Ur.SM. 37.Ia!srg. Bezugspreis: V?rteliährl.2l.— Mk�monatl.?,— Mt. frei ins Saus, vvilnis zahlbar. Polt- llezug. Monatlich 7,— Mi» exil. Zu- 'iellunzsgeduhr. Unter Kreuzband für Denrlchlano und Oesterreich- Ungarn 10 2 i Mi» für das übrige Ausland 14 50 Mi., bei läglich einmal. Zustellung 12 50 Ml. Postseitellungen nehmen an Diinemarh Sollana.»uremdurg, Schweden und die Schweiz. Ein- getragen in die Post- Zeihmgs- Preisliste. Oer.Vorwärts" mit der Sonntags- dcilage.Pol! u. Zeit" erscheint wochen- agiich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adrefse. .Sozialdemokrat verlin-. Morgen Ausgabe Berliner Bolhölilcitl ( 2S Pfennta � ZluzeistenpretS: Die achtgetpalten» Nonpareille»?»« toste. 2.50 M.TeucrungszuschlagSO'/» »«leine Anzeigen-, das ieti- gedruckte Wort 75 Pfg.(zulässig zwei settgedruckte Worte), sedes weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzelgen das erste Wort »5 Pfg. zedes weiter, Won 40 Pfg. WoNe über 15 Buchstaden zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%. Familien- Anzeigen, politische und gewertschaftlich« Vereins- Anzeigen Ml. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Rummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SM 08, Linden- strahe 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratifcben parte» Deutfchlands lteöaktion und Expedition: SA). 68, 2indcn(h. 3. Trernzpcertier: Rurt Morinplat». Rr. TiitSv— lSl S7. Dienstag, den Ät). April 1VÄ0. vorwärts-verlag G.m.b. h-, SW. 68, Lindenstr. 3« Kerusprecher: Amt Morittiilast, Nr. 117 53—54. Das Programm von San Remo. San Nemo, 19. April. An erster Stelle wird zu Beginn der am Dienstag beginnenden Beratungen die türkische Frage ein- schliesilich des tlcinasiatischen Problems in Angriff genommen werden. Als zweiter Punkt steht auf der Tagesordnung die Ent- waffnung Deutschlands, als dritter die russische Frage zur Debatte. Tafj auch der Versuch gemacht wird, die Meinungs- Verschiedenheiten zwischen Italien und Jugoslawien in San Nemo endgültig zu beheben, hiingt von der Entscheidung der italienischen Regierung ab. London, 19. April. Der Sonderberichterstatter deS„D a i l h Telegraph" in San Nemo berichtet, die spanische Ne- gierung dringe derauf, dost der Oberste Rat zu San Nemo die Frage der Ankunft der Tangerenklavc erörtere und zur Ent- sch.'idung bringe, da sich dort die französifch-spanifchen Gegensätze fortwährend reiben. » Paris, 19. April. Nach einer amtlichen HavaSmeldung ist gestern in San Remo entschieden worden, das; sich die Konferenz zuerst mit der türkischen Frage beschäftigen wird. Ueber jede Sitzung wird der Presse abends eine amiliche Mitteilung überreicht. Der nach San Nemo gereiste politische Mitarbeiter deS.Echo de Paris" meldet, die französiscke Regierung sei gebunden durch das Lord Derby gegebene Veriprechen, die französischen Truppen würden die Maingegend an dem Tage räume», an dein die deutschen Truppen zurückgezogen würden. Darüber hinaus aber sei Frankreich nicht gebunden, und mit gurem Recht habe cS denVeichlus; rückgängig gemacht, den die Interalliierte Kommission, an deren Spitze General Rollet stehe, getroffen habe. ES kann sich hierbei nur um den Veschlusi handeln, Truppen nach dem August» abkommen, um dessen Berlängerung die deutsche Regierung gebeten hat, als Polizeilruppen dort zu belassen. Italic» macht Zwangsmastnahmen nicht mit? Paris, 19. April..Journal" stellt fest, dasi Italien bis jetzt noch nicht seine Zustimmung zu einem gemein- sauren Schritt der Alliierten in Verlin gegeben habe. Es sei zuzugeben, daß die innere Lage Jialien auch nicht gestatte, an wirtschaftlichen Zwaugsmagnahmen teilzunehmen. Man verstehe Italien sehr gut, aber man müsse die interalliierten Interessen in Betracht ziehen._ Noch keine Räumung Frankfurts. Frankfurt a. M., 19. April.(Eigener Drahtbericht des „Vorwärts".) In auswärtigen Blättern war wiederholt dbe Nach- richt verbreitet, daß die Franzosen im Begriff ständen, Frank- furt zu räumen und Offcnbach bereits geräumt hätten. An diesen Meldungen ist kein wahres Wort. Die Franzosen haben lediglich einige Schulen, die für die Aufnahme der M e s s e bestimmt sind, geräumt. Im übrige» hat sich der Zu- stand nicht verändert, und rS muh anerkannt werden, daß das Verhältnis zwischen der Bevölkerung und den Franzosen ein erträgliches ist. In einem gemissen erfreulichen Gegensatz hierKu stehen folge nide Mitteilungen eines Pariser Blattes: Paris, 19. April.„ M a t i n" meldet au? Frankfurt a. M., die französische Kavallerie in der Zone, die sich vor dem Brückenkopf von Mainz ausdehne, fei zurückgezogen worden. ES verblieben nur noch einige Dragoner in Hanau. Uebcrall entdecke man Anzeichen dakür. daß die Franzosen den Rückzug vorbereitete» und uicht mit eiuer läugere» Besetzung rechneten. Generalstreik in Eupen und Malmeüp. Tympathicstreik in Slachcn. In den Gebieten von Eupen, Montjoie, Malmedy usw. ist seit dem 14. April der Generalstreik im Gange als Protest gegen die belgischen Versuche, die Bevölkerung ihres Sechstbestimmiingsrechtes zu berauben. Die Bewegimg, die von allen Parteien uud Verbänden getragen wird, ge- winnt täglich mi Ausdehnung. Am 17.-ist in Aachen der Sympathiestreik erklärt worden. Protestkundgebun- gen aus den betroffenen Gebietsteilen laufen fortgesetzt bei der Reichsregierung in Berlin ein. Aachen, 19. April(WTB.) Dir Interalliierte Rheinland- komuiisfion verbietet zur Sicherheit der Besatzungstruppen und wegen angeblicher Ausschreitungen gegen die Bcsatznngstriippcn bei Kundgebungen am 17. April die Abhaltung von Versammlungen politischer oder sonstiger Natur bis zum 17. Mai, sowie An- sammlungen von mehr als fünf Personen. Dir öffentlichen Lokale, Theater usw. sind während einer Woche«m 9 Uhr abends zu schließen. belgische Naifeier. Brüssel, 19. April.(WTB.) Der Landesverband der Staats» b e a m t e n bat grundsätzlich beschlossen, zum Protest gegen das Elend am 1. Mai 24. Stunden zu streiken. Dem„Pcuple* zufolge hat der E i s e n b a h n m i n i st e r den 1. Mai zum Feier- tag bestimmt._ Sarrikaüen in Turin. Mailand, 19. April.(Eigener Drahtbcricht des„Vorwärts".) In Turin hat sich infolge des Generalstreiks die Lage feit Sonn- abend abend erheblich verschärft. An zahlreichen Straßcnkreuzun- gen wurden Barrikaden zur Verhinderung des Verkehrs auf- gerichtet. Gegen ein Artillerrilagcr warf man zwei Bomben, wodurch die Mauern zertrümmert und große Verwüstungen an- gerichtet wurden. Italiens öotfchoster in Seelin. In einem Sonderzug, den die deutsche Regierung ab München zur Verfügung gestellt hatte, ist Herr 6e Martina in Berlin eingetroffen. Er ist als Botschafter Italiens hierher ge- sandt, wo er bereits in früheren Jahren tätig war. Zunächst tritt er als Geschäftsträger auf, weil die Ententemächte vereinbart haben, ihre Gesandten gleichzeitig nach Berlin zu schicken. Herr de Martina soll aber dann gleich hierbleiben. Das ist nicht der ein- zige Unterschied. In Deutschland weiß man sehr wohl, welchen Geistes die Politik von Paris und London— und daß die Politik von Rom eine andere ist! Auch die Wahl rineS Kommunallandtagö in Wiesbaden kann die Sicherheit Frankreichs gefährden. Sie laste» sie nicht zu. Der GeincindeaiiSichutz der LaudeSveisaimnluug hat daher den Landes- auSschutz Wiesbaden und den Provinzialausschutz Düsseldorf er- wächligl, die nötige» Ergänzungen vorzunehmen. Deutsthlanü und Dänemark. Wort Eberts. In einer Dankansprache an Männer und Frauen aus Schleswig-Holstein für ihre Arbeit bei der Volksabstimmung gab der Reichspräsident der Hoffnung Ausdruck, daß auf Grund des glänzenden Abstimmungsergebnisses eine Grenzlinie ge- zogen wird, die der natürlichen Abgrenzung der zwei Völker entspricht. Dänemark und Deutschland, beide Länder brauchen eine- endgültige Vereinigung ihrer Beziehungen, eine Grenze, die nicht nur durch ein Machtgebot in die Landkarte, sondern durch klare Ge- rechtig keit in die Herzen eingezeichnet ist. Das Abstimmungsergebnis in der zweiten Zone bezeich- nete Genosse Ebcrt als ein gutes Zeichen, eine feste Hoffnung. Er sagte: Mögen sich überall dort, wo mit dem Stimmzettel die Heimat gerettet werden muß. Frauen und Männer finden wie Sie. selbstlos, opferwillig, unermüdlich und vaterlandsliebend. Dann wird sich der Tag von Flensburg in O b e r s ch l e s i e n und M a s u r e n, in Ost- und W e st p r e n ß e n wiederholen. Dann wird der Kampf um die Einheit Deutschlands den nichtbedrohten Landstrichen ein Beispiel und eine Lehre sein für die Kraft, die in der Einheit aller Volksgenossen liegt, wenn es sich um Sein und Nichtsein des Volkes handelt._ Polens �afen: Danzig! Warschau, 19. April.(HavaS.) Am IS. und 17. April fanden Besprechungen statt zwischen dem Ministerpräsidenten, dem Eisen- bahnminister, dem Postministcr, General Haller und Sir Regi- nald Tower bezüglich des dcutsch-polnischen Abkommens. Ferner wurde die Frage der Verteilung des deutschen Staatsgutes zwischen Polen und Danzig erörtert, von der der Bau eines großen Hafens abhängig ist. Da die Mächte hierüber keine Entscheidung getroffen haben, wurde beschloffen, dah die polnische Regierung in Paris Schritte zwecks raichcr Eulscheidung tun soll. Sir Reginald Tower teilt die Ansicht der polnischen Regierung, daß Danzig ein wilbtiger Hafen Polens weiden müsse, zunächst Handelshafen, dann KriegShafcn(?). Die polnische» Vertreter wünschen mit Danzig die besten Beziehungen. Polen wird bis zur Ernte die Ernährung Danzigs übernehmen. Einlenken in Oberschlesieu? Die Enttntrkvmmisfiou in Oberschlesieu hat sich jetzt bequemt, das deutsche BetriebSrätegesetz anzuerkennen. Der Wahltermin soll„baldigst" festgestellt«verden. Der General- streik in Oberschlesieu dürste unterbleiben, um der Entente nicht die Gelegenheit zu neuen Gcwaltmaßnahmen zu geben. Oppeln, 19. 4.(WTB.) Die Beamten und Arbeiter stellen dir neue Forderung auf, daß von der Einführung des Paß« zwangrs in Oberschlesieu abgesehen werde, um einer Abschnürung vom Deutschen Reich vorzubeugen. Ter erst« KriegSvcrbrccherprozeß, der gegen den General Ljubilschitsch vor dem Obersten Gerichtshof in Wien stattfand, hat mit seiner Freisprechung geendet. Aweiter Mufguß. Das dcutschnationale Wahlprogramm. Die bevorstehende Wahl hat nun auch die Deutschnatio- nalen gezwungen, sich endlich ein Programm zuzulegen, nachdem sie fast iy2 Jahr agitiert haben, ohne über ihre letzten Ziele klaren und eindeutigen Aufschluß zu geben. Dieser Zustand war freilich für sie von großer Annehmlich- keit, denn die Gefolgschaft dieser Partei setzt sich aus Kreisen zusammen, deren politisches Denken keineswegs völlig ein- heittich gerichtet ist und deren wirtschaftliche Interessen erst recht nicht übereinstimmend sind. Man möge sich nur er- innern, daß in dieses Parteigebftde die ganze frühere Rechte zusammengeschmolzen wurde, die bekanntlich ein recht buntscheckiges Gebilde war. In ihr treffen sich der hochkonservative ostelbische Junker' mit dem christlich- sozialen Arbeitersekretär, der schneidige und schnurrbartge- sträubte Oberst a. D. mit dem behäbigen Hausbesitzer und ! Schlächtermeister, der bramarbasierende teutsche Oberlehrer mit dem kühl rechnenden und ganz illusionsfeindlichen Groß- ! dauern. � Konservative, Freikonservative, Christlich-Soziale, Deutsch-Soziale, Reformparteiler, Antisemiten, Mittelständ- i ler, Bauernbündler—, alle diese früher selbständigen Par- teien und Gruppen sind zu dem großen Brei der Deutsch» nationalen Partei zusammengemengt. Zwar batte diese Partei schon bei den Wahlen zur Nationalversammlung in Dutzend Punkten„Richtlinien" aufgestellt, aber diese Richtlinien waren nur dadurch interessant, daß sie di» Wähler über den wahren Charakter der Partei gründlich hinwegzutäuschen suchten. WaS nämlich die Partei wirklich wollte, das war in jenen Richtlinien nicht zu lesen. Kein Wort von Monar- chismus, kein Wort von Antisemitismus! Die Frage des Kaisertums wurde in diesen Richtlinien überhaupt nicht berührt, dagegen mit.um so größerer Energie„die nach den letzten Ereignissen allein mögliche parlamentarische.RegierungS- form" gefordert. Es war eben noch Januar 1919 und das Thermometer des alldeutschen Mannesmutes stand noch tief, tief unter Null. Die Uneinigkeit der Arbeiterklasse bV es inzwischen wieder soweit steigen lassen, daß die Deutsch.'..uo- nalen nunmehr wenigstens den Charakter ihrer Partei als den einer konservativen und monarchistischen offen zu bekennen wagen. Vergleicht man ihr neues Pro- gramm freilich mit dem alten Tivoliprogramm der Konservativen, so mutet es an wie<*in fader und verdünnter Aufguß reaktionären Geistes. Wohlgemcrkt, der Geist ist derselbe geblieben, wie ein zum zweiten Male aufgegossener Tee eben Tee bleibt und nicht Kaffee wird, aber dieser Geist wagt sich nicht mehr mit seiner ursprünglichen Frische, seinem Draufgängertum hervor. Die alten Konservativen sagten grad und ehrlich, was sie wollten, selbst wenn sie dadurch jeder modernen Erkenntnis ins Ge- ficht schlugen, aber gerade durch diese Unbekümmertheit und reaktionäre Geschlossenheit wirkte ibr Programm impojant, so feindlich man ihm auch gegenüberstehen mochte. Die Dentschnanonalen versuchten ängstlich, dem reaktionären Geist eine moderne Gewandung zu geben, in der Forma- lierung die konservativen Grundsätze der neuen Zeit anzupassen: aber sie können doch dadurch nicht vergessen machen, daß diese Grundsätze Kinder einer konservativen G e s a m t a n s ch a u u n g sind. Da? alte Tivoliprogramm der Konservativen ftigt» kurz und bündig:„Staat und Kirche sind von Gott verordnete Einrichtungen". Das war ein Glau- benssatz, der ohne Begründung und Verstandeskritik hingenommen werden mußte, ein Dogma, über das nachzudenken einfach als unstatthaft und verboten galt. Wer es nicht glauben wollte, war ein Unreiner, ein Ketzer. Die Deutschnationalen meinen zwar im Grunde auch, daß Staat und Kirche von Gott verordnete Einrichtun- gen sind, aber sie trauen sich nicht, das so ganz unmodern anS- zusprechen. Deswegen salbadern sie in ihrem Programm ein erkleckliches von der„sittlichen Wiedergeburt des Volkes durch Vertiefung des christlichen Bewußtseins", erklären die AMigion zur„Volksfache" und suchen in langatmigen Aus- fü-hrungen nachzuweisen, daß„an der lebendigen Aufnahme der christlich-religiösen Kräfte die Reinheit der Familie und die Gesundheit des Staates hänge", daß„ein Volk ohne Rc- ligion des sittlichen Halts entbehre" usw. usw. Aber wer Gründe gibt, der setzt sich der Kritik der Gegengründe aus. Die Macht der alten Konservativen lag darin, daß sie dekretierten:„Das und das habt ihr zu glauben". Gründe waren von diesem Standpunkt aus überflüssig. Die Deutsch- nationalen glauben geistig stärker gerüstet zu sein, weil sie den Glauben begründen, aber sie waren dadurch schwächer, weil ein begründeter Glaube eben nicht mehr auf dem Glauben, sondern auf der Erkenntnis fußt. Und primstive Erkenntnis läßt sich durch höhere Erkenntnis -beseitigen- Achnlich verhält eS sich mit der monarchischen Krage. Das Tivoliprogramm dekretierte die Monarch i e von GotteZ gnaden und toor damit fertig. Die Deutfchnationalen wollen an die Gottesgnadenformel nicht mehr heran, nachdem sich Gott ihrem letzten Monarchen als äußerst ungnädig erwiesen hat. Außerdem würde die Gottes- gnadenformel sie verpflicksten, den,„von Gott Erwählten", d. h. durch dos Mysterium der Erstgeburt bestimmten Monarchen nnbesehen wieder zu nehmen, vorausgesetzt, daß es iiberhcnstTt so weit kommt. Das aber wollen selbst die Deutsckmationalcn nicht. Berufene Führer ihrer Partei haben bei den verschiedensten Gelegenheiten eriklärt, daß selbst für sie ein Wilhelm und ein Friedrich Wilhelm unmögliche Kandidaten für den neu aufzurichtenden Thron sind. Des- halb beschränken sich die Deutschnationalen auf„Erneuerung de? von den Hobenzollcrn aufgerichteten deutschen Kaiser- tums", wobei es sogar eine Anslegungsfrage bleibt, ob mit dieser Formel die Wiederkehr gerade der Hohcnzollern aus- drücklich verlangt wird. Im übrigen suchen sie auch wieder die Notwendigkeit der Monarchie vernunftgemäß zu belveisen. kommen also auf den früher von allen Konservativen so bitter befehdeten„Vernunstmonarchismus" heraus. Ja, nach ihrem Programm erscheint ihr Kaisertum bei- nahe als genau das gleiche, das die Konservativen früher mit dem Worte ,/S ch a t t e n k a i s e r t u m" verächtlich abgelehnt haben. Denn das derftschnationale Programm will dem Par- lament„entscheidende Mitwirkung bei der Gesetzgebung und wirksame Aufsicht über Politik und Verwaltung" geben. Es muß aber bemerkt werden, daß diese Formel sehr zwei- d« ii t i g ist, jedenfalls eine sehr starke Abschwäch ung gegenüber der„allein möglichen parlamentarischen Regie- rungSform" aus den Januarrichtliuien von 1919 enthalt. Denn die neue Formel stellt die. Souveränität des Volkes und seines Parlaments nickst mehr fest, sie begnügt sich mit zweideutigen Redensarten, die bei geschickter Aus- legiing Handhaben werden können, um das Parlament auf feine Ohnmachtsstellung unter dem alten System zu- rückzubringen. Und das ist Wohl auch die letzte Absicht der Deutschnationäkm.