Ar. lS4. 37. Jahrg. Bezugspreis: I?riei!lihr>.2>.,— Ä!.,monatl. 7,-— Mi. frei ins Öous. vorans-ahldar. Post- r>e-ii
M..TeuerungszuichlagS0e/» «Sieine llinzsigen". das'üi- gcdriuttr Won 75 Pfg. fzulüffig zwei feitgedrnikte Wortei. iedc.- weUere Won 50 Tfg. Strllengcinche und Schlasjiellcnanzcigeu das erste Wort 65 Tfg-, iedes weitere Won 40 Pfg. Worte über 15 vuchsiaben zählen sür zwei Borte. TeueNtNgs.iiischlag 50».!,. ffamuien» Anzeigen, politischc und gewerüchaftlich» Vereins. An-eigen 2.— Mt. die Zeile ohne Ausschlag. Anzeigen für die n ä ch st e Zluinmer müfsen bis 5 Uhr nachmittags IM !>onr>tgeschäch. Verlin SB 65. Linden» ftrafc 5. abgegeben werden. Dcijchnet vonü Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdemokrat» feben parte» Deutfcblands Keüaktion und Expedition: Ew. 68, Sindenftt. 3. Kernsprecher: Amt Moritiplnn- Sir. I.'»I i>3— I3t i>7. Freitag, den Ii». April vorwärts-verlag G.m.d.£>., SA). 68, Liadsnstr. 3. Kerufprecheri Amt Moriifpla»» Ar. Il7 21!-»t. Protest wegen Eupen-Malmeöp. �ür wahres Seldftbeftimmungsreckt. Berlin, IS. April. Die deutfche Regierung hat Anfang April in Paris eine umfangreiche Rote iibergehen lasten, worin sie nachdrücklich ft Beschwerde führt gegen die u n» erhörten pfcwaltmasinahmen, die die belgischen Behörden im Hinblick auf die B o l k s a b st i m m u n g in den Kreisen E u p e n und M a l m e d y zur Anwendung bringen. Schon in technischer Beziehung kann von einer sachgemäßen Abstim- mung keine Rede sein, denn es liegen nur zwei Stimmlisten euS und die einzelne Eintragung dauert so lange, daß innerhalb der sechsmonatigen Abstimmungszeit selbst bei ununtcr- brochcncr Reihenfolge der Eintragungen nur eine Minderheit der Stimmberechtigten ihr Stimmrecht ausüben könnte. Bei der Eintragung werden die Stimmberechtigten durch die b e l g i» schen Kreiskommissare in kaum glaublicher Weise be- c i n f l u ß t. Bor allem aber gehen die Belgier gegen die Per- soaen, die sich für Deutschland eintragen, mit ZwangS- maßnahmen vor, die nichts weniger als eine Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz bedeuten. Von den Maß- regeln dieser Art sind die unerträglichsten die Entziehung der Erlaubnis zum freien Verkehr im besetzten Gebiet und die Einbehaltung der Lebensmittelkarten, sowie der Ausschluß vom Geldumtausch. Die Note legt gegen dieses Verhalten der belgischen Behörden nachträglich Verwahrung ein und verlangt, daß Bor. kohrungen für die technische Dutchführbarkeit der Abstimmung ge- troffen werden, derart, daß jede Beeinflustung der Abstimmenden aufhört, daß die Eintragungen geheim gehalten und da- gegen verstoßende Beamte entfernt werden, und daß jegliche Benachteiligung der Personen, die sich eingetragen haben, unterbleibt. Selgiens �mtergeÜanken. Brüssel, 14. April. Das offiziöse.Journal deBruxelles" gibt heule unumwunden zu, dafi die belgische Regierung Hinter- gedanken halte, als sie ein Bataillon nach Frank- s u r t a. M. entsandte, denn das Blati erklärt, eine der Folgen des Dienstes, den Belgien Frankreich leiste, sei, daß die Lösung der belgisch-franzö fischen Frage der luxemdur- gi schen Eisenbahnen beschleunigt werde. Kunügebung ües Helschen Lanütages. Darmstadt, IS. April.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärts".) Die heute zusammengetretenen Fraktionen des hessischen Land- tags nahmen einstimmig folgende Erklärung an: Die Frak- tionen in ihrer Gesamtheit schen in der neuerdings er- folgten Besetzung unseres Landes eine Verletzung des Friedensvertrages. Sie haben von der Erklärung der Regierung über ihr« Stellungnahme gegen die Besetzung des hessi- schen Landes und die dabei erfolgte Wahrung der Rechte unseres Volkes unter schärfstem Protest gegen jede Vergewaltigung Kennt- nis genommen. Sie billigen einmütig das Vorgehen der Regierung und die von ihr getroffenen Maßnahmen. Sie erwarten, daß die Regierung auch fernerhin in energischer Weise die Jnteresten des Landes, des Reiches und de? Deutschtums wahren Wied. Sie fordern die sofortige Räumung des neu befetzteu Gebietes. Ratifizierungen öurch öas Unterhaus. Tic Verträge von St. Gcr>nain und Neuilly. London, 14. April.(Reuter.) Die den FriedenSver- trägen mit Oesterreich und Bulgarien Wirkung verleihen- den Grfrtzesvorlagen wurden in zweiter Lesung mit 199 gegen 34 Stimmen a n g e n o m m e u. Petition üer norüschleswigschen Dänen. Kühle Aufnahme in Kopenhagen. Kopenhagen, IS. April. Der Ministerpräsident F r i i s empfing heute eine A.b o r d n u n g von dänischen Nord- schleswigern, die ihm eine Petition über die Jnternatio- nalisierung der zweiten Zone überbrachten. Der Mi- nisterpräsident erklärte u. a.: Es ist undenkbar, daß ein Ge- schästSm'in isterium in dem Augenblick, wo die nordschles- wigsche Frage wie ein Signalseuer von Wahlkreis zu Wahl- kreis leuchtet und das Volk sich bereits in wenigem Tagen um die Wahlurnen versammelt, jetzt für eine bestimmte Regelung der novdschleswigschen Frage in die Schranke treten soll. Revolution in üer �Knorrbremse�! W.T.B. verbreitete gestern in später Stunde folgende Meldung: Die Betriebsräte der Fabrik..Kirorrbremse" in Lich- tenbeog drangen heute in das VerwaltzungSgejbäude ein und stellten folgende Fotzdermmg an die Direktion: 1. Zahlung vom 1990 Mark an jeden der 3699 Arbeiter, 2. keine Akkordarbeit mehr, sondern 6 Mark Stundenlohn, 3. Bezahlung der Kapp- Streiktage. Bei der Gelegenheit wurden die Arbeiter tätlich gegen einzelne Beamte mrd zwangen schließlich den Dirottor, vor die draußen versammelten Arbeiter zu gehen und ihnen folgende schriftliche Zusicherung zu machen, die er angesichts der drohenden Haltung der Arbeiter auch abgab: Zahlung von 599 Mark. Zu Punkt 2 und 3 erklärte er sich jetzt nicht festlegen zu können. Die Direktion erkannte aber nachher die Erklärungen des Direktors, weil sie ihm abgezwungen waren, nicht am, und der Bund der Meiallindustriellcn lehnte auch die Forderung ab und beschloß, morgen die Fabrik zu schließen und die Arbeiter zu ent- lassen. Man befürchtet, daß die Arbeiter infolgedessen die Fabrik morgen sabotieren werden. Es ist aber für ausreichenden Schutz durch die Sicherheitspolizei Sorge getragen. Zur Hesolüungsreform. Die Sozialdemokratische Fraktion der National- Versammlung hat am Donnerstag abend dem Antrag des Unter- ausschusses auf Erhöh ung der Grundgehälter zugestimmt. Der gleiche prozentuale Teuerungszuschlag fand da- gegen bei der Fraktion keine Gegenliebe. Die Grundgehälter dürften sich demnach wie folgt gestalten: Gruppe I 4999—6999 M. Gruppe II 4300— 6400 M. Gruppe III 4600— 6000 M. Gruppe IV 5000—7500 M. Gruppe V 5409—8100 M. Gruppe VI 5800 bis 8700 M. Gruppe VII 6200— 9300 M. Dann weiter nach der Regierungsvorlage. Art und Höhe des Teuerungszuschlages stehen noch nicht fest. Lauffenberg gegen alle. Hamburg, 15. April.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Hier fand heute abend eine Massenversammlung statt, in der Dr. Lausfenberg das erstemal nach seiner Festungshaft über das Thema:„Deutschland, ein sozial de mo° kratisches Zuchthaus" sprach. Nach einem wüsten Geschimpfe über das regierende Bonzengesindel ging er zum Kapp-Putsch über. Er legte dar, daß dieser im Einverständnis Englands angezettelt worden sei, dessen Be- auftragter u. a. der bekannte Trebitsch-Lincoln im Verein mit dem französischen Militarismus, der niemals wieder aus Frankfurt herausgehen werde, bemüht sei. Deutschland völlig zu zerreißen. All« Truppen manöver im Ruhrrevier, Bayern und an der Oftgrenze geschehen im Sinne der Entente. Die irrsinnigen Verbrecher in der Regierung ließen es zu, daß Deutschland seinem sicheren Untergang«ntgegengeführt werde. Rettung bringen könne nur die Räterepublik, die, weim die Entente es hindere, mit den Waffen gegen die Entente erfochten werden müste. Die Putschisten en üer Arbeit. Nach Mitteilung des Stettinor Polizeipräsidenten sind in N a u g a r d ein Oberleutnant, ein Leutnant und 15 Mann, die bis an die Zähne bewaffnet und mit Munition reich ausgestattet waren, verhaftet worden. Die Verhasteten gehören einer in Prenzlau aufgelösten Baltikumsor maiion an. Aus zuverlässiger Quelle liegen ferner eine ganze Anzahl Nachrichten vor, die danaulf hindeuten, daß die Offiziersfronde ihre Stunde bald für gekommen hält. Wie wir hören, ist das Offizierskorps des Jägerbatailkons 5 in Hirschberg in Berlin ein- getroffen, um hier I n st r u k t i o n e n für sein Verhalten bei dem neuen Puffch entgegenzunehmen. Da? M u n st e r l a g e r, in dem die Entwaffnung und Auflöfurig der Mavinsbrigaide Ehrhardt vor sich gehen soll, scheint sich mehr und mehr zum Sammelpunkt aller gcmahrcgclten und verabschiedeten Offiziere der Reichswehr- und Baltikumtruppcn herauszubilden. Ja, es liegen sogar gewisse Anzeichen dafiir vor, daß das Munsterlager sett gestern der o f f i- zielle Sammelpunkt aller dieser unzufriedenen, putsch- lüsternen Element« ist._ Eine zehntägige Eiscnbahnspcrre wirb Polen zwischen dem 19. und dorn 27. April vollständig vom Auslände absperren. Grund dieser Maßnahme ist die polnische Banknotenabstempelung. Verhandlungen sind zwischen den deuffchen und den pol- Nischen zuständigen Stellen trn Gange, um den Eisenbahnverkehr zwischen Ostpreußen und dem übrigen Reich durch den Pol- niichen Korridor in ausreichendem Maße zu sichern. An sich bildet diese Maßnahme der Polen eine Verletzung des Friedensvertrages. Der Tschechoslowakische Ministerpräsident Tufar zeigte in der gestrigen letzten Sitzung der Nationalversammlung den Rücktritt der Regierung an, da diese ibre Aufgaben erfüllt habe und die Neuwahlen am kommenden Sonntag stattfinden. Die Plauener Arbeiterschaft beschloß, beim Einrücken der Reichswehr in Plauen nicht zu streiken, da deren Aktion sich nur gegen H ö l z richtet. Die Zahl der Todesopfer des Königsberger EpplosionS Unglücks wird nun vom zweiten Bürgermeister mit 200 biö 400 angegeben! Deutschlands flußenpsl'tik. Ein Genosse, der die Verhältnisse in den West- lichen Ententestanten aus langjähriger Erfahrung kennt, sendet nnS die folgenden Ausführungerl. Der Weltkrieg iinid sein Ausgang hoben bas Schicksal der Völker enger als je aneinandergekeltet. Ter sogenannte Völkerbund ist allerdings nichts weniger als der Au?- druck dieser Solidarität, er ist bisher nichts anderes als ein Machtinstrument der Sieger. Daß eS aber cnich mit dem Völkerbund nicht immer io bleiben kann, beweist ja schon di? wirtschaftliche SolidariiätSknndgebiing de? Obersten Rate? gegenüber Sowjetrnßland wie gegenüber Deutschland. Tie Sieger mögen sich drehen und winden wie sie wollen, sie entgehen nicht der Tatsache, daß die gange Welt ausgehungert ist. Es besteht ein ungeheures Weltmanko an Lebensmitteln, weit mehr aber noch an Jndustrieprodukten, an Nohmateria» lien und an Transportmitteln. Auch den Siegerstaaten droht der finanzielle Bankerott, er droht ihnen um so mehr, als sie dem Machtdünkel und dannt dem Militarismus verfallen sind. Tie Unterhaltung eines großen stehenden Heere? und einer großen Kriegsflotte erfordert aber nicht allein ungeheure Summen. Ungeheuer sind die Kräfte, die damit der Produktion ent- zogen werden und die von dem anderen produktiven Teil er- halten Nieren müssen. Diese Binsenwahrheiten, die wir vor dem Kriege durch Fahrzehnte vergebens gepredigt haben, hat der Krieg so drastisch aufgezeigt, daß sich ihnen niemand mehr entziehen kann. Die Siegerstaaten werden es schon deshalb nicht kön- neu, weil sie gar zu schnell— was ist ein Jahrzehnt im Leben der Völker?— ins Hintertreffen geraten, wirtschaftlich von den Besiegten an die Wand gedrückt würden. Noch heißer aber brennt ihnen die Gegenwart auf dm Nägeln. Beträgt in England das Defizit deZ Staates„nur" acht Milliar- den, so betrögt es in Frankreich 25 Milliarden— fünfmal mehr als das Gesamtbudget vor dem Kriege. Defizit, Teuerung, Transportkrise, riesige wirtschaftliche Kampfe, steigende Unsicherheit des Wirtschaftslebens, das ist das Bild, das alle Siegerstaaten bieten. Dazu kommt die Uneinigkeit unter ihnen, die alle Tage deutlicher wird.. Diese Uneinigkeit rührt nicht daher, weil. die Sieger sich um die Beute streiten, obwohl es manchmal so scheine» mag. Die eigentliche Ursache ist in dem Völkerbund selbst zu suchen. Der Völkerbund unterbindet die äußere Aktion der Staaten. Der FaipeiüaliSmuS, der sich der herrschenden Klassen der Siegerswaten bemächtigt hat, empfindet diese Beschränkung als einen unerträglichen Zwang, den man ja mir den Besiegten auferlege« wollte. Wilson führt einen hoffnungslosen Kampf gegen die imperialistische Reaktion seines Landes. In Frankreich regiert nicht Millerand, sondern der Generalstab mit d:n re- aktionären Diplomaten des Quai d'Orsai, als deren typische Vertreter Pal6ologue und Tardieu anzusehen sind. In Italien hat nur der ungeheure Sieg der sozialistisch?» Partei die Säbeldiktaffir verhindert, aber nicht verhindern können, daß die Generalstäbler die Außenpolitik— und damit die Innenpolitik�— beeinflussen. DaS Fehlen einer militärischen Tradition im kontinentalen Sinne und da» persönliche Prestige von Lloyd George haben zwar in England eine Militärhmschaft nicht aufkommen lassen, aber in Flotte»- fingen und in Kolonialsraaen bestimmt»rckst Lloyd Georgs. Deutschland ist da? Schwerst au? der Hand ge- schlagen. i Wenn wir eS gleich wollten, könnten wir eine Macht- Politik nicht verfolgen. Die Kreise, die bei nnS noch immer in den Gedankengängen der alten Machtpolitik befangen sind, vergessen daS absichtlich aber mmbsichtstch. N>?r wir wollen es auch gar nicht! Der Kapp-Putsch hat daS unschätzbare Verdienst gehabt, daß er der großen Mehrheit des deutschen Volkes die Gelegenheit gab, durch die Tat zn beweisen, daß eS eine militaristische Politik nicht will und diesen Willen auch durchzusetzen versteht. ES genügt aber nicht, etwas n i cht zu wollen. DaS Bekenntnis, das der Reichskanzler im Namen dcS deutschen Volkes»b gelegt. hat: Abkehr von allen KriegSanschauungen und all.m Kriegsmitteln— ist gewiß lobenswert und, was noch besser ist, es entspricht dem Geist« des deutschen Volkes. Aber es ist nur ein halbes Bekenntnis. ES sagt klar und uftzwei- deutig, was wir nicht wollen, eS sagt aber nicht,.waS wir wollen. Wie immer in der Geschichte wird auch setzt unsere Bsfitik nicht bestimmt werden von ausgeklügelten Programmen oder außerordentlichen Männern, sondern von der„allmächtigen Zeit"/ von geschichtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen. Etwas anderes aber ist eS, ziellos und steuerlo? sich vom Strom« der Zeit treiben zu lassen, etwas anderes, mit fester Hand, dem Strome der Zeit folgend, Klippen und Sandbänke zu vermeiden. Deiffschland ist heute eine Macht, die zwar nicht mehr auf die Zahl seiner Armeekorps begründet ist, die aber trotz- dem— man könnte füglich sagen: gerade deshalb— von allen Siegerstaaten xufammcn nicht beiseite geschoben wenden?
