ffr. 199.37. Ia�rs« Bezugspreis; V ertel!ahrl.Zl,— Ml�vlonaL.?/— M, frei ins Haus, aotous zahlbar. Post- tezuq: Monatlich 7,— Mh. ejfLSu« kiellunqsgeoühr. Unter Kreuzband Nr Deutschland und Oesterreich-Ungarn 10.2", Mi, Nr das übrige Ausland >4 30 auf., bei täglich einmal. Zustellung 1250 Mk. Postoestellungen nehmen an Dänemarl. Holland, üuremburg, Schweden und die Schweiz. Ein- getragen in die Post- Zeitung»- Preisliste. Der„Vorwärts" mit der Sonntagsbeilage„Volk u. Zeit" erscheint wachen- täglich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adreffe: «Sozialdemokrat Becnn". MorArn-Ansgade 0» ( 20 Pfennig � Verlinev Volksblclkk Zentralorgan der fozi aldemokratl fchen Partei Deutfcblands Anzeigenpreis; Sie achtgespaltene Nonpareillczeile kostet 2.50 M.,Truerungszuschlag50°/». «Stein» Anzeigen", das Kit- gedruckt- Wort 75 Pfg.(zuläfstg zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort S5 Pfg.. jedes wettere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszufchlag 50%. Familien- Anzeigen, potttische und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen 2,— MI. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen Nr die nächste Nummer müssen bis 6 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EW 68, Lindenstraße 8, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 5 Uhr abends. Neüaßtion uvü Expeüition: SM. 68, Linöenstr. Z. Fernsprecher: Amt Morittplast- Nr. 13190—15197. Montag, den 19. April 1930. vorwärts-verlag G.m.b. h., Sw. 68, Lmöenstr. Z. Fernsprecher: Amt Moritiplatt, Nr. 117 5Z— 51. der Streik in Gberfchlesien. Breslau, 18. April.(Eig. Bericht des„Vorwärts".) In der Streikangelegenheit ist heute die Entscheidung gefallen. Die StreiNcitung hat den Zementarbeiterg ein Telegramm gesandt, daß sie ausharren möchten. Jlorgen beginnt der Streik der Gruben und Hsitteulkrbeitcr. Dkx Bund der technisch-industriellen Beamten schließt sich ebenfalls dem Streik an und die kauf- münnischcn Beamten werden morgen beraten, ob sie die Arbeit nie- dcrlcgen sollen. Für sie würde dann Dienstag der Tag des Streik- beginns sein. Die polnische Berufsvereinigung, in der der polnische Mittelstand organisiert ist und deren Führer Kor- fantp war, haben sich von der polnische« Politik abgewandt und stehen geschlossen hinter den Deutschen. Die Franzosen erklärten, sie würden, falls der Eisenbahnbetrieb stillgelegt werden würde, die Grenzen nach Polen öffnen und polnisches Militär hereinlasse». Tatsächlich stehen polnische HeereSmassen an der Grenze von Posen bis nach Galizie«. Das entschiedene Auftreten der Arbeiter hat insofern schon einen Erfolg gehabt, als der französische Kommandeur die Offiziere, die an der am Freitag tzorgekömmenen Miß Hand- laug beteiligt waren, veranlaßt hat, sich zu entschuldige«. Ten beiden Mißhandelte« wurde cm Schmerzensgeld von 1000 bzw. 3000 M. zugebilligt. Während also auf Grund dieses Berichts der Streik der Arbeiter unmittelbar vor dem Ausbruch steht, wird über den Stand der Angestelltenbewegung folgendes mitgeteilt: Kattowip, 18. April. Ter Streik d.'r Angestellten der Schwerindustrie ist abgewendet worden. Gestern morgen haben in Kattowip Verhandlungen stattgefunden mir einem sieben- köpfigew Ausschuß, zusammengefetzt aus Landrat S ch w c n d y- Kattowitz als Borsitzenden, dem italienischen Ingenieur P e r o- f r a n c a als Vertreter der Entcntekommission, Oberbergrat BrandeS als V:rtreter des Demobilkommissars, Rcgierungs- assessorS D e r c w s, ebenfalls von der-Negierung Oppeln, Oberberg- rat Fischer als Vertreter des NeichSwirtschaftsminifteriumS, Berg- rat W c st p h a l als Vertreter des SchlichtungsauSschusscs Katto- Witz und Assessor Bcckhans als Attache des LondratL Schtdendy. Die Kommission verhandelte mit den Vertretern der Arbeitgeber, 23 Werkvertreteru und 35 Angestellteuver- trete rn. Tie Verhandlungen führten gestern abend zu dem Ziel, daß zunächst der Gleiwitzer Schiedsspruch für die kaufmännischen Angestellten von den Arbeitgebern angenommen wurde. Damit ist ein Hauptpunkt der Angestrlltenfvrderungen erfüllt. Weiter wurden den technischen Angestellten Auf- schlage auf die Februargehälter gewährt, die durchschnittlich 45 Proz. betragen, während man bei den kaufmännische« Ang:stellten nur Aufschlüge von 25 bis 35 Proz. auf die Febriiargchälter ge- währte. Als Bedingung wurde vereinbart, daß die Arbeitszeit für die kaufmännischen Angestellten nicht mehr 45, sondern 48 Stunden betrage« soll. Die weiblichen Angestellten erhalte» die ge- forderte» Gehälter mit 10 M. Abstrich. Es wurde weite, verein- bart, daß aus Anlaß der Strcikvorbcreitungen keinerlei Maß. regelungen erfolgen dürfen. Durch diese Abmachungen ist eS gelungen, den Arbeiterkampf abzuwehren und die Ruhe zu sichern. Die Kopf- und Handarbeiter OherschlefienZ protestieren gegen die Entscheidung der Entente, daß die BetriebSräte in OSerschlesieu nicht eingeführt werden dürfen. Die Kopf- und Hand- arbeiter lassen sich ihren Anspruch auf das Betriebsrätegesetz nicht nehmen und fordern Beibehaltung aller ihrer Rechte. Die Betriebs- räte werden aufgefordert, ihre Funktionen auszuüben. Die Bei- antwortung für alle Vorgänge, die aus der Nichtbeachtung der VölkerrechtSgrundfätze entstehen, tragen nicht die Ar- bester, sondern die Ententekommission und ihre Ratgeber. Für den Fall, daß die genannte.Entschließung bei bei der Plebiszitkommis- sion kein Gehör finden, find die Kopf- und Handarbeiter fest ent- schlössen, ihre Rechte auf daS äußerste zu verteidigen. tzölz in Söhnten verhaftet. Dresden, 18. April. Vom Wehrkreiskommando 4 wird ge- meldet: Nach übereinstimmenden Mitteilungen der tschechischen GrenzkommandoS i« Gradlitz und Breitenbach so- wie der Militärpolizei in Eger ist Hö lz am 17. d. M. in Marien- bad verhaftet und i» das KreisgerichtsgefängniS Eger ein» geliefert worden. Zu der Verhaftung von Hölz wird der Pokizeiinspektion in Eger noch mitgeteilt: Hölz verweigert jede Auskunft über feine Person- Er erklärte, erst vor dem Gerichtshofs Prag Rede stehen zu wollen. Durch Gegenüberstellung mit einigen anderen «n KreisgerichtSgefänynis befindlichen Verhafteton wurde jedoch seine Identität festgestellt. ES wurden bei ihm noch etwa 130 000 M. vorgefunden. Mit ihm zusammen wurde ein Koov- nninist nrnnepf SSefiej ftstgsnomman. Renners Reife nach Rom. Günstige Ergebnisse. Wien, 17. April. Im Ausschüsse der Nationakversaunnlung für Auswärtige Angelegenheiten berichtete Staatskanzler Nenner über die Ergebnisse seiner Reise nach Rom: Derselbe Zweck, den wir im Dezember und Februar in Paris, im Januar in P r a g verfolg- teil, und der in weiterer Folge auch in Belgrad, Bukarest und War- schau verfolgt werden soll, liegt der Reise nach Rom zugrunde: die Wiederherstellung direkter normaler Beziehungen und Ver- Handlungen zwischen den Ressortministerion zur Durchführung des Friedens van St. Germain. Der Staatskanzler hob die gastfreundliche Aufnahme der Abordnung hervor. Die Teilnehmer der Abordnung nahmen den Eindruck mit, daß � mehrhundertjnhrige Mißverständnisse zwischen beiden Völkern auS der Welt geschafft und ihre Beziehungen auf neue Grundlagen ge- stellt sind. Obfchon die für uns überaus schmerzliche deutsch-südtiroler Frage offen geblieben ist, sind viele trennende Ueberliefebungen, welche an das alte Reich gebunden waren, jedoch mit dem nationalen Dasein unserer deutschen Alpenlande nickst verknüpft sind) aus der Welt ge- schafft. Wir find bloß Zwangserben der alten Monarchie und können unS der Erwartung hingeben, daß in alle Zukunft die beiden Völker Freunde und gute Nachbarn sein und bleiben können. Der Staatskanzler gab sodann eine Zusammenstellung der E r- gcb n isse der Verhandlungen. Was die Ergebnisse in politischer Beziehung betrifft, schreiten beide Regierungen in loyaler Weise an die Ausführung des Friedensvertrages, wobei Italien den Schwierigkeiten der ökonomischem umd finanziellen Hage Oesterreichs Rechnung tragen wird. Italien wird Oesterreich bxi der Auf- rechterhaltung seines im Friedensverträge garantierten Besitzstandes sowie bei der Frage der Zulassung zum Völkerbunde unter- st ü tz e n. Die diplomatischem Beziehungen werden unverzüglich auf- genommen. Beide Staaten wirken diplomatisch und� politisch für die Auftechterhaltung des Friedens zusammen, beide wünschen die Wie- deraufnahm« der gegenseitigen Handelsbeziehungen zu fördern. 