„Entscheidende Mitwirkung" und„wirk- same Aussicht" sind Kautschukbegriffe, unter denen sich alles mögliche verstehen läßt. Offen und über die Formulierung des Tivoliprogramms hinausgehend ist das deutschnationale Programm dagegen in der Frage deS Antisemitismus, der ja eine ganz ge- waltige Rolle in der Agitation dieser Partei spielt. Es zeigt sich hier der Einssuß der in der Partei aufgegangenen rein antisemitischen Gruppen. Nur in einem Punkte wird ein alter konservativer Grundsatz wirklich preisgegeben: nämlich in der Anerkennung der politischen Gleichberechtigung der Frau. Aber diese Schwenkung ist nur eine rein taktische, sie ent- springt der Notwendigkeit, unter dem Frairenwahlrecht Stimmen weiblicher Wähler einzusaugen. Wäre nichr durch die Revolution das Frauenwahlrecht zur Tat- fache geworden, so würde den Deutschnationalen nicht einge- mllen sein, in ihrem Programm zu behaupten, daß der beut- schen Frau wegen ihrer„verantwortlichen Tätigkeit in der Familie" die gleichberechtigte Mitwirkung im öffentlichen Leben zustehe. Gerade mit dieser häuslichen Tätigkeit der Frau haben die jetzigen Deutschnationalen noch vor zwei Jahren die Ausschließung der Frau vom politischen Leben begründet. Es ist sehr spaßhaft anzusehen, wie die- selben Leute aus genau dem gleichen Grunde zwei ganz entgegengesetzte Folgerungen ziehen können, je nach- dem es ihnen zweckmäßig erscheint. Es bleibt also dabei, daß trotz gewisser Zugeständnisse an die Tatsachen, an denen im Augenblick selbst die Deutsch- nationalen nichts ändern zu können glauben, ihr Programm in seinen geistigen Grundlagen konservativ und re- aktionär ist. In dem Augenblick, wo die Deutschnatio-- nolen in der Lage wären, es zu verwirklichen, würde sich Knut Hamsuns Wesen. Von HanS Sochaczewer. Daß Knut Hamsuns letztes Werl.Segen der Erde" beißt, ist nickt Zufall. Freilich auch nicht Programm. Wohl aber: Eni- Wicklung.„Pan", eine von dieses Norwegers beschwingtesten Dich- tungen in Prosa, war Uebergang.. Da finden sich Trommelwirbel, die der Liebe zur Frau gelten, aber auch schon eine tiefe Sebnsucht zur Natur. Von dort führte Hamsun der Weg zum dem Luche, daß ihn den Segen der Erde preisen ließ. Es ist nicht der Sinn unseres Seins, zu raten und zu warten, sondern zu schaffen,— so spricht dieS Werl. Wohlstand ist nickt die klingende Münze, sondern die Erde. Niemand in diesem Buche ist übermütig und allzu siöhlich, aber e« ruht das Licht der Befriedigung über ihm. daS nur ein genützter Tag spendet. Nun weiß man auch, weShalb Hamsun zu jenen wenigen gehörte, denen wir auch im Krieg« die Treue gehalten haben. Ja. Hamsun waren wir treu geblieben. Woher mochte eS rilhren? 9» gab dach anch in unserem Lande Dichter, die jenen schwermütige««der iranischen LebenSatem hatten; doch muhte eS an der rechten Mischung fehlen. Und dann, das sahen wir nun erst in seiner vollen Bedeutsamkeit, war es so, daß Hamsun nicht nur der Schöpfer de« freilich herrlichen„Pan" war(lest ihn), sondern daß er auch»Hunger",.Neue Erde", im.Märchenland" und.Redakteur Lhnge" geschrieben hatte. Mit Hamsun war also auszukommen. Er gab sich, und das war vortrefflich. Aber er gab noch einen Sckuß dazu, und das war das Entscheidende. Hier klebte der Lßille nicht an der Ausschmückung des eigenen SchmerzleinS z schon der.Hunger", ein höchst subjektives Gemälde, besaß jene magiscke Gewalt, die nur die Synthese von großer Persönlichkeit und Gestaltungsvermögen zum Ueber-Persönlichen auszuüben vermag. Hamsun ist Kämpfer. Er ist eS immer gewesen. Er log im Kampfe mit sich, aber daS tut ein jeder, und der Dichter zumal. Er lag in Fehde mit den anerkannten Dichtergrößen, denen er, in seinem Roman.Mysterien" viel Kräftig-GrobeS sagte, weil er die Wahr- heil sprechen muß. Er kämpfte seinen herrlichsten Kampf, weil er am aussichtslosesten war, gegen die Großstadt mit ihren ZivisationS- auSwüchsen. Er ist ein Kämpfer, der nicht brüllt, sondern singt. Es ist nicht möglich, sich Hamsun in einer Großstadt lämpfend und die Menschheit anrufend zu denken. Dabei darf niemand glauben., seine Slimme sei kraftlos. Hamsun ist Norweger. Hamsun ist überall in der Welt gewesen, und eS ist ihm. weiß Gott, nicht zum Besten ge- gangen. Er hat dieses und jenes getan und gearbeitet, wovon unsere Dadaisten, müßten sie eS leisten, 50 Bändchen mit.Ichs" füllen würden. Er ist der Sentimentalität abhold. Aber eS ist eine große und religiöse Liebe in ihm, die ihm Bekenntnisse aufdrängt, welch« er aus das zärtlichste zu sonnen weiß. Seine Werke der zeigen, daß die Abweichungen vom often konservativen Pro- gramm rein taktischen Erwägungen ensspringen. Vorsichtig zeigt die Reaktton vorerst nur ihre nächsten Ziele, um später, wenn sie durch deren Erreichung eine bessere Position gewonnen hat, mit um so größerer Energie aufs Ganze zu gehen._ Die Konfusion bei üen Rechtsparteien. Westarp gegen Kardorff. Die Rechtsparteien scheinen komischer Weise nichts anderes zu tun zu haben, als sich über die Frage eines etwaigen— Zusammengehens mit der Sozialdemokratie zu unterhalten. Herr Ctresemann hat sich unter Umständen für ein solches Zusammengehen ausgesprochen und es offenbar aus diesem Grunde unterlassen, in derselben Rede ein neues Bekenntnis zur Monarchie abzulegen. Ebenso haben die Kardorff und Genossen ihren Austritt aus der deutschnationalen Putschpartei u. a. auch bannt begründet, daß sie ein Zu- sammengehen mit den Sozialdemokraten für möglich hielten. „sofern diese sich in streng verfassungsmäßigen Bahnen bc- wegen und zugunsten einer Volksversöhnung von ihrer Machtstellung mit Mäßigung Gebrauch machten". Darauf antwortet Graf W c st a r p in der„Kreuzzeitung": Die Frage der KoalitionSmöglickkeiten ist nickt theoretisch, sondern praktisch zu beantworten; sie ist weniger eine Frage des Grundsatzes alS der Taktik. Die drei Herren wollen die Möglichkeit eines Zusammengehens mit den MehrheitSsozialistcn auch nur unter der Voraussetzung verwirklicht sehen, daß.diese sich streng auf verfassungsmäßigen Bahnen bewegen und zugunsten einer Volksversöhnung von ihrer Machtstellung mit Mäßigung Gebrauch machen". Daß jemals auch nur diese Voraussetzung, namentlich in ihrem zweiten Teile eintreffen werde, und daß Anerbietungen des Zusammengehens von feiten-der Rechten eine solche Entwicklung fördern werden, vermag ick eben nicht zu glauben; eS müßte denn sein, daß.Sozialdemokratie' in Zulunft etwas ganz andere? ist, als die an das Erfurter Programm und an Jahrzehnte des ein- seitigsten und verhetzend st en Klassenkampfes ge. bnndene, die Diktatur deS Proletariats ausdrücklich erstrebende Partei. Die ganze Debatte wirkt ein wenig komisch, denn die Sozialdemokratie wünscht bekanntlich, sich mit diesen Herr- schaften nicht zu koalieren, sondern sie aus dem Reichstag hinauszuwerfen. Die Reihe der„Unstimmigkeiten" scheint aber damit nicht erschöpft. Nach dem„Lok.-Anz." hat es in der letzten internen Sitzung der Deutschnationalen zwischen dem Grafen Westarp und der Gruppe des Prof. Hoetzsch„eine bewegte Aus- cinandersctzung" gegeben, in der Graf Westarp erklärte,„daß seine Bestrebungen, die alte konservative Partei mit den neuen Deutschnationalen zu verschmelzen, nicht zum Ziele geführt hätten, und er gewillt sei, die aus dieser Tatsache sich ergebenden Konsequenzen zu ziehen". Der Meineiüoberft. Herr v. Ledebour wirkt eifrig weiter. Unter den von unS veröffentlichten Bcrschwörerpapiercn befand sich auch ein Brief eines Leutnants Meycr an den Hauptmann Berthold über die Mitwirkung des Obersten v. Ledebour an den Putschvordcreitungen. Dazu wird unS nun aus Hamburg mit- geteilt, daß dieser Oberst v. Ledebour weder entlassen noch verhaftet ist, sondern nach wie vor in Altona sich frei bewegt, obschon seine Mitschuld den Altonaern in den Märztagen Hand- greiflich fühlbar geworden ist. AIS Ende der vorigen Woche das Reichswehrregiment 18 von Altona-Bahrenfeld zum Grenzschutz Ost abtransportiert wurde, war Ledebour in Zivil wieder in der Kaserne und hielt mehrere Besprechungen dort ab. Man sollte doch meinen, daß diesem Herrn, der sich bereit erklärte, jeden Eid, den er zwischen 7 und 8 geschworen, zwischen 8 und S zu brechen, etwas mehr auf die Finger gesehen werden müßte. ES ist geradezu un- verständlich, daß noch kein Haftbefehl gegen ihn erlösten ist. Liebe.Viktoria" und.Pan" und manches aus den.Mysterien" zählen zu dem Menschlichsten, was je geschrieben wurde. Denn er verharrt nicht im Analytischen, sondern führt dem entbundenen Herzen neuen Blutstrom zu. DaS ist e»: Hamsun ist noch einer von denen, die mit ihrem Blute schreiben. Menschheil und Mensch- lichkeit ist ihm bewußte Einheit. Sein Mitleid ist nicht aufdringlich, denn es wird von der Sehnsucht getragen, nicht dem einzelnen zu helfen, sondern dem Wesen über- Haupt. Und Hamsun hat etwas, was nur wenig Begnadete mit ihm teilen: das Vermögen, sein Herz im Presto, im Allegro und im Adagio gleichmäßig künstlerisch und physiologisch beherrschen zu lönnen. WaS ist schließlich Bedingung aller wahren Kunst? Nehmen wir einmal den Völkerbundsgedanken ethisch und ganz unpolitisch. so ist die Wurzel das Bestreben, daS nationale Bewußtsein in einem übernationalen Akkord auSllingen zu lassen. Nur der Künstler, der wahrhaft dem Volke, dem Lande entstammt, für das er arbeitet. wird Kraft gewinnen, sich über die LandeSgrenzen zu erheben. Richard Dehme! sagt einmal in einem Gedicht:.Ich hob' ein großes Vaterland;/ zehn Völkern schuldet meine Stirn/ ihr bitzcken Hirn"... und endet das Gedicht mit dem Traumbild der Völkerbefrnung zum Volk! 5knut Hamsim wird uns in seiner durckauS nickt lehrhaften, eher einseitig- willensstarken Anschauung erklärlich, au« den Be- dingtheitew- seines Landes. Norwegen, in dem die krassen, nickt ab« getönten Unterschiede von Winter und Sommer. Sonnenüberickwang und Sonnenarmut. tiefen Einssuß auf die Stimmung des Volkes haben, ist ein Land, in dem Kämpfe rein sozialer Natur nicht die gleiche Bedeutung besitzen wie in Deutschland. HamiunS Widerstreit heißt daher: Bauer und Student. Er steht eine nationale Gefährdung in dem Bestreben vieler Bauernsöhne, sich der Stadt zuzuwenden, um dort, schollenabgewandt, ein ungesundes Verhält- nis mit der Wissenschaft anzuknüpfen. Hamsun spottet u. a. in .Redakteur Lynge" deS Mannes, der sich, Persönlichkeit der Großstadt und Mann von polinichcm Einfluß geworden, seiner plumpen Hände schämt, die für alle Zeiten tätowiert bleiben. Will man aber wissen, wie Hanffun den Kern Trostlosigkeit ausdeckt, der unter dem Mantel der Feierlichkeit verborgen ist, wie Hamsun zeigt: ach, ihr seht nur die Fahnen, nicht aber achtet ihr der müden Gesichter, denen die Sonne nicht Liebe genug ist, um ihre Seele zu erwärmen und ihren Körper zu ernöhren, dann lese man .Neue Erde". In diesem Roman geißelt der Dichter die norwegi- schert Künstler- und KaufmannSkreiie der ausstrebenden Stadt Kristiania. Es ist gut zu wissen, daß Kristiania freilich eine Sonderstellung unter allen Großstädten einnimmt: sie ist so etwa« wie der Besriediger der Eitelkeit, und sie kennt weniger Streben nach dem Licht, als nach dem elektrisckcm Licht der großen Bogenlampen, deren Strahlen die Worte.auch wir" senden wollen. Hamsun ist Wanderer. Sein.Märchenland" erzählt von der Reise nach dem Kaukasus und gehört zu den allerjchönsten und u. S. J). unö Sürgertneg. Die nötige Klarheit. Im„Vorwärts-Beiblatt" vom letzten Sonntag sagte die Genossin I u ch a c z, die Frauen könnten nicht bürgerlich ivählen, weil sie für gleiches Recht und soziale Gerechtigkeit fein müßten, aber auch nicht unabhängig oder kommu- nistisch, weil sie als Frauen die Gewalt verabscheuten. Dazu bemerkt die„Freiheit": Hier wird offen gesagt, daß unsere Partei gemeint ist, wenn die Gefahr des BürgerlriegeS mit Maschinengewehren und Handgranaten an die Wand gemalt wird. Es ist gut, daß die Recktssozialisten gleich zu Anfang des Wahllamptes zeigen, mit welchen Methoden sie den Wnhlkampf gegen uns zu führen gedenken, gut, weil dadurch von vornherein die n ö t i g e K l a r h e i t ge-- schaffen wird. Wir glauben, daß die„Freiheit" die Genossin Juchacz nicht ganz richtig versteht. Die Genossin Juchacz weiß sicher- lich so gut tvie wir. daß es bei den Unabhängigen verschiedene Richtungen gibt, von denen eine die Anwendung von Gewalt aufs äußerste verabscheut, während eine andere bis in die letzte Zeit hinein engste Fühlung mit den Kommunisten hielt, die erst gestern wieder in der„Roten Fahne" den Kampf mit 21-Zentimeter-Geschützen und„noch größeren Kalibern" ver- herrlichten. Unabhängigen wie zum Beispiel K a u t s k y und S t r ö b e l und vielen anderen nachzusagen, sie seien An- Hänger der Gewalt, wäre natürlich nichts weiter als eine Verleumdung, will aber die„Freiheit" behaupten, daß alle Unabhängigen aus demselben Standpunkt stehen? Gerade wegen der Frage Gewalt oder Gewaltlosigkeit. Diktatur oder freies Recht des Volkes, über sein eigenes Schicksal zu entscheiden, geht durch die Partei der Unabhängigen ein tiefer Riß! Wir sind sehr dafür, daß in diesem Punkt auch bei den Unabhängigen völlige Klarheit geschaffen werden möge, und wir begrüßen jedes Zeichen der Annäherung an sie. Vor- läufig ist aber diese Klarheit einheitlich nur in der So- zialdemokratischen Partei vorhanden, und nur darum be- stecht noch U n e i n i g k e i t.nur darum ist es notwendig, den geistigen Kampf der beiden Richtungen weiterzuführen. Wäre darüber erst einmal Klarheit geschaffen, so könnten wir uns die Mühe der Aufstellung verschiedener Kandidatenlisten und den Schaden der gegenseitigen Bekämpfung sparen. Solange aber diese Klarheit bei den Unabhängigen nicht vor- Händen ist, kann man eS uns wahrhaftig nicht verübeln, wenn wir alle, die den Sozialismus auf dein Wege nicht des Putsches, sondern der Demokratie erstreben, auffordern, s o- zialdemokratisch zu»wählen. » Die Kandidatenaufftellung der Unabhängigen in Leipzig hatte folgende? nicht uninteressantes Ergebnis: Friedrich Geyer 732 Stimmen, Seegcr 690, Lieberaich 609, LipinSki 500, Schöning 686, Frau Thiel 542, Kurt Geyer 499, Schilling 438, Kliem 895, Liebmann 869, Frau Plottke 837 und Hans Block 235 Stimmen.— Der überradikale Kurt Geyer steht also erst an fiebenter Stelle. Dafür ist er in Halle auf die Reichsliste gesetzt worden. » Hamburg, 19. April.