kann. Diese M ach k ist seine industrielle Pro- duktionskrast. Wer erinnert sich nicht der ausgeheckten Pläne fnmzosi- scher und englischer Wirtschastsimperialisten, die auch die an- deren Bündnisländer ins Schlepptau nahmen, um Deutsch- la-nd nach dem Kriege vom Weltmarkt, vor allem vom Markte der Enteicheländer auszuschließen? In Paris, in London und in Rom wurden während des Krieges interalliierte Kon- ssrenKen unter dem Vorsitz des weiland französischen Abge- ordneten Franklin-Bouillon und der Teilnahme von Regie- rrmgsmitgliedern abgehalten. Wer denkt noch an die Be- schlösse dieser Boykottor gonisation? Der Friede war noch nicht unterzeichnet, geschweige denn ratifiziert, und sckon wurde Deutschland überschwemmt von englischen, französischen und amerikanischen Geschäftsleuten. Ehe noch der Friede ratifiziert, der Friedenszuftand wieder- hergestellt war, konnte man schon in der französischen Presse offizielle Aufforderungen lesen, die ausklangen in dem Satze: Kauft in Deutschland! Halten wir uns an diese Tatsachen, dann springt in die Augen, welcher Art unsere Anslandspolitik sein muß: eine A r b e i t Z p o l i t i k. Nicht eine Wirtschaftspolitik im alten Sinne des Wortes, wo man auf die Eroberung von Absatz- Märkten ausging, die auswärtige Konkurrenz niederkämpfte und um das eigene Land prohibitive Zollmauern errichtete, durch hohe Inlandspreise die Auslandspreise bezahlen ließ. Der internationale Warenhunger macht eine derartige Politik für die nächsten zehn Jahre gegenstandslos und der Frieden von Versailles verbietet sie uns. Wer wie die Deutsche Re- publik sich im Innern vornehmlich auf die Arbeiter stützt, so muß sie auch nach außen eine Arbeits Politik im SinnederArbeitermachen. Wir wollen und kömrcn der Welt nicht mehr imponieren durch unser Heer und unsere Flotte. Wir können aber ihre Sympathien gewinnen durch unsere Sozialpolitik. Wir können ihr ein leuchtendes Beispiel geben durch eine ratio- nelle Organisierung der Produktion und der Verteilung. Wir können die Liebe der Völker wieder zurückgewinnen, wenn das Volk der Dichter und Denker zum Volk- menschlich er Solidarität wird. Dieses Ziel bescheidenen Stolzes soll uns nicht hindern, die Welt, die uns noch umgibt, richtig einzuschätzen. Wir dürfen nicht wieder injicn Fehler verfallen, mit Herrn Mille- raud, der ja nur der Sachwalter der Firma Foch und Pal6o- logue ist, uns in Sonderverhandlungen einzulassen. Gegen- über den iniperialisti scheu Plänen der d e r z e i t i g e n Macht- Haber in Frankreich— und zu den Mainzer Richtlinien der französischen Generalstäbler kann gesagt werden: sie sind mehr als wahr, sie sind wahrscheinlich— ist der Vertrag von Ber- sailleS ein S ch u tz w a I l, den wir nicht verlassen dürfen. Haben wir Wünsche, dann wenden wir uns am besten cm den Obersten Rat. Mit Sonderverhandlungen liefern wir nur eine Rechtfertigung der Sonderrechte, die die französischen Generalstäbler beanspruchen. Dieselbe Haltung müssen wir auch ohne Zeitverlust in der Frage der Wiedergutmachung einnehmen. Auf dem Kongreß � der französischen Bauunternehmer, der am 14. Februar in Paris abgehalten wurde, sind über den Skandal des Wiederaufbaus, wo Hunderte von Millionen an Provision bereits„verdient" wurden, ohne daß etwas geschehen ist, allerlei interessante Enthüllungen gemacht wurden. Es ist Zeit, diesem Spuk ein Ende zu machen und klipp und klar zu erklären, daß Deutschland sich zur Wieder- gutmachung, nicht aber zur Füllung der Taschen französischer Spekulanten verpflichtet hat, selbst dann nicht, wenn es Schützlinge des Herrn Tardieu sein sollten. Nicht minder energisch müssen wir uns wehren gegen das ausländische Schiebertum, das mit dem inländischen oft Hand in Hand arbeitet. Hier sind die Vorschläge des Ge- Nossen Wissest lückenlos durchzuführen. Wir wollen ks ununtersucht lassen, wie weit das inplo- mcrtifche Personal, das wir vom alten Regime übernommen wahrend imö nach öer Kapp-Revolte aus öem Lanöe. Die Borboten.— Der Witt stocker Bauernkrieg.— Die Waffen Übung der Orts wehren. Von einem Genossen, der mit den Zuständen auf dem Lande besonders vertraut ist. wird uns aus der Ostpriegnitz geschrieben: Wem ein gewisses politisches Witienmgsvennögen nicht ganz fehlte, der sah schon geraume Zeit vor dem Putich, was im Stillen vorbereitet wurde und kommen sollte. Die Zuspitzung der Per- bqltnisse auf dem Lande äutzerre sich in den wiederHollen Wider» ständen gegen die Kontrollorgane, insbesondere gegen die Fest- stellungSkomnnisionen. Drohungen mit den bewaffneten Ortswehren, gewaltsame Behinderungen waten nichts Seltenes, und überall llang der Refrain nach: Was wollt ihr mit eurer Berliner Regierung, die ist bald zum Teufel gejagt. Schon im Winter berief man Ver- sammlungen ein, bei denen unter dem harmlosesten Aushängeschild die rohesten Instinkte mit der Spekulation auf die antisemitische Stimmung der Landwirte entfesselt wurden. Robuste Ausdrücke, die sonst schwerstes strafgesetzliches Unbehagen verursacht hätten, hörten die berufenen Organe kaum, und jedes Bewutzliein der Staats- autoritär schien geschwunden. Immer wurde mit dem Zeigefinger nach dem Loch im Westen gewiesen, durch das die Schieber ihre Geschäfte zwängen, immer wieder hieß eS, man dulde absichtlich ihr Treiben. Tatsachenbeweise für den Willen der Regierung, jegliche Schiebung zu unterbinden, fruchteten nichts. Man sah und hörte nur. was man wollte. Im Lande reisten die Agitatoren des Landbundes herum. Offiziere hielten unter allerlei Borwänden da und dort Umschau, und schließlich glaubte man zum großen Schlags aus- holen zu können. Wenn auch nicht allgemein, so taten doch ver- einzeli die Landräte das ihre, um dieser Irreleitung der Stim- mung nicht entgegenzuwirken. Ja einzelne richteten ibre Phalanx nicht gegen die aufsässigen und wideripenstigen KreiSeingeseffenen. sondern gegen die Organe der Regierung. Kein Wunder, wenn unter solchen Anschauungen der Pflichtwidrigkeit die Versorgung der Städte alles eher wie glänzend wurde. Man tüftelte Heruni an dem Material, das zur Abstellung von Mißständen ge- sammeil wurde, man breitete die schützende Hand mit allerlei Entschuldigungen über die Schieber auf dem Lande, anstatt sich zu sagen, daß � eine geordnete Versorgung der Bedorfsgemeinden solange unmöglich ist, als der Schleichchandel und Lebensmittelwucher n\ seiner Sünden Maienblüte schwelgen kann. Dort, wo der Gewaltanwendung sofort ein Paroli geboten werden mußte, schwieg des Sängers Höflscbkeit, und der Spieß wurde gegen die Bedrohten gekehrt. Diese Lässig« keit und indirekte Unterstützung der Pflichtvergessenen half den Boden bereiten für das Kommende. Die Ereignisse warfen ihre Schatten voraus. Nun kam das Große, längst Erwartete— der Kapp-Umsturz. Wie in der Karnevalszeit wurden flugs die Masken abgeworfen. Verantwortliche Männer erklärten sich für neutral, andere bangten darum, von Kapp an die Wand gestellt zu werden, wenn sie nicht... aber im stillen Kämmerlein und am verschwiegenen Stammtisch haben, zur Durchführung dieser Poftfik befähigt und geeignet ist, und ob ein Faß Essig zu Wein werden kann, wenn mau einige Liter Wein zugießt. Zunächst handelt es sich darum, das Steuer unserer Auslandspolitik in das richtige Fahrwasser mit fester Hand zu lenken. Und diese Politik kann nur sein u-nd muß es also: eine Politik der Solidarität und der Arbeit. Sozialüemokratie unö Koalition. Ter Ruck nacks links. Die„Dana" verbreitet folgendes: Wie wir hören, fanden gestern innerhalb der Mehrheitssozial- dcttwLratischen Partei 48 Versammlungen statt, die das Thema: „Soll die Partei weiterhin in der Koalition bleiben?" zum Gegenstände hatten. In allen Versammlungen machte sich eine lebhafte Strömung geltend, die sich gegen die weitere Anfrechterhaltuing der Koalition aussprach und von dem scharfen Ruck nach links innerhalb der S. P. D. deutlich Zeugnis ablegte. Dazu ist zu bemerken, daß sich die Diskussion von 48 Per- sammlungen, denen übrigens kein einheitliches Thema zu- gründe lag, in so wenige Worte nicht zusammenfassen läßt. Richtig ist zweifellos, daß in den Kreisen der Berliner Partei- genossen die Koalition nur als ein taktischer Notbehelf emp- funden wird, dessen man durch ein Erstarken der Partei bei den kommenden Wahlen gern enthoben sein möchte. Ebenso ist man der Meinung, daß unter bestimmten Umständen der Rücktritt der Partei in die Opposition einem Verbleiben in der Regierung vorzuziehen sein könnte, doch wird nirgends der Wunsch bestehen, den Deutschnotio- n a l e n das Ruder in die Hand zu legen, ohne die nach einem Ausscheiden der Sozialdemokratie aus der Mehrheit eine neue Regierung Ab i ldirng nicht möglich sein würde. Die Frage wird jedenfalls auf der bevorstehenden öffentlichen Reichs- k o n f e r e n z der Partei zur Erörterung gelangen, und die Diskussion in der bürgerlichen Presse wird sich besser auf den Bericht über sie stützen als auf die lakonische Meldung eines Berichterstatters, der nicht dabei war. Eme Selbstverftänülichkeit. Keine Bestrafung wegen Verfassungstreue. Von zuständiger Seite wird uns mitgeteilt: Ueber die Frage der Strafbarkeit der zur Abwehr des Kapp-Lüttwtb-PutfcheS vorgenommenen Handlungen hat sich der R« i ch s j u st i z m t tt i st e r am 15. April d. I. im Reichstag«in- gehend geäußert. Er hat insbesondere ausgeführt, daß nach all- gemeinen Grundsätzen eine Strafverfolgung aller derjenigen nicht in Betracht komme, die in der Abwehr deS verbrecherischen Kapp- Putsches ihrer feste» Ueberzeugung nach ihre Pflicht dem Volke gegenüber, und zur Verteidigung der Verfasiung zu tun glaubten. Selbst wenn man den objektiven Tatbestand einer strafbaren Handlung feststellen könnte, werde bei verständiger Prüfung in der Regel anzunehmen sein, daß der subjektive Tatbestand, d. h. das Bewußtsein von der Rechtswidrigkeit des Ver- Haltens, keinesfalls vorliege. Dieser Staridpunkt ist selbstverständlich. Nur sind nach unseren Informationen inzwischen tatsächlich schon ein- zelneBe strafungen verfassungstreuer Soldaten wegen „Meuterei" durch Kriegsgerichte(wie von dieser In- stitution nicht anders zu erwarten) vorgekommen. Was ge- schiebt in diesen Fällen? Und was geschieht ferner in den zahllosen Fällen indirekter Bestrafung, in denen Solda- ten wegen ihrer verfassungstreuen Haltung aus der Reichswehr hinausgedrängt und materiell schwer geschädigt worden sind? Das ReichsWahlgefetz. Der Verfassungsausschuß der Nationalversammlung setzte die Beratung des Wahlgesetzes fort. Zu 8 14 wurde be- schloffen, daß die Kreiswahlvorschlöge von Mindestens 20 Wählern mackte die Obrigkeit keine Mördergrube aus ihrem Herzen. Die Landherrcn wurden mutig. Jedes Dorf folgte dem Aufgebot deS Laudrates, und bis an die Zähne bewaffnet, rückten die Ein- wohnerwehren an. Da sie in ihrem Aufgebot etiuhren, daß sie auch iür die.neue Regierung" als„unpolitische Organi- sation" sich für Ruhe und Ordnung einsetzen müßten und oben- drein von den„Männern der bisherige» Regierung" hörten, konnten wohl einige glauben, daß sie der Landrat verfaffungsmäßig ein« setze. Klare Köpfe wurden aber stutzig, als sie lasen, daß den Mit« gliedern der Webren, die„sick unter den heuligen Verhältnissen weigern, Dienst zu tun, die Waffen und Armbinden abgenommen werden sollen". Die„neue Regierung", die der Landrat in den Vordergrund rückte, batte für manchen nichts Bestechendes, und wer ihr nicht Gefolgschaft leistete, der wurde ver- femt. In Maulbeerwalde stellte man dent Lehrer, der sich mit Kapv nicht befreunden wollte und die Einwohner- wehr mied, ein Maschinengewehr vor seilt Haus. Landarbeiter wurden mit dorgehciltcner Pistole und anderen Waffen zur Arbeit angehalten. Diese Schießlustigkeit deS waff.'iistarrenden Agrarier- tumS erweckte vei den Arbeitern Besorgnisse. Man machte sich daran, von Ortswehren die Waffen abzufordern, und man nab sie zum Teil willig. Ja. ein Gutsbesitzer, von dem die Waffen abverlangt wurden, bewirtete noch die Leute und bot ihnen ein Gläschen Wein. Gewalt war da sicherlich nicht von Nöten. Mit etwa fünfzig Gewehren zogen die Saminler nach Witt stock, und die dortige Streikleitung nahm die Waffen in sicheren Gewahrsam. Diese Entwaffnungsaklion brachte die Bauern auf die Beine. Am IS. März rückten etwa 1500 Bauern in den buntesten Ausrüstungen mit Handgranaten, Gewehren. Pfftolen und 15 Maschinengewehren vor die Tore der noch von einer Ringmauer umzogenen malerische» Stadt. Sie batten es leicht Mit der„Be- lagerung", denn vier Tore sind die einzigen Zugänge zu ihr. Die Bauern wollten d'e Gewehre wieder haben und drohten mit Ge- malt. Man parlamentterte hin und her und schließlich gab die Streikleitung die Gewehre beraus. In der Zeit der Einkreisung Wittstocks durfte niemand in die Stadt und niemand heraus. Wer eS versuchte, erhielt süblbgre Ab- Weisungen. Der heldcnhaUe Sohn eines GemeindevorstehetS setzte einer Frau die Pistole aus die Brust, weil sie nach Hause wollte! Der Vorgang vor den Mauern Wittstocks ist ein Dokument der Zeiiveritrung und-Verwirrung. Gehätschelte, groß gezogene Gelüste der Gewalispielerei kommen hier zum Ausdruck und was der Staat zum Schutze seiner Bürger geschaffen hat, kann iederzeit das Geschütz gegen ihn werden. Kinder dürfen nicht mit Streichhölzern ipielen, und seit wir im Frieden zu leben glauben, zieml sich für den Bauern die Pflngichar, aber nicht das Maschinengewehr. Nach der Umzingelung Willstocks rückten die Bannerträger des Bunlichuhs ab. Eifrige Herren, die bei jeder Gelegenheit das Gespenst des Bolschewismus wie eine Mordszene im Kino an die Wand malen, rüsteten das Land noch besser auS wie ehedem, obgleich dieBerfasiung gerettet war. Wem gilt derEiier? Heute ist jedes Bauerndorf gewappnet, Malchinengewebre werden wie Sauer- vier herumgetragen. Handpranaien stöiten den Frieden der Osleriage und bei Schießübungen gibt es manchmal auch Tote und Ver- wundete. Soll die Waffe deS Staate- beliebig gegen ihn gebraucht unterzeichnet sein müssen. Nach der Borlage waren es 50. Statt „Verbandswahlkreise" soll überall„Wahlkreisverband" gesagt werben. Die Frist zur Annahmeerklärung im Wahlvorschlag soll als gewahrt gelten, wenn die Erklärung zwei Tage vor Ablauf der Frist durch eingeschriebenen Brief zur Post ausgegeben wordeil ist. Zu Z 15(Berbandswahlkreis-Gestaltung) wurde folgendes angenommen:„Innerhalb eines Verbandswahlkrerses können mehrere Kreiswahlvorschlöge miteinander verbunden werden. Die Verbindung ist nur dann wirksam, wenn diese Kreiswahlvorschläge sich aus eine Reichswahlliste einigen." Gemäß dem Porschlag des Mi- nisters Koch wurde festgesetzt, daß die Einreichung der Wahlkreis- listen am 21., die der Reichswahllisten am 10. und die Erklärung der Verbindung sowohl innerhalb des Verbandes als auch mit der Reichsliste am 12. Tage vor der Wahl erfolgt sein muß. 8 1? erhielt folgende Fassung:„Für die Kreiswahlvorschläge kann erklärt werden, daß die Restsiimmen einem Reichsvorschlage zuzurechnen sind. Die Erklärutth muß spätestens am 12. Tage vor dem Wahltag beim Kreiswahlleiter ein- gereicht sein. Sonst scheiden die Reststimmen des Wahlkreises beim Zuteilungsverfahren für das Reich aus." Zum Kapitel „Wahlhandlung und Ermittlung des Wahlergebnisses" regte Abg. Katzenstein(Soz.) bei 8 24 an, daß auch Abwesende, z. B. Kranke. in irgendeiner Form wählen könnten. Hiergegen machte Minister Koch ernste Bedenken geltend. Auch Abg. Lobe(Soz.) erkannte an, daß die Härte gegenüber Kranken nicht zu beseitigen sei.