0 Der'Staatskanzler teilt« sodann mit. die tvirtschaftlichen Ver- einbarungen in dem getroffenen Scknf�fahrtS abkommen bestimmen, daß österreichische Ware und für Oesterreich kestimmte Waren im Triester Freihafen keinen Einsuhr-, Ausfuhr- und Durch- fuhrzöllen unterworfen und wie einheimis che behandelt wer- den sollen, lieber seinen eigenen Bedarf an Schiffsraum hinaus er- hebt Italien keine Einwendung gegen die Vereinbarungen, die die österreichische Regierung mit Triester Schiffsgesellschaften zur Be- schaffung de? notwendigen SchiffSrmimes für den österreichischen Verkehr sowie zur Feststellung paritätischer Frachtsätze treffen wird. Di« österreichische Regierung verpflichtet sich dagegen, ihren Waren. verkehr über Trieft, durch geeignete Vorkehrungen zu erleichtern und wenigstens 50 Proz. ihrer Ueberseebezüge über Tri est zu leiten. Die italienische Negierung beschloß ferner, sich an einem inter- alliierten Kredit für Oesterreich mit 100 Millionen Lire zu betet- ligen und wird Oesterreich Rohstoffe und Nahrungsmittel im Werte von 100 Millionen Lire liefern. Der Stacktskanzler betonte schließlich: Die getroffenen Verein- barungen bahnen eine Durchführung des Friedensvertr ige?, cm, welche auf die wirtschaftliche und finanzielle Lage Oesterreichs Rücksicht nimmt und einer dauernden Versöhnung beider Nationen Rechnung trägt. Solöatenüemonftration in Versailles. In Bersaillek fand eine Kundgebung von Soldaten statt, die die Entlassung der Heeresklasse 1918 forderten. Ein Haupt- mann soll dabei angegriffen und verwundet worden sein. Patrouillen trieben die Demonstranten auseinander. Paris, 17. April. Der KriegSminister erklärt in einer Havasnode, die gestrigem umd vorgestrigen Kundgebungen in Versailles könnten nicht als besonders ernst angesehen werden, da nur ein kleiner Teil der Garnison daran teilgenom- men habe. Weder aufrührerische Rufe noch aufrührerische Lieder seien laut geworden. poincarös Schuld am Kriege. Paris, 17. April. Gabriel Reuillard schreibt im»Popu- kaire", der Journalist Poiucare habe in der JRetme des Mondes" die Verteidigung des ExPräsidenten Poimcarä über- nommen. Er fühle,, daß ein, immer größerer Teil der Nation ihn für besonders verantwortlich für den Krieg halte. Die ftanzösi- scheu Nationalisten seien mit Wohlwollen von Poincarö angehört worden, dessen Wahl zum Präsidenten der Republik sie sichergestellt hätten. Wohmf komme eS denn, daß anläßlich seiner Wahl zum Präsidenten Politiker der verschiedensten Richtungen, u. a. JaureS umd Ribot, ausgerufen hätten:„Poincare, das bedeutet den Krieg!" Warum habe daS Gesetz über die dreijährige Dienstzeit und die nationalistifche Welle(Zapfenstreiche, Theaterstücke, chauvinistische Revuen umd EhansonS in den Musi- kalten) begonnen, als Poincare Minister des Aeußern geworden sei, und warum habe er dem Zaren Nikolaus, der zuerst mobi- lisiert habe, einen Besuch abgestattet. Der �emalige Sekretär und persönliche Freund von Poincare, Maurice Colrat, habe am 14. Dezember 191� in der„Opichon" geschrieben:„DaS wieder- eroberte Metz und Steaßburg, das ist der Erfolg einer Politik, die nicht immer leicht zu machen war, die aber Raymond Poincare mit hs�arrüchex Geschicklichkeit ge vi acht hat!" Die Reaktion in Mecklenburg. Von K. WurbS-Schwerin. Die schon mehrfach geäußerte Vermutung bestNigt sich: monaräsisttsche Ltreise bereiten einen neuen Pmtsch vor. Wie' bei dem Verbrechen des 13. März sollen auch diesmal wieder die agrarischen Gebiete der deutschen Republik die Opera-. tionsbasis bilden. Aus dem benachbarten Pommern werden Versuche gemeldet, dem neuen Vorstoß der Reaktion ein festeres'Gefüge und ausgedehntere Organisation zu geben. Die Fäden der neuen Verschwörung sind weitverzweigte. Ihre Knüpfung wird sorgfältig vorbereitet, wie die Art und Weise beweist, mit welcher die Arbeit in Mecklenburg ausge- führt wird. Aehnlich wie in Pommern werden auch hier ent- lassene und sorgfältig ausgewählte Reichswehrs oldaten als „Landarbeiter" auf den Gutshöfen untergebracht, und Offi- ziere in Uniformen herrschaftlicher' Jäger und Förster sind jeden Augenblick bereit, ihre vorläufig passive Rolle mit der militärischer Führer zu vertauschen. Wie aus sicherer Quelle berichtet wird, sind die fogenarmten„Landarbeiter", die selbstverständlich an wirkliche Arbeit gar nicht denken, zum größten Teil ehemalige Baltikumer. Mit Waffen und Munition sind sie reichlich versorgt: zudem befinden sich auf den Gütern noch immer eine große Anzahl MascPnengewehre und Gewehre, die die Schweriner Reichswehrbrigade auf angeblichen Befehl Noskes den Junkern überwiesen hatte. Soweit man den neuen Putschplan überschauen kann, ist er nicht übel erdacht! Er' ist die logische Fortsetzung des Lettow-Vorbeckschen Unternehmens vom 18. März. Damals versicherte mir einer seiner Ossiziere treu- herzig: Besitz der Lebensmittelkammern Deutschlands werden wir auch die ungebärdige industrielle Arbeiterschaft bändigen können— ein Widerstand Ihrerseits(des mecklen- burgischen Landproletariats) ist also zwecklos." Zudem ist die Verpflegung größerer Truppenkontingente in unseren agrarischen Gebieten nach dem Motto: Der Krieg muß den, Krieg ernähren, sichergestellt. Für hohe„Kampfzulagen" sorgen die Junker, um deren politischer Ziele wegen ja die Rebellion geführt wird. Darüber kann kein Zweifel bestehen: Gelingt eS den Putschisten, ähnlich wie in den Märztagen in vielen Gegenden Pommerns und Ostpreußens, den Generalstreik der Land- arbeiter durch bewaffnete Horden auch in Mecklenburg zu er- drosseln, dann haben sie Außerordentliches erreicht. Das wissen die Junker und ihre militärischen Schützlinge natürlich sehr genau. Daher auch die Macht, mit welcher sie schon den ersten Verstoß begannen. Außer Berlin, Ostpreußen, Pommern und einigen mitteldeutschen Städten war es ein- zig Mecklenburg, in dem die Kappisten si'ir kurze Zeit im- umschränkte Gewalt besaßen und der Bevölkerung die, Vorzüge der Militärdiktatur mit Maschinengewehren und Gummiknütteln in die Schädel hämmerten. Nur dem glän- zend durchgeführten Generalstreik, der jede Regung Wirt- schastlichen Lebens erstickte, war es zu danken, die blutige Gewaltherrschaft Lettow-Borbecks zu brechen. Daß freilich der Putsch der Kappisten in imferem Lande zur ausgesprochenen Gegenrevolution werden konnte, ist nicht weiter verwunderlich. Ungestörter als anderswo arbeitete in der Sülle Lettow-Vorbeck und sein treuer Gehilse, der Gene- ral Ribbentrop, der nochcheute mit Amt und Wnr- den belastet in Schwerin thront. Die Reichswehrbrigade hatte ein tadellos fimktionierendes Spitzelbureau ein- gerichtet, dessen Tätigkeit ein ebenso dunkles Kapitel bildet als die Herkunst des Geldes, womit es unterhalten wurde. Dieses Bureau bildet den Scatunelort aller monarchistischen Offiziere, deren Beseiügung noch heute auf sich warten läßt. Es versorgt« die Truppen mit deutschnationaler„Aufklärung" und verfaßte auch die hier berüchtigt gewordenen Berichte über die„spartakisüsch" gesinnten Mannschaften, die sich zn- meist bei näherer Prüfung als Demokraten oder Mehrheits- sozialisten entpuppten, ttotzalledem aber rücksichtslos entfernt wurden. Eine besonders üble Rolle spielte der in der Presse mehr- fach erwähnte Oberst v. Baum b ach, welcher noch am Sonnabend, den 13. März, vor„seinen Truppen ein« An-� spräche hielt, bei welcher die Lügentclegramme Kopps als lautere Wahrheit verkündet wurden. Baunibach ließ keinen Zweifel darüber, daß ixrs gesamte Offizierkorps der Br'igade sich restlos hinter die„neue Regierung" gestellt habe. Um seine monarchistische Gesinnung nochmals zu unier streichen, erschien er am folgenden Sonntag in Beglei- tung eines Majors(Söderström heißt der Mann und macht noch immer ungehindert Dienst) zu den versammelten Unter- offizieren und versuchte, sie von der asten Regierung abwendig zu machen.