Ztr.Z93.37.Ia!srs. Bezugspreis: D?rtel!!hr>.2l.— Mt.monatl.7,— Mt. frei ins Vau«, oorans zahlbar. Posi- besug Monatlich 7,— Jüt, fttl. Zu- l:ellungsgeoll!>r. Untor Kreuzband Mr Demschland und Jesterrelch- Ungarn IYL' Mt« für das übrige Ausland >45D Nt« bei tag lich eminal. Zustellung 1250 Mt. PostZeüellungen nehmen an Säneraart öoüand. uuremburg, Schweden und die Schweiz. Sin- gerragen in die Vaü- Zeitung?- Preisliüe. Der»Borwärts� mit der Sonntags- deilage.Boll u-Beif ericheint wochentaglich zweimal. Sonntag» einmal. Telegramm-Adresse «Soziolörmokrat LsrlUr-. Abend-Ansaabo ß-S f BcHiuce Dolksblntt ( 20 Pfennig) Anzrigcupt eis: 9'e ml'tgeipaltene Nonoa.eillezeile toftel 2.50 ZI!., Teuerungszuschlag 50°/» «Uleias Zlnzeizzea", Das iett- gedruckte Wort 75 Pfg. lzuliisstq zwei iettgedrnckte Worte I, fede» weitere Wort 50 Vjg. Stellengesuche und Echlafftellenanzeigen das erste Bort 65 Pfg« jedes wettere Wort 10 Pjg. Worte über 15 Buchstaben Zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 30%. Familien- Anzeigen, oolüische und gewerkschaftliche Bereino- Anzeigen 2—«t. die Zelle ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer. müssen bis S Ahr nachmittag» un Hauritgeschäft, Berlin SW 68, Sliiben- ftraße 8, abgegeben werden. Seöffnet oon 9 Uhr srüh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Dcutfchlanda Redaktion und Expedition: SW. 68, Linöenstr. Z. »erniv recher: Amt Morivplau. Nr. teil UV— tZl 37. Freitag, den 1<5. April 19?20. vorwärts-verlag G. m. b. H., SW. 68, Linüenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritiplan, Nr. 1 17 53—54. \ verfthwörersihung im Reichswehrministerium. Aus dem Reichswehrmini st erium wird mit- geteilt: Tem ReichSwehrministerium war gestern eine Nachricht zugegangen, wonach' zwischen in der Meldung per- sönlich genannten Lffiziercn, die dem Reichswehr- gruvpcnkommando I angehören, eine Besprechung in den Räumen des Rcichswehrministcriums stattfinden sollte. Diese Zusammenkunft hat auch tatsächlich stattge- fuuden.» Im Dienstzimmer des Hauptmanns v. B i e b a h n der- sammelten sich um 8 Uhr der Hauptmann v. L i e b a h n. Hauptmann v. B o h n st e d t, Kapitänleutnant A l t v a t c r (ein bekannter ll-Boot-Kommandant), Leutnant v. V i e» bahn, der kürzlich ans englischer Gefangenschaft zurückge- kehrte Zivilingenicnr Meyer und die Herren Bertram und K a h l e r t. Herr Bertram ist der Gründer des Vereins der Frontsoldaten, während sich K a h l c r t als Uhrmacher aus Grosi-Lichtersclde vorstellte. Tie Sitzung hatte begonnen, und es wurde in die Ver- Handlung bereits eingetreten, als auf Veranlassung des ReichswchrministerS die Sitzung ausgehoben wurde. Während der Nacht hat der Reichswehrministcr Dr. Gehler selbst die Teilnehmer an der Besprechung verhört. Sämtliche Anwesenden in der Versammlung, mit Äusnahme des Haupt- mauns v. B o h n st e d t, der im dienstlichen Auftrage an der Besprechung teilnahm, sind bis zur weiteren Klärung der An- gelcgenhcit fe st genommen und dem P o I i z e i p r ä° tidinm zugeführt worden. Heute vormittag ist in den Vernehmungen fortge- fahren worden. Es soll in erster Linie jetzt festgestellt wer- den, w»r neben den Teilnehmern an der gestrigen Besprechung an dieser Angelegenheit beteiligt ist, außerdem soll der Tat- bestand der gestrigen Versammlung festgelegt und die Untersuchung über die A b s i ch-t e u des Komplotts durchze- führt werden. » Diese Mitteilung, die kaum glaubliche Tatsachen ent- hüllt, beipeist die Dringlichkeit, mit der endlich mit diesen„Rechtsbolschowlsten" aufgerärumt werden muß. Sie zeigt, daß die Ableugnungsversuch« der natio- nalistischen Presse von einem bevorstehenden Putsch nichts anderes als Lüge und Heuchelei waren, die dem Zwecke dienten, die maßgebenden Stellen über die unmittelbar drohende Gefahr h i n w e g z u- täuschen und ihre Wachsamkeit einzuschläfern. Endlich wird es hoffentlich den zuständigen Mellen klar werden, daß diese Verschwörernester mit eisernem Besen aus- gekehrt werden müssen. Hoffentlich erleben wir nicht seitens der diesesmal gefaßten Offiziere das gleiche Schau- spiel wie bei den Marineoffizieren in Wilhelms- Häven und Eurhaven, daß bei Anrufung des Reichs- Militärgerichts der Schutz Haftbefehl so schnell wie möglich wieder aufgehoben wird. Es ist Zeit, daß die Republik sich— wenn es nicht anders geht, dann mit Gewalt— die Achtung erzwingt, obue die sie unrett- bar einem jeden Verbrecher preisgegeben ist. De? Rechtsruck des Zentrums. Köln, IS. April. Wie der Korrespondent der„Frank- furter Zeitung" berichtet, erlügt ein vorläufiger B o r st a» d einen Aufruf an die Gesinnungsgenossen zur Bildung eines RechtS- blockes de» Christlichen Volkspartei(Zentrum). In dem Auf- ruf wird gesagt, man könne nicht länger ruhig zusehen, wie im Zentrum eine LinkSregiernng zur Herrs�ft gelange, die eine Um Orientierung im Sinne liberal-sozialisti- scher Tendenzen bedeute. Die verhängnisvolle Pvli- tik, die im Zentrum unter der Führung Erzbcrgers im �lohre 1917 begonnen und in der innere« Politik zum Bündnis mit der Sozialdemokratie geführt habe, sei tief bedauerlich. Heute stehe man vor einer Kette von Enttäuschungen. ES stehe alles auf dem Spiel. Der Aufruf verlangt als Richtlinien einer chr-istlichr« Poll tik neben einer Anzahl kultureller, wirtschaftlicher und politischer Forderungen die Ablehnung eines deutsche« Einheitsstaates, der. rücksichtslos alle gefep- gebende und anordnende Gewalt zentralisiere. ES sei zu fordern volle Selbständigkeit der einzelnen gleichberechtigten Gliedstaaten. Ter Aufruf ist nicht nur ein Beweis dafür,� daß im Zen- trum seit Erzbergers Verschwinden die reaktionäre Strömung Oberwasser zu gewinnen sucht, sondern er zeugt auch von einen:. mangelnden Verständnis für gegebene Tatsachen und Notwendigkeiten. Der rechte Flügel des Zentrums ist im Iprtum, wenn er annimmt, als erblicke die Sozialdemokratie in der Koalition ein Ideal, an dem unter allen Umstän- den festgehalten werden müsse. Wenn sie trotzdem seit nun- mehr IVs Jahren an dieser Koalitipnsvolitik teilnimmt, deren Träger und Füh'rer siehst, so geschieht dies im Interesse des deutschen Volkes und der Erhaltung der Demokratie, an der doch auch dem Zentrum einiges gelegen fein sollte. Mag man auch diesem Aufruf sowie dem Verstoß' des Zen- trumsabgeordneten T r i'm b a n, der durch seine Rede in der Nationalversammlung wohl den Austakt hierzit gab, keine besondere Bedeutung beimessen, so sind doch dcmrtige Ausführungen nur geeignet, das ohnehin nicht leichte Zusam» menarheiten ohne irgend welchen Nutzen außerordentlich zu er- schweren.__ Ein Wahlblock öer Zestbefolüeten. München, 16. April. Nach dor„München-AugSburger Abend- zeitnng" ist hei den bevorstehenden bayerischen LandtagSwah- l e n mit einem großen sestgeschlossenen Block der Festbesoldeten zu recknen in Stärke von 686 666 Mitgliedern, der verhindern soll, daß die Interessen seiner Kreiie im Landtag nur von reinen Partcivertretungen wahrgenommen werden. anstalte«. ES nehme« �«nächst nur die Vertrauensmänner»nd Funktionäre der Organisationen teil,«eben de« Arbeiter, vnd An- gestelltenorganisationen die Post-, Eisenbahn- und Konrmunalbeam- tra sowie die übrige« Behörden. Der polnrsche Zentralverband sagte die Beteilignng zu. Die Teilnahme der polnischen Berufsvereinigung steht noch nicht fest. Demonstrationen in Gberschlesten. Protest gegen die Ententckommission. Benthe« 15. April. Der„Obcrschlcsischr Wanderer" meldet: vnkcr dem Dnick ihrer Anhängerschaft sahen sich die OrganisationS- leitUKge« der Arbeiter und Angestellten aller Richtungen genötigt, für'Sonntag in allen größeren Städten Oberfchlesiens große ge- meinsame Protefikuudgebungcn gegen die Anordnungen der Interalliierten Kommission zu ver, Lebensmittel aus Rollanö für Deutschlanö. Erfolgreiche Intervention. Seit zirka acht Wochen streiken in Rotterdam und Amsterdam die Hafenarbeiter und Seeleute wegen Löhiiforderungen. Die holländische« Rheder und Kaufleute haben in den letzten Jahren märchenhakte Gewinne gemacht. Zugestandenermaßen gebt es ihnen bei diesem Kampf deshalb auch gar nicht um die Abwehr der Lohnforderungen, sondern um die Vernichtung der Or« g a n i s a t i o n. Infolge des Streiks blieben in den holländischen Häfen für Deiztschland gekaufte Lebensmitte im Werte von zirka einer Milliarde Mgrk liegen, die wir aber immer, nötiger zur Sicherung unserer Volksernährung brauchen. In der ersten Streitzeit unternommene Versuche, die Streikenden zur aus- nahmSweifen Beförderung der für Deutschland bestimmten Lebens- mittel zn veranlassen, waren