--- Abg. Waldstein(Dem.) hob hervor, daß das Wahlgeheimnis bei der Wahl abwesender Kranker leicht verletzt werden könne. Aehnliche Bedenken machte Abg. Hauhmann(Dem.) geltend. In Verbindung damit wurde die Frage erörtert, ob die Kosten der Stimmzettel aus die Reichskasse übernommen oder nach wie vor von den Parteien getragen werden sollen. Bezirksamtmann Dr. Kaisenbcrg setzte auseinander, daß die Uebernahme der Kosten aus das Reich von ver Regierung sehr ernst geprüft worden sei, aber wegen der Höbe der Kosten sei davon Abstand genommen.— Abg. Katzenstein(Soz.) trat für die Uebernahme der Kosten durch das Reich ein.— Abg. Waldstei»(Dem.) betonte, es sei an ftch jetzt Sache der Behörden, die Wähler mit den zugelassenen Zetteln zu versehen. Er stellte den Antrag, den Parteien für jede abgegebene Stimme einen Zu- schuß von Reichs wegen zu gewähren. Gegen diesen Vorschlag äußerte Wg. Lobe(Soz.) Bedenken, ebenso gegen eine weitere An- regung, die Wahlkuverls aus Ersparnisgründen diesmal fallen zu lassen. Abg. Dr. Fleischer(Z.) wandt» sich auch gegen den Vor- schlag Waldstein.— Abg. Schmidt-Sachsen(Soz.) forderte«ntschie- den mit Rücksicht aus die Wahrung des Wcchlgeheimniffes die Bei- beHaltung der Wahlkuverts. Bezirksamtmann Dr. Kaiscnberg er- klärte, daß die Fassung der Regierungsvorlage, wonach mit verdeck- ten Stimmzetteln gewählt wird, durchaus die Beibehaltung der Wahlkuverts zulasse. Diese habe die Regierung auch in Aussicht genommen. Das Nähere gehöre in die Wahlordnung.— Llbg. KempkeS(D. Vp.) wünschte lebhaft die Beibehaltung der Kuverts. oerlangte aber die Festlegung im Gesetz und nicht in der Wahlord- nung. Die Wahl mit Umschlägen wurde einstimmig beschlossen, ebenso der Grundsatz, daß dies im Gesetz ausgedrückt werden solle. Angenommen wurde eine Resolution Haußmann:„Die Vornahme anderer öffentlicher Wählhandlungen und Abstimmungen unter Mitbenutzung der gleichen Wählerlisten ist zulässig."— Hierauf wandte sich die Erörterung wiederum der Frage der Stimmzettel- dezahlung durch das Reich zu, wozu zahlreiche Redner sprachen. Der Regierungskommissar Dr. Kaisenberg sprach gegen die von einer Seite vorgeschlagene Idee der amtlichen Lieferung sämtlicher Stimmzettel an die Wähler. Sie verursache sehr große Kosten und gebe möglicherweise Anlaß zu Wahlansechtungen. Der sächsische Gesandte Dr. koch hielt aus Grund der Untersuchung der Frage in Sachsen den Vorschlag Waldstein für den allein gangbaren. Die Abgg. Katzenstein(Soz.) und Dr. Lluidde(Dem.) hatten aber da- gegen starke Bedenken. Eichhorn(U. Soz.) hatte den Eindruck, daß durch die Bezahlung der Stimmzettel durch das Reich die Parteien chwas von ihrer Selb- ständigkeit verlieren konnten.— Abg. Schultz-Bromberg(Dnatl.) wandte sich scharf gegen die amtliche Lieferung der Stimmzettel cm die Wähler.— Abg. Dietrich(Dnatl.) äußerte, die Mehrheits- Parteien würden sich im Wahlkampf dein Vorwurf nicht entziehen können, daß sie für ibre Parteikasse noch schnell einen Vorteil er- zielen wollten. Die Stimmzettel könne sich jeder Wähler selbst be- schaffen!— Abg. Waldstein(Dean.) zog mit Rücksicht ans die nach der eben gehörten Rebe„zweifellos qu erwartende unsachliche und agitatorische Ausnutzung" der Angelegenheit seinen Antrag zurück. Auf Antrag Burgau(Soz.) imrrdc nach längerer Debatte be. schloffen, daß'die Wahlvorsteher die Verpflichtung haben sollen, die ihnen übermittelten Stimmzettel öffentlich auszulegen. werden können, und wer will ihren Gebrauch bestimmen, wer kann ihn behindern, wenn plötzlich durch einen unklaren Kopf Alarm ge- macht wird? Wir haben nicht Zeit zu verlieren bei der Festigung versassungsniäßiger Zustände und wir wollen auch nicht, daß man sich bei kommenden Wahlen anstatt mit den Argumenten der liebet- zeugung mit Maschinengewehren auseinandersetzt. Bleibe jeder in den Grenzen seines Rechtes, und nehme man das gefährliche Spiel- zeug jedem beizeiten aus der Hand, der keine Gewähr für den richtigen Gebrauch bietet._' Ein Roman ans dem Jscrgebirge. So nahe das Jsergebirge uns auch ist, so unbekannt ist es in Norddeutschland. Selbst da- mals, wo noch nicht der Krieg und seither der tschechoslowakische Staat die Grenze spettten. gingen nur wenige Wanderer über das kurörtliche Flinsberg hinaus oder von Schteivethau weiter über Joiephinenhütte nach Böhmen hinein— tu die stillen Wälder des Jsetgebitges, an seine klaren Bäche, die im Springen und Fallen talab die Schleifmühlen treiben und zu den eigenartigen Leuten mit ibtem Tiesfinn und auch ihrer bewegten Lustigkeit. Millen drin haust seit Jahrzehnten der Lehrer Gustav L e u t e l t und wie sich ihm die Haare bleichten, da hat es ihm das Herz geöffnet, der Heimat Geist und Schönheit in Bücher zu zeichnen. Das neueste davon ist„H Ü t t e n h e i m a t" bei S. Fächer in Berlin erschienen. Der Roman von der Kunst deS Glasmachers, die im schweren Kampf gegen die Masseuware unterlag, dann aber aus Trübiat und Schmerzen wiedererstanden ist. Viel Unheimliches und Wunderbares spielt um die Tragödie und die Hauptperson ist der Wala mit seiner Sonne, dem Wasser, dem Schnee, den sinnen« den Buben und auch den Zigeunern, die einmal hinkommen und später Rache nehmen für schwere Untat. Diese aber ward getan, um die Hütte weiterleben zu lsisien von dem Gold, das der tot« gestürzte Fremde aus dem unbekannten Lande in der Harfe ge- sammelt trug und seinen Genossen vererben wollte. Auch von anderen Genossen ist die Rede. Die Arbeiterbewegung spielt hinein, Stmkunruhen in Reichenbetg und Josephinenhütie ziehen vorbei und in den Gesprächen der Organisierten und bei einein deutschen Parteitag ceigt Lcutell auch, daß er mehr am der anderen Seite steht, aus der deurschnationolen, dies im deutsch- böhmischen Sinne verstanden, wo das meist mit boruiettestem „Arbeitgeber"geist zusammenfällt. Von dieser Beimischung ist Leuieit frei und wenn seine Belrachtung der Partei auch keine allzu freundliche und eine recht einseitige ist, io bleibt sein Buch trotzdem Gewinn für jeden, der es mir strebendeni Bemühen liest. Richard Bernstein. Zur Berufung PoelzigS nach Berlin erfahren wir an maß- gebender stelle, daß der Sitz des irm übertragenen akade- mischen Meisteraieliers für Architektur— das andere hat Geheim- rat German Destelmeher inne— auch weiterhin Berlin sein wird. Ti:eater-Cbronik. Die aus Freitag im Tribüne- Theater angesetzte Erstaupüb'.ung von StrindbergS„Totentanz- niUjz auS tcch- nisaidn Giünden verschoben werdcn. K?!ösie Karten werden an der Kasse zurückgcnoinmen.— Ais nächste Neuaussührung des staatlichen Schauspielhauses gelangen noch sti dieser Spielzeit PrechtlS „Alkestis-, Hauptmanns„Fuhrmami Henschel- und Ctommdymks„MaSken- schnitz«' zur Darstellung.'
ttt. 194 ♦ 37. Jahrgang Beilage öes vorwärts Lrsttag, 16. �prkl 1920 Mfthaffung öer Militärgerichte> Klmzensur. Die Nationalversammlung beriet am Donnerstag in erster Lesung das Gesetz über Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit. Abg. Warmuth, diese hat aber nickt den Erwartungen entsprochen, die das deutsche Volk mit Recht stellen kann. Trotzdem können wir uns nur schwere« Herzens zu einer Zwangszensur verstehen. denn wir wollen eine solche prinzipiell vermeiden. Die wahre Geistcssrciheit muß ein unumstößliches Paladium der deutschen Republik sein. Ein Filmverbot darf nur den Zweck haben, das Volk vom Schmutz und von Brutalitäten zu befreien, niemals darf ein Filmwcrk durch die Zensur aus politischen, sozialen, religiösen oder Weltanschauungsgründe» verboten werden. Die Zensur wird stets nur ein Notbehelf sein. Wir hoffen, daß durch die Regierungs« Vorlage die berufenen Kreise, die auf kulturellem Gebiet die Führer des Volkes sind, die Zensoren des Films werden. Wir sind stolz auf den Kampf der Jugendorganisationen gegen den Schund. Die Berliner Filmliga hat es sich zur Aufgabe gemacht, gute Films zu verbreiten; auch sonst ist schon Ersprießliches gr- leistet worden. Eine endgültige Bcfferung wird auch durch das vor» liegende Gesetz nicht erzielt werden. Die Bildung und Veredelung des Gcsckmacks des Volkes wird dafür sorgen, daß Sckund über- Haupt leinen Absatz mehr findet. Für Filmarchive und Vorführun- gen muffen auch staatliche Mittel aufgewender werden. Der Film darf nicht nur ein Volksunterhaltungsmittel, sondern nmß auch ein Bildungsmittel werden.(Sehr richtig I bei den Soz.) Die Anfänge sind da; namentlich die Uta hat sich ein Verdienst erworben. Durch Filme kann man auch die Völker inlerualional einander näher bringen. Wir werden, so schwer es uns auch wird, für das Gesetz eintreten und uns auch nicht durch den Druck einschüchtern lassen, den gewisse Filmzeiffchriftcn auf das Parlament auszuüben ver- suchen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Frau Aug. v. Gierke(Duatl.): Der Film in seiner heutigen Gestalt wirkt der sittlichen Wiedergeburt unteres Volkes entgegen. Das Gesetz läßt viele von uns aufgestellte Wünsche unerfüllt. Abg. Düwcll(U. Soz.): Wir erkennen an, daß gegen die Ans- wüchse im Film irgend etwas geschehen muß Die Fflmfabrikanten nützen die gegenwärtige Demoralisation des Volkes aus und verschlimmern noch die Verwilderung. § 1 wird angenommen. Auch alle die für da? Ausland be- stimmten Filme fallen unter das Gesetz. Bildstreifen sind verboten, die das religiöie Empfinden verletzen. Nach Z 3 bedürfen Bildstreifen, zu deren Vorführung Jugend- liche unter 13 Jahren zugelaffen werden sollen, besonderer Zu- lassnng.' Frau Zieh(U. Soz.) erklärt sich dagegen. Die Filmindustrie muß sozialisiert und kommunalisiert, darf aber nickt unter Zensur gestellt werden, denn die Zensur wird doch nur in politischem Sinne ausgenutzt werden. � Abg. Krüger(Soz.): Die Selbstzensur ist die schärffte Zensur, die es gibt. Ob die Sozialisierung der Filmindustriebetriebe möglich ist odsr nicht, ist noch nicht gewiß und die Nationalversammlung kann sich damit noch nicht befassen, das wird Ausgabe des Reichstages sein. Beiin Kom«li»alisicrungsgesetz ist übrigens auch die Kommunali- sierung der Kino? ins Auge gefaßt. 8 3 mit dem Rest des Gesetzes wird unter Ablehnung eines unabhängi«>en Antrages auf Vorlegung eines Gesetzentwurfes über die Sozialtsierung der Bildstreisenherstellung und Über die Befugnis der Gemeinden zur Kommunalisierung der Vorführungen bis Ende 1920(eine beträchtliche Minderheil ist dafür), im wesentlichen un- verändert auch in dritter Lesung angenommen. Freitag l Uhr: Kleine Vorlagen, z. B. Aufhebung der Vor- schulen. Schluß gegen S Uhr. • Die WlUenablieferimg. Rc ichAvehvm mifter Dr. Getzler hat in der Mtteochsitzwg nicht gesagt, daß 60 000, sondern daß. 16 060 Gewehre im Rrchr- gcibilSt ajbgegoöen worden sind Groß'Jkrtm Die Gefesselten. Besuch im Fernsprechamt. Die Berliner Telephontetlnehmer sollen nicht mehr grundlos schimpfen. Die Postverwaltung will sie dazu erziehen, gerecht über die Leistungen„ihres" Anites zu urteilen und lädt sie in geivissh» kurzen Avischenräumen zur Besichtigung ein.„Sie werden gebeten", sagt das Thelcphonamt laut und setzt leiser(nur für den Dienstbetricb) hinzu:„Ihre Ansichten S) Segen öee Eröe. ioman von Knut Hamsun. Wie stand es mit der Kartoffel? War sie nur eine Kaffee- ort aus fremdem Lande, die entbehrt werden konnte? O die Kartoffel ist eine unvergleichliche Frucht; sie steht draußen in Trockenhcii, steht in Nässe, wächst aber doch. Sic trotzt dem Wetter und hält viel aus; bekommt sie nur eine einigermaßen »ute Behandlung von den Menschen, so lohnt sie es fünffach. Seht, die Kartoffel hat nicht das Blut der Traube, aber sie hat das Fleisch der Kastanie; man kann sie braten und kochen und zu allem benutzen. Ein Mensch kann Mangel an Brot haben, hat er Kartoffeln, dann ist er nicht ohne Nahrung. Die Kartoffelff können in warmer Asche gebraten werden und ein Abendessen sein; sie können in Wasser gekocht werden und zum Frühstück dienen. Was brauchen sie an Zuspeise? Wenig. Die Kartoffeln sind genügsam, eine Schale Milch, ein Hering ist genug für sie. Der Reichtum ißt Butter dazu, die Armut taucht sie in ein bißchen Salz auf einem Teller. Jsak verzehrte sie als SonntagSsveise mit ein wenig Sahne von Goldhorns Milch. Die mißachtete, gesegnete Kartoffel! Aber ietzt spukte es. auch für die.Kartoffel. Unzählige Male am Tag iah Isak nach dem Himmel. Der Himmel war blau. Manchen Abend sah es nach einem Regen- schauer aus. Dann ging??sak hinein und sagte:„Möchte wissen, ob es nicht doch Regen gibt!" Aber nach ein paar Stvnoe« war alle Hoffnung wieder verschwunden. Fetzt batte die Trockenheit schon sieben Wochen gedauert und die Hiffe war iebr nroß. Die Kartoffel stand in all dieser Zeit in voller Blüte; sie blübte unnatürlich und wunderbar � prächtig. Die Aecker sahen von ferne ans wie Schneeselder.! Wie sollte das schließlich werden? Ter Kalender gab keinen j Wink; der derzeitige Kalender war nicht mehr wie früher, der! taugte� gar«ichts. Fetzt sah es wieder nach Regen aus, und Jsak ging zu Fnger hinein und iagte:„Mit Gottes Hilfe wird nun heute nacht doch Reaen kommen!"—„Sieht es nach! Regen aus?"—„Jg. und das Pferd zerrt an seinem Strang." Inger schaute zur Tür hinaus und sagte:„Nun werden wir ja sehen!"— Einige wenige Tropfen fielen. Die Stun- den vergingen, die Leute gingen zur Ruhe, und als Jsak in der Nacht einmal hinausging, um nachzusehen, war der Him- mel blau. „Ach, du lieber Gott im Himmel!" sagte Fnger.„Nun, dann wird morgens auch dein letztes Laub trocken," sagte sie und tröstete so gut sie konnte. Jawohl, Jsak hatte auch Laub gesammelt und besaß nun eine Menge vom besten Laub. Das war wertvolles Futter; er behandelte es wie Heu und bedeckte es mit Birkenrinde im Walde. Fetzt war nur noch ein kleiner Rest draußen, deshalb antwortete er Fnger tief oerzweifelt und gleichgültig:„Ich nehme es nicht herein, und wenn es auch ganz austrocknet."