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Am Sonntag fand der entscheidende Bezirksparteitag der U. S. P: statt. Von der Parteileitung in Berlin war S t ö ck e r erschienen. Mit überwiegender Mehrheit wurde das Mißtrauensvotum für die unabhängige Bürgerschaftsfraktion bestätigt und da» Verhalten der Führer im Abwchrstreik gegen den Kapp-Putsch ver- urteilt. Es wird den von ihren eigenen Anhängern so genannten Bonzen also nicht« übrig bleiben, als die Konsequenzen zu ziehen. Eine größere Anzahl Parteifunktionäre hat sich mit ihnen solidarisch erklärt und will ebenfalls die Aemter niederlegen. Im übrigen ist eine vermehrte radikale Agitation in Hamburg unverkennbar. Einige Hunderl Flüchtlinge aus dem Ruhrgebiet, die hier eingetroffen sind, tun daS Ihrige dazu. Zu Mittwoch, wo erneute Straße monstrationen der kommunistischen Er- werbSlosen angesagt sind, werden Unruhen befürchtet. wenigst gelesenen Reisebüchern; erfüllt von ironischer Poesie und trefflicher Beobachtung. Es ist ein Glück, daß eS noch Dichter vom Schlage Hamsuns gibt, die, indem sie sich sckeinbar außerhalb der Zeitereigniffe bewegen, ihnen doch Ausdruck zu schaffen wissen. Sein.Segen der Erde" ist inniges Bekenntnis zum Lande. Wie klar und fest gestallet ist die Fabel. Der Mann, der sich das Oed« land gewinnt, der aus Kraft und Willen zusammengesetzt ist. der sein Vieh liebt, wie seine Kinder, und doch seiner selbst wohl be« wüßt ist. Die überlegen spöttische Sprunghaftigkeit deS jungen Hamsun ist umgewandelt in episch-breite Prosa; wir beugen uns vor der Schöpfung des Liebenden. Jttgeiidmni 1920. So heißt die vom Hauptvorstand der deutschen Arbeiterjugend- Berein« zur kommenden Maiseier herausgegebene Festschrift, die sickerlick wie bei deuen, für die sie zunäckst bestimmt ist, auch bei den sosialdemokrattschen Eltern großen Beifall finden wird. Karl Korn, der die Nummer berricklere, leitet sie mit einem gedankenflammenden Maienweckrus «in. Erfrischend gute Zeichnungen von Ilse Scvütze-Schur schmücken das Blatt. Sonn-.g. mulblühend, voll Jubel ist das Titelbild: ein Zug jungen ArbeitervolkeS. Den reicken textlickcn Inhalt— zehn Aufsätze und zwei Gedicht«— kennzeichnen folgende Ueberschriften: Voran.Die Jugend unter de» Fahnen des 1. Mai,"(von Korn), dann.Ter Tag der Kultur"(von I. Sckult-Hamburg).Vom März zum Mai"(von Richard Lohmann),.Jugendwandern— Jugend- lust"(von Eonrad Hahnewald),.Auf Maisahrten"(von Sollmann), .Jugendsckutz und Jugendrecht"(von R. Weimann),.Wir Jugend in gärender Zeit' tvon Walter Sckenk). August Albrecki spricht werbende Worte für den wachsenden Jugend- Verband. Der .Jugendmai" ist gegen Einsendung von 50 Pf. durch die Buch- Handlung.Vorwärts" oder von August Albrecht, Hauptvorstand der Arbeilerjugend-Vereine. beide Lindenstr. 3, zu beziehen. Niemanden wird die Bestellung reuen. Die Balutafahrten deutscher Bühnensättgcr rauben den Spiel» Plänen die Sicherheit. So begreift man, daß die Bühnenleiter gegen den Schaden mit Härte vorgeben. Auf Schillings Antrag hat jetzt der Deutsche Bübnenverein den Barilonistcn SchlusnuS von der StaalSoper des Vertragsbruches schuldig erklärt. Nach Erkläruugen, die der Verurteilte vor einigen Wochen in der Presse abgab, schien der Fall milde zu liegen. Die Richter sind aber anderer Meinung gewesen, und dielleicht haben sie derb zuge- griffen, weil sie's für angebracht hielten, gegen einen wachsenden Schaden ein abschreckendes Erempel zu statuieren. Ihr Urieil trifft jedenfalls eine wertvolle Krasr der StaalSoper. Theater. Im Kleinen Schauspielhaus findet am 24. April die 10 0- Ausführung der.PfarrhauSkomödie" statt. Vorweg die Ur" ausjührung der einaktigen Komödie»Der Selige" von Hermann Bahr, — DaS Eden-Thcatcr heizt dom 1. Mai ab»Theater in der Alten I a k o b sl r a h c". Die Leitung hat Dr. Martin Z i ck c t. Hans PfiÄncr schreibt ein Luch über Robert Schumann. Gin Aadi-Zirger-Abeud wird am 22. April, 8 Uhr, von Fritz Heil» mann in der Kaiser-WUhelm-Gedächtnislirche veranstaltet. Im Programm steht Reger- ChoralphaMasie.Wachet auj, rujt unS die Stimme". Hr. 201 ❖ 57. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Dienstag, 20. �lprtt 1020 Dis Hrunökkule beschlossen. Die Nationalversammlung hat am Montag die dritte Lesung des Gesetzentwurfes über die Grundschule und die Auf- Hebung der Vorschulen erledigt. Abg. Mumm sDnat.) feiert die Schule als ein Werkzeug sozialer Versöhnung. Der Religionsunterricht mutz erhallen bleiben, dafür bat sich auch in Berlin eine grotze Mehrheit ausgesprochen, wie die Elternbeiratswahlen bewiesen haben. Wir fordern Rücksichtnahme auf die Pnvatsckulen. Abg. Zocphcl(Sem.): Ein Gewissenszwang soll nicht ausgeübt werden. Minister des Innern Koch: Die Wünsche des Abg. Mumm sind -um grotzen Teil schon durch die Verfassung gewährleistet. Einzelne Schwierigkeiten werden im Einvernehmen mit den Ländern beseitigt. Eine Schniälerung der Gewissenssreihcit soll nicht vorkommen. Abg. Runkel(Dnat.) tritt für die Borschullehrer ein. Das Gesetz wird darauf unter Ablehnung aller AbänderungS- antrage gegen die Stimmen der Demschnanonalen in dritter Lesung angenommen. Die Geietze über die Versorgung der Militärpersonen usw. und über die Kosten der Kriegsbeschädiglenfürsorge werten dem sozialen Ausschuh überwiesen. Das Haus vertagt sich auf DienStag 1 Uhr: Ankragen, Interpellationen über Enpeii und Malmcdy und über den Durch- gangsverkehr nach Ostpreußen, Parlamentsschutzgesetz, Erhöhung der Postgebühren, kleine Vorlagen. Schluß 4>/z Uhr. Der Grunöstein. Tie Annahme des ersten Reichsschulgesetzes. Von Richard Lohmann. Ohne die äußeren Merkmal? eines„großen Tages", ohne eine feierliche Ankündigung, bei schwach besetztem Hause und durchaus nicht übcrfüllter Tribüne hat die Iiationalvcrsamm- lung am Freitag— fast möchte man sagen: nebenbei— das erste deutsche Reichsschulgesetz in zweiter und am Montag in dritter Lesung verabschiedet. Es ist verständlich, daß in diesen Tagen politischer Hoch- spannung die Fragen der kulturellen Erneuerung unseres Volkslebens' in den Hintergrund treten gegenüber den Aufgaben des Augenblicks— aber es ist darum nicht weniger bedauerlich. Unsere Arbeit an der Gegenwart ist umsonst, wenn wir nicht die Gewähr für ihre Auswirkung in die Zukunft haben. Alle Mühe um die Ueberwindung der wirtschaftlichen Not, alle Arbeit für die Festigung der innerpolitisckien Lage, für den Ausbau der demokratischen Republik wäre sinn- und zwecklos, wenn wir wüßten, daß das heranwachsende Geschlecht, im Rahmen der alten Schule und ini Geiste des alten Staates erzogen, nur darauf wartete, den mühsam errichteten Bau wieder zu zertrümmern. Darum war es eine innere Notwendigkeit, daß die Nationalversammlung vor ihrer Auflösung neben den übrigen dringenden Gegenwartsaufgaben wenigstens auch noch den Grundstein zum Neubau der deutschen Schule legte. Mehr konnte nach Lage der Sache und mehr wollte auch das erste Reichsschulgesetz nicht sein. Die Wünsche der sozialistischen und auch der demokratischen Reformer geben freilich weit über die Forderungen hinaus, die dieses erste Reichsgesetz erfüllt. Wem der Gedanke der Ein- heitsschule mehr ist, als ein. neues Schlagwort für eine alte Sache, der kann sich nicht damit begnügen, auf eine vier- jährige, gemeinsame Grundschule den herkömmlichen Oberbau von Lern- und Kenntnisschulen, von Volks-, mittleren und höheren Schulen zu türmen. Es wäre nichts Verhängnis- voller, als wenn wir den jetzt begonnenen Abbau des alten Systems mit dem Ziel, das der neuen Schule gesteckt ist. verwechseln wollten. DaS Ziel, die Er- ziehung des neuen Geschlechts zum Gcmeinschaftsgedanken durch eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft, kann nicht von heute auf morgen verwirklicht werden. Der neue Geist dieser Erziehung verlangt gebieterisch auch nach einer neuen Form, und über die beste Form gehen heute noch die Ansichten der im Ziel einigen Reformer weit auseinander; viel des Unfertigen, des noch nicht Ausgereisten ringt hier— unbekümmert um die Not- weudigkeiten einer schrittweis vorwärts gehenden Schul- Politik— nach Gestaltung. Die große R e i ch s s ch u l- konfcrenz, die nunmehr unmittelbar im Anscbluß an die Wahlen statifinden soll, wird der Ort sein, um diese Ansichten zu klären, um die adäquate Form für die Schule eines neuen Geistes zu finden. Bis dahin muß sich die praktische Schulpolitik, die Gesetz- gebung des Reiches darauf beschränken, Breschen in das alte System zu legen und die e r st e n Steine zu einem Neubau zusammenzutragen. Diesen Zweck er- Iunktionär?onferenz öer S. P. D. Mittwoch 6 Uhr für alle zur S. P. D. gehörenden Partei- funktionäre, BetriebsvertraueuSlente, Angestellten- und Beamten- Vertreter: Allgemeine Funktionärkonferenz im Dentschen Hof, Lnckauer Straße 15. Tagesordnung: Unsere nach st en politische» Aufgaben und die Einigung der Arbeiterschaft. Referent: Genosse Dr. K o e l i tz. Mit- aliedsbuch und Answeiskartc vorzeigen. Der Bezirksvorstand. füllt daS erste, soeben beschlossene Reichsschulgesetz, und darin liegt sein unbestreitbares Verdienst. Die Reaktion hat das von Anfang an klar erkannt und sich deshalb bis zum letzten Augenblick bemüht, das Gesetz zu Fall zu bringen oder wenigstens seine Verabschiedung zu verzögern. Das Reichsmimsterium des Innern und die Nationalversammlung sind aber allen Protesten und Drohungen gegenüber erfreulicherweise festgeblieben. Der auch in der zweiten Lesung wiederholte Satz, daß man hier etwas nieder- reiße, ohne zugleich ein Neues an seine Stelle zu setzen, trifft bis zu einem gewissen Grade allerdings durchaus zu. Die Einsührung des vierten Grundschuljahres und der Abbau der Vorschulen zwingen aber automatisch zu einer Um- gestaltung unseres gesamten Schulwesens, und„wenn der Mantel fällt, muß auch der Herzog nach". Eben deshalb war es vorderhand gar nicht erforderlich, das Ziel genauer zu umreißen; es genügt einstweilen durchaus, daß der Zwang zu einem Anfang der Reform vorhanden ist. Da über der Durchführung des vierten Grundschuljahres mindestens ein Jahr vergeht, so bleibt inzwischen Zeit genug, um auf Grund des Ergebnisses der Reichsschulkonferenz das Ziel weiter zustecken und genauere Grundsätze für den Ausbau der Einheitsschule von Reichs wegen aufzustellen. Der Ansang mit der Beseitigung der Klassen- s ch i ch t u n g unseres bisherigen Bildungsivesens ist jedenfalls gemacht. Man muß es der Rechten lassen, daß sie diese erste Position in.klarer Erkenntnis der Sachlage mit Zähigkeit und bis zum äußersten verteidigt hat. Mit welchen vormärzliche u Anschauungen die Freunde einer wirklichen Einheitsschule hier sich noch auseinanderzusetzen haben, zeigte am deutlichsten der Kampf um die Vor- schulen und die P r i v a t s ch u l e n. Die Vorschulen mit ihrem ausgesprochenen Charakter der Standesschulen wurden von den Vertretern der Rechten als„von innen heraus gewachsen" verteidigt, die Vertreter der Vor- schullchrer sehen in der Versetzung an die Volks- schule eine„Degradation": der gleiche Unterricht au einer von Kindern aller Volksschichten besuchten Schule gilt also als minderwertig gegenüber dem Unterricht an Schulen, die nur von den besitzenden Klassen besucht werden I Kann man sich da wundern, wenn unlängst ein Blatt der Rechten(die„Deutsche Zeitung") die Bildung der bevorrechtigten Bevölkerungsschichten nicht„um des Aufstiegs etlicher Proletarierkinder willen" gefährdet wissen wollte? Oder wenn die„Tägliche Runoschau" sich zu der Behauptung verstieg, daß den verschiedenen Ständen eben von Natur verschiedene Begabungen eingepflanzt seien, und daß sich die Proletarierkinder gerade in der bisherigen Um- gebuna besonders wohl fühlten? Erst wenn man sich solche Anschauungen vor Augen hält, kann man recht e. messen, welchen Fortschritt in der Tat die Einführung einer auch nur vierjährigen gemeinsamen Grundschule ini gegenwärtigen Augenblick schon bedeutet. Wir täuschen uns allerdings nicht darüber, daß die Umwandlung der Form der Schule»och nicht gleichbedeutend ist nut einer Neucinstellung des Geistes der Erziehung. Man Hut auch bei der Beratung dieses ersten Reichsschulgesetzes manch schönes und manch schiefes Wort von dem Rechte der Eltern auf die Erziehung ihrer Kinder gesprochen. Uni die Daseins- berechtignng der Privatschulen zu erweisen, übersah mau völlig, daß auch dieses Recht der Einzelpersöulichkeit, dieses „Elternrecht" eine Schranke sinder au den Rechten der V o l ks- g e m e i n s ch a f t und an den Pflichten gegen diese Gemein- schuft. In der Frage des Geistes der Erziehung gehen aber die Rechte der Eltern sogar mit den Forderungen, die die Volksgemeinschaft um ihrer selbst willen erheben niuß, Hand in Hand. Die überwältigende Mehrheit der Volksgenossen und der neue Volksstaat selbst verlangen, daß das heran- wachsende Geschlecht zu Bürgern dieses Volksstaates, zu willig sich einordnenden Gliedern der Volksgemeinschaft, im Geiste der Liebe, der Solidarität und der Völkerversöhnung er- zogen wird. Wieviel an solcker Erziehung im neuen Geiste in unseren Schulen noch fehlt, haben die letzten Wochen mit erschreckender Deutlichkeit gezeigt. Die alte Schulbureaukratie herrscht noch immer und stärkt den Trägern des alten Geistes innerhalb der Lehrerschaft den Rücken; auch die Demokratisierung der Schul Verwaltung ist in den ersten Anfängen stecken geblieben. Daß wir auch hier eine Gegenwart?' ausgäbe zu erfüllen haben, ist im Kanipf der letzten Wochen nicht immer mit der wünschenswerten Eindringlichkeit betont worden. Die Verabschiedung des ersten Reichsschulgesetzes lenkt nun im bunten Gewirr unserer innen- und außenpolitischen Nöte den Blick wieder einmal auf die Frage der geistigen Erneuerung unseres Volkes, und es wäre nur zu wünschen, daß es länger als für einen Augenblick geschieht. Der Grund- stein einer neuen deutschen Schule ist gelegt. Die Freude über das Erreichte aber muß ausklingen in die Mahnung und Warnung: Vergeht die Schule nicht! In ihr sollen d i e Kräfte reisen, die das begonnene Werk voll- enden.__ GroßSerlw Cin Regentag. Der April besann sich gestern auf sich selbst. Er spielte eine zeitlang, nicht ganz echt, eine hochsommerliche Rolle, ließ grünen und blühen was das Zeug halten wollte und es schien fast so, als wollte er uns um den Sommer betrügen. Am Sonntag schon schien ihm angesichts des blühenden Flieders die Besinnung gekommen zu sein. Man merkte, daß er die Stirn kraus zog über das, waS er voreilig augenchla- hatte und den Leuten, die in den Wäldern spazieren gingen und die nicht programmäßigen Blumen pflückten, wurde es schon ängstlich zumute. Es blieb aber bei dem StirnkrauS- ziehen mit einigen unmutigen Luftstößen und die Leute iu den Wäldern kamen trocken nach Hause. Am Montag vormittag kämpfte er noch einen Kampf mit sich selbst. Aber wer kann heute nur immer lauter Sonne lächeln.? Gründlich Hab ich's satt, dachte der April, packte sich die Wolken voll Wasser und ließ sie dann gründlich aus-* laufen. Es regnete von Mittag bis Abend. Esjj goß S.räme über Berlin. Es troff gründlich und uu-z adlässig von allen Hausdächern, auf die Hoffnungsvollen, die da warteten, daß es mal aufhöre. In den Straßen flössen die braunen Bäche, die über den Gullys bald tüchtige . 12j Segen öee Cröe. Roman von Knut Hamsun. „Du hättest zu mär kommen und den Boden kaufen sollen," sagte der Schultheiß.—„Ja."— Der Schultheiß sprach von Einschätzung, von Grenzscheiden, von Steuer, „Kronsteuer", jagte er; als Jsak einigermaßen Aufklärung bekam, fand er es immer weniger ungereimt. Der Schult- heiß rief seinen Begleiter herein und sagte:„Nun, du Taxator, wie groß ist die Ansiedlunq?" Aber er wartete nicht auf Antwort, sondern schrieb die Größe aufs Geratewohl hin. Dann fragte er Jsak nach den Heirlasten und nach den Kor- toffeltonuen. Und wie sie es mit der Grenzscheide halten wollten? Sie könnten doch nicht die Grenzscheide in manns- hohem Schnee abschreiten, und im Sonimer könnten Menschen nicht hier heraufkommen. Was Jsak sich selbst als Weideland und Wald ausgedacht habe?— Das wußte Jsak nicht, bis jetzt hatte er, soweit er sah, für sein eigen angesehen. Der Schultheiß sagte, der Staat setze Grenzen.„Je mehr Land du bekommst, desto höher ist die Steuer," sagte er—„So." —„Ja. du bekamst nicht so viel, als du überschauen kannst, sondern so viel, als du brauchst."—„So."— Inger setzte Milch vor, und der Schultheiß und sein Be- gleiter tranken. Sie brachte noch mehr Milch. Der Schult- heiß sollte streng sein? Er strich sogar Eleseus übers Haar und sagte:„Spielt er mit Steinen? Laß mich die Steins mal sehen I Was ist denn das? Die sind aber schwer, da ist gewiß irgendein Metall drinl"—„Ja, sie sind von droben auf den Bergen," sagt Jsak. Der Schultheiß kehrte zum Geschäftlichen zurück.—„Südlich und westlich ist es wohl am vorteilhaftesten für dich?" sagte er zu Jsak.„Sagen wir eine Viertelmeile I"—„Was, eine ganze Biertelmeile I" rief der Boglefter des Schultheißen. —„Du allerdings könntest keine zweihundert Ellen um- brechen," versetzte der Schultheiß kurz.— Jsak fragte:„Was kostet eine Viertelmeile?"—„Das weiß ich nicht," antwortete der Schultheiß,„das weiß niemand. Aber ich werde einen niederen Preis vorschlagen. Es ist ja meilenweit im Oedland drinnen, one jegliche Zufahrt." „Ja, aber eine ganze Wertelmeile!" sagte der Begleiter wieder Der Schultheiß schrieb eine Mertelmeile südwärts und ftagte:„Und aufwärts nach den Bergen?"—„Ja, da muß ich Zugang zum Wasser haben. Dort ist ein großer Wasser lauf," antwortete Jsak. Ter Schultheiß schrieb weiter.