ergebnislos, und noch vor kurzem wurde die Beförderung von Lebensmitteln für Wien abgelehnt. Am Streik beteiligt sind zu etwa gleichen Teilen der gewerkfchaft» liche.Zentrale Bund" und die syndikalistische.Federation", die den deutschen Kommunisten nahesteht. Besonders die letztere verhielt sich strikt ablehnend, da sie dadurch die Abschwächung des Streiks befürchtete. Führende Mitglieder der holländischen sozialistischen Parter, die sich seit einiger Zeit erneut um die Freigabe der deutschen Lebensmittel bemühten, ersuchten das WirtschaftSministerium um Entsendung einer Kommission au? Vertretern der Gewerkschaften und der beiden sozialistischen Parteien, da dann Aussicht auf Er- folg der Verhandlungen bestände. Diese' Kommission, be- stehend aus dem zweiten Vorsitzenden des deutschen Transporte arbeiterverbandeS, Genossen Döring, dem sozialdemokratischen Abge« ordneten Franz Krüger und dem unabhängigen Abgeordneten Koenen, verhandelte vom 7. bis 13. April mit den Organisationen der Streikenden in Holland. Dank der Unterstützung durch holländische Partei« und Gewerkschaftsführer waren die ver- Handlunge« erfolgreich. Es wurde ein Abkommen ge« schlössen, wonach dl« beiden streikführenden Organisationen die zum Verladen usw. der deutschen Lebensmittel notwendigen Arbeitskräfte zur Verfügung stellen, denen der geforderte Lohnsatz von 8 Gulden gezahlt wird. Dieses Entgegenkommen der Streikenden wurde auch auf die Lebensmittel für Deutschösterreich ausgedehnt. Mit dem LebenSmitteltranSport sollte sofort am 14. April begomren werden. Die Konferenz von San Nemo. Paris, 16. April.(TU.) Die Konferenz in San Rems wird sich außer mit den deutschen und türkischen Fragen auch mit der Wiederaufnahme des Handels mit Rußland und der Anerkennung der Räteregierung heschäftigey. Man erwartet, daß Nitti darauf dringen wird, daß«S diesmal zu eud- gültige» Beschlüssen kommt, MusSehnung öer kranken- vsrsicherungspflicht. Von Hermann Molkenbuhr. Di« kleine Verordnung, die der Wirtschaftsausschuß der Nationalversammlung über die Aenderung der Krankenversicherung beschloß, hat eine Aufregung hervorgerufen, die nur daraus erklärt werden kann, daß die Leute, die sich darüber in Aufregung reden oder schreiben, keine Ahnung davon haben, was in dieser Verordnung steht. In einer Versammlung der Berliner Aerzt« behauptete Dr. Ritter, daß durch diese Verordnung mehr als Neun Zehntel der Bevölkerung der freien ärztlichen Praxis ent- zogen werden. Die Zuhörer in dieser stark besuchten Aerzte- Versammlung haben es offenbar geglaubt, denn eS wird be- richtet, daß sie in große Aufregung gekommen sind, aber kein anwesender Arzt hat widersprochen. Herr Dr. Ritter und seine ZuHöver, und auch wohl die meisten Zeitungs- schreiber, die sich der Entrüstung angeschlossen haben, stnd offenbar in dem Irrtum befangen, daß in der Verordnung steht: alle Deittschen mit'einem Einkommen von unter 20 000 Mark sollen gegen Krankheit versichert werden. Derartiges trifft aber nicht zu. Die Verordnung ändert nur einige Bestimmungen der ReichSversichcrungSordnung und in diesem Gesetz in§ 168 ist der KreiS von Personen genannt, die gegen Krankheit versichert sein sollen. In§ lOki der R.B.O. werden in Ziffer 1 die Arbeiter, Gehilfen und Lehrlinge ohne Aus- nähme für versicherungspflichtig erklärt, dann in Ziffer 2—5 die Techniker, Werkmeister, Angestellten, Gehilfen in Apo- theken, Lehrer, Musiker, Schauspieler usw., nämlich in der Hauptsache der Personenkreis, der in der Angestelltenver- sicherung versichert ist. Diese in Ziffer 2—5 genannten Prtsonen sind jedoch nur dann der Krankendersicheruny?pslicht unterworfen» wenn sie ein Jahreseinkommen von unter 2500 M. haben. Sie konnten sich jedoch s e l b st v e r s i ch c r n, wenn sie mehr als 2500 M. Jahveseinkommen, jedoch nicht über 4000 M. hatten. Vor dem Kriege tvaren fast alle diese Personen gegen Krankheit versichert, denn nach der Statistis der Angestellten- Versicherung hatten 88,9 Proz. der Angestellten ein Jahveseinkommen von unter 2500 M., 14,3 Proz. ein Emkommen von 2500 M. bis 4000 M. und nur IL Proz. stelen ganz aus der Krankenversicherung aus. Das änderte sich aber, als wähvend des Krieges die Geldentwerturrg eintrat und zum Teil durch Gehaltserhöhung, ausgeglichen wurde. Nun überschritt der größte Teil die.L500-Morkgrenze, die Jahresge- hälter stiegen über 4000 M., so daß der größte Teil der in ? 185 Ziffer 2— 5 genannten Personen ans der Krankenversicherung ausschied, ohne daß ihre soziale Lage sich verbessert hatte. Hiergegen schritten am 22. November 1918 die Volks- bevustragten«in, indem sie für diese Personen, die ein � Jahreseinkommen von unter 5000 M. hatten, die Verstcho- rungspfsicht festsetzten und die Grenze für die Versicherungs- bercchtigung ganz beseitigten. Da nun seit 1918 die Geldentwertung weitere Fortschritt« gemacht hat, so sind die Personen, die früher versichert waren, dann auSschirden, weil ihr Gehalt 2500 M. überstieg, darauf wieder versichert wurden, nun aber wieder ausschieden, weil ihr Gehalt nun auch über 5000 M. stieg, gezwungen, sich selbst z» versichern. Der weitaus größte Teil wird sich selbst versichert haben. Es ist also mir eine Beitragsfrage, ob der lluiernehmer einen Tcu des BeiiragS zahlen soll oder nicht. Wie wett man aber von neun Zehntes der Bevölkerung, von der Dr. Ritter«nd seine Nachbeter sprechen, entfernt ist. kann man aus den Zahlen von 1918 ersehen. 1918 hatte das Deutsche Reich 08978 000 Einwohner. Von diesen waren 42 531 000 Über 16 Jahre alt. In Kvankew und Knapp- schastskaffen waren 14 449 350, also 34,1 Proz. über 16 Jahre alte Personen gegen Krankheit versichert. Wenn mm da- durch, daß die Werkmeister, Techniker usw. mit einem Jahres- gehalt von 5000—20 000 M. mit versichert� werden, die Zahl der versicherten ans über nenn Zehniel d-sr Bevölkerung steigen soll, dann muß man schon annehmen, daß mehr als dir Hälfw der Einwohner de» Deutschen Reich» Techniker, Werkmeister. Angestellt« usw. find. Do«»ocrden aber all die Entrüsteten nicht glauben. Wenn noch zwei Jahren die Kra n ken kassenstati sti k veröffentlicht wirb, dann wird sich zeigen, daß fich dieZahl der Versicherten durch diese Verordnung gar nicht geändert hat, sondern die ganze Aende- rung ist eine interne K a sse n a n ge leg en h e i t. Ein erheblicher Teil freiwillig Versicherter ist der Verstchenmgs- Pflicht unterworfen und die Schwankungen, daß die Unternehmer für dieselben Personen bald 5k it ragSteile zahlen und bald nicht, sind beseitigt. Die erhebliche Bedeutung der Verordnung flegt in dem ersten Teil, wonach' Uebcr die ersten Sturmzeichen der Revolution im Frühjahr 18 schreibt der gleiche Offizier: „Ganze Transporte weigerten sich, von Osten nach Westen zu gehen und meuterten. Auf einem Bahnhof wurde geschossen,.und eö stellte sich heraus, daß die Offiziere dieses bestimmten Truppentransports bis auf eine'n beurlaubt waren. Ein alter Ersatzmajor eilte herbei, geriet, ganz gegen scinc Absicht, in das Feuer der Meuterer und entfloh mit den Wor. ' ten: Das sei der schwerste Tag seines Lebens." lieber den Ausbruch der Revolution und die Tätig- keit der S o l da t e n r ä t e schreibt der General folgendes: „Die Führer, die stolzen, allmächtigen Herrscher, flohen entsetzt. In einer kleinen Stadt stiegen zwei Martosen aus dem Zuge, gingen zur Kaserne, alarmierten das Larrdsturmbattaillon, setzten«.ssen Osfizievc vor versammelten Kriegsvolk ab— der Kommandeur floh in Zivil mit einem Handköfferchen— und ernannten einen Söldatenvat.— Gott fei Dank schafften die Soldatenräte an den meisten Stelle» zunächst notdürftig Ordnung, bis ganz««mählich die alten Machthaber hervorgekrochen kamen, Die Reaktion. Von David Haek.