— „Du weißt nicht, was du redest," versetzte Fnger. Am nächsten Tag holte er eS also nickst herein, da er es nun einmal gesagt hatte, holte er das Laub nicht herein. Es konnte draußen bleiben, zum Kuckuck, wenn Regen kam, mochte es in Gottes Namen draußen sein! Er konnte es vor Weih- nachten einmal hereinnehmen, wenn es bis dahin die Sonne nicht aanz und gar versengt hatte. Ganz tief und vollständig gekränkt fühlte er sich; es war ihm keine Freude mehr, unter der Haustür zu sitzen und über sein Besitztum hinzusehen. Da standen nun die Kartoffeläcker, blühten wie verrückt und vertrockneten; dann mochte das Laub bleiben, wo es war, bitte! O, aber Jsak— vielleicht hat er in seiner arglosen Seele doch einen kleinen schlauen Hintergedan- ken, vielleicht tat er es aus Berechnung:ind wollte versuchen, jetzt beim Mondwechsel den blauen Himmel herauszufordern. Am Abend sah es wiederum nach Regen aus.„Du hättest das Laich hereinholen sollen," sagte Inger.—„Warum denn?" fragte Jsak und tat, als verstehe er gar nickst.—„Ja, ja, du verstellst dich, aber es könnt? jetzt doch Regen kommen."—„Du stehst doch wohl, daß in diesem Fahr kein Regen kommt." Aber in der Nacht war es doch, als würden die Glas- scheiden ganz dunkel, und es War auch, als jagte etwas dagegen und mackste sie naß, was es nun auch sein mochte. Inger erwackste und sagte �„Es regnet! Sieb die Fenster an!"— Fsak lächelte nur verächtlich und erwiderte:„Regen? Das ist kein Regen. Fch versteh« nicht was du sagtst."—„Ach, verstell dich doch nicht so!" sagte Fnger. Fsak verstellte sich. ja. Und er betrog sich nur selbst. Ge- wiß regnete es, und zwar einen tüchtigen Schauer; aber als Fiaks Laich tüchtig durchnäßt war. hörte es auf zu regnen. Der Himmel war wieder blaii.„Fch Hab es ja vorher gesagt, daß kein Regen kommt," jagte Jsak»igenjwnig und recht sündhaft. Für die Kartoffeln nützte dieser Regenschauer nichts; die Tage kamen und gingen. Der Himmel war blau. Da machte sich Jsak an die Herstellung seines Holzschlittens. Er gab sich alle Mühe damit. Er beugte sein Herz und hobelte demütig Kufen und Stangen.„Ach ja, Herrgott im Himmel!" Seht, die Tage kamen und gingen ja, das Kind wuchs heran, Inger machte Butter und Käse, es war eigentlich nicht so schlimm, ein Mißjahr überlebten tüchtige Leute draußen im Oedland wohl. Und außerdem— als neun Wochen vergangen waren, kam auch richtiger, segensreicher Regen; einen ganzen Tag und eine garpze Nacht hindurch regnete es, sechzehn Stunden lang goß es in Strömen, der Himmel lxitte seine Schleichen geöffnet. Wenn es nun vierzehn Tage früher gewesen wäre, dann hätte Jsak gesagt;„ES ist zu spät." Jetzt aber sagt« er zu Inger: „Du wirst sehen, es hilft den Kartoffeln noch aus."—„O ja", antwortete Inger tröstend,„es wird noch alles gut." Und dann sah es allmählich besser auS; jeden Tag fiel ein Regenschauer, das Gras wurde wieder grün wie durch Zauber, die Kartoffeln blühten, jawohl, und zwar mehr als zuerst, und an den Stengeln wuchsen große Beeren, und das war eiflent- lich ganz vichtig; aber niemand wußte, was unten an den Wurzeln war; Jsak wagte nickst, nachzusehen. Dann kam eines Tages Inger daher, und sie hatte unier einem Stock zwcmzi» kleine Kartoffeln gefunden.— Diese Inger-, sie mußte immer- fort trösten und Gutes sagen mit ihrer Hasenscharte! Und eine jämmerliche Stimme hatte sie. sie zischte, es war, wie wenn ein Ventil etwas Dampf herausläßt: ober ihr Trösten war eine Wohltat draußen im Oedland. Und eine lebensfrohe Natur hatte sie auch.—„Wenn du noch«ine Bettstatt zin> mern könntest." sagte sie zu Flak.—„So," sagte er.—»Ja, ja, es eilt nicht gerade," sagte sie. Sie machten sich an die Kartoffelernte imd wurden nach alten: Herkommen bis Michaelis damit fertig. Es wurde ein mittelmäßiges Fahr, ein gutes Fahr; es zeigte sich wieder, daß die Kartoffeln nicht so sehr vom Wetter abhängig sind, sondern viel auHhalton und doch heranwachsen. Natürlich war es, wenn sie genau nachrechneten, richt gerade ein so redst mittelmäßiges und gutes Jahr, aber in diesem Fahr konnten sie nicht so genau nachrechnen. Eines Tages war ein Lappe vorübergekommen und hatte sich über oll die Kartoffeln auf der Ansisdlung sehr verwundept; in den Dörfern sei es viel schlimmer, sagte er. (Forts, folgt.)
über unsere Faulheit und unsere Schlampigkeit gefälligst zu korrigieren". Hinter einer großen Tür geht Brodeln und Flüstern. ES hört sich an, als sprächen viele Menschen zusammen über eine sehr geheime Sache. Es klirrt dazwischen, klappert und knackt. Nein, es ist keine neue Verschwörung: es ist der Saal, in dem die glücklichen und die unglücklichen Verbindungen hev gestellt werden. Da sitzen die fluchbeladenen Fräulein ge� fesselt zu beiden Enden eines riesigen langen Schrankes. Sie sitzen auf einer Art Estrade auf kleinen Stühlchen wie Leidensgenossen, dicht vor sich den kahlen Schrank, in dem es knackt und arbeitet. Lämpchen glühen auf und die kleinen Hände der Fräuleins arbeiten wie Automaten. Es gibt keine Pause und es gibt keine Erholung. Berlin spricht und hat keine Zeit. Berlin will-rasch verbunden sein und seine Schmerzen los werden. Sonst schimpft es auf die Fräulein, die mit gesenkten Köpfen hinter ihren schwarzen Schränken sitzen. Schnüre lösen, neue Verbindungen herstellen und monoton Zahlen wiederholen Missen. Immer— immer fort, jedesmal sechs Stunden hintereinander mit kurzen Ruhe pausen, den nächsten Tag wieder und alle Tage, immer mit dem schwarzen Schrank vor Augen, in dem es kribbelt und von tausend Wünschen bebt. Ach, die Fräulein sind junge, junge Menschen. Und der Saal hat große Fenster, durch die das Licht des Frühlings hereinströmt und draußen viele grüne Blätter und werdende Kastanienblätter umschmeichelt.' Ach, die jungen Menschen sind festgefesselt durch lange Schnüre mit den Ohren Berlins. Die Teilnehmer erlauben eS nicht, daß sie sich drehen und nach dem Frühling sehen. Die Teilnehmer haben Luchs- ohren und vernehmen, daß das Fräulein von Schrank 11 zum Fräulein von Schlank 12 flüstert: „Es war gestern ein s o schöner Abend." O. der lau- schende Teilnehmer. Jetzt weiß er, warum nicht verbunden wird. Jetzt hat er Grund zu schimpfen und alle Beschwerde- stellen in Bewegung zu setzen--— ES war ein guter Gedanke, die Teilnehmer tn diesen Saal zu laden. Die Gerechten werden nicht umhin können, die Arbeit der gefesselten jungen Mädchen hinter diesem schwarzen Schrank mit ihrer eigenen Arbeit zu vergleichen, aber— nein, sie sagen es nicht laut, welche mehr Entsagung verlangt. K. •• In verschiedenen Berliner Fernsprechämtern werden zurzeit, wie wir erfahren, Anlagen eingebaut, nach deren Fertigstellung eine vollständige Umwandlung des Pauschalsystems im Berliner Fernsprechwesen i>n ein Z ä h l s h st e m vorgenommen werden soll. Man denkt an Gesprächszähler, ähnlich wie die Elektrizitätszähler im BeteuchtungSwesen. Man hat sich zu dieser Maßnahme genötigt gesehen, da nach einer Statistik der in Großbetrieben geführten Gespräche auf das Einzelgespräch nach Maßgabe des augenblicklichen Tarifs noch nicht 1 Pfennig kam. Zusammenbruch der Parkverwaltuug? Der Berliner Magistrat sieht sich zu der folgenden sonderbaren Ankündigung veranlaßt: Aus wirtschaftlichen Gründen sieht sich die Berliner Parlverwaltung leider gezwungen, die P f l e g« der gärtnerischen Anlagen auf einem Teil der Straßen und Plätze bis auf weiteres einzustellen. In erster Linie werden von dieser Maßnahme die Anlagen betroffen werden, deren Unterhaltungskosten in keinem Verhältnis zu der Wirkung der An- läge stehen. Die Parkverwal'nng gibt sich der Hoffnung hin, daß die Bürgerschaft ihrer aus der Not der Zeit geborenen Anordnung Verständnis entgegenbringen wird, selbst wenn das Auge nicht immer auf seine Kosten kommen sollte und an manchen Stellen da- gewohnte ansprechende Bild schmerzlich vermissen wird. Die ganze Nachricht wäre mit einem großen Fragezeichen zu versehen. Entweder die Sladt Berlin unterhält eine Parkverwal« tung. deren einzige Aufgabe eS ist. alle städtischen Gartenanlagen zu pflegen, oder sie ist nicht mehr in der Lage, die Mittel dafür aufzubringen, wobei dann die ganze Parkverwaltung zu existieren aushören müßte. Wie es scheint, trägt man sich mit dem Ge- danken, aus einer Reibe von städtischen Anlagen Gestrüpp und Urwälder werden zu lasten. Die Sladtverordneien sollten sich schleunigst mit dieser seltsamen Angelegenheit beschäftigen. Pflegefrauen heraus! Die städtiscke Waisendeputation erläßt folgenden Aufruf: Eine starke Steigerung der Geburtenzahl ist in den letzten Monaten eingetreten und darf als erfreulickieS Zeichen de« wiedeikehrenden Lebensmutes unseres Volkes betrachtet werden. Der Geburtcnanstieg ist so groß, daß Waisenhäuser, Kinderasyle und Säuglingsheime, die in den Kriegsjahren nur wenig belegt wurden, bereits überfüllt find.— Leider ist ein Berufs» stand in Vergessenheit geraten, der die sorgende Pflege des Eltern- Hauses oft bester ersetzt, als die Anstaltspflege, der Beruf der Pflege« fr au. Jnfolgedeffen stockt die Atisgabe der Kinder aus den Anstalten in die Familicnpflege. ES sei deshalb an die Freude erinnert, die die Pflegemutter bat, wenn sie einem Heimat- losen, an seinem harten Geschick schuldlosen Kinde die Mutter ersetzt; es sei aber auch darauf hinge« wiesen, daß mit dieser seelischen Freude materielle Vor- teile einhergehen. Die Stadt Berlin zahlt jetzt an Pflegegeld: Für genesende Säuglinge... 120 M. , Kinder im 1. Lebensjahre. Sl). 2. 3.-4. 5.-6. 6— 14. 80 70 60 50 Zahlreiche Meldungen von Pflegefrauen sind erforderlich, um alle die mutterlosen Kinder zu betreuen. Meldungen nimmt entgegen das Waisenamt, Alte Jakobstr. 83—35. Erhöhung der amtsgcrichtlichen Zuständigkeit. Von Bedeutung für das Rechtsleben ist das von der Nationalversammlung in der Sitzung von» 30. v. M. angenommene Gesetz, das die Wertgrenze für die Zuständigkeit der Amtsgerichte in bürgerlichen NechlSstreitig« leiten über vermögensrechtliche Ansprüche von 600 Mark auf 1200 Mark erhöht. DaS Gesetz tritt bereits am heutigen Tage in Kraft. Nur bis zu« 30. September soll, wie wie zu unserer Notiz: „Die Höchst mieten endgültig festgesetzt" erfahren. die vom Wohnungsverband herauszugebende Verordnung gelten. Postvcrbiuduug Hamburg— New Aork. Mit den ungefähr wöchentlich von Hamburg nach New Aork abgehenden Frachtdampfern der amerikanischen Kerr-DampfschiffabrtS-Gesellschaft können fortan gewöhnliche und eingeschriebene Briefsendungen jeder Art nach den Bereinigten Staaten von Amerika und weiterhin befördert werden. Die nächsten Abfahrten sollen etwa am 14., 21., 28. April usw. stattsinden. Die Sendungen wüsten den in die Augen fallen« den Vermerk.über Hamburg mit Kerr-Dampfer" tragen.— Der Funkverkehr Deutschland— Italien ist seit kurzem ausgenommen worden. Leider steht die Einrichtung vorläufig nur stundenweise zur Verfügung, da San Paolo bei Rom, die italienische Gegenstation für die deutsche Hauptfunk« stelle Königs-Wusterhausen, durch anderen Verkehr stark in Anspruch genommen ist. Schieber unter sich. Di« Berliner Gold- und Silberschieber machen auch unter sich keine Ausnahme, wenn«s gilt, sich durch Erpressungen Gold zu verschaffen. Ein Händler Saphir aus der Dvagonerftraße wollte seine 15 und 17 Jahre alten Töchter mit Gold» und Silbergeld nach Frankfurt a. M. schicken, um es dort an«in« Schieberzentrale abzuliefern. Auf dem Anhalter Bahnhof aber fielen die beiden Mädchen einem Erpvester in die Hände, einem Leo Dubitzkr aus der Mulackstraße, der den Bahnhof schon länger unsicher machte und alle Gold- und Silber« schieber und ihre Angehörigen kannte. Die fugendlichen Reisen- den, ton denen er wohl wußte, was sie mit sich führten, sollten ihm erst ihren Tribut leisten, bevor er sie abfahren ließ. Für den Fall der Weigerung drohte er mit Anzeige. Die Mädchen wollten ihm 20 M. schenken. DaS war aber dem Erpresser zu wenig. Durch die Verhandlungen wurden Kriminalbeamte aufmerksam, die nun alle drei nach der Wache brachten. Der Erpresser wurde in Unter» suchungshaft genommen, die beiden Mädchen von einer Beamtin gründlich untersucht. ES ergab sich, daß sie für 7600 M. Zehn- und für 5000 M. Zwanzigmarkstücke verborgen hatten. DaS Geld wurde beschlagnahmt. Aehnlich erging«S kurz vorher zwei Gefchtvistern, wo der Erpresser aber rechtzeitig flüchtete. ErwrrbSlosrnfürsorg» im Monat März. Während noch am 28. Februar dt« Gesamtzahl der in Berlin unterstützten Erwerbs« losen mehr als 47 000 betrug, stellt« sie sich Ausgang? März auf nur wenig mehr als 44 000(davon rund 38 000 männliche und 8000 weibliche). Der Abgang an Erwerbslosen im Laufe des März be- trug insgesamt rund 10 000(davon rund 8000 männliche und 2000 weibliche). Der Zugang im März stellte sich auf rund 7000(davon rund 6200 männliche und 300 weibliche). Von den 44 000 Erwerbs» losen waren rund 24 700 organisiert. Seit April v. I. und länger waren Ausgangs März er. noch arbeitslos 4678 männliche und 573 weibliche Personen. „TorwSrts"-Nummern gesucht. Auf unsere Notizen find uns von verschiedenen Seiten Zeitungen zugesandt worden, für die wir den Einsendern nochmals unseren Dank aussprechen. ES fehlen uns nunmehr zur Vervollständigung nur noch die in der Zeit vom 1. bis 25. Juli 1914 erschienenen ,VorwärtS"«Nummern. Für deren Ueber- sendung wären wir dankbar und erstatten die Kosten gern zurück. Die Einsendung kann als D r u ck s a ch« unter Streifband wegen PortoeriparniS geschehen. WilmerSdorfrr Stabwerordnetenverfammluirs. In lkeberetn« stimmung mit der Deputation der höheren Schulen wurde be- schloffen, die an der O b« r re al sch u l« am Htnbenburg-Park bestehenden Parallelklassen zum 1. April abzutrennen und zu einer neuen Realschule zu vereinigen. Der vorläufig ermittelte Zuschuß für die neue Anstalt im Jahr« 1920 von 81 000 M. wurde in erster und zweiter Lesung bewilligt. Nach den in Berlin statt- gehabten Berhandlungen Mischen den Arbeitnehmerorganisationen und den Vertretern der Stadtgemeinde Groß»Berlin wurde ein bil zum Abschluß des neuen Lohntarifs geltendes Provisorium ver- einbart: Die städtischen Arbeiter erhalten vom 1. April 1920 ab, in Anrechnung auf die vom gleichen Zeitpunkte ab fest. zusetzenden neuen Löhne, eine nicht ruhegoldfähige laufende Teuerungszulage von monatlich 140 M. für Ledige unter 18 Jahren, 200 M. für Ledige über 18 Jahre, 215 M. für Ver- heiratete ohne Kinder, für jedes zu versorgende Kind bis zum 16. Lebensjahre 30 M. Diese Sätze treten an Ställe derjenigen Teuerungszulagen, die den Arbeitern der Groh�Serliner Gemein- den für die Zeit vom 1. Januar bis 81. März bewilligt worden sind. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte ferner der Vov- läge des Magistrats vom 10. April betreffend die Gewäbrung einer Teuerungszulage an die städtischen Arbeiter ab 1. April in An- rechnung auf die vom gleichen Zeitpunkt« ab vorzunehmende Neu» regelung der Löihne der städtischen Arbeiter in erster und zweiter Lesung zu und genehmigte die hierzu erforderlichen Mittel von monatlich 185 000 M. Britz. Berbilllgung der Milch für werdende und stillende Mütter. Nach einem Beschluß de» GemeindevoiytandeS kann be- dürftigen werdenden Müttern vom 6. Monat ad und bedürftigen Wöchnerinnen, die regelmäßig die hiesige Säuglingsfürsorgestelle, Werder Str. 54, aufsuchen, bzw. deren Kindern bis zum vollendeten 2. Lebensjahr« ein Zuschuß von 40 Proz. zu den Be- schaffungSkosten für Milch gewährt werden. In Fällen besonders großer Bedürftigkeit sollen die Kosten ganz aus Ge- meindemitteln bestritten werden. Die Anträge find zunächst beim Gemeinde- Jugendamt zu stellen. AuSkunftS» und Beschwerdestelle in Neukölln. Di« von der Stadtverordnetenversammlung Neukölln im alten Rathause, Ber- liner Straße 62/63, Erdgeschoß, Zimmer 463,«ingerichtete Au». kunft- und Beschwerdestelle ist jetzt auch an jedem Mittwoch nach- mittag von 5— 7 Uhr geöffnet. Es find in diesen Stunden Stadt- verordnete anwesend, um Beschwerden und Wünsche der Ein- Wohnerschaft in städtischen Angelegenheiten entgegenzunehmen. Lichtenberg. Für die Mitglieder der Elternbeiräte veranstaltet die Lichtenberger Volkshochschule in diesem Arbeits- Vierteljahr eine Reihe von Vorlesungen. Der rege Besuch folgen» der Kurse wird empfohlen:„Sexualhygiene", Dr. Bloch— 5mal! Donnerstags, abends 1i10 Uhr, im Jahn-Realgymnasium, Markt- straße 2/3. Beginn: 6. Mai, Hörgebühr 3 M.„Hygiene der Fort- Pflanzung"(mit Lichtbildern), Dr. H a u st e i n— 8mal: Mittwochs abends, 8—1110 Uhr, im Cecilien-Lyzeum, RathauSstr. 8. Be- gmn: 28. April, Hörgebühr 4,80 M.„Große Erzieher", Dr. Lö» wen st ein— 8mal: Donnerstags abends 8— 1410 Uhr im Cecilien-Lyzeum, Rathausstr. 8. Beginn: 29. April, Hörgebühr 4,80 M. „Probleme der sittlichen LebenSkunde", Dr. Ö u e h l— vmal Freitag abends 8— MIO Uhr im Jahn-Realgymnasium, Marktstr. 2/3. Beginn: 7. Mai, Hörgebühr 3 M. Hroß-Serliner parteinachrichtea« Heute, IS. April: Achtnng, Buchdrucker®. P. D.! 5 Uhr pünktlich, da um 7 Uhr der Saal bereits geräumt sein muß, Versammlung aller Betriebs- Vertrauensleute, Generalversammlungsdelegierten und Betriebsräte im„Schultheiß", Neue Jakobftraße. Achtnng, Justizbeamte: Am heutigen Tage findet sttr alle Justiz. beamtcu eine sehr wichtige Versammlung statt. Versammlungslokal: Wilhelms- hos, Wilhelmstt. Ill, Ecke Anhaltstrahe(Spiegelmai). Werbeausschust für Post und Telrgraphie. Gruppe 19. 8 Uhr im Lokal E. Schmidt, Teltower Str. l8: Vertrauensmänner-Versammlung. Jungsozialistische Bereinigung(Z. P. D.) 0 Uhr AlbeitSgemein- schaft Volkswirtschajtslehre im Saal der Juristischen Sprechstunde, Linden- strahe 3.— Ortsgruppe Wilmersdorf. 7>/, Uhr im Gesangs- saal der HIndenburg-Schuie, Am Seepark: Literarischer Abend. Pankow. Generalversammlung: 7 Uhr in der Aula der 5. Gemeinde- schul«, Wollankitrahe. Ntederfchönhausen. 7'/, Uhr Im.WllhelmShos', Kaiser- WUb-Im» Ecke. Eichenstratze: Funktionärsitzung. Neuwahl deS 1. u. 2. Vor- sitzenden. Röntgental> Zepernick. 7'/, Uhr bei Marx: Oeffentllche versamm- lung. Tagesordnung: BolkSwIrtschast und politische Lage. Rejerent: Ge- noffe Daner. Morgen, 17. April: X9. Abt. 71/. Uhr bei W. Burg, Prenzlauer Alle« 18S. Konferenz aller Parteifunktionäre. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehre. riunen. Generalversammlung 5 Uhr im Dorotheenstädttschen Real- ghmnafium, Dorotheenstr. IL. Tagesordnung: Wahl des Vorstandes. Arbeit der Reaktion gegen sozialistische Lehrer, Dr. Stölzel. Wir und die Wahlen. Steglitz. BezirkSakend für den S. vezlrk, S Uhr, bei KeiSler, Jeverstratz«. Schmargendorf. Generalversammlung, 7 Uhr, hn Schützenhaus. Jugenüveranftaltungen. Generalversammlung. Sonntag, 13. April, vorm.'1,10 Uhr im sophien- Gymnasium, W-inmeifterstr. lt.— EHarlotteuburg. Freitag, 16. April: Diskussionsabend.— Hermsdorf. Sonntag, 18. Sprit Vortrag: »Wie sollen wir wandern".— Neukölln-Süd. Freitag, 16. April: Pazi- fistischer Dichtungsabend.— Schöneberg. Freitag. 10. April Bortrag! »Wie wir wandern".— Segel. Freitag, 10. April: Internationale Jugend- bewegung.— Treptow- Baumschuleuweg. Freitag, 10. April: Diskussion«- abend._ Vorträge, vereine unü Versammlungen. Slrb.-Radf., Bund.Solidarität-, Ortsgruppe Berlin, II. Abteilung. Sonntag, 4 Uhr, Agitationstour nach Werder. Start Schöneberg. K»-<«r. Wilhelm-Platz. Morgens 0 Uhr nach Laarmund, nachm. l Uhr nach Wanniee. Starts Berlin S., Fontanepromenade 18.— Verband sozialistischer Lehrer von Groft-Berlin. Generalversammlung Sonnabend, den 17. April, abends 0 Uhr, im Berliner Ratbaus, Zimmer 109. l'l. Stunden vorher FraklionSsttzung der S.-P.-D.-Mitglieder.— Bund religiöser Sozialisten. Oeffentllche Versammlung heut«'1,8 Uhr. in der Aula der Eliiabetbschule, Kochsttatze 05.„WaS will der Bund religiöser Sozialisten?" Referenten: Di« Genossen Günther, Dehn, Ernst von Harnack, Bernhard Döring._ Sport. Susschluß der Ausländer. Zu den Reglements für die Flach- rennen und Nennen mit Hindernisten im Preußischen Staate ist ein Z 24o mit folgendem Wortlaut eingeführt:.Pferde im Befitz bei- gischer, englischer oder französischer Staatsangehöriger sind von der Teilnahme an öffentlichen Rennen ausgeschlossen, solange Pferde in deutschem Besitz zur Teilnahme an belgischen, englischen und ftan- zösischen Rennen nicht berechtigt sind." Sriefkasten See Reüaktion. fiedsr filr den Briifkasten bestimmten Anfrage fvg, man«inen Buchst,»«« und ein» Rummer bei. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Eilige An- fragen trage man tn der Juristischen Sprechstunde, Lindenftr. I. l. Kos vor- terre link«, vor. Echriststllcke und Verträge find mitzubringen. 28. H.. Neukölln. 1. Albert Howe, 0. 17, Bödickerstr. 10. 2. Frei- gewerkschaftlich oder politssch organisierte Arbeiter und Angestellte. 8. Ober« schöneweide.— F. 3». Bei der Post.— Fr. 100. Un« find solch« Firmen nicht bekannt. Im übrigen ist ber Markt hierfür mehr denn je versorgt, so daß nur Hervorragendes einen Verleger findet.— F. B. 77. Wenden Sie sich vor Auswanderung an KaS R eichS-Aus wan d crun gs amt, Berlin W. 8. Wilhelmstr. 61: dort erhalten Sie zweckdienliche Auskunft. H. F. 100. 1. Nein. 2. Alle Sachen deS Druders gehören zum Nachlatz.— S. 50. 1. Rufen Sie da» MieteinigungSaint an. Wenden Sie sich an den Ausschuß für Erwerbslosensürsorge.— 60. Die Zuschläge werden demnächst veröffentlicht. Lehnen Sie Zablmtg ad. event. müssen Sie das MieteinigungSamt anrufen.— P. R. 60. 1. Versuchen Sie es. 2. Nicht bekannt.— R. K 88. Die Grunderwerbsteuer beträgt 4 Proz. Hierzu kommen noch die Zuschläge, die bis zu 2 Proz. betragen dürfen. — E.'Sl. 107. 1. Strandungsordnung. 2. Buchhandlung.— E. R. 83. 1. Verlangen Sie Herabsetzung der Miete. L. Wenden Sie sich an Ihren Truppenteil.— N. K. 46. Ja.— A. Schulz 888. Für den Unsall können Sie niemand verantwortlich machen.— I. G. 50. Sie und die Kinder.— E. K. Beufsclstr. 1. Bei eintretender Dunkelheit sind die Treppen zu beleuchten. 2. 8 Uhr.— A. S. 7. Wenn Zinsen vereinbart find, sonst nicht.— 91. U. 500. 1. Wegen der Gründung de» WabloereinS ersabren Sie näheres von der.Magdeburger Volksstimme." 2. Wenden Sie sich an den Kreisarzt.— H. K. 7. Ja.— P. 2S. Sie tönnen nur daS verlange», wa» Ihnen vertraglich zusteht. Äerklagen Sie die Gesellschaft auf Zahlung Ihres Guthabens.— N. N. 4. Nein. — H. 73. Beim Polizeipräsidium mit ausreichenden Ausweispapieren Patz ausstellen lassen: Visum der Schweizerischen Gesandtschast ersorderlich. 2. u. 8. Können wir nicht angeben, weil die neuen Fahrpreiie noch nicht bekannt.— S. 24. Berlin, Luifenstr. 31 b.— A. K. 13. Die Eintragungs- listen legen die Geioertfchasten aus. Wir haben um Angabe der Meldestellen ersucht.— W. L. 36. Nein; nur sür die Dauer der Erwerbslosigkeit. SSetterauSsichtcn für daS mittlere Norddeutschland bis Sonnabend mittag. Fortdauernd warm, meist bewölkt, mit Regensällen und starken Südwestwinden. Achtung! XScfbflU» Achtung! Am Freitag, den 16. April, abends 6'/, Uhr, in den Prachtsälen» Moabit, Wielefstrafle 24: OeffenMche Versammlung aller im Tiefbaugewerbe beschäftigten Kollegen. ragessednung! Stellungnahme der Tiefbauarbeiter z« dem ablehneudenVer« halte» des Reichsverbandes f. d. deutsche Tiefbaugewerbe 1 3n 1itsbe!rasfjt ber außer!« nichtigen Tagesordnung darf»ein Levtirgr»» Tiefbauarbeiter in dieser IZersammIuag fehlen!__ deutscher Bauarbeiter-Verband./ Zentralverband der Zimmerer. Zentralverband der Mascbinisteu und Heizer. Sri proHHoim sowie Wachswalzen anch«erbrochene, kauft tiöshsizahlend Metalikontor W. John, oegr. 1*03. SV. 68, Alte Jakobstr. 188. TeL; Moritiplatz 11858. Geschäftireit s Uhr. An- u. Abfuhr für Material und Äofs vergibt Gesellschaft f. Hochdruck- Rohr- leftsnges# Bwutenseldefie» Schnilrgellelnen, Natur. stahl, Frfiaer, Reibahlen, Gewindebohrer. neue, kauft zu allerhöchstenTages- preisen. Händler Extrapreise. • Henschel, 6 Moabit, Rost-.cker Str. 22. Metallbetten Stahldrahtmatratzen, Kinderbetten. Polster an jedermann. Katalog fr. lliseamodelladrik, Suhl in Thür. 83/15 !!!Geld!!! Miede Wertsache. 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Liustspleihans Arnold Rleck in uhr ZsangseiniiBaftiepang. Metropol-Theater. 7 Uhr: SyMIL Sonntagnachm. a Uhr: Chtrleys laute m. Thielscher heues Operettenheins Mi« Werber als Gast in 7v« u.: Die kleine Hciieil Stg. 3V,. Die Dame vom Zirkus iTcues Vulkstheater 7v. uhr: Das Paradies Sehtllcr-Theat. Chnrl. ulFlaelisuiann ais Erzieher Thalia-Theater uL'r: Amor anf Reisen Th. am � ollendorfhiata TV, Uhr: JDcrVteVgcITettfc Theater de» Westen« 7>/.u.: DieFraalniBEnnelln Stg. 31/,; Die lustige Witne. Wallner-Theater u" Eine Ballnacht. Stg.3V«: Geisha m Mia Werber Vorletzte Vorstellung. Walhalla-Theater. 7V, Uhr; DerBastelhinder Trlanon-Theater. Bahnhof Friedrichstraße. Täglich V� Uhr: HSyrrha Sonnab. t: Max und Moritz. Sonntag 4 Uhr, kleine Preise; Herrachaltl. Diener gea. Residenz- Theater. Stadlbahn JannowitzbrQcke. Täglich V� Uhr: Die DascIMs von Hermann Sudermann. Sonnabend 4: Rotkäppchen. Sonntag 4: Der gute Rul. Eck. Friedrich- u. 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Gedankenleserin der Welt iVorsietitbeil Desgräehen ITelephonfreuden mitl jValy Arnheiml Tlarya liindt 4 Urkonls | Sensations- Akrobat. I j und weitere April-! I fapietHEßsatiOD Sonntag 3V, Uhr I i, Erwachs. I Kind frei I Rose-Theater. 7V, Uhr: Das Lied der liebe. Unter d. Linden 22/23 Dir. M. So 1 1 man Z Uranffuhrangen 2 u.. Fi.mschausplel In 4 Akten Hauptrolle: vom Münchener Nationaltheater. Nacht- bskanntschaft, Lustspiel in 3 Akten. Hauptrolle: Albert Panlig. Winter-Garten Täglich 7» Uhr: Variete-Spielplan Rauchen gestattet I PoUdaroerStr. 3S(9 | Oer Hirt von | Maria Schnee . Turmstr. 12 DieHerrindWelt 6. Teil. | Aiexanderplatz-Pasaage Bruno Kastner in Alleraieelen. 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T B 5» e n E i 1 d« 25' Die Rose clea Ostens Üln Llebeeromau in 5 Kapitein In der Haaptrolle: Lilly MOflSChka Komeo und Julia im Scknee Lastspiel vouHann» Krttly nid Ernst Lunltsch mit Lotte Neumann Kegle: Ernst Lubitseh WoohenUgt ab 7 Uhr s Sonntag« i Beginn 4 Uhr CirmJSusci Heute sowie tägl.?V, Uhr: Das dede Aprll-Progr.! und zum Schluß: .vor Wilddieb' in S Akt u. I Apotheose. Die Wnndeiiontäne und Ihre Geheimnisse. Stg. 3Vi ein elg. Kind frei. Ebern.: Der Wilddieb Adi-Haus Taubenstr. 34- Ztr.1032 KAte Blank Engen Back Ciili Pronio Heinz Hertwlj Pip u. Edita Henry Woltt lileael Eve Panl Rückmann Kktchen Enten 2 Pohleya (DB Arii Llet Meisterquartett Adolf Sieban II. Weine,«. Küche Mocca, Tee, Schokolade M Anfang 7 Uhr gj Dat gröifle Kino derWc Potsdamer Str. 7 3» Hochbahn Bülowstf. Der Narrentanz der Liebe Fritzi Massary Verklebte Liebe. "UEäST täclnäsgsiele lafflessMeEsPatas! • 3. Woch«! Sie Tänzenn SarSerina n»cb dem gleichnamigen fiomsn to. Adolf Paul Tltol. rolle: Par den Film in 7 Abteilung« ▼em Verfaseer bearbeitet Lyda Sslmonowa Wochentage 1 7 and PI, Uhr/- Sonntags VÄ lii Vorverkauf II bis I Uhr | A. BRAUN: I jötioD Was hat man geflucht, was haben die besten Leute der deutschen Ar- fe:ieirt*ri irg darunter gelitten, daß die Revolution zu einer allgemeinen Lohnbewegung zu werden drohte. Aber heute sieht man ein, daß die ununterbrochene Entwertung des Oeldes den Arbeitern den Kampf um die Lebenshaltung immer wieder von neuem aufgezwungen hat. Die Aussichtslosigkeit aller mühevollen und opferreichen Lohnkämpfe der letzten Zeit wegen der ständig wachsenden Geldentwertung, die auch die größten Lohnerhöhungen nicht zu einer besseren Lage der Arbeiter und Angestellten auswirken läßt, macht neue Methoden der Lohnregulierung zur gebieterischen Notwendigkeit— Adolf Braun, der sich seit Jahren mit diesen Problemen befaßt, erklärt eingehend in seinem Werk Geldrevolution und Arbeitslohn warum der Arbeitslohn, rein in Geld ausgedrückt, eine ständig wachsende Unsicherheit für die wirtschaftüche Existenz der Angestellten und Arbeiter hervorrufe, pas Problem der gleitenden Löhne beschäftigt heute Engländer, Franzosen wie Deutsche und Oesterreicher. Preis M. 1,80, Teuerungszuschlag einbegriffen. Organisationen bei Massenbezug Ermäßigung. Mhaidlano Vorwärts, Bert la 51)68, Itefiealtr.ä Schal!«Jauch Residenz-Kasino im Großen Schauspielhaus, Karlstr.- Schlflbauerdamm Telephon: Norden 8643. 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Einladung zur MllHiM am Donnadenb, 24. April 1920, ubbs. 7 Uhr, im Sewerkschatts. hau», Eugeluser 15, Saal 3. Tagesordnung: 1. Beriesung des Protokolls der vorige» Sitzung. 2. Jahresbericht. D, Bericht der Revisoren. 4. Satzungsänderungen. 5 Verschiedenes. Mar Rost, H. Hertz,. Vorsitzender. Schriftführer. Kupfer, M e s s 1 n r« Rotguß, Nickel, Biel, Zink, Zinn, Alumininm, Quecksilber, Zahle die höchsten Tages-Preise. Oderberger Str. 1. Teleph.: Norden 297,365. Möbelfabrik Stern Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Bilanz per 31. Dezember 1919. Aktiva. M. Kassenbestand.. 2300,75 Waren-Konto... 53 285,— Debitoren-Konto. 24 000,— Inventar-Konto n, 30 Proz. Abschr,. 2064,90 Kautions-Konto.. 600,— Bank-Konto... 40 659/19 Passiva. Anteil-Konto... Dariebn-Konto.. Kreditoren-Konto. Rese rvefonds-Konto Spezial-Reserve- fonds-Komo.. Noch zu zahlende Unkosten. Reingewinn... 122 909,74 330,— 60 000,— 20 000,— 5 000,- 20 000,- 5000,— 12 579,74 122 909,74 Die Zahl der Genossen beträgt am Schluß des Geschäftsjahres 10, eingetreten sind im verflossenen Geschäftsjahr keine, ausgetreten einer. Das ueschäftsgut- haben der Genossen beträgt 300 Mark, die Haftsumme auch 300 Mark. Das Ge- schäftsguthaben und die Haftsumme haben sich um je 30 Mark verringert. Der Vorstand. O. Laupichler. K. Reinecke. f-ZieliBiij M.-24. April-| Grosse WS-lMk!e zn SEitleo e. I(ri«|!