„Der Eid. den Ihr Noske geschworen, M nunmehr dem neuen Reichswehrminister v. Lüttwitz"— rief er den Leuten zu. Und derselbe Oberst wird, statt hinter Schloß und Riegel an die Spitze eines Stabes gesetzt und aus die Bevölkerung des Ruhrreviers losgelassen! Ebenso wie im Reiche ist auch in Mecklenburg mit der Säuberung der Osfizierkorps kaum besonnen worden. Dafür wurden ein erheblicher Teil der versassungs- ttWgn ManyMstW in den TgRn des PuMes enZMölß. Ure Wiedersi-rrstellim� ist zwar von 6em neuen SUTtlitor- befehlshober angeordnet worden, doch hat ein großer Teil der Leute die Entlassung der Schikanierung durch die Offiziere vorgezogen. Truppen und Arbeiterschaft, insbesondere das Landproletaciat, schauen deshalb mit größtem Mißtrauen in die Zukunft. Die Horden des DetachementZ Roßbach haben das Volk ousgeriittclt. Völlig schuldlose Arbeiter wurden wie wilde Tiere niedergeknallt. Auch dann noch, als Kapp bereits beseitigt und die alte Regierung wieder m Berlin war. Die Junker hatten vorsorglich Listen angefertigt, in denen die Vorsitzenden der Ortsgruppen der Partei und des Landarbeiterverbandes als unschädlich zu machende Hetzer bezeichnet waren. Die nur zerschlagen und geschunden aus dem Standgericht hervorgingen, konnten trotz der unmensch- lichen Mißhandlungen noch immer von Glück sagen. Vielfach wurden sie nach erfolgter Marter langsam zu Tode gequält. Tie tötende Kugel war für sie eine Erlösung. Kein Wiarder deshalb, daß die alarmierenden Nachrichten aus dem benachbarten Ponimern wie Bomben einschlugen. Oberpräsi'dium und Wehrkreiskommando geben sich zwar die erdenklichste Mühe, beruhigend zu wirken. Ohne Erfolg! Die Wirklichkeit ist eben eine andere als die Bericht« uns glauben machen wollen. Die Arbeiter sehen, mit welch offenen Armen die� Baltikumer auf den Gutshöfen aufgenommen werdem Sie leiden unter deren provozierendem Auftreten. Was hilft es da, wenn das Wehrkreiskommando mitteilt, daß„geschlossene" Baltikumformationen in Mecklenburg nicht mehr vorhanden, diese vielmehr aufgelöst sind? Die Forma- ftonen sind aufgelöst, nur daß die Mannschaften fetzt auf den Gütern verteilt sind. Die ei-nzige Hoffnung der Arbeiterschaft bleibt außer der eigenen Kraft nur noch die Sicherheitswehr, die unter dem Befehl des Obersten Lange steht, der als entschiedener Republikaner bekannt ist, deshalb aber von der rechtstehenden Presse auf das schärfste bekämpft wird. Das Blatt des Rutsch- nationalen Abgeordneten v. G r a e f e pöbelt ihn fast täglich in der widerlichsten Weise an, was natürlich die Po p u l a r i- tat derSicherheitswehr nur steigern Hilst. Zwischen Sicherheftswehr und Arbeiterschaft besteht ein vorbildliches Vertrauensverhältnis. Ein ähnliches auch zwischen Reichs- wehr und Volk herzustellen, ist unser aller Bemühen. Leider muß es so lange vergeblich bleiben, als die kompromittierten Putschoffiziere noch innner der Reichswehr angehören. Ar- beiter und repichlikanische Truppen hoffen, daß den schönen Reden des Reichsmftnsters endlich auch die Taten folgen wer- den. Augenblicklich werddn die Reden mit Hohnlachen ab- getan. Die Ankündigungen von Entfernungen und Bestra- fungen stehen eben in zu schroffem Widersprich mit den Tat- fachen..Junker und Militärs rüsten, man spürt die Putsch- atmosphäre, wohin nian kanmvey mag. Währenddem redet die Regieni r»g und redet so langt', bis es ibr ergeht, wie dem mecklenburgischen Staatsminislerium, das Lettow-Vorbeck am 13. März einfach in Schutzhaft nehmen ließ. Eine gleichermaßen schwüle Stimmung herrscht unter den republikanischen Reich swehrtr.upp en. Das be- fastende Material gegen die Putschisten häuft sich täglich mehr. Mft dem Anwachsen der Anklagen wächst auch das Gefühl der Erbitterung bei den Truppen. Anderseits, hat die put- schistische Mehrheit des Offtzierkorps, toie uns aus Offiziers- kreisen berichtet wird, das Gefühl, baß die einzige Rettung nur einneuer Putsch sefti kann. Sie haben nichts mehr zu verlieren, nur noch zu gewinnen. Das stärkt unsere Vermutung, daß die Gegenrevolution hier ihren besten Boden findet. Die einzige Möglichkeit, ihr vorzubeugen, ist s o f o r- t ig e Entfernung der belasteten Offiziere. Aber sofort müßte sie geschehen, sonst lodert hier ein Brand auf, der nur Trümmer übvig läßt. Admiral Jellicoe, der„Stöger ron Skagerrak", wurde zum Generalgoiwerneur Neuseelands ernannt. Diese Verschickung eine'S der meist gefeierten KriegShelden Großbritanniens nach den Antipoden stellt offenbar etwas ganz anderes als-eine Ehrung dar. Regierung und WTö. Schwere Beschuldigungen hat die„Freiheit" gegen die Leiter des WTB. erhoben. Direktor Dr. M a n t- I e r soll durch einen Schritt bei der„Regierung" Kapp jenen Erlaß erwirkt haben, durch den das Bureau als lebens- wichtiger Betrieb bezeichnet wurde und den Ange- stellten, die in den von der berfassungsmäßigen Regierung, von den Parteien und von den Gewerkschaften ausgerufenen Streik steten würden, Zuchthaus st r.afen angedroht wurden. Direktör Dr. D i e z soll in einem von einem Be- amten der Pressestelle der Reichsregierung zufällig abgehorchten Telephongespräch mit dem Nachrichtenoffizier Kapps, Kapitänleutnant L e n tz s ch, die für die Mllftaristenbande g ü n st i g erscheinenden Nachrichten mit I u b e l r u f c n, die weniger günstigen mit Schmerzensaus drücken aufgenommen haben. Ferner soll er im Laufe dieses Gespräches einer Kapp-Meldung bei der Stilisierung in einem für die Rebellen günstigen Sinne Beistand geleistet haben. Die Antwort der beiden Angeschuldigten war äußerst mangelhaft. Die angeführten Tatsachen wurden nur zum Teil bestritten und zwar in sehr gewundener, unsicherer Weise. Wir hatten daraufhin angenommen, daß die Regierung zu dem Falle Stellung nehmen würde, der sowohl für sie. wie auch für die gesamte verfassungstreue Bevölkerung ston größter Bedeutung ist. Bisher ist dies eigentümlicher- weise nicht geschehen. Daher müssen wir an die Regierung die Aufforderung richten, sich möglichst bald zu äußern. Es geht nämlich wirklich nicht an, daß die Reichs- regierung sich dem deutschen Volke und dem Auslande gegenüber mnes Bureaus bediene, das sich ftnllig in den Dienst der Hochverräter stellte, während Millionen ihre Haut zum Schutz der Republik zu Markte trugen. Hält die Regierung die Beschuldigungen der„Freiheit" für unrichtig, dann muß sie es selbst erklären und. diei� Beschuldigungen mit einwandfreiem Material widerlegen. Die obenerwähnte„Rechtfertigung" der beiden Direktoren genügt in unseren Augen auf keinen Fall. Was das Telephon- g e s p r ä ch anbelangt, so ist eine Widerlegung auch kaum zu erwarten, da der Beamte der Pressestelle, der den Fall selbst vor einem größeren Kreis von Pressevertretern erzählte, uns als ein absolut zuverlässiger Parteigenosse bekannt ist. In dieser Hinsicht erscheint uns also eine Partei- nahme� der Regierung für WTB. als ganz ausge- schlössen. Sollte WTB. ivährend des Putsches versucht haben, sich zwei Eisen im Feuer zu halten und. durch eine „neutrale" Haltung, beiden Lagern Dienste zu leisten, so ist sein Fall, unseres Erachtens, nicht um ein Haar besser. Ist die Regierung dagegen, mit uns und der„Freiheit", zu der Erkenntnis gelangt, daß die Haltung des Bureaus während'des Putsches nickst einwandfrei war, dann isstes ihre Pflicht, sofort die Konsequenzen daraus zu ziehen. Wir wissen wohl, daß eine Regierung eine große offiziöse Nachrichtenagentur mit einem bereits eingearbeiteten und ausgedehnten Apparat mit Auslandsderbindungen u n- bedingt braucht, und als solche kommt gegenwärtig nur WTB. in Betracht. Aber an der Person der k o m p r o m i t- tierten Leiter dieses Unternehmens kann diese Frage unmöglich scheitern. J Jedenfalls ist der gegenwärtige Zustand unhaltbar, weil unwürdig und mir geeignet, das Vertrauen weiter Volkskreise in die Regierung zu schwächen. �tntibolschewlstische Inöuftrieritter., Von mehreren Seiten werden wir auf einen Herrn Dr. Lasker aufmerksam gemacht, der die setzt wieder ausslam- mende Angst des Bürgertums um den Geldsack für ein zwei- felhaftes Unternehmen auszunutzen sucht. Mit Hilf« ekner Schreibmaschine hat er den„Verband gegen den Bolschewis- mus" gegründet und einen' Aufruf losgelassen, der in die Der Oberbefehlshaber. Bon Martin Feuchtwanger. Es ist so leicht, ein Großer zn werben heute, wo die Ordnung wackelt und wo das Rechtmäßige dem Falschen gegenüber nicht die Faust gebraucht, sondern es mit Gute und Verstand in die Bahnen der Norm lenken will. In Delitzsch hat sich HanS Mokka zun, Oberbefehlshaber er- nannt, hat Erlasse herausgegeben, ami kicke Schriftstücke veröffentlicht, den Lmidrat verhaften lassen, einen Tag, eine Nacht, noch einen Tag, bis man ihn ein bißchen energisch anfaßte. Guckt man hinter die Kulissen diese? Putsches, so öffnet sich eine Komödie, die auf der Bühne zu unglaubwürdig erscheint. Herr Hans Molka ist ein Gastwirt. Trotz seiner viernndzwan- zig Fahre der regelreckie Besitzer einer regelrechten Gastwirtschaft. Da steht er hinter dem Schanktisch und mit Grazie gießt er seinen .Kunden«in GlaS helles Bier ein, eine:» Kümmel, einen Nordhauser. Er streicht sich den Schnurrbart und freut sich darüber, daß er ein Mann von Welt ist. Arbeiter kommen zu ihm, Kutscher, Stellungslose. Es ist ihnen nicht nur um ihr GlaS Bier, den Kümmel, den NoNdhäuser zu bin. Bei Molka gibt eS mehr, gibt«s eine Unter- Haltung, die die Nerven kitzelt und die weite Perspektiven öffnet. „Na. waS gibt'S NeueS, Molka?" „Nichts, nicht daß ich wüßte!" Molka pflegt fein« Perlen nickt vor die Säue zu werfen, er, dessen politische Kenntnisse und Gefühle sich doch nicht zu vergleichen brauchen mit denen dieser AhnungS- losen. Erst nach langem Drängen und wenn die Kunden z u alberneS Zeug schwätzen, öffnet sich MolkaS Mund. Jetzt erst sieht man. wer er ist. der Herr Molka. Wann er nur wollte! Wenn er Präsident der Republik werden wollte? Kleinigkeit! Mit Kußhand würden sie zugreifen, dies« Sckfappfckwänze. Aber wozu? Will er gar nicht, der Herr Molka! Denn das ganze System paßt ihm nicht.