- Der Wagen war aus einer Austern schäle' gebildet. Zwölf Krebse waren vorgespannt, Nachteulen und Flattermäuse um- schwirrten ihn als Ehrengarde. So zog die Reaktion am hellen Tag in der Welt umher. Sie hatte in der Schale genügend Raum, denn so groß sie auch scheint, so gering ist sie auch. - Uebermütig rief sie jetzt laut aus mit krächgender Stimme: „Wer ist an Macht mir gleich? Wer kann mit mir an Kraft sich messen? Ich verdunkle den Tag, ich beschatte die Nacht, ich unterjoche die Völker, ich umspanne den Erdball mit ehernen Fesseln! Wer kann mir widerstclhen? Wer kann mich hemmen? Und wer bringt meine Gewalt zmn Weichen?" „I— i— i— ch!" schrillte da von einer nahen Fabrik die Dampf- pfeife.. Die„Freie Volksbühne" hatte am Donnerstag ibre Mitglieder zu einer außerordentlichen Generalversammlung ins Geiverkschafts- Haus geladen. Als wichtigster Punkt stand die Frage der V er- schipelzung der beiden Fre-en Volksbühnen auf der Tages- Ordnung. Der Generälsekretär des Verbandes der„Freien Volks- bühne", Dr. N e st r i e p t e, sprach zunächst über das Thema:„Neue Wege und Ziele der Volksbübnenbeweming." Er stellte das Wesen der VolkSbühnen-Verein« dar, behandelte einige Einwände, die in letzter Z-it gegen das Organisationsprinzip der Volksbühnen und gegen den Charakter der von ihsten ge- botenen Vorstellungen erhoben worden waren, und sprach dann über die Aussichten där weiteren Entwicklung der Volks- bühnenbewognng. Besonders gina er ein auf die beabsichtigte� Ver- schmelzung der beiden Berliner Vereine, der„Freien Volksbühne" und der„Neuen Freien Volksbühne". Er gab ein Bild der Ver- Handlungen und der erzielten Vereinbarungen und empfahl drin- gend die Annahme eines von der Verwaltung und der Ordnerschaft eingebrachten Antrage? folgenden Wortlauts: „Nachdem die„Neue Freie Volksbühne E. V." für die Satzungen gemäß den Vereinbarungen mit der. Verwaltung der„Freien Volks- bühne" geändert und den Namen„V o'l k S b ü h n e E. V." anae- nommen hat, beschließt die Generalversammlung der„Freien Volks- bühne", ihre Organisation mit dieser zu vereinigen und zu diesem Zweck mit Ablauf der Spielzeit den Verein aufzulösen. Der sodann notwendige Umtausch der Mitgliedskarten zur„Volksbühne S. V." erfolgt in der bisherigen Werse." Die Versammlung stimmt« diesem Antrage ohne jede Diskussion zu. Der Beschluß gab dem Vorsitzenden der„Freien Volksbühne. Kürt Baak«, Anlaß zu einem Rückblick auf die Geschichte des Vereins und zu einer Würdigung seiner Bedeutung. ,Ein Bild jahrzehntelanger ernster Kulturarbeit trat vor die Augen. Nun hat die Entwicklung zu einem Abschluß gedrängt, der eine neue Stufe des Aufsteigens bedeutet. Die wrrm und geistvoll gegebenen AuS- führumgen wurden«m laute» BoiftlB der versamMst,»« begrüßt. zuerst in Zivil, dann auch wieder fin Uniform. Die Revo- lution war die Offensive deZ entkräftete« und zur Bwzweiflung gebrachten Volkes gegen das unheilvoll persönliche Regiment Wil- Helms II. und die damit verbundene Korrupfion.' 1 Wenn daher der Frontsoldat vom Dolchstoß der He i m a t in den Rücken der Armee spricht,> so tut er das im guten Glauben: er weiß nicht, daß die Heimarmee und die H ei mal üb erhau p t durch Schwäche, Eigennutz und Unfähigkeit der leitenden Stellen längst hinterrücks erdolcht worden waren." Em SchutzregimKnt mit ßlamenwsrfern. Von diMominen zuverlässiger Seite geht unS folgende Mit- teibu ng zu: Ein„Schuhrsgiment Berlin" stellt auch jetzt nach dem Putsch Zeitfreiwillige ein, und zwar in bewußtem Gegensatz zu den Einwohnerwehren nur gediente Leute. Das Regimen: scheint sich au f alle Eventualitäten vorzubereiten, denn es wer» den dort junge Studenten auch als Flammenwerfer singe- stellt. Es bestobt Grund zu der Annahme, daß die Technische Hochschule nähere Auskunst über diese Dinge zu geben in der Lage ist. Merkwürdigerweise haben die K a p p f e r i e n an dieser Hochschule, die auf Veranlassung desStudentenausschusses anberaumt wurden, bis zum 8. April gedauert. Sollte vielleicht die Zwischenzeit zuweiterenRüftungen ausgenützt werden? � Es scheint, als wenn auch hier wieder Studenten sich zu Trägern der Reaktion machten. WachsamMt der Regierung diesen Bestrebungen gegenüber ist dringend geboten. Die in unserer Donnerstag-Morgenausgabe erwähnte tnpste- .rillse Werbestelle im Bahnhof Zoo ist auf Veranlassung des Staatskommissars für öffentliche Ordnung heute aufge- hoben worden. DerReichswehrmmifter über das Seruf�heer � Heute erschien beim ReichswirtfchaftSverband Deutscher ehemaliger und derzeitiger Berus-s- soldaten der Reichswehrminister. Der Verbandsvorsitzende Franke hob in der Begrüßung die Ziele des Verbandes hervor: die Erziehung der Mitglieder zur Wirtschaft sichm Selbsthilfe und zu denkenden Menschen. Reichswehrmini st er" Dr. Geßler er- gxiff das Wort zu folgenden Ausführungen: Deutschland kämpft um sein Leben. Unser wirtschaftliches Leben ist nur glänzendes Elend. Die wirtschaftliche Unsicherbeit ist der tiefste Grund der Erschütte- runaen unseres Volkes. Wirtschaftliche Sorgen drücken auch die Reichswehr. Der Friedensvertrag macht die Reichswehr zu einem Berufsheer, während wir bisher auf unser Volksheer stolz waren. Aber die Geschichte des BeamtenberufcS lehrt, daß es im Wesen eines öffentlichen Berufes liegt, in der treuen Hin- gebung an die Gesamtheit seine Ehre zu finde». Bei guten Beziehungen zwischen Heer und Volk wird ein tüchtige? Berussheer doch etwa? anderes, als ein Söldnerheer. Die Reichs- wehr ist wie jeder Stand ein Teil des Volkes mit allen Rechten und Pflichten und ich beanspruche für die Reichs- wehr die Rechte wie für joden anderen Stand.(Zustimmung.) Wirt- schaftliche Selbsthilfe ist für Sie notwendig. Reich, Staat und Gemeinde werden nach Wiederkehr geordneter Finanzwirt- Wirtschaft alle berechtigten Ansprüche erfüllen. Aber die heutige Wirtschaft entwettet. unser Geld immer mehr. Da haben alle Streiks keinen Wert und der Handelsverkehr mit dem Auslande wird unmöglich. Auch staatsbürgerliche Erziehung ist unentbehrlich. Den Grundfragen des öffentlichen Lebens darf der einzelne nicht teilnahmlos gegenüberstehen. Die Reichswehr soll ein lebendig« Organismus i'ein, in dem es Aufstieg von unten bis oben geben muß. Keine Herabdrückung der Leistungen aber dem T ü ch- tigen freiBahnl(Zustimmting.) Ueber das Wahlrecht entscheidet die Nationalversammlung. Kernfrage ist die Tagespolitik in der Reichswehr. Beklagen würde ich«s, wenn es apch bei der Reichswehr zu politischer Zerrissenheit käme. Wir sollte sie dann ihre Ausgabe erfüllen. Es kann nur Freiheit der politischen Betätigung geben(lebhafte Zustimmung), nicht Zwang zu einer be. sfimmten Politik.-Echte Kameradschaftlichkeit würde dadurch un° möglich.(Zustimmung.) Wenn Sie nicht in der Stunde der Gefahr wissen, daß Sie sich aufeiniander verlassen können, dann müßte die Reichswehr das wesentlichste entbehren, was wir aus der alten Zeit herübergenommen haben. Vieles, aber nicht alles war schlecht am Dann berichtete der langjährige Geschäftssührcr des Vereins, Gustav Winckler, noch über das Vermögen des Vereins, das durch die Verschmelzung auf die„Volksbühne E. V," übergehe. AuS den Kreisen der Mitglieder wurden verschiedene bemerkenswerte Wünsche in bezug auf den Spielplan und die Einrichtung von Iugendabteilungen geäußert. Damit schloß die harmonisch verlaufene Versammlung. Karl Hauptmann, der ältere Bruder GerhartS, ist in Schreiber- hau von einem SHläganfall betroffen worden. Nach dem Urteil der Arzte wird er auf lange Zeit feinem Dichterfchaffen ent- rissen fein. Eine' Konferenz über den Schutz von Kunstwerken und Kunst- benkmälcrn, oie ucher Teilnahme des ReichSkunstwartS Dr. RedSloh in Stuttgart getagt hat, betraf hie schtpere Gefahr der Verschleuderung von kirchlichem Kunst gut ans Ausland. Man erzielte Uebereinsfimmuna darüber, daß eine Verordnung erlassen werden soll, die den Kit rstbe sitz der Körperschaften, Anstalten und Sfiftungen schützt, besonders gegen diese Gefahr. Friedrich Kayßler la? Mittwoch im Blüthnersaal eine reiche Fülle lyrischer Dichtungen Eonrad Ferdinand Meyers. Diese Wahl ist an sich willkommen und sie deutet auch auf die geistige Persönlichkeit des Vortragendem. Aber harmoniert sse auch mit seiner Vortragskunst? Als ein kunstvoll gemeißelter Markstein er- hebt der Schweizer Dichter, der Zeitgenosse de? so anders, Volks- bürgerlich gearteten Gottfried Keller, sich am Abschluß der Epoche klassischer deutscher Dichtung, deren Formwille mit ihm zum letzten. mal eine vMcndete Blüte künstlerischen Bildens erlebte. Durch- geistigte Plastik ist das Wesen der Lyrik MeherS. Das bob sie ab von der Dichtung, die. von den zwanzig Jahren vor dem Kriege als Ausdruck ihre? neuen Generation getragen wurde, g«b ihr einen Sonderplatz in der Welt, deren Kunstaenießen, von SfimmungS- sehnsuch: gedrängt, auf ursprüngliches Fühlen gerichtet war. Kayßler wurzelt in dieser' Generation als Geist von ihrem Geist. Blut von ihrem Blut, im sittlichen Ziel wie in der künstlerischen Farbe, und nun war der Einirnick deS gestrigen Abends alles in allem der, paß die AuSdruckSmittel einer auf Sfimmungsgetoalt beruhenden Kunst für das Wesentlichste der Dickstung MeverS nicht ausreichen. Kein Zweifel, der Künstler füblt sich dem geistigen Kern deS Dichters nahe(in Augenblicken prägte sich die Uebereinstimmung unverkennbar in der Bewegung seiner Mienen aus). Aber um jenes Wesentlich?, das Plastik ist, in