-ni. llrSstfam. Minocnr.fmeH Ute)»i. ilKSHaslKark 0 16006 «000 Gas K.e.Kräg®r " tj D Pfiodrlcb- -öenm w o, ,ü..ls2-bz -T'rMTtl. f.allXÄttcrlexeech." MMWüN Preise für Altmetalle nach unten; trotzdem zahle ich sür Zmn, Kupfer, Messing, Blei, Kink usw. unglaubitche Preise, gleichfalls sür Sold. u. Silber Srach. MM WlAsslelle «Slükdllset Im", LAdaldertstrA. U.Adaib«tstr.17 Friedrich Stampfer: Von Versailles zum Frieden Der Weg vom Scheinfrieden zum wirklichen Frieden! Stampfer beschränkt sich nicht allein auf die Kritik der in übersichtlicher Darstellung gebotenen Vertragsbedingungen, sondern er beweist die.Möglichkeit, ohne neue Machtkämpfe und ohne eine allgemeine neue Friedenskonferenz durch Verbesserung der Beziehungen zwischen Deutschland und seinen bisherigen Gegnern, durch Sonderabkommen und vernunftgemäße Auslegung und Ausiührung des Vertrages einen für uns und die anderen Völker erträglichen Zustand zu schaffen. Eine französ. und engl. Ausgabe ist in Vorbereitung. Preis 4,— Mark Buchhandlung Vorwärts Berlin SW 68, Lindenstraße 2 "> i-y.-y.v'-f;;• Gardine O Auslandsware, zu mäßigen Preisen noch vorrätig. Abgepaßte Schalgardlnen, Fenster 45 M. Moderne KünsUerirarnlfuren(dreiteilig) vornehmste Ausführung v. 100—175 M. u, darüber, In eleganten Stores und Tülldecken stets Gelegenheitskäufe.(Für Wiederverkäufer Sonderabteilung.) ! 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Werkzeug und Opfer öer verleumöerzentrale Politischer Hintergrund der Scheidemann-Hetze. Vor der Strafkammer unter dem Vorsitz Dr. Weigerts wurde am Donnerstag gegen den ehemaligen deutschen Agenten in Belgien, Noidfrankreich und Holland, Rh od in, wegen Beleidigung Philipp Scheidemanns und Betrug an den Geldgebern für die erfundenen Enthüllungen verhandelt. Die Anllage vertrat Staatsanwalt G e r l a ch, dem Nebenkläger Scheidemann stand Iustnrat Werthauer zur Seite. Der Angeklagte, den dre Rechtsanwälte Dr. Klee und Dr. Juliusberger verteidigen, ist 1897 in Berlin geboren. Er ist noch Kriegsende in Not geraten, hat Vorstrafen wegen Dieb- stahls erlitten und ist zu ö Wochen und 4 Monaten Gefängnis ver- urteilt worden. Er habe ins Ausland gewollt, sei aber in franzö- fische Gefangenschaft geraten und etwa eine Woche festgehalten worden. Als er wieder in Berlin war, habe er in den Zeitungen über den Fall Sklarz gelesen. In seiner Not sei er zu Heinrich Sklarz gegangen und habe ihm vorgeredet, das; er kompromittieren- des Material gegen ihn und Popp besitz«, das er verwerten nröchte. Sklarz habe ihm gecmtfa'ortct:..Was Sie da haben wollen, ist kon dcnsierter Mist! Gehen Sie doch mal zur Gegenpartei, Sonnenfeld kauft alles!" Zu diesem sei er dann auch gegangen, und Sonnen- feld sei gleich Feuer und Flamme gewesen und habe ihm geraten, zur Zeitungskorrespondenz Sochacz.'wski zu gehen. Sochaczewski habe ihm zunächst 59 M. gegeben und auf drei Stunden später wieder bestellt. Da stellte ihm S. einen Herrn Cohn vor, der in Wahrheit der Abg. Tavidsohn gewesen sei. Diesen beiden Personen habe er dann die Geschichte von den LI Dokumenten erzählt, die er in Dänemark dem Prinzen Wittgenstein in der schon berichteten Weise entwendet habe. Davidsohn habe ihn ziemlich lange aus- gefragt und aus den Hinweis, daß es sich um gestohlene Papiere bandle, geantwortet: Das ist egal. Als Rhodin 29 999 M. verlangte, habe„Cohn" ihm gesagt:„Wenn Sie solches Material gegen Scheidemann, Ebcrt, Brockdorff und anhere prononcierte Persönlich- testen besitzen, dann wäre das Material nicht 29 999 M., sondern das Zehnfache wert." Darauf habe er versprochen, solches Material gegen Scheidemann, Ebert, Brockdorff„und so weiter" vorzulegen. Er erhielt wieder 59 M. Am nächsten Tage sei er zu Heinrich Sklarz gegangen, der sprachlos gewesen sei, als er hörte, daß das wertvolle Material in die Hände der Gegenpartei gespielt werde. Darauf habe er Sochaczewski antelevfkmiert, dieser habe ihm wieder 59 M. gegeben und ihm Herrn Rüstiger vorgestellt. Auf der Fahrt nach Hadersleben habe er festgestellt, daß Rüstiger die 29 999 Mark nicht bei sich hätte. Er habe sich in Hadersleben zunächst 1599 M. von ihm zahlen lassen und sei dann im Anw ohne Paß nach Dänemark gefahren, wo er zunächst einig« Schulden bezahlte. Als er bei seiner Rückkehr nach Hadersleben Herrn Rüttiger nicht mehr vorgefunden, habe er einen Brief an Sochaczewski geschrie bcn, daß alles Schwindel fei; gleichzeitig habe er um Geld gebeten. Dann kehrte er wieder nach Berlin zurück, habe SafcaczewSki antelephoniert und eine Zn- sammenkmrst in einem Cafe verabredet, doch sei S. nicht gekommen. Er habe sich dann an Sonnenfeld sen. gewandt und bei diesem Bau ineister gesprochen. Am Abend sei er zu Baumeister bestellt worden. habe ihm gesagt, daß die Papiere ibm von einein Agenten des Sochaczewski gestohlen sein müßten. Er habe Geld von Baumeister erhalten, die Depeschen fabriziert und dabei teils fingierw, teils richtige Namen verwendet. In diesen Depeschen und Schriftstücken sei über Scheidemann gesagt, er sei mit seinem Anteil an den„Terrainschisbungen" nicht zu- frieden. Er habe 4— 5 Tage bej Baumeister„gearbeitet" und 59 M. pro Tag erhalten. Baumeister habe ihm auf einen Vorhalt auf die Gefährlichkeit der Sache gesagt:„Ich kämpfe schon monatelang gegen diese Schurken und den Zkmwastemn acher tRhodin meint, das sollst Heinricht Sklarz sein), mag das Ende sein, wie es will, ich werde schon einen Platz in einer Redaktion oder einem Ministerium finden." Auch sei ihm das Lob geworden:„Herr Rhodin, Sie sind so gerissen. Sie sind uns darin viel über." Sonnenfcld, zu dem er sich dann wieder begeben, habe ihm u. a. auch gesagt: es müßte ein Brief von Scheidemann produziert wenden können, worin ihm hohe Belohnung für die Beseitigung von Liebknecht ausgesetzt würde. Sonnenfeld habe hinzugefügt:„Wir können ja wegen der Vrotgeschichte nichts tun." In der Belveisausnahine erklärte Oberbürgermeister Scheidemann, daß er die Depeschen und Briefe, die der Angeklagte jetzt selbst als völlig erfunden bezeichne, inhaltlich kenne. Ich habe, so fährt Scheidemann fort, weder mit Geschäften, wie sie in diesen Briefen und Depeschen geschildert werden, noch mst irgend ivelchen anderen Geschäften, an denen die Gebrüder Sklarz beteiligt find, irgend etwas zu tun. Ich habe nie in meinem Leben ein Geschäft gemacht und trotzdem ist man, nachdem ich im Sommer vorigen Jahres aus bekannten Gründen mein Amt als Ministerpräsident niederlegte, über mich hergefallen und hat mich in der übelsten Weise verleumdet und angegriffen. Ich verssthe auch heute noch nicht, wie ich zu dieser Verleumdungskampagne gekommen bin, die Zeitungen brachten alle niöglichen Ändeutungen, die man nicht greifen konnte, kurzum, diese Dinge gingen so weit, daß ich kaum eine Minute in der Straßen- bahn, Eisenbahn oder im Restaurant sein konnte, ohne daß die Leute nicht die Köpfe zusammensteckten und tuschelten. Nun hätte ich eigenstich davon Abstand nehmen können, die Gerichte mit de«. artigen unfinnigen Dingen zu behelligen, die cm meinem reinen Gewkssen wirkungslos abprallten, aber ich war gezwungen, dagegen vorzugehen, im Interesse meiner Familie und vor allem im Jnter- esse meiner Parteigenossen in der Regierung, die man mit mir in einen Tops warf, wenn es sich um die böswillige Kolportierung der- artiger Gerüchte handelst. Deshalb mußte ich, sobald ein Urheber derartiger Schwätzereien festgestellt werden konnst, gegen ihn vor- gehe,,. Auf Fragen der Verteidiger erklärt Zeuge Scheidemann, daß er nicht sagen könne, daß parteipolitische Dinge bei der Aussprengung deraviiger Gerüchte die Hauptrolle spielen, richtig sei es allerdings, daß Baumeister und.Davidsohn diese Dinge sofort fteudig aufgcnom- men hätten. Als nächster Zeuge wird der Journalist Kurt Sochaczewski ver- rammen. Von Anfang an habe er Rhodin nicht recht getraut, habe sich aber gesagt, es könne immerhin etwas Wahres daran sein. In der Zeit zwischen Rhodins erstem und zweitem Besuch habe er den Oücrlcumaiit v. Kessel von der Berliner Sicherheitspolizei bcnach- richtigt und ebenso den Abg. Tanidsohu. Oberstleutnant v. Kessel habe ihm erklärt, die Polizei würde sich der Dache annehmen, und habe auch seine vorgesetzte Behörde benachrichtigt. Aus Veran- lassung der Polizei sei er, Sochaczewski, dann einen Scheinkauf mit Rvodin«ingegangen. Er habe dann mit Rhodin verabredet, daß dieser mit dem Leutnant Rüttiger von der Sicherheitspolizei bis zur Grenze fahren und dort die Papiere herüberholen sollte. Die hierzu nottvendigen Auslagen, sowie alle weiteren Maßnahmen Hab« er auf Anweisung der Polizei getroffen. Rütti- ger habe auf der Fahrt nach Hadersleben die 29 999 M, die dem Fonds der Sicherheitspolizei entstammten, bei sich gehabt. Dann babe er, der Zeuge, von der Sache nichts mehr gehört, bis er schließlich von Rhodin einen Brief erhalten habe, in dem dieser 18 599 M. von ihm verlangst. Der Zeuge sei darauf nicht einge-, gangen, da er die ganze Sache nun für einen Schwindel gehalten habe. Rhodin habe sich dann an Vaumeistcr gewandt, um dort � etwas Geld zi. bekommen, und habe dort jern„Material" rekou-' strniert. Bei dieser Gelegenheit habe Leutnant Rüttiger Rhodin auf den Kopf zugesagt, daß dst Behauptungen, Rüttiger habe ihm die Papiere gestohlen, erlogen sei. Rhodin habe hieraus die lln- Wahrheit dieser Behauptung schriftlich bestätigt. Aus weiteres Bc- fragen erklärt der Zeug«, Rhodin habe ibm bis zuletzt nichts davon gesagt, daß alles ein Schwindel sei. Er habe ihm aber sowieso nicht geglaubt. Ten Abgeordneten Davidsohn habe er kennen ge- lernt, als er sein Material gegen die Gebrüder Sklarz veröffent licht habe. Gegen Herrn Scheidemann sei er direkt nicht vorge- gangen. Er sei nur Gegner der Gebrüder Sklarz. An die Sicher- beitspolizei habe er sich gewandt, weil ihm Oberleutnant v. Kessel seit längerer Zeit bekannt gewesen sei und weil er andere Dienst- stellen am Sonntag und in der kurzen Zeit wohl schlecht erreicht hätte. Der Zeuge bat, über die von der Sicherheitspolizei z-ur Verfügung gestellten 29 999 M. Herrn Oberleutnant v. Kessel zu vernehmen.— Justizrat Dr. Werthaucr: Haben Sie dem Rhodin Geld gegeben?— Zeuge: Jawohl, die Sicherheitspolizeit hatte mir die Anweisung dazu erteilt. Zeuge Abg. Tavidsohn schildert, wie in semer Gegenwart Rhodin im Bureau«ochaczewskis sich erboten habe, Material aus Dänemark zu besorgen. Von den Angaben Rhodins interessierten den Zeugen vor allem drei Dinge: die Salvarsanschiebungen, die Korruption im Läget Wahn bei Köln und die Angaben, daß große Mengen amerikanischen Weizenmehls in Belgien durch Sklarz in Schieberhände gelangt seien. Auch der Name Scheidemann wurde durch Rhodin genannt, spielte aber im Rahmen dieser Anschuldigun- gen kaum eine nennenswerte Rolle. Dst Angaben Rhodin» er- schienen dem Zeugen als Ganzes nicht recht glaubhaft. Doch hatte der Zeuge den Eindruck, daß sich bei ihm Wahrheit und Dichtung mischte. Rhodin hat für die Beschaffung des Materials 29 999 M verlangt.— Vorsitzender: Haben Sie dem Angeklagten ge sagt, daß die Belveise für seine Angaben nocki viel mehr wert seien? — Zeuge: Darauf kann ich mich heute nicht besinnen, es ist aber wohl möglich, daß ich mich in meiner damaligen Stimmung in dieser Weise geäußert habe. Unwahrheit ist jedenfalls, daß ich zuerst die Namen der Persönlichkeiten, die kompromittiert sein sollten, in die Debatte geworfen habe. Das ist von Rhodin geschehen.— Rechtsanwalt Dr. Klee: Hatten Sie denn nicht Bedenken, als Rhodin von der Reise ohne Material, das ihm angeblich gestohlen war, zurückkam? Hielten Sie es denn nicht für angeboacht, Bau- meisstr unter diesen Umständen zu warnen?— Zeuge Davidsohn: Als ich zu Baumeister kam, waren die Aufzeichnungen Rhodins schon fast beendet; ich konnte dazu nichts tun. Auf die Verwertung der Aufzeichnungen Rhodins durch Baumeister habe ich keinen Ein- fluß und nichts damit zu tun gehabt. Der nächste Zeuge ist der Redakteur Baumeister. Rhodin hat ihm verschiedene Gründe angegeben, daß er das Material nicht habe beschaffen können. Baumeister batte den Eindruck, daß es sich um eine Erpressung handelt« und bat den Leutnant Rüstiger, Rhodin festzunehmen, was Rüttiger aber ablehnte.— Borsitzender: Welches Interesse hatten Sie denn an der Sache?— Zeuge: Als Staatsbürger hatte ich ein Interesse daran, festzustellen, was Wahres daran war. Außerdem ergab sich für mich ein Interesse an dieser Feststellung, als Namen von Parteigenossen darin ge- narntt wurden.— Borsihender: Hatten Sie ein besonderes Jnter- esse gegen bestimmte Personen?— Zeuge: Mein Interesse richtete sich gegen Sklarz, ob auch gegen Scheidemann. ist mir nicht gegen- wärtig. Auf Befragen des Vorsitzenden bekundet der Zeuge, er habe schon tm Oktober ein ausführliches Schreiben über die„Kreise um Sklarz" dem UntersuchunzsauSi'chuß geschickt. Bei der Heber- tetchunjj des RhodinrnaterialS cm den Abz. Sollmann habe er gleich darauf hingewiesen, daß er keinerlei Gewähr für die Richtig- keit der Angaben übernehmen könne.— Nebenkläger Scheidemann: Ist der Zeuge nur zufällig von dem Untersuchungsausschuß als Zeuge geladen worden oder nicht deshalb, weil er eine besondere Korrespondenz gegründet hatte, um Material gegen Sklarz und mich in die Presse zu lancieren? Zeuge Baumeister: Schon seit Oktober versuchte ich eine Trennung zwischen Sklarz und Scheidemann herbeizuführen und brachte einen Parteiausschuß zustande, aus dem dann der offizielle Ausschuß entstanden ist. Als dann später der ganze Parteiapparat und die Korrespondenz Heilmcnin gegen mich in Tätigkeit gesetzt wurden, habe ich, als der„Vorwärts" meine Erwiderungen ans die Heilmannschen Angriffe nicht ab- druckte, einige Tage hindurch diese Erwiderungen vervielfältigt an die Presse versandt. Nebenkläger Scheidemann: Ist es richtig, daß der Zeuge diese Korrespondenz an die ganze deutsche Presse sandte und einen Zeilenpreis von 5 Pf. berechnete, der ftir Kriegsblind« verwendet werden sollte? Baumeister: Das ist richtig. Ich habe, so sagt Baumeister weiter, niemals die Ueberzeugung gehabt, daß Sklarz und � Scheidemann gemeinsam Geschäfte gemacht haben, aber ich war der Ansicht, daß Sklarz Geschäfte gemacht habe, die ihm durch seine Freundschaft mit Scheidemann erleichtert wurden. Justtzrat Werthaucr: Es ist unwahr, daß Sklarz jemals infolge seiner Freundschaft mit Scheidemann Geschäfte gemacht hat. Diese Behauptung des Zeugen bedeutet eine schwere Beleidigung des Nebenklägers. Welche Unterlagen hatte der Zeuge für diese Bc- bauptung? Diese letzte Frage wird vom Vorsitzenden beanstandet. Scheidemann erklärt hierzu: Niemals ist jemand infolge seiner Freundschaft zu mir in die Lage gekommen, Geschäfte zu machen. Die Geschäfte, die Sklarz angeblich mit der Regierung gemacht hat, stellen sich bei den damaligen Verhältnissen als Dienstleistungen dar, die-im Interesse des Reiches gelegen haben. Zeuge Leutnant Rüttingcr von der Sicherheitspolizei hat den Ilngeklagten Rhodin auf seiner Reise nach Dänemark begleitet, ohne daß der Angeklagte wußte, wer sein Begleiter war. Auf Befragen erklärt der Zeuge: Ich hatte keinerlei Bedenken gegen den Auf- trag. Das Geld erhielt ich von dem Kommando. Auf wiederholte Fragen des Vorsitzenden und der Verteidiger gelingt es endlich, zu erfahren, daß dem Zeugen das Geld entweder von einem Leutnant Rösel oder vom Oberleutnant v. Kessel übergeben wurde. Zeuge SochoczewSki bekundet, daß Davidsohn von der Bcteili- gung des Oberleutnants v. Kessel au der Sache wußte. Davidsohn sagt dazu nichts. Staatsanwalt Gerlach erhebt gegen die Vereidigung des Zeugen Baumeister Einsppuch, da er als Mittäter oder Anstrifter in Frage komme. Rechtsanwalt Juliusberger spricht sich gegen die Ver- eidigung Sochaczewskis und Baumeisters aus, da diese als Mit- täter respektive Anstifter anzusehen seien. Auch Justrzrctt Werthauer schließt sich diesem Antrage»er Verteidiger an. Nach kurzer Beratung beschließ! das Gericht, die Zeugen Sochaczewski, Baumeister und Davidsohn nicht zu vereidigen, da sie der Teilnahme an der Verleumdung Scheidemannz verdächtig seien. Leutnat Rüttinger wird vereidigt. Ein Antrag des Rechts- anwaltS JuliuSberger, Oberleutnant v. Kessel uns Leutnant Rösele» von der Sicherheitspolizei zu vernehmen, da besonders der erster« mit in den Kreis der Anstifter gehöre, wurde vom Gericht abgelehnt. Ebenso ein Antrag Werthauers, Herrn Georg Sklarz darüber zu vernehmen, daß er niemals derartige Geschäfte mit Scheidemann oder sonst einer anderen Regierungsperson gemacht babe. Staatsanwalt Gerlich betont in seinem Plädover. daß von allen Vorwürfen, Sie gegen Oberbürgermeister Scheidemann erhoben worden seien, auch nicht der Schatte» einer Wahrheit vorhanden soi. Der Slngcklagte verdiene eine exemplarische Straft, weil er den Nebenkläger aus gemeinen und niedrigen Gründen mit Schmutz belvorftn habe. Er beantrage, wegen des Sochaczewski gegenüber ver- übten vetsuchten Betrug?» 