Ur. 190.37. Iahrg« BezuffSpreiS: ZZ-rttijähn. Z>..— M�. monatl. 7,— MI. frei uis Haus, voraus-uhlbar. Post- bezugi Mouatlich 7.— MI> e?kl. Zu» lellungsgebühr. Unter Kreuzband für UeiittchUmd und Oesterreich-Unzarn 10 2 i AU» für da» übrige Anstand tl 50 TOI» bei täglich einmal. Zustellung 12 50 Ml. Poftocsrellungen nehmen an Däuemarl. Holland, lluremdurg, öchweden und die Schweiz. Ein- getragen in die Post- Zeitung«- Preisliste. Ser„Vorwärts" mit der Sonntags- beiiage»Volt u. Zeit" ericheint Wochen- täglich zweimal- Eonwags einmal. Telearamm-Adrefie „Sozialdemokrat Berlin- Morgen-Ausgabe berliner VolksblAtt ( 20 Pfennig) Anzeigenpreis: Sie achtgelpaltene Nonpareillezeil« kalte; 2,50 M., Teuerungszuschlag 50°/� «Steine Anzeigen-, das ictt» gedruckte Morl 75 Psg.(zulässig zwei settgedruckte Wortes, iedes weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schiafstellenanzeigen das erste Wort 65 Pfg„ sedes weiter« Wort 40 Psg. Worte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%. Familien■ Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Bereins» Anzeigen 2,— Ml. die Zeile ohne Auffchlag. Anzeigen für die n ä ch st e Nummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin EW 68, Lmden- straste 3, abgegeben werden,(beösfnet von 0 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozlaldemokrattfchen partel DeutTchlands Neüaktion und Expedition: SW. öS» Lindenstr. 3. Fernivreriier; Aint iviorltivlati, Nr. I-il SO— lSR i>7. Mittwoch,»en 14. April 1»t!O. Vorwärts-Verlag G. m. b. h., EM. öS, Lindenstr. 3. fsernsprcchcr: Amt Morinplat;, Nr. 117L:!— 54. Aufruf zur Wachsamkeit! Parteigenossen! Tic Ncaktion gibt ihr Spirl noch immer nicht verloren. Ihr dreistes Austreten beweist es. Gerüchte von neuen militaristischen Unter- nehmungengcgendasVolk durchschwirrcn das Land. Wir wollen uns durch sie nicht schrecken, noch weniger aber uns von den Tatsachen überrumpeln lassen. Die Stunde fordert Kaltblütigkeit, Disziplin, Wach- s a m k c i t! Wir fordern die Genosien und Genossinnen auf, die weitere Entwicklung der Tinge aufs schärfste zu beobachte» und alle zweckdienlichen Mitteilungen über neue gegen- revolutionäre Umtriebe an uns gelangen zu lassen. Tic Sozialdemokratische Partei steht treu zu allen Verteidigern der Republik, sie ist entschlossen, ihre schützende Hand über sie zu halten und ihnen die volle A n- erkcnnung der Verdienste zu sichern, die sie sich am Volke erwerben. Die SozialdemokratischePartei wird zugleich ihre ganze Macht einsetzen, um jedes neue Verbrechen gegen die Republik im Keime zu ersticken und seine Urheber un- erbittlicher Bestrafung entgcgenzuführcn. In wenigen Wochen soll gewählt werden. Das Volk wird sprechen. Aber sollte irgendwer den Versuch machen, seine ruhige, verfasinngsmästige Euttvicklung noch einmal zu stören und seinen Willen gewaltsam zu unterbinden, dann wird es handeln! Genossinnen und Genosse», laßt Euch nicht von unbe- rufener Stelle alarmieren, aber auch nichteinschläfern! Seid wach und bereit! DerVorftandderSozialdemokratischenparteiVeutschlands vor einem neuen Militärputsch? An den verschiedensten Stellen sind Nachrichten einge- laufen, wonach die K a p p i st e n Vorbereitungen zu einem neuen Handstreich eingeleitet haben. Es handelt sich um ein Unternehmen steckbrieflich verfolgter Verbrecher, die sich der befürchteten verdienten Strafe e itziehen wollen, und anderer ähnlicher Elemente, die ein nicht übles Wort als.Jtechtsbol- schervisten" bezeichnet. Nach manchen Meldungen soll der neue Streich schon für dienächstenTage— man spricht vom nächsten Donners- tag— geplant sein. Der Erfolg eines solchen neuen Unternehmens könnte nur derselbe sein wie der des ersten. Eine militärische Gegen- revolution ohne politische Leitung ist von vornherein zum Zusammenbrechen verurteilt. Daß sich aber Politiker, welcher Richtung immer finden könnten, die bereit sind, den Kopf in die Schlinge zu stecken, muß bezweifelt werden. Auch sie würben den Bankerott nicht aufhalten können und die schweren Folgen mit tragen müssen. Dazu kommt noch ein anderes: Der Kapp-Lüttwitz-Putsch ist mit der Forderung rascherWahlen aufgetreten. Diese Forderung ist jetzt bewilligt worden, indem man den Spieß einfach umdrehte: die Kappisten wollten sich in der Macht be- festigen und dann Wahlen für sich machen, jetzt, da ihr Macht- Wahnsinn zerschellt ist, sollen sie Wahlen haben gegen sie und ihre Helfershelfer. Aus allen diesen Gründen ist es wahrscheinlich, daß scharfe Wachsamkeit genügen wird, einen neuen Putsch zu der- hüten. Nur eines gehört noch dazu: festes Zugreifen der Re- gierung, Aufbietung aller Mittel, um die verfolgten Per- brecher zu fassen und die Reorganisation der bewaffneten Kräfte so rasch wie möglich durchzuführen. Daß in dieser Be- ziehung manches noch zu vermissen ist, ist von unserem Red- ner in der gestrigen Nationalversammlung, dem Genossen H u e, deutlich ausgesprochen worden. In aufgeregten Zeiten wird viel geredet, was sich später nicht bewahrheitet. Darum gilt es, kühles Blut zu bewahren. Aber lieber vorgesehen als nachbedacht I Wachsamkeit vermag ein neues Verbrechen zu verhüten, noch ehe seine Aus- führung begonnen wird. Und weil an dem Fortbestehen ver- brecherischer Absichten nicht gezweifelt werden kann, darum ist Wachsamkeit doppelt und dreifach vonnötenl MiUeranös Kammerreöe. Paris, 13. April. In der heutigen Kammersitznmg legt« Mi- Nisterpräsident Millerand die Ereignisse dar, die die deutsch« Regierung veranlaßten, mehr Streitkräfte in die neutrale Zone einmarschieren zu lassen, als ihr gestattet sei. Um das Verlangen Deutschlands zu beurteilen, müsse man bemerken, daß es zuerst aus den militärischen Kreisen gekommen sei, die einen Staatsstreich unternommen hätten, und zu der Zeit, da Deutschland noch keine der wesentlichsten Bestimmungen des Friedensvertrages amsgeführt hätte. Daher habe er am 16. März dem französischen Botschafter nach London telegraphiert, er meine, die Alliierten würden einen großen und nicht wieder gutzumachenden Fehler begehen, wenn sie sich nicht gegen Gefahren schützten, deren Ernsthaftigkeit die augenblicklichen Ereignisse zeigten. Am 19. März habe er dem Botschafter telegraphiert: Ich widersetze mich formell dem Einmarsch der deutschen Truppen in das Ruhrgebiet, den die Regierung Bauer verlangt. Der Standpunkt der französischen Regierung sei ge- Wesen, daß gewisse Bürgschaften dafür gegeben werden müßten, daß der Friedensvertrag von Versailles nicht verletzt würde. Am 21. März habe er dem ftanzöstschen Botschafter telegraphiert, wenn die Deutschen selbst die Unruhen im Ruhrgebiet niederschlagen wollten, dann gäbe es nur eine genügende Bürgschaft, ein Pfand. Die französische Okkupation sollte je nach dem, wann die Deutschen ihre Truppen zurückzögen, endigen. Marschall Foch sei bereit ge- Wesen, Frankfurt und Darmstadt im Namen der Alliierten zu be- setzen. Wer hätte sich so gemäßigten und angemessenen Bedingun- gen widersetzen sollen? Es wäre besonders schwerwiegend gewesen» wenn Frankreich s e l b st eine Verletzung des Versailler Vertrags zugestanden hätte. Die französische Regierung habe in keinem Augenblick gegenüber der deutschen einen unversöhnlichen Stand- Punkt eingenommen, habe aber nicht die Verantwortlichkeit über- nehmen können, selbst den Einmarsch deutscher Truppen in das Ruhrgebiet in Verletzung des Friedensvertrages zu genehmigen. Sie hätte Gründe gehabt anzunehmen, daß die vorgesehenen Maß- nahmen im Ruhrbezirk von der Militärpartei gewünscht würden Am 39. März habe die französische Regierung neue Gründe gehabt, an der Nützlichkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen zu zweifeln angesichts des Zeugnisses eines französischen Generals, der feft- gestellt hätte, die Ordnung im Ruhrgebiet würde nur im Falle einer militärischen Intervention bedroht sein. Was man wünschen müßte, sei keine Intervention, denn sie könne schwer« Unruhen hervor- rufen. Der Ministerpräsident verlas auch Noten des Oberkom- missars in Koblenz, der den Alliierten zur Kenntnis gebracht habe, daß Arbeiterdelegierte aus dem Ruhrbezirk sich formell gegen den Einmarsch der Reichswehr ausgesprochen hätten und versicherten, die Ordnung werde nicht gestört werden, indem sie hinzufügten� der Angriff der Reichswehr sei das Werk der Militärpardei, und ste wünschten deren Entwaffnung. Nachdem M in! sterpräksident Mille- rand seine Noten au den deutschen Geschäftsträger in Paris verlesen hatte, in denen er den Einmarsch der Reichswehr in die neutrale Zone bestimmt ablehnte, erinnerte er daran« daß die deutsche Regierung trotz dieser Weigerung ohne Ermächtigung eingegriffen habe. Er habe alsdann den alliierten Regierungen seine Noten an die deutsche Regierung mitgeteilt und erklärt, er zweifle nicht daran, daß die alliierten Regierungen geneigt seien, die französische Regierung tätig zu unterstützen; Marschall Foch bereite die Maßnahmen vor, die weder unterlassen, noch hinausgeschoben werden könnten. Er müsse seiner Neberzeugung Ausdruck geben, daß die französische Regierung nicht anders habe handeln können, ohne die Würde und die Sicherheit Frankreichs zu gefährden. In keinem Augenblick habe er die Kaltblütigkeit ver- loren, die unter diesen schweren Umständen notwendiger denn je gewesen sei. Er habe nicht vergessen und vergesse nicht, daß nichts wünschenswerter sei, als die normale Wiederherstellung der Wirt- schaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Er verkenne die Schwierigkeiten nicht, mit denen die deutsche Regierung zu kämpfen habe; heute, wie gestern sei er bereit, dem Rechnung zu tragen, unter einer Bedingung jedoch, daß die deutsche Regierung durch ihre Handlungen ornen Beweis ihres guten Glau- bens gebe. Frankreich habe seine Interessen und fem« Sicherheit geschützt, zugleich aber auch die seiner Alliierten. Millerand lobte alsdann das bewunderungswürdige, mutige Belgien wegen seiner Bereitwilligkeit, miteinzumarschieren. Die Kammermiitglieder mit Ausnahme einiger Sozialdemokraten erheben sich und bereitem dem anwesenden belgischen Botschafter eine lange Ovation. Milleramd schloß: Ich freue mich, der Kammer mitteilen zu können, daß nach einem loyalen Meinungsaustausch zwischen den Kabinetten von London und Paris diese sich geeinigt haben, zu erklären, daß die Auseinandersetzungen zwischen Paris und London die französische und die britische Regierung dahin geführt halben, festzustellen, daß, wenn sich zwischen ihnen eine Meinungsverschiedenheit über die Mttel, die Ausführung des Friedensvertrages von Versailles sicherzustellen, herausgebildet habe, sie mehr denn je die Notwendig- keit erkennen, ihre intime und herzliche Zusammenarbeit für die Regelung der schwierigen Fragen, die ihrer in Deutschland und in der Welt harren, aufrechtzuerhalten. Louis Barthou erklärte darauf, die französische Regierung habe mit der notwendigen Klugheit und Entschlossenheit gehandelt. Sie müsse namentlich in San Nemo die gleich« Politik ver- folgen, um die Ausführung des Friedensvertrages von Versailles, vor allem aber das, was augenblicklich das wichtigste sei, die Eni- waffnung Teutschlands, zu erreichen, und dafür, wenn nötig, die Gewalt in den Dienst des Rechts zu stellen. Dan setzte die Kammer die Beratung der Steuergesetze fort. Koalition und Rechts-putfth. Zur Aussprache in der Nationalversammlung. In ltzer Dienstag-Sitzung der Notionasversammlung be- gcmn die Aussprache über die tags zuvor namens der Reichs- regierung von dem Genossen Hermann Müller abgegebene Erklärung. Als erster Redner machte der greise Führer der Demo- kraten, Herr v. Payer, einige Ausführungen, in denen er das Einverständnis smner Fraktion mit den Erklärungen des Reichskanzlers zum Ausdruck brachte. Am Schluß seiner iiibrigens ziemlich kurzen Rede enipchnd Payer das Bedürfnis, in die Kerbe des„Berliner Tageblatts" und der„Vossischen Zeitung" bezüglich des verfassungswidrigen Charakters einer „N e b e n r e g i e r u n g der Gewerkschaften" einzu- schlagen. Wir Haben hier schon wiederholt die Bedenken der hürgerlichen Linken über diese angebliche Gefahr, die dem demokratischen Gedanken drohe, zurückgewiesen und zu zcr- streuen gesucht, und die Erklärungen Hermann Müllers, auf die sich im übrigen Payer selbst mit Genugtuung berief, haben nur die selbstverständliche Tatsache bestätigt, daß die Sozialdemokratie nie daran gedacht habe, die Grundsätze der Demokratie irgendwie zu verletzen. Wir IMen während des Kapp-Putsches, namentlich in Berlin, in treuer Wassenbrüdcr- schaft_ mit den demokratischen Arbeiter- und Angestellten- orgcmisationen gekämpft und würden eS als eine Undankbar- keit empfinden, wenn man diese Teile der republikanischen Arbeitnehmerschaft bei den Maßnahmen zur Sicherimg des errungenen Sieges imberücksichtigt und ungehört ließe. Aus der anderen Seite aber'haben wir die unentschiedene Haltung einzelner Demokraten, wie z. B. des früheren V i z e k a n z- lers Schiffer, als höchst schädlich betmchtet und deshalb seinen Rücktritt fordern müssen. Schiffer hatte n. a. un- mittelbar nach dem Rücktritt von Lüttwitz gemein sei m mit Geeckt die Parole der bolschewistischen Gefahr ausgegeben und die Berhängnmg des verschärften Belagerungszustandes gegen„links" verfügt, und zwar in einem Augenblicke, in dein man unter„links" nichts anderes als das gesamte für die Rettung der Republik streikende Proletariat verstehen konnte. Diese Urteilslosigkeit ist einer der Gründe gewesen, die das Vorgehen der Gewerkschaften deranlaßte und r c ch t f e r- tigte. Daran müßten auch die Demokraten denken, ehe sie gegen die sozialistische Partei den schweren, wenn auch etwas verklausulierten Vorwurf verfassungswidriger Neigungen erheben. Sodann ergriff namens der sozialdemokratischen Fraktion unser Genosse H u e das Wort, der sich mit aller Entschiedenheit gegen die Reichte wandte, die die Verantwortung für alles trage, was seit dem 13. März an Unheil über Deutsch- land hereingebrochen ist. Er, der im RirHrrevier Augenzeuge der jüngsten Ereingnisse gewesen ist, bestätigte mit erfreu- licher Deutlichkeit die von uns bereits längst aufgestellte Be- hanptung, daß es eine bösartige Verleumdung gewesen ist, als man die Verfassungskämpfer in Arbeiterbluse als Spartakisten hinstellte, um ein zweifelhaftes Militär auf sie loszuhetzen. Er schilderte die zweideutige Haltung ge- wisser dem General W a t t e r unterstellten Truppenteile im Jndustriegeiet, die verheerende Wirkung der Lügenmeldungen des„WTB."