtet wird, konnte bei Verhandlungen am Mittwoch eine Ermgung nicht erzielt wer- don. Es soll vom Reichsarbeitsministerium versucht werden, durch neue Verhandlungen eine Verständigung herbeizuführen. Tie Urabstimmung im Friseurgehilfenverband über die Erhöhung der Wochenbeilräge von 40, 60, 80 und 100 Pf. um je 20 Pf., die Erhöhung der Streikunterstützung von 10 bis 22 M. auf 14 bis 36 M.. sowie die Zahlung der erhöhten Sätze der Arbeitslosen- Unterstützung, der Krankenunterstützung und deS Sterbegeldes ab 1. April anstatt ab 1. Juli 1S20 ergab die Annahme der An» träge des Verbandsvorstandes und-auSickiusteZ mit 3053 gegen 819 Stimmen. Von 154 Zweigvereinen haben sich 90 an der Ab- stimmung beteiligt._ parteinachrichten. Wahlvorbereitungen. Der Bezirksvorstand Mecklenburg-Lübeck fordert in einem Aufruf die Parteigenossen auf, unverzüglich die Vorarbeiten zur Reichstagswahl einzuleiten. Zur Aufbringung der erforder- lichen Wahlunkosten werden Wahlfondsmarken zu 1 M. herausgegeben und von den OrtSversinen m Umlauf gesetzt. Jedes Mit- glied mutz sich an der Beitragsleistung beteiligen.— Auch im Bezirksverbande für den Freistaat V raunschweig werden Sammellisten zur Stärkung des Wahlfonds ausgegeben. Wirtschaft Die Folgen der freien Wirtschaft. Die Folgen, unserer verhängnisvollen Wirtschaftspolitik vertiefen sich fortschreitend, kostet doch jetzt, wie wir mitgeteilt haben, das Besohlen eines Paar« Herrenstiefel bereit» 71 M. Den Vertretern der freien kapitalistischen Wirtschaft dürfte eS ungeachtet der gewaltigen Profile, die sie einstecken, doch nicht mehr ganz wohl sein. Das Kilo Unterleder, das 1914 fünf Mark kostete, wird heute mit 240 M. gehandelt, kostet also das 48fache. Die Vertreter der freien Wirtschaft dürfen st o l z sein über diesen Erfolg I Die Schuhmacherinnung Berlin macht folgende Auf- rechnung: 1 Paar Kernsohlen beim Kleinhändler.. 40,00 M. Arbeitslohn laut Lohntarif...... 12,00, Kleinmaterialien.......... 1,50, Unkosten und Gewinn(33>/, Proz.)... 17,50> Sunima 71.00 M. Nach dem gegenwärtigen Lederpreise von 240 M. da? Kilo kostet das Paar Sohlen nicht 40 M., sondern 60 M., so daß sich für diejenigen, die Leder zum Tagespreis kaufen müssen, der Preis statt 71 Mark auf 98 M. stellen wird. Zur Deckung der Geschäftsunkosten und als Gewinn gestatten die Preisprüfungs stellen dem Gewerbetreibenden und Handel 33'/, Proz. Auiichlag, d. h. al'o bei 98 M. einen Aufschlag von 24ff, M. auf 73'/, M. Da nun ein Schuhmacher am Tage drei Paar, auch vier Paar Siieiel besohlt, so macht das einen Bruttogewinn von 4 X 24'/z Mark— 98 Mark je Geselle für den Meister. Ein größerer Schuhmachermcister, der fünf Gesellen beschäftigt, würde also täglich 5 X 98 Mark— 490 Mark Bruttogewinn erzielen, seine großen Verdienste aus dem Verkauf neuer Stiefel im Ladengeschäft gar nicht gerechnet. Der kleine s e I b st arbeitende Meister, der sich den Lohn von 12 M verdient und den Jnnungspreis berechnet, würde bei 40 M. Sohlenpreis am Paar 29'/z M. verdienen, bei vier Paar am Tage 108 M.» Diese Rechnung zeigt, daß der von der Preisprüfungsstelle be- willigte Aufschlag von 33'/,, Proz. bei den so ungeheuer gestiegenen Preisen ganz ungerechiferiigt ist. Das gilt nicht nur für Schuhe. sondern für alle anderen Bedarfsartikel. Wir erinnern nur an die Fische, die zum Preis von 1,75 M. an den Großhändler kommen und mit 5 M. an den Verbraucher verkaufr werden. So treiben wir mit Gewalt einem Zusammenbruch entgegen, weil man eine Wirtschaftsform, die freie Wirtschaft, auf- recht erhält, die beim Zustand dauernder Warenknappheit nur dazu führen lann, daß rückfichtsloseste Ausbeutung das Volk zur Verzweiflung führt. Rur einen einzigen Reltungs- weg gibt eS, den wir den bürgerlichen und kapitalistischen Kreisen deutlich gezeigt haben, wirkliche sozialistische Wirt- s ch a i t S p o l i t i k. Man erfasse alle Häute, führe sie an den Schuhtrust ab, der die Gerbung, Verarbeitung zu Schuhen und Verteilung in einer Einheitsorganisation vornimmt. Technisch ist das ohne weiteres durchführbar, wie die großen kapitalistischen Trusts beweisen. Die Gerbereien und Schuhfabriken werden ver- gesellschastet zu Aktiengesellschaften, aus denen die Trust« gesellschaft gebildet wird. Dann entsteht auf dem- k ü r z e st e n und billigsten sowie technisch vollkommensten Weg aus der Haut der Schuh und die Häuteauktionen und Schieber werden ausgeschaltet._— astr. Hülsenfrüchte. Wir haben bereits berichtet, sollen die Speicher landwirtschaftlicher Genossenschaften angeblich so mit Hülsenfrüchten gefüllt seien, daß sie weitere Anlieferungen ablehnen. Daß die Kommunalver- Wallungen� sich sehr stark eingedeckt haben, ist bekannt, auch die Großhändler find reichlich versorgt, die Preise an den Börsen sinken. Wenn im Kleinhandel noch immer die hohen Preise gefordert werden, so liegt das daran, daß sie ihre Ware teuer ein- gekauft haben und solange als möglich versuchen, zu diesen alten Preisen die Ware noch abzusetzen. Durch das augenblickliche Steigen der Valuta infolge er-n geschränkter Wareneinfuhr nach Deutschland fällt der Preis für Auslandsware, die jetzt herein- geholt wird. Inwieweit der Kleinhandelspreis durch die reichlichen Warenmengen gesenkt wird, das wird von den S p e k u l a t i o n e n abhängen, die auf dem Warenmarkt die Preise befiimmcn. Hallen die Händler Disziplin, dann wird es ihnen glücken, die Preise zu halten oder doch nur ganz langsam weichen zu laffen. Bei der großen Kartoffelknappheir wäre ein erheb« licheS Sinken der Preise dringend notwendig. Da sich die Kommunen zu hohen Preiien eingedeckt haben, werden diese aber wohl auch versuchen, die Preiie zu hallen. Berantw. fttr de»«battlon. Teil:«ttnt Rifflet, Tbarlottenbura: für An,«igen: Zh. Slofl«, Berlin. Verlag: Vorwilrts-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Bor- wlirtS'Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin. Lindcnstr. z. Hicrzu 1 Brtlagr. c „Die Welt-Literatur Sit besten Romane und Novellen. Gtuzel-Rnmmer» bel allen Buch- und g kcft 8o pf.� eitungohiindlern. Am s. April starb nach langem schweren Leiden meiii lieber Mann und\ Bater Karl Glagow Golzstr 13a. Um stilles Beileid bitten I Frau Glagow, ged.Echröler Wilb.Glagow.MUHIHausen i. Thür. 80/ Uta Die Beerdigung findet am 10. April, nachm 2 Uhr. auf dem 2. Friedhof in EchSneberg statt. Am l. t. 1020 starb mein lieber Mann Il8id I e�uxust Spasr. ! Die Beerdigung fmid am \ 6. 1 1920 statt. Zm Namen der Trauernden EmmaLpaarged. Piekckc 'igaretten, lürk., engl., arner. Lagerbesuch sehr lohnend.* Nur Selbstverbr. u. Oaslw. M. Dessen, Berlin, AlexanderplaizZ, iXreppe, am Untergrdbh. 9—6 Uhr. Messing, Kupfer, Sinn, Rint, Blei, low. fämtl. Alt- und Edelmetalle kaust HSchstzahlend INetull- Einkaufszeulrate. Kottdufer Damm 00. Mpt. 13500. Achtung! Achtung! Suchdrucher! Setriebsvertr anensleute I 233/15(S. P. ö.) Freitag, den 9. April 1920, pünktlich 5 Uhr (da um 7 Uhr der Saal bereits geräumt werden muB); Versammlung im„Schultheiß", Neue Jakobstraße. Aeußcrst wichtige Tagesordnung;. Jeder Bezirk und jeder Betrieb muö vertreten sein! Metalle Kupfer, Rotguß, Blei, Mofstng, Zint, Zinn, Lagermetall usw.: kamt zu uniiderdtetb Taaespr. Znck.rmann. Elsaflcr Str.», l vorn II. Norben tSSl. | Zieh. 13. u. 14. April| Zieh. 16.— 19. April DWm Schmirjeeileinen, Natur- stahl, Fräser, Reihahlen, 1 Gewindebohrer, neue, Kauli zu allerhöchstenTagcs- prelsen, Händler Extrapreise. Henacliel, Moabit, RostncUer Str. 22. Zinn»r«!*- Lötzinn Biel, Kupfer, Messing; zu entsprechenden Preiien kaust Zinnschmclze(i cissircr, Schulzendorser Straße 18. Telephon: Norden 8634.' Eteinpt. 1X02, Ankauf nur vorm 8V,— 2 Uhr. Messing 1 Kupfer, Aluminium, | Blei und anderes Alt» netall. 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Odige Belohnung fichern wir demienigen zu. durch den wir die deibru Tiere und Geschirre wiedererhalfeu; äuge. meiiene Belohnung demjenigen, der den Verdlerd der Tiere so nachweist, daß wir die Täter belangen können. 1184b .EgcIinmnB-Haekvi-t G. iu. b. H., Berlin S 42, Ritterftratze 111/113. Reue Könlgstr. 86 und Neanderstr. 38 Telegr.-Adr.: Glücksgott, Berlin. Gardinen Auslandsware, xu mäßigen Preisen noch vor- rätlr. AbgepaiSte Schalgardfnen, Fenster 4» M. Moderne KBnstlerjrarnlturen(dreiteilig) vornehmste Ausführung v. 100—175 M. u. darüber, In eleganten Stores und Tülldeckeo stets de- legenheitskäufe.(Für Wiederverkäufer Sonder- abteilung.) Gardinentiaus Herzig, Dresdener Str. 124 1 Ii am Kottbakcr Tor. arum Dich mit Tragen plagen? Kauf doch einen Hildburgwaqen! Er verbindet, wohl oir's merke, Schönheit, Billigkeit und Stärke. Holzwarenfabrik Hildburghausen Aug. 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