„Ihr wißt ja natürlich nicht, was das ist. ein System. Aber das Svstem, das ist die Hauptsache. Erst da» System, dann da? Regieren!" Und die Arbeiter, die Kutscher, die Stellungslosen lauschen mit offenem Mund den Worten diefeS Großen, dieses Staatsmanns, der die Welt in die Tasche stecken könnte, wenn er trvllte, und der sich den Schnurrbart dreht. Und ein«? schönen Tages will Molka wirklich. Man hat eS ihm hinterbracht, daß der Land-rat von Manteuffel mit Kapp unter einer Docke gesteckt hat, daß er Arbeite, mißhandeln hat lassen. Die eS ihm erzählen, schimpfen und tvakehlen, aber fi« tun nichts dagegen. Molka reißt die Geduld. „Ich werde da? ändern. Ich werde da» abfckaffen. Herr Man- teuffel hat ausgespielt. Jetzt werde i ch den Befehl übernehmen." Und Arbeiter, Kutscher. Stellungslose tun mit, trunken von MolkaS Worten. Zwölf Mann, vierundzwanzig Mann. sechSund- dreißig Mann. Molka wirst sich in Gala und nimmt zwölf semer Anhänger oft. Mit Gewehr« te&0» x6* Uli«. taSfenb qr mst i zwei Begleitern zu Herrn Manteuffel geht und ihm erklärt, es sei auS. alles sei vorbei, e r habe jetzt den Oberbefehl übernommen und der Landrat sei verhaftet. Und dann sagte er noch einige? von -Schweinerei. „Wer sind Sie? Wie kommen Sie dazu?" „Die ganze Arbeiterschaft steht hinter mir.", Herr Manteuffel fügt sich und läßt sich abfuhren. MolkaS Anhang wird größer. Stolz dreht er sich den Schnurr- bart, die kleinen Bedenkon sind geschwunden. Er verständigt die städtischen Behörden davon, daß sie setzt unter i h m stehen. Er läßt rote Plakate drucken und unterschreibt sie: Oberbefehlshaber Molka. Delitzsch ist in größter Aufregung. Die Depesche durchläuft Deutschland: Ein Putsch in Delitzsch. Und die maßgebenden Behörden, die' Molka eigentlich nicht recht anerkennt, die Schlappschwänze, begeben sich zum Herrn Ober- bcfeblShaber, der sie mit Eönnenniene empfängt. Aber schon nach wenigen Minuten wird aus seiner Gönner- eine Armsündermiene p denn er sieht, wie aus seinen sechSunddreitzig Mann wieder vier- uniywanzig werden, zwölf, noch woniger, und daß man doch nicht ganz so schlapp ist... Er denkt an seinen Bier- und SchnapSauS- schank, an sein« bürgerliche Existenz, und er stammelt' Entschuld!- gnngon; er habe es gut gemeint, er sei getäuscht worden, man dürfe «S ihm nicht übel nehmen, und er lege unter diesen Umständen sein Oberbefehlshaberamt gern in andere Hände... Er steht wieder hinter dem Schanktisch und gießt den.Kunden Bier, Norphäuser, Kümmel ein, und wer ihn nach seinen Erleb- nissen fragt, wird barsch angefahren. Erst über Jahr und Tag wind er erzählen, wie er Oberbefehls- Haber war und daß er ganz Deutschland in die Tasche gesteckt hätte, wenn er nur gewollt hätte und wenn er wicht Mitleid mit den Herren gehabt hätte.__ Die Zrau ohne Schatten. Erstaufführung im Opernhaus. Nach Wien und Dresden— Berlin. So will c» diesmal die Regie Straußfcher Heimatliebe. Man bereitet seine,« Werk einen Beifall, dxr nach dem 1. und 3. Akt vielleicht vom Rausch der Sen- saiion mitdiktiert war. nach dem 2i aber die tiefsten Spuren innerer Begeisterung trug. Hier triumphiert die überragende künstlersche Vitalität der Schauspielerin Barbara Komp. Flammen schlugen au» dem Boden, wo sie stand und ging. Die Dekoration war fest- spielmäßig, obn: Prunk, von erlesenem Geschmack. Die Symbolik des Drama» blieb unklar, wo da» Orchester aufwallend die Stimme zudeckt. Die Musik ist in den Hauptteilen, besonders des zweiten Aktes, ton einem gewaltigen Ausdruck, da» Chorische, langgezogene Zwiesprache auf der Bühne und manche Debnunq des Orchester- fatzeS, auch der Schluß des Werke» zeigen den Erfinder Strauß zawr nicht mehr in einer aufsteigenden Linie. Der Meister einer malenden, mit Reizen vollgolodenen, sckwungvollen und zündenden Orchestersprache ader zwingt immer wieder zu grenzenlosem ffe- fpeft. Im ganzen ein echter und auch spezifischer Strauß, lieber da? FosttagSgscheick dieser Aulßföhvuwg soll»och gesprochen werden. Angabe feines Banj?ontos ausKingi. In diesem Aufruf heißt es u. a.: „Der Verband wird Auftlärungsschriften von Arbeiter- führern, in denen die bolschewistischen Utopien sachlich— unter Darlegung der augenblicklichen Verhältnisse in Rußland— widerlegt werden, unentgeltlich oder zu �billigen Preisen unter den Ar- heitern»erbreiten." Die Methoden.mach denen hier geschnorrt wird, können uns nicht gleickkgültig lassen. Herr Dr. Lasker soll uns er- klären, welche Arbeiterführer für ihn Broschüren schreiben wollen. Kann er das nicht, so bleibt die Behauptung zu wider- legen, daß es sich um einen Mißbrauch del Ansehens von Arbeiterführern handelt. Weiter wäre zu fragen, wer von den Unterzeichnern des Aufrufs(Bankdirektor Budde. Reichsschatzminister a.D. Gothein, Prof. Kahl, Wilhelm O st w a l d, Prof. O u i d d e, Dr. Mari- milian Pfeiffer, Käthe� S ch i r m a ch e r usw.) von sei- v ner Unterschrift etwas weiß, nachdem Anfragen m einem besonderen Falle das Gegenteil ergaben? Das Unfchulöslamm Dischoff. In der„Kreuzzeitung" fühlt sich Graf Westarp gedrungen. den Major Mschoff und die Eiserne Division gegen den Vorwurf der Teilnahme am Putsch zu verteidigen. Er schreibt:',' Eins weiß ich'positiv, daß von den Führern der Eisernen Division kein Mensch an militärische Gewalt- Unternehmungen denkt, und daß sie auch an dem März-Unter- nehmen nicht beteiligt gewesen sind. Die Vereinigung der Division, deren Bureau die Regierung mehrfach ausgehoben hat. widmet sich allein der wirtschaftlichen Unter"- bringung und rechtlichen Beratung jener tapferen Baltikum- iämpfer, die man um d)e Zusage, sie anzusiedeln, beiragen Hai. Gras Westarp scheint, alz er diese Ausführungen für den Sonntag schrieb, die SonnabendabendauSgabe des„Vorwärts" noch nicht gelesen zu haben. Aus der dort abgedruckten K o r r e- spondenz der Verschwörer ging die Beteiligung des Ma- jor B i s ch o ff an der Verschwörung klipp und klar hervor. Und was die Vereinigung der Eisernen Division anbelangt: wie er- klärt Graf Westarp die hier schon mehrfach erwähnte I n st r u k- tion des Vereins ehem. Angehöriger der Eisernen Tibision vom 30. Januar 1920, die mit den Worten schließt: Zum-Schlüsse mag noch auf die Selbstverständl'.chkeii hin- gewiesen sein, daß wir uns streng davor hüten müssen, die lev- te» politischen Ziele, die unS vorschweben, in der Oeftentlichkcit zu betonen. Diese Instruktion, gezeichnet HanS Hauptmann, trägt den Zusatz:„Mit Genehmigung des DivisionsführerS." Aber kein Führer der Division hat an den Putsch gedacht! Graf Westarp versteht das Heranslügen der Putschisten bald eben- sogut wie die Meineidsoffiziere selber. Der Eöelputfchjji! Unier den im ReichSwehrministevium Verhafteten figuriert sin Zivilingenicnr Meyer, der jetzt auS englischer Gefangen- schaft zurückgekehrt ist und seitdem viele Volksversammlungen vn- sicher macht. Sofern ein MehoheiiSsozialist vefeniert, meldet sich der Herr Putschist in der Diskussion zum Wort, stellt sich als stramm radikaler, national-anti semitischer Edel- kommunift vor, der der Welt zu sagen hat, daß olle bisherige Stellungnahme zum sozialen Problem eine falsche war. Ihm komme es nur darauf an, daß durch den Kommunismus der „christlich-germanische" Gedanke, den englisch-jüdi, s ch e n zu Fall bringe. Jener Herr gehört zu einer Gruppe von Nationalisten, die für ihr« verschwommenen Ziele Anhänger in den Kreisen der radi- ka l e n Arbeiter suchen. Das