— ein Kapitel, über welches das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist— und gab sodann eine sehr genaue Darstellung jener bedauernswerten Wendung, in der aus der vermeintlichen holschewistischen Gefahr eine tatsäch- liche wurde. Die letzte Phase in der Entwicklung der Dinge seit dem Kapp-Putsch war das Wüten eines Räuber- regiments ohne politischen Charakter, gegen das sämtliche Parteien bis zu den Unabhängigen die Reichs- rvgierung schließlich um Schutz bitten mußten. Sodann wandte sich Hue wiederum gegen die Urheber des ganzen bllrgerkriegerischen Unheils, gegen die Ltapp-Lüttnntz und deren Freunde auf der Rechten, und erklärte unter lebhafter Zustimmung unserer Fraktion, er erwarte eine r ü ck s i ch t s- lose Bestrafung der militaristischen Verbrecher nnd vermisse in den Erklärungen der Regierung eine klare Mit- teilung über die Art-dieser vom ganzen Proletariat als selbstverständlich erachteten Verfolgung. Gegen den Schluß seiner Rede hatte Genosse Hue ans die in letzter Zeit sehr eigentümliche Haltung eines Teils der to e st d e u t s ch e n Z e n t r u ms k r e i s e hingewiesen, und die Ausführungen des nächsten Redners, des Kölner Zen- trumsführer Dr. Trimborn sollten nur sehr bäld zeigen, wie berechtigt. seine Bedenken waren. Dr. Trim- borns Rede bildete die eigentliche Ueberraschung der sehr lebhaften und inhaltsreichen Sitzung. Nach allgemeinen, sehr erfreulichen Erklärungen über den französischen Ein- marsch in die Städte des Maingaues, die ihm Gelegenheit boten, sich mit aller Entschiedenheit gegen die separatistischen Tendenzen im Westen zu wenden— ein Bekenntnis, welches im Munde des Abgeordneten Trimborn äußerst wertvoll ist—, ging der Zentrumsführer plötzlich und unerwartet zu Ausführungen über, die geeignet sind, lebhaftes Aufsehen in ganz Deutschland zu erregen. Trmiborn kritisierte sehr scharf unter immer lebhafterem Beifall der Deutschnotio- naleu und daher auch unter wachsender Unruhe aus den Banken 5er Sozialdemokratie das Vorgehen der Regiernng im Ruhrgebiet als zu s ch w ä ch l i ch. Seine Vorwürfe galten besonders dem Reichs konüssar Genossen S e v e r i n g, dem er gerade das zur Last legt, was wir Sozialdemokraten unserem Genossen hoch anrechnen, daß er nämlich sich bemüht hat, das Blutvergießen bei der Polizeiaktion auf das Mindestniaß herabzusetzen, und daß er sich bestrebt zeigte, die Leitung der' ganzen Operation in seinen eigenen Händen und in denen seiner sozialdemokratischen Mitarbeiter zu behalten, anstatt sie ganz den militärischen Stellen zu überlassen.- Es wird das Verdienst Severings bleiben, daß er dadurch Hunderts von Menschenleben erhalten hat, und die Angriffe Trimborns gereichen ihm in unseren Augen nur zur Ehre. Ueherhaupt war die ganze Tendenz der Trimbornschen Rebe äußerst rückschrittlich, urrd man mußte den eigen- tümlichen Eindruck gewinnen, als ob in gewissen rechtsstehen; Teilen der Zentrumsportei der Wunsch bestehe, noch kurz vor den Wahlen gewisse Brücken nach rechts zu schlagen. Eine ähnliche reaktionäre Rede hatte man bereits in einer der ersten Sitzungen in Weimar aus dem Munde des der- storbenen Zentrumssührers G r o e b e r gehört. Sollte am Ende das Zentrum bei den kommenden Wahlen auf gewisse Vereinbarungen reflektieren, wie jene, die ihm vei den Wahlen zur Nationalversammlung vom 19. Januar 1919 so vorteil- hast gewesen find? Jedenfalls hatte man einen Augenblick lang das Gefühl, daß es nicht in allen Teilen des Zentrums mit dem Willen zur Koalition und'zum Einschlagen eines entschiedenen Kurses gegen rechts so ernst ist. wie bei den christlichen Arbeiterführern, die sich gegen Kapp tadellos gehalten haben und die innerhalb der Reichsregie- rung in der Person des ReichspostmmisterS Giesberts ausgezeichnet vertreten sind. Der überraschende Vorstoß TrimbornZ, der angesichts der seit jeher vorsichtig geleiteten parlamentarischen Taktik des Zentrums sicherlich in allen seinen Einzelhesten vorher genau überlegt war, erforderte eine Gegenäußerung der Reichsregierung. Genosse Hermann Müller machte sich sogleich an diese Aufgabe heran und erwies sich bei dieser Gelegenheit als ein sehr gewandter Debatter. Er wie» mit ebensolcher Entschlossenheit wie Geschicklichkeit die einzelnen Vorwürfe Trimborns zurück und betonte vor allem, daß er nicht daran denke, die Gefahr von links zu überschätzen, um die Gefahr von rechts zu unterschätzen, welche noch immer sehr akut sei. Seine Mitteilungen über die Anwesenheit von Balttkumern auf Gütern in Pommern und Schlesien haben wenigstens insofern beruhigend ge- wirkt, als wir in letzter Zeit glaubten befürchten zu dürfen, daß man aus feiten der Regierung in dieser Hinsicht viel zu optimistisch sei. In den späten Nachmittagsstunden ging es noch sehr lebhast zu, als der neue Reichsjusttzminister Dr. B I u n ck (Dem.) sesw scharf« Zusammenstöße mst beiden Rechtsparteien hatte, die zu minutenlangen wilden Lärmszenen führten. Dr. Blunck zeigte als höchster Justtzbeamter des Reichs eine Euer- gie, von der wir nur wünschen können, daß sie von allen Ge- richtspersonen in den kommenden Prozessen gegen die Hoch- Verräter geübt werden möge. Nach fast siebenstündiger Beratung wurde die Debatte auf Mittwoch mittag vertagt. 5ranz5flsch-eng!ische verftänüigung. Verlängerung des Angust-Abkommens. Gens, 13. April.(Eig. Drahtbericht beb»vorwärts".) Die Pariser RegiertrnsSblätter lasse» erkenne«, daß die verständig»«« zwifchen England«ad Frankreich in der Uaterrednng erfolgte, die Millerand mit dem englischen Botschafter Lord Derby hatte. Der Botschafter' verlangte von Millerand Anfklärung über die Ab- stchtea Frankreichs in brzug auf die Bestimmnng de» M a i» g a a S. Millerand hat die Zusage gemacht, daß die stanzSsische» Truppen vollständig zurückgezogen werde», sobald die zur Unter- drücknng deS Aufruhrs während der letzten Woche in das /luch eine Aufgabe öer volkshochfthulen. Von Ulrich Haack«. Arbeit, ruft uns jeder Tag zu, Arbeit P da« einzige. wvS unser Volk retten kann. Rechte Arbeit mutz aber freudige Arbeit fein. Der Mensch, der sich von früh bis spät abmühen mutz, ohne Atem schöpfen zu können, wird nicht mit voller Freude schaffen. Au einem wahrhasten Menschenlieben gehört neben dom Broterwerb auch freie Zeit, Mutze. Nach der Art. wie der Mensch seine freie Zeit verbringt, kann man seinen inneren Wert beurteilen. Mütziggang ist aller Laster Anfang, sagt daS BoK; rechte Mutze ist nicht Mütziggcrng. Mutze, falsch angewendet, kann sich in Gift verkehren. Ei« kann aber auch zu Stunden wertvoller Erholung werden, in denen der Merssch Achtung vor sich selbst gewinnt und Schönheiten des Däferns entdeckt. Ein großer Teil unseres Volkes hat durch den Achtstundentag die Möglichkeit gewonnen, sich über seinem Arbeitsleben ein edles Zstenschendasein aufzubauen. Die wie Pilze emporlchietzendcn Kinos beweisen, datz diese Möglichkeit vielen nicht zu dem Wege wird, auf dem sie zu wahrer Kultur gelangen können. Jeder Mensch braucht seine«igene Kultus d. h. seine eigene Art, das Leben edel und menschenwürdig zu gestalten. Wer in Wald und Wies« hinauszieht, sich zu den Blumen hinabbückt, sich in ihre unendlich rätselvollen und unbegreiflichen Feinheiten ver- tieft, ihr Leben beobachtet, ihr Werden uüd Vergehen miterlebt, dar kann sein Leben reich nennen; denn er besitzt eine Quelle der Freude und deS tätigen Genusses, die ihm keiner nehmen, kein widriges Geschick rauben kann. Nicht jeder Mensch fühlt sich gerade zu dieser Art der Selbst- iätigkeit hingezogen, und es wäre ein unerträglicher Avang, wollte man allen diese eine Vorliebe anerziehen. Aber jeder Mensck sollte irgendeine solche Neigung haben, an die er wahrend der oft ein- tönigen Berufsarbeit denken kann, die ihn seine freie Zell erst wirklich wertvoll macht, mit deren Hilfe et Freude an sich selbst haben kann. So wird der eine Mensch vielleicht allmählich am Sternen. Himmel heimisch werden, der ander« kleine physikalische Spielereien, etwa eine elektrische Anlage vorfertigen, der dritte ein gutes Buch lesen. Aber auch das Lesen, wie alle solche Liebhabereien, will gelernt sein. Wer hilft den Menschen von heutzutage dazu, sich ihr Dasein in dieser Weis« auszuschmücken? Eine gute Schule sollte das tun. Sie sollte viel mehr als bis- her dem Leben dienen, sich immer wieder die Frage vorlegen: was kann ich dem Menschen alles mitgeben, womit er später sein Leben schön und reich zu machen vermag? Dann würde sich der beste Teil der Schultatigkeit in den Ntutzestunden des reifen Leben? fortsetzen. Dann würde als Aufgabe der Schule gelten: Erziehung zur Persönlichkeitskultur. Doch damit ist denen nicht gedient, hinter denen bereits die Schule liegt. Sie haben jetzt die Volkshochschule. Dort werden ihnen die rein theoretischen Borlesungen genutzreiche Stunden, wertvolle Belehrung und Aufklärung geben. Für wichtiger noch tzwrde ich die Vrwlchungen hasten, die z. B. ei» einziges Buch gw> Ruhrgebiet entsandte» Truppen abgezogen stnb. ES bleibt sodann der Konferenz in San Nemo vorbehalten, über den deutschen Antrag auf Verlängerung des Abkommens vom August 1919 Beschluß zu fassen, worauf die Zahl der in der neutralen Rheinzone zur Nufrechterhaltung der'Ordnung zugelassenen Trup- pe« festgesetzt wird. Die französische Regierungspresse hatte bis gestern den Standpunkt vertreten, daß die französischen Truppen in Frankreich und Darmstadt verbleiben, bis alle Mannschaften der Reichswehr ohne Ausnahme ans dem Ruhrgebiet entfernt worden wären. Millerand scheint also nachgegeben zu haben. London, 12. April. Reuter erfährt, das) die Lage merklich günstiger ist» als die Erklärung Binar Laws im llnterhause anzudeoten schien. Es besteht guter Grund zu der Hoffnung, daß die Solidarität des Bündnisses aufrechterhalten werden wird, und daß das Ende des unangenehmen Zwischenfalls so gut wie er- reicht ist. Es wird erwartet, daß der französische Rückzug aus der neutrale» Zone schnell auf die Räumung durch die deutschen Truppen, mit der bereits der Anfang gemacht wurde, folgen wird. Es war schon am Tonnerstag völlig Aar und wurde in amtliche« Kreisen zugegeben, daß die Franzosen Grund hatte«, über dir Entsendung deutscher Truppe« in daS neutral« Gebiet besorgt zu sein. Es ist deshalb leicht zu begreiseu, weshalb Frankreich nicht geneigt war, die nötige Gegcnbewegung zu verzögern. Die letzten Ereignisse haben dazu gedient, d�r Mili- törpartei in Deutschland zu zeigen, datz ihr Handeln sorgfältig über- wacht wird, und wenn, wie eS wahrscheinlich ist, daS Bündnis nur zeitweilig durch den Ruhrzwischenfall getrübt worden fft, kann die Erörterung der Lage gute Folgen zeitigen. Wie das„Echo de Paris" erfährt, hat zwischen Deutschland und Amerika ein neuer Notenwechsel wegen deS französischen Borgehcns stattgefunden. In einer besonderen Note habe sich das Berliner Kabinett besonders an die Bereinigten Staaten unter Be- rufung auf dir— 1t Wilso»punkte gewandt. Der Wiederaufbau Aentraleuropas. Internationale Staatenkonferenz. Paris, 13. April. Noch diesen Monat wird eine Konferenz von Vertreter» der Bereinigten Staaten, Englands, Italiens, der Schweiz, Hollands, Dänemarks, Schwedens und Norwegens über die Zusammenarbeit bei der Unterstützung des Wiederaufbaus von Zentraleuropa abgehalten werben. Ueber die Umstände und die Art dieser Unterstützung, die in Ware» und nicht in Geld er- folgen soll und über de« Beitrag eines jede« Staates soll ein Ge- dankenaustansch stattfinden. Wahrscheinlich beginnt die Konferenz am 22. April. Neue Putschvorbereitung. In welcher Weise die.Auflösung' der Baltikumer vor sich geht. daS zeigt ein Brief aus dem Munsterlager, der massenweise ver- sandt wird und den das.Hamburger Echo' veröffentlicht. Er lautet: Polizei-Bataillo» Eiserne Divifion Munsterlager, den 30. März 1920. Auflösungsstelle. Zweck» Aufrechterljaltung der Verbindung mit der Eis. Div. ist der»Verein ehemaliger Angehöriger der Eis. Div." gegründet worden, dessen 1. Borfitzender der Major B i s ch» f f ist. Seitens der Geschäftsstelle de? Vereins soll eine Zeitung herausgegeben werden. Falls Sie dem Verein beitreten wollen, werden Sie gebeten, umgehend Ihre Beitrittserklärung nebst dem Jahresbeitrag von 1 0 M a r k an mich einzusenden. L. B.: Adresse: wie oben. RemmerS, Leutnant und Leiter' der Auflösungsstelle. Wer ist, so bemerkt dazu unser Hamburger Parteiblatt. Her� Major Bischoff? DaS ist immer noch derselbe baltische Bandenführer, auf dessen Treibe« wir schon lauge vor dem Kapp-Putsch immer und immer wieder hingewiesen haben und' unter dessen Leitung Stade seinerzeit terrorisiert wurde. Es fehlen einem die Worte der Eni- rüstung, datz dieses Theater lein Ende nimmt. grundelegen(eine Novelle, einen Roman, ein Drama, eine Gruppe Gedichte), und nun zeigen, was der Dichter alles an Tiefe hinein- gelegt hat, und wie man es macht, um das alles herauszulesen. Denn viele Nienfchen müssen erst lernen, an ei tum Schriftwerk für mehr als die rein äutzeriiche Handlung Sinn zu haben, die der Ungeschulte zunächst einzig sieht. Noch besser aber als in Vor- lesungen wind die Kunst der Vertveirdung der Mutzestunden in Uöbungen gelechrt