„Jetzt nach Norden?"— „Das weiß ich nicht so genau, auf dem Moor ist kein ordent sicher Wald," meinte Jsak. Der Schultheiß schrieb nach seinem eigenen Kopf eine halbe Mertelmeile.„Nach Osten?"—„Das weiß ich auch nicht so genau. Tort ist nur Gebirge nach Schweden hinüber." Der Schultheiß schrieb. Als er fertig war, rechnete er das Ganze in einem Augen- blick zusammen und sagte:„Natürlich wird das ein großer Hof, und ivenn er drunten im Dorfbezirk läge, könnte ihn niemand kaufen. Ich will hundert Talor alles miteinander vorschlagen. Was meinst du?" fragte er seinen Begleiter.— „Das ist ja gar kein Preis," antwortete dieser.—„Hundert Talerl" sagte Inger.„Tu brauchst gar kein so großes Grundsti'ck."—„Nein," sagte Jsak.— Der Begleiter siel ein:„Es ist, wie ich sage. Was wolltet Ihr mit so viel Land?" Der Schul! heiß sagte:„Es bebauen." Nun hatte er dagesessen, sich abgemüht und niederge- schrieben; ab und zu schrie ein Kind in der Stube, er hätte nur imgern das Minze noch einmal geschrieben, er kam auch erst spät in der Nacht wieder heim, nein, erst gegen Morgen sogar. So steckte er entschlossen die Urkunide in seine Tasche. „Geh hinaus und spann an!" befahl er seinem Begleiter. Dann wendete er sich an Jsak und sagte;„Eigentlich hättest du den Platz umsonst haben sollen und noch Bezahlung oben- drein, so wie du geschafft hast. Und diesen Vorschlag werde ich auch machen. Dann werden wir sehen, was der Staat für seinen Schlitz verlangt." Jsak— Gott weiß, wie ihm zirmute war. Es war, als hätte er nichts dagegen, daß ein hoher Preis für seine An- sied lung und seine imgeheure Arbeit hier angesetzt würde. Er hielt es wohl nicht für möglich, mit der Zeit hundert Taler abzubezahlen, deshalb sagte er nichts mehr; er konnte wie vorher arbeiten, das Land bebauen und alten Wald in Klafterholz umwandeln. Jsak war nicht von denen, die mn- herspähen, er stand nicht auf dem Ausgck noch Glücksfällen, er arbeitete. Inger bedankte sich beim Schultheißen und bat ihn, beim Staat ein gutes Wort für sie einzulegen. „Jawohl. Aber die Enlscheidung liegt ja nicht bei mir, ich gebe nur mein Gutachten dazu. Wie alt ist denn der Kleinste da?"—„Gut ein halbes Jahr."—„Junge oder Mädchen?"—„Ein Junge." Der Schultheiß war nicht hart, sondern oberflächlich und wenig gewissenhaft. Seinen Taxator und Gerichtsdiener Brede Olsen hörte er nicht an, das wichtige Geschäft ordnete er aufs Geratewohl und nach Gutdünken: diese große Sache, entscheidend für Jsak und seine Frau, und entscheidend aucki für die Nachiommen vielleicht in zahllosen Geschlechtern, eni s fchied er auf gut Glück, er schrieb nur so hin. Aber er er- zeigte den Ansiedlern viel Freundlichkeit, er zog ein glänzer.- des Markstück aus der Tasche und gab es dem kleinen Sivert in die Hand, dann nickte er noch freundlich und verließ die Stube. Plötzsich fragte er:„Wie heißt der Ort?" „Heißen?"—„Welchen Namen hat er? Wir müssen ihm einen Namen geben." Daran hatten die Leute nicht gedacht, und Inger und Jsak sahen einander an. „Sellanraa?" sagte der Schultheiß. Er hatte diese: Namen wohl erfunden, es war vielleicht gar kein Name, äbc'-r' er wiederholte:„Sellanraa!" nickte beifällig und fuhr davon. Alles aufs Geratewohl, die Grenzscheide, den Preis, den Namen... Einige Wochen später, als Jsak im Dorfe war, hörte er, daß es mit dem Schultheißen Schwierigkeiten gegeben habe. Es war nach verschiedenen Geldern geforscht worden, über die er nicht Rechenschaft ablegen konnte, und man hatte ihn deshalb beim Landrichter angezeigt. So schlimm kann es kommen; manche Menschen taumeln so durchs Leben dahin, dann kommen sie an denen, die bedächtigen Schrittes gehen, zu Fall. Eines Tages, als Jsak mit seinen letzten Holzfuhren im* Dorf gewesen war und sich nun auf dem Heimwog befand, geschieht es, daß er den Schultheiß fahren soll. Der Schult- heiß trat ohne weiteres mit einer Reisetasche in der Hand aus dem Walde heraus und sagte:„Laß mich bei dir aufsitzen!" Sie fuhren eine Weile, keiner von beiden sprach ein Wort. Ab und zu zog der Schultheiß eine Flasche heraus und trank einen Schluck; er bot auch Jsak an, der aber dankte. „Ich fürchte für meinen Magen auf dieser Reise," sagte der Schultheiß.(Forts, folgt.). Strudel bildeten und der Landlvehrkanal versuckite, ein bro- delnder Missiisippi �n werden. Dazu kamen Geivitter und Blitze und die Straßenbahn überlegte sich sehr, ob sie nicht ben Betrieb einstellen sollte. Um 9 Ubr abends war der Himmel vorläufig erschöpft und eine empfindliche Kühle ließ die Sehnsucht nach der manaelnden Kohle wieder stärker auftreten. An einigen Stellen Berlins kam es durch plötzlich entstandene Seen zu kleineren Berkebrseinlchränkungen l im allaemeinen aber über- stand die Stadt Berlin den gestrigen Nachmittagsregenguß mit bekanntem Humor. Die polizeistunSe. Der Nuf Berlin? als Weltstadt beruhte nickt zuletzt aus seinem— Na-btlebeu. In den letzten Jahren ist das anders aewarden. Die Rot, in die uns der Krieg gebracht hat, und bor allen Dingen der Mangel an Kohlen bat die Herabsetzung der Polizeistunde notwendig gemacht, fs-ür die vielen Tausend, die im Gastwirts- gewerbe beschäftigt sind, bedeutete das naturlich eine ungeheure Härte. Aber sie zu mildern, war nicht möglich, so lange man in Berlin industrielle Großbetriebe wegen Kohlenniangel schließen mußte, solange ein großer Teil der Bevölkerung in ungeheizten Räumen den Winter verbringen mußte und manchmal nicht wußte, wie es seine kargen Mahlzeiten herstellen sollte. Aus diesem Grunde haben wir auch wiederholt unsere Bedenken gegen den Abbau dieser Zwangsmaßnahme gellend gemacht. Eine Zwangsmaßnahme hält man aber nur solange aufrecht, solange sie unbedingt notwendig ist. Wir haben jetzt eine Steigerung der Kohlenvroduktion zu verzeichnen und verbrauchen infolge der fortschreitenden Jahreszeit bedeutend weniger Kohle zu Heizung?« und Belenchtiingßzwecfen. Es erscheint uns daher geboten, die Frage der Verlängerung der Polizei- stunde bei Beginn des Sommerhalbjahres einer erneuten Prüfung zu unterziehen und zu untersuchen, ob man dieselbe während der Sommermonate nicht verlängern kann, ohne das Wirt- schaftSleben zu schädigen. Eine diesbezügliche- Anfrage beim Berliner Polizeipräsidenten wurde vom Genossen Richter, der lebhaft f ü r eine Verlängerung der Polizeistunde eintrat, dahin» gehend beantwortet, daß er nicht die Macht habe, die Polizeistunde zu verlängern. Es sei dazu eine A e n d e- r'ung der Bundesratsverordnung, die eine Offen- Haltung der Schank- und Vergnügungsstätten über ein Uhr nachts verbietet, notwendig. Nach seiner Meinung soll man den örtlichen Behörden die Möglichkeit geben, diese Frage nach den jeweiligen lokalen verhältnisten und Bedürstiissen zu regeln. Das setzt natürlich voraus, daß die örtlichen Instanzen das nötige Verantwortungsgefühl besitzen und auf keinen Fall eine Verlängerung der Polizeistunde verfügen, wenn dadurch unserer Wirtschast auch nur daS gering st e Quantum Kohle in unzulässiger Weise entzogen wird. Vr.n den zuständigen Stellen wurde uns immer wieder vor- gehalten, dl»ß die 11-Uhr-Polizeistunde die Bekämpfung der Nepplokale, die gewo hnheitsgemäß die Polizeistunde heimlich überschreiten, erschwert. Wenn jetzt die Polizei- stunde heraufgesetzt werden sollte, so erwarten wir, daß diesen „Vergnüguiigs"stätten auch weiterhin gehörig auf den Pelz ge- rück' wird, falls sie es nicht doch vorziehen sollten, sich mit dem Offenhalten bis zu der verlängerten Polizeistunde zu begnügen. Größte Rülksichtslosigkeit muß dann ielbstveiständlich gegen die an- gewendet werden, die das Entgegenkommen in dieser Frage nicht zu würdigen wissen._ Wo bleibt die„billige" Ware—? Wer möchte in dieser Teuerungszeit nicht sofort zugreifen, wenn er hört, daß es irgendwo billige Ware geben soll! An Per- sprechungen und Ankündigungen dieser Art fehlt eS nicht, aber nur zu oft ist hinterher die„billige" Ware nirgends zu haben. Ein Leser fragt bei uns an, Ivo es die Fische und Räucherware gab, dt» in der vorigen Wocke laut Säulenaiuchlag zu sehr billigen Preisen verkauft weiden sollten. Wir können ihm die Frage leider nicht beantworten, denn gleich ihm haben auch wir vgn dieser „billigen" Ware nichts zu sehen gekriegt. Er kann recht haben mit seiner Vermutung, daß es wohl wieder so eine Geschichte wie mit dem „billigen" Werdcrschen Spargel ist. Da wurde ja�uch der nach heutigen Berhältnissen wirklich billige Preis von 2 pro Pfund in Aussicht gestellt, hinterher aber sollte man das Pfund mit 5 bis 6 M. bezahlen. Nebenbei bemerkt: wenn die Ankündigungen durch die Presse weitergegeben werden, so kann natürlich niemand die' den Kauflustigen bereitete Enttäuschung ihr zur Last legen. Man würde ihr gewiß die bittersten Vorwürfe machen, wenn sie die Wiedergabe einer solchen Nachricht unterlassen hätte und dann die billige Ware etwa doch zu haben wäre. Tie bildenden Künstler gesien die Luxnssteuer. Eine eindrucksvolle Protestversammlung bildender Künstler gegen die Luxussteuer auf Kunstwerke fand gestern im Herrenhause statt. Sie wurde eröffnet durch Prof.. Artur Kampf, per angesichts des übervollen Raumes sehr richtig bemerkte: Einmal sind die Künstler einig: Wenn es ikmen an den Kragen geht! Als erster Redner sprach Rechtsanwalt K o d l i n, der daraus hinwies, daß die Regierung und die Parteien das Gesetz gemacht hätten, ohne die Künstlerschaft auch nur zu hören. Jetzt, wo es so manchem, der an dieser verfehlten Sache mitgearbeitet hat, dämmert, wie der- nichteno sie die Kunst trifft, jetzt will es keiner gewesen sein. Man degradiert den Künstler zum Kleinhändler mit Luxuswaren, mutet ihm wie einen Wollhändler zu. ein Lagerbuch und ein Steuerbuch zu führen, in die er jede Skizze eintragen soll, ganz gleich, ob er sie nachher, weil sie ihn nicht befriedigt, wieder vernichtet oder übermalt. In vorzüglicher Weise führte Hans Bolus chek diesen Ge- danken weiter aus. Er protestierte gegen dieses niederträchtige Weihnachtsgeschenk, das Philister und Banausen gemacht haben, die von der Kunst keine Ahnung haben Sie wissen nicht, wieviel .Werner und Not in den Reihen der Künstler herrschon. Sie kennen anscheinend die Künstler nur aus schlechten Romanen, in denen es den Künstlern im ersten Kapitel immer schlecht geht, aber nachher verkauft er für Millionen, bekommt die Tochter eines Mil- lionärs und noch eine Villa! Die Regierung aber machte der Redner darauf aufmerksam, daß die Künstler kerne LuxuSwaren schaffen, sondern Kulturwerte. Außerordentlich sachlich betonte der Vorsitzende des Vereins Berliner Künstler, Prof. Max Schlicht ing, daß die Künstler im Stenerzahlen keine Bevorzugung vor anderen Staatsbürgern for- dern. Das Gesetz ist aber eine Ausnahmebesteuerung gegenüber den anderen geistigen Berufen. Es trifft besonders die"jungen Talente. Unsere größten Meister haben lange kämvsen müssen, ehe sie zu Ruhm und Brot gelangten, und in dieser Hinsicht wird sich im Laufe der Welt wohl in Zukunst kaum etwas ändern. Solange eben ein Künstler keinen Namen hat, fühlt sich jeder, der ihm über. Haupt ein Werk abkauft, schon als Wohltäter, wenn er ihm einen ganz niedrigen Preis anbietet. Der junge Künstler besonders kann also die Steuer nicht auf den Käufer abwälzen Nachdem noch Max P e ch st e i n und von Abgeordneten unter anderen Dr. Maximilian Pfeiffer und ganz besonders Genosse Frank in warmen Worten für die Künstler eintraten, wurde die Versammlung mit einer einstimmig angenommenen Protest- r e s o l u t i o n gegen die Luxusfteucr auf Kunstwerke geschlossen. Wiederum Kokspreiserhöhung. Gleichmäßig wie der Wechsel des Mondes ist das Steigen der Kokspreise geworden. Der Kohlen» verband Groß-Berlin sieht sicki wieder einmal genötigt, für daS Gebiet des Koblenverbandes höhere Preise für Koks kestzuietzen. Bei Kücken- und Ofenbrand ob 13. April 1323: Für Koks, Gaskoks gebrochen: bei Selbsiabholung ob Lager 22 55 M. je Zentner, bei Lieierung frei Erdgeschoß oder Keller 23,55 M. je Zentner: iür Kokslieferungen an das Kleingewerbe sowie für Zentrolheizungs- und Waimwasierver>orgiinpsanlagen in Kubren nicht unter 33 Zentner ob 6. April 1323: GaSkoks, grob, 22 23 M. je Zentner: Gaskok?, gebrochen. 22.53 M. je Zentner: westiälncher oder L'chtenberner SckmelzkokS 23,63 M. je Zentner; oberschlefiicher Schmelzkoks 22 M. je Zentner. Durchsuchungen im Schennrnviertel. Eine umknngreicke Razzia deransialtete gestern nachmittag die Berliner Sickerbeitspolizei. unterstützt von Beamte» der Kriminolpolizei. in dem alten Schelmen- viertel. 4 Hundertschaften sperrten die Straßenzüge ab und nabmen Haus für Haus Durchsiichmigen vor. Es aalt die Aushebung be- rücktigter Schiebern? st er und die Feststellung verdächtiger Personen. Eine große Anzahl zweifelhafter Elemente wurde der Kriminalpolizei zugeführt. Während der PerkrhrSkperre»ach Polen und Danzrg treten sür die zwischen Berlin und Danzig verkehrenden Schnell- und Personen- rüge einige Fabiplanändernngen in Krair. die jedoch nur für die Dauer der Sperre Gültigkeit behalten. Die umgeleiteten Scknellrüge nack Ostpreußen 1)3 und v 15 fallen aus: der Schnell- zug 1) 1, ob Stetliner Bahnhof 7.54 vorm., bisher noch Daniig, verkehrt während der Sverre nur bis Stolp. Der Perionenzug 593, ab Stettiner Bahnhoi 5.53 vorm., verkehrt nur bis Lauenburg, sein Gegenzug 536. an Stettiner Babnhos 1,45 nachts, beginnt in Lauenburg. Endlich werden die Personenzüge 531. ab Stettiner Bahnhof 8,25 abends, und 538, an Stettiner Bahnhof 8,52 vorm., nur nach und von Groß-Boschpol durckgekückrt, Der Schnell, ii gverkebr nach und von Süddeutschland über Frankfurt(Mainj ist durch die Besetzung der Stadt Frankfurt duick die Franzosen nickt unterbrochen worden, er bleibt vielmehr in vollem Umiange aufrecht erhalten. Südlich von Frank- furt verkehren alle Zuge fahrplanmäßig. Hilfsarbeit Norwegens für deutsche Kinder. In Kristiania arbeitet zurzeit, wie uns milaeteilt wird, ein Komitee unter Vorsitz von Frau Grofferer Jchannesen. uni deutsche Kinder auch in dieiem Sommer in Norwegen empfangen zu können. Die norwegische Gesandtschast zu Berlin verteilte in der verganaenen Woche im AesandtschaftSgebäude Lebensmittel, besonders Fleisch. Schmalz und Mebl, an mehrere hundert Berliner Familien, zu welchem Zweck zurzeit auch in Norwegen noch weitere Lebensmittel gesammelt werden. Die Speisung von Schulkindern durch die Quäkerkommission soll, wie uns au? Elternbeiratskreisen mitgeteilt wird, nicht immer nur den Bedürftigsten zugute kommen. Ein Mitglied des Elternbeirats einer in Moabit liegenden Gemeinde- stbule meldet uns. daß bereits Klagen hierüber laut geworden sind. Kinder aus Familien, die es nicki nötig bätten, habe man zur Teil- nähme an den Speisungen zugelassen.� während andere Kinder aus wirklich bedürftigen Familien ausgeschlossen worden seien. In Zukunst solle man bei derartigen Vdranstaltungen, schreibt im? daS Elternheiratsmitglied, die Auswahl der �.Kinder nicht den Lehrerkollegien allein überlassen, sondern die Elternbeiräte hinzuziehen. Eine vor kurzem durch die Presse gegangene Mitteilung gab an, daß in Groß-Verlin die� Untersuchung de? Ernährungszustandes der Kinder durch die Schulärzte zusammen mit besonders bestellten Aerzten nach den von den Quäkern gewünschten Grundsätzen ausgeführt wird. BegrükungSfeier iür Kriegsgefangene in Neukölln. Der Orts- ausschuß der Kricgsgefanaenenheimkebr bat beschlossen, unter Mitivirkung der dem Silssausichuß iür die KriegSaesangeven vier angeschlossenen Or. gani!at>onen eine BegiüßungSIeicr sür die auS der Kriegsgefangenirbnit heim- gekehrten Neuköllner Bürger zu veranstalten. Die Feier findet am Sonn- abend, den 24. April, abends 7 Ubr, im qroken»aal« der„Neuen Welt" statt. An jeden im Krisabeim gemeldeten Betinkebrer wird eine Eintritts- karte, die zum Eintritt für zwei Personen berechtigt, versandt weiden. StaatStbeater Neukölln. In der VorauSstcht, daß die Karten sür die heute stattfindende Aufführung von Gustav FrehtagS Lustspiel„Die Jour« natisten" bald vergriffen sein würden, bat der Magistrat für Freitag, den 23. April, eine Wiederholung dieses Werkes veranlaßt. Karten find in den durch Säulenanschlag bekannt gemachten Verkaufsstellen zu haben. Beratung in Wanderfraqe». Um den Wandertrieb zu fördern. haben der„Bund sür Fugendberberaen in der Marl Brandenburg E. V." und der.Verband Märkischer Wanderncreine E. V." gemeinsam ein- Be- ratungsstclle in der«. städtischen FortbitdungSftelle in Berlm, Georgen. kirchslraß« 43, eingerichtet, die jeden Montag abend von 6—7 Uhr ge- öffnet ist. Lichtenberg. Bürgermeister Dr. Maretzky hat, wie wir ersah- ren, der preußischen TtaatSregierung den Antrag unterbreitet, durch Vermittlung der Rcichsregieuiipg bei der Nationalveriamm» lung die Genehmigung zur Einleitung eine? Diszipli- narverfahrens wegen der gegen ihn gerichteten Anschuldigun- gen im Zusammenhang mit dem Kapp-Putsch einzuholen. Dr. Ma- retzky hat zugleich gebeten, dieses Verfahren zu beschlcungcn, da er ausreichende Unterlagen nutz Beweise besitzt, um die v ö l l i g e Haltlosigkeit der gegen ihn gerichteten Behauptungen darzu- legen. Pankow. Die letzte Gemeindevertrrtersitzung stand noch unter dem Eindruck des verflossenen Kapp-Lütdwitz�Putsches. Wenn auch ein großer Teil der über Pankow durch die Pvesse verbrützten Mordgeschichden auS den Putschragen der erregten Phantasie jener kritische» Zeit entsprungen ist. so bat sich in Pankow doch nicht alles so ganz harmlos abgespielt. Blutvergießen und Zerstörung von W-rten und Eigentum sind allerdings durch das bcsonncnc Verhalten der Arbeiterschaft aller Parteirichtungen, der Polizei und der Gemeindeverwaltung vermieden worden. Auch ist Pankow nicht, wie einzelne Blätter zu melden wußten, die Rekrutier» ngs- zentrale für eine Rot.