der Größe deS Ganzen der einzelnen Gedichts heran Szuaewinven, dazu gehört, über das seelische Malen hinaus, ein Mäißeln und Bauen, das eben in der letzten Generation selten war und das auch Kayßler'gestern in den bezeichnendsten Stücken nun bezeugte. Di« Dichtung Meyers will gleich Bildern und Statuen, in gewisse Ferne gerückt, betrachtet und gebärt werden; Kayßler aber riß die Lauschenden zu nah an die Kunstwerke beran, so daß nun wobl da? Einzelne tönte, nicht aber da? Ganze faßlich gestaltet heraufwuchs. Das gil: vor allem für wertvolle Schöpfungen, die der Künstler im zweiten Teil des Abends sprach. Den Anfang bildeten an dreißig Stücke der stark fortlebenden Dichtung.Hutten? letzte Tage", diese» Werk», i» de« die alten Heer. Sonst hätten wir nicht m Jabre uns gegen eine ganze Welt gewehrt.'Finden wir uns abe: mit der neuen Zeit und dienen war dem Vaterlande. Nötig ist Disziplin des freien Mannr (lebhafte Zuchinwrnmg), der sich rfit ganzer Kran für Durchführung des als richtig Erkannten einsetzt. Daß ein Heer ohne Disziplin nicht bestehen kann, hat das letzte Jahr gelehrt. Mit fieser Trauer sahen wir in weiten Kreisen die Achtung vor dem Heer schwinden. Es ist anders geworden, das Verhalten der Reichswehr im Ruhr- gebiet bat das gezeigt. Solange ich im Amt bin. will ich ein treuer und redlich erVermittler zwischen dem deutschen Volk und der Reichswehr sein. Sie werden von mir eine Verfügung bekommen, daß ich zum Zusammenarbeiten mit den Berufssoldaten gern bereit bin.(Lebhafter Beifall.) Wenn: Sie die Interessen des Vaterlandes im Auge behalten, werden Sin am besten auch Jbren eigenen wohlverstandenen Interessen dienen. (Stürmischr Beifall.) Der zweite Verbandsvorsitzendc v. Oeynhausen berficherte, der Minister werde in der Organisation der Berusssoldaten eine nicht wankende Stütze finden. Disziplin müsse im Heere sein, aber der Soldat wolle auch- ein denkender Mensch bleiben dürfen. (Zustimmung.) Will ein Führer die Waffe gegen das Volk kehren, so soll sie ihm in der Hand zerbrechen.(Beifall.) Der Oberbürgermeister DominicuS-Schöneberg wies hin auf die Erfahrungen der allerletzten Zeit, die wieder die Notwendigkeit einer disziplinierten für die Regierung eintretenden Truppe gezeigt habe. (Beifall.) Mit einer kurzen Erwiderung verabschiedete sich der Minister. Die Tagung nahm dann ihren Fortgang mit der Beratung von De- rufsfragen und Verbandsangelegenheiten. Ds? Ersatz für Scapa IlvV. Poris, Ib. April. Ter Botschafterrat hat sich in feiner häufigen Sitzung auch mit der Verteilung der von Deutschland als Ersatz für Scapa Flow gelieferten 192 999 Tonnen Hafen- material beschäffigt.„Temps" glaubt erklären zu können, daß etwas weniger als die Hälfte des gelieferten Hafen Materials uu. brauchbar sei. Das„Journal des Debads" aber erklärt, es handle sich nur um einen kleinen Teil des gelieferten Materials, der nicht verwendbar sei. Die„Deutsche Tageszeitung" hat eS sich angelegen sein lassen, in der Berichterstattung über den Prozeß Rhodin» S k l a r z durch Anordnung des Drucksatzes den Anschein zu er», wecken,' als habe Genosse Scheidemann behauptet,. Sklarz Hache der Regierung einige Gefälligkeiten erwiesen. Demgegenüber ist festzustellen, daß der Sinn der Schcidemannschen Aussage absolut klar war. Er hat festgestellt, daß niemals jemand durch seine Freundschaft in der Lage gewesen sei, Geschäfte zu machen. Im Falle Sklarz handele es sich nicht um Gefälligkeiten für Sklarz, sondern um die Leistungen, die Sklarz der Regierung, ja man könne im Hinblick aus die damaligen Zustände sagen, dem ganzen Reich geleistet hätte, indem er sich bemühte, Lebensmittel zu ver» schaffen. 197 Milliarden Reichsschulden. Im HauShaltkaussckuß der Nanonalversammlung teitle der ReichSfinanzministcr Dr. Wirth gestern mir, daß am 31. März d. I. unsere fundierten Schulden 92 Milliarden Mark, die schwebenden Schulden. 19b Milliarden, zu» lammen also 197 Milliarden Mark betragen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß in der nächsten Zeit die schwebenden Schulden weiter stark anwachsen werden. Ernst-Hagen und der Einmarsch. Der„Vorwärts" bat(der- sehenrlich) sogar schon zweimal mitgeteilt, dgß der Unabhängige Ernst-Haaen bestreitet, für den Einmarsch in daS Ruhrrevier ein» getreten zu sein. Die„Freiheit" schreib! trotzdem:„Der„Vorwärts" schweigt." Es ist uns leider unmöglich, jede Meldung so.ofr zu wiederholen, bis sie jeder Mitarbeiter der„Freiheil" gelesen hat. Amtsniederlegung. Der durch seine politische Tätigkeit be« kannte Professor Wilhelm Förste� ersuchte das Kultus« Ministerium um Enthebung von seinem Lehramt an der Münchener Universität, weil die deutschen Universitäten zurzeit nicht der Boden seien, auf dem ein neues D e u t s ch l a n d er- wachsen könne. Die Hamburger Truppenvcrschiebungen. In Berichtigung eines Hörfehlers in unterer gestrigen Meldung ist mitzuteilen, daß die Hamburger Sicherhcitswehr nun auch noch die Bewachung der Depots und Militärgebäude in H a r b u r g und Bahren seid übernehmen soll, wodurch sie noch mehr geschwächt wird. bürgerliche Auffassung der Mitte de? letzten Jahrhunderts, die aus Huttep gefchichtswidrig ein Symbol nationaler Kampfziele- her- richtete, dichterisch krafwoll verklärt wird. Kayßler legte, um den Holzschnittffil der Verse zu treffen, eine derbe männliche Rauhheit in die Stimme. Das liegt nahe. Aber oft vreinte auch hier der Wunsch, die markige Klarheit de? Bildsinns der Verse lasse sich mit schärfer schneidenden Betonungen der entscheidenden Worte ein- drucksreicher herausbringen. Daß da? Publikum den Geist der Dichtung, Kayßler folgend. in seiner Weite erfaß: bätte, wuroe durch ein bemerkenswertes Zeichen bestritten: das Stück„Deutsche LiblZrtät", däs dem deutschen Einheitsgedanken und Staatshoffen huldigt, wurde' mit jautem Beifall bedacht, aber jenes Stück„Menschheit", das über daS National? lichtdrängend binauSstürmt. brachte keine Hand in Bewegung. Was um so drastischer wirkte, als Kayßler gerade diese? Gedicht mit Hingabe feiner höchsten Wucht: mersternd über alles andere hinaushob. trck. Amor auf Reisen, auS einem Blumenthal-Kadclburgschen Schwank in ein« Operette verwandelt, wurde gestern im Thalia- Theater uraufgeführt. Von Wolter W. G o e tz e mit Musik durchtränkt, mutet das Erzeugnis an wie. Rollmops mit Schlagsahne. Aber Bellermann, einer der lustigsten Blumenthal-Kadetburgfchen Figuren, jetzt von dem ewigjungen quecksilbrigen Ferry Silka ge- spielt, macbt alles. Das Paar, an dem Amor seine Kunst erprobt, wird von Walter Mertz-Lüdemann und Ella W e i n i g sehr ungleich'vertreten. Während der männliche Teil im allgeme-nen gut singt(ein Operettentenor ohne jeglichen„Knödel" scheint so selten zu sein.�wie ein weißer Rabe), gab der weibliche Teil schmerz. Haft falsche Töne von sich, ohne dieses Manko an Musikalität durch sonstige bestechende Eigenschaften wettzumachen. Uni so besser wurde. daS weibliche arme Hasche vl auf dem Schiffe durch Betty Feiner verkörpert. Nur die Münchencrin glaubte man dieser rassigen Wienerin nicht. Sonst wäre noch Theo Stolzenberg als ge- wandter Obcrsteward- zu nennen. Wenn das Orchester erst einmal Goetzes muntere und schmachtende Weisen spielen kann, dann braucht mqn den seligen Busch(„Musik wird oft nicht schön empfunden, die» weil sie mit Geräusch verbunden" oder so ähnlich) nicht mehr zu zitieren. Im allgemeinen hübsch und flofis freilich auch mit reich» lich viel Süßstoff durchsetzt, bietet der musikalische Teil keine be» sonderen Uebcrraschungen, von einigen humorvollen Einfällen abge- sehen._ tr. Die Reaktion. Das an der Spitze des Feuilletons abgsdvuckte Gedicht in Prosa von Haek entstammt dem Buche„Phantasie» und LebonHbiü>sr", da» in ReclamS Univerfalbibliothel erfchienan ist. Tbeater. Direktor Allmann hat für das Kleine Theater in Berlin das Schauspiel DcrArztund. der König" von Michaelis er» warben.