werden, in praktischer, unmittelbarer Anleitung und gemeinsamer Arbeit. Da erst kann der Mensch recht lernen, »sie er die Pflanzen, die Sterne beobachten und sich unter ihnen zurechtfinden kann; da wird er vor allem Liebe zu ihnen lernen. Da wird er erkennen, was für ein Freund und Tröster ein gutes Buch dem Menschen sein kann; er wird ein schlechtes Buch vom guten zu unterscheiden beginnen. Der Lehrer der Volkshochschule wird s«h da mit seinen Hörern ungezwungen über«in einzelnes Litoraturwerk unterhalten, das sie alle vorher gelesen haben; denn das ist die wesentliche Voraussetzung für ihre selbständige Mit- arbeit. Darium ist z. B. eine Uebung über das Drama der Gegen- wart, wie sie an einer Volkshochschule jetzt gehalten wird, noch zu allgemein; ein einziges Werk, ein einziges Drama mutzte zunächst zugrunde gelegt werden, damit alle eS vor Beginn der Hebung lesen und dann der Besprechung verständnisvoll folgen und selbst daran teilnehmen können. Da wird nun der Lehrer mit seinen Hörern von dem dargestellten Menschen plaudern, von den in dem Werk aufgeworfenen Fragender wird seinen Hörern unmerklich die Augen für die Eigentümlichkeiten des einzelnen Schriftstellers öffnen, damit sie in«in persönliches Verhältnis zu diesem gelangen; er wird ihnen dos Dichters Kunstmitteil, die Feiniheiten seiner Sprache zeigen, damit sie Lust bekommen, sich, wie man sagt, in den Dichter zu versenken, damit sie langsam und'bedächtig zu lesen sich gewöhnen, jede Schönheit auskostend, und so des oberflächlichen Lesens überdrüssig werden. In ähnlicher Weise wird die Volkshochschule die Kulturwerte unserer grotzen Philosophen dem Volke zugänglich machen, zunächst das Grübeln und den Zweifel wecken, den Sinn für die grotzen Fragen des Daseins schärfen; dann wird sie zu einem Manne hin- führen, der sich müht, Antwort auf solche Fragen zu geben, und in gemeinsamem Lesen einer einzelnen Schrift wird sie die den An- fänger abschreckenden Schwierigkeiten aus dem Wege räumen, allmählich dann den Hörer zu freiem, selbständigem Lesen führen. Darum sind die Hebungen der Volkshochschule viel wichtiger als die Vortesungen, vor allem die theoretischen; denn sie können dazu helfen, datz die frei« Zeit eines Menschen ihm zum Segen wird, sein Leben reich und tief mackt. Kornfeld»„Berführung" in Hamburg. In den Hamburger K a m m e r s p i e i e n sah man Paul Kornfelds.Verführung', eine lyrisch beredlsame, vielleicht von Lenous.Faust', von Dostojewslr undLeonidAndrejewbeiruchtete Tragödie. Mancherlei expressionistisches Zeremoniell umrankt den wirtlich selten suggestiv gestalteten.über- flüssigen Menschen' Bitterlich. Ohne Zweifel ist diese.Verführung' eine empfindsame und Tiefes berührende Dichtung, ein prägnantes Erzeugnis der neuen Generation. Das kosmische Werk eines Original- genies ist sie nicht. Erich Engels Regie hielt sich nickt nur an den Rahmen, umwarb vielmehr mit vieler Hingebung die Spielprobleme Wir können diesen Ausführungen hinzufügen, datz der.Vor- wärts' wenige Wochen vor dem Kapp-Putsch ein gedrucktes Programm des famosen.Vereins ehemaliger Angehöriger der Eisernen Division' zu veröffentlichen in der Lage war, das mit den Worten schloh:„Unsere letzten Ziele können wir vorläufig»och nicht verraten". Schon hieraus geht ganz klar hervor, datz dieser so- genannte Verein nichts weiter als eine Verschwörerbande sst. Es ist unbegreiflich, datz die Regierung diese verbrecherische Gesell- schaft ruhig weiter gewähren lätzt. Kapp-Kommjj?lon für Schlesien. Akten verschwinden. Breslau, 13. April. Von amtlicher Stelle wird mitgeteilt: Auf Grund der Verfügung der Staatsregierung vom 12. April wird vom Oberpräsidemten für den Bereich der Provinz Schlesien eine Kom- Mission eingesetzt zur Prüfung des Materials bezüglich der am Kapp-Putsch beteiligten Personen. Das Material ist zu sichten und außerdem sind die erforderlichen Vorschläge zu machen zur Ver- folgung der belasteten Persönlichkeiten. Die Kommission setzt sich zusammen aus einem vom Oberpräsidenten ernannten Vorfitzenden, einem weiteren Beamten, den der Oberpräsident beabsichtigt auS den Kreisen der mittleren Beamten zu ernennen, und je einem Vertreter der drei Koalitionsparteien, Dtehrheitssozialisten, Zentrum und Demokraten. Die Kommission wird sich schon in den nächsten Tagen konstitmeren und die Arbeit aufnehmen. Die Tätig- keit des Reichs- und Staatskommissars wird da- durch nicht berührt, vielmehr wird das vom Voll- zugsrat gesammelte Material ebenfalls von der Kommission zur Verwertung herangezogen werden. Aus Breslau wird»nS gemeldet: Zwei Offiziere find deS Mordes au Bankbeamten verdächtig. Die UntersuchungS- alten gegen diese find gegen Quittung beim Generalkommando Ab- teilung lc am 25. März abgegeben worden. Diese Akten sind plötzlich verschwunden.— Auch ein Zeichen, mit welchen Mitteln die Reaktion arbeitet. Der§al! Voigt. Zu der ton uns m der DienStag-Abcndmrmmer toiedergcge- benen Meldung der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung' teilt uns Herr Voigt, der von der ReichAvehr mißhandelte englische Kor. respondewt mit, datz die Darstellung des rheinischen Blattes eine vollkommen tendenziöse Entstellung des Sach» Verhaltes ist. Auf Grund persönlicher Rücksprache mit Herrn Voigt stellen wir folgenden wirklicheu Sachverhalt fest: Das.spartakusfreundliche Telegramm' war ein Privattele- grmmn des Herrn Voigt an seine Eltern, in dem er, um diese über seine persönliche Sicherheit zu beruhigen, die roten Truppen als„goock fellows"(gutmütige Kerls) bezeichnete. Außerdem kündete Herr Voigt in dem Telegramm seine weitere Reise an mit den Worten»proceecking Düsseldorf, Barmen, Berlin'(reise weiter über Düsseldorf, Barmen, Berlin). Hierin sahen argwöhnische Militärs Spionage und Verrat von Truppenbewegungen. Das.ungebührliche Benehmen' des Herrn Voigt bestand darin, datz er bei feiner Vorführung vor Leutnant Linsenmeyer eine Hand in der Tasche hatte, was bekanntlich in Errgland nicht als schwerer Verstoß gilt. Hierauf reagierte Leutnant Linsen- meyer mit den geschnauzten Worten:„Hand aus der Tasche, drei Schritt zurück." Voigt legitimiert sich daraus als Engländer. Linsenmeyer(fauchend):„Englischer Schweinehund!" Darauf zu zwei Soldaten:„Zeigt diesem Engländer, wie er fich in Gegenwart eines deutschen Offiziers z« benehme« hat." Daraufhin wurde Voigt von den Soldaten geschlagen, gewürgt, beschimpft und mit Erschießen bedroht. Da in der Notiz der ,R. W. Z.' nur von einer Bestrafung der Soldaten die Rede ist, so möchte Herr Voigt ausdrücklich festgestellt wissen, daß die Soldaten auf Anstiftung de« Offiziers, Leutnant Linscnmclter gehandelt haben und daß diese» als der wirk- lich Schuldige anzusehen ist. der fiebrigen Ekstase. Walther Gynt, der Darsteller des Bitterlich. ist ein interessanter Kopf. Gertrud Kanitz ssstelte mit reichem Gefühl ein begeistertes Geschöpf. nl. Die Zukunft des Genter Altars. Nach dem Friedensvertrags mutz die Rückgabe der Flügel des Genter Altars und des Löwener Altars von BoutS anS dem Berliner Kaiser-Friedrich-Museum und auS der Münchener Pinakothek innerhalb von 0 Monaten nach Unterzeichnung deS Vertrages erfolgen. Die Einzelheiten der Aus- lieserung sind nun in Beipiechnngen mit dem belgischem Minister der Wisienschaften und Künste geregelt worden. Deströe beabsichtigr völlige Wiederherstellung des Genter Altars in allen seinen Teilen an seinem ursprünglichen Platze in der Kathedrale von St. Bavo in Gent, trotzdem der Altar dem Staate gehörr Die jetzt in Gent befindlichen Kopien find nach seiner Aeutzerung von geringerem Wert. Adam und Eva in ihrer Nacktheit hat man wegen Indezenz überhaupt entfernt. Der Minister fragt nun, ob der Dombaubüttenvorstand von St. Bavo jetzt verstehen wird, datz es in diesen Kunstdingen keine Schamlosigkeit gibt, und ob er>ö realistisch nackte Figuren annehmen wird. Eine andere Schwierig« keit sieht er darin, datz die Berliner Flügel verputzt worden sind, was sie im Gesamtbilde herausfallen lassen würde. Der ganze Altar soll unentgeltlich in St. Bavo zugänglich sein. Prof. Moritz Cantor ist im 91. Lebensjahre in Heselberg gestorben. Er ist als Erforscher und Darsteller der Geschichte der Mathematik hervorgetreten. Seine vierbändigen„Vorlesungen über die Geschichte der Mathematik" geben ein anschauliches Entwick- lungsbild dieser Wissenschaft im Rahmen der Kulturgeschichte. Europas Menschenvcrlust im Kriege 35 Millionen. Die Kopen- Hagener Sludienge'ellschast für soziale Folgen des Krieges gibt jetzt ein weitere? Bulletin heraus, in dem Eh. Döring über die Bevötke» riingsbewegimg im Kriege auf Grund der Mitteilungen der krieg» rührenden Staaten berichtet. Den Gelamtmenschenverlust der euro« patschen Staaten(einschtietzlich Rutzlands) während des Wellkrieges schätzt Döring auf 3S,4 Millionen; davon enrsallen 20.2 Millionen fin Rußland etwa 8,3 Millionen) auf den Geburrenausfall und über IS Mckfioiien(in Rutzland 4,7 Millionen) auf die Zunahme der Ster'Nichkeit: annähertid 10 Millionen Menschen(darunter 2.ö Milli- onen Russen) sind auf dem Schlachtfelde geblieben. Theater. Sonntagnachmittag 3 Ubr findet im Rose»Theater die Ur- aussübrunq von Willy Denkers romantischer Komödie.Der grüne Gras' statt. Gegen die Luxusfteuer auf Kunsrwerre berust der wirtschastiiche Verband bildender Künstler abermals eine Versammlung aus den IS. April, abends 7'/, Uhr, nach dem Plenarsaal des Herrenhauses ein. Bühnenchronik. Dr. Hörth hat sein Amt als Oberspiclleiter der Staatsoper angetreten. Mit dein Obersvielleiter Karl Holy wurde ein weiterer mehrjähngcr Vertrag vereinbart. Mit Maria Joogün ist ein Gasljpiclveitrag für die nächste Saison abgeschlossen. Mniitdirektor Ad»ls Göttmanu, der um die Interessen des Ton- lünstler- und Mufiklehrllandis verdiente Leiter des Berliner Tonlünsller» Vereins, hat nach 25jühriger Tätigkeit den Vorsitz niedergelegt. Au seine Stelle ist der Komponist Arnold Ebel getrelen. Neue Verteuerung. Brotpreis S Mark.— Höherer Kartosselzuschlag. Der R e i ch Z r a t beschäftigte sich Dienstag zunächst mit dem Antrag Prenstens über Vermittlung von Arbeitskräften für den Zuckerrübenbau� Der Bedarf an polnischen Wanderarbeitern für den Zuckerrübenbau wird im wesentlichen gedeckt werden können, so daß es besonderer Maßnahmen nicht mehr bedarf. Angenommen wurde eine Ergänzung der Verordnung über Zahlung von Abliefcrungsprämien für Brotgetreide, Gerste und Kartoffeln vom 18. Dezember ISIS. Es handelt sich hierbei um eine wesentliche Erhöhung für Brot- und Kartoffelpreise. Infolge des neuen Prämiensystems und der Preiserhöhung für ausländisches Getreide ist bei der Reichsgetreidestelle ein De- fizit von 4,7 Milliarden entstanden. Der bis zum 1. April sich auf 1,7 Milliarden belaufende Betrag ist vckn Reich zu übernehmen. Für den Rest des Wirtschaftsjahres wird her Mehlpreis auf 102 M. für den Doppelzentner erhöht und außerdem die von den Kom- munalbehördcn zu zahlende Vergütung auf 92 M. Der Preis für 1 Kilogramm Brot, heute 1,40 M., wird infolgedessen eine weitere Erhöhung auf unzefähr 2 M. erfahmn. Im Ausschuß wurden die politischen und tmrischaftlichen Bc- denken dieser Maßnahmen nicht verkannt, jedoch überwog die An- ficht, daß es angesichts der Finanzlage des Reiches mit dem bis- Iberigen System der Reichszuschüsse nicht weitergehen könne. Weniger bedenklich erschien dem Ausschuß die Erhöhung des Zu- schlags aus die Grundpreise der Kartoffeln von 2,50 auf 5 M. Auch hier find die gleichen Gründe matzgebend. Es handelt sich um eine Mehrausgabe bei der Reichskartoffelstelle von ungefähr 770 Millionen Mark. Angenommen wurde noch eine Abänderung der Verordnung über künstliche Düngemittel derart, daß künftig die Bevorzugung ausländischer Düngemittel aufhören soll. Kahr klärt auf. Einwohnerwehr— aber Reichstrene. München, 13. April.(WTB.) Im Wahlgesetzausschusse hat Ministerpräsident Dr. von Kahr Aufklärung gegeben über seine Besprechung mit einer Abordnung der Bezirksführer der Münchener Einwohnerwehr am 8. April. Er habe mit allem Nachdruck versichert, daß die Regierung alles tun werde, um dem Lande den Heimatschutz zu erhalten und daß sie deswegen mit Berlin bereits Fühlung genommen habe. Der Minister habe aber nicht von der Wahrscheinlichkeit oder auch nur der Möglichkeit einer LoStrennung Bayerns vom Reiche gesprochen, sondern dem einen oder anderen Herrn gegenüber wegen der Wirkung des Verlangens der Entente ge- äußert, daß es wohl die Absicht der Entente sein könnte, einen Keil zwischen Nord und Süd deS Reiche« zu treiben, worauf auch der militärische Vorstoß gegen Frankfurt und die bayerische Grenze hindeute, und gebeten, diese Be- merkungen, wenn sie anch durchaus einwandfrei seien, ver« t r a u l i cki zu behandeln, weil unter Umständen irrige Folgerungen daraus gezogen werden könnten. Er habe immer den Standpunkt des unbedingt notwendige» ZusammcnhaltenS der Länder im RcichSserband vertreten. Auch in den Verhandlungen mit den Re-> gierungen der übrigen süddeutschen Staaten in Stuttgart habe er sich im gleichen Sinne mit aller Bestimmtheit geäußert und sei fest überzeugt, daß eine LoStrennung Bayerns vom Reich eine für Bayern verderbliche Isolierung wäre; er werde daher niemals die Hand zu einer Maßnahme geben, die auf eine solche LoS- trennung abzielen könnte. Daß er die Einwohnerwehrfrage für eine Lebensfrage der staatlichen Ordnung in Bayern erachte, das habe er wiederholt betont, es sei die Pflicht der bayerischen Regierung, auch im Interesse deS Reiches für die Erhaltung dieser rein Polizei- lichen Schutztruppe mit Entschiedenheit einzutreten. Selbstverständ- lich werde er auch in dieser Frage niemals den verfassungsmäßigen Boden verlassen. Gegenüber beunruhigenden Gerüchten stellt die bayerische Negierung, die über die Absichten der Reichsregierung unterrichtet ist, fest, daß die m Aussicht stehende Verordnung des ReichSpräsi- deuten über Einsetzung von Reichskommissaren auf Bayern, Württemberg, Baden und Sachsen keine Anwendung finden werde. (Diese Gerüchte können höchstens für Kappisten beunruhigend sein!) Der Erpresser l>ölz. Noch ungeschoren. Oelsnitz ist don der Reichswehr besetzt. Einige von ihr auf- gegriffene Hölzianer sind der Polizei übergeben. Das von Hölz zur Abholung einer Million nach Plauen geschickte Automobil ist dort nicht eingetroffen. Darauf wurden die beiden Kassenbeamten der Klingenthaler Zweigstelle der Vogtland i scheu Bank mit dem Gelde auf der Bahn nach Klingenthal gesandt. Sie wurden aber in Oelsnitz von der Reichswehr angehalten. Hölz hatte nun DienS- tag vormittag in Klingcnthal 15 dortige Bürger zu einer Der- sammlung in das Rathaus geladen. Er hält sie dort fest und droht, bis zum Aeußersten gehen zu wollen, wenn«r das Geld nicht erhalte. Durch Flieger wurden in Plauen von der sächsischen Regierung Unterzeichnete Flugblätter abgeworfen, die die Bevölkerung über Gründe des Vorgehens der Reichswehr beruhigen sollen. Nicht gegen die Arbeiter, sondern zu ihrem und aller Schutz kämen die Angehörigen der Reichswehr ins Vogtland. Ueber den Kreis Zwickau ist der Ausnahmezustand verhängt. In Glauchau, wo der Kommunist Nadler einen neuen Vollzugsrat gebildet hat, dem auch ein Zuchthäusler angehört, sind laut WTB Bra n d kom m i ss i onen gebildet worden. Gefterreichisch-italienische Ireunöschast. Ein Uebereinkommen. Rom, 13. April.