4 Monate öftfängni». wegen des an Leutnant Rütttnger verübten vollendeten Betruges 6 Monate und wegen der ungeheuerlichen Beleidigung des Oberbürgermeisters Scheide- mann 8 Monate Gefängnis, die auf eine Gesamtstraft von 1 Jahr drei Monaten, unter eventueller Anrechnung der erlittenen Unter- suchungshaft, zusammenzuziehen seien.— Justizrat Werthaucr führte in seinem Plädoyer auS, Rhodin habe aus Not inkorrekt gehandelt, hätte aber keinen Schaden angerichtet, wenn er nicht Leute gesunden hätte, die sich der Sache bereitwillig angenommen hätten. Wie gegen Erzberger, so sollte hier gegen die Mehrheitssozialisten eine Mine gelegt werden. Das Ganze sei ein« politische Aktion getoeftn. Man habe hier in eine Zentrale hineingeleuchtet, welche die bürgerliche Ehre von Personen totmachen will. Man wolle aus der Affäre Sklarz etwas machen, um die Regierung zn bekämpfen. Aber der Versuch, eine Regierung auf solche Weise zu stürzen, grenze cm Putsch- Politik. Äm Fall Sklarz sei nichts dran und wenn er noch jähre- lang untevsucht wüüde. Die, angeblich kompromittierten Regie- rungSbeamten existierten in Wahrheit überhaupt nicht. Die kräf- tigen Wort« des Staatsanwaltes, daß auch nicht der Schatten eines Verdachtes an Scheidemann hängen bleibe, seien in dieser Atmv- sphäre wie ein reinigendes Gewitter eingeschlagen.— Rechtsanwalt Dr. Klee hob hervor, daß Rhodin auS bitterster Not heraus gehan- delt habe. Es sei crklärtlich, daß er in den Händen von Männern, die von ihm Material forderten und ihn dann trinkgeldartig abspeisten, zu einem solchen Vorgehen gekommen sei. Auch der Abg. Davidsohn sei nur ein Geschobener. Hinter allem stecke die eine Stelle, die die 29 999 Mark hergegeben habe, Oberleutnimt v. Kessel und seil» Hintermänner. Es länge kein Grund vor, gerade hier ein Exempel zu statuieren. Denn die Drahtzieher dieser Affäre säßen zum Teil nach ganz wo- anders, als in i-iesem Saal. Rechtsanwalt Dr. Juliusberger gab im Namen de» Angeklagten eine Erklärung ab, daß dieser alle Behauptungen, die er in bezug auf Scheidemann aufgestellt habe, als jeder Begründung entbehrend und aus der Luft gegriffen be- zeichnet, seine Handlungsweise lebhaft bedauere und nm Entschul- digung bitte. Der Verteidiger führte weiter auS, daß die 1599 M., um die die Sicherheitspolizei geschädigt sein soll, gar nicht auS dem Vermögen der Sicherheitspolizei stmnmen, sondern aus einem pri- vaten, wohlorganisierten nnd disziplinierten Konzern, der sich in konterrevolutionärem Sinne betätige. Da das Gericht<8 abgelehnt habe, Oberleutnant v. Kessel über die Herkunft des Geldes zu vernehmen, müsse in diesem Punkt« ein Freispruch erfolgen, da es ja nicht ftstgestellt sei, ob das Geld wirklich aus dem Fonds der Sicherheitspolizei stamme. Oberbürgermeister Scheidemau» gab folgende Erklärung ab:„Ich möchte ausdrücklich feststellen, daß ich kein Interesse daran habe, daß dieser unglückliche Mensch hier ans der Anklagebank hart bestraft wird. Ich hätte hier lieber einen handfestere« Menschen gesehen. Ich möchte den Gerichtshof bewahe um Entschuldigung bitten, daß ich diesen Prozeß angestrengt habe. Ich war das aber meiner Partei und meiner Familie schuldig. Daß dio Berlcum- diingskampagne jetzt aufhören wird, glaube ich nicht. Sie wird wohl in geschickterer Weis« fortgesetzt worden. Ich möchte aber bitten, diesen unglücklichen Menschen nicht zu hart zu ver- urteilen." Nach kurzer Deiratung verkündete das Gericht folgendes Urteil: „Der Angeklagte wird wegen vollendeten DetougeS, versuchten Betruges, in Tateinheit mit Verleumdung zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monate» verurteilt, aiws die 2 Monate 14 Tage Unter- suchungshaft angerechnet werden." In der Begründung heißt«s: Das Verhalten deS Angeklagten habe gezeigt, daß er Geld verdienen wollte. So sei er dazu gekom- inen, Behauiptnngen auszustellen, bei denen er dann durch drei Zeugen unterstützt und ausgehorcht wurde. Ob er auf der Fahrt nach Hadersleben da» Vermögen dar Sicherheitspolizei oder eines anderen geschädigt habe, fei unwesentlich. Das Gericht stehe auf dem Standpunkt, daß der Angeklagte sich in einer sortgesetzten Handlung Geld verschafftn wollte. Die Behauptungen, daß Scheidemann an Schiehergeschäften beteiligt gömesen sei, bedeute gegen einen Politiker einen schwevwiegsnden Vorwurf, sie stellt sich als eine Verleumdung dar. Der Angeklagte hat für ftine Be- hauptungen nur zu willige Ohren gefunden, obwohl das Unzw- treffende seiner Angaben auf der Hand lag. Durch dieft Leicht- gläubigkeit ist der Angeklagte beeinflußt worden, fo daß et seine Verleumdung bis zur Niederschrift ftincS angeblichen Materials fortführte. Durch dft Leichtglautbigkeii, di« der Angeklagte bei den in Betracht kommenden Zeugen gefunden, die so an den Handlun- gen des Angeklagten teilgenommen haben, hat der Angeklagte einen gewissen Rückhalt gefunden und ist gewissermaßen zu seinen Be- hauptungen noch gedrängt worden. Bei der Straf pc Messung hat das Gericht die Notlage des Angeklagten berücksichtigt, andrerseits aber in Betracht gezogen, daß die Handlungsweise des Angeklagten, der statt zu arbeiten sich aus dieft Weift Gold verschafftn wollte. außerordentlich verwevflich ist. Im Anschluß an die Begründung teilte der Vorsitzende mit, daß das Gericht in Erwartung eines HaftentlassungSantrageS sich bevsits über diese Frage schlüssig gemacht habe und zu einer Ab- lchnung eines eventuellen derartigen Antrages gekommen fei, da Fluchtverdacht vorliege. Auf Anraten seines Verteidigers R.-A. Juliusberger nahm der Angeklagt« Rhodin die ihm zuerkannte Straft an. WLrtfthsst Die Srotverteuerung. Die Brotpreiserhöhung ist beschlossen. W. T. B. meldet hierzu: Im laufenden Haushaltsjahr« 1319/29 sind 1% Milliarden Mark für Verbilligung der eingeführten Lebensmittel— in der Hauptsache der zur Aufrechterhaltung der Grundratton erforder- lichen Waren— aufgewandt worden. Für etwa zwei Monate sind wir für die B r o t v e r s or g u n g der versorgungsberechtigten Be- völkerung auf die Auslandszufuhren angewiesen. Die für deren Verbilligung erforderlichen hohen Summen können hei der ungünstigen Finanzlage deS Reiches für den neuen ReichshauS- halt im bisherigen Umfange nicht bereit gestellt werden; jedoch werden durch einen demnächst einzubringenden Notetat mehrere Milliarden Mark für Fortführung der gesamten Verbilligungs- aktion angefordert werden. Da jedoch der Vollbetrag der AuS- gaben auf diesem Wege nicht gedeckt werden kann, wird«ruf Be- schluß deS ReichSrateS und des ö. Ausschusses der Nationalver- sammlung der MehlpreiS der Reichsgetreidestelle mit Wirkung vom Z. Mai von 192Markauf294Markfür einen Doppelzeur- ner heraufgesetzt. Der B r o t p r e i s muß infolgedessen leider erhöht werden. beispielsweise für Berlin von 2,65 auf 3,85 Mark. Der Umfang der auch bei diesen Preisen noch erheblichen Verbilligung läßt sich daraus ermessen, daß der Preis für 1 Kilogramm auS ausländischem Getreide ermahlenen Meh le s bei jetzigem Währungsstande nicht unter 7,75 Mark, der Preis für ein auS diesem Mehl hergestelltes 1999-Gramm-Brot nicht unter 12,29 Mark betragen könnte. Auch in Zukunft wird demnach der Reich»» zuschuß für da» Brot sehr erheblich sein.
Staötverorünetenversümmlung. Vertagung der Dringlichkeitsanträge der sozialdemokratischen Fraktionen.— Teuerungszulagen.— Ter Ausnahmezustand. Die Beratung der von den beiden sozialistischen Fraktionen gestern eingebrachten drei Dringlichkeitsanträge betr. 1. die Maifeier, 2. die sofortige Einstellung der Gehalts- und Lohn- Kahlungen an solche Angestellte und Arbeiter, die durch Schieds- spruch der paritätischen Koinrnifsionen entlassen oder zur Tis- Position gestellt sind, 3. die Einsetzung eines Ausschusses zur Unter- fuchung der Fälle der Beteiligung städtischer Beamten usw. am Kapp-Putsch wird für heute durch Koch verhindert, der namens der Bürgerlichen Bereinigung Einspruch erhebt. Tie Anträge kommen am nächsten Tonnerstag an erster Stelle zur Verhandlung. Angesichts heZ anhaltenden Fortschritts der Teuerung will der Magistrat den städtischen Arbeitnehmern für die Zeit nach dem 1. April zunächst provisorisch einen StundenlobnAuschlag von 63 Pf. srewähren, der für April sofort in boller Höhe ausgezahlt werden soll. Auf das Jahr bezogen bedeutet diese Anlage einen Mehraus- wand von 56 Millionen Mark. K l e i n a u(Dem.) und Koch(Bg. Vgg.) plädieren für AuS- schuhberatunH, da zwar weitere Verteuerungen stattgefunden hätten, aber auch, u.«. bei Stiefeln und Hülsenfrüchten. BerbMigungen eingetreten feien �(Gelächter), auch die allgemeine Finanzlage der Stvdt in Betracht zu ziehen sei. Weise(U. Sog.) hält es bei der Vorcingenommenbeit der Bürgerlichen gegen die Arbeiterschaft für aussichtslos, jene zu überzeugen, däss" die Notlage der letzteren gebieteristb alsbaldige Abhilfe verlangt Ausschmßberatung lei nur Zeitverlust. ?!ach einer Entgegnung von Koch tritt auch D i t t m e r(Soz.) diesem mit Entschiedenheit entgegen und lehnt ebenfalls den Ilm- weg über den Ausschuß ab. C a s s e I(Dem.) dagegen sieht � die Prüfung der Notwendigkeit der Meihrbcwilligung für unerläßlich an; die Prüfung durch den Magistrat allein, auf die Stadtrat Weise sich bezogen habe, genüge nicht. Die derzeitige Mehrheit vergewaltige mit der Ablehnung der Ausschußberatung die Per. tretung der Bürgerschaft. Der Antrag auf Ausschußbcratung wird gegen Demokraten und Bürgerliche Vereinigung abgelichnt. Abg. Cassel erklärt hieraus in großer Erregung, daß die Demokraten, nachdem jede Prüfung einer.so großen Fordsvung unmöglich gemacht sei, die Verantwortung dafür denen überlassen müßten, die diesen Zustand herbeigeführt hätten. Gleiche Erklärungen geben Koch und Dr. L a m m e r i ch(Z.) ab. Dr. Rosenfeld(U. Soz.) protestiert gegen die Art, wie die Minderheit das Verfahren der Mehrileit kritisiere; letztere lehne es ab, Belehrung von denen zu empfangen, dt? sich hier zu Unrecht als die Bertreter der gesamten Bürgerschaft aufspielen. Der Magistratsvorschlag gelangt hierauf Mr Annahme. Ein Antrag Wehl vom 16. April ersucht den Magistrat, schleunigst bei den Auständtgen Behörden auf sofortige Auf- Hebung des Ausnahmezustandes in Berlin hinzu- wirken. Der Antrag wird von Dr. R o f e n f e l d begründet. Die Per- hängumg des Ausnahmezustandes am 13. Januar durch die Re- gierung Bauer-Noske-Heine habe erst den Putseb vom 13. März und den vorübergehenden Sieg der Gegenrevolution ermöglicht. .Feder Tag des Fortbestandes vergrößere die Putsch-Gefahr im Inlande und verringere das deutsche Ansehen im Auslande.(Zu- ruf«: Hölz! Braß!) Selbst der Relchswehrmmister habe gestern zugegeben, daß der Ausnahmezustand die Wiederherstellung des Friedens in Deutschland verhindern. Pohl(Bg. Vgg.) ruft stürmische Protestkundgebungen der U. Soz. hervor, als«r davon spricht, daß den Linksradikalen auch Gesindel wie Solz und andere sich angeschlossen hätten, die sich nur die Taschen füllen wollten. Redner wendet sich dann gegen die vom Magistrat geduldet«„Nebenregierung", erklärt die Ablehnung des Antrags und spricht unier großer Heiterkeit der U. Soz. der Re- gierung sein volles Vertrauen aus. Frank(Soz.): Wir haben stets jede Beschränkung der Ver- sammlungs- und Preßfreiheit verworfen. Für unsere jetzige Hat- tirng ist maßgebend, daß neuerdings die Reaktion in Teutschland und Berlin am Werke ist, die Errungenschaften der Revolution zu be'fsittgen. Eine wirksame Bekämpfung dieser Machc-nscbasten ist unter der Herrschaft des Ausnahmezustandes nicht denkbar; wir werden daher den gestellten Antrag vttll unterstützen. Cassel: Roch vor kurzem haben die Mehrheitssozialisten einen gleichen Antrag der U. Soz. abgelehnt(Zurufe)—, die veränderten Verhältnisse scheinen mir in der jetzt einsetzenden Wahl- bewsgnlwg zu liegen. Den Ausnahmezustand in Berlin zu beseitigen, bleibe ein frommer Wunsch, solange die Putschgefahr von �rechts wi« von links fortdauere. Zu einem Mißtrauen Svotum für die demokratischen und sozialdemokratischen Minister hätten die Demo- krcrten keine Bvrawlossumg. Koblenzer(«oz.):: Die Zeiten haben sich geändert. Wir wollen die Klüfte, die leider in der Arbeiterschaft beftehen> wicht noch erweitern. Höften wir eine einheitliche Sozicrlfreniokrati« gehabt, nie hätte der Kapp-Putsch in Szene gesetzt werden können. ttefer den Belagerungszustand hat auch bei unseren Genossen zur Linken eine andere, dem Phrasentum mehr a bgswandte Auffassung Platz gegriffen. Wir setzen voraus,, daß die neue Kampffront sich sich auch gegen alle Auswüchse des Kampfes von rechts und von ltttks richten wird... Nach dem Schlußwort kommt es noch zu sehr heftigen Zu- sam meustößen zwischen Demokraten und U. Soz., als Gessel wäh- rend einer persönlichen Bemerkung von Adolf Hoffmann zu- gerufen wird: Wenn Kapp gesiegt hätte, wären Sie wieder Man- archist geworden! Dieser Zuruf löst Zurufe, wie Unverschämtheit! Frechheit! und dergleichen bei den Demokraten auS; Stadtv. Haus- ber'g erhält einen OrdnrrngSruf. Der Antrag Wehl wird angenommen. Die Forde- rung des Magistrats auf