verbindende Glied soll wohl der Antisemitismus sein.. Wenn eS den Herren gelungen ist, ein paar Leute zu finden, die ebenso wirr wie sie solchen Phantastereien Miegen, so nimmt „�totigone' von Walter hasenclever. Großes Schauspielhaus. Sophokles wird umgedichtet, damit ein Kreon, ein Vorfahr Wilhelms des Gewesenen, mit den Worten des Hohenzollern wörtlich redet. Hasenclever witterte 1916 etwas und hatte Haß auf die kriegerische Welt. Er hatte Hoffnung in. che friedlich« Wel:. Nur fehlte ihm, dem kleinen Propheten, das groß« Talent. Darum blähte er sich sehr auf. Zu allen Zeiten, schon im„Sohn", schon in seinen Burlesken und Lyriken, gab er sich viel zu pausbäckig. Da» ist ein knabenhafter Dichter, kein kindlicher. Da sie die Leiche ihres Bruders doch bestattet hat und der scheußliche Kreon sie zum Grabe verurteilt, wird Antigone plötzlich zur Evangeliitin für das arme Volk. Nicht weil eZ sie auS dem In- nern treibt, sondern, weil der Dichter etwas wittert. Man gönn: ihm seine gute Gesinnung. Das Volk dankt ihr, der plötzlich entdeckten Mutier der Armen. Der König, der für, seine wau- kende Dsacht au? den gesammelten Torheiten Wilhelms de! Zweiten das. Passendste ausliest, wird verzweifelt. DaS Zeichen zum Verbrennen der Stadt gibt er. � Ohne Hausung, ohne die Fürstin, die schon zur Gruft verschwunden ist, bleibt daS Volk. Es sollt« verzweifelt sein. Da ihm einstmals von Antigone christ- [ich zugeredet wurde, ist eS aber mutig. Der Blinde, der Labm-, der Einarmige, sie alle Opfer einer bösen Kriegszeit, beschließen. neue Wohnung, neue Arbeit zu suchen, nach seiner halben Kraft ein jeder, doch jeder mit seiner ganzen Kraft. Oh, wir sind verwahrlost! Unser Theater rft verdummt. Sonst wäre es nicht möglich, daß ein kluger Regisseur, daß Herr Karlheinz Martin das ZirkuStheater zu einem geradezu zer- schmetternden Unfinn aufgebaut hat. Er hat st diel über die Grobheit des Lichtbildes und deS alten„lebenden KriegerveremZ- Hilde? und gegen CiegeSläulenstil und falsche Meuungerei und mißverstandene Klassik gegrübelt, daß er für diesmal ganz gelahmt scheint. Die Menschen und.Gruppen stehen nicht mehr meni'chl'ch aus der Bühne. Sie sollen monumental geichichtet stehen. Aber solche redendem- Denkmäler in Trikot und unter B-iprenkelung d-Z Scheinwerfers � strömen einen geradezu lächerlichen scheut der Starrheit und Gezwungenheit aus. Das Nucken der Massen, da! doch ein dumpfes Rumoren, ein dröhnende? Wogen»der ein zi- schendeS Gezeter sein soll, wird Pantomimenhaft gezirkelt. Antigone Frau Eysoldt. Sie muß sich ubersckreien. Sie kann keine Milde mehr atmen, sie muß böse theatern. sie geht, ob- wohl sie manchmal sehr rührend in die Rrnimunendlichkeit hineinklagte, wie ein heisere? und abgeschrieenes Ungeheuer; sie. die Ver- künderin Christi vor Thebens Gemäuer. Solches erzwangen Ha- senclever und der Zirkus von ihrer Schlichtheit. Herr Jen- n i n g s wollt« großen Charakter spielen, den Tvrannen mit Muskulatur, der den Faustschlag der Verzweiflung auf die nack?: Brust nicht fürchtet und sich, in Gewissensbissen heulend, grimmig übermenschlich aük dem Boden wälzt. Er übersetzte seine Rolle auS dem antik Königlichen ins athletisch Moderne, er war-Kraft- meier mehr als Kraft. Er täuschte' mit dem Wortetrug, den .Hasenclever vor Naive hinwirst, noch hitziget und sovgwser, als (eine Rolle es gestattete. Max Hochdorf. das zu heutiger Z«Ä nicht wunder, wo an allen Ecken tmd Enden feüfamc Volks'oe�Iücker erslehen.' Tarf man iwraitf noch kn»Wersen, daß dem Kreis de- Herrn Me»er Leute,' wie die radikalen„Gzrwsien" Wauer, Walden, Wilke nicdt fernstehen, von denen der Unabhängige Wmrer für t en Austritt S t r ö b e l S aus der Partei sprach, da dieser ihm nicht radikal genug. Das hinderte ihn keineswegs, mit Kapp zu verhandeln,„wofür ihm die Arbeiterschaft auf den Knien danken müßte". Und Herr WÄke? Ihn ließ die Revolution eine Wand- lung durchmachen, die ihn vom nationalen Antisemiten zum shn- dikalhtischen Di ktaluran Hänger führte. Ob er heute noch Mitglied der U. S. P. D. ist, wissen wir nicht. �öieu Kappisten! Reinigung der Beamtenschaft. Man wird fetzt darangehen müssen, entschiedener als bis- he? die Herren zu erledigen, die ihre staatlichen Aemter gegen die Republik führen. Die Ankündigung entlockt der Rechts- presse Wutschreis— ihr. die den schamlosen Gemissenszwang der unter den Hohenzollern regierenden Volksminderheit im- mer gestützt hat! Wenn übrigens das Urteil im Adlonprozeß. oder vielleicht auch die Bebandlung der Angeklagten durch den Vorsitzenden das beabsichtigte Vorgehen mit angeregt haben sollen, so ist freilich die Republik selber schuld an Au- ständen, wo unter dem K a i s e r b i l d Angeklagte mit JSo- »ig liebe Hoheit" und„Durchlaucht" angeredet werden; die Republik hat sich ja bisher nicht dazu aufschwingen können, d'e n A d e b a b z u s ch a f f e n, was man in Deutschösterreich und der Tschechoslowakei sofort getan hat.— Uebrigens handelt es sich bei dem Vorgehen nur um bewußt anti- republikanische Beamte. Die internationale Ser Soldaten. Eastern hielt der„F r i e d e n S b u» d der KriegSteil- n e h im« t" in den„Kammersölen" eine gut besuchte Versammlung ab. Einleitung und Höhepunkt der Veranstaltung bildete die Bor- lesung eine? Manifestes von Henri Barbusse an den „fs-riedensbund der Kriegsteilnehmer" durch Konrad Veidt. Der Emdruck der starken und schönen Worte des bekannten französischen Dichters und Sozialisten war ein gewaltiger. Wir werden, wenn irgend möglich, das Manifest in nächster Zeit abdrucken. Dann sprach Karl Vetter über die Ziele des Friedensbundes, der eine Weltkameradschaft aller ehemaligen Soldat, en zum Kampfe gegen den Krieg erstrebt. Nach ihm kam J'gnaz Wrobel zum Wort, der mit packender Folgerichtigkeit und feinem Sarkasmus das Wesen des preußisch-deutschen Militarismus zergliederte. Besonders das Verhalten Ludendorffs fand das verdiente texmchtende Urteil, ohne daß der Redner wünschte, Herrn Ludendorff an der Laterne zu sehen,»„denn es wäre schade um die Laterne". Habptmann Meyer sprach über Eni- Militarisierung. Er hielt die Reichswehr für unnötig und ichädtich; eine starke Polizeitruppe müsse genügen, um der Allgemeinheit Schutz gegen Verbrecher und politische Tollköpse zu bieten; die Reichswehr könne es nicht, das habe sie bewiesen. Emil Rabold und Artur Zickler sprachen über den Kapp-Putsch und die Vorgänge im Rubrrevier. Beide gaben in der Verurteilung derPuischisten und dem Verlangen nach Beseitigung aller Möglich- leiten einer Wiederholung des Verbrechens einander nichts nach. Aar glaubte Zickler im Gegensatz zu Rabold einen roten Militans- ums ablehnen zu müssen, wie er auch bewaffnete Ausstände gegen die Reichswehr für die Arbeiterschaft verhängnisvoll hält. Im Schießen werden die Reaktionäre immer über fein. Das Proletariat hat andere, edlere und stärkere Waffen, w:e der Generalstreik bewies. Als letzter Redner ersuchte Heppenheimer die Versam- melten, im Wahlkampfe nur antimilitaristischcn Parteien die p-st'mme zu leihen. Nachdem noch eine Botschaft russischer KriezSteilnehmer verlesen loocden war, wurde die Absend ung eine? , telegraphischen Grußes an die französischen Kameraden beschlossen. Gro&tolln Willkoaunen in der Heimat! Rerchskommissar Stücklen über die Gefangenenhei msch affung. Die von den Gauen Groß-Berlin und Brandenburg des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegs- teilnehmer und Kriegshinterbliebenen am gestrigen Sonntag im ZirluS Busch veranstalteten B e w i l l. kommnung der heimgekehrten Kriegsgefangenen wurde zu einer sehr eindrucksvollen Fjjer. So stark war die Be- teiligung ehemaliger Kriegsgefangenen und ihrer Familien, daß lange vor Beginn das mächtige ZirkuSgebäude bis unter das Dach besetzt war und viele keinen Einlaß mehr erhalten konnten. Von der Manege herauf leuchtete in roten Riesenbuchstaben die von Girlanden und Pflanzenschmuck und von Schwarz-Weitz-Rot um» rahmte Jnschrfft:„Die Heimat grüßt Euch!" Die künstlerischen Darbietungen- Konzert des. B l üt h n e r. O r ch e üe r s unter Leitung von Scheinpflug, Gesänge des B e r- liner«chubert-ChorS,(M. d. A.-S.