(WTB.) Von gut unterrichteter Seite wird mitgeteilt: Ministerpräsident N i t t i und Staatskanzler Dr. Renner stellten bei Besprechung der politischen Lage in ihren Unterredungen fest, daß sich eine Uebereinstimmung der Interessen zwischen Italien und Oesterreich gebildet hätte. Die italienische Regierung hat den Wunsch, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln am Wiederaufbau der Republikmitzuarbeiten und schnellsiens die wirtschaftlichen Beziehungen wieder aufzu- nehmen. Zu diesem Zwecke haben mehrere Zusammenkünfte zwischen den Ministern für öffentliche Arbeiten und für Handel unter Mit« Wirkung von technischen Sachverständigen beider Länder statt- gefunden, die zu einem Uebereinkommen in den wichtigsten Punkten geführt haben. Die italienische Regierung mißt dem Be- suche des Kanzlers eine hohe moralische Bedeutung bei, da er den Beginn einer neuen Phase von freundschaftlichen und gut nachbarlichen Beziehungen zum österreichischen Volk darstelle. Renner erklärte dem„Giornale d'Jtalia": Ich reise ab mit dem Empfinden, daß eine Periode neuer Auffassungen und neuer Tätigkeil begonnen habe. Die alten Streitfragen existieren nrchl mehr. Alle, von Eurem König bis zum letzten Mann, haben mich in der Ueberzeugung bestärkt, daß wir gemeinsam einer hellrn Z ukunft entgegensehen dürfen. Die Debatte über (Schluß aus der Beilage.) Abg. TrimSorn(Zentr.): Kein Mensch, der seine fünf Sinne noch beisammen hat, kann glauben, daß wir mit der Reichswehr einen Angriff auf Frankreich beabsichtigten. Aber Frankreich will eben Deutschland nicht zur Ruhe kommen lassen, will es zur Auslösung bringen. Die anderen Alliierten werden eine solche Politik nicht mitmachen. Wir müssen die Reichseinheit unter allen Um- ständen aufrechterhalten, darum begrüßen wir die Erklärung deS bayerischen Ministerpräsidenten, daß er fest auf dem Boden des Reichs stehe. Weite Kreise der rheinischen Bevölkerung wünschen wohl eine andere Stellung des Rheinlandes, aber keine Loslösung vom Reiche. Auf den Rechtsputsch muhte der Linksputsch folgen. Wer Kapp reinwaschen will, der macht sich stark verdächtig.(Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Wir haben den Generalstreik abgelehnt, wenn wir ihn auch verständlich fanden. Aber die mit ihm gemachten Erfahrungen haben auch seine Gefahren gezeigt.(Sehr richtig! rechts.) Im Ruhrgebiet hat die Regierung nicht stark genug durchgegriffen.(Beifall im Zentrum und rechts.) Das Bielefelder Abkommen hat bei vielen meiner Freunde große Bedenken hervor- gerufen.(Hört, hört!) Die Fristverlängerung hat auch auf viele Freunde des Bielefelder Abkommens einen sehr schlechten Eindruck gemacht.(Beifall im Zentrum und rechts.— Abg. Hoch: Wer nicht bei allen!) An einer Stelle war vom Militär Sperrfeuer angefordert worden, vom Zivilkommissar wurde es aber telephonisch abbestellt.(Hört, hört! rechts und im Zentrum.) Man mutz die militärischen Stellen doch auf ihrem Gebiet selbständig vorgehen lassen.(Beifall rechts und im Zentrum. Unruhe links.) Gegen den Reichskommissar Severing bestehen große Bedenken in weiten Kreisen. Cr hat als Mitarbeiter nur immer Sozialdemokraten und keine Zentrumsanhänger gewählt. In der einseitigen Heranziehung von Sozialdemokraten als Reichskommissare liegt eine schwere Gefahr für die Koalition. lLebbafteS Hört, hört! rechts.) Der Reichskanzler scheint die Gefahr von links zu optimistisch anzusehen.(Beifall rechts und im Zentrum.) Mit strengsten Mitteln ist die Waffen abliefe rung durch- zusetzen. Für den, der der Aufforderung nicht folgt, ist keine Strafe zu bart, nach meiner persönlichen Auffassung auch nicht die Todes- strafe.(Hört, hört!) Wird das Standrecht nicht aufrechterhalten, dann brauchen wir einen Ersatz.(Große Unruhe.) Dieser Ersatz ist gegeben in außerordentlichen Kriegsgerichten, zu denen auch Zivilisten in größerer Zahl zugezogen werden können. Eine starke Polizei muß dafür sorgen, daß alle verdächtigen Ausländer beseitigt werden. Wir wollen keine GcsinrmngSschnüffrlei in der Reichswehr. Ich beabsichtige nicht, von der Koalition abzurücken, ich will sie im Gegenteil stärken. Die Diktawr von rechts wie von links ist der Tod des Vaterlandes. Augenblicklich droht die Gefahr von links. (Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Der Vorstoß Legiens mit fernen acht Punkten und die Forderungen MolkenvuhrS bewegen sich in der Richtung auf die Di k t a t u r. Unsere Fraktion ist einmütig in der Bekämpfung jeder Klassenherrschaft und jeder Nsbenregierung.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Reichskanzler Müller: An den GozialisierungSborlagen halben wir die ganzen Tage gearbeitet. Alle Vorlagen zu erledigen, läßt vielleicht das Pro- gramm deS Hanfes nicht mehr zu; oder das Haus wird seine Tagung ausdehnen müssen, weil die Vorlagen sonst nicht mehr durch den Reichsrat gehen können. Wenn der Kapp-Putsch nicht gekommen wäre, dann wäre es «in Kinderspiel gewesen, jeden kommunistischen Putschversuch nieder- zuschlagen.(Lauter Widerspruch rechts. Große Unruhe.) Kapp, seine Hintermänner und diejenigen, die ihm zugejuelt hoben, find schuld daran, daß Deutschland in solche Zustände gekommen ist. lAbg. Ladervenz(Dnat.): Das ist Ihre Wahlparole!) Javohl. wenn Sie Kapp decken, dann werden Sie sehen, wie e« Ihnen bei dieser Wahlparole geht.(Große anhaltende Unruhe rechts.) Der Borwurf Trimborns, daß ich die kommunistische Gefahr zu optimisRsch einschätze, ist falsch. Die Parole von der bolschewistischsn Gefahr war doch nur die Parole, mit der die Kapp-Lcute ihren Rückzug antreten wollten, um ihr Verbrechen vor dem deutschen Volke zu recht- fertigen.(Beifall links. Unruhe rechts.) Für den Räuberbaupt- mann Hölz kann man wirklich keine politische Partei verantwortlich machen.(Große Unruhe rechts.) Gegen ihn konnte die Reichs- regierumy erst in dem Augenblick Militär zur Verfügung stellen, wo die sächsische Regierung es verlangte.(Widerspruch rechts.) Wir sind leider noch nicht in der Lage yowesen, mit don nötigen militärischen Machtmiteln gegen die Gefahr von recht? vorzugehen. Die Baltikumtruppe» auf de« Güter« ku Pommern und Schlesien könne» uns jeden Tag wieder die unangenehmsten Urberraschungen bringen.(Sehr richtig! links.) Die AuSfüb- rungsbestimrnungen des Generals v. Watier zum Bielefelder W- kommen waren praktisch undurchführbor. Ob in einem Bezirk eine milnärische Aktion notwendig ist, das muß beim Bürgerkrieg noch ■mehr als beim Krieg draußen von der Zivilrcgieruug entschieden werden.(Sehr richtig!) Wir haben gmrz allgemein verfügt, daß jetzt die vollziehende Gewalt wieder auf die OberprSsibenten übergeht und nur in ganz außerordentlichen Fällen Reichskomnmssave in einzelne Bezirke geschickt werden. Das Preußische Ministerium würde es zwar gern sehen, wenn Severing sein Ministerium übes- nähme; augenblicklich ist er aber im Ruhrgebiet wichtiger. Bei einem zweiten Versuch eines ähnlichen Abenteuers wie des Kapp- Lüttwitz-Putschcs, wird der Generalstreik mit derselben Heftigkeit einsetzen, ganz gleich, ob eine Parole dazu ausgegeben wird oder nicht.(Stürmischer Beifall links.) Die reaktionären Offiziere -müssen sich darüber klar sein, welche Rolle sie in einem demokrati- schen Staat spielen können. Der Versuch, eine Militärdiktatur aufzurichten, würde nur zum Ruin der wirtschaftlichen Kraft deS Volkes und des ganzen Reiche? führen. Darum sollten die Re- aktionäve nicht mi einem solchen Gedanken spielen.(Anhaltende lebhafte Zustimmung. Große Unruhe rechts.) Eine Ncbenregierung der Gewerkschaften ist niemals in Erscheinung getreten. Auch Einflüsse von sozia- listifcher Seite auf die Entscheidungen der Regierung, von denen Trimborn gesprochen hat, sind nicht«in getreten. Die Mitglieder der anderen Koalitionsparteien werden mir bestätigen, daß die Entscheidungen ohne Parteirücksichten gefällt würben.(Minister GieSbevtS, d«r auf\evnnx Platz im Haus« sitzt, nickt lebhaft zustimmend.) Die Regierung kann dte Truppen, wie Reichsminister Dr. Köster hat die Leitung deS Auswärtigen Amtes übernommen. Tab Reichswahlgesetz. Ter Verfassungsausschuß hat einen Antrag, der die Ueber trag ung der Reststimmen auf einen Nachbarkreis und dann«uf die Reichsliste vorsieht, a n g e- n o m m e n. Weitere Ausweisungen aus Oberschlesien betreffen den Pro- fcssor Zimmer und den Polizeikommissar Pieper. Man hat sie —»der deutschen Regierung zur Verfügung gestellt". Auf 3 Tage verboten wurde unser LudwigShafener Parteiblatt, vermutlich wegen Besprechung bei französischwt Einmarsches. die KanZlerreöe. es Trimborn verläufst hat, südlich der Ruhr nur einmarschieren lassen, wenn sie sich überzeugt hat, daß weiteste Kreise mit diesem Verfahren einverstanden sind, das trifft aber nicht zu. Abgesehen von einem kleinen Teil im Bochumer Bezirk wi-rd nördlich der Ruhr nicht mehr gekämpft. Deshalb muß es dort auch ohne Standrccht gehen. Kritik ist uuS erwünscht, wir halten sie aber nur für möz- lich im Rahmen des Vertrauens, das die Koalitionsparteirn zur Regierung haben müssen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo» traten, Demokraten und im Zentrum.) Abg. Lattmann(Dnatl.): Der Reichskanzler hat eine nackte Agitationsrede gehalten.(Sehr richtig! rechts.) Wir sind am Kapp-Putsch nicht beteiligt gewesen. Die bolschewistische Gefahr ist sehr groß. Russische und polnische Juden spielen bei den Kom- munisten eine große Rolle. Man soll das Vermögen dieser Leute beschlagnahmen. Auch die christlichen Gewerkschaften fordern, daß die Regierung sich nicht von der Berliner Straße, sondern von den Interessen des deutschen Volkes leiten lasse. Durch die Vernichtung unserer militärischen Machtmittel sind wir zu Sklaven geworden und können die Rechte des Volkes nicht mehr wahren. Der bolsche- wistischen Gefahr gegenüber darf es keinen Parteiuntevschied geben. (Beifall rechts.) Reichswehrminister Dr. Geßler: Die Behauptung Lattmanns, daß die Abgeordneten bayerischer Truppen von der Regierung nicht empfangen worden seien, hahc ich schon heute früh als einen glatten Schwindel zurückweisen müssen. (Hört! hört!) Es handelt sich um eine jener frechen Lügen, mit denen heute gegen die Regierung gehetzt wird, um die ReichScinhcit zu sprengen und die Partikularistischen Instinkte aufzupeitschen. (Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit.) Reichsjustizminister Dr. Bluuck: Gegen die Hochverräter Kapp und Genossen haben wir Steck- briese erlassen und Belohnungen auf die Ergreifung der Verbrecher ausgesetzt. Der frühere unabhängige Abg. Dittmann sagte mir, er wisse, wo Lüttwitz sei. Ich antwortete ihm gleich, dann könne «r sich 10 000 M. verdienen. Er verzichtete auf die Belohnung und wollte mir die Wresse mitteilen, auf die ich aber bis heute ver- geblich warte.(Frau Zieh: Es stand ja in der Zeitung!) In der Zeitung stand nur, daß sich Lüttwitz im Franzburger Kreise auf- halten solle. Solange wir aber die Adresse nicht kennen, können wir noch nichts gegen ihn unternehmen.(Lachen und Unruhe.) Eine Amnestie für die Hochverräter im Ruhrrevier kommt gar � nicht in Frage. Es ist Ihnen(nach rechts) Wohl unangenehm, aber es muß einmal ausgesprochen werden, in welch verbrecherischer Weise auch solche Politiker de» Militärputsch unterstützt haben» die ihr Verantwortungsgefühl davor bewahren sollte, so gewissenlos mit dem Wohle deS Volkes zu spielen.(Abg. Beuermann(D. Vp.): DaS ist eine bewußte Unwahrheit! Große Unruhe rechts.) Ich brauche ja nur den Ausruf der Deutschen Volkspartei vom 13. März zu verlesen.(Die Verlesung des bekannten Auftufs durch den Mi- nister wird von der Rechten fortgesetzt durch laute Zurufe unter- brechen.— Vizepräsident Haußmann ersucht, die Zwischenrufe zu unierlassen. Der Lärm auf der Rechten dauert au.) In diesem Aufruf haben Sie einträchtiges Zusammenwirken mit der neuen Regierung verlangt. Das ist die glatte..Absage" an die verbreche- rische Kapp-Gesellschast.(Abg. Beuermann: Das ist eine bewußte Unwahrheit!— Vizepräsident Haußmann ruft ihn zur Ordnung. — Lang anhaltendes Gelächter rechts.) Diesen Aufruf hat die Deutsche Volkspartei niemals desavouiert.(Abg. Dr. Becker: Schon am nächsten Tagel— Große Heiterkeit links.) Der Abg. Lattmann meini, die Regierung habe schon vorher von dem Putsch Kenntnis gehabt. Das ist eine vollkommen erlogene Behauptung.