— Marimilian Sladek hat wieder die Remhardtbühnen für de» Sommer gepachtet und wird in einem der Häuser LenghelS„Taifun" ausführen. Die große Volksoper Berlin veranstaltet am 27. April im Marmor- saa! Zoo ein aroxes Orchester- und Ebortonzert m Form eines B-et« bovenabends. Auch die 9. Sinfonje steht im Programm. Dirigent ist Paul Scheinpflug, Solisten Joses Mann, Mine Sande«(Stadttheattr Leipzig). Karl Ärmster, Frida Langeudorfi. De? Aollernpri Im großen Dchwurgcrichjsicral des alten Kriminalgerichts be- gcmn heute vormittag die Verhandlung gegen den Prinzen Joachim Albrech: von Preußen, Rittmeister a. D. Hubert c>. P l a t e n und Erbprinz Gottfried Hohenlohe-Langen- bürg. Die Anklage lautet gegen den Prinzen Joachim Albrecht von Preußen und Rittmeister v. Ploten, deren Verteidigung Justiz- rat W r o n k e r übernommen hat, aus gemeinschaftlich begangene Nötig un g. Gegen v. P I a t e n außerdem wegen Körperver- leyung. Die Anklage gegen den Erbprinzen Hohenlohe- � Langenburg, der vyn Rechtsanwalt C h o d z i e s n e r vertreten wird, ebenfalls auf K ö r p e r v e�r I« h u n g. D:e Verbandlung leitet Landgerichtsdirektor Baumbach, währeiid StaatSonnxilt E e r l a ch die Anklage vertritt. Das Kriminalgericht war schon lange vor Beginn der VerHand- lung streng abgesperrt.' Die ausländische Presse, nament- lich die englische und amerikanische, war sehr stark vertreten, während kaum ein französischer Korrespondent erschienen war. Die drei Angeklagten erschienen gegen W Uhr im Gerichts- 'aal. Gegen Uhr eröffnet Landgerichtsdirektor Baumbach die Sitzung und ruft zunächst die Zeugen auf. Ueber dreißig Per- ionen sind geladen, um über' die Vorgänge im Hotel Adlon auszusagen. Einer der Hauplbelastungszcugen, der aus zahlreichen Prozessen bekannte Graf Metternich, ist nicht erschienen und bat ssch noch der Schweiz begeben. Unter den Zeugen befinden sich Kqpitän Klein, Kapitän R o u g e v i n, Generaldirektor H ei n i tf e n, der sich jedoch entschuldigt hat. Herr Lorenz Adlon, Vrmz Viktor Salvator v. Psenbura. Frau v. P la t e n, die Gattin des Angeklagten u. a. Die französtschen Offiziere Ibaren zu- nächst noch nicht erschienen. Landgerichtsdirektor Baumbach 'vricht sein« Verwunderung darüber aus, daß die Herren als ' Kapitäne bezeichnet werden. Vermutlich seien sie Hauptleute. ES wird dann in die Vernehmung eingetreten. Vorsitzender zum� Prinzen Joachim Akbrccht: Darf ich Ew. königk. Hoheit um nähere Angaben über Ihr bisheriges Leben bitten? Prinz Joachim Albrecht: Ich bin am 27. Septembesi 1�76 geboren und lebe in der Nähe von Salzburg in Oesterreich. Wegen eines Beinleiden? mutzte ich meinen Abschied als Offizier nehmen, da ich nicht mehr in der Lage war, meinem Kaiser und Könige und Herrn zu dienen. Politik babe ich nie getrieben und tue es auch nickt. Iveil ich der Usberzeugung bin, daß der preußische Offizier nicht Politik zu treiben hat. - Ich bin kein Manlpatriot, sondern trage meinen Patriotismus im Herzen. Jetzt zuletzt bin ick feit etwa Mitte Januar wieder in Berlin. An jenem Abend faß ick mit Herrn und Frau V. Harfeld in einer Ecke des Saales. Wir hallen zu dritt eine Flasche Sekt und eine Flasche Rotwein gc- trunken. Ich war nicht im geringsten animiert oder betrunken. Vors.: Wie kam es denn nun. daß„Deutschland, Deutschland über alles* gespickt wurde? Prinz Joachim Albrecht: Ich babe an diesem Abend das Lied nicht bestellt. An früheren Tagen habe ich es wohl getan, denn es ist eines der schönsten Lieder für mick. Vors.: Hatten Sie die Absicht, damit die Ausländer zu ärgern? Prinz Joachim Albrecht: Das lag mir völlig fern. Vors.: Wurde denn bei Jntonierung dieses Liedes immer aufge- standen? Prinz Joachim Albrecht: Jawohl. Einige Tische blieben allerdings sitzen. An diesem Abend blieben nur zwei Tische sitzen. Von dem einem Tisch glaubte ick dcutscke Laute gehört zu baben, es war aber zu weit weg. Welcher Nationalität die Leute angehörten, weiß ich nicht. An Hand einer Skizze, die vom Hotelbesitzer Lorenz Adlon angefertigt wurde, wird dann festgestellt, wo sich der Tisch des Prinzen und der der Franzosen befunden bette. Ich kannte weder den Rittmeister v. Platen noch den Erbvrinzen Hoben lohe-L an- g e n b u rg. Ich habe vielmehr den Eindruck gehabt, daß die Provo- kation van anderer Seit« erfolgt ist. Vors.: Kgl. Hoheit, die deutsche Nationalhymne war doch eigentlich„Heil Dir im Sieger- kränz", durch die Revolution ist sie ja nun abgeschafft. „Deutschland. Deutschland über alles* ist doch nicht offiziell als Nationalhymne zu bezeichnen. Vrinz Joachim Al brecht: M:r hat Herr v. Benzin, der hier auch als Zeuge vernommen wird, erzählt, daß in der französischen Gefangenschaft die deutschen Mann- sckaften für das Singen des LiedeS„Teutschland, Deutschland über alles* d-eißig Tage Arrest erhielten, ein Zeichen, daß die Franzosen es als Nationalhymne tonnten. Vors.: Sie faßten also das Sitzen- bleiben als P r o v o k a t i o n auf? Prinz Joachim Albrecht: Jawohl, weil gerade ein Tisch sitzen blieb. Nachdem dann das Lied , zu Ende ging, hörte ich rechts von der Terrasse her in schneller Folge die Rufe: Aufstehen: RauS! Anfstchcn: Raus! Ick blickte nach reckts und sab, wie eine ganze Anzahl Leute long- sam in den Saal hineindrängten. Ick habe dann, um meinen Un- mut über das Sitzenbleiben an den einem Tisch Ausdruck zu geben, zwei Lichter von meinem Tische zn Boden geschlendert und mich dabei geäußert, es ist doch ein Skandal, daß diese Leute nickt auf- stehen. Da ich das in ziemlich scharfem Ton zu FnMl v. Harfeid gesagt habe, nehme ich an, daß die in der Näbe sitzenden Personen aeqlaubt haben, ich babe mit den Rufen„Aufstehen I* angefangen. Wo d,e beiden Lichter hingeflogen sind: weißstch nicht. Ich wollte sie aber keineswegs zu den Leuten hinüber- werfen. Vors.: Sie sollen mit alle« möglichen Gegenstönbe« geworfen baben. mit Sektgläsern, Weingläsern, Tassen, Lichtern und Blumen. Prinz Joackim Albrecht: Das bestreite ick auf das energisckste. Vors.: Sie sollen auch gerufen haben:„Schlagt die Juden t o t". � Prinz Joackim Albrecht: DaS habe ich nicht oerufen, das wäre ja auch völlig unlogisch gewesen. Hierauf wird Rittmeister v. Platen vernommen. Ueber die Vorfälle im Adlon-Hotel sagt er aus: Ich gebe zu, daß ich mich am Rufen.Aufstehen* beteiligt habe. Vor s.: Haben Sie auch„Raus* twrufcn? Angeklagter: Das ist möglick. Als der Skandal begann, stürzten Kellner in den Saal und bildeten um den Franzofentisch einen Ring. Es entstand ein Gedränge und dabei wurde mein StrM beiseite geschoben, so daß ich quasi aufstehen mußte.— Vors.: Sic sollen llz vor Gericht. Hauptmann Klein und Hauptmann Rougevin geschlagen haben! Wie kam das?— A n g e k l.: Das behauptet Graf.Metternich. aber er Tat bei der Gegenüberstellung ebensowenig wie Hauptmann Klein mich als denjenigen wiedererkannt, der geschlagen hat.— Vors.: Haben Sie aber vielleicht zu einem Schlage ausgeholt? — Angekl.: Das kann den Anschein gehabt haben. Ich wollte eben aus einer Flasche Wein eingießen, als unmittelbar neben mir ein Teller vorbeiflog. Dabei machte ich mit der Flasche in der Hand untvillkürlich eine Bewegung, So kann man wohl den Eindruck gehabt haben, daß ich mit der Flasche, habe zuschlagen wollen. Es wird hierauf der Erbprinz Göttfried Hohen- lohe-Lctngenbürg vernommen. Auf Befragen des Vorsitzen- den erklärt der 23jährige Prinz, daß er im Hotel Adlon von Ende Januar bis zum Tage des Skandals nur einmal gewesen sei. Tie Entwicklung des Krawalls konnte ich selbst nickt sehen. Ich saß in einer Gesellschait von etwa 15 Per'vnen am Tisch Als das Lied„Deutschland, Deutschland über alles* gespielt wurde, standen wir auf. tranken un? zu und setzten uns. Ich ging dann aus dem Saal und als ich wieder hereinkam, war der Skandal in vollem Gange. Kellner umringten den Franzosentisch. Es ertönten Rufe„Raus" usw.?l l l e r l e i Gegenstände flogen auS der entgegengesetzten Ecke deS Saales, also nicht aus der Ecke, in welcher der Tisch des Prinzen Jyachm Albreckt stand, durch den Raum. Unmittelbar vor mir fiel ein Sekt glas nieder. Ich stand beide Hände i n d e r H o s e n t a s ch e. als der Kapitän an mich anprallte. Offen- bar glaubte.Ro u g e v i n, ,ch wolle ihn angreifen, und schlug mit der Faust aus meinen linken Oberarm. Um weitere Sckläg« ab- zuwcbren. faßte ick ihn an beiden Armen und hielt ihn fest. Den Kapitän immer irock festhalien-d, wurde ich von der Menschen- menge durch den Terrassen saal in den Raffaelsaal gedrängt. In der Höhe des Tisches 67 oder 58 fiel ich mit dem Franzosen zu Boden. Ich flog mit dem Kopf unter einen Tisch. Hierauf wird, da die Vernebmung der Angeklagten beendet ist, als erster Zeuge der Mitinhaber des Adlonhotels, der Slssährige Lorenz Adlon, vernommen. Der Zeuge gibt an, daß er den Be- ginn des Skandals nicht mitgemacht habe und erst durch einen Oberkellner daraus aufmerksam gemacht wurde, daß am Franzosentilch ein Skandal entstanden sei. Vorsitzender: Wurde das Lied„Deutschland, Deutschland über alles* allabend- l i ch auk Wunsch der Gäste oder aus freiem Ermessen der Kapelle gespielt? Zeuge: Meistenteils auf Wunsch der Gäste. Dock spielte die Kapelle das Lied auch freiwillia. Die deutschen Gäste standen beim Vortrag des Liedes in der Regel auf.. Der Zeuge erklärt dann auf Befragen des Vorsitzenden, daß Hauptmann Rougevin und Hauptmann Klein seit Januar tri ibm wohnten und speisten. Die beiden Herren waren durch daS Reich svermögensamt, einer Stelle de? Auswärtigen Amtes, im Hotel einlogiert. Vors.: Haben sick die beiden Herren jemals auffällig benommen? Zeuge: Rein. Sie benahmen sich auch an dem betreffenden Abend ganz unauffällig. Als ich den Saal betrat, in dem der Skandal sich ent- wickelt hatte, standen etwa 150 Personen um den Tisch der fran- zöstschen Ofkiziere herum. AlleS drängte � an den Franzosentisch beran, von allen Seiten kamen Leute, die sehen wollten, was los war. Staatsanwalt Gerlach: Haben Sie gehört, daß Prinz Joachim Alb reckt in der Vorhalle des Hotels gesagt hat:„Morgen komme ich wieder, dann bringe ich mir meine eigene Geige mit." Zeuge: Ich selbst habe es nicht gehört. Es ist von einem Kellner crzäblt worden. Als. nächster Zeuge wird hierauf Hauptmann Klein von der sranzösrschen Militärmission vernommen. Hauptmann Klein«r- klärt auf Befragen.