- Armee gewesen, ebensowentg sind Tmrendc .schwer bewaffneter Rotgardisten von hier aus gegen Berlm ge- zogen, und auch die hiesige Einwohnerwehr hat trotz eifrigen näch!» lichen Absuchens des RathausneubaueS mit Taschenlaternen und Talglichtern Spartakus nicht entdecken können. Nichtsdestoweniger steht aber fest, daß das provokatorische Auftreten der eingerückten Kapp-Lüttwitz- Meuterer und eßneS Teiles der sogena. inten C:n- wohnerwehr sowie die durch Denunziationen aus der Bürgerschaft veranlaßten Verhaftungen durch die Baltikumer— so wurde Ge- meindeschösf« Kubiig(U. S. P.) mitten aus einer Gemeindcvor- standssitzuny heraus ver hostet, jedoch sofort wieder freigegeben— eine Stimmung geschaffen, die jeden Augenblick schwere blutige Zusammenstöße herbeizuführen drohte. Auch dem Gemeindcvor- stand in seiner Gesamtheit wurde wegen seines Widerstandes gegen den unerbetenen Besuch der Baltilumer wiederholt Gewalt und seine Festsetzung angedroht. Nachdem dann die Baltilumer das Feld geräumt hatten, artete die Harlekinade der so- genannten Einwohnerwehr schließlich in eine so dringende öffentliche Gefahr auS, daß die Arbeilerfchast sich veranlaßt sah. sie zu entwaffnen und an ihrer Stelle gemeinsam mit der Polizei don Orrsschutz zu übernehmen. Alle diese Geschehnisse hatten die Fraksionen der S. P. D. und U. S. P. bv dem gecnein. samen Antrag in der Vertretung veranlaßt, zum Zwecke des Orts. schutzeZ an Steve per aufgelösten Einwohnerwehr eine Orts. wehr nach Maßgabe d-r zwischen der Regierung und den Arbeit. mchmerorganisationcn vereinbarten Grundsätze zu bilden. Dieser Antrag wurde nach sehr ausgedehnden und oft stürmischen Debatten gegsn die bürgerliche-n Parteien angenommen. DeS weiteren wurde ein ebenfalls von k*t S. P. D. und U. S. P. gemeinschaftlich gestellter Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses angenommen, der nackprüfen soll, ob und inwieweit den Beamten und Angestellten der Gemeinde aus Anlaß des Kapp-Lüttwitz-Pnychas den Hochverrai bcgünsti- gende Verfehlungen nachgewiesen und eirtsprcchend geahndet wer- den können. Seoß-Serlkner yarteinachrichten. Heute, 20. April: Achtung. Polizeibeamte, blaue«nd priin« Polizei!.Handzettel- verbleitunr, nackmtttaa 6-/. Ubr, Savcrlands Festsäle. Neue Friedr,chstr. 35. Alle Veitraiiensmänner müssen zur Entgegennahme der Flugblätter punlt. lich erscheinen. � r Arbeitsgruppe Mekundbrunne«. 3 3.— 3 6., 4 4. und 45. 316« t e i l u n a. 71/, Uhr Sitzung sämtlicher Funktionäre und Beitrauenslcute in der Schulaula Grauustr. tl. Jungiozialiitisaie Vereinigung(D.P. D.). Ortsgruppe Lichten- bera. 7-/. Ubr bei Schlenkrich. Simplonstr. 4'2: Vortrag des Genossen Scheffel über.Wirttchastsvolitik".— Ortsgruppe Lichterselde. 71/, Uhr im Jugendbeim. Zllbrechtstr. 14»: Diskulssonsabend. Trmpelftos. Zahlnbend in allen Bezirkslokalcn. JobanniStbol. 7'/, Uhr Mitglikderversammlvna im Restaurant Wald- kater. Kailcr-Wilbelm-Str. 1. Thema: Politische TageSstagen. Referent: Genosse Cohen-Reuj!. Morgen, 21. April: 15. Abt. Ubr bei Grothe, Blumenstr. 88. Sitzung sämtlicher Funktionäre und politischer BetriebsvertrauenSIeute. Pünktliches Erscheinen aller ist crsorderlich.» 16. Abt. Die Funliionärfitzung findet nicht Mitttvoch. fondern am Freilag, abends 7 Ubr, bei Schucker, RüderSdorier Str. 3, statt. Die Vor- slandsmilatieder der 15. bis 18. Slbteilung sind bierzu eingeladen. 33. Abt. 7 Uhr außerardeniliche Funktlonärkonferenz der Bezirks- sührcr und Betriebsvertrau-nsleute im Parteilokal, Berger. Lewetzawstr. 2t. Achtung. BerwaltnngSbeamte! 7 Ubr in HaverlandS Festsölen, Neue Fricdrichstr. 35, Beriammliing sämtlicher PerwaltungSbeamten und Angestellten. Thema:„Die Besoldungs-Reform". Neukölln. 7 Ubr Versammlung der Funktionäre und Betriebs- Vertrauensleute der 7. Abt. be- Nickisch Zietbenstr. 43. Potsdam: 8 Uhr bei Becker, Lindenstr. 23, außerordentliche Mit- gliederversammlung. svrauenabende, morgen 31. April: Lichterfelde: im Realgvmnasinm, Ringstraße. Ref. Genofie Meise.— Niederschönbausen: im Wilhelmshaf, Kaiser-Wilhelm-Straße. Ecke Eichen- straße. 7'/, Uhr. Ref.: Genossin Kiesel.— Lichtenberg, �l|, Uhr Ber- sammluua in der Aula der schule Martstr. 1031. Tagesordnung: Die Reichstagswablen und die Frauen. Ret Genossin Iuchacz.— Schöne» berq. 7'/.. Ubr in den neuen RathanZsälen. Martin-Lutber-Str. 69, kleiner Saal: außerordentliche Fraueuverlammlung. Tagesordnung: 1. Die Frau und die ReichstagZwahlen. Ref. Stadlverordnetenvorstcher Genosse EhemmSki. �ugenöveranstaltungen. Bernau. Heute: Lokal Zl. Temmler, Wallftr. 2: Leseabend.— MablSdors. Heute: Jugendheim, Wnlderseestraße: Das Erfurter Pro- gramm.— Moabit. Heute; Jugendheim, Gemeindeschule. Turmstr. 75: Leseabend.— Niederschönetveide. Heute: Gemeindeschule. Berliner Straß« 31: Vortrag.— Nordost. Heute: Jugendheim, Chriftburger Straße 14: Vortrag:„Hat uns die Revolution alles gebrachd?"— Pankow. Heute: Jugendheim. Knabenmittelschule Wollankssr. 131: DiSkussionsabend. — isteinilkendorf-Oft. Heute: Jugendbeim Rasch. Raschdorfftraße 24: Mitgliederversammlung. Neuwahl der Leitung.— Spandau. Heute: Jugendheim, Oberlyzeum, Zlskanierring: General- Versammlung.— Staaken. Heute: Jugendbeim, Gartenstadlschule: Vor- trag.— Tegel. Heute: Jugendheim, Bahnhofitr. 15: Lyrischer Bortrag: „Heine".— Trcptow-Baumschulenweg. Heute: Jugendbeim, Effenstr. 3: Vortrag.— Weistensee. Heute: Jugendheim, Woclckpromenade 1: DiS« kusfionsabeiid.— Sämtliche Veranstaltungen beginnen pünltlich'/.8 Uhr. Vorträge. Vereine unü Versammlunaen. Zentrale für Ginignng der Sozialdemokratie. sGruPpe Neu- kölln) Mitqliederveriammlung Mittwoch, 21 April, llß Uhr, bei Balewsli, Boddin-, Ecke Jsarstraße. Tagesordnung: Ein Vergessener: Peter Hille. Vortrag deS Gen. Seehof.— Bericht über den sozioilistentag.— Zur Lage. — Verschiedenes. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Ortsgruppe Neukölln. Stutzer ordentliche Generalversammlung Mittwoch, 7 Uhr. Aula des Kaiser- F'iedrich-Realgymnassnms, Neukölln. Kalser-Friedrich-Str. 210.— Bezirk 4 l S ü d e ri). Mittwoch, den 21.'April, Zablabend. Vortrag des Kam. Rudolps:.WaS muß der Neichsbund zur Setämpsung der Tubcr- kulose tun?"__ Sport. Gruncwald-Nachklänge. 5516275 Mark wurden am gestrigen Grunewald-Renntag am Totalisator umgesetzt.— Leutnant Schmidt wurde auf zwei Wochen die Reitiizenz entzogen, weil er sich am Sonntag im Grunewald mit Cbarleys Cousin im Heerstraße-Jagdrennen verritt und dennoch daS Rennen bis zu Ende mitmachte.— Leuchte, eine vierjährige Fels-Tochter a. d. Letizia, die im Elbe-Hürden- Rennen im Grunewald stürzte, brach sich die rechte Schulter, so daß sie erschossen werden mußte. Mus aller Welt. Schlimmer als in der Kaserne haben nach einer Ein- gäbe an die Landesversammlung deutsche Soldaten während des Krieges' in dem Hotel des Herrn Prager in Norderney ge- baust. Sie haben das Haus vollständig verwüste: und demoliert. 40» Bolschewiste« osteuropäischer Herlunft sollen wieder auS Nordamerika fortgebracht werden, und zwar auf Lebensmtttelschiffen. Hölz, der wobl von den Marienbader tlurprotzen Kontributionen erhofft halte und statt dessen die„Grüne Minna" nach Eger bereit- fand, ioll dorr in den Hungerstreik getreten sein. Wem, setzt bloß die Rote Garde nicht der Tschechoslowakei den Krieg erklärt! Ein neuer Staat. Die mexikanische Republik S o n o r a hat sich selbständig gemacht und führt bereits Krieg mil dem Mutter-(oder Rabenvaterf-Lande. Mexiko hat von Nordamerika die Erlaubnis zu einem Truppendurchmarsch durch Arizona erbeten, um Sonora in die Flanke zu fallen. Platindtebstahl. In der Metallwetberoi Ratezzi'i. May in Frankfurt a. M. wurden in dar vevgang«ien Nacht Platzindrähte im Werte von 1 803 003 M. gestohlen. Die Drähte, ms-gesamt 6 Kilogramm schwer, waren zur Herstellung von Sieben für die Höchster Farbwerke bestimmt. Naben dem Sachwert ist der Schaden, den die Volkswirtschaft durch den Diebstahl erleidet, unübersehbar, da die Siecke zur Herstellung besonders wichtiger chonrtscher Er- Zeugnisse dienen sollten._ Sriefkaften der Reüaktion. ste>>,r rttt den Briestasten bestimmten Anfrage stiqe man«inen Bmhstabea and eine Nummer der. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Eilig- An- sregeu trage man in der Juristischen Evrech stunde, Lindenstr. 3, 1. Hoi parterre links, vor. Echriftstiick« und Vertrüge ssnd mitzndrinaen. B. 42. Nein.—«. B. ES. 2 v. H.— M.«v. Die Erben ihres Bruders hasten weiter sür den Unterbatt, sse können aber das Kind im: dem Betrage abfinden der ibm als Pflichtteil gebühren würde.— B. Sl. Wenden Sie sich an das Heercsadwicklungsaint in Berlin, Leipziger Platz 13. — W. 8S. Das Gesetz tritt am 22. April in Kraft. Bei Stteitigkeiien aus dem Gesetz können Sie den SchllchtungSauSschuß anruken. Wenden Sie sich auch an die Haupttüriorgeilelle sür Kfi-gsbeschäMgle in Berlin, Poftftr. 5.— M. W U. 8285. Das Attest genügt. Die Bewilligung wird vom Justizminister erteilt, an den Sic sich zunächst wenden müssen. — K. St. 88. Der Kommunalverband ist berechtigt, die trübere Aushebung der Fürsorgeerziehung anzuordnen. Wenden Sie sich mit einem Äciuch au die Waisendeputation des Magistrat».— E. L. 7V. 1. Jg. 2. u. 3. Nein. — D. 49. Fragen Sic beim Genossen Dittmer. Berlin, Wuilerhausencr Straße 15. an.— Sch. 121Z. Mit der allaemeinen Wehrpflicht ist auch der emjährig-sreiwillige Mütlärdienst abgeschafft. Damit erübrigt fich wobl die Beantwortung der anderen Fragen.— v>. Tch. 23. Zu wenden an die Reichsstelle für Schuhversorgung, Berlin, Kronenslr. 50/52.— M. G. 822. Eine solche Firma ist uns nicht bekannt.— E. K. 21. Fragen Sie bei der Redaltion„Der Gastwirlsgehilje", Berlin X 24, Elsasser Straße SSM an.— SB. S. 70. Ja.— G. F. 40. 1. und 2. Ja. S.«ein. �Ti'saste�Lichtspiele etc."*] nBnhoco't ynr>3caooor.oi*: n'.-ikK�jooowoiiht �■ kkjQti v �Ii&omntji OIIUUI» Opernhaus. Die Frau ohne Schatten Anfang 5 Uhr. Schauspielhaus. Zum 300. Male: Minna von Barnhelm. Anfang 7 Uhr, OireKtion Max Reinhard'. Denttiches Theater. tv, u.: Dame Kobold. Mittwoch 7 Uhr» zum I. /Wale: Himmtl und HGlle. Hammerspiele. 7V, uhr: Stella. Mlw.TV,: D.deutsch.Klcinsiä t. Gr. SchaueplelhaaH KarlstraBe. 7; Der weiQe ff eiland(5.A.,3 A.) Mittwoch 7 Uhr: Derwelße Heiland(6.Abt., 3.A.) Theater t. d. KOniggrätzerStraße 7.15 Uhr: Könir Nicolo. Mittwoch: KonT; Nicolo. Donstg.;SchIct5Wetterstcin Freitag:„Sie". Komodienhaus �rr Minister (Max Pallcnbcrg) Berliner Theater 7 Uhr: Der letzte Walzer. Frilzi Massary, Otto Storni, Hans Wassmann usw. Centml-Theater w,«.: FräuiemPucfe. Dentseheis Opernhaao 7 Uhr: Cavallerla rusticana, Schwätzerin yon Saragossa. Wie Tri Dil it e w.u.: Franziska. Eden-Tneater. 7v,ü.: Die Dollarprinzesäi Friertr.-Willielmst.Th. I'/gühP: Evchen Humbrecht Kleines Theater. TV, Uhr:„1913" mit Alben Bassermann. Kl. SchaDHpielhHns. LhV: Die Pfarriiaüskonicilie. Komiorhe Oper uhr: Wenn Frinen träumen liuatsplelliKus Arnold Rieck in TU Uhr Zwangseinjuardenrag. Metropol-Theater. 7 Uhr: SyblU. heue. Operettenhans Mia Werber als Gast in 7>/, u.: Die kleine Hoheit. Mene« Volkstheater 7V, Uhr, zum I. Male: Die Brüder Karamasow. ScUUler-Ths-at. C'harl. w. uhr; Die Rabensleinerin. Thalia-Theater uhr: Amor auf Reisen Xh.aznXuUendorfplata 7'/. Uhr: •Ocr�/tf�frrTeJ�k Theater de» K esten» w.u.: DleFrauimHennelin WaUner-Thcater uhr Eine Baiinacht. Walhalla-Theuter. uhr- 9er Rasteibinder Trianon-Theater. Bahnhot Friedrichstraße. Vtf Uhr; KSyrrha Sonntag 4(kleine Preise): Herrschaitl. Diener ges, Residenz-Theater. Stadtbahn Jannowitzbrücke. Täglich W Uhr r öle Rascioffs von Hermann Sudermann. Sonntag 4 Uhr: _ Der gute Huf._ Casino-Theater Lothringersir. 37. Tägl.a/48U.; Der neue Possenschla'er: Sin alter Sünder Vorher crsikl. Spezialitäten. Alex Stamer, KÄr. Sonntag 3*»: Onkel Moritz. APOLLO | 71/, Theater"V.J ] Direkt James Klein, Das Welt. Rätsel | Die einz. Gedanken- leserin der Welt. | Vorsieht bei I ISespraeksn Telephonfreuden mit! IValy Arnhelmj Marca Ein dt| 4 Arkvnis 1 Sensations-AKrobat. und weitere April- Ifarietf-SeDsatiOD Sonntag 3�. Uhr 1 Krwachs. 1 Kind frei j Volksbühne Theater am Büiowplatz. V.'z Uhr: Paul Lange und Tora Parsberg. | Unter d. Linden 22/23 Dir. M. S o Ii m a n I liraufführunxen 2 Flimschauspiel in 4 Akten Hauptrolle: Tom Mfinchencr Natlonal- theater. Nacht- bekanntschaft. Lustspiel in 3 Akten. Hauptrolle: Alhert Faulig. S_i Winter- Garten TägUch 7.30 Uhr: Variete-Spielplan Raachen gestattet I » m. d. Wundertontäne. Reiclishall.-Tlieatep Allab. TV» iL Sonntagt - nachm. 3 Uhr: Stcttiner Sänger. Nadimittag» ermätzl�tePrelir Potsdamer Str. 38 I j Die Spieler. Nach dem bekannten| Ullstein-Roman. Turra*tr. 12 jDieBerrind.Welt 8, Teil. Alexanderplatz-Passage Eva May: Eine Prauenbelctite. J Friedenau, Rhelnslr. 14 Graf Sylvaln» Rache mit Asfg Nielsen. Rose-Theater. 71/, Uhr: Das Lied der Liehe. Lesslep-Tlieater. w. uhr: Pygmalion. Mittwoch 7V«: Pygmalion. Donnerstag 7; Peer Cynt. DeutscliES Rönstlsr-Theater A,�uhr:ch Menageri (Adalbert. Götz. Haack) �FoiiesCaprlce� Eck. Friedrich- u. LinienstraBe - Täglich 7'/,:- Die abgetretene Frau Zwangselnquartlerong. Oh dxeaer Vowack! mit Ferdinand Qrüneckcr in den Hauptrollen. Sekliu. Hauch im Groben Schauspielhaas, Karlstr.- Schiffbauerdamm Telephon: Norden 8643. Wie der anf treten Paul Cüractx Oscar Xabo Anita Berber Mady Christians H. v. W otzogen Kort Wolowski u.. Musik. Leit.: Friedr. Holländer. Beginn 8"/� Konzertbeg.T1/,!). ♦ Allabendlich 7 Uhr: a 1 3 Schwestern Lflck l Lieselotte i Tom Jersey i Trade u. Ilse i Annie Wilkens Schulhoff j Walter Stelner t •„Der zerbrochene * Spiegel" •(Gebr. Schwarz) t Paul Steinitz 4 Kapelle Mundl Neumann, t | Am Flügel: E. Hentschel.f _♦————————— ♦ Cifcusjßusch Tgl. 7V-. Slg. ZV, u. 71/, v. Das gr. Cra-Progr.! und die erfolgreiche Pantomime Theatsr am KottbaserTor Tel.; Moritzplatz 14814. Jeden Abend 71/, Uhr: SUte-Sänger. Horst, Ruselli, R Schrader.Seidel, i Schubert, Riess Raihke.B. Waiden, Eugen Beckera.Gast Sonnt, nehm. 3 U. ermäßigte Preise. :: Blütbgen.Koazert:: Beginn 7.10 Uhr. Vorverk.>1— IV, u. 4— 6 Uhr. U.T KurtOrstendamm 26 Patience Bcbaasplel in 6 Akten In den Htaptrolleo: Itmgarö Bern/ Rödc Banötoif/ f nnraD Ddftt/ MM hleogüngnn/ Dx BW Mozartsaal am Nollendorfplatz Die Abenteuer der Marquise von Könissmark (Ans dem Leben einer Gebeimigentin) 6 Akte mit Dasny Servae»/ Vloletta Naplerska Heinrich Schroth/ Albert Patry Leo, der» Eirtfiilri»©!» Schwank von Otkar Blumenthal mit teo Peukert Kammerllchtspicle am Potsdamer Platz Kohlhiesel's Töchter Lustspiel mit Henny Porten imil Jannings Regie: Ernst Lublt.ch U.T N o 1 1 e n d o r t p 1 a t z 4 U.T Friedrichstrasse 180 U.T Alexaoderpl&tz U.T Welnbergtwcg 16 Indische Rache b abenteserliohe Akte Ton R. Liebmann n. Georg Jacoby mit Edith Meiler/ Harry Lledtfce Oeorg Alexander/ Josef Peterhanns Regie: Georg Jacoby U.T SobBneberg, Hanptstr. Gefesselte Menschen Drama ia 6 Akten Hauptdarsteller; Damen: Dorsch, Konstantin, GrCnlns Hemn: Kaiser-Titz, Harimünn, Dlesclmann U.T Hasenbeide 28 Die Rose des Ostens Kln Liobearoman in 5 Kapltoln In der Hauptrolle: Lilly MaflSChllB Romeo and Julia im Schnee Lustspiel von Hanns Kräfy und Ernst Luoltsch mit Lotte Keumann Begie: Ernst Lubitsch Wochentags ab 7 Uhr x Sonntags: Beginn 4 Uhr Heute 6*« Uhr URAUFFÜHRUNG de8_gro3sen Maxim-Filma Die Drüder Karamafoff oaed dem glsivhuaiui �en Bomav von VostsjEv/shS Regt.: Carl krosttcb HAHPTVARSrRLLRR: i-ianna k?slpli x Irmgard Lsm A!ins(ZriffyGz-�1iIswsI<Ä �mi> Jsnriings Wsrnsr Krauö/ R-iiz Kortner Herrn, Thimig/ Bernh. Götzke 2«» Verstellung•/«• Uhr Vorverkeuf: 11 bis 1 Uhr Ehren- u. Freikarten ungUlligl „ZUR AUFKLARUNG FÜR ZiGARETTENRAUCHED! 