-B.). packende Dich. tungen von �/nst Preczang und von Emma Döltz, vor- getragen durch Fraulein M a r g. Reff und Herrn Karl de Vogt— waren mit Geschick ausgewählt und fanden verdienten Beifall. In feiner B-grilßungSansprache erwähnte der Band-Svorsitzende Rogmann, daß der Bund zusammen mir den Rcichsbehörden nichts unterlassen hat. d:e Heimkehr der Gefangenen zu be. schleunigen. Er wies hin auf die schweren Leiden, die sie auS- zustehen hatten. Als er derer gedachte, die in der Gefangenschaft hinsterben mutzten, erhoben Nch d,e Versammelten und die Kapelle spielte klagend tue Weise„Ich hatt' einen Kameraden". Die Heim. gekehrten mahnte der Redner, mckzuschaffen am Wiederaufbau Deutschlands für unser freigewvrdeneS deutsches Volk.(Starker Beifall.) Als Vertreter der Reichsregierung sprach Stücklen, Reichs- kommissc-r für die Kriegsgefangenenfürsorge. Er überbrachte 1 1 lko mmenSgrütze des ReichSpäfidenten und o es R e i chs a r b« i t S nri n ist« r Z. die beide am Erscheinen verhindert waren. Kriegsgefangenschaft bedeutet, führte er auS, Bor diesem Los blieb bewahrt, wer in der Etappe M oder gar in der Heimat den Schieber und Wucherer machte. Jr« �ssfll�Hgwfchaft geriet, wer an der Front bis zum letzten Ai�genbllck aushielt. Dem Schicksal der Kameraben, die jetzt noch in tsefangenichaft sind, hat die republikanische Regierung ernsteste Sorge gewidmet. Keinen Tag hat sie gesäumt, sich darum zu be- mutzen,, daß ihnen die Freiheit wiedergegeben würde. Jetzt find die Gefangenen aus Ostrußland zum Teil auf dem Heimweg. Ein erster Transport ist aus Wladiwostok abgegangen und ein zweiter wird baldigst folgen. Die Heimschaffung von dort kostet für i-den Gefangenen 30 000 SR. Aber selbst wenn tau'end Millionen dazu, nötig wären, gäben wir sie hin. lieber die Heim- schaffung aus sowzetrußland werde ich wahrscheinlich morgen den- Verlrag mit dem Vertreter der Sowjetregierung unterzeichnen. (Beifall.) Lebensmittel im Werte von 12 Millionen Mark. Kleider, Stiefel, Wäsche usw. liegen für die Heimkehrenden bereit. Auch 'auS Rumänien wird noch eine kleine Anzahl Gefangener bald kommen. Frankreich hat noch 700 Kriegsgefangene in Ge- fängnissen zurückgehalten. Wir haben alles getan, auch für sie die Freilassung zu erwirken. 140 davon sind, wie uns gestern gemeldet wurde, schon entlassen. Von Japan ist. ein Gefangenentransport unterwegs. Alle Heimkehrenden unterstützen wir bei dem Wieder- eintritt ins Wirtschaftsleben. Ein Gesetz sichert ihnen Bevorzugung bei der Wiedereinstellung. Das deutsche Volk hat jetzt die Frei- he it. Mögen auch die heimgekehrten Kriegsgefangenen helfen, Teutschland nun zu dem Haus zu machen, in dem jeder sich g l ü ck- I i ch fühlen kann. Die Mitteilungen des Reichskommissars wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen.'_ Die Tagesordnung für die Berliner Stadtverordnetenversamm- lung in der kommenden Wocbe umsaßt nicht weniger als sechs An- träge, darunter ein Awrag, per Maßnahmen gegen die Woh- nungsnot und zur Beseitigung von Mißständen auf dem Gebiet des Wohnungswesens verlangt. Unter den Beratungsgegenfftänden steht an erster Stelle die Erhöhung der Kur-Verpflegungskosten in allen städtischen Krankenan stalten von 6 aus 12 M., dann die Auf- nähme einer neuen Anleihe über 200 Millionen Mark in Schuldverschreibungen auf den Inhaber, die Erhöhung des Vor- pflegungskoftensatzes für die städtischen Hospitäler, der Gründer- werbsteuer, sowie über die Errichtung eines städtischen Kleingarten- und SiedkungSamtes. Dazu kommen noch mehrere kleinere Vorlagen. Wege« versuchten Raubmordes wird' lder 36 Jahre alte, aus Cöln-Ehrenfeld gebürtige Ingenieur Heiizrich Hubert N ach t- heim von der Berliner Kriminalpolizei gesucht. Nachtheim über- fiel am 10. Februar d. I. in einem Pensionat in der Neuest Friedrichstraße 47 den 29 Jahre alten, aus Russisch-Polen stam- Menden Oberkantor Salomon M o r r e-, stieß ihm einen Dolch in den.Hals, raubte, ihm mehrere Wertsachen, ergriff damit die Flucht und entkam. In Gelsenkirchen festgenommen, mußte Nacht- heim dort zunächst ins Krankenhaus gebracht werden. AuS diesem ist er jetzt entflohen. Wahrscheinlich hat er sich wieder nach. Berlin gewandt. Der verletzte Oberkantor ist im hiesigen Hedwigkrankenhause geheilt und dann entlassen worden. Wo er jetzt wohnt, weiß man nicht. Er wird ersucht, sich bei der Krimi- nalpolizei zu melden. West-Oestlicher Kulturbund nennt sich eine VsreimMng, die durch Gcldsamm lungs n. angeblich die deutsche Sack« in den Ab- stimmungSgebieten unterstützen will. Von zuständiger Stelle wird vor dieser wie vor anderen derartigen Unternehmungen gewarnt, da sie ernsthaften Einrichtungen, wie zum Beisp'el der Grenzspende des Deutschen Schutzbundes für die Grenz- und Aus- landsdcrtschen. hinter der die großen Heimatvereine Schleswigs, Ostpreußens und Schlesiens stehen. Abbruch tun und einer Reihe von Bersönlichkeiten Veranlassung gegeben hat, auch aus dieser für Deutschland national und wirtschaftlich so wichtigen Frage K a p i» t a l für sich zu schlagen. Die kommende Fahrpreiöerhöhu.ng der Stadt- und Ringbahn. In der nächsten Woche finden die Verhandlungen über die Tarif» erhöhung auf der Stadt- und Ringbahn statt. Es liefen zwei Vorschläge dafür vor, von denen der eine eine Erhöhung des Fahrpreises um 30 Prozent, während de� andere eine solche von SO Prozent vorsieht. Wie. eine Korrespondenz hört, ist die Annahme deS Antrages der dreißigprozentigen Erhöhung wahr- scheinlich. Auch bei der Reinickendors-L'ebenwalder Nebenbahn bat nicht die tarifmäßige Erhöhung der Fahrpreise der StaatSbahnen Platz gegriffen. Es sind dort die Preise nur um 80 Proz. erhöht worden. Die Ausgabe von neuen Kolonistenkarten ist für � alle Bahnstrecken in Groß-Berlin abgelehnt worden. Steglitz-Lichterfelde-Zehlendorf. Ei-nc neue Fahrverbindung zwischen Steglitz und Zehlendorf wird demnächst eingerichtet werdest, nachdem die Gemeinde«tsglitz ihre Zustimmung erteilt bat. Dafür geht die..grüne" Linie der Kreisbahn vom Bahnhof Steglitz nach Lichterselde-Ost ein, die mit der Neueinrichtdng über- flüssig wird. Für die neue Linie werden llmsteigekarten, gültig von Kaisereiche-Friedenau'bis Zahlendorf. eingeführt. Gleichzeitig wird die Linie 61 der Großen Berliner durch die Bismarck- bis zur Mariendorfer Straße durchgeführt. Reichsbund der SriegSbeschSdigtcn und Hirrtrrbliebcne», Bezirk g. N2. Dienstag. Umons-FestsAe, Greifswolder Str. 222, außerordcnt- lich« Geneialversammlung.• Wetterbericht bis D i e n S t a am i t t a g: Etwa» kühler, ver. änderlich. aber meist bewölkt mit Regenfällen und einzelnen Ge- wittern bei mäßigen westlichen Winden, Grost-Berliner Lebensmittel. Steglitz. Anmeldung von: 1 Dose Bohnen in Schwemefletschbrühe ge- kocht für Haushalte, die 6 Personen und mehr zählen. 100 Gramm Maisgrteß. Verteilung von: 125 Gramm Weizengrieß, 125 Gramm Hafer- flocken, Nährmitteln an Kinder im 1. bis S. Lebensjahr, an Jugendliche, an werdend« Mütter, Personen von 65 bis 70 und über 70 Jahren. Sankwitz. 4 Pfd. Karloffeln, 20 Gramm Butter, 70 Gramm Schmalz, lS0 Gramm Schmalz als Sonderportwn,' 250 Gramm Haferflocken, 250 Gramm Maismehl, 250 Gramm Saubohnen.• Att-Gltenlckr. 125 Gramm Marmelade, 125 Gramm Rudeln, 125 Gramm braune Bohnen, 250 Gramm Maisflocken, 1 Büchfe Fleisch, 1 Büchse Leberwurst. 250 Gramm Kertoiiclivalzmehl. Für Kriegsbefchä- digle 500 Gramm KartosfMärkemehl, 250 Gramm Haferflocken.' Sämtliche Einfuhrzusatzkarlen werden für ungültig erklärt. Tcmpclhof. izz Gramm Teigwaren, 500 Gramm weiß« Bohnen für Einwohner, die die Bohnen bei der ersten Belieserung des Abschnittes 47 nicht erhalten haben. An Kinder im S. und 4. Lebensjahre 500 Gramm Gersteumehl, 250 Gramm Teigwaren, 1 Paket Keks. An Kriegsbefchä- digte 1000 Gramm Teigwaren, 500.Gramm Sago, 500 Gramm Gersten. flocken, Anmeldung: 250 Gramm Linsen. Brotausstrichmittel-«erkauf von 250 Srgmm Marmelade. Anmeldung von 250 Gramm Marmelade. Hroß-Serliner parteinachrichteiu Heute, IN. Zlpril.. 44. Abteilung. HS Uhr, Frauen! efeabend bei Ureltfch, Ehrtstiania- straße 115.. Morgen, SO. April.. 19. Abteilung. 7 Uhr, Schulaula, Rigaer Sir. hl. Mitgliederver- sainmlung. Tagesordnung:.Die politische Lage", Referent Genosse Wildegant. Charlottenburg. AußerordenÄche Generalversammlung, 7 Uhr, in der Aula der Leibniz-Obmealschule, Schillerstr. 125/127, am Knie. Bor- ftandswabl, Vorschläge von Kandidaten zur Reichstagswahl. Anträgt und Wahl von Telegienen zur Kreis genrr alversammlun g. Silüungsveranftaltungen. Steglitz. Dienstag. 