�deS Vorsitzenden, daß er die deutsche Sprache sehr gut versteb«, sie aber nur sehr gebrochen spreche. Es wird da- her Professor Lamprecht vom Eymriafhm zum Grauen Kloster zugezogen, der dem Zeugen die Eidesformel auf fran- zö fisch vorsprach..Hauptmann' Klein schildert dann die Vorgänge an jenem Aband. Er habe mit seiner Gattin, mit Hauptmann Rougevin und dem Botschaftsrat Elouyse am Tisch 43 gesessen. An jenem Abend hätten sich auch am Nebentisch goci dänisch« Herren nicht erhoben. Ans Befragen des Vorfitzenden erklärt Hauptmann K-lein weiter, er habe keine provozierende Haltung eingenommen, habe auch nicht gelacht, und als die Leute ge- schrien hätten:„Ausstehen! Rcnrß!" habe er sich ruhig eine Zigarette angezündet. Auf Vorbalt des Vorsitzenden, daß Prinz Joachim Albrecht der Ansicht sei, daß es auch nicht in Paris ohne Erregunq abgehen würde, wenn ein Deutscher beim Absingen der Marseillaise sitzen bliebe, antworlet Hauptmann Klein:„In Paris würde die Marseillaise um?Lt1 llbr in einem Rest au- rant n i cht. g e s p i e l t." Der Zeuge hat weiter gesehen, daß der Prinz dem.Kapellmeister, der von Tisch zu Tisch ging. 5Y Mark gegeben habe, weiß ober nicht, ob das Geld dem Kapellmeister zum Spielen einer �eigenen Komposition des Prinzen oder zum Spielen de? Liedes„Deutschlands Teutschland Über alles* vex- anlassen sollte. Als dann der Tumirit begann, sagt danu der Zeuge weiter, habe ich gesehen, wie der Prinz zuerst aufgestanden und „ausstehen" umd später auch„raus" gavusen und wie er in der Richtung nach dem Tisch der Franzofen eine Kerze geworfen habe, die etwa 10 Zentimeter vom Hauptmann Klein entfernt niedergefallen ist. Von auderer Stelle ans kam eine Flasche angeflogen, die zwischen Hauptmann Rougevin und der Frau des f engen niedersiel. Auf Rongevtns Rücken sei auch ein hampagnerglas zerschellt. Er weiß aber, daß der Prinz, nachdem schon wieder beinahe Ruhe eingetreten war, wieder angefangen habe„raus" zu rufen und eine zweite Kerze gesckileu- dert habe, die kurz hinter dem Zeugen niedergefallen sei. Dem �Zeugen wurde der Stuhl weggezogen/ jemand packte ihn am Halse, und als er sich umwandte, erhielt er e,nen Faust schlag ins Gesicht. Wer ihm diesen Schlag versetzt hat, kann der Zeug« nicht sagen, da eine große Menge den Tisch umdrängte. (Fortsetzung im Morgenblatt.) SroßSerün Oer neue örotpreis. Vom Lcbensmittelverband Eroß-Berlin wird uns mitgeteilt: Die amtlichen Auslassungen der Reichsstellen über die Berechnung der neuen Mchlpreise enthalten auck Mitteilungen über einen neuen Brotpreis in Höhe von 3,85 M., die aber auf irrigen Voraussetzungen beruhen. Die Erhöhung der Mehl- preise, einschließlich der ihr automatisch folgenden Erhöhung der Nmiatzstener, ergibt bereits bei richtiger Berechnung einen über 4 M. hinausgehenden BrotprciS. Inwieweit der Lebcnsmitlelverband die ,bm naheg'elegwn Ansprüche der beteiligten Gewerbekreise noch be- rücksichtigen kann und wie sich danach der neüe Brotpreis endgültig gestaltet, wird der Lebensmiitelvcrband in seiner Sitzung am kommenden Dienstag bestimmen. Preise riird Begründung werden der Oeffemlichkeit bekannt gegeben werden. vehördeiibummelei sabotiert Bauarbeiten. Eine große Berliner Bausirma hat für die der Reichs-Getreide- stelle angeschlossene Wcizenmühle Karl Solomon, Mühlenstraße 8, größere Maschincnhausbauten sowie Kanalfundamente onSzusühren. Die Weuen mühle bat die Mehlversorgung Berlins zum Teik sicherzustellen und ist gezwungen, ihren Betrieb auS diesem Grunde bedeutend zu vergrößern. Die Bausirma hat am 0. August ISIS ihren ersten Antrag aus Freigabe der Bon- Materialien eingebracht, daraus am 12. August angefragt, wieweit die Angelegenheit gediehen ist: ihr wurde der Bescheid, daß die Er« lcdigung 14 Tage in Anspruch nimmt,«m 17. und 3V. September ist sie in dieser Angelegenheit nochmals vorstellig geworden und es wurde ihr mitgeteilt, daß die Unterlagen verloren ge« gangen sind. Tarauf wurden die vollständigen Anträge noch ein- mal eingereicht und sind am II. März 1820 nach Prüfung durch die Baupolizei' an die Baustoff-Beschaffungsstelle gelangt. Nach unzähligen Rückfragen, mindestens jedoch 10—12, erteilte am 18. Mörz Baumeister Herrmann den Bescheid, daß der Antrag ge» n e h m i g t sei und an die Baupolizei abgeschickt worden ist. Die. Firma hat jedoch erst am 18. April Nachricht von der Freigabe erhalten Aehnlich war eSbei einem Umbau für die EommerD und DiSeowto-Bank. Friedrich-, Ecke Krausenstraße.— Es ist geraoe zu unverständlich, in welcher Weise dort gearbeitet wird. Von den Angestellten wird erklärt, daß sie bei diesem unordentlichen Betriebe die Lust zum Arbeiten verlieren. Unerklärlich ist es, wie in einer derartigen Dienststelle zum Wohle der Bevölkerung und zur Förderung wirtichasllich dringend erforderlicher Bauausführungen solche Zu- stände herrschen können, namentlich in einer Zeit, wo jeder einzelne bestrebt sein müßte, A r b e i ts m ö g l i ch k e i t e n in jeder Hui- ficht, in diesem Falle für Bauhandlverjer, zu schaffen. Ein Mangel an Baustoffen liegt nicht vor, da Zement und Steine ohne Fv�igabeschein häusig angeboten und bei entsprechenden Preisen auch geliefert werden._," „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Pastauflage bei.> An alle Schwerhörigen. Unglück soll adeln Das trifft auf die Schwerhörigkeit in keinem Falle zu. Hier wird Unglück zum Fluch. Da der Schwerhörige das gesprochene Wort nur mangelhaft oder gar nicht verstehen kann, haben sich in Grvß-Bcrlin organisierte Leidensgenossen zusammen- geschlossen, um ihre Interessen selbständig zu vertreten. Da es qusgeschlojsen erscheint, daß die normalhörigen Genoffen in unserem Wünschen und Wollen genau orientiert sind. Wir haben uns die Aufgabe gestellt', allen der S. P. D..angehörigen Genossen und Genossinnen vermittelst eines„V i e l h ö r c r s", an dem jeder Genosse und jede Genossin angeschlossen werden kann, Vorträge, Abhandlungen usw., kurz alles, was ihnen sonst bei Versammlungen und Vortragsabenden gelehrt wird, zu übermitteln. Auch soll sich jeder Schwerhörige, da sich mit dem schwindenden Gehör auch in demselben Ausmaße die S p r a ch e verliert, an-den Diskussionen beteiligen, damit er nicht auch noch die Sprache einbüßt. Auch wird Rat und Hilfe bei Beschaffung zweckentsprechender, guter Gehör- apparate erteilt, so daß das überilüssige Geldausheben für Schwin- delapparate aus der Welt geschasit wird. Wir sind nun seit etwa einem Jähre von dem Sozialdemokra- tischen Verein Groß-Berlin als selbstäudige Gruppe anerkannt und geben unsere Versammlungen unter der Bezeichnung„Schwer- hörigen-Grnppe" vorläufig immer am 1. und 3. Sonntag im Monat bekannt, die Zusammenkünfte'erfolgen dann'inmer am darvufsolgenden Mittwoch wie bei der S. P. D. im allgxmeinen. Sind wir auch anerkannt, Z'o krankt die Sache noch immer daran, daß die schwerhörigen Genossen aus den einzelnen Abteilungen an uns noch nicht überwiesen worden sind. Wenn sich bei uns Ge- nossen, hie das Unglück hatten, ohrenleidend zu werden, betätigen würden, so könnte das nicht.nur der Gruppe, sondern auch ihnen von Nutzen sein.'.. Die Schwerhörigen im Reiche sollten unserem Beispiel folgen, sich der Partei anschließen, in allen größeren Stödten besondere Gruppen bilden und ihre Interessen ielbständig vertreten. In dieser bewegten Zeij darf keiner zurückstehen, jeder muß bei den kommenden Reich stagswahlön bereit sein, ein- zutreten für seine UeberzcuguNg. Darum schließt euch zu- sammen, ogitiert und organisiert und helft mit beitragen für einen überwältigenddn Sieg Der Sozialdemoträtischen Partei. Zu jeder Auskunft über evtl. Gründung sowie�Auf- und AuS- bau einer Schwertzörigengruppe der S. P. D. oder über evtl. Bezug guter Hörapparate ist stets bereit Gustav G a l i s ch, Berlin SW. 48, Wilhelmstr. 