(Großer Lärm rechts.— Vizepräsident Haußmann: Eine solche Bemerkung gegen ein Mitglied des Hauses ist unzulässig.) Diese Behauptung ist Herrn Lattmann selbstverständlich von einem Lügner außerhall' deS Hauses zugetragen worden. Die Regierung ist durch die Rechts- Parteien über die Pläne von Lüttwitz nicht unterrichtet worden. (Hört! hört!) Bei dem Schriftsteller Schnitzler fand sich ein voll- ständiger Organisationsplan des Kapp-PutscheS.' Dort werden auch Maßnahmen festgelegt zur Niederwerftmg von Generalstreiks. Die Urheber deS Putsche? wußten also, daß der Generalstreik da« einzige Mittel war, baS dem Volk« zur Abivehr zur Verfügung stand.(Lärm rechts.) Die Herren von rechts waren über die Absichten deS Herr» vno Lüttwitz unterrichtet und haben trotzdem der Reichs- regievung keine Mitteilung davon gemacht.(Lebhaftes Hört! hört! bei der Mehrheit.— Große Erregung und heftiger Widerspruch rechtS. Einige Abgeordnete der Rechten stürmen nach dem Redner- pult. Abg. Schiele(Dnatl.): Das ist eine Schamlosigkeit!— Er erhält einen Ordnungsruf.— Minutenlang herrscht wilder L ä r m im Hause; nur allmählich schafft der Präsident Ruhe.) Wer sich so verhält und dann am 13. März zu den Vorgängen nicht nur eine wohlwollende, sondern eine sympachisierende Haltung einnimmt, der kann die Mitschuld nicht ableugnen.(Lebhafte Zu- stimm ung bei der Mehrheit. Erregter Widerspruch recht?, an- dauernde Unruhe.) Die Regierung ist gewillt, die Bersasiung mit alle» Mitteln zu verteidigen.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit. — Gelächter rechts.) Abg. Most(D. Vp.): Am 13. März habe ich in Duisburg gegen Kapp gesprochen.(Lebhafte Zurufe.) Ich verbitte mir vertvaulich« Zurufe, wie»lieber Freund".(Stürmische Heiterkeit.) Präsident Fchrcnbach zu einer starken Gruppe vor dem Redner- pult stehender Abgeordneter: Ihre allzu große Nähe wirkt aui- reizend.(Stürmische Heiterkeit.) Ich bitte Sie, Ihre Plätze einzunehmen. Abg. Most(D. Vp.) fortfahrend: Es ist ein« Uebertreibung des Reichskartzlers, daß der Pmsch die Bewegung im Ruhrgebiet ent- facht hat, er hat nur zu ihrer vorzeitigen Entladung geführt. Die Ausrufung des Generalstreiks war eine kopflose Ungeheuerlichkeit. (Große Unruhe links.— Lärmende Zustimmung rechts.) Der Ge- neralstreik hat den Boden geschaffen für di« Erpresserpolitik der letzten Wochen. ES ist uns nicht gleichgültig, wenn der Reich?- Präsident seine Unterschrift unter einen Aufruf setzt, der zur Lahm- legung lebenswichtiger Betriebe führt. Ist die Unterschrift echt? Am 14. März hat sich die Mehrheit her Sozialdemokratie für die Rätediktatur erklärt. Die Regierung' darf das Ruhrrevier nicht im Stich lassen. Reichsjustizminister Vlunck teilt auf Anftagen mi-t, daß der Journalist Schnitzler, der für die Kapp-Regierung tätig war, vorher in der Pressestelle der Garde-Kavallerie-Schlltzen-Division unter Lüttwitz gearbeitet hatte. Er hat den Putsch mit vorbereiten Helsen. Das Hau? v»rt«gt sich auf Mittwoch, 1 Uhr: Werterberatung. Keine Vorlogen.— Schluß%8 Uhr. Amerika hilft. Der Vorsitzende der amerikanischen Abteilung der Rheinlandkommission hat dem Oberbürgermeister von Koblenz mitgeteilt, daß eine umfassende Speisung sämtlicher unter- ernährter Kinder bis zu zehn Jahren im«merikanisch besetzten Ge- biet vorbereitet wird. Mit der Speisung wird in den nächsten Tagen begonnen werden.— So versteht Amerika die Aufgabe einer Okkupationsmacht. Horthy übt Gnade. Im Prozeß wegen Verschwörung gegen das Leben des Reichsverwesers Horthy wurden alle vier Augeklagten zum Tode durch den Strang verurteilt. Horthy b(- gnadigt« die Verurteilten zu lebenslänglicher Zuchthausstrrse. OeVerMastsbewegung J\n Sie freigewerkfthastlich organisierte �ngesiellten- und �lrbeiterschast Groß-öerlins l Durch die letzten politischen Vorgänge ist eine Verzöge- rung in der Vorbereitung für die Maiseier eingetreten. Die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben werden nunmehr aufgefordert, die Vorbereitung zur Maifeier noch schnellstens zu treffen. Hierzu geben wir folgendes bekannt: Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend hat einstimmig folgendes beschlossen: »Alle Angestellten und Arbeiter Grotz-Berlins werden hiermit aufgefordert, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. In den lebenswichtigen Betrieben soll jedoch ein Notbelrieb aufrechterhalten werden. Ueber die Lebenswichtigkeit eines Betriebes und den Umfang des aufrecht zu erhaltenden Notbemebes cnticheiden die Gcwcrkichaften.— Die Vertrauensleute der einzelnen Betriebe werden aufgefordert, ihren Gewerkschaften Mitteilung über die Aufrechterhaltung des Notbetriebs ZU machen/ Besondere Feiern der Gewerkschaften finden nicht statt. Wir fordern deshalb unsere Gewerkschaftsgenossen auf, an den Tagesfeiern der politischen Parteien sich zu beteiligen. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission Berlins und Umg I. A.: Rusch. Wie wirkte die Technische Nothilfe? Zu den in Nr. 183 des»Vorwärts" von der Belegschaft des Schöneberger sowie des Charlottenburger Gaswerks gemachten An- gaben erhalten wir von der Hauptsielle der Technischen Rothilfe folgende Berichtigung: .ES ist unwahr, datz infolge deS Eingreifens der Technischen Nothilfe ungeheure Werte vernichiet worden sind. Wahr ist viel« mehr, dag nachweisbar beträchtliche Sach- und Gesundheitsschäden durch das Eingreisen verhütet worden sind. Es ist unwahr, dah bei der Arbeitsaufnahme die Beleg- schaft des Gaswerks Schöneberg das Werk in einem Zustande vor- gefunden hat, der jeder Beschreibung spottet. Wahr ist vielmehr auf Grund schriftlicher Bestätigung der Direktion, datz das Werk nicht nur völlig unbeschädigt, sondern dank der Technischen Nothilfe in einem Zustande übergeben wurde, datz die Gasversorgung sofort teilweise und nach 24 Stunden vollständig wieder aufgenommen werden konnte, und datz der inspizierende Gewerberat und De- zernent für technische Gewerbeangelegenheiten beim Polizeipräsidium Berlin der Betriebsleitung erklärte, er habe keinerlei Anlatz zu irgendeiner Bemängelung gefunden. ES ist u n w a h r, zu behaupten, datz da? Werk nach wenigen weiteren Tagen durch die Nothelfer betriebsunfähig gemacht worden wäre. Wahr ist vielmehr, datz es nach der festgesetzten Betriebs« kurve nur kurzer Zeit bedurft hätte, um das Werk auf volle Be- triebsleistung zu bringen. Es ist unwahr, datz die Werkzeuge ausnahmslos verbrannt und brauchbare nicht mehr vorzufinden gewesen seien, wahr ist vielmehr, datz sämtliche Werkzeuge geordnet vor die Oefen gelegt, übergeben worden sind. Es ist unwahr, datz eS im Maschinenhause, Speiseraum und Kantine wüst ausgesehen hat, wahr ist vielmehr, datz die Maschinenräume geputzt und gescheuert übergeben und der Speise- räum, wie Kantine durch besonder? angestellte und kontrollierte Nothelfer in sauberen Zustand versetzt worden find. Es ist unwahr, datz von den Nolhelsern im Gaswerk Schöneberg Spinden erbrochen und Diebstähle verursacht worden sind. Wahr ist vielmehr, datz nachweisbar durch von autzen ein« gedrungene Diebe einige Stück Treibriemen gestohlen wurden, von denen ein Stück durch Kontrollbeamte der Eisenbahn aufgefunden und wieder abgeliefert worden ist. Es ist ferner unwahr, datz das Gaswerk C h a r l o t t e n« bürg einen wüsten Anblick bot und Wände und Tische beschmiert waren. Wahr ist vielmehr, datz in diesem Werke noch in der Nacht vor der Uebergabe eine besondere Reinigungskolonne gearbeitet hat, und das Werk in gleichem Zustande übergeben werden ist, wie es über« nommen worden war. Gegenüber der Unterstellung, als hätten Nothelfer Diebstähle und Erbrecbung zahlreicher Spinde im Werk vorgenommen, ist zu erklären, datz Diebstähle durch Nothelfer nicht festgestellt worden find. Bei dem nicht ausreichenden militärischen Schutz war der Zutritt auch fremden Personen möglich. Festgestellt ist lediglich, datz ein einziges Spind von zwei Nothelfern zur Be- nutzung geöffnet worden ist, und als dann von dessen Inhalt das Fehlen eines Koppels und einiger Kleinigkeiten bemerkt wurde. dieses sofort gemeldet und dem betreffenden Arbeiter bei der Ueber- gäbe ersetzt worden ist. Unwahr ist, datz die unsachgemäße Behandlung der Oefen zu beträchtlichem Schaden geführt hat, wahr ist vielmehr, nach schriftlicher Erklärung der Direktion, datz keine Beschädigungen des Werkes entstanden find, die nicht in jedem Falle durch die lange Unterbrechung des Gaserzeugungsbetriebes entstanden wären, und die in wenigen Tagen zum grötzten Teil wieder gutgemacht worden sind. Unwahr ist, datz in den beiden Werken nur„Vertreter des Bürgertums" tätig waren und höheren Lohn erhalten hätten, als die Arbeiterschaft sonst: w a h r ist vielmehr, datz sich unter den Nothelfern etwa 30 v. H. Angehörige des Arbciterstandes befanden, rmd sämtliche Nothelfer nach den für die betreffenden Arbeiter- kategorien geltenden Lohntarifen entschädigt worden sind." Wir habe» diescc mehr als ausführlichen Berichtigung Raum gegeben, um nicht den Anschein zu erwecken, als sei eS uns durch die Wiedergabe der Zuschriften in Nr. 183 lediglich darauf ange- kommen, die Technische Nothilfe zu verunglimpfe». Uns scheint jedoch, datz diese Berichtigung etwas zuviel in Abrede stellt. E witz ist der Hauplstelle der Technischen Nothilse auf Umfrage von fast allen Betriebsverwaltungen, in denen die Nothilfe in Anspruch genommen wurde, nur Lobenswertes attestiert worden. Ein Urleil der Verwaltung deS Schöneberger Gaswerks liegt uns leider nicht vor, wohl aber ein solches der Direktion der städtischen Gaswerke Charlottenburg. Um Licht und Schatten gleichmäßig zu verteilen, möchten wir das Antwortschreiben vollständig wiedergeben. Es lautet: Charlottenburg, 23. März 1320. Direktion der städt. G aSwerke. An die Technische Nothilfe beim Reichsministerium des Innern, Berlin. Zum Schreiben vom 2 7. März 132 0. Die Behauptung, datz durch die Tätigkeit der Technischen Not- Hilfe auf unserem Gaswerk schwere Beschädigungen des Werkes ent- standen sind, trifft nicht zu. Das Reißen der Retorlenöfen wäre durch die lange Unterbrechung des Gascrzcugungsbetriebes in jedem Falle entstanden und ist durch die sachgemäße Behandlung seitens unseres eingeübten Ofenmaurerpersonals, an dem es der Nothilfe naturgemäß fehlte, in wenigen Tagen zum großen Teil wieder gut- gemacht worden. Es kann aber nicht verschwiegen werden, datz durch das von ungeübten und zum großen Teil zu schwachen Leuten ausge- führte Abschlacken der Oefen und Wassergasgeneraloren ein ganz ungewöhnlich großer Verbrauch an Hilfsrosten und Werkzeugen eingetreten ist, der von uns bei der Schwierigkeit der Beschaffung von Ersatz schwer empfunden wird und der vermieden worden wäre, wenn unsere Arbeiter die Notstands- arbeiten weiter hätten verrichten können. Kessel und Maschinen find von der Nothilfe in einwandfreier Weise be- dient worden. Die Arbeits freudig keit und Führung der Nothelfer mutz als hervorragend anerkannt werden, wenn auch einzelne unlautere Elemente darunter gewesem sind, die die Gelegenheit zur Ausführung von Diebstählen nicht haben vorübergehenlassen. So find uns z. B. Treibriemen abhanden gekommen, deren Wieder« beschaffung sehr erhebliche Kosten verursacht. Eine größere Vorsicht bei der Auswahl der Personen erscheint uns deshalb geboten.(gez. Unterschrift.) UnS will scheinen, datz durch obiges Urteil der Direktion die wesentlichsten Angaben in der von unS veröffentlichten Zuschrift bestätigt werden. Tarifabschluft in der Binnenschiffahrt. Zwischen dem Arbeitgeberverband für Binnenschiffahrt. Hamburg. und dem Deutschen Transportarbeiterverband, Berlin, Mitgliedschaft Binnenschiffer, Elbe, Oder u. m. Wasserstraßen, dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer. Geschäftsstelle Elbe-Oder-Schiffahrt, Berlin, ist in dreitägigen Verhandlungen, vom 3. bis 11. April d. IS., eine Verständigung herbeigeführt worden. Es werden rück- wirkend ab 1. April wöchentlich folgende Löhne gezahlt: Für Kapitäne 215 M., 1. Dampfersteuerleute 205 M., 2. Dampfersteuer- leute 200 M., Kahnsteuerleute 205 M., Deckleute 135 M., Schiffs- jungen im ersten Jahr 60 M., Schiffsjungen im zweiten Jahr 80 M., Schiffsjungen im dritten Jahr 120 M., Maschinisten 215 M., Maschinisten auf Greifern, Windenschuten und Donkys 205 M., 1. Heizer 200 M., Heizer 135 M., jugendliche Heizer 130 M. Die ersten Heizer erhalten außerdem eine Schmutzzulage von 3 M. pro Woche. Kapitäne erhalten eine Funktionszulage von 10 M. pro Woche. Die weiteren finanziellen Entschädigungen sind der Geldent- Wertung entsprechend erhöht. Durch den Tarifabschlutz ist eS gelungen, den wirtschaftlichen Frieden in der Binnenschiffahrt sneben der Bahn das wichtigste Transportmittel) aufrechtzuerhalten. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Graft- Berlin. Kolleginnen und Kollegen aus den Buchhandels-, Papier- und Pappen-, Briefumschlag-, Buchdruckerei-, Buchbinderei- und Zcitungsverlags-Betrieben: Donnerstag, den 15. April, abends 6 Uhr, in Wilkes Fesisälen, Sebastianstraße 39, wichtige Versammlung. Erscheinen dringend notwendig. Verband der Tatttler und Portefeniller, Ortsverwaltung Berlin. Donnerstag, den 15. April, abends 7 Uhr: Generalversammlung in A. Bäckers Festsälcn, sWeberftr. 17. Wichtige Tagesordnung. Nur Mit- lieber haben gegen Vorzeigung des Mtgliedsbuches, der Mitglieds- oder Kontrollkarte Zutritt. Ausgesperrte der A. G. G. Hennigsdorf. Donnerstag, den 15. April, vorm. 10 Uhr. im Streiklokal, Lothringer Str.: Versammlung. Anschließend Auszahlung der gesammelten Gelder. Alle Ausgesperrten wollen vollzählig erscheinen. Zentralverband der Angestellten. Versammlungen am Donners tag, denlb. April. Fachgruppe öd(Paienianwaltsangestellte)' Abends 7 Uhr, Restaurant„Biergiocke", Belle-Alliance-Str. 106. Bericht über Tarisverhandlungen.