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Hervorragende Heilerfolge bei Herrkrankheiten, beginnender Arterienverkalkung, Muskel- und Gelenkrheumatismus, Gicht. Rückenmarks-, Frauen- und Nervenleiden — Sämtliche neuzeitliche Kurmittel—— Vorzügliche Konzerte/ Theater/ Tennis' Golf/ Krocket Wurftaubenschießstand/ Herrl. Park- und Waldspaziergänge Man fordere die neueste Auskunftsschrift D 34 vom„Geschäftszimmer Kurhaus Bad-Nauheim". Bekanntmachung. Da« neue Tabaksteuergesetz ist bekanntlich am 1. April in Kraft getreten. Wer mit unbearbeiteten oder bearbeiteten Tabakblättern, Rippen, Stengeln und Abfällen von Tabak, mit Tabak-Salb- und Sanzerzenghisien jeder Art, tabakähnlichen Waren oder Ziaarettenpapier Handel treibt oder tabaksteuerpflichtige Erzeugnisse(Zigarren. Zigaretten, Rauch-, Kau- oder Schnupftabak) gewerbsmäßig herstellt oder verkaufsfcrtig zurichtet, muß dies dem nädisten Zollamt seines Bezirks schriftlich anmelden und zugleich eine Beschreibung der Betriebs- und Lagerräume sowie der damit verbundenen oder unmittelbar angrenzenden Gc- wcrberäume vorlegen. Befinden sich Kewerberäume an verschiedenen Orken, so ist für jeden Ort eine besondere Anmeldung einzureichen. Außerdem sind alle a m 1. April im Besitz oder Gewahrsam von Tabakverarbeitern, Groß- und Kleinhändlein befindlichen tabaksteuerpstichtigen Erzeugnisse, die sich außerhalb der Räume des Herstellungsbetriebs, eines Steuerlagers oder einer Zollniederlage beflnden, baldigst zur Nachsteuer anzumelden. Die Frist stir die Anmeldungen verlängert. wird bis zum 24. April Die Tabaksteuer wie die Nad>stcuer werden zunächsi zu sehr ermäßigten Sätzen(fllr Zigarren nur zu einem Viertel, für die fünf höchsten Preislagen der Zigaretten nur zur Hälfte, jedod, nicht unter 87 SD!., für Feinschnitt-Rauchtabak der beiden höchsten Stufen zu vier Fünftel, jedoch nicht unter 82 SD!, und für die übrigen Tadakwaren zur Hälfte) erhoben. Diese Ermäßigungen gelten nach einer soeben erlassenen Verordnung des Reichs- ministers bis Ende September. Bei Festsetzung der Tabak- nachsteuer werden außerdem noch alle nach den bisherigen Vorschriften entrichteten Abgaben(Zoll, Wifrtzoll, Zigaretten- stcuer, Kriegsaufschlag) angeredinet. Nähere Auskunft erteilen in Groß-Berlin die Hauptzollämter Berlin-Mitte, C 2, Kl. Präjidentenstr 7; Charlottenburg, Berliner Str. 47; Neukölln, Schönstedtstr. 7 und Pankow, Gorschstr. 45.. SZ2D OberzoNdirektivn. Wir liefern ab unserer Fabrik direkt an Private zu soSiden Preisen MÖBEL in Elche, Nussbaurn, Birke, Kirschbaum, Mahagoni. 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Durch den hiesigen Orks» armenvcrband sind so), mehrere Kinder gegen Enkgett in Pflege zu geben. 5Z1D' Geeignete Personen, welche zur Ausnahme der Kinder bereit siftd, wollen Meldungen sofort unter Angabe ihrer Entschädigungsan|prüche hier einreichen. Adlcrshof, den 17. April 1920. Oer Seweluveoorsteher. In Vertretung: Schwarzlos«, _ Schöffe. Zahngebisse auch zerbrochene, 61/3 Platin kaust zu den höchst. Tagespreisen Urban, Kottbuser User 63. 10—6. Herrenstosfe |ür Händler, Schneider und Private, reelle Qual.in gemustert 120,- bis 210.- Dik., blau Eheviot und Kammgarn, sowie prima blaue Damcnware offeriert 1238b P.Stolzcnwald, Tuchlager Beuthstr. 15(am Spitteimarkt). Zör SlhrelDmWne Herren und Damen mit guter Schulbildung per sofort oder später.— Offerten unter C 52 Hauptexp.„Vorwärts". 1237 b .A.tito«tecl«ien 760 X 90(28 x 3), 6 Stück Decken und Schläuche, prima Auslandsware, verkautt billig Lüdlcke, 527 D Steglitz, Aibrechtstr. 83a. 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Außer der erforder tichen Allgemeinbildung und einer in einer großen Seibsi Verwaltung erworbenen gediegenen verwaltungstechnischen und organisatorischen Schulung wird daher desondere praktisch: Erfahrung und hervorragende Bewährung aus den erwähnten Gebieten sozialer Fürsorge erfordert Diensteinkommen des bis herigen Inhabers 18500 PL Gehalt, 1000 9DL Aufwands, entschädigung und Kriegsteuerungszulagen nach Staatssätzen Neuregelung beabsichtigt Meldungen mit Lebenslauf, Nachweis der Eignung und Ansprüchen bis 15. Mai an das Stadtverordnetenvurean st Rathaus. Stettin, den 8. April>920. Der Stadtverordnetenvorsteher. lhrens. 188/7* Am hiesigen Lyzeum II ist eilie öberlelirei'jnstelle zu besetzen. Lehrbefähiguug: Französisch und Deutsch. Gehalt einschl. Wohnungsgeld bis zur N-uregeiung der Besoldung 2920 M., steigend nach je 3 Jahren viermal um je 400 M. und zweimal um ie 300 M. bis 5120 M. Außerdem Teuerungszulagen nach den staatlichen Sätzen. Anrechnung von Dienstjahren und Gewährung von Umzugskosten nach den staatlichen Bestimmungen. Bewerbungen mit vollständigem Lebenslauf und beglaubigten Zengnisabschristen sind bis zum 15. Mai 1920 an den Magistrat einzureichen. Ktel, den 10. April 1920. Oer MagtstraL 529D Wir suchen tüchtige und selbständige MhWWr. Wer. ZM. KmlmWer.Wleril.bsU. für Präzistonsardetten mit langjährigen Erfahrungen im Wert- zeugmaschincnbau. Schriftliche Bewerbungen erbeten an Z.A.SlSeli.6.. VerlzevgWsMeaMril verlin 31 w S7. Tieusa Ufer 20/23. 70K " 1 Wir suchen einen tüchtigen Typograph» Maschinensetzer für die A-Maschine zu möglichst sofortigem Eintritt— Meldungen an AEQ-Fabrlkcn Brunnenstraße, Haus- druckerei, Berlin N 31, Brunnen- Straße 107a. 62/16 liMer SlasWer Spezialist auf Adjoniampen, Röntgenröhren, für Göteborg (Schweden) gesucht. Schriftliche Offerten an ErikGesellschaft Wilhelm Lübtke u. To.. Stettin-Bredow, Prinzeß strUOo. 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II.— Lichtenberg, Hartenberg Straße I, Boxhagener Str. 62.— Neukölln, Neckar Straße 2, Siegfriedstr. 28/29.— Wilmersdorf Gasieiner Str. 12.— Reinickendori-Ost. Provinz Straße 56.— Treptow, Gramenz, Kiefholzstr 412. Unabhängige Geftänönisse. Emil Barth schreibt Erinnerungen. Nach einer längeren Zeit der verborgenen Still« ergreift der RcbolutionSminister Emil Barth wieder das Wort. Diesmal nicht, wie«inst, nm Streiksüchtige zur Vernunft zu mahnen— er, der sonst so toll zu toben wußte—> sondern, um der Geschichte seine Revolutionsverdienste unverzerrt von der Parteien Haß und Gunst zu erhalten. Denn daß Emil Barth— höre es, Ledobour, und er- zitiere!— die Revolution gemacht hat, daran hat keiner zu zweifeln, der nicht in Grund und Boden geschmettert sein will. Aber der. wilde Emil erzählt noch viel interessantere Dinge Der armc Karl Liebknecht kommt reckn schlecht weg. Barth erzählt, daß Liebknecht von den 18 000— 20 000 Menschen, die ihn vor dem Anhalter Bahnhof bejubelten, als er aus den: Zuchthans kam, ganz berauscht meinte, solch eine Menschenmenge häöe Berlin noch nicht gesehen.... Dann forderte er unausgesetzt Straßen- demonstrationen, bei denen voraussichtlich Blut fließen würde. Blut- vergießen würde Proteststreik auslösen, daraus würde revolutionärer Straßenkamps entsteben, Auflösung des Heeres und zuletzt Revo- lution. Am Mittwoch, den 30. Oktober, verlangte Liebknecht in der Zentralvorftvndssitzung wieder seine bewaffnete Demonstration. Nach der Sitzung ging Barth auf Liebknecht zu und sagte ihm: .Sie wissen, daß ich diese Demonstration für ein Verbrechen halte. Sollte si« aber beschlossen werden, so bringe ick vier Brownings mit, für Si«, Maier, Dunker und mich. Wir stellen uns an die Spitze des Zuges.".Aber, Genosse Barth," rief Liebknecht..Sie sind ja wahnsinnig."„Nein, nur konsequent. Wir gehen an der Spitze und wenn wir an di« Schutzmonnskette kommen, dann einS, zwei, d-roi piffpaff.".Aber, Genosse Barth. Sie sind ja völlig wahnsinnig," sagte er nur schneebleich Von dieser Stunde ab war Barth bei Liebknecht der bestgehaßte Mensch, den er mit allen Mitteln bekämpft«... Am 31. Oktober fand zu Ehren Liebknechts ein Empfangs- »bend in der russischen Botschaft statt. Barth machte dabei die Erfahrung, daß nicht nur in Bvzanz und im Abglanz der Cäsaren Bvzantiner zu finden sind.„Das gegenseitige Beweih- räuchern und Anhimmeln war geradez« widerlich." Nach Schilderung der geheimen Vorbereitungen zur Revolution berichtet Barth über den 9. November 1918. wie er ganz allein im „Hauptquartier" saß. loäbrenb sich in der Stadt sck»n alles fast von selbst machte. Um Ä12 Uhr kam R i chard Müller. Er sagte: „Fetzt gehe ich ersi etwa? essen und dann will ich mal e i n bißchen Revolution ansehen" Um%12 Uhr kam Ditt- rnann-Hamltirg irnd erklärte, es seien schon Verhandlungen mit Scheidemann ur> Ebert Wegen Ucbernahme der Regierung im Gange. Barth• hr sofort nach dem Reichstag, wo im Zimmer 13 die.Leuchte u" der U. S. V. beisammensaßen, unbeholfen, wie eine vom Marder umkreiste Hühnerschar. Alles schrie nach Haase ider in Kiel war). Inzwischen lvaren die.Demagogen" von den Sozialdemokraten in den Kasernen und bielten Soldatenversammlungen ab. Tie unabhängigen Führer aber saßen beisammen, lösten Welträtsel oder hielten Reden an die sicheren Arbeiter statt an die Soldaten. Wie der radikale Arbeiter Barth über die Kommunisten denkt, mögen schließlich folgende Zitate aus seiner Schrift zeigen: .Diese ungarisch« Räterepublik, dieses Widerspruchs- volle und widersinnige Gebilde, das den denkbar schrecklichsten «'odeSkeim bei seiner Geburt m sich trug, war einer der schwersten Schläge für die Wcltretwlution. Sie war das frevel- hafteste Spiel mit dem erbabensten Menschheitsgedanken* .In der Zwischenzeit hatle der frevelnde vebcrmnt und die ge- wiflenlose Leichtfertigkeit der Kommunisten den Feinden des Prole- tariats noch zu einigen anderen billigen Triumphen verholfen und diesem selbst vernichtende Niederlagen beigebracht. Wenn auch die Niederlage im Ruhrevier schwer lvar, so wurde die Niederlage der Münchener Räterepublik beinahe katastrophal." Zum Schluß des Buches, da? natürlich auch mft wütenden Ausfällen gegen die Sozialdemokratie, besonder? gegen den Ge- nosscn Landsberg gespickt ist, kommt Barth auf feine berühmte Unterredung mit Pabst und v. Oven zu sprechen, die zu seiner Kaltstellung in der U. S. P. den vielen seiner Ge- »offen längst erwünschten Anlaß gab. Nach seiner Dar- stellung war diese Unterredung notwendig, um Deutsch- land vor einem neuen Krieg und die U. S. P, vor der Vernichtung durch die Militärpartei zu retten. DaS sei ihm— er ist doch ein Kerl, dieser Emil Barth!— auch gelungen..Ich rechne es mir," schrieb er,.als eine der größten Taten an, daß durch meine Einwirkung der Krieg nicht neu entflammte usw." Er schließt dann: Meine mir vorläufig gestellte Aufgabe war hiermit gelöst, Ich zog mich völlig vom politischen Leben zurück, und ich werde in dieser Zurückgezogenheit auch verbleiben, bis ich von meinem Wort entbunden bin und wieder geholt werde. Ich habe mich nie jemand aufgedrängt und werde dies auch in Zukunft nicht tun. Inzwischen ist Emil Barth neulich m der Delegiertenversamm. lung der U. S. P. in Groß- Berlin wieder aufgetaucht. Ist er von seinem Wort entbunden, ist er geholt worden? Dann kann man sich über Geschmack und GpisteSrichtung derer, die ihn geholt haben, nur wundern. Denn der Fall Barth ist nur ein Beispiel dafür, welche fragwürdigen Gestalten sich in einer Zeit wilder Gärung aus der Mass« herauszuheben vermögen. Es war ein Zeichen der Berirrung in der IL S. P., daß sie diesen Wann an die vorderste Stelle schob und ihn zeitweilig zu einem Mitregenten Deutschlands machte. Der Fall Barth ist kein Ruhmesblatt in ihrer Geschichte und in der Geschichte der Revolution!, Die Rückkehr üer Kriegsgefangenen aus Rußland. Unterzeichnung des Vertrages durch den Sowjetvertreter. Di« feit Wochen zwischen der Reichsregierung und dem Ver- treter Sowjetrußlands, WigdvrKopp, schwebenden V e r h a n d- lungen über die gegenseitige H e i m b e fö r d e r u n g der Kriegsgefangenen beider Länder find am Montagnach- mittog zum Abschluß gebracht worden. Das Abkommen ist für die Retchsregierung von Staatskommissar Stück le n, für Rußland von Herrn Kopp unterzeichnet wordsn. Nach dem Vertrag beginnt die A u s l i e je r u n g der Kriegs- gefangenen auö Rußland und Deutschland unmittelbar nach der Ratifizierung des Abkommens durch beide Regierungen. Herr Kopp hat noch gestern f u n k e n t e le g ra p h i sch um die Rati- fizrerung erwcht. In dem Vertrag heißt es ausdrücklich, daß nur dichwiigen Kriegsgefangenen aus Teutschland und Rußland ab- :ransportiert werden, die eine Rückkehr in die Heimat wünschen. Eine zwangsweise Zurückmhrung ist n i ch t beabsichtigt Eni- sprechend Zeit und Gelegenheit soll die Rückkehr auf dem Land- oder Seewege vollzogen werden. Die Verhandlungen über den Transport der Kriegs- und Zivilgefangenen durch dt? Randstaaten, wie Polen, Estland. Livland, regelt das Rote Kreuz in Genf, das zu diesem Zweck sofort Verhandlungen mit den in Frage kommenden Regierungen aufnimmt, das außerdem die Ver. pflegung und Uebcrwachung der Transporte auf fremd- staatlichem Gebiet übernimmt. In Deutsckiland befinden sich gegenwärtig noch 190 000 russische Kriegsgefangene, während in Sowjetrußland rund 20 000 gefangene Deutsche sich be- finden. Sicherheitswehr unö Putschgefahr. Aeußerungen Severings. Minister Severing sagte einem Mitarbeite� der P. P. N.: Die Entente hat darauf bestanden, daß bis zum 19. April eine er- hebliche Verminderung der Truppen im Ruhrgebiet herbeigeführt wurde. Dieser Forderung ist dadurch Rechnung ge- tragen worden, daß eine größere Anzahl der Mannschaften und Batterien aus der neutralen Zone herausgezogen wurde. Die im Bielefelder Abkommen erwähnten Ortswehren waren seinerzeit als ein Notbehelf gedacht, der verhüten sollte, daß besonders bedrohte Städte und Ortschaften ohne Schutz blieben. Nach den Kundgebungen der Entente unterliegt es keinem Zweifel, daß die Ortswehren den Einwohnerwehren gleich zu achten sind. Eine Ausstellung der Ortswehren in diesem Augen- blick vorzunehmen, halte ich deswegen für unzweckmäßig und im Hinblick auf die außenpolitische Situation für bedenklich. Die Ortswehren würden als Dauereinrichtung im Jndustriebezirk ihrer Aufgabe auch kaum gerecht werden können. Ich halte eS deswegen nach wie vor als das zweckmäßigste, menn möglichst bald eine Vermehrung der Sicherheitspolizei erfolgt. Gleichzeitig mit der Vermehrung muß eine wirklich demokratische Reorganisation dex Sicherheitspolizei durchgeführt werden. Die ersten Schritte dazu find getan. Die kompromittierten'Führer werden unnachsicht lich entfernt; tüchtige Beamte im Unteroffiziersrang werden befördert. Den AbteilungSstcllen werden Zivilkommissare beigegeben, die eine Verbindung ztrnschcn der Bevölkerung, insbesondere der Arbeiterschaft, und der Polizeitruppe herstellen sollen. Ich halte die Gerüchte von«eun» Putschen für mindestens übertrieben. Sie entspringen zu einem Teile der übergroßen Nervosität der Bevölkerung. Wir kommen erst zu einer dauernden Beruhigung, wenn dem Grundsatz Geltung verschafft wird, daß nur diejenigen Waffen tragen, die von Amts wegen dazu berufen sind. Die Waffenoblieferung im Ruhrrevier sei bis jetzt sehr umbe- fricdigend. Taufende von Gewehren sind unbrauchbar gemacht worden und andere große Mengen mußten im besetzten Gebiet den Engländern verabfolgt werden. Die größte Sorge bereitet den Behörden im Augenblick die Behandlung der flüchtigen Arbeiter- massen. Der Rücktransport ist nicht ganz leicht zu bewerkstelligen, weil viele- Flüchtlinge die Angabe ihrer Personalien verweigern. Immerhin sind auch in der Frage des Rücktransports der Flucht- linge einige Ansätze zum Besseren zu verzeichnen. 