134 II rechts. Partei- und Gewerkschastsblätter werden um Abdruck ersucht. Der Persinenzugycrkehr zwischen Deutschland und Polen wird für die Zeit vom 16.'bis 26. April gesperrt. Der Verkehr noch O st p r e u ß e n ist während dieser Zeit nur ans dem Seewege über Swinemünde-Pillau möglich.� Die v-Züge 5.52 nach- mittags'' und 6.10 nachmittags ab Berlin, Stcttiner Bahnhof, ver- kebren ab 16. April nicht mehr. Um 5.52 nachmittags verkehrt während dieier Zeit ein Personenzug zwischen Berlin und Stettin. Die Ö-Züge ab Berlin, Siettincr Bahnhof 7.54 vor- mitlagS und an Berlin, Ste'.tincr Bahnhos 10.30 abends, verkehren ab 17. April nur noch zwischen Berlin und Stolp in Pommern. In eine Falle gelockt und beraubt wurde ein Werkmeister I. auS der Prenzlauer Allee. An ihn traten zwei Männer heran, die behaupteten, ihm einen Zentner Kaffee für 2000 M. verkaufen zu können. I. ging auf den Handel ein und folgte den beiden nach einem Hausflur am Georgenk'irchplatz, wo das Geschäft abgeschlossen und der Kaffee übergeben werden sollte. Kaum hatten die drei den Flur betreten, da sielen die beiden„Verkäufer* über den Werk- meister her und raubten ihm�die Brieftasche, die 3000 M. enthielt. Dann ergriffen sie die Fluckt'und entkamen.. Die Vorgänge in der Knorrbrcmse sind anscheinend auf rein s y n d i k a l i st i sche Bestrebiurgen zurückzuführen. Der Metall- arbeiterverband war über sie nicht unterrichtet und steht ihnen vollständig fern. Die Arbeiterschaft wird sich heute mit der Angelegenheit in einer BctriebSversammlung beschäftigen. In der Urnnia. Tanbcnstiaßc. wird Frl. Erna K o t t m a n n ihren mit wunderbar plastischen farbigen Bildern ausgestatteten Vortrag»Früh- liiisl am Neckar« am Sonniag Montag. Donnerstag und Sonnabend wiederholen.. Am Mittwoch hält Herr Professor Franz Goerke noch einmal seinen Bortrag„Aeghplcn und der Nst- uno am Dienstag und Freitag wird Herr Rudolf de Moas einen interessanten Vortrag über„OftafrUanische Reiter in Krieg und Jagd- halten. SIllgem. Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter, Filiale Berlin 8. Mitzliede, Versammlung Sonnabend, 8 Uhr, bei Kahser, Reichen- bergcr Straße 154..u Die Rakete. Gestern abend war Generalprobe der„Rakete", des neueröffneten Kabaretts. Man hatie nach der pompösen Ankündigung eigentlich mehr erwartet; so gab eS nur die üblichen Parodien auf Zeit- Verhältnisse und einen ziemlich unbedeutenden Einakter von Felix Salle» „Schöne Seelen", dargestellt von Käthe Beisch und Paul Morgan. Der einzige Gewinn des Abends war die kleine Tänzerin Marylo Kremp. Begrüßungsfeier für Kriegsgefangene. Der RcichSSund der KrieaSdeschädigtcn veranstaltet am Sonntag, den 18. April, vormittags 10 Uhr, im ZirkuS Buich eine Begrüßungsseier für di« auS der Gesangen- schast heimgekehrten Kameraden. Namhaste Künstler haben ihre Mtwirkung zugesagt. Der Eintritt ist srei, jedoch nur gegen Karte, die in der Vor- auSgabe in der GelchästSstellc, Berlin, Wilhelmstr. 9 sowie an der ZirkuS- kass« ausgegeben wird. GroK-Serlmer parteinachrlchtea. Morgen, 17. April: Neukölln. 7 Uhr, Funktionär- und Betriebsvertranensleute d«4.Wt. bei Schmidt, Ecke Saale- und Unslrutslraße. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 1l Uhr, Stadthaus, Kloster« straße 50. Vortrag des Herrn Dr. M. Brie: LessingS Nathan der Wesse.— Harmonium: Zug zum Münster(Wagner).— Gäste willkommen. Zentralberband der ArbeitS-Inv. Teutschlands. Bezirk Ofte». Mitgliederversammlung Sonntag, 10 Uhr, Aula, Fruchtstr. 38. Sport. Der Graditzer Ncnnstall, der bekanntlich Staatseigentum ist, wird nicht aufgelöst. Die diesbezügliche Nachricht, die durch einen Teil der Berliner Presse geht, ist falsch. Versicherung aller Reiter und des Stallpersonals gegen Unfälle. Vom 1. April!S20 ob sind alle Reiier und das Slallperional (Herrenreiter, Jockeys, reitende Lehrlinge und dos im Stall be- schäjjtigte Personal) gegen berufliche und außerberufliche Unfälle ver« sichert. Die Versicherung ist obne Unterschied gleichmäßig für alle Kategorien abgeschlossen auf einen Kelrag. von 10 000 M. für den Todesfall, 30 000 M. für den JnvaUditätssall und 20 M. Tage»« mschädigung, die vom ersten Tag der Krankheit ab gezahlt wird. Wichtige Flugblattverbrettung! . ri'it*... fim Sonntag.$ Uhr. in S erlin u. Vororten von öen bekannten öezirkslokalen. � WirtsiHaft Wie eutstcht der Milchpreis von 2 Mark in Berlin? Wir veroffentjichten die nachstehende unö vom Magistrat über- sandte Preisberechnung: Produllionspreis für Groß-Berlin.... 1,83 M. Pächlerspanne �. 0,08, Transportipanne Bahnhof— Meierei... 0,06, Meiereimätzige Bearbeitung...... 0,18, Transportipanne Meierei— Kleinhandel.. 0,07, Kleinbänvlerspanne......... 0,15, Zuschüsse verschiedener Art, Verwaltungs- Unkosten mindestens..... 0.07 T- 2,00 M. Hierzu schreibt die«Deutsche Milchhändler-Zeitg, Der Milchhandel hat es garnichr stölig, den versteckten Vorwurf der Milchverteuerung mit verschämtem Stillschweigen hinzu» nehmen. Denn die wirtlichen Milchverteuerer sind ganz wo anders zu suchen und verstehen es meisterhaft, ihrer Taseinsberech- tigung den Stempel der Notwendigkeit autzudrücken. So sei hier- mit der Wahrheil gemäh zur Information des„Vorwärts" wie des «ublilums die Frage beantwortet:.Wie entsteht der Milchpreis von Mark?" Der MilchpreiS setzt sich wie folgt zusammen: Produktionspreis pro Liter frei Berlin.. 1,28 M. Pächterspanne........... 0,05, Prämie(Nur für guteingeführte Milch).. 0,03. TranSportspanne Bahnhof— Meierei... 0,00» Meiereimästige Bearbeitung...... 0,15, Transportspanne Meierei— Kleinhandel. 0,07, Kleinhändleripanne......... 0,15. Zuschüsse, ins bes. Verwaltungsunkosten.. 0,21. Wer hat nun richtig gerechnet? 2,— M. Berliner Spediteur-Bcrein A.-G„ Berlin. Der Aufsicht srai be- schloß, der Generalversammlung eine Verteilung von 21(3) Proz. Dividende an die Stammaktien und 20(7) Proz. Dividende an die Vorzugsaktien vorzuschlagen. GeWerkschaAsbewegung Tumultszenen in öerTechnikerversammlung. Am Donnerstag abend tagte im großen Saale der Union- brauerei eine vom Bund der technischen Beamten und Angestellten einberufene massenhaft besuchte öffentliche Versammlung, die für die Sicherung der Demokratie, besonders für die Durchführung der zwischen den Gewerkschaften, den Parteien und der Negierung ver- einhalten acht Punkte demonstrierte. Ddr Referent� A u f h ä u s e r sagte unter anderem: In Helden- haftem Kamps haben die Arbeiter, Angestellten und Beamten die Kapp und Lültwitz aus Berlin verjagt. Jetzt, nachdem vier Wochen seitdem vergangen sind, wurden in der Nationalversammlung vom Abgeordneten Trimborn, der damit keineswegs Vereinzell dasteht, Aeußerungen gemacht, die beweisen, daß gewiffe Kreise nicht mehr gegen Kapp und Lüttwitz, sondern gegen die Arbeiter- schaff eine Attacke in die Wege' leiten wollen. Auch der Abg. Gothein, der ebenso wie Trimborn an den Vereinbarungen mitgewirkt und versprochen hat, sich für deren Anerkennung einzu- setzen, nimmt im»Verl. Tagebl." gegen die Vereinbarungen Stellung. Man hat versucht, mit der bolschewistischen Gefahr die Geschäfte der Reaktion zu betreiben und jetzt gebraucht man in der- selben Weife das Schlagwort von der Diktatur der Gewerkschaften und der Nebenregierung der Gewerkschasten.— Wir denken nicht daran, als Nebenregierung uns zu betätigen. Tie Gewerkschaften haben den Generalstreik yicht für die Personen der alten Negierung geführt, sondern er galt dem Schutz der deutschen Republik. Darum konnte der Streik nicht eher beendet werden, bis Sicherungen für die Demokratie und die Republik gegeben waren. So kam die Vereinbarung der acht Punkte zustande. An diesen darf jetzt nicht mehr gedeutelt, sondern sie müffen durch- geführt werden. Die Koaltion her Arbeiter, Angestellten und Be- amten, an der die Angestellten nach wie vor festhalten, ist die einzige Möglichkeit, um zu gesunden politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen zu gelangen.