8 Uhr, Klasse ü. M. 2 des Gvmnasiums Heesestraße. Beginn eines, zirka fünfwöchigen Kursus, Wichtig für Betriebt- rät« I— Genosse Kaufmann T r s m e l spricht über B U a» z w e s e n, '' Sport. Eröffnung im Grunewalü. Der gestrige Eröffnungstag der GrunewalbrennSahn sah eine Vollkorninen überfüllte Bahn. DaZ Hauptereign-iS, den FrühjährS- preis, holte sich Ratte, die das niedrigste Gewicht trug, gegen den gut gelaufenen Flieger, den nur ein Kopf van Alerich und Ducklrng trennte, die totes Rennep erzwangen. � L EröffnungS- Jagdrennen. 15 000 M., 3000 Meter. 1. Merlin (BiSmark), 2. Sorsar(Edler), S. Elfchen(Ackermann). Ferner. liefen: Narwal, Maffon Rouge, Steinberger. Tot.; Sieg 16: 10, Platz 15, 17., 2. Heerstraße-Jagdremren. 12 000 M., 3500 Meter. 1. Horwed iFrht. v. Berchew). 2.' Stella II(v. Pelzer), 3. Stochod(Weste?- stroem). Ferner liefen: Lara. Minor, Eharlevs Cousin, Stumm« von Portici. Tot.: Eigg 20:10, Platz 11, 12, 12. 3. FrühjahrS-Preis. 30 000 M., 4000 Meier. 1. Ratte(Streits, 2. Flieger(Renner), 3. i Tu«kling(Plüschke), 3. f Illerich(Falke). Ferner liefen: Rasowerß(5), Götterknabe(6), Sieg, Rosendaal. Tot.: Sieg 49:10, Platz 20, 37, 9, 11. L Mlnus-J-gdrennen. 20 000 M., 3500 Meter. 1. Strolch (Glaser), 2. Quertreiber(Freese), 3. Jeschute(v. Dörnberg). Ferner liefen: Jazjolda(4), Barbar(5), Beberitze(blieb am Start stehen). Vierzehnte(gef.), Höllenglur, Semira. Tot.: Sic« 32: 10, Platz 17. LS. 50. 5. Priortex Jagdrennen. 1. FriedenS-ritter(Thalecke), 2. Helopia(Wodke), 3. Altbrew(Nash). Ferner liefen: Feldstein(4), Malching, Minimax(gef.), Capitalist(ausgebr.), Algebra, Dent- münze, Mondnacht, Canna, Tippel(angeh.).' Tot.: Sieg 47: 10, Platz 18. 32. 19.. 6. Preis von Spandau. 15 000 M., 4000 Meter. 1, Tarantel (Schuldt), 2. Luchs(K. Miller). 3..Liebermann(Töpel). Ferner liefen: Raubgräfin, ErucheWnig(angeh.), Waldfrieden, Pipifax. Xtx.: Sieg 28; 10, Platz 15, 29, 29, 7. Elbe-Hürdenrennen. 12 000 M., 2800 Meter. 1. Finis (Falke), 2. Neulüß(Richter), 3. Glücksritter(Saager). Ferner tiefen: Oneida(4). Heinz II(5), Nad-ina(6), Distel II, Tellscheria (gef.), Leuchte(gef.)..Tot.: Sieg 20:10, Platz 12, 14, 17. Die Radrenne« in Treptow standen im Zeichen des großen F r ü h l r n gs p re i se S über 50.Kilometer, dem der AprilprerS und der Preis von Treptow über 20 und 30 Kilometer voraufgingen. In allen drei Rennen ging die Extraklasse: AppelhanS, Bauer, Saldow und der Frankfurter Weiß an den Start. Im AprilpreiS og Saldow sofort an die Spitze und wies wiederholte Angrisse ertenS AppelhanS siegreich ab. Bauer fuhr wie immer ebenfalls sin schnelles Rennen, konnte aber dennoch Appelhans den zweiten Platz nicht streitig machen. Auch im Preis vm n Treptow sicherte sich Saldow die Führung und sah bis kurz vor Schluß des Rennens noch wie der sichere Sieger aus. Infolge Radwechsels mutzte er aber nun AppelhanS und auch Bauer an sich vorüberziehen lassen, um mit dem dritten Platz fürlieb zu nehmen. Tai Hauptereignis,, der große FrüblingspreiS, nahm leider nicht dem erwünschten einwandfreien Perlauf. Appelhans, der schnellste Fahrer im Rennen, sah sich nicht weniger als dreimal gezwungen, senn Rad zu wechseln, wodurch Bauer gewonnenes Spiel hatte. In den ,F lie ge r r e n n e n bewies Stabe wieder seine gute Klasse; er gewann das Hauptfahren und das Zweisitzerfahren mit seinem Partner Abraham nach Gefallen. In einem 10-Ailo- meter-Prämienfahren vermochte er jedoch nur den zweiten Platz zu belegen. Den Sieger stellte Oskar Trotz durch einen ge. lüngenen Ausreißer, der ihm neben dem hohen Preis auch reichen Beifall des Publikums eintrug. Ergebnisse: Aprilpreis, 20 Kilometer: 1. Saldow 18 Min. 56 Sek., 2. Appelhans 90. 3. Bauer 1130, 4. Weiß 1300 Meter ' zurück.— Preis von Treptow, 30 Kilometer: 1. Appelhans 28 Min. 17 Sek., 2. Bauer 260, 3. Saldow 2010, 4. Weiß 5270 Meter zurück. — Großer Frühlmgspreis, 50 Kilometer: 1. Bauer 48 Min. 34 Sek.� 2. Appelhans 3610, 8. Saldow 5810, 4. Weiß 12 180 Meter zurück.— Hauptfahren. 5 Ritnden: 1. Stabe 3 Min. 7 Sek.. 2. Sennecke, 3. Hahn, 4. Häusler.— 10-K-lomete r-P r äm- en sah r en: 1. OSk. Tiefe 13 Min. 19 Sek., 2. Skabe, 3. NeinaS. 4. Schwab.— Zweisitzer. Hauptfahren, 6 Runden: 1. Stabe-Abrabam 3 Min. 3 Sek., 2. HauSler.Wegener, 3. Tctzlaf-Kudela, 4. Sennecke-Schwab. verlin siegreich gegen Hamburg. Die Berliner �ußballgemeilche gab sich gestern auf dem Unionfportplatz in Marleudorf ein Stell» dichsin. Die beiden Gegner am Fußballwettkampf Ham- bürg— Berlin lieferten sich einen außerordentlich interessanten Kampf, der das Interesse des Publikum? im höchsten Maße in Anspruch nahm. /Besonder» gefiel da» Zusammenspiel der Gäste, von denen unsere Berliner hier noch zu lernen haben. Tie Vertoidi« guny der Berliner hingegen war sehr gut, während die der Häm- liurger zu wünschen übrig ließ. Bereits in der 25. Minute faß iX r Ball zum drittenmal im Tor der Berliner. Aber noch bis zur Halb» zeit gelang eS der abwehrkämpsenden Berliner Mannschaft, zwei Tore anzubringen und sofort nach Beginn der zweiten Spielhälfte daS dritte einzubringen. Trotz aller Energie konnten eS die Ham- burger nicht verhindern, daß Berlin schließlich noch ein viert-S Tor erlangte. Mit 4 gegen 3 erlangten die Berliner Fußballer nach manch schwerer Niederlage einen schönen Erfolg und einen roll- verdienten Sieg.__ OewerMastsbewegung .. Nelchstarifabfchlüffe lm SuchbinöergewTrbe. In 14tägigen Berhandlungsn. halben die Vertreter des Verbandes der Buchbinder und Papierverarbeiter in E i s e n a ch und Wer-' mar zwei ReichStarike mit den Vertretern von acht Arbeitgeber- organisationen zum Abschluß gebracht, durch die die Lohn- und Ar- beitSvcrhältnisse von rund 100 00 in der Popiervororbeitung be- schäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen tariflich geregelt werden. Für die Etui«, unb K ar t on nage nb r a nch e wurde ein einheitlicher Reichstarif abgeschlossen, der in seinem materiellen Teil 6 Ortsklassen vorsieht. Die ab 1. April zahlbaren Stundenlöhne bewegen sich für Facharbeiter in der höchsten Orts- klaffe zwichen 3,65 M. im ersten Jahre der Ausbildung und 4,65 Mark nach dem 5. Jahre der AuSbi'lÄmtg. Für Berlin gelten besondere Bestimmungen; die im Vertrag besonders benannten Spezialarbeiter erhalten pro Stunde D Pf. mehr. Die Löhne der Hilfsarbeiter schwanken zwischen 1,20 M. pro stunde im 15. Le» bensjahr ,md 3,30 M. bei über 21 Jahre alteiz und 3 Jahre im Beruf Stehenden. Für Facharbeiterinnen unter 16 Jahren ist ein halbjährig steigender Lohn van 1,10 bis 1,40 M. vorgesehen, für Facharbeiterinnen über 16 Jahre als ein Lo'yn von 2.05 M., steigend bis 2.45 M. iw 5. BerufSjahr. Speziala rve i ie rrn n e n, die als solche besonder» benannt such, erhalten 15 Pf. pro Stunde mehr. Tie Löhne der Hilfsarbeiterinnen schwgnken zwischen 1,15 M. im Alter von 14 Jahren bis 2,30 M. für über 22 Jahrs alte und drei Jahre im Berufe Stehende. Am 14.' Mai tritt auf die Löhne der Facharbeiter ein Aufschlag. von 35 Pf.' pro Stunde, auf die der Hilfsarbeiter ein solcher von' ,15 resp. 20 Pf., auf die der Facharbeiterinnen von 10 und 15 Pf. und auf die der Hilszarbeiterinnen von 10 Pf. ein. Für die Arbeiterschaft in Buchbindereien, Ge- schäftSbu ch- und B r i e f u m sch 1 a z f ab r i ken und Buch� bindereiäbteilungen von Buchdruckereien wurde ebenfalls ein Reichstaris abgeschlossen, der in der höchsten der vorgesehenen 6 Ortsklassen für Arbeiter Löhne ngch der Staffelung des seil- herigen Tarifs von 3,20 bis 4,65 M. nach dem 4. Jahre nach der Ausbildung vorsieht. Spezialarbeiter erhalten einen Zuschlag von 20 Pf. pro Stunde. An Arbeiterin r.en soll gezahlt werden: für geübte 2,36 bis 2,60 M. pro Stunde. Spezialaribeiterinnen erhalten 10 Pf.'mehr. Diese Vereinbarung gilt bis Mitte Mai, da am 10. Mai g e- mein s am mit dem Druckgeiperbe über weiter: Lahn» eckhöhungen verhandelt werden soll. Führen diese zu keinem Reiul. tat, dann gilt daS Abkommen biß Ende Mai. Auf die Grundlöhne de» Mordtarifs erfolgt«in Aufschlag von 35 Proz. Streik in üer Lanöjchaftsgärtnerei. Der Streik ist nunmehr zur Tatsache geMorden. In den Ver- Handlungen vor dem SchlichtungSaus schütz, die am Sonnabend statt- ' fanden, kam es zu keiner Ginigiing. Es mutzte ein Schiedsspruch gefällt Merd?n. der als Höchstlohn 6,25 M. brachte; ab 16. Mai 50 Pf. Zuschlag. Wenn dieser Spruch auch nickt alles bringt, waS die Arbeiter erhofften, so nahm dennoch die gestern noch stärker als am Freitag bssuchie Beusammlung der Landschaftsgärtnergruppe diesen Schiedsspruch an, um ran neuem die Hand zur Einigung zu bieten. Aber die