1° Der WirtschastSverband der Beamten der Sicherheitspolizei, Ortsgruppe Berlin, hat an alle in Frage stimmenden Behörden und Dienststellen folgende Entschließung gerichtet: „Es geht nicht cm, daß Beamte im Dienst der Republik find, die nicht nur in ihrer Gesinnung, fondern vor allem ihrer Hand- lungen wegen in starkem Widerspruch gegen die Verfassung stehen. Durch ihre weitere Anwesenheit im Dienste gefährden sie nicht nur die Ruhe und die Disziplin der Beamten, sondeam sie bilden eine ernste Gefahr für die Ruhe, Ordnung und Sicherheit im Staate. Die Erregung ist so weit gediehen, daß ein großer Teil der Beamten aller Dienstgrade sich mit dem Gedanken trägt, den Dienst in der Sicherheitspolizei aufzugeben, denn unter diesen Umständen ist ihnen ihr Leben und die Gesundheit zu schade, um es gesinnungslosen Elementen gegenüber aufs Spiel zu setzen. Die Befehle der höheren Dienststellen werden nicht so auSge- führt, wie es sein soll. Dies beweisen die vielen Beschwerden Entlassener, die trotz des Befehls keine Wohnung und keine Verpflegung in den Kasernen erhalten. Stark kompromittierte Persönlichkeiten nehmen immer noch die höchsten Führerstellen ein und die Sicherheitspolizei sst immer noch nicht das zuverlässige Instrument der Regierung. Es erscheint unbedingt erforderlich: 1. daß die stark kompro- mittierten Führer sofort beurlaubt werden, 2. daß die Wahl zur Einberuftmg der Untcrsuchungskommissio« umgehend erfolgt." Der eingekapselte Reichswehrmmifter. Folgende Verfügung gelangt zu unserer Kenntnis: Berlin, den 9. April 1920. Ten Bemtern und Abteilungen wird rS untersagt, Bortrlge beim Herr» Minister(Reichswehrminister. Red.) ohne vorherige Mit- teilung anzumelden oder zu halte». Vorträge finden zunächst bei mir statt und ich werde da? weitere entscheiden. Ausgenommen von diesem Verbot ist nur T. 1. v. Seeckt. An alle Stellen deS ReichSwehrministeriumS. Ist diese Verfügung mit Zustimmung und Wissen des Herrn Reichswehrmini st ers ergangen? Die Militärgerichte. Ausschuhberatung über ihre Beseitigung. Der zuständige Ausschuß der Nationalversammlung hat einen Antrag, da» ganze Gesetz bis zu ruhigeren Zeiten zurück- zustellen, abgelehnt, da in der Bevölkerung da« Miß- trauen gegen die Militärgerichtsbarkeit außerordentlich groß fei. Beantragt wird ferner, den§ 6 zu streichen, wonach in Militär- strafsachen Anzeigen strafbarer Handlungen und Anträge auf Straf- Verfolgung auch bei den Disziplinarvorgesetzten des Be- schuldigten mündlich oder schrittlich angebracht werden können, und wonach von Soldaten diese Anträge nur bei dem betreffenden Vor- gesetzten unmittelbar oder auf dem für Beschwerden borge- Ichriebenen Dienstwege angebracht werden sollen. Zu§ 7, wonach die Entscheidung, ob eine militärische Straftat disziplinarisch zu ahnden ist. dem militärischen Disziplinarvorgesetzten zusteht, wurde beantragt, die Entscheidung dem Gericht und nicht dem Disziplmarvorgesetzten zu überlasten. Die Abstimmung wurde zurückgestellt.__ Disziplinar-�mneftie. Der HauptauSschuß der Nationalversammlung be- schäftigte sich mit dem Gesetzentwurf über Gewährung von Straf- sretheit und Strafmilderung im Disziplinarverfahren. Die Schaffung von Beamtenvertretungen im Verordnungswege ist in Aussicht ge- nommcn. Angenommen wurde ein Antrag DeliuS(Dem.), wonach die Niederschlagung auch dann stattfindet, wenn die Annahme ge- rechtfertigt erscheint, daß die endgültige Entscheidung auf Dienst- entlassung lauten werde, das Dienstvergehen aber bei Berücksichti- gung aller Umstände des Falles, insbesondere wenn es sich um eine einmalige Verfehlung bandelt, eine mildere Beurteilung zuläßt.— Aus den Personalbogen sind die Vermerke über Strafen und Versehen vollständig zu entfernen. Auskunft über die gelöschten Vermerke darf nur insoweit erteilt werden, als hierzu eine gesetzliche Verpflichtung vorliegt. Im übrigen wurde die Re- gierung ersucht, zu erwägen, ob in Fällen, wo gewisie Milderungsgründe vorliegen, während des Krieges entlassene Beamte wieder einzustellen sind._ Aufhebung üer portofreiheit. Der Houpiausschuß der Nationalversammlung beriet den Ge- setzentwurf über Aushebung der Gebühren-reiheiten im Post- und Telegraphenverkehr. Die Portoiosten der regierenden Fürsten, die bekanntlich Portofreiheir genossen, waren nach Auskunft der Re- gierung verhältnismäßig gering. Der wesentlichste Anteil an der Portofreiheit fällt den Behörden zu. Demnach werden künftig in Fortfall kommen etwa 40 Millionen Mark Postforderungen für den Reichsdienst, 2 bi« S Millionen Mark Telegraphenkosten und etwa 12 Millionen bei den LanbeSbehörden.— Bei Eignung d« betreffenden Persönlichketteu können Sekretäre ohne besondere Prü fung innerhalb von drei Jahren zu Obersekretären besörderr werden. Die Einwohnerwehren. Deutsche Bitte um ihre Erhaltung. In Sachen der Einwohnerwehrfrage hat die d e u i- sche Regierung cm den Vorsitzenden des Interalliierten UeberwachungSausschusseS für das Landheer, General Rollet, eine Note gerichtet, in der sie zur Ententenote vom 12. März Stel- lung nimmt und betont, daß diese Note von unzutreffenden Vor- aussetzungen über Aufbau und Zweck der Einwohnerwehr ausgehe. Die Einwohnerwehren seien in den Wirren des vorigen Jahres von ordnungsliebenden Elementen in Stadt und Land zu dem Zweck gegründet worden, durch Unterstützung der geringen_ militärischen Kräfte und berufsmäßigen Polizeiorgane die Heimat vor vollständiger Auflösung der Ordnung zu be- wahren und gesetzmäßig« Zustände zu sichern. Bei Gründung, wie auch beim Ausbau der Einrichtung, sei jeder Gedanke an eine Verwendung zu militärischen Zwecken, insbesondere zur Vorbereitung eines Kampfes gegen einen auswärtigen Gegner ausgeschlossen gewesen. Auch sei jegliche Sicherheit gegen Mißbrauch der Organisation in dieser Hinsicht gegeben. Die Be- hauptung, daß die Einwohnerwehren militärische Uebungen abhielten, entspreche nicht den Tatsachen. D-i« Möglichkeit, daß die Einwohnerwehren einer durch den Friedensvertrag verbotenen Mobilisation Vorschub leisten könnten, sei schon deshalb nicht vorhanden, weil die Organisationen in den einzelnen Ländern des einheitlichen Zusammenschlusses entbehrten. Di« Reichs- Zentralstelle der Einwohnerwehren habe nur die Durchführung oll- gemein notwendiger, nicht militärischer Maßnahmen, wie z. B. Lebens- und Unfallversicherungen der Mitglieder, in die Hand ge- nommen. Eine lisienmäßige Kontrolle im Sinn« einer Aus- hebungSvorbereitunq finde nicht statt. UeberdieS setzten sich die Einwohnerwehren zur Hälfte aus über 40 Jahre alten Mitgltedern zusammen. Die Einwohnerwehren hätten zweifellos-dazu beigetragen, die allgemeine Sicherheit in Deutschland zu befestigen, und hätten in den Unruhen der letzten Wochen große Vermögens- werte vor Vernichtung bewahrt, lebenswichtige Betriebe und Ver- kehrSeinrichtungen aufrechterhalten, sowie ordnungswidrig« Elemente da in Schach gehalten, wo Militär- und Polizeikräste nicht zur Stelle waren. FnSbesonere auf dem P l a t- ten Lande verbürge dt« Einwohnerwehr den Schutz für Auf- bowahrung und Beförderung der Nahrungsmittel. Besonders be- währt hätten sich die Einwohnerwehren in Bayern, wo es ihnen zu danken sei» daß vor einem Jahr« die Räteherrschaft nicht iveiter um sich gegriffen habe. Der Nutzen der� Einwohnerwehren habe auch im Auslande volles Verständnis gesunden._ Von verschiedenen Seiten werde in ihr das Muster eines Selbstschutzes der Bevölkerung da erblickt, wo diese sieb nicht auf staatliche Mittel zur Aufrechterhaltung der Ordnung stützen könne. Die deutsche Regierung habe daher keinen Anlaß gehabt, die Bildung der Einwohnerwehren oder ihren Charakter vor den mter- alliierten Kommissionen zu verheimlichen. Lediglich dem unter Berkennung der tatsächlichen Verhältnisse aufgebotenen Drucke der alliierten Regierungen weiehend habe sie sich nunmehr entschlossen, die Auflösung der Wehren in ihrer jetzigen Form zu veranlassen. Die deutsche Regierung vermöge aber nicht anzuerkennen, daß die Bestimmungen des Friedensvertrages sie zwingen, der Be- völkerung jede Möglichkeit des unter den gegebenen außer- ordentlichen Verhältnissen bis auf weiteres unbedingt notwendigen Selbstschutzes zu versagen. Sie erachte«Z vielmehr als ihre Pflicht, alle mit dem Friedensvertrag zu vereinbarenden Maß- nahmen zugunsten eines solchen Selbstschutzes zu vertreten. Die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit Deutsch- lande sei di« Hauptvoraussetzung dafür, daß den Bedingungen deS Friedensvertrages nachgekommen werden könne. ES werde geprüft werden, welche zulässigen Einrichtungen weiterhin dem gekennzeichneten Zweck dienen könnten. Dabei werde daS Hauptaugenmerk darauf zu lenken fein, daß ihr lokaler Schutz. charakter gewahrt bleibe und auch in Zukunft jede Zentrali- lisierung, jede militärische Organisation und Ausbildung ver- mieden werde,_ Der Streikwahnsinn. Eisenbahner gegen Hungernde! Wien, 19. April.(W. T.B.) Ein Auftuf der österreichischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei und der G e- werkschaft der Eisenbahner gibt bekannt, daß die im Streik stehenden südslawischen Eisenbahner LebenSmittelzüge»ach Deutsch-Oe st erreich durchlassen' und nur eine kleine Gruppe Eisenbahner in Wien und den nächsten Stationen sich dem Beschluß der Mehrheit, den Eisenbahnerausstand a b z u- brechen, nicht fügen wolle. Da es in den nächsten Tagen in Wien und allen österreichischen Jndusttieorten an Brot fehle» würde, wenn diese Gruppe ihren Willen durchsetzt, werden die Lebensmittel- züge unter Bewachung nach Wien geleitet werden. Die Arbeiter werden aufgefordert, diese notwendige Maßnahme zu unterstützen und auf die noch ausständige Eisenbahnergruppe einzuwirken, die Lebensmittelversorgung nicht zu gefährden.(Wir hören schon das .radikale' Geschrei über——— Arbeiterverrat derjenigen, die durch diesen Aufruf den Hungertod fernhalten wollen. Red.) An der deutsch-holländische« Grenzstation Bentheim herrschen nach uns von verschiedenen Seiten zugegangenen übereinstimmenden Berichten ein Kasernento« und ähnliche Monokel- leutnantsmaniere», die nur geeignet sind, Deutschlands Ansehen in den Augen der zahlreichen Ausländer, die täglich die Grenze in beiden Richtungen passieren, schwer zu schädigen. Wir kennen diese jungen Offiziersgestalten, die auf den Uebetschreiiungsstattonen mit der Paßiontrolle und ähnlichen Aufgaben betraut find, schon aus der KriegSzeit. Es find wahr- scheinlich dieselben Herrschaften, die mit derselben näselnden Taktlosigkeit sechszehn Monate nach Kriegsende, die deutschen und ftemden Reisenden nach Gutdünken behandeln. Abgesehen davon, daß diese Aufgabe gewisse psychologische Gaben er- fordert, die man weder in der Kadettenschule noch im Kasino er- lernt, erscheint eS unS ganz überflüssig, den Heeresetat mit Offizieren zn belasten, deren Verwendung an solchen Posten nur schädlich sein kann. Die Verfolgung der Putschisten. Der preußische Justizminister hat durch Verfügung die Beamten der Staatsanwaltschaft ersucht, den von dem Reichs- Justizminister in der Sitzung der National- Versammlung vom 14. d. M. bezeichneten Rechtsstandpunkt in allen in Betracht lommenden Fällen einzunehmen und nachdrücklichst zu vertreten. Die preußischen Reichsratsmitglieder sollen zum Teil von den Provinzialvertreimigen gewählt werden. Ein entsprechender Gesetz- emwurf ist der LandeSversanunlung zugegangen. In Berlin wählt der Magistrat. Ein Raubzug der Länder gegen dos Reich— als daS b» zeichnete ein Redner im Ausschuß der Nationalversammlung die EnüchädigungSfordcrung. die die Bundesstaaten für die Hergabe ihrer Eisenbahnen durchgedrückt haben. Es ist aber daran nichts zu anderu. EewerWMjwbewsgung TeucrttnzSznlage für die Angestellten im VaugeWerbe. In einer von der ArbeitksteMeinsS'ast frei er Angestelltenverbände einberufenen, sehr gut besuchten öffentlichen Versammlung der kauf- männischen und technischen Angestellten gaben die OrganisationZver- treter Berichr über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern für daS Hoch- i»»d das Tiefbungelnerbe. Nschdem die Verhandlungen seitens der Angestelltenorgani- sationen zweimal wegen zu geringen Entgegenkommens der Arbeit» gebcr abgebrochen werden mußten, trat am 15. April der Schlich- tungsauSschuß zusammen, um. wenn möglich, eine Einigung zwischen den Parteien herbeizuführen. Mit dem Neichsverband des Deutschen sollte es fein, durch ein heschbeunigteS Verfahren Verbindlichkeit-- srklärungen von Schiedssprüchen herbeizuführen. Wir möchten an dieser Stelle doch dem Reichsarbeitsministerium die Forderung unter- breiten, daß es nicht nur die. formellen Vorbedingungen für eine Verbindlichkeitserklärung eines Schiedsspruchs prüft, sondern, und das ist wohl die vornehmste Aufgabe, die soziale Seite in weitest- gehendem Maße berücksichtigt. Ter Schlichtungsausschuß Groß-Bcrlin ersucht uns. mitzuteilen. daß in dem Konflikt in der Knorr-Bremse die Verhandlungen vor dem Dcmvbilmadmngskommissar auf Veranlassung des Schlichtungs- ausschusses erfolgten. Zur Bezahlung der Gcncralstrciktage. In unserer Morgen- ,.v..________________________________________ Wl--.v...,.. ausgab Pom s. d. M. brachten wir eine Notiz, wonach sich die Tiefbaugewerb'es konnte erfreulicherweise, bevor die Verhandlung: Sratof'Arbeüsgcnieinfdjast der Textilindustrie für die Bezahlung beim Schlichtungsausschuß begann, eine Einigung erzielt wer den. Für die kaufmännischen und technischen Angestellten des Tief lxrilgetvcrbes werden nach diesem Abkommen für die Angestellten der Gruppen l— 4 der Tarifverträge für Monat März 275 M. und ab 1 April 1920 monatliche Teuerungszulagen in Höhe von 500 M. be. zahlt In diesen Teuerungszulagen sind die am 23. Januar 1920 gewährten Teuerungszulagen mit enthalten. Mit dem Verband der Baugeschäfte konnte leider eine .gütliche Verständigung nicht stattfinden. Nachdem diese Herren ver- geblich versucht hatten, aus formellen Gründen eine Verhandlung vor dem SchlichiungSausschuß zum Scheitern zu bringen und die Sache zu verschleppen, kam es hier zu einem Schiedsspruch, der dieselben Säße festlegte, wie die bereits im Tiefbau aus güt- lichem Wege vereinbarten. Die Abstimmung in der Versammlung ergab, daß die überwiegende Majorität mit dem Verbandlungsergeb- nis im Tiefbaugewerbe einverstanden sei und daß die Angestellten sich ebenfalls dem für daZ Hochbaugewerbe gefällten Schiedsspruch unterwerfen. Die zum Schluß angenommene Resolution brachte zum Aus- druck, daß trok der durch Len Schiedsspruch zugebilligten Teuerungs- Zulagen das Gesamteinkommen der Angestellten größtenteils hinter dem der Bauarbeiter zurücksteht. Wenn die Angestellten trotzdem noch dem Schiedsspruch für daS Hochbaugewerbe und oer Verein- barung im Tiefbaugewerbe zustimmen, so erwarten sie, daß von den Arbeitgebern de? Verbandes der Baugeschäste van Groß-Berlin diese ebenfalls dem Schiedssvruch sich unterwerfen. Gleichzeitig wurde in dieser Resolution die Arbcitsgemeinschast freier Angestelltenverbände beaustragt, mit allen Mitteln für die Durchführung der Forderung anlaßlich der Reichstarifverhandlungen einzutreten, daß der Aufbau der Technikergchälter auf die Arbeiterlöbne zu erfolgen bat und daß grundsätzlich ein kaufmännischer Angestellter mindestens ebensoviel verdienen muß wie ein gleichwertiger Facharbeiter des Gewerbes Lohnbewegung bei den Reichs-, Staats- und Heeres- Verwaltungsbehörden. Die in obegenannten.Dienststellen beschäftigten Lobnemptänger nahmen in einer gut besuchten Versammlung im großen Saale des Gewerkscha'tshauscs den Bericht über den Stand der Lobnbewcgung durch OlterSdorf vom Deutschen Transportarbciterverband entgegen. Unter lebbaftester Zustimmung aller Diskussionsredner fand eine Entschließung einmütige Annahme, in der die Versammelten der Erwartung Ausdruck geben, daß ihren Forderungen Entgegen- kommen gezeigt werde, damit sie nicht erst nötig baben, die Arbeit niederzulegen. Sie beauftragen den Deutschen Transportarbeiter« verband, auf jeden Fall restzilhalten an den im Februar aufgestellten und jetzt als äußerstes Minimum geltenden Forderungen. Hauptjahresversammlung der Afa. Am 13. April tagte im Jndustriebeamtenhaus zu Berlin die große Vertrererkonferenz der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände. Die Konferenz war von allen ange- schlossenen Verbänden und aus allen Teilen Deutschlands, insbe sondere auch aus dem Rheinland, stark beschickt. Nach Entgegen nähme des Tätigkeitsberichts und einer mehrstündigen Aussprache über den Generalstreik wurde eine Entschließung angenommen, in der sich die Vertreter mit der vom Vorstand beim Generalstreik ein- genontincnem Haltung vollständig einverstanden erklären. Bei der alsdann vorgenommenen Neuwahl wurde der alte Vor- stand einstiminig wiedergewählt. Es gehören ihm an: Auf- bäuser(Bund der technischen Angestellten und Beamten), B r e n k e und Urban(Zentralverband der Angestellten), K l i n- gen(Deutscher Wcrkmeisterverband), Dr. Pfirrmann(Angc- stclltenverbaud des Buchhandels, Buch- und Zeitungsgewerbes), Marx(Allgemeiner Verband der deutschen Bankbeamten), Ko- norah(Verbände der Bühnenangestellten). der Gencralstreiktage auSgesprockien hat. Dazu teilt uns die Reich arbeitsgemeinschaft für die Textilindustrie mit, daß nicht sie, sondern die Zentralarbeitsgemeinschast der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands diesen Beschluß ge- faßt hat. Holzarbeiter. Funktionäre und Delegierte zur Generalversammlung. Morgen Mütwoch, den 21. April, abends 7 Ubr, bei Bchrend, Mantcufsel- ftraße S5: Versammlung. AngrsteNtc der chemischen Industrie Heute Dienslag, abends 7 Uhr, in„Kliems Festsälen", Hgionheide 13: Ocssentlichc Versammlung. Tagesordnung: Bericht über das Angebot der Arbeitgeber. Zentralverband der?!»ncstellten. Versammlungen am Mittwoch, den 21. April. Fachgruppe 17 tAiigcstcllte der Fleischereien und Fleiicherei- genossenschglten): Oeffcullichc Versammlung abends 8 Uhr im Noienthalcr Hos, Roseuthnler Str. 11/12. Jugcndgrul'Pc: Das Versammlungslokal für die Gruppcnvcrsammlung befindet sich im Schultheiß-AuSschank, Neue Jakobltr. 