(Lebhafter Beifall.) Aehnliche Ausführungen machten noch mehrere Redner, darunter Kurt Heinig als Vertreter der preußischen FinanzministerS Lüdemann und Abgeordneter N u s ch k e von der demokratischen Partei. Drei Stunden hatte die Versammlung einen ungestörten Verlauf genommen. Dann erhielt Franz Krüger das Wort, der als Vertreter der sozialdemok:»tischen Fraktion anwesend war. Schon nach den ersten Worten, die dem vom Referenten vertretenen Worten Ausdruck gaben, wurden ihm Schimpfworte, wie„Verräter", .Noskehund",„Massenmörder",„Halunke" und ähnliches entgegen- gerufen. Die Schimpferei ging aus einer sehr starken Gruppe, die sich vom Hintergrund des Saales durch den Mittelgang bis.nahe der Bühne angesammelt hatte. Techniker waren es nicht. Sie gehörten also nicht zu denen, die die Versammlungsleitung eingeladen hatte. Im Vordergrunde stand eine Anzahl junger Burschen, die sich durch wüstes Schreien und Schimpfen hervor- taten.— Einige Minuten sprach Krüger unbeirrt weiter. Das Lärmen und Schimpfen wurde immer stärker. Ein Mann, der einen dicken Stock schwang, sprang auf die Kante der Bühne und schlug mit dem Knüppel»ach Krüger. Der Angreifer wurde zurückaestyßen. Ein Teil der Ruhestörer drängte unter � fortwährendem Schimpfen vor und versuchte die Bühne zu erstürmen. Gleichzeitig setzte ein minutenlanges Bombardement mit schweren Bierseideln nach dem VorstandStische ein. Alles, was auf der Bühne war, flüchtige. Es war ein ungeheurer Tumult. Einige Versammlungs- teilnehmer versuchten, sich Gehör zu verschaffen um die aufgeregten Massen zu beruhigen. Sie taten das in der Weise, daß sie eben- falls auf Krüger schimpften und das gewalltätige Vorgehen gegen ihn als gerechtfertigt oder doch erklärlich bezeichneten. In diesem „Beruhigungston" stimmte auch der Unabhängige Abgeordnete Paul Hoffmann ein, sowie ein angeblicher Vertreter der öster- reichischen Sozialdemokratie namens W o l f g a n g. Auch ein junger Mann, Lindenau, der sich großspurig als Vertreter der Unab- hängigen sozialdemokratischen Partei bezeichnete, tat sich in derselben Weise hervor./ Während dieser Vorgänge hatte ein erheblicher Teil der ruhigen Versammlungsbesucher den Saal verlassen. Als dann der Vor- sitzende, Architekt Kaufmann, die Leitung der Versammlung wieder auf sich nahm und über eine im Sinne des Referats gehaltene Resolution abstimmen ließ, konstatierte er deren Ab- lehnung.— Kaufmann erklärte die Versammlung für ge- schlössen und ersuchte die Techniker, den Saal zu verlassen.— Nun bliebe» die Radaumacher unter Lindemanns Leitung noch bei- sammen. Es wurden haßerfüllte Reden gegen die Führer der sozialdemokratischen Partei gehalten, die Rälediktatur und sonstige kommunistische Ideen propagiert und eine dementsprechende Reso- lution angenommen. Die in obigem Bericht geschilderten Vorgänge sind tief be- schämend, sie zeigen mit erschreckender Deutlichkeit die demorali- sierenden Wirkungen des Krieges. WaS sich in dieser Versammlung abspielen konnte, war ehedem nur in antisemitischen Radauversammluugen in Nebung. Mit einem gewissen Stolz konnte die klassenbewußte Arbeiterschaft jahrzehiue- lang von sich sagen, daß ihre Versammlungen einen mustergüliigen Verlans nehmen. Heute scheinen sogenannte Arbeiterführer nichts darin zu sehen, wenn völlig verwahrloste und radaulustige Kreaturen durch rüpekhaftes Auftreten den hohen Gedanken der Organisa'.ion und des Sozialismus schänden. Wahrlich, eS ist weit gekommen. � kampfbereüschast öer Gasirvirtsangestellten. Nachdem die Unternehmer— wie wir in der heutigen Morgen- nummer mitteilten— durch ihr ablehnendes Verhalten die Situ- ation aufs äußerste verschärft hatten, habey die Angestellten alle Vorbereitungen zum Streik getroffen, der nach der augenblicklichen Situation unvermeidlich zu sein scheint. Die an der Bewegung beteiligten.Organisationen: Bund der Hotel-, Restaurant- und Eafeangestellten, Verband der Köche, Ver- band der Gastwirtsgehilfen hielten heute vormittag eine gemeinsame Vertrauensmännerversammlung ab, die äußerst stark besucht war und ein Bild vollkommener Einigkeit der Angehörigen aller Organisationen gab. Der Referent Schröder sagte, den Unternehmern ist das lllti- nzawm gestellt, bis heute abend 6 Uhr die Forderungen anzn- erkennen. Heute nacht werden vier große Vers am m- lungen der Ange st eilten über den Streik Beschluß fassen. Alle Angestellten des Gastwirtsgcwerbes stehen in ge- schlossener Front zusammen. Bei den Unternehmern ober ist der Zusammenhalt schon durchbrochen. Der Verein der Kaffeehaus- besitzer hat mit dem Verband der Gastwirtsgehilfen eine Verein- banifig abgeschlossen, wonach folgende Teuerungszulagen bewilligt werden: Geschäftsführer monatlich 200 M?., Angestellte ohne Kost, und Wohnung wöchentlich 45 M., mit Kost ohne Wohnuno 83 M.. mit Kost und Wohnung 25 M.— Auch ein Teil der Hotelbesitzer ist mit dem Verhalten ihrer Organisationsleitung nicht mehr einver- standen und einer Verständigung mit den Angestellten geneigt. Die im Gastwirtsgewerbe beschäftigten kaufmännischen Angestellten sowie die Maschinisten und Heizer haben sich mit den Gastwirls- gehilfen solidarisch erklärt. Für die erfolgreiche Durchführung eines Streiks ist also sede Gewähr gegeben. Beylich-Leipzig erklärte namens der Hauptverwaltung de? Bundes der Hotel-, Restaurant- und Cafeangestellten(früher Genfer Verband und Deutscher Kellnerbund), daß diese Organisation auch für den Fall eines Streiks volle Solidarität üben werbe. Gottwald bemerkte für die kaufmännischen Angestellten, daß sie mit Rücksicht auf ihren Tarifvertrag zwar nicht aktiv am Streik teilnehmen/ aber felbstverständlich jede Streikarbeit ab- lehnen werden. * Parteigenossen! Gewerkschcftsgenosse«! Der Kampf im Gastwirtsgewerbe ist entbrannt. Da? Hilf?- personal wohnt zum großen Teil in den Betrieben. 5)i« organisierte Arbeiterschaft kann und soll auch hier helfend'eingreifen. Wir bitten deshalb die Partei- und Gewerkschastsgenossen dringend, uns für das weibliche Hilfspersonal Schlafgelegenheit für einige Tage zur Verfügung zu stellen. D.!e Zentralstreiklaiwng des GastwirtSgewerbeS. N. 24, Elsasser Str. 86. , GewerkschaftSgenosscn Schönebergs. Die betr. Genossen, welche gewillt sind, in die neu zu gründende OrtSwsbr einzutreten, wollen sich recbt bald beim Bezirksführer ihrer Berufsorganisation melden. Militärpapiere sind mitzp- bringen. Tie Bezirksfiihrer geben umgehend Nachricht an den Od- mann der Geiverrschaftskommrssion Ost. Hauffe, Nollendorfstr. 25. Der Ausschuß der Schöneberger Gewerkschaftskommission. Eine überfüllte Mitgliederversammlung der im Deutschen Transportarbcitervcrband organisierten Packer, Hausdiener, B o t e g und weiblichen Personale aus dem Buchhandel, den Papier- und Pappen-, Briefumschlag- sowie Buchbinderei-, Buchdruckerei- und Zeiwstgsverlagsbetsieben nabin in Wilkes Festsälen zu der Haltung der Arbeitgeberverbände über die eingereichten Lohnforde- rungen Stellung. Von den Kollegen H a e r l i n g und P o d u b r i n wurde die gegenwärtige wirtschaftliche Lage eingehend geschildert und erklärt, daß von einzelnen Firmen Teuerungszulagen bis zum Abschluß des TariseS gewährt worden sind. Für die Briefumschlagbetriebe seien Verbandlungen angesetzt, alle anderen Arbeitgeber- verbände haben bisher einen Termin nicht bekannt gegeben. In der Diskussion kam zum Ausdruck, daß nicht mehr länger gewartet wcr- den kann, da die wirtschaftliche Notlage eine sehr große ist. Folgende Resolution fand e-nstimmige Annahme: „Die versammelten Kolleginnen, und Kollegen de? graphischen Gewerbes nebmen Kenntnis von der Haltung der Arbeitgeber bezügl. der Tarifverhandlung und sprechen den Arbeitgeberverbänden ihre schärfste Mißbilligung auS, da dem Ersuchen um baldige Verband- lung keinerlei Rechnung getragen wurde. Sie erblicken in der Ver- zögerung der Verhandlung eine Verschlechterung ihrer Lebenslage und sind nicht gewillt, länger zu warten. Sie fordern daher die Organisation auf, unverzüglich Schritte zu unternehmen, um die Arbeitgeber zu verai äffen, sofort die Verbandlungen aufzunehmen.> Sollten die Arbeitgeber weiterbin auf einem hinhaltenden Stand- Punkt verharren, sind die Arbeitnehmer zum äußersten bereit." Es wurde den Mitgliedern empfohlen, bis dabin in allen Be- z trieben um Gewähüung einer Teuerungszulage vorstellig zu werden. L-rantw. fvr dcn red-lttion. Teil:«rwr zicklcr, Tbarlottenbur«! für An, eisten: Th. Ewcke. Hcrlin. Verlast: VarwSrts.Verla« G. m. d. 2., Berlin. Druck: Bst!- wäris.Buchdruckerei u. Verlastsanstall Paul Sinaer u. Co. Berlin. Lindensir, st. Kupfer, Messing, ginn, Zink, Blei so- wie smntl. Alt- u. EdcimetMe lauft hijchstzahlend• Metall■ Einkaufs-Zentrale, Kottbuser Damm 66 (HeruiftNNPlatz). Mpl. 13580 Elektro-Motore Leitungs-Dynanw-Driihte, In- stallav-Materlstl kauft laufend Elcrtroniech..gentrum.. Werkstatt gearbeitet. Ruft, ilbelmstrafte 40a,. 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