Arbeitzebervertreter erklärten, cS besteht keine A/ussi cht, daß ihre Gesamtvevtreiung sich dem Spruch fügen wird. Die Versammlung stellte fest, datz ein weiteres Entgwentcenmen bei den heutigen Teuerungsverhältnissen unmöz- lich sei. Mit überwältigender Mehrheit wurde der Streik beschlossen. Nunmehr' erwartet die Organisation von jedem einzelnen vollste Solidarität. Einnrütig, wuchtig und geschlossen mutz der Kampf geführt werden, um schnell zum Erfolg zu gelangen. »• *> Heute, Montag nachmittag 5 Uhr, findet im Reichenber- ger Hof, ReichenHerger Str. 147, eine weitere Versammlung statt, in der von der Tari f kam m ifsi on Bericht, über den Stand der weiteren Verhandlungen gegeben wird. Tie Hauptstreikleitung »agt in demselben Lokale von morgen» 9 Uhr, wo die Streik. karten ausgehändigt werden. Erfolglose Verhandlungen im Streik der Gastwirts« gehilfeu. Tie Dcrhandkunge.t zwischen den beteiligten Organisationen, die am Sonntag im E-Planadehotel stattfanden, sind nach sieben- stündigen Bemühungen abgebrochen worden, ohne datz eine Einigung zustande gekommen ist. Die Arbeitgeber versprachen, den Lobnlarif baldigst zu unterschreiben. Sie boten aber als Teuc- rungszulage nur gestaffelte. Sätze von 15, 20, 25 und 30 SPA für Bier-, Saal- und Gcrrtengeschäfte und Hotels bi? zu 50 Zimmern, und Sätze von 20, 30, 35 und 40 M. für alle anderen Betriebe an, während die Arbeitnehmer verlangten, datz in allen Betrieben die Toueoungszulagen von 25, 35 und 45 M., welche die Kafscehaus- besitzer bereits am Donnerstag angenommen haben, gewährt werden müßten. Die"Zahlung einer B e f ch a f f u n g S ü s i h i l f e, die sich nach der Leistungsfähigkeit der einzelnen Betriebe richten sollte, lehnten die Avbeitgeberorganisaiionen rundweg ab. Ebenso alle Befugnisse der' vctrtebSrSke, die über die Bestimmungen des Gesetzes hinaus- gehen. Nunmehr sollen beiderseits Mitgliederversammlungen statt- finden und zur Sachlage Stellung nehmen. Der Streik geht infolgedessen fort. Jedoch hat sich die Anzahl der Be- triebe, die die Forderungen bewilligt haben, so stark vermehrt, datz sich eine allzu starke Belastung/ des Publikums vermeiden läßt. Neichstarifverhaudlmigen der technischen und kaufmännischen Angestellten im Bangewerbe. Die durch den Kapp-Putsck unterbrochenen Reichstarifverhand- lungen zwischen dem Deutschen Arbeitgeberibund für das Baugewerbe und dem Bund der technischen Angestellten und Beamten, dem Zen- trälvcrbawd der Angestellten und den beiden, anderen kauftnännischen Organisationsrichtungen(G. d. A. und G. d. Ak.) wurden am Sonnabend, den 17. April, in Berlin fortgesetzt. Nachdem der nm dem Butab im vorigen Jahre abgeschlossene Reichstaris abgelauien war und die neuen Verhandlungen sich über eine längere Zett hinziehen werden, churde zunächst ein Provisorium verhandelt, das ähnlich wie das mit den Bauarbeitern in Hannover getroffene die Gewährung von Teuerungszulagen vorsieht. Tarifbewegung im Einzelhandel. Die Organisation der Angestellten und die Arbeitgeber. im Einzelhandel �Warenhäuser Spezialgeschäfte usw.) verhandeln seit einigen Wochen über den Abschluß eines neuen Tarifs, lieber den gegenwärtigen Stand her Verhandlungen wurde am Sonntag einer von mehr als 2000 Personen besuchten Versammlung, die der Zentralverband der Angestellten im großen Saale der Brauerei Königstadt veranstaltet hatte, Bericht erstattet. Der Referent B u b l i-tz führte aus: Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehen wesentliche Differenzen über die Arbeits- zc i t beziehungsweise den Sechsuhrladenschluß sowie über die Frage des Mitbestimmungsrechtes und der gleichen Bezahlung von männlichen und weiblichen Angestellten.'Die Unternekuncr im Einzelhandel streben augenscheinlich die neun- ständige Arbeitszeit an, wäbrend die Angestellten an der Errungen- schait des Achtstundentages festhalten. Auch hinsichtlich der Gehalts- 'ätze bestehen erhebliche Differenzen zwischen beiden Parteien. Tie Verhandlungen sind über die Festsetzung der Gehälter für fügend- liche Angestellte noch nicht hinausgekommen und baben auch in dieser Frage nicht zu einem Einverständnis geführt. Tie An- gestellten sind den Arbeitgebern schon darin entgegengekommen, datz sie die Altersgrenze der Jugendlichen von 18 auf' 20 Jahre hinemffetztcn. Im Laufe der Verhandlungen hatten die Angestelltenvertreter aller beteiligten Organisationen beschlossen, die ursprüngliche Forde- rung des Monatsgehalts für Jugendliche auf 600 M. für männliche und 556 M, für weibliche Angestellte zu ermäßigen, an dieser Forderung, aber unbedingt festzuhalten. Als dann dte Unkernehmsr diese Forderung als unannehmbar erklärten, schlug H-krr W a l l n e r als Vertreter des Gewerkschafisbundes kaufmännt scher Angestellten den Vorschlag von 635 und 535 Mk. und fragte gleichzeitig die Arbeitgeber, ob sie mit seiner Organisation weiter. verhandeln würden, wenn der Zentraloerband die Verhandlungen abbrechen sollte. Die Unternehmer erklärten, sie wollten den Tarif mit allen Angestelltenorganisationen abschließen, sie würden aber, wenn ein Teil derselben die Verhandlungen abbrechen sollte, mit dem anderen Teil weiterverhandcln.— Der Referent betonte, datz der Gewerkschaftsbund kaufmännischer Angestelltenverbände hier wieder dieselbe Taktik verfolgt wie im Versicherungsgewcrbe. Die Gehaltssätze von 600 und 550 M. würden durchgedrückt worden, sein, wenn nicht der Gewerkschaftsbund seine ZersplitterungStartik befolgt hätte. Der Zentraiverband ist natürlich bestrebt,.einen Tarif mit annehmbaren Gehaltssätzen durchzusetzen, er wird, wenn es auf friedlichem Wege nicht möglich ist, auch den Kampf nicht scheuen.(Stürmischer Beifall.) In diesem Sinne sprachen auch sämtliche Diskussionsredner. Besonders wurde die Forderung des SechsuhrladenschlusseS mit all- seitigcm Beifall begrüßt. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, welche gegen die Verschleppung der Verhandlungen durch die Arbeitgeber pro. testiert, von der Organisation erwartet, datz sie von den Forde- rungen des Mitbestimmungsrechtes und des SechsuhrladenschlusseS nicht abgeht. Das Gehaltsangebot der Arbeitgeber wird als gar nicht in Betracht kommend z u r ü ck g ew i e>s e n und den Ver- tretern der Organisation das Vertrauen der Versammelten aus- gesprochen mit der Persicherung, ihrem Rufe Folge zu leisten. Nachwehen des Generalstreiks. Der Zentraiverband der Angestellten schreibt uns: Die Zen- tralverkaufS stelle Berltner Mörtelwerke, Köthe-, ner Str. 38, hat aulätzlich des Generalstreiks sechs ihrer kaufmän-' nischen Angestellten die Streiktage in voller Höhe von ihrem schon so niedrigen Gehalt gekürzt. Man ist erstaunt darüber, datz eine Firma, die wegen fehlender Konkurrenz in Grotz-Berlin für ihre Fabrikate ganz enorme Preise fordert, es�fertig bringt, ibre finanziell so äußerst schlecht gestellten Angestellten derartig zu behandeln. Die gesamten Angestellten, empört über dieses Verhalten der Geschäftsleitung, sind deshalb am 15. April auf einstimmigen Be- schlutz in den Streik getreten. Wir bitten alle arbeitslosen Kolleginnen und Kollegen, sich dieser Firma fernzubalten, da wahr- scheinlich von der Geschäftsleitung versucht werden wird, Streik- brecher zu bekommen. Verantw. für den redaktion. Teil:«rtnr ftickler. C&atlottcntmra: für Anzeiqe»: Th. Stade. Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag®. m. l>. S.. Berlin. Druck: Bar. Wärty-Buriidruckerci u. Berlaosanftalt Paul Singer u. Co. Berlin. Lindenftr. Z. UFOLLO | 7J/, Theater 7 Vi [Direkt. James Klein. Das Welt« Rätsel ; Die einz. Oedankenleserin der Welt | Vorsieht heil üespräshen äTeieptionfreuden mit! JValy Anibclm j Siiii'ga tunrU * üvkottts 1 Sensations- Akrobat und weitere April- i Ifarietö-Semtm! Sonntag Z>/z Uhr | j.Erwachs.) Kind frei I A!liiiif2ls-Pä!ast.B% pjFIirtiu Wt. Jäorlt/.SS iMorg. Lustige Puppejs CitmSuseb Htute sowie tigl. Ohr; ßas große Ippil-Progp.! und zum SchluS: ,Dsv MZMeW in 5 Akt, u. I Apotheose. Die Wundertontäne und ihre Gehelmnisse. Wochentags-Preise. Ui KidnÄ ÄfaS amciiMeiiPaMsl Ms grossen Erfolges wegen die 3{e mite! Die Tinzerm Barbarin« nach dem gleichnamigen Romin. v., Adoif PauI Für den Film in 7 Abteilungen vom Verfasser bearbeitet Titelrolle, l-ZfÄS 8aiM»N«»WS Wochentag«: 7 und Uhr /Sonntag«: 4 Uhr/ Vorverkauf 11 bt« 1 Uhr Die von der fr.Ober-| hebamme an derge- burtshilfiich. 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