24/25. Deutscher TranSportarbeiter-Berband. Branche des ge- werblichen Personals der Kr i e g§ o r g a n i s a ti o n e n. Morgen Mittwoch, den 21. April, 6 Ubr, im„Königstadtkasino", Alexander- slraße LI: Vertraucnsmännervcrsammlung. Branche derEinkassierer, Kasscnboten, Bureau- d i e n e r usw. Am Freitag, den 23. April, fl,7 Uhr, bei Wcgencr, Scydel- slraße 30: Vertrauensmännetveriammlung. Deutscher Werknicister-Berband. Fachgruppe III Metallindustrie, Berussgruppe.st", Gclbmetall, Gürtlerei, Druckerei, Armaturen, Schrauben- fabrikation. Beriammlung, Mittwoch, den 21. April, nachm 0 Uhr, im Schultheiß, Neue Jatobstraße 24/25,— Berussgruppe ,C", Elektro- und Kabelindustrie. Versammlung, Donnerstag, den 22. April, nachm. S Ubr, im Schultheisj, Neue Jakobstrasze 24/25.— Ituxuspavicrbranche und Pboto- grophische Kunstdruckindustrie. Versammlung, Mittwoch, den LI. April, nachm. 5 Uhr, im Schultbeis!, Brückcnstragc 6b. Wichtige Tagesordnung, Glulilaiupeiifabrtk A. E. G., Sickingcnstr. 71. Die Ausgesperrten der Fußilatioii nehmen am Mittwoch die Arbeit wieder aus. Achtung, LSramiverkc! Die Wiederaufnahme der Arbeit erfolgt in der Füßesertigmacherei. Fußrichterei, Wickelei, Einschmcizerei, Kolbenwerl- statt, Puwpcnsaai, Nachbrennerei, Lichtmeßwerkstatt, Lampcnlager heute Dlenstag, den 20. April. Die Tellcrdrcherei nimmt die'Arbeit morgen Mittwoch, den 21. April, und die Futzquetscherei am Donnerstag, den 22. April, wieder aus.. Der Ilrbeitcrausschuß. Funktionäre der Berliner Metallindustrie: Freilag. den 23. d., in den Prachtsälen des Ostens, Franljurter Allee 48, Asa-Funllionär-Ver- sammlung der Berliner Metallindustrie. Beginn 7 Uhr. Thema:»Der Stand unserer Tarisoerhandlungen." Mitgliedsbuch legitimiert. Gchaltsbewegung der Anaestcllten im Gros;-Berliner Buchhandel. In einer vom Angestclltenverband des Buchhandels-, Buch- und Zeitungsgcweibes, Ortsgruppe Groß-Berlin, einberufenen Settioiis- versamnilung nahmen die Augestellten des Berliner Buchhandels Stellung zu der augenblicklichen Lage. G u i a r d berichtete über den Verlans der bisher geflibrten Tarikve: Handlungen. Die Arbeitgeber planten in allen Punkten wesentliche Verschlechterungen de? bisherigen Tarifs. Die Ver- Handlungen mußten demzufolge abgebrochen werden und es wurde der Schlichtungsausschuß Groß-Berlin angerufen. Der festgesetzte Termin konnte aber nicht stattfinden, da die Arbeitgeber der papier- verarbeitenden Industrie eine Tagung in Weimar halten. Trotz dieser Veranstaltung wäre eS bei einigermaßen gutem Willen doch möglich gewesen, geeignete Vertreter zu der Verhandlung zu schicken. Ein neuer Termin ist beim Schlichtungsausschuß angesetzt: die Arbeit« geber haben nunmehr alle Folgen zu übernehmen, wenn sie weitere Verschleppungstaktik treiben, In der Diskussion wurde energisch der schnelle Abschluß des Tarifs gefordert. In einer Resolution erklärte die stark besuchte Ver- sammlung die vom Arbeitgcberverband gemachten Tarisvorschläge für unannehmbar. Sie weist die Unterstellung der Arbeitgeber, daß von ihrer Seite Zugeständnisse gemacht worden wären, mit Entrüstung zurück. da in fast allen wesentlichen Punkten, die verhandelt wurden, aus- nahmSlos Verschlechterungen deS bisherigen Tarifs entgegen- genommen werden sollten. Die Verbandlungen sind zu besrtUeu- nigen und mit allem Nachdruck bis zum 30. April zu Ende zu führen._. Ein etwas schnelleres Tempo. Am 12. Dezember 1919 reichten der Angestelltenverband des Buchhandels, Buch- und Zeitungkgcwerbes, Ortsgruppe Groß- Berlin, und der Zentralverband der Angestellten, Bezirk Groß- Berlin, einen am 27. November 1919 abgeschlossenen Tarifvertrag zur Verbindlichkeitserklärung beim RcichsarbeitSimnisterium ein. Die Gehälter der Angestellten des Berliner Buchhandels sind recht bescheidene, und die Gebälter derjenigen Angestellten, die bei zur Tarifzahlung nicht vrpslichteten Arbeitgebern beschäftigt sind, oftmals geradezu trostlos. Vornehmste Pflicht deS Reichsarbeitsministeriums parteinachrichten. Maizcitung 1929. Infolge deS MassenbezugS ist eine zweite Auflage der auf besserem Papier mit vielen Bildern in Tief- druck ausgeführten Maise st- Zeitung gedvuckt worden, die bei sofortiger Bestellung an die Buchhandlung Vorwärts, Berlin, Lmdenstraße 3, noch rechtzeitig postwendend zum Versand gelangt. Wirtschaft Gegen die Papiergeldflut. Einen wertvollen Beitrag zu der Erörterung, ob die deutsche Exportindustrie von der Geldaufblähunq bei gleichzeitgcr Besserung der Valuta bedroht ist, bietet eine Entschließung, die der Arbeitsausschuß des Verbandes keramischer Gewerke kürzlich amgenommen hat. Tarin betont der Verband, daß er schon früher bestrebt gewesen ist, die ihm angeschlossenen Fachverbände zur Erziclung möglichst hoher Exportpreise zu interessieren. Es heißt dann weiter: „Auch jetzt noch, bei einem ungefähr nm 100 Proz. gestiegenen Wert der Mark ist die feinkeramische Industrie in der Lage, ex- Portieren zu können. Die Bedeutung, die sie dadurch für die deutsche Wirtschaft erlangt, wird aber zum größten Teil illusorisch gemacht durch die ständige Neuschaffung zusätzlicher Kaufkraft, verursacht durch die Herstellung von Papier- g e l d.(In der letzten Märzwoche allein eine Neuausgaibe von Papiergeld im Betrage von 2,6 Millionen Mark.) Durch eine der- artige Inflation muß notwendigerweise eine Steigerung aller Produktionskosten einschließlich der Löhne ver- ursacht werden, eine Erhöhung, die schließlich auch für die Fein- keramik die Herstellungskosten deZ Produktes über den Welt- Marktpreis treibt und damit die Feinkeramik, die auf den ausländischen Markt angewiesen ist, mit einer Wirtschaft- lichen Katastrophe verhängnisvollster Art bedroht. Der Verband keramischer GeWerke in Deutschland bittet die Reichs- regierung, mit allem Nachdruck und unverzüglich dafür zu sorgen, daß die weitere Schaffung neuer Zahlungsmittel unterbleibt, und daß die umlaufenden Zahlungsmittel nach Möglichkeit vermindert werden." Die Forderung entspricht nach ihrer finanzpolitischen Seite so sehr der von uns vertretenen Auffassung, daß sich darüber jedes Wort erübrigt. Wirtschaftlich aber bedeutet diese Auffassung nichts anderes als das offene Eingeständnis, baß unsere gesamte Export- i n d u st r i e vernichtet ist, wenn die R o h st os f e, Ar- b e i t s l ö h n e und übrigen G e st e h u n g s k o st e n aus den Stand der Weltmarktpreise kommen. Wir wissen, daß es sich nicht so leicht„katastrophiert", wie das in den Kundgebungen der Interessenten immer zu lesen ist. Gleichwohl werden finanzielle Zusammenbrüche und damit schwere Störungen der gesamten Wirtschaft in einer Zeit größten Warenbedarfes nicht zu ver- meiden sein, wenn die Entwicklung einen solchen Verlauf nimmt. Diese aber vor allem die Zeit hindurch zu vermeiden, wo die Valuta so sehr schwankt, das heißt: die Preisbewegung im Jnlande nach Möglichkeit aufzuhalten— das muß das Ziel einer fach- gemäßen Wirtschaftspolitik sein. Nur sollte man es doch auch ruhig aussprechen, daß die ver- lästerte„K o n s u m e n t e n p o Ii t i k" in Wahrheit die heut« einzig mögliche P r o d u z e u t e n p o l i t i k ist. Ein SckbstderwaltungSkörPer für Teerwirtschast. Die ungeheuerlichen Mißslände, die sich seit Aufhebung der Zwangswirtschaft für Teer herausgebildet haben, haben das Reichswirtschaftsministerium bewogen, auch für die Teerwirtschaft eine gemeinwirtschaftliche Regelung vorzuschlagen. Ein entsprechen- der Entwurf wurde am Mittwoch im Wirlschaftsrat behandelt. Obwohl die Teerproduklion in den letzten Jahren erschreckend zurückging, wurde der wertvolle Rohtcer verfeuert, während es au Treiböl und an Brikettpcch fehlte. Die Preistreiberei, die dabei für alle Teer- Produkte einsetzte, zeitigle die tollsten Blüten. So kostele R o h t e e r im Januar 1920 bei der Wirtschaftlichen Vereinigung der Gaswerke 20 Mk., im freien Handel über 210 Mk. Treiböl stieg bei den Herstellern von Januar 1919 bis April 1920 von 10 a u f 2 1 0 M k.. bei den Händlern sogar von 15 auf mehr als 800 Mk. Pech und destillierter Teer, der im Januar 1920 bei den Erzeugern 55 Mk. kostete, stellte sich bei den Händlern auf 265 Mk. und darüber und wird beute mit mehr als 900 Mk. be- zahlt. Diese geradezu unglaublichen Zustände, die jeder Verfeckler der fteien Wirtschaft sich merken mag. sollen nun durch Gründung eine« Selb st Verwaltungskörpers beseitigt werden, der bestimmte Richtlinien für die Verteilung durch Gesetz erhält und der den Zwischenhandel nach Möglichkeit ausschaltet. Damir werden viele Händlerexistenzen, die ihr Geschäft erst im Krieg oder nach der Revolution gelernt haben, unmöglich. Der Selbstverwqltungs- köiper wird auch einen Lieferungsverband bilden für diejenigen Teerprodukte, die nach dem Friedensvertrag abzuliefern sind. Günstiger Saatcnstand. Die Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrates teilt mit: Die außergewöhnlich warme Witte-" rung des März hat in weiten Teilen Deutschlands auch im April angehalten und wie in einem Treibhause die Frühjabrsvegetation vorwärts gebrocht. Sie hat dazu beigetragen, daß die rück? ständigen Ackerarbeiten vom Herbst größtenteils>. Ende geführt und die Schäden, welche der frühe Eintritt dd» Frostes im Herbst den Wintersaaten zugefügt hatte, mehr oder weniger ausheilen konnten. Ter Stand der Wintersaaten kann heute in den meisten Gegenden als befriedigend ange- sehen werden Doch ist dies beim Roggen noch häufig zweifelhaft. Er zeigt noch hin und wieder Spuren seines im Winter zurück- gebliebenen Wachstums. Auch die Bestellung der Sommer- s a a t e n ist infolge der warmen Witterung beschleunigt wor- den. Futterpflanzen, Wiesen, Werden und Klee haben sich erholt. Die Anbaufläche von Kartoffeln dürfte nach dem vor- liegenden Bericht größer als im Vorjahr« sein. Zusammenschluß im Torfhaudcl. Der ReichSvi.-band Deutscher Breuntoribändler E. V. und der Zentralverband de» Koblenbändler Deutschlands E, V. haben beschlossen, zur Wahrung der nemein» l'amen Interessen sich als Reichsverband Deutscher Brenntorshänöler E. B-, Fachgruppe des ZsntralverbandcS der Kohlenhändler Deutsch- lands, zusammenzuschließen. Soziales. Abänderung des Gcwerbegerichtsgesetzcs und des Gesetzes, betreffend Kiinfmannsgerichte. Der im ReichSarbcitSministerium ausgearbeitete Entwurf einer Verordnung zur Abänderung des GewerbegcrichtsgesetzeS und deS KaufmannsgerichtsgesetzcS ist nunniebr dem R-ichsrat zugegangen. Er bezweckt in erster Reihe, die Möglichkeit von Neuwahlen zu den Beisitzerstellcn der Gewerbegerichte, der Kaufmannsgerichte und der Jnnungsschiedsgerichte zu eröffnen. Zu diesem Zweck will der Entwurf die während des Kriege« angeordnete Verlängerung der Amtsdauer der Beisitzer mit dem 10. Juli 1920 zum Ablauf bringen. Gleichzeitig wird in dem Entwurf die Abänderung ver« schiedener Bestimmungen der geuannten Gesetze vorgeschlagen, die den so völlig veränderten Verhältnissen nicht mehr entsprechen. Zunächst soll die Höchstgrenze deS JahresarbeitS» Verdienstes, die für die Abgrenzung des diesen Gesetzen unter- fallenden Personenkreiies maßgebend ist und im GcwerbegerichtS« gesetz 2000. im Kaufmannsgerichtsgesetz 6000 M. beträgt, gleichmäßig auf 15 000 M. erhöht werden. Weiter ist für beide Gesetze die Heraufsetz ung der Berusungs summe auf 1000 M. (vdn 100 M. im Gewerbegerichtsgesetz und von 300 M. im Kauf- mannSgerichtSgesetzs sowie die Herabsetzung de s Wählbar- eitsalterS von dreißig auf sünfundzwanzig und des Wahlberechtigungsalters von fünfundzwanzig auf zwanzig Jahre in Aussicht genommen- Die Frauen tollen das aktive Wahlrecht für die Beisitzerwahlen erhallen. Die Ver- hältniswahl der Beisitzer der Gewerbegerichte soll zwingend vorgeschrieben werden. Für die erstmaligen Wahlen nach Beendi- guug deS Kriegszustandes sollen die Bestimmungen außer Kraft gesetzt werden, wonach der Empfang und die Wiedererstattung von Armcnunterstützung auS öffentlichen Mitteln der Wählbarkeit zum Beisitzer entgegensteht und andererseits eine mindestens zweijährig» Dauer de« Wohnen«, der Handelsniederlaffuirg oder der Beschäftigung für die Wählbarkeit erfordert wird. Der Entwurf mußte sich daraus beschränken, au« der großen Zahl der Anrräge aus Abänderung deS Gewerbegericht-Zgesetze« und des KaufmannszerichtSgesetzeS diejenigen zu berücksichtigen, die mit dem Uebergang von der Kriegs- zur Friedenswirtschaft im Zusammenhang stehen, dagegen die Stellungnahme zu umstrittene» Fragen grundsätzlicher Art dem ArbeitSgerichrSgesetz vorbehalten, dessen Entwurf seiner Fertigstellung entgegengehl. Tie größte Konsumgenossenschaft Europas. Durch Verbindung der vier Arbeiterkonsumoereine Wien? die größte Konsumgenossenschaft entstanden. Auch der fünfte und letzte Wiener Verein dürfte sich ihnen anschließen. Die Vereinigung wird 400 000 Konsumenten, also ein Viertel der Bcvölke« rung Wiens, umfassen- Sie besitzt eine große Bäckerei, Selcherei, Molkerei und Kaffeerösterei. Der Jahresumsatz dieser Pereine ist seit 1913 von 27,5 aus 185,8 Millionen gestiegen, die Spareinlagen von 3.4 auf 7,7 Millionen, die Geschäftsanteile von 1,19 auf 2,5 Millionen. In den letzten Monaien war die Entwicklung noch viel stärker.___ WetterauSsichten für das mittlere Norddeutschland bis Mittwoch inittag. Ziemlich kühl, überwiegend trübe, östlich der Oder noch zahlreiche und vicljach starte, weiter westlich meist gcruigc Regcniälle Verantw. für den redaklion. Teil: Blwr Th. Glcitc, Berlin. Verla«: BorroSrle-Berla« W.. wärls-Buchdruckerei u. Verlaasan stall Paul Sinaer u.- Eo. Berlin. Lindenstr. S. Hier,« 1 Bctlagc- Zickler, Tharlottendura: für An,cl«en: crla« S- m. b. S>., Berlin. Druck: Bor» Wichtige Mitteilung für alle Kefer des � Alle Leser deS„Vorwärts" erhalten gegen Ein» sendung deS nebenstehenden Gutscheins ein Gratis- P-obeheft- des rühmlichst bekannten illustrierten WerleS .Welt und Wissen". Dasselbe bringt von ersten Schriftstellern gemeinverständliche Abhandlungen aus allen Wissensgebieten zum Beispiet: Der Mensch to der Pfablbauzeit.— Wenn die Erde erzittert. — Wie erhalte ich mich geiund?— Der Wille und dessen Gymnastik.— Das Leben unter Wasser. � Fernphotograpbie.— Liebe und Ehe bei den Natur» Völkern.— Der Mensch und die Geisterwelr. Flüssige Luft.— Einfluß der Lebensweise auf daS Menichenalter.— Verschwundene Städte in der Sahara. — Eine Fahrt im Unterseeboot usw. Uorwärts" Außerdem erhält jeder Bezieher nach Zahlung deS Werke« Bände au« der großen illustr. Hausbibliothek gratis Verlangen Sie sofort durch nebenstehenden Gutschein ein Probeheft gratis. Gutschein „Vorwärts" für ein Gratjsp robeheft. 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