Nachbewilligung von Itzl Millionen Mark für Geslbästsbedürfnisse und Prozehkostcn wird von Dr. Wehl wegen ihrer gewaltigen Höhe beanstandet. Stadtrat Wege. Kämmerer Böß und Bürgermeister Dr. Reicke verterdigten die Vorlage, die schließlich einem Ausschuß überwiesen wird. Die Vorlage wegen Neufestsetzung der Besoldungsovdnungen geht an einen Ausschuß. Vom 1. Oktober 1919 ah sollen die Vikwriaschwestern der stadtt- schon Schwesternschaft pekuniär gleichgestellt werden. Frau Dr. Wevl befürwortet auch die Einbeziehung der alten Viktoria- schwestern in die städtische Pensionierung. Die Erhöhung der S ch n l g e l d s ä tz e an den Fach- und Fortbildungsschulen wird beschlossen. Die Erhöhung der Kur- und Verpflegungskosten in den Krankenanstalten auf das Doppelte, näm- lich auf 12 Mk., bekämpft Dr. Wehl, während Löwh(soz.) ein« Erhöhung auf 9 M. für einstweilen genügend erklärt. Dr. Wehl vermißt bei den Kämmerern durchaus das sozial« Ver- ständnis. (Die Verhandlung geht bei Schluß des Blattes weiter.) OewerMastsbewegung Der Generalstreik als„nnverschulöetes Unglück�. Die Gewerkschaflsbünde der Angestellten können ihren Aerger immer noch nicht verbergen, daß die Angestellten, entgegen der Parole der vlewerlschaftsbünde, in ihrer großen Mehrheit dem Rufe zum Generalstreik gefolgt sind. Der Gewerkschaflsbund der Angestellten bezeichnet in einem Rundschreiben, das er an seine Geschäftsstellen versendet, den Geucralstteit als ein unverschuldetes Unglück, Er meiitt, daß seine Mitglieder nicht freiwillig, sondern nur dem Zwange folgend, ge« streikt hätten. Das Rundschreiben selbst erscheint interessant genug, um es der breitesten Oeffentlichkeit zugängig zu machen. Berlin, den 27. März 1920. An unsere Geschäftsstellen und Betriebsvertrauensleute in Berlin. Bezahlung der Sireiktage vom 13. bis 17. März 1929. Nachdem der Generalstreik sein Ende gesunden hat, wird jetzt die Forderung aufgesiellr, den Arheitnebmern die Streiktage zu bezahlen. Unsire Stellunanabme hierzu ist folgende: Der G. d. A. hat als parteipolitisch iieuttals Organisation nicht zum Streik ansgerufen, sondern die Stellungnahme zu diesen Vorgängen seinen Mitgiedern als Staatsbürger je nach ihrer politischen Ueberzeugung freigestellt. Wir sind infolge- dessen nickt datu verpflichtet, Streikiinterstiiönngcn zn bezahlen, Die Streikteilnehmer müssen sich deSbalv, soweit sie nicht den Standpunkt einnehmen wollen, daß man für die Erfüllung staats- bürgerlicher Verpflichtungen keine Bezahlung fordern kann, an die Organisotionen und Stellen halten, die zum Slreik ausgeriisen haben.(Politische Parteien, freie Gewerkschaften, Arbeitsgemein- schaft freier Angestelltcnverbände, Deutscher Deamtenbund, Reichs- regierung,) Vereinzelt haben die politischen Parteien auch ihre Arbeit- geber aufgefordert, die Sireikmge freiwillig zu bezahlen. Unsere Mitglieder haben den Arbeitgebern gegenüber Anspruch auf Gehaltszahlung, und sie haben dies damit zu begründen, daß unser G. d, A, nicht zum Streik aufgefordert bat. Dieser politische Streik ist für sie ein unverschuldetes Unglück gewesen, durch das sie an der Leistung ihrer Dienste verhindert worden sind. Unsere Geschäftsstellen werden angewiesen, bei Streitfällen zwischen den Mitgliedern und einzelnen Arbeitgebern über die Bezahlung der Sireiktage im Sinne vorstehender Nichtlinten der- mittelnd einzugreifen und die gesetzlichen Rechte zu wahren, gegebenenfalls den SchlichtungSauSschuß anzurufen. lieber die Entschädigung der Arbeitnehmer für Strcik'chäden wird der G. d. A, mit der noch in Bildung begriffenen Reichs- regieruna verbandeln. GewerkichaftSblind der Angestellten. Der Bundesvorstand. gez. Beckmann. gez. Kothe. Nach diesem Rundschreiben scheinen die Herren vom GeWerk- schaftsbund sich nicht bewußt zu sein, daß bei einem Sieg der Kavp-Pulschisten alle Errungenschaften der Angestellten mit einem Schlage weggewischt gewesen wären und daß infolgedessen dieser Streik auch eine eminente wirtschafiliche Bedeutung batte. Bon einer gewissen Heuchelei zeugt die Tatsache, daß derselbe Herr Beckmann, der diesen Aufruf unterzeichnet, in der Nacht- sitzung im Staatsministerium erschienen war und nun auf einmal für seine Oraaniiation die achi Gelverkschaftsiorderungen unterschreiben wollte. Genosse Legien mutzte dem Herrn erst be« deuten, daß man mit„Gewerkichaftsführern" dieser Art keine ge- meinsanien Forderungen erhebt. Erst erklären sich die Herren neutral, wenn es aber ailt, die Ernte des Generalstreiks einnibringen, dann wollen sie mitmachen, und nachdem ihnen das nicht qeluiigen, er- klären sie den Generalstreik als ein„unverschuldetes Unglück". Das Verhalten dieser Auchgewerkichaften sollte allen kaufmännischen und Bureauangestellten erneut zeigen, daß ihr Platz nur im Zentral- verband der Angestellten ist » Bezugnehmend auk den Bericht deZ.Vorwärts" in Nr. 185 über die Äfa-Versammlungen erhalten wir vom Gewerkichaftsbund der Angestellten eine Berichtigung, wonach die Behauptung des BersammlungSrednerS, der G, D. Ä. hätte sich sofort auf die Seite der Kapv-Lültwitzer geschlagen, unwahr sc«, Wahr dagegen sei, baß der Gewerkschastsbund als parteipolitisch neutrale Organisation seine Mitglieder sofort aufgefordert habe, als Staatsbürger zu den Ereignissen Stellung zu nehmen und dem Rufe ihrer politischen Parteien zu folgen. Auch sei die Behauptung, daß der G. D. A. eine Organisation sei, die auf naiionai-reaktio- närer Grundlage beruhe, unwahr. Der G, D. A, erziehe seine Mit- glieder im Sinne einer freiheitlichen, sozialen und nationalen Staats- und' Wirtschaftsauffassung. Daß diese Berichtigung auf den unbefangenen Leser einen Ein- druck macht, durch den der G. D. A. in günstigerem Licht erscheint, kann wohl nicht gesagt werden. B««kbeamtenstreik in Königsberg. Wie der Allgemeine Verband der Bankbeamten mitteilt, hat die Angestclltenschafl der Königsberger Bankbetriebe heute morgen nach ergebnislosem Ablauf der den Bankleitungen zur Bewilligung der erhobenen Forderungeu gestellten Frist geschlossen die Arbeit niedergelegt. Der Kampf geht um die Durchsetzung der Reichstarifs chiedsspruchsätze, Ortsklasse I, mit einem Aufschlage von 29 Proz._ Achtung, Setriebsräte! Nach§ 89, Absatz 3 des BetricbsrätegesetzeS, der da lautet: .Ist die geltende Arbeitsordnung vor dem 1. Januar 1919 erlassen, so ist binnen drei Monaten nach Inkrafttreten dieses Gesetzes eine neue Arbeitsordnung zu erlassen", muß sofort mir der Erledigung der allen zumeist rückständigen Arbeitsordnungen begonnen werden. Das Gesetz ist am 9. Februar in Kraft gclre'.en, bis zum 9. Mai müssen die neuen Arbeits- Ordnungen in Kraft rrelen. In den§§ 75. 78, Ziffer 3 und Ktl des BetriebSrätegesetzeS wird dann noch weiter auf die Aendcrung der bestehenden Arbeitsordnungen Bezug genommen. Nacb Z 134d der Gewerbeordnimg braucht eine Arbeitsordnung nur Bestimmungen zu enthalten über das Maß der regelmäßigen täglichen Arbeitszeit, die für Arbeiter vorgesehenen Pausen, die Zeit und Art der Abrechnung der Lohnzahlung, sowie Bestimmungen über die Auflösung deS ArbeitSverbälmiffcs, Außerdem kann sie noch weitere, die Ordnung des Betriebes und das Verhalten der Arbeiter betreffende Vorschriften enthallen. Von diesen.Kann- Vorschriften" ist bisher der weitestgehende Gebrauck gemacht worden, aber gerade sie waren eS, die kür die Arbeitcrichaft so nachteilig waren. Wenn sie wegfallen, verlieren die Arbeiter wirklich nichts. AuS den jetzt geltenden geletzlichcn Bestimmungen geht vor allem hervor, daß die Arbeitsordnung sehr kurz sein tann. Unter allen Umständen sollen die Betriebsräte darauf sehen, daß die Strasbestimmungen aus den Arbeitsordnungen entfernt werden. Die.Bestrafung" de? Arbeiters bedeutet einen Rückfall in die Hörigkeit aller Zeiten. Es wird zweckmäßig sein, wenn die Betriebsräte zur einheit- lichen Durchführung dieser wichtigen Bestimmung sich mil den in Frage kommenden Gewerkschaften sofort in Verbindung setzen. Sekretariat der Betriebsräte, In den Zellen 23, Telef. Hansa 1425. Verschärfte Lage im Gastwirtsgewerbe. Die Möglichkeit, auf friedlichem Wege die vollständig unzu- länglichen Lohne den heutigen Zeitverhältnissen anzupassen, ist durch die brüske Ablehnung der Arbeitgeber-Organlsationen vollständig gescheitert. Mit allen Mitteln versuchen die Unterneh- mer die berechtigten Forderungen auf den Nimmermehrstag hin- auSzuschieben. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, alö suchten sie den Kampf zu erzwingen. Anders kann man ein Schrei- ben des Hotclbesitzervereins nicht auffassen, nach dem die Beauf- tragten der Gehilfenorganisation auch für weitere Verbandlungen nicht anerkannt werden. Auch die gastwirtschaftlichen Angestellten erbeben Anspruch auf Anerkennung ihrer Organisationen, denen sie die Vertretung ihrer wirtschaftlichen Forderungen übertragen haben. Vier große öffentliche Versammlungen, die Freitag nachts U'A Uhr im Cafs Stern, Cai« Corso, Lehrervereinshaus und Schaubühne, früher Hofjäger, stattfinden, werden zur jetzigen Si- tuation Stellung nehmen und entsprechende Beschlüsse fassen. Beitragserhöhung im Lederarbcitcrverbande. Durch Urabstimmung ist im Lederarbeiterverbande eine Er- höhung der Verbandsbeiträge vorgenommen worden. In der Bei- tragsstuie für die Frauen und Jugendlichen wurde der Beitrag von 69 Pf. auf 1 M. die Woche, in der Beitragssiufe 2 von 99 Ps. auf 1,79 M.. in 3 von 1,29 M, auf 2 M. erhöht. Als Gegenleistung für die Beitragserhöhung, die i» der Haupilache der Slärkung der Hauptkasie dienen soll, wurde die Streikunlcrstützung in der 1. Bei» tragsstufe für die Frauen und Jugendlicheii der Beitragserhöhung entsprechend erhöhr. In der 2. und 3. BcitragSstufe, für die er- wachienen männlichen Mitglieder, wurde die Streikunterslützung ver- doppelt. Der erhöhte Beitrag trat mit dem 1. April in Kraft Der Vergand zählte am Schlüsse des Jahres 1919 83 312 Mitglieder. Davon bernligten sich an der Urabstimmung 17 273 Mitglieder. Mit.Ja" stimmten 14 036, mit.Nein" 3981 Mitglieder, und 126 Stimmen waren ungültig. Annahme des Schiedsspruchs für die Damenkonfektion. In einer Mitgliederversammlung der Damenkonfektion in den Zentralfestsälen wurde der vom Schlichtnngsausichiiß gefällte Schiedsspruch e i n st i m m i g angenommen. Der Schieds- spruch siebt eine wöchentliche Zulage kür die erste Tarifklasse von 8,77 M„ für die zweite Klasse von 14.99 M. und für die dritte Klasse von 21 59 M, vor. Ferner wurde folgende Reioliition an- genommen:.Die am 15. April tagende Versammlung der Damen- konfektion des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen erklärt sich mit den Beschlüssen und Vorschläzen�der Konferenz vom 14. April einverstanden." Zur Lohnbewegung der Kutscher und Mitfahrer der Tampfwäschereien. In einer gut besuchten Versammlung nahmen die Kutscher und Mittahrer Stellung zu der Antwort der Arbeitgeber. Keyser gab Bericht über den Verlauf der Bewegung. Die Firmen Wagner. Müblenstraße, Kön ig städtische Dampfwaschan st alt und R. Gohlk'e. Wusterhausencr Straße, haben die Forderungen an- erkalinr. Mit anderen Firmen stehen wir in Verhandlungen. Nur der Arbeiigeberverband weigert sich, einen Tarifvertrag zu schließeir und will mit seinen Arbcileril die Lohnfrage persönlich erledigen. In der DiSkuision Wielen die Kutscher dieses Ansinnen der Arbeit» geber aukS entschiedenste zurück. Die Löhne für Erwachsene be- tragen zurzeit 119 bis 169 M. und die Zugeständnisse der Arbeil« geber würden nur so geringfügig sein, daß sie einem Trinkgeld gleichkämen. In Form einer Resolution wurde der Deutsche Transport« arbeilerverband erneut beaustragt, die Interessen der Kutscher und Mitfahrer zu vertreten. Sie selbst verpflichten sich, einig und ge- schlössen hinter diesen Forderungen zu stehen und sind bereit, die schärssten, ihnen zur Verfügung stehenden Mittel zur Erreichung gesunder Lohn- und ArbeitSverbäliilisse in Anivendung zu bringen. Die Forderungen sind: Lohn wöchentlich 259 M. für Kutscher und Mitfahrer, Jugendliche bis 16 Jahren 99 M.. Jugendliche von 17 bis 18 Jahren 129 M. wöchentlich. Gewährung eines Sommer- Urlaubs. Achtung, Tiefbauarbeiter! Die Veftammlung findet heute, Freitag, statt, Leachlet die Verlamniiungsanzeige in der deutigen Morgenausgabe, Achtung, Friieurgehilfen! Für die arn Sonntag geschlossen haltenden MelchästSbettiebc findet am Sonntag, den 18. April in folgenden Lokolen Kontrollversammlung statt, Zentrum: Elilabethslr. 39: Friedrich st adt: Georgcnstt, 2i; Potsdamer Viertel: Liiikitr. 14; B a y r. B i c r t e l: Marlin-Lulber-Str, 78. Er- scheinen unbedingt notwendig; Mitgliedsbuch mitbringen! Für die am Sonntag arbeitenden Mitglieder findet am Montag, den 19, April, vormittags'9V, Uhr, Zuiammenkunit in Nieder- schönhausen, Strauchwi'cse, itatl. Konttolle der Mitgliedsbücher von 19 bis Ii Uhr; nachdem Unterhaltung. Zeutralverband der Angestellten. Fachgruppe II(Hilfsangestellte der Grotz-Berliner Gemeinden). Mitgliederversammlung am Freilag. den 16, April, abend« fl-l Uhr,.Sophiensäle", Sophienitr, 17/18.' Tages, ordnung: Der Zentralverband und seine Gegner,— Fachgruppe 12(An- geflcllle des Baugewerbes), Oeffcnlliche Versammlung am Freitag, den 16. Avril, abends 7 Uhr, im Krieger» ereinshauS, Chansscestr. 94. Bericht über Tarifverhandlungen,— Versammlungen am Sonnadend, den 17, April: Fachgruppe 17(Seiiion Hotel-, Casb- und Rcüaurationsangeslellte), Abends '1,8 Uhr in den Zelten 4(Löwenbrauerci-Llisichank): Wichtige Sektions- Versammlung. Tarisbcsprcchung.— Fachgruppe 18(Sektion der Privat- handeiSlchrer)- Abends'/j8 Uhr im Restaurant Rathmann, Wilhelmstr. HS. Partemachrichten. Munition für de» Wehlkampf. In seiner letzten Sitzung legte der Bezirksvorstand für Franken die Erhebung eines Exlrabeurages von erner Marl monatlich für die nächsten drei Monate fest. Außerdem sollen noch zur Bestreilung der Wahllosten Sammellisten in Umlauf gesetzt werden.— Die vier sächsischen Bezirksvorstände haben in einer gemeinschaftlichen Sitzung ebenfalls die Erhebung eines monatlichen Exirabcitiagcs von 1 M. sür drei Monate beschlosien.— Im Bezirk Magdeburg- Anhalt wurden die ordentlichen Mltglicdsbeilräge für Männer auf 39 Pf,, sür Frauen auf 25 Pf. die Woche erHöhr. Der Wahlfonds soll durch vier Monatsbeiträge a 1 M. und der Prcssefonds durch einen einmaligen Beitrag von 2 M. gestärkt werden. Verantlv. für den redaktion. Teil: Artnr gickler, Tharlolienburg: für Anzeigen: Th, Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts-Beriag®. in. b. S>., Berlin. Druck: Vor. wärts-Buchdruckerei u. Beriagsanüait Paul Singer u. Co. Berlin. Lindenstr. 3. Hierzu 1'Beilage jtCKntf Von heilwirkendem Einfiuss bei Gicht, Rheumatismus, Diabetes, Nieren-, Blasen- und Harnleiden, Sodbrennen usw.:::: Brunnenschriften durch das Fachinger Zentralbureau, Berlin W. 66, Wilhelmstrasse 55. «tCBISti