— Fachgruppe 10(Angestettic der Tapisseriebranche): Abends 7 Uhr, im„Schultheiß", Neue Jakobstr. 24—25. Unser neuer Tarifvertrag.— Fachgruppe Iba(Angestellie sämtlicher E. G.> Beiriebe). Sektionsversammlung abends 7 Uhr,„Mustkersäle", Kaiser- Wilhelm- Str. 31.— Fachgruppe 16 t(Angestellte der Karionnagenbranche). Oeffenlliche Versammlung'/„S Uhr,.Sophiensäle", Sophiensir. 17—18. Stellungnahme zum Tarifvertrag. Wietsehclfi Tie Reichseisenbabnen. Bei Gründung einer Arbeitsgemeinschaft für die Reichseisen- bahnen sprach Unterstaatssekretär S t i e l e r über die Folgen des Zusammenbruchs vom November 1313 für den Betrieb. Die Wagen- gestcllung 1919 betrug 18 Proz. weniger als 1318, 42 Proz. weniger als 1313; Achskilometer 1319 31 Proz. weniger als 1318, 40 Proz. weniger als 1913. Er berührte dann die Versuche zur Abhilfe der Betrrebsnot, in erster Linie die Zwangsmaßnahmen: Einschränkung des Ver- kehrs. Abdrängung auf die Schiffahrt, Vereinbarungen mit Versen- dern. Die Erfolge seien groß: VA Millionen Tonnen ausländischer Lebensmittel seien von Oktober 1919 bis Februar 1920 eingeführt worden. Durch neuere Unruhen seien wir wieder auf Monate zurückgekommen. Die Zahl der Werkstättenarbeiter betrug in Preußen: vor dem Kriege rund 70 000. am 1. November 1918 108 000, 1. Januar 1319 143 00«, 1. April 1919 162 000. 1. Ja- nuar 1920 151 000, 1. März 1920 122 000. Für 1919 werde der Betriebsfehlbcdarf auf etwa 4 951 Milliar- den geschätzt. Trotz der letzten Tariferhöhung dürfte der Fehlbetrag im Jahre 1920 2,6 Milliarden betragen. Bon großem Interesse waren die Ausführungen eines Refe- renten über den Ablöfungsbetrag. Der Detrag, den das Reich an die acht Eisenbahnstaaten zu entrichten hat, beträgt 41 Milliarden. So hoch dieser Betrag aussehe, so entspräche er bei weitem noch nicht den Forderungen der Einzelstaaten, von denen Preußen und Bayern zusammen allein 150 Milliarden angefordert hätten. Die 41 Milliarden enthalten aber die Fehlbeträge der Eisen- bahnen in Höhe von 7,5 Milliarden und etwa 3,5 Milliarden für die durch den Friedensvertrag an die früheren Feinde gekommenen Strecken. Die Rcichseisenbabnen dürften im ersten Betriebsjahre mit einem Defizit von über 7 Milliarden anfangen. Warum die Mark steigt. Der Berliner Vertreter des„Daily Chromcle" bringt das Steigen der Mark im Auslande mit dem Kapp-Puffch und den darauf folgenden großen Unruhen in Zusammenhang, indem er behauptet, datz während dieser Zeit die Einfuhr nach Deutschland so gut wie geschlossen gewesen sei. ?tus aller Weit. Die Rvkhensteiner Katastrophe. Ueber 200 Tote find bereits festgestellt. Die genaue Zahl wird sich nie feststellen lassen, d« manche der an dem Unglücksherd beschäftigten Personen i n Atome zerrissen wurden und auch die Arbeiterlisten Vernich» t e t sind. Das Elend ist ungeheuer groß, da die Opfer meist mittellos sind. Es wird bereits eine öffentliche Sammlung eingeleitet. In der Stadt wird der angerichtete Sachschaden auf über eine Million Mark geschätzt. Noch in den über hundert Kilometer entfernten Städten Jnstcrburg und Tilsit sind viele Spiegel- und Fenster- fcheiben zersprungen. Bei dem Stollberger Explofionsunzlück wurden 21 Personen getötet und 14 schwer verwundet. Und noch eine Explosion. Aus Rüdesheim wird uns ge- meldet: Von den im Rathauskeller untergebrachten M u n i t i o n s- st offen der französischen Besatzung ist ein erheblicher Teil explodiert. Ein in den Räumen beschäftigter Franzose wurde zerrissen, drei Kinder, die im Rathaushof spielten, wurden durch die umherfliegenden Sprengstücke getötet. Eine Mörderfamilic. Am Sonnabend wurden in der Nähe von Oliva bei Dcmzig die Leichen eines Mannes und einer Frau, in Stroh und Säcke eingehüllt, auigefunden. Der Tod war durch Zer- trümmerung der Schäldeldecke erfolgt. Es handelt sich um den früheren Angestellten einer polnischen Bank, Kobiella, aus Alt- Grabow und um seine Braut Fräulein Arczhk. Als Täter sind der Arbeiter Viktor PuSdrowski und dessen erwachsene Kinder Otto und Frida verhaftet worden. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Touristeu-Bereiu»Die Naturfreunde", Ortsgruppe Bin. Ostb-bn Vororte. Donnerstag, den 15. April, Mitglieder-Vm'ammiung, Ohmstr. 2. Sonntag, den 18. April, Oranienburg, SommerSwalde. Beilen. Ab Sietiincr Vorortbahnhos 6.50.— Der Verein heimntirener deutscher Westpreuften, Bezirlsgruppe Norden. Freitag, den 16. d. MlS.,>/.8 Uhr im Rosenthaler tzos, Rosenihaler Sir. 11/12, Bezirksvcrsammlung.— Verein heimattreucr Oberschlener, Gruvpe X0. Versammlung am Freitag, den 16. d. Mts. 71/, Uhr, Unionssestsäle, Greisswalder Str. 222. Sriefkasten üer Reüaktion. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben uns-ine Nummer bei. Briefliche Austuns! wird nicht erteilt. Eilige An- kragen trag«'man in der Juristischen Sprechstunde. Lindenstr. 3, 1. tzos parterre links, vor. Schriftstücke und Verträge stnd mitzubringen. A. M. 88. Wenden Sie sich an den Verband Gemeinnütziger Siedelungsvercinigungen E. V., Jägerstr. 13.— E. F. 95. Lassen Sie sich von der Expedition des.Reichsanzeigers-, WUHclmstr. 32, die bcir. Nummer kommen.— P. R. 85. 1. Wenden Sie fich um Auskunft an das Reichs-Wanderungsamt, Wilhelmftr. 61. 2. Können wir nicht sagen. Verantw. für den redaktion. Teil:«rtur gickle«, Charlottenburg: für Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vor- würis-Buchdruck-rei u. Berlagsanftali Paul Singer u. Co. Berlin. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. A.WERTHEIM M Aussfellung und Verkauf von W eia und nur in unserem alten Geschäflshause Omni en~Stmsse 32. am Moriöplaö Nr.1?»»Z7.?ahrgai>g � OFtöO Ir 1 0 Mitwoch, 14. fipril 1920 Kapp, Ruhrrevier und Koalition. Die Nationalversammlung erledigte am Dienstag zunächst kleine Anfragen, die meist s-Son melstere Wochen alt sind. Abg. Kuncrt(U. Soz.) verweist darauf, dast Major a. D. Weber nach eigener Aussage im Kestelpiozetz die Flucht Marlohs begünstigt habe. � Die Regierung erklärt, dah Weber in keinem militärischen Verhältnis mehr steht, also der bürgerlichen Gerichts- barkeit unterworien sei. Erhebungen sind im Gange. Die Behauptung des Abg. Schmidthals(Dem.), dost der preußische Landwirtschaftsminister nicht bereit sei, 10 Proz. des Domänenlandes für Kleinsiedlungen herzugeben, wie es das Ncichssiedlungsge'etz verlangt, wird von dem Minister bestritten. Weitere Antworten: Mißstände im Festungsgesängnis in Spandau sollen beseitigt werden.— Gegen das antideutsche Schreckens- regimenr der Polen in Posen und Westpreußen wird dauernd Einspruch erhoben.— Gegen die Beteiligung des französischen Vertreters der Enlentekommission an einer polnischen Volksversammlung im Abstimmungsgebiet Marien- werder ist energisch Einspruch erhoben worden.— Ueber die Verletzungen des deutsch-polnischen Amncstievertrages sind die Er- miltlungen noch nicht abgeschlosien worden.— Die Abfuhr der vcr- stärkten Kohlenförderung war anfangs in ausreichendem Maße nicht möglich. Von Anfang März ab konnten jedoch nicht nur die vermehrte Förderung abgefahren, sondern auch die Haldenbestände vermindert werden.— Die große Bcrteueruirg der Nähgarne ist auf die über zwanzigfache Verteuerung der Robbaumwolle zurückzu- führen. Tic Preise im Kleinhandel werden überwacht.— Zur Unterbringung erwerbsloser Seeleule ist im vorigen Jahre eine Vermittlungsstelle geschaffen werden.— Den aus Eliaß-Lotbringen vertriebenen Deutschen wird zur wirtschafllichen Beihilfe bis zur endgültigen Regelung ein Vorschutz gewährt.— Gegen das plan- mäßige Aufkaufen von Häusern und Grundstücken in Deurschland durch Ausländer wird demnächst eine Verordnung ergehen, in der auch Grundsätze für Verhinderung der Kapitalflucht durch Häuser- verkauf enthalten sein werden. Nach Ablauf der für die Erledigung von Anfragen festgesetzten Stunde folgt die Besprechung der gestrigen Regierungserklärung. Abg. v. Payer(Dem.) erklärt stch mit den Ausführungen deS Reichskanzlers einverstanden. Nach Scheitern aller Bermittlungs- versuche mußte zum Schutze der friedlichen Bevölkerung mir fester Hand zugegriffen werden. Unserer Reichswehr danken wir(mit erhobener Stimme) für die Selbstbeherrschung, deren sie bedarf, um das allgemeine Vertrauen des Volkes zu erhalten. lLebhakter Beifall.) Wir treten dem Reichskanzler darin bei. daß jede Art Nebenregierung zurückzuloeisen ist. Der Reichs- kanzler hat mit seinen Ausführungen selbst die Grenze festgestellt. die zu überschreiten die demokratische Fraktion keiner Regierung, der sie angehören wird, je gestatten wird.(Stürmische Zustimmung bei den Demokraten.) Abg. hue(Soz.): Auch meine politischen Freunde können sich im wesentlichen mit den Ausführungen des Reichskanzlers einverstanden erklären. Es entspricht durchaus den Anschauungen des arbeitenden Volkes, daß das ganze Unheil und Elend, das wir durchzumachen hatten, der Schuld der Kapp und Genossen entspringt(Sehr richtig I bei der Mehrheit, Widerspruch rechts), um so mehr, als die Rechtsparteien es so hinzustellen versuchen, als ob alle?, was wir hinter uns haben, nur ein Werk des SpartakiSmus sei. Gegen eine solche Gcschichts- fälschung haben wir uns im Interesse der öffentlichen Ordnung mit aller Enischiedenheit zu wehren.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokralen.) Wir waren auf einem erfreulichen Wege des Aufstiegs, wir waren dazu gekommen, daß die Bcrgarbeiterschaft die Er- füllung ihrer Forderungen vertagte im Interesse der Allgemein- heit, daß sie sich trotz der miserablen Ernährung bereit erklärte, Ueberschichlen zu machen, wir waren dazu gekommen, die Kohlen- sörderung arbeitstäglich auf über 300 000 Tonnen zu steigern, die Eisenbahn war in der Lage, tägllch schon 22—23 000 Wagen zu stellen. Auch die Eisenbahner hatten sich auf unsere Vorstellungen bin bereit erklär?. Ueberstunden zu verfahren, um dem Bergbau und den anderen Jud-istrien zu helfen. In diesem Vorfrühling unsres Wirtschaftslebens playte nun wie ein Hagel der Putsch der Herren Kapp und Genossen.(Sehr richtig I bei der Mehrheit.) Hut ab vor den Vcrsassungskämpfern! Achtung vor den Leuten, die ihr Blut darangesetzt haben, die Ver- fassung zu schützen! Das Reich wird nach Möglichkeit für die Hinter- bliebenen dieser Verfassungskämpfcr ausreichend zu sorgen haben (Beifall bei den Sozialdemokraten), aus dem beschlagnahmten Ver- mögen aller der offenen und heimlichen Kappisten. Wir haben erlebt, daß sich aus diesem Verfassungskampf allmählich ganz im logischen Verlauf der Dinge die reinste Anarchie entwickelte. Wo von Spartakus am wenigsten die Rede war, gerade von dort find die Arbeilertruppen herangelommen, um die Verfassung zu verteidigen. Das Niederwerfen des Kapp- Genofstnnen unö Genossen! Wir stehen unmittelbar vor einem Wahlkampf, der wahr- schcinlich der heftigste in der Geschichte unserer Partei werden dürfte. In weit stärkerem Maße als im Januar 1919 geht es diesmal um die Entscheidung in der Frage Monarchie oöer Republik! Keinen Tag mehr dürfen wir mit den Vorbereitungen zum Kampf zögern! Pflicht aller Genossinnen nnd Genoffen ist es, sich rest- los in den Dienst unserer Sache zu stellen, wenn unser öer Sieg sein soll. Auf der Kleinarbeit beruht unser Erfolg. Da- her ist es nötig, dasi alle Parteimitglieder in engsterFüh- lung mit der Organisation bleiben. Genossinnen und Genossen! Besucht daher in Massen öie heutigen NitglieServersammlungen. keiner darf fehlen! Putsches wäre nach meiner Meinung ohne Benutzung der Mord- waffe möglich gewesen. Wir hätten die Macht gehabt, Kapp und seine Gesellen auch so vollständig zu Boden zu werfen, und ich bedanre, daß es noch darüber hinaus zu Blutvergießen gekommen ist. Ich bedaueie es um so mehr, weil dadurch erst recht die Siimmung in der Bevölkerung enistanden ist, an deren Folgen wir noch lange zu tragen haben werden. Es ist nicht zu bestreuen, daß es nicht dazu gekommen wäre, wenn von allem Ansang an die militärischen Führer sich ganz unzweideutig auf den Boden der Reichsverfassung gestellt hätten.(Sehr richtig I> Dann wäre das Mißtrauen, das durch eine nach meinem persönlichen Empfinden lehr ungei'cknckte Agitation gegen die Reichswehr in weite Kreise der Acbciierschafl hinein- gelragen worden ist, nicht so gestiegen, daß es sich Luft machte in einem Kampf gegen die bewaffnete Macht. Hätten wir am Montag oder DienStag bereits gewußt, daß Kapp erledigt war, niemals wäre es zu Blntoergießen gekommen. WTB. trägt daran ein gerütteltes Maß von Schuld.(Sehr richtig! Znruf bei den Soz.: Werkzeug der Reaktion!) Das Viele- felder Abkommen ist im wesentlichen das Verdienst Severings. Dieses wurde sofort in den alten sozialdemokratischen Bezirken süd- lich der Ruhr, im Wupperthal und im Bergischen Lande anerkannt, auch von den Unabhängigen. Als aber die Bewegung erst einmal in das Gebiet nordwestlich der Ruhr am Niederrhein herüberkam, in jenes Wildwcstrevier, in das Revier der Streikbrecher und Gelben, der zusammenge- trommelten AusbeutungSobjekte, da kam das, was jeder Kenner des JndustriegebvoteS voraussehen mußt«, da glitten den Führern die Zügel aus der Hand. Es ist das Verhängnis der Unabhängigen Partei, daß sie diese Zusammensetzung der Arbeiterschaft bei ihren Aktionen nicht berücksichtigt hat. Diese Elemente sind nicht sparta- kistisch und kommunistisch, sondern das sind Elemente, die die Wafse ergreifen, um sich zu bereichern. Einzelne Auslassungen der Un- abhängigen beweisen, daß diese die Lage klar erkannt haben; sie schieben die Fortführung des Kampfes allerdings auf Spitzel. In der Tat wird bei einer gründlichen Untersuchung festzustellen sein, was für Elemente es gewesen sind, die nach dem Abschluß des Bielefelder Abkommmens den Kampf noch fortgeführt haben, indem sie die Vollzugsräte zum Teufel jagten und mit dem Tode be- drohten. Alle Parteien setzten alles daran, den Kampf abzubrechen, wie kamen da diese gelben Elemente dazu, den Kampf fortzusetzen? Der Diktator von Duisburg, namens Koch war einer der Führer der Gelben. (Lebhaftes Hört, hört!) Das sind di« Erzeugnisse der kapitalistischen Erziehung, nicht die unsrigen, denn wir haben weder die Schule noch die Kirche in der Hand.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Hugo Delvez, der die Roten Soldaten auf- forderte, allen Bonzen mit dem Kolben den Schädel einzu- schlagen, ist ein Mann, der sich in allen Entwicklungsstadien herumgetrieben hat, Gelber, Streikbrecher, Geist von Ihrem(nach recht?) Geist. Der Einmarsch der Reichswehr war ein Gebot der Notwendigkeit. war. Und es ist darum eine ungeheuerliche Tat der französischen Regierung, daß sie, als di« deutsche Regierung notgedrungen, um Leben, Gesundheit, Habe der Bevölkerung vor Verbrechern zu schützen, den Einmarsch befahl, daraufhin ihre Truppen in das Maingebict einmarschieren ließ.(Lebhafte Zustimmung.) Praktisch bedeutet das eine Unterstützung jenes Gesindels, das uns im Ruhr- gebiet eine Woche lang in Angst und Schrecken gesetzt hat. In Oberschlesien hat der französische Militarismus eine eigene Art, seine Befreier- Mission durchzuführen; er duldet nicht, daß die Bctrirbsrätewahlen durchgeführt werden, daß di« verfassungsmäßig garantierten Rechte der Arbeiterschaft zur Geltung kommen, daß die Beamten und Richter ihre Pflicht tun. Aus Briefen aus Oberschlesien geht her- vor, daß man jeden Tag infolaedeffen mtt dem Ausbruch des Generalstreiks rechnen kann.(Lebhafte Bewegung und Zustimmung.) Tie Franzosen wollen verhindern, daß bei den sozialpolttischen Wahlen die Stimmung der oberschlesischen Bevölkerung, di« für Deutschland ist, erkennbar wird. Die Regierung hat das Alleräußerste getan, um den Truppen- einmarsch in das Ruhrrevier nicht notwendig zu machen. Durch Verhandlungen mit den Führern der Aufständischen, mit den poli- tischen und militärischen Vertretern der Arbeiter ist alles versucht worden, um ihn zu verhindern. Aber schließlich herrschte Anarchie, jeder Abschnittskommandeur befahl nach eigenem Ermessen, die Vertreter des Zentralrats und der Vollzugsräte mußten flüchten, wir haben Todesurteile auch gegen Unabhängige gesehen. Juwie- weit bei dem Vorrücken der Reichswehr die Abkommen von Viele- seid und Münster eingehalten worden sind, wer kann das in diesem Augenblick feststellen? Ich gebe gern zu, daß in einzelnen Ab- schnitten die Reichswehr entgegen den Abmachungen vorgerückt ist. Aber unzweifelhaft stebt fest, und ich berufe mich dafür auf das Zeugnis des Slbichnittskommandanten von Gelsenkirchcn, daß in der Tat am Sonnabend vor Ostern noch zu Hunderten Rote Gardisten gegen den Befehl des Zcntralrats handelten. Es ist gewesen wie im Kriege: Di« Fronten haben sich ineinander verbissen und konnten sich nicht voneinander los- lösen. Jedenfalls muß auch festgestellt werden, was an den Gerüchten über standrechtliche Erschießungen und über Niedermetzelungen von Rcichswchrsoldatcn Wahres ist. Ich wünsche nur, daß die Unter- suchung, di« über die schaurigen Verkommnisse im Ruhrrevier an- gekündigt ist, streng unparteiisch vor sich gelst. und daß stch auf beiden Seiten in diesem Augenblick, wo der Kampf ruht, auch das Gefühl einstellt, es darf keine Rache geübt werden. Di« allgemein« Beruhigung muß jetzt durchgeführt werden.(Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Nur im alleräußersten 7] Segen öer Cröe. Roman von Knut Hamsun. Im Mai kommt eme fremde Frauensperson übers Ge- birg« zu öer einsamen Ansiadlung: sie ist eine Verwandte von Inger und wird gut aufgenvrmnen. Sie sagt: wollte nur sehen, wie es Goldhorn geht, seit sie von uns fortgekom- men ist!"—„Die Leute fragen nicht viel nach dir, nach so einem kleinen Kerl," flüstert Inger betrübt dem Kinde zu.— „Ach er— nun da? seh ich ja, wie es ihm geht. ES ist ein prächtiger Junge, das seh ich! Und wenn mir jemand das vor einem Jahr gesagt hätte, daß ich dich hier wiederfinden würde, Inger, mit Mann und Kind und Haus und allem übrigen!"—„Von mir sollst du nicht roden, das ist nicht der Mühe wert. Aber da ist nun er, der mich so genommen hat wie ich war!"—„Seid ihr getraut? Ach so, ihr seid noch nicht getraut?"—„Aber wir werden jetzt sehen, wenn der Kleine gelaust wird," sagt Inger.„Wir haben uns schon trauen lassen wollen, aber es hat sich nicht einrichten lassen. Was sagst du dazu, Jsak?"—„Ja, trauen lassen— das versteht sich."—„Kannst du nicht nach der Heuernte hierher- kommen, Olms, irnd das Vieh versargen, während wir die Reise machen?" fragte Inger.— O doch, das versprach der Besuch.—„Wir werden dich dafür belohnen."— Ja, das wisse sie wohl...... Und mm wollt ihr noch weiter bauen, sehe ich. Was baut ihr denn? Habt ihr noch nicht genug?" — Inger schüttelt den Kopf und sagt:„Ja, frag du ihn, ich darf es nicht wissen."—„Was ich baue?" sagt Jsak,„es ist nicht der Rede wert. Einen kleinen Schuppen, wenn ich einen brauche. Aber du hast ja nach Goldhorn gefragt, willst du sie setzen?" fragt er dw�Gast. Sie gehen in den Stall, Kuh und Kalb werden gezeigt. Der Stier ist ein prächtiges Stück Vieh, der Gast nickt wohl- gefällig über das Viel) und den Stall, sagt, sie seien von bester Art, und die ausgesuchte Reinlichkeit, die sei groß- artig.„Ich stehe bei Inger für alles ein, was gute und er- fahrene Behandlung der Tiere betrifft." sagte die Verwandte. Jsak fingt:„So. also die Kuh Goldhorn fit vorher bei dir gewesen?"—„Ja. von ihrer Geburt an! Ja, nicht gerade bei mir. sondern bei meinem Sohn; aber das ist dasselbe. Wir haben sogar noch ihre Mutter in unserem Stall!" Jsak hatte seit langer Zeit keine angenehmere Botschaft gehört, und ein Stein fiel ihm vom Herzen, jetzt war Gold- Horn mit Recht seine und Ingers Kuh. Um die Wahrheit zu sagen, so hatte er sich halb und halb den traurigen Ausweg aus seiner Ungewißheit ausgedacht gehabt, Goldhorn im Herbst zu schlachten, die Haare von der Haut zu schaben, die Hörner in frie Erde zu vergraben und so jegliche Spur von der Kuh Goldhorn zu verfilzen. Jetzt war dies unnötig. Er wurde so stolz auf Inger, daß er sagte:„Reinlich? Ja, so wie sie gibt es keine mehr. Es muß mir wahrhaftig vorher bestimmt gewesen sein, daß ich eine vermögliche Frau bekom- men sollte!"—„Das war nicht anders zu erwarten!" sagt die Vorwandte. Diese Frau von jenseits des Gebirges, eine freundliche Person mit wohlgesetzter Rede, ein verständiges Menschenkind namens Okine, sie blieb nun ein paar Tage da und schlief in der Kammer nebenan. Als sie wieder fortging, bekam sie etwas Wolle von Ingers Schafen, die sie jedoch, einerlei aus welchem Grunde, vor Jsak verbarg. Das Kind, Jsak und die Frau— die Welt wurde dann wieder dieselbe, tägliche Arbeit, viele kleine und große Freu- den, Goldhorn gab reichlich Milch, die Ziegen hatten junge Zicklein rand gaben auch reichlich Milch, Inger verfertigte eine Reihe weißer und roter Käse und stellte sie zum Reifen auf. Ihr Plan war, so viele Käslaibe herzustellen, daß sie sich einen Webstuhl dafür kaufen konnte— o diese Inger, sie konnte weben! Und Jsak baute einen Schuppen, auch er hatte wohl einen Plan. Er errichtete den neuen Anbau an die Gamme mit einer doppelten Bretterwand, machte eine Tür hinein und ein nettes kleines Fenster mit vier Scheiben; dann legte er vorläufig ein Notdach aus Birkenrinde darauf, bis der Boden austauen würde und er Torf stechen könnte._ Nur das Notwendigste wurde gemacht, kein Bresterboden, keine gehobelten Wände, aber Jsak zimmerte einen Stand wie für ein Pferd und machte eine Krippe. Es war schon Ende Mai, als die Sonne die Hügel aus- getaut Hatto und Jsak seinen Schuppen mit Torf decken konnte; nun war das neue Gebäude fertig. Dann eines Morgens aß er eine Mahlzeit, die einen TM ausreichen konnte, nahm außerdem noch Mundvorrat mit, legte Hacke und Spaten über die Schulter und stiea ins Dorf hinunter. „Kannst du vier Ellen Zitz mitbringen?" rief ihm Inger nach.—„Was willst du damit?" versetzte Jsak. Es sah aus, als wollte er für immer fortbleiben. Inger sah jeden Tag nach dem Wetter, nach der Windrichtung, wie wenn sie ein Schiff erwartete, ging in der Nacht hinaus und lauschte, sie dachte daran, das Kind auf den Arm zu nehmen und ihm nachzulaufen. Endlich kehrte er zurück mit Pferd und Wagen.„Hoho!" sagte Jsak laut vor der Tür, und ob- gleich das Pferd ruhig und fromm dastand und wieder- erkennend nach der Hütte wieherte, rief Jsak ins Haus hinein: „Kannst du herauskommen und das Pferd ein wenig halten!" Inger kam heraus.„Was ist das?" rief sie.„Sag, hast du es wirklich wieder entlehnen können? Wo bist du denn die ganze Zeit gewesen? Heut ist der siebente Tag."—„Wo sollte ich gewesen sein? Ich mußte an vielen Stellen erst den Weg bahnen, um mit meinem Wagen durchzukommen. Halt das Pferd ein wenig, Hab' ich gesagt!"—„Mit deinem Wagen? Du hast doch, soviel ich weiß, den Wagen nicht ge- kaust?" Jsak blieb stumm, ganz geschwollen vor Stumnrheit. Er fängt an, den Wagen abzuladen; Pfstng und Egge, die er sich angeschafft hat, Nägel, Eßwaren, einen Spaten, einen Sack voll Saatkorn.„Wie geht es dem Kinde?" fragt er. „Das Kind leibet keine Not. Hast du den Wagen ge- kauft? ftag« ich. Und ich guäle und quäle mich um einen Webstuhl ab," sagt sie richtig scherzhaft, so froh war sie, daß er wieder daheini war. Jsak schwieg wieder eine lange Weile und war mit sich selbst beschäftigt. Er überlegte und schaute sich um, wo er alle die Waren und die Gerät« unterbringen sollte. Es schien gar nicht so leicht, auf dem Hofe Platz für alles zr''nden. Aber als Inger es ausgab, noch weiter zu fragen und statt dessen mit dem Pferde plauderte, brach Jsak das Schweigen und sagte:„Hast du schon einen Hof ohne Pferd und Wagen und Pflug und Egge und alles, was noch dazu gehört, ge- sehen? Und da du eS wissen willst, ja, ich Hab' das Pferd und den Wagen und alleS, was daraus ist, gekaust."— Danach konnte Inger nur den Kopf schütteln und sogen:„Um alles in der Welt!" Und nun war Jsak nicht klein und verzagt, es war. als habe er wie ein großer Herr für Goldharn bezahlt: Bitte— in runder Summe meinerseits ein Pferd! Er war so mustel- kräftig, daß er den Pflug noch einmal aufnahm, ihn mit einer Hand cm di« Hauswcmd trug und da aufstellte. So ei« Herrscher war er! Und dann trug er die Egge, den Spaten, eine neu« Heugabel, die er gekauft hatte, alle die teueren landwirtschaftlichen Geräte, die Kleinode, in den Neubau. Großartig, o volle Ausrüstung, jetzt fehlte nichts mehr! (Fortj. folgt) Notfall darf die bewaffnete Macht eingreifen. Dieser Fall war im Ruhrgebiet gegeben, aber jetzt ist es an der Zeit, abzubauen; wir müssen wieder zur Arbeit, zur ruhigen Arbeit kommen.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Ich vermisse in der Rede des Reichskanzlers eine klare Mitteilung darüber, in welcher Weis« die Kappisten zur Rechenschaft gezogen werden.(Stürmisches Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Diese Mitteilung wird auch in weiten Kreisen des Volkes vermißt werden.(Erneute Zustim- mung bei den Soziademokraten.) Wir können ja leider nicht von einer völligen Niederlage der Kappisten reden. Große Teile der Reichswehr, die sich offen für die Putschisten erklärt haben, stehen heute noch unter Waffen. Verfassungstreue Beamte, Soldaten und Offiziere werden von den Kappisten schikaniert, drang» saliert und gemaßregelt.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Die Arbeiterschaft ist außerordentlich beunruhigt durch die Beobachtung, daß die Regierung bisher noch nicht mit der gebotenen Schärfe gegen Kapp und seine Genossen, die offenen und die helmlichen, vorgegangen ist. Das ist die triftigste Erklärung dafür, daß in weiten Kreisen der Arbeiterschaft keine Neigung besteht, die Waffen abzugeben. Es werden geradezu Nachrichten zur Beunruhigung der Arbeiterschaft und andererseits der Truppen erfunden. Dahin gehört die Ente von der Bildung einer neuen Roten Armee. Man halte es mit solchen Nachrichten wie mit den Kriegslügen 1814— 191SI Je weniger man davon glaubt, desto besser fährt man. Die alte Barbarenpolitik, die mit Blut und Eisen arbeitet, muß be- seitigt werden, sonst kommen wir niemals zur Ruhe!(Lebhafter Beifall.) Severins verdankt die rheinisch-westfälische Bevölkerung in erster Linie, daß ein noch viel größeres Blutbad vermieden wor» den ist, weil er inmitten verlogener Berichterstattung nicht aus der Ruhe gebracht worden ist. Um so schärfer muß man den„Münste- tischen Anzeiger" und andere Zentrumsblätter verurteilen, die immer noch gegen Severing Hetzen. Da sagt man sich doch: Gehört daS Zentrum denn überhaupt noch zur Koalition? (Große Unruhe im Zentrum.) Die Bergarbeiterverbände haben ein musterhaftes Bekenntnis zur Demokratie abgelegt. Ihre Stellung zur Einheit Deutschlands ist gleichfalls einwandfrei, was man vom westdeutschen Zentrum nicht behaupten kann. Weshalb wird von der Zentrumsseite in Westdeutschland immer noch der Bestand des Reiches unterwühlt; haben wir nicht Zersplitterung genug in Deutschland? DaS Gerede von der Nebenregierung ist gänzlich haltlos. DaS Volk Deutschlands stellt sich die Entwicklung wesentlich anders vor, als sie bisher verlaufen ist. ES ist von einem starken Drang nach Beseitigung deS PrivatkapitaliSmuS erfüllt. Ueber die Soziali» sierungSabsschten muß daher bessere Aufklärung verbreitet werden. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Arbeiter weiß, daß der Kappistenputsch ohne starke kapitalistische Mittel nicht möglich gewesen ist. Deshalb will das Volk erfahren, was gegen die Groß- industrie unternommen werden wird. Was will die Regierung tun, um den Uebergang unseres Jnduftriebefitzes in ausländische Hände zu verhindern? Dl« Kapitalistenpresse hat iich gegen die Beteiligung deS Reiches an der Industrie als„Sozialisierung von hintenherum gewendet. Der Veräußerung der deutschen Industrie an das Aus- land steht sie ruhig zu. Wann wird die Regierung die Sozialissermng des Kohlenbergbaues kn die Wegs leiten? Ehrliche politische Ueberzeugungen achten wir. Der überzeugte Monarchist muß sich doch aber klar darüber sein, daß Monarchisten in einer Republik nicht bohe militärische Führer- stellen einnehmen können. Die Waffen müssen abgeliefert werden. es muß aber auch dafür geforgt werden, daß die Sicherheitswehr auf republikanischem Boden steht. Ebenso muß daS Ausland die Sicher- hsit erhalten, daß wir nicht jeden Monat einen neuen Monarchist!- schen Putsch bekommen. Diese Sicherheit besteht heute noch nicht. Im Interesse deS deutschen Volkes muß es heißen: Tie Waffen nieder!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) (Schluß im Hauptblatt.) validenrentenanträge. woran die Männer mit S012 und die Frauen mit 4l99 beteiligt waren. Hier fällt auf, daß diese Wirkung de? fluchwürdigen Kriege» bei den Frauen noch schärfer als bei den Männern hervortritt. In 1gt9 war der Mehreingang von Invaliden- rentenamrägen gegenüber dem Vorjahr bei den Männern 1410(von 4692 aus 6912), bei den Frauen aber 1527(von 2672 auf 4199). Gegenüber den Anirägen aus 1918 beträgt das Mehr bei den Männern etwa 31 vom Hundert, bei den Frauen dagegen über 57 vom Hundert. Noch stärkere Zunahmen ergeben sich, wenn wir nur die Zabl der Bewilligungen von Jnvalidenanträgen belrachien. In l918 waren es 5185, darunler 8421 für Männer und 1734 für Frauen. In 1919 aber wurden 8293 Anträge bewilligt, 5181 für Männer und 3927 für Frauen. Das Mehr in 1919 beträgt bei den Männern 1769, bei den Frauen 1263. Gegenüber 1918 bedeutet das bei den Männern über 51 vom Hundert, bei den Frauen über 71 vom Hundert. Sollen wir un« über diese Zunahme der Invalidität wundern? Andauernde Unterernährung und gleichzeitige Ueberarbeit haben in den Kriegsjahren die Gesundheit unter- graben und die Arbeitsfähigkeit vernichtet. Heute 7 Uhr Mitglieüerversammlungen. GroßSerlw Zusammenbruch See volksgesunöhett. Harte Zahlen. Wie der Krieg die Arbeitsfähigkeit der werk« tätigen Bevölkerung geschwächt hat, zeigt jetzt die Zunahme der Invalidität. Die Landesversicherungsanstalt Berlin hatte im Jahr« 1919 gegenüber dem Vorjahr einen sehr bedeutenden Mehreingang vonAnträgen aufGewäbrung einer Invalidenrente. Im Jahre 1913 wurden bei ihr 7274 In« validenrentenanträge neu erhoben, darunter von Männern 4692 und von Frauen 2672. DaS Jahr 1919 aber brachte 19 211 neue In- Der Lebensmittelhandel beim Reichspatentamt. Wie bei allen Behörden gibt es auch beim Reichspatentamt eine LebenSmittelverkaufSstelle iür die Beamten. Aber nur wer einen Geschäftsanteil von 15—89 M. einzahlt, erhält«in Anrecht auf Zulassung zum Kauf. In diesem Punkt erinnert daS Unter- nehmen an eine Genossenschaft— doch nur in diesem. Einen Rechenschaftsbericht haben die Teilhaber noch nicht verlangt, und auch von Auszahlung eines Gewinnanteils hat man bisher nichts gehört. Dabei ist der Umsatz nicht gering. Einblick in den Geschäftsbetrieb müßte wohl die Steuerbehörde haben. Er ist von Interesse für sie wegen der Umsatzsteuer und bei Gewinn auch wegen der Einkommensteuer. Diesen LebenSinittelhandel treibt ein Rechnungsrat, der den Ein- kauf der Waren ans eigene Gefahr besorgt. Er bandelt nicht nur mit Lebensmitteln, sondern auch mit Anzugstoffen, Strümpfen. Schürzen, Tabak usw., so daß man fast von einem Warenhausbetrieb sprechen könnte. Ueber die Preise von Butter und Margarine, die ja zu den rationierten Lebensmitteln gehören, aber bei dem handellreibenden Rechnungsrat ebenfalls zu haben sind, wird uns eine kairm glaub- liche Mitteilung gemacht. Will nicht der Präsident des Reichs- Patentamts sich mal darum kümmern, was seine Beamten für die Waren bezahlen? Der Herr Präsident weiß natürlich von dem Lebensmittel- Sandel. Der RechnungSrat verkauft ja während der Bureauzeit, und e« sind dafür täglich zwei bestimmte Stunden festgesetzt. Dieses Entgegenkommen überrascht um so mehr, da der- selbe Präsident dem Beamtenauischuß zur Ausübung seiner Tätig- keit keine Diensterleichterungen gewährt. Daß auch den vom Aus- schuß gegebenen Anregungen zu Verwaltungsreformen usw. wider- strebt wird, sei nebenbei erwähnt. Aushebung einer Juweleubörse. Unter den üblen Gästen aus aller Herren Länder, die sich jetzt in Berlin ein Stelldichein geben, stehen obenan die Juwelenschieber. Im Caf6 National in der Friedrichstraße hatte sich seit einiger Zeit«ine Edelstein- und Edel- Metallbörse etabliert, auf der nach der Schätzung von Sachveritänd- digen täglich Millionenwerte umgesetzt wurden. Neben den bekannten Berliner Händlern fanden sich hauptsächlich au?- ländische Vertreter ein, die die kostbaren Steine und Metalle auf- kauften, um sie auf S ch m ug g le r w e ge n über die Grenze zu schaffen. Es wurde mit Edelsteinen aller Art, mit Gold, Silber und Platin gehandelt. Der Börsenbetrieb nahm endlich einen solchen Umfang an, daß zur Aufrechterhaltung der Ordnung be» sondere Maßnahmen getroffen werden mutzten. Die Kriminal» Polizei hielt es gestern für angezeigt, dieser neuen Börse einen un» erwarteten Besuch abzustatten. Sie traf ungefähr 16 9 Per- s o n e n an, darunter etwa ein Dutzend Frauen. Alle wurden in Automobilen und Wagen nach dem Polizeipräsidium gebracht. Die Edelsteine und Edelmetalle, die sie zum Teil in großen, mit vielen Fächern versehenen Koffern bei sich führten, wurden beschlagnahmt und der Staatsanwaltschaft übergeben. Bei gründlicher Durch- suchung der Sistierten wurden Millionenwerte an Edel- steinen und Edelmetallen vorgesunden. Auch Goldgeld führten j oie Händler bei sich, zum Teil sehr sorgfältig in den Kleidern der- steckt. Kleine Edelsteine fanden die Beamten in den Schuhen und Strumpfem Eine zweite große Razzia veranstaltete die Kriminalpolizei gestern nachmittag in dem Lokal zum Hackepeter in der Neuen Schönhauser Straße. Das Lokal wurde umstellt, die Ein- und Ausgänge gesperrt und alle anwesenden Gäste sisriert. 399 Personen bestiegen sechs bereitgehalten« Lastkraftwagen, die sie nach oem Polizeipräsidium brachten, mit ihnen die Waren, die sie gerade bei sich hatten. Natürlich fanden sich auch viele offen- bar aus Diebstählen herrührende Sachen, die plötzlich herrenlos geworden waren. Alle Personen wurden auf dem Präsidium einer genauen Durchsuchung unterzogen und die Persönlichkeiten festgestellt. Ein Sicbenzigjährigrr. Zu den ungezählten Tausenden, die zwar ungenannt, aber rührig und pflichlbewußt ihr Leben in die Sache des Sozialismus gestellt haben, gehört Heinrich Wörner. Wer kennt ihn, den stillen, bescheidenen Menschen, der bereits nn Jahre 1872 sich eingegliedert in die junge deutsche Arbeiterüewe- gung und in derselben alle Freuden und Leiden eines Kämpfer- lebens durchkostete? Wie so viele trat unser Alter, der heute in geistiger Frische seinen 79. Geburtstag begeht, nie an die Oeffentlichkeit, sondern suchte seine Befriedigung in der rastlosen Kleinarbeit. So ist er durchs Leben geschritten in dem frohen Bewußtsein, durch seine Tätigkeit mit bahnbrechend zu wirken für eine bessere Zukunft.— Heinrich Wörner versieht trotz seines hohen Alters noch heute bei der Hausverwaltung unseres LindenhaufeS den aufreibenden Wachtdienst. So mancher, der diesen alten Kämpen mit dem großen Schlüsselbund begegnet, ihn treppauf und treppab gehen steht, ahnt oft nicht, daß er einen Siebzigjährigen vor sich hat. Gleichwohl hat die Kriegszeit mit ihrem Ernährungselend un- seren alten Freund mitgenommen. Doch er hofft mit uns, daß dieser furchtbaren Periode deS Leidens und der Entbehrung bald eine etwas bessere Zeit folgen muß. Daß diese Hoffnung sich erfüllen und unserem Jubilar noch ein langer froher Lebensabend beschieden sein möge, ist unser herz- sicher Wunsch zu seinem 79. Geburtstag. Sonntag, den 18. Avrik, morgen» Ahr, allgemeine Fing» blattverbrcitung in Berlin und den Borortru. Treffpunkt iu de» Bezirkslokalen._ Groh-Berlwer Lebensmittel. Berlin. Von heute ab werden die.A— Karten bis auf weiteres nach Liste III beliesert. d. h.: A I» Karten 1 Liter, A Ii-Karten 1 Liter, B I- Karle»«/, Liter, B H»Karten Lite« Sluf die Ol- und 0 Ii-Karte wird fernerhin st, Liter Vollmilch verausgabt. Vroß-Serlmer partelaachrichtea. Heute, 14. April; 2. Abtg. 7 Uhr, Jugendheim, Lindenstr. 3: Bortrag(Horiitz). Dia polltiiche Lage und die ReichstagZwahlen. IV. Abtg. 7 Nhr, in der Echnlaula, Reichenberg« Straße, Ecke Forster Straße: Mitgliederversammlung. 14. Abtg. 7 Uhr, im EewertfchaltShause(Saal»). Engelufer 15: Mitgliederversammlung. Vortrag des Gen. K u t t n e r über die politisch» Lage.— Die Funktionäre werden ersucht, sich pünktlich 6st, Uhr einzufinden. Tempelhof. 7 Uhr: Generalversammlung im.Lyzeum', Germania- straße 4. Treptow-Baumichuleuweg. 7 Uhr: Zahlabend für den 5., 7.. S. Bezirk bei Kläber. Plesserstr. 8. für den 8., 19.. 11., 12. Bezirk bei Wert, Grätzstr. 1. für Banmschlilenweg bei Hag, vaumschulcnstr. 72. Weiffeniee. 7 Uhr: Bezirttabend in folgenden Lolalea: 1. Bezirk bei Minge, Lolbringenstr. 32, 3. Bezirk bei Stärke. Eharlottenburger Straße 3, für 3. Bezirk bei Wietstruck, LanghanS str. 62. für 4. Bezirk bei Schöncseld, Sedanftr. 79. AdlerShof. 7 Ubr im.Ratskeller': Generaloersammlung. Roieuthal. 7st, Uhr im Lokal von Petrau. Hauptstr. 15: Zahlabend. Politische Lage, Maiseier, Dahllampf.— Für Nordend im Lokal»FriebeuS- garten'. Hohen-Neueudorf. 8 Uhr bei Marten: Ritgliederverfauuulsmg. Morgen. 15. April. Ebarlottenburg, 13. Gruppe. 7 Uhr. Gruvpenversammlung. Kant-, Ecke Kaiser-Fricdrich-Straße bei Klinaenberg.— Gruppe 4. Zahlabend bei Huber, Kaiserin-Auzusta-tillee 3. Referat über Organisation, Zweck und Ziel deS R. F. B., Uebcrblick über die Pntfchtage. Ref.: Flucht. Neukölln. Franenfitznng. 8 Nhr abend!, bei Bangemann, Herffrrth- strafte 27.— Montag, 13. April, nachm. 3 Uhr: Kreissiauensttzung. Linden- ftraße 3. Jugendheim.— Märchenvorlesung. LI. April, nachm. 4 Ubr, Anla Realichule, Boddinstraße._ Spott. Großer FrühlingSPrerS iu Treptow. Am kommenden Sonntag wartet die Rennbahn mit einem umfangreichen Programm auf. Sowohl für die Flieger wie für die Dauerfahrer find ein« Reihe von Rennen vorgesehen. Außer einem Hauptfahren wird zum ersten Maie»n diesem Jahre«in Tandemrennen zur Ab- Haltung kommen. Ein Bersuchs-Handikap über nur zwei Runden dürste interessanten Sport bringen, während in einem 19-Kilometer-Prämiensahren ein großes Feld von Fahrern am Ab» lauf erscheinen wird.— Während die Meldesiste für die Flieger noch nicht geschlossen ist, steht diese für die Dauerrennen dereit» fest. Appelhan», Bauer, Weiß und Saldo», vier unserer erprob« testen Fahrer der Extraklassen, werden am Start erscheinen. Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Donnerstag mittag. Fortdauernd warm, überwiegend bewölkt, mit einzelnen Regenfällen, bei mäßigen südwestlichen Winden. Berlin C Ärelte Straße Rudolph Hertzog Ä erlin 6 Lrüderfiraße Nachmittags- kleider Abendkleider Blusen Kleiderröcke Ausstellung m Ausstellungssaale des Erdgeschosses Jackenkleider Mäntel Sportjacken Morgenkleider Unterröcke Eigene Werkßäiten mr Anfertigung°»» Kleidern, Blusen, Jackenkleidern, Mänieln«w. in einfacher und vornehmer Machart. V Bdi(ein«! «KLM nur»etallfchmelze. Prwzeistnnenstr. 17,' Morißpiaß, n. Werthedn. Isolierten Küpterdraht, Litzen und Wactisdralit, kauft höchstzahlend* Ingenieurbureau Schlichfing Berlin W 9, Linkstraße 10. Tel.: Lfltzow 3705 und 8518. Bücher oon denen man spricht. Verldngen Sic tonenlofe Prosp. v. Serla« Aurora, ©tesöctt-ffletnböaia. Erfinder bedienen sich zur Anmeldung und Berkauf ihrer Erfindungen. Ideen eines Patentfachmannes. kat und Auskunft kostenlos l Erfolg: u. a. Berkauf eines Patentes durch unseren Mit- arbettertiir' 850000 3(1, F. Erelmann& Co., Berlin, Kfiniggrätzer Str. 71. 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Eden-Theater. 7%u.: Die DGÜarpriüzessln Prle(lr.-WilUelmat.Tli. I'/zIUip: Evchen Humbrecht Kleines Theater. uh'r: Die PjarrhaHikoaißilie. Kl. SchnnsplelliaaB. T'/.Uhr.„1913". Komische Oper u&: Wenn Franen tränmen liustspieUinus Arnold Riech in uhr ZwangseliiHuarilerfflig. Ketropol-Theater. 7 Ulli; 5t|Mll Siene. Opercttonhans Mia Werber als Gast in tv, u.: Dis Weine DoDeit Pienes Volfastheater t«/, uhr Das Paradies SelUIler-Theat. CUarl» 3 Uhr: Der Meineidbauer. 7v.u.: DieyertoreiieToetiteP Thalia-Theater t1/» u.i Die Därrisebe Liebe Th.amXolIendcrfplatx 3'/« Uhr: Zwei glilcU. Tage. 7'/, Uhr: ä>a&i&igellTe'£Jb Theater des Weatcns �u.: Die Frau imBennelln Wnllner-Theater uhr Eine Balinacht. Walhalla-Theater. uhfDer Rastelbinder Trianon-Tbeater. Bahnhof Friedrichstraße. Täglich Uhr: Hgrrha Sonnab. 4: Max und Moritz. Sonntag 4 Uhr, kleine Preise: Horrachattl. Diener gea. Residenz-Theater. Stadtbahn Jannowitzbrilcke. Täglich Uhr: Die Raschhoffs von Hermann Sudermann. Sonnabend 4: Rotkippctaen. Sonntag 4: Der gute Ruf. #Folies Gaprice � Eck. Friedrich- u. Linienstraße — Täglich 7Vi:- Die abgetretene Frau Zwangselnquartlerang. Oh dieser STowaok! mit Ferdinand GrOnecker in den Hauptrollen. Casmo-Theater Lotbringerstr.37. Tägl.'/.SU.: Der neue Possenschlater: Li« alter Sünder Vorher erstkl. Spezialitäten. Alex Stauier, Komiker. Sonntag 3' Onkel Moritz. Winter- Gatten TägUch 7.30 Uhr- VaM-Spielplan Rauchen gestattet I Foikshfiime 21/.: Götz von Berücbingen. (Vorstetf. d. KIass.Theaters.) P/t- Der Liebestrank Lessius-Tliealer. vu uhr: Pygmalion, Donnerstag 7: Peer Oynt. Freitag 71/«: Pvgmalion. Beutscbes Eänstler-Tiieaier A,Ädr:ch Meaagerie (Adalbert, Götz, HaacK, Kon- schewska, Fischer, Morgan, Hertmann.) Rose-Theater, 7", Uhr; Das Lied der Liebe. APOLLO |7tf2Tbeater 7V,